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The Rudolf Steiner Archive

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The Spirit World's Impact on the Physical World
The Influence of the Dead on the World of the Living
GA 150

12 January 1913, Leipzig

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9. Luziferisches und Ahrimanisches im heutigen Kulturleben

9. Luciferic and Ahrimanic Elements in Contemporary Cultural Life

[ 1 ] Unser Leben muß sozusagen darstellen das, was wir durch Anthroposophie werden können. Dazu gehört ein freier Blick für das Leben und ein gesundes Urteil über dasselbe. In unserer Zeit ist das Leben komplizierter, als es im vorhergehenden Zeitalter war. Selbst in heute kurz hinter uns liegenden Zeiträumen war es noch viel weniger kompliziert. Das lag in den einfachen Verhältnissen. Damals waren das Gemüt und die damit zusammenhängenden Eigenschaften weiter verbreitet in der Menschheit als heute. Aber auch vieles andere ist wesentlich verändert. Und wir alle stehen drinnen in diesem veränderten Leben und müssen versuchen, die Lebenssphäre, in der wir stehen, so zu durchdringen, wie es erforderlich ist. Gerade ins Leben der Gegenwart gehört, daß wir uns trotz der Zersplitterung des modernen Lebens Harmonie der Seele und innere Geschlossenheit des Gemütes erringen.

[ 1 ] Our lives must, so to speak, embody what we can become through anthroposophy. This includes a clear perspective on life and sound judgment regarding it. In our time, life is more complicated than it was in the previous era. Even in periods not long past, it was still much less complicated. This was due to the simple circumstances. Back then, the soul and its associated qualities were more widespread among humanity than they are today. But many other things have also changed significantly. And we are all living within this changed reality and must strive to penetrate the sphere of life in which we find ourselves as deeply as is necessary. It is precisely a feature of contemporary life that, despite the fragmentation of modern life, we must attain harmony of the soul and inner unity of the mind.

[ 2 ] In einem Vortrag läßt sich dies nicht erschöpfen, wir können da nur einzelnes herausheben. Wir finden heute überall den Materialismus, auch einen Materialismus, der das ganze praktische Leben durchdringt, heraufgebracht durch den maschinellen Betrieb. Letzterer hat die Verhältnisse des Geschäftslebens, des Lebens überhaupt viel komplizierter gestaltet, hat hervorgebracht das Hasten und Treiben, in dem die Menschheit stehen muß und nicht zur Besinnung kommt. Die Menschen merken oft gar nicht, wie ihre ganze Arbeitskraft, ihr ganzes Sinnen und Denken vom morgen bis zum abend dem gewidmet ist, was den materiellen Bedürfnissen gilt. Es ist nur natürlich, daß in dem Zeitalter, in dem wir umlärmt werden von Maschinen, der Mensch über alle Angelegenheiten anfängt materialistisch zu denken. Wahrhaftig unmöglich wäre die Verbreitung von materialistischer und monistischer Weltanschauung in einem anderen Zeitalter.

[ 2 ] This cannot be fully explored in a single lecture; we can only highlight a few points here. Today we find materialism everywhere, including a form of materialism that permeates all of practical life, brought about by industrialization. The latter has made the conditions of business life—and of life in general—much more complicated; it has given rise to the hustle and bustle in which humanity is caught up and cannot find time to reflect. People often do not even realize how their entire labor, their every thought and consideration from morning to night, is devoted to meeting material needs. It is only natural that in an age in which we are surrounded by the clamour of machines, people begin to think materialistically about all matters. The spread of a materialistic and monistic worldview would truly have been impossible in any other age.

[ 3 ] Wir Anthroposophen stehen in einer neuen Weltanschauung. In die Welt tritt die spirituelle Bewegung. Bedenken Sie die Schwierigkeiten, die uns entgegenstehen, bedenken Sie, wie klein die Geisteswissenschaft geblieben ist trotz ihrer großartigen Anlage. Vergleichen wir, wie draußen in der Welt als Religionsbekenntnisse herrscht, was als Überbleibsel aus vergangenen Zeiten anzusehen ist. Wir finden da manche religiöse Bestrebung. Die sollen wir uns wohl ansehen. Da finden wir ein sehr verstandesmäßiges Ergreifen der Religion. Es treten Prediger auf, christliche, die nicht mehr an einen menschlichen Christus, nicht an Unsterblichkeit glauben. Die Menschen sind froh, wenn eine Jatho-Bewegung und ähnliches auftritt und möglichst rationalistisch vorgetragen wird. Alle alten Autoritäten können nicht mehr aufkommen gegen den blinden Glauben an dem, was die Wissenschaft bewiesen hat. Diese Erscheinungen stehen alle wieder mit den moralischen Auffassungen in Beziehung. Wer im geschäftlichen Beruf steht, wird mir bestätigen, wie wenig die Wahrheit einen Platz hat im heutigen Verkehr zwischen Verkäufer und Kunden. Gar mancher, der mit Verantwortungsgefühl dazwischensteht, leidet darunter. Haben denn die spinnwebdünnen Begriffe solcher verstandesmäßiger Prediger Moralkräfte in sich? Auch die öffentliche Meinung, auf die man heute so stolz ist, hat nicht bestanden im 13. und 14. Jahrhundert wie jetzt durch das Zeitungswesen. Große Philosophen sagten längst: Die öffentliche Meinung sind private Irrtümer. — Wer könnte wohl einem Ostwald und so weiter glauben machen, daß geistige Wesenheiten etwas mit ihm zu tun haben? Dadurch, daß er sie ableugnet, ruft er aber gerade ganz bestimmte geistige Wesenheiten heran. Hinter einem Ostwald zieht ein Heer von ganz bestimmten Geistern her. In aller Materie lebt der Geist. Es gibt einen Geist, der alles Interesse daran hat, seinen Geist zu verleugnen, das ist Ahriman. Wenn der Mensch alle seine Blicke nur hinrichtet auf die materiellen Gesetze, da vertreibt er nicht die Geister, sondern zaubert sie hervor, die schleichen sich ein in die Hirne der Materialisten. Mephistopheles schickt den Faust in das Reich der Mütter und sagt: Dort wirst du das Nichts finden. — Faust antwortet ihm: «In deinem Nichts hoff ich das All zu finden.» — Aber die Menschheit von heute antwortet nicht wie Faust, denn besessen sind die materialistischen Menschen von Ahriman.

[ 3 ] We anthroposophists hold a new worldview. The spiritual movement is entering the world. Consider the difficulties we face; consider how small spiritual science has remained despite its magnificent potential. Let us compare this with what prevails in the world as religious creeds—what must be regarded as remnants of bygone times. We find there many religious endeavors. We should take a good look at them. There we find a very intellectual approach to religion. Preachers appear—Christian ones—who no longer believe in a human Christ or in immortality. People are glad when a Jatho movement or something similar emerges and is presented as rationally as possible. All the old authorities can no longer stand up against the blind faith in what science has proven. These phenomena are all connected once again to moral views. Anyone in a business profession will confirm to me how little place the truth has in today’s interactions between seller and customer. Many who stand in between with a sense of responsibility suffer from this. Do the gossamer-thin concepts of such intellectual preachers possess any moral power? Even public opinion, of which we are so proud today, did not exist in the 13th and 14th centuries as it does now through the press. Great philosophers have long said: Public opinion consists of private errors. — Who could possibly make an Ostwald and the like believe that spiritual beings have anything to do with him? Yet by denying them, he actually summons very specific spiritual beings. Behind an Ostwald marches an army of very specific spirits. Spirit lives in all matter. There is a spirit who has every interest in denying his own spirit; that is Ahriman. When a person directs all his gaze solely toward material laws, he does not drive away the spirits, but conjures them up; they creep into the minds of materialists. Mephistopheles sends Faust into the realm of the Mothers and says: There you will find nothingness. — Faust replies to him: “In your nothingness I hope to find the universe.” — But humanity today does not answer as Faust did, for materialistic people are possessed by Ahriman.

[ 4 ] In der religiös-rationalistischen Richtung dagegen wirkt ein anderer Geist, nämlich Luzifer. Durch die abstrakten, spinnwebdünnen Begriffe löst er die Menschen los vom wirklichen Geistigen. Ideen sollen jetzt in der Geschichte leben, das ist geradeso gescheit, wie wenn ein nur gemalter Maler Bilder malen soll. Dieses Verquicktwerden mit der Materie war seit langer Zeit vorbereitet, und heute hat es einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Heraklit verdünnte die Theosophie zur Philosophie durch den Einfluß des Luzifer. Das ist ausgedrückt bildlich in dem Ausspruch, daß er der Diana von Ephesus sein Buch zum Opfer gebracht.

[ 4 ] In the religious-rationalist tradition, however, a different spirit is at work: Lucifer. Through abstract, gossamer-thin concepts, he detaches people from the true spiritual realm. Ideas are now supposed to live within history—which is just as sensible as expecting a painter who is merely a painting to create pictures. This fusion with matter has been in the making for a long time, and today it has reached a preliminary climax. Heraclitus diluted theosophy into philosophy through the influence of Lucifer. This is expressed figuratively in the saying that he sacrificed his book to the Diana of Ephesus.

[ 5 ] Nun wollen wir uns die öffentliche Meinung ansehen. Die kommt herauf aus der Gesetzmäßigkeit, die darin besteht, daß Luzifer und Ahriman eingreifen mußten in das Weltbild. Früher gab es anstelle der öffentlichen Meinung Leute, deren Seelenleben hinaufreichte bis zu den geistigen Geheimnissen. Es ging von diesen Persönlichkeiten im Guten und im Bösen ein Einfluß auf das Weltenleben aus. Das begreift man, wenn man zum Beispiel die Geschichte von Florenz zwischen den Jahren 1100 bis 1500 studiert. Heute entsprechen diesem Einfluß diejenigen Menschen, die sich bemühen, den Zusammenhang mit dem Geistigen zu erlangen. Bis zu diesem Punkt sind aber nicht mit fortgeschritten die auf dem Mond zurückgebliebenen luziferischen Wesenheiten, welche die öffentliche Meinung bestimmen. Infolgedessen ist diese um etwa ein Jahrtausend zurückgeblieben. An der öffentlichen Meinung arbeiten die allergeringsten unter ihnen, sozusagen die Rekruten nur des luziferischen Heeres. In ihnen bilden sich heraus Wesen, die einmal später als mächtige Wesenheiten auftreten werden. Sie sitzen hinter dem Redaktionstisch, sie stehen hinter dem Volksredner und so weiter. Es sind in ihrer Kunst gerade erst anfangende luziferische Geister, eigentlich noch Knirpse.

[ 5 ] Now let us consider public opinion. It arises from the law that Lucifer and Ahriman had to intervene in the world picture. In the past, instead of public opinion, there were people whose inner lives reached up to the spiritual mysteries. These personalities exerted an influence, both good and evil, on world life. One can understand this, for example, by studying the history of Florence between the years 1100 and 1500. Today, this influence is embodied by those people who strive to establish a connection with the spiritual. However, the Luciferic entities left behind on the Moon—which determine public opinion—have not progressed to this point. Consequently, public opinion has lagged behind by about a millennium. The very lowest among them work on public opinion—so to speak, merely the recruits of the Luciferic army. Within them are developing beings who will one day emerge as powerful entities. They sit behind the editorial desk, they stand behind the popular orator, and so on. In their craft, they are Luciferic spirits just beginning, actually still mere toddlers.

[ 6 ] Sich auskennen im Leben, das gehört zur praktischen Geisteswissenschaft. Der Mensch bildet sich mit dem Verstand sein Bild über die Welt. Was entspringt nun aus dieser Verstandes- und Sinneserkenntnis? Da gibt es ein altes Wort. Es fassen es nicht einmal die dazu berufenen Vertreter. Die Schlange sagt: Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. - Alle Verstandes- und Sinneserkenntnis ist luziferisch, ist sein eigentliches Wahrzeichen. Das Pochen auf die äußere Erfahrung, welche nichts anderes gelten läßt als die Atome, sind phantastische Ideen. Hinter der Maja stehen nicht die Atome, sondern die geistigen, spirituellen Wirklichkeiten. Alle Erscheinungen, die da beschrieben werden, sind nicht Realitäten, die Realitäten sind die geistigen Wesenheiten. Die Monaden existieren nicht, wenn wir sie nicht auffassen in Wirklichkeit als die höheren Hierarchien. Es gibt viele Hierarchien, unter den höchsten sind auch die Gottheiten der Trinität. Die Philosophie spricht nur von einer Einheit. Die Geister sind aber viele, und die Einheit existiert nur in den Seelen der Geister. Wer sich gewöhnt hat, so zu denken, daß er sich in der Gemeinschaft der Geister weiß, der hat die moralischen Gesetze. Ahriman läßt die Menschen im Sumpf der Materie versinken, Luzifer zieht sie ab von der Wahrheit, läßt sie nicht ahnen, daß sie sich in einer Scheinwelt verirren. Die Maja hat eine Berechtigung, wenn sie aufgefaßt wird als Ausdruck der dahinterstehenden Realität.

[ 6 ] Understanding life is part of practical spiritual science. Human beings form their picture of the world through the intellect. What, then, arises from this intellectual and sensory knowledge? There is an old saying. Not even those who are called to do so can grasp it. The serpent says: You will be like God and know what is good and evil. — All intellectual and sensory knowledge is Luciferic; it is his very emblem. The insistence on external experience, which accepts nothing but atoms, consists of fanciful ideas. Behind Maya do not stand atoms, but spiritual realities. All the phenomena described here are not realities; the realities are the spiritual beings. The monads do not exist unless we perceive them in reality as the higher hierarchies. There are many hierarchies; among the highest are also the deities of the Trinity. Philosophy speaks only of a unity. But the spirits are many, and unity exists only in the souls of the spirits. Whoever has become accustomed to thinking in such a way that they know themselves to be in the community of spirits possesses the moral laws. Ahriman causes people to sink into the swamp of matter; Lucifer draws them away from the truth, preventing them from suspecting that they are losing their way in an illusory world. Maya has a justification when it is understood as an expression of the reality lying behind it.