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Okkultes Lesen und okkultes Hören
GA 156

20 Dezember 1914, Dornach

Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein? IV

[ 1 ] Mit den verschiedenen Betrachtungen der letzten Zeit, die hier angestellt worden sind, versuchte ich weniger, einzelne Begriffe und Vorstellungen Ihnen zu übermitteln, als vielmehr eine bestimmte Art, sich zur Welt zu stellen, zu charakterisieren. Denn das muß immer wieder und wieder ins Auge gefaßt werden, daß das Allerwichtigste in bezug auf die Errungenschaft, die durch die Geisteswissenschaft kommen soll, nicht das Begriffliche, das Vorstellungsmäßige ist, sondern die ganze Seelenverfassung, die ganze Seelenstimmung, die sich der Mensch der Zukunft unserer Erdenentwickelung durch die Geisteswissenschaft wird aneignen können.

[ 2 ] Heute haftet fast allen, die sich in die Geisteswissenschaft hineinstellen, noch etwas an von Überbleibseln alter Gesinnungen, alter Seelenstimmungen. Und dies ist insbesondere dadurch noch in verstärktem Maße der Fall, als ja eine gewisse Seelenstimmung in der modernen Seele erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit, seit drei, vier bis fünf Jahrhunderten etwa hervorgerufen worden ist im Suchen nach der Enträtselung von Naturerscheinungen, diese Seelenstimmung, die ich bezeichnen möchte als ausgehend von der sogenannten wissenschaftlichen Weltbetrachtung, die man in weitesten Kreisen ja heute als die einzig gültige ansieht. Wissen wir doch, daß das Durchdrungensein von wissenschaftlichen Begriffen und Vorstellungen als Grundlage einer Weltanschauung ja nur bei einem kleinen Teile der Erdenmenschheit heute erst Platz gegriffen hat; denn im Grunde genommen sorgt die moderne Schulerziehung dafür, daß viel weniger die Wissenschaft als diese wissenschaftliche Gesinnung sich rasend ausbreitet. Und da diese wissenschaftliche Art der Seelenstimmung erst kurze Zeit Platz gegriffen hat, so ist es natürlich auch der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung schwierig, sich hineinzustellen in das, was erst seit so kurzer Zeit Platz gegriffen hat, und was bei der Mehrzahl der Menschen sich erst als ein Übergangsstadium in der Evolution ausbilden muß. Diese wissenschaftliche Weltanschauungsstimmung führt ganz notwendigerweise allmählich zu einer Art Materialismus, denn sie kann gar nicht anders sein als einseitig. Sie ist ja in einseitiger Weise erworben durch das, was man nennen kann die Kopferlebnisse des Menschen, und sie strebt ja auch dahin, möglichst alles aus den erwähnten Weltanschauungsvorstellungen auszuscheiden, was nicht dieser Kopfstimmung des Menschen entspricht, was nicht erdacht, nicht ersonnen, nicht durch Experiment oder durch die Beobachtung mit Hilfe des Ersinnens und Erdenkens gewonnen ist. Diese Weltanschauungsstimmung hat auch, könnte man sagen, in bezug auf die Anschauung vom Menschen ihre Einseitigkeit wirklich bewahrt, und in Anbetracht des vielen, was da an Impulsen in die menschliche Seele eingezogen ist, können wir fühlen, wie schwierig es sein wird, die umfassendere, von dem ganzen Menschen wieder ausgehende Seelenstimmung der Welt gegenüber, durch die Geisteswissenschaft zu entfalten.

[ 3 ] Wenn heute jemand, der so recht darinnensteht in der wissenschaftlichen Weltanschauung, ein Buch in die Hand bekommt wie zum Beispiel «Die Geheimwissenschaft im Umriß», da sieht er selbstverständlich den Inhalt dieses Buches wie eine Art hirnverbrannten Unsinns an, weil er diesem Buch durch seine einseitige Gehirn- und Kopfstimmung natürlich keine besonderen Töne abgewinnen kann. Nun zeigt sich gerade an einer Erscheinung - natürlich an vielen Erscheinungen, aber an einer Erscheinung ganz eklatant — etwas von einem radikalen Gegensatz der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung gegenüber der naturwissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung. Diesen einen Punkt möchte ich zunächst hervorheben.

[ 4 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich den Menschen studieren, so zeigt sich uns bei dem weiteren Zurückgehen in urferne, vergangene Zeiten — wie wir sagen, in die Mondenentwickelung unseres planetarischen Daseins —, daß, wenn wir so den Menschen zurückverfolgen, gerade dasjenige, was für des Menschen Erdenentwickelung dem heutigen Menschen so bedeutungsvoll erscheint, eigentlich in der alten Mondenentwickelung noch nicht vorhanden war. In dieser alten Mondenentwickelung war von dem heutigen Menschen im wesentlichen — ich sage im wesentlichen — dasjenige vorhanden, was mehr oder weniger zusammenhängt gerade mit der heutigen Gehirnentwickelung des Menschen. Und das, was der Mensch außer seinem Haupte hat, außer dem, was hauptsächlich zum Schädel, zum Kopfe gehört, seine übrige Leiblichkeit, das ist im wesentlichen Erdenprodukt, Produkt der Erdenorganisation.

[ 5 ] Im wesentlichen, sage ich wieder. Man könnte nämlich auch so sagen: Wenn man zurückverfolgt den Menschen bis zur alten Mondenentwickelung, dann sieht man allmählich, je weiter man zurückgeht, seine äußeren Gliedmaßen, durch die er heute ein Erdenmensch ist, einschrumpfen, und das, was dann bleibt, ist sein Haupt, das umgestaltet worden ist selbstverständlich durch die Erdenentwickelung, das aber im wesentlichen bleibt, wenn man zurückgeht zur Mondenentwickelung. Das andere hat sich anorganisiert, angegliedert. Ich habe das einmal genauer ausgeführt in den Vorträgen über «Okkulte Physiologie», von denen ich hoffe, daß sie bald einmal erscheinen werden, in dem Prager Zyklus, den ich im Jahre 1911 gehalten habe. Also, im wesentlichen kommen wir darauf, daß der Mensch ausgegangen ist von dem, was heute zusammengedrängt, konzentriert in seiner Schädelorganisation vorhanden ist; das andere hat sich angegliedert. Wir müssen also sagen, schematisch gezeichnet würden wir den Menschen in seiner Mondenentwickelung so haben, und in seiner Erdenentwickelung würden wir ihn so haben, daß sich die übrige Organisation daran angliedert.

[ 6 ] Nehmen Sie dieses, was ich eben gesagt habe, und vergleichen Sie damit das, wozu es die einseitige naturwissenschaftliche Weltanschauung bis heute gebracht hat. In einseitiger Weise — selbstverständlich liegt all diesen Dingen etwas Berechtigtes zugrunde — geht sie davon aus, zu sagen, der Mensch habe sich aus den niederen Tierstufen allmählich zu seiner heutigen Vollkommenheit heraufentwikkelt. Was sehen wir denn bei den niederen Tierstufen? Wir sehen bei ihnen gerade dasjenige ausgebildet, was für den Menschen erst bei der Erdenentwickelung zu der Gehirn- und Kopfentwickelung hinzugekommen ist; und gerade das sehen wir bei den Tieren verkümmert, was des Menschen Haupt enthält. Wir sehen bei den Tieren gerade die Gliedmaßen, das, was als Anhängsel bei dem Menschen hinzugekommen ist, besonders ausgebildet, und das, was als Haupt beim Menschen sich schon bei der alten Mondenentwickelung besonders herausgebildet hatte, was sich dann konzentriert hat, das sehen wir bei den Tieren noch zusammengeschrumpft, verkümmert. Aber nur das gerade sieht die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Wir können sagen, die naturwissenschaftliche Weltanschauung zäumt eigentlich das Pferd beim Schwanze auf, denn sie macht das, was sich bei dem Menschen erst angegliedert hat, zum Ausgangspunkt, und das, was beim Menschen vorhanden war, bevor er überhaupt solche Organe besaß, wie sie die jetzigen Tiere haben, zu etwas, was sich aus diesen Formen selber entwickelt haben soll.

[ 7 ] Logisch angesehen, heißt das nichts Geringeres, als so zu schließen: Man betrachtet erst ein Kind und dann den Vater und findet, daß der Vater größer ist als das Kind. Da man nun infolge eines logischen Schlusses annimmt, daß das Größere, sich entwickelnd, nur aus dem Kleinen hat entstehen können, so müßte sich der Vater aus dem Kinde entwickelt haben, und nicht umgekehrt. — So schließt man tatsächlich. So grotesk wird sich einstmals die Einseitigkeit der modernen naturwissenschaftlichen Denkweise vor einem neueren Bewußtsein der Menschheit ausnehmen. Man wird wissen, daß die einseitig aufgefaßte Darwinsche Theorie logisch nichts anderes ist als die Behauptung, daß das Kind seinen Vater geboren habe.

[ 8 ] Nun können Sie sich denken, welche Anstrengungen noch notwendig sein werden, bis die Menschheit umlernt in bezug auf solche Sachen, wie sie jetzt angedeutet worden sind, und was alles dazugehört, um wirklich umzulernen. Man hat es glücklich dahin gebracht, eine Weltanschauung zu begründen, die die Welt auf den Kopf stellt, und nunmehr wird die Notwendigkeit an die Menschheit heranrükken, die Welt wieder auf die Beine zu stellen. Aber man hat sich seit kaum drei bis vier Jahrhunderten — recht daran gewöhnt, die «Kopfstellung» als die richtige anzusehen.

[ 9 ] Es gehört wirklich zu unseren Aufgaben, nicht bloß theoretische Vorstellungen uns anzueignen über dieses oder jenes in der Welt, sondern Gefühle und Empfindungen uns anzueignen für die Aufgaben, die uns innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung obliegen. Wir müssen uns klar sein, wie sehr dasjenige, was für uns folgen muß aus der geisteswissenschaftlichen Auffassung der Welt, sich wirklich unterscheiden muß von dem, was uns draußen heute überall umgibt. Sonst werden wir immer wieder und wieder in den Fehler verfallen, die radikalen Unterschiede nicht zu bemerken und leichtfertig Kompromisse schließen zu wollen, während wir uns doch bewußt sein müssen, daß wir nicht anders können, als nicht auf frühere Weltanschauungen etwas darauf zu pfropfen, sondern aus einer neuen Urzelle des Weltanschauungslebens dasjenige zu entwickeln, was uns als das Richtige aus der Geisteswissenschaft heraus immer mehr und mehr vorschweben kann. Nur aus diesem Bewußtsein heraus wird es uns gelingen, unsere Seele in unsere Aufgabe hineinzustellen, und wir müssen uns daran gewöhnen, daß viele Fragen, die draußen, außerhalb des Kreises geisteswissenschaftlicher Anschauung auftauchen, erst angefaßft werden können, wie ich das mit Bezug auf eine Frage gestern gezeigt habe, wenn wir uns auf das einlassen, was die Geisteswissenschaft in unserer Seele auslösen kann.

[ 10 ] Lassen Sie uns noch etwas anderes betrachten, das uns naheliegen kann gegenüber dem Orte, wo wir gerade jetzt stehen, dem Orte, wo wir unseren Bau aufgeführt haben. Ich habe es früher öfter betont, wie Kunst, Wissenschaft und Religion drei Zweige des menschlichen Geisteslebens sind, die aus einer Wurzel entsprangen. Wenn wir zurückgehen — so sagte ich oftmals — in die Zeit der Urmysterien, da finden wir die Verrichtungen der Urmysterien nicht so, daß wir sagen könnten, sie wären Kunst oder Religion oder Wissenschaft, sondern sie sind das alles zusammen. Eine Einheit, organisch miteinander verbunden, sind Wissenschaft, Religion und Kunst in den Urmysterien.

[ 11 ] Was die Menschen heute mit den ohnmächtigen Begriffen und Vorstellungen, von denen ich gestern gesprochen habe, sich zu vergegenwärtigen versuchen, das erblickte der Mensch in lebendiger Darstellung, in lebendiger Anschauung in den Urmysterien. Er nahm das wahr, was er heute nur denken kann. So wie wir heute ein Kunstwerk anschauen, werden wir künftig nicht an das Kunstwerk herangehen. Wir werden künftig nicht an das Kunstwerk so herangehen, daß wir es anschauen und dann glauben, daß wir es erst mit den Gedanken verstehen, sondern wir werden es in unmittelbarem Anschauen in der Seele erlebend verstehen. So verstand — erlebend in dem, was er anschaute — der Mensch, der in die Mysterien eingeweiht wurde, dasjenige, was er wissentlich begreifen sollte. Was er so wissentlich begreifen sollte, was er anschauend verstehen, verstehend anschauen sollte, das war zugleich ein Schönes als in äußeren Formen und Farben auftretend, in Tönen und Worten redend: es war zugleich Kunst. Sie waren eins, Wissenschaft und Kunst.

[ 12 ] Heute gibt uns nur noch die Kunst, die sich abgetrennt hat von dem, was uns Wissenschaft geben soll, eine Vorstellung von dem, wie man im unmittelbaren äußeren Vereintsein zugleich innerlich vereint ist mit dem Objekte; und nur diejenigen, welche die Barbarei des Symbolismus, des Symbolisierens in die Kunst hineintragen wollen, versündigen sich gegen dieses unmittelbare erlebende Verstehen des Kunstwerkes. Denn in dem Augenblicke, wo man anfängt, ein Kunstwerk zu deuten, verläßt man dasjenige, was man das erlebende Verstehen des Kunstwerkes nennen kann. Es ist im Grunde genommen eine wirkliche Barbarei, sagen wir, dem «Hamlet» gegenüber so zu verfahren, daß die einzelnen Personen als die Prinzipien der theosophischen Anschauung gedeutet werden oder dergleichen. Möchte ich es doch nicht erleben, daß man die einzelnen Formen unseres Baues in dieser Weise symbolisch deutet, denn das unmittelbare verstehende Erleben ist es, um was es sich dabei handelt!

[ 13 ] So war in den Urmysterien wissenschaftliches Erleben der Welt zugleich künstlerisches Erleben der Welt, und zugleich war dieses wissenschaftliche und künstlerische Erleben der Welt religiöses Erfühlen der Welt. Denn was so erlebt wurde im unmittelbaren lebendigen Anschauen, im erlebenden Verstehen und verstehenden Erleben, das war zugleich dasjenige, was man verehren konnte, zu dem man mit religiöser Inbrunst seine ganze Seele erheben konnte. Religion, Kunst und Wissenschaft, sie waren eins; und es mußte — ich möchte das religiöse Wort gebrauchen — um der menschlichen erbsündlichen Schwachheit willen die Trennung eintreten in Wissenschaft, Kunst und Religion. Was ursprünglich eins war, mußte sich spalten, so daß eine religiöse Strömung, eine künstlerische Strömung und eine wissenschaftliche Strömung entstand. Was ursprünglich die ganze Menschenseele erfaßt hat als Organismus, gewoben von wissenschaftlichem, religiösem und künstlerischem Inhalt, das mußte verteilt werden auf die einzelnen Seelenkräfte. Für den Verstand, für das Denken, wurde dem Menschen die Wissenschaft gereicht, damit, wenn er in der Wissenschaft denkend die Welt erlebt, sein Wollen und Fühlen schlafen, sich ausruhen können.

[ 14 ] Der Mensch wurde schwach. Einseitig, im Denken, suchte er wissenschaftlich die Welt zu erleben, und wieder einseitig suchte er sie künstlerisch zu erleben, damit die andern Kräfte schlafen können, und wieder einseitig religiös suchte er die Welt zu erleben aus demselben Grunde. Der Mensch würde nicht dasjenige, was er gedanklich erarbeiten kann, in solcher Vollkommenheit herausgestalten können, wie es heute geschieht, wenn sich nicht eine einseitig wissenschaftliche Strömung herausgebildet hätte; er würde nicht das, was künstlerisch erreicht worden ist, haben erlangen können, wenn sich nicht die Kunst abgesondert hätte; und die religiöse Inbrunst würde nicht jene Höhe erreicht haben, die sie erreichen mußte, wenn sie sich nicht abgesondert hätte von den andern Seelenkräften, die der Wissenschaft und der Kunst gewidmet sind.

[ 15 ] Aber in bezug auf diese Absonderung sind wir tatsächlich bei einer Krisis angelangt, und diese Krisis spricht sich deutlich aus; sehr, sehr deutlich spricht sie sich aus. Worin? Ich möchte sagen, gerade in den letzten Jahrhunderten hat die Menschheit es immer mehr erfahren müssen, wie diese Krisis sich ausspricht. Es haben sich so weit getrennt Wissenschaft, Kunst und Religion, daß sie sich gegenseitig nicht mehr verstehen, daß sie gegenseitig keine Beziehungen mehr zueinander haben können. Langsam sehen wir, wie die «diplomatischen Beziehungen» abgebrochen werden zwischen Religion, Wissenschaft und Kunst. Wir sehen, wie noch solche Beziehungen vorhanden waren, sagen wir, in der Hoch-Zeit der italienischen Renaissance, wo noch ein inniges Band gewoben ist zwischen Religion und Kunst in den Schöpfungen Raffaels, Michelangelos und Leonardo da Vincis. Aber je mehr wir hineingehen in die neuere Zeit, desto mehr finden wir, wie sich allmählich ein gegenseitiges Nichtverstehen herausbildet zwischen Wissenschaft, Kunst und Religion. Wir sehen da — und müssen es leider bekennen —, wie vielfach in den letzten Jahrhunderten die Religion sogar kunstfeindlich geworden ist; wir sehen, wie sie die Kunst herausgeworfen hat, wie es religiöse Strömungen gibt, welche die Höhe des religiösen Fühlens dadurch zu erreichen suchen, daß sie die Bildwerke herauswarfen und die Kirchen möglichst nüchtern und kunstleer machten. Wir sehen ferner, wie eine andere religiöse Strömung dahin gekommen ist, Bildwerke zwar noch zu haben, aber meistenteils solche, die keine Kunstwerke mehr sind, denn das, was wir vielfach an Bildwerken aus den letzten Jahrhunderten in den Kirchen noch finden, ist jedenfalls nicht dazu berufen, den Kunstsinn, den ästhetischen Sinn zu wecken, sondern ihn gründlich auszurotten. Und wir sehen auf der andern Seite, wie die Kunst sich immer mehr und mehr entschlagen hat ihres Zusammenhanges mit der Auffassung des göttlich-geistigen Seins, wie alles in Naturalismus übergegangen ist, wie man immer mehr und mehr nur dasjenige darstellen will, was ein Vorbild hat in der äußeren Natur.

[ 16 ] Selbstverständlich muß dann die Kunst ihre, wenn ich so sagen darf, «diplomatischen Beziehungen» zur Religion abbrechen, wenn sie nur naturalistische Kunst sein will, denn dasjenige, was die Religion verehren muß, kann kein Vorbild in der äußeren Natur haben. Das ist ja ganz selbstverständlich. Und wie wenig die Wissenschaft ihre Beziehungen aufrechterhalten hat, sehen wir an dem langsamen Heranrücken dieses Abbrechens der Beziehungen. Ja, man sieht das langsam heranrücken.

[ 17 ] Wir haben einen ausgezeichneten Künstler im 16. Jahrhundert, der zugleich als Anatom und Techniker auf den verschiedensten Gebieten tätig gewesen ist: Leonardo da Vinci. Wer seine wissenschaftlichen Werke durchnimmt, fühlt noch überall, wie diese wissenschaftlichen Werke durchdrungen sind von künstlerischem Sinn. Man sieht aber, wie mehr und mehr verdunstet dieser Sinn in der neueren Zeit, wie unkünstlerisch er geworden ist, und wie man heute zu glauben scheint, daß gerade die Größe der Wissenschaft darin bestehe, unkünstlerisch zu sein. Es ist geradezu für eine gewisse Richtung der neueren Zeit zum Dogma geworden, daß Goethe deshalb ein so schauervoller Physiker sei, weil der künstlerische Sinn ihn nicht einen ordentlichen Physiker habe werden lassen.

[ 18 ] Kurz, es ist zum Nichtverstehen gekommen zwischen den drei Strömungen. Das aber bezeichnet die Krisis. Denn wenn sich dasjenige, was aus einer Wurzel stammt, in seinen gegenseitigen Beziehungen so voneinander sondert, daß die Lebenssäfte nicht mehr aus der gemeinsamen Wurzel kommen, so muß die Krisis eintreten, so muß die einseitige Entwickelung diese Strömungen zum Verdorren führen. In bezug auf das Nichtverstehen dessen, was gemeinsamer Organismus, zusammenhängender Organismus in der Menschennatur ist und in der äußeren Entwickelung sich trennt, haben wir es in neuerer Zeit überhaupt zum Krisenhaften gebracht. Wir stecken darin in den Krisen. Solche Krisen können so bezeichnet werden, daß wir sagen, die menschliche Natur fordert organische Vereinheitlichung dessen, was eine Zeitlang getrennte Wege in der äußeren Welt gehen mußte. Auf vielen Gebieten des Lebens kann der Mensch, der nicht stumpf durch die Weltenentwickelung geht, solches Krisenhafte wahrnehmen, und ein solcher Mensch wird vieles von dem, was nicht so bleiben kann, wie es in der heutigen Entwikkelung ist, in seinen Ursachen in diesen Krisen beobachten, und er wird Aufschluß über das gewinnen, was zu geschehen hat, um die Krisen zu überwinden.

[ 19 ] Eine Krisis haben wir angedeutet in dem Sich-gegenseitig-nicht-mehr-Verstehen von Wissenschaft, Kunst und Religion. Eine andere Krisis geht durch die Welt, die nur von wenigen bemerkt wird, die aber furchtbar ist in ihrer Wirkung, eine Krisis, die herrührt von dem Nichtverstehen zweier Strömungen. Die eine Strömung ist die, welche einstmals durch die Welt gehaucht wurde in den so unendlich tiefen, in das Menschenherz eingegrabenen Aussprüchen: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt» und «Ihr seid von unten her, ich aber bin von oben her». Des Menschen Wurzel ist in der geistigen Welt.

[ 20 ] Die zweite Strömung, die sich immer mehr und mehr entwickeln muß zu einem krisenhaften Gegenüberstehen dem, was zum Ausdruck kommt in den Worten: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt» und «Ich bin von oben her, Ihr aber seid von unten her», das ist das Wort: «L'état c'est moi! Der Staat bin ich!», mein Reich, das Reich meines Ichs ist ganz an diese Welt gebunden. Das Richtige liegt in der Synthesis der beiden Sätze. Es liegt in dem universell aufgefaßten Christentum, ausgesprochen in den Worten «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist». Im richtig verstandenen Christentum liegt kein falsches Abkehren von der Welt. Es liegt darin aber auch nicht jene Einseitigkeit, die bloß in dem Sich-Anhängen an die materiellen Einrichtungen des Weltendaseins sich ausleben kann.

[ 21 ] Wir berühren, indem wir solches aussprechen, wahrhaft die tiefsten Aufgaben der Anthroposophie, die allertiefsten Aufgaben. Denn die Anthroposophie, im wahren Sinnes des Wortes, muß nicht einseitig einer Kopfstimmung entsprungen sein, sondern der ganzen Seele des Menschen. Und dann erst wird diese Seele den Übergang finden in das anthroposophische Leben, wenn sie ganz, nicht bloß in ihrem Vorstellungsleben, ergriffen wird von dem, was die Geisteswissenschaft gegeben hat, wenn sie ganz, ganz davon ergriffen wird.

[ 22 ] Es ist eine Tatsache, daß das, was des Menschen Haupt geworden ist im Mondendasein, während des Erdendaseins auf dem Weg ist, der ganze Mensch zu werden. Während der alten Mondenentwickelung war ein Wesen da, der Vorfahr des gegenwärtigen Menschen. Was dazumal ein äußerer Organismus war, ist heute zum Haupte geworden. Die Glieder haben sich angesetzt. Wenn die kommende Jupiterentwickelung da sein wird, wird dieser ganze Organismus des heutigen Menschen Haupt geworden sein. Was Sie heute als ganzer Mensch sind, wird Gehirn, Haupt des Jupitermenschen sein, so wie der ganze Mondmensch zum Haupt des Erdenmenschen geworden ist.

[ 23 ] Darin besteht die Aufgabe wahrer geistiger Entwickelung, daß die Zukunft wirklich vorausgenommen wird. Deshalb müssen wir uns bewußt werden, daß um uns herum eine Kopfkultur ist, und daß es uns obliegt, eine Menschheitskultur zu schaffen. Unser Kopf könnte nicht denken, könnte keine Vorstellungen, keine Begriffe spiegeln, wenn er sich so verhielte, wie unser ganzer übriger Organismus; niemals könnte er dann wirklich seine Aufgabe erfüllen. Unser Kopf spiegelt die Welt, die ja unsere Wahrnehmungswelt wird, nur deshalb, weil er sich in seinem Wahrnehmen vergessen kann, richtig vergessen kann. In seinem Fühlen ist der Mensch — Gott sei Dank ja immer kopflos. Wenn Sie versuchen, sich durchzuspüren, durchzufühlen und sich zu fragen: Was fühle ich am wenigsten in meinem Organismus? — so ist es wirklich der Kopf, der sich im normalen Leben am meisten vergißt. Und wenn er sich wirklich einmal nicht vergißt, dann tut er weh, und dann ist es ihm auch am liebsten, wenn er gar nichts wahrnehmen muß, sondern hübsch in Frieden gelassen und ohne Wahrnehmung gehalten wird. Da macht er seinen Egoismus geltend. Sonst aber löscht er sich aus, und weil er sich auslöscht, können wir die ganze umliegende Welt wahrnehmen. Er ist organisiert dazu, sich auszulöschen.

[ 24 ] Würden Sie nur ein klein wenig die äußere Peripherie des Kopfes nicht vergessen, sondern ins Auge fassen, dann könnten Sie schon nicht mehr die äußere Umgebung wahrnehmen. Denken Sie sich, daß Sie, anstatt die äußere Welt wahrzunehmen, Ihr Auge sehen würden; wenn Sie zum Beispiel einen Schritt nur zurücktreten würden mit Ihrer Wahrnehmung, dann würden Sie die Schädelhöhle sehen, aber mit Wahrnehmung der Außenwelt wäre es nichts. In demselben Maße und in dem Augenblicke, in dem es dem Menschen gelingt, seinen Organismus ganz auszuschalten — was man bekanntlich durch Meditation und in der Initiation erreicht —, in demselben Maße und Augenblicke wird dieser Organismus ein wirklicher Spiegel der Welt, nur, daß wir dann nicht den Organismus sehen, sondern den Kosmos. So wie der Kopf auch nicht sich selber sieht, sondern dasjenige, was um ihn herum ist, so sieht der ganze Mensch, wenn er Wahrnehmungsorgan wird, den Kosmos. Das ist das Ideal, das uns vorschweben muß: Vergessen des Organismus, so wie er uns auf dem physischen Plane erscheint, und dafür ihn benützen können als Spiegelungsapparat für die Geheimnisse des Kosmos.

[ 25 ] So erweitern wir allmählich unsere Kopfauffassung zu einer Ganz-Mensch-Auffassung der Welt, und wir müssen lernen, etwas davon zu verspüren, zu empfinden, zu fühlen, wie wirklich Anthroposophie den ganzen Menschen ergreifen muß, überwindend diese Kopfstimmung — so darf ich sie nennen im Gegensatz zur anthroposophischen Stimmung —, die einseitige Kopfstimmung, die von der modernen Wissenschaft ausgeht und so ganz nur den Kopf erfaßt.

[ 26 ] Wenn Sie etwas von dem real nehmen, was ich gestern gesagt habe, als ich schilderte, wie sich der Mensch bewußt werden kann, daß er ein Leuchter ist für die Cherubim, ein Wärmeapparat für die Seraphim, wie er sich im Denken und Wollen hineinstellt in die Welt der Cherubim und Seraphim, wie er etwas bedeutet für diese Welt, wie sein Selbst nicht nur für sich da ist, sondern in einem lebendigen Verhältnis zu dem Weben und Leben der geistigen Hierarchien steht — wenn Sie das zu einer Gesinnung machen, dann werden Sie etwas verspüren davon, wie der ganze Mensch richtig Gehirn werden kann, wie er als ganzer Mensch so in Kommunikation kommen kann mit seiner Umgebung, wie sonst nur das Haupt. Dann werden Sie fühlen, was eigentlich gemeint ist mit diesem: als ganzer Mensch auffassen die Welt.

[ 27 ] Wenn man aber wieder als ganzer Mensch auffaßt die Welt, dann kann man nicht einseitig denken, fühlen und wollen, sondern man lebt sich ein in das ganze Erdensein. In das ganze Erleben der Welt lebt man sich ein, und es entsteht von selbst, ich möchte sagen, das innere Angewiesensein darauf, die Dinge nicht nur in Gedanken zu haben, sondern auch in Formen, nicht nur in den formlosen Gedanken, sondern in den schönen, ausdruckvollen Formen. Es entsteht der Trieb, das Bedürfnis, in künstlerischen Formen die Dinge auszudrücken, die man verstandesmäßig har.

[ 28 ] Und wiederum: wenn der Mensch eintaucht in das ganze geistige Weltenleben, so wird sein Leben im Grunde genommen Gebet, und er hat dann nicht mehr so unbedingt nötig, sich hübsch Minütchen auszusondern, in denen er betet. Sondern er weiß: Wenn ich denke, bin ich Leuchter der Cherubim, wenn ich handle, wenn ich wollend handle, bin ich Wärmeapparat für die Seraphim. Der Mensch weiß, er lebt darinnen in dem ganzen geistigen Weltgefüge. Denken wird ihm selbst zur religiösen Gesinnung, Handeln wird ihm zum moralischen Gebet.

[ 29 ] Wir sehen, wie diese drei Gebiete, Kunst, Religion und Wissenschaft, die eine Weile getrennt gehen mußten in der Welt, sich wiederum suchen aus dem ganzen Menschen heraus. Der Mensch hat sich im Beginne der Erdenentwickelung so viel mitgebracht aus der außerirdischen Entwickelung, daß er noch das lebendige, einheitliche Gefühl, das einheitliche Streben hatte, wie es sich in der alten Zeit in der Vereinigung von Kunst, Religion und Wissenschaft ausdrückte. Man könnte sagen, im Menschen strebte damals noch sein Engel, sein Angelos. Aber der Mensch wäre niemals frei geworden, wenn es so fortgegangen wäre. Der Mensch mußte emanzipiert werden von diesem alten Erbgut. Aber er muß in der aufsteigenden Entwickelung wiederfinden, was er in der absteigenden Entwickelung verloren hat.

[ 30 ] Es ist öfter über ein schönes Wort Goethes gesprochen worden von der Baukunst. Er hat die Baukunst eine gefrorene Musik genannt. Bleiben wir bei diesem Ausspruch stehen. Man kann wirklich die Baukunst in ihrer bisherigen Entwickelung eine Art gefrorene Musik nennen. Die Formen der Baukunst sind wie erstarrte Melodien, wie festgewordene Harmonien und Rhythmen. Aber wir haben die Aufgabe, da wir unmittelbar darinnenstehen in der angedeuteten Krisis, das Erstarrte wieder in Bewegung, in Lebendigkeit zu bringen, gewissermaßen die erstarrten Formen wiederum musikalisch lebendig zu machen. Wenn Sie unseren Bau sehen, werden Sie ihm das Bestreben ansehen, die alten erstarrten Bauformen in Bewegung zu bringen, in Leben umzuformen, sie wieder musikalisch zu machen. Das liegt zugrunde, warum wir keinen Rundbau haben, sondern eine einzige Symmetrieachse, längs welcher sich die Motive fortbewegen.

[ 31 ] So sehen wir, wie das, was geisteswissenschaftliche Weltanschauung auch als Kunst will, in innigem Zusammenhang steht mit allen Aufgaben, mit allen notwendigen Impulsen unserer Zeit, die wir in den Krisen unserer Zeit erkennen. Dieses zu verstehen, zu durchschauen, ist unsere Aufgabe, ist ungeheuer notwendig zu unserer Aufgabe. Alle Einzelheiten unserer Aufgabe müssen wir von diesem Gesichtspunkte aus allmählich zusammenschauen.

[ 32 ] Der Mensch verlernt heute früh, seinen ganzen Organismus wie eine Art Gehirn zu gebrauchen. Die Anlage hat er schon, aber kaum hat er sich vom kriechenden Kinde zum aufrechtgehenden Menschen entwickelt in den ersten Lebensjahren, so verlernt er, eine Beziehung zu seinem ganzen Organismus zu haben, so wie er sie dann sein ganzes Leben hindurch zu seinem Gehirn hat; denn dieses SichAufrichten, dieses Sich-in-die-Vertikale-Bringen ist in der Tat ein Arbeiten des Geistes an dem ganzen Menschen. Das ist der letzte Rest dessen, was wir aus dem geistigen, vorgeburtlichen Leben mitbringen, denn im Erdenleben verlernen wir es rasch. Und dann schleppen wir den ganzen Organismus, der ißt und trinkt und verdaut, wie eine Last durch das Leben; wir schleppen ihn durchs Leben und bringen ihn nicht mehr in eine respektable Beziehung zur geistigen Welt, sondern weitab von der geistigen Welt.

[ 33 ] Das Kind hat noch die große Weisheit, sich danach zu richten, daß des Menschen Aufgabe in weltenfernen Höhen liegt und hat in seinem Organismus die Richtung nach weltenfernen Höhen. Wenn das vorüber ist, wird — ich will nicht gleich so unhöflich sein wie die mittelalterlichen Mystiker, die da sagten, es werde der Organismus zum eklen Madensack, sondern ich will sagen — der Organismus wird zum Verdauungs- und Magensack und wird abgesondert von der Beziehung zur Außenwelt.

[ 34 ] Nicht einmal jene Beziehung zur Außenwelt wird noch aufrechterhalten, von der ich gestern gesprochen habe. Wenn wir zum Beispiel das Haupt in die Hand stützen, um dadurch etwas Gewichtiges in dem äußeren Organismus zum Ausdruck zu bringen, wir beachten es kaum. Und wenn jemand in seinem Unbewußten sich noch ein wenig die Gewohnheit bewahrt hat, den ganzen Organismus mitzubenutzen und nicht nur mit dem Gehirn zu denken, sondern auch die Hand oder den Zeigefinger an die Stirn oder die Nase zu legen, damit andeutend, daß er jetzt wirklich unterscheidet und urteilt — wir beachten nicht, daß das ein instinktives Bestreben ist, den ganzen Organismus wie ein Gehirn zu gebrauchen. Es braucht ja nicht in dieser äußeren Weise zu geschehen. Selbstverständlich denkt die Geisteswissenschaft nicht daran, den Menschen zu einem Zappelfritzen zu machen, der mit dem ganzen Leibe denkt. Aber geistig muß selbstverständlich das Bewußtsein sich dazu erweitern, mit dem ganzen Menschen darinnenzustehen im Kosmos, zu wissen, daß sich der Kosmos durch den ganzen Körper spiegeln kann, wie sich jetzt der Kosmos nur durch das Gehirn spiegelt.

[ 35 ] Wenn so das Bewußtsein erweitert wird, wenn wirklich der Mensch darüber hinauskommt, sozusagen seinen Organismus nur mitzuschleppen durch das Leben, wenn er ihn gebrauchen, handhaben lernt, dann wird dasjenige vorbereitet, was in unserer Zeit vorbereitet werden muß: Eine menschliche, eine totalmenschliche Weltanschauung, gegenüber der bloßen Gehirnanschauung, muß dasjenige werden, was die Anthroposophie anzustreben hat.

[ 36 ] Versuchen wir das, und versuchen wir so zur Gesinnung zu erheben, was sonst doch nur Vorstellung bleibt, dann werden wir erreichen, was intendiert wird mit dieser unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Denn wir werden allmählich als Menschen finden, hinaufsteigend in der Entwickelung, die wirkliche Christus-Gestalt, wenn wir uns immer mehr und mehr eingelebt haben in die ganzmenschliche Auffassung der Welt. Daß diese Christus-Gestalt nicht gefunden werden kann, daran ist nur die Gehirnanschauung schuld. In dem Augenblicke, wo sie überwunden sein wird, wo die Geisteswissenschaft so stark geworden sein wird, daß sie den Menschen in der charakterisierten Weise umorganisiert in bezug auf sein Bewußtsein, wird das, was schon öfter gesagt worden ist von der ChristusAnschauung, wirklich eintreten. Dann aber wird unsere Menschenwelt dasjenige erreichen können, was sie doch nur von innen heraus erreichen kann und was sie über manches hinwegführen wird, das jetzt nicht nur innerlich, in bezug auf die Weltanschauungen, sondern auch äußerlich in bezug auf die Menschen und Nationen geradezu zu einer Krisis unter der gebildeten Erdenmenschheit geführt hat.

[ 37 ] Man möchte, daß die Menschen allmählich einsehen, wenigstens ein kleiner Teil der Menschen einsähe, daß wirklich Hilfe nötig ist. Dann wird man auch einsehen, daß die Hilfe, welche die Menschheit braucht, nur geleistet werden kann von den Seelen aus, nur von innen heraus, und daß alles andere nicht einmal Surrogate sein können, weil gegenüber den großen Krisen unserer Zeit Surrogate nicht mehr helfen können, sondern nur das Echte und Wahre. Und das Echte und Wahre muß im Geiste von der Menschheit erobert werden.