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Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt
GA 158

11 April 1912, Helsinki

Ansprache für die russischen Zuhörer des Vortragszyklus «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen»

[ 1 ] Wir versuchen in das theosophische Leben und die theosophische Erkenntnis nach und nach einzudringen, wir haben aber während dieses unseres Eindringens offenbar oftmals das Herzensbedürfnis, uns zu fragen: Warum wollen und suchen wir Theosophie im Geistesleben der Gegenwart? — Wir brauchen wohl nicht allzusehr unser Gemüt, unser Herz anzustrengen, wenn solch eine Frage auftaucht, und es wird in unsere Seele hereinkommen ein Wort, das sogleich für unser Gefühl aufklärend und mehr noch als aufklärend wirken wird, das Wort Verantwortung. Verantwortung! Es soll uns dieses Wort etwas geben, welches von vornherein in unserer Seele, in unserem Herzen ausschließen soll, daß wir Theosophie treiben aus irgendeinem persönlichen Sehnsuchtsbedürfnis heraus. Wenn wir verfolgen, was uns, vielleicht ohne daß wir uns dessen ordentlich bewußt werden können, befällt bei dem Worte Verantwortlichkeit gegenüber jenem Geistesleben, das wir als theosophisch bezeichnen, dann werden wir immer mehr und mehr darauf kommen, daß wir es der gegenwärtigen Menschheit und dem Besten in uns, was dieser gegenwärtigen Menschheit dienen kann, schuldig sind, uns um 'Theosophie zu kümmern. Wir dürfen Theosophie nicht treiben bloß uns zur Freude, um uns irgendwie, weil wir dieses oder jenes persönliche Sehnsuchtsgefühl haben, an Theosophie zu befriedigen, sondern wir müssen fühlen, daß Theosophie etwas ist, was die gegenwärtige Menschheit braucht, wenn überhaupt der Menschheitsentwickelungsprozeß weitergehen soll. Wir brauchen uns nämlich nur vor Augen zu halten, daß ohne Theosophie, oder wie man es nennen mag, ohne jenes spirituelle Leben, das wir meinen, die Menschheit der Erde einer trostlosen Zukunft entgegengehen müßte, wahrhaft einer trostlosen Zukunft. Dies aus dem einfachen Grunde, weil alle geistigen Impulse der Vergangenheit, alles das, was in der Vergangenheit den Menschen hat gegeben werden können an geistigen Impulsen, erschöpft ist, sich nach und nach auslebt und nichts von neuen Keimen in die Menschheitsentwickelung hineinbringen kann. Das, was kommen müßte, wenn nur die alten Impulse fortwirken würden, wäre ein vielleicht heute noch ungeahntes, die Menschen nicht nur Überwältigendes, in äußerer Beziehung Überwältigendes, sondern betäubendes Dominieren, Überhandnehmen der bloß äußerlichen Technik und ein Zugrundegehen, weil aus der Menschenseele fortziehend alles religiösen, wissenschaftlichen, philosophischen, künstlerischen und auch im höheren Sinne ethischen Interesses. Zu einer Art lebendiger Automaten würden die Menschen, wenn nicht neue geistige Impulse kommen würden. So müssen wir uns fühlen, wenn wir an Theosophie denken, als diejenigen, die ihr Karma dazu gebracht hat, etwas zu wissen von dem, daß die Menschheit neue Impulse braucht.

[ 2 ] Da dürfen wir uns wohl die Frage dann vorhalten: Was können wir, jeder einzelne, nach unseren besonderen Qualitäten, nach unseren besonderen Eigenschaften tun gegenüber diesem allgemeinen Verantwortlichkeitsgefühl? — Lehrreich zu einer Beantwortung dieser Gefühls- und Herzensfrage ist ja die Art und Weise, vielleicht ganz besonders für Euch, meine lieben Freunde, wie Theosophie in der letzten Zeit in die Welt gekommen ist, und wie sie sich im Laufe der letzten Jahrzehnte heranentwickelt hat bis in unsere Tage herein. Wir dürfen nämlich niemals vergessen, daß so, wie in der neueren Zeit das Wort Theosophie in die Welt hereingefallen ist, etwas vorliegt wie ein geistiges Kulturwunder. Dieses geistige Kulturwunder knüpft an an eine Persönlichkeit, die als Persönlichkeit Euch, meine lieben Freunde, ja nahesteht, da sie ihre geistigen Wurzeln in einer gewissen Weise aus Eurem Volkstum geholt hat. Ich meine Helena Petrowna Blavatsky. Und für den Westeuropäer ist es unleugbar, in jeder Beziehung unleugbar, daß der Körper, in dem die Individualität, die in dieser Inkarnation Helena Petrowna Blavatsky hieß, eingeschlossen war, eben nur aus dem Milieu Osteuropas, Rußlands hervorgehen konnte. Denn sie hatte alle russischen Eigenschaften. Aber Helena Petrowna Blavatsky ist Euch genommen worden durch Umstände ganz besonderer Art; Helena Petrowna Blavatsky ist versetzt worden durch die besonderen karmischen Verhältnisse der Gegenwart nach dem Westen. Nun, fassen wir einmal ins Auge, was eigentlich für ein sonderbares Kulturwunder vorlag.

[ 3 ] Nehmen wir diese Persönlichkeit von Helena Petrowna Blavatsky. Sie war eine Persönlichkeit im Grunde genommen, die ihr ganzes Leben hindurch in vieler, vieler Beziehung Kind geblieben ist, richtiges Kind; eine Persönlichkeit, die ihr ganzes Leben hindurch nicht gelernt hat, wirklich logisch zu denken; eine Persönlichkeit, die ihr ganzes Leben hindurch nicht gelernt hat, ihre Leidenschaften, Triebe und Begierden auch nur einigermaßen im Zügel zu halten, die ins Extreme zu verfallen jederzeit in der Lage war; eine Persönlichkeit, die im Grunde genommen eine sehr geringe wissenschaftliche Bildung hatte. Durch diese Persönlichkeit wird der Welt geoffenbart, man möchte sagen, wie es nicht anders sein konnte, durch das Medium einer solchen Persönlichkeit geoffenbart, chaotisch, durcheinandergeworfen, bunt, eine Summe der allergrößten ewigen Weistümer der Menschheit. Und derjenige, der in diesen Sachen bewandert ist, findet in Helena Petrowna Blavatskys Werken Weistümer, Wahrheiten, Erkenntnisse der Menschheit, welche die Intellektualität und die Seele von Helena Petrowna Blavatsky nicht verstehen konnten, nicht im entferntesten verstehen konnten. Es gibt nichts Klareres, wenn man nur unbefangen auf die ganzen Tatsachen eingeht, als daß für alles, was im Werke von Helena Petrowna Blavatsky lag, die äußere Seele, die äußere Intellektualität von Helena Petrowna Blavatsky nur ein Umweg, nur ein Mittel war, daß sich da bedeutende, große spirituelle Mächte der Menschheit mitteilen konnten. Und es gibt auch nichts Klareres, als daß in der Art und Weise, wie es dazumal im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts geschehen sollte, auf niemanden in Westeuropa die Impression hätte so geschehen können. Es brauchte die ganz sonderbare, auf der einen Seite selbstlose, fast entselbstete, und auf der andern Seite wiederum radikal selbstische, egoistische Natur von Helena Petrowna Blavatsky, um das geschehen zu lassen durch höhere geistige Mächte, was geschehen ist. Die selbstlose Natur aus dem Grunde, weil jedes westeuropäische Gemüt in die eigenen Denkformen, in den eigenen Intellekt das gebracht hätte, was geoffenbart worden ist. Und es brauchte die ganz selbstische, egoistische Art, weil in der damaligen grobklotzigen materialistischen Lebensart Westeuropas keine Möglichkeit geboten war, anders als aus einer solch radikalen Gemütsart heraus wie, man möchte sagen, Eisenfäuste zu machen über die zarten Hände, welche zu hegen und zu pflegen hatten den Okkultismus der neueren Zeit. Es ist eine eigentümliche Erscheinung. Aber, meine lieben Freunde, Helena Petrowna Blavatsky ging nach dem Westen, ging nach derjenigen Kulturstätte, die nach ihrer ganzen Eigenart, nach ihrer ganzen Struktur und Konfiguration auf allen Gebieten, außer Amerika, das allermaterialistischste Kulturgebiet unserer Gegenwart ist, nach einem Kulturgebiet, das in seiner Sprache, in seinem Denken absolut in materialistischen Gedanken fährt, und in materialistischen Gefühlen lebt. Es würde hier zu weit führen, auseinanderzusetzen, welche Macht Helena Petrowna Blavatsky gerade nach England geführt hat. Und so sehen wir denn, daß die Summe des Okkultismus, der sich auf eine kulturwunderliche Art in einem Medium — ich meine das nicht in spiritistischem Sinne — auslebt, zunächst nach dem europäischen Westen strebt.

[ 4 ] Innerhalb dieses europäischen Westens war zunächst das Schicksal dieses Okkultismus nach einer gewissen Richtung hin besiegelt, denn es ging nicht anders, als daß sich mit der Begründung der theosophischen Bewegung in diesem materialistischen europäischen Westen ein bedeutsames Karma erfüllte. Dieses Karma erfüllte sich auch. Dieser europäische Westen hat eine starke karmische Schuld; er kann nicht in die Geheimnisse des Daseins eindringen, ohne daß diese karmische Schuld in einer gewissen Weise sich geltend macht. Wenn Okkultismus irgendwo in Frage kommt, dann vertieft sich sogleich das Karma, dann werden gleich Kräfte an die Oberfläche gespielt, die sonst im Verborgenen bleiben. Und nicht um irgend etwas zu kritisieren, sondern um zu charakterisieren, wird gesagt, was gesagt werden soll: Der europäische Westen hat, indem er etwas ausführte, was in geschichtlicher Weise notwendig ist, unzählige Ungerechtigkeiten vollzogen an dem Träger alter spiritueller Kultur, an dem Träger alter okkulter Geheimnisse, in dessen Leben zwar für die Gegenwart die spirituellen Dinge erstarrt, nicht mehr vorhanden sind, aber auf dem Grunde der Seele leben. — Denn so ist es in Wahrheit in Indien, in Südasien. In dem Augenblick, in welchem okkulte Impulse nach Westeuropa kamen, machte sich sogleich die Reaktion geltend gegen die in den Tiefen des Indertums wirkenden spirituellen Kräfte, und unmöglich wurde es nun — unmöglich ‘wurde es schon zur Zeit von Helena Petrowna Blavatsky —, das zu behalten, was allerdings von gewissen spirituellen Mächten intendiert war als die eigentliche in unserer Gegenwart notwendige spirituelle Bewegung. Unmöglich war das festzuhalten. Intendiert war, der Menschheit einmal eine Summe von okkulten Lehren zu geben, die für alle Menschen, für alle Herzen passen konnten, mit denen ein jeder, jeder hätte mitgehen können. Da aber durch gewisse Notwendigkeiten der Impuls verpflanzt wurde nach Westeuropa, machte sich eine egoistische Reaktion geltend. Zurückgedrängt wurden diejenigen spirituellen Mächte, die ohne Unterschied von irgendwelchen menschheitlichen Differenzen der Welt einen neuen Impuls geben wollten, und das einstmals in seinem Okkultismus niedergedrückte Indien rächte sich karmisch, indem es bei der ersten Gelegenheit, wo Okkultismus im Westen auftrat, diesen Okkultismus mit seinem eigenen nationalen egoistischen Okkultismus durchsetzte. Und das geschah zu Helena Petrowna Blavatskys Zeiten. Das geschah schon, indem Helena Petrowna Blavatsky die großen Wahrheiten und Weistümer ihrer «The Secret Doctrine» ab faßte. Ihr erstes Werk, die «Entschleierte Isis», zeigt nur das ganz Chaotische und Unlogische und Leidenschaftliche und Durcheinanderwerferische ihres Wesens, zeigt aber überall, daß hinter ihr wachende Mächte stehen, die sie nach dem allgemein Menschlichen hinführen wollen. In der «Secret Doctrine» waltet überall neben dem selbstverständlich Größten menschliches Spezialinteresse, solches Interesse, das ausgeht von gewissen okkulten Zentren, die nicht heute das allgemein-menschliche Interesse im Auge haben, sondern ein partielles, ein Spezialinteresse. Tibetanische, indische, auch ägyptische Einweihung von heute haben überall partiell menschliches Interesse nur im Auge, wollen nur an der westlichen Welt den unterdrückten östlichen Okkultismus rächen, wollen die Tatsache rächen, daß die westliche Welt durch materialistische Faktoren über die östliche Welt gesiegt hat. Sie hat durch materialistische Faktoren über die östliche Welt gesiegt; sie hat insofern gesiegt, als in die eigentliche fortschreitende Kultur der Menschheitsentwickelung, in das fortschreitende Leben der Menschheitsentwickelung das Christentum aufgenommen worden ist. Nach dem Osten von Asien ist das Christentum nicht hinübergegangen, nach dem Süden von Asien auch nicht; das Christentum ist nach Westen gezogen.

[ 5 ] Nun werdet Ihr vielleicht sagen, meine lieben theosophischen Freunde: Also ist es gut. Dann hat der Westen das Christentum angenommen, und da das Christentum eine Etappe im Weiterfortschreiten der Menschheit ist, so ist es selbstverständlich, daß der Westen über den Osten den Sieg davontrug. — Ja, wenn dies so wäre! Wenn es so wäre, wäre es selbstverständlich. Aber es ist nicht so. Das Christentum, das durch Jahrhunderte und Jahrtausende vorbereitet worden ist und das in die Welt gekommen ist, hat noch nirgends auf der Erde gesiegt. Und derjenige, der heute glauben würde, daß er in wahrem, echtem Sinn das Christus-Prinzip und den Christus-Impuls schon in der Gegenwart vertreten könnte, würde einem unbeschreiblichen Hochmut zum Opfer gefallen sein. Was ist denn bisher überhaupt geschehen? Nichts anderes, als daß die westlichen Völker gewisse alleräußerste Außerlichkeiten von dem Christentum aufgenommen haben, den Christus-Namen okkupiert haben und mit dem christlichen Namen ihre alten, vor dem Christentum in Europa seßhaft gewesenen Kulturen umkleidet haben, ihre nur in den modernen Industrialismus umgewandelten kriegerischen Kulturen. Herrscht der Christus innerhalb des christlichen Europa? Jeder Angehörige von okkulten Bewegungen wird niemals zugeben, daß der Christus innerhalb des christlichen Europas herrsche, sondern er wird sagen: Ihr sprecht «Christus», ihr meint aber immer noch dasselbe, was die alten mitteleuropäischen Völkerschaften gemeint haben, als sie von ihrem Gott Saxnot sprachen. — Das Symbolum des Crucifixus steht über den europäischen Völkern. In gewisser Beziehung herrschen aber die Traditionen des Gottes Saxnot, dessen Symbolum das ehemalige kurze sächsische Schwert ist, das da war zur Ausbreitung nur der materiellen Interessen zunächst, denn das war der Beruf der europäischen Völkerschaften. Daher hat auch dieser Beruf die edelste Blüte materialistischer Kultur hervorgebracht, eine Erscheinung, die edel ist auf dem Gebiet materialistischer Kultur: das Rittertum. Wo gibt es irgendwo in einer Kultur etwas Ähnliches wie das Rittertum der westlichen Kultur? Das gibt es sonst nicht. Niemandem wird es einfallen, die Helden des trojanischen Krieges zu vergleichen mit den mittelalterlichen Rittern. Der Christus lebt noch wenig bei den Menschen. Von dem Christus sprechen die Menschen nur. Die östlichen Völker fühlen dann, wenn die westlichen von dem Christus sprechen, daß sie — diese östlichen Völker — allerdings in bezug auf die spirituelle Erfassung der Welt, in bezug auf das, was diese Völker wissen von den Geheimnissen des Daseins, weit voraus sind, weit, weit voraus sind. Das wissen diese östlichen Völker.

[ 6 ] Ganz gewöhnliche Dinge können es Euch erklären, daß die östlichen Völker in einer gewissen Weise ihre Vorzüge in spiritueller Beziehung schon zu schätzen wissen können. Was tun die westlichen Völker heute noch in ihrer Masse, in ihrer Mehrzahl, wenn Geheimnisse des Daseins enthüllt werden? Nun, wir sitzen noch in recht kleinen Scharen beisammen, wenn wir sprechen, sagen wir von so etwas, wie gestern Abend gesprochen worden ist, von den waltenden spirituellen Mächten und Geheimnissen, die uns überall umgeben. Für den gewöhnlichen Westeuropäer ist das eine Torheit oder ein Wahnsinn, denn er kann noch immer nicht das Wort des Paulus verstehen: Was die Weisheit ist vor Gott, das ist vor den Menschen eben oftmals die Torheit, und was die Torheit ist vor den Menschen, das ist die Weisheit vor Gott. — Und nur diejenigen, die angesteckt sind von den Westeuropäern im Orient, würden wagen, auch nur im allergeringsten zu deuteln an den tiefen Wahrheiten über die spirituellen Geheimnisse des Kosmos, wie wir sie versuchen wiederum zu enthüllen, wenn sie sie hören, denn als etwas Selbstverständliches gelten solche Dinge, wie sie zum Beispiel gestern gesagt worden sind, denjenigen, die im östlichen spirituellen Leben drinnen sind. Wundern wir uns daher nicht, daß es oftmals diesen östlichen Völkern vorgekommen ist, wenn die Europäer. über sie hergefallen sind, wie es eben einer Schar von Menschen vorkommt, wenn ihnen eine Herde wilder Tiere entgegenkommit, gegen die sie sich wehren, denen sie das, was sie tun, nicht übelnehmen, die sie aber als etwas Inferiores betrachten. Wir Westländer werden aus den angedeuteten Gründen — ob das heute berechtigt ist oder nicht, darauf kommt es hier nicht an — und nach den Traditionen des Ostens von jedem Angehörigen etwa des Brahmanentums selbstverständlich als inferiore Menschen angesehen.

[ 7 ] Und wenn wir absehen von dem Brahmanentum und sehen etwa in die Kulturen Mittelasiens, in die tibetanische oder chinesische Kultur, die in der nächsten Zeit in einer Weise werden für die Welt Bedeutung gewinnen, wovon sich die Menschen heute nichts träumen lassen, trotzdem uns nur kurze Zeit von dieser Sache trennt, wenn wir auf alle diese Dinge sehen und gewahr werden, wie die Seelen vieler Zarathustra-Schüler in diesen Kulturen noch verkörpert sind, dann werden wir versucht werden, diese Dinge sehr ernst zu nehmen. Wir werden es auch begreifen können, daß in dasjenige, was Helena Petrowna Blavatsky zu geben verstand, der indische, der tibetanische, der ägyptische Okkultist versucht sein konnten, aus ihrer Seele heraus — ihr eigenes Weisheitsgut hineinzuleiten, jenes Eigene aber, das in dem Menschenwerdeprozeß einer Vergangenheit angehört. Und wir müssen den Vergangenheitscharakter dieser orientalischen Weisheitsgüter erkennen, die innerhalb der Blavatskyschen Lehren stecken. Wir brauchen ja den Wert einer solchen Sache nicht zu verkennen, brauchen nicht zu verkennen, daß wenn nun überfluten wird das, man möchte sagen, seine Fesseln gesprengt habende Chinesentum die westlichen Welten, dann eine Spiritualität damit kommt, die richtig die Nachfolge ist, in vieler Beziehung die noch ungetrübte Nachfolge ist des alten Atlantiertums. Sie wird wirken, wie wenn aufspringen würde etwas, was zusammengehalten wird, und was nach aller Welt sich verbreiten kann; so wird es sich ausgießen — in kleinem Maßstabe hat sich so bei der ersten Gelegenheit ausgegossen das alte Indertum.

[ 8 ] Daher war es möglich, meine lieben theosophischen Freunde, daß von jener Zeit an alles das eingetreten ist, wofür man in allem Okkultismus ein bezeichnendes Wort hat, daß von da ab im Grunde genommen die theosophische Bewegung nicht mehr ein geeignetes Instrument war für die Fortbewegung der Kultur Europas. Jeder Okkultist kennt gut das Wort, das da heißt: Es darf niemals bei den leitenden Mächten des Okkultismus oder bei den in irgendeiner Weise okkult Tätigen irgendein spezielles Interesse überwiegen das allgemeine Interesse der Menschheit. — Es gibt keine Möglichkeit, okkult günstig zu wirken, wenn ein spezielles Interesse überwiegt das allgemeine menschliche Interesse. In dem Augenblick, wo in den Okkultismus eindringt ein spezielles Interesse anstelle der allgemein-menschlichen Interessen, sind die Möglichkeiten zu realen Irrtümern gegeben. Daher kommt es, daß seit jener Zeit in die theosophische Bewegung jeder mögliche Irrtum hineinkonnte. Durch die Art und Weise, wie England mit Indien verknüpft ist karmisch im Weltzusammenhang, war einfach die Möglichkeit gegeben, daß jene erhabenen Mächte, die am Ausgangspunkt der theosophischen Bewegung stehen, gefälscht wurden. Denn das ist ein gewöhnlicher Vorgang im Okkultismus, daß Mächte, die ihr Spezialinteresse verfolgen wollen, die Gestalt derjenigen annehmen, welche die eigentlichen Impulse vorher gegeben haben. So gab es von einer gewissen Zeit der theosophischen Bewegung an gar keine Möglichkeit mehr, so ohne weiteres alles hinzunehmen, was innerhalb dieser theosophischen Bewegung lag, und das Karma hat es gewollt, daß dies immer weniger und weniger möglich geworden ist. Und so konnte denn nichts anderes getan werden, als in dem Augenblick, wo der Ruf an uns erging, uns zu vereinigen mit dieser theosophischen Bewegung, es konnte nichts anderes getan werden, als auf die ursprünglichen Quellen wieder zurückzugehen, auf diejenigen Quellen, die wir im Gegensatz zu den speziellen die allgemein-menschlichen nennen können. Und so habt Ihr vielleicht gesehen in Mitteleuropa, daß wir versuchen, an die okkulten Quellen heranzukommen so, daß Ihr nicht bemerken werdet an alldem, was Euch da entgegentritt, daß irgendein spezielles Interesse damit verknüpft ist. Alles, was an speziellen Interessen aufgefunden werden kann in Mitteleuropa, versucht Ihr es zu vergleichen mit dem, was Ihr kennenlernt als jene Theosophie, die unter uns getrieben wird: Es lassen sich die beiden Dinge wirklich nicht zusammenbringen. — Ihr könnt diese Theosophie nehmen und findet wahrscheinlich außer dem, daß, weil in einer Sprache schon einmal geschrieben werden muß, die Bücher von mir selber in deutscher Sprache geschrieben sind, findet Ihr wohl nichts Deutsches in der Theosophie, nichts, was irgendwie mit den äußeren Traditionen Mitteleuropas zusammenhängt. Und wo irgend die Tendenz auftritt, mit einem Spezialinteresse die Theosophie zu verbinden, gibt es sogleich eine Unmöglichkeit.

[ 9 ] Das ist nun die besondere Aufgabe Mitteleuropas gewesen, die Theosophie zu erlösen von den speziellen Eigentümlichkeiten, die sie erhalten hat im europäischen Westen. Es war unsere Mission, die Theosophie rein, rein herauszulösen von allen Spezialinteressen. Und je weiter Ihr eingehen werdet auf die Dinge, werdet Ihr finden, daß ich gewissermaßen selber in der Lage war loszulösen alles, was ich theosophisch bringen durfte, von einem jeglichen Spezialinteresse. Es ist das eine symbolische Angabe, meine lieben theosophischen Freunde, aber symbolisch gesprochen — ich brauchte mich nur leiten zu lassen von dem, was als ein unmittelbarer Impuls in der gegenwärtigen Inkarnation vorhanden war, mißversteht es nicht, es gibt ja nur eine Tatsache wieder —: diejenigen, welche die äußeren Träger zum Beispiel jenes Blutes waren, aus dem ich stamme, sie stammten aus deutschen Gegenden Österreichs; da konnte ich nicht geboren werden. Ich selber bin in einer slawischen Gegend, in einer Gegend, die vollständig fremd war dem ganzen Milieu und der ganzen Eigentümlichkeit, aus der meine Vorfahren stammen, geboren. So drängte sich mir — ich will das nur symbolisch anführen — im Ausgangspunkt meiner gegenwärtigen Inkarnation sinnbildlich von selber auf, daß wir in Mitteleuropa den Beruf hatten, uns loszulösen von allem Spezialinteresse die Theosophie, so daß sie in Mitteleuropa wirklich vor uns steht wie eine Göttin, wie etwas ganz, ganz von allem Menschlichen losgelöstes Göttliches, das ebensoviel zu tun hat mit dem Menschen, der da lebt, wie mit jenem, der dort lebt, und das wird immer bleiben müssen.

[ 10 ] Das Ideal, das wir haben, meine lieben theosophischen Freunde, so einfach, als es sich ausdrückt, es wird immer vor uns stehen müssen, weil es schwerer zu erfüllen ist, als auszusprechen. Es wird vor uns stehen müssen als unser Ideal die Wahrheit und Aufrichtigkeit, die ungefärbte göttliche Wahrheit. Vielleicht gerade, wenn wir uns so bestreben, werden wir den Weg finden, nicht für uns, sondern für das, was in Mitteleuropa nach der ganzen Mission Europas unpersönlich war, für diese göttliche Theosophie hinüber nach dem Osten. Und da, wenn ich, ich möchte sagen, nun den Weg weiter beschreibe, wie die Theosophie im Westen Platz gegriffen hat, durch Europa durchgeht und nach dem Osten kommen soll, da möchte ich das Wort wiederum hierhersetzen, scharf, scharf das Wort: Verantwortlichkeitsgefühl. Die Kulturen in der Welt, sie entwickeln sich so, daß sich gleichsam wie in einer geistigen Hülle die eine Kultur mit der andern entwickelt. Die eine Kultur verbindet sich mit der andern.. Dadurch, daß die Theosophie in Mitteleuropa so unpersönlich sein mußte, hat sie einen gewissen Charakter der Geistigkeit bekommen, der von allen Interessen losgelösten Geistigkeit. Diese Theosophie hat dadurch, meine lieben theosophischen Freunde, etwas Sprödes; sie hat das Spröde, das die Unberührtheit von den speziellen Interessen hat; sie wird daher denjenigen nicht gefallen, welche ihr Herz nicht aufschließen können gegenüber dem, das eben nicht irgendeinem speziellen Interesse dient.

[ 11 ] Das Geistige, das sie hat, diese Theosophie, kann aber gefunden werden von der Seele, die nach diesem Geistigen dürstet, die nach diesem Geistigen sich sehnt. Und da muß ich sagen, meine lieben theosophischen Freunde, ich habe kennengelernt aus der geistigen Welt selber heraus eine Seele, die sich sehr sehnt nach dem Geiste, der durch die Theosophie sich ausdrückt. Ich habe kennengelernt diese Seele in der rein geistigen Welt. Wenn wir in der Reihenfolge der Hierarchien hinaufgehen zu den einzelnen Völkergeistern und sprechen innerhalb der einzelnen Völkergeister von den Volksseelen, dann kommen wir auch unter den Volksseelen, die sozusagen heute noch jung sind und die sich fortentwickeln müssen, wie jedes Wesen sich entwickeln muß, zur russischen Volksseele. Von dieser russischen Volksseele weiß ich, daß sie sich sehnt nach dem Geist, der in der Theosophie zum Ausdruck kommt. Sie sehnt sich mit allen Kräften, die sie entwickeln kann. Ich spreche von dem Verantwortlichkeitsgefühl, weil Ihr, meine lieben theosophischen Freunde, Kinder seid dieser russischen Volksseele. Sie waltet und wirkt in Euch und Ihr habt ihr gegenüber eine Verantwortung. Die Verantwortung, versteht sie zu lernen! Nehmt es nicht übel; viel, viel konnte mir sagen oftmals diese russische Volksseele. Am tragischsten trat mir das vor Augen, was diese russische Volksseele mir sagen konnte, etwa um das Jahr 1900 herum. Es trat am tragischsten dazumal zutage, weil einem da auffallen konnte etwas, das ich mir selber erst lange hinterher in der richtigen Weise interpretieren konnte, weil einem da auffallen konnte, wie wenig im Grunde genommen diese russische Volksseele heute noch verstanden wird. Wir haben in Westeuropa kennengelernt vieles, vieles aus Rußland, und vieles, vieles aus Rußland hat auf uns einen großen, gewaltigen Eindruck gemacht. Wir haben kennengelernt die großen Impulse Tolstojs, haben kennengelernt das Westeuropa so tief ergreifende der Psychologie von Dostojewskij und wir haben endlich kennengelernt einen solchen Geist wie Solowjow, einen Geist, der, wenn man ihn auf sich wirken läßt, überall den Eindruck macht: so ist er, wie er geschrieben hat. Und wie er geschrieben hat, es bekommt erst das rechte Licht, wenn man hinter ihm stehend fühlt die russische Volksseele. Und diese russische Volksseele, sie weiß viel, viel mehr zu sagen, als selbst Solowjow zu sagen weiß, denn da kommt uns noch immer viel, viel zuviel von Westeuropa Angenommenes vor die Herzen. Denkt einmal, meine lieben Freunde, an das Wort Verantwortlichkeitsgefühl, denkt daran, daß ihr diese Aufgabe habt, Euch würdig zu zeigen der russischen Volksseele gegenüber, und daß Ihr kennenlernen sollt die Sehnsucht der russischen Volksseele nach der unpersönlichen Theosophie. Wenn Ihr Theosophie kennenlernt in dem, was sie in ihrem innersten Impuls will, dann, meine lieben Freunde, werdet Ihr allerhand Fragen zu stellen haben, die nur aus einer russischen Seele herauskommen können: Seelenfragen zu den Geistesfragen der Theosophie. Ich habe es erfahren, daß viel edles, herrliches, schönes Gefühl mir entgegengetreten ist von Osteuropa, so viel von echter, wahrer Menschenliebe und Menschengüte, von menschlichem Mitleid, von überfließendem Gefühl, als sich nur denken läßt, von feiner, intimer Beobachtung dessen, was in der Welt gegeben ist, von einem intensiven persönlichen Verknüpftsein mit den Mächten des Daseins. Und aus solchen lieben und schönen und edlen Gefühlen sind viele, viele Fragen von Angehörigen des russischen Volkes an mich gestellt worden, viele Fragen — Fragen, die einmal gestellt werden müssen, weil sie Fragen sind, ohne deren Beantwortung die Menschheit in der Zukunft wird nicht leben können. Fragen, die nur vom Osten Europas kommen können, sie hat bisher an mich nur die russische Volksseele gestellt, die russische Volksseele auf den höheren Planen. Oftmals mußte ich denken, daß die Kinder dieser Volksseele noch einen weiten Weg haben, um ihre Volksseele zu verstehen, um zu verstehen, was diese Volksseele eigentlich ersehnt und wieviel sie noch trennt, diese Kinder der Volksseele, von dieser Volksseele selbst. Scheut es deshalb nicht, den Weg zu suchen, den Ihr finden könnt, wenn Ihr wollt, zu Eurer Volksseele. Aus Eurer Volksseele heraus werdet Ihr diejenigen Fragen finden, ohne deren Beantwortung die Menschheit der Zukunft nicht wird sein können. Aber scheut es nicht, über das persönliche Interesse dabei herauszukommen, denn seid eingedenk des großen Verantwortlichkeitsgefühls, das Ihr haben sollt gegenüber der russischen Volksseele, seid eingedenk dieses Gefühles, denn in der Zukunft brauchen die Volksseelen ihre Kinder, die Menschen, um ihre Ziele zu erreichen. Und vergeßt dabei eines nicht. Dasjenige, das einen am höchsten tragen kann, das einen in die schönsten, lichtesten Höhen der Welt bringen kann — das ist am meisten der Gefahr ausgesetzt, in Irrtümer zu verfallen. — Ihr sollt, meine lieben theosophischen Freunde, das Geistige durchseelen. Ihr sollt finden die Seele zum Geiste. Ihr könnt es, weil die russische Volksseele unermeßliche Tiefen und Möglichkeiten des Zukünftigen hat. Aber notwendig ist es, daß Ihr Euch bewußt seid, daß das Seelische, das sich zum Geiste erheben kann, den Geist selber zu durchseelen hat, Euch vor die große Gefahr stellt, Euch zu verlieren und in dem Persönlichen, in dem individuell Persönlichen steckenzubleiben, zu verlieren in dem Persönlichen als solchem. Dann wird das Persönliche nämlich stark, wenn es stammt aus dem Seelischen.

[ 12 ] Es werden nicht jene Hindernisse bei Euch auftreten, die so vielfach in West- und Mitteleuropa auftreten. Zur Skepsis seid Ihr weniger geboren; Skepsis kann nur durch Einimpfung von Westen zu Euch kommen. Ihr werdet durch ein bestimmtes Gefühl die Wahrheit von der Unwahrheit und Unredlichkeit unterscheiden lernen auf dem Gebier des Okkultismus, wo Scharlatanerie und Wahrheit so dicht beisammenstehen. Nicht der Skeptizismus, der Zynismus werden Eure Gefahr bilden. Eure Gefahr wird bilden, daß das seelisch. Machtvolle Eurer Persönlichkeiten Wolken um Euch verbreiten kann, astralische Wolken, durch die Ihr dann nicht durchkönnt bis zum objektiv Geistigen. Euer Feuer, Eure Wärme, sie können sich wie eine wolkige Aura um Euch herum breiten, nicht durchlassen das Geistige, weil Ihr meint, für den Geist begeistert zu sein, aber durch die Begeisterung verhindert den Geist, die Wege zu Euch zu finden. So versucht, das ins Auge zu fassen, daß Ihr in dem großen Vorteil seid — das jetzt in dem idealen spirituellen Sinn gemeint —, ein spezielles Interesse haben zu dürfen, weil Ihr prädestiniert seid, das heißt Eure Volksseele, in das spezielle Interesse des russischen Volkstums die Theosophie, die man in Mitteleuropa noch ganz wie nur eine über allem Menschlichen erhabene göttliche Macht nehmen mußte, empfangen zu dürfen, wie kein anderes Volk sie empfangen kann, wie etwas, was Ihr als Euer Eigenstes hegen und pflegen dürft. Denn durch Eure Prädestination seid Ihr dazu ausgestattet, Seele dem Geist einzuhauchen. Das ist oftmals in unseren Reihen gesagt worden, aber an Euch liegt es, die Gelegenheit sobald als möglich herbeizuführen, sie nicht zu versäumen, nicht bloß Gefühl und Wille zu entwickeln, sondern vor allen Dingen Energie und Ausdauer zu entwickeln, weniger — wenn auch ein Wort in bezug auf das Praktische geredet werden soll — reden über die Art, wie Theosophie im Westen sein muß und wie sie in Rußland sein muß und so weiter und was für das eine und andere gut ist, sondern zunächst aufnehmen Theosophie, aufnehmen, mit der Seele, mit dem Herzen vereinigen. Das Übrige wird sich schon ergeben; es wird sich sicher ergeben.

[ 13 ] Das ist so etwas von dem, meine lieben Freunde, was ich habe zu Euch sprechen wollen, sprechen wollen deshalb, weil überall, wo ich unmittelbar zum Menschen sprechen soll, vor Augen stehen muß eben das Verantwortlichkeitsgefühl, das wir Menschen der Gegenwart gegenüber der Theosophie haben. Im Westen sollen die Menschen das Gefühl haben, daß sie sich an der Menschheit versündigen, wenn sie etwas von Theosophie haben können und es nicht wollen, es abweisen — Sünde gegen die Menschheit! Es ist manchmal recht schwer zu fassen, denn man muß ein fast transzendentales Pflichtgefühl haben, meine lieben Freunde, wenn man solche Verpflichtung, solch ein Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Menschheit haben soll. Euch sagt Eure Volksseele, daß sie, diese Volksseele selber, Euch verpflichtet. Für Euch hat schon die Volksseele diese: Verpflichtung gegenüber der Menschheit übernommen. Ihr braucht sie nur zu finden, diese Volksseele. Ihr braucht sie nur durch Eure Gedanken, Empfindungen und Willensimpulse sprechen zu lassen, und Ihr werdet, wenn Ihr die Verantwortlichkeit gegenüber der Volksseele fühlt, zugleich erfüllen die Pflicht gegenüber der Menschheit. Deshalb seid Ihr auch äußerlich örtlich hineingestellt zwischen den europäischen Westen, der Theosophie haben muß, für den sie aber in dem Grade wie für Euch nicht eine persönliche Angelegenheit werden kann, und den asiatischen Osten, der Okkultismus und spirituelle Kultur seit Urzeiten hat. Ihr seid hineingestellt. Ihr würdet vielleicht niemals dazukommen, Eure Aufgabe gegenüber der spirituellen Kultur der Menschheit zu erfüllen in dieser geographisch schwierigen Lage, möchte ich sagen, wenn Ihr nur an die Verpflichtung gegenüber der Menschheit denken müßtet. Denn die Versuchungen werden ungeheuer groß sein, wenn auf der einen Seite nicht nur der europäische Westen wirkt, der viele der Kinder Eurer Volksseele im Grunde genommen sich selber hat untreu werden lassen. Gegenüber einem großen Teil dessen, was von Russen geschrieben und uns nach Westen gebracht wird, haben wir das Gefühl, daß es nichts zu tun hat mit der russischen Volksseele, sondern ein Spiegelbild aller möglichen westlichen Dinge ist. Die zweite Versuchung wird die von Osten sein, wenn die Macht spiritueller Kultur kommt. Da wird es die Pflicht sein, zu wissen, daß bei aller Größe dieser spirituellen Kultur des Ostens der Mensch der Gegenwart sich zu sagen hat: Nicht die Vergangenheit haben wir in die Zukunft hineinzutragen, sondern die neuen Impulse. Nicht aufzunehmen wird sein einfach irgendein spiritueller Impuls des Ostens, sondern zu pflegen das, was der Westen aus den spirituellen Quellen selber hervorbringen kann. — Dann wird die Zeit kommen, in der Europa anfangen wird, wenn Ihr Eure Pflichten auch erfüllt gegenüber Eurer Volksseele, ein wenig zu verstehen, was eigentlich der Christus-Impuls in der geistigen Entwickelung der Menschheit ist. Sucht alles das, was ich habe mit und in diesen Worten sagen wollen, meine lieben Freunde, und sucht vor allen Dingen das in diesen Worten, was in Euch selber Impuls werden kann, nicht bloß zu fühlen und zu empfinden, daß Theosophie etwas Bedeutendes und etwas Großes ist, sondern sucht vor allen Dingen, Theosophie in die Tat und in die Willensimpulse Eurer Seele aufzunehmen und aus ihr heraus Euer Leben, aus ihr heraus Eure Taten einzurichten.