The Connection Between Man
and the Elemental World
GA 158
11 April 1912, Helsinki
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The Connection Between Man and the Elemental World, tr. SOL
Ansprache für die russischen Zuhörer des Vortragszyklus «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen»
Address to the Russian audience of the lecture series “The Spiritual Beings in the Celestial Bodies and Natural Realms”
[ 1 ] Wir versuchen in das theosophische Leben und die theosophische Erkenntnis nach und nach einzudringen, wir haben aber während dieses unseres Eindringens offenbar oftmals das Herzensbedürfnis, uns zu fragen: Warum wollen und suchen wir Theosophie im Geistesleben der Gegenwart? — Wir brauchen wohl nicht allzusehr unser Gemüt, unser Herz anzustrengen, wenn solch eine Frage auftaucht, und es wird in unsere Seele hereinkommen ein Wort, das sogleich für unser Gefühl aufklärend und mehr noch als aufklärend wirken wird, das Wort Verantwortung. Verantwortung! Es soll uns dieses Wort etwas geben, welches von vornherein in unserer Seele, in unserem Herzen ausschließen soll, daß wir Theosophie treiben aus irgendeinem persönlichen Sehnsuchtsbedürfnis heraus. Wenn wir verfolgen, was uns, vielleicht ohne daß wir uns dessen ordentlich bewußt werden können, befällt bei dem Worte Verantwortlichkeit gegenüber jenem Geistesleben, das wir als theosophisch bezeichnen, dann werden wir immer mehr und mehr darauf kommen, daß wir es der gegenwärtigen Menschheit und dem Besten in uns, was dieser gegenwärtigen Menschheit dienen kann, schuldig sind, uns um 'Theosophie zu kümmern. Wir dürfen Theosophie nicht treiben bloß uns zur Freude, um uns irgendwie, weil wir dieses oder jenes persönliche Sehnsuchtsgefühl haben, an Theosophie zu befriedigen, sondern wir müssen fühlen, daß Theosophie etwas ist, was die gegenwärtige Menschheit braucht, wenn überhaupt der Menschheitsentwickelungsprozeß weitergehen soll. Wir brauchen uns nämlich nur vor Augen zu halten, daß ohne Theosophie, oder wie man es nennen mag, ohne jenes spirituelle Leben, das wir meinen, die Menschheit der Erde einer trostlosen Zukunft entgegengehen müßte, wahrhaft einer trostlosen Zukunft. Dies aus dem einfachen Grunde, weil alle geistigen Impulse der Vergangenheit, alles das, was in der Vergangenheit den Menschen hat gegeben werden können an geistigen Impulsen, erschöpft ist, sich nach und nach auslebt und nichts von neuen Keimen in die Menschheitsentwickelung hineinbringen kann. Das, was kommen müßte, wenn nur die alten Impulse fortwirken würden, wäre ein vielleicht heute noch ungeahntes, die Menschen nicht nur Überwältigendes, in äußerer Beziehung Überwältigendes, sondern betäubendes Dominieren, Überhandnehmen der bloß äußerlichen Technik und ein Zugrundegehen, weil aus der Menschenseele fortziehend alles religiösen, wissenschaftlichen, philosophischen, künstlerischen und auch im höheren Sinne ethischen Interesses. Zu einer Art lebendiger Automaten würden die Menschen, wenn nicht neue geistige Impulse kommen würden. So müssen wir uns fühlen, wenn wir an Theosophie denken, als diejenigen, die ihr Karma dazu gebracht hat, etwas zu wissen von dem, daß die Menschheit neue Impulse braucht.
[ 1 ] We are gradually trying to delve into theosophical life and theosophical knowledge, but as we do so, we often feel a deep need to ask ourselves: Why do we seek theosophy in the spiritual life of the present? — We need not strain our minds or hearts too much when such a question arises, and a word will enter our soul that will immediately have an enlightening—and even more than enlightening—effect on our feelings: the word “responsibility.” Responsibility! This word is meant to give us something that, from the very outset, should rule out in our soul, in our heart, the idea that we are pursuing Theosophy out of some personal longing. If we examine what, perhaps without our being fully aware of it, comes over us at the word “responsibility” toward that spiritual life we call theosophy, then we will increasingly come to realize that we owe it to present-day humanity and to the best within us—which can serve this present-day humanity—to concern ourselves with theosophy. We must not pursue Theosophy merely for our own pleasure, to satisfy ourselves in some way through Theosophy simply because we have this or that personal longing, but we must feel that Theosophy is something that present-day humanity needs if the process of human development is to continue at all. For we need only bear in mind that without Theosophy—or whatever one may call it—without that spiritual life we have in mind, humanity on Earth would face a bleak future, truly a bleak future. This is for the simple reason that all the spiritual impulses of the past—everything that could have been given to humanity in the past in terms of spiritual impulses—have been exhausted, are gradually running their course, and can bring no new seeds into human development. What would have to come, if only the old impulses were to continue to work, would be a domination—perhaps as yet unimagined today—that would not only overwhelm people, overwhelming them in an external sense, but also numb them, a runaway proliferation of mere external technology, and a collapse, because everything of religious, scientific, philosophical, artistic, and—in a higher sense—ethical interest is withdrawing from the human soul. Human beings would become a kind of living automaton if new spiritual impulses were not to arise. This is how we must feel when we think of Theosophy, as those whose karma has led them to know something of the fact that humanity needs new impulses.
[ 2 ] Da dürfen wir uns wohl die Frage dann vorhalten: Was können wir, jeder einzelne, nach unseren besonderen Qualitäten, nach unseren besonderen Eigenschaften tun gegenüber diesem allgemeinen Verantwortlichkeitsgefühl? — Lehrreich zu einer Beantwortung dieser Gefühls- und Herzensfrage ist ja die Art und Weise, vielleicht ganz besonders für Euch, meine lieben Freunde, wie Theosophie in der letzten Zeit in die Welt gekommen ist, und wie sie sich im Laufe der letzten Jahrzehnte heranentwickelt hat bis in unsere Tage herein. Wir dürfen nämlich niemals vergessen, daß so, wie in der neueren Zeit das Wort Theosophie in die Welt hereingefallen ist, etwas vorliegt wie ein geistiges Kulturwunder. Dieses geistige Kulturwunder knüpft an an eine Persönlichkeit, die als Persönlichkeit Euch, meine lieben Freunde, ja nahesteht, da sie ihre geistigen Wurzeln in einer gewissen Weise aus Eurem Volkstum geholt hat. Ich meine Helena Petrowna Blavatsky. Und für den Westeuropäer ist es unleugbar, in jeder Beziehung unleugbar, daß der Körper, in dem die Individualität, die in dieser Inkarnation Helena Petrowna Blavatsky hieß, eingeschlossen war, eben nur aus dem Milieu Osteuropas, Rußlands hervorgehen konnte. Denn sie hatte alle russischen Eigenschaften. Aber Helena Petrowna Blavatsky ist Euch genommen worden durch Umstände ganz besonderer Art; Helena Petrowna Blavatsky ist versetzt worden durch die besonderen karmischen Verhältnisse der Gegenwart nach dem Westen. Nun, fassen wir einmal ins Auge, was eigentlich für ein sonderbares Kulturwunder vorlag.
[ 2 ] We must then ask ourselves: What can each of us, according to our particular qualities and characteristics, do in response to this general sense of responsibility? — The way in which Theosophy has come into the world in recent times, and how it has developed over the course of the last few decades right up to the present day, is indeed instructive in answering this question of the heart and soul—perhaps especially for you, my dear friends. For we must never forget that the way the word “Theosophy” has entered the world in recent times represents something akin to a spiritual cultural miracle. This spiritual cultural miracle is linked to a personality who, as a personality, is indeed close to you, my dear friends, since she drew her spiritual roots, in a certain sense, from your national heritage. I am referring to Helena Petrovna Blavatsky. And for the Western European, it is undeniable—undeniable in every respect—that the body in which the individuality known in this incarnation as Helena Petrovna Blavatsky was embodied could have emerged only from the milieu of Eastern Europe, of Russia. For she possessed all the Russian characteristics. But Helena Petrovna Blavatsky was taken from you by circumstances of a very special kind; Helena Petrovna Blavatsky was brought to the West by the special karmic conditions of the present. Now, let us consider what a strange cultural miracle this actually was.
[ 3 ] Nehmen wir diese Persönlichkeit von Helena Petrowna Blavatsky. Sie war eine Persönlichkeit im Grunde genommen, die ihr ganzes Leben hindurch in vieler, vieler Beziehung Kind geblieben ist, richtiges Kind; eine Persönlichkeit, die ihr ganzes Leben hindurch nicht gelernt hat, wirklich logisch zu denken; eine Persönlichkeit, die ihr ganzes Leben hindurch nicht gelernt hat, ihre Leidenschaften, Triebe und Begierden auch nur einigermaßen im Zügel zu halten, die ins Extreme zu verfallen jederzeit in der Lage war; eine Persönlichkeit, die im Grunde genommen eine sehr geringe wissenschaftliche Bildung hatte. Durch diese Persönlichkeit wird der Welt geoffenbart, man möchte sagen, wie es nicht anders sein konnte, durch das Medium einer solchen Persönlichkeit geoffenbart, chaotisch, durcheinandergeworfen, bunt, eine Summe der allergrößten ewigen Weistümer der Menschheit. Und derjenige, der in diesen Sachen bewandert ist, findet in Helena Petrowna Blavatskys Werken Weistümer, Wahrheiten, Erkenntnisse der Menschheit, welche die Intellektualität und die Seele von Helena Petrowna Blavatsky nicht verstehen konnten, nicht im entferntesten verstehen konnten. Es gibt nichts Klareres, wenn man nur unbefangen auf die ganzen Tatsachen eingeht, als daß für alles, was im Werke von Helena Petrowna Blavatsky lag, die äußere Seele, die äußere Intellektualität von Helena Petrowna Blavatsky nur ein Umweg, nur ein Mittel war, daß sich da bedeutende, große spirituelle Mächte der Menschheit mitteilen konnten. Und es gibt auch nichts Klareres, als daß in der Art und Weise, wie es dazumal im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts geschehen sollte, auf niemanden in Westeuropa die Impression hätte so geschehen können. Es brauchte die ganz sonderbare, auf der einen Seite selbstlose, fast entselbstete, und auf der andern Seite wiederum radikal selbstische, egoistische Natur von Helena Petrowna Blavatsky, um das geschehen zu lassen durch höhere geistige Mächte, was geschehen ist. Die selbstlose Natur aus dem Grunde, weil jedes westeuropäische Gemüt in die eigenen Denkformen, in den eigenen Intellekt das gebracht hätte, was geoffenbart worden ist. Und es brauchte die ganz selbstische, egoistische Art, weil in der damaligen grobklotzigen materialistischen Lebensart Westeuropas keine Möglichkeit geboten war, anders als aus einer solch radikalen Gemütsart heraus wie, man möchte sagen, Eisenfäuste zu machen über die zarten Hände, welche zu hegen und zu pflegen hatten den Okkultismus der neueren Zeit. Es ist eine eigentümliche Erscheinung. Aber, meine lieben Freunde, Helena Petrowna Blavatsky ging nach dem Westen, ging nach derjenigen Kulturstätte, die nach ihrer ganzen Eigenart, nach ihrer ganzen Struktur und Konfiguration auf allen Gebieten, außer Amerika, das allermaterialistischste Kulturgebiet unserer Gegenwart ist, nach einem Kulturgebiet, das in seiner Sprache, in seinem Denken absolut in materialistischen Gedanken fährt, und in materialistischen Gefühlen lebt. Es würde hier zu weit führen, auseinanderzusetzen, welche Macht Helena Petrowna Blavatsky gerade nach England geführt hat. Und so sehen wir denn, daß die Summe des Okkultismus, der sich auf eine kulturwunderliche Art in einem Medium — ich meine das nicht in spiritistischem Sinne — auslebt, zunächst nach dem europäischen Westen strebt.
[ 3 ] Take the case of Helena Petrovna Blavatsky. She was, in essence, a person who remained a child in many, many ways throughout her entire life—a true child; a person who, throughout her entire life, never learned to think logically; a person who, throughout her entire life, never learned to keep her passions, instincts, and desires even somewhat in check, who was always capable of falling into extremes; a person who, in essence, had very little scientific education. Through this personality, the world is revealed—one might say, as it could not be otherwise—revealed through the medium of such a personality: chaotic, jumbled, colorful, a sum of humanity’s greatest eternal wisdom. And those who are well-versed in these matters find in Helena Petrovna Blavatsky’s works wisdom, truths, and insights of humanity that Helena Petrovna Blavatsky’s intellect and soul could not comprehend, not even remotely. There is nothing clearer, if one only approaches the whole of the facts with an open mind, than that for everything contained in Helena Petrovna Blavatsky’s work, the outer soul, the outer intellect of Helena Petrovna Blavatsky was merely a detour, merely a means by which significant, great spiritual powers of humanity could make themselves known. And there is also nothing clearer than that, in the way it was to happen back then at the beginning of the last third of the 19th century, no one in Western Europe could have made such an impression. It took the very peculiar nature of Helena Petrovna Blavatsky—on the one hand selfless, almost devoid of self, and on the other hand radically self-centered and egoistic—to allow what happened to be brought about by higher spiritual powers. Her selfless nature was necessary because every Western European mind would have interpreted what was revealed through its own thought patterns and intellect. And the entirely self-centered, egoistic nature was necessary because, in the coarse, materialistic way of life of Western Europe at that time, there was no possibility other than to act from such a radical disposition—as it were, to clench iron fists over the delicate hands that were to nurture and care for the occultism of modern times. It is a peculiar phenomenon. But, my dear friends, Helena Petrovna Blavatsky went to the West, went to that cultural region which, in all its peculiarities, in its entire structure and configuration across all fields—with the exception of America—is the most materialistic cultural region of our present time; to a cultural region that, in its language and in its thinking, is absolutely driven by materialistic thoughts and lives in materialistic feelings. It would take us too far afield here to discuss what power led Helena Petrovna Blavatsky specifically to England. And so we see that the sum total of occultism, which manifests itself in a culturally remarkable way through a medium—I do not mean this in the spiritualist sense—first strives toward Western Europe.
[ 4 ] Innerhalb dieses europäischen Westens war zunächst das Schicksal dieses Okkultismus nach einer gewissen Richtung hin besiegelt, denn es ging nicht anders, als daß sich mit der Begründung der theosophischen Bewegung in diesem materialistischen europäischen Westen ein bedeutsames Karma erfüllte. Dieses Karma erfüllte sich auch. Dieser europäische Westen hat eine starke karmische Schuld; er kann nicht in die Geheimnisse des Daseins eindringen, ohne daß diese karmische Schuld in einer gewissen Weise sich geltend macht. Wenn Okkultismus irgendwo in Frage kommt, dann vertieft sich sogleich das Karma, dann werden gleich Kräfte an die Oberfläche gespielt, die sonst im Verborgenen bleiben. Und nicht um irgend etwas zu kritisieren, sondern um zu charakterisieren, wird gesagt, was gesagt werden soll: Der europäische Westen hat, indem er etwas ausführte, was in geschichtlicher Weise notwendig ist, unzählige Ungerechtigkeiten vollzogen an dem Träger alter spiritueller Kultur, an dem Träger alter okkulter Geheimnisse, in dessen Leben zwar für die Gegenwart die spirituellen Dinge erstarrt, nicht mehr vorhanden sind, aber auf dem Grunde der Seele leben. — Denn so ist es in Wahrheit in Indien, in Südasien. In dem Augenblick, in welchem okkulte Impulse nach Westeuropa kamen, machte sich sogleich die Reaktion geltend gegen die in den Tiefen des Indertums wirkenden spirituellen Kräfte, und unmöglich wurde es nun — unmöglich ‘wurde es schon zur Zeit von Helena Petrowna Blavatsky —, das zu behalten, was allerdings von gewissen spirituellen Mächten intendiert war als die eigentliche in unserer Gegenwart notwendige spirituelle Bewegung. Unmöglich war das festzuhalten. Intendiert war, der Menschheit einmal eine Summe von okkulten Lehren zu geben, die für alle Menschen, für alle Herzen passen konnten, mit denen ein jeder, jeder hätte mitgehen können. Da aber durch gewisse Notwendigkeiten der Impuls verpflanzt wurde nach Westeuropa, machte sich eine egoistische Reaktion geltend. Zurückgedrängt wurden diejenigen spirituellen Mächte, die ohne Unterschied von irgendwelchen menschheitlichen Differenzen der Welt einen neuen Impuls geben wollten, und das einstmals in seinem Okkultismus niedergedrückte Indien rächte sich karmisch, indem es bei der ersten Gelegenheit, wo Okkultismus im Westen auftrat, diesen Okkultismus mit seinem eigenen nationalen egoistischen Okkultismus durchsetzte. Und das geschah zu Helena Petrowna Blavatskys Zeiten. Das geschah schon, indem Helena Petrowna Blavatsky die großen Wahrheiten und Weistümer ihrer «The Secret Doctrine» ab faßte. Ihr erstes Werk, die «Entschleierte Isis», zeigt nur das ganz Chaotische und Unlogische und Leidenschaftliche und Durcheinanderwerferische ihres Wesens, zeigt aber überall, daß hinter ihr wachende Mächte stehen, die sie nach dem allgemein Menschlichen hinführen wollen. In der «Secret Doctrine» waltet überall neben dem selbstverständlich Größten menschliches Spezialinteresse, solches Interesse, das ausgeht von gewissen okkulten Zentren, die nicht heute das allgemein-menschliche Interesse im Auge haben, sondern ein partielles, ein Spezialinteresse. Tibetanische, indische, auch ägyptische Einweihung von heute haben überall partiell menschliches Interesse nur im Auge, wollen nur an der westlichen Welt den unterdrückten östlichen Okkultismus rächen, wollen die Tatsache rächen, daß die westliche Welt durch materialistische Faktoren über die östliche Welt gesiegt hat. Sie hat durch materialistische Faktoren über die östliche Welt gesiegt; sie hat insofern gesiegt, als in die eigentliche fortschreitende Kultur der Menschheitsentwickelung, in das fortschreitende Leben der Menschheitsentwickelung das Christentum aufgenommen worden ist. Nach dem Osten von Asien ist das Christentum nicht hinübergegangen, nach dem Süden von Asien auch nicht; das Christentum ist nach Westen gezogen.
[ 4 ] Within this Western Europe, the fate of this occultism was initially sealed in a certain direction, for there was no way around the fact that, with the founding of the Theosophical Movement in this materialistic Western Europe, a significant karma was fulfilled. This karma was indeed fulfilled. This European West bears a heavy karmic debt; it cannot penetrate the mysteries of existence without this karmic debt asserting itself in a certain way. Whenever occultism comes into question anywhere, the karma immediately deepens, and forces that would otherwise remain hidden are brought to the surface. And not to criticize anything, but to characterize it, what must be said is said: By carrying out what was historically necessary, Western Europe has committed countless injustices against the bearer of ancient spiritual culture, against the bearer of ancient occult secrets, in whose life spiritual things have indeed solidified for the present, are no longer present, but live at the bottom of the soul. — For this is the truth in India, in South Asia. The moment occult impulses reached Western Europe, a reaction immediately arose against the spiritual forces at work in the depths of Indian culture, and it became impossible—it had already become impossible in Helena Petrovna Blavatsky’s time — to retain what was, however, intended by certain spiritual powers as the very spiritual movement necessary in our present time. It was impossible to hold on to that. The intention was to give humanity a body of occult teachings that could suit all people, all hearts, with which everyone, each and every one, could have gone along. But since, due to certain necessities, the impulse was transplanted to Western Europe, a selfish reaction made itself felt. Those spiritual powers that sought to give the world a new impulse without distinction of any human differences were pushed back, and India, once suppressed in its occultism, took karmic revenge by intermingling this occultism with its own national, egoistic occultism at the first opportunity when occultism emerged in the West. And this occurred in Helena Petrovna Blavatsky’s time. It was already taking place as Helena Petrovna Blavatsky was compiling the great truths and wisdom of her *The Secret Doctrine*. Her first work, *Isis Unveiled*, reveals only the utterly chaotic, illogical, passionate, and disruptive nature of her being, yet it shows everywhere that there are watchful powers behind her who wish to guide her toward the universal human. In *The Secret Doctrine*, alongside what is naturally the greatest, there prevails everywhere a special human interest—an interest that emanates from certain occult centers which do not have the general human interest in mind today, but rather a partial, a special interest. Tibetan, Indian, and even Egyptian initiations today have only partial human interests in mind; they seek only to avenge the suppressed Eastern occultism against the Western world, to avenge the fact that the Western world has triumphed over the Eastern world through materialistic factors. It has triumphed over the Eastern world through materialistic factors; it has triumphed insofar as Christianity has been incorporated into the actual progressive culture of human development, into the progressive life of human development. Christianity did not spread to the East of Asia, nor to the South of Asia; Christianity moved westward.
[ 5 ] Nun werdet Ihr vielleicht sagen, meine lieben theosophischen Freunde: Also ist es gut. Dann hat der Westen das Christentum angenommen, und da das Christentum eine Etappe im Weiterfortschreiten der Menschheit ist, so ist es selbstverständlich, daß der Westen über den Osten den Sieg davontrug. — Ja, wenn dies so wäre! Wenn es so wäre, wäre es selbstverständlich. Aber es ist nicht so. Das Christentum, das durch Jahrhunderte und Jahrtausende vorbereitet worden ist und das in die Welt gekommen ist, hat noch nirgends auf der Erde gesiegt. Und derjenige, der heute glauben würde, daß er in wahrem, echtem Sinn das Christus-Prinzip und den Christus-Impuls schon in der Gegenwart vertreten könnte, würde einem unbeschreiblichen Hochmut zum Opfer gefallen sein. Was ist denn bisher überhaupt geschehen? Nichts anderes, als daß die westlichen Völker gewisse alleräußerste Außerlichkeiten von dem Christentum aufgenommen haben, den Christus-Namen okkupiert haben und mit dem christlichen Namen ihre alten, vor dem Christentum in Europa seßhaft gewesenen Kulturen umkleidet haben, ihre nur in den modernen Industrialismus umgewandelten kriegerischen Kulturen. Herrscht der Christus innerhalb des christlichen Europa? Jeder Angehörige von okkulten Bewegungen wird niemals zugeben, daß der Christus innerhalb des christlichen Europas herrsche, sondern er wird sagen: Ihr sprecht «Christus», ihr meint aber immer noch dasselbe, was die alten mitteleuropäischen Völkerschaften gemeint haben, als sie von ihrem Gott Saxnot sprachen. — Das Symbolum des Crucifixus steht über den europäischen Völkern. In gewisser Beziehung herrschen aber die Traditionen des Gottes Saxnot, dessen Symbolum das ehemalige kurze sächsische Schwert ist, das da war zur Ausbreitung nur der materiellen Interessen zunächst, denn das war der Beruf der europäischen Völkerschaften. Daher hat auch dieser Beruf die edelste Blüte materialistischer Kultur hervorgebracht, eine Erscheinung, die edel ist auf dem Gebiet materialistischer Kultur: das Rittertum. Wo gibt es irgendwo in einer Kultur etwas Ähnliches wie das Rittertum der westlichen Kultur? Das gibt es sonst nicht. Niemandem wird es einfallen, die Helden des trojanischen Krieges zu vergleichen mit den mittelalterlichen Rittern. Der Christus lebt noch wenig bei den Menschen. Von dem Christus sprechen die Menschen nur. Die östlichen Völker fühlen dann, wenn die westlichen von dem Christus sprechen, daß sie — diese östlichen Völker — allerdings in bezug auf die spirituelle Erfassung der Welt, in bezug auf das, was diese Völker wissen von den Geheimnissen des Daseins, weit voraus sind, weit, weit voraus sind. Das wissen diese östlichen Völker.
[ 5 ] Now you might say, my dear Theosophical friends: So be it. The West has embraced Christianity, and since Christianity is a stage in humanity’s progress, it goes without saying that the West has triumphed over the East. — Yes, if only that were the case! If that were the case, it would be self-evident. But it is not so. Christianity, which has been prepared over centuries and millennia and has come into the world, has not yet triumphed anywhere on Earth. And anyone who would believe today that they could already represent the Christ principle and the Christ impulse in a true, genuine sense in the present would have fallen victim to an indescribable arrogance. What has actually happened so far? Nothing other than that the Western peoples have adopted certain outermost superficial aspects of Christianity, have appropriated the name of Christ, and have clothed their old cultures—which were established in Europe before Christianity—in the Christian name: their warlike cultures, which have merely been transformed into modern industrialism. Does Christ reign within Christian Europe? No member of occult movements will ever admit that Christ reigns within Christian Europe; rather, he will say: You speak of “Christ,” but you still mean the same thing that the ancient Central European peoples meant when they spoke of their god Saxnot. — The symbol of the Crucifixus stands above the European peoples. In a certain sense, however, the traditions of the god Saxnot reign, whose symbol is the ancient short Saxon sword, which served initially only for the expansion of material interests, for that was the vocation of the European peoples. Hence, this vocation also produced the noblest flowering of materialistic culture, a phenomenon that is noble within the realm of materialistic culture: knighthood. Where in any culture is there anything similar to the chivalry of Western culture? There is nothing else like it. It would not occur to anyone to compare the heroes of the Trojan War with the medieval knights. Christ is still little present among people. People merely speak of Christ. When Westerners speak of Christ, the Eastern peoples feel that they—these Eastern peoples—are indeed far ahead, far, far ahead, in terms of the spiritual grasp of the world, in terms of what these peoples know of the mysteries of existence. The Eastern peoples know this.
[ 6 ] Ganz gewöhnliche Dinge können es Euch erklären, daß die östlichen Völker in einer gewissen Weise ihre Vorzüge in spiritueller Beziehung schon zu schätzen wissen können. Was tun die westlichen Völker heute noch in ihrer Masse, in ihrer Mehrzahl, wenn Geheimnisse des Daseins enthüllt werden? Nun, wir sitzen noch in recht kleinen Scharen beisammen, wenn wir sprechen, sagen wir von so etwas, wie gestern Abend gesprochen worden ist, von den waltenden spirituellen Mächten und Geheimnissen, die uns überall umgeben. Für den gewöhnlichen Westeuropäer ist das eine Torheit oder ein Wahnsinn, denn er kann noch immer nicht das Wort des Paulus verstehen: Was die Weisheit ist vor Gott, das ist vor den Menschen eben oftmals die Torheit, und was die Torheit ist vor den Menschen, das ist die Weisheit vor Gott. — Und nur diejenigen, die angesteckt sind von den Westeuropäern im Orient, würden wagen, auch nur im allergeringsten zu deuteln an den tiefen Wahrheiten über die spirituellen Geheimnisse des Kosmos, wie wir sie versuchen wiederum zu enthüllen, wenn sie sie hören, denn als etwas Selbstverständliches gelten solche Dinge, wie sie zum Beispiel gestern gesagt worden sind, denjenigen, die im östlichen spirituellen Leben drinnen sind. Wundern wir uns daher nicht, daß es oftmals diesen östlichen Völkern vorgekommen ist, wenn die Europäer. über sie hergefallen sind, wie es eben einer Schar von Menschen vorkommt, wenn ihnen eine Herde wilder Tiere entgegenkommit, gegen die sie sich wehren, denen sie das, was sie tun, nicht übelnehmen, die sie aber als etwas Inferiores betrachten. Wir Westländer werden aus den angedeuteten Gründen — ob das heute berechtigt ist oder nicht, darauf kommt es hier nicht an — und nach den Traditionen des Ostens von jedem Angehörigen etwa des Brahmanentums selbstverständlich als inferiore Menschen angesehen.
[ 6 ] Even the most ordinary things can show you that Eastern peoples, in a certain sense, already know how to appreciate their spiritual advantages. What do the Western peoples still do today, for the most part, when the mysteries of existence are revealed? Well, we still sit together in rather small groups; when we speak, we talk about things like what was discussed last night—the ruling spiritual powers and mysteries that surround us everywhere. For the average Western European, this is folly or madness, for he still cannot understand the words of Paul: What is wisdom before God is often folly before men, and what is folly before men is wisdom before God. — And only those in the East who have been influenced by Western Europeans would dare to question even in the slightest the profound truths about the spiritual mysteries of the cosmos, as we are attempting to reveal them once more; for such things, as were spoken of yesterday, for example, are taken for granted by those who are immersed in Eastern spiritual life. Let us not be surprised, therefore, that it has often happened to these Eastern peoples, when Europeans have descended upon them, just as it happens to a group of people when they encounter a herd of wild animals against which they defend themselves—animals whom they do not resent for what they do, but whom they regard as inferior. We Westerners, for the reasons indicated—whether this is justified today or not is irrelevant here—and according to the traditions of the East, are naturally regarded as inferior human beings by every member of, say, the Brahmin caste.
[ 7 ] Und wenn wir absehen von dem Brahmanentum und sehen etwa in die Kulturen Mittelasiens, in die tibetanische oder chinesische Kultur, die in der nächsten Zeit in einer Weise werden für die Welt Bedeutung gewinnen, wovon sich die Menschen heute nichts träumen lassen, trotzdem uns nur kurze Zeit von dieser Sache trennt, wenn wir auf alle diese Dinge sehen und gewahr werden, wie die Seelen vieler Zarathustra-Schüler in diesen Kulturen noch verkörpert sind, dann werden wir versucht werden, diese Dinge sehr ernst zu nehmen. Wir werden es auch begreifen können, daß in dasjenige, was Helena Petrowna Blavatsky zu geben verstand, der indische, der tibetanische, der ägyptische Okkultist versucht sein konnten, aus ihrer Seele heraus — ihr eigenes Weisheitsgut hineinzuleiten, jenes Eigene aber, das in dem Menschenwerdeprozeß einer Vergangenheit angehört. Und wir müssen den Vergangenheitscharakter dieser orientalischen Weisheitsgüter erkennen, die innerhalb der Blavatskyschen Lehren stecken. Wir brauchen ja den Wert einer solchen Sache nicht zu verkennen, brauchen nicht zu verkennen, daß wenn nun überfluten wird das, man möchte sagen, seine Fesseln gesprengt habende Chinesentum die westlichen Welten, dann eine Spiritualität damit kommt, die richtig die Nachfolge ist, in vieler Beziehung die noch ungetrübte Nachfolge ist des alten Atlantiertums. Sie wird wirken, wie wenn aufspringen würde etwas, was zusammengehalten wird, und was nach aller Welt sich verbreiten kann; so wird es sich ausgießen — in kleinem Maßstabe hat sich so bei der ersten Gelegenheit ausgegossen das alte Indertum.
[ 7 ] And if we look beyond Brahmanism and consider, for example, the cultures of Central Asia, or Tibetan and Chinese culture—which in the near future will come to hold significance for the world in ways people today cannot even imagine— yet only a short time separates us from this reality—if we look at all these things and realize how the souls of many disciples of Zarathustra are still incarnated in these cultures, then we will be tempted to take these things very seriously. We will also be able to understand that into what Helena Petrovna Blavatsky was able to impart, the Indian, Tibetan, and Egyptian occultists may have been tempted to channel—from her soul—their own store of wisdom, yet that very wisdom belongs to a past era in the process of human evolution. And we must recognize the historical character of these Eastern treasures of wisdom that are embedded within Blavatsky’s teachings. We need not, of course, underestimate the value of such a thing; we need not fail to recognize that when Chinese culture—which, one might say, has broken its bonds—now floods the Western worlds, a spirituality comes with it that is truly the successor, in many respects the still unclouded successor, of ancient Atlantean culture. It will take effect as if something held together were to spring open and spread throughout the world; thus it will pour forth—on a small scale, ancient Indian culture poured forth in this way at the first opportunity.
[ 8 ] Daher war es möglich, meine lieben theosophischen Freunde, daß von jener Zeit an alles das eingetreten ist, wofür man in allem Okkultismus ein bezeichnendes Wort hat, daß von da ab im Grunde genommen die theosophische Bewegung nicht mehr ein geeignetes Instrument war für die Fortbewegung der Kultur Europas. Jeder Okkultist kennt gut das Wort, das da heißt: Es darf niemals bei den leitenden Mächten des Okkultismus oder bei den in irgendeiner Weise okkult Tätigen irgendein spezielles Interesse überwiegen das allgemeine Interesse der Menschheit. — Es gibt keine Möglichkeit, okkult günstig zu wirken, wenn ein spezielles Interesse überwiegt das allgemeine menschliche Interesse. In dem Augenblick, wo in den Okkultismus eindringt ein spezielles Interesse anstelle der allgemein-menschlichen Interessen, sind die Möglichkeiten zu realen Irrtümern gegeben. Daher kommt es, daß seit jener Zeit in die theosophische Bewegung jeder mögliche Irrtum hineinkonnte. Durch die Art und Weise, wie England mit Indien verknüpft ist karmisch im Weltzusammenhang, war einfach die Möglichkeit gegeben, daß jene erhabenen Mächte, die am Ausgangspunkt der theosophischen Bewegung stehen, gefälscht wurden. Denn das ist ein gewöhnlicher Vorgang im Okkultismus, daß Mächte, die ihr Spezialinteresse verfolgen wollen, die Gestalt derjenigen annehmen, welche die eigentlichen Impulse vorher gegeben haben. So gab es von einer gewissen Zeit der theosophischen Bewegung an gar keine Möglichkeit mehr, so ohne weiteres alles hinzunehmen, was innerhalb dieser theosophischen Bewegung lag, und das Karma hat es gewollt, daß dies immer weniger und weniger möglich geworden ist. Und so konnte denn nichts anderes getan werden, als in dem Augenblick, wo der Ruf an uns erging, uns zu vereinigen mit dieser theosophischen Bewegung, es konnte nichts anderes getan werden, als auf die ursprünglichen Quellen wieder zurückzugehen, auf diejenigen Quellen, die wir im Gegensatz zu den speziellen die allgemein-menschlichen nennen können. Und so habt Ihr vielleicht gesehen in Mitteleuropa, daß wir versuchen, an die okkulten Quellen heranzukommen so, daß Ihr nicht bemerken werdet an alldem, was Euch da entgegentritt, daß irgendein spezielles Interesse damit verknüpft ist. Alles, was an speziellen Interessen aufgefunden werden kann in Mitteleuropa, versucht Ihr es zu vergleichen mit dem, was Ihr kennenlernt als jene Theosophie, die unter uns getrieben wird: Es lassen sich die beiden Dinge wirklich nicht zusammenbringen. — Ihr könnt diese Theosophie nehmen und findet wahrscheinlich außer dem, daß, weil in einer Sprache schon einmal geschrieben werden muß, die Bücher von mir selber in deutscher Sprache geschrieben sind, findet Ihr wohl nichts Deutsches in der Theosophie, nichts, was irgendwie mit den äußeren Traditionen Mitteleuropas zusammenhängt. Und wo irgend die Tendenz auftritt, mit einem Spezialinteresse die Theosophie zu verbinden, gibt es sogleich eine Unmöglichkeit.
[ 8 ] That is why, my dear Theosophical friends, it was possible that from that time on, everything came to pass for which there is a telling phrase in all occultism: that from then on, the Theosophical Movement was, in essence, no longer a suitable instrument for the advancement of European culture. Every occultist is well acquainted with the saying that goes: Among the guiding powers of occultism, or among those engaged in occult work in any way, no special interest must ever take precedence over the general interest of humanity. — There is no possibility of exerting a beneficial occult influence if a particular interest prevails over the general human interest. The moment a particular interest replaces general human interests within occultism, the conditions for real errors are created. This is why, from that time onward, every possible error could find its way into the Theosophical Movement. Due to the way England is karmically linked to India within the global context, the possibility simply existed that those exalted powers standing at the origin of the Theosophical Movement were counterfeited. For it is a common occurrence in occultism that powers seeking to pursue their own special interests assume the form of those who previously provided the actual impulses. Thus, from a certain point in the history of the Theosophical Movement, it was no longer possible to simply accept everything within that movement, and karma has willed that this has become less and less possible. And so nothing else could be done but, at the very moment the call went out to us to unite with this Theosophical Movement, to return to the original sources—those sources which, in contrast to the specific ones, we may call the generally human ones. And so you may have seen in Central Europe that we are trying to draw upon the occult sources in such a way that you will not perceive, in all that confronts you there, that any specific interest is associated with it. Whatever specific interests you may find in Central Europe, try to compare them with what you come to know as the Theosophy practiced among us: the two things really cannot be reconciled. — You can take this Theosophy and will likely find—apart from the fact that, since it must be written in a language, my own books are written in German—that there is nothing German in Theosophy, nothing that is in any way connected to the external traditions of Central Europe. And wherever the tendency arises to link Theosophy with a particular interest, there is immediately an impossibility.
[ 9 ] Das ist nun die besondere Aufgabe Mitteleuropas gewesen, die Theosophie zu erlösen von den speziellen Eigentümlichkeiten, die sie erhalten hat im europäischen Westen. Es war unsere Mission, die Theosophie rein, rein herauszulösen von allen Spezialinteressen. Und je weiter Ihr eingehen werdet auf die Dinge, werdet Ihr finden, daß ich gewissermaßen selber in der Lage war loszulösen alles, was ich theosophisch bringen durfte, von einem jeglichen Spezialinteresse. Es ist das eine symbolische Angabe, meine lieben theosophischen Freunde, aber symbolisch gesprochen — ich brauchte mich nur leiten zu lassen von dem, was als ein unmittelbarer Impuls in der gegenwärtigen Inkarnation vorhanden war, mißversteht es nicht, es gibt ja nur eine Tatsache wieder —: diejenigen, welche die äußeren Träger zum Beispiel jenes Blutes waren, aus dem ich stamme, sie stammten aus deutschen Gegenden Österreichs; da konnte ich nicht geboren werden. Ich selber bin in einer slawischen Gegend, in einer Gegend, die vollständig fremd war dem ganzen Milieu und der ganzen Eigentümlichkeit, aus der meine Vorfahren stammen, geboren. So drängte sich mir — ich will das nur symbolisch anführen — im Ausgangspunkt meiner gegenwärtigen Inkarnation sinnbildlich von selber auf, daß wir in Mitteleuropa den Beruf hatten, uns loszulösen von allem Spezialinteresse die Theosophie, so daß sie in Mitteleuropa wirklich vor uns steht wie eine Göttin, wie etwas ganz, ganz von allem Menschlichen losgelöstes Göttliches, das ebensoviel zu tun hat mit dem Menschen, der da lebt, wie mit jenem, der dort lebt, und das wird immer bleiben müssen.
[ 9 ] This has been the specific task of Central Europe: to free Theosophy from the particular characteristics it has acquired in Western Europe. It was our mission to purify Theosophy, to free it completely from all special interests. And the deeper you delve into these matters, the more you will find that I myself was, so to speak, able to detach everything I was permitted to bring in theosophical terms from any and all special interests. It is a symbolic statement, my dear Theosophical friends, but speaking symbolically—I only needed to let myself be guided by what was present as an immediate impulse in the present incarnation; do not misunderstand it, it merely reflects a fact—: those who were the outward bearers, for example, of the blood from which I descend, came from German regions of Austria; I could not have been born there. I myself was born in a Slavic region, in a region that was completely foreign to the entire milieu and the entire character from which my ancestors came. Thus it presented itself to me—I wish only to mention this symbolically—at the outset of my present incarnation, symbolically and of its own accord, that we in Central Europe had the calling to detach ourselves from all special interests in Theosophy, so that in Central Europe it truly stands before us like a goddess, like something divine that is completely, completely detached from all that is human, having just as much to do with the person living here as with the one living there, and that will always have to remain so.
[ 10 ] Das Ideal, das wir haben, meine lieben theosophischen Freunde, so einfach, als es sich ausdrückt, es wird immer vor uns stehen müssen, weil es schwerer zu erfüllen ist, als auszusprechen. Es wird vor uns stehen müssen als unser Ideal die Wahrheit und Aufrichtigkeit, die ungefärbte göttliche Wahrheit. Vielleicht gerade, wenn wir uns so bestreben, werden wir den Weg finden, nicht für uns, sondern für das, was in Mitteleuropa nach der ganzen Mission Europas unpersönlich war, für diese göttliche Theosophie hinüber nach dem Osten. Und da, wenn ich, ich möchte sagen, nun den Weg weiter beschreibe, wie die Theosophie im Westen Platz gegriffen hat, durch Europa durchgeht und nach dem Osten kommen soll, da möchte ich das Wort wiederum hierhersetzen, scharf, scharf das Wort: Verantwortlichkeitsgefühl. Die Kulturen in der Welt, sie entwickeln sich so, daß sich gleichsam wie in einer geistigen Hülle die eine Kultur mit der andern entwickelt. Die eine Kultur verbindet sich mit der andern.. Dadurch, daß die Theosophie in Mitteleuropa so unpersönlich sein mußte, hat sie einen gewissen Charakter der Geistigkeit bekommen, der von allen Interessen losgelösten Geistigkeit. Diese Theosophie hat dadurch, meine lieben theosophischen Freunde, etwas Sprödes; sie hat das Spröde, das die Unberührtheit von den speziellen Interessen hat; sie wird daher denjenigen nicht gefallen, welche ihr Herz nicht aufschließen können gegenüber dem, das eben nicht irgendeinem speziellen Interesse dient.
[ 10 ] The ideal we hold, my dear Theosophical friends, as simple as it may seem, will always have to stand before us, for it is harder to fulfill than to articulate. It will have to stand before us as our ideal: truth and sincerity, the unadulterated divine truth. Perhaps it is precisely when we strive in this way that we will find the path—not for ourselves, but for that which, in Central Europe, was impersonal in the context of Europe’s entire mission, for this divine Theosophy as it extends toward the East. And there, as I now continue to describe the path of how theosophy has taken root in the West, passes through Europe, and is to reach the East, there I would like to place the word here again, sharply, sharply: a sense of responsibility. The cultures of the world develop in such a way that, as it were, one culture develops with another within a spiritual shell. One culture connects with another. Because theosophy in Central Europe had to be so impersonal, it has acquired a certain character of spirituality—a spirituality detached from all interests. This Theosophy, my dear Theosophical friends, has a certain aloofness; it possesses the aloofness that comes from being untouched by specific interests; it will therefore not appeal to those who cannot open their hearts to that which does not serve any particular interest.
[ 11 ] Das Geistige, das sie hat, diese Theosophie, kann aber gefunden werden von der Seele, die nach diesem Geistigen dürstet, die nach diesem Geistigen sich sehnt. Und da muß ich sagen, meine lieben theosophischen Freunde, ich habe kennengelernt aus der geistigen Welt selber heraus eine Seele, die sich sehr sehnt nach dem Geiste, der durch die Theosophie sich ausdrückt. Ich habe kennengelernt diese Seele in der rein geistigen Welt. Wenn wir in der Reihenfolge der Hierarchien hinaufgehen zu den einzelnen Völkergeistern und sprechen innerhalb der einzelnen Völkergeister von den Volksseelen, dann kommen wir auch unter den Volksseelen, die sozusagen heute noch jung sind und die sich fortentwickeln müssen, wie jedes Wesen sich entwickeln muß, zur russischen Volksseele. Von dieser russischen Volksseele weiß ich, daß sie sich sehnt nach dem Geist, der in der Theosophie zum Ausdruck kommt. Sie sehnt sich mit allen Kräften, die sie entwickeln kann. Ich spreche von dem Verantwortlichkeitsgefühl, weil Ihr, meine lieben theosophischen Freunde, Kinder seid dieser russischen Volksseele. Sie waltet und wirkt in Euch und Ihr habt ihr gegenüber eine Verantwortung. Die Verantwortung, versteht sie zu lernen! Nehmt es nicht übel; viel, viel konnte mir sagen oftmals diese russische Volksseele. Am tragischsten trat mir das vor Augen, was diese russische Volksseele mir sagen konnte, etwa um das Jahr 1900 herum. Es trat am tragischsten dazumal zutage, weil einem da auffallen konnte etwas, das ich mir selber erst lange hinterher in der richtigen Weise interpretieren konnte, weil einem da auffallen konnte, wie wenig im Grunde genommen diese russische Volksseele heute noch verstanden wird. Wir haben in Westeuropa kennengelernt vieles, vieles aus Rußland, und vieles, vieles aus Rußland hat auf uns einen großen, gewaltigen Eindruck gemacht. Wir haben kennengelernt die großen Impulse Tolstojs, haben kennengelernt das Westeuropa so tief ergreifende der Psychologie von Dostojewskij und wir haben endlich kennengelernt einen solchen Geist wie Solowjow, einen Geist, der, wenn man ihn auf sich wirken läßt, überall den Eindruck macht: so ist er, wie er geschrieben hat. Und wie er geschrieben hat, es bekommt erst das rechte Licht, wenn man hinter ihm stehend fühlt die russische Volksseele. Und diese russische Volksseele, sie weiß viel, viel mehr zu sagen, als selbst Solowjow zu sagen weiß, denn da kommt uns noch immer viel, viel zuviel von Westeuropa Angenommenes vor die Herzen. Denkt einmal, meine lieben Freunde, an das Wort Verantwortlichkeitsgefühl, denkt daran, daß ihr diese Aufgabe habt, Euch würdig zu zeigen der russischen Volksseele gegenüber, und daß Ihr kennenlernen sollt die Sehnsucht der russischen Volksseele nach der unpersönlichen Theosophie. Wenn Ihr Theosophie kennenlernt in dem, was sie in ihrem innersten Impuls will, dann, meine lieben Freunde, werdet Ihr allerhand Fragen zu stellen haben, die nur aus einer russischen Seele herauskommen können: Seelenfragen zu den Geistesfragen der Theosophie. Ich habe es erfahren, daß viel edles, herrliches, schönes Gefühl mir entgegengetreten ist von Osteuropa, so viel von echter, wahrer Menschenliebe und Menschengüte, von menschlichem Mitleid, von überfließendem Gefühl, als sich nur denken läßt, von feiner, intimer Beobachtung dessen, was in der Welt gegeben ist, von einem intensiven persönlichen Verknüpftsein mit den Mächten des Daseins. Und aus solchen lieben und schönen und edlen Gefühlen sind viele, viele Fragen von Angehörigen des russischen Volkes an mich gestellt worden, viele Fragen — Fragen, die einmal gestellt werden müssen, weil sie Fragen sind, ohne deren Beantwortung die Menschheit in der Zukunft wird nicht leben können. Fragen, die nur vom Osten Europas kommen können, sie hat bisher an mich nur die russische Volksseele gestellt, die russische Volksseele auf den höheren Planen. Oftmals mußte ich denken, daß die Kinder dieser Volksseele noch einen weiten Weg haben, um ihre Volksseele zu verstehen, um zu verstehen, was diese Volksseele eigentlich ersehnt und wieviel sie noch trennt, diese Kinder der Volksseele, von dieser Volksseele selbst. Scheut es deshalb nicht, den Weg zu suchen, den Ihr finden könnt, wenn Ihr wollt, zu Eurer Volksseele. Aus Eurer Volksseele heraus werdet Ihr diejenigen Fragen finden, ohne deren Beantwortung die Menschheit der Zukunft nicht wird sein können. Aber scheut es nicht, über das persönliche Interesse dabei herauszukommen, denn seid eingedenk des großen Verantwortlichkeitsgefühls, das Ihr haben sollt gegenüber der russischen Volksseele, seid eingedenk dieses Gefühles, denn in der Zukunft brauchen die Volksseelen ihre Kinder, die Menschen, um ihre Ziele zu erreichen. Und vergeßt dabei eines nicht. Dasjenige, das einen am höchsten tragen kann, das einen in die schönsten, lichtesten Höhen der Welt bringen kann — das ist am meisten der Gefahr ausgesetzt, in Irrtümer zu verfallen. — Ihr sollt, meine lieben theosophischen Freunde, das Geistige durchseelen. Ihr sollt finden die Seele zum Geiste. Ihr könnt es, weil die russische Volksseele unermeßliche Tiefen und Möglichkeiten des Zukünftigen hat. Aber notwendig ist es, daß Ihr Euch bewußt seid, daß das Seelische, das sich zum Geiste erheben kann, den Geist selber zu durchseelen hat, Euch vor die große Gefahr stellt, Euch zu verlieren und in dem Persönlichen, in dem individuell Persönlichen steckenzubleiben, zu verlieren in dem Persönlichen als solchem. Dann wird das Persönliche nämlich stark, wenn es stammt aus dem Seelischen.
[ 11 ] But the spiritual essence of this Theosophy can be found by the soul that thirsts for this spiritual essence, that longs for this spiritual essence. And here I must say, my dear theosophical friends, that I have come to know, from within the spiritual world itself, a soul that yearns deeply for the spirit expressed through Theosophy. I have come to know this soul in the purely spiritual world. When we ascend through the hierarchy to the individual national spirits and speak, within the individual national spirits, of the Folk-souls, we also come, among the Folk-souls that are, so to speak, still young today and that must continue to develop—just as every being must develop—to the Russian Folk-soul. Of these Russian folk-souls I know that they long for the spirit expressed in Theosophy. They long with all the strength they can muster. I speak of a sense of responsibility because you, my dear Theosophical friends, are children of these Russian folk-souls. They reign and work within you, and you have a responsibility toward them. The responsibility to learn to understand them! Do not take offense; these Russian folk-souls have often had much, much to say to me. What these Russian folk-souls had to say to me became most tragically apparent to me around the year 1900. It became most tragically apparent at that time because one could notice something there that I myself was only able to interpret correctly long afterward, because one could notice how little, in essence, this Russian Folk-soul is still understood today. We in Western Europe have come to know much, much from Russia, and much, much from Russia has made a great, powerful impression on us. We have come to know the great impulses of Tolstoy, we have come to know Dostoevsky’s psychology, which so deeply moved Western Europe, and we have finally come to know a spirit such as Soloviev, a spirit who, when one allows him to take effect, gives the impression everywhere: this is who he is, just as he wrote. And what he wrote only takes on its true light when one senses the Russian folk-soul standing behind it. And this Russian folk-soul has much, much more to say than even Soloviev himself knows how to say, for there is still far, far too much of what we have adopted from Western Europe that comes before our hearts. Think for a moment, my dear friends, of the word “sense of responsibility”; remember that you have this task: to show yourselves worthy before the Russian folk-soul, and that you are to come to know the Russian folk-soul’s longing for impersonal theosophy. When you come to know Theosophy in what it seeks in its innermost impulse, then, my dear friends, you will have all manner of questions to ask that can only spring from a Russian soul: questions of the soul regarding the spiritual questions of Theosophy. I have experienced that much noble, magnificent, beautiful feeling has come to meet me from Eastern Europe, so much genuine, true love for humanity and human kindness, human compassion, overflowing feeling beyond what one can imagine, fine, intimate observation of what exists in the world, and an intense personal connection with the forces of existence. And from such loving, beautiful, and noble feelings, many, many questions have been posed to me by members of the Russian people—many questions—questions that must be asked, for they are questions without whose answers humanity will not be able to live in the future. Questions that can come only from Eastern Europe; so far, they have been posed to me only by the Russian folk-souls, the Russian folk-souls on the higher planes. I have often had to think that the children of these folk-souls still have a long way to go to understand their folk-souls, to understand what these folk-souls actually yearn for and how much still separates these children of the folk-souls from the folk-souls themselves. Therefore, do not shy away from seeking the path that you can find, if you wish, to your folk-souls. From within your folk-soul, you will find those questions without the answers to which the humanity of the future cannot exist. But do not shy away from moving beyond personal interest in this, for be mindful of the great sense of responsibility you should have toward the Russian folk-soul; be mindful of this feeling, for in the future, the folk-souls need their children—the people—to achieve their goals. And do not forget one thing in this. That which can lift one highest, that which can bring one to the most beautiful, most luminous heights of the world—that is most exposed to the danger of falling into error. — You must, my dear Theosophical friends, imbue the spiritual with soul. You must find the soul in the spirit. You can do this, for the Russian folk-soul possesses immeasurable depths and possibilities for the future. But it is necessary that you be aware that the soul, which can rise to the spirit, must imbue the spirit itself, placing you before the great danger of losing yourselves and getting stuck in the personal, in the individually personal, of losing yourselves in the personal as such. For the personal becomes strong when it originates from the soul.
[ 12 ] Es werden nicht jene Hindernisse bei Euch auftreten, die so vielfach in West- und Mitteleuropa auftreten. Zur Skepsis seid Ihr weniger geboren; Skepsis kann nur durch Einimpfung von Westen zu Euch kommen. Ihr werdet durch ein bestimmtes Gefühl die Wahrheit von der Unwahrheit und Unredlichkeit unterscheiden lernen auf dem Gebier des Okkultismus, wo Scharlatanerie und Wahrheit so dicht beisammenstehen. Nicht der Skeptizismus, der Zynismus werden Eure Gefahr bilden. Eure Gefahr wird bilden, daß das seelisch. Machtvolle Eurer Persönlichkeiten Wolken um Euch verbreiten kann, astralische Wolken, durch die Ihr dann nicht durchkönnt bis zum objektiv Geistigen. Euer Feuer, Eure Wärme, sie können sich wie eine wolkige Aura um Euch herum breiten, nicht durchlassen das Geistige, weil Ihr meint, für den Geist begeistert zu sein, aber durch die Begeisterung verhindert den Geist, die Wege zu Euch zu finden. So versucht, das ins Auge zu fassen, daß Ihr in dem großen Vorteil seid — das jetzt in dem idealen spirituellen Sinn gemeint —, ein spezielles Interesse haben zu dürfen, weil Ihr prädestiniert seid, das heißt Eure Volksseele, in das spezielle Interesse des russischen Volkstums die Theosophie, die man in Mitteleuropa noch ganz wie nur eine über allem Menschlichen erhabene göttliche Macht nehmen mußte, empfangen zu dürfen, wie kein anderes Volk sie empfangen kann, wie etwas, was Ihr als Euer Eigenstes hegen und pflegen dürft. Denn durch Eure Prädestination seid Ihr dazu ausgestattet, Seele dem Geist einzuhauchen. Das ist oftmals in unseren Reihen gesagt worden, aber an Euch liegt es, die Gelegenheit sobald als möglich herbeizuführen, sie nicht zu versäumen, nicht bloß Gefühl und Wille zu entwickeln, sondern vor allen Dingen Energie und Ausdauer zu entwickeln, weniger — wenn auch ein Wort in bezug auf das Praktische geredet werden soll — reden über die Art, wie Theosophie im Westen sein muß und wie sie in Rußland sein muß und so weiter und was für das eine und andere gut ist, sondern zunächst aufnehmen Theosophie, aufnehmen, mit der Seele, mit dem Herzen vereinigen. Das Übrige wird sich schon ergeben; es wird sich sicher ergeben.
[ 12 ] You will not encounter the same obstacles that are so common in Western and Central Europe. You are less naturally inclined toward skepticism; skepticism can only reach you through influence from the West. You will learn to distinguish truth from falsehood and dishonesty through a certain intuition in the realm of the occult, where charlatanism and truth lie so close together. It is not skepticism or cynicism that will pose a danger to you. Your danger will be that the spiritually powerful aspects of your personalities can spread clouds around you—astral clouds—through which you cannot then penetrate to the objective spiritual. Your fire, your warmth, can spread around you like a cloudy aura, blocking the spiritual, because you think you are enthusiastic for the spirit, but through that enthusiasm you prevent the spirit from finding its way to you. So try to realize that you are in a great advantage—meaning this now in the ideal spiritual sense— to be allowed to have a special interest, because you are predestined—that is, your Folk-souls—to receive Theosophy within the special context of Russian folk culture, which in Central Europe still had to be regarded solely as a divine power transcending all that is human, in a way that no other people can receive it, as something you may cherish and nurture as your very own. For through your predestination you are endowed to breathe soul into the spirit. This has often been said among our ranks, but it is up to you to bring about the opportunity as soon as possible, not to miss it, not merely to develop feeling and will, but above all to develop energy and perseverance, rather than—if a word is to be spoken regarding the practical—talking about the way Theosophy must be in the West and how it must be in Russia and so on, and what is good for one or the other, but first of all to take in Theosophy, to take it in, to unite it with the soul, with the heart. The rest will follow; it will surely follow.
[ 13 ] Das ist so etwas von dem, meine lieben Freunde, was ich habe zu Euch sprechen wollen, sprechen wollen deshalb, weil überall, wo ich unmittelbar zum Menschen sprechen soll, vor Augen stehen muß eben das Verantwortlichkeitsgefühl, das wir Menschen der Gegenwart gegenüber der Theosophie haben. Im Westen sollen die Menschen das Gefühl haben, daß sie sich an der Menschheit versündigen, wenn sie etwas von Theosophie haben können und es nicht wollen, es abweisen — Sünde gegen die Menschheit! Es ist manchmal recht schwer zu fassen, denn man muß ein fast transzendentales Pflichtgefühl haben, meine lieben Freunde, wenn man solche Verpflichtung, solch ein Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Menschheit haben soll. Euch sagt Eure Volksseele, daß sie, diese Volksseele selber, Euch verpflichtet. Für Euch hat schon die Volksseele diese: Verpflichtung gegenüber der Menschheit übernommen. Ihr braucht sie nur zu finden, diese Volksseele. Ihr braucht sie nur durch Eure Gedanken, Empfindungen und Willensimpulse sprechen zu lassen, und Ihr werdet, wenn Ihr die Verantwortlichkeit gegenüber der Volksseele fühlt, zugleich erfüllen die Pflicht gegenüber der Menschheit. Deshalb seid Ihr auch äußerlich örtlich hineingestellt zwischen den europäischen Westen, der Theosophie haben muß, für den sie aber in dem Grade wie für Euch nicht eine persönliche Angelegenheit werden kann, und den asiatischen Osten, der Okkultismus und spirituelle Kultur seit Urzeiten hat. Ihr seid hineingestellt. Ihr würdet vielleicht niemals dazukommen, Eure Aufgabe gegenüber der spirituellen Kultur der Menschheit zu erfüllen in dieser geographisch schwierigen Lage, möchte ich sagen, wenn Ihr nur an die Verpflichtung gegenüber der Menschheit denken müßtet. Denn die Versuchungen werden ungeheuer groß sein, wenn auf der einen Seite nicht nur der europäische Westen wirkt, der viele der Kinder Eurer Volksseele im Grunde genommen sich selber hat untreu werden lassen. Gegenüber einem großen Teil dessen, was von Russen geschrieben und uns nach Westen gebracht wird, haben wir das Gefühl, daß es nichts zu tun hat mit der russischen Volksseele, sondern ein Spiegelbild aller möglichen westlichen Dinge ist. Die zweite Versuchung wird die von Osten sein, wenn die Macht spiritueller Kultur kommt. Da wird es die Pflicht sein, zu wissen, daß bei aller Größe dieser spirituellen Kultur des Ostens der Mensch der Gegenwart sich zu sagen hat: Nicht die Vergangenheit haben wir in die Zukunft hineinzutragen, sondern die neuen Impulse. Nicht aufzunehmen wird sein einfach irgendein spiritueller Impuls des Ostens, sondern zu pflegen das, was der Westen aus den spirituellen Quellen selber hervorbringen kann. — Dann wird die Zeit kommen, in der Europa anfangen wird, wenn Ihr Eure Pflichten auch erfüllt gegenüber Eurer Volksseele, ein wenig zu verstehen, was eigentlich der Christus-Impuls in der geistigen Entwickelung der Menschheit ist. Sucht alles das, was ich habe mit und in diesen Worten sagen wollen, meine lieben Freunde, und sucht vor allen Dingen das in diesen Worten, was in Euch selber Impuls werden kann, nicht bloß zu fühlen und zu empfinden, daß Theosophie etwas Bedeutendes und etwas Großes ist, sondern sucht vor allen Dingen, Theosophie in die Tat und in die Willensimpulse Eurer Seele aufzunehmen und aus ihr heraus Euer Leben, aus ihr heraus Eure Taten einzurichten.
[ 13 ] This, my dear friends, is part of what I wanted to speak to you about—and I say “wanted” because whenever I am to speak directly to people, I must keep in mind the sense of responsibility that we, as people of the present, have toward theosophy. In the West, people should feel that they are sinning against humanity if they have the opportunity to receive something from theosophy and yet refuse it—a sin against humanity! It is sometimes quite difficult to grasp, for one must have an almost transcendental sense of duty, my dear friends, if one is to bear such an obligation, such a sense of responsibility toward humanity. Your folk-souls tell you that they, these folk-souls themselves, oblige you. For you, the folk-souls have already assumed this obligation toward humanity. You need only find these folk-souls. You need only let them speak through your thoughts, feelings, and impulses of will, and you will, when you feel the responsibility toward the folk-souls, simultaneously fulfill the duty toward humanity. That is why you are also geographically situated between Western Europe, which needs theosophy but for which it cannot become a personal matter to the same degree as it can for you, and the Asian East, which has possessed occultism and spiritual culture since time immemorial. You are situated there. You might perhaps never come to fulfill your task toward the spiritual culture of humanity in this geographically difficult situation, I would say, if you had to think only of the obligation toward humanity. For the temptations will be immense if, on the one hand, not only the European West is at work—which has, in essence, caused many of the children of your Folk-souls to become untrue to themselves. With regard to a large part of what is written by Russians and brought to us in the West, we have the feeling that it has nothing to do with the Russian folk-soul, but is a reflection of all manner of Western things. The second temptation will come from the East, when the power of spiritual culture arrives. There it will be our duty to recognize that, despite all the greatness of this spiritual culture of the East, people of the present must tell themselves: It is not the past that we must carry into the future, but the new impulses. It will not be a matter of simply taking in some spiritual impulse from the East, but of nurturing what the West itself can bring forth from its own spiritual sources. — Then the time will come when Europe will begin, even as you fulfill your duties toward your Folk-souls, to understand a little of what the Christ impulse actually is in the spiritual development of humanity. Seek everything that I have sought to say with and in these words, my dear friends, and seek above all in these words that which can become an impulse within you yourselves—not merely to feel and sense that Theosophy is something significant and something great, but seek above all to take Theosophy into action and into the impulses of your soul’s will, and to organize your life and your deeds from it.
