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The Rudolf Steiner Archive

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Die geistige Vereinigung der Menschheit
durch den Christus-Impuls
GA 165

31 Dezember 1915, Dornach

Neujahrsbetrachtungen I

[ 1 ] Manches, das man von den Geheimnissen der geistigen Welt mitteilen will, muß man zunächst bildhaft andeuten, oder wir könnten sagen, halb bildhaft andeuten, wobei dann die Bilder aber durchaus real, wirklich gemeint sind. Bildlich solches anzudeuten, wie ich heute gerne möchte, zu Ihrer weiteren Meditation in Ihrem eigenen Gemüte, ist deshalb nötig, weil, wollte man nicht in Bildern, sondern in Begriffen sprechen, man lange Ausführungen würde machen müssen. Aber jeder kann gewissermaßen auf das Tiefere selbst kommen, der dasjenige, was ich heute sagen werde, ein wenig in seinem Gemüte gegenwärtig sein läßt und gewissermaßen darüber meditiert.

[ 2 ] Wir gehen alljährlich um diese Zeit aus einem Zeitabschnitt in den andern. Gewiß, das kann zunächst scheinen wie eine bequeme Einteilung der Zeitenfolge. Das ist es aber nicht, denn aus einem tieferen Instinkte heraus folgten die Menschen, die die Zeiteinteilung zu machen hatten, gewissen großen Gesetzen des Zeitenlaufes. Dieses Fest des Überganges von einem Jahr in das andere wird ja bei uns — und ich spreche natürlich von unseren Gegenden — begangen in der tiefen Winterzeit, in jener Zeit, in welcher die Pflanzen ihr Wachstum, ihr Blühen, ihr Früchtetragen eingestellt haben. Nur gewisse Waldbäume tragen ihr, wie man sagt, ewiges Grün durch die Winterweiße hindurch. Die Sonne entfaltet ihre geringste Kraft.

[ 3 ] Wir wissen, daß hineinverwoben ist in all dasjenige Geschehen, das sich vor unseren Sinnen abspielt, geistiges Geschehen. Wir wissen, daß wir, wenn wir durch den Wald gehen, nicht nur die Waldesbäume mit ihren grünen Nadeln oder mit ihren Blättern um uns herum haben, sondern daß in den geheimnisvollen Untergründen des Daseins Geist- und Seelenwesenheit waltet und wirkt. Wir haben uns schon hineingefunden, dasjenige, was von den ganz gescheiten Menschen in unserer Zeit als ein kindlicher Aberglaube angesehen wird, gerade als auf das Wahrhaft-Wirkliche deutend zu empfinden.

[ 4 ] Und so sind wir uns denn klar, daß allem Sinnlichen, ob es nun feste Dinge sind, oder ob es Geschehnisse sind, die mit den Sinnen beobachtet werden können, geistiges Walten und Werden zugrunde liegt. Und so sehen wir denn zunächst einmal hin auf die unlebendige, wie man sagt, unorganische Erde, auf alles dasjenige, was auf unserer Erde als mineralisches Reich ist; schauen hin auf alles Leblose. Dieses Leblose ist für den äußeren Materialisten ein bloßes Lebloses. Für uns gehört zu jedem Leblosen ein Seelisches und Geistiges, so daß wir auch sprechen können von einem Seelischen und Geistigen unserer ganzen sogenannten unbelebten, unorganischen, rein mineralischen Erde. Allerdings, wenn wir von diesem Erdenbewußtsein sprechen, so sehen wir in dem GeologischMineralogischen zunächst nicht einmal dasjenige, was sich vergleichen läßt beim Menschen mit den Muskeln und mit dem Blut, sondern nur das Knochengerüste, nämlich das Feste der Erde, so daß wir, wenn wir von diesem Erdenbewußtsein sprechen, dieses Erdenbewußtsein verbunden zu denken haben mit der ganzen Erde, zu der nicht nur das Knochengerüste, sondern auch Wasser, Luft und so weiter gehört, was Muskeln und Blut entspricht. Die ganze Erde hat Bewußtsein, ein Bewußtsein, das zu ihrem mineralischen Reiche gehört. Wir wollen uns nicht beschäftigen mit der Veränderung dieses Bewußtseins der Erde für eine bestimmte Gegend im Laufe des Jahres, sondern wir wollen uns nur einmal in unser Gemüt einführen die Vorstellung, daß diese ganze Erde ihr Bewußtsein hat. Und jetzt wenden wir den Blick von der ganzen mineralischen Erde ab zu dem, was aus der Erde sprießt und sproßt als Pflanzenwelt.

[ 5 ] Diese Pflanzenwelt müssen wir, wenn wir sie im Sinne der Geisteswissenschaft anschauen, zunächst betrachten als ein selbständiges Wesen gegenüber unserer Erde. Und daß die Gesamtheit des Pflanzenseins ein selbständiges Wesen gegenüber der Erde ist, das tritt einem erst so recht hervor, wenn man auf das Bewußtsein dieser beiden Wesenheiten sieht. Wir können sprechen von einem Bewußtsein der gesamten mineralischen Erde. Wir können aber auch sprechen von einem Bewußtsein der gesamten Pflanzenwelt, die sich auf der Erde entwickelt. Die Gesetze dieses Bewußtseins sind allerdings andere als die Gesetze des menschlichen Bewußtseins. Wenn wir vom pflanzlichen Bewußtsein sprechen, so können wir immer nur von einer bestimmten Gegend sprechen, weil das Bewußtsein sich ändert nach den Gegenden der Erde.

[ 6 ] Wir als Menschen beachten nicht, daß eigentlich ein gewisser Parallelismus besteht zwischen unserem Bewußtsein und dem Bewußtsein zum Beispiel der Pflanzenwelt der ganzen Erde, weil wir zwar in unser volles Bewußtsein hinaufnehmen unser Tagesbewußtsein, nicht aber unser Nachtbewußtsein. Wir sagen einfach zur Vereinfachung unserer Betrachtungen: Während unseres Tagwachens ist unser Ich und unser astralischer Leib in unserem physischen Leib drinnen. Ich habe aber schon darauf aufmerksam gemacht: Das bezieht sich eigentlich nur auf unser Blut und unser Nervensystem, nicht auf unsere übrigen Systeme. Wenn nämlich Ich und astralischer Leib aus unserem Kopf gleichsam heraußen sind, so sind sie in unserem übrigen Organismus um so stärker drinnen.

[ 7 ] Es ist ganz parallel damit, daß zum Beispiel, wenn auf der einen Seite der Erde Winter ist, auf der andern Seite Sommer ist. Auch da ist nur eine Umwandlung des Bewußtseins. Das ist aber auch bei uns. Nur beachten wir es deshalb nicht, weil bei uns Menschen nicht die beiden Bewußtseine die gleiche Helligkeit haben. Bei uns sind sie verschieden stark. Das Nachtbewußtsein ist ein abgedämpftes Bewußtsein, für uns praktisch gar kein Bewußtsein, und das Tagesbewußitsein ist ein volles Bewußtsein unserer andern Seite. Unsere niedere Natur wacht in der Nacht, wenn wir mit unserer höheren Natur schlafen, geradeso wie es bei der Erde ist: wenn auf der einen Seite Winter ist, ist auf der andern Seite Sommer. Wenn auf der einen Seite Wachzustand ist, ist auf der andern Seite Schlafzustand und umgekehrt.

[ 8 ] So, wie ich es jetzt ausgeführt habe und wie wir es schon öfters ausgeführt haben, gilt die Sache eigentlich nur bezüglich der Pflanzenwelt. Die Pflanzenwelt schläft für uns während des Hochsommers, gerade während sie sproßt und sprießt. Während sie ihr Physisches im äußersten Maße entfaltet, schläft sie. Und sie wacht vollbewußt zu jener Zeit, wenn sie äußerlich physisch keine Entwickelung durchmacht, sondern ihre physische Entwickelung zurückgeht; dann wacht die Pflanzenwelt. So daß wir von allen Pflanzen auf der Erde als einem Ganzen sprechen und diesem Ganzen der Pflanzenwelt kommt ja ein Bewußtsein zu.

[ 9 ] Wenn wir von diesem Bewußtsein sprechen, das also ein zweites Bewußtsein ist, welches das mineralische Bewußtsein der Erde durchdringt, wenn wir von diesem Pflanzenbewußtsein sprechen, so können wir im eigentlichen Sinne sagen: Dieses Pflanzenbewußtsein ist für unsere Gegenden schlafend im Hochsommer, wachend in der finstern Winterzeit.

[ 10 ] Jetzt aber, um diese Zeit, tritt auch etwas anderes ein. Sehen Sie, die beiden Bewußtseine, also dieses gesamte Erdenbewußtsein, das zur mineralischen Erde gehört, und das gesamte Pflanzenbewußitsein, die sind getrennt, die sind das ganze Jahr hindurch zwei Wesenheiten. Nun aber sind sie nicht nur zwei Wesenheiten, sondern sie durchdringen sich, so daß das eine von dem andern durchdrungen ist in dieser Zeit, in der wir jetzt stehen. Da, wo sich das eine Jahr in das andere hinüberentwickelt, da haben unsere mineralischen Dinge und Vorgänge der Erde und die gesamte Pflanzenwelt ein Bewußtsein, das heißt, ihre zwei Bewußtseine durchdringen sich.

[ 11 ] Welcher Art ist nun das mineralische Bewußtsein der Erde, das wir heute, wie gesagt, in seinem Unterschiede nicht so betrachten wollen wie das Pflanzenbewußtsein, das wir als wachend in der Winterzeit, als schlafend in der Sommerzeit auffassen wollen, welches ist nun das Eigentümliche des mineralischen Bewußtseins, des Bewußtseins des großen Erdenwesens? Der Mensch, der nur auf seine physischen Sinne beschränkt ist und beschränkt ist auf den Verstand, den er als zugehörig den physischen Sinnen betrachtet, kann von diesem großen Erdenbewußtsein zunächst nichts wissen. Aber Geisteswissenschaft kann uns belehren, was eigentlich dieses Erdenbewußtsein denkt, so denkt, wie wir die Minerale, die Pflanzen, Tiere, Luft, Flüsse, Berge und so weiter denken. Wie wir denken mit unserem gewöhnlichen Tagesbewußtsein das, was um uns herum ist, so denkt auch die Erde. Aber was denkt sie mit ihrem Bewußtsein? Fragen wir uns heute einmal: Was denkt die Erde mit ihrem Bewußtsein?

[ 12 ] Die Erde denkt mit ihrem Bewußtsein den ganzen zunächst zur Erde gehörigen Himmelsraum. Wie wir mit unseren Augen hinausschauen auf die Bäume, auf die Steine, so schaut die Erde mit ihrem Bewußtsein hinaus in die Himmelsräume und denkt alles dasjenige, was in den Sternen vorgeht. Die Erde ist ein Wesen, welches nachdenkt über die Vorgänge der Sterne.

[ 13 ] Also in dem mineralischen Bewußtsein ist im Grunde genommen das Geheimnis des ganzen Kosmos als Gedanke enthalten. Während wir Menschen so oberflächlich über die Erde gehen und nur nachdenken über die Steine, auf die wir stoßen, oder über manches andere, was unsere Sinne umgibt, denkt die Erde mit dem Bewußtsein, das wir durchschreiten, indem wir durch den Raum gehen, über den Kosmos draußen nach. Sie hat wahrhaftig umfassendere, größere Gedanken als wir. Und es ist im Grunde genommen ungeheuer erhebend, wenn man weiß: Du gehst nicht bloß durch die Luft, du gehst durch die Gedanken der Erde.

[ 14 ] Und jetzt blicken wir wiederum auf das andere, auf das Pflanzenbewußtsein. Die Pflanzen können nicht so viel denken wie die Erde. Das Bewußtsein, das denkende Bewußtsein der Pflanzenwelt, der gesamten Pflanzenwelt, nicht der einzelnen Pflanze, ist viel eingeschränkter. Es umfaßt einen geringeren Umkreis der Erde das ganze Jahr hindurch, nur nicht in diesen Tagen. Da wird das Pflanzenbewußtsein mit dem gesamten Bewußtsein der Erde eins. Und damit, daß das Pflanzenbewußtsein das Bewußtsein der Erde durchdringt, weiß die Pflanzenwelt unserer Erde zur Silvesterzeit, also jetzt, von den Geheimnissen der Sterne, nimmt die Geheimnisse der Sterne auf und verwendet sie, damit die Pflanzen wiederum nach den Geheimnissen des Kosmos im Frühling sich entfalten können und Blüten und Früchte tragen können. Denn in dem, wie die Pflanzen Blätter und Blüten und Früchte tragen, liegt das ganze Geheimnis des Kosmos darinnen. Aber die Pflanzen können, während sie die Blätter und Blüten und Früchte tragen, nicht darüber nachdenken. Sie können nur in der jetzigen Zeit darüber denken, da, wo sich das Bewußtsein der Pflanzenwelt vereinigt mit dem Bewußtsein der mineralischen Welt.

[ 15 ] Daher sagt man in der Geisteswissenschaft: In dieser Zeit, ungefähr in dieser Silvesternacht, durchdringen sich zwei Zyklen. Und das ist das Geheimnis überhaupt alles Seins, daß sich Zyklen durchdringen und dann wiederum getrennt weiterentwickeln, dann wiederum sich durchdringen. Denken Sie, wie wunderbar dieses Geheimnis des Werdens ist: Pflanzenbewußtsein, mineralisches Bewußtsein — zwei Entwickelungsströmungen. Getrennt gehen sie das Jahr hindurch, vereinigen tun sie sich in der Zeit, wo das eine Jahr in das andere hinübergeht. Wiederum gehen sie getrennt das Jahr hindurch, vereinigen sich wiederum in der Silvesterzeit. So ist der Zyklenfortgang der Geschichte.

[ 16 ] Und jetzt blicken wir von diesem Vorgang, der uns erfüllen kann mit einem tiefen, heiligen, scheuen Gefühle gegenüber dem Geheimnis des Überganges des einen Jahreszyklus in den andern Jahreszyklus, jetzt sehen wir von diesem Geheimnis, ich möchte sagen, das wir unmittelbar durchschreiten, hinüber zu einem noch größeren Geheimnis. Wir wissen, daß wir jetzt leben in dem Zyklus der Bewußtseinsseelenentfaltung, daß diesem Zyklus vorangegangen ist der Zyklus der Verstandes- oder Gemütsseelenentfaltung, dem vorangegangen ist der Zyklus der Empfindungsseelenentfaltung; und dann kommen wir zur Entfaltung des Empfindungsleibes. Da kommen wir schon ins 5. Jahrtausend vor unserer christlichen Zeitrechnung zurück, wenn wir so weit zurückgehen, daß wir die Zeit haben, in der sich alles menschliche Denken entwickelt innerhalb des Zyklus des Empfindungsleibes, des sogenannten astralischen Leibes.

[ 17 ] Nun werden wir durchzugehen haben durch die Bewußtseinsseele; durch Geistselbst und weiter wird sich der Mensch entwickeln. Bewußtseinsseele entwickelt sich in unserer jetzigen Zeit hauptsächlich dadurch, daß der Mensch ganz allein seinen physischen Leib als Werkzeug gebraucht. Daher haben wir ja, wie Sie in verschiedenen Vorträgen hier schon gehört haben, jetzt die Hochflut des Materialismus, weil der Mensch vorzugsweise seinen physischen Leib gebraucht. Dann wird aber eine Zeit kommen, in der er nicht bloß seinen physischen Leib gebraucht — ich habe beschrieben, wie der Mensch weiter fortschreitet —, wo er wird wieder lernen seinen Ätherleib, wird lernen seinen Astralleib zu gebrauchen, wie er vor Zeiten gebraucht hat seinen Astralleib in dem Entwickelungszyklus, wo der astralische Leib das Grundelement des Bewußtseins abgegeben hat.

[ 18 ] So können wir sagen: Wir waren einmal auf der Erde so, daß unsere Seele durchging durch eine Berührung ihres Bewußtseins mit dem Bewußtsein unseres astralischen Leibes. Wie zu Neujahr das Pflanzenbewußtsein durch das mineralische Bewußtsein durchgeht, so ging unsere Seele vor Jahrtausenden durch unseren astralischen Leib durch, durch das Bewußtsein, das unser astralischer Leib eigentlich hat. Damals waren unsere Seelen in ihrem Bewußtsein und unser astralischer Leib eins. Da kommen wir Jahrtausende zurück, ins 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Als dies Bewußtsein angetreten worden ist, da feierte die Menschheit auf der Erde ein Neujahr — ein großes Neujahr! So wie wir jetzt das Neujahr haben, uns entgegenkommend als den Durchgang des pflanzlichen und des mineralischen Bewußtseins, so war sechs Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung ein Neujahr unserer Erde, aber ein großes Weltenneujahr unserer Erde. Unser seelisches Bewußtsein vereinigte sich, ging durch das astralische Bewußtsein unseres Leibes durch.

[ 19 ] Und was war damals? Damals, sechstausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, als unser inneres Seelenbewußtsein durch das astralische Bewußtsein unseres Leibes durchging, da wurde unser eingeschränktes Menschheitsbewußtsein, wie wir es jetzt haben, so weit, wie weit das Pflanzenbewußtsein zu Neujahr wird. Wie die Pflanze in die Himmel hinaussieht dadurch, daß ihr Bewußtsein sich vereinigt mit dem mineralischen Bewußtsein, so sah und vernahm der Mensch ein weites Feld der Weisheit, damals, sechstausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, als sich vereinigte seine Seele mit dem astralischen Leib zum Weltenneujahr.

[ 20 ] Und aus dieser Zeit her stammt jenes Wissen, das verlorengegangen ist — wir haben davon gesprochen vor einigen Tagen —, als das gnostische Wissen unterging. Den Ursprung dieses Wissens müssen wir suchen im Erden-Weltenneujahr, ungefähr sechstausend Jahre bevor unsere Zeitrechnung begonnen hat, jenes Wissen, aus dem Zarathustra geschöpft hat, jenes Wissen, dessen letzte große Strahlen noch überleuchteten die Gnostiker, von denen, wie ich ausführte, nur geblieben sind einige wenige Brocken, wovon ich ein Beispiel angeführt habe. Erdenwinter, aber Erdenneujahr ist es, worauf wir da zurückgehen.

[ 21 ] Und jetzt rechnen Sie zu dem, was seit der Begründung des Christentums an Jahren verflossen ist, noch ungefähr viertausend Jahre weiter, so wird wiederum auf die Art, wie ich es eben angedeutet habe, ein solcher Durchgang unseres seelischen Bewußtseins durch das astrale Bewußtsein sein, nur auf einer höheren Stufe. Wiederum wird der Mensch eintreten in ein solches Welten-Sternenbewußtsein. Und dazu wollen wir uns durch unsere Geisteswissenschaft vorbereiten, damit es vorbereitete Menschen dazu gibt.

[ 22 ] Weltenneujahr wollen wir vorbereiten! Und wenn wir das Weihnachtsfest so vorbereiten, wie ich es hier angedeutet habe bei einer der letzten Betrachtungen, so werden wir uns in der rechten Weise vorbereiten. Indem die Geburt des Geisteswissens in uns zur WeihnachtsWeihestimmung wird, werden wir uns vorbereiten für das neue Weltenneujahr, welches zwölf Jahrtausende nach dem alten Weltenneujahre eintreten wird.

[ 23 ] Zwölf Jahr-Monate verfließen von einer Vereinigung des Pflanzenbewußtseins der Erde mit dem mineralischen Bewußtsein zur andern. Zwölf Jahrtausende verfließen von einem Welten-Erdenneujahr bis zu dem andern Welten-Erdenneujahr, von einem Durchgang der Menschenseele durch die astralische Welt bis zum andern Durchgang der Menschenseele durch die astralische Welt.

[ 24 ] So blicken wir in diese Weihestunde, von dem Neujahr im Kleinen zu dem Neujahr im Großen, von dem Jahressilvester hin zu jenem Silvester, für den wir uns vorbereiten dadurch, daß wir versuchen, jetzt in der Winterzeit zu schauen das Licht, das auf naturgemäße, elementarische Weise dem Menschen als Erdenbewohner nur zufließt in einem Welten-Erdenneujahr.

[ 25 ] Wahrhaftig, wir sehen die Welt nur im rechten Lichte, wenn wir dasjenige, was uns umgibt, nicht nur so auffassen, wie es sich durch unsere Sinne darbietet, wie es der materialistische Geist begreift, sondern wenn wir dasjenige, was uns in der äußeren Sinnenwelt umgibt, als Symbolum für die großen Weltengeheimnisse betrachten.

[ 26 ] Und so kann es uns erscheinen, wenn Silvester herankommt, als ob ein Bote der geistigen Welt an uns heranträte und uns das Geheimnis des Jahressilvesters enthüllte, indem er uns sagte: Siehe da, jetzt in der finsteren, kalten Wintermitte vereinigt sich das Pflanzenbewußtsein mit dem mineralischen Erdenbewußtsein. Das aber sei dir ein Zeichen dafür, daß auch die Erde ein Jahr hat, das große Weltenjahr, von dem einstmals Zarathustra sprach, das er wirklich gemeint hat, das von einem Silvester zum andern Silvester geht, von einem Weltenneujahr zum andern Weltenneujahr, das man verstehen muß, wenn man den Gang der Menschheitsentwickelung verstehen will.

[ 27 ] Von zwölf Jahrtausenden spricht Zarathustra. Die zwölf Jahrtausende, von denen ich Ihnen heute gesprochen habe, meint er. Ein Erdenjahr hat er in vier Zeiträumen hingestellt als Entwickelungsgang der Erdenmenschheit. Tief begründet in den geistigen Geheimnissen ist dies.

[ 28 ] Und so lassen Sie uns aus einem tieferen Verständnis unserer Geisteswissenschaft heraus Weihestimmung in unseren Seelen, in unseren Herzen fassen. Lassen Sie uns jene innere Wärme in unseren Herzen entwickeln, die uns kommen kann, wenn wir in frostiger Winternacht die Kunde vernehmen zunächst von dem Herabsteigen des Sonnengeistes auf unsere Erde, und dann von dem Geheimnis des Jahreslaufes.

[ 29 ] Die dreizehn Tage sind die Tage, in denen sich das Pflanzenbewußtsein mit dem mineralischen Bewußtsein vereinigt. Und kann sich der Mensch selber versetzen in das Pflanzenbewußtsein, so kann er träumen, so kann er schauen von den mancherlei Geheimnissen, welche sein Herz dann in vielfacher Art durchziehen, wie wir es das vorige Jahr hier durch unsere Seelen haben ziehen lassen in dem Traum von Olaf Åsteson.

[ 30 ] Aber wenn wir solche Weihestimmung aufnehmen, dann werden wir aus dieser Weihestimmung heraus die rechte Empfindung, das rechte Fühlen finden für das, was wir wollen mit den Bestrebungen unserer — Geist-Erkenntnis: durch solche Herzenswärme wollen wir vorbereiten das neue Weltenjahr, würdig erwarten den neuen Welt-Silvestertag, der ein neues Weltenjahr bringen muß, damit, wenn dann in folgenden Inkarnationen unter ganz andern Erdenverhältnissen unsere Seelen den großen Welt-Silvestertag zu durchleben haben, sie diesen in der Weise durchleben, wie sie ihn durchleben können, wenn der kleine Silvester, der Tag, der sich statt nach zwölftausend Jahren nach zwölf Monaten vollzieht, zum Symbolum wird für den großen Silvestertag. Und das ist das Geheimnis unseres Daseins. Es ist alles im Großen wie im Kleinen, und im Kleinen wie im Großen. Und das Kleine, das Jahresläufige, verstehen wir nur, wenn es uns Symbol ist für das große Weltengeschehen, für das Jahrtausendläufige.

[ 31 ] Das Jahr ist das Bild der Äonen. Und die Äonen sind die Wirklichkeit für jene Sinnbilder, die uns im Jahreslauf entgegentreten. Wenn wir diesen Jahreslauf im richtigen Sinne verstehen, so durchdringt uns in dieser würdigen Nacht, da ein neuer Jahreslauf beginnt, der Gedanke an die großen Weltengeheimnisse. Versuchen wir unsere Seele so zu stimmen, daß sie auch hinüberschauen kann in das neue Jahr mit dem Bewußtsein: sie will den Jahreslauf als ein Symbolum in sich tragen für den großen Weltenlauf, der einschließt alle Geheimnisse, welche die göttlichen Wesenheiten, die die Welt durchwallen und durchweben, mit unseren Seelen von Äon zu Äon verfolgen, wie verfolgen die kleineren Götter das geheimnisvolle Werden des Pflanzlichen und des Mineralischen im einzelnen Jahreslauf.