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The Rudolf Steiner Archive

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Kunst- und Lebensfragen
im Lichte der Geisteswissenschaft
GA 162

8 August 1915, Dornach

Dreizehnter Vortrag

[ 1 ] Bedenken wir, daß der Mensch in langer, komplizierter Entwickelung aufgebaut ist durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzustände und die bis jetzt abgewickelten Erdenzustände. Wir haben betont, daß die erste Anlage zu Sinnesorganen des Menschen schon in der alten Saturnzeit gewesen ist, daß diese Sinnesorgane selbstverständlich in jener alten Zeit nicht dazu geeignet waren, Wahrnehmungen nach Art der heutigen menschlichen Wahrnehmungen zu machen, sondern daß sie eben als während der Saturnzeit noch unlebendige Organanlagen vorhanden waren, sich dann verwandelt haben und eigentlich erst durch die verschiedenen Vorgänge, die vom Kosmos aus auf den Menschen gewirkt haben, wahrnehmungsfähig geworden sind.

[ 2 ] Das erste aber, was sich uns mit besonderer Deutlichkeit ergibt, wenn wir den ganzen Hergang der Menschenentwickelung beachten, das ist, daß diese Sinnesorgane als solche zu tun haben mit dem, was wir nennen können, physikalische Wirkungen. Auf dem alten Saturn ist Ja schon die erste Anlage der Sinnesorgane als eine bloß physikalische Anlage entstanden, und immer wieder und wieder schreitet die Entwickelung der Sinnesorgane des Menschen dadurch fort, daß physikalisches Geschehen sich eingliedert in dasjenige, was sich sonst beim Menschen ausbildet; so daß also im wesentlichen die Sinnesorgane, wie sie heute sind, physikalische Organe sind. Es wird Ihnen ja unschwer auffallen können, daß die Augen physikalische Organe sind, daß die Ohren physikalische Organe sind und so weiter. Gewiß, die niederen Sinne sind wie chemische Organe, aber trotzdem hat das alles mit dem Physikalisch-Chemischen zu tun.

[ 3 ] So müssen wir die Sache auffassen, daß gewissermaßen als das äußerste seiner Entwickelungsglieder der Mensch in die Welt hinein dasjenige vorstreckt, was man nennen kann sein Physikalisches. Dieses Physikalischsein der Sinnesorgane geht auch schon daraus hervor, daß während des Schlafens die Ohren selbstverständlich genau so beeinflußt werden wie während des Wachens, nur daß sich das Ich und der astralische Leib nicht damit befassen. Würden wir die Augen während des Schlafens offen haben, so würde selbstverständlich ganz genau dasselbe geschehen in unserem Auge, wie während des Wachens.

[ 4 ] Wir können uns jetzt zusammenfassend so ausdrücken: Der Mensch streckt sein äußeres Wahrnehmungsvermögen der Welt vor.

Diagram 1

[ 5 ] Was ich also hier schematisch zeichnete, das ist aufzufassen als die Eingliederung der sämtlichen Sinnesapparate in unseren Organismus. Und es ist tatsächlich so, daß, wenn ich jetzt den Ätherleib einfüge, er selbstverständlich gewissermaßen die Sinnesapparate durchdringt, sonst wären sie nicht Lebensapparate; aber es bleibt einiges außerhalb des ätherischen Bereichs als etwas, was ganz physisch ist. So daß das Verhältnis so gezeichnet werden muß, daß etwas außerhalb des Ätherleibes bleibt.

Diagram 1

[ 6 ] In einer ähnlichen Weise müßte ich dann zeichnen das Verhältnis des Astralleibes in seiner Wirksamkeit zu den anderen Organen. Ich müßte das so zeichnen:

Diagram 1

[ 7 ] Und wollte ich das Ich noch einfügen, so müßte ich das schematisch in der folgenden Weise tun. Dieses Ich würde sich da nach den Weiten des ganzen Makrokosmos öffnen.

Diagram 1

[ 8 ] Natürlich ist das schematisch gezeichnet, und wir müssen uns klar darüber sein, daß, wenn wir nicht ein Schema zeichnen, sondern wirklich ein Bild des Menschen entwerfen würden, sich das dann viel komplizierter ausnehmen würde.

[ 9 ] Nun können Sie aber daraus entnehmen, daß gewissermaßen eine dünne Zone, eine dünne Außenzone aus dem Physikalischen heraus der Sinn ist; aus dem, was eben als die Außenwelt wirkt. Sie können das ja mit einem physikalischen Geschehen vergleichen: das Auge kann wie eine Dunkelkammer betrachtet werden, wo die Gegenstände von außen herein ihre Abbilder erzeugen wie in einem photographischen Apparat; und das, was da drinnen erzeugt wird, das wird erst aufgefangen von dem Ätherleib, Astralleib und dem Ich. Wir haben also mit der Außenwelt eine physikalische Wechselwirkung, die in unserer Peripherie stattfindet. Und auf diese Wechselwirkung mit der Außenwelt bauen wir erst unseren Seelenprozeß auf, insofern dieser Prozeß Wahrnehmung der Außenwelt ist und Verarbeitung der Wahrnehmung in der Seele.

[ 10 ] So wie ich das jetzt dargestellt habe, müßte die Sache beim Menschen sein, wenn er sich rein fortentwickelt hätte, so wie ihn die göttlich-geistigen Wesenheiten veranlagt haben. Aber wir wissen, daß sich luziferisch-ahrimanische Wesenheiten geltend gemacht haben. Und wir können hier an einer Stelle klar und deutlich die ahrimanischen und luziferischen Geister abfangen, richtig abfangen, möchte ich sagen.

[ 11 ] Den Ätherleib durfte ich nur bis hierher (Zeichnung unten $. 265) zeichnen. Das ist der Ätherleib, wie er sich gebildet hat vom Sonnendasein angefangen, durch das Monden- und Erdendasein hindurch. Da bleibt also außerhalb dieses Ätherleibes, der sich regelrecht fortgebildet hat durch Sonnen-, Mond- und Erdendasein hindurch, die physikalische Sinneszone gleichsam außen. Würde aber das wirklich so sein beim Menschen (wie auf der Zeichnung), würde er sich wirklich nur so entwickelt haben, dann würde ja der Mensch gewissermaßen immer abwarten müssen, wie die physischen Prozesse in seinem Auge, in seinem Ohr entstehen, und er würde diese physischen Prozesse mit seinem Astralleib und seinem Ich erfassen. Er würde immer ein Vorstellungsbild haben: in meinem Auge ist eine Farbe, in meinem Ohr ist ein Ton und so weiter; er würde nicht nach außen seine Sinne geöffnet haben, er würde nur das, was in seinem Inneren ist, wahrgenommen haben, er würde die Empfindung haben: in mir ist eine Zone, die ist ganz durchsetzt von Wirkungen des Makrokosmos, und die nehme ich wahr.

[ 12 ] Es ist interessant, daß in den ersten Kinderjahren das Kind, wenn auch schwach und traumhaft, wirklich dieses Bewußtsein hat. Es achtet nicht auf die Außenwelt, sondern merkt auf dasjenige, was es als Wahrnehmungen in seinem eigenen Inneren hat. Das hört später immer mehr und mehr auf. Die Kinder sind vorzüglich an dem eigenen Leibe interessiert, achten nicht der Außenwelt, sondern haben eben ein traumhaftes Bewußtsein, so daß sie da eingeschlossen sind wie in einer Sphäre, die wirklich die Wirkungen der Außenwelt wie Bilder da hereinbringt. Das Kind fühlt wirklich die Haut als eine Art Umhüllung und achtet auf dasjenige, was als Gemälde und Töne dadrinnen stattfindet.

[ 13 ] Wir könnten nun fragen: Warum bleibt das nicht so das ganze Leben lang? — Weil der luziferische Einfluß stattgefunden hat und weil er eben dasjenige, was sich als rechtmäßiger Fortgang im Ätherleib von der alten Sonne an gebildet hat, ausfüllt. Das heißt, die luziferischen Geister strecken ihren Einfluß von außen nach innen her. (Zeichnung $. 268.) Während der Ätherleib so vom Menschen nach der Innenperipherie heraus wirkt, wirkt Luzifer so herein. Und es ist auch wahr: in den physikalischen Apparat der Augen streckt sich etwas wie Äther-Fühlarme von Luzifer herein, ebenso in den Apparat der Ohren und so weiter. Überall stopft Luzifer in die Sinne seine Arme hinein, die er von außen herein erstreckt. Und in unseren Sinnen ist die Begegnung zwischen unserer eigenen Äthertätigkeit, das heißt Lebenstätigkeit, und derjenigen Luzifers, der seine Arme da hineinerstreckt. So daß wir sagen können: Des Kindes Unschuld hört schon allein dadurch auf, daß Luzifer allmählich die Sinne durchdringt: er nimmt Besitz von dem Physischen unserer Sinne, schließt die Augen auf, schließt die Ohren auf, so daß wir nicht mehr Bilder als die Wirkung des von den Göttern uns Gegebenen wahrnehmen, sondern unsere Sinne nach außen aufgeschlossen sind, und wir die Welt selber sehen.

[ 14 ] Es ist außerordentlich wichtig, dieses ins Auge zu fassen. Denn erst, wenn die Wissenschaft einmal wirkliche Geisteswissenschaft sein wird und das, was jetzt gesagt worden ist, verstanden sein wird, erst dann wird die Zeit gekommen sein, wo man auch einsehen wird, daß Luzifer ziemlich frech war, als er auch hinter die Sinne seine Wirkungen vorstreckte. Da wo die Nerven einmünden ins Gehirn, da begegnet sich die luziferische Wirkung mit der auch den Nervensträngen entlang gehenden göttlich-geistigen Wirkung. Man muß geradezu, wenn man von außen nach innen gehend zeichnen will den Verlauf eines Nerves, so zeichnen, daß Luzifer sich vorstreckt und sich begegnet und verschlingt mit den normalen göttlichgeistigen Wirkungen. So strahlt von außen nach innen die luziferische Wirkungsrichtung hinein.

Diagram 1

[ 15 ] Sie sehen daran, daß es in der ursprünglichen göttlich-geistigen Absicht lag, den Menschen sich selbst so zu geben, daß — indem er sich selbst durchschaute — er die Welt innerlich verarbeitet hätte. Luzifer hat gemacht, daß der Mensch in dieser Beziehung sich selbst entrissen wurde, und nun die Welt rings herum anschaut und wahrnimmt. Das heißt, Luzifer hat den Menschen der Welt gegeben, er hat ihn hineingestellt in das Erdendasein, er hat ihn aus sich herausgeführt. Tief, tief bedeutsam ist das biblische Wort: Ihr werdet den Göttern gleich sein, Eure Sinne werden aufgeschlossen werden —, denn es war nicht beabsichtigt, sie aufzuschließen, sondern sie so zu lassen, daß der Mensch in seinem Denken zurückschaut zum alten Mondendasein und in diesem Denken dasjenige einfängt, was an seiner Peripherie der Makrokosmos bewirkt, das was da herein von den Göttern gegeben war.

[ 16 ] Nun ist aber auch der Mensch als ein ethisch-moralisches Wesen dadurch in die Welt hereingestellt; denn wir könnten so manches nicht erleben als Menschen, wenn wir nicht dieses Hervorstrecken der Wirksamkeit Luzifers in uns hätten. Wir wären zum Beispiel niemals zornig oder ängstlich, wir würden nicht hassen, uns nicht verfolgt glauben, keine Antipathie gegen einen Menschen entwikkeln: das alles würden wir nicht können. Es würde dem Menschen niemals gelungen sein, wenn Luzifer ihm nicht vorgearbeitet hätte, irgendein Schimpfwort oder ein dem anderen Menschen abträgliches Wort der Sprache einzuverleiben. Nur durch die Wirkungen Luzifers ist es möglich, daß wir zornig oder ängstlich sind, daß wir Haß oder abträgliche Gesinnung gegen den anderen Menschen entwickeln, oder daß wir ihn beschimpfen und so weiter.

[ 17 ] Und man muß sich durchaus mit Bezug darauf nicht der geringsten Illusion hingeben. Derjenige, der glaubt, wenn er den anderen haßt, das sei gerecht, der mag das sagen, es mag gerecht sein, aber Luzifer steht doch daneben. Es gibt keine andere Ursache für Zorn und Haß und Antipathie als den luziferischen Einfluß.

Diagram 1

[ 18 ] Und dadurch, daß dieses möglich geworden ist, ist wiederum ein anderes möglich geworden. So zum Beispiel ist es nur dadurch, daß Luzifer so seine Fangarme von außen hereinstreckt, möglich geworden, daß die normal fortschreitenden Götter den Ahriman von der anderen Seite zugelassen haben, so daß er von der anderen Seite eingreift. Nicht nur die Sprache, sondern auch das Denken durchsetzt er, und aus dieser Mischung heraus entsteht dasjenige, was Heuchelei, gewollte oder nicht gewollte Lügenhaftigkeit geworden ist. Wir dürfen uns niemals schmeicheln, daß, wenn wir irgend jemandem gegenüber heucheln, es von irgendwo anders herkommt als von dem Bündnis des Luzifer mit Ahriman.

[ 19 ] Man ist allerdings geneigt, über solche Dinge leicht hinwegzugehen. Denn wie oft sagt der Mensch: Ich tue dieses oder jenes nicht um meinetwillen, sondern im Dienste der Welt. Ich habe oftmals die Anekdote erzählt von der «Gesellschaft für Selbstlosigkeit». Darinnen war eine esoterische Sektion, und in dieser Sektion sollten alle nur ganz objektiv, niemals in bezug auf sich selber denken. Die Folge war, daß einmal ein Mitglied zu einem anderen Mitglied kam und sagte: Ich darf ja nicht von mir sprechen, denn das wäre persönlich und gegen die Regeln unserer Gesellschaft. Aber von den anderen darf ich sprechen; da bin ich ja ganz selbstlos, wenn ich dir erzähle, wie die anderen sind, und was sie alles Böses tun! — Und nun zog er über die andern her. Weil die Mitglieder dieser Gesellschaft nicht von sich sprechen durften, sprachen sie immer von den anderen, und was die anderen ihnen antaten. Sie wurden dadurch nicht selbstloser.

[ 20 ] Ich will damit sagen, daß es nicht darauf ankommt, was man glaubt. Man kann glauben, alle Mittel anzuwenden, um Luzifer und Ahriman zu entrinnen; man ist dann nur in der Lage, etwas unwahrhaftiger zu sein durch dieses Bestreben, als man vor diesem Bestreben war. Man sprach es wenigstens vorher nicht aus, daß man das Beste will und so weiter. Nachher spricht man es auch noch aus, indem man sich aber täuscht über die wahre Lage, in der man ist.

[ 21 ] Über alle diese Dinge wird man sich klar, wenn man den wirklichen Sachverhalt ins Auge faßt, wenn man sich ganz klar ist, daß in unserem Erdendasein Luzifer und Ahriman nötig sind, und man ihnen nicht entrinnen kann, sondern nur dazu kommen kann, sie richtig zu beherrschen, wirklich richtig zu beherrschen.

[ 22 ] Klar muß man sich darüber sein, daß mit Bezug auf das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman, gerade wenn man geisteswissenschaftlich vorschreitet, die mannigfaltigsten Komplikationen möglich sind. Ein sehr häufig vorkommender Fall ist der folgende. Irgend jemand hat eine Antipathie gegen einen anderen Menschen. Es kann sein, daß der Zorn auf diesen Menschen, der im Unbewußten sitzt, ins Oberbewußstsein heraufdrängt, nach außen drängt; und die Folge davon ist, daß während man einen nicht zum Bewußtsein gekommenen Grund für seine Antipathie hat, und zum Bewußtsein nur der Zorn kommt, der Haß oder die Antipathie nach außen drängt, in die Sphäre des Luzifer herauf drängt; und da, in der Sphäre des Luzifer, entstehen die einleuchtendsten Visionen und Imaginationen von allem Möglichen, was einem der betreffende Mensch antut. Und nun kann im Unterbewußten, im Unterbewußtsein, der Zorn herausdrängen und es entstehen dann alle möglichen erphantasierten Dinge, die von der gehaßten Persönlichkeit ausgehen könnten. Und man verbirgt die wahren Gründe für die Antipathie hinter dem, was man also vorgibt, erfahren zu haben.

[ 23 ] Es ist selbstverständlich, daß gegenüber solchen Tatsachen der geistigen Welt gefragt werden kann: Wie hütet man sich vor solchen Dingen? — Die Antwort wäre nur dadurch gegeben, daß die betreffende Persönlichkeit verwiesen würde auf ein allmähliches Hinausarbeiten aus den Illusionen des Lebens, in denen sie nur allzu tief darinnen steckt. Man kann alle die Gründe des Sich-selbst-etwasVormachens am allermeisten in sich haben, wenn man glaubt, sich gar nichts vorzumachen, sondern nur auf die Tatsachen zu achten. Also, dieser gute Wille, wirklich an seine Selbstvervollkommnung von diesem Gesichtspunkte aus zu denken, nur der hilft über diese Dinge hinweg. Eines ist vor allen Dingen notwendig, meine lieben Freunde: zu verstehen, wie die Impulse der Geisteswissenschaft wirken, wenn wir nach einer Selbstvervollkommnung streben, wie sehr wir aber geneigt sind, uns viel mehr zuzuschreiben an Selbstlosigkeit, als wozu wir schon befugt sind. Dabei will ich eine goldene Regel angeben.

[ 24 ] Vor allem sollen wir uns ganz klar darüber sein, daß indem wir vorschreiten in der geisteswissenschaftlichen Selbsterziehung, wir durchaus uns zunächst herausarbeiten müssen aus unserem Zusammenhang mit der Außenwelt. Luzifer hat uns in die Außenwelt hineingestellt. Dadurch kommen wir nicht weiter, daß wir das, was wir sonst wollen, uns verwandeln lassen von Ahriman, indem wir sagen: Wir wollen jetzt Missionen ausführen und so weiter. Der nächste Schritt, den wir machen müssen, das ist ein Ablenken der Welt von uns, so daß wir dadurch vor der Gefahr stehen, wirklich egoistischer zu werden, als wir vorher waren. Diese Gefahr ist nicht gering. Selbstverständlich soll man sich dadurch nicht abhalten lassen, den Weg in die geistige Welt hinein zu betreten, aber die Versuchung zum Egoismus ist da. Und wir sollen nicht so ohne weiteres hochmütig sein gegenüber denjenigen, die — man muß sagen, leider noch nicht einsehen können, daß die geisteswissenschaftliche Weltanschauung für unsere Zeit notwendig ist und die draußen stehend, sagen: Liebevoll nehmen sich diese Geisteswissenschafter wahrhaftig nicht aus —; und wir sollten wirklich nicht über diesen Einwand immer hinweggehen, sondern seine Berechtigung, seine relative Berechtigung schon einsehen.

[ 25 ] Ich weiß nicht, meine lieben Freunde, ob der Recht hatte, der vor kurzem einmal behauptet hat: es komme sogar vor, daß — durch diese Steigerung des Egoismus in einer geisteswissenschaftlichen Strömung — als Tatsache festzustellen wäre, daß sich in geisteswissenschaftlichen Gesellschaften Menschen finden, die, nachdem sie einige Zeit darinnen sind, noch viel mehr streiten, als sie vorher gestritten haben. Manches spricht doch schon leise dafür, daß die Diskrepanzen in solchen Gesellschaften durchaus nicht so ohne weiteres aufhören wollen! Wenn es wirklich so wäre, daß jeder über den anderen nur Gutes sagen würde, dann würde sich das Bild darbieten, daß... außerhalb des Ringes, der diesen Kreis umgibt, Luzifer mit seiner Schar wohl lauerte, aber nicht so recht hinein könnte!

[ 26 ] Wenn also der Mensch in seinem gewöhnlichen wachen Verhalten ist, so treffen sich in seiner Sinnesperipherie das Ätherische seiner eigenen Wesenheit und das Ätherische der Luzifer-Wesenheit. Das ist dasjenige, was den Worten zugrundeliegt: Eure Augen werden aufgetan werden. — Von allen okkulten Schulen wird von jeher ganz besonders auf diesen Grundsatz verwiesen.

[ 27 ] Erkenntnis ist schon dasjenige, was uns auf der einen Seite ganz genau zum Bewußtsein bringen soll, das, was da vorliegt, auf der anderen Seite aber uns dazu anleiten soll, die Dinge hinzunehmen, so wie sie sind. Solange wir nicht in unsere Gedanken diese Dinge aufnehmen können, solange bleiben sie in dem Gebiete der Sympathie und Antipathie, da wühlen sie. Sie sind nicht etwa nicht da, wenn wir von ihnen nicht wissen: sie sind immer da. Und besonders zu dieser Zeit ist die Menschheit an dem Punkte ihrer Entwickelung angekommen, wo solche Dinge bewußt werden müssen.

[ 28 ] So haben wir uns einiges Genauere verschafft an Erkenntnis über unsere Sinnesperipherie. Gestern haben wir von dieser Sinnesperipherie so gesprochen, wie sich in die Sinnesanschauung das Begehren mischt. Jetzt haben Sie den realen Grund dafür. Denn Luzifer kommt heran und läßt die Sinnesempfindungen nicht wie neutrale objektive Geschehnisse an uns herankommen, sondern mischt sein Wesen herein.

[ 29 ] Und schreiten wir von der Sinnesperipherie nach innen, so kom_ men wir da auf das Denken, das Vorstellungsleben. Wir wissen, daß dieses Vorstellungsleben uns wiederum durch Luzifers Einfluß als uns gehörend erscheint, während wir in Wirklichkeit dasjenige, was wir denken, in der Sphäre des alten Mondes, der dauernd ist, erblicken müssen. Damit haben wir den ganzen Sinn erfaßt von dem Abtrennen des alten Mondes von dem Sonnen-Erdendasein. Denn daß der Mensch heute überhaupt jemals Gedankliches in die Seele hat hineinbringen können, das hängt zusammen mit der Abtrennung des alten Mondes von der Sonne. So daß wir sagen können: Gedankliches, so wie wir Menschen es erfassen können, kommt daher, daß sich etwas abgetrennt hat als alter Mond von dem fortlaufenden Saturn-, Sonnen-, Mondendasein. Aber wie ist es mit dem, was da geschehen ist, mit dem, was sich da abgetrennt hat?

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[ 30 ] Das können wir Menschen als sinnlich inkarnierte Wesen nur erfassen durch Geisteswissenschaft. Es handelt sich darum, wie diese Gedanken auf das, was sich da abgetrennt hat, auf das Außergedankliche, wirken. Unser Gedankliches wird angeregt von unserem Astralleibe, aber es wirkt hinunter in den Ätherleib. Nun kann man folgendes beobachten: Wenn das ein Stück unseres Ätherleibes ist, auf den man das geschulte geistige Auge richtet, so findet man, wenn man nun im Astralleib Gedanken anregt, daß diese Gedanken dann im Ätherleib gleichsam hinunterströmen, so einströmen in den Ätherleib. — Sie müssen sich das nicht räumlich, sondern als Kräfte vorstellen; dann sieht man, daß diese Gedanken im Ätherleib Bewegungen, Tätigkeit hervorrufen. Die Gedanken lösen sich gleichsam auf, und im Ätherleib entsteht Bewegung. Es rinnt gleichsam der Gedanke aus dem Astralleib in die Äthersubstanz hinein und ruft im Ätherleib Bewegungen hervor.

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[ 31 ] Nehmen wir an, jemand sagt: Ich will jetzt weggehen, — da würde der Hellseher den Gedanken zunächst sehen: «Ich will jetzt weggehen!» Aber er würde wahrnehmen, wie der Gedanke in den Ätherleib strömt und in dem Ätherleib Bewegungen, innere Bewegungen hervorruft, nur solche Bewegungen zunächst — (Zeichnung unten S. 274). Dadurch kann der Ätherleib wiederum auf den physischen Leib wirken. Und diese Wirkung auf den physischen Leib ist jetzt so, daß (Lücke im Stenogramm). Nun, denken Sie sich einmal, hier diese Bewegung wird immer reger und reger, und dadurch geht gewissermaßen die Äthersubstanz weg aus der Umgebung, sie zieht sich zusammen; da wird sich das stark bewegen, das ist von dem umgebenden Äther herausgenommen.

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[ 32 ] Der Gedanke strömt also ein, ruft in der Äthersubstanz Bewegung hervor, und die Äthersubstanz ruft in ihrer Umgebung hier Hohlheit hervor. Denn das, was die Äthersubstanz da braucht, das nimmt sie von ihrer Umgebung, und es entstehen Hohlräume. Und diese Hohlräume entstehen, wenn der Mensch denkt, oder wenn die höheren Wesenheiten, Angeloi, Archangeloi, ihre Gedanken in ihn hereinlassen, was ja fortwährend geschieht.

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[ 33 ] Das heißt, wir stehen da, wir sehen sich bewegen den Äther durch die Gedankenwirkung, und dazwischen sind Hohlräume. Und diese Hohlräume sind eigentlich im Grunde der physische Leib. Es ist schon wirklich so, daß das Reale überall dort ist, wo das Physische nicht ist, und das Physische, das ist überhaupt nichts, das ist eine Hohlheit in der Welt.

[ 34 ] Dasjenige, was der gewöhnliche materialistische Physiologe an unserem Kopf studiert, das ist natürlich nicht das Gedankenmäßige im Astralleib, nicht die Gedankenbewegung im Ätherleib, sondern das ist in Wahrheit der Hohlkopf. Und nur deshalb kann man nicht in diese Hohlräume hinein, weil man nur so weit vordringen kann, als das Reale geht, und man hier an den Hohlraum stößt. So kann man da nicht hinein in die Hohlräume. Es ist gerade so, wie wenn Sie sich eine Säule Selterswasser vorstellen und darin die leeren Luftperlen sind. Das Dünnere erscheint dem Wesen, das in dem dichteren Elemente lebt, furchtbar hart. So können wir auch in die eigentlichen Hohlräume nicht hinein, aber nur deshalb, weil da nichts ist, weil es hohl ist. So daß eigentlich, wenn man okkultistisch den Menschenkopf zeichnen wollte, man ihn nicht so zeichnen müßte (Zeichnung I), sondern im Negativ, und das, was da drinnen hohl bleibt, das wäre der Mensch (Zeichnung II). Das heißt, wo der Maler gewöhnlich die Farben anlegt, und meint, er malt den Menschen, da müßte er eigentlich aussparen: dann würde man spirituell-realistisch malen, denn sonst malt man, wo nichts ist, und läßt frei, wo etwas ist.

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[ 35 ] Das tut man aber schon im ganz gewöhnlichen menschlichen Sinnesanschauen, denn nicht anders verläuft das menschliche Sinnesanschauen.

[ 36 ] Sie sehen, wie wir eine Änderung unserer Begriffe vornehmen müssen, wenn wir zu den Realitäten vordringen wollen.

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[ 37 ] Nun zum Schluß noch eines. Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß sich die heutigen menschlichen Anschauungen charakterisieren lassen als «Wurm-Philosophie», die nur Ursachen und Wirkungen miteinander verknüpft. So machen es die menschlichen «Würmer». Sie können zum Beispiel eine reiche Literatur finden über den Wechsel von Wachen und Schlafen, wo die Ursache für dasjenige, was im Schlafen geschieht, gesucht wird in dem physischen Leib: Ermüdungsstoffe und dergleichen. Man beachtet nicht, daß da oben etwas Geistiges ist, was heraus will und beim Aufwachen wieder hinein will, was lebt in einem regelmäßigen Zyklus, so wie die Sonne abwechselnd Tag und Nacht verursacht. Man lese, was darüber Fritz Mauthner in seinem Wörterbuch geschrieben hat. Darin ist nichts über das Schlafen, das Träumen oder das Ich zu finden, nichts von all diesen Dingen, die Menschen kennen müssen, um überhaupt über den Menschen etwas zu wissen.