The Spirit World's Impact on the Physical World
The Influence of the Dead on the World of the Living
GA 150
23 December 1913, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Die Welt des Geistes und ihr Hereinragen in das physische Dasein
8. Kindeskraft und Ewigkeitskraft
8. Kindeskraft und Ewigkeitskraft
[ 1 ] Eine Weihnachtsgabe
[ 1 ] Eine Weihnachtsgabe
[ 2 ] Leicht könnte es scheinen, als ob jene einfache, liebe Freude, die sich durch lange Zeiten hindurch in Hunderten und aber Hunderten von Herzen ausgesprochen hat, wenn an diesen Herzen ein solches Spiel von dem göttlichen Kinde und seinem Schicksale auf Erden vorbeizog, leicht könnte es scheinen, als ob diese einfache, liebe Freude beeinträchtigtwürde durch unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung, durch die scheinbar so komplizierten, so vieles herbeiholenden Erkenntnisse von dem Christus Jesus, zu denen wir innerhalb unserer Weltanschauung aufstreben müssen. Es wird ganz gewiß jedes Herz, jedes Gemüt freudig ergriffen, wenn es an einem solchen Spiele wieder gewahr werden kann, wie von den Städten bis hinaus in die einsamsten Einöden durch die Jahrhunderte hindurch in dieser Weihnachtszeit die Herzen der Menschen, sowohl derjenigen Menschen, die durch ein gewisses Geistesleben hindurchgegangen sind, wie auch derjenigen Menschen, die in der Einfachheit des Landlebens geblieben sind, wie alle diese Herzen sich hingedrängt fühlten zu dem göttlichen Kinde, in dem sie die Kräfte wahrnahmen, die einst in das Menschheitswerden eingezogen sind und dieses Menschheitswerden errettet haben von dem geistigen Tode, dem man es sonst vermöge der ewigen Weltengesetze verfallen glaubte. Jedes Herz, jedes Gemüt muß ergriffen werden, wenn es wieder sieht, wie dieses göttliche Kind verehrt worden ist.
[ 2 ] Leicht könnte es scheinen, als ob jene einfache, liebe Freude, die sich durch lange Zeiten hindurch in Hunderten und aber Hunderten von Herzen ausgesprochen hat, wenn an diesen Herzen ein solches Spiel von dem göttlichen Kinde und seinem Schicksale auf Erden vorbeizog, leicht könnte es scheinen, als ob diese einfache, liebe Freude beeinträchtigtwürde durch unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung, durch die scheinbar so komplizierten, so vieles herbeiholenden Erkenntnisse von dem Christus Jesus, zu denen wir innerhalb unserer Weltanschauung aufstreben müssen. Es wird ganz gewiß jedes Herz, jedes Gemüt freudig ergriffen, wenn es an einem solchen Spiele wieder gewahr werden kann, wie von den Städten bis hinaus in die einsamsten Einöden durch die Jahrhunderte hindurch in dieser Weihnachtszeit die Herzen der Menschen, sowohl derjenigen Menschen, die durch ein gewisses Geistesleben hindurchgegangen sind, wie auch derjenigen Menschen, die in der Einfachheit des Landlebens geblieben sind, wie alle diese Herzen sich hingedrängt fühlten zu dem göttlichen Kinde, in dem sie die Kräfte wahrnahmen, die einst in das Menschheitswerden eingezogen sind und dieses Menschheitswerden errettet haben von dem geistigen Tode, dem man es sonst vermöge der ewigen Weltengesetze verfallen glaubte. Jedes Herz, jedes Gemüt muß ergriffen werden, wenn es wieder sieht, wie dieses göttliche Kind verehrt worden ist.
[ 3 ] Und doch, es ist nur scheinbar, wenn man glauben wollte, daß durch unsere komplizierter werdende Erkenntnis des Wunders von Bethlehem irgendwie diese unmittelbare Wärme, dieses elementarische Gefühl beeinträchtigt werden könnte. Es ist, sage ich, nur dem Scheine nach die Verhältnisse angeschaut, wenn man so denken kann. Denn wir stehen doch heute einer anderen Welt gegenüber, und werden immer mehr und mehr einer anderen Welt gegenüberstehen als diejenigen Jahrhunderte, die nicht in einer solchen Erinnerung, wie wir es tun, sondern in unmittelbarem Leben in dieser Weihnachtszeit solche Spiele an sich haben vorübergehen sehen. Unsere komplizierte Zeit, die so viele Blicke in das naturwissenschaftliche Denken und Vorstellen getan hat, braucht einen anderen Impuls der Seele, um wieder zu dem göttlichen Kinde aufblicken zu können, das den größten Impuls in das Menschheitswerden hineingetragen hat. Nur scheinbar komplizierter ist unsere Anschauung, die da spricht von den beiden Jesusknaben, von dem salomonischen und dem nathanischen Jesusknaben. Denn wir sehen in dem nathanischen Jesusknaben gewissermaßen das Kind der ganzen Menschheit, jenes Menschheitswesen, das, als die andere Menschheit ihren Erdenweg antrat, zurückgeblieben ist, zurückgeblieben in geistigen Welten, bevor der Versucher, das luziferische Prinzip, an die Menschheit herangetreten ist. Wir sehen, daß es gleichsam auf der Menschen-Kindheitsstufe bewahrt geblieben ist und als der Menschheit geistiger Kindheitsimpuls im Geisterlande zurückbehalten wurde, bis «die Zeit erfüllet war», das als ein Ausnahmemensch geboren worden ist in dem nathanischen Jesusknaben und als ein Menschen-Ich erschien, das nicht durch die Erdeninkarnationen vorher durchgegangen ist, sondern das zum ersten Male in einer irdischen Verkörperung erschien und das schon gleich nach der Geburt seine Mutter anredete in einer nur ihr verständlichen Spräche, einer Sprache, die wie aus Himmelshöhen herunterklang. Und immer mehr wird man sich davon überzeugen, daß man dem andersartigen Menschheitsverstehen unserer Zeit gegenüber brauchen wird den Aufblick zu dem göttlichen Kinde, das wir im nathanischen Jesusknaben verehren, das zurückgeblieben ist auf der Kindheitsstufe der Menschheit im Geisterlande, das geboren worden ist mit jenen Menschheitsqualitäten, mit jenen Ureigenschaften, welche die Menschen alle gehabt hätten, wenn sie nicht durch die luziferische Versuchung in das Erdenwerden eingetreten wären. Mit all diesen Eigenschaften, die der Menschheit vor der luziferischen Versuchung ureigen waren, trat der nathanische Jesusknabe in die Menschheit ein.
[ 3 ] Und doch, es ist nur scheinbar, wenn man glauben wollte, daß durch unsere komplizierter werdende Erkenntnis des Wunders von Bethlehem irgendwie diese unmittelbare Wärme, dieses elementarische Gefühl beeinträchtigt werden könnte. Es ist, sage ich, nur dem Scheine nach die Verhältnisse angeschaut, wenn man so denken kann. Denn wir stehen doch heute einer anderen Welt gegenüber, und werden immer mehr und mehr einer anderen Welt gegenüberstehen als diejenigen Jahrhunderte, die nicht in einer solchen Erinnerung, wie wir es tun, sondern in unmittelbarem Leben in dieser Weihnachtszeit solche Spiele an sich haben vorübergehen sehen. Unsere komplizierte Zeit, die so viele Blicke in das naturwissenschaftliche Denken und Vorstellen getan hat, braucht einen anderen Impuls der Seele, um wieder zu dem göttlichen Kinde aufblicken zu können, das den größten Impuls in das Menschheitswerden hineingetragen hat. Nur scheinbar komplizierter ist unsere Anschauung, die da spricht von den beiden Jesusknaben, von dem salomonischen und dem nathanischen Jesusknaben. Denn wir sehen in dem nathanischen Jesusknaben gewissermaßen das Kind der ganzen Menschheit, jenes Menschheitswesen, das, als die andere Menschheit ihren Erdenweg antrat, zurückgeblieben ist, zurückgeblieben in geistigen Welten, bevor der Versucher, das luziferische Prinzip, an die Menschheit herangetreten ist. Wir sehen, daß es gleichsam auf der Menschen-Kindheitsstufe bewahrt geblieben ist und als der Menschheit geistiger Kindheitsimpuls im Geisterlande zurückbehalten wurde, bis «die Zeit erfüllet war», das als ein Ausnahmemensch geboren worden ist in dem nathanischen Jesusknaben und als ein Menschen-Ich erschien, das nicht durch die Erdeninkarnationen vorher durchgegangen ist, sondern das zum ersten Male in einer irdischen Verkörperung erschien und das schon gleich nach der Geburt seine Mutter anredete in einer nur ihr verständlichen Spräche, einer Sprache, die wie aus Himmelshöhen herunterklang. Und immer mehr wird man sich davon überzeugen, daß man dem andersartigen Menschheitsverstehen unserer Zeit gegenüber brauchen wird den Aufblick zu dem göttlichen Kinde, das wir im nathanischen Jesusknaben verehren, das zurückgeblieben ist auf der Kindheitsstufe der Menschheit im Geisterlande, das geboren worden ist mit jenen Menschheitsqualitäten, mit jenen Ureigenschaften, welche die Menschen alle gehabt hätten, wenn sie nicht durch die luziferische Versuchung in das Erdenwerden eingetreten wären. Mit all diesen Eigenschaften, die der Menschheit vor der luziferischen Versuchung ureigen waren, trat der nathanische Jesusknabe in die Menschheit ein.
[ 4 ] Wir müssen dies heute wissen, müssen wissen, daß wir die Kindheit der ganzen Menschheit in diesem Jesusknaben haben, damit wir aus dem Tiefsten unserer Seele heraus dasselbe fühlen können, was die einfachen Menschen früher fühlten — aber eben nur fühlten, was wir wissen können, wenn wir die Geisteswege weitergehen wollen -, wenn sie der Glorifizierung des göttlichen Kindes bei solchen Spielen gegenüberstanden. Was am meisten zu unserer Seele spricht bei einem solchen Spiele, wie es uns entgegengetreten ist, das ist gerade des Kindes tiefste Unschuld, der Menschheit eigene göttliche Kindesunschuld gegenüber dem, was der Versucher in der Gestalt Luzifers oder des späteren Ahriman, den man ja als den mittelalterlichen «Teufel» anzusehen hat, aus der Menschheit gemacht hat. Tief ergreifend ist dieser Kontrast zwischen dem vom Teufel verführten und vom Teufel geholten Herodes aus unserem Spiel und dem des Menschen Unschuldsprinzip, des Menschen heiliges Prinzip wahrenden und zum ewigen Leben führenden Kinde der Menschheit.
[ 4 ] Wir müssen dies heute wissen, müssen wissen, daß wir die Kindheit der ganzen Menschheit in diesem Jesusknaben haben, damit wir aus dem Tiefsten unserer Seele heraus dasselbe fühlen können, was die einfachen Menschen früher fühlten — aber eben nur fühlten, was wir wissen können, wenn wir die Geisteswege weitergehen wollen -, wenn sie der Glorifizierung des göttlichen Kindes bei solchen Spielen gegenüberstanden. Was am meisten zu unserer Seele spricht bei einem solchen Spiele, wie es uns entgegengetreten ist, das ist gerade des Kindes tiefste Unschuld, der Menschheit eigene göttliche Kindesunschuld gegenüber dem, was der Versucher in der Gestalt Luzifers oder des späteren Ahriman, den man ja als den mittelalterlichen «Teufel» anzusehen hat, aus der Menschheit gemacht hat. Tief ergreifend ist dieser Kontrast zwischen dem vom Teufel verführten und vom Teufel geholten Herodes aus unserem Spiel und dem des Menschen Unschuldsprinzip, des Menschen heiliges Prinzip wahrenden und zum ewigen Leben führenden Kinde der Menschheit.
[ 5 ] Solche Vorstellungen, wie sie in einem solchen Spiele leben, sie waren wahrhaftig nicht hervorgegangen aus oberflächlichem Fühlen. Sie waren hervorgegangen aus dem erahnenden Erkennen der tiefsten Weltengeheimnisse, die man durch das Mittelalter hindurch von den Städten bis hinaus in die Einöden der Gebirge und Länder, wenn auch nur erahnend, aber doch erkannte. Nur anders wandten sich die Menschenseelen hin zu jenen Geheimnissen, als wie wir sie wieder ergründen müssen.
[ 5 ] Solche Vorstellungen, wie sie in einem solchen Spiele leben, sie waren wahrhaftig nicht hervorgegangen aus oberflächlichem Fühlen. Sie waren hervorgegangen aus dem erahnenden Erkennen der tiefsten Weltengeheimnisse, die man durch das Mittelalter hindurch von den Städten bis hinaus in die Einöden der Gebirge und Länder, wenn auch nur erahnend, aber doch erkannte. Nur anders wandten sich die Menschenseelen hin zu jenen Geheimnissen, als wie wir sie wieder ergründen müssen.
[ 6 ] Und leicht wird einem der Seelenblick von einem solchen Spiele zu Darstellungen hingewendet, in welchen, man möchte sagen, mit allen Mitteln höchster Kunst, wie sie im 13., 14. Jahrhundert aus der Fülle des christlichen Fühlens entstanden sind, dargestellt wurde das ganze Geheimnis des Menschheitswerdens über die Erde hin und das Verhältnis der Menschenseele zu dem, was als ewiges Göttliches in dem Menschenwesen lebt. So möchte ich denn heute an diesem Tage, wo wir in unserer Art die heilige Weihenacht feiern wollen, den Blick von diesen Spielen zu einer großartigen Darstellung hinwenden, an der wir gewissermaßen die Urgründe zu bewundern vermögen, die von dem höchsten Empfinden und von dem, man möchte sagen, für das Mittelalter «wissenschaftlich-künstlerischen Erkennen» aus, zu solchen einfachen Spielen führen. Hinlenken möchte ich den Blick zu einer solchen höchsten künstlerischen Darstellung, die gleichsam die Urgründe enthält von dem, was dann in solchen einfachen Spielen liegt.
[ 6 ] Und leicht wird einem der Seelenblick von einem solchen Spiele zu Darstellungen hingewendet, in welchen, man möchte sagen, mit allen Mitteln höchster Kunst, wie sie im 13., 14. Jahrhundert aus der Fülle des christlichen Fühlens entstanden sind, dargestellt wurde das ganze Geheimnis des Menschheitswerdens über die Erde hin und das Verhältnis der Menschenseele zu dem, was als ewiges Göttliches in dem Menschenwesen lebt. So möchte ich denn heute an diesem Tage, wo wir in unserer Art die heilige Weihenacht feiern wollen, den Blick von diesen Spielen zu einer großartigen Darstellung hinwenden, an der wir gewissermaßen die Urgründe zu bewundern vermögen, die von dem höchsten Empfinden und von dem, man möchte sagen, für das Mittelalter «wissenschaftlich-künstlerischen Erkennen» aus, zu solchen einfachen Spielen führen. Hinlenken möchte ich den Blick zu einer solchen höchsten künstlerischen Darstellung, die gleichsam die Urgründe enthält von dem, was dann in solchen einfachen Spielen liegt.
[ 7 ] In Pisa, der westitalienischen Stadt, ist der berühmte Dom, in dem Galilei, wie wir es öfter erwähnt haben, jene schwingende Kirchenlampe beobachtete, an der er durch seine Genialität die Gesetze entdeckt hat, ohne welche heute die moderne Physik nicht zu denken wäre. An diese Kirche anstoßend finden wir den berühmten Gottesacker, den Camposanto, eingeschlossen von hohen Wänden, an denen die mittelalterliche Kunst verkörpert hat, was gedacht wurde über die göttlichen Geheimnisse und den Zusammenhang des Menschen mit diesen göttlichen Geheimnissen, mit dem im Menschenwesen gedachten urewigen seelischen Prinzip. Manche von diesen mittelalterlichen Geheimnissen sind malerisch dargestellt an den Wänden des Camposanto von Pisa. Bedeckt wurde ja dieser Gottesacker mit Erde, welche die Kreuzfahrer vom Grabe Jesu Christi mitgebracht haben. Und wer heute noch diesen Gottesacker besucht und eine Handvoll Erde aufhebt, kann das Gefühl bekommen, daß unter dieser Erde etwas ist von dem, was einst die Kreuzfahrer aus Palästina mitbrachten, um es auf diesem Gottesacker auszubreiten, der als besonders heilig gelten sollte.
[ 7 ] In Pisa, der westitalienischen Stadt, ist der berühmte Dom, in dem Galilei, wie wir es öfter erwähnt haben, jene schwingende Kirchenlampe beobachtete, an der er durch seine Genialität die Gesetze entdeckt hat, ohne welche heute die moderne Physik nicht zu denken wäre. An diese Kirche anstoßend finden wir den berühmten Gottesacker, den Camposanto, eingeschlossen von hohen Wänden, an denen die mittelalterliche Kunst verkörpert hat, was gedacht wurde über die göttlichen Geheimnisse und den Zusammenhang des Menschen mit diesen göttlichen Geheimnissen, mit dem im Menschenwesen gedachten urewigen seelischen Prinzip. Manche von diesen mittelalterlichen Geheimnissen sind malerisch dargestellt an den Wänden des Camposanto von Pisa. Bedeckt wurde ja dieser Gottesacker mit Erde, welche die Kreuzfahrer vom Grabe Jesu Christi mitgebracht haben. Und wer heute noch diesen Gottesacker besucht und eine Handvoll Erde aufhebt, kann das Gefühl bekommen, daß unter dieser Erde etwas ist von dem, was einst die Kreuzfahrer aus Palästina mitbrachten, um es auf diesem Gottesacker auszubreiten, der als besonders heilig gelten sollte.
[ 8 ] Unter den Malereien an den Wänden des Camposanto ist ein Gemälde, «Der Triumph des Todes». So wird es aber erst seit dem Jahre 1705 genannt. Vorher hieß es bei allen, die es besahen und kannten und davon sprachen, das «Fegefeuer», «Purgatorium». Und ganz gewiß waren an den Wänden des Camposanto auch ein «Himmel» und eine «Hölle». Dieses Purgatorium enthält nun aber am tiefsten ausgesprochen die Art, wie sich die mittelalterliche Seele zu dem Geheimnis der Menschenseele und ihrem Zusammenhange mit dem Urewigen im Menschenwesen stellte. Heute istja manches von diesem Bilde schon korrumpiert. Aber man kann durch das Korrumpierte noch auf das hindurchsehen, was der heute für die Geschichte unbekannte Maler auf die Wand hat hinzaubern wollen von den großen Geheimnissen des Menschenwerdens.
[ 8 ] Unter den Malereien an den Wänden des Camposanto ist ein Gemälde, «Der Triumph des Todes». So wird es aber erst seit dem Jahre 1705 genannt. Vorher hieß es bei allen, die es besahen und kannten und davon sprachen, das «Fegefeuer», «Purgatorium». Und ganz gewiß waren an den Wänden des Camposanto auch ein «Himmel» und eine «Hölle». Dieses Purgatorium enthält nun aber am tiefsten ausgesprochen die Art, wie sich die mittelalterliche Seele zu dem Geheimnis der Menschenseele und ihrem Zusammenhange mit dem Urewigen im Menschenwesen stellte. Heute istja manches von diesem Bilde schon korrumpiert. Aber man kann durch das Korrumpierte noch auf das hindurchsehen, was der heute für die Geschichte unbekannte Maler auf die Wand hat hinzaubern wollen von den großen Geheimnissen des Menschenwerdens.
[ 9 ] Da sehen wir zunächst, wie aus einer Erdhöhlung eines Berges herauskommend und mächtig sich entwickelnd, einen Zug von Königen und Königinnen, voller Selbstbewußtsein und Hochmut und erfüllt von dem Gefühl: Wir wissen, was man ist auf der Erde, wenn man einem solchen Stande angehört! — Aus der Höhlung eines Berges kommt der Zug heraus, und er trifft, indem er aus der Höhle heraustritt, auf drei von einem Einsiedler bewachte Särge. Plötzlich also steht diese Jagdgesellschaft vor diesen drei Särgen. Charakteristisch unterschieden ist das, was in diesen Särgen sich findet: In dem einen ein Skelett, in dem zweiten ein Leichnam, der schon soweit in Verwesung übergegangen ist, daß die Würmer an ihm nagen, und in dem dritten ein kürzlich erst Verstorbener, der eben erst in Verwesung übergegangen ist. Halt macht der Zug vor diesen drei Särgen. Ein Einsiedler sitzt vor diesen Särgen, gleichsam durch seine Gebärde andeutend: Haltet ein! Schaut, was ihr als Menschen wirklich seid an diesem Memento mori. — Weiter oben, über dem Berge, auf einer zweiten hinaufsteigenden Anhöhe, sehen wir drei Eremiten sitzen, solche, die Nahrung herbeischaffen, solche aber auch, die tief über ihre Bücher gebeugt den Geheimnissen des Menschenwerdens nachsinnen, das Ganze so angeordnet, daß der eine Berg gleichsam oben die Decke bildet. Dort, wo der Jagdzug auf die Särge auftrifft, sitzen oben die drei Einsiedler, die den Frieden darstellen und die vermögend sind, in das Innere der Menschenseele einzugehen, um den Zusammenhang dieser Menschenseele mit den Gefilden des Ewigen zu finden. Und wenn wir weiter hinschauen, sehen wir allerlei durcheinandergeworfene bresthafte Menschen unmittelbar sich anschließen an den Jagdzug, der vor dem Memento mori steht. Weiter sehen wir Leute, die den Tönen einer Harfe lauschen, hinter der Harfe steht eine Gestalt, die den Finger an den Mund hält. Über dem ganzen sehen wir sich ausbreiten lauter engelartige Wesen auf der einen Seite, teufelartige Wesen in abscheulichen Bildern — der Maler hat seine ganze Phantasie angewendet, um die Teufel auszuprägen — auf der anderen Seite. So daß ganz rechts auf dem Bilde die Engel zu sehen sind, die sich herniederneigen zu den Menschen, die den Harfentönen lauschen. Zwischen diesen und dem Berge, aus dessen Krater Feuer herauskommt, sehen wir die Teufel sich entwickeln.
[ 9 ] Da sehen wir zunächst, wie aus einer Erdhöhlung eines Berges herauskommend und mächtig sich entwickelnd, einen Zug von Königen und Königinnen, voller Selbstbewußtsein und Hochmut und erfüllt von dem Gefühl: Wir wissen, was man ist auf der Erde, wenn man einem solchen Stande angehört! — Aus der Höhlung eines Berges kommt der Zug heraus, und er trifft, indem er aus der Höhle heraustritt, auf drei von einem Einsiedler bewachte Särge. Plötzlich also steht diese Jagdgesellschaft vor diesen drei Särgen. Charakteristisch unterschieden ist das, was in diesen Särgen sich findet: In dem einen ein Skelett, in dem zweiten ein Leichnam, der schon soweit in Verwesung übergegangen ist, daß die Würmer an ihm nagen, und in dem dritten ein kürzlich erst Verstorbener, der eben erst in Verwesung übergegangen ist. Halt macht der Zug vor diesen drei Särgen. Ein Einsiedler sitzt vor diesen Särgen, gleichsam durch seine Gebärde andeutend: Haltet ein! Schaut, was ihr als Menschen wirklich seid an diesem Memento mori. — Weiter oben, über dem Berge, auf einer zweiten hinaufsteigenden Anhöhe, sehen wir drei Eremiten sitzen, solche, die Nahrung herbeischaffen, solche aber auch, die tief über ihre Bücher gebeugt den Geheimnissen des Menschenwerdens nachsinnen, das Ganze so angeordnet, daß der eine Berg gleichsam oben die Decke bildet. Dort, wo der Jagdzug auf die Särge auftrifft, sitzen oben die drei Einsiedler, die den Frieden darstellen und die vermögend sind, in das Innere der Menschenseele einzugehen, um den Zusammenhang dieser Menschenseele mit den Gefilden des Ewigen zu finden. Und wenn wir weiter hinschauen, sehen wir allerlei durcheinandergeworfene bresthafte Menschen unmittelbar sich anschließen an den Jagdzug, der vor dem Memento mori steht. Weiter sehen wir Leute, die den Tönen einer Harfe lauschen, hinter der Harfe steht eine Gestalt, die den Finger an den Mund hält. Über dem ganzen sehen wir sich ausbreiten lauter engelartige Wesen auf der einen Seite, teufelartige Wesen in abscheulichen Bildern — der Maler hat seine ganze Phantasie angewendet, um die Teufel auszuprägen — auf der anderen Seite. So daß ganz rechts auf dem Bilde die Engel zu sehen sind, die sich herniederneigen zu den Menschen, die den Harfentönen lauschen. Zwischen diesen und dem Berge, aus dessen Krater Feuer herauskommt, sehen wir die Teufel sich entwickeln.
[ 10 ] Das alles aber ist für den, der die Sache betrachtet, eigentlich da, um den Blick auf etwas hinzulenken, was man vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung nicht bemerken möchte, was aber nach und nach zu einem Einblick in die tiefsten Menschengeheimnisse hinführt. Was soll denn eigentlich dargestellt werden? Oh, es ist charakteristisch für die Anschauung jener mittelalterlichen Wissenschaft, wenn wir sehen, wie der Jagdzug vor den drei Leichen hält: zunächst ein Skelett, dann die zweite, eine Leiche, schon von den Würmern zerfressen, dann die dritte, ein aufgedunsener Körper, einer, der erst kurz verstorben ist-, ein Motiv, wie wir es oft finden im Mittelalter. Wir verstehen es erst, wenn wir fragen: Warum kommen die Leute aus dem Berge heraus? Was sind die, welche dort in dem Jagdzuge sind? — und wenn wir wissen: Das sind keine Lebenden, das sind Verstorbene, die im Kamaloka sich befinden! — Solche Leiber habt ihr an euch - will das Bild sagen -: das Skelett als den physischen Leib, den von den Würmern angefressenen Leichnam als den Ätherleib, und den, der dem eben Verstorbenen angehört als den astralischen Leib. Erinnert euch, ihr Lebenden, was ihr schauen sollt von den Geheimnissen des Daseins nach dem Tode! So sehen wir in mittelalterlicher Weise ausgedrückt das Geheimnis von den drei menschlichen Hüllen.
[ 10 ] Das alles aber ist für den, der die Sache betrachtet, eigentlich da, um den Blick auf etwas hinzulenken, was man vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung nicht bemerken möchte, was aber nach und nach zu einem Einblick in die tiefsten Menschengeheimnisse hinführt. Was soll denn eigentlich dargestellt werden? Oh, es ist charakteristisch für die Anschauung jener mittelalterlichen Wissenschaft, wenn wir sehen, wie der Jagdzug vor den drei Leichen hält: zunächst ein Skelett, dann die zweite, eine Leiche, schon von den Würmern zerfressen, dann die dritte, ein aufgedunsener Körper, einer, der erst kurz verstorben ist-, ein Motiv, wie wir es oft finden im Mittelalter. Wir verstehen es erst, wenn wir fragen: Warum kommen die Leute aus dem Berge heraus? Was sind die, welche dort in dem Jagdzuge sind? — und wenn wir wissen: Das sind keine Lebenden, das sind Verstorbene, die im Kamaloka sich befinden! — Solche Leiber habt ihr an euch - will das Bild sagen -: das Skelett als den physischen Leib, den von den Würmern angefressenen Leichnam als den Ätherleib, und den, der dem eben Verstorbenen angehört als den astralischen Leib. Erinnert euch, ihr Lebenden, was ihr schauen sollt von den Geheimnissen des Daseins nach dem Tode! So sehen wir in mittelalterlicher Weise ausgedrückt das Geheimnis von den drei menschlichen Hüllen.
[ 11 ] Eigenartig, wunderbar möchte man sagen. Der Eremit, der unmittelbar vor den drei Särgen etwas erhöht sitzt, deutet uns durch die ganze Gebärde an, daß der Mensch wohl nötig hat in die Geheimnisse des Daseins einzudringen, um zu erkennen, wie er für sein vorübergehendes Dasein mit den urewigen Quellen verknüpft ist. Das Bild setzt sich dann so fort, daß sich über dem ganzen der Berg oben selber wölbt, und oben die Eremiten sitzen, in stiller Beschaulichkeit und in einem friedsamen Naturleben, indem sie uns gleichsam zeigen, wie man sich durch das In-sich-Gehen mit dem Inneren der Menschennatur verbinden kann.
[ 11 ] Eigenartig, wunderbar möchte man sagen. Der Eremit, der unmittelbar vor den drei Särgen etwas erhöht sitzt, deutet uns durch die ganze Gebärde an, daß der Mensch wohl nötig hat in die Geheimnisse des Daseins einzudringen, um zu erkennen, wie er für sein vorübergehendes Dasein mit den urewigen Quellen verknüpft ist. Das Bild setzt sich dann so fort, daß sich über dem ganzen der Berg oben selber wölbt, und oben die Eremiten sitzen, in stiller Beschaulichkeit und in einem friedsamen Naturleben, indem sie uns gleichsam zeigen, wie man sich durch das In-sich-Gehen mit dem Inneren der Menschennatur verbinden kann.
[ 12 ] Das wollte der Maler darstellen, und nicht einen «Triumph des Todes», wie man das Bild später genannt hat, als man seinen Sinn nicht mehr verstanden hat. An dem Bilde selbst können wir sehen, wie recht diejenigen hatten, welche von dem Purgatorium sprachen, das heißt von dem, was wir das Kamaloka nennen. Was der Maler beabsichtigte, war, daß er zeigen wollte, daß wir so, wie wir im Leben sind, nicht immer zu denen gehören, die die Bedeutung des Lebens nach dem Tode erkennen und sich in richtiger Weise zu dem Urewigen in der Menschennatur verhalten, wie der Maler uns dies an denen zeigt, die nicht mehr im Leben stehen, sondern im Leben nach dem Tode; denn wir haben es ja bei denen, die im Jagdzug sind, mit Menschen zu tun, die im Kamaloka sind, die bereits gestorben sind. Sie sehen, was nach dem Tode aus dem Leibe wird.
[ 12 ] Das wollte der Maler darstellen, und nicht einen «Triumph des Todes», wie man das Bild später genannt hat, als man seinen Sinn nicht mehr verstanden hat. An dem Bilde selbst können wir sehen, wie recht diejenigen hatten, welche von dem Purgatorium sprachen, das heißt von dem, was wir das Kamaloka nennen. Was der Maler beabsichtigte, war, daß er zeigen wollte, daß wir so, wie wir im Leben sind, nicht immer zu denen gehören, die die Bedeutung des Lebens nach dem Tode erkennen und sich in richtiger Weise zu dem Urewigen in der Menschennatur verhalten, wie der Maler uns dies an denen zeigt, die nicht mehr im Leben stehen, sondern im Leben nach dem Tode; denn wir haben es ja bei denen, die im Jagdzug sind, mit Menschen zu tun, die im Kamaloka sind, die bereits gestorben sind. Sie sehen, was nach dem Tode aus dem Leibe wird.
[ 13 ] Und wenn wir auf die Kranken, auf die bresthaften Menschen schauen, so sehen wir einerseits das, was das Leibliche ist, und anderseits sehen wir, wie die Teufel und die Engel mit den Menschenseelen abziehen. Und wir sehen das Tiefe, das da vor uns sich zeigt: Jeder Teufel hat in seinen Klauen eine Seele, die er wegführt, und jeder Engel führt unter seinen Flügeln eine Seele mit sich, aber verschieden sind diese Seelen. Und das ist es, worauf ich hinweisen möchte in dieser Weihnachtsstunde. Die Seelen, die von den mit Recht mißgestalteten, aber mit rechtem Verständnis gestalteten Teufeln geholt werden, das sind Seelen, die die Gestalt älter gewordener Menschen haben. Und die, welche von den Engeln geholt werden zu den Seligkeiten der Himmel, das sind Seelen, die vom Maler als Kinder gestaltet wurden. Darin spüren wir die Anschauung, die durch das ganze Mittelalter geht: daß etwas im Menschen durch das ganze Erdendasein hindurch kindlich bleiben muß, daß sich die Menschen etwas bewahren können, selbst wenn sie noch so alt und äußerlich greisenhaft werden, an Kindlichkeit, an Unschuld des Fühlens durch das ganze Leben hindurch; daß es dagegen Menschen gibt, die nicht nur äußerlich physisch, sondern auch seelisch alt werden dadurch, daß sie das Seelisch-Irdische annehmen. Denn nur auf Erden wird man alt. Die, welche alt werden, können es nur werden durch Schuld, durch das, was ablenkt von dem Urewig-Himmlischen. Daher schauen ihre Seelen aus wie alt gewordene Menschen, wogegen die Seelen derer, die verbunden bleiben mit dem, was den Zusammenhang bewahrt mit dem Urewigen in der geistigen Welt, die kindliche Gestalt behalten.
[ 13 ] Und wenn wir auf die Kranken, auf die bresthaften Menschen schauen, so sehen wir einerseits das, was das Leibliche ist, und anderseits sehen wir, wie die Teufel und die Engel mit den Menschenseelen abziehen. Und wir sehen das Tiefe, das da vor uns sich zeigt: Jeder Teufel hat in seinen Klauen eine Seele, die er wegführt, und jeder Engel führt unter seinen Flügeln eine Seele mit sich, aber verschieden sind diese Seelen. Und das ist es, worauf ich hinweisen möchte in dieser Weihnachtsstunde. Die Seelen, die von den mit Recht mißgestalteten, aber mit rechtem Verständnis gestalteten Teufeln geholt werden, das sind Seelen, die die Gestalt älter gewordener Menschen haben. Und die, welche von den Engeln geholt werden zu den Seligkeiten der Himmel, das sind Seelen, die vom Maler als Kinder gestaltet wurden. Darin spüren wir die Anschauung, die durch das ganze Mittelalter geht: daß etwas im Menschen durch das ganze Erdendasein hindurch kindlich bleiben muß, daß sich die Menschen etwas bewahren können, selbst wenn sie noch so alt und äußerlich greisenhaft werden, an Kindlichkeit, an Unschuld des Fühlens durch das ganze Leben hindurch; daß es dagegen Menschen gibt, die nicht nur äußerlich physisch, sondern auch seelisch alt werden dadurch, daß sie das Seelisch-Irdische annehmen. Denn nur auf Erden wird man alt. Die, welche alt werden, können es nur werden durch Schuld, durch das, was ablenkt von dem Urewig-Himmlischen. Daher schauen ihre Seelen aus wie alt gewordene Menschen, wogegen die Seelen derer, die verbunden bleiben mit dem, was den Zusammenhang bewahrt mit dem Urewigen in der geistigen Welt, die kindliche Gestalt behalten.
[ 14 ] Das ist es, was so ungeheuer groß, so gewaltig aus diesem Bilde des Camposanto in Pisa zu dem Beschauer spricht: daß es etwas in der Menschennatur gibt, was wir als solches anzusprechen haben als ausdrückend des Menschen Ewiges in den ersten drei Kindheitsjahren was ich darzustellen versuchte in dem kleinen Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» -, daß der Mensch in den ersten Kindheitsjahren in der Tat anders ist als später. Dieses in der Kindheit auftretende Verwachsensein mit den göttlich-geistigen Höhen, das empfand man im Mittelalter. Das drückte man selbst in einem so grandiosen Kunstwerke aus, wie auf diesem Bilde des Camposanto zu Pisa, dem vielleicht in dieser Beziehung in seiner Komposition interessantesten Bilde der früheren Zeit des Mittelalters, das als Bild so großartig war, daß es ja — was aber unmöglich ist, weil es in der Zeit nach Giotto gemalt worden ist — dem Giotto und manchem anderen großen Zeitgenossen zugeschrieben wurde. Wie der mittelaiterliche Mensch zu dem Kinde stand, das drückt am großartigsten dieses Bild aus. Dieses Empfinden, wir treffen es ja überall. Wir finden es so wunderbar in diesen einfachen Weihnachtskindspielen, wir finden es in der Tatsache, wie gerade die Legende von dem Jesuskinde in allen Herzen sich einbürgerte in unsäglicher Wärme, und wie gerade diese Kindeslegende den Menschen wissend machte, wie er mit dem Christus-Impuls verbunden ist. Die Menschen brauchten die Gewißheit, daß in dem Kinde hereingekommen ist das die Ewigkeit der Menschenseele rettende Prinzip. Wie der Mensch, der sich sein Ewiges bewahrt hat, auf dem Bilde des Malers als Menschenwesen in Kindesform von den Engeln in die Gefilde der Seligen geholt wird, so muß man sich auch vorstellen, daß in der Gestalt des unschuidigen Kindes hineinzog in die Welt dasjenige, wovon wir wissen, daß es sich dann in seinem dreißigsten Lebensjahre mit dem christlichen Gottesimpuls, mit dem christlichen Gotteswesen verbunden hat.
[ 14 ] Das ist es, was so ungeheuer groß, so gewaltig aus diesem Bilde des Camposanto in Pisa zu dem Beschauer spricht: daß es etwas in der Menschennatur gibt, was wir als solches anzusprechen haben als ausdrückend des Menschen Ewiges in den ersten drei Kindheitsjahren was ich darzustellen versuchte in dem kleinen Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» -, daß der Mensch in den ersten Kindheitsjahren in der Tat anders ist als später. Dieses in der Kindheit auftretende Verwachsensein mit den göttlich-geistigen Höhen, das empfand man im Mittelalter. Das drückte man selbst in einem so grandiosen Kunstwerke aus, wie auf diesem Bilde des Camposanto zu Pisa, dem vielleicht in dieser Beziehung in seiner Komposition interessantesten Bilde der früheren Zeit des Mittelalters, das als Bild so großartig war, daß es ja — was aber unmöglich ist, weil es in der Zeit nach Giotto gemalt worden ist — dem Giotto und manchem anderen großen Zeitgenossen zugeschrieben wurde. Wie der mittelaiterliche Mensch zu dem Kinde stand, das drückt am großartigsten dieses Bild aus. Dieses Empfinden, wir treffen es ja überall. Wir finden es so wunderbar in diesen einfachen Weihnachtskindspielen, wir finden es in der Tatsache, wie gerade die Legende von dem Jesuskinde in allen Herzen sich einbürgerte in unsäglicher Wärme, und wie gerade diese Kindeslegende den Menschen wissend machte, wie er mit dem Christus-Impuls verbunden ist. Die Menschen brauchten die Gewißheit, daß in dem Kinde hereingekommen ist das die Ewigkeit der Menschenseele rettende Prinzip. Wie der Mensch, der sich sein Ewiges bewahrt hat, auf dem Bilde des Malers als Menschenwesen in Kindesform von den Engeln in die Gefilde der Seligen geholt wird, so muß man sich auch vorstellen, daß in der Gestalt des unschuidigen Kindes hineinzog in die Welt dasjenige, wovon wir wissen, daß es sich dann in seinem dreißigsten Lebensjahre mit dem christlichen Gottesimpuls, mit dem christlichen Gotteswesen verbunden hat.
[ 15 ] So ist, möchte ich sagen, die Verbindung von den Höhen des geistigen Lebens im Mittelalter, wie sie sich uns in einem solchen Bilde im Camposanto zu Pisa darstellen, zu den einfachen Spielen, die allerdings in der Art, wie eines hier vorgeführt wurde, erst später entstanden sind, die aber alle die Impulse enthalten, welche das zum Ausdruck brachten, was wir im Ton und in der Art unserer Zeit wiederum suchen. So war es auch nicht «einfach» bloß — was man heute so gerne den Leuten vorschwatzen möchte -, wie die Seelen der Menschen in früheren Jahrhunderten zu dem Jesuskinde standen. Wie wir jetzt die Lehre von dem nathanischen Jesuskinde in uns aufzunehmen haben, das in seinem zwölften Lebensjahre das Ich des Zarathustra in sich aufnahm und in seinem dreißigsten Jahre die Christus-Wesenheit, wie wir das verstehen müssen, um uns zu vergegenwärtigen, was im Menschenwerden zu geschehen hatte, damit der Mensch das Ewige in seiner Wesenheit rettet, so brauchte der mittelalterliche Mensch alle jene Wissenschaft nicht, die in Begriffen und 'Theorien gegeben wird, sondern das, was an solchen grandiosen Anschauungen über das Wesen der Menschenseele gegeben wurde, wie sie in dem eben charakterisierten Bilde zum Ausdruck gebracht worden sind. Andere Zeiten fordern andere Arten der Darstellung der ewigen Geheimnisse, und die verschiedenen Zeiten haben ihre verschiedenen Arten der Darstellung der ewigen Geheimnisse gehabt. Immer und immer wieder ist es die Manifestation dessen, daß der Mensch eine große Hoffnung haben darf für seine Seele. In der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha war es die Hoffnung, daß da kommen werde, was im Menschen geistig dem entspricht, was die Sonne in unserem Planetensystem in physischer Beziehung ist. Was wir heute wissen können, man fühlte es tief zu allen Zeiten.
[ 15 ] So ist, möchte ich sagen, die Verbindung von den Höhen des geistigen Lebens im Mittelalter, wie sie sich uns in einem solchen Bilde im Camposanto zu Pisa darstellen, zu den einfachen Spielen, die allerdings in der Art, wie eines hier vorgeführt wurde, erst später entstanden sind, die aber alle die Impulse enthalten, welche das zum Ausdruck brachten, was wir im Ton und in der Art unserer Zeit wiederum suchen. So war es auch nicht «einfach» bloß — was man heute so gerne den Leuten vorschwatzen möchte -, wie die Seelen der Menschen in früheren Jahrhunderten zu dem Jesuskinde standen. Wie wir jetzt die Lehre von dem nathanischen Jesuskinde in uns aufzunehmen haben, das in seinem zwölften Lebensjahre das Ich des Zarathustra in sich aufnahm und in seinem dreißigsten Jahre die Christus-Wesenheit, wie wir das verstehen müssen, um uns zu vergegenwärtigen, was im Menschenwerden zu geschehen hatte, damit der Mensch das Ewige in seiner Wesenheit rettet, so brauchte der mittelalterliche Mensch alle jene Wissenschaft nicht, die in Begriffen und 'Theorien gegeben wird, sondern das, was an solchen grandiosen Anschauungen über das Wesen der Menschenseele gegeben wurde, wie sie in dem eben charakterisierten Bilde zum Ausdruck gebracht worden sind. Andere Zeiten fordern andere Arten der Darstellung der ewigen Geheimnisse, und die verschiedenen Zeiten haben ihre verschiedenen Arten der Darstellung der ewigen Geheimnisse gehabt. Immer und immer wieder ist es die Manifestation dessen, daß der Mensch eine große Hoffnung haben darf für seine Seele. In der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha war es die Hoffnung, daß da kommen werde, was im Menschen geistig dem entspricht, was die Sonne in unserem Planetensystem in physischer Beziehung ist. Was wir heute wissen können, man fühlte es tief zu allen Zeiten.
[ 16 ] Wir sehen im Frühling das Leben, die Pflanzen aus der Erde heraussprießen und -sprossen und sehen sie gegen den Sommer zu wachsen. Wir richten den Blick hinauf zur Sonne und wissen: Von der Sonne gehen sie aus, die Kräfte, welche die Erde befruchten, so daß sie aus sich herausholen kann das lebendige Leben der sprießenden und sprossenden Pflanzen und der anderen Wesen. Und neben dem, was sich so regelmäßig in heiliger Ordnung von Jahr zu Jahr vollzieht, sehen wir in das Regelmäßige des Sonnenganges, der zu seiner exakten Stunde jeden Ort mit der Segenskraft erfüllt, mit der er erfüllt werden muß, dasjenige sich hineinmischen, was sozusagen der Erdenatmosphäre selber angehört: die Stürme, die hinfegen über die Äcker, der Regen, der aus den Wolken strömt, der Nebel, der über die Erde sich breitet, sehen das, was nicht Regel und Ordnung hat. Wir sehen Regel und Ordnung vielleicht in dem, was für das Erdenleben von der Sonne ausgeht. Wir haben im Frühling und Sommer das Gefühl, wenn wir die Natur sinnig anschauen, daß die Sonne, sieghaft hineilend über die Erde, etwas vermag über das, was die Erde sozusagen auf ihrer Oberfläche an Wind und Wetter entstehen läßt. Wenn wir uns aber dem Herbste nahen, und der Winter herankommt, und die Kraft der Sonne ihre Stärke verliert und weniger in das Erdensein eingreift, dann wird uns in anderer Weise fühlbar das Wetterwendische der eigenen Erdenwirkungen. Und wer ein wenig sinnig dieses Abwechseln von Frühling und Sommer auf der einen Seite und Herbst und Winter auf der anderen Seite betrachtet, der kann sich sagen: Im Frühling siegt die Sonne mit ihrer heiligen Ordnung über das, was der Egoismus der Erde aus der Erdennatur hervorbringt an wetterwendischen Wirkungen. Im Winter aber ist die Zeit, in welcher die Erde dasjenige herausbildet, was in der egoistischen Atmosphäre ist, wo das, was in ihr ist, über das siegt, was vom Kosmos her segnend in die Erde hereinwirkt.
[ 16 ] Wir sehen im Frühling das Leben, die Pflanzen aus der Erde heraussprießen und -sprossen und sehen sie gegen den Sommer zu wachsen. Wir richten den Blick hinauf zur Sonne und wissen: Von der Sonne gehen sie aus, die Kräfte, welche die Erde befruchten, so daß sie aus sich herausholen kann das lebendige Leben der sprießenden und sprossenden Pflanzen und der anderen Wesen. Und neben dem, was sich so regelmäßig in heiliger Ordnung von Jahr zu Jahr vollzieht, sehen wir in das Regelmäßige des Sonnenganges, der zu seiner exakten Stunde jeden Ort mit der Segenskraft erfüllt, mit der er erfüllt werden muß, dasjenige sich hineinmischen, was sozusagen der Erdenatmosphäre selber angehört: die Stürme, die hinfegen über die Äcker, der Regen, der aus den Wolken strömt, der Nebel, der über die Erde sich breitet, sehen das, was nicht Regel und Ordnung hat. Wir sehen Regel und Ordnung vielleicht in dem, was für das Erdenleben von der Sonne ausgeht. Wir haben im Frühling und Sommer das Gefühl, wenn wir die Natur sinnig anschauen, daß die Sonne, sieghaft hineilend über die Erde, etwas vermag über das, was die Erde sozusagen auf ihrer Oberfläche an Wind und Wetter entstehen läßt. Wenn wir uns aber dem Herbste nahen, und der Winter herankommt, und die Kraft der Sonne ihre Stärke verliert und weniger in das Erdensein eingreift, dann wird uns in anderer Weise fühlbar das Wetterwendische der eigenen Erdenwirkungen. Und wer ein wenig sinnig dieses Abwechseln von Frühling und Sommer auf der einen Seite und Herbst und Winter auf der anderen Seite betrachtet, der kann sich sagen: Im Frühling siegt die Sonne mit ihrer heiligen Ordnung über das, was der Egoismus der Erde aus der Erdennatur hervorbringt an wetterwendischen Wirkungen. Im Winter aber ist die Zeit, in welcher die Erde dasjenige herausbildet, was in der egoistischen Atmosphäre ist, wo das, was in ihr ist, über das siegt, was vom Kosmos her segnend in die Erde hereinwirkt.
[ 17 ] Der Mensch, der sein Inneres in Denken, Fühlen und Wollen betrachtet, sieht, wie die Gefühlsimpulse, die Affekte, die Kräfte des Wollens vom Aufwachen bis zum Einschlafen regellos in ihm aufsteigen. Er kann fühlen, wie dieses Wetterwendische in seinem eigenen Inneren sich nur mit dem vergleichen läßt, was in der Atmosphäre der Erde ist. Und in der Tat, so, wie die Erdenatmosphäfre, ist das, was unser Denken, Fühlen und Wollen beherrscht. Unsere Seele hat dieselben Kräfte in sich, wenn auch nur embryonal, wie diejenigen, die draußen in Luft und Wetter und in den elementarischen Gewalten wirken. Sie beherrschen in uns als Kräfte Denken, Fühlen und Wollen. Draußen sind es elementarische Kräfte, dämonische Gewalten, die in Luft, Wasser und Feuer leben und in dem, was wir in Blitz und Donner, in den wetterwendischen Wirkungen unserer Atmosphäre um uns haben. Wir sind im Grunde genommen, wenn wir denken, fühlen und wollen, nur verwandt mit dem, was winterlich die Erde aus ihrem eigenen Egoismus entwickelt. Und das fühlte man zu allen Zeiten. Wenn der Winter herankam, der den Egoismus der Erde mit den Elementargewalten wirksamer werden ließ, die jetzt nicht der Sonne folgten, wie sie der herrschenden Sonne im Frühling und Sommer folgen, dann fühlte man, daß das alles verwandt ist mit des Menschen eigenem Inneren. O Winterzeit — so fühlte der Mensch, wenn er es auch nicht deutlich aussprach —, du bist verwandt mit meinem eigenen Inneren! - Wenn aber dann die Tiefe der Winternacht kam, wenn die Zeit der Wintersonnenwende kam, dann fühlte der Mensch an dem, wie die Sonne nun ihre Kräfte neu entwickelte, damit sie wachsen und immer mehr wachsen und kraften könne gegen den Frühling und Sommer hin, da fühlte der Mensch: Der Sonne Kraft siegt stets über den Egoismus der Erde. Und dann fühlte der Mensch in sich selber Mut und Hoffnung und konnte sich sagen: Wie in der physischen Welt immer die kosmische Sonne siegt über die terrestrischen Kräfte der Erde, wie immer der Sonnensieger in der dunklen Winternacht hereinbricht, wenn wir ihn nur fühlen, so muß in des Menschen Inneren auch ein Etwas sein, was in den Tiefen der Seele als geistige Sonne waltet, die da kommen wird und siegen wird — wie die Jahressonne siegt in der Wintersonnenwende -, die da kommen wird als Geistessonne in der großeri Wintersonnenwende! Erst hoffte man es, dann wußte man es, daß die Zeit der großen Wintersonnenwende hereingebrochen ist, als man verstehen lernte die Zeit des Mysteriums von Golgatha als das Aufgehen der Geistessonne im Menscheninneren.
[ 17 ] Der Mensch, der sein Inneres in Denken, Fühlen und Wollen betrachtet, sieht, wie die Gefühlsimpulse, die Affekte, die Kräfte des Wollens vom Aufwachen bis zum Einschlafen regellos in ihm aufsteigen. Er kann fühlen, wie dieses Wetterwendische in seinem eigenen Inneren sich nur mit dem vergleichen läßt, was in der Atmosphäre der Erde ist. Und in der Tat, so, wie die Erdenatmosphäfre, ist das, was unser Denken, Fühlen und Wollen beherrscht. Unsere Seele hat dieselben Kräfte in sich, wenn auch nur embryonal, wie diejenigen, die draußen in Luft und Wetter und in den elementarischen Gewalten wirken. Sie beherrschen in uns als Kräfte Denken, Fühlen und Wollen. Draußen sind es elementarische Kräfte, dämonische Gewalten, die in Luft, Wasser und Feuer leben und in dem, was wir in Blitz und Donner, in den wetterwendischen Wirkungen unserer Atmosphäre um uns haben. Wir sind im Grunde genommen, wenn wir denken, fühlen und wollen, nur verwandt mit dem, was winterlich die Erde aus ihrem eigenen Egoismus entwickelt. Und das fühlte man zu allen Zeiten. Wenn der Winter herankam, der den Egoismus der Erde mit den Elementargewalten wirksamer werden ließ, die jetzt nicht der Sonne folgten, wie sie der herrschenden Sonne im Frühling und Sommer folgen, dann fühlte man, daß das alles verwandt ist mit des Menschen eigenem Inneren. O Winterzeit — so fühlte der Mensch, wenn er es auch nicht deutlich aussprach —, du bist verwandt mit meinem eigenen Inneren! - Wenn aber dann die Tiefe der Winternacht kam, wenn die Zeit der Wintersonnenwende kam, dann fühlte der Mensch an dem, wie die Sonne nun ihre Kräfte neu entwickelte, damit sie wachsen und immer mehr wachsen und kraften könne gegen den Frühling und Sommer hin, da fühlte der Mensch: Der Sonne Kraft siegt stets über den Egoismus der Erde. Und dann fühlte der Mensch in sich selber Mut und Hoffnung und konnte sich sagen: Wie in der physischen Welt immer die kosmische Sonne siegt über die terrestrischen Kräfte der Erde, wie immer der Sonnensieger in der dunklen Winternacht hereinbricht, wenn wir ihn nur fühlen, so muß in des Menschen Inneren auch ein Etwas sein, was in den Tiefen der Seele als geistige Sonne waltet, die da kommen wird und siegen wird — wie die Jahressonne siegt in der Wintersonnenwende -, die da kommen wird als Geistessonne in der großeri Wintersonnenwende! Erst hoffte man es, dann wußte man es, daß die Zeit der großen Wintersonnenwende hereingebrochen ist, als man verstehen lernte die Zeit des Mysteriums von Golgatha als das Aufgehen der Geistessonne im Menscheninneren.
[ 18 ] Und jetzt blicken wir hin auf jene alten Zeiten in der Erdenentwickelung, als Erdenfrühling und Erdensommer war, bevor das Mysteriium von Golgatha gekommen war. Da hat der Mensch noch das Erbstück der alten Zeiten, das alte Hellsehen in sich getragen, das ihm das Schauen in der geistigen Welt möglich machte, wo das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der göttlich-geistigen Welt noch vorhanden war. Wir aber leben im Erdenwinter, das kann nicht in Abrede gestellt werden, in der Zeit, in welcher wirklich das eingetreten ist, daß wir nicht nur draußen immer mehr und mehr von den mechanischen Kräften umgeben sein werden, die in den Maschinen, in der Industrie, in den kommerziellen Verhältnissen des Erdenbetriebes wirksam sind, sondern wir leben auch so, daß wir nicht mehr, wie in der Zeit des Erdenfrühlings und des Erdensommers um uns haben die geistig-göttliche Welt. Aber was der Mensch als Symbolum empfand, den Sieg der Sonne zur Wintersonnenzeit als den Sieg der Geistessonne in den Tiefen der Menschenseele, das darf die heutige Menschheit empfinden gegenüber dem Mysterium von Golgatha und seiner Vorbereitung durch jene Geburt, die wir jedes Jahr erneuert feiern in der Weihnacht. Wie der Mensch niemals, wenn er gegen den Winter zu lebt, an der Macht der Sonne verzweifeln braucht, sondern wie er hoffen darf, daß die Freuden, die ihm der Herbst genommen hat, wiedererscheinen werden nach der Tiefe der Winternacht, so darf der Mensch auf das hinblicken, was sich im Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha vollzogen hat, und darf sich sagen: Wenn auch, wie die Winterstürme in der Winternacht, regellos walten möge im eigenen Inneren der Egoismus der menschlichen Winternacht, so kann doch niemals die Hoffnung schwinden, daß sich gegenüber dem, was sich als Wetterwendisches in unserer eigenen Seele kundgibt, geltend machen muß, was seit dem Mysterium von Golgatha verbunden ist mit allem menschlichen Erdenwallen: der Christus-Impuls, der durch den Leib des nathanischen Jesusknaben in die Erdenmenschheitsentwickelung hereinzog, der dadurch hereinziehen konnte, daß in dem nathanischen Jesus geboren wurde das Menschheitskind, das Kind mit jenen Eigenschaften, die der Menschenseele angehörten, als sie noch nicht durchgegangen war durch irdische Inkarnationen, denen noch nicht eingepflanzt war, was aus dem Eintreten in die Erdeninkarnationen kommt, das Kind, das noch die Eigenschaften der geistigen Höhen hatte, in denen es ewig sein darf.
[ 18 ] Und jetzt blicken wir hin auf jene alten Zeiten in der Erdenentwickelung, als Erdenfrühling und Erdensommer war, bevor das Mysteriium von Golgatha gekommen war. Da hat der Mensch noch das Erbstück der alten Zeiten, das alte Hellsehen in sich getragen, das ihm das Schauen in der geistigen Welt möglich machte, wo das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der göttlich-geistigen Welt noch vorhanden war. Wir aber leben im Erdenwinter, das kann nicht in Abrede gestellt werden, in der Zeit, in welcher wirklich das eingetreten ist, daß wir nicht nur draußen immer mehr und mehr von den mechanischen Kräften umgeben sein werden, die in den Maschinen, in der Industrie, in den kommerziellen Verhältnissen des Erdenbetriebes wirksam sind, sondern wir leben auch so, daß wir nicht mehr, wie in der Zeit des Erdenfrühlings und des Erdensommers um uns haben die geistig-göttliche Welt. Aber was der Mensch als Symbolum empfand, den Sieg der Sonne zur Wintersonnenzeit als den Sieg der Geistessonne in den Tiefen der Menschenseele, das darf die heutige Menschheit empfinden gegenüber dem Mysterium von Golgatha und seiner Vorbereitung durch jene Geburt, die wir jedes Jahr erneuert feiern in der Weihnacht. Wie der Mensch niemals, wenn er gegen den Winter zu lebt, an der Macht der Sonne verzweifeln braucht, sondern wie er hoffen darf, daß die Freuden, die ihm der Herbst genommen hat, wiedererscheinen werden nach der Tiefe der Winternacht, so darf der Mensch auf das hinblicken, was sich im Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha vollzogen hat, und darf sich sagen: Wenn auch, wie die Winterstürme in der Winternacht, regellos walten möge im eigenen Inneren der Egoismus der menschlichen Winternacht, so kann doch niemals die Hoffnung schwinden, daß sich gegenüber dem, was sich als Wetterwendisches in unserer eigenen Seele kundgibt, geltend machen muß, was seit dem Mysterium von Golgatha verbunden ist mit allem menschlichen Erdenwallen: der Christus-Impuls, der durch den Leib des nathanischen Jesusknaben in die Erdenmenschheitsentwickelung hereinzog, der dadurch hereinziehen konnte, daß in dem nathanischen Jesus geboren wurde das Menschheitskind, das Kind mit jenen Eigenschaften, die der Menschenseele angehörten, als sie noch nicht durchgegangen war durch irdische Inkarnationen, denen noch nicht eingepflanzt war, was aus dem Eintreten in die Erdeninkarnationen kommt, das Kind, das noch die Eigenschaften der geistigen Höhen hatte, in denen es ewig sein darf.
[ 19 ] Diese Vorstellungen wollte ich vor Sie hinstellen, damit wir aus ihnen entnehmen können, wie im Hinblick auf des Menschen Kindeskräfte, die zugleich seine Ewigkeitskräfte sind, die Menschen ein Höchstes empfinden können, was man immerzu empfunden hat und weiter empfinden soll beim Anblick des göttlichen Kindes in der Weihnacht. Und wenn auch unsere Erkenntnis eine andere werden muß, wenn auch an die Stelle dessen, was die mittelalterliche Vorstellung in dem Bilde sah, das ich andeutete, wir die anderen Vorstellungen gewinnen müssen — die Vorstellung der zwei Jesusknaben, das Herüberziehen der Wesenheit des einen in den anderen, das In-Besitznehmen des Körpers des nathanischen Jesusknaben durch die Christus-Wesenheit -, so bleibt doch das bestehen, daß wir mit unseren heiligsten Gefühlen und mit unseren stärksten Hoffnungen hinblicken können auf die Erkenntnis, die uns sagt: Seit dem Mysterium von Golgatha lebt in unserem Menschenwerden etwas, was in unsere Erdenaura hereingezogen ist, an das wir nur appellieren brauchen in unserer Festesfreudigkeit, als Hoffnung auf die Unzerstörbarkeit unseres Menschenwesens.
[ 19 ] Diese Vorstellungen wollte ich vor Sie hinstellen, damit wir aus ihnen entnehmen können, wie im Hinblick auf des Menschen Kindeskräfte, die zugleich seine Ewigkeitskräfte sind, die Menschen ein Höchstes empfinden können, was man immerzu empfunden hat und weiter empfinden soll beim Anblick des göttlichen Kindes in der Weihnacht. Und wenn auch unsere Erkenntnis eine andere werden muß, wenn auch an die Stelle dessen, was die mittelalterliche Vorstellung in dem Bilde sah, das ich andeutete, wir die anderen Vorstellungen gewinnen müssen — die Vorstellung der zwei Jesusknaben, das Herüberziehen der Wesenheit des einen in den anderen, das In-Besitznehmen des Körpers des nathanischen Jesusknaben durch die Christus-Wesenheit -, so bleibt doch das bestehen, daß wir mit unseren heiligsten Gefühlen und mit unseren stärksten Hoffnungen hinblicken können auf die Erkenntnis, die uns sagt: Seit dem Mysterium von Golgatha lebt in unserem Menschenwerden etwas, was in unsere Erdenaura hereingezogen ist, an das wir nur appellieren brauchen in unserer Festesfreudigkeit, als Hoffnung auf die Unzerstörbarkeit unseres Menschenwesens.
[ 20 ] Daran uns zu erinnern, ist uns ebenso notwendig, wie es den Menschen gewesen ist, die ihre Freude an den einfachen Spielen gehabt haben. Ja, wir dürfen noch anderes sagen: Wir haben nicht minder unsere Freude an den einfachen Spielen. Wir fühlen uns verbunden mit jenen Menschen, welche ihre Freude an diesen Spielen hatten, weil wir in unserer Art zu schätzen wissen, was den Menschen gegeben worden ist, indem das Menschheitskind in das Erdenwerden eingezogen ist, wie ihnen gegeben worden ist die stärkste Hoffnung, der stärkste Impuls, den der Mensch braucht, damit er im Erdenwinter, in der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha, sich aufrechterhalten kann an dem Anblick, daß, wie im physischen Kosmos die Sonne siegt über den Erdenegoismus, so in den Tiefen der Menschenseele immer mehr und mehr der Impuls leben wird, der ausgeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha als der geistige Sonnenimpuls der menschlichen Erdenentwickelung. Einstmals war das Ereignis da als ein historisches, durch das dieser Impuls in das Erdenleben eingezogen ist, aber aufwachen soll er immer wieder und wieder in der Erinnerung, wie es durch solche Feste geschehen kann. Denn wahr ist auf der einen Seite, daß einstmals das Christus-Wesen eingezogen ist in die Erdenaura durch das Mysterium von Golgatha, wahr ist auf der anderen Seite, was Angelus Silesias mit den schönen Worten gesagt hat:
[ 20 ] Daran uns zu erinnern, ist uns ebenso notwendig, wie es den Menschen gewesen ist, die ihre Freude an den einfachen Spielen gehabt haben. Ja, wir dürfen noch anderes sagen: Wir haben nicht minder unsere Freude an den einfachen Spielen. Wir fühlen uns verbunden mit jenen Menschen, welche ihre Freude an diesen Spielen hatten, weil wir in unserer Art zu schätzen wissen, was den Menschen gegeben worden ist, indem das Menschheitskind in das Erdenwerden eingezogen ist, wie ihnen gegeben worden ist die stärkste Hoffnung, der stärkste Impuls, den der Mensch braucht, damit er im Erdenwinter, in der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha, sich aufrechterhalten kann an dem Anblick, daß, wie im physischen Kosmos die Sonne siegt über den Erdenegoismus, so in den Tiefen der Menschenseele immer mehr und mehr der Impuls leben wird, der ausgeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha als der geistige Sonnenimpuls der menschlichen Erdenentwickelung. Einstmals war das Ereignis da als ein historisches, durch das dieser Impuls in das Erdenleben eingezogen ist, aber aufwachen soll er immer wieder und wieder in der Erinnerung, wie es durch solche Feste geschehen kann. Denn wahr ist auf der einen Seite, daß einstmals das Christus-Wesen eingezogen ist in die Erdenaura durch das Mysterium von Golgatha, wahr ist auf der anderen Seite, was Angelus Silesias mit den schönen Worten gesagt hat:
Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren!
Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren!
[ 21 ] Was in Bethlehem geboren ist, soll tief und immer tiefer in unserer eigenen Seele geboren werden, damit wir an dieser eigenen Seele erfüllt sehen, was das mittelalterliche Empfinden erfüllt sehen wollte, indem es das Schicksal der von dem Christus-Impuls durchzogenen Seelen in jenen kindlichen Gestalten sah, die von den Engeln heraufgetragen werden in die Gefilde der Seligen und nicht den Klauen des Ahriman verfallen, dem nur diejenigen Seelen bleiben, die sich mit dem Erdenleben so weit verbunden haben, daß sie alt erscheinen, während das Seelenschicksal nicht ist, auf Erden alt zu werden, sondern jung zu bleiben. Und nur des Leibes Schicksal auf Erden ist es, alt zu werden. Des Menschen höheres Schicksal ist es, in diesem altwerdenden Leibe die geistige Jugend zu erhalten im Zusammenhange mit dem Mysterium von Golgatha, um so in sich immer mehr und mehr die Hoffnung zu fühlen, daß, wie auch die Winterstürme in der Seele walten mögen und die Anfechtungen in der Seele leben mögen, niemals die lebendige Zuversicht ersterben kann, daß aus den Tiefen der Seele heraufkommen kann, was in die Erdenaura eingeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha, und was wir erinnernd in unseren Seelen durch solche Feste beleben wollen.
[ 21 ] Was in Bethlehem geboren ist, soll tief und immer tiefer in unserer eigenen Seele geboren werden, damit wir an dieser eigenen Seele erfüllt sehen, was das mittelalterliche Empfinden erfüllt sehen wollte, indem es das Schicksal der von dem Christus-Impuls durchzogenen Seelen in jenen kindlichen Gestalten sah, die von den Engeln heraufgetragen werden in die Gefilde der Seligen und nicht den Klauen des Ahriman verfallen, dem nur diejenigen Seelen bleiben, die sich mit dem Erdenleben so weit verbunden haben, daß sie alt erscheinen, während das Seelenschicksal nicht ist, auf Erden alt zu werden, sondern jung zu bleiben. Und nur des Leibes Schicksal auf Erden ist es, alt zu werden. Des Menschen höheres Schicksal ist es, in diesem altwerdenden Leibe die geistige Jugend zu erhalten im Zusammenhange mit dem Mysterium von Golgatha, um so in sich immer mehr und mehr die Hoffnung zu fühlen, daß, wie auch die Winterstürme in der Seele walten mögen und die Anfechtungen in der Seele leben mögen, niemals die lebendige Zuversicht ersterben kann, daß aus den Tiefen der Seele heraufkommen kann, was in die Erdenaura eingeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha, und was wir erinnernd in unseren Seelen durch solche Feste beleben wollen.
[ 22 ] So versuchte ich zusammenzufassen, was wir als Weihnachtsstimmung gerade aus einer Betrachtung heraus empfinden können, die mit diesen wenigen Worten zusammenzuschließen sucht, was wir aus unserer anthroposophischen Weltanschauung heraus gegenüber dem Weihnachtsfeste fühlen, mit dem, was die Menschen in früheren Zeiten erlebten an der Botschaft von dem göttlichen Kinde bei einem solchen Spiele, wie wir es vorgeführt haben. Das sollen zum Ausdruck bringen die Worte:
[ 22 ] So versuchte ich zusammenzufassen, was wir als Weihnachtsstimmung gerade aus einer Betrachtung heraus empfinden können, die mit diesen wenigen Worten zusammenzuschließen sucht, was wir aus unserer anthroposophischen Weltanschauung heraus gegenüber dem Weihnachtsfeste fühlen, mit dem, was die Menschen in früheren Zeiten erlebten an der Botschaft von dem göttlichen Kinde bei einem solchen Spiele, wie wir es vorgeführt haben. Das sollen zum Ausdruck bringen die Worte:
In des Menschen Seelengründen
Lebt die Geistes-Sonne siegessicher;
Des Gemütes rechte Kräfte,
Sie vermögen sie zu ahnen
In des Innern Winterleben,
Und des Herzens Hoffnungstrieb:
Er erschaut den Sonnen-Geistes-Sieg
In dem Weihnacht-Segenslichte,
Als dem Sinnbild höchsten Lebens
In des Winters tiefer Nacht.
In des Menschen Seelengründen
Lebt die Geistes-Sonne siegessicher;
Des Gemütes rechte Kräfte,
Sie vermögen sie zu ahnen
In des Innern Winterleben,
Und des Herzens Hoffnungstrieb:
Er erschaut den Sonnen-Geistes-Sieg
In dem Weihnacht-Segenslichte,
Als dem Sinnbild höchsten Lebens
In des Winters tiefer Nacht.
