The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159
15 June 1915, Düsseldorf
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The Mystery of Death, tr. SOL
13. Gemeinsamkeit über uns Christus in Uns
13. Unity Through Christ in Us
[ 1 ] Wir haben uns heute hier versammelt, meine lieben Freunde, in erster Linie, um die Feier der Einrichtung jenes Zweiges zu begehen, welcher von unserem lieben Freunde Professor Craemer begründet worden ist, und welcher in der innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung gehaltenen Art und Weise seine Kräfte dem geistigen Leben der Gegenwart und der Zukunft weihen will. Bei einer solchen Gelegenheit ist es immer gut, zu gedenken des eigentlichen Sinnes unserer Vereinigung in einzelnen Zweigen, uns zu fragen: Warum schließen wir uns zu Arbeitsgruppen zusammen, und warum pflegen wir innerhalb solcher Arbeitsgruppen das Geistesgut, dem wir unsere Fähigkeiten widmen wollen? Wenn wir uns diese Frage im rechten Sinne beantworten wollen, müssen wir klar darüber sein, daß wir unsere Arbeit, die wir hier leisten, in einer gewissen Weise noch abtrennen, wenn auch nur in Gedanken abtrennen, von der Art und Weise, wie wir uns in bezug auf unsere sonstige Arbeit einrichten.
[ 1 ] We have gathered here today, my dear friends, first and foremost to celebrate the establishment of the branch founded by our dear friend Professor Craemer, which, in the spirit of our Spiritual Science movement, seeks to dedicate its energies to the spiritual life of the present and the future. On such an occasion, it is always good to reflect on the true purpose of our association in its various branches, to ask ourselves: Why do we come together in working groups, and why do we cultivate within such groups the spiritual heritage to which we wish to dedicate our abilities? If we wish to answer this question correctly, we must be clear that we still separate the work we do here, in a certain sense—even if only in thought—from the way we organize ourselves with regard to our other work.
[ 2 ] Derjenige Mensch in unserer Gegenwart, der sich überhaupt mit gewissen intimeren Wahrheiten des geistigen Fortschrittes der Menschheit nicht genau bekanntmachen will, der könnte fragen: Könntet ihr denn nicht, auch ohne daß ihr euch in einzelnen abgeschlossenen Gruppen zusammenschließt, einfach dadurch diese Geisteswissenschaft treiben, daß sich Vortragende dieser Gruppen finden und in ganz freier Weise Menschen, die sich auch nicht besonders kennen, zusammenkommen lassen, sie zusammenrufen, um an ihre Seelen das geistige Gut, von dem ihr sprecht, herangelangen zu lassen? — Selbstverständlich könnten wir auch so verfahren. Aber solange es uns in irgendeiner Weise möglich ist, Verbindungen herzustellen im weiteren und im engeren Sinne von Menschen, die sich kennen, die sich in gewisser Beziehung freundschaftlichst und brüderlichst in diesen Arbeitsgruppen vereinigen, so lange wollen wir dieses aus vollem Bewußtsein unserer mit der Geisteswissenschaft verbundenen Gesinnung heraus tun. Denn es ist nicht umsonst, daß sich bei uns Menschen treffen zur Pflege des intimeren Teiles unseres Geistesgutes, die sich ernst geloben, in brüderlicher Liebe und Eintracht zusammenzusein. Nicht nur, daß es eine gewisse Bedeutung hat für die Art und Weise, wie wir zueinander stehen, wie wir miteinander verkehren, daß wir in ganz anderer Weise sprechen können, wenn wir wissen, wir sprechen zu uns verwandten, mit uns bewußt verbundenen Seelen, nicht nur, daß dies so ist, sondern es ist noch etwas anderes. Wir verrichten in der Tat mit solcher Vereinigung in den einzelnen Zweigen etwas, was innig zusammenhängt mit der ganzen Auffassung, die wir von unserer geistigen Bewegung haben müssen, wenn wir sie im tiefsten Inneren verstehen. Unsere geistige Bewegung muß ja uns alle durchdringen mit dem Bewußtsein, daß sie nicht nur eine Bedeutung hat für dasjenige Dasein, welches die Sinne umfassen können, und für das Dasein, welches der auf das Äußere gerichtete Verstand der Menschen umfassen kann; unsere geistige Bewegung muß sich klar darüber sein, daß unsere Seelen durch sie eine echte und wahre Verbindung mit den geistigen Welten suchen. Wir müssen uns gleichsam mit Bewußtsein immer wieder und wiederum sagen: Indem wir Geisteswissenschaft treiben, versetzen wir in gewissem Sinne unsere Seelen hinein in jene Welten, welche nicht nur Erdenwesen bewohnen, sondern welche als ihren Daseinsort die Wesen der höheren Hierarchien bewohnen, die Wesen der unsichtbaren Welten. Daß wir gewissermaßen darinnen sind und daß unsere Arbeit für diese unsichtbaren Welten eine Bedeutung hat, daß wir in diesen unsichtbaren Welten wirklich darinnen sind — das ist es, was uns bei unserer Arbeit zum vollen Bewußtsein kommen muß. Nun ist es in der Tat so, daß innerhalb der geistigen Welt die geistige Arbeit, die wir verrichten, indem wir, uns kennend, in einzelnen Arbeitsgruppen zusammenarbeiten, eine ganz andere Bedeutung hat, als wenn wir eine solche Arbeit nicht innerhalb solcher Arbeitsgruppen, sondern außerhalb derselben, zerstreut in der Welt leisten würden. Also eine ganz andere Bedeutung für die geistigen Welten als eine Arbeit, die wir sonst leisten könnten, hat die Arbeit, die wir innerhalb unserer Gruppen in brüderlicher Eintracht zusammen leisten. Um das in vollständigem Sinne zu verstehen, müssen wir uns an Bedeutsames erinnern, das uns bei unserem geisteswissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre in mannigfaltiger Weise vor die Seele hat treten können.
[ 2 ] Anyone living today who is not particularly interested in familiarizing themselves with certain more intimate truths regarding humanity’s spiritual progress might ask: Couldn’t you, even without forming separate, closed groups, simply practice this Spiritual Science by having speakers from these groups bring together people who don’t know each other particularly well in a completely free manner, summoning them to allow the spiritual substance you speak of to reach their souls? — Of course, we could proceed in this way as well. But as long as it is possible for us in any way to establish connections—in the broader and narrower sense—among people who know one another, who unite in these working groups in a most friendly and brotherly manner, we wish to do so out of a full awareness of our convictions in Spiritual Science. For it is not without reason that people come together among us to nurture the more intimate part of our spiritual heritage, people who earnestly pledge to be together in brotherly love and harmony. Not only does it have a certain significance for the way we relate to one another, for how we interact, that we can speak in a completely different way when we know we are speaking to kindred souls, consciously connected to us—not only is this the case, but there is something else as well. In fact, through such unity within the individual branches, we are accomplishing something that is intimately connected with the entire conception we must have of our spiritual movement if we are to understand it in our deepest being. Our spiritual movement must, after all, permeate us all with the awareness that it has significance not only for the existence that the senses can grasp, and for the existence that the human mind, directed toward the external world, can grasp; our spiritual movement must be clear that through it our souls seek a genuine and true connection with the spiritual worlds. We must, as it were, consciously tell ourselves again and again: By engaging in Spiritual Science, we in a certain sense place our souls into those worlds which are inhabited not only by earthly beings, but which are inhabited as their place of existence by the beings of the higher hierarchies, the beings of the invisible worlds. That we are, so to speak, within them, and that our work has significance for these invisible worlds, that we are truly within these invisible worlds—this is what must come to our full consciousness in our work. Now it is indeed the case that within the spiritual world, the spiritual work we perform by working together in individual working groups, knowing one another, has a completely different significance than if we were to perform such work not within such working groups, but outside of them, scattered throughout the world. Thus, the work we perform together within our groups in brotherly harmony has a completely different significance for the spiritual worlds than work we might otherwise perform. To understand this in its fullest sense, we must recall significant insights that have come to meet our souls in manifold ways during our work in Spiritual Science of recent years.
[ 3 ] Gedenken wir einmal dessen, daß sich unsere Erdenentwickelung für uns Menschen so vollzogen hat, daß in der nachatlantischen Zeit zuerst diese Erdenentwickelung getragen worden ist von derjenigen Kulturgemeinschaft, die wir die altindische Kulturperiode nennen. Daß dann fortgesetzt worden ist diese Kulturperiode von dem, was wir mit einem mehr oder weniger passenden Ausdruck — darauf kommt es jetzt nicht an — die urpersische Kulturperiode nennen. Dann kam die ägyptisch-chaldäisch-babylonische Kulturperiode, dann die griechisch-lateinische, dann unsere fünfte nachatlantische Kulturperiode. Jede solche Kulturperiode hat auf der einen Seite dasjenige an Kultur und an geistigem Leben besonders zu pflegen, was ihr zunächst für die äußere sichtbare Welt zugeteilt ist. Aber eine jede solche Kulturperiode muß zugleich vorbereiten, gewissermaßen in ihrem Schoße vorbereitend tragen dasjenige, was da kommen soll in der nächstfolgenden Kulturperiode.
[ 3 ] Let us recall that the development of our Earth, as it pertains to us humans, unfolded in such a way that, in the post-Atlantean era, this development was initially carried forward by the cultural community we refer to as the ancient Indian cultural period. This cultural period was then continued by what we call—using a more or less fitting term, though that is not the point here—the Proto-Persian cultural period. Then came the Egyptian-Chaldean-Babylonian cultural period, followed by the Greek-Latin period, and then our fifth post-Atlantean cultural period. Each such cultural epoch must, on the one hand, particularly nurture that aspect of culture and spiritual life which is initially assigned to it for the outer, visible world. But each such cultural epoch must at the same time prepare—carrying within its bosom, as it were—that which is to come in the next succeeding cultural epoch.
[ 4 ] Die erste nachatlantische Kulturperiode, die altindische, mußte in ihrem Schoße die urpersische vorbereiten, die urpersische wiederum die ägyptisch-chaldäische und so weiter. Und unsere fünfte nachatlantische Kulturperiode muß die sechste Kulturperiode der nächsten Zeit vorbereiten. Öfter ist es nun gesagt worden, daß es unsere geisteswissenschaftliche Aufgabe ist, durch dasjenige, was wir uns aneignen, nicht nur, was ja ganz recht, aber nicht das einzige ist, Geistesgut für unsere einzelnen Seelen zu gewinnen — das wird uns zugeteilt für das ewige Leben unserer Seele —, aber es ist auch unsere Aufgabe, dasjenige vorzubereiten, was dann die sechste Kulturperiode zu ihrem Inhalte, zu ihrer besonderen äußerlichen Arbeit haben soll. So war es in jeder der einzelnen nachatlantischen Kulturperioden. Und diejenigen Stätten, in welchen immer dasjenige vorbereitet wurde, was für die nächste Kulturperiode das bedeutsame Äußere war, das waren die Mysterienstätten. Das waren diejenigen Vereinigungen von Menschen, in denen anderes gepflegt worden ist, als die äußere Welt pflegt.
[ 4 ] The first post-Atlantean cultural epoch, the ancient Indian one, had to prepare within itself the primordial Persian epoch; the primordial Persian epoch, in turn, the Egyptian-Chaldean one, and so on. And our fifth post-Atlantean cultural epoch must prepare the sixth cultural epoch of the coming age. It has often been said that our task in Spiritual Science is, through what we acquire—not only, as is quite right but not the only thing, to gain spiritual wealth for our individual souls—which is allotted to us for the eternal life of our soul— but it is also our task to prepare what the sixth cultural epoch is then to have as its content, as its particular external work. This was the case in each of the individual post-Atlantean cultural epochs. And those places where what was significant in the external world for the next cultural epoch was always prepared—these were the mystery schools. These were those communities of people in which something different was cultivated than what the external world cultivates.
[ 5 ] Nun wissen Sie auch, daß es bei der ersten nachatlantischen Kulturperiode, bei der altindischen Kulturperiode, vorzüglich darauf ankam, daß durch diese altindische Kultur gepflegt wurde des Menschen Ätherleib, bei der urpersischen der Astralleib, durch die ägyptisch-chaldäische die Empfindungsseele, durch die griechisch-lateinische die Verstandes- oder Gemütsseele. Unsere Kulturperiode pflegt und wird zur Ausbildung bringen bis zu ihrem Ende dasjenige, was man Bewußtseinsseele nennt. Vorbereitet aber muß dasjenige werden, was dann in der sechsten Kulturperiode gewissermaßen den Inhalt, den Charakter der äußeren Kultur abgeben wird. O diese sechste Kulturperiode, sie wird mancherlei Züge in sich tragen, mancherlei Charakterzüge, die sich gar sehr unterscheiden von den Charakterzügen unserer Zeit. Vor allen Dingen können wir drei Charakterzüge hervorheben, von denen wir wissen müssen, daß wir sie als unsere Ideale für die sechste nachatlantische Kulturperiode schon im Herzen tragen müssen, daß wir sie vorzubereiten haben für diese sechste Kulturperiode.
[ 5 ] Now you also know that during the first post-Atlantean cultural epoch, the ancient Indian cultural epoch, the primary focus was on nurturing the human etheric body through this ancient Indian culture; during the pre-Persian epoch, the astral body; through the Egyptian-Chaldean epoch, the feeling soul; and through the Greek-Latin epoch, the intellectual or emotional soul. Our cultural epoch nurtures and will bring to full development, until its end, what is called the soul of consciousness. But what must be prepared is that which will then, in the sixth cultural epoch, so to speak, constitute the content and character of external culture. Oh, this sixth cultural epoch—it will bear within itself various traits, various characteristics that differ greatly from the characteristics of our time. Above all, we can highlight three characteristics, of which we must know that we must already carry them in our hearts as our ideals for the sixth post-Atlantean cultural epoch, that we must prepare them for this sixth cultural epoch.
[ 6 ] Jetzt ist etwas noch nicht in der Menschengemeinschaft vorhanden, was in der sechsten Kulturperiode da sein wird bei denjenigen Menschen, die gelten werden als solche, die das Ziel der sechsten Kulturperiode erreicht haben, die nicht zurückgeblieben sind hinter diesem Ziele; also nicht innerhalb derer, die in der sechsten Kulturperiode Wilde oder Barbaren sind. Von diesen Bewohnern der Erde in der sechsten Kulturperiode — von denen also, die dann auf der Höhe der Kultur stehen werden — wird einer der wichtigsten Charakterzüge ein gewissermaßen moralischer Charakterzug sein. Jetzt ist noch wenig innerhalb der Menschheit von diesem Charakterzug zu bemerken. Der Mensch muß heute schon feiner organisiert sein, wenn es ihm in der Seele weh tun soll, daß er außer seinem eigenen Dasein andere Menschen in der Welt anschauen, betrachten, sehen muß, denen es schlechter geht als ihm. Gewiß, feiner organisierte Naturen empfinden auch heute schon Leid über das Leid, das über viele Menschen in der Welt ausgegossen ist — aber es müssen eben feiner organisierte Naturen sein. In der sechsten Kulturperiode wird bei denjenigen Menschen, die ganz auf der Höhe dieser Kultur stehen werden, nicht nur jenes Gefühl vorhanden sein, das wir heute als Schmerz empfinden über Elend, Leid und Armut, die verbreitet sind in der Welt, sondern der Mensch wird dann auf der Höhe der Kultur der sechsten nachatlantischen Kulturperiode jedes fremde Leid als sein eigenes Leid empfinden. Wenn er einen Hungernden sieht, wird er den Hunger so lebhaft empfinden bis ins Physische herunter, daß ihm dieser Hunger des andern unerträglich sein wird. Dasjenige, wovon hier angedeutet ist, daß es in der sechsten Kulturperiode nicht mehr so sein wird wie noch in der fünften, daß vielmehr in der sechsten Kulturperiode das Wohl des einzelnen voll abhängen wird von dem Wohl der Gesamtheit, ist ein moralischer Charakterzug. So wie jetzt nur das Wohl eines einzelnen menschlichen Gliedes von der Gesundheit des ganzen Leibes abhängt, und wenn der ganze Mensch nicht gesund ist, sich auch das einzelne Glied nicht aufgelegt fühlt, dieses oder jenes zu tun —, so wird in der sechsten Kulturperiode ein Gemeinsames die dann zivilisierte, die dann kultivierte Menschheit ergreifen, und der einzelne wird in viel höherem Maße, wie ein Glied des Ganzen, das Leiden, die ganze Not, die ganze Armut oder den Reichtum mitempfinden. Das ist der erste, vorzugsweise moralische Wesenszug, der die zivilisierte Menschheit der sechsten Kulturperiode charakterisieren wird.
[ 6 ] There is currently something missing in human society that will be present in the sixth cultural epoch among those people who will be regarded as having attained the goal of the sixth cultural epoch—those who have not fallen short of this goal; that is, not among those who, in the sixth cultural epoch, are savages or barbarians. Among these inhabitants of the Earth in the sixth cultural epoch—that is, among those who will then be at the height of civilization—one of the most important traits will be, in a sense, a moral trait. At present, little of this trait is yet discernible within humanity. People today must already be more finely attuned for it to cause them pain in their souls to have to look upon, observe, and see other people in the world—besides their own existence—who are faring worse than they are. Certainly, more finely attuned individuals already feel sorrow today over the suffering that has been poured out upon many people in the world—but they must indeed be more finely attuned individuals. In the sixth cultural epoch, those human beings who will stand fully at the height of this culture will not only possess that feeling which we today experience as pain in the face of the misery, suffering, and poverty that are widespread in the world, but the human being will then, at the height of the culture of the sixth post-Atlantean cultural epoch, feel every other person’s suffering as his own. When they see a starving person, they will feel that hunger so vividly—right down to the physical level—that the other person’s hunger will be unbearable to them. What is indicated here—that in the sixth cultural epoch things will no longer be as they were in the fifth, but rather that in the sixth cultural epoch the well-being of the individual will depend entirely on the well-being of the whole—is a moral trait. Just as now the well-being of a single human limb depends on the health of the whole body, and if the whole person is not healthy, the individual limb does not feel inclined to do this or that— so in the sixth cultural epoch a sense of community will take hold of the then-civilized, the then-cultivated humanity, and the individual will, to a much greater degree, as a limb of the whole, share in the suffering, the entire distress, the entire poverty, or the wealth. This is the first, primarily moral trait that will characterize the civilized humanity of the sixth cultural epoch.
[ 7 ] Ein zweiter Grundzug wird dann sein, daß all dasjenige, was wir heute Glaubensgüter nennen, in einem viel, viel höheren Maße abhängen wird von der Individualität des einzelnen, als das heute der Fall ist. Die Geisteswissenschaft drückt das so aus, daß auf jeglichem religiösen Gebiet in der sechsten Kulturperiode vollständige Gedankenfreiheit und Sehnsucht nach der Gedankenfreiheit die Menschen ergreifen werden, so daß all dasjenige, was ein Mensch glauben will, wovon ein Mensch namentlich in religiöser Beziehung überzeugt sein will, in die Kraft seiner Individualität gestellt sein wird. Glaubenszusammenhang, wie er heute noch so vielfach existiert, Glaubenszusammenhang, der in der verschiedensten Weise unter den einzelnen Menschengemeinschaften herrscht, wird in dem Teile der Menschheit in der sechsten Kulturperiode, der dann der zivilisierte sein wird, nicht mehr herrschen. Jeder wird als notwendige Eigentümlichkeit der Menschen empfinden, daß auf religiösem Gebiet vollständige Gedankenfreiheit herrscht.
[ 7 ] A second fundamental feature will be that everything we today call the tenets of faith will depend to a much, much greater extent on the individuality of each person than is the case today. Spiritual Science expresses this by saying that in every religious sphere during the sixth cultural epoch, complete freedom of thought and a longing for freedom of thought will take hold of people, so that everything a person wishes to believe—that is, everything a person wishes to be convinced of, particularly in a religious context—will be placed within the power of their individuality. The religious context as it still exists in so many places today—the religious context that prevails in the most diverse ways among individual human communities—will no longer prevail among that part of humanity in the sixth cultural epoch that will then be the civilized one. Everyone will perceive as a necessary characteristic of humanity that complete freedom of thought prevails in the religious sphere.
[ 8 ] Und das dritte wird sein, daß die Menschen in der sechsten Kulturperiode Erkenntnisse überhaupt nur zu haben vermeinen werden, wenn sie Geistiges erkennen, wenn sie erkennen, daß in der Welt das Geistige ausgebreitet ist und daß die Menschenseelen sich mit dem Geistigen verbinden müssen. Was man heute Wissenschaft nennt, und was als Wissenschaft eine materialistische Färbung trägt, wird in der sechsten Kulturperiode gar nicht mehr Wissenschaft heißen. Das wird man betrachten als einen alten Aberglauben, der nur denjenigen Menschen eigentümlich sein kann, die auf der Stufe der fünften, dann überstandenen nachatlantischen Kulturperiode zurückgeblieben sind. Heute betrachten wir es als alten Aberglauben, sagen wir, wenn der Neger meint, daß kein Glied seines Leibes nach seinem Tode abgetrennt werden dürfe von seinem Leibe, weil er dann nicht als ein ganzer Mensch in die geistige Welt eintreten könne. Es verknüpft heute noch der Neger den Unsterblichkeitsgedanken mit reinem Materialismus, mit dem Glauben nämlich, daß irgendein Abdruck seiner gesamten Form in die geistige Welt eingehen müsse. Wie er also im Grunde materialistisch denkt, aber an Unsterblichkeit glaubt, während wir heute, da wir aus unserer Geisteswissenschaft wissen, daß wir das Geistige vom Leibe zu trennen haben und daß nur das Geistige in die übersinnliche Welt eingeht, wie wir heute jenen materialistischen Unsterblichkeitsglauben als einen Aberglauben betrachten müssen, so wird aller materialistischer Glaube, auch in der Wissenschaft, in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode als alter Aberglaube da sein. Und als Wissenschaft wird ganz selbstverständlich für die Menschen nur dasjenige gelten, was, wie die Geisteswissenschaft sagt, Pneumatologie, Geistiges zur Grundlage hat.
[ 8 ] And the third will be that, in the sixth cultural epoch, people will believe they possess knowledge only when they perceive the spiritual, when they realize that the spiritual pervades the world and that human souls must connect with the spiritual. What is called science today, and what bears a materialistic tinge as science, will no longer be called science at all in the sixth cultural epoch. It will be regarded as an old superstition that can be characteristic only of those people who have remained behind at the level of the fifth, then-surpassed post-Atlantean cultural epoch. Today we regard it as an old superstition, for example, when the Negro believes that no part of his body may be separated from his body after his death, because then he cannot enter the spiritual world as a whole human being. Even today, the Negro still links the idea of immortality with pure materialism—namely, with the belief that some imprint of his entire form must enter the spiritual world. Just as he, in essence, thinks materialistically yet believes in immortality, whereas we today—knowing from our Spiritual Science that we must separate the spiritual from the body and that only the spiritual enters the supersensible world—must regard that materialistic belief in immortality as superstition, so all materialistic belief, even in science, will be regarded as old superstition in the sixth post-Atlantean cultural epoch. And as science, only that which, as Spiritual Science says, is based on the spiritual—pneumatology—will naturally be accepted by people.
[ 9 ] Sie sehen, unsere Geisteswissenschaft ist ganz darauf angelegt, die Dinge, die eben genannt worden sind, für die sechste Kulturperiode vorzubereiten. Wir versuchen, Geisteswissenschaft zu pflegen, um den Materialismus zu überwinden, um vorzubereiten dasjenige, was in der sechsten Kulturperiode an Wissenschaft da sein muß. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen gar nichts herrschen darf von irgendeinem Autoritätsglauben, von Anerkennung einer Lehre, nur weil sie von der einen oder andern Persönlichkeit geliefert wird. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen alles, alles gebaut sein muß auf die freie Zustimmung der Seele zu den Lehren. Damit bereiten wir dasjenige vor, was die Geisteswissenschaft Gedankenfreiheit nennt. Und dadurch, daß wir uns zusammenschließen, uns in brüderlichen Vereinigungen verbinden, um unsere Geisteswissenschaft zu treiben, bereiten wir dasjenige vor, was als Kultur, als Zivilisation die sechste nachatlantische Kulturperiode durchdringen soll.
[ 9 ] As you can see, our Spiritual Science is entirely dedicated to preparing the things just mentioned for the sixth cultural epoch. We strive to cultivate Spiritual Science in order to overcome materialism and to prepare what must exist in science during the sixth cultural epoch. We establish human communities in which nothing at all may prevail that stems from any belief in authority, from acceptance of a doctrine simply because it is delivered by one personality or another. We establish human communities in which everything, absolutely everything, must be built upon the soul’s free assent to the teachings. In this way, we prepare what Spiritual Science calls freedom of thought. And by joining together, by uniting in brotherly associations to pursue our Spiritual Science, we are preparing what is to permeate the sixth post-Atlantean cultural epoch as culture and civilization.
[ 10 ] Aber noch tiefer müssen wir in den Gang der Menschheitsentwickelung hineinschauen, wenn wir ganz verstehen wollen, um was es sich bei unseren brüderlichen Vereinigungen eigentlich handelt. In der ersten nachatlantischen Kulturperiode hat man auch in Gemeinschaften, die dazumal ihren Mysteriencharakter hatten, dasjenige gepflegt, was dann in der zweiten Kulturperiode herrschte. Das heißt, man hat schon in den besonderen Vereinigungen der ersten nachatlantischen, der urindischen Kulturperiode dasjenige gepflegt, was dann herrschen sollte als Pflege des Astralleibes. Es würde viel zu weit führen, wollte man heute beschreiben, was in diesen besonderen Vereinigungen des alten Indien gepflegt worden ist, abweichend von dem, was äußere altindische Kultur war, um vorzubereiten die urpersische Kulturepoche. Aber das soll gesagt werden, wenn sich diese Menschen der altindischen Kulturperiode vereinigten, um das vorzubereiten, was für die zweite Kulturperiode vorzubereiten war, dann fühlten sie: Das ist noch nicht erreicht, das ist noch nicht bei uns, was bei uns sein wird, wenn unsere Seelen in der nächsten Kulturperiode wiederverkörpert sein werden. Das schwebt gleichsam noch über uns. — Und so ist es auch. In dieser ersten Kulturperiode war das, was in der zweiten erst, man möchte sagen, vom Himmel auf die Erde heruntersteigen sollte, noch über den Seelen schwebend. Und die Arbeit wurde so eingerichtet, daß die Geister der höheren Hierarchien durch die Arbeit, welche die Menschen auf der Erde in engeren Vereinigungen, in Mysterienvereinigungen verrichteten, heraufflieBend hatten Kräfte, durch die sie pflegen konnten dasjenige, was dann als Inhalt des Astralleibes in die Seelen der Menschen in der zweiten, der urpersischen Kulturperiode herunterströmen sollte. Man möchte sagen, als kleine Kinder waren sie noch vorhanden, die Kräfte, welche dann, etwas erwachsen, herabstiegen in die Seelen, die in altpersischen Leibern verkörpert waren. Oben in der geistigen Welt empfingen sie die Kräfte von der Menschenarbeit, die von unten heraufströmten, vorbereitend die nächste Kulturperiode, und durch diese Kräfte wurden herangepflegt jene Kräfte, die dann herunterströmen sollten. Und so muß es in jeder weiteren Kulturperiode sein.
[ 10 ] But we must look even deeper into the course of human development if we are to fully understand what our fraternal associations are really all about. In the first post-Atlantean cultural epoch, even within communities that at that time had a mystical character, people cultivated what would later prevail in the second cultural epoch. That is to say, even within the special associations of the first post-Atlantean, the primordial Indian cultural epoch, people cultivated what would later prevail as the cultivation of the astral body. It would take us far too far afield to describe today what was cultivated in these special associations of ancient India—in contrast to what constituted the external ancient Indian culture—in order to prepare for the primordial Persian cultural epoch. But this much should be said: when these people of the ancient Indian cultural period united to prepare what needed to be prepared for the second cultural period, they felt: This has not yet been attained; what will be with us when our souls are reincarnated in the next cultural epoch is not yet here. It still hovers, as it were, above us. — And so it is. In this first cultural epoch, what was to descend, one might say, from heaven to earth only in the second epoch still hovered above the souls. And the work was arranged in such a way that the spirits of the higher hierarchies, through the work that human beings on Earth performed in close-knit associations, in mystery societies, had forces flowing upward through which they could nurture that which was then to flow down into the souls of human beings as the content of the astral body in the second, the ancient Persian cultural epoch. One might say that these forces were still present as small children, which then, having grown somewhat, descended into the souls incarnated in ancient Persian bodies. Up in the spiritual world, they received the forces from human labor that flowed upward from below, preparing the next cultural period, and through these forces were nurtured those forces that were then to flow down. And so it must be in every subsequent cultural period.
[ 11 ] In unserer Kulturperiode muß es so sein, daß wir uns bewußt werden: Das, was sich in uns durch die gewöhnliche Zivilisation, durch die gewöhnliche Kultur ausgebildet hat, muß die Bewußtseinsseele sein; das muß dasjenige sein, was seit dem 14., 15., 16. Jahrhundert angefangen hat, als Wissenschaft, als äußeres materialistisches Bewußtsein die Menschen zu ergreifen, was sich immer weiter und “weiter ausbreiten wird, und was nach Ablauf der fünften Kulturperiode, bis an das Ende der fünften Kulturperiode sich ganz und gar durchentwickelt haben wird. Dasjenige aber, was die sechste Kulturperiode ergreifen muß, muß das Geistselbst sein. Das Geistselbst muß dann in den Seelen darinnen selber ausgebildet werden, wie jetzt die Bewußtseinsseele ausgebildet wird. Das ist aber die Eigentümlichkeit des Geistselbst, daß es diese drei Charakterzüge, von denen ich gesprochen habe, in den Menschenseelen voraussetzt, wie Geisteswissenschaft es sagt: Brüderliches soziales Zusammenleben, Gedankenfreiheit und Pneumatologie. Eine Menschengemeinschaft, innerhalb welcher das Geistselbst so ausgebildet wird wie in unseren Seelen der fünften nachatlantischen Kulturperiode durch die äußere Kultur die Bewußtseinsseele, braucht eben diese Charakterzüge. Daher dürfen wir uns vorstellen, daß dadurch, daß wir uns in Arbeitsgruppen brüderlich vereinigen, unsichtbar über unserer Arbeit schwebt dasjenige, was wie das Kind jener Kräfte ist, welche die Kräfte des Geistselbst sind, das von den Wesen der höheren Hierarchien gepflegt wird, damit es dann herunterströmen kann in unsere Seelen, wenn sie wieder da sein werden in der sechsten Kulturperiode. Arbeit leisten wir in unseren brüderlichen Arbeitsgruppen, die heraufströmt zu den für das Geistselbst vorbereitet werdenden Kräften.
[ 11 ] In our cultural epoch, we must come to realize that what has developed within us through ordinary civilization and ordinary culture must be the conscious soul; that must be what began in the 14th, 15th, and 16th centuries, when science and external materialistic consciousness began to take hold of people, what will continue to spread ever further, and what will have developed fully by the end of the fifth cultural epoch. But that which must take hold of the sixth cultural epoch must be the Spirit-Self. The Spirit-Self must then be developed within the souls themselves, just as the consciousness soul is now being developed. But this is the peculiarity of the Spirit-Self: it presupposes these three characteristics, of which I have spoken, in human souls, as Spiritual Science states: fraternal social coexistence, freedom of thought, and pneumatology. A human community within which the Spirit-Self is developed in the same way that the consciousness soul is developed in our souls during the fifth post-Atlantean cultural epoch through external culture requires precisely these characteristics. Therefore, we may form a mental image of what hovers invisibly above our work, namely that which is like the child of the forces that are the forces of the Spirit-Self, which is nurtured by the beings of the higher hierarchies so that it may then flow down into our souls when they are present again in the sixth cultural period. We perform work in our brotherly working groups that flows upward to the forces being prepared for the Spirit-Self.
[ 12 ] So sehen Sie, wie wir im Grunde nur aus dem Weisheitsgut unserer Geisteswissenschaft heraus verstehen können, was wir eigentlich in bezug auf unseren Zusammenhang mit den höheren, den geistigen Welten tun, wenn wir uns in solchen Arbeitsgruppen vereinigen. Und der Gedanke, daß wir solches tun, daß wir die Arbeit, die wir in unseren Arbeitsgruppen verrichten, nicht allein um unserer Egoität willen verrichten, sondern daß wir sie verrichten dafür, daß sie hinaufströme in geistige Welten, der Gedanke an dieses Arbeiten im Zusammenhang mit den geistigen Welten gibt einem Arbeitszweige die rechte Weihe. Und indem wir einen solchen Gedanken hegen, durchdringen wir uns mit dem Weihegedanken, der eine solche Arbeitsgruppe innerhalb unserer geistigen Bewegung begründet. Daher ist es von einer besonderen Bedeutung, daß wir diese Tatsache so recht geistig erfassen. Wir finden uns in Arbeitsgruppen zusammen, welche neben dem, daß sie Geisteswissenschaft, pneumatologische Wissenschaft treiben, neben dem, daß sie auf Gedankenfreiheit aufgebaut sein wollen und nichts von einem Dogma, nichts von einem Glaubenszwang kennen, ihre Arbeit tauchen in brüderliches Zusammenarbeiten. Darauf kommt es an, daß wir diesen Gemeinschaftsgedanken in der richtigen Weise wirklich in unser Bewußtsein aufnehmen, daß wir uns gewissermaßen sagen: Außer dem, daß wir als gegenwärtige Seelen angehören der fünften nachatlantischen Kulturperiode und da ganz individuell uns entwickeln, immer mehr und mehr das Einzelpersönliche herausholen aus dem Gemeinschaftsleben, müssen wir wiederum eine höhere Gemeinschaft, die wir auf freie brüderliche Liebe begründen, wie den Zauberhauch empfinden, den wir einatmen in unseren Arbeitsgruppen.
[ 12 ] As you can see, it is essentially only through the wisdom of our Spiritual Science that we can understand what we are actually doing in relation to our connection with the higher, spiritual worlds when we come together in such working groups. And the thought that we do this—that we do the work we perform in our working groups not merely for the sake of our own egos, but that we do it so that it may flow upward into the spiritual worlds—the thought of this work in connection with the spiritual worlds gives a working group its proper consecration. And by cherishing such a thought, we imbue ourselves with the consecrating thought that establishes such a working group within our spiritual movement. Therefore, it is of particular importance that we grasp this fact in a truly spiritual way. We come together in working groups which, in addition to pursuing Spiritual Science and pneumatological science, in addition to being founded on freedom of thought and knowing nothing of dogma or compulsion to believe, immerse their work in brotherly cooperation. What matters is that we truly take this idea of community into our consciousness in the right way, that we say to ourselves, as it were: “Apart from the fact that, as present-day souls, we belong to the fifth post-Atlantean cultural epoch and develop there entirely individually, drawing more and more of our individuality out of community life, we must in turn perceive a higher community—one founded on free, brotherly love—as the magical breath we inhale in our working groups.”
[ 13 ] Das ist die ganz tiefe Bedeutung der westeuropäischen Kultur: daß die Bewußtseinsseele gesucht werden soll innerhalb der fünften nachatlantischen Kultur. Es ist die Aufgabe der westeuropäischen und ganz besonders der mitteleuropäischen Kultur, daß die Menschen immer mehr und mehr in ihrer Seele eine individuelle Kultur, ein individuelles Bewußtsein entwickeln. Darauf kommt es an in der Gegenwart. Wir können vergleichen diese unsere Kulturperiode mit der griechischen, der römischen. In der griechischen Kulturperiode, da sehen wir es besonders auffällig: es herrscht noch ganz besonders Gruppenseelenhaftigkeit, ein Bewußtsein von einer Gruppenseelenhaftigkeit gerade bei den zivilisierten Griechen. Derjenige, der in Athen lebte und geboren war, fühlte sich vor allen Dingen als Athener. Diese Gemeinschaft der Stadt mit dem, was dazugehört, hatte eine andere Bedeutung für den einzelnen Menschen als heute eine menschliche Gemeinschaft. Heute will der Mensch herauswachsen aus der Gemeinschaft, und das ist die richtige Aufgabe der fünften nachatlantischen Kulturperiode. In Rom war der Mensch vor allen Dingen nicht etwas anderes als römischer Bürger; das war dasjenige, was er in erster Linie war. Die Zeit aber ist heraufgestiegen in der fünften nachatlantischen Kulturperiode, wo wir vor allen Dingen Mensch sein wollen, Mensch und nichts als Mensch in unserem innersten Wesen.
[ 13 ] This is the very essence of Western European culture: that the soul of consciousness must be sought within the fifth post-Atlantean culture. It is the task of Western European culture, and especially of Central European culture, for people to develop more and more an individual culture, an individual consciousness, within their souls. That is what matters in the present. We can compare our cultural period with the Greek and Roman periods. In the Greek cultural period, we see this particularly strikingly: a group-soul character still prevails, a consciousness of group-soul character especially among the civilized Greeks. Anyone who lived in Athens and was born there felt, above all, that they were an Athenian. This community of the city, with all that it entailed, had a different significance for the individual than a human community does today. Today, human beings want to grow out of the community, and that is the true task of the fifth post-Atlantean cultural epoch. In Rome, a person was, above all, nothing other than a Roman citizen; that was what he was first and foremost. But the time has come in the fifth post-Atlantean cultural epoch when we want, above all, to be human beings, human beings and nothing but human beings in our innermost being.
[ 14 ] Was uns heute so schmerzlich erleben läßt, wie die Menschen gegeneinanderstreben auf der Erde, ist ja nur eine Reaktion auf das unablässige Streben der fünften Kulturperiode nach freier Ausbildung des allgemein Menschlichen. Durch die feindselige Abschließung der einzelnen Länder und Völkerschaften heute soll nur um so mehr im Widerstand die Kraft entwickelt werden, die den Menschen vor allen Dingen ganz Mensch sein läßt, die Kräfte, die den Menschen herauswachsen lassen aus jeglicher Art von Gemeinschaft. Dafür aber muß er vorbereiten wiederum Gemeinschaften, die auf vollem Bewußtsein aufgebaut sind, in die er in der sechsten Kulturperiode frei eintreten wird, die er sich ganz allein selber auferlegt. Wie ein hohes Ideal schwebt vor uns diese Gemeinschaft, die die sechste Kulturperiode so umschließen wird, daß sich die zivilisierten Menschen selbstverständlich, aus ihrer Seele heraus wie Brüder und Schwestern gegenüberstehen werden.
[ 14 ] What we are witnessing today with such pain—how people on Earth are pitted against one another—is, after all, merely a reaction to the fifth cultural epoch’s ceaseless striving for the free development of what is universally human. Through the hostile isolation of individual countries and peoples today, the very forces that allow human beings, above all else, to be fully human—the forces that enable them to grow beyond any kind of community—are to be developed all the more in resistance. To this end, however, he must in turn prepare communities built upon full consciousness, into which he will freely enter in the sixth cultural epoch—a community he imposes upon himself entirely of his own volition. Like a lofty ideal, this community hovers before us, one that will so encompass the sixth cultural epoch that civilized human beings will naturally, from the depths of their souls, regard one another as brothers and sisters.
[ 15 ] Wir wissen nun eines aus den zahlreichen Vorträgen, die in den verflossenen Jahren gehalten worden sind: daß im Osten Europas ein Volk lebt, welches insbesondere dazu berufen sein wird, dasjenige, was an elementaren Kräften in ihm ist, erst in der sechsten Kulturperiode zur besonderen Ausprägung zu bringen. Wir wissen, daß das russische Volk erst in der sechsten Kulturperiode reif sein wird, die Kräfte, die in ihm heute elementar vorhanden sind, zur Ausprägung zu bringen. West- und Mitteleuropa ist dazu berufen, dasjenige in die Menschenseelen hineinzubringen, was durch die Bewußtseinsseele hineingebracht werden kann. Dazu ist der Osten nicht berufen. Der Osten Europas wird warten müssen, bis das Geistselbst herabsteigt auf die Erde und die Menschenseelen durchdringen kann. Das ist oftmals erwähnt worden; wir müssen es im rechten Sinne verstehen. Im unrechten Sinne verstanden, kann es sehr leicht zu Hochmut und zu Überhebung gerade im Osten führen. Die Höhe der nachatlantischen Kultur ist schon in der fünften nachatlantischen Kulturperiode zu erreichen. Dasjenige, was folgen wird in der sechsten und siebenten Kulturperiode, das wird eine absteigende Entwickelung sein. Dennoch aber wird es so sein, daß diese absteigende Kulturentwickelung in der sechsten Kulturperiode inspiriert sein wird, durchdrungen sein wird von dem Geistselbst. Heute fühlt instinktiv, aber man möchte sagen, oftmals recht verkehrt instinktiv, der Mensch des Ostens, derjenige, der von den Geistern des Ostens selbst «der russische Mensch» genannt wird, er fühlt, daß das mit ihm so steht; er hat nur meistens ein höchst unklares Bewußtsein davon. Schon charakteristisch ist es, daß so vielfach heraufkommen konnte dieser Ausdruck «der russische Mensch». In der Sprache herrscht ein Genius, wenn so etwas aus der Sprache herausgeholt wird und man nicht sagt, wie im Westen: der Brite, der Franzose, der Italiener, der Deutsche, sondern «der russische Mensch». Und viele der russischen Intellektuellen legen einen Wert darauf, daß immer gesagt werde «der russische Mensch». Das liegt tief begründet in dem ganzen Genius der entsprechenden Kultur. Man meint schon dasjenige, was sich als Menschentum, gleichsam als Brüderlichkeit über eine Gemeinsamkeit ausbreitet. Man will es andeuten dadurch, daß man eben das Menschsein im Ausdruck gebraucht. Aber man zeigt zugleich, daß man noch nicht auf der vollen Höhe ist, die man zu erreichen hat in ferner Zukunft, indem man dazusetzt etwas, was im Grunde grell widersprechend ist dem Hauptwort. Der «russische» Mensch: man nimmt gleichsam imEigenschaftswort das zurück, was man im Hauptwort ausspricht. Denn wenn das Menschentum erreicht werden soll, so darf es kein solches Eigenschaftswort haben, welches dieses Menschentum ja wiederum zu etwas Ausschließendem macht.
[ 15 ] We now know one thing from the numerous lectures that have been given in recent years: that in Eastern Europe there lives a people who are called upon, in particular, to bring the elemental forces within them to full expression only in the sixth cultural epoch. We know that the Russian people will not be ready until the sixth cultural epoch to bring to expression the forces that are present within them today in an elemental form. Western and Central Europe are called upon to bring into human souls that which can be brought in through the consciousness soul. The East is not called upon to do this. Eastern Europe will have to wait until the Spirit-Self descends to Earth and can permeate human souls. This has often been mentioned; we must understand it in the right sense. If understood in the wrong sense, it can very easily lead to arrogance and haughtiness, especially in the East. The height of post-Atlantean culture is already to be reached in the fifth post-Atlantean cultural epoch. What will follow in the sixth and seventh cultural epochs will be a descending development. Nevertheless, this descending cultural development in the sixth cultural epoch will be inspired by, and permeated with, the Spirit-Self. Today, the people of the East—those whom the spirits of the East themselves call “the Russian people”—instinctively sense this, though one might say their instinct is often quite misguided; they feel that this is their condition, yet they are usually only vaguely aware of it. It is already characteristic that the expression “the Russian people” has emerged so frequently. A certain genius prevails in the language when such a concept is drawn from it, and one does not say, as in the West: the Briton, the Frenchman, the Italian, the German, but rather “the Russian man.” And many Russian intellectuals attach great importance to the fact that one always says “the Russian man.” This is deeply rooted in the entire genius of the culture in question. One already means that which extends as humanity, as it were, as brotherhood over a commonality. One intends to imply this by using the very concept of humanity in the expression. But at the same time, one shows that one has not yet reached the full height that one must attain in the distant future, by adding something that is, in essence, glaringly contradictory to the noun. The “Russian” human being: one, as it were, takes back in the adjective what one expresses in the noun. For if humanity is to be attained, it must not have such an adjective, which in turn makes this humanity something exclusive.
[ 16 ] Aber noch viel, viel tiefer ist gegenwärtig gerade in den Mitgliedern der russischen Intelligenz das darinnen begründet, daß eine gewisse, in der Zukunft zu verstehende Gemeinschaftlichkeitsidee, eine Brüderlichkeitsidee herrschen müsse. In dieser Beziehung fühlt die russische Seele schon: Das Geistselbst soll einmal herabsteigen, es kann aber nur herabsteigen in eine Menschengemeinschaft, welche von Brüderlichkeit durchdrungen ist. Niemals kann es sich ausbreiten in einer Menschengemeinschaft, die nicht von Brüderlichkeit durchdrungen ist. Deshalb ist es, daß die russischen Intellektuellen, wie sie sich nennen, dem Westen Europas und auch Mitteleuropa folgenden Vorwurf machen. Sie sagen: Ihr achtet ja gar nicht auf dasjenige, was echtes Gemeinschaftsleben ist, ihr pflegt nur den Individualismus. Jeder will ein Eigener sein, jeder will nur eine Individualität sein. Ihr treibt das Persönliche, durch das sich jeder einzelne Mensch als Selbst, als Individualität fühlt, auf die höchste Spitze. — Das ist dasjenige, was in sehr vielen Vorwürfen in bezug auf Barbarei und so weiter Mitteleuropa und Westeuropa vom Osten her entgegentönt. Und diejenigen, die sich bewußt werden wollen über das, was da eigentlich vorliegt, sagen: Dieses ganze West- und Mitteleuropa hat schon alles Gefühl für menschliche Zusammenhänge verloren. Und indem man jetzt Gegenwart und Zukunft verwechselt, sagt man: Wirkliche menschliche Zusammenhänge, wo sich jeder als der Bruder des andern fühlt, wo sich derjenige, der über dem andern steht, fühlt als dessen «Väterchen» und «Mütterchen», wirkliches menschliches Gemeinschaftsleben ist nur in Rußland. — So sagt die russische Intelligenz. Und sie sagt, deshalb hat es das westeuropäische Christentum nicht zustande gebracht, das wirkliche menschliche Gemeinschaftswesen zu pflegen. Der Russe kennt noch, so sagen sie, die Gemeinschaft. Und ein solcher ausgezeichneter russischer Intellektueller wie der im 19. Jahrhundert lebende Alexander Herzen kam, als auf die letzte Konsequenz, dazu, zu sagen: In Westeuropa kann niemals Glück entstehen. Was man auch für Versuche machen mag in der westeuropäischen Kultur und Zivilisation, niemals wird da Glück entstehen. Niemals wird die Menschheit zufrieden sein können. Da kann nur das Chaos herrschen. Der einzige Segen liegt im russischen Wesen, wo die Menschen sich noch nicht von der Gemeinschaft getrennt haben, wo sie in ihren Dorfgemeinden noch etwas haben wie Gruppenseelenhaftigkeit, an dem sie festhalten.
[ 16 ] But even deeper still, especially among the members of the Russian intelligentsia, is the conviction that a certain idea of community—an idea of brotherhood—which will be understood in the future, must prevail. In this regard, the Russian soul already senses: The Spirit-Self is destined to descend one day, but it can only descend into a human community that is permeated by brotherhood. It can never spread within a human community that is not permeated by brotherhood. That is why the Russian intellectuals, as they call themselves, level the following accusation against Western Europe and Central Europe. They say: You pay no attention at all to what genuine community life is; you cultivate only individualism. Everyone wants to be their own person; everyone wants to be nothing but an individual. You push the personal—through which every single human being feels themselves as a self, as an individual—to the very highest degree. — This is what resounds from the East in so many accusations regarding barbarism and the like directed at Central and Western Europe. And those who wish to become aware of what is actually at stake say: All of Western and Central Europe has already lost all sense of human connection. And by confusing the present with the future, they say: True human connections, where everyone feels like a brother to the other, where the one who stands above the other feels like their “little father” and “little mother”—true human community life exists only in Russia. — So says the Russian intelligentsia. And they say that this is why Western European Christianity has failed to cultivate a genuine human community. The Russian, they say, still knows what community is. And such an outstanding Russian intellectual as Alexander Herzen, who lived in the 19th century, came to the ultimate conclusion that: Happiness can never arise in Western Europe. No matter what attempts may be made in Western European culture and civilization, happiness will never arise there. Humanity will never be able to find contentment. Only chaos can reign there. The only blessing lies in the Russian spirit, where people have not yet severed themselves from community, where they still possess something akin to a group soul in their village communities, to which they cling.
[ 17 ] Was wir Gruppenseele nennen, aus dem sich die Menschheit nach und nach herausgearbeitet hat und in dem noch ganz und gar die Tierheit drinnen lebt, das verehren gerade die russischen Intellektuellen bei ihrem Volk als etwas besonders Großes und Bedeutsames. Sie können sich nicht erheben zu dem Gedanken, daß die Zukunftsgemeinschaftlichkeit als hohes Ideal vorschweben soll, ein Ideal, das erst geltend gemacht werden muß. Sie halten an dem Gedanken fest: Schauen wir, was uns als den letzten in Europa geblieben ist! Die andern haben schon sich herausgehoben aus der Gruppenseelenhaftigkeit, wir haben sie uns noch bewahrt; wir müssen sie uns bewahren. — Diese Gruppenseelenhaftigkeit wird in Wirklichkeit gar nicht sein dürfen für die Zukunft, denn das ist die alte Gruppenseelenhaftigkeit. Es würde nur eine luziferische Gruppenseelenhaftigkeit, eine auf früherer Stufe zurückgebliebene Gruppenseelenhaftigkeit sein, während die wahre, die zu erstrebende Gruppenseelenhaftigkeit diejenige ist, die wir innerhalb unserer Geisteswissenschaft suchen. Aber gerade an dem Drang und der Sehnsucht der russischen Menschen, namentlich der Intellektuellen, ist zu erkennen, wie man zum Herabsteigen des Geistselbst den Geist der Gemeinschaft braucht. Wie er dort nur auf falschem Wege gesucht wird, so muß er in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung auf rechtem Wege gesucht werden. Und wir möchten hinüberrufen nach dem Osten: Gerade das müssen wir bis ins Äußerste überwinden, was ihr auf äußere Art zu bewahren sucht: die alte luziferisch-ahrimanische Gemeinschaft. — Die Gemeinschaftlichkeit luziferischer und ahrimanischer Art, sie wird einen so festen Glaubenszwang haben, wie ihn begründen mußte die orthodox gebliebene katholische Kirche in Rußland. Diese Gemeinschaftlichkeit wird nicht verstehen, was Gedankenfreiheit ist, und sie wird am allerwenigsten sich zur völligen Individualität und doch zum sozialen brüderlichen Zusammenleben heraufschwingen können. Daher möchte sie das bewahren, was in Blutsbrüderschaft geblieben ist, in bloßer Zusammengehörigkeit durch das Blut. Eine Gemeinschaft, die sich nicht auf das Blut, sondern auf den Geist, auf die Gemeinschaft der Seelen gründet, das ist, was angestrebt werden muß auf geisteswissenschaftlichem Wege. Und das ist es, was wir anstreben, indem wir uns sagen: Gemeinschaften müssen wir anstreben, in denen das Blut nicht mehr spricht. Es wird fortbestehen selbstverständlich, das Blut, es wird in Familienzusammenhängen sich ausleben — was bleiben muß, das wird nicht ausgerottet, aber etwas Neues muß entstehen! Das, was in dem Kind bedeutsam ist, wird in den Greisenkräften erhalten sein, aber der Mensch muß im späteren Lebensalter Neues hinzubekommen.
[ 17 ] What we call the group soul—from which humanity has gradually emerged and in which animal nature still lives on in its entirety—is precisely what Russian intellectuals revere in their people as something particularly great and significant. They cannot rise to the idea that future community should be held up as a high ideal—an ideal that must first be asserted. They cling to the thought: Let us look at what remains to us as the last remnant in Europe! The others have already emerged from group-soul-boundness; we have still preserved it; we must preserve it. — In reality, this group-soul-boundness must not be allowed to exist for the future, for that is the old group-soul-boundness. It would be nothing but a Luciferic group-soul-boundness, a group-soul-boundness that has remained at an earlier stage, whereas the true group-soul-boundness, the one to be striven for, is that which we seek within our Spiritual Science. But it is precisely in the urge and longing of the Russian people, especially the intellectuals, that one can see how the spirit of community is needed for the descent of the Spirit-Self. Just as it is sought there only in the wrong way, so must it be sought in the right way within our Spiritual Science movement. And we would like to call out to the East: It is precisely what you seek to preserve in an external way that we must overcome to the utmost: the old Luciferic-Ahrimanic community. — The community of the Luciferic and Ahrimanic kind will have a compulsion to believe as firm as that which the Catholic Church, which has remained orthodox, had to establish in Russia. This sense of community will not understand what freedom of thought is, and it will be least of all able to rise to complete individuality and yet to social, brotherly coexistence. Therefore, it wishes to preserve what has remained in blood brotherhood, in mere kinship through blood. A community founded not on blood but on the spirit, on the communion of souls—that is what must be strived for through the path of Spiritual Science. And that is what we strive for when we say to ourselves: We must strive for communities in which blood no longer speaks. Of course, blood will continue to exist; it will play out in family contexts—what must remain will not be eradicated, but something new must arise! What is significant in the child will be preserved in the powers of old age, but the human being must acquire something new in later life.
[ 18 ] Dasjenige, was das Blut bringt, darf nicht so umgedeutet werden, als ob es die großen Menschengemeinschaften der Zukunft umfassen würde, Das ist der große Irrtum, der vom Osten in die heutigen blutigen Ereignisse hineinspielt, daß man einen Krieg entbrannt hat unter dem Titel einer Gemeinschaft des Blutes der slawischen Völker. Da spielt in unsere schicksaltragende Zeit all dasjenige hinein, was jetzt eben auseinandergesetzt worden ist, was aber im Grunde wiederum den richtigen Kern in sich enthält, nämlich das instinktive Fühlen: das Geistselbst kann nur in einer brüderlichen Gemeinschaft erscheinen. Es darf aber nicht eine Gemeinschaft des Blutes sein, sondern es muß eine Gemeinschaft der Seelen sein. Was dann erwächst als Gemeinschaft der Seelen, was das sein soll, das pflegen wir in seiner Kindhaftigkeit in unseren Arbeitsgemeinschaften, in unseren Zweigen. Dasjenige, was so wie der Osten Europas an der Gruppenseelenhaftigkeit festhält, indem er zum Beispiel die slawische Gruppenseele als etwas bezeichnet, aus dem er nicht heraus will, das er im Gegenteil zum umfassenden Prinzip für seine ganze Staatenbildung ansehen will, das ist etwas, was gerade überwunden werden muß.
[ 18 ] What the blood brings must not be misinterpreted as though it were to encompass the great human communities of the future. This is the great error that is being played out from the East into today’s bloody events: that a war has been ignited under the banner of a “community of blood” among the Slavic peoples. Everything that has just been discussed plays a role in our fateful times, yet at its core it contains the true essence: the instinctive feeling that the Spirit-Self can only emerge within a brotherly community. But it must not be a community of blood; rather, it must be a community of souls. What then grows as a community of souls—what this is meant to be—we nurture in its infancy within our working groups, within our branches. That which, like Eastern Europe, clings to group-soul identity—for example, by describing the Slavic group soul as something from which it does not wish to break free, but rather regards as the overarching principle for the formation of its entire state—is precisely what must be overcome.
[ 19 ] Wie ein großes Symbolum steht es da, wie ein ungeheures Symbolum, daß die beiden Staaten, von denen der Krieg ausgegangen ist, auf der einen Seite Blutsbrüderschaft als den Grund des Krieges angeben — Rußland mit dem gesamten Slawentum —, und der andere Staat, der dem gegenübersteht, dreizehn offizielle Völkerschaften und dreizehn Staatssprachen hat. Der Mobilisationsbefehl in Österreich mußte in dreizehn Sprachen ausgestellt werden, weil dreizehn Völkerschaften in Österreich vereinigt sind: Deutsche, Tschechen, Polen, Ruthenen, Rumänen, Magyaren, Slowaken, Serben, Kroaten, Slowenen — dazu noch eine besondere Slowenen-Vulgärsprache —, Bosnier, Dalmatiner und Italiener. So sind dreizehn verschiedene Stämme, von allen kleinen Differenzierungen abgesehen, in Österreich vereinigt. Ob man das nun einsieht oder nicht, das zeigt, daß dieses Österreich aus einem Zusammenhang von Menschen besteht, wo die Gemeinsamkeit niemals begründet werden kann auf Blutsbrüderschaft, denn in dreizehn verschiedenen Geblüten entsprießt dasjenige, was in dieser eigentümlichen Grenze herrscht. Man möchte sagen, der am meisten zusammengesetzte Staat Europas steht gegenüber dem Staate, der am meisten nach Gruppenseelenhaftigkeit strebt oder nach Konformität. |
[ 19 ] It stands there like a great symbol, like a monstrous symbol, that the two states from which the war originated cite, on the one hand, a brotherhood of blood as the reason for the war—Russia with all of Slavdom—and the other state, which stands opposed to it, has thirteen official ethnic groups and thirteen official languages. The mobilization order in Austria had to be issued in thirteen languages because thirteen ethnic groups are united in Austria: Germans, Czechs, Poles, Ruthenians, Romanians, Magyars, Slovaks, Serbs, Croats, Slovenes—plus a distinct Slovenian vernacular—Bosnians, Dalmatians, and Italians. Thus, thirteen different tribes, setting aside all minor distinctions, are united in Austria. Whether one recognizes this or not, it shows that this Austria consists of a community of people where commonality can never be based on blood kinship, for what prevails within this peculiar border springs from thirteen different bloodlines. One might say that the most composite state in Europe stands in contrast to the state that strives most for group-spirituality or conformity. |
[ 20 ] Aber dieses Streben nach Gruppenseelenhaftigkeit zieht manches andere noch nach sich. Und da kommen wir nun noch auf etwas weiteres, an das wir uns heute bedeutungsvoll erinnern mögen. Ich habe auch schon gestern im öffentlichen Vortrag als einen der bedeutendsten Geister des ganzen Rußland den großen Philosophen Solowjow genannt. Solowjow ist wirklich ein hervorragender Geist, aber ein ganz russischer Geist. Ein Geist, der außerordentlich schwierig zu verstehen ist vom westeuropäischen Gesichtspunkte aus. Aber Anthroposophen sollten ihn kennenlernen. Diejenigen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, sollten ihn kennenlernen, sie sollten sich zu einem gewissen Verständnis Solowjows hinaufschwingen können. Nun will ich eine, ich möchte sagen, die Haupt- und Zentralidee Solowjows einmal von unserem intimen Gesichtspunkte aus vor Ihre Seelen bringen. Solowjow ist viel zu sehr Philosoph, als daß er so ganz ohne weiteres die Gruppenseelenhaftigkeit wirklich für sich annehmen könnte. Die Sache macht ihm Schwierigkeiten, und er kommt in mancherlei Widersprüche hinein. Aber von einer Idee ist er nicht ganz vollbewußt beherrscht, so beherrscht, daß man sagen muß: Ach, wenn dieser Solowjow nur ganz hellsichtig wäre, daß er vorausnehmen könnte dasjenige, was seine Seele erst einsehen wird auf der Erde, wenn sie in der sechsten Kulturperiode inkarniert sein wird!
[ 20 ] But this striving for group soulhood entails many other things as well. And this brings us to another point that we might do well to remember today. Yesterday, in my public lecture, I already mentioned the great philosopher Soloviev as one of the most significant minds in all of Russia. Soloviev is truly an outstanding mind, but a thoroughly Russian one. A mind that is extraordinarily difficult to understand from a Western European perspective. But anthroposophists should get to know him. Those who stand on the ground of Spiritual Science should get to know him; they should be able to rise to a certain understanding of Soloviev. Now I would like to present to your souls what I might call Soloviev’s main and central idea from our intimate perspective. Soloviev is far too much of a philosopher to be able to readily accept the concept of group soulhood for himself. The matter presents difficulties for him, and he finds himself caught up in various contradictions. But he is not entirely consciously dominated by one idea—so dominated that one must say: Ah, if only this Soloviev were fully clairvoyant, so that he could foresee what his soul will only come to understand on Earth when it is incarnated in the sixth cultural epoch!
[ 21 ] Die Idee, die dem Westeuropäer in ihrem Ausgangspunkt recht schwer verständlich ist, selbstverständlich auch dem Mitteleuropäer, wurde zu einer Haupt- und Zentralidee bei Solowjow. Das ist die folgende. Wir in Westeuropa suchen gerade in dem, was wir als die Vorbereitung für die sechste Kulturperiode pflegen, unter vielem andern, den Tod zu begreifen in seiner Bedeutung für das Leben. Wir versuchen zu verstehen, wie der Tod das Erscheinen einer Daseinsform ist, wie die Seele sich im Tode verwandelt in eine andere Daseinsform. Wir schildern, wie der Mensch lebt in seinem Leibe, und was er für ein Leben führt zwischen Tod und neuer Geburt. Wir suchen den Tod zu verstehen. Wir suchen den Tod zu überwinden, indem wir ihn verstehen, indem wir zeigen, daß er nur ein Schein ist, daß die Seele in Wahrheit lebt, indem sie durch den Tod geht. Aber das ist uns mit eine Hauptsache, daß wir den Tod durch das Verstehen zu überwinden suchen.
[ 21 ] The idea, which is quite difficult for Western Europeans to grasp at first glance—and, of course, for Central Europeans as well—became a central and fundamental concept for Soloviev. It is as follows. We in Western Europe, precisely in what we regard as the preparation for the sixth cultural epoch, seek, among many other things, to comprehend death in its significance for life. We try to understand how death is the manifestation of a form of existence, how the soul is transformed in death into another form of existence. We describe how man lives in his body, and what kind of life he leads between death and new birth. We seek to understand death. We seek to overcome death by understanding it, by showing that it is only an illusion, that the soul in truth lives as it passes through death. But this is one of our main concerns: that we seek to overcome death through understanding.
[ 22 ] Da stehen wir aber zum Beispiel auf einem der Punkte, und zwar gerade einem der hauptsächlichsten Punkte, wo sich geisteswissenschaftliches Streben ganz und gar differenziert von dem, was Solowjow, der große russische Geist, als seine Idee hat: Es gibt Übel in der Welt, es gibt Böses in der Welt. Das Böse in der Welt, die Übel sind da. Schauen wir mit unseren Sinnen die Übel, das Böse an, dann können wir nicht leugnen, daß die Welt voll von Bösem ist. Das spricht dagegen, sagt Solowjow, daß die Welt göttlich ist. Denn wie kann man, wenn man die Welt mit seinen Sinnen anschaut, an eine göttliche Welt glauben, da eine göttliche Welt doch nicht das Böse darstellen kann! Aber die Sinne sehen es überall, das Böse, und das ärgste Böse ist der Tod. Dadurch, daß der Tod in der Welt ist, zeigt sich die Welt in ihrer ganzen Bösheit, in ihrem ganzen Übel. Das Urübel ist der Tod.
[ 22 ] Here, however, we find ourselves at one of the key points—indeed, one of the most crucial points—where Spiritual Science endeavor differs entirely from the idea held by Soloviev, the great Russian thinker: There is evil in the world; there is wickedness in the world. Evil in the world—these evils are there. If we look at these evils with our senses, we cannot deny that the world is full of evil. This, says Soloviev, argues against the world being divine. For how can one, when looking at the world with one’s senses, believe in a divine world, since a divine world cannot possibly embody evil! But the senses see it everywhere, this evil, and the worst evil is death. Because death is in the world, the world reveals itself in all its wickedness, in all its evil. The original evil is death.
[ 23 ] Das ist die Weltcharakteristik von Solowjow. Er sagt — ich zitiere fast wörtlich —: Schaut nur die Welt an mit euren bloßen Sinnen! Versucht nur zu begreifen die Welt mit eurem bloßen Verstande. Da könnt ihr niemals die Übel in der Welt wegleugnen. Und den Tod verstehen zu wollen, wäre absurd! Der Tod ist da. Er zeigt sich. Niemals kann eine Sinnerierkenntnis den Tod erkennen. Daher zeigt die Sinnenerkenntnis eine böse Welt, eine Welt der Übel. Können wir nun glauben — sagt Solowjow —, daß diese Welt göttlich ist, wenn sie uns zeigt, daß sie voller Übel ist? Wenn sie uns den Tod auf Schritt und Tritt zeigt? Nimmermehr können wir glauben, daß diese Welt eine göttliche ist, die uns den Tod zeigt. Denn in Gott können nicht Übel, kann nicht das Böse sein, kann vor allen Dingen nicht das Urübel, das Urböse sein. In Gott kann nicht der Tod sein. Wenn also Gott in die Welt käme — ich wiederhole fast wörtlich, was Solowjow sagt —, wenn Gott in die Welt käme, wenn er in der Welt erschiene, könnten wir ihm so ohne weiteres glauben,.daß er Gott sei? Nein, wir könnten Gott nicht ohne weiteres glauben, daß er Gott sei! Er müßte sich erst legitimieren! Wenn ein Wesen käme und behauptete, es wäre Gott, dann würden wir ihm nicht glauben. Dann müßte es sich erst legitimieren. Es müßte erst etwas aufweisen — so spricht Solowjow — wie ein Weltdokument, etwas, wodurch wir erkennen können: Das ist Gott! Und so etwas können wir in der Welt nicht finden. Gott kann sich durch das, was in der Welt ist, nicht legitimieren, denn das alles, was in der Welt ist, widerspricht dem Göttlichen. Wodurch also kann er sich legitimieren? Dadurch allein kann er sich legitimieren, daß er, wenn er auf die Welt kommt, zeigt, daß er Sieger über den Tod ist, daß der Tod ihm nichts anhaben kann. Wir würden niemals glauben, daß der Christus Gott ist, wenn er sich nicht legitimierte. Und er hat es getan, indem er auferstanden ist, indem er gezeigt hat, daß das Urübel, der Tod, nicht in ihm ist. — Also da haben wir ein Gottbewußtsein, das sich aufbaut nur auf einer wirklichen, historischen Auferstehung des Christus, die den Gott legitimiert als Gott. Nichts in der Welt als die Auferstehung läßt uns erkennen, daß es einen Gott gibt. Wäre Christus nicht auferstanden — dieser Paulus-Spruch ist es hauptsächlich, den Solowjow immer wieder anführt —, so wäre all unser Glaube eitel. Und eitel wäre alles, was wir sagen können über ein Göttliches in der Welt.
[ 23 ] This is Soloviev’s characterization of the world. He says—and I am quoting almost verbatim—: Just look at the world with your bare senses! Just try to comprehend the world with your bare intellect. You can never deny the evils in the world. And to try to understand death would be absurd! Death is there. It reveals itself. Intellectual knowledge can never recognize death. Therefore, sensory knowledge reveals an evil world, a world of evils. Can we now believe—says Soloviev—that this world is divine, when it shows us that it is full of evil? When it shows us death at every turn? Never can we believe that this world is a divine one that shows us death. For in God there can be no evil, there can be no wickedness, and above all there can be no original evil, no original wickedness. There can be no death in God. So if God were to come into the world—I am repeating almost verbatim what Soloviev says—if God were to come into the world, if he were to appear in the world, could we simply believe him to be God? No, we could not simply believe God to be God! He would first have to prove his legitimacy! If a being were to come and claim to be God, we would not believe him. He would first have to prove his legitimacy. He would first have to present something—so says Soloviev—like a world document, something by which we can recognize: This is God! And we cannot find such a thing in the world. God cannot legitimize Himself through what is in the world, for everything that is in the world contradicts the divine. By what, then, can He legitimize Himself? He can legitimize Himself only by this: that when He comes into the world, He shows that He is the victor over death, that death cannot harm Him. We would never believe that Christ is God if he had not legitimized himself. And he did so by rising from the dead, by showing that the original evil, death, is not in him. — So here we have a consciousness of God that is built solely upon a real, historical resurrection of Christ, which legitimizes God as God. Nothing in the world but the Resurrection allows us to recognize that there is a God. If Christ had not risen—it is mainly this saying of Paul that Soloviev repeatedly cites—then all our faith would be in vain. And in vain would be everything we can say about the Divine in the world.
[ 24 ] Daher der Satz Solowjows: Schauen wir die Welt an, so sehen wir in der Welt überall nur Übel und Böses und Verwesung und Sinnlosigkeit. Wäre Christus nicht auferstanden, so wäre die Welt sinnlos. Also ist der Christus auferstanden! — Merken Sie wohl diesen Satz! Denn dieser Satz, er ist ein Kardinalsatz eines der größten Geister des Ostens! Wäre Christus nicht auferstanden, so wäre die Welt sinnlos. Also ist der Christus auferstanden! — Solowjow hat gesagt: Es mag Leute geben, die glauben, es wäre nicht logisch, wenn ich sage: Wäre Christus nicht auferstanden, so wäre die Welt sinnlos; also ist er auferstanden! — Das ist aber eine viel bessere Logik — meint Solowjow —, als alle Logik, die ihr mir entgegenhalten könnt!
[ 24 ] Hence Soloviev’s statement: When we look at the world, we see nothing but evil, wickedness, decay, and meaninglessness everywhere. If Christ had not risen, the world would be meaningless. So Christ has risen! — Take note of this sentence! For this sentence is a cardinal statement by one of the greatest minds of the East! If Christ had not risen, the world would be meaningless. Therefore, Christ has risen! — Soloviev said: There may be people who believe it is illogical for me to say: If Christ had not risen, the world would be meaningless; therefore, he has risen! — But this is a far superior logic — Soloviev maintains — than any logic you can hold against me!
[ 25 ] Ich habe Ihnen im Konkteten, gerade an diesem eigentümlichen Fordern eines Dokumentes für die Göttlichkeit von dem Gott, bei Solowjow gezeigt, wie eigentümlich im Osten die Gedanken sind; wie eigentümlich die Gedanken sich hinaufranken, um dasjenige, wodurch der Gott unmittelbar zeigt, daß er der Gott ist, einmal zu ergreifen. Wie anders ist es im Westen, wie anders in Mitteleuropa! Wofür wenden wir geisteswissenschaftliches Streben auf? Versuchen Sie zu vergleichen und zu überblicken all dasjenige, was wir in der Geisteswissenschaft treiben! Was hat es denn für ein Ziel, worauf wollen wir denn hinaus? Wir wollen aus dem Wissen, aus der Erkenntnis heraus, so daß wir es einsehen können, in der Welt erkennen, daß die Welt einen Sinn hat, daß die Welt Bedeutung hat, daß nicht bloß Übel und Verwesung in ihr sind. Unmittelbar durch die Erkenntnis wollen wir begreifen, daß die Welt einen Sinn hat. Und wir wollen uns gerade vorbereiten dadurch, daß wir begreifen, daß die Welt einen Sinn hat, für ein Miterleben der Christus-Wesenheit. Wir wollen den lebendigen Christus erfassen. Allerdings als eine Gabe, als eine Gnade des Christus wollen wir all das entgegennehmen. Wir wissen, daß es so ist, was uns gegeben werden kann nach dem Ausspruch: «Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.» Wir wollen entgegennehmen all dasjenige, was uns der Christus fortwährend verspricht. Denn nicht bloß durch die Evangelien spricht er, sondern auch in unseren Seelen. Das meint er mit dem Ausspruch: «Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.» Immer kann er gefunden werden als der lebendige Christus. Wir wollen in ihm leben, ihn in uns aufnehmen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» Das ist unser hauptsächlichster Paulinischer Ausspruch: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» Damit wir durch ihn sehen: Überall, wo wir hinkommen, ist Sinn! Faust schon wollte das sagen, indem er seine ganze Weltanschauung in den Worten aussprach:
[ 25 ] I have shown you, specifically in connection with this peculiar demand for a document proving the divinity of God, as discussed by Soloviev, just how peculiar Eastern thought is; how peculiar the way these thoughts climb upward in an attempt to grasp that very thing through which God directly reveals that He is God. How different it is in the West, how different in Central Europe! To what end do we apply our spiritual scientific endeavors? Try to compare and survey all that we do in Spiritual Science! What is its goal, after all? What are we aiming for? We want to recognize in the world, out of knowledge and insight, so that we can see it, that the world has a meaning, that the world has significance, that there is not merely evil and decay in it. Directly through insight, we want to grasp that the world has a meaning. And we want to prepare ourselves precisely by grasping that the world has a meaning, so that we may experience the Christ-being. We want to grasp the living Christ. We want to receive all of this, however, as a gift, as a grace from Christ. We know that this is what can be given to us according to the saying: “I am with you always, even to the end of the age.” We want to receive all that which Christ continually promises us. For he speaks not only through the Gospels, but also in our souls. This is what he means by the saying: “I am with you always, even to the end of the age.” He can always be found as the living Christ. Let us live in him, let us receive him into ourselves: “Not I, but Christ in me!” This is our most fundamental Pauline saying: “Not I, but Christ in me!” So that through him we may see: Wherever we go, there is meaning! Faust already wanted to say this when he expressed his entire worldview in the words:
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust
Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knatrrt,
Die Riesenfichte, stürzend, Nachbaräste
Und Nachbarstäimme quetschend, niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Sublime Spirit, you gave me, gave me everything,
That I asked for. You did not in vain
Turn your face toward me in the fire.
You gave me the magnificent natural world as my kingdom,
The power to feel it, to enjoy it. You do not
do you permit me only to be a cold, marveling visitor,
but grant me to gaze into its deep bosom
as into the bosom of a friend.
You lead the procession of the living
past me and teach me to know my brothers
in the silent bush, in air and water.
And when the storm roars and crackles in the forest,
The giant spruce, crashing down, crushing neighboring branches
And neighboring trunks, strikes down,
And the hill thunders hollowly at their fall,
Then you lead me to the safe cave, show
Me to myself, and in my own breast
Secret, deep wonders open up.
[ 26 ] Äußeres und Inneres geistig erfassen, Sinn überall erfassen, den Tod selbst sinnvoll erfassen, daß er der Durchgang ist von einer Lebensform zur andern Lebensform! Und indem wir also den lebendigen Christus suchen, dann — den lebendigen Christus suchend — folgen wir ihm auch durch den Tod und durch die Auferstehung hindurch. Wir gehen nicht von der Auferstehung aus, wie der osteuropäische Mensch. Wir folgen dem Christus, von dem wir uns inspirieren lassen, dem Christus, den wir hineinnehmen in unsere Imaginationen. Wir folgen dem Christus bis zum Tode. Wir folgen ihm nicht nur, indem wir sagen: Ex deo nascimur —, sondern indem wir sagen: In Christo morimur. — Wir verfolgen die Welt und wissen, daß die Welt das Dokument ist, durch das Gott seine Göttlichkeit ausspricht. Wir können im Westen nicht sagen, indem wir erleben und erfassen wollen das geistige Weben und Walten: Wir brauchen ein Dokument, wenn Gott in die Welt hineinkommt und sich ausweisen soll —, sondern wir suchen überall den Gott. In der Natur und in den Menschenseelen suchen wir den Gott.
[ 26 ] To grasp the outer and the inner spiritually, to perceive meaning everywhere, to perceive death itself as meaningful—that it is the passage from one form of life to another! And so, as we seek the living Christ, then—in seeking the living Christ—we also follow him through death and through the Resurrection. We do not proceed from the Resurrection, as the Eastern European does. We follow the Christ from whom we draw inspiration, the Christ whom we take into our imaginations. We follow the Christ even unto death. We follow him not only by saying: Ex deo nascimur — but by saying: In Christo morimur. — We observe the world and know that the world is the document through which God expresses His divinity. In the West, we cannot say—by seeking to experience and grasp the spiritual weaving and working: “We need a document when God enters the world and is to reveal Himself”—but rather we seek God everywhere. In nature and in human souls we seek God.
[ 27 ] Daher bedarf aber auch diese fünfte nachatlantische Kulturepoche desjenigen, was wir pflegen in unseren brüderlichen Zweigvereinigungen. Sie bedarf der bewußten Pflege gleichsam jener geistigen Aura, die noch über uns schwebt, die von den Geistern der höheren Hierarchien gepflegt ist und hineinfließen wird in die Menschenseelen, wenn sie in der sechsten Kulturperiode leben werden. Wir wollen uns nicht an Totes wenden, wie der Osten an die Gruppenseelenhaftigkeit, an die überbliebene Gemeinschaftlichkeit. Wir wollen das Lebendige pflegen von Kindheit auf, und das ist der Gemeinschaftsgeist unserer Zweige. Wir wollen nicht suchen, was da unten im Blute rumort, um zusammenzurufen bloß die, bei denen etwas Gemeinsames im Blut rumort, und das in irgendeiner Gemeinschaft pflegen. Wir wollen zusammenrufen die Menschen, die sich entschließen, Brüder und Schwestern zu sein, und die das über sich schwebend haben, was sie pflegen wollen, indem sie die Geisteswissenschaft pflegen und den guten Geist der Brüderlichkeit über sich schwebend fühlen.
[ 27 ] Therefore, this fifth post-Atlantean cultural epoch also requires what we cultivate in our fraternal branch associations. It requires the conscious cultivation, as it were, of that spiritual aura that still hovers above us, which is nurtured by the spirits of the higher hierarchies and will flow into human souls when they live in the sixth cultural epoch. We do not wish to turn to what is dead, as the East does to group-soul attachment, to the remnants of communal life. We want to nurture the living from childhood onward, and that is the spirit of community in our branches. We do not want to seek what stirs in the blood down below, merely to gather together those in whom something common stirs in the blood, and to nurture that in some community. We want to bring together people who resolve to be brothers and sisters, and who have hovering above them what they wish to nurture by cultivating Spiritual Science and feeling the good spirit of brotherhood hovering above them.
[ 28 ] Dieses ist dasjenige, was wir als einen Weihegedanken bei der ersten Entfaltung eines unserer Zweige in uns aufnehmen. Damit weihen wir einen Zweig, wenn wir ihn begründen, ein. Gemeinsamkeit und Lebendigkeit! Gemeinsamkeit suchen wir über uns, den lebendigen Christus in uns, der kein Dokument braucht, der nicht erst durch die Auferstehung sich. beglaubigen soll, der beglaubigt ist, weil wir ihn in uns selbst erleben. Die Gemeinsamkeit über uns, den Christus in uns: das machen wir zu unserem Wahlspruch, zu unserem Weihewahlspruch, indem wir einen Zweig begründen. Und wir wissen: Ob zwei oder drei oder sieben oder viele, viele in diesem Sinne im Namen des Christus vereinigt sind, in ihnen lebt der Christus. Und alle jene, die in diesem Sinne den Christus als ihren Bruder anerkennen, sind selbst Schwestern und Brüder. Und diesen will der Christus als seinen Bruder anerkennen, der den andern Menschen als seinen Bruder anerkennt.
[ 28 ] This is what we take to heart as a guiding principle when one of our branches is first established. It is with this that we dedicate a branch when we found it: unity and vitality! We seek community above all else—the living Christ within us, who needs no document, who does not first have to prove himself through the Resurrection, who is authenticated because we experience him within ourselves. Community above all else, the Christ within us: this is what we make our motto, our consecration motto, when we establish a branch. And we know: Whether two or three or seven or many, many are united in this sense in the name of Christ, Christ lives in them. And all those who, in this sense, acknowledge Christ as their brother are themselves sisters and brothers. And Christ wishes to acknowledge as his brother whoever acknowledges another human being as his brother.
[ 29 ] Wenn wir in der Lage sind, solchen Weihewahlspruch in uns aufzunehmen, mit solcher Gesinnung unsere Arbeit zu verrichten, dann wird der rechte Geist unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung in dieser unserer Arbeit walten. Auch in dieser schwierigen Zeit haben sich unsere geisteswissenschaftlichen Freunde von auswärts vereinigt mit denjenigen, die hier ihren Zweig begründet haben. Das ist immer ein schöner Brauch. Denn dadurch tragen die Weihegedanken, den Weihewahlspruch auch die andern, die in andern Zweigen arbeiten, hinaus. Und sie geloben sich, immer wiederum zu denken an diejenigen, die in einem Zweige sich versprochen haben, miteinander im Sinne unserer Bewegung zu arbeiten. Und so wächst und wächst dasjenige, was wir als unsere unsichtbare Gemeinschaft durch die Art unserer Arbeit begründen wollen. Dann aber, wenn solche Gesinnung, mit unserer Arbeit sie verbindend, sich immer mehr ausbreitet, dann werden wir den durch die Geisteswissenschaft uns gestellten Forderungen für den Fortschritt der Menschheit gerecht. Und dann dürfen wir glauben, daß diejenigen, die da leiten als die großen Meister der Weisheit den menschlichen Fortschritt und das menschliche Wissen, bei unserer Arbeit unter uns sind. Und insoferne Sie, die Sie hier arbeiten, in dieser unserer geisteswissenschaftlichen Gesinnung arbeiten, in demselben Sinne weiß ich, daß die hohen Meister, die wirklich unsere Bewegung leiten von den geistigen Welten aus, auch in der Mitte Ihres Arbeitens sein werden.
[ 29 ] If we are able to take such a consecration motto to heart and carry out our work with such a spirit, then the true spirit of our Spiritual Science movement will prevail in this work of ours. Even in these difficult times, our friends in Spiritual Science from abroad have joined forces with those who have established their branch here. This is always a beautiful custom. For through it, the consecration thoughts and the consecration motto are carried forth even by those working in other branches. And they vow to always remember those who, within a branch, have committed themselves to working together in the spirit of our movement. And so grows and grows that which we seek to establish as our invisible community through the nature of our work. But then, when such a spirit, linking itself to our work, spreads ever more widely, then we will do justice to the demands placed upon us by Spiritual Science for the progress of humanity. And then we may believe that those who guide human progress and human knowledge as the great Masters of Wisdom are present among us in our work. And to the extent that you who work here work in this spirit of Spiritual Science, in the same sense I know that the high masters who truly guide our movement from the spiritual worlds will also be in the midst of your work.
[ 30 ] Von diesem Gesichtspunkte aus rufe ich heute die Kraft und die Gnade und die Liebe dieser Meister der Weisheit, die da lenken und leiten dasjenige, was wir als Arbeit in brüderlichen Vereinigungen in unseren Zweigen treiben, ich rufe die Gnade, ich rufe die Kraft, ich rufe die Liebe dieser Meister der Weisheit, die in unmittelbarem Zusammenhang stehen mit den Kräften der höheren Hierarchien, über die Arbeit auch dieses Zweiges hernieder. Möge das, was der gute Geist von Euch, Ihr großen Meister, und möge das, was der gute Geist unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung ist, mit diesem Zweige sein. Möge es in ihm walten und wirken!
[ 30 ] From this perspective, I call upon today the power, grace, and love of these Masters of Wisdom, who guide and direct the work we carry out in fraternal associations within our branches, I invoke the grace, I invoke the power, I invoke the love of these Masters of Wisdom, who are in direct connection with the forces of the higher hierarchies, upon the work of this branch as well. May the good spirit of you, O great Masters, and may the good spirit of our Spiritual Science movement be with this branch. May it reign and work within it!
