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The Rudolf Steiner Archive

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Die geistige Vereinigung der Menschheit
durch den Christus-Impuls
GA 165

28 Dezember 1915, Basel

Der Baum Der Erkenntnis und der Weihnachtsbaum. Die Weihnachtsstimmung in Stifters Novelle «Bergkristall»

[ 1 ] Von dem innigen Verwachsensein des Weihnachtsfestes mit der Geistnatur haben Sie soeben gehört. Es ist wahr, dieser Gedanke darf besonders tief und besonders warm unsere geisteswissenschaftlichen Arbeitszweige durchdringen beim Anblicke des lichterbesetzten Baumes in der finsteren Wintermitte, Winternacht. Von all den Symbolen, welche aus einem gewissen elementarischen, nicht aus einem oberflächlich liegenden Bewußtsein heraus in das Geistesleben eingetreten sind, ist eigentlich der Weihnachtsbaum eines der jüngsten. Wenn wir um etwa zweihundert Jahre zurückgehen in der Zeit der Entwickelung des europäischen Geisteslebens, so finden wir den Weihnachtsbaum höchstens ganz vereinzelt da und dort auftreten. Er ist noch nicht alt als Weihnachtssymbol. Mit diesem Gedanken, daß der Weihnachtsbaum, der die Freude, den Impuls der Dankbarkeit des kindlichen Herzens erregt, eines der jüngsten christlichen Symbole ist, vereinigt sich bei uns wohl leicht der andere Gedanke, daß uns in vielen unserer Zweige dieser Weihnachtsbaum unendlich lieb geworden ist, und daß wir ihn dann, wenn wir in unseren Zweigen das Weihnachtsfest feiern, nicht missen möchten. Wahrhaftig, dieser Weihnachtsbaum hängt zusammen, trotzdem er aber aus unterbewußten Tiefen des menschlichen Herzens — sich erst spät zum christlichen Weihnachtssymbolum umgestaltet hat, mit tiefen Empfindungen und Gefühlen über das Wesen und die Bedeutung der Weihenacht. Im Mittelalter ist es üblich geworden, daß um die Weihnachts-, um die Neujahrs-, um die Dreikönigszeit Weihnachtsfestspiele aufgeführt wurden. Bauern, die sich lange darauf vorbereiteten, stellten, indem sie in den Dörfern herumgingen, die Geburt des Christus dar. Sie stellten dar die Erscheinung der drei Könige, der drei Magier vor dem eben geborenen Christus. Sie stellten aber auch dar im sogenannten Paradeisspiele dasjenige, was im ersten Buch Moses als die Schöpfung unserer Erdenwelt geschildert wird, diejenige Szene, die uns so gewaltig aufhellend, die Geheimnisse unserer eigenen Seele enthüllend, oftmals vor Augen treten muß, die Szene am Erdenanfang, in die hinein die bedeutungsvollen Worte tönten: Ihr sollt essen von allen Bäumen des Gartens, aber nicht essen sollt ihr vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. — Jetzt ist nur noch als Erinnerung an die innere Verbindung des Erdenschöpfungsanfanges mit dem Weihnachtsfest das geblieben, daß unser Kalender am 24. Dezember «Adam und Eva» aufweist und am 25. das Geburtsfest des Christus Jesus.

[ 2 ] Und dennoch, man kann — wie gesagt, nicht aus einem Gedanken heraus, sondern aus einem Gefühl heraus — nicht umhin, zu empfinden: Ist nicht vielleicht aus dunklen Untergründen des menschlichen, christlich fühlenden Herzens heraus der Impuls entstanden, am Geburtstage des Christus Jesus aufzustellen jenen uralten Weltenbaum, den Baum von der Mitte des Paradieses, von dem eigentlich nicht hätte gegessen werden sollen? Das Paradeisspiel wurde aufgeführt. Geblieben sein konnte von der Erinnerung an das Paradies der Paradiesesbaum, und vereinigt sein konnte der Paradiesesbaum mit den Gefühlen, die wir haben können über die Geburt des Christus Jesus.

[ 3 ] Nicht Theorien will ich hier entwickeln, dazu ist der Festestag heute nicht da. Gewiß, man kann anderes sagen über die Gründe des Aufkommens des Weihnachtsbaumes, aber aus dem Gefühle heraus, wie es sich uns ergeben könnte, indem wir neben ihm stehen, indem wir aufleuchten lassen in unserer Seele gerade diejenigen Empfindungen, die uns an diesem Feste verbinden mit den kindlichsten Empfindungen des Menschen, aus diesem Gefühle heraus möchte man im Anschauen des Weihnachtsbaumes sprechen, weil man an ihm etwas sieht wie eine Erneuerung des Paradiesesbaumes. Wie ein heidnisches Symbolum nimmt sich ja dieser Weihnachtsbaum eigentlich nicht aus, auch nicht wie ein nordisch-heidnisches Symbolum. Wenn unsere Erde sich mit Schnee bedeckt, wenn die Eiszapfen von den Dachrändern der Häuser und über die Bäume hin hinunterhängen und die Menschen sich hereinflüchten aus denjenigen Gebieten der Erde, wo durch Monate hindurch das Grün und die bunte Blumenwelt das Auge entzückt, die Früchte sich dargeboten haben, die für des Menschen Notdurft nötig sind, wenn der Mensch sich hereinflüchten muß aus alldem, was draußen, zunächst wenigstens, nach seiner Empfindung für ihn da ist, mit dem er sich zu beschäftigen, womit er zu leben hat die Frühlingszeit, die Soemmerszeit hindurch, wenn er sich hereinflüchten muß in jene Stuben, durch die der Schnee hereinschaut, die Eiszapfen hereinschauen, und von innen aus sie erwärmen muß, dann empfand der Heide wohl etwas von dem, was werden könnte aus der Welt, wenn diese Welt sich selbst überlassen ist. Den großen Winter am Ende des Erdenseins empfand der Heide, wenn er so verlassen war von den Geistern der Natur, von alldem, was er als Gnomen, Undinen und Sylphen fühlte, wenn er fliehen mußte in die Ofenwärme herein, fliehen mußte von dem, was ihn verlassen machte von seiner geliebten Natur, und er nur durch eine geringfügige Offnung dasjenige erblickte, worin man nicht sein konnte. Wenn er diese Verlassenheit erleben konnte, so fühlte er in dieser Winterzeit ins Unendliche ausgebreitet, alles überschwemmend, alles übertönend, das Ende des Erdendaseins, den großen Weltenwinter.

[ 4 ] Der Christ würde ihm geantwortet haben, wiederum vielleicht nicht aus einem theoretischen Verständnis, aber aus einem Gefühlsverständnis heraus: Du magst recht haben, so wäre es mit der Erde gekommen, wenn der Baum seine Wirksamkeit hätte entfalten müssen, von dem die Menschen unerlaubterweise durch luziferische Verführung genossen haben die Frucht der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Und wenn man so denkt an die Erdenentwickelung mit diesem Erdenziel nach der Verlassenheit und Einsamkeit des Winters, nach der Kälte und dem Froste, auch in bezug auf das Seelische, das allem Irdischen bevorstehen würde, und wenn man es anknüpfen kann an die Folge der luziferischen Verführung, an die Wirkungen des Genusses vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, dann kann man auf der andern Seite so recht fühlen, was der Christ-Gedanke eigentlich zu bedeuten hat.

[ 5 ] Eher, vor dem Christ-Gedanken, kam der Ostergedanke dem Menschen der christlichen Entwickelung zum Bewußtsein, jener Gedanke, von dem durch die Ostersymbole so bedeutsam erzählt wird, wodurch der Mensch befreit worden ist von all dem, was in der luziferischen Verführung ist. Das Großartige des Erlebens des Ostergedankens kann durchbeben, durchwehen die Seele in der Frühlingszeit mit der aufwachenden Natur. Aber ein anderes ist es mit dem Weihnachtsgedanken, dieser andern Seite des Christ-Gedankens. Zum Verständnis des Ostergedankens ist schon einiges notwendig, das man an Erkenntnis vorausbekommen haben muß. Den Weihnachtsgedanken verstehen fühlend, ich möchte sagen, die kleinsten Kinder. Und was ist denn eigentlich dieser Weihnachtsgefühls-Gedanke, wenn man ihn so erforscht in den Kindern, die gerufen werden, nachdem der Weihnachtsbaum gerichtet ist, die Lichter angezündet, die Geschenke ringsherum gelegt sind, was ist denn dieser Weihnachtsgefühls-Gedanke, wenn dann die Kinder hingeführt werden zum Weihnachtsbaum, wenn sie die Gaben empfangen, wenn ihnen gesagt wird, das habe ihnen der Heilige Christ gebracht — was ist denn das Wesentliche?

[ 6 ] Die Kinder wissen es vielleicht nicht, sie fühlen es aber unbewußt in jenen Gründen, die so tief in des Menschen Seele sitzen, daß man sie eben nicht immer zum Bewußtsein rufen kann. Was ist denn eigentlich dieses Wesentliche, wenn man so recht erforscht, was da eigentlich in den Kindern lebt — man tut es gewöhnlich nicht —, aber wenn man erforscht, was in den Kindern lebt, wenn sie zum Weihnachtsbaum gerufen werden und hören, diese Geschenke habe ihnen das überirdische Wesen gebracht? Es sind keine solchen Geschenke, die sie selber draußen pflücken können am Bache, in der Sommer-, in der Frühlingszeit, nein, das ist ihnen aus Überirdischem geworden. Was ist es, was dann in den Kindern lebt? Ich meine, man kann sagen, gerade wenn man tief forscht in den Herzen der Kinder mit denjenigen Augen, die man die Seheraugen nennen kann, die man sich nach und nach erwirbt: das Bedeutsamste, das intensivste Gefühl, das da in den kindlichen Herzen unbewußt lebt, ist eine ganz unendlich tief gehende Dankbarkeit. Und man empfindet dann, wenn man sich hineinfühlt, etwas wie den Gedanken, der auslöst dieses Gefühl der Dankbarkeit: Warum greift denn diese Dankbarkeit so Platz in den Herzen, in den Seelen der Kinder? Warum denn? — Weil eigentlich sich dieses Herz wieder im tiefsten Unterbewußten sagt: Dankbar müssen wir Menschenkinder sein, daß wir nicht verlassen geblieben sind, daß ein Wesen sich uns geneigt hat aus Geisteshöhen herunter, das Wohnung hat nehmen wollen innerhalb des menschlichen Erdendaseins; daß auf jener Erde, die dunkel hätte bleiben müssen infolge der Paradiesesversuchung, die erkälten und erstarren hätte müssen als die große Winterzeit, hereingetreten ist in dieses zur Erstarrung sich vorbereitende Dasein das Wesen, das man alljährlich aufs neue hereintreten sieht in die Zeit, die uns auch wirklich schon symbolisch andeutet dieses Erdenende in dem Froste des Winters, in dem Dunkel, in dem Finstern des Winters. Dankbar müssen wir sein dem Weltengeiste, der herabgestiegen ist, sich vereinigt hat mit der Erdenentwickelung der Menschen, so daß wir nicht zu fürchten brauchen, daß der große Winter kommt, sondern hoffen dürfen, daß dann, wenn durch den äußeren natürlichen Gang der Erde der große Winter in seinem Erden-Kosmos-Froste folgen würde, da sein wird dasjenige Wesen, das sich uns in Kindesform alljährlich nähert und die Erde verjüngt, daß sie nicht erstarrt hinausgetragen wird zu ihrem weiteren Dasein im Kosmos. Daher die unendliche Wärme, die gerade von diesem Weihnachtsfeste ausgeht. Und daher, ich möchte sagen, dieser eigentümlich beweisende Charakter des Weihnachtsfestes. Das Weihnachtsfest hat etwas Christ-Beweisendes.

[ 7 ] Man kann dem Weihnachtsfeste gegenüber empfinden, daß das, was es darstellen will, wahr ist, dadurch, daß, sobald nur der Gedanke dieses Weihnachtsfestes in der Menschen-Kindesseele erfaßt ist, er sogleich in seiner ganzen Bedeutung dieses Kinderherz, diese kindliche Seele des Menschen auch ergreift und wirklich alles Kindliche in dem Menschen erfaßt, gleichgültig ob dieses Kindliche im Kindesalter oder noch im spätesten Alter sich geltend macht. Gerade Menschen, die so recht fühlen können auf der einen Seite die äußere Natur mit all ihrer Frühlings- und Sommerschönheit, die auch empfinden können diese eigentümliche Verlassenheit der Winterzeit, die fühlen können die Weihestimmung der Weihnachtszeit, die fühlen auch dieses Beweisende des Weihnachtsfestes.

[ 8 ] Ein Dichter, der sich Zeit seines Lebens immer eingelassen hat in eine bis ins Kleinste gehende Naturbetrachtung, hat in einer seiner Dichtungen auch über das Weihnachtsfest herrlich schön gesprochen, der Dichter, von dem die Worte stammen: Da sagen die Menschen, ein Gewitter ist großartig, der Sturm sei großartig, ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch könne großartig sein — ich finde: großartig ist das Marienkäferchen, das über das Blatt läuft, wenn man es nur in seiner richtigen Wesenheit erfühlen kann. — So ungefähr hat der Dichter Adalbert Stifter gesprochen. Und aus dieser seiner Bekanntschaft mit dem Großen im Kleinen der Natur, mit dem, was geistig alle Natur durchzieht, ist auch seine schöne Weihnachtserzählung hervorgegangen, die in ihrem Grundton das Beweisende des Weihnachtsfestes eigentlich webt und lebt.

[ 9 ] Wir werden durch den Dichter in ein einsames Alpental geführt, das ein Nachbartal hat. In beiden Tälern sind Dörfer. Wie es in den Alpen ist — wenigstens in früheren Zeiten war —, kommen die Bewohner des einen Tals mit den Bewohnern des andern Tals wenig zusammen. Da aber stellt sich heraus, daß sich ein Bewohner — ein Schuster ist es — aus dem einen Tal mit einer Bewohnerin des andern Tals verheiratet. Wie eine Fremde wird diejenige angesehen, die nur eine kurze Strecke weiter übers Gebirge hinüber geboren ist. Kinder bekommen sie. Die Großeltern sind drüben im andern Alptal. Der Großvater ist auf den Schwiegersohn nicht gut zu sprechen, daher sieht er sich wenig nach den Kindern um, aber die Großmutter ist früher öfter herübergekommen. Aber als die Kinder ein wenig herangewachsen, obwohl noch klein waren, war die Großmutter schon alt, konnte nicht mehr so oft herüberkommen. Da besuchten sie denn die Kinder. Einmal wurden sie hinübergesandt, es war gerade am sogenannten Heiligen Abend, in das andere Alptaldorf, bei einem Wetter, das durchaus ungefährlich war. Sie gingen dahin. Sie hatten wohl, da sie noch ganz junge Kinder waren, nur wenige Male mit einigem Bewußtsein in der nächtlichen Stille der Alpenhütte vor dem Christbaum gestanden und einige Worte gehört von dem Christ-Geheimnis, weniges nur gehört. Nun wurden sie also, als sie noch verhältnismäßig kleine Kinder waren, entlassen. Sie sollten die Großmutter besuchen. Man konnte hoffen, daß das Wetter günstig bliebe. Sie gingen hin zur Großmutter in das Nachbardorf. Die Großmutter gab ihnen ihre Geschenke mit, sie ermahnte sie, ja recht vorsichtig nach Hause zu gehen. Aber siehe da, Schneefall kam. Sie mußten über das Gebirge hinüber nach dem andern Tal. Sie verloren den Weg, sie fanden ihn nicht wieder. Sie verirrten sich. Der Knabe, der etwas größer war, nahm sich innig des kleinen Mädchens an. Sie kamen sogar über Gletscher. Sie konnten sich nur dadurch aufrechthalten, daß sie von der Großmutter etwas Kaffee mitbekommen hatten, den sie auspackten. Der Knabe hatte einmal gehört, daß man durch Kaffee das Erfrieren verhindern könne. Ja, sie konnten den Weg nach Hause nicht finden. Die Nacht wurde immer finsterer, und sie waren hoch oben mitten in Eis und Schnee, so daß, als um Mitternacht überall die Weihnachtsglocken erklangen, sie das nicht einmal hören konnten. So machten sie die Weihnachtsnacht durch, während unten im Dorfe selbstverständlich nicht nur die Eltern, sondern das ganze Dorf Furcht und Angst ergriffen hatte. Man war ausgezogen, die Kinder zu suchen. Die Kinder aber waren oben in der Einsamkeit. Sie mußten warten, indem sie sich warmhielten durch alles, was sie in ihrer kleinen Klugheit schon kannten, mußten warten, bis allmählich der Morgen kam. Da hatten sie, wie das zunächst beschrieben wird, unter sich den Schnee und das Eis, über sich die Sterne. Es kam dann, indem sie auf die Berge hinblickten, gegen Morgen eine wunderbare Helle über die Berge. Nun, man fand dann die Kinder, brachte sie halb erstarrt nach Hause, steckte sie ins Bett. Den Weihnachtsabend hatten sie versäumt, aber es wurde ihnen dann die Weihnachtsbescherung am Tag darauf. Zunächst mußten sie aber erst aus der Erstarrung herauskommen und wurden daher ins Bett gesteckt. Die Mutter — ich erzähle all die verschiedenen Szenen nicht, die nun gerade von diesem Dichter wirklich in einer Menschenherzen aufs tiefste ergreifenden Weise geschildert sind — setzt sich an das Bett des kleinen Mädchens hin, läßt sich erzählen, was die Kinder Furchtbares erlebt haben. Dann sagt das kleine Mädchen, das, wie gesagt, nur einige Male wenige Worte von der ganzen Bedeutung des Christ-Festes gehört haben wird: Mutter, wie wir da oben waren und es so, so kalt war, und wir nichts sahen als Schnee und Sterne, da schaute ich in die Sterne, und weißt du, Mutter, was ich da gesehen habe, wie ich hinaufschaute in den Himmel? Da sah ich den Heiligen Christ!

[ 10 ] Ich sagte, eine solche Dichtung hat etwas Beweisendes, weil sie bezeugt, wie innig sich verwebt, auch wenn der Mensch noch wenig gehört hat von dem Christ-Gedanken, auf naturgemäße, elementarische Weise der Christ-Gedanke mit diesem menschlichen Herzen. Daher muß er tief im menschlichen Herzen begründet sein. In jedem Lebensalter, in dem kindlichsten Alter versteht man ihn ja. Der Dichter Adalbert Stifter hat wahr gesprochen. Man versteht ihn so, daß man in der Sternenschrift schon als ganz kleines Kind zu lesen vermag, wie der Heilige Christ spricht. Es ist wirklich zusammenhängend mit der Dankbarkeit gegenüber der Weltentatsache, daß ein Gott hat herabsteigen wollen auf die Erde, damit die Menschen mit der Erdenentwickelung nicht einsam seien. Der Einsamkeit hat uns entrissen der göttliche Helfer. Das empfindet das Kind. Und dieses Gefühl der Dankbarkeit gegenüber den Weltenmächten, das so tief sitzen kann, das ist jenes unendlich warme Gefühl, das die Herzen der Menschen durchglüht in der Weihnachts-Weihenacht; das macht auf geistige Art das Leben in der Weihnachts-Weihenacht so warm in der Kälte des Winters, das macht das Leben in der Weihnachts-Weihenacht so licht im Winterdunkel, wenn die Sonne am tiefsten steht.

[ 11 ] Und wir, die wir Erkenntnis suchen, wir müssen sie doch auf andere Weise suchen, als sie so ist, wie sie von dem Versucher hervorgegangen ist. Und Erkenntnis suchen wir doch. Ja, geistige Erkenntnis suchen wir. Wert muß uns sein der Baum der Erkenntnis; er ist es wohl auch für uns, wenn wir richtig empfinden: der Baum der Erkenntnis. Aber wir lassen uns ihn nicht reichen von luziferischen Mächten. Wir nehmen ihn entgegen von dem Christus, der herunterstieg auf die Erde. Denn so darf er entgegengenommen werden von dem menschlichen Herzen, dem menschlichen Gemüte, dem menschlichen Erkenntnisstreben, dieser Baum der Erkenntnis, so darf er entgegengenommen werden, wenn ihn der Christus uns reicht. Was Luzifer dem Menschen nicht reichen sollte, das reicht der Christus dem Menschen. Und so erneuert sich der Baum des Paradieses: Er wird zum Christbaum. Was als Versuchung Luzifer dem Menschen reichte, das reicht als Aussöhnung der Christus den Menschen wiederum. Und so wird selbst der reifste Gedanke des Erkenntnisstrebens angegliedert an den kindlichen Gedanken des Weihnachtsbaumes. Wie das Kind dasjenige entgegennimmt, von dem es sonst gesehen hat, woher es kommt, an Gaben der Natur, an Gaben der Gesellschaft, wie es das entgegennimmt als Heilige Gabe am Weihnachtsabend, so denken wir, wie wir dasjenige, was uns heilig und wert ist, die Gabe vom Baum der Erkenntnis, entgegennehmen von dem Christus, der seine Impulse mit den Erdenimpulsen hat vereinigen wollen.

[ 12 ] Verstehen werden wir, rege zu machen gerade im Sinne unserer Weltanschauung jene warme Dankbarkeit gegenüber dem ChristusWesen, das hat auf die Erde kommen wollen, um die Menschen zu befreien von der Einsamkeit, die symbolisiert ist in der Winterfinsternis und in der Winterkälte, während auf der andern Seite symbolisiert ist die geistige Wärme, der der Mensch teilhaftig werden kann mit den geistigen Mächten in dem, was an wahrer Wärme von jenem Bewußtsein ausstrahlt, das wir in unser Herz eindringen lassen können von unserem Geiste aus, wenn wir im rechten Sinne verstehen das Symbolum des Weihnachtsbaumes, des erneuerten Baumes der Erkenntnis, des Baumes der Erkenntnis, der gereicht wird von dem Christus Jesus, wenn wir dieses die Weltenkälte erwärmende Weihnachtssymbolum zu unserer Seele, zu unserem Herzen sprechen lassen.