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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

30 September 1910, Dornach

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Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit
  1. Humanity's Internal Impulses for Development, tr. SOL

Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Ich möchte heute wiederum an das eben Dargestellte,an Goethes «Faust» anknüpfen, um daraus eine Einheit zu gewinnen, die es dann möglich machen wird, morgen zu einer umfassenderen Betrachtung zu kommen.

[ 1 ] Ich möchte heute wiederum an das eben Dargestellte,an Goethes «Faust» anknüpfen, um daraus eine Einheit zu gewinnen, die es dann möglich machen wird, morgen zu einer umfassenderen Betrachtung zu kommen.

[ 2 ] Wir haben. ja gesehen, wie der Übergang vom 14., 15. ins 16., 17. Jahrhundert in der ganzen Entwickelung der Menschheit einen außerordentlich bedeutsamen Einschnitt zeigt, der Übergang von dem griechisch-römischen Zeitalter zu unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, zu dem Zeitraum, in dem wir jetzt leben, aus dem unsere Impulse für alles Erkennen und auch für alles Handeln fließen, zu dem Zeitraum, der bis zum 4. Jahrtausend währen wird. Nun, aus all dem, was Sie über Goethes «Faust» wissen und über den Zusammenhang dieses Goetheschen «Faust» mit der Faust-Gestalt, wie sie aus der Sage des 16. Jahrhunderts stammt, werden Sie einsehen, daß sowohl diese FaustGestalt aus dem 16. Jahrhundert wie dasjenige, was Goethes Anschauung aus ihr geformt hat, im innigen Zusammenhange steht mit all den Übergangsimpulsen, die das neue Zeitalter in geistiger Beziehung und damit auch in äußerlich-materieller Beziehung heraufgebracht haben. Nun ist bei Goethe die Sache wirklich so, daß gerade dies Problem vom Heraufkommen der neuen Zeit und vom Fortwirken der Impulse der alten Zeit ungeheuer mächtig war, daß er ganz und gar inspiriert war die sechzig Jahre, die er an seinem «Faust» geschaffen hatte, von der Frage: Welches sind die wichtigsten Aufgaben, die wichtigsten Gesinnungsrichtungen der neueren Menschen? — Und Goethe konnte wahrhaftig zurückblicken in das abgelaufene Zeitalter, das heute selbst der Wissenschaft so wenig mehr bekannt ist, jenes abgelaufene Zeitalter, das mit dem 14.,15. Jahrhundert zu Ende geht. Was die Geschichte meldet ich habe es oftmals gesagt — über die Seelenstimmung der Menschen, über die menschlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse früherer Jahrhunderte, das ist doch im Grunde etwas, was recht sehr graue Theorie ist. In den Seelen der Menschen früherer Jahrhunderte, der Jahrhunderte noch, die dem Faust-Zeitalter vorangegangen sind, da sah es gewaltig anders aus als in den Seelen der Gegenwartsmenschen, in den Seelen der gegenwärtigen Menschheitsepoche. Und Goethe hat so recht eine Gestalt, eine Persönlichkeit in seinem Faust verkörpert, die zurückblickt auf die Seelenverfassung der Menschen in früheren Jahrhunderten, in lang vergangenen Jahrhunderten, und die zugleich vorwärtsblickt auf die Aufgaben der Gegenwart, auf die Aufgaben der Zukunft.

[ 2 ] Wir haben. ja gesehen, wie der Übergang vom 14., 15. ins 16., 17. Jahrhundert in der ganzen Entwickelung der Menschheit einen außerordentlich bedeutsamen Einschnitt zeigt, der Übergang von dem griechisch-römischen Zeitalter zu unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, zu dem Zeitraum, in dem wir jetzt leben, aus dem unsere Impulse für alles Erkennen und auch für alles Handeln fließen, zu dem Zeitraum, der bis zum 4. Jahrtausend währen wird. Nun, aus all dem, was Sie über Goethes «Faust» wissen und über den Zusammenhang dieses Goetheschen «Faust» mit der Faust-Gestalt, wie sie aus der Sage des 16. Jahrhunderts stammt, werden Sie einsehen, daß sowohl diese FaustGestalt aus dem 16. Jahrhundert wie dasjenige, was Goethes Anschauung aus ihr geformt hat, im innigen Zusammenhange steht mit all den Übergangsimpulsen, die das neue Zeitalter in geistiger Beziehung und damit auch in äußerlich-materieller Beziehung heraufgebracht haben. Nun ist bei Goethe die Sache wirklich so, daß gerade dies Problem vom Heraufkommen der neuen Zeit und vom Fortwirken der Impulse der alten Zeit ungeheuer mächtig war, daß er ganz und gar inspiriert war die sechzig Jahre, die er an seinem «Faust» geschaffen hatte, von der Frage: Welches sind die wichtigsten Aufgaben, die wichtigsten Gesinnungsrichtungen der neueren Menschen? — Und Goethe konnte wahrhaftig zurückblicken in das abgelaufene Zeitalter, das heute selbst der Wissenschaft so wenig mehr bekannt ist, jenes abgelaufene Zeitalter, das mit dem 14.,15. Jahrhundert zu Ende geht. Was die Geschichte meldet ich habe es oftmals gesagt — über die Seelenstimmung der Menschen, über die menschlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse früherer Jahrhunderte, das ist doch im Grunde etwas, was recht sehr graue Theorie ist. In den Seelen der Menschen früherer Jahrhunderte, der Jahrhunderte noch, die dem Faust-Zeitalter vorangegangen sind, da sah es gewaltig anders aus als in den Seelen der Gegenwartsmenschen, in den Seelen der gegenwärtigen Menschheitsepoche. Und Goethe hat so recht eine Gestalt, eine Persönlichkeit in seinem Faust verkörpert, die zurückblickt auf die Seelenverfassung der Menschen in früheren Jahrhunderten, in lang vergangenen Jahrhunderten, und die zugleich vorwärtsblickt auf die Aufgaben der Gegenwart, auf die Aufgaben der Zukunft.

[ 3 ] Indem Faust zunächst zurückblickt auf das, was seinem Zeitalter vorangeht, kann er ja im Grunde nur noch auf die Trümmer blicken einer zu Ende gegangenen Kultur, einer geistigen Kultur. Auf die Trümmer kann er blicken. Wir müssen zuerst ja immer den Faust des 16. Jahrhunderts ins Auge fassen, der eine historische Gestalt ist, der wirklich gelebt hat, und der dann in die Volkssage übergegangen ist. Dieser Faust lebte noch in den alten Wissenschaften darinnen, die er sich angeeignet hat, lebte in Magie, in Alchimie und in der Mystik darinnen, welche die Weisheit früherer Jahrhunderte war, namentlich auch die Weisheit war der dem Christentum vorangegangenen Zeit; die aber in der Zeit, in welcher der historische Faust des 16. Jahrhunderts lebte, schon gründlich im Verfall war. Dasjenige, was da in der Faust-Zeit als Alchimie, als Magie, als Mystik von denjenigen angesehen worden ist, unter denen Faust lebte, das war durchaus schon krauses Zeug; das war ein Zeug, das auf Traditionen, auf Hinterlassenschaften aus älterer Zeit fußte, aber in dem man sich nicht mehr auskannte. Die Weisheit, die darinnen lebte, die kannte man nicht mehr. Man hatte mancherlei gesunde Formeln aus alten Zeiten, mancherlei richtige Einsichten aus alter Zeit, aber verstand sie nur mehr schlecht.

[ 3 ] Indem Faust zunächst zurückblickt auf das, was seinem Zeitalter vorangeht, kann er ja im Grunde nur noch auf die Trümmer blicken einer zu Ende gegangenen Kultur, einer geistigen Kultur. Auf die Trümmer kann er blicken. Wir müssen zuerst ja immer den Faust des 16. Jahrhunderts ins Auge fassen, der eine historische Gestalt ist, der wirklich gelebt hat, und der dann in die Volkssage übergegangen ist. Dieser Faust lebte noch in den alten Wissenschaften darinnen, die er sich angeeignet hat, lebte in Magie, in Alchimie und in der Mystik darinnen, welche die Weisheit früherer Jahrhunderte war, namentlich auch die Weisheit war der dem Christentum vorangegangenen Zeit; die aber in der Zeit, in welcher der historische Faust des 16. Jahrhunderts lebte, schon gründlich im Verfall war. Dasjenige, was da in der Faust-Zeit als Alchimie, als Magie, als Mystik von denjenigen angesehen worden ist, unter denen Faust lebte, das war durchaus schon krauses Zeug; das war ein Zeug, das auf Traditionen, auf Hinterlassenschaften aus älterer Zeit fußte, aber in dem man sich nicht mehr auskannte. Die Weisheit, die darinnen lebte, die kannte man nicht mehr. Man hatte mancherlei gesunde Formeln aus alten Zeiten, mancherlei richtige Einsichten aus alter Zeit, aber verstand sie nur mehr schlecht.

[ 4 ] Also in ein Zeitalter eines verfallenden Geisteslebens war in dieser Beziehung der geschichtliche Faust hineingestellt. Und Goethe vermischt fortwährend dasjenige, was der geschichtliche Faust erlebte, mit dem, was er geformt hatte zum Faust des 18. Jahrhunderts, zum Faust des 19. Jahrhunderts, ja zum Faust noch vieler kommender Jahrhunderte. Daher sehen wir auch den Goetheschen Faust wieder zurückblicken zur alten Magie, zur alten Art von Weisheit, Mystik, die nicht Chemie im heutigen materialistischen Sinne getrieben hat, die durch die Hantierungen mit der Natur in Zusammenhang kommen wollte mit einer geistigen Welt, aber die Kenntnisse schon nicht mehr hatte, um in richtiger Art, in der richtigen Art der früheren Zeit mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen. Was man in Jahrhunderten, die nun längst vergangen sind, als Heilkunde betrachtet hat, ist nicht so töricht, wie es eine heutige Wissenschaft oftmals ansehen will, nur ist die eigentliche darinnen steckende Weisheit verlorengegangen, und sie war zum Teil schon verloren im Zeitalter des Faust. Das kannte Goethe gut. Aber er kannte es nicht mit dem Verstande allein, er kannte es mit dem Herzen, er kannte es mit allen Seelenkräften, die an dem Wohl und Heil der Menschheit hangen und die für das Heil der Menschheit besonders in Betracht kommen. Er wollte sich die Fragen, die Rätselfragen, die für ihn daraus entsproßten, so beantworten, daß man erkennen könne, wie man, immer weiter fortgehend, zu anderen, für die neuere Zeit ebenso geeigneten Weisheiten in bezug auf die geistige Welt kommen könne, wie die Alten eine solche Weisheit gekannt haben, die nach dem Gange der Menschheitsentwickelung notwendig verglimmen mußte. Daher läßt er seinen Faust Magier werden. Faust hat sich der Magie ergeben, wie der Faust des 16. Jahrhunderts. Aber er bleibt doch unbefriedigt, aus dem einfachen Grunde, weil die eigentliche Weisheit der alten Magie eben schon verglommen war. Aus dieser Weisheit stammte auch die alte Heilkunde. Mit der alten Chemie, Alchimie stand alle Rezeptierkunde, alle Arzneikunde in Zusammenhang.

[ 4 ] Also in ein Zeitalter eines verfallenden Geisteslebens war in dieser Beziehung der geschichtliche Faust hineingestellt. Und Goethe vermischt fortwährend dasjenige, was der geschichtliche Faust erlebte, mit dem, was er geformt hatte zum Faust des 18. Jahrhunderts, zum Faust des 19. Jahrhunderts, ja zum Faust noch vieler kommender Jahrhunderte. Daher sehen wir auch den Goetheschen Faust wieder zurückblicken zur alten Magie, zur alten Art von Weisheit, Mystik, die nicht Chemie im heutigen materialistischen Sinne getrieben hat, die durch die Hantierungen mit der Natur in Zusammenhang kommen wollte mit einer geistigen Welt, aber die Kenntnisse schon nicht mehr hatte, um in richtiger Art, in der richtigen Art der früheren Zeit mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen. Was man in Jahrhunderten, die nun längst vergangen sind, als Heilkunde betrachtet hat, ist nicht so töricht, wie es eine heutige Wissenschaft oftmals ansehen will, nur ist die eigentliche darinnen steckende Weisheit verlorengegangen, und sie war zum Teil schon verloren im Zeitalter des Faust. Das kannte Goethe gut. Aber er kannte es nicht mit dem Verstande allein, er kannte es mit dem Herzen, er kannte es mit allen Seelenkräften, die an dem Wohl und Heil der Menschheit hangen und die für das Heil der Menschheit besonders in Betracht kommen. Er wollte sich die Fragen, die Rätselfragen, die für ihn daraus entsproßten, so beantworten, daß man erkennen könne, wie man, immer weiter fortgehend, zu anderen, für die neuere Zeit ebenso geeigneten Weisheiten in bezug auf die geistige Welt kommen könne, wie die Alten eine solche Weisheit gekannt haben, die nach dem Gange der Menschheitsentwickelung notwendig verglimmen mußte. Daher läßt er seinen Faust Magier werden. Faust hat sich der Magie ergeben, wie der Faust des 16. Jahrhunderts. Aber er bleibt doch unbefriedigt, aus dem einfachen Grunde, weil die eigentliche Weisheit der alten Magie eben schon verglommen war. Aus dieser Weisheit stammte auch die alte Heilkunde. Mit der alten Chemie, Alchimie stand alle Rezeptierkunde, alle Arzneikunde in Zusammenhang.

[ 5 ] Nun berührt man mit einer solchen Frage sogleich die tiefsten Geheimnisse der Menschheit: daß man in Wahrheit Krankheiten nicht heilen kann, ohne sie zugleich zum Beispiel erzeugen zu können. Die Wege zum Heilen der Krankheiten sind zugleich die Wege zum Erzeugen der Krankheiten. Wir werden gleich nachher hören, wie durchaus in der alten Weisheit der Grundsatz herrschend war, daß derjenige, der Heiler war, zugleich Erzeuger von Krankheiten sein konnte, und wie deshalb in alten Zeiten die Heilkunst mit einer tief moralischen Weltauffassung im Zusammenhang gedacht wurde. Aber wir werden auch gleich nachher sehen, wie wenig sich dasjenige hätte entwickeln können in diesen alten Zeiten, was man die neuere Freiheit der menschlichen Entwickelung nennt, die eigentlich erst in diesem unserem fünften, auf den griechisch-römischen Zeitraum folgenden Zeitraum von der Menschheit in Angriff genommen worden ist. Wir werden sehen, wie diese hätte sein müssen, wenn die alte Weisheit verblieben wäre.

[ 5 ] Nun berührt man mit einer solchen Frage sogleich die tiefsten Geheimnisse der Menschheit: daß man in Wahrheit Krankheiten nicht heilen kann, ohne sie zugleich zum Beispiel erzeugen zu können. Die Wege zum Heilen der Krankheiten sind zugleich die Wege zum Erzeugen der Krankheiten. Wir werden gleich nachher hören, wie durchaus in der alten Weisheit der Grundsatz herrschend war, daß derjenige, der Heiler war, zugleich Erzeuger von Krankheiten sein konnte, und wie deshalb in alten Zeiten die Heilkunst mit einer tief moralischen Weltauffassung im Zusammenhang gedacht wurde. Aber wir werden auch gleich nachher sehen, wie wenig sich dasjenige hätte entwickeln können in diesen alten Zeiten, was man die neuere Freiheit der menschlichen Entwickelung nennt, die eigentlich erst in diesem unserem fünften, auf den griechisch-römischen Zeitraum folgenden Zeitraum von der Menschheit in Angriff genommen worden ist. Wir werden sehen, wie diese hätte sein müssen, wenn die alte Weisheit verblieben wäre.

[ 6 ] Auf allen Gebieten aber mußte diese Weisheit zugrunde gehen, damit der Mensch gewissermaßen von vorne anfangen müsse, aber so, daß er mit dem Wissen und mit dem Handeln zugleich zur Freiheit streben konnte. Das hätte er nicht können unter dem Einflusse der alten Weisheit. In solchen Übergangszeiten wie diejenige war, in der Faust lebte, ist der Verfall des Alten da; das Neue ist noch nicht gekommen. Da entstehen denn solche Stimmungen, wie sie im «Faust» zu bemerken sind in der Szene, die vorangeht derjenigen, die wir heute dargestellt haben. In der Szene sehen wir ganz klar, wie Faust aus dem Zeitalter heraus ist und sich heraus fühlt, in dem noch alte Weisheit, aber schon nicht mehr völlig verstandene alte Weisheit da war. Wir sehen, wie Faust, von seinem Famulus Wagner begleitet, hinausgeht aus seiner Zelle ins Grüne, wie er zunächst das Volk betrachtet, das das Osterfest im Freien, im Grünen feiert, wie er selbst österliche Stimmung bekommt. Aber wir sehen sogleich, wie er nicht entgegennehmen will die Huldigungen, die ihm von dem Volk dargebracht werden. Ein alter Bauer tritt ja auf, tritt Faust gegenüber und bringt Huldigungen dar, weil das Volk glaubt, daß Faust, der Sohn eines alten Adepten, eines alten Heilkundigen, auch ein bedeutender Heilkundiger sei, der Heil und Segen unter das Volk bringen kann. Ein alter Bauer tritt Faust entgegen und sagt:

[ 6 ] Auf allen Gebieten aber mußte diese Weisheit zugrunde gehen, damit der Mensch gewissermaßen von vorne anfangen müsse, aber so, daß er mit dem Wissen und mit dem Handeln zugleich zur Freiheit streben konnte. Das hätte er nicht können unter dem Einflusse der alten Weisheit. In solchen Übergangszeiten wie diejenige war, in der Faust lebte, ist der Verfall des Alten da; das Neue ist noch nicht gekommen. Da entstehen denn solche Stimmungen, wie sie im «Faust» zu bemerken sind in der Szene, die vorangeht derjenigen, die wir heute dargestellt haben. In der Szene sehen wir ganz klar, wie Faust aus dem Zeitalter heraus ist und sich heraus fühlt, in dem noch alte Weisheit, aber schon nicht mehr völlig verstandene alte Weisheit da war. Wir sehen, wie Faust, von seinem Famulus Wagner begleitet, hinausgeht aus seiner Zelle ins Grüne, wie er zunächst das Volk betrachtet, das das Osterfest im Freien, im Grünen feiert, wie er selbst österliche Stimmung bekommt. Aber wir sehen sogleich, wie er nicht entgegennehmen will die Huldigungen, die ihm von dem Volk dargebracht werden. Ein alter Bauer tritt ja auf, tritt Faust gegenüber und bringt Huldigungen dar, weil das Volk glaubt, daß Faust, der Sohn eines alten Adepten, eines alten Heilkundigen, auch ein bedeutender Heilkundiger sei, der Heil und Segen unter das Volk bringen kann. Ein alter Bauer tritt Faust entgegen und sagt:

Fürwahr, es ist sehr wohl getan,
Daß Ihr am frohen Tag erscheint;
Habt Ihr es vormals doch mit uns
An bösen Tagen gut gemeint!
Gar mancher steht lebendig hier,
Den Euer Vater noch zuletzt
Der heißen Fieberwut entriß,
Als er der Seuche Ziel gesetzt.
Auch damals Ihr, ein junger Mann,
hr gingt in jedes Krankenhaus,
Gar manche Leiche trug man fort,
Ihr aber kamt gesund heraus,
Bestandet manche harte Proben:
em Helfer half der Helfer droben.

Fürwahr, es ist sehr wohl getan,
Daß Ihr am frohen Tag erscheint;
Habt Ihr es vormals doch mit uns
An bösen Tagen gut gemeint!
Gar mancher steht lebendig hier,
Den Euer Vater noch zuletzt
Der heißen Fieberwut entriß,
Als er der Seuche Ziel gesetzt.
Auch damals Ihr, ein junger Mann,
hr gingt in jedes Krankenhaus,
Gar manche Leiche trug man fort,
Ihr aber kamt gesund heraus,
Bestandet manche harte Proben:
em Helfer half der Helfer droben.

[ 7 ] Das sagt der alte Bauer, erinnernd, wie Faust zusammenhängt mit der alten Heilkunde, die aber sich nicht nur bezog auf die Heilung physischer Krankheiten, sondern auf die Heilung auch der moralischen Übel des Volkes. Faust weiß, daß er nicht mehr in einem Zeitalter gelebt hat, in dem die alte Weisheit der Menschheit wirklich hilfreich war, sondern schon in einer Verfallszeit. Und in seiner Seele glimmt auf Bescheidenheit, aber zu gleicher Zeit Niedergeschlagenheit über die Unwahrheit, der er eigentlich gegenübersteht; und er sagt:

[ 7 ] Das sagt der alte Bauer, erinnernd, wie Faust zusammenhängt mit der alten Heilkunde, die aber sich nicht nur bezog auf die Heilung physischer Krankheiten, sondern auf die Heilung auch der moralischen Übel des Volkes. Faust weiß, daß er nicht mehr in einem Zeitalter gelebt hat, in dem die alte Weisheit der Menschheit wirklich hilfreich war, sondern schon in einer Verfallszeit. Und in seiner Seele glimmt auf Bescheidenheit, aber zu gleicher Zeit Niedergeschlagenheit über die Unwahrheit, der er eigentlich gegenübersteht; und er sagt:

Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein;
Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.
Hier saß ich oft gedankenvoll allein
Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.
In Hoffnung reich, im Glauben fest,
Mit Tränen, Seufzen, Händeringen
Dacht’ ich das Ende jener Pest
Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
Der Menge Beifall tönt mir nun wie Hohn
O könntest du in meinem Innern lesen,
Wie wenig Vater und Sohn
Solch eines Ruhmes wert gewesen!
Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
Der über die Natur und ihre heil’gen Kreise
In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
Mit grillenhafter Mühe sann;
Der, in Gesellschaft von Adepten,
Sich in die schwarze Küche schloß
Und, nach unendlichen Rezepten,
Das Widrige zusammengoß.
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.

Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein;
Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.
Hier saß ich oft gedankenvoll allein
Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.
In Hoffnung reich, im Glauben fest,
Mit Tränen, Seufzen, Händeringen
Dacht’ ich das Ende jener Pest
Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
Der Menge Beifall tönt mir nun wie Hohn
O könntest du in meinem Innern lesen,
Wie wenig Vater und Sohn
Solch eines Ruhmes wert gewesen!
Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
Der über die Natur und ihre heil’gen Kreise
In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
Mit grillenhafter Mühe sann;
Der, in Gesellschaft von Adepten,
Sich in die schwarze Küche schloß
Und, nach unendlichen Rezepten,
Das Widrige zusammengoß.
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.

[ 8 ] Also Goethe hat sehr wohl studiert, wie man dazumal verfahren ist, wie man den «roten Leu», das Quecksilberoxyd, Schwefel-Quecksilber, behandelt hat, wie man die verschiedenen Chemikalien, die man zusarnmengemischt hat und die man ihren Prozessen überlassen hat, behandelt hat, wie man Arzeneien daraus fabriziert hat. Das alles aber entsprach nicht mehr der alten Weisheit. Goethe kennt auch die Ausdrucksweise; man hat durchaus das, was man darzustellen hatte, in Bildern dargestellt. Die Verbindungen von Stoffen hat man wie eine Vermählung dargestellt. Daher sagt er:

[ 8 ] Also Goethe hat sehr wohl studiert, wie man dazumal verfahren ist, wie man den «roten Leu», das Quecksilberoxyd, Schwefel-Quecksilber, behandelt hat, wie man die verschiedenen Chemikalien, die man zusarnmengemischt hat und die man ihren Prozessen überlassen hat, behandelt hat, wie man Arzeneien daraus fabriziert hat. Das alles aber entsprach nicht mehr der alten Weisheit. Goethe kennt auch die Ausdrucksweise; man hat durchaus das, was man darzustellen hatte, in Bildern dargestellt. Die Verbindungen von Stoffen hat man wie eine Vermählung dargestellt. Daher sagt er:

Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas

Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas

[ 9 ] - das war ein Kunstausdruck. Wie in der heutigen Chemie Kunstausdrücke sind, so nannte man dazumal, wenn gewisse Substanzen einen gewissen Zustand und Farbe erreicht haben, «die junge Königin».

[ 9 ] - das war ein Kunstausdruck. Wie in der heutigen Chemie Kunstausdrücke sind, so nannte man dazumal, wenn gewisse Substanzen einen gewissen Zustand und Farbe erreicht haben, «die junge Königin».

[ 10 ] Hier war die Arzenei, die Patienten starben.

[ 10 ] Hier war die Arzenei, die Patienten starben.

[ 11 ] Sie starben damals dem Faust weg, wie sie ja auch heute noch bei vielen Arzeneien sterben.

[ 11 ] Sie starben damals dem Faust weg, wie sie ja auch heute noch bei vielen Arzeneien sterben.

Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte, wer genas.
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt!

Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte, wer genas.
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt!

[ 12 ] Das ist Selbsterkenntnis des Faust. So steht Faust nun vor sich selber da, er, von dem Sie wissen, daß er in alten magischen Weistümern sich umgetan hat, um in die Geheimnisse der Natur und des Geistes einzudringen. Durch alles das ist er aber vergeistigt worden. So wie Wagner, sein Famulus, der sich Genüge getan hat mit der neueren Weisheit, die im Schriftwerke ruht, die in Buchstaben ruht, so kann es Faust nicht halten. Dieser Wagner, nun, der ist ja eine Persönlichkeit, welche weit geringere Ansprüche an die Weisheit und an das Leben stellt. Und als Faust sich hineinträumen will in die Natur, um den Geist der Natur zu finden, da denkt der Wagner nur an den Geist, der ihm aus den Theorien, aus dem Pergamente, aus den Büchern fließt; das, was da über Faust kommt, das nennt er «grillenhafte Stunden»:

[ 12 ] Das ist Selbsterkenntnis des Faust. So steht Faust nun vor sich selber da, er, von dem Sie wissen, daß er in alten magischen Weistümern sich umgetan hat, um in die Geheimnisse der Natur und des Geistes einzudringen. Durch alles das ist er aber vergeistigt worden. So wie Wagner, sein Famulus, der sich Genüge getan hat mit der neueren Weisheit, die im Schriftwerke ruht, die in Buchstaben ruht, so kann es Faust nicht halten. Dieser Wagner, nun, der ist ja eine Persönlichkeit, welche weit geringere Ansprüche an die Weisheit und an das Leben stellt. Und als Faust sich hineinträumen will in die Natur, um den Geist der Natur zu finden, da denkt der Wagner nur an den Geist, der ihm aus den Theorien, aus dem Pergamente, aus den Büchern fließt; das, was da über Faust kommt, das nennt er «grillenhafte Stunden»:

Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,

Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,

[ 13 ] - sagt Wagner —

[ 13 ] - sagt Wagner —

Doch solchen Trieb hab ich noch nie empfunden.
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,
Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.

Doch solchen Trieb hab ich noch nie empfunden.
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,
Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.

[ 14 ] Er will nie mit dem Vogel hinausfliegen, um die Welt kennenzulernen!

[ 14 ] Er will nie mit dem Vogel hinausfliegen, um die Welt kennenzulernen!

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
Da werden Winternächte hold und schön,
Ein selig Leben wärmer alle Glieder,
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen,
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder!

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
Da werden Winternächte hold und schön,
Ein selig Leben wärmer alle Glieder,
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen,
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder!

[ 15 ] Ein vollständiger Büchermensch, ein ganzer Theorienmensch!

[ 15 ] Ein vollständiger Büchermensch, ein ganzer Theorienmensch!

[ 16 ] So, nachdem das Volk abgegangen ist, stehen sie nun da: derjenige, der hineinwill zu des Lebens Quellen, der sein eigenes Wesen verbinden will mit den geheimnisvollen Kräften der Natur, um diese geheimnisvollen Kräfte der Natur zu erleben, Faust, und derjenige, der nichts sieht als das äußere materielle Leben und dasjenige, was in den Büchern eben durch Materie aufgezeichnet ist. Man braucht nicht viel nachzudenken, was in Fausts Innerem vorgegangen ist durch all das, was er erlebt hat bis zu diesem Augenblicke, wie es uns Goethe darstellt; soviel aber kann man sich sagen nach alle dem, was uns in Faust entgegentritt, daß das Innere, man möchte sagen, sich um- und umgekehrt hat, daß eine wirkliche Seelenentwickelung bei Faust stattgefunden hat, daß er ein gewisses inneres Schauen erlangt hat; sonst hätte er ja nicht den Erdgeist rufen können, der im Tatensturm auf und ab wallt. Eine gewisse Fähigkeit, die äußere Welt nicht nur ihren äußeren Erscheinungen nach zu sehen, sondern den Geist zu sehen, der in allem webt und lebt, das hat sich Faust angeeignet. Da springt ihnen, Faust und Wagner, ein Pudel von ferne entgegen. Wie sie beide den Pudel sehen - einen gewöhnlichen Pudel -, wie ihn Faust sieht und wie ihn Wagner sieht, das charakterisiert die beiden Menschen ganz und gar. Nachdem Faust sich hineingeträumt hat in das lebendige Geistweben der Natur, erblickt er den Pudel:

[ 16 ] So, nachdem das Volk abgegangen ist, stehen sie nun da: derjenige, der hineinwill zu des Lebens Quellen, der sein eigenes Wesen verbinden will mit den geheimnisvollen Kräften der Natur, um diese geheimnisvollen Kräfte der Natur zu erleben, Faust, und derjenige, der nichts sieht als das äußere materielle Leben und dasjenige, was in den Büchern eben durch Materie aufgezeichnet ist. Man braucht nicht viel nachzudenken, was in Fausts Innerem vorgegangen ist durch all das, was er erlebt hat bis zu diesem Augenblicke, wie es uns Goethe darstellt; soviel aber kann man sich sagen nach alle dem, was uns in Faust entgegentritt, daß das Innere, man möchte sagen, sich um- und umgekehrt hat, daß eine wirkliche Seelenentwickelung bei Faust stattgefunden hat, daß er ein gewisses inneres Schauen erlangt hat; sonst hätte er ja nicht den Erdgeist rufen können, der im Tatensturm auf und ab wallt. Eine gewisse Fähigkeit, die äußere Welt nicht nur ihren äußeren Erscheinungen nach zu sehen, sondern den Geist zu sehen, der in allem webt und lebt, das hat sich Faust angeeignet. Da springt ihnen, Faust und Wagner, ein Pudel von ferne entgegen. Wie sie beide den Pudel sehen - einen gewöhnlichen Pudel -, wie ihn Faust sieht und wie ihn Wagner sieht, das charakterisiert die beiden Menschen ganz und gar. Nachdem Faust sich hineingeträumt hat in das lebendige Geistweben der Natur, erblickt er den Pudel:

Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?

Wagner: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.

Faust: Betracht ihn recht! Für was hältst du das Tier?

Wagner: Für einen Pudel, der auf seine Weise
Sich auf der Spur des Herren plagt.

In Kreisen geht der Pudel rings herum.

Faust: Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt?
Und irr’ ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hinterdrein.

Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?

Wagner: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.

Faust: Betracht ihn recht! Für was hältst du das Tier?

Wagner: Für einen Pudel, der auf seine Weise
Sich auf der Spur des Herren plagt.

In Kreisen geht der Pudel rings herum.

Faust: Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt?
Und irr’ ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hinterdrein.

[ 17 ] Faust sieht nicht bloß den Pudel, sondern im Innern des Faust regt sich etwas; er sieht etwas, was zum Pudel gehört wie ein Geistiges. Das sieht Faust. Wagner sieht es selbstverständlich nicht. Mit äußeren Augen kann man ja das nicht sehen, was Faust sieht.

[ 17 ] Faust sieht nicht bloß den Pudel, sondern im Innern des Faust regt sich etwas; er sieht etwas, was zum Pudel gehört wie ein Geistiges. Das sieht Faust. Wagner sieht es selbstverständlich nicht. Mit äußeren Augen kann man ja das nicht sehen, was Faust sieht.

Wagner: Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel;
Es mag bei euch wohl Augentäuschung sein.

Faust: Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen
Zu künft’gem Band um unsre Füße zieht.

Wagner: Ich seh’ ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,
Weil er, statt seines Herrn, zwei Unbekannte sieht.

Wagner: Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel;
Es mag bei euch wohl Augentäuschung sein.

Faust: Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen
Zu künft’gem Band um unsre Füße zieht.

Wagner: Ich seh’ ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,
Weil er, statt seines Herrn, zwei Unbekannte sieht.

[ 18 ] Faust sieht also in dieser einfachen Erscheinung zugleich etwas Geistiges. Halten wir das fest. Faust geht, indem sein Inneres ergriffen ist von einem gewissen Geistzusammenhang selbst mit diesem Pudel, nun in sein Studierzimmer. Nun, selbstverständlich, dramatisch stellt Goethe das so dar, daß der Pudel da ist, wie er ist; das ist auch gut, das Drama muß das so darstellen. Aber im Grunde haben wir es doch mit etwas, was Faust innerlich erlebt, zu tun. Und wie jetzt diese Szene sich abspielt, wie Faust hier etwas innerlich erlebt, das ist von Goethe wirklich meisterlich in jedem Worte gesagt. Sie sind draußen geblieben, Faust und Wagner, bis in die Nacht hinein, wo das äußere Licht nicht mehr wirkt, wo nur die Dämmerung gewirkt hat. In die Dämmerung hinein sieht Faust dasjenige, was er geistig sehen will. Nun kommt er nach Hause wiederum in seine Zelle. Nun ist er allein mit sich. Solch ein Mensch wie Faust nun, nachdem er all das durchgemacht hat, mit sich allein gelassen, ist in der Lage, Selbsterkenntnis, das heißt, das Leben des Geistes im eigenen Selbst zu erleben. Er drückt es aus, wie gewissermaßen sein Innerstes rege geworden ist, aber auf geistige Art rege geworden ist:

[ 18 ] Faust sieht also in dieser einfachen Erscheinung zugleich etwas Geistiges. Halten wir das fest. Faust geht, indem sein Inneres ergriffen ist von einem gewissen Geistzusammenhang selbst mit diesem Pudel, nun in sein Studierzimmer. Nun, selbstverständlich, dramatisch stellt Goethe das so dar, daß der Pudel da ist, wie er ist; das ist auch gut, das Drama muß das so darstellen. Aber im Grunde haben wir es doch mit etwas, was Faust innerlich erlebt, zu tun. Und wie jetzt diese Szene sich abspielt, wie Faust hier etwas innerlich erlebt, das ist von Goethe wirklich meisterlich in jedem Worte gesagt. Sie sind draußen geblieben, Faust und Wagner, bis in die Nacht hinein, wo das äußere Licht nicht mehr wirkt, wo nur die Dämmerung gewirkt hat. In die Dämmerung hinein sieht Faust dasjenige, was er geistig sehen will. Nun kommt er nach Hause wiederum in seine Zelle. Nun ist er allein mit sich. Solch ein Mensch wie Faust nun, nachdem er all das durchgemacht hat, mit sich allein gelassen, ist in der Lage, Selbsterkenntnis, das heißt, das Leben des Geistes im eigenen Selbst zu erleben. Er drückt es aus, wie gewissermaßen sein Innerstes rege geworden ist, aber auf geistige Art rege geworden ist:

Verlassen hab’ ich Feld und Auen,
Die eine tiefe Nacht bedeckt,
Mit ahnungsvollem, heil’gem Grauen
In uns die beßre Seele weckt.
Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestümen Tun;
Es reget sich die Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun.

Verlassen hab’ ich Feld und Auen,
Die eine tiefe Nacht bedeckt,
Mit ahnungsvollem, heil’gem Grauen
In uns die beßre Seele weckt.
Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestümen Tun;
Es reget sich die Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun.

[ 19 ] Der Pudel knurrt. Aber seien wir uns klar: es sind innere Erlebnisse; auch das Pudelknurren ist inneres Erlebnis, wenn es auch dramatisch äußerlich dargestellt wird. Faust hat sich mit der verfallenden Magie eingelassen, mit Mephistopheles eingelassen. Mephistopheles ist kein Geist, der ihn in die fortschreitenden, regulären geistigen Kräfte hineinführt; Mephistopheles ist der Geist, den Faust erst überwinden muß, der ihm beigesellt wird, daß er ihn überwinde, der ihm zur Prüfung, nicht zur Belehrung beigegeben ist. Das heißt, wir sehen jetzt Faust vor uns stehen, wie er auf der einen Seite hineinwill in die göttlich-geistige Welt, die die Weltentwickelung vorwärtsträgt, und wie auf der anderen Seite die Kräfte in seiner Seele rege sind, die ihn hinunterziehen ins gewöhnliche Triebleben, das den Menschen abbringt von dem geistigen Streben. Gerade wenn Heiliges in seiner Seele sich regt, da spottet es; die entgegenstehenden Triebe spotten. Dies ist jetzt in Form äußerlicher Ereignisse wunderbar dargestellt: Faust, gewissermaßen nach dem Göttlich-Geistigen mit all seinem Wissen hinstrebend, und seine eigenen Triebe, die dagegen knurren, so wie der materialistische Sinn des Menschen knurrt gegen das geistige Streben. Und wenn Faust sagt: Sei ruhig, Pudel, knurre nicht — so beruhigt er sich im Grunde genommen selber. Und nun spricht Faust — das heißt, in diesem Fall läßt Goethe Faust in einer wunderbaren Weise sprechen. Erst wenn man eingeht auf die einzelnen Worte, findet man, wie wunderbar Goethe das innere Leben des Menschen in geistiger Entwickelung kennt:

[ 19 ] Der Pudel knurrt. Aber seien wir uns klar: es sind innere Erlebnisse; auch das Pudelknurren ist inneres Erlebnis, wenn es auch dramatisch äußerlich dargestellt wird. Faust hat sich mit der verfallenden Magie eingelassen, mit Mephistopheles eingelassen. Mephistopheles ist kein Geist, der ihn in die fortschreitenden, regulären geistigen Kräfte hineinführt; Mephistopheles ist der Geist, den Faust erst überwinden muß, der ihm beigesellt wird, daß er ihn überwinde, der ihm zur Prüfung, nicht zur Belehrung beigegeben ist. Das heißt, wir sehen jetzt Faust vor uns stehen, wie er auf der einen Seite hineinwill in die göttlich-geistige Welt, die die Weltentwickelung vorwärtsträgt, und wie auf der anderen Seite die Kräfte in seiner Seele rege sind, die ihn hinunterziehen ins gewöhnliche Triebleben, das den Menschen abbringt von dem geistigen Streben. Gerade wenn Heiliges in seiner Seele sich regt, da spottet es; die entgegenstehenden Triebe spotten. Dies ist jetzt in Form äußerlicher Ereignisse wunderbar dargestellt: Faust, gewissermaßen nach dem Göttlich-Geistigen mit all seinem Wissen hinstrebend, und seine eigenen Triebe, die dagegen knurren, so wie der materialistische Sinn des Menschen knurrt gegen das geistige Streben. Und wenn Faust sagt: Sei ruhig, Pudel, knurre nicht — so beruhigt er sich im Grunde genommen selber. Und nun spricht Faust — das heißt, in diesem Fall läßt Goethe Faust in einer wunderbaren Weise sprechen. Erst wenn man eingeht auf die einzelnen Worte, findet man, wie wunderbar Goethe das innere Leben des Menschen in geistiger Entwickelung kennt:

Ach, wenn in unsrer engen Zelle
Die Lampe freundlich wieder brennt,
Dann wird’s in unserm Busen helle,
Im Herzen, das sich selber kennt

Ach, wenn in unsrer engen Zelle
Die Lampe freundlich wieder brennt,
Dann wird’s in unserm Busen helle,
Im Herzen, das sich selber kennt

[ 20 ] — das Selbsterkenntnis, das heißt, den Geist im eigenen Selbst sucht.

[ 20 ] — das Selbsterkenntnis, das heißt, den Geist im eigenen Selbst sucht.

Vernunft fängt wieder an zu sprechen

Vernunft fängt wieder an zu sprechen

[ 21 ] — ein bedeutungsvoller Satz! Denn derjenige, der die geistige Entwickelung durchmacht, in die Faust gebracht wird durch sein Leben, der weiß, daß Vernunft nicht nur etwas Totes im Innern ist, der kennt nicht nur die Kopf-Vernunft, der weiß, wie lebendig Vernunft wird, wie inneres Geistweben Vernunft wird und wirklich spricht. Das ist kein bloßes dichterisches Bild:

[ 21 ] — ein bedeutungsvoller Satz! Denn derjenige, der die geistige Entwickelung durchmacht, in die Faust gebracht wird durch sein Leben, der weiß, daß Vernunft nicht nur etwas Totes im Innern ist, der kennt nicht nur die Kopf-Vernunft, der weiß, wie lebendig Vernunft wird, wie inneres Geistweben Vernunft wird und wirklich spricht. Das ist kein bloßes dichterisches Bild:

Vernunft fängt wieder an zu sprechen,
Und Hoffnung wieder an zu blühn.

Vernunft fängt wieder an zu sprechen,
Und Hoffnung wieder an zu blühn.

[ 22 ] «Vernunft fängt wieder an zu sprechen» - über das Vergangene, das lebendig geblieben ist aus dem Vergangenen, «Und Hoffnung wieder an zu blühn», das heißt, unseren Willen finden wir umgestaltet, so daß wir wissen: Wir werden durch die Pforte des Todes als ein geistiglebendiges Wesen gehen. Die Zukunft und die Vergangenheit gliedern sich wunderbar zusammen. Goethe will Faust sagen lassen, daß Faust weiß, in der Selbsterkenntnis das innere Leben des Geistes zu finden.

[ 22 ] «Vernunft fängt wieder an zu sprechen» - über das Vergangene, das lebendig geblieben ist aus dem Vergangenen, «Und Hoffnung wieder an zu blühn», das heißt, unseren Willen finden wir umgestaltet, so daß wir wissen: Wir werden durch die Pforte des Todes als ein geistiglebendiges Wesen gehen. Die Zukunft und die Vergangenheit gliedern sich wunderbar zusammen. Goethe will Faust sagen lassen, daß Faust weiß, in der Selbsterkenntnis das innere Leben des Geistes zu finden.

Man sehnt sich nach des Lebens Bächen,
Ach! nach des Lebens Quelle hin.

Man sehnt sich nach des Lebens Bächen,
Ach! nach des Lebens Quelle hin.

[ 23 ] Und nun sucht Faust näherzukommen dem, wonach es ihn drängt: nach des Lebens Quellen. Einen Weg sucht er zunächst: den Weg der religiösen Erhebung; er greift zum Neuen Testament. Und wie er jetzt zum Neuen Testament greift, das ist eine wunderbare Darstellung Goethescher weisheitsvoller Dramatik. Zu demjenigen greift er, wo die tiefsten Weisheitsworte der neueren Zeit drinnenstehen, zum JohannesEvangelium. Das will er in sein «geliebtes Deutsch» übersetzen. Daß Goethe den Moment des Übersetzens wählt, das ist bedeutungsvoll. Derjenige, der das Wirken tiefer Welten- und Geisteswesenheiten kennt, der weiß, daß beim Herübertragen von Weisheiten aus einer Sprache in eine andere alle Geister der Verwirrung auftreten, alle Geister der Verwirrung eingreifen. In den Grenzgebieten des Lebens äußern sich insbesondere die der menschlichen Entwickelung und dem menschlichen Heil entgegenstehenden Mächte. Goethe wählt absichtlich die Übersetzung, um den Geist der Verkehrtheit, ja den Geist der Lüge, der jetzt noch im Pudel ist, hinzustellen neben den Geist der Wahrheit. Geht man auf das, was an Gefühlen und Empfindungen herausfließen kann aus einer solchen Szene, ein, dann erscheint einem die wunderbare geistige Tiefe, die in diesen Szenen lebt. Alle die Anfechtungen, die ich eben charakterisiert habe, die von dem kommen, was im Pudel steckt, die sich aufbäumen, um die Wahrheit in die Unwahrheit zu entstellen, all das wirkt fort und wirkt gerade hinein in eine Tat des Faust, die einem recht Gelegenheit gibt, Wahrheit in Unwahrheit zu entstellen. Und wie wenig man eigentlich bemerkt, daß Goethe dies gewollt hat, das zeigen heute noch immer die verschiedenen FaustErklärer, denn diese verschiedenen Faust-Erklärer, was sagen sie denn gerade über diese Szene? Nun, Sie können es lesen; da wird gesagt: Goethe ist eben ein Mensch des äußeren Lebens, dem genügt das «Wort» nicht. Er muß das Johannes-Evangelium verbessern, er muß eine richtigere Übersetzung finden; nicht: «Im Anfang war das Wort», der Logos, sondern: «Im Anfang war die Tat!» Das findet Faust nach langem Zögern heraus. Das ist eine tiefe Goethe- Weisheit. — Diese Weisheit ist nicht eine Faust-Weisheit, ist eine echte Wagner-Weisheit, eine richtige Wagner-Weisheit, geradeso wie jene Weisheit, die so oft und oft betont wird, daß Faust später dem Gretchen gegenüber so schöne Worte über das religiöse Leben sagt: Wer kann ihn nennen, wer bekennen, den Allumfasser, der alles hält und trägt und so weiter, — eine Gretchen-Weisheit ist. Das, was da Faust dem Gretchen sagt, das ist immer wieder und wieder zitiert worden, und es wird immer wieder und wiederum als eine tiefe Weisheit hingestellt von den Herren, die das zitieren, den Herren Gelehrten:

[ 23 ] Und nun sucht Faust näherzukommen dem, wonach es ihn drängt: nach des Lebens Quellen. Einen Weg sucht er zunächst: den Weg der religiösen Erhebung; er greift zum Neuen Testament. Und wie er jetzt zum Neuen Testament greift, das ist eine wunderbare Darstellung Goethescher weisheitsvoller Dramatik. Zu demjenigen greift er, wo die tiefsten Weisheitsworte der neueren Zeit drinnenstehen, zum JohannesEvangelium. Das will er in sein «geliebtes Deutsch» übersetzen. Daß Goethe den Moment des Übersetzens wählt, das ist bedeutungsvoll. Derjenige, der das Wirken tiefer Welten- und Geisteswesenheiten kennt, der weiß, daß beim Herübertragen von Weisheiten aus einer Sprache in eine andere alle Geister der Verwirrung auftreten, alle Geister der Verwirrung eingreifen. In den Grenzgebieten des Lebens äußern sich insbesondere die der menschlichen Entwickelung und dem menschlichen Heil entgegenstehenden Mächte. Goethe wählt absichtlich die Übersetzung, um den Geist der Verkehrtheit, ja den Geist der Lüge, der jetzt noch im Pudel ist, hinzustellen neben den Geist der Wahrheit. Geht man auf das, was an Gefühlen und Empfindungen herausfließen kann aus einer solchen Szene, ein, dann erscheint einem die wunderbare geistige Tiefe, die in diesen Szenen lebt. Alle die Anfechtungen, die ich eben charakterisiert habe, die von dem kommen, was im Pudel steckt, die sich aufbäumen, um die Wahrheit in die Unwahrheit zu entstellen, all das wirkt fort und wirkt gerade hinein in eine Tat des Faust, die einem recht Gelegenheit gibt, Wahrheit in Unwahrheit zu entstellen. Und wie wenig man eigentlich bemerkt, daß Goethe dies gewollt hat, das zeigen heute noch immer die verschiedenen FaustErklärer, denn diese verschiedenen Faust-Erklärer, was sagen sie denn gerade über diese Szene? Nun, Sie können es lesen; da wird gesagt: Goethe ist eben ein Mensch des äußeren Lebens, dem genügt das «Wort» nicht. Er muß das Johannes-Evangelium verbessern, er muß eine richtigere Übersetzung finden; nicht: «Im Anfang war das Wort», der Logos, sondern: «Im Anfang war die Tat!» Das findet Faust nach langem Zögern heraus. Das ist eine tiefe Goethe- Weisheit. — Diese Weisheit ist nicht eine Faust-Weisheit, ist eine echte Wagner-Weisheit, eine richtige Wagner-Weisheit, geradeso wie jene Weisheit, die so oft und oft betont wird, daß Faust später dem Gretchen gegenüber so schöne Worte über das religiöse Leben sagt: Wer kann ihn nennen, wer bekennen, den Allumfasser, der alles hält und trägt und so weiter, — eine Gretchen-Weisheit ist. Das, was da Faust dem Gretchen sagt, das ist immer wieder und wieder zitiert worden, und es wird immer wieder und wiederum als eine tiefe Weisheit hingestellt von den Herren, die das zitieren, den Herren Gelehrten:

Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub’ ihn?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug? in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir

Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub’ ihn?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug? in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir

[ 24 ] und so weiter. Das, was da Faust sagt, wird als eine tiefe Weisheit oftmals dargestellt. Nun, hätte es Goethe als die allertiefste Weisheit gemeint, so hätte er es nicht Faust in dem Moment in den Mund gelegt, da er das sechzehnjährige Gretchen unterrichten will. Eine GretchenWeisheit ist es! Man muß die Dinge nur ernst nehmen. Die Gelehrten sind nur aufgesessen. Sie haben dasjenige, was eine Gretchen-Weisheit ist, für tiefe Philosophie genommen. Und so wird denn auch das, was da als Bibelübersetzung bei Faust auftritt, für eine ganz besonders tiefe Weisheit genommen, während Goethe nichts anderes darstellen will als wie Wahrheit und Irrtum den Menschen hin und her werfen, wenn er an eine solche Aufgabe geht. Tief, tief hat Goethe diese zwei Seelen des Faust gerade bei dieser Bibelübersetzung dargestellt.

[ 24 ] und so weiter. Das, was da Faust sagt, wird als eine tiefe Weisheit oftmals dargestellt. Nun, hätte es Goethe als die allertiefste Weisheit gemeint, so hätte er es nicht Faust in dem Moment in den Mund gelegt, da er das sechzehnjährige Gretchen unterrichten will. Eine GretchenWeisheit ist es! Man muß die Dinge nur ernst nehmen. Die Gelehrten sind nur aufgesessen. Sie haben dasjenige, was eine Gretchen-Weisheit ist, für tiefe Philosophie genommen. Und so wird denn auch das, was da als Bibelübersetzung bei Faust auftritt, für eine ganz besonders tiefe Weisheit genommen, während Goethe nichts anderes darstellen will als wie Wahrheit und Irrtum den Menschen hin und her werfen, wenn er an eine solche Aufgabe geht. Tief, tief hat Goethe diese zwei Seelen des Faust gerade bei dieser Bibelübersetzung dargestellt.

Geschrieben steht: «Im Anfang war das Wort!»

Geschrieben steht: «Im Anfang war das Wort!»

[ 25 ] Wir wissen, es ist der griechische Logos. Das steht wirklich im Johannes-Evangelium. Dagegen bäumt sich dasjenige, was durch den Pudel symbolisiert wird, in Faust auf, will ihn nicht zu dem tieferen Sinn des Johannes-Evangeliums kommen lassen. Warum ist gerade das Wort, der Logos gewählt von dem Schreiber des Johannes-Evangeliums? Weil der Schreiber des Johannes-Evangeliums kennzeichnen will, daß dasjenige, was das Wichtigste ist in der menschlichen Erdenentwickelung, was den Menschen in der Erdenentwickelung äußerlich wirklich zum Menschen macht, nicht sich nach und nach entwickelt hat, sondern in den Urbeginnen da war. Wodurch unterscheidet sich der Mensch von allen übrigen Wesen? Dadurch, daß er sprechen kann, alle übrigen Wesen, Tiere, Pflanzen, Mineralien nicht. Der Materialist glaubt, daß der Mensch zum Wort, das heißt zur Sprache, zum Logos, der vom Denken durchzittert ist, erst gekommen sei, nachdem er die tierische Entwickelung durchgemacht hat. Das Johannes-Evangelium nimmt die Sache tiefer und sagt: Nein, im Urbeginne war das Wort. Das heißt: Des Menschen Entwickelung ist ursprünglich veranlagt; der Mensch ist nicht bloß im materialistisch-darwinistischen Sinne höchste Spitze der Tierwelt, sondern in den allerersten Absichten der Erdenentwickelung, in den Urbeginnen, im Anfange war das Wort. Und nur dadurch kann der Mensch auf Erden ein Ich entwickeln, wozu die Tiere nicht kommen, daß einverwoben ist das Wort der menschlichen Entwickelung. Das Wort steht geradezu für das Ich des Menschen. Aber gegen diese Wahrheit bäumt sich der Geist, der dem Faust beigegeben ist, der Geist der Unwahrheit, auf, und er muß tiefer herunter; er kann sie noch nicht verstehen, die ganze tiefe Weisheit, die in dem Johannes-Worte liegt.

[ 25 ] Wir wissen, es ist der griechische Logos. Das steht wirklich im Johannes-Evangelium. Dagegen bäumt sich dasjenige, was durch den Pudel symbolisiert wird, in Faust auf, will ihn nicht zu dem tieferen Sinn des Johannes-Evangeliums kommen lassen. Warum ist gerade das Wort, der Logos gewählt von dem Schreiber des Johannes-Evangeliums? Weil der Schreiber des Johannes-Evangeliums kennzeichnen will, daß dasjenige, was das Wichtigste ist in der menschlichen Erdenentwickelung, was den Menschen in der Erdenentwickelung äußerlich wirklich zum Menschen macht, nicht sich nach und nach entwickelt hat, sondern in den Urbeginnen da war. Wodurch unterscheidet sich der Mensch von allen übrigen Wesen? Dadurch, daß er sprechen kann, alle übrigen Wesen, Tiere, Pflanzen, Mineralien nicht. Der Materialist glaubt, daß der Mensch zum Wort, das heißt zur Sprache, zum Logos, der vom Denken durchzittert ist, erst gekommen sei, nachdem er die tierische Entwickelung durchgemacht hat. Das Johannes-Evangelium nimmt die Sache tiefer und sagt: Nein, im Urbeginne war das Wort. Das heißt: Des Menschen Entwickelung ist ursprünglich veranlagt; der Mensch ist nicht bloß im materialistisch-darwinistischen Sinne höchste Spitze der Tierwelt, sondern in den allerersten Absichten der Erdenentwickelung, in den Urbeginnen, im Anfange war das Wort. Und nur dadurch kann der Mensch auf Erden ein Ich entwickeln, wozu die Tiere nicht kommen, daß einverwoben ist das Wort der menschlichen Entwickelung. Das Wort steht geradezu für das Ich des Menschen. Aber gegen diese Wahrheit bäumt sich der Geist, der dem Faust beigegeben ist, der Geist der Unwahrheit, auf, und er muß tiefer herunter; er kann sie noch nicht verstehen, die ganze tiefe Weisheit, die in dem Johannes-Worte liegt.

Hier stock’ ich schon!

Hier stock’ ich schon!

[ 26 ] Aber es ist eigentlich der Pudel, der Hund in ihm, und was im Pudel steckt, was ihn stocken macht. Er kommt nicht höher hinauf, er kommt im Gegenteil tiefer herunter.

[ 26 ] Aber es ist eigentlich der Pudel, der Hund in ihm, und was im Pudel steckt, was ihn stocken macht. Er kommt nicht höher hinauf, er kommt im Gegenteil tiefer herunter.

Hier stock? ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

Hier stock? ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

[ 27 ] Während er den Mephistopheles an sich herankommen sieht, glaubt er gerade, daß er vom Geist erleuchtet ist; er ist aber vom Geist der Finsternis verfinstert und kommt herunter.

[ 27 ] Während er den Mephistopheles an sich herankommen sieht, glaubt er gerade, daß er vom Geist erleuchtet ist; er ist aber vom Geist der Finsternis verfinstert und kommt herunter.

Geschrieben steht: «Im Anfang war der Sinn.»

Geschrieben steht: «Im Anfang war der Sinn.»

[ 28 ] Das ist nicht höher als das Wort. Der Sinn waltet, wie wir leicht nachweisen können, auch im Leben der Tiere; doch das Tier kommt nicht zum menschlichen Worte. Des Sinnes ist der Mensch fähig dadurch, daß er einen astralischen Leib hat. Faust steigt tiefer in sich herunter, vom Ich in den astralischen Leib hinein.

[ 28 ] Das ist nicht höher als das Wort. Der Sinn waltet, wie wir leicht nachweisen können, auch im Leben der Tiere; doch das Tier kommt nicht zum menschlichen Worte. Des Sinnes ist der Mensch fähig dadurch, daß er einen astralischen Leib hat. Faust steigt tiefer in sich herunter, vom Ich in den astralischen Leib hinein.

«Im Anfang war der Sinn.»
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!

«Im Anfang war der Sinn.»
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!

[ 29 ] Er glaubt höher zu kommen, aber er kommt tiefer.

[ 29 ] Er glaubt höher zu kommen, aber er kommt tiefer.

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

[ 30 ] Nein, er steigt noch tiefer hinab von dem astralischen zu dem dichtermateriellen Ätherleibe und schreibt:

[ 30 ] Nein, er steigt noch tiefer hinab von dem astralischen zu dem dichtermateriellen Ätherleibe und schreibt:

«Im Anfang war die Kraft!»

«Im Anfang war die Kraft!»

[ 31 ] Kraft ist dasjenige, was im Ätherleibe lebt.

[ 31 ] Kraft ist dasjenige, was im Ätherleibe lebt.

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist!

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist!

[ 32 ] Der Geist, der in dem Pudel steckt!

[ 32 ] Der Geist, der in dem Pudel steckt!

Auf einmal seh’ ich Rat
Und schreibe getrost: «Im Anfang war die Tat!»

Auf einmal seh’ ich Rat
Und schreibe getrost: «Im Anfang war die Tat!»

[ 33 ] Und jetzt ist er beim völligen Materialismus angekommen; jetzt ist er beim physischen Leib, durch den die äußere Tat sich vollzieht.

[ 33 ] Und jetzt ist er beim völligen Materialismus angekommen; jetzt ist er beim physischen Leib, durch den die äußere Tat sich vollzieht.

Logos, Wort: Ich
Sinn: Astralleib
Kraft: Ätherleib
Tat: Physischer Leib

Logos, Wort: Ich
Sinn: Astralleib
Kraft: Ätherleib
Tat: Physischer Leib

[ 34 ] So haben Sie Faust lebend und webend in einem Stück Selbsterkenntnis. Er übersetzt die Bibel falsch, weil die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit, die wir so oft besprochen haben, Ich, astralischer Leib, Ätherleib, physischer Leib, in ihm in chaotischer Weise durch den mephistophelischen Geist zusammenwirken. Jetzt zeigt sich auch, wie diese Triebe walten, denn das äußere Bellen des Pudels, das ist dasjenige, was sich in ihm gegen die Wahrheit aufbäumt. Er kann noch nicht in seiner Erkenntnis die Weisheit des Christentums erkennen. Das sehen wir an der Art und Weise, wie er Wort, Sinn, Kraft, Tat in Zusammenhang bringt. Aber in ihm lebt schon der Drang, der Trieb zum Christentum. Indem er das, was als der Christus in ihm lebt, lebendig geltend macht, besiegt er den Gegengeist. Er versucht es zunächst mit dem, was er aus der alten Magie erhalten hat. Da weicht der Geist nicht, da zeigt er sich nicht in seiner wahren Gestalt. Die vier Elemente und ihre Geister: Salamander, Sylphe, Undine, Gnomen, ruft er auf; das alles beirrt den Geist nicht, der in dem Pudel steckt. Aber als er die Christus-Gestalt aufruft: den «freventlich Durchstochenen, durch alle Himmel ergossenen», da muß der Pudel seine wahre Gestalt zeigen.

[ 34 ] So haben Sie Faust lebend und webend in einem Stück Selbsterkenntnis. Er übersetzt die Bibel falsch, weil die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit, die wir so oft besprochen haben, Ich, astralischer Leib, Ätherleib, physischer Leib, in ihm in chaotischer Weise durch den mephistophelischen Geist zusammenwirken. Jetzt zeigt sich auch, wie diese Triebe walten, denn das äußere Bellen des Pudels, das ist dasjenige, was sich in ihm gegen die Wahrheit aufbäumt. Er kann noch nicht in seiner Erkenntnis die Weisheit des Christentums erkennen. Das sehen wir an der Art und Weise, wie er Wort, Sinn, Kraft, Tat in Zusammenhang bringt. Aber in ihm lebt schon der Drang, der Trieb zum Christentum. Indem er das, was als der Christus in ihm lebt, lebendig geltend macht, besiegt er den Gegengeist. Er versucht es zunächst mit dem, was er aus der alten Magie erhalten hat. Da weicht der Geist nicht, da zeigt er sich nicht in seiner wahren Gestalt. Die vier Elemente und ihre Geister: Salamander, Sylphe, Undine, Gnomen, ruft er auf; das alles beirrt den Geist nicht, der in dem Pudel steckt. Aber als er die Christus-Gestalt aufruft: den «freventlich Durchstochenen, durch alle Himmel ergossenen», da muß der Pudel seine wahre Gestalt zeigen.

[ 35 ] Alles das ist im Grunde Selbsterkenntnis, eine Selbsterkenntnis, die Goethe ganz deutlich macht. Was tritt auf? Ein fahrender Scholast! Faust übt wirklich Selbsterkenntnis; er steht im Grunde genommen sich selbst gegenüber. Erst haben in der Pudelgestalt die wilden Triebe, die sich gegen die Wahrheit aufgelehnt haben, gewirkt, und jetzt gewissermaßen wird er sich klar, klar-unklar: Der fahrende Scholast steht vor ihm; es ist aber nur das andere Ich des Faust. Er ist selber nicht viel mehr geworden als ein fahrender Scholast mit all den Irrtümlichkeiten, die im fahrenden Scholasten sind. Nur eben derber und gründlicher tritt ihm jetzt, wo er durch seinen Zusammenschluß mit der geistigen Welt die Triebe genauer kennenlernt, der fahrende Scholast, das heißt sein eigenes Selbst, wie er es sich angeeignet hat bisher, entgegen. Er hat gelernt wie ein Scholast, der Faust; nur hat er sich dann der Magie ergeben, und durch die Magie ist die Schulweisheit verteufelt worden. Was aus dem alten guten Faust geworden ist, wie er noch ein fahrender Scholast war, das ist er nur dadurch geworden, daß er noch die alte Magie darauf gesetzt hat. In ihm steckt noch der fahrende Scholast; er tritt ihm in verwandelter Gestalt entgegen. Es ist nur das eigene Selbst. Auch dieser fahrende Scholast ist das eigene Selbst. Der Kampf, das alles loszuwerden, was einem da als eigenes Selbst entgegenrritt, der ist nun in der weiteren Szene enthalten.

[ 35 ] Alles das ist im Grunde Selbsterkenntnis, eine Selbsterkenntnis, die Goethe ganz deutlich macht. Was tritt auf? Ein fahrender Scholast! Faust übt wirklich Selbsterkenntnis; er steht im Grunde genommen sich selbst gegenüber. Erst haben in der Pudelgestalt die wilden Triebe, die sich gegen die Wahrheit aufgelehnt haben, gewirkt, und jetzt gewissermaßen wird er sich klar, klar-unklar: Der fahrende Scholast steht vor ihm; es ist aber nur das andere Ich des Faust. Er ist selber nicht viel mehr geworden als ein fahrender Scholast mit all den Irrtümlichkeiten, die im fahrenden Scholasten sind. Nur eben derber und gründlicher tritt ihm jetzt, wo er durch seinen Zusammenschluß mit der geistigen Welt die Triebe genauer kennenlernt, der fahrende Scholast, das heißt sein eigenes Selbst, wie er es sich angeeignet hat bisher, entgegen. Er hat gelernt wie ein Scholast, der Faust; nur hat er sich dann der Magie ergeben, und durch die Magie ist die Schulweisheit verteufelt worden. Was aus dem alten guten Faust geworden ist, wie er noch ein fahrender Scholast war, das ist er nur dadurch geworden, daß er noch die alte Magie darauf gesetzt hat. In ihm steckt noch der fahrende Scholast; er tritt ihm in verwandelter Gestalt entgegen. Es ist nur das eigene Selbst. Auch dieser fahrende Scholast ist das eigene Selbst. Der Kampf, das alles loszuwerden, was einem da als eigenes Selbst entgegenrritt, der ist nun in der weiteren Szene enthalten.

[ 36 ] Es ist von Goethe ja immer versucht, in den verschiedenen Gestalten, mit denen Faust zusammen auftritt, nur das andere Ich des Faust zu zeigen, damit Faust immer mehr und mehr sich selbst erkennt. Vielleicht erinnern sich manche von den Zuhörern, daß ich in früheren Vorträgen auseinandersetzte, wie auch der Wagner in Faust selber drinnensteckt, wie der Wagner auch nur ein anderes Ich des Faust ist. Auch der Mephistopheles ist nur ein anderes Ich. Alles Selbsterkenntnis! An der Welterkenntnis wird Selbsterkenntnis geübt. Aber das alles ist nicht in klarer Geist-Erkenntnis jetzt bei Faust; das alles ist in unklarer, dumpfer, man möchte sagen doch noch von alter atavistischer Hellseherkunst beeinträchtigter Geist-Seherkraft in Faust enthalten. Es ist nicht geklärt. Es ist nicht helle Erkenntnis; es ist traumhafte Erkenntnis. Das wird uns dargestellt, wie die Traumgeister, die eigentlich Gruppenseelen von all denjenigen Wesen sind, die Mephistopheles begleiten, Faust umgaukeln, und wie er zuletzt erwacht. Und da sagt ja Goethe, da läßt Goethe Faust ja ganz klar und deutlich sagen:

[ 36 ] Es ist von Goethe ja immer versucht, in den verschiedenen Gestalten, mit denen Faust zusammen auftritt, nur das andere Ich des Faust zu zeigen, damit Faust immer mehr und mehr sich selbst erkennt. Vielleicht erinnern sich manche von den Zuhörern, daß ich in früheren Vorträgen auseinandersetzte, wie auch der Wagner in Faust selber drinnensteckt, wie der Wagner auch nur ein anderes Ich des Faust ist. Auch der Mephistopheles ist nur ein anderes Ich. Alles Selbsterkenntnis! An der Welterkenntnis wird Selbsterkenntnis geübt. Aber das alles ist nicht in klarer Geist-Erkenntnis jetzt bei Faust; das alles ist in unklarer, dumpfer, man möchte sagen doch noch von alter atavistischer Hellseherkunst beeinträchtigter Geist-Seherkraft in Faust enthalten. Es ist nicht geklärt. Es ist nicht helle Erkenntnis; es ist traumhafte Erkenntnis. Das wird uns dargestellt, wie die Traumgeister, die eigentlich Gruppenseelen von all denjenigen Wesen sind, die Mephistopheles begleiten, Faust umgaukeln, und wie er zuletzt erwacht. Und da sagt ja Goethe, da läßt Goethe Faust ja ganz klar und deutlich sagen:

Bin ich denn abermals betrogen?
Verschwindet so der geisterreiche Drang,
Daß mir ein Traum den Teufel vorgelogen,
Und daß ein Pudel mir entsprang?

Bin ich denn abermals betrogen?
Verschwindet so der geisterreiche Drang,
Daß mir ein Traum den Teufel vorgelogen,
Und daß ein Pudel mir entsprang?

[ 37 ] Goethe gebraucht schon die Methode, immer wieder und wiederum auf die Wahrheit hinzudeuten. Daß er es eigentlich als Innenerlebnis des Faust meint, das ist in diesen vier Zeilen deutlich genug ausgesprochen. Auch diese Szene zeigt uns denn, wie Goethe rang nach Erkenntnis des Überganges der alten Zeit in die neue, in der er selbst lebte, des vierten nachatlantischen Zeitraums in den fünften nachatlantischen Zeitraum. Die Grenze ist im 14., 15., 16. Jahrhundert. Wer im heutigen Denken lebt, der kann sich, wenn er nicht besondere Studien macht, keine gute Vorstellung machen von der Seelenentwickelung vergangener Jahrhunderte, so sagte ich vorhin. Und zu Fausts Zeiten waren nur die Trümmer noch vorhanden.

[ 37 ] Goethe gebraucht schon die Methode, immer wieder und wiederum auf die Wahrheit hinzudeuten. Daß er es eigentlich als Innenerlebnis des Faust meint, das ist in diesen vier Zeilen deutlich genug ausgesprochen. Auch diese Szene zeigt uns denn, wie Goethe rang nach Erkenntnis des Überganges der alten Zeit in die neue, in der er selbst lebte, des vierten nachatlantischen Zeitraums in den fünften nachatlantischen Zeitraum. Die Grenze ist im 14., 15., 16. Jahrhundert. Wer im heutigen Denken lebt, der kann sich, wenn er nicht besondere Studien macht, keine gute Vorstellung machen von der Seelenentwickelung vergangener Jahrhunderte, so sagte ich vorhin. Und zu Fausts Zeiten waren nur die Trümmer noch vorhanden.

[ 38 ] Sehen Sie, wir erleben es ja oft, daß heute die Menschen nicht zu der neueren Geistesforschung, wie wir sie anstreben, herankommen wollen, sondern die alte Weisheit wieder aufwärmen wollen. Wie mancher glaubt, wenn er dasjenige, was die Alten besessen haben, wieder aufwärmt bei sich, wie mancher glaubt da zu einer tieferen, magisch-mystischen Weisheit über die Natur zu kommen. Zwei Unfuge, möchte ich sagen, stehen da allem geistigen Streben der Menschen ungemein nahe. Das erste ist, daß die Menschen alte, uralte Bücher sich kaufen, die nun studieren und die nun höher schätzen als die neuere Wissenschaft. Sie schätzen sie meist nur deshalb höher, weil sie sie nicht verstehen, weil die Sprache wirklich schon nicht mehr verstanden werden kann. Das ist der eine Unfug, daß man immer wieder und wiederum mit dem zum Kauderwelsch gewordenen Inhalt der alten Bücher kommt, wenn man von Geistesforschung reden will. Das andere ist, daß man möglichst den neueren Bestrebungen alte Namen geben will und sie sich damit geheiligt hat. Sehen Sie sich manche Gesellschaften, die sich okkult oder geheim oder sonstwie nennen, an: ihr ganzes Bestreben geht dahin, sich möglichst weit zurückzudatieren, möglichst viel zu erklären über eine legendarische Vergangenheit, in alten Namengebungen sich zu gefallen. Das ist der zweite Unfug. All das braucht man nicht mitzumachen, wenn man wirklich die Bedürfnisse und Impulse unserer Zeit und der notwendigen Zukunft durchschaut. Man kann jedes beliebige Buch aufschlagen aus der Zeit, wo noch gewissermaßen Traditionen vorhanden waren. Man kann irgendein Buch herausgreifen, wo noch Traditionen vorhanden waren: da sieht man aus der Art und Weise, wie dargestellt wird, daß Hinterlassenschaften, Traditionen eben vorhanden waren von einer alten Urweisheit, die die Menschheit besessen hat, aber daß diese Weisheit eben in Verfall geraten war. Die Ausdrucksweise, alles ist noch da, sogar ziemlich spät noch da.

[ 38 ] Sehen Sie, wir erleben es ja oft, daß heute die Menschen nicht zu der neueren Geistesforschung, wie wir sie anstreben, herankommen wollen, sondern die alte Weisheit wieder aufwärmen wollen. Wie mancher glaubt, wenn er dasjenige, was die Alten besessen haben, wieder aufwärmt bei sich, wie mancher glaubt da zu einer tieferen, magisch-mystischen Weisheit über die Natur zu kommen. Zwei Unfuge, möchte ich sagen, stehen da allem geistigen Streben der Menschen ungemein nahe. Das erste ist, daß die Menschen alte, uralte Bücher sich kaufen, die nun studieren und die nun höher schätzen als die neuere Wissenschaft. Sie schätzen sie meist nur deshalb höher, weil sie sie nicht verstehen, weil die Sprache wirklich schon nicht mehr verstanden werden kann. Das ist der eine Unfug, daß man immer wieder und wiederum mit dem zum Kauderwelsch gewordenen Inhalt der alten Bücher kommt, wenn man von Geistesforschung reden will. Das andere ist, daß man möglichst den neueren Bestrebungen alte Namen geben will und sie sich damit geheiligt hat. Sehen Sie sich manche Gesellschaften, die sich okkult oder geheim oder sonstwie nennen, an: ihr ganzes Bestreben geht dahin, sich möglichst weit zurückzudatieren, möglichst viel zu erklären über eine legendarische Vergangenheit, in alten Namengebungen sich zu gefallen. Das ist der zweite Unfug. All das braucht man nicht mitzumachen, wenn man wirklich die Bedürfnisse und Impulse unserer Zeit und der notwendigen Zukunft durchschaut. Man kann jedes beliebige Buch aufschlagen aus der Zeit, wo noch gewissermaßen Traditionen vorhanden waren. Man kann irgendein Buch herausgreifen, wo noch Traditionen vorhanden waren: da sieht man aus der Art und Weise, wie dargestellt wird, daß Hinterlassenschaften, Traditionen eben vorhanden waren von einer alten Urweisheit, die die Menschheit besessen hat, aber daß diese Weisheit eben in Verfall geraten war. Die Ausdrucksweise, alles ist noch da, sogar ziemlich spät noch da.

[ 39 ] Es steht mir da gerade zur Verfügung ein Buch, das gedruckt ist im Jahre 1740, also sogar erst im 18. Jahrhundert. Ich will eine kleine Stelle daraus vorlesen, eine Stelle, der gegenüber man sicher sein kann, daß mancher, der heute geistige Wissenschaft sucht, wenn solch eine Stelle an ihn heranrritt, sagt: Abgrundartige, tiefe Weisheit! Oh, was ist darinnen alles enthalten! - Es gibt sogar dann manche, die glauben, daß sie eine solche Stelle verstehen. Nun, ich will Ihnen zunächst die Stelle, die ich meine, vorlesen:

[ 39 ] Es steht mir da gerade zur Verfügung ein Buch, das gedruckt ist im Jahre 1740, also sogar erst im 18. Jahrhundert. Ich will eine kleine Stelle daraus vorlesen, eine Stelle, der gegenüber man sicher sein kann, daß mancher, der heute geistige Wissenschaft sucht, wenn solch eine Stelle an ihn heranrritt, sagt: Abgrundartige, tiefe Weisheit! Oh, was ist darinnen alles enthalten! - Es gibt sogar dann manche, die glauben, daß sie eine solche Stelle verstehen. Nun, ich will Ihnen zunächst die Stelle, die ich meine, vorlesen:

[ 40 ] «Die Crone des Königes soll von reinem Golde sein, und eine keusche Braut soll ihm vermählet werden. Darum, so du durch unserer Cörper wirken willt, so nimm den geitzigen grauen Wolff, so seines Namens halben dem streitigen Marti unterworffen, von Geburt aber ein Kind des alten Saturni ist, so in den Thälern und Bergen der Welt gefunden wird, und mit großem Hunger besessen, und wirf ihm für den Leib des Königes, daß er daran seine Zehrung haben möge.»

[ 40 ] «Die Crone des Königes soll von reinem Golde sein, und eine keusche Braut soll ihm vermählet werden. Darum, so du durch unserer Cörper wirken willt, so nimm den geitzigen grauen Wolff, so seines Namens halben dem streitigen Marti unterworffen, von Geburt aber ein Kind des alten Saturni ist, so in den Thälern und Bergen der Welt gefunden wird, und mit großem Hunger besessen, und wirf ihm für den Leib des Königes, daß er daran seine Zehrung haben möge.»

[ 41 ] So hat man in alten Zeiten diese chemischen Vorgänge, die man eingerichtet hat, benannt; so hat man gesprochen von gewissen chemischen Vorgängen, auf die Faust auch anspielt, wenn er davon spricht, wie ein roter Leu vermählt wird der Lilie im Glase und so weiter. Es ist nicht ordentlich, zu spotten über diese Dinge, aus dem einfachen Grunde, weil die Art und Weise, wie heute die Chemie spricht, für die Leute, die später kommen, gerade so wieder klingen wird, wie das für uns. Aber klar sollen wir uns sein, daß das eben auch entstanden ist sogar schon in einer sehr späten Verfallzeit. Hingedeutet wird auf einen «grauen Wolff»; mit diesem «grauen Wolff» ist ein gewisses Erz gemeint, das man in den Bergen überall findet und das einer gewissen Prozedur unterworfen wird. «König» nannte man einen gewissen Zustand von Substanzen; und dasjenige, was hier erzählt wird, das soll auf eine gewisse Hantierung hindeuten. Man nahm das graue Erz, behandelte es in einer gewissen Weise; dieses graue Erz nannte man den «geitzigen grauen Wolff», das andere den «goldenen König», wo das Gold, nachdem es in einer gewissen Weise behandelt wurde, der «goldene König» war. Und da entstand eine Verbindung. Diese Verbindung beschreibt er so noch:

[ 41 ] So hat man in alten Zeiten diese chemischen Vorgänge, die man eingerichtet hat, benannt; so hat man gesprochen von gewissen chemischen Vorgängen, auf die Faust auch anspielt, wenn er davon spricht, wie ein roter Leu vermählt wird der Lilie im Glase und so weiter. Es ist nicht ordentlich, zu spotten über diese Dinge, aus dem einfachen Grunde, weil die Art und Weise, wie heute die Chemie spricht, für die Leute, die später kommen, gerade so wieder klingen wird, wie das für uns. Aber klar sollen wir uns sein, daß das eben auch entstanden ist sogar schon in einer sehr späten Verfallzeit. Hingedeutet wird auf einen «grauen Wolff»; mit diesem «grauen Wolff» ist ein gewisses Erz gemeint, das man in den Bergen überall findet und das einer gewissen Prozedur unterworfen wird. «König» nannte man einen gewissen Zustand von Substanzen; und dasjenige, was hier erzählt wird, das soll auf eine gewisse Hantierung hindeuten. Man nahm das graue Erz, behandelte es in einer gewissen Weise; dieses graue Erz nannte man den «geitzigen grauen Wolff», das andere den «goldenen König», wo das Gold, nachdem es in einer gewissen Weise behandelt wurde, der «goldene König» war. Und da entstand eine Verbindung. Diese Verbindung beschreibt er so noch:

[ 42 ] Und wenn er den König verschlungen — also es entsteht das, daß der «graue geitzige Wolff», das heißt, das graue Erz, das in den Bergen gefunden worden war, sich mit dem goldenen König — das ist ein gewisser Zustand des Goldes, nachdem es chemisch behandelt worden ist - verschmolzen hat; da ist das Gold verschwunden in das graue Erz hinein. Er stellt es dar:

[ 42 ] Und wenn er den König verschlungen — also es entsteht das, daß der «graue geitzige Wolff», das heißt, das graue Erz, das in den Bergen gefunden worden war, sich mit dem goldenen König — das ist ein gewisser Zustand des Goldes, nachdem es chemisch behandelt worden ist - verschmolzen hat; da ist das Gold verschwunden in das graue Erz hinein. Er stellt es dar:

[ 43 ] «Und wenn er den König verschlungen, so mache ein groß Feuer, und wirff den Wolff darein»

[ 43 ] «Und wenn er den König verschlungen, so mache ein groß Feuer, und wirff den Wolff darein»

[ 44 ] - also der Wolf, der das Gold aufgefressen hat, den goldenen König, wird in das Feuer geworfen —

[ 44 ] - also der Wolf, der das Gold aufgefressen hat, den goldenen König, wird in das Feuer geworfen —

[ 45 ] «daß er gantz und gar verbrenne, so wird der König wieder erlöset werden.»

[ 45 ] «daß er gantz und gar verbrenne, so wird der König wieder erlöset werden.»

[ 46 ] Das Gold kommt wiederum zum Vorschein!

[ 46 ] Das Gold kommt wiederum zum Vorschein!

[ 47 ] «Wenn das dreymal geschiehet, so hat der Löwe den Wolff überwunden und wird nichts mehr an ihm zu verzehren finden, so ist dann unser Leib vollkommen zum Anfang unsers Werkes.»

[ 47 ] «Wenn das dreymal geschiehet, so hat der Löwe den Wolff überwunden und wird nichts mehr an ihm zu verzehren finden, so ist dann unser Leib vollkommen zum Anfang unsers Werkes.»

[ 48 ] Also er macht auf diese Weise irgend etwas. Wollte man wissen, was er macht, so müßte man diese Prozeduren sehr ausführlich beschreiben, namentlich wie der goldene König gemacht wird, aber es läßt sich das hier nicht beschreiben. Diese Prozeduren werden auch heute nicht mehr ausgeführt. Aber was verspricht sich denn der Mann davon? Er verspricht sich etwas, was durchaus nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, denn er hat jetzt etwas gemacht. Wozu hat er denn das eigentlich gemacht? Das heißt, derjenige, der das hat drucken lassen, wird es wohl gar nicht mehr gemacht haben, sondern er hat es alten Büchern nachgeschrieben. Aber wozu ist das gemacht worden in der Zeit, als man die Dinge noch verstanden hat? Das können Sie aus dem Folgenden ersehen:

[ 48 ] Also er macht auf diese Weise irgend etwas. Wollte man wissen, was er macht, so müßte man diese Prozeduren sehr ausführlich beschreiben, namentlich wie der goldene König gemacht wird, aber es läßt sich das hier nicht beschreiben. Diese Prozeduren werden auch heute nicht mehr ausgeführt. Aber was verspricht sich denn der Mann davon? Er verspricht sich etwas, was durchaus nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, denn er hat jetzt etwas gemacht. Wozu hat er denn das eigentlich gemacht? Das heißt, derjenige, der das hat drucken lassen, wird es wohl gar nicht mehr gemacht haben, sondern er hat es alten Büchern nachgeschrieben. Aber wozu ist das gemacht worden in der Zeit, als man die Dinge noch verstanden hat? Das können Sie aus dem Folgenden ersehen:

[ 49 ] «Und wisse, daß dieses nur allein der rechte Weg ist hiezu, tüchtig unsere Cörper zu reinigen, denn der Leo säubert sich durch das Geblüte des Wolffs, und des Geblüts Tinctur freuet sich wunderbarlich mit der Tinctur des Löwens, denn ihr beyder Geblüt sind in der Gesipschafft naher Verwandnus.»

[ 49 ] «Und wisse, daß dieses nur allein der rechte Weg ist hiezu, tüchtig unsere Cörper zu reinigen, denn der Leo säubert sich durch das Geblüte des Wolffs, und des Geblüts Tinctur freuet sich wunderbarlich mit der Tinctur des Löwens, denn ihr beyder Geblüt sind in der Gesipschafft naher Verwandnus.»

[ 50 ] Also jetzt lobt er das, was er hat entstehen lassen. Eine Art Arzenei hat er bekommen.

[ 50 ] Also jetzt lobt er das, was er hat entstehen lassen. Eine Art Arzenei hat er bekommen.

[ 51 ] «Und wann sich der Löwe ersättiget hat, ist sein Geist stärcker worden denn zuvor, und seine Augen geben einen stoltzen Glantz von sich wie die helle Sonne.»

[ 51 ] «Und wann sich der Löwe ersättiget hat, ist sein Geist stärcker worden denn zuvor, und seine Augen geben einen stoltzen Glantz von sich wie die helle Sonne.»

[ 52 ] Das ist alles die Eigenschaft dessen, was er da in der Retorte drinnen hat!

[ 52 ] Das ist alles die Eigenschaft dessen, was er da in der Retorte drinnen hat!

[ 53 ] «Sein inners Wesen vermag denn viel zu thun, und ist nützlich zu alle dem, dazu man ihn erfordert, und so er in seine Bereitschafft gebracht wird, so danken ihm die Menschenkinder, mit schweren herfallenden Kranckheiten und mehrern Seuchen beladen, die zehen aussätzigen Männer lauffen ihm nach und begehren zu trincken von dem Blut seiner Seelen, und alle, so Gebrechen haben, erfreuen sich höchlich seines Geistes; denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfindet eine gantze Erneuerung der Natur, Hinnehmung des Bösens, Stärcke des Geblüts, Krafft des Hertzens und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder.»

[ 53 ] «Sein inners Wesen vermag denn viel zu thun, und ist nützlich zu alle dem, dazu man ihn erfordert, und so er in seine Bereitschafft gebracht wird, so danken ihm die Menschenkinder, mit schweren herfallenden Kranckheiten und mehrern Seuchen beladen, die zehen aussätzigen Männer lauffen ihm nach und begehren zu trincken von dem Blut seiner Seelen, und alle, so Gebrechen haben, erfreuen sich höchlich seines Geistes; denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfindet eine gantze Erneuerung der Natur, Hinnehmung des Bösens, Stärcke des Geblüts, Krafft des Hertzens und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder.»

[ 54 ] Sie sehen, es ist hingedeutet darauf, daß man es mit einer Arzenei zu tun hat; aber es ist auch hinlänglich darauf hingedeutet hier, daß das etwas zu tun hat auch mit dem, was als moralische Eigenschaft des Menschen auftritt. Denn natürlich, nimmt es derjenige, der gesund ist, in der entsprechenden Menge, dann tritt das auf, was der da beschreibt. So meint er es, und so ist es auch bei den Alten gewesen, die noch etwas von den Dingen verstanden haben.

[ 54 ] Sie sehen, es ist hingedeutet darauf, daß man es mit einer Arzenei zu tun hat; aber es ist auch hinlänglich darauf hingedeutet hier, daß das etwas zu tun hat auch mit dem, was als moralische Eigenschaft des Menschen auftritt. Denn natürlich, nimmt es derjenige, der gesund ist, in der entsprechenden Menge, dann tritt das auf, was der da beschreibt. So meint er es, und so ist es auch bei den Alten gewesen, die noch etwas von den Dingen verstanden haben.

[ 55 ] «Denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfinder eine gantze Erneuerung der Natur»

[ 55 ] «Denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfinder eine gantze Erneuerung der Natur»

[ 56 ] — also er hat gestrebt durch diese Kunst, die er da beschrieben hat, nach einer Tinktur, durch die wirkliche Lebensregung in den Menschen hineinkommt:

[ 56 ] — also er hat gestrebt durch diese Kunst, die er da beschrieben hat, nach einer Tinktur, durch die wirkliche Lebensregung in den Menschen hineinkommt:

[ 57 ] «Krafft des Hertzens, Stärcke des Geblüts und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder, sie seynd innen beschlossen, oder außer dem Leibe empfindlich: denn es eröffnet alle Nervos und Poros, damit das Böse kan ausgetrieben werden, und das Gute dero Stäte ruhiglich bewohnen kan.»

[ 57 ] «Krafft des Hertzens, Stärcke des Geblüts und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder, sie seynd innen beschlossen, oder außer dem Leibe empfindlich: denn es eröffnet alle Nervos und Poros, damit das Böse kan ausgetrieben werden, und das Gute dero Stäte ruhiglich bewohnen kan.»

[ 58 ] Ich habe dieses zunächst vorgelesen, um zu zeigen, wie schon, noch selbst in diesen Trümmern einer alten Weisheit, ein Niederschlag zu bemerken ist von dem, was man anstrebte in alten Zeiten. Man hat angestrebt, durch äußerliche Mittel, die man sich aus der Natur hergestellt hat, den Körper anzuregen, das heißt, gewisse Tüchtigkeiten zu erlangen nicht bloß durch inneres, moralisches Streben, sondern durch Mittel der Natur selber, die man sich hergestellt hat. Halten Sie das einmal einen Augenblick fest, denn da werden wir auf etwas Wichtiges geführt, was unseren Zeitraum unterscheidet von früheren Zeiträumen. Es ist ja heute durchaus billig, über den alten Aberglauben zu spotten, denn dann handelt man sich dafür ein, daß man vor der ganzen Welt als ein gescheiter Mensch gilt; während man sonst nicht als ein gescheiter Mensch gilt, wenn man in uraltem Wissen etwas Vernünftiges sieht. Etwas, was sogar verlorengegangen ist der Menschheit und verlorengehen mußte aus gewissen Gründen, weil in diesem Streben der alten Zeit die Menschen niemals hätten zur Freiheit kommen können. Aber sehen Sie, Sie finden in alten Büchern, die jetzt in ältere Zeiten zurückgehen als dieser Schmöker, der eben einer sehr späten Verfallzeit angehört, Sie finden in alten Büchern, was Sie ja gut kennen, Sonne und Gold mit einem gemeinsamen Zeichen, mit diesem Zeichen: ©; Sie finden Mond und Silber mit diesem Zeichen: €. Für den heutigen Menschen ist dieses Zeichen, angewendet auf Gold und Sonne, und dieses Zeichen, angewendet auf Mond und Silber, für Seelenfähigkeiten, die der heutige Mensch notwendigerweise hat, ein voller Unsinn natürlich; und es ist ein voller Unsinn, wie in der Literatur, die sich oftmals auch eine «esoterische» Literatur nennt, über diese Dinge gesprochen wird, denn man hat meistens gar nicht die Mittel, zu erkennen, warum in alten Zeiten Sonne und Gold und Mond und Silber mit dem gleichen Zeichen bezeichnet worden ist.

[ 58 ] Ich habe dieses zunächst vorgelesen, um zu zeigen, wie schon, noch selbst in diesen Trümmern einer alten Weisheit, ein Niederschlag zu bemerken ist von dem, was man anstrebte in alten Zeiten. Man hat angestrebt, durch äußerliche Mittel, die man sich aus der Natur hergestellt hat, den Körper anzuregen, das heißt, gewisse Tüchtigkeiten zu erlangen nicht bloß durch inneres, moralisches Streben, sondern durch Mittel der Natur selber, die man sich hergestellt hat. Halten Sie das einmal einen Augenblick fest, denn da werden wir auf etwas Wichtiges geführt, was unseren Zeitraum unterscheidet von früheren Zeiträumen. Es ist ja heute durchaus billig, über den alten Aberglauben zu spotten, denn dann handelt man sich dafür ein, daß man vor der ganzen Welt als ein gescheiter Mensch gilt; während man sonst nicht als ein gescheiter Mensch gilt, wenn man in uraltem Wissen etwas Vernünftiges sieht. Etwas, was sogar verlorengegangen ist der Menschheit und verlorengehen mußte aus gewissen Gründen, weil in diesem Streben der alten Zeit die Menschen niemals hätten zur Freiheit kommen können. Aber sehen Sie, Sie finden in alten Büchern, die jetzt in ältere Zeiten zurückgehen als dieser Schmöker, der eben einer sehr späten Verfallzeit angehört, Sie finden in alten Büchern, was Sie ja gut kennen, Sonne und Gold mit einem gemeinsamen Zeichen, mit diesem Zeichen: ©; Sie finden Mond und Silber mit diesem Zeichen: €. Für den heutigen Menschen ist dieses Zeichen, angewendet auf Gold und Sonne, und dieses Zeichen, angewendet auf Mond und Silber, für Seelenfähigkeiten, die der heutige Mensch notwendigerweise hat, ein voller Unsinn natürlich; und es ist ein voller Unsinn, wie in der Literatur, die sich oftmals auch eine «esoterische» Literatur nennt, über diese Dinge gesprochen wird, denn man hat meistens gar nicht die Mittel, zu erkennen, warum in alten Zeiten Sonne und Gold und Mond und Silber mit dem gleichen Zeichen bezeichnet worden ist.

[ 59 ] Gehen wir einmal aus von Mond und Silber mit diesem Zeichen: €. Sehen Sie, wenn wir zurückgehen noch in die Zeit, sagen wir ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha, vor der christlichen Zeitrechnung, dann haben die Menschen nicht nur die Fähigkeiten besessen, die schon in Trümmern waren zu der Zeit, als solche Dinge entstanden sind, sondern sie haben noch höhere Fähigkeiten besessen. Wenn ein Mensch der ägyptisch-chaldäischen Kultur «Silber» gesagt hat, so hat er zunächst nicht dasjenige gemeint, was wir meinen, wenn wir Silber sagen. Wenn der Mensch in seiner damaligen Sprache das Wort gebraucht hat, das für ihn Silber bedeutet hat, so hat er das ganz anders angewendet. Solch ein Mensch hat innere Fähigkeiten gehabt, und er hat eine gewisse Art der Kraftwirksamkeit, die sich nicht bloß in einem Stückchen Silber findet, gemeint, sondern er hat etwas gemeint, was sich im Grunde über die ganze Erde ausbreitet. Er hat gemeint: Wir leben in Gold, wir leben in Kupfer, wir leben in Silber. — Gewisse Arten von Kräften hat er gemeint, die da leben, und die insbesondere stark ihm entgegenströmten vom Monde, und das hat er im gröbsten materiellen Sinne sensitiv, fein auch in dem Stückchen Silber empfunden. Er hat wirklich dieselben Kräfte vom Monde ausströmend, aber auch auf der ganzen Erde gefunden, und besonders ins Materielle umgesetzt in dem Stückchen Silber. Nun, der heutige aufgeklärte Mensch sagt: Ja, Mond, der leuchtet so silberweiß; da hat man halt geglaubt, daß er aus Silber besteht. — So war es nicht, sondern ein heute verlorengegangenes, inneres Seelenerlebnis hatte man beim Mond, aber bei etwas, was in der ganzen Erdensphäre als Kraft lebte, und, ins Materielle umgesetzt, bei dem Stückchen Silber. Es mußte also die Kraft, die im Silber steckt, gewissermaßen über die ganze Erde ausgebreitet sein.

[ 59 ] Gehen wir einmal aus von Mond und Silber mit diesem Zeichen: €. Sehen Sie, wenn wir zurückgehen noch in die Zeit, sagen wir ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha, vor der christlichen Zeitrechnung, dann haben die Menschen nicht nur die Fähigkeiten besessen, die schon in Trümmern waren zu der Zeit, als solche Dinge entstanden sind, sondern sie haben noch höhere Fähigkeiten besessen. Wenn ein Mensch der ägyptisch-chaldäischen Kultur «Silber» gesagt hat, so hat er zunächst nicht dasjenige gemeint, was wir meinen, wenn wir Silber sagen. Wenn der Mensch in seiner damaligen Sprache das Wort gebraucht hat, das für ihn Silber bedeutet hat, so hat er das ganz anders angewendet. Solch ein Mensch hat innere Fähigkeiten gehabt, und er hat eine gewisse Art der Kraftwirksamkeit, die sich nicht bloß in einem Stückchen Silber findet, gemeint, sondern er hat etwas gemeint, was sich im Grunde über die ganze Erde ausbreitet. Er hat gemeint: Wir leben in Gold, wir leben in Kupfer, wir leben in Silber. — Gewisse Arten von Kräften hat er gemeint, die da leben, und die insbesondere stark ihm entgegenströmten vom Monde, und das hat er im gröbsten materiellen Sinne sensitiv, fein auch in dem Stückchen Silber empfunden. Er hat wirklich dieselben Kräfte vom Monde ausströmend, aber auch auf der ganzen Erde gefunden, und besonders ins Materielle umgesetzt in dem Stückchen Silber. Nun, der heutige aufgeklärte Mensch sagt: Ja, Mond, der leuchtet so silberweiß; da hat man halt geglaubt, daß er aus Silber besteht. — So war es nicht, sondern ein heute verlorengegangenes, inneres Seelenerlebnis hatte man beim Mond, aber bei etwas, was in der ganzen Erdensphäre als Kraft lebte, und, ins Materielle umgesetzt, bei dem Stückchen Silber. Es mußte also die Kraft, die im Silber steckt, gewissermaßen über die ganze Erde ausgebreitet sein.

[ 60 ] Heute sieht das der Mensch natürlich als einen kompletten Blödsinn an, wenn man ihm das sagt, und dennoch ist es im Sinne der heutigen Wissenschaft nicht ein kompletter Unsinn. Es ist gar kein Unsinn, durchaus kein Unsinn, denn ich will Ihnen eines sagen, was heute die Wissenschaft weiß, wenn sie es auch nicht immer sagt. Die heutige Wissenschaft weiß, daß etwas über vier Pfund Silber, fein verteilt, enthalten ist in einem Körper, aus dem Weltenmeere herausgeschnitten gedacht in Würfelform, der eine englische Seemeile lang ist; so daß im gesamten Weltenmeere, das die Erde umgibt, zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt enthalten sind. Dies ist einfach eine wissenschaftliche Wahrheit, die auch heute geprüft werden kann. Das Weltenmeer enthält zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt, in äußerster homöopathischer Verteilung, könnte man sagen. Es ist wirklich das Silber ausgebreitet über die Erde hin. Heute muß man das dadurch konstatieren, wenn man es mit normalem Wissen konstatiert, daß man eben Meerwasser ausschöpft und mit allen möglichen minuziösen Untersuchungen methodisch prüft; aber dann findet man eben mit den Mitteln der heutigen Wissenschaft, daß zwei Millionen Tonnen Silber enthalten sind im Weltenmeere. Diese zwei Millionen Tonnen Silber, die sind darinnen enthalten nicht etwa so, daß sie sich irgendwie aufgelöst haben oder ähnliches, sondern die gehören dem Weltenmeere an; die gehören zu seiner Natur und Wesenheit. Und das wußte die alte Weisheit; das wußte sie durch die noch vorhandenen feinen, sensitiven Kräfte, die vom alten Hellsehen herrührten. Und sie wußte, daß, wenn man sich die Erde denkt, man sich diese Erde nicht bloß zu denken hat so, wie die heutige Geologie sie sich denkt, sondern daß eben in dieser Erde in feinster Weise Silber aufgelöst ist.

[ 60 ] Heute sieht das der Mensch natürlich als einen kompletten Blödsinn an, wenn man ihm das sagt, und dennoch ist es im Sinne der heutigen Wissenschaft nicht ein kompletter Unsinn. Es ist gar kein Unsinn, durchaus kein Unsinn, denn ich will Ihnen eines sagen, was heute die Wissenschaft weiß, wenn sie es auch nicht immer sagt. Die heutige Wissenschaft weiß, daß etwas über vier Pfund Silber, fein verteilt, enthalten ist in einem Körper, aus dem Weltenmeere herausgeschnitten gedacht in Würfelform, der eine englische Seemeile lang ist; so daß im gesamten Weltenmeere, das die Erde umgibt, zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt enthalten sind. Dies ist einfach eine wissenschaftliche Wahrheit, die auch heute geprüft werden kann. Das Weltenmeer enthält zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt, in äußerster homöopathischer Verteilung, könnte man sagen. Es ist wirklich das Silber ausgebreitet über die Erde hin. Heute muß man das dadurch konstatieren, wenn man es mit normalem Wissen konstatiert, daß man eben Meerwasser ausschöpft und mit allen möglichen minuziösen Untersuchungen methodisch prüft; aber dann findet man eben mit den Mitteln der heutigen Wissenschaft, daß zwei Millionen Tonnen Silber enthalten sind im Weltenmeere. Diese zwei Millionen Tonnen Silber, die sind darinnen enthalten nicht etwa so, daß sie sich irgendwie aufgelöst haben oder ähnliches, sondern die gehören dem Weltenmeere an; die gehören zu seiner Natur und Wesenheit. Und das wußte die alte Weisheit; das wußte sie durch die noch vorhandenen feinen, sensitiven Kräfte, die vom alten Hellsehen herrührten. Und sie wußte, daß, wenn man sich die Erde denkt, man sich diese Erde nicht bloß zu denken hat so, wie die heutige Geologie sie sich denkt, sondern daß eben in dieser Erde in feinster Weise Silber aufgelöst ist.

[ 61 ] Ich könnte jetzt weitergehen, könnte zeigen, wie auch Gold aufgelöst ist, wie alle diese Metalle in feiner Auflösung, außer dem, daß sie materiell da oder dort abgelagert sind, wirklich enthalten sind in der Erde. Die alte Weisheit hatte also nicht unrecht, als sie von Silber sprach. Das ist in der Erdensphäre enthalten. Als Kraft aber kannte man es, als gewisse Arten von Kraft. Andere Kräfte enthält die Silbersphäre, andere Kräfte die Goldsphäre und so weiter. Man wußte viel mehr noch von dem, was da als Silber ausgebreitet ist in der Erdensphäre,; man wußte, daß in diesem Silber die Kraft liegt, welche bewirkt Ebbe und Flut, weil eine gewisse belebende Kraft dieses ganzen Erdenkörpers in diesem Silber liegt, beziehungsweise identisch ist mit diesem Silber. Ebbe und Flut würden sonst gar nicht entstehen; diese eigentümliche Bewegung des Meeres, die wird ursprünglich angefacht von dem Silbergehalt. Das hat nichts mit dem Mond zu tun, aber der Mond hat mit derselben Kraft zu tun. Daher treten Ebbe und Flut in gewisser Beziehung mit den Mondbewegungen auf, weil beide, Mondbewegungen und Ebbe und Flut, von demselben Kräftesystem abhängig sind. Und diese Kräfte liegen in dem Silbergehalt des Weltenalls.

[ 61 ] Ich könnte jetzt weitergehen, könnte zeigen, wie auch Gold aufgelöst ist, wie alle diese Metalle in feiner Auflösung, außer dem, daß sie materiell da oder dort abgelagert sind, wirklich enthalten sind in der Erde. Die alte Weisheit hatte also nicht unrecht, als sie von Silber sprach. Das ist in der Erdensphäre enthalten. Als Kraft aber kannte man es, als gewisse Arten von Kraft. Andere Kräfte enthält die Silbersphäre, andere Kräfte die Goldsphäre und so weiter. Man wußte viel mehr noch von dem, was da als Silber ausgebreitet ist in der Erdensphäre,; man wußte, daß in diesem Silber die Kraft liegt, welche bewirkt Ebbe und Flut, weil eine gewisse belebende Kraft dieses ganzen Erdenkörpers in diesem Silber liegt, beziehungsweise identisch ist mit diesem Silber. Ebbe und Flut würden sonst gar nicht entstehen; diese eigentümliche Bewegung des Meeres, die wird ursprünglich angefacht von dem Silbergehalt. Das hat nichts mit dem Mond zu tun, aber der Mond hat mit derselben Kraft zu tun. Daher treten Ebbe und Flut in gewisser Beziehung mit den Mondbewegungen auf, weil beide, Mondbewegungen und Ebbe und Flut, von demselben Kräftesystem abhängig sind. Und diese Kräfte liegen in dem Silbergehalt des Weltenalls.

[ 62 ] Man kann, selbst ohne hellseherische Erkenntnisse, bloß auf solche Dinge eingehen und man wird mit einer Sicherheit des Beweises, der auf keinem Gebiete der Wissenschaft sonst erreicht wird als höchstens in der Mathematik, nachweisen können, daß es eine alte Wissenschaft gegeben hat, die solche Dinge wußte, die solche Dinge gut kannte. Und mit solchem Kennen und Können hing zusammen, was alte Weisheit war, jene Weisheit, die wirklich die Natur beherrschte und die erst wiederum errungen werden muß durch Geistesforschung von der Gegenwart in die Zukunft hinein. Wir leben eben gerade in dem Zeitalter, in dem eine alte Art der Weisheit verlorengegangen ist, und eine neue Art der Weisheit erst heraufkommt. Was hatte diese alte Weisheit im Gefolge? Sie hatte das im Gefolge, was ich schon angedeutet habe. Man konnte wirklich, wenn man also die Geheimnisse des Weltenalls kannte, den eigenen Menschen tüchtiger machen. Denken Sie, durch äußere Mittel konnte man den Menschen tüchtiger machen! Also die Möglichkeit war vorhanden, daß ein Mensch einfach dadurch, daß er sich gewisse Substanzen herstellte und diese in entsprechender Menge zu sich nahm, dadurch Fähigkeiten sich aneignete, von denen wir heute mit Recht annehmen, daß der Mensch sie nur als angeborene Fähigkeiten haben kann, als Genie, als Talent und so weiter. Nicht dasjenige, was der Darwinismus phantastisch träumt, ist im Anfange der Erdenentwickelung, sondern solche Möglichkeit, die Natur zu beherrschen und dem Menschen selbst moralische und geistige Fähigkeiten zu geben aus der Behandlung der Natur heraus. Sie werden es nun begreiflich finden, daß man daher diese Behandlung der Natur in ganz bestimmten Grenzen halten mußte; deshalb die Geheimnisse der urältesten Mysterien. Wer solche Erkenntnisse, die wirklich etwas zu tun hatten mit diesen Naturgeheimnissen, die nicht bloß Begriffe und Ideen und Empfindungen waren, nicht bloß Glaubensvorstellungen, wer solche Erkenntnisse erlangen sollte, der mußte sich zuerst als vollkommen dazu geeignet erweisen, nichts, aber auch gar nichts mit diesen Kenntnissen für sich selber erreichen zu wollen, sondern diese Erkenntnisse, diese Tüchtigkeiten, die er sich durch diese Erkenntnisse aneignete, lediglich im Dienste der sozialen Ordnung anzuwenden. Daher wurden diese Erkenntnisse, sagen wir, in den ägyptischen Mysterien so geheim gehalten. Die Vorbereitung bestand darinnen, daß derjenige, dem solche Erkenntnis übermittelt wurde, eine Garantie dafür abgab, daß er das Leben, das er vorher führte, in genau derselben Weise weiterführte, daß er nicht den geringsten Vorteil sich verschaffte, sondern die Tüchtigkeit, die er von jetzt ab erlangte durch die Behandlung der Natur, bloß in dem Dienst der sozialen Ordnung geltend machte. Unter dieser Voraussetzung hat man einzelne zu Eingeweihten werden lassen, die dann jene alte Kultur leiteten, deren Wunderwerke zu sehen sind und die nicht verstanden werden, weil man nicht weiß, woraus sie erflossen sind.

[ 62 ] Man kann, selbst ohne hellseherische Erkenntnisse, bloß auf solche Dinge eingehen und man wird mit einer Sicherheit des Beweises, der auf keinem Gebiete der Wissenschaft sonst erreicht wird als höchstens in der Mathematik, nachweisen können, daß es eine alte Wissenschaft gegeben hat, die solche Dinge wußte, die solche Dinge gut kannte. Und mit solchem Kennen und Können hing zusammen, was alte Weisheit war, jene Weisheit, die wirklich die Natur beherrschte und die erst wiederum errungen werden muß durch Geistesforschung von der Gegenwart in die Zukunft hinein. Wir leben eben gerade in dem Zeitalter, in dem eine alte Art der Weisheit verlorengegangen ist, und eine neue Art der Weisheit erst heraufkommt. Was hatte diese alte Weisheit im Gefolge? Sie hatte das im Gefolge, was ich schon angedeutet habe. Man konnte wirklich, wenn man also die Geheimnisse des Weltenalls kannte, den eigenen Menschen tüchtiger machen. Denken Sie, durch äußere Mittel konnte man den Menschen tüchtiger machen! Also die Möglichkeit war vorhanden, daß ein Mensch einfach dadurch, daß er sich gewisse Substanzen herstellte und diese in entsprechender Menge zu sich nahm, dadurch Fähigkeiten sich aneignete, von denen wir heute mit Recht annehmen, daß der Mensch sie nur als angeborene Fähigkeiten haben kann, als Genie, als Talent und so weiter. Nicht dasjenige, was der Darwinismus phantastisch träumt, ist im Anfange der Erdenentwickelung, sondern solche Möglichkeit, die Natur zu beherrschen und dem Menschen selbst moralische und geistige Fähigkeiten zu geben aus der Behandlung der Natur heraus. Sie werden es nun begreiflich finden, daß man daher diese Behandlung der Natur in ganz bestimmten Grenzen halten mußte; deshalb die Geheimnisse der urältesten Mysterien. Wer solche Erkenntnisse, die wirklich etwas zu tun hatten mit diesen Naturgeheimnissen, die nicht bloß Begriffe und Ideen und Empfindungen waren, nicht bloß Glaubensvorstellungen, wer solche Erkenntnisse erlangen sollte, der mußte sich zuerst als vollkommen dazu geeignet erweisen, nichts, aber auch gar nichts mit diesen Kenntnissen für sich selber erreichen zu wollen, sondern diese Erkenntnisse, diese Tüchtigkeiten, die er sich durch diese Erkenntnisse aneignete, lediglich im Dienste der sozialen Ordnung anzuwenden. Daher wurden diese Erkenntnisse, sagen wir, in den ägyptischen Mysterien so geheim gehalten. Die Vorbereitung bestand darinnen, daß derjenige, dem solche Erkenntnis übermittelt wurde, eine Garantie dafür abgab, daß er das Leben, das er vorher führte, in genau derselben Weise weiterführte, daß er nicht den geringsten Vorteil sich verschaffte, sondern die Tüchtigkeit, die er von jetzt ab erlangte durch die Behandlung der Natur, bloß in dem Dienst der sozialen Ordnung geltend machte. Unter dieser Voraussetzung hat man einzelne zu Eingeweihten werden lassen, die dann jene alte Kultur leiteten, deren Wunderwerke zu sehen sind und die nicht verstanden werden, weil man nicht weiß, woraus sie erflossen sind.

[ 63 ] Aber die Menschheit hätte so niemals frei werden können. Man hätte sozusagen den Menschen durch Natureinflüsse zum Automaten machen müssen. Ein Zeitalter mußte heraufkommen, wo der Mensch durch bloße innere moralische Kräfte wirkte. So wird vor ihm die Natur sozusagen verhüllt, weil er sie entweiht hätte, indem in der neuen Zeit seine Triebe freigelassen wurden. Und am meisten sind seine Triebe freigelassen worden seit dem 14., 15. Jahrhundert. Daher verglimmt die alte Weisheit; da bleibt nur mehr eine Buchweisheit, die nicht verstanden wird. Denn niemand würde sich heute abhalten lassen, wenn er solche Dinge wirklich verstünde wie nur den Satz, den ich Ihnen vorgelesen habe, niemand würde sich heute abhalten lassen, diese Dinge zu seinem eigenen Vorteil zu gebrauchen. Das aber würde die schlimmsten Triebe in der menschlichen Gesellschaft hervorrufen, schlimmere Triebe, als jenes tastende Fortschreiten hervorbringt, das man heute wissenschaftlichen Betrieb nennt, wo man so im Laboratorium, ohne daß man in die Dinge hineinsehen kann, herauskriegt: Dieser Stoff berührt den andern in dieser Weise, — wo man, ohne in die Dinge hineinzusehen, etwas herauskriegt, nun, wie jetzt eben der Inhalt der Chemie ist. Man laviert so fort; und Geisteswissenschaft wird erst wieder den Weg in die Geheimnisse der Natur hinein finden müssen. Aber zu gleicher Zeit wird sie eine soziale Ordnung begründen müssen, die ganz anders ist als die heutige soziale Ordnung, so daß der Mensch erkennen kann, was die Natur im Innersten zusammenhält, ohne deshalb zum Kampf der wildesten Triebe verführt zu werden.

[ 63 ] Aber die Menschheit hätte so niemals frei werden können. Man hätte sozusagen den Menschen durch Natureinflüsse zum Automaten machen müssen. Ein Zeitalter mußte heraufkommen, wo der Mensch durch bloße innere moralische Kräfte wirkte. So wird vor ihm die Natur sozusagen verhüllt, weil er sie entweiht hätte, indem in der neuen Zeit seine Triebe freigelassen wurden. Und am meisten sind seine Triebe freigelassen worden seit dem 14., 15. Jahrhundert. Daher verglimmt die alte Weisheit; da bleibt nur mehr eine Buchweisheit, die nicht verstanden wird. Denn niemand würde sich heute abhalten lassen, wenn er solche Dinge wirklich verstünde wie nur den Satz, den ich Ihnen vorgelesen habe, niemand würde sich heute abhalten lassen, diese Dinge zu seinem eigenen Vorteil zu gebrauchen. Das aber würde die schlimmsten Triebe in der menschlichen Gesellschaft hervorrufen, schlimmere Triebe, als jenes tastende Fortschreiten hervorbringt, das man heute wissenschaftlichen Betrieb nennt, wo man so im Laboratorium, ohne daß man in die Dinge hineinsehen kann, herauskriegt: Dieser Stoff berührt den andern in dieser Weise, — wo man, ohne in die Dinge hineinzusehen, etwas herauskriegt, nun, wie jetzt eben der Inhalt der Chemie ist. Man laviert so fort; und Geisteswissenschaft wird erst wieder den Weg in die Geheimnisse der Natur hinein finden müssen. Aber zu gleicher Zeit wird sie eine soziale Ordnung begründen müssen, die ganz anders ist als die heutige soziale Ordnung, so daß der Mensch erkennen kann, was die Natur im Innersten zusammenhält, ohne deshalb zum Kampf der wildesten Triebe verführt zu werden.

[ 64 ] Es ist Sinn und es ist Weisheit in der menschlichen Entwickelung, und das suchte ich ja jetzt schon durch eine ganze Reihe von Vorträgen Ihnen zu beweisen. Das, was geschieht in der Geschichte, geschieht, wenn auch oft durch so zerstörerische Kräfte als möglich, doch so, daß ein Sinn durch das geschichtliche Werden hindurchgeht, wenn es auch oftmals nicht der Sinn ist, den der Mensch sich erträumt, und wenn der Mensch auch viel leiden muß durch die Wege, welche der Sinn der Geschichte oftmals nimmt. Alles, was im Laufe der Zeit geschieht, es geschieht ja gewiß so, daß das Pendel manchmal nach dem Bösen, manchmal nach dem weniger Bösen ausschlägt; aber durch dieses Ausschlagen werden doch gewisse Gleichgewichtslagen erreicht. Und so war denn auch bis ins 14., 15. Jahrhundert wenigstens einzelnen eine gewisse Summe von Naturkräften bekannt, deren Kenntnis verlorengegangen ist, weil die Menschen der neueren Zeit nicht die richtige Gesinnung dazu haben würden.

[ 64 ] Es ist Sinn und es ist Weisheit in der menschlichen Entwickelung, und das suchte ich ja jetzt schon durch eine ganze Reihe von Vorträgen Ihnen zu beweisen. Das, was geschieht in der Geschichte, geschieht, wenn auch oft durch so zerstörerische Kräfte als möglich, doch so, daß ein Sinn durch das geschichtliche Werden hindurchgeht, wenn es auch oftmals nicht der Sinn ist, den der Mensch sich erträumt, und wenn der Mensch auch viel leiden muß durch die Wege, welche der Sinn der Geschichte oftmals nimmt. Alles, was im Laufe der Zeit geschieht, es geschieht ja gewiß so, daß das Pendel manchmal nach dem Bösen, manchmal nach dem weniger Bösen ausschlägt; aber durch dieses Ausschlagen werden doch gewisse Gleichgewichtslagen erreicht. Und so war denn auch bis ins 14., 15. Jahrhundert wenigstens einzelnen eine gewisse Summe von Naturkräften bekannt, deren Kenntnis verlorengegangen ist, weil die Menschen der neueren Zeit nicht die richtige Gesinnung dazu haben würden.

[ 65 ] Sehen Sie, so schön ist das in dem Symbole beschrieben, das die Naturkraft in der ägyptischen Legende von der Isis ausdrückt. Dieses Isis-Bild, was für einen ergreifenden Eindruck macht es uns, wenn wir es uns vorstellen, wie es dasteht in Stein, aber in dem Stein zugleich der Schleier von oben bis unten: das verschleierte Bild zu Sais. Und die Inschrift trägt es: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. - Das hat wiederum zu einer ungemein gescheiten - obwohl sehr gescheite Leute diese gescheite Erklärung aufgenommen haben, muß es doch einmal gesagt werden -, zu einer sehr gescheiten Erklärung geführt. Man sagt da: Die Isis drückt also aus das Symbolum für die Weisheit, die vom Menschen nie erreicht werden kann. Hinter diesem Schleier ist eine Wesenheit, die ewig verborgen bleiben muß, denn der Schleier kann nicht gelüftet werden. — Und doch ist die Inschrift diese: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. — Alle die gescheiten Leute, die also sagen: Man kann das Wesen nicht ergründen - sie sagen logisch ungefähr dasselbe, wie wenn einer sagte: Ich heiße Müller; meinen Namen wirst du nie erfahren. — Es ist ganz genau dasselbe, was Sie immer über dieses Bild reden hören, wie wenn einer sagte: Ich heiße Müller; meinen Namen wirst du nie erfahren. - Wenn man das: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet — so auslegt, ist natürlich diese Auslegung ein völliger Unsinn. Denn es steht ja da, was die Isis ist: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft — die dahinfließende Zeit! Wir werden morgen noch genauer über diese Dinge reden. Es ist die dahinfließende Zeit. Aber ganz etwas anderes, als was diese sogenannte geistvolle Erklärung will, ist ausgedrückt in den Worten: Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. - Ausgedrückt ist, daß man dieser Weisheit sich nähern muß wie denjenigen Frauen, die den Schleier genommen hatten, deren Jungfräulichkeit bestehen bleiben mußte: in Ehrfurcht, mit einer Gesinnung, die alle egoistischen Triebe ausschließt. Das ist gemeint. Sie ist wie eine verschleierte Nonne, diese Weisheit früherer Zeit. Auf die Gesinnung wird hingedeutet durch das Sprechen von diesem Schleier.

[ 65 ] Sehen Sie, so schön ist das in dem Symbole beschrieben, das die Naturkraft in der ägyptischen Legende von der Isis ausdrückt. Dieses Isis-Bild, was für einen ergreifenden Eindruck macht es uns, wenn wir es uns vorstellen, wie es dasteht in Stein, aber in dem Stein zugleich der Schleier von oben bis unten: das verschleierte Bild zu Sais. Und die Inschrift trägt es: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. - Das hat wiederum zu einer ungemein gescheiten - obwohl sehr gescheite Leute diese gescheite Erklärung aufgenommen haben, muß es doch einmal gesagt werden -, zu einer sehr gescheiten Erklärung geführt. Man sagt da: Die Isis drückt also aus das Symbolum für die Weisheit, die vom Menschen nie erreicht werden kann. Hinter diesem Schleier ist eine Wesenheit, die ewig verborgen bleiben muß, denn der Schleier kann nicht gelüftet werden. — Und doch ist die Inschrift diese: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. — Alle die gescheiten Leute, die also sagen: Man kann das Wesen nicht ergründen - sie sagen logisch ungefähr dasselbe, wie wenn einer sagte: Ich heiße Müller; meinen Namen wirst du nie erfahren. — Es ist ganz genau dasselbe, was Sie immer über dieses Bild reden hören, wie wenn einer sagte: Ich heiße Müller; meinen Namen wirst du nie erfahren. - Wenn man das: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet — so auslegt, ist natürlich diese Auslegung ein völliger Unsinn. Denn es steht ja da, was die Isis ist: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft — die dahinfließende Zeit! Wir werden morgen noch genauer über diese Dinge reden. Es ist die dahinfließende Zeit. Aber ganz etwas anderes, als was diese sogenannte geistvolle Erklärung will, ist ausgedrückt in den Worten: Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. - Ausgedrückt ist, daß man dieser Weisheit sich nähern muß wie denjenigen Frauen, die den Schleier genommen hatten, deren Jungfräulichkeit bestehen bleiben mußte: in Ehrfurcht, mit einer Gesinnung, die alle egoistischen Triebe ausschließt. Das ist gemeint. Sie ist wie eine verschleierte Nonne, diese Weisheit früherer Zeit. Auf die Gesinnung wird hingedeutet durch das Sprechen von diesem Schleier.

[ 66 ] Und so handelte es sich darum, daß in den Zeiten, in denen uralte Weisheit lebendig war, die Menschen sich dieser Weisheit in der entsprechenden Weise näherten, respektive gar nicht zugelassen wurden, wenn sie sich ihr nicht in der entsprechenden Weise näherten. Aber der Mensch mußte sich selbst überlassen sein in der neueren Zeit. Da konnte er nicht diese Weisheit der alten Zeit, die Weisheitsformen der alten Zeit haben. Die Kenntnis gewisser Naturkräfte ging verloren, jener Naturkräfte, die nicht erkannt werden können, ohne daß man sie zugleich im Innern erfährt, ohne daß man sie innerlich zugleich erlebt. Und in dem Zeitalter, in dem, wie ich Ihnen vor acht Tagen auseinandergesetzt habe, einen gewissen Höhepunkt der Materialismus erlangte, im 19. Jahrhundert, am Beginne des 19. Jahrhunderts, da kam eine Naturkraft herauf, die in ihrer besonderen Eigenart ja dadurch charakterisiert ist, daß jeder heute sagt: Die Naturkraft haben wir, aber verstehen kann man sie nicht; für die Wissenschaft ist sie verborgen. — Sie wissen, wie gerade die Naturkraft der Elektrizität in menschliche Verwendung kam; und die elektrische Kraft ist eine solche Kraft, daß der Mensch sie durch seine normalen Kräfte im Innern nicht erleben kann, daß sie ihm äußerlich bleibt. Und mehr als man glaubt, ist dasjenige, was im 19. Jahrhundert groß geworden ist, durch die Elektrizität groß geworden. Es wäre ein Leichtes zu zeigen, wie viel, wie unendlich viel von der elektrischen Kraft abhängt in unserer gegenwärtigen Kultur, wie viel mehr noch in der Zukunft abhängen wird, wenn die elektrische Kraft durch die moderne Art, ohne in das Innere einzugehen, verwendet werden wird. Viel mehr noch! Aber gerade die elektrische Kraft ist eine solche, die an die Stelle der alten, gekannten Kraft gesetzt worden ist in der menschlichen Kulturentwickelung, und an der der Mensch heranreifen soll in moralischer Beziehung. Heute denkt er bei ihrer Anwendung nicht an irgendeine Moral. Weisheit ist in der fortlaufenden geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Der Mensch wird heranreifen, indem er eine Zeitlang noch tiefere Schädigungen — Schädigungen sind ja, wie unsere Tage zeigen, genügend da - in seinem niedern Ich-Träger, dem wüsten Egoismus, entfalten kann; hätte der Mensch noch die alten Kräfte, so wäre das ganz ausgeschlossen. Gerade die elektrische Kraft als Kulturkraft macht das möglich; die Dampfkraft in einer gewissen Weise auch, aber da ist es noch weniger der Fall.

[ 66 ] Und so handelte es sich darum, daß in den Zeiten, in denen uralte Weisheit lebendig war, die Menschen sich dieser Weisheit in der entsprechenden Weise näherten, respektive gar nicht zugelassen wurden, wenn sie sich ihr nicht in der entsprechenden Weise näherten. Aber der Mensch mußte sich selbst überlassen sein in der neueren Zeit. Da konnte er nicht diese Weisheit der alten Zeit, die Weisheitsformen der alten Zeit haben. Die Kenntnis gewisser Naturkräfte ging verloren, jener Naturkräfte, die nicht erkannt werden können, ohne daß man sie zugleich im Innern erfährt, ohne daß man sie innerlich zugleich erlebt. Und in dem Zeitalter, in dem, wie ich Ihnen vor acht Tagen auseinandergesetzt habe, einen gewissen Höhepunkt der Materialismus erlangte, im 19. Jahrhundert, am Beginne des 19. Jahrhunderts, da kam eine Naturkraft herauf, die in ihrer besonderen Eigenart ja dadurch charakterisiert ist, daß jeder heute sagt: Die Naturkraft haben wir, aber verstehen kann man sie nicht; für die Wissenschaft ist sie verborgen. — Sie wissen, wie gerade die Naturkraft der Elektrizität in menschliche Verwendung kam; und die elektrische Kraft ist eine solche Kraft, daß der Mensch sie durch seine normalen Kräfte im Innern nicht erleben kann, daß sie ihm äußerlich bleibt. Und mehr als man glaubt, ist dasjenige, was im 19. Jahrhundert groß geworden ist, durch die Elektrizität groß geworden. Es wäre ein Leichtes zu zeigen, wie viel, wie unendlich viel von der elektrischen Kraft abhängt in unserer gegenwärtigen Kultur, wie viel mehr noch in der Zukunft abhängen wird, wenn die elektrische Kraft durch die moderne Art, ohne in das Innere einzugehen, verwendet werden wird. Viel mehr noch! Aber gerade die elektrische Kraft ist eine solche, die an die Stelle der alten, gekannten Kraft gesetzt worden ist in der menschlichen Kulturentwickelung, und an der der Mensch heranreifen soll in moralischer Beziehung. Heute denkt er bei ihrer Anwendung nicht an irgendeine Moral. Weisheit ist in der fortlaufenden geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Der Mensch wird heranreifen, indem er eine Zeitlang noch tiefere Schädigungen — Schädigungen sind ja, wie unsere Tage zeigen, genügend da - in seinem niedern Ich-Träger, dem wüsten Egoismus, entfalten kann; hätte der Mensch noch die alten Kräfte, so wäre das ganz ausgeschlossen. Gerade die elektrische Kraft als Kulturkraft macht das möglich; die Dampfkraft in einer gewissen Weise auch, aber da ist es noch weniger der Fall.

[ 67 ] Nun steht die Sache so, daß, wie ich Ihnen früher einmal auseinandersetzte, das erste Fünftel unseres Kulturzeitraums, der ins 4. Jahrtausend dauern wird, vorbei ist. Der Materialismus hat einen gewissen Hochpunkt erreicht. Die sozialen Formen, in denen wir leben, die ja zu solch traurigen Ereignissen in unseren Jahren geführt haben, sie sind wirklich so, daß sie nicht mehr fünfzig Jahre die Menschheit tragen werden, ohne daß eine gründliche Änderung der menschlichen Seelen geschieht. Das elektrische Zeitalter ist für den, der die Weltentwickelung geistig durchschaut, zu gleicher Zeit eine Aufforderung, eine geistige Vertiefung, eine wirkliche geistige Vertiefung zu suchen. Denn zu jener Kraft, die unbekannt im Äußeren bleibt für die Sinnesbeobachtung, muß die geistige Kraft hinzukommen in die Seelen, die im tiefsten Innern so verborgen ruht wie die elektrischen Kräfte, die ja auch erst erweckt werden müssen. Denken Sie sich, wie geheimnisvoll die elektrische Kraft ist; sie wurde ja erst durch Galvani, Volta aus ihren geheimen Verborgenheiten herausgeholt. So geheim verborgen ruht auch dasjenige, was in den menschlichen Seelen sitzt und was die Geisteswissenschaft erforscht. Beide müssen zueinander kommen wie Nord- und Südpol. Und so wahr wie die elektrische Kraft heraufgezogen ist als die in der Natur verborgene Kraft, so wahr wird heraufziehen die Kraft, die in der Geisteswissenschaft gesucht wird als die in der Seele verborgene Kraft, die dazu gehört, wenn auch heute noch vielfach die Menschen vor dem, was Geisteswissenschaft will, so stehen, nun, wie ungefähr einer gestanden haben würde in der Zeit, wo eben Galvani die Frösche präpariert und bemerkt hat an dem Zucken des Schenkels, daß da eine Kraft wirkt in diesem zuckenden Froschschenkel. Hat da die Wissenschaft gewußt, daß in diesem Froschschenkel alles lag von Berührungselektrizität, alles, was heute an Elektrizität bekannt ist? Denken Sie sich in die Zeit hinein, wo der Galvani in seinem einfachen Versuchshaus gewesen ist, seinen Froschschenkel zum Fensterhaken hinaushängt und dieser zu zucken beginnt, und er zum ersten Male dies feststellte! Es handelt sich ja da nicht um Elektrizität, nicht wahr, die erregt ist, sondern um Berührungselektrizität. Als Galvani das zum ersten Male feststellte, konnte er da annehmen: Mit der Kraft, mit der da der Froschschenkel angezogen wird, wird man einmal Eisenbahnen über die Erde befördern, mit der wird man einmal den Gedanken um den Erdball herumkreisen lassen? — Es ist noch nicht so sehr lange her, daß Galvani an seinen Froschschenkeln diese Kraft beobachtet hat. Einen, der dazumal schon ausgesprochen hätte, was alles aus dieser Erkenntnis fließen wird, hätte man gewiß für einen Narren angesehen. So kam es denn auch so, daß man heute denjenigen für einen Narren ansieht, der die ersten Anfänge einer geistigen Wissenschaft darzustellen hat. Es wird eine Zeit kommen, wo dasjenige, was von Geisteswissenschaft ausgeht, ebenso bedeutsam sein wird für die Welt, aber jetzt die moralische geistig-seelische Welt, wie dasjenige, was von dem Galvani-Froschschenkel ausgegangen ist, für die materielle Welt, für die materielle Kultur. So vollziehen sich die Fortschritte in der Menschheitsentwickelung. Nur wenn man auf solche Dinge achtet, dann entwickelt man auch den Willen, mitzugehen mit dem, was erst in den Anfängen sein kann. Hat die andere Kraft, die elektrischeKraft, die aus ihrer Verborgenheit gezogen worden ist, bloß eine Bedeutung für die äußere materielle Kultur und nur mittelbar eine solche für die moralische Welt, so wird dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft kommt, die größte soziale Bedeutung haben. Denn die sozialen Ordnungen der Zukunft werden geregelt werden durch dasjenige, was Geisteswissenschaft den Menschen geben kann, und alles dasjenige, was äußere materielle Kultur sein wird, wird in mittelbarer Weise ebenfalls von dieser Geisteswissenschaft angeregt werden. Darauf kann ich heute am Schlusse nur hinweisen.

[ 67 ] Nun steht die Sache so, daß, wie ich Ihnen früher einmal auseinandersetzte, das erste Fünftel unseres Kulturzeitraums, der ins 4. Jahrtausend dauern wird, vorbei ist. Der Materialismus hat einen gewissen Hochpunkt erreicht. Die sozialen Formen, in denen wir leben, die ja zu solch traurigen Ereignissen in unseren Jahren geführt haben, sie sind wirklich so, daß sie nicht mehr fünfzig Jahre die Menschheit tragen werden, ohne daß eine gründliche Änderung der menschlichen Seelen geschieht. Das elektrische Zeitalter ist für den, der die Weltentwickelung geistig durchschaut, zu gleicher Zeit eine Aufforderung, eine geistige Vertiefung, eine wirkliche geistige Vertiefung zu suchen. Denn zu jener Kraft, die unbekannt im Äußeren bleibt für die Sinnesbeobachtung, muß die geistige Kraft hinzukommen in die Seelen, die im tiefsten Innern so verborgen ruht wie die elektrischen Kräfte, die ja auch erst erweckt werden müssen. Denken Sie sich, wie geheimnisvoll die elektrische Kraft ist; sie wurde ja erst durch Galvani, Volta aus ihren geheimen Verborgenheiten herausgeholt. So geheim verborgen ruht auch dasjenige, was in den menschlichen Seelen sitzt und was die Geisteswissenschaft erforscht. Beide müssen zueinander kommen wie Nord- und Südpol. Und so wahr wie die elektrische Kraft heraufgezogen ist als die in der Natur verborgene Kraft, so wahr wird heraufziehen die Kraft, die in der Geisteswissenschaft gesucht wird als die in der Seele verborgene Kraft, die dazu gehört, wenn auch heute noch vielfach die Menschen vor dem, was Geisteswissenschaft will, so stehen, nun, wie ungefähr einer gestanden haben würde in der Zeit, wo eben Galvani die Frösche präpariert und bemerkt hat an dem Zucken des Schenkels, daß da eine Kraft wirkt in diesem zuckenden Froschschenkel. Hat da die Wissenschaft gewußt, daß in diesem Froschschenkel alles lag von Berührungselektrizität, alles, was heute an Elektrizität bekannt ist? Denken Sie sich in die Zeit hinein, wo der Galvani in seinem einfachen Versuchshaus gewesen ist, seinen Froschschenkel zum Fensterhaken hinaushängt und dieser zu zucken beginnt, und er zum ersten Male dies feststellte! Es handelt sich ja da nicht um Elektrizität, nicht wahr, die erregt ist, sondern um Berührungselektrizität. Als Galvani das zum ersten Male feststellte, konnte er da annehmen: Mit der Kraft, mit der da der Froschschenkel angezogen wird, wird man einmal Eisenbahnen über die Erde befördern, mit der wird man einmal den Gedanken um den Erdball herumkreisen lassen? — Es ist noch nicht so sehr lange her, daß Galvani an seinen Froschschenkeln diese Kraft beobachtet hat. Einen, der dazumal schon ausgesprochen hätte, was alles aus dieser Erkenntnis fließen wird, hätte man gewiß für einen Narren angesehen. So kam es denn auch so, daß man heute denjenigen für einen Narren ansieht, der die ersten Anfänge einer geistigen Wissenschaft darzustellen hat. Es wird eine Zeit kommen, wo dasjenige, was von Geisteswissenschaft ausgeht, ebenso bedeutsam sein wird für die Welt, aber jetzt die moralische geistig-seelische Welt, wie dasjenige, was von dem Galvani-Froschschenkel ausgegangen ist, für die materielle Welt, für die materielle Kultur. So vollziehen sich die Fortschritte in der Menschheitsentwickelung. Nur wenn man auf solche Dinge achtet, dann entwickelt man auch den Willen, mitzugehen mit dem, was erst in den Anfängen sein kann. Hat die andere Kraft, die elektrischeKraft, die aus ihrer Verborgenheit gezogen worden ist, bloß eine Bedeutung für die äußere materielle Kultur und nur mittelbar eine solche für die moralische Welt, so wird dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft kommt, die größte soziale Bedeutung haben. Denn die sozialen Ordnungen der Zukunft werden geregelt werden durch dasjenige, was Geisteswissenschaft den Menschen geben kann, und alles dasjenige, was äußere materielle Kultur sein wird, wird in mittelbarer Weise ebenfalls von dieser Geisteswissenschaft angeregt werden. Darauf kann ich heute am Schlusse nur hinweisen.

[ 68 ] Wir wollen dann morgen das Bild des Faust, das wir heute gesehen haben, der noch halb in der alten, aber halb schon in der neueren Zeit drinnen steht, wie ich Ihnen heute gesagt habe, zu einer Art von Weltanschauungsbild noch erweitern.

[ 68 ] Wir wollen dann morgen das Bild des Faust, das wir heute gesehen haben, der noch halb in der alten, aber halb schon in der neueren Zeit drinnen steht, wie ich Ihnen heute gesagt habe, zu einer Art von Weltanschauungsbild noch erweitern.