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The Inner Nature of Man
and
Life Between Death and Rebirth
GA 153

14 April 1914, Vienna

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Sechster Vortrag

Lecture Six

[ 1 ] In diesem meinem letzten Vortrag möchte ich da fortfahren, wo wir gestern geendet haben. Geendet haben wir bei dem, was ich mir zu benennen erlaubte «die große Weltenmitternachtsstunde des geistigen Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt», jene Mitternachtsstunde, wo das menschliche innere Erleben am intensivsten wird und das, was wir geistige Geselligkeit nennen können, das Zusammenhängen mit der geistigen Außenwelt, den niedrigsten Grad erreicht hat, so daß in gewisser Beziehung während dieser Mitternachtsstunde des geistigen Daseins geistige Finsternis um uns ist. Aber gesagt worden ist, daß die Sehnsucht nach Außenwelt wiederum in uns wirkt und daß diese Sehnsucht durch den Geist, der in geistigen Welten wirkt, aktiv wird und daß diese Sehnsucht ein neues Seelenlicht aus uns erzeugt, so daß es uns möglich wird, jetzt eine Außenwelt von ganz besonderer Art zu erblicken. Diese Außenwelt, die wir dann erblicken, ist unsere eigene Vergangenheit, wie sie durch frühere Inkarnationen und die Zwischenzeiten zwischen den Toden und den neuen Geburten sich vollzogen hat, und die wir jetzt als eine äußere Welt überschauen, indem wir zurückblicken auf das, was wir aus dem Weltendasein gehabt haben, genossen haben, und auf das, was wir diesem Weltendasein schuldig geblieben sind. Insbesondere tritt uns dann, wenn wir diesen Rückblick in unsere früheren Erlebnisse haben, zweierlei mit großer Intensität entgegen. Wir haben — das zeigt sich uns gleichsam durch ein geistiges Anschauen — dieses und jenes genossen, dieses und jenes ist uns beschert worden an Freude, an Lust des Daseins. Das alles können wir übersehen, was uns jemals geworden ist an Freude, an Lust des Daseins. Aber wir übersehen es so, daß es uns gleichsam in seinem spirituellen Wert erscheint, daß es uns in bezug darauf erscheint, was es aus uns gemacht hat.

[ 1 ] In this, my last lecture, I should like to continue from where we left off yesterday. We were speaking of what I described as the great ‘Midnight Hour of our spiritual existence between death and rebirth’, that Midnight Hour when our human inner experience is most intense and when that which we may call spiritual companionship, our connection with the outer spiritual world, has reached its lowest ebb, so that in a certain respect during this Midnight Hour of our spiritual existence spiritual darkness surrounds us. We said also that the longing for the outer world again becomes active within us, that this longing arises through the Spirit which works in spiritual worlds, and that it enkindles a new soul-light in us, so that it becomes possible for us to see an external world of a particular kind. The external world we then see is our own past, which has run its course through previous incarnations, and the intervening periods between deaths and re-births: this we then survey as an outer world, through looking back upon what we have received from, and enjoyed in worldly existence, and upon that for which we are indebted to the world. When we thus survey our previous experiences, two things come before us with particular intensity. We have enjoyed certain things and this is shown us by spiritual vision; we have had certain joys and sorrows in life. We can survey these joys and sorrows, but we see what we have experienced in such a way that it is its spiritual value which appears to us; we see it with respect to what it has made of us.

[ 2 ] Nehmen wir einen konkreten Fall an. Wir blicken zurück auf etwas, was uns als Genuß, als Befriedigung in der verflossenen Zeit in irgendeinem unserer Daseinsleben zuteil geworden ist. Dann fühlen wir: Das ist nicht etwas Vergangenes, es ist zwar in der Zeit zurückliegend, daß du davon den Genuß hattest, aber es ist nicht etwas, was absolut vergangen ist. Es ist etwas, was seine Wirkung in alle Zeiten hinein fortsetzt, so fortsetzt, daß es darauf wartet, was wir daraus machen.

[ 2 ] Let us take a concrete example. We look back upon some enjoyment, some satisfaction we have had at some time in our past life. We then feel: this is not something that is past; the time when we enjoyed it does indeed lie behind us, but it is not something that is absolutely past. It is something which continues its activity into all future time and it continues it in such a manner that it still awaits what we are going to make out of it.

[ 3 ] Wenn wir eine Befriedigung, einen Genuß gehabt haben, so fühlen wir in uns — wir erleben es unmittelbar in unserem Seelensein bei diesem Zurückschauen —: Das muß eine Kraft in dir werden, eine Kraft deiner Seele, und diese Kraft deiner Seele, die kannst du in zweierlei Weise in dir wirken lassen. Jetzt in diesem geistigen Dasein nach der Weltenmitternacht, in dem du stehst, hast du diese zweifache Möglichkeit. Die geistige Welt gibt dir einfach Fähigkeiten, eine von diesen Möglichkeiten zur Wirklichkeit zu machen. Du kannst diesen vergangenen Genuß, diese vergangene Befriedigung in dir umwandeln in eine Fähigkeit, so daß du eine gewisse Kraft in deiner Seele entwickelst durch den verflossenen Genuß, die dich zu diesem oder jenem befähigt, wodurch du irgend etwas in der Welt, sei es das Kleinste, sei es das Größte, schaffst, das einen Wert für die Welt hat. Das ist das eine. Das andere ist, daß wir uns sagen können: Nun, den Genuß habe ich gehabt, ich will mit dem Genuß zufrieden sein, ich will den Genuß in meine Seele hereinnehmen und will mich laben daran, daß ich in der Vergangenheit diesen Genuß gehabt habe. Wenn wir mit vielem, was wir genossen haben, was uns befriedigt hat, eine solche Möglichkeit herbeiführen, dann kommt es dazu, daß wir in unserem Inneren eine Kraft schaffen, an der wir nach und nach geistig degenerieren, ersticken. Und das gehört zu dem Wichtigsten, was wir lernen können in der geistigen Welt, daß wir auch durch den Genuß, durch das, wodurch wir befriedigt werden, Schuldner werden des Weltendaseins. Die Aussicht tritt vor unser geistiges Auge, zu ersticken in den Nachwirkungen der Befriedigungen, der Genüsse, wenn wir uns nicht im rechten Zeitpunkt entschließen, aus verflossenen Befriedigungen, aus verflossenen Genüssen Fähigkeiten zu schaffen, die Wertvolles im Leben hervorbringen können. Sie sehen daraus wiederum, wie das Geistige und das, was auf dem physischen Plan geschieht, in Wechselwirkung stehen.

[ 3 ] When we have experienced some enjoyment, some satisfaction, in our soul we feel somewhat as follows when we survey it: ‘This must become a force within thee, a force in thy soul, and thou canst allow this force to act within thee in two ways. In this spiritual existence in which thou art after the Midnight of the World two things are possible; the spiritual world simply gives thee the power to bring about one of these possibilities; thou canst change this past enjoyment, this past inward satisfaction into a capacity, so that through the past enjoyment thou art able to develop a certain power in thy soul, whereby thou canst accomplish something in the world, small or great, that is of value to the world. That is one thing. The other we may express to ourselves thus: ‘I have had the enjoyment, I shall be satisfied with it, I shall take it into my soul and refresh myself through this past enjoyment.’ When we do this with much of what we have enjoyed and has given us pleasure, we produce a power within us through which we gradually degenerate and suffocate spiritually. This is one of the most important things we can learn in the spiritual world, that through enjoyment, through that which has given us pleasure, we have also become debtors to the world. There rises before our spiritual eyes the prospect of our suffocating in the after-effects of these past satisfactions and enjoyments, if we do not decide at the right time to create capacities from them which can produce something of value to life. From this you see once more, spiritual events interact with what takes place on the physical plane.

[ 4 ] Wer sich im Sinne des gestrigen Vortrags immer mehr und mehr mit den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft durchdtingt, bei dem wird diese Geisteswissenschaft in das instinktive Leben seiner Seele übergehen, und er wird gewissermaßen wie die Regung eines inneren Gewissens auch gegenüber den Genüssen, gegenüber den Befriedigungen, die er auf dem physischen Plane hat, die Stimmung entwickeln: Du darfst nicht nur um deiner selbst willen irgendeinen Genuß, eine Freude, eine Lust hinnehmen —, sondern er wird diese Lust durchdringen mit einer Art von Dankbarkeitsgefühl gegenüber dem Weltenall, gegenüber den geistigen Mächten des Weltenalls. Denn er wird wissen, daß er durch jeden Genuß, durch jede Befriedigung ein Schuldner des Weltenalls wird. Am leichtesten und sichersten kommen wir zurecht mit der Umwandlung derjenigen Genüsse und Freuden, welche geistiger Art sind, Solche Genüsse und Lüste, welche nur befriedigt werden können durch die leiblichen Werkzeuge oder überhaupt nur dadurch, daß der Mensch auf dem physischen Plan einen Leib an sich trägt, stehen zwar auch in der angedeuteten Zeit zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt als etwas vor uns, was umgewandelt werden muß, wenn wir nicht nach und nach gewissermaßen darin “ ersticken wollen. Wir fühlen die Notwendigkeit der Umwandlung, aber wir fühlen auch das eine, daß viele Inkarnationen notwendig sein werden, damit wir zwischen diesen Inkarnationen immer wieder in der geistigen Weltsind und endlich die Umwandlung bewirken können.

[ 4 ] When a person fills himself more and more with the knowledge of Spiritual Science as outlined in the lecture before the last, this will pass into the instinctive life of his soul and in respect to the pleasures he has upon the physical plane will develop a feeling, like the stimulus of an inner conscience, that he must not give himself up to certain enjoyment, pleasure or joy for its own sake, but he must fill this joy with a feeling of thankfulness to the universe, to the spiritual powers of the universe; for he will know that through every pleasure, through every enjoyment he becomes a debtor to the universe. We arrive most easily and most certainly at the right attitude, in the transformation of those enjoyments and pleasures which are of a spiritual nature. Enjoyments and pleasures which can only be satisfied through the body, or through having a body on the physical plane, confront us in this period between death and rebirth as something that must be transformed if we do not wish to be slowly suffocated in them. We feel the necessity for this transformation, but we also feel that in the first place it will require many incarnations, that we must be in the spiritual world again and again between these incarnations, so that at length we may be able to bring about this transformation.

[ 5 ] Dann finden wir in der geistigen Welt noch etwas anderes. Wir finden das, daß wir in unserem gegenwärtigen Menschheitszyklus mit solchen Genüssen, mit solchen Freuden, in denen auf dem physischen Plan gleichsam unser Seelisch-Geistiges ganz untergeht, und der Genuß, die Befriedigung einen untermenschlichen, ich will nicht sagen, tierischen Charakter annimmt — denn Freude und Genuß können untermenschlichen Charakter annehmen —, daß wir in der Tat mit solchen Genüssen gewissen Wesenheiten der geistigen Welt unendlichen Schmerz bereiten, die uns erst dann entgegentreten, wenn wir eben in diese geistige Welt eintreten. Und der Anblick dieses Schmerzes, den wir in der geistigen Welt gewissen Wesenheiten bereiten, der ist so ungeheuer bestürzend, bedrückend, unsere Seele mit solchen Kräften durchziehend, daß wir mit dem harmonischen Ausbilden der Zusammenhänge für die nächste Inkarnation keineswegs gut zurechtkommen.

[ 5 ] Then we discover something else in the spiritual world. We find that in our present cycle of humanity we have enjoyments and pleasures on the physical plane in which our soul-spiritual nature is entirely submerged, that the enjoyment or the pleasure, assumes a sub-human, I will not say animal character; for pleasure and enjoyment may assume a sub-human character. We find that with enjoyments such as these, we really prepare infinite pain for certain beings in the spiritual world with whom we only meet when we enter this world. And the sight of the pain we cause these beings is so extremely disturbing, so oppressive, filling our soul with such forces, that we cannot well arrive at the harmonious upbuilding of the things necessary for our next incarnation.

[ 6 ] Gegenüber dem, um das andere zu erörtern, was wir auf Erden an Schmerzen, an Leiden erleben, zeigt sich auf dem geistigen Plan, daß auf dem physischen Plane erduldete Schmerzen, erduldetes Leid fortwirken und auf dem geistigen Plan unsere Seele so durchdringen mit Kräften, daß diese Kräfte Willenskräfte werden, daß wir dadurch in der Seele stärker werden und die Möglichkeit haben, diese Stärke in moralische Kraft umzuwandeln, die wir dann wiederum auf den physischen Plan mitbringen können, um nicht nur gewisse Fähigkeiten zu haben, durch die wir Wertvolles schaffen können für die Umwelt, sondern um auch die moralische Kraft zu haben, charaktervoll diese Fähigkeiten auszuleben.

[ 6 ] As regards what we experience in a different way, as pain and sorrow, it is seen on the spiritual plane that the pain and sorrow we have borne on the physical plane work on and permeate our soul with such force on the spiritual plane that this force becomes will-power. Our soul thereby becomes stronger, and we are able to transform this strength into moral power which we are able to bring back with us again to the physical plane, in order that we may not only have certain capacities, through which we are able to produce something of value to the world around us, but that we may also have the moral power to develop these capacities into character.

[ 7 ] Solche und viele andere Erlebnisse haben wir unmittelbar nach der geistigen Mitternachtsstunde des Daseins. Wir erfühlen, erleben, was wir wert geworden sind durch unser verflossenes Dasein, wir erfühlen, erleben, zu welchen Fähigkeiten wir kommen können in der Zukunft. Nachdem wir dann eine Weile weiterleben in der geistigen Welt, tritt aus dem Dämmerdunkel der geistigen Umgebung heraus eine deutliche Anschauung, jetzt nicht nur unserer eigenen verflossenen Leben, sondern namentlich alles des Menschlichen, was mit diesen Leben verbunden wat, und zwar alles desjenigen Menschlichen, das näher mit diesen Leben verbunden war. Menschen treten in geistige Beziehungen zu uns, mit denen wir in früheren Daseinsstufen diese oder jene Beziehung hatten. Nicht als ob früher die Gemeinsamkeit mit diesen Menschen nicht dagewesen wäre — wir erleben uns immer zusammen mit den Menschen, die uns im Leben nahegestanden haben, in der weitaus größten Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt —, aber jetzt tritt, indem wir diese Menschen nach der Mitternachtsstunde des geistigen Daseins wieder treffen, deutlich und klar an diesen Menschen hervor, was wir ihnen schuldig geworden sind, oder was sie uns schuldig geworden sind. Wir erleben jetzt nicht bloß eine Anschauung: so standest du mit diesen Menschen zwischen dieser und jener Zeit — das hatten wir früher auch —, sondern diese Menschen werden für uns der Ausdruck für das, was Ausgleich ist für die früheren Erlebnisse. Wir sehen es den Menschen an, so wie sie uns entgegentreten, durch welche neuen Erlebnisse auf dem physischen Plane wir für Früheres Ausgleich schaffen können, was wir ihnen schuldig geblieben sind oder dergleichen. Wir schauen sozusagen, indem wir den Seelen der Menschen gegenüberstehen, auf die Wirkungen, welche in der Zukunft die Folgen sein werden von Beziehungen, die wir zu den Menschen in der Vergangenheit gehabt haben. Natürlich sieht man das am besten ein, wenn man einen möglichst konkreten Einzelfall nimmt.

[ 7 ] We have experiences such as these and many others, directly after the spiritual Midnight Hour of existence. We feel and experience what our value has become through our previous life; we also feel and experience to what capacities we may attain in the future. And after we have lived for a time longer in the spiritual world, there appears from the twilight of our spiritual environment a clear vision, not only of our own past life, but also of all the human beings with whom we were closely connected in that life; people appear in spiritual relations, with whom we have been connected in some way in former stages of existence. It is not as if we had not been with these human beings before—we are always together with those who have been near us in life, in by far the greater portion of the time between death and rebirth—but now, when we meet them again after the Midnight Hour of our spiritual existence, we see clearly in these human beings what we owe to them or they to us. Our point of view is now not merely: such and such was thy relation to these people at such and such a time—we knew this before—but these people are now for us the expression of the compensation for our previous experiences with them. By the manner in which they come before us, we see by what new experience on the physical plane we may have to repay that for which we are indebted to them, or such like. When we confront the souls of these human beings we see, as it were, the activities which in the future must reproduce the relationships we have had with them in the past. This will be best understood if we take an example which is as concrete as possible, an application of what has already been mentioned in previous lectures.

[ 8 ] Nehmen wir also noch einmal an, wir hätten einen Menschen angelogen. Jetzt ist die Zeit, wo die Möglichkeit in der geistigen Welt geboten ist, daß wir durch die unserer Lüge entgegengesetzte Wahrheit gequält werden. Aber dadurch werden wir gequält, daß sich die Beziehung zu dem Menschen, den wir angelogen haben, in der jetzt geschilderten Zeit so verändert, so oft wir den Menschen erblicken — und wir werden ihn genügend oft mit dem geistigen Auge erblicken —, daß er die Ursache wird, daß die der vollbrachten Lüge entgegengesetzte Wahrheit, die uns quält, in uns aufsteigt. Dadurch taucht aus unseren Tiefen die Tendenz herauf: Diesem Menschen mußt du unten auf der Erde wieder begegnen, und du mußt etwas tun, was das Unrecht ausgleicht, das du durch die vollzogene Lüge begangen hast. Denn hier in der geistigen Welt kann das nicht ausgeglichen werden, was durch deine Lüge geschaffen worden ist, da im Kosmos kannst du nur völlige Klarheit gewinnen über die Wirkung einer Lüge. Was auf Erden geschaffen worden ist von dieser Art, das muß auch wiederum auf der Erde ausgeglichen werden. Man weiß, man braucht zum Ausgleich Kräfte in sich selber, die einem nur werden können, wenn man wiederum einen Erdenleib bezieht. Dadurch entsteht in unserer Seele die Tendenz: Du mußt einen Erdenleib beziehen, der die Möglichkeit bietet, eine solche Tat zu vollbringen, wodurch die Unvollkommenheiten ausgeglichen werden, die du auf Erden verursacht hast, sonst wird, wenn du durch den nächsten Tod gegangen bist, dieser Mensch wiederum dir erscheinen und die Qual der Wahrheit hervorrufen. Sie sehen die ganze geistige Technik, wie in der geistigen Welt der Trieb in uns geschaffen wird, einen karmischen Ausgleich für das oder jenes zu schaffen.

[ 8 ] Let us again suppose that we have lied to some one. Then comes the time, when in the spiritual world the possibility arises of our being tormented by the truth, the opposite to our lie. Our relation to this person to whom we have lied so changes during this time, that as often as we see him (and we see him often enough with our spiritual eyes) he causes the truth, the opposite to the lie we have told, to rise within us and this torments us. Thereby arises from deep down within us a tendency which causes us to say: ‘Thou must meet this person again on the earth below and thou must do something that will compensate the wrong thou hast done in telling the lie; for here in the spiritual world thou canst not compensate what has been brought about through thy lie, here thou canst only see quite clearly the effect of a lie in the cosmos. What has been done upon the earth in this way must be made good again upon the earth. We know that in order to make compensation we need forces which can only develop in us when we again possess an earthly body. From this a tendency arises in our soul to take once more on ourselves an earthly body which will give us the opportunity to perform the actions whereby the imperfections we have caused upon earth may be repaired; otherwise, when we have gone through death once more this person will again appear to call forth the torment of the truth.

[ 9 ] Diese Ausgleiche geschehen auch durch andere Voraussetzungen; aber ich müßte natürlich tausend und aber tausend konkrete Fälle aufzählen, wenn ich alles zum Vorschein bringen wollte, was für diese bedeutsame karmische Frage in Betracht kommt. Nehmen wir zum Beispiel den folgenden Fall. Nehmen wir an, wir sind in der Zeit, die auf die Mitternachtsstunde des Daseins folgt, so in der geistigen Welt, daß wir zurückblicken auf gewisse Freuden, die wir gehabt haben, und sagen: Wir können die Wirkungen dieser Erlebnisse in Fähigkeiten umwandeln, die wir dann ausdrücken können, wenn wir wieder verleiblicht sein werden. Ja, dann kann aber folgendes geschehen. Wir können bemerken: Indem du dir jetzt in deiner gegenwärtigen Lage diese verflossenen Erlebnisse umwandelst in Fähigkeiten, dastören dich gewisse Elementarwesen. Das kann so sein. Diese Elementarwesen lassen es nicht dazu kommen, daß du dir diese Fähigkeiten wirklich aneignest. Jetzt kann man sich fragen: Was ist nun zu tun? Wenn ich diesen Elementarwesen willfahre, die da herankommen und die nicht leiden können, daß in mir diese Fähigkeiten entstehen, dann werde ich mir diese Fähigkeiten nicht bilden können. Aber diese Fähigkeiten muß ich mir bilden. Ich weiß, daß ich nur dadurch in der nächsten Inkarnation gewissen Menschen, denen ich Dienste leisten kann, diese Dienste wirklich werde leisten können, wenn ich diese Fähigkeiten habe. Man wird in einem solchen Falle in der Regel so entscheiden, daß man sich diese Fähigkeiten aneignet. Damit aber verletzt man diese Elementarwesen, die da ringsherum sind. Die fühlen sich in einer gewissen Weise durch uns attackiert. Namentlich fühlen sie sich, wenn das geschieht, was gerade gesagt worden ist, daß wir uns gewisse Fähigkeiten aneignen, dadurch so verfinstert in ihrem Dasein, wie wenn ihnen an ihrer eigenen Weisheit etwas genommen wäre. Eine der Folgen, die oft eintritt, ist dann diese, daß, wenn wir wiedergeboren werden, wir einen oder mehrere Menschen auf der Erde besessen finden von diesen Elementarwesen und ihnen besonders feindliche Absichten gegen uns eingegeben finden.

[ 9 ] Thus you see the whole spiritual technique; how in the spiritual world there is produced within us the impulse karmically to make compensation for various things. These compensations occur also in other connections; but of course I should have to enumerate many thousands of cases if I were to speak of all that comes into consideration in respect of this important subject of karma. For example, let us take the following case: Let us suppose we are in the period after the Midnight Hour of existence in the spiritual world, so that we look back at certain pleasures we have had and say: ‘We can change the effects of these experiences into capacities to which we can give expression when we are re-embodied.’ But the following may also happen. We may observe that when we are changing these past experiences into capacities, in this our present condition, certain elemental beings disturb us (this can happen); these elemental beings do not allow us to acquire these capacities. We may then ask ourselves: ‘What can I do now? If I yield to these elemental beings which approach and will not suffer capacities to arise in me, I shall not be able to develop these capacities. But I must develop them. I know that I shall only be able to give the service due to certain people in my next incarnation if I have these capacities.’ As a rule in such cases we decide to acquire these capacities; but we thereby injure the elemental beings which are around us: in a certain way they feel that they are attacked by us. When we acquire these capacities, they feel that their own life is thereby darkened, as if something were taken away from their wisdom. One of the consequences often springing from this is, that when we are reborn we find that one or more human beings are possessed by these elemental beings and are inspired with particularly hostile intentions towards us.

[ 10 ] Denken Sie sich, wie tief uns das hineinschauen läßt in das menschliche Erleben, und wie gründlich es uns lehrt, das menschliche Leben zu begreifen, uns wirklich den rechten Instinkt anzueignen, uns richtig zu verhalten auf dem physischen Plan. Das bedingt aber nicht, daß wir etwa immer, wenn wir nun auf dem physischen Plane sind, sagen: Nun ja, ich habe mich dazumal schützen müssen. Dadurch habe ich diese Feinde gegen mich heraufbeschworen, ich muß sie jetzt gewähren lassen. Es kann ja der Fall eintreten, wo es gut ist, sie gewähren zu lassen, es kann aber auch der andere Fall eintreten, daß, wenn wir sie gewähren lassen, diese feindlichen Elementarwesen, die durch diesen oder jenen Menschen wirken, sie durch das, was sie nun auf dem physischen Plan erreichen, sich reichlich Ausgleich schaffen für das, was man ihnen sozusagen durch den eigenen Schutz weggenommen hat; sie gehen über das hinaus, was man ihnen weggenommen hat. Und die Folge davon würde sein, daß man sich ihnen gegenüber nicht retten kann, wenn man wiederum in der entsprechenden Zeit in den Zeitenstrom zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eintritt, daß sie einen da in gewisser Weise für gewisse Fähigkeiten totschlagen würden.

[ 10 ] Think how deeply this enables us to see into human experience, how profoundly it teaches us to comprehend human life and really to acquire the right instinct to comport ourselves correctly on the physical plane. But this does not mean that we should ever say, when on the physical plane: ‘At that time I had to protect myself. I have thereby made this person a sworn enemy; I must now give in to him.’ The case might arise where it would be good to yield, but, on the other hand, it might happen that if we yield, these hostile elemental beings who act through one person or another might, through what they now do on the physical plane, compensate themselves abundantly for the loss they suffered through our self-protection. They might go beyond what was taken away from them, and the consequence of this would be that we should not be able to save ourselves from them, when we again enter the corresponding period in the stream of time between death and rebirth, and they would then give the death blow to certain of our capacities.

[ 11 ] Immer komplizierter und komplizierter wird die Welt, wenn wir wirklich Einsicht in sie gewinnen. Aber das kann uns eigentlich im Grunde genommen gar nicht verwundern. Nur einzelne Fälle möchte ich noch aus dem karmischen Zusammenhang zwischen dem Leben auf der Erde und dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hervorheben. So sei der Fall hervorgehoben, daß bei einem Menschen, sagen wir, durch eine Krankheit, der Tod früher eintritt, als er nach einem normalen Menschenleben eintreten würde. Da geht der Mensch so durch die Pforte des Todes durch, daß er durch die Krankheit zum Tode geführt worden ist, daß er aber gewisse Kräfte eigentlich bei sich behält, die er ausgelebt haben würde, wenn er ein normales Menschenleben erreicht hätte. Diese Kräfte, die auf diese Weise gleichsam dem Menschen als Restkräfte verbleiben, die er noch hätte verbrauchen können, wenn er nicht früher zugrunde gegangen wäre, die bleiben. Und es zeigt sich für die Geistesforschung, wenn man das Leben nach dem Tode untersucht, daß diese Kräfte zu den Willens- und Gefühlskräften des Menschen hinzugeschlagen werden, daß sie diese verstärken, erkraften. So daß ein solcher Mensch in der Lage ist, das, was ihm durch diese Kräfte vor der Mitternachtsstunde des Daseins zugeführt wird, nach der Mitternachtsstunde des Daseins so zu benutzen, daß er ins Erdenleben als ein stärkerer, in seinem Willen charaktervollerer und kraftvollerer Mensch eintritt, als er eingetreten wäre, wenn er nicht einen so frühen Tod gefunden hätte. Daß das aber gerade so sein muß, hängt mit früherem Karma zusammen, und es wäre natürlich die größte Torheit, wenn jemand glauben wollte, daß er durch künstliches Herbeiführen eines frühen Todes das erreichen würde, was geschildert worden ist; dann würde er das nicht erreichen. Was durch dieses künstliche Herbeiführen eines frühen Todes erreicht wird, das finden Sie in meiner «Theosophie» beschrieben, soweit es notwendig ist, Aufschluß darüber zu erhalten. Auch habe ich auf den Fall hingedeutet, wo der Mensch einen frühen Tod durch einen Unglücksfall findet. Wenn er durch einen Unglücksfall herausgerissen wird aus dem Erleben des physischen Planes, für den seine Kräfte noch zugereicht hätten, um ein höheres Alter zu erreichen, so bleibt ihm wiederum ein solcher Rest von Kräften, der ihm jetzt so zugesetzt wird, daß er, wenn die Mitternachtsstunde des Daseins verflossen ist, das, was ihm da zufließt, zu seinen intellektuellen Kräften, zu seinen Erkenntniskräften verwenden kann. Man findet durch die Geistesforschung, daß große Erfinder oftmals gerade solche Menschen sind, die in früheren Inkarnationen durch einen Unglücksfall zugrunde gegangen sind.

[ 11 ] The world becomes ever more and more complicated when we get real insight into it; but we cannot wonder at this. I might give you other examples of the karmic connections between life on earth and life between death and rebirth. Let us take the case of a person who through illness dies earlier than another who enters into ‘time’, as it were, after a normal length of human life. His illness brings him to an early death; but he really retains certain forces within him which he would have expended if he had reached the normal length of human life. The man would have used these forces, which remain within him as a reserve of strength, if he had not died early, and when the life after death is examined, the spiritual investigator finds that these forces are added to the man's forces of will and feeling, strengthening them. Such a person is in the position so to use, after the Midnight Hour of existence, what has accrued to him through these forces before the Midnight Hour of existence, that he enters earthly life as a man of stronger will and of much more character than if he had not died so early. It is, however, previous karma that determines this and naturally it would be the greatest folly if a person were to think that he would gain what has just been described by bringing about an early death artificially; he would not gain it thus. What happens when an early death is brought about artificially, you will find described in my book Theosophy, so far as it is necessary to explain it. I also referred there to the case where a person meets with an early death through an accident. When he is torn away from the experiences of the physical plane through an accident, while his forces would have still been sufficient to enable him to reach old age, there remains to him a surplus of force and when the Midnight Hour of existence has passed he can use this to strengthen his intellectual powers. We find through spiritual investigation that great inventors are often people who in former incarnations died through an accident. If we really wish to survey these things with understanding, we have to realise that in the spiritual world the standpoint of life is really quite different from what it can be in the physical world.

[ 12 ] Wir sehen an solchen Fällen, daß, wenn wir diese Dinge wirklich verständnisvoll überblicken wollen, wir uns schon damit bekanntmachen müssen, daß eben der Gesichtspunkt in der geistigen Welt wirklich ein anderer wird, als er es in der physischen Welt sein kann. Es wird Ihnen immer mehr und mehr begreiflich werden, daß man, um die geistige Welt zu verstehen, neue Vorstellungen und Begriffe herantragen muß, weil die geistigen Welten eben etwas ganz anderes sind als die physische Welt. Daher darf sich niemand wundern, wenn zunächst etwas, was von den geistigen Welten geschildert wird, so erscheint, daß, wenn man die Begriffe der physischen Welt auf das Geschilderte anwendet, man die Sache als unbefriedigend empfindet. Zum Beispiel ist es eine Tatsache, die die Geistesforschung in vielen Fällen bekräftigt, daß jemand, der mit materialistischer Gesinnung stirbt und Hinterbliebene zurückläßt, die auch materialistisch gesinnt sind, zunächst in der geistigen Welt eine gewisse Entbehrung erleidet. Wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist ohne spirituelle Gesinnung und zurückblicken will auf seine Lieben auf der Erde, so kann er, wenn in deren Seelen gar kein spiritueller Gedanke ist, nicht unmittelbar auf sie hinsehen; er weiß von ihnen nur bis zu dem Zeitpunkte, wo er durch den Tod gegangen ist. Was sie jetzt erleben unten auf der Erde, das kann sein geistiges Auge nicht sehen, weil in ihren Seelen nicht spirituelles Leben ist, denn nur spirituelles Leben wirft Licht hinauf in die geistigen Welten. Solch ein Mensch muß dann warten, bis ihm selber die Kräfte in der geistigen Welt erwachsen sind, um die Sache ganz klar zu sehen. Um nämlich zu sehen: diese Seelen, die er da unten zurückgelassen hat, die sind materialistisch gesinnt, weil sie von Ahriman befallen sind. Würde man das unmittelbar nach dem Tode gleich erleben, so würde man es nicht ertragen können. Man muß erst hineinwachsen in dieses von Ahriman Besessensein materialistisch gesinnter Seelen, dann kann ein Schauen dieser Seelen beginnen, bis auch sie durch die Pforte des Todes gegangen sind und sich dann selber frei machen in der geistigen Welt von ihrer materialistischen Gesinnung. Dann erlebt man erst später den Zusammenhang mit ihnen.

[ 12 ] It will grow more and more comprehensible to you, that in order to understand the spiritual worlds one has first to acquire the necessary conceptions and ideas, because the spiritual worlds are so very different from the physical world. Hence no one should wonder when something relating to the spiritual worlds is described, that when the ideas of the physical world are directed to this description, it should at first be felt to be unsatisfactory. For example, it is a fact, which is confirmed by spiritual investigation into many cases, that if a person dies a thorough materialist, with a materialistic frame of mind, and leaves others behind who are also materialistically inclined, he at first suffers a certain loss in the spiritual world. When he has passed through the portal of death without spiritual inclinations, and wishes to look back at his loved ones on the earth, he cannot see them directly if in their souls there is no spiritual thought; he has knowledge of them only up to the time when he passed through death. His spiritual eyes cannot see what they are now experiencing below upon the earth, because there is no spiritual life in their souls; for only spiritual experience throws light up into the spiritual worlds. Before such a person can see the matter quite clearly, he has to wait until in the spiritual world itself he has developed the necessary forces with which to see clearly that the souls he has left behind are materialistically inclined because they have succumbed to Ahriman. Were he to experience this immediately after death he would be unable to bear it. He has first to grow into the knowledge that materialistically inclined souls are possessed by Ahriman; then he may begin to have vision of these souls, until they have passed the portal of death and in the spiritual world have liberated themselves from their materialistic tendencies. It is only later that he experiences union with them.

[ 13 ] Es könnte jemand sagen: Ja, aber das sind doch gar keine tröstlichen Verhältnisse, die du da schilderst als nach dem Tode verlaufend. Ja, meine lieben Freunde, das ist eben eine Vorstellung, die auf dem physischen Plan gewonnen ist, wenn wir so sprechen. Das ist keine Vorstellung, die schon von dem Verständnis der spirituellen Welten durchdrungen ist. Der Tote kommt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu einem Zeitpunkt, wo er sich sagt: Oh, wie trostlos müßte es sein, gleich nach dem 'Tode diese Seelen zu sehen, wenn man materialistisch gesinnt ist! Wie ist es für all diese Seelen doch am besten, daß sie diese Prüfungszeit erst durchmachen! Sie würden sich selber verlieren, sie würden das nicht erreichen können, was erreicht werden soll, wenn es nicht so wäre. — Der Gesichtspunkt wird eben ein ganz anderer, wenn man die Dinge der Welt von der geistigen Seite her betrachtet, und eine Zeit wird kommen, wo die Menschen notwendig haben werden, schon auf dem physischen Plan wirklich Verständnis zu gewinnen für die Wahrheiten der Geisteswissenschaft.

[ 13 ] Someone might say: These conditions which you describe as taking place after death are not at all consoling. That, my dear friends, is an idea which is gained on the physical plane; it is not an idea that is filled with the understanding of the spiritual worlds. A person living between death and rebirth, comes to a point where he says: ‘Oh, how impossible, how comfortless it would be directly after death to see those souls who are materialistically inclined!’ How infinitely better it is for these souls to pass first through this period of probation! They would lose themselves, they would be unable to reach what they ought to reach if the matter were not arranged in this way. The point of view becomes entirely different when the things of the world are considered from the spiritual side, and a time will come when it will be necessary for man, while still on the physical plane, to have a correct understanding of the truths of Spiritual Science.

[ 14 ] Darum tritt diese Geisteswissenschaft jetzt in der Welt auf, weil die Menschheitsentwickelung es notwendig macht, daß diese Durchdringung der geistigen Welten und ihrer Daseinsbedingungen in den Seelen immer mehr und mehr, zuerst instinktiv und dann bewußt, leben wird. Ich will Ihnen eine reine Äußerlichkeit mitteilen, damit Sie sehen, wie man immer mehr dazu kommen wird, auch das Leben auf dem physischen Plan nur dadurch in seinem wahren Gehalt beurteilen zu können, daß man die Gesetze des geistigen Daseins begreift, eine reine Äußerlichkeit, die aber ungeheuer wichtig ist. Wenn wir auf die Natur hinblicken, so sehen wir das merkwürdige Schauspiel, daß überall nur eine geringe Anzahl von Keimen verwendet wird, um das gleichartige Leben fortzupflanzen, daß aber eine ungeheuer große Anzahl von Keimen zugrunde geht. Wir blicken hin auf das Heer der ungeheuer vielen Fischkeime, die im Meere vorhanden sind. Nur wenige von ihnen werden Fische, die anderen gehen zugrunde. Wir sehen hinaus auf das Feld und sehen die ungeheuer vielen Kornkeime. Nur wenige werden wieder zu Kornpflanzen, die anderen gehen als Getreidekörner zugrunde, indem sie zu menschlicher Nahrung und anderem verwendet werden. Ungeheuer viel mehr muß in der Natur erzeugt werden, als was sozusagen im gleichmäßig fortfließenden Strom des Daseins wirklich Frucht wird und wieder keimt. So ist es gut in der Natur, denn da draußen in der Natur herrscht die Ordnung und Notwendigkeit, daß das, was so abfließt von seinem zu ihm gehörigen, in sich selbst begründeten Strom des Daseins und Fruchtens, verwendet wird, so verwendet wird, daß es dem anderen fortlaufenden Strom des Daseins dient. Die Wesen würden nicht leben können, wenn alle Keime wirklich fruchteten und zu der in ihnen liegenden Entwickelung kämen. Es müssen Keime da sein, welche dazu verwendet werden, daß sozusagen Boden gegründet wird, aus dem die Wesen herauswachsen können. Nur scheinbar, der Maja nach, geht etwas verloren, in Wirklichkeit geht innerhalb des Naturschaffens doch nichts verloren. In dieser Natur waltet der Geist, und daß so scheinbar etwas vom fortlaufenden Strom der Entwickelung verlorengeht, das ist in der Weisheit des Geistes begründet, das ist geistiges Gesetz, und wir müssen diese Sache vom Standpunkt des Geistes ansehen. Dann kommen wir schon darauf, inwiefern auch das seine gute Daseinsberechtigung hat, was scheinbar vom fortlaufenden Strom des Weltgeschehens hinweggeführt wird. Geistgegründet ist dieses; daher kann es auch, insoferne wir geistiges Leben führen, auf dem physischen Plane Geltung haben.

[ 14 ] Spiritual Science has come into the world because the evolution of humanity requires that the knowledge of the spiritual world and its conditions should enter more and more into human souls, instinctively at first, then consciously. I will draw your attention to a purely external thing which is very important, in order that you may see how we shall be able more and more to judge the true contents of our life on the physical plane through understanding the laws of spiritual existence. It is something external and as an external thing is extremely important. When we consider nature, the remarkable spectacle is presented to us of a small number of seeds being used in every case to continue the same kind of life, but that an extremely large number of seeds come to nothing. We observe myriads of fish eggs in the ocean, a few only of which become fishes, the rest perish. We look out over the fields and see vast quantities of grains of wheat, only a few of which grow into plants, the rest are ground up into flour for human food and for other purposes. A great deal more has to be produced by nature than really becomes fruit and again seed in the regular course of existence. This is a wise regulation of nature; for in nature order and law exist and demand that what thus deviates from its own deeply founded routine of existence and fruiting, should be so used, that it serves the other continuing stream of existence. The various creatures would not be able to live if all seeds actually bore fruit and attained the development possible to them. Beings have to exist, which are used to form the ground-work from which other beings can grow. It is only in appearance that anything is lost, only in maya; in reality nothing is lost in the works of nature. Spirit rules in nature and the fact that something is apparently lost from the continuous stream of evolution is based upon the wisdom of the spirit, it is a spiritual Law, and we must consider this matter from the standpoint of the spirit; we then soon find that what apparently is turned aside from the straight forward stream of events, has its own well justified place in existence. This is founded in the spirit. Hence it may also be of value on the physical plane, in so far as we here live a spiritual life.

[ 15 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie den uns ganz naheliegenden konkreten Fall: Es müssen öffentliche Vorträge gehalten werden über unsere Geisteswissenschaft. Die werden vor einem Publikum gehalten, das eben einfach durch die Veröffentlichungen zusammengetragen wird. Da geht etwas Ähnliches vor wie mit den Getreidekörnern, die nur zum Teil im fortlaufenden Strom des Daseins verwendet werden. Man darf nicht zurückschrecken davor, daß man unter Umständen vor viele, viele Menschen scheinbar ohne Wahl die Ströme des spirituellen Lebens bringen muß, und daß sich dann nur wenige heraussondern und wirklich eintreten in dieses spirituelle Leben, Anthroposophen werden und im fortlaufenden Strome mitgehen. Auf diesem Gebiete ist es noch so, daß diese verstreuten Keime an viele herandringen, welche zum Beispiel nach einem öffentlichen Vortrage weggehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! Unmittelbar angeschaut in bezug auf das äußere Leben, ist das so wie, sagen wir, die Keime, die im Meer als Fischkeime verlorengehen; aber vom Standpunkt einer tieferen Forschung ist es nicht so. Die Seelen, die da gekommen sind durch ihr Karma, die dann fortgehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! —, die sind noch nicht reif, die Wahrheit des Geistes zu empfangen, aber notwendig haben es ihre Seelen in der jetzigen Inkarnation, heranschwingen zu fühlen das, was als Kraft in dieser Geisteswissenschaft liegt. Und das bleibt doch in ihren Seelen, sie mögen noch so schimpfen, es bleibt als Kraft in ihren Seelen für ihre nächste Inkarnation, und dann sind die Keime nicht verloren, sie finden Wege. Es unterliegt das Dasein in bezug auf das Geistige den gleichen Gesetzen, ob wir dieses Geistige in der Naturordnung verfolgen oder in dem Fall, den wir als unseren eigenen Fall anführen konnten.

[ 15 ] Let us consider a case which concerns us very closely. Public lectures have to be given on the subject of Spiritual Science. These are given to a public that is gathered together simply through advertisement. Something happens here which is somewhat similar to the case of the seeds of corn, a part only of which are used in the straight forward stream of existence. One must not be discouraged when, in such circumstances, one has to bring the stream of spiritual life apparently without choice before many, many people, and when only a few separate themselves and really enter into this spiritual life, become anthroposophists, and join the direct stream. Under these circumstances, it still happens that these scattered seeds come to many who, after a public lecture, go away and say, for example, ‘What mad nonsense the fellow talked!’ Seen with respect to external life, this is like the germs—shall we say—like the fish-germs that come to nothing in the ocean; but from the standpoint of a deeper investigation it is not so. Souls who through their karma come to a lecture and who then go away and say: ‘What foolish nonsense the fellow talked!’—these souls are not yet ready to receive the truth of the spirit; but it is necessary for their souls in their present incarnation to feel the approach of the power contained in Spiritual Science. However much they may scold, it remains a force in their souls for their next incarnation. Thus the germs have not been lost; they find a way. Life with respect to spiritual things is under the same laws, whether we follow the spirit in the order of nature, or in the case which we consider to be our own.

[ 16 ] Aber nehmen wir jetzt an, wir wollten die Sache auch auf das äußere materielle Leben übertragen und man wollte sagen: Nun, man macht es im äußeren Leben ebenso. Ja, meine lieben Freunde, das ist es gerade, daß man es macht, was ich jetzt schildern werde, daß wir einer Zukunft entgegenleben, wo sich das immer mehr herausbildet! Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? — wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.

[ 16 ] Now let us suppose we wished to carry this over into external material life, and were to say: ‘But this is just what happens in outer life.’ Yes, my dear friends, it is exactly because this is happening, that I say that we are living towards a future when this will appear in ever greater degree. More and more articles will be produced, more and more factories will be built. No one now asks, ‘How many articles are needed?’ as was formerly the case, when the tailors in the town only made a suit when someone ordered it. The need then determined the numbers to be made; but now they are produced for the market; the various wares are piled up as much as possible. Production works entirely according to the principle upon which nature works. Nature is carried into the social order, and this will at first gain the upper hand more and more. But here we are considering the material realm. The spiritual law has no application in external life, simply because it is suited only to the spiritual world; and something very remarkable results. As we are speaking among ourselves we may say these things, but at the present day the world will not agree with us in this.

[ 17 ] Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz «Geisteswissenschaft und soziale Frage» ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und dutch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich — wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum — in sich selber vernichten wird. Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; erschaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. Das ist die große Kultursorge, die auftritt für den, der das Dasein durchschaut. Das ist das Furchtbare, was so bedrückend wirkt, und was selbst dann, wenn man sonst allen Enthusiasmus für Geisteswissenschaft unterdrücken könnte, wenn man unterdrücken könnte das, was den Mund öffnen kann für die Geisteswissenschaft, einen dahin bringt, das Heilmittel der Welt gleichsam entgegenzuschreien für das, was so stark schon im Anzug ist und was immer stärker und stärker werden wird. Was auf seinem Felde in dem Verbreiten geistiger Wahrheiten in einer Sphäre sein muß, die wie die Natur schafft, das wird zur Krebsbildung, wenn es in der geschilderten Weise in die Kultur eintritt.

[ 17 ] Things are now produced for the market regardless of the amount required, not according to what was explained in my essay on Theosophy and Social Life—all that is produced is piled up in warehouses and governed by the money market, and then the producers wait to see how many are bought. This tendency will grow greater and greater until it destroys itself and when I say the following you will know the reason. One who spiritually observes social life, sees the germ of frightful social abscesses springing up everywhere. That is the great social problem confronting those who understand life; that is the frightful fact which is so depressing and which—even if we could suppress all our enthusiasm for Spiritual Science and the impulse which makes us long for it—yet makes us cry out for the remedy for this world disease that is already so far advanced and which will become ever worse and worse. That which in one field, in one sphere, must work as nature works, is seen by one who seeks to spread abroad spiritual truths to become a cancer when it enters the sphere of culture, as we have just described.

[ 18 ] Das zu durchschauen und dann Abhilfe zu schaffen wird erst möglich sein, wenn Geisteswissenschaft die Herzen ergreift, die Seelen durchdringt. Und man möchte, wenn man diese Dinge durchschaut, das allerintensivste Feuer haben, um es in seine Worte zu legen, um unsere Zeitgenossen, so viele es verstehen können, aufmerksam zu machen, welcher Zeit wir entgegengehen! Einsehen kann man diese Dinge nur, wenn man sich bekanntmacht mit den verschiedenen Gesichtspunkten, welche existieren, einmal für das eine Feld des Daseins, das andere Mal für das andere. Demjenigen, der in dem Erleben zwischen der Mitternachtsstunde und einer neuen Geburt steht, dem treten diese anderen Gesichtspunkte entgegen, denn aus diesen anderen Gesichtspunkten heraus muß er selber schaffend werden.

[ 18 ] It will only be possible to recognise this and find the remedy, when Spiritual Science lays hold of and fills the hearts and minds of men. When one sees these things, one would fain fill one's words with the most intense fire, so that the attention of as many of our contemporaries as are able to understand them may be attracted to the times we are approaching. We can perceive these things when we make ourselves acquainted with the different points of view that exist in one and another spheres of life. These different points of view confront a person, when experiencing the life between the Midnight Hour of existence and rebirth, for it is from them that he must work creatively on himself.

[ 19 ] Wenn der Mensch die Tendenzen gebildet hat zum Vollzuge des Karmas in bezug auf die ihm nächststehenden Erlebnisse, dann treten die weiteren Erlebnisse, die mehr ferne stehen, vor der Seele auf. Religionsgemeinschaft, andere Gemeinschaften, denen man angehört hat, die erlebt man dann so, daß sie zeigen: Du mußt nun, damit du nicht einseitig wirst, das oder jenes in der folgenden Inkarnation tun. — Kurz, dieses Leben verfließt dann so, daß es zwar auch noch abwechselt zwischen geistiger Geselligkeit und geistiger Einsamkeit, daß es aber wesentlich dahin geht, daß man sich das Urbild für ein neues Erdenleben, rein geistig zunächst, aufbaut.

[ 19 ] When he has formed the tendencies for the fulfilment of his karma in respect of his more intimate experiences, others rise before his soul which are not so intimate. He experiences the religious and other societies to which he has belonged in such a way that they reveal to him certain things he must do in his following incarnation in order not to become one-sided. In short, this life flows on in such a way that it still alternates between spiritual companionship and spiritual solitude, but its essential task is that the human being then constructs the archetype for his new earthly life in a purely spiritual form.

[ 20 ] Lange bevor man zu diesem Erdenleben heruntersteigt, hat man aus der geistigen Welt heraus ein geistig-ätherisches Urbild auferbaut, das die Kräfte in sich trägt, die man geistig-magnetische Kräfte nennen könnte, die einen hinunterziehen zu einem Elternpaar, von dem man fühlt: Es gibt uns die Vererbungsmerkmale, damit wir in einem neuen Erdenleben auftreten können. Ich habe schon angedeutet, daß der normale Zeitpunkt der ist, in dem wir das Gefühl haben: Wir vereinigen uns mit dem, was sich gefernt hat als unsere Lebensfrucht des letzten Erdenlebens. Aber der Mensch kommt nicht immer bis zu diesem. Unser Leben verfließt dann so, daß wir vollständig den Zusammenhang fühlen würden zwischen dem Leiblichen und Geistigen, wenn wir bis zu diesem Zeitpunkt gelangten, aber der Mensch tritt meistens früher ins Dasein. Die meisten Menschen sind geistige Frühgeburten, und es gleicht sich erst später dadurch aus, daß wir solche Erlebnisse haben, in denen wir vollständig harmonisch wieder zusammenfließen mit den Früchten unserer früheren Erdenleben.

[ 20 ] Long, long before the human being descends to earthly life he has constructed out of the spiritual world the spiritual etheric archetype, which has within it forces, which we might call spiritual magnetic forces. These draw him down to parents in respect of whom he feels that they give him the hereditary attributes which enable him to enter upon a new earthly life. I have already mentioned that the normal time for this is when we have the feeling that we are uniting with that which withdrew from us as the fruit of our last earthly life. But the human being does not always reach this point. When we do come to this point the course of our life is such that we fully feel the connection between the bodily part and the spiritual part, but often the man enters into life too soon. Most people are prematurely born, spiritually, and this is only compensated for later through experiences with which we feel entirely in harmony.

[ 21 ] Eines aber ist von ganz besonderer Wichtigkeit. Ich habe es gestern dargestellt: Da wo unsere Sehnsucht am größten sein muß nach Außenwelt, weil wir am meisten in die Einsamkeit eingetreten sind, in der Mitternachtsstunde des geistigen Daseins, da ist es dasjenige, was eigentlich nur in den geistigen Welten wallt und wogt und lebt, da ist es der Geist, der an uns herantritt und unsere Sehnsucht in eine Art von Seelenlicht verwandelt. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir den Zusammenhang mit unserem Ich bewahren. Wir müssen gleichsam die eine Erinnerung bewahren: Du warst auf Erden dieses Ich. Dieses Ich muß einem als Erinnerung bleiben. Daß man das kann in unserem Zeitenzyklus, hängt davon ab, daß der Christus die Kraft in die Erdenaura hineingebracht hat, welche sonst nicht aus dem irdischen Leben mitgebracht würde, die Kraft, die uns befähigt, die Erinnerung bis zur Mitternachtsstunde zu bewahren, Es würde zerreiBend, sozusagen eine Kluft sein, die unser Dasein zu einem unharmonischen in der Mitte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt machen würde, wenn der Christus-Impuls nicht durch die Erdenwelt flösse. Lange bevor die Mitternachtsstunde eintritt, würden wir vergessen, daß wir ein Ich gewesen sind im letzten Leben. Wir würden den Zusammenhang mit der geistigen Welt fühlen, würden aber ans vergessen. Und das ist dadurch bewirkt, daß wir auf Erden eben wirklich unser Ich so stark entwickeln. Daß wir immer mehr und mehr zu diesem Ich-Bewußtsein kommen, das ist notwendig geworden seit dem Mysterium von Golgatha. Aber indem wir auf Erden immer mehr und mehr zu unserem Ich-Bewußtsein kommen, verbrauchen wir die Kräfte, die wir nötig haben nach dem Tode, damit wir wirklich bis zur Mitternachtsstunde des Daseins uns nicht vergessen. Daß wir diese Erinnerung bewahren können, dazu müssen wir in den Christus hinein sterben. So mußte der Christus-Impuls da sein: Er erhält uns bis zur Mitternachtsstunde des Daseins die Möglichkeit, unser Ich nicht zu vergessen.

[ 21 ] One thing is of very special importance which I mentioned in the last lecture. When our longing for an outer world has reached its greatest intensity because we have entered most deeply into solitude, then it is that the Spirit, which only lives and moves in spiritual worlds, approaches us and changes our longing into a kind of soul-light. Up to this point we must keep our connection with our ‘I’. We must, as it were, preserve the remembrance: Upon earth thou wast this ‘I’; this ‘I’ has to remain to thee as a memory. That man is able to do this in our age depends upon the fact that Christ brought into the earth's aura the power by which we can maintain our memory up to the Midnight Hour, when we again have this ‘I’. Otherwise this could not at the present time have been brought over from our earthly life. If the Christ-impulse had not entered the earth, an interruption would have occurred, a break, in the middle of the period between death and rebirth which would have made our existence inharmonious. Long before the Midnight Hour we should have forgotten that we were an ‘I’ in our last life; we should have felt connection with the spiritual world, but we should have forgotten ourselves. We have to develop our Ego so powerfully on earth, that we gain this Ego-consciousness ever more and more. This has become necessary since the Mystery of Golgotha. But because on earth we attain to an ever great consciousness of our Ego, we thereby exhaust the forces we have need of after death in order that we should really not forget ourselves up to the Midnight Hour of existence. In order to be able to retain this remembrance, we have to die in Christ. For this the Christ-impulse is necessary. It preserves for us up to the Midnight Hour of existence the possibility of not forgetting our ‘I’.

[ 22 ] Dann kommt in der Mitternachtsstunde des Daseins der Geist an uns heran. Nun haben wir die Erinnerung an unser Ich bewahrt. Wenn wir sie hineintragen bis zur Mitternachtsstunde des Daseins, bis dahin, wo der Heilige Geist an uns herankommt und uns den Rückblick und den Zusammenhang mit unserer eigenen inneren Welt wie mit einer äußeren Welt gibt, wenn wir diesen Zusammenhang bewahrt haben, dann kann uns der Geist nunmehr bis zu unserer Wiederverkörperung leiten, die wir dadurch herbeiführen, daß wir unser Urbild in der geistigen Welt bilden. Aber nun geschehen ja die Dinge in der Wirklichkeit nicht so, daß man gewissermaßen nur das Allernotwendigste tut. Denn, wie der Pendel nicht ruhig ist, sondern ausschlägt, um wiederum nach der anderen Seite auszuschlagen, und wie es richtig ist, daß es so geschieht, so ist es auch mit dem Geistesleben. Der Christus-Impuls stattet uns nicht bloß mit solcher Kraft aus, daß wir gerade knapp den Anschluß finden, sondern er gibt uns unter Umständen so viel, daß, wenn der Geist nicht an uns herantreten würde, der Christus-Impuls uns hinüberschnellen könnte. Mit der Erinnerung allerdings würden wir den Anschluß nicht finden können, aber hinüberschnellen würde uns der Christus-Impuls. Das hat seine große Bedeutung, und daß wir einen solchen, das notwendigste Maß überschreitenden Impuls von dem Christus her aufnehmen, das wird dem Menschen immer mehr und mehr nötig sein, indem er sich in die Zukunft hinein entwickelt. Jetzt schon ist es notwendig, daß der Mensch gewissermaßen während seines Erdenlebens nicht nur das Allernotwendigste über den Christus erfährt, sondern daß der Christus-Impuls als mächtiger Impuls in seine Seele sich setzt, so daß er ihn noch hinüberschnellt über die Mitternachtsstunde des Daseins. Denn dadurch verstärkt sich der Impuls des Geistes durch den Impuls des Christus, und wir tragen den Impuls des Geistes stärker durch die zweite Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hindurch, als wir ihn sonst hindurchtragen würden, wenn der Christus-Impuls nicht wäre.

[ 22 ] Then at the Midnight Hour of existence the Spirit approaches us. We have now retained the memory of our ‘I’. If we carry this on into the Midnight Hour of existence, to where the Holy Ghost approaches and gives us the vision and the connection with our own inner world, as if with an outer world—if we have kept this connection, the Spirit can then lead us further to our re-embodiment, which we bring about through having formed our archetype in the spiritual world. In reality, however, things do not take place in such a way that one does only what is necessary, but just as a pendulum never rests, but swings to one side so as to swing again to the other, and as it is right this should be so, so is it also with the spiritual life. The Christ-impulse supplies us with more than barely sufficient force just to make the connection, it gives us sometimes so much, that if the Spirit should not come to us, the Christ-impulse would be able to bear us quickly over. We should not be able to make the connection with our memory, but the Christ-impulse would carry us over. This is of great importance; and as we develop on into the future, it will be increasingly necessary for man that he should receive more than merely a bare amount of the Christ-impulse. Even at the present time, it is necessary that man should experience during his earthly life not merely what is absolutely necessary regarding Christ, but that the Christ-impulse should enter into his soul as a mightier impulse, so that it will sweep him rapidly beyond the Midnight Hour of existence. For the force of the Spirit is strengthened through the impulse of Christ, and we feel the force of the Spirit more strongly throughout the second half of our life between death and rebirth, than would be the case if the Christ-impulse were not there.

[ 23 ] Was uns übrig bleibt von dem Impuls des Christus, das verstärkt den Impuls des Geistes, Der Geist wäre sonst nur für den Geist und er würde aufhören zu wirken, indem wir geboren würden. Indem wir uns mit dem Christus-Impuls durchdringen, verstärkt der ChristusImpuls den Impuls des Heiligen Geistes. Und dadurch kann auch in unsere Seele ein solcher Impuls des Geistes hereingebracht werden, der dann, wenn wir in die irdische Inkarnation eintreten, eine Kraft ist, die wir nicht verbrauchen wie sonst die Kräfte, die wir mitbringen durch die Geburt, in der irdischen Inkarnation. Das habe ich ja betont, daß wir die Kräfte, die wir aus der geistigen Welt heraus bringen, umwandeln zu unserer inneren Organisation. Aber das, was wir auf diese Weise als ein Plus bekommen, als ein Mehr, indem der Christus-Impuls den Geistesimpuls verstärkt, das tragen wir herein ins Dasein, das braucht nun nicht umgewandelt zu werden während des irdischen Erlebens. Immer mehr und mehr Menschen werden für die Erdenentwickelung notwendig sein, je mehr wir der Zukunft entgegengehen, die so etwas von der Durchdringung des ChristusImpulses und des geistigen Impulses hereintragen in das irdische Leben durch ihre Geburt bei einer neuen Inkarnation. Der Geist, er muß stärker wirken, damit er nicht nur wirkt bis zu der Geburt hin und alles aus dem geistigen Leben heraus umgesetzt wird in innere organisierende Kräfte, so daß uns nur das bißchen Bewußtsein bleibt, das uns Erkenntnis lehrt über unsere physische Umgebung und über das, was der Verstand ergreifen kann, der an das Gehirn gebunden ist. Würden wir als Menschen, indem wir uns der Zukunft entgegen entwickeln, nicht nach und nach einen Überschuß an Geist, der auf die geschilderte Weise entsteht, mitbringen, dann würde die Menschheit auf der Erde immer mehr dazu kommen, während des irdischen Lebens nichts mehr davon zu ahnen, daß es einen Geist gibt. Dann würde während des irdischen Lebens nur der ungeistige Geist, Ahriman, herrschen, und die Menschen würden nur wissen können von der sinnlich-physischen Welt, die man mit den Sinnen wahrnimmt, und von dem, was man mit dem Verstande begreifen kann, der an das Gehirn gebunden ist. Alle solche Dinge erleben in einer gewissen Weise doch in der Fortentwickelung der Menschen eine Ausbildung gerade jetzt, wo die Menschheit vor der Gefahr steht, den Heiligen Geist zu verlieren.

[ 23 ] The surplus of the Christ-impulse that remains with us, strengthens the impulse of the Spirit. Otherwise the Spirit would only be active for the Spirit, and it would cease working when we were born. As we fill ourselves with the Christ-impulse it strengthens the impulse of the Holy Ghost, and thereby such a spiritual impulse is introduced to our souls that, when we enter earthly incarnation, it is not exhausted in this incarnation as are the other forces we bring with us at birth. I have already mentioned that we transform the forces we bring over from the spiritual world into our inner organisation, but the surplus which we gain in this way through the Christ-impulse strengthening the impulse of the Spirit—this we bring over with us into existence, but it does not need to be transformed during our life on earth. The further we advance into the future, the more necessary will human beings be for the development of the earth, human beings who, because they are filled with the Christ-impulse and the impulse of the Spirit, bring something into earthly life with them when they enter their new incarnation. The Spirit must work with greater power, so that it does not only work up to the time of birth, when everything that is brought from the spiritual world is transformed, so that only the tiny amount of consciousness endures which informs us of our physical environment, and of what can be understood by the intellect connected with the brain. If, as we develop towards the future we did not gradually bring with us as human beings a surplus of spirit, as has just been described, humanity would gradually reach the point where it would have no idea that there was a Spirit, then during earthly life only the unspiritual Spirit, Ahriman, would rule, and humanity would only be able to know of the physical world that is perceived by the senses, and of what is comprehended by the intellect that is connected with the brain. In the onward development of mankind, all these things are even now being experienced to a certain extent, even now humanity is in danger of losing the Holy Ghost.

[ 24 ] Aber sie wird ihn nicht verlieren. Wächter dafür will die Geisteswissenschaft sein, daß die Menschheit diesen Geist nicht verliert, diesen Geist, der in der Mitternachtsstunde des Daseins an die Seele herantritt, um in ihr die Sehnsucht zu beleben, daß sie sich selbst in ihrer Vergangenheit in ihrem ganzen Wert erblicke. Nein, Geisteswissenschaft wird von dem Christus-Impuls immer mehr, immer eindringlicher reden müssen, so daB immer mehr und mehr Geist in immer mehr und mehr Menschen durch die Geburt auch ins physische Dasein hereinkommt, und daß in diesem physischen Dasein immer mehr Menschen erstehen, die fühlen: Ich habe allerdings in mir die Kräfte, die umgewandelt werden müssen in organisierende Kräfte, aber da leuchtet etwas auf in meiner Seele, das nicht umgewandelt zu werden braucht. Der Geist, der nur für die geistigen Welten ist, ich habe etwas von ihm mitgenommen in diese physische Welt, trotzdem ich in meinem Leibe lebe. Der Geist wird es sein, der die Menschen dazu bringt, zu schauen, was in meinem Mysteriendrama «Die Pforte der Einweihung» von der Theodora gesagt wird: Daß Menschen die Äthergestalt des Christus schauen werden. Die Kraft des Geistes, die so in die Leiber hereinkommt, die wird das geistige Auge abgeben, um die geistigen Welten zu sehen und zu verstehen. Zuerst wird man sie verstehen müssen, dann wird man beginnen, sie mit Verständnis zu schauen. Denn das Schauen wird herankommen, weil der Geist die Seelen so ergreift, daß sie diesen Geist hereinbringen werden in die Leiber, und auch in ihren irdischen Inkarnationen wird der Geist aufleuchten: erst bei wenigen, dann bei mehreren wird der Geist aufleuchten. Und können wir auf der einen Seite sagen: Durch den Geist, durch den Heiligen Geist werden wir erweckt in der großen Mitternachtsstunde des Daseins, so müssen wir auf der anderen Seite sagen, hinblickend auf das, was der Geist in der Erdenentwickelung für die Zukunft leistet: Auch im physischen Leib wird das Beste der Seele, das, was den Ausblick gibt in die geistigen Welten, durch den Heiligen Geist immer mehr und mehr auferweckt werden. Auferweckt durch den Heiligen Geist in der Mitternachtsstunde des Daseins, wird der Mensch auch auferweckt werden, wenn er in seinem physischen Leibe lebt, wenn er sich hereinlebt in das physische Dasein. Er wird innerlich erwachen, indem ihn der Geist auferweckt aus dem Schlafe, in dem er sonst befangen wäre mit dem bloßen Anschauen der Sinneswelt und mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist. Schlafen würden die Menschen immer durch die bloße Sinnesanschauung und durch den an das Gehirn gebundenen Verstand. Aber hineinleuchten in diesen Menschenschlaf, der sonst die Menschheit gegen die Zukunft hin immer mehr umdüsternd überkommen würde, hineinleuchten in diesen Schlaf wird der Geist im Menschen auch während des physischen Daseins. Mitten in dem absterbenden geistigen Leben, mitten in dem durch die bloße Sinnesanschauung, durch die Verstandeswelt absterbenden Geistesleben auf dem physischen Plan werden die Menschenseelen auferweckt werden auch im physischen Dasein durch den Heiligen Geist.

[ 24 ] But it will not lose it. Spiritual Science will be the watcher which will see that humanity does not lose the Holy Ghost, this Spirit which approaches the soul at the Midnight Hour of existence, in order to waken within it the longing to see itself in its past and recognise its value. Spiritual Science will have to speak more and more impressively of the Christ-impulse, so that more and more Spirit shall enter into physical existence through birth, in more and more human beings, and so that in this physical existence there shall be more and more human beings who feel: ‘I have certainly within me forces which have to be transformed into organising forces, but there is something also dawning in my soul which need not be transformed. I have brought with me into this physical world some of the Spirit which appertains only to the spiritual worlds, although I am living in my body.’—This is the Spirit which will enable people to see what is spoken of by Theodora in the Mystery Drama, The Portal of Initiation, namely, the etheric form of Christ. The power of the Spirit which thus enters people's bodies will open spiritual eyes through which to see and understand the spiritual worlds. First, people will have to understand them, and then they will begin with understanding to behold them; vision will come, because the Spirit so lays hold of people's souls that they will be able to bring this Spirit into their bodies, and the Spirit will shine out even in their earthly incarnations; it will dawn first in a few, and then in a larger number. So we may say: Through the Spirit, through the Holy Ghost we are awakened in the great Midnight Hour of existence. So also from another side we may say—when we bear in mind what the Spirit provides for earthly evolution in the future:—the best part of the soul, that by which we are enabled to see into the spiritual worlds, will be awakened more and more by the Holy Ghost even when in the physical body. As man is awakened by the Holy Ghost in the Midnight Hour of existence, so also will he be awakened while living in his physical body on the physical plane. He will waken inwardly through the Spirit rousing him out of the sleep of sense; otherwise through mere sense-perception and through the intellect that is connected with the brain, man would always remain asleep. The Spirit will shine into this human sleep, which as it developed toward the future would otherwise gradually overcome humanity. The spirit in man will shine into this sleep even during physical existence. In the midst of the decline of spiritual life, in the midst of spiritual death, caused by an outlook based merely on sense-perception and a brain-bound intellect, the souls of men will be awakened by the Holy Ghost—even now during physical existence:

[ 25 ] Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 25 ] Per Spiritum Sanctum Reviviscimus