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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

29 October 1910, Dornach

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Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit
  1. Humanity's Internal Impulses for Development, tr. SOL

Fünfzehnter Vortrag

Fünfzehnter Vortrag

[ 1 ] Bei dem Einschalten von mancher zeitgeschichtlicher Betrachtung in die jetzigen Auseinandersetzungen ist es mir wirklich nicht darum zu tun, an dem oder jenem Kritik zu üben, gewissermaßen an dem oder jenem etwas auszustellen, auszusetzen. Sondern um was es sich handelt, das ist, anzuknüpfen an äußere Erscheinungen des physischen Planes in der Art, daß man sehen kann, wie gewisse große Gesichtspunkte, die wir ja vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus ins Auge fassen, sich bewahrheitet zeigen an dieser oder jener einzelnen Erscheinung. Denn darum ist es mir zu tun, daß wir gerade in diesen Betrachtungen eine Art Verständnis gewinnen für das Wesentliche im Übergang des vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, wie die Kräfte, die da in den letzten Jahrhunderten wirkten, in unsere Gegenwart hereinströmen und wie sie beobachtet werden können und auch beobachtet werden müssen von demjenigen, der nun wirklich einsehen will, wie Geisteswissenschaft für jeden einzelnen eine bestimmte Aufgabe in unserer Gegenwart hat. Es sollen also nur episodische Einschaltungen sein, die ich gebe zur Illustration der größeren Gesichtspunkte, wenn ich solche zeitgeschichtlichen Betrachtungen einfüge.

[ 1 ] Bei dem Einschalten von mancher zeitgeschichtlicher Betrachtung in die jetzigen Auseinandersetzungen ist es mir wirklich nicht darum zu tun, an dem oder jenem Kritik zu üben, gewissermaßen an dem oder jenem etwas auszustellen, auszusetzen. Sondern um was es sich handelt, das ist, anzuknüpfen an äußere Erscheinungen des physischen Planes in der Art, daß man sehen kann, wie gewisse große Gesichtspunkte, die wir ja vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus ins Auge fassen, sich bewahrheitet zeigen an dieser oder jener einzelnen Erscheinung. Denn darum ist es mir zu tun, daß wir gerade in diesen Betrachtungen eine Art Verständnis gewinnen für das Wesentliche im Übergang des vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, wie die Kräfte, die da in den letzten Jahrhunderten wirkten, in unsere Gegenwart hereinströmen und wie sie beobachtet werden können und auch beobachtet werden müssen von demjenigen, der nun wirklich einsehen will, wie Geisteswissenschaft für jeden einzelnen eine bestimmte Aufgabe in unserer Gegenwart hat. Es sollen also nur episodische Einschaltungen sein, die ich gebe zur Illustration der größeren Gesichtspunkte, wenn ich solche zeitgeschichtlichen Betrachtungen einfüge.

[ 2 ] Ich möchte namentlich auch darauf hinweisen, daß diejenigen von unseren Zeitgenossen oder deren unmittelbaren Vorgängern, die ja schon in einer gewissen Beziehung dargestellt werden müssen in ihrer Ohnmacht gegenüber der Erkenntnis wirklicher geistiger Impulse, daß diese, die also scheinbar kritisiert sein müssen, es nicht in der Absicht werden, um sie irgendwie persönlich zu treffen, sondern um zu zeigen, wie gewissermaßen solche Leute eingefangen sind von den Ausläufern der materialistischen Weltanschauung und Weltgestaltung. Denn in der Tat, es ist für den Menschen der Gegenwart nicht leicht, den Weg zu finden zu wirklicher geisteswissenschaftlicher Einsicht. So wie sich die geistige Zeitkultur entwickelt hat, ist es schwierig für viele, gewissermaßen den Anschluß zu finden an dasjenige, was Geisteswissenschaft unserer Gegenwart und der nächsten Zukunft zu geben hat. Man kann von einem gewissen Gesichtspunkte aus geradezu einsehen, wie die Leute, die nun ganz eingefangen sind von zeitgenössischem Denken, keinen Zusammenhang finden können zwischen ihrem Denken und demjenigen, was immerhin zugrunde liegen muß unserer Bewegung, zugrunde liegen muß als ein wirkliches Eingehen auf die geistigen Welten. Man sieht, daß selbst wohlwollend unserer Bewegung gegenüberstehende, außenstehende Menschen oftmals sagen: Nun ja, dasjenige, was diese Menschen wollen zur Hebung des Idealismus, zur Hebung ethischer Menschheitskultur, das ist sehr schön, aber sie versteigen sich dabei, diese Anthroposophen — so sagen selbst wohlwollende Leute — in allerlei phantastische Theorien über die geistigen Welten. — Daß dieses Eingehen auf die geistigen Welten wirklich das Fundament sein muß, auf dem heute gearbeitet werden muß, das sehen eben selbst wohlwollende Leute nicht ein, und sie können es nicht einsehen, wenn sie sich nicht losmachen können von gewissen Vorurteilen unserer Zeit.

[ 2 ] Ich möchte namentlich auch darauf hinweisen, daß diejenigen von unseren Zeitgenossen oder deren unmittelbaren Vorgängern, die ja schon in einer gewissen Beziehung dargestellt werden müssen in ihrer Ohnmacht gegenüber der Erkenntnis wirklicher geistiger Impulse, daß diese, die also scheinbar kritisiert sein müssen, es nicht in der Absicht werden, um sie irgendwie persönlich zu treffen, sondern um zu zeigen, wie gewissermaßen solche Leute eingefangen sind von den Ausläufern der materialistischen Weltanschauung und Weltgestaltung. Denn in der Tat, es ist für den Menschen der Gegenwart nicht leicht, den Weg zu finden zu wirklicher geisteswissenschaftlicher Einsicht. So wie sich die geistige Zeitkultur entwickelt hat, ist es schwierig für viele, gewissermaßen den Anschluß zu finden an dasjenige, was Geisteswissenschaft unserer Gegenwart und der nächsten Zukunft zu geben hat. Man kann von einem gewissen Gesichtspunkte aus geradezu einsehen, wie die Leute, die nun ganz eingefangen sind von zeitgenössischem Denken, keinen Zusammenhang finden können zwischen ihrem Denken und demjenigen, was immerhin zugrunde liegen muß unserer Bewegung, zugrunde liegen muß als ein wirkliches Eingehen auf die geistigen Welten. Man sieht, daß selbst wohlwollend unserer Bewegung gegenüberstehende, außenstehende Menschen oftmals sagen: Nun ja, dasjenige, was diese Menschen wollen zur Hebung des Idealismus, zur Hebung ethischer Menschheitskultur, das ist sehr schön, aber sie versteigen sich dabei, diese Anthroposophen — so sagen selbst wohlwollende Leute — in allerlei phantastische Theorien über die geistigen Welten. — Daß dieses Eingehen auf die geistigen Welten wirklich das Fundament sein muß, auf dem heute gearbeitet werden muß, das sehen eben selbst wohlwollende Leute nicht ein, und sie können es nicht einsehen, wenn sie sich nicht losmachen können von gewissen Vorurteilen unserer Zeit.

[ 3 ] Es ist ungeheuer schwierig für den Menschen, der so ganz in der Artung des Geisteslebens der Gegenwart aufgeht, sich vorzustellen, daß der Mensch selber eine Art Umschalter ist für Impulse, die ja von geistigen Wesenheiten in die Welt des physischen Lebens herunterfließen und auf dieses physische Leben ihren Einfluß haben. Und wir können uns das insbesondere gut vor die Seele führen, wenn wir auf die Schwierigkeiten hinweisen, die dem Verständnisse der geistigen Welt bei Leuten entgegenstehen, die mit einer großen Hingabe und auch mit gewissen, aus der Gegenwartskultur genommenen Einsichten sich Reformgedanken oder ähnlichen Bestrebungen mit Bezug auf das Leben der Gegenwart widmen. Nicht wahr, es gibt ja heute und hat seit langer Zeit viele Menschen gegeben, die da wissen, daß die sozialen Verhältnisse in der Welt so geworden sind, wie schließlich auch das übrige Leben geworden ist, und daß manches in Angriff genommen werden muß, um dem Leben, namentlich der sozialen Struktur, eine neue Gestaltung zu geben. Wir müssen, als den Nerv der Geisteswissenschaft Erkennende, uns klar sein, daß die einschneidendsten Fragen der Gegenwart gerade dann nur in rechtem Sinne von unserer Seele erfaßt werden können, wenn sie gegründet werden auf das Fundament geisteswissenschaftlicher Einsicht. Zu dieser Einsicht, zu dieser Erkenntnis können aber viele gerade energisch in der Gegenwart Arbeitende nicht kommen. Und so stehen sie auf der einen Seite ohne Boden da, und auf der anderen Seite stehen sie so da, daß ihnen für die wichtigsten Fragen keine Antwort werden kann. Stellen wir auch in dieser Beziehung ein Beispiel vor unsere Seele.

[ 3 ] Es ist ungeheuer schwierig für den Menschen, der so ganz in der Artung des Geisteslebens der Gegenwart aufgeht, sich vorzustellen, daß der Mensch selber eine Art Umschalter ist für Impulse, die ja von geistigen Wesenheiten in die Welt des physischen Lebens herunterfließen und auf dieses physische Leben ihren Einfluß haben. Und wir können uns das insbesondere gut vor die Seele führen, wenn wir auf die Schwierigkeiten hinweisen, die dem Verständnisse der geistigen Welt bei Leuten entgegenstehen, die mit einer großen Hingabe und auch mit gewissen, aus der Gegenwartskultur genommenen Einsichten sich Reformgedanken oder ähnlichen Bestrebungen mit Bezug auf das Leben der Gegenwart widmen. Nicht wahr, es gibt ja heute und hat seit langer Zeit viele Menschen gegeben, die da wissen, daß die sozialen Verhältnisse in der Welt so geworden sind, wie schließlich auch das übrige Leben geworden ist, und daß manches in Angriff genommen werden muß, um dem Leben, namentlich der sozialen Struktur, eine neue Gestaltung zu geben. Wir müssen, als den Nerv der Geisteswissenschaft Erkennende, uns klar sein, daß die einschneidendsten Fragen der Gegenwart gerade dann nur in rechtem Sinne von unserer Seele erfaßt werden können, wenn sie gegründet werden auf das Fundament geisteswissenschaftlicher Einsicht. Zu dieser Einsicht, zu dieser Erkenntnis können aber viele gerade energisch in der Gegenwart Arbeitende nicht kommen. Und so stehen sie auf der einen Seite ohne Boden da, und auf der anderen Seite stehen sie so da, daß ihnen für die wichtigsten Fragen keine Antwort werden kann. Stellen wir auch in dieser Beziehung ein Beispiel vor unsere Seele.

[ 4 ] Da haben wir einen Mann, der wie nur irgendeiner es ehrlich meinte mit den großen sozialen Problemen der Gegenwart, Jaurès, der am Vorabend dieses unseligen Krieges einen geheimnisvollen Tod gefunden hat, der vielleicht niemals für die äußere Untersuchung ganz aufgeklärt werden wird. Jaurès, der Sozialist, der gewiß eine der ehrlichsten unter den strebenden Persönlichkeiten der Gegenwart war, beschäftigte sich in intensiver Weise mit all den Grundfragen des sozialen Lebens der Gegenwart. Und man kann schon sagen, er trug zusammen für sein Erkennen alles dasjenige, was ein Mensch heute zusammentragen kann aus Naturerkenntnis, aus Geschichte, aus sozialer Betrachtungsweise, um zu Ansichten darüber zu kommen, was zu tun ist, um die für das heutige Menschenleben vorliegenden Fragen in praktischer Art zu lösen. Jaurès gehörte nicht zu den Oberflächlingen, welche aus ein paar subjektiven, ihnen sympathischen Gedanken ein soziales System entwikkeln, durch das sie die Welt beglücken wollen, welche nicht nur, um sich eine soziale Einsicht zu verschaffen, das Menschenleben der Gegenwart kennenlernen wollen, sondern Jaur&s gehörte zu den Menschen, welche auch die Geschichte betrachten, wie sich die verschiedenen sozialen und sonstigen Lebensprobleme bei den einzelnen Völkern gestaltet haben, bei denen sie zu Krisen, zu Entwickelungen gekommen sind, so daß man sehen kann an solchen Gestaltungen, was aus bestimmten Voraussetzungen wird. Sorgfältige Studien über diese Dinge har Jaurès gemacht.

[ 4 ] Da haben wir einen Mann, der wie nur irgendeiner es ehrlich meinte mit den großen sozialen Problemen der Gegenwart, Jaurès, der am Vorabend dieses unseligen Krieges einen geheimnisvollen Tod gefunden hat, der vielleicht niemals für die äußere Untersuchung ganz aufgeklärt werden wird. Jaurès, der Sozialist, der gewiß eine der ehrlichsten unter den strebenden Persönlichkeiten der Gegenwart war, beschäftigte sich in intensiver Weise mit all den Grundfragen des sozialen Lebens der Gegenwart. Und man kann schon sagen, er trug zusammen für sein Erkennen alles dasjenige, was ein Mensch heute zusammentragen kann aus Naturerkenntnis, aus Geschichte, aus sozialer Betrachtungsweise, um zu Ansichten darüber zu kommen, was zu tun ist, um die für das heutige Menschenleben vorliegenden Fragen in praktischer Art zu lösen. Jaurès gehörte nicht zu den Oberflächlingen, welche aus ein paar subjektiven, ihnen sympathischen Gedanken ein soziales System entwikkeln, durch das sie die Welt beglücken wollen, welche nicht nur, um sich eine soziale Einsicht zu verschaffen, das Menschenleben der Gegenwart kennenlernen wollen, sondern Jaur&s gehörte zu den Menschen, welche auch die Geschichte betrachten, wie sich die verschiedenen sozialen und sonstigen Lebensprobleme bei den einzelnen Völkern gestaltet haben, bei denen sie zu Krisen, zu Entwickelungen gekommen sind, so daß man sehen kann an solchen Gestaltungen, was aus bestimmten Voraussetzungen wird. Sorgfältige Studien über diese Dinge har Jaurès gemacht.

[ 5 ] Nun ist für einen Menschen, der solches betrachtet, das Allerwichtigste, zu verstehen, was sich ergeben hat im Verlauf des menschlichen Lebens gerade in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Denn wenn auf der einen Seite in diesen drei bis vier Jahrhunderten eine Umgestaltung des ganzen menschlichen Strebens auf dem Erkenntnisgebiete stattgefunden hat und sich allmählich herausgebildet haben die beiden einseitigen Impulse, wie ich sie Ihnen in diesen Betrachtungen hingestellt habe für die Erkenntnis, so ist es auf der anderen Seite ebenso richtig, daß für die sozialen Strömungen, für die sozialen Sehnsuchten sich ein Ähnliches entwickelt hat. Derjenige, der verstehen will die Lebenslage, in der die heutige Menschheit, man kann schon sagen, der ganzen Erde ist, muß namentlich verstehen, wie sich nach und nach die Impulse, die heute die Gemüter beherrschen — zum großen Teile unbewußt, sie wissen nichts davon —, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Periode in die Menschenseele hereingeschlichen haben. Aber gerade wenn solche Menschen wie Jaurès, der ja nicht anders konnte, als auf der materialistischen Gesinnung der Gegenwart sein redliches Streben aufzubauen, gerade diesen Zeitraum betrachten, so tun sich ihnen überall Fragen auf, mit denen sie eigentlich nichts anzufangen wissen. So können wir, ich möchte sagen, gerade bei einem solchen redlichen Streben wie das Jaurèssche, zwei merkwürdige dunkle Punkte entdecken — neben anderen, die wir hier nicht anführen können —, auf die man gerade vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus den Blick richten sollte.

[ 5 ] Nun ist für einen Menschen, der solches betrachtet, das Allerwichtigste, zu verstehen, was sich ergeben hat im Verlauf des menschlichen Lebens gerade in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Denn wenn auf der einen Seite in diesen drei bis vier Jahrhunderten eine Umgestaltung des ganzen menschlichen Strebens auf dem Erkenntnisgebiete stattgefunden hat und sich allmählich herausgebildet haben die beiden einseitigen Impulse, wie ich sie Ihnen in diesen Betrachtungen hingestellt habe für die Erkenntnis, so ist es auf der anderen Seite ebenso richtig, daß für die sozialen Strömungen, für die sozialen Sehnsuchten sich ein Ähnliches entwickelt hat. Derjenige, der verstehen will die Lebenslage, in der die heutige Menschheit, man kann schon sagen, der ganzen Erde ist, muß namentlich verstehen, wie sich nach und nach die Impulse, die heute die Gemüter beherrschen — zum großen Teile unbewußt, sie wissen nichts davon —, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Periode in die Menschenseele hereingeschlichen haben. Aber gerade wenn solche Menschen wie Jaurès, der ja nicht anders konnte, als auf der materialistischen Gesinnung der Gegenwart sein redliches Streben aufzubauen, gerade diesen Zeitraum betrachten, so tun sich ihnen überall Fragen auf, mit denen sie eigentlich nichts anzufangen wissen. So können wir, ich möchte sagen, gerade bei einem solchen redlichen Streben wie das Jaurèssche, zwei merkwürdige dunkle Punkte entdecken — neben anderen, die wir hier nicht anführen können —, auf die man gerade vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus den Blick richten sollte.

[ 6 ] Vor Jaurès’ Seele steht es, indem er gerade das Leben des bisher verflossenen fünften nachatlantischen Zeitraums überblickt, wie eine Frage: Was hat denn eigentlich die Menschen der Gegenwart dazu geführt, daß die Mitglieder einer gewissen Kaste, Klasse, diese oder jene Seelenempfindung haben, die einer anderen Klasse oder Kaste andere Empfindungen haben? — Ein solcher Mensch sieht hin auf dasjenige, was vorangegangen ist dem fünften nachatlantischen Zeitraum, sieht hin auf das Leben, das in engen Grenzen dazumal befangen war. Man braucht sich nur zu erinnern, was anders geworden ist an der Welt des Menschenlebens seit dem 14., 15. Jahrhundert; wie eingegriffen hat dasjenige, was da gekommen ist mit der Entdeckung Amerikas, mit den neueren naturwissenschaftlichen Entdeckungen und Einrichtungen, mit der Buchdruckerkunst und so weiter. Was ist da alles gekommen über die Menschheit! Denken Sie zurück an die Zeiten, wo es keine Buchdruckerkunst gegeben hat, wo die Leute nicht die Bibel lesen konnten, sondern nur sich versammelten in der ihnen zugehörigen Kirche und das hörten, was ihnen persönlich mitgeteilt worden ist von denjenigen, die ihnen in einer ganz bestimmten Richtung persönlich etwas mitteilen wollten. Viel zu wenig lenkt man den Blick auf diese ganz andersartige Gestaltung des Lebens vor dem Beginn der fünften nachatlantischen Zeitperiode. Und was in den Seelen heute lebt, was heute Grundsätze der Regierungen bildet, was Grundsätze bildet derjenigen, welche die Handels-, die industriellen, die sonstigen Unternehmungen leiten, was Grundsätze bildet derjenigen, die wieder Menschen ausbilden für diese Unternehmungen, was Grundsätze bildet aber auch bei denen, die als arbeitende Bevölkerung bei diesen Unternehmungen beteiligt sind, was Grundsätze sind bei denen, die den Grund und Boden besitzen und so weiter, das hat sich ja, so wie es heute in den Seelen lebt, alles erst herausgebildet im Laufe der letzten Jahrhunderte. Den ganz radikalen Unterschied, der besteht zwischen dem jetzigen Denken und Fühlen auch des einfachsten Bauern gegenüber dem, was früher der Fall war, den faßt man viel zu wenig ins Auge. Aber natürlich, solche Menschen, die sich die großen, brennenden sozialen Fragen vor die Seele stellen, die fassen das ins Auge.

[ 6 ] Vor Jaurès’ Seele steht es, indem er gerade das Leben des bisher verflossenen fünften nachatlantischen Zeitraums überblickt, wie eine Frage: Was hat denn eigentlich die Menschen der Gegenwart dazu geführt, daß die Mitglieder einer gewissen Kaste, Klasse, diese oder jene Seelenempfindung haben, die einer anderen Klasse oder Kaste andere Empfindungen haben? — Ein solcher Mensch sieht hin auf dasjenige, was vorangegangen ist dem fünften nachatlantischen Zeitraum, sieht hin auf das Leben, das in engen Grenzen dazumal befangen war. Man braucht sich nur zu erinnern, was anders geworden ist an der Welt des Menschenlebens seit dem 14., 15. Jahrhundert; wie eingegriffen hat dasjenige, was da gekommen ist mit der Entdeckung Amerikas, mit den neueren naturwissenschaftlichen Entdeckungen und Einrichtungen, mit der Buchdruckerkunst und so weiter. Was ist da alles gekommen über die Menschheit! Denken Sie zurück an die Zeiten, wo es keine Buchdruckerkunst gegeben hat, wo die Leute nicht die Bibel lesen konnten, sondern nur sich versammelten in der ihnen zugehörigen Kirche und das hörten, was ihnen persönlich mitgeteilt worden ist von denjenigen, die ihnen in einer ganz bestimmten Richtung persönlich etwas mitteilen wollten. Viel zu wenig lenkt man den Blick auf diese ganz andersartige Gestaltung des Lebens vor dem Beginn der fünften nachatlantischen Zeitperiode. Und was in den Seelen heute lebt, was heute Grundsätze der Regierungen bildet, was Grundsätze bildet derjenigen, welche die Handels-, die industriellen, die sonstigen Unternehmungen leiten, was Grundsätze bildet derjenigen, die wieder Menschen ausbilden für diese Unternehmungen, was Grundsätze bildet aber auch bei denen, die als arbeitende Bevölkerung bei diesen Unternehmungen beteiligt sind, was Grundsätze sind bei denen, die den Grund und Boden besitzen und so weiter, das hat sich ja, so wie es heute in den Seelen lebt, alles erst herausgebildet im Laufe der letzten Jahrhunderte. Den ganz radikalen Unterschied, der besteht zwischen dem jetzigen Denken und Fühlen auch des einfachsten Bauern gegenüber dem, was früher der Fall war, den faßt man viel zu wenig ins Auge. Aber natürlich, solche Menschen, die sich die großen, brennenden sozialen Fragen vor die Seele stellen, die fassen das ins Auge.

[ 7 ] Und so sehen wir, daß zunächst eine Frage vor Jaurès steht, das ist diese: Wodurch ist denn eigentlich dieses heute so eigentümlich geartete Denken der Kulturmenschheit geworden? Was ist denn da geschehen, seitdem der verhältnismäßig kleine Kreis von Menschen, der früher in unmittelbarer Weise an das geistige Leben herangekommen ist und der die anderen geführt hat, nur noch die anderen mit Bezug auf das äußere materielle Leben lenkt, aber in einer gewissen Weise nicht mehr lenkt in bezug auf die Gefühle und Empfindungen? — Es ist doch ein großer Unterschied, ein gewaltiger Unterschied, wenn wir denken an frühere Verhältnisse, wo derjenige, der den Leuten die Arbeit verschafft hat, zugleich ihnen den Kaplan verschafft hat, der das Nötige gesagt hat, was ihnen gesagt werden mußte nach seinem Sinne, gegenüber der späteren Zeit, wo jedem zugänglich wurden gewisse Dinge. Die Frage trat vor Jaurès’ Seele: Wie hat sich da eigentlich das Denken und Fühlen der neueren Menschheit geändert? — Allerdings, es trat diese Frage vor seine Seele zunächst in einer Gestalt, die ganz gefärbt ist von jener Farbennuance, die das moderne sozialistische Denken hat; aber wir können sie daraus loslösen. Jaurès fragt sich zunächst: Warum soll man anklagen die Leute des kleinen Kreises, der den anderen Arbeit gibt, so daß man etwa sagt: Nun ja, sie haben den Leuten, die bei ihnen arbeiten sollen, die Bildungsmittel zugänglich gemacht in Schule und Lektüre und so weiter, um gerade dadurch besser zu ihrem Profit zu kommen. — Das haben gewisse Sozialisten immer wiederholt, daß es eigentlich eine List war der arbeitgebenden Bevölkerung, den Arbeitern die Bildungsmittel zugänglich zu machen, weil gebildete Arbeiter mehr arbeiten und rationeller arbeiten als umgekehrt. Aber mit diesen Gedanken mancher Sozialisten ist Jaurès nicht einverstanden. Daher wird in einer gewissen Weise dasjenige, was er denken muß, für ihn zu einem unlösbaren Problem. Und es ist sehr interessant, wie sich Jaurès abfindet, — eigentlich nicht abfindet, sondern sich nicht abfinden kann — mit der Frage: Wie ist denn das eigentlich mit den Empfindungs-, Gedanken- und Seelenimpulsen, die da in den letzten Jahrhunderten heraufgezogen sind?

[ 7 ] Und so sehen wir, daß zunächst eine Frage vor Jaurès steht, das ist diese: Wodurch ist denn eigentlich dieses heute so eigentümlich geartete Denken der Kulturmenschheit geworden? Was ist denn da geschehen, seitdem der verhältnismäßig kleine Kreis von Menschen, der früher in unmittelbarer Weise an das geistige Leben herangekommen ist und der die anderen geführt hat, nur noch die anderen mit Bezug auf das äußere materielle Leben lenkt, aber in einer gewissen Weise nicht mehr lenkt in bezug auf die Gefühle und Empfindungen? — Es ist doch ein großer Unterschied, ein gewaltiger Unterschied, wenn wir denken an frühere Verhältnisse, wo derjenige, der den Leuten die Arbeit verschafft hat, zugleich ihnen den Kaplan verschafft hat, der das Nötige gesagt hat, was ihnen gesagt werden mußte nach seinem Sinne, gegenüber der späteren Zeit, wo jedem zugänglich wurden gewisse Dinge. Die Frage trat vor Jaurès’ Seele: Wie hat sich da eigentlich das Denken und Fühlen der neueren Menschheit geändert? — Allerdings, es trat diese Frage vor seine Seele zunächst in einer Gestalt, die ganz gefärbt ist von jener Farbennuance, die das moderne sozialistische Denken hat; aber wir können sie daraus loslösen. Jaurès fragt sich zunächst: Warum soll man anklagen die Leute des kleinen Kreises, der den anderen Arbeit gibt, so daß man etwa sagt: Nun ja, sie haben den Leuten, die bei ihnen arbeiten sollen, die Bildungsmittel zugänglich gemacht in Schule und Lektüre und so weiter, um gerade dadurch besser zu ihrem Profit zu kommen. — Das haben gewisse Sozialisten immer wiederholt, daß es eigentlich eine List war der arbeitgebenden Bevölkerung, den Arbeitern die Bildungsmittel zugänglich zu machen, weil gebildete Arbeiter mehr arbeiten und rationeller arbeiten als umgekehrt. Aber mit diesen Gedanken mancher Sozialisten ist Jaurès nicht einverstanden. Daher wird in einer gewissen Weise dasjenige, was er denken muß, für ihn zu einem unlösbaren Problem. Und es ist sehr interessant, wie sich Jaurès abfindet, — eigentlich nicht abfindet, sondern sich nicht abfinden kann — mit der Frage: Wie ist denn das eigentlich mit den Empfindungs-, Gedanken- und Seelenimpulsen, die da in den letzten Jahrhunderten heraufgezogen sind?

[ 8 ] In einer der interessantesten politischen Schriften Jaurès’ finden wir darüber die folgende Stelle. Da sagt er:

[ 8 ] In einer der interessantesten politischen Schriften Jaurès’ finden wir darüber die folgende Stelle. Da sagt er:

[ 9 ] «Daß die Bourgeoisie in diesen Zeiten ihres Werdens gegen die Arbeiter gerecht zu sein glaubte, ist dadurch erwiesen, daß sie ihnen von Anfang an die Schule gegeben hat: das heißt, daß sie ihnen möglichst viel Aufklärung geben wollte. Die Reformation, deren mächtiger Träger das Bürgertum war, hat sich für den Volksunterricht begeistert. Hätte die Bourgeoisie geheime Gewissensbisse gehabt, hätte sie an dem Urteil zweifeln können, welches die Arbeiter, die sie durch die Macht ihres Beispiels wie durch den Zwang der Gesetze mit Strenge zur Arbeit erzog, über sie und ihr Werk fällen würden: so hätte sie sie möglichst in Unwissenheit erhalten. Auf die Gefahr hin, aus einer ungeschulten Masse weniger nützliche Arbeit zu erzielen, hätte sie sich nicht dem schrecklichen Urteil des von ihr ausgebeuteten Proletariats ausgesetzt. Sie hätte für ihr Werk des Unrechts nicht selbst all die Tausende von Augen geöffnet, die an lange Finsternis gewöhnt waren.»

[ 9 ] «Daß die Bourgeoisie in diesen Zeiten ihres Werdens gegen die Arbeiter gerecht zu sein glaubte, ist dadurch erwiesen, daß sie ihnen von Anfang an die Schule gegeben hat: das heißt, daß sie ihnen möglichst viel Aufklärung geben wollte. Die Reformation, deren mächtiger Träger das Bürgertum war, hat sich für den Volksunterricht begeistert. Hätte die Bourgeoisie geheime Gewissensbisse gehabt, hätte sie an dem Urteil zweifeln können, welches die Arbeiter, die sie durch die Macht ihres Beispiels wie durch den Zwang der Gesetze mit Strenge zur Arbeit erzog, über sie und ihr Werk fällen würden: so hätte sie sie möglichst in Unwissenheit erhalten. Auf die Gefahr hin, aus einer ungeschulten Masse weniger nützliche Arbeit zu erzielen, hätte sie sich nicht dem schrecklichen Urteil des von ihr ausgebeuteten Proletariats ausgesetzt. Sie hätte für ihr Werk des Unrechts nicht selbst all die Tausende von Augen geöffnet, die an lange Finsternis gewöhnt waren.»

[ 10 ] Also Jaurès sagt sich: Nein, das kann der Bourgeoisie — wir wissen, wie die Bourgeoisie wurzelt in der einen einseitigen Strömung, das haben wir in diesen Betrachtungen gesehen —, das kann der Bourgeoisie nicht vorgeworfen werden, daß sie nur gewissermaßen die Arbeiter düpieren wollte, um nützliche Instrumente aus ihnen zu machen; ganz im Gegenteil hat sie gewollt, daß jeder Mensch lesen könne. — Und jetzt kommt das Bedeutungsvolle, dasjenige, was sozusagen bei einem gebildeten Menschen der Gegenwart, der ganz in der Erkenntnis steht, die Augen für die Erkenntnis öffnet und gleich wieder schließt, weil er nicht zur Geisteswissenschaft gekommen ist. Er sagt:

[ 10 ] Also Jaurès sagt sich: Nein, das kann der Bourgeoisie — wir wissen, wie die Bourgeoisie wurzelt in der einen einseitigen Strömung, das haben wir in diesen Betrachtungen gesehen —, das kann der Bourgeoisie nicht vorgeworfen werden, daß sie nur gewissermaßen die Arbeiter düpieren wollte, um nützliche Instrumente aus ihnen zu machen; ganz im Gegenteil hat sie gewollt, daß jeder Mensch lesen könne. — Und jetzt kommt das Bedeutungsvolle, dasjenige, was sozusagen bei einem gebildeten Menschen der Gegenwart, der ganz in der Erkenntnis steht, die Augen für die Erkenntnis öffnet und gleich wieder schließt, weil er nicht zur Geisteswissenschaft gekommen ist. Er sagt:

[ 11 ] «Aber ganz im Gegenteil hat sie gewollt, daß jeder Mensch lesen könne. Und welches Buch! Dasselbe, aus dem auch sie Leben schöpfte. Aus der Lektüre der Bibel, die überall in die Volkssprachen übersetzt wurde, sollten die Völker denken lernen: Aus jener Bibel voll Kampf und Herbheit, die voll ist vom Murren, von dem Schrei und der Empörung eines ungelehrigen Volkes, dessen Stolz, selbst wenn er es züchtigt und zerbricht, Gott zu lieben scheint; aus jener Bibel, in der auch die auserwählten Führer dem Volke ohne Unterlaß zureden und durch Dienste sich das Recht, zu befehlen, erwerben müssen; aus jenem seltsam revolutionären Buch, in dem das Zwiegespräch zwischen Hiob und Gott so verläuft, daß Gott als Angeklagter erscheint, der sich gegen den Empörungsschrei des Gerechten nur mit dem groben Lärmen seines Donners zu verteidigen vermag; aus jener Bibel, in welcher die Propheten ihre Berufung an die Zukunft hinterlassen haben und ihre Flüche gegen die ungerechten Reichen, ihren messianischen Traum von allgemeiner Brüderlichkeit, die ganze Glut ihres Zorns und ihrer Hoffnung, das Feuer all der glühenden Kohlen, die auf ihren Lippen brannten. Dieses schreckliche Buch hat die industrielle Bourgeoisie in die Hände der Menschen gelegt, in die Hände armer Arbeiter in den Städten und Dörfern — derselben, die ihre Arbeiter waren oder es eben werden sollten — und hat ihnen gesagt: Sehet selbst, höret selbst! Verlaßt euch nicht auf Vermittler; die Verbindung zwischen Gott und euch muß unmittelbar sein. Eure Augen müssen sein Licht schauen, euer Ohr muß sein Wort vernehmen! Ich wiederhole es: Wie hätte eine Klasse, die an sich selbst, am Wort und der Berechtigung ihres Werkes gezweifelt hätte, das Gewissen der Menschen, die sie zu ihrem Nutzen zu lenken sich anschickte, von allem Autoritätsglauben befreien können? Wenn sie ein ‹böses Gewissen› gehabt hätte, wenn sie wie ein Dieb in die Welt gekommen wäre, so wäre sie eben bei Nacht gekommen, fur in nocte. Aber ihre erste Sorge war es im Gegenteil, das Licht zu vermehren. Sie war also offenbar überzeugt, daß die Ordnung der Arbeit, Tätigkeit und strengen sittlichen Disziplin, welche sie einer Welt voll Faulheit, Aberglaubens, Unordnung und Unfruchtbarkeit brachte, gerade für diejenigen nützlich sei, welche in dieser Ordnung den niedrigsten Rang einnehmen.»

[ 11 ] «Aber ganz im Gegenteil hat sie gewollt, daß jeder Mensch lesen könne. Und welches Buch! Dasselbe, aus dem auch sie Leben schöpfte. Aus der Lektüre der Bibel, die überall in die Volkssprachen übersetzt wurde, sollten die Völker denken lernen: Aus jener Bibel voll Kampf und Herbheit, die voll ist vom Murren, von dem Schrei und der Empörung eines ungelehrigen Volkes, dessen Stolz, selbst wenn er es züchtigt und zerbricht, Gott zu lieben scheint; aus jener Bibel, in der auch die auserwählten Führer dem Volke ohne Unterlaß zureden und durch Dienste sich das Recht, zu befehlen, erwerben müssen; aus jenem seltsam revolutionären Buch, in dem das Zwiegespräch zwischen Hiob und Gott so verläuft, daß Gott als Angeklagter erscheint, der sich gegen den Empörungsschrei des Gerechten nur mit dem groben Lärmen seines Donners zu verteidigen vermag; aus jener Bibel, in welcher die Propheten ihre Berufung an die Zukunft hinterlassen haben und ihre Flüche gegen die ungerechten Reichen, ihren messianischen Traum von allgemeiner Brüderlichkeit, die ganze Glut ihres Zorns und ihrer Hoffnung, das Feuer all der glühenden Kohlen, die auf ihren Lippen brannten. Dieses schreckliche Buch hat die industrielle Bourgeoisie in die Hände der Menschen gelegt, in die Hände armer Arbeiter in den Städten und Dörfern — derselben, die ihre Arbeiter waren oder es eben werden sollten — und hat ihnen gesagt: Sehet selbst, höret selbst! Verlaßt euch nicht auf Vermittler; die Verbindung zwischen Gott und euch muß unmittelbar sein. Eure Augen müssen sein Licht schauen, euer Ohr muß sein Wort vernehmen! Ich wiederhole es: Wie hätte eine Klasse, die an sich selbst, am Wort und der Berechtigung ihres Werkes gezweifelt hätte, das Gewissen der Menschen, die sie zu ihrem Nutzen zu lenken sich anschickte, von allem Autoritätsglauben befreien können? Wenn sie ein ‹böses Gewissen› gehabt hätte, wenn sie wie ein Dieb in die Welt gekommen wäre, so wäre sie eben bei Nacht gekommen, fur in nocte. Aber ihre erste Sorge war es im Gegenteil, das Licht zu vermehren. Sie war also offenbar überzeugt, daß die Ordnung der Arbeit, Tätigkeit und strengen sittlichen Disziplin, welche sie einer Welt voll Faulheit, Aberglaubens, Unordnung und Unfruchtbarkeit brachte, gerade für diejenigen nützlich sei, welche in dieser Ordnung den niedrigsten Rang einnehmen.»

[ 12 ] Da sehen wir die eine Frage aufgeworfen von einem Reformdenker unserer Gegenwart, der sich fragt: Wie sind alle die Gedanken, die heute die Masse beherrschen, in die Welt gekommen? — Sie sind davon gekommen — wir können jetzt ja politische Nuancen abstreifen —, daß die Menschen die Bibel in die Hand bekommen haben, das revolutionärste Buch, das überhaupt die Welt kennt; denn es ist deshalb so revolutionär, weil es so wirksam ist. Also es findet Jaurès in den Gemütern der Menschen die Folge des Bibellesens, das ja erst gekommen ist dadurch, daß die Bibeln gedruckt werden; denn in früheren Jahrhunderten hatte das Volk die Bibel nicht, und die Kirche hat sorgfältig sogar gewacht darüber, daß das Volk die Bibel nicht in die Hand bekommt. Man bedenkt wieder viel zu wenig, daß alle neueren Fragen damit zusammenhängen, daß ja erst seit den Zeiten der fünften nachatlantischen Periode das Volk die Bibel kennt, so kennt, daß nun die Bibelimpulse auch Impulse in den Seelen der Menschen werden. Das Christentum hat früher das Volk auf ganz andere Weise überliefert bekommen denn durch die Bibel. So blickt also ein solcher Denker, der ganz drinnensteht in der Gegenwart, auf die Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitalters und findet: Ja, was ist da eigentlich geschehen? Wie sind die Zusammenhänge zwischen der einen Tatsache, daß die Bibel den Menschen zugänglich gemacht worden ist, und den anderen Tatsachen, die wir jetzt um uns herum sehen? — Er findet keinen rechten Zusammenhang. Das drückt er übrigens auch sehr genau aus. Er sagt:

[ 12 ] Da sehen wir die eine Frage aufgeworfen von einem Reformdenker unserer Gegenwart, der sich fragt: Wie sind alle die Gedanken, die heute die Masse beherrschen, in die Welt gekommen? — Sie sind davon gekommen — wir können jetzt ja politische Nuancen abstreifen —, daß die Menschen die Bibel in die Hand bekommen haben, das revolutionärste Buch, das überhaupt die Welt kennt; denn es ist deshalb so revolutionär, weil es so wirksam ist. Also es findet Jaurès in den Gemütern der Menschen die Folge des Bibellesens, das ja erst gekommen ist dadurch, daß die Bibeln gedruckt werden; denn in früheren Jahrhunderten hatte das Volk die Bibel nicht, und die Kirche hat sorgfältig sogar gewacht darüber, daß das Volk die Bibel nicht in die Hand bekommt. Man bedenkt wieder viel zu wenig, daß alle neueren Fragen damit zusammenhängen, daß ja erst seit den Zeiten der fünften nachatlantischen Periode das Volk die Bibel kennt, so kennt, daß nun die Bibelimpulse auch Impulse in den Seelen der Menschen werden. Das Christentum hat früher das Volk auf ganz andere Weise überliefert bekommen denn durch die Bibel. So blickt also ein solcher Denker, der ganz drinnensteht in der Gegenwart, auf die Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitalters und findet: Ja, was ist da eigentlich geschehen? Wie sind die Zusammenhänge zwischen der einen Tatsache, daß die Bibel den Menschen zugänglich gemacht worden ist, und den anderen Tatsachen, die wir jetzt um uns herum sehen? — Er findet keinen rechten Zusammenhang. Das drückt er übrigens auch sehr genau aus. Er sagt:

[ 13 ] «Es wäre ein großes lockendes Problem — weit verwickelter und viel menschlicher als dasjenige, womit Marx sich beschäftigt hat — zu untersuchen, wie diese Art moralischer Gewißheit, diese Sicherheit des Gewissens sich bei der Bourgeoisie anbequemen konnte an all die gewalttätigen und trügerischen Praktiken, an die Grausamkeiten in den Kolonien, an die Gaunereien im Handel, an die ganze Mannigfaltigkeit der Ausbeutungsformen, welche der ersten Periode des Kapitalismus seinem Erscheinen und seinem Wachstum — das Gepräge gaben. Dieses Problem geht über meine Kraft; man müßte die zahllosen Elemente einer moral-philosophischen Untersuchung darüber aus den Dokumenten aller Art, die das 16., 17. und 18. Jahrhundert uns hinterlassen haben, hervorholen. Und nur eine stark intuitive und divinatorische Begabung könnte bis zum Grunde des Problems vordringen.»

[ 13 ] «Es wäre ein großes lockendes Problem — weit verwickelter und viel menschlicher als dasjenige, womit Marx sich beschäftigt hat — zu untersuchen, wie diese Art moralischer Gewißheit, diese Sicherheit des Gewissens sich bei der Bourgeoisie anbequemen konnte an all die gewalttätigen und trügerischen Praktiken, an die Grausamkeiten in den Kolonien, an die Gaunereien im Handel, an die ganze Mannigfaltigkeit der Ausbeutungsformen, welche der ersten Periode des Kapitalismus seinem Erscheinen und seinem Wachstum — das Gepräge gaben. Dieses Problem geht über meine Kraft; man müßte die zahllosen Elemente einer moral-philosophischen Untersuchung darüber aus den Dokumenten aller Art, die das 16., 17. und 18. Jahrhundert uns hinterlassen haben, hervorholen. Und nur eine stark intuitive und divinatorische Begabung könnte bis zum Grunde des Problems vordringen.»

[ 14 ] Die schreibt er sich nicht zu. Sie sehen also sogar, eingestandenermaßen, bei einem der redlichst Strebenden die Ohnmacht, die Frage zu lösen: Wie sind die Seelen der Gegenwart geworden?

[ 14 ] Die schreibt er sich nicht zu. Sie sehen also sogar, eingestandenermaßen, bei einem der redlichst Strebenden die Ohnmacht, die Frage zu lösen: Wie sind die Seelen der Gegenwart geworden?

[ 15 ] Der andere Punkt, auf den wir blicken müssen, der ist, daß selbstverständlich ein also strebender Mensch die intuitive und divinatorische Begabung, die zu diesem Problem notwendig wäre, nicht haben kann, weil er dem Grundproblem der Geisteswissenschaft ganz fern steht. Einzusehen, wie das Geistige herunterfließt aus den geistigen Welten, gewissermaßen durch den Umschalter, durch die Menschenseele, und hereinfließt in die physische Welt, dieses reale Herunterfließen der geistigen Impulse aus den Kräften und Arbeiten der Wesen der höheren Hierarchien, das liegt ja einem solchen Geiste ganz fern. Daher sieht ein solcher Geist: Das und das geht vor seit dem Beginn der neueren Zeit, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Periode. Aber er sieht nicht, was in dem webt und lebt; er sieht auch nicht in einem konkreten Falle das bewußte Hereindringen der geistigen Impulse gewissermaßen aus den Unternehmungen der Wesen der höheren Hierarchien. Das kann erst mit Geisteswissenschaft verfolgt werden. Aber alles bereitet sich vor. Die Welt war selbstverständlich nie ohne Geist, wenn auch dieser Geist in der einen oder anderen Weise unbewußt gewirkt hat. Ich habe Sie oft darauf aufmerksam gemacht, wie nun wirklich alles dasjenige, was über ein gewisses Gebiet des modernen Europas dahingeflutet ist, tief beeinflußt war von geistigen Mächten. Auch aus der äußeren Geschichte kann man nachweisen, daß in einer gewissen Zeit, im Beginne der fünften nachatlantischen Periode, etwas ganz Wunderbares eigentlich geschehen ist, etwas, wovor der materialistisch denkende Mensch eben so steht, daß er es als ein Hirngespinst ansehen muß, wenn die Sache ernst genommen wird. Aber wiederum, wenn er sie nicht ernst nimmt, so kann er den ganzen Verlauf der neueren Geschichte nicht erklären.

[ 15 ] Der andere Punkt, auf den wir blicken müssen, der ist, daß selbstverständlich ein also strebender Mensch die intuitive und divinatorische Begabung, die zu diesem Problem notwendig wäre, nicht haben kann, weil er dem Grundproblem der Geisteswissenschaft ganz fern steht. Einzusehen, wie das Geistige herunterfließt aus den geistigen Welten, gewissermaßen durch den Umschalter, durch die Menschenseele, und hereinfließt in die physische Welt, dieses reale Herunterfließen der geistigen Impulse aus den Kräften und Arbeiten der Wesen der höheren Hierarchien, das liegt ja einem solchen Geiste ganz fern. Daher sieht ein solcher Geist: Das und das geht vor seit dem Beginn der neueren Zeit, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Periode. Aber er sieht nicht, was in dem webt und lebt; er sieht auch nicht in einem konkreten Falle das bewußte Hereindringen der geistigen Impulse gewissermaßen aus den Unternehmungen der Wesen der höheren Hierarchien. Das kann erst mit Geisteswissenschaft verfolgt werden. Aber alles bereitet sich vor. Die Welt war selbstverständlich nie ohne Geist, wenn auch dieser Geist in der einen oder anderen Weise unbewußt gewirkt hat. Ich habe Sie oft darauf aufmerksam gemacht, wie nun wirklich alles dasjenige, was über ein gewisses Gebiet des modernen Europas dahingeflutet ist, tief beeinflußt war von geistigen Mächten. Auch aus der äußeren Geschichte kann man nachweisen, daß in einer gewissen Zeit, im Beginne der fünften nachatlantischen Periode, etwas ganz Wunderbares eigentlich geschehen ist, etwas, wovor der materialistisch denkende Mensch eben so steht, daß er es als ein Hirngespinst ansehen muß, wenn die Sache ernst genommen wird. Aber wiederum, wenn er sie nicht ernst nimmt, so kann er den ganzen Verlauf der neueren Geschichte nicht erklären.

[ 16 ] Dieses Ereignis, auf das ich öfter hingewiesen habe, ist das Erscheinen des einfachen Landmädchens mit einer großen geschichtlichen Aufgabe, der Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orleans. Die Karte Europas wäre heute eine ganz andere — das weiß der Historiker sehr gut —, wenn die Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, nicht aufgetreten wäre. Warum staunen die Menschen der Gegenwart — man braucht sich nur an Anatole France zu erinnern —, wie hereingeschickt worden ist in der Zeit, wo das noch nicht bewußt geschehen konnte, durch eine Art von halbatavistischer, halbschauender Hellseherei aus den geistigen Welten ein Impuls, sogar ein System von Impulsen? Aber mit dem können sie nichts anfangen! Ein Anatole France, der findet sich natürlich dadurch ab damit, daß er sagt: Nun, es kommt schon einmal vor, daß die Menschen unter dem Einflusse von Suggestion, von phantastischen Kräften, die von solchen Menschen wie von der Jungfrau von Orleans ausgehen, allerlei tun. — Eine solche Anschauungsweise erinnert an diejenige moderner Theologen, welche sich in sonderbarer Weise abfinden mit der Entstehung des Christentums durch die Paulinische Vision vor Damaskus, die diese Paulinische Suggestion vor Damaskus für ein Erwiesenes erklären und das ganze Christentum im Grunde genommen doch darauf zurückführen müßten, aber sich davor wohl hüten, denn sonst müßten sie sich sagen, das Christentum stamme von einem suggestiven Erlebnis des Paulus. Und das zu sagen, werden sie sich hüten. Diese Halbheit ist ungeheuer schlimm für das ganze Geistesleben, diese Halbheit ist der Ausdruck davon, daß man gegenüber solchen Fragen ohnmächtig ist. Da ist es gut, sich gerade über diesen Punkt bei einem so ehrlichen Menschen wie Jaur&s umzusehen.

[ 16 ] Dieses Ereignis, auf das ich öfter hingewiesen habe, ist das Erscheinen des einfachen Landmädchens mit einer großen geschichtlichen Aufgabe, der Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orleans. Die Karte Europas wäre heute eine ganz andere — das weiß der Historiker sehr gut —, wenn die Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, nicht aufgetreten wäre. Warum staunen die Menschen der Gegenwart — man braucht sich nur an Anatole France zu erinnern —, wie hereingeschickt worden ist in der Zeit, wo das noch nicht bewußt geschehen konnte, durch eine Art von halbatavistischer, halbschauender Hellseherei aus den geistigen Welten ein Impuls, sogar ein System von Impulsen? Aber mit dem können sie nichts anfangen! Ein Anatole France, der findet sich natürlich dadurch ab damit, daß er sagt: Nun, es kommt schon einmal vor, daß die Menschen unter dem Einflusse von Suggestion, von phantastischen Kräften, die von solchen Menschen wie von der Jungfrau von Orleans ausgehen, allerlei tun. — Eine solche Anschauungsweise erinnert an diejenige moderner Theologen, welche sich in sonderbarer Weise abfinden mit der Entstehung des Christentums durch die Paulinische Vision vor Damaskus, die diese Paulinische Suggestion vor Damaskus für ein Erwiesenes erklären und das ganze Christentum im Grunde genommen doch darauf zurückführen müßten, aber sich davor wohl hüten, denn sonst müßten sie sich sagen, das Christentum stamme von einem suggestiven Erlebnis des Paulus. Und das zu sagen, werden sie sich hüten. Diese Halbheit ist ungeheuer schlimm für das ganze Geistesleben, diese Halbheit ist der Ausdruck davon, daß man gegenüber solchen Fragen ohnmächtig ist. Da ist es gut, sich gerade über diesen Punkt bei einem so ehrlichen Menschen wie Jaur&s umzusehen.

[ 17 ] Er sucht sich klar zu werden über die Bedeutung der Impulse, die von den Grundbesitzern ausgegangen sind in dem fünften nachatlantischen Zeitraum, und denen, die von der Stadtbevölkerung ausgegangen sind. Diese sozialistische Nuance brauchen wir wiederum nicht zu berühren, ich will nur aufmerksam machen darauf, daß Jaurès der Ansicht ist, es käme in diesem Zeitraum weniger darauf an, ob die soziale Frage von demVolk der Grundbesitzer aus oder von dem Stande der Industriebevölkerung aus berücksichtigt ist: eine Sache, die nicht hierher gehört. Bauernerhebungen waren die vom Grundbesitz abhängigen Bewegungen; die sind ihm nicht das Wichtigste. Und das will er gerade an der Jeanne d’Arc sehen, daß, obwohl sie ein Bauernmädchen ist, sie nicht für dieGrundbesitzerbevölkerung- also die Bauernbevölkerung- wirkt, sondern für den größeren Umkreis der Stadtbevölkerung. Jaurès sagt:

[ 17 ] Er sucht sich klar zu werden über die Bedeutung der Impulse, die von den Grundbesitzern ausgegangen sind in dem fünften nachatlantischen Zeitraum, und denen, die von der Stadtbevölkerung ausgegangen sind. Diese sozialistische Nuance brauchen wir wiederum nicht zu berühren, ich will nur aufmerksam machen darauf, daß Jaurès der Ansicht ist, es käme in diesem Zeitraum weniger darauf an, ob die soziale Frage von demVolk der Grundbesitzer aus oder von dem Stande der Industriebevölkerung aus berücksichtigt ist: eine Sache, die nicht hierher gehört. Bauernerhebungen waren die vom Grundbesitz abhängigen Bewegungen; die sind ihm nicht das Wichtigste. Und das will er gerade an der Jeanne d’Arc sehen, daß, obwohl sie ein Bauernmädchen ist, sie nicht für dieGrundbesitzerbevölkerung- also die Bauernbevölkerung- wirkt, sondern für den größeren Umkreis der Stadtbevölkerung. Jaurès sagt:

[ 18 ] «Jeanne d’Arc erfüllt ihre Mission und opfert sich dem Heil des Vaterlandes in einem Frankreich, dem Grund und Boden nicht mehr die einzige Lebenskraft bedeuten; die Gemeinden spielen bereits eine große Rolle, Ludwig der Heilige hatte die Handwerksbriefe und das Gildenrecht sanktioniert und feierlich verkünden lassen, die Pariser Revolution unter den Regierungen Karls V. und Karls VI. hatten das handeltreibende Bürgertum und die Handwerkerschaft als neue Mächte auf den Plan treten sehen, die hellsichtigsten unter jenen, die das Königreich reformieren wollten, träumten von einem Bündnis zwischen Bürgertum und Bauernstand gegen Gesetzlosigkeit und Willkür; in diesem modernen Frankreich, das bald darauf der «Bürgerkönig — der Sohn des Herrschers, den Jeanne d’Arc zu retten im Begriffe stand — regieren sollte, in diesem vielfältigen, durchbildeten und verfeinerten Land, dem die zarten, literarischen Schmerzen jenes Charles d’Orleans nahegingen, dessen Gefangenschaft das Herz des guten Lothringen rührte, in dieser Gesellschaft, die alles eher als ländlich war, erschien Jeanne d’Arc.»

[ 18 ] «Jeanne d’Arc erfüllt ihre Mission und opfert sich dem Heil des Vaterlandes in einem Frankreich, dem Grund und Boden nicht mehr die einzige Lebenskraft bedeuten; die Gemeinden spielen bereits eine große Rolle, Ludwig der Heilige hatte die Handwerksbriefe und das Gildenrecht sanktioniert und feierlich verkünden lassen, die Pariser Revolution unter den Regierungen Karls V. und Karls VI. hatten das handeltreibende Bürgertum und die Handwerkerschaft als neue Mächte auf den Plan treten sehen, die hellsichtigsten unter jenen, die das Königreich reformieren wollten, träumten von einem Bündnis zwischen Bürgertum und Bauernstand gegen Gesetzlosigkeit und Willkür; in diesem modernen Frankreich, das bald darauf der «Bürgerkönig — der Sohn des Herrschers, den Jeanne d’Arc zu retten im Begriffe stand — regieren sollte, in diesem vielfältigen, durchbildeten und verfeinerten Land, dem die zarten, literarischen Schmerzen jenes Charles d’Orleans nahegingen, dessen Gefangenschaft das Herz des guten Lothringen rührte, in dieser Gesellschaft, die alles eher als ländlich war, erschien Jeanne d’Arc.»

[ 19 ] Also sie erschien gewissermaßen für Jaurès nicht für die Bauernbevölkerung, nicht für diejenige Bevölkerung, die mit dem Grundbesitz zusammenhing, sondern gerade mit dem, das mit dem modernen Leben zusammenhing, mit dem Städtewesen. Jaurès sagt:

[ 19 ] Also sie erschien gewissermaßen für Jaurès nicht für die Bauernbevölkerung, nicht für diejenige Bevölkerung, die mit dem Grundbesitz zusammenhing, sondern gerade mit dem, das mit dem modernen Leben zusammenhing, mit dem Städtewesen. Jaurès sagt:

[ 20 ] «Sie war ein schlichtes Landmädchen, das die Schmerzen und Nöte der Bauern, die sie umgaben, gesehen hatte, dem aber all diese Bedrängnisse nur ein nahegerücktes Beispiel des erhabenen und größeren Leides bedeutete, welches das geplünderte Königtum und die überfallene Nation erduldete. In ihrer Seele und in ihrem Denken spielt kein Ort, kein Grundbesitz eineRolle; sie blickt über die lothringischen Felder hinweg. Ihr Bauernherz ist größer als alles Bauerntum. Es schlägt für die fernen, guten Städte, die der Fremdling umzingelt. Auf den Feldern leben, bedeutet nicht, notwendigerweise in den Fragen des Ackerbodens aufgehen. Im Lärm und Getriebe der Städte wäre Jeannes Traum sicherlich weniger frei, weniger kühn und umfassend gewesen. Die Einsamkeit beschützte die Kühnheit ihres Denkens, und sie erlebte die große vaterländische Gemeinschaft viel stärker, da ihre Phantasie ohne Verwirrung den stillen Horizont mit einem Schmerz und einer Hoffnung erfüllen konnte, die darüber hinausgingen. Nicht der Geist bäuerlicher Auflehnung erfüllte sie; sie wollte ein ganzes großes Frankreich befreien, um es späterhin dem Gottesdienst, der Christenheit und Gerechtigkeit zu weihen, Ihr Ziel erscheint ihr so hoch und gottgefällig, daß sie, um es zu erreichen, später den Mut findet, sich sogar der Kirche zu widersetzen und sich auf eine Offenbarung zu berufen, die hoch über jeder anderen Offenbarung stehe.»

[ 20 ] «Sie war ein schlichtes Landmädchen, das die Schmerzen und Nöte der Bauern, die sie umgaben, gesehen hatte, dem aber all diese Bedrängnisse nur ein nahegerücktes Beispiel des erhabenen und größeren Leides bedeutete, welches das geplünderte Königtum und die überfallene Nation erduldete. In ihrer Seele und in ihrem Denken spielt kein Ort, kein Grundbesitz eineRolle; sie blickt über die lothringischen Felder hinweg. Ihr Bauernherz ist größer als alles Bauerntum. Es schlägt für die fernen, guten Städte, die der Fremdling umzingelt. Auf den Feldern leben, bedeutet nicht, notwendigerweise in den Fragen des Ackerbodens aufgehen. Im Lärm und Getriebe der Städte wäre Jeannes Traum sicherlich weniger frei, weniger kühn und umfassend gewesen. Die Einsamkeit beschützte die Kühnheit ihres Denkens, und sie erlebte die große vaterländische Gemeinschaft viel stärker, da ihre Phantasie ohne Verwirrung den stillen Horizont mit einem Schmerz und einer Hoffnung erfüllen konnte, die darüber hinausgingen. Nicht der Geist bäuerlicher Auflehnung erfüllte sie; sie wollte ein ganzes großes Frankreich befreien, um es späterhin dem Gottesdienst, der Christenheit und Gerechtigkeit zu weihen, Ihr Ziel erscheint ihr so hoch und gottgefällig, daß sie, um es zu erreichen, später den Mut findet, sich sogar der Kirche zu widersetzen und sich auf eine Offenbarung zu berufen, die hoch über jeder anderen Offenbarung stehe.»

[ 21 ] Es wird also das andere, ich möchte sagen, unmittelbar anschaulich vor Jaur&s. Er läßt hinschweifen den Blick über dasjenige, was geschehen ist, und findet, daß das, was da geschehen ist, unter dem Einflusse eines geistigen Impulses geschah, sozusagen durch die Seele der Jeanne d’Arc umgeschaltet war und hereingedrungen ist in die physische Welt. Aber es ist selbstverständlich, daß ein so denkender Mensch nicht voll anerkennen kann, daß geistige Impulse, geistige Kräfte das Wichtigste sind. So weiß er wiederum nichts anzufangen mit dem, was sich ihm sogar anschaulich zeigt. Sehen Sie, in dieser Nichtanerkennung desjenigen, was tatsächlich da ist, selbst durch die besten Geister der Gegenwart, in der Nichtanerkennung der geistigen Impulse, die sie aber mit Händen greifen, also in der Nichtanerkennung des historisch mit Händen zu Greifenden liegt die große Lebenslüge der neueren Zeit, von der infiziert sind selbst solche besten strebenden Menschen. Sie wollen das, was da ist, begreifen; aber sie können es nicht begreifen, weil sie den Geist darinnen nicht wirksam schauen können. Das können diejenigen nicht, die wie Jaurès denken. Es konnten es aber auch die anderen nicht, schon zur Zeit der Jeanne d’Arc, die aus alttraditioneller Weisheit heraus vor dem unmittelbaren Erscheinen eines geistigen Faktums in der Jungfrau von Orleans standen, denn, so paradox es klingt, daß einer Theologe ist, das macht ihn nicht zum Spiritualisten, daß einer die theologischen Dogmen verteidigt, das macht ihn nicht zum Anerkenner der geistigen Welt.

[ 21 ] Es wird also das andere, ich möchte sagen, unmittelbar anschaulich vor Jaur&s. Er läßt hinschweifen den Blick über dasjenige, was geschehen ist, und findet, daß das, was da geschehen ist, unter dem Einflusse eines geistigen Impulses geschah, sozusagen durch die Seele der Jeanne d’Arc umgeschaltet war und hereingedrungen ist in die physische Welt. Aber es ist selbstverständlich, daß ein so denkender Mensch nicht voll anerkennen kann, daß geistige Impulse, geistige Kräfte das Wichtigste sind. So weiß er wiederum nichts anzufangen mit dem, was sich ihm sogar anschaulich zeigt. Sehen Sie, in dieser Nichtanerkennung desjenigen, was tatsächlich da ist, selbst durch die besten Geister der Gegenwart, in der Nichtanerkennung der geistigen Impulse, die sie aber mit Händen greifen, also in der Nichtanerkennung des historisch mit Händen zu Greifenden liegt die große Lebenslüge der neueren Zeit, von der infiziert sind selbst solche besten strebenden Menschen. Sie wollen das, was da ist, begreifen; aber sie können es nicht begreifen, weil sie den Geist darinnen nicht wirksam schauen können. Das können diejenigen nicht, die wie Jaurès denken. Es konnten es aber auch die anderen nicht, schon zur Zeit der Jeanne d’Arc, die aus alttraditioneller Weisheit heraus vor dem unmittelbaren Erscheinen eines geistigen Faktums in der Jungfrau von Orleans standen, denn, so paradox es klingt, daß einer Theologe ist, das macht ihn nicht zum Spiritualisten, daß einer die theologischen Dogmen verteidigt, das macht ihn nicht zum Anerkenner der geistigen Welt.

[ 22 ] Der Theologe, von dem ich Ihnen gestern einige Proben gegeben habe, der ist natürlich kein Anerkenner der geistigen Welt, sondern das ist ein ebensolcher Materialist wie Büchner oder Moleschott, nur daß Büchner und Moleschott wahrer waren als ein solcher Theologe mit seinem Materialismus. Was man sagt, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, was man im lebendigen Erleben aufnimmt: ob man wirklich anerkennt das Geistige, wenn es einem entgegentritt. Das konnten aber schon die Theologen nicht, als ihnen Jeanne d’Arc gegenüberstand, und dieses Faktum ist etwas, worauf Jaur&s wiederum ganz gut hinweist, indem er sagt:

[ 22 ] Der Theologe, von dem ich Ihnen gestern einige Proben gegeben habe, der ist natürlich kein Anerkenner der geistigen Welt, sondern das ist ein ebensolcher Materialist wie Büchner oder Moleschott, nur daß Büchner und Moleschott wahrer waren als ein solcher Theologe mit seinem Materialismus. Was man sagt, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, was man im lebendigen Erleben aufnimmt: ob man wirklich anerkennt das Geistige, wenn es einem entgegentritt. Das konnten aber schon die Theologen nicht, als ihnen Jeanne d’Arc gegenüberstand, und dieses Faktum ist etwas, worauf Jaur&s wiederum ganz gut hinweist, indem er sagt:

[ 23 ] «Ihr Ziel erscheint ihr so hoch und gottgefällig, daß sie, um es zu erreichen, später den Mut findet, sich sogar der Kirche zu widersetzen und sich auf eine Offenbarung zu berufen, die hoch über jeder anderen Offenbarung stehe. Den Theologen, die sie drängen, aus den heiligen Büchern ihre Wunder und ihre Mission zu rechtfertigen, antwortet sie—»

[ 23 ] «Ihr Ziel erscheint ihr so hoch und gottgefällig, daß sie, um es zu erreichen, später den Mut findet, sich sogar der Kirche zu widersetzen und sich auf eine Offenbarung zu berufen, die hoch über jeder anderen Offenbarung stehe. Den Theologen, die sie drängen, aus den heiligen Büchern ihre Wunder und ihre Mission zu rechtfertigen, antwortet sie—»

[ 24 ] Also die Theologen, diese Vertreter des geistigen Lebens, die da einmal eine Offenbarung des geistigen Lebens vor sich hatten, die setzten sich nicht über diese Offenbarung des geistigen Lebens auseinander, sondern die kamen mit dem Pergament, das die Quelle ist, aus der die göttliche Offenbarung quillt, und sagten: «Beweise uns aus der Heiligen Schrift, daß dasjenige wahr sein kann, was du uns sagst.» — Nicht aus dem lebendigen Dasein eines Zusammenhanges mit der geistigen Welt sollte die Jungfrau von Orleans beweisen dürfen, daß sie irgendeine Mission habe, sondern sie sollte es beweisen aus den alten Büchern. Und sie antwortet:

[ 24 ] Also die Theologen, diese Vertreter des geistigen Lebens, die da einmal eine Offenbarung des geistigen Lebens vor sich hatten, die setzten sich nicht über diese Offenbarung des geistigen Lebens auseinander, sondern die kamen mit dem Pergament, das die Quelle ist, aus der die göttliche Offenbarung quillt, und sagten: «Beweise uns aus der Heiligen Schrift, daß dasjenige wahr sein kann, was du uns sagst.» — Nicht aus dem lebendigen Dasein eines Zusammenhanges mit der geistigen Welt sollte die Jungfrau von Orleans beweisen dürfen, daß sie irgendeine Mission habe, sondern sie sollte es beweisen aus den alten Büchern. Und sie antwortet:

[ 25 ] «Im Buche Gottes steht mehr geschrieben, als in all eueren Büchern.» Jaurès sagt dazu: «Ein wunderbares Wort, das in gewisser Beziehung im Gegensatz zur Bauernseele steht, deren Glaube vor allem im Herkommen wurzelt. Wie fern ist das alles von dem dumpfen engherzig beschränkten Patriotismus des Grundbesitzes! Jeanne aber vernimmt die göttlichen Stimmen ihres Herzens, indem sie zu den strahlenden und sanften Himmelshöhen aufblickt.»

[ 25 ] «Im Buche Gottes steht mehr geschrieben, als in all eueren Büchern.» Jaurès sagt dazu: «Ein wunderbares Wort, das in gewisser Beziehung im Gegensatz zur Bauernseele steht, deren Glaube vor allem im Herkommen wurzelt. Wie fern ist das alles von dem dumpfen engherzig beschränkten Patriotismus des Grundbesitzes! Jeanne aber vernimmt die göttlichen Stimmen ihres Herzens, indem sie zu den strahlenden und sanften Himmelshöhen aufblickt.»

[ 26 ] Denken Sie sich auf der einen Seite die Ehrlichkeit und auf der anderen Seite die tiefe Unwahrheit; denn selbstverständlich, ein Mensch der Gegenwart erkennt ja das nur als eine Selbstsuggestion an, als eine Erdichtung, was in der Jungfrau von Orleans ist, und nur bildhafte, dichterische Ausdrücke sieht er in dem, was er sagt:

[ 26 ] Denken Sie sich auf der einen Seite die Ehrlichkeit und auf der anderen Seite die tiefe Unwahrheit; denn selbstverständlich, ein Mensch der Gegenwart erkennt ja das nur als eine Selbstsuggestion an, als eine Erdichtung, was in der Jungfrau von Orleans ist, und nur bildhafte, dichterische Ausdrücke sieht er in dem, was er sagt:

[ 27 ] «Wie fern ist das alles von dem dumpfen engherzig beschränkten Patriotismus des Grundbesitzes! Jeanne aber vernimmt die göttlichen Stimmen ihres Herzens, indem sie zu den strahlenden und sanften Himmelshöhen aufblickt.»

[ 27 ] «Wie fern ist das alles von dem dumpfen engherzig beschränkten Patriotismus des Grundbesitzes! Jeanne aber vernimmt die göttlichen Stimmen ihres Herzens, indem sie zu den strahlenden und sanften Himmelshöhen aufblickt.»

[ 28 ] Diese göttlichen Stimmen ihres Herzens sind etwas ganz Abstraktes für einen solchen Mann. Das ist nichts real Wirkliches, was da herunterfließt: die Mächte des Lebens durch eine Quelle wie die Jungfrau von Orleans hereinfließend, so daß man es aufnimmt, um mit diesem geistigen Impuls Reform-Sozialwissenschaft zu treiben! Nein, Jeanne d’Arc spricht davon; wenn er aber irgend etwas tun will, dann blickt er nicht auf zu dem, was aus den strahlenden Himmelshöhen hereinfließt, sondern er summiert, dividiert, potenziert und logiziert abstrakte Begriffe, rein materialistische Gedanken. Das ist die tiefe Unwahrheit, die den Leuten gar nicht zum Bewußtsein kommt, die gerade den Besten nicht zum Bewußtsein kommt.

[ 28 ] Diese göttlichen Stimmen ihres Herzens sind etwas ganz Abstraktes für einen solchen Mann. Das ist nichts real Wirkliches, was da herunterfließt: die Mächte des Lebens durch eine Quelle wie die Jungfrau von Orleans hereinfließend, so daß man es aufnimmt, um mit diesem geistigen Impuls Reform-Sozialwissenschaft zu treiben! Nein, Jeanne d’Arc spricht davon; wenn er aber irgend etwas tun will, dann blickt er nicht auf zu dem, was aus den strahlenden Himmelshöhen hereinfließt, sondern er summiert, dividiert, potenziert und logiziert abstrakte Begriffe, rein materialistische Gedanken. Das ist die tiefe Unwahrheit, die den Leuten gar nicht zum Bewußtsein kommt, die gerade den Besten nicht zum Bewußtsein kommt.

[ 29 ] An solchen Beispielen muß man sich schon veranschaulichen, wie die Menschen, die im Geistesleben der Gegenwart drinnenstehen, gar nicht kommen können gerade zur Anerkennung des Wichtigsten: der geistigen Tatsachen selber, die sie aus dem Leben der Gegenwart heraus für eine Phantastik halten müssen. Ich habe gesagt: Im 19. Jahrhundert erlebte das, was hier angedeutet ist, das Überhandnehmen der materialistischen Gesinnung, eine Krisis. Es kam zu einem bestimmten Höhepunkt. Und es ist gut, zu sehen, wie die Dinge heraufziehen; denn gerade aus dem gestrigen Beispiel von einem Theologen werden Sie gesehen haben, wie in der "Theologie am stärksten fließt, man kann schon sagen, dasjenige, was von der materialistischen Gesinnung der Naturwissenschaft ausgegangen ist. Da fließt es deshalb am verhängnisvollsten, weil es am stärksten zur Unwahrhaftigkeit, zur unbewußten Unwahrhaftigkeit führt. Das ist das Wichtige, was man einsehen muß. Und solch ein Theologe wie der, der das Reformchristentum in Aarau im Mai dieses Jahres vertrat, welcher davon sprach, daß wir alle uns das Denken abgewöhnen wollen und daß wir alle Christusse werden wollen, der ist nur eine Persönlichkeit, die auf dem Boden derselben Gesinnung steht. Denn in seiner Broschüre findet sich zum Beispiel die Anschauung: Diese Menschen wollen das Geheimnisvolle erforschen; aber das wollen wir gerade nicht, so meint dieser Mann von seinem Standpunkte aus, das Geheimnisvolle ist gerade dadurch das Wertvolle, daß es geheimnisvoll bleibt. Wir wollen das Geheimnisvolle stehen lassen; wir wollen es ja nicht enthüllen. Denn wenn man uns einmal enthüllt das Geheimnisvolle, dann ist es kein Geheimnisvolles mehr und das ist irreligiös, das ist unchristlich, das Geheimnisvolle zu enthüllen. — Auf diesem Standpunkte steht der Mann.

[ 29 ] An solchen Beispielen muß man sich schon veranschaulichen, wie die Menschen, die im Geistesleben der Gegenwart drinnenstehen, gar nicht kommen können gerade zur Anerkennung des Wichtigsten: der geistigen Tatsachen selber, die sie aus dem Leben der Gegenwart heraus für eine Phantastik halten müssen. Ich habe gesagt: Im 19. Jahrhundert erlebte das, was hier angedeutet ist, das Überhandnehmen der materialistischen Gesinnung, eine Krisis. Es kam zu einem bestimmten Höhepunkt. Und es ist gut, zu sehen, wie die Dinge heraufziehen; denn gerade aus dem gestrigen Beispiel von einem Theologen werden Sie gesehen haben, wie in der "Theologie am stärksten fließt, man kann schon sagen, dasjenige, was von der materialistischen Gesinnung der Naturwissenschaft ausgegangen ist. Da fließt es deshalb am verhängnisvollsten, weil es am stärksten zur Unwahrhaftigkeit, zur unbewußten Unwahrhaftigkeit führt. Das ist das Wichtige, was man einsehen muß. Und solch ein Theologe wie der, der das Reformchristentum in Aarau im Mai dieses Jahres vertrat, welcher davon sprach, daß wir alle uns das Denken abgewöhnen wollen und daß wir alle Christusse werden wollen, der ist nur eine Persönlichkeit, die auf dem Boden derselben Gesinnung steht. Denn in seiner Broschüre findet sich zum Beispiel die Anschauung: Diese Menschen wollen das Geheimnisvolle erforschen; aber das wollen wir gerade nicht, so meint dieser Mann von seinem Standpunkte aus, das Geheimnisvolle ist gerade dadurch das Wertvolle, daß es geheimnisvoll bleibt. Wir wollen das Geheimnisvolle stehen lassen; wir wollen es ja nicht enthüllen. Denn wenn man uns einmal enthüllt das Geheimnisvolle, dann ist es kein Geheimnisvolles mehr und das ist irreligiös, das ist unchristlich, das Geheimnisvolle zu enthüllen. — Auf diesem Standpunkte steht der Mann.

[ 30 ] Und er ist gewissermaßen doch typisch, dieser Mann, auch für unsere Zeit, welche eben die intellektuellen Defekte bis in die Sphäre des moralisch Defekten hinein entwickelt; denn was er sagt von unserer Auffassung des Christus-Prinzips und manches, was er sonst sagt, das grenzt schon durchaus nicht bloß an Mißverständnis, sondern an bewußte Fälschung, da er ja anderes wissen könnte und sich nicht gewissenhaft genug verpflichtet fühlt, dieses andere sich anzuschauen, es kennenzulernen, sondern flott dasjenige sagt, was unrichtig ist: Da beginnt das intellektuelle Mißverständnis zum moralischen Defekt zu werden, der sich dann gerade recht verhängnisvoll in die Seelen hineinzieht. Das, was er da gesagt hat, ist so recht eine Pflanze unserer Zeit, und es ist doch interessant, sich zu vergegenwärtigen, wie das nicht immer so war. Man kann, wenn man auf die Dinge eingeht, schon sehen, wie das nicht immer so war. Diese Broschüre gibt wieder einen Vortrag, der gehalten worden ist über «Moderne Mystik und freies Christentum» in Aarau am Schweizerischen Reformtag am 22.Mai 1916. An Aarau! Das also ist sozusagen die Gesinnung, die eingeflossen ist in die Aura von Aarau im Mai 1916.

[ 30 ] Und er ist gewissermaßen doch typisch, dieser Mann, auch für unsere Zeit, welche eben die intellektuellen Defekte bis in die Sphäre des moralisch Defekten hinein entwickelt; denn was er sagt von unserer Auffassung des Christus-Prinzips und manches, was er sonst sagt, das grenzt schon durchaus nicht bloß an Mißverständnis, sondern an bewußte Fälschung, da er ja anderes wissen könnte und sich nicht gewissenhaft genug verpflichtet fühlt, dieses andere sich anzuschauen, es kennenzulernen, sondern flott dasjenige sagt, was unrichtig ist: Da beginnt das intellektuelle Mißverständnis zum moralischen Defekt zu werden, der sich dann gerade recht verhängnisvoll in die Seelen hineinzieht. Das, was er da gesagt hat, ist so recht eine Pflanze unserer Zeit, und es ist doch interessant, sich zu vergegenwärtigen, wie das nicht immer so war. Man kann, wenn man auf die Dinge eingeht, schon sehen, wie das nicht immer so war. Diese Broschüre gibt wieder einen Vortrag, der gehalten worden ist über «Moderne Mystik und freies Christentum» in Aarau am Schweizerischen Reformtag am 22.Mai 1916. An Aarau! Das also ist sozusagen die Gesinnung, die eingeflossen ist in die Aura von Aarau im Mai 1916.

[ 31 ] Nun, es ist gut in einem solchen Falle, wirklich zu studieren, in derselben Aura nachzusehen, wie sich die Dinge entwickelt haben: In Aarau, 1828, bei Heinrich Remigius Sauerländer, erschien die «Naturlehre des menschlichen Erkennens» von Dr. Troxier! Wir sehen also, diese «Naturlehre des menschlichen Erkennens» fand dazumal innerhalb derselben Aura eine Stätte, 1828. Sie kennen den Troxler schon, wenigstens die meisten von Ihnen, aus meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel». Dieser Troxler ist in der Schweiz geboren, war zuerst Professor in Luzern, dann in Basel und in Bern, er ist 1868 gestorben. Er ist noch nicht auf dem Standpunkt der gegenwärtigen Geisteswissenschaft, das heißt ihm fehlt die Möglichkeit, die Welten konkret vor die Menschen hinzustellen, welche Geisteswissenschaft schildern kann. Aber er ist, ich möchte sagen, auf dem Wege. Und es ist interessant zu sehen, wie auf demselben Terrain einmal anders gesprochen worden ist. Dafür nur einige Troxlersche Stellen, die ich Ihnen heute vor die Seele führe, damit Sie sehen, wie anders gesprochen worden ist auf demselben Gebiete. Ich möchte vorher sagen, daß allerdings Troxler noch keine Geisteswissenschaft hat, daß er aber Begriffe aufstellt zunächst wie Hypothesen, welche vielleicht nicht genau, aber doch im wesentlichen wiederzufinden sind, wenn man sie vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus betrachtet. Da reden wir ja von dem physischen Leib, von dem ätherischen Leib, von dem astralischen Leib und von dem Ich. Diese vier Begriffe decken sich ungefähr, wenn auch Troxler keine Anschauung hat, mit dem, was er nennt den Körper im Menschen, den Leib, die Seele und den Geist. In vier Teile gliedert er den Menschen: in Körper, Leib, Seele und Geist, und er tadelt es an den Philosophen, die vor ihm gewirkt haben, scharf, daß sie es nicht dazu brachten, einzusehen, daß es ein Unsinn ist, zu sagen, der Mensch besteht aus Geist und Körper, sondern daß man den Menschen nur versteht, wenn man ihn als dieses viergliedrige System ansieht: Leib und Seele als das Innerliche, Körper als das Äußerliche, Untere, Geist als das Obere. Und wie gesagt, wenn auch Troxler nicht bis zur Geisteswissenschaft vorgerückt ist, so brachte er es doch dahin — durch eine Gemütserkenntnis brachte er es dahin —, den Menschen im hohen Grade zu erkennen. Und von diesem Gesichtspunkte aus sagt der Mann zum Beispiel das Folgende. Mit Bezug auf frühere Philosophen, die eben alles durcheinandergeworfen haben im Menschen, sagt er:

[ 31 ] Nun, es ist gut in einem solchen Falle, wirklich zu studieren, in derselben Aura nachzusehen, wie sich die Dinge entwickelt haben: In Aarau, 1828, bei Heinrich Remigius Sauerländer, erschien die «Naturlehre des menschlichen Erkennens» von Dr. Troxier! Wir sehen also, diese «Naturlehre des menschlichen Erkennens» fand dazumal innerhalb derselben Aura eine Stätte, 1828. Sie kennen den Troxler schon, wenigstens die meisten von Ihnen, aus meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel». Dieser Troxler ist in der Schweiz geboren, war zuerst Professor in Luzern, dann in Basel und in Bern, er ist 1868 gestorben. Er ist noch nicht auf dem Standpunkt der gegenwärtigen Geisteswissenschaft, das heißt ihm fehlt die Möglichkeit, die Welten konkret vor die Menschen hinzustellen, welche Geisteswissenschaft schildern kann. Aber er ist, ich möchte sagen, auf dem Wege. Und es ist interessant zu sehen, wie auf demselben Terrain einmal anders gesprochen worden ist. Dafür nur einige Troxlersche Stellen, die ich Ihnen heute vor die Seele führe, damit Sie sehen, wie anders gesprochen worden ist auf demselben Gebiete. Ich möchte vorher sagen, daß allerdings Troxler noch keine Geisteswissenschaft hat, daß er aber Begriffe aufstellt zunächst wie Hypothesen, welche vielleicht nicht genau, aber doch im wesentlichen wiederzufinden sind, wenn man sie vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus betrachtet. Da reden wir ja von dem physischen Leib, von dem ätherischen Leib, von dem astralischen Leib und von dem Ich. Diese vier Begriffe decken sich ungefähr, wenn auch Troxler keine Anschauung hat, mit dem, was er nennt den Körper im Menschen, den Leib, die Seele und den Geist. In vier Teile gliedert er den Menschen: in Körper, Leib, Seele und Geist, und er tadelt es an den Philosophen, die vor ihm gewirkt haben, scharf, daß sie es nicht dazu brachten, einzusehen, daß es ein Unsinn ist, zu sagen, der Mensch besteht aus Geist und Körper, sondern daß man den Menschen nur versteht, wenn man ihn als dieses viergliedrige System ansieht: Leib und Seele als das Innerliche, Körper als das Äußerliche, Untere, Geist als das Obere. Und wie gesagt, wenn auch Troxler nicht bis zur Geisteswissenschaft vorgerückt ist, so brachte er es doch dahin — durch eine Gemütserkenntnis brachte er es dahin —, den Menschen im hohen Grade zu erkennen. Und von diesem Gesichtspunkte aus sagt der Mann zum Beispiel das Folgende. Mit Bezug auf frühere Philosophen, die eben alles durcheinandergeworfen haben im Menschen, sagt er:

[ 32 ] «Überhaupt tadeln wir nur an diesem, sowie an allen vorerwähnten Philosophen und Theologen, daß sie ihre Anthroposophie vielmehr aus Reflexion und Spekulation, oder Autorität und Dogmatik, als aus ihrem Urbewußtsein, oder dem eigenen in Religion vollendeten Geiste geschöpft haben. Nur die ursprüngliche und unmittelbare Erkenntnis des Göttlichen in seiner Natur führt den Menschen zur Selbsterkenntnis seiner wesenhaften Persönlichkeit und lebendigen Spontaneität, wofür bis jetzt nur einzelne abgeleitete und mittelbare Werke und Formen von untergeordneten und einseitigen Arten und Graden des Bewußtseins angesehen worden sind.»

[ 32 ] «Überhaupt tadeln wir nur an diesem, sowie an allen vorerwähnten Philosophen und Theologen, daß sie ihre Anthroposophie vielmehr aus Reflexion und Spekulation, oder Autorität und Dogmatik, als aus ihrem Urbewußtsein, oder dem eigenen in Religion vollendeten Geiste geschöpft haben. Nur die ursprüngliche und unmittelbare Erkenntnis des Göttlichen in seiner Natur führt den Menschen zur Selbsterkenntnis seiner wesenhaften Persönlichkeit und lebendigen Spontaneität, wofür bis jetzt nur einzelne abgeleitete und mittelbare Werke und Formen von untergeordneten und einseitigen Arten und Graden des Bewußtseins angesehen worden sind.»

[ 33 ] Er sagt weiter:

[ 33 ] Er sagt weiter:

[ 34 ] «Die Theosophen sind zwar unter sich so wenig einig als die Philosophen. So z.B. stellt sich Daumer in folgender, wie mir scheint, sehr richtigen und unserer Ansicht sich annähernden Bemerkung, sowohl Böhme, als Schelling und Baader, entgegen. Er sagt Seite 39: Es ist zu bemerken, daß bei Böhme, wie bei Schelling, jene Verwechselung des entäußerten Gottes (des Ungrundes) mit dem Voraussetzungslosen in Gott, und der Irrtum herrscht, als habe sich Gott durch den Grund selbst gefunden und erforscht.»

[ 34 ] «Die Theosophen sind zwar unter sich so wenig einig als die Philosophen. So z.B. stellt sich Daumer in folgender, wie mir scheint, sehr richtigen und unserer Ansicht sich annähernden Bemerkung, sowohl Böhme, als Schelling und Baader, entgegen. Er sagt Seite 39: Es ist zu bemerken, daß bei Böhme, wie bei Schelling, jene Verwechselung des entäußerten Gottes (des Ungrundes) mit dem Voraussetzungslosen in Gott, und der Irrtum herrscht, als habe sich Gott durch den Grund selbst gefunden und erforscht.»

[ 35 ] Also die Verwechselung eben wiederum dieser Dinge, um die es sich hier handelt.

[ 35 ] Also die Verwechselung eben wiederum dieser Dinge, um die es sich hier handelt.

[ 36 ] «Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophischen Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat» und so weiter.

[ 36 ] «Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophischen Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat» und so weiter.

[ 37 ] Das war das intensivste Bestreben dieses Troxler gerade auf dem Gebiete, auf das ich hingedeutet habe: nach einer Anthroposophie hinzuarbeiten. Man möchte sagen, wie eine Art Vorbote erscheint ja Troxler gerade auf diesem Gebiete. Nun überlegen Sie sich nur einmal, wie die Sache anders wäre, wenn Troxler, der gewirkt hat in Luzern, Bern und in Basel, gehört worden wäre dazumal, als er Anthroposophie — wenn auch noch in seiner Art — einführen wollte. Wenn das Boden gewonnen hätte, wie es anders wäre, wenn jetzt der Anthroposophie, die eben vorgeschritten ist bis zum konkreten Geist-Erkennen, hier ein Bau aufgeführt wird. Wenn Sie sich solches überlegen, gerade am konkreten Fall studieren, an diesem wunderbaren Fall, daß hier unmittelbare Anthroposophie, die in den dreißiger Jahren dem Namen nach gelehrt worden ist, wieder auftreten will, und wie jetzt in demselben Aarau, wo dieses Buch erschienen ist, in welchem die Sätze über Anthroposophie stehen, so wie sie damals sein konnte, ein Vortrag gehalten wird über «Neuere Mystik und freies Christentum», in dem gesagt wird: Diese Anthroposophen, die wollen sich zum Prinzip machen, sich das Denken abzugewöhnen und alle Christusse zu werden — wenn Sie sich das überlegen, dann werden Sie schon eine Vorstellung bekommen von der materialistischen Krisis, die im Laufe des 19. Jahrhunderts eingetreten ist. Und es ist gut, sich von solchen Dingen eine Vorstellung zu machen, zu wissen, daß man keine Berechtigung hat heute, wenn man auf dem Boden des äußeren Geisteslebens steht, anders zu sprechen, als indem man sich bewußt ist, Wagnersche Gesinnung auszusprechen und nicht Faust-Gesinnung, wenn man sagt:

[ 37 ] Das war das intensivste Bestreben dieses Troxler gerade auf dem Gebiete, auf das ich hingedeutet habe: nach einer Anthroposophie hinzuarbeiten. Man möchte sagen, wie eine Art Vorbote erscheint ja Troxler gerade auf diesem Gebiete. Nun überlegen Sie sich nur einmal, wie die Sache anders wäre, wenn Troxler, der gewirkt hat in Luzern, Bern und in Basel, gehört worden wäre dazumal, als er Anthroposophie — wenn auch noch in seiner Art — einführen wollte. Wenn das Boden gewonnen hätte, wie es anders wäre, wenn jetzt der Anthroposophie, die eben vorgeschritten ist bis zum konkreten Geist-Erkennen, hier ein Bau aufgeführt wird. Wenn Sie sich solches überlegen, gerade am konkreten Fall studieren, an diesem wunderbaren Fall, daß hier unmittelbare Anthroposophie, die in den dreißiger Jahren dem Namen nach gelehrt worden ist, wieder auftreten will, und wie jetzt in demselben Aarau, wo dieses Buch erschienen ist, in welchem die Sätze über Anthroposophie stehen, so wie sie damals sein konnte, ein Vortrag gehalten wird über «Neuere Mystik und freies Christentum», in dem gesagt wird: Diese Anthroposophen, die wollen sich zum Prinzip machen, sich das Denken abzugewöhnen und alle Christusse zu werden — wenn Sie sich das überlegen, dann werden Sie schon eine Vorstellung bekommen von der materialistischen Krisis, die im Laufe des 19. Jahrhunderts eingetreten ist. Und es ist gut, sich von solchen Dingen eine Vorstellung zu machen, zu wissen, daß man keine Berechtigung hat heute, wenn man auf dem Boden des äußeren Geisteslebens steht, anders zu sprechen, als indem man sich bewußt ist, Wagnersche Gesinnung auszusprechen und nicht Faust-Gesinnung, wenn man sagt:

Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

[ 38 ] Denn denken Sie sich einmal, der Mann, der in Aarau gesprochen hat, zu Troxler hinblickend, der sein Buch in Aarau hat erscheinen lassen, würde nun sagen — er würde es ja gewiß von seinem Gesichtspunkte aus sagen, der heutige Redner über neuere Mystik und freies Christentum:

[ 38 ] Denn denken Sie sich einmal, der Mann, der in Aarau gesprochen hat, zu Troxler hinblickend, der sein Buch in Aarau hat erscheinen lassen, würde nun sagen — er würde es ja gewiß von seinem Gesichtspunkte aus sagen, der heutige Redner über neuere Mystik und freies Christentum:

Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht!

Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht!

[ 39 ] Der Troxler, der hat es noch nicht so weit gebracht, einzusehen, daß diese Anthroposophen sich das Denken abgewöhnen und alle Christusse werden wollen, daß sie das Geheimnis enthüllen wollen und nicht das Geheimnis lassen, und dadurch sich auflehnen gegen alles ehrliche, menschliche Bestreben. Troxler würde nicht sagen: Ich habe endlich eingesehen, diese Anthroposophen sind zu verdammen, denn sie wollen alle Christusse werden, wollen sich des Denkens entäußern und des Sinnens und wollen die Geheimnisse enthüllen; aber es ist der Mensch doch nicht dazu da, irgend etwas zu erforschen, sondern er ist da, wie ja der Herr Theologe glaubt, zum Denken, welches sich die Anthroposophen — abgewöhnen wollen!

[ 39 ] Der Troxler, der hat es noch nicht so weit gebracht, einzusehen, daß diese Anthroposophen sich das Denken abgewöhnen und alle Christusse werden wollen, daß sie das Geheimnis enthüllen wollen und nicht das Geheimnis lassen, und dadurch sich auflehnen gegen alles ehrliche, menschliche Bestreben. Troxler würde nicht sagen: Ich habe endlich eingesehen, diese Anthroposophen sind zu verdammen, denn sie wollen alle Christusse werden, wollen sich des Denkens entäußern und des Sinnens und wollen die Geheimnisse enthüllen; aber es ist der Mensch doch nicht dazu da, irgend etwas zu erforschen, sondern er ist da, wie ja der Herr Theologe glaubt, zum Denken, welches sich die Anthroposophen — abgewöhnen wollen!

[ 40 ] Sie sehen, gegenseitige Verständigung wird schon nicht möglich sein; aber ein Beispiel ist es doch dafür, ob eine Krisis, eine materialistische Krisis, durch das 19. Jahrhundert da ist oder nicht, und inwieweit es gilt, daß man es «so herrlich weit» gebracht hat! Man hat es, ich glaube, von Troxler zu Joß auf dem Gebiete der Aarauer Aura herrlich weit gebracht! Aber nicht vorwärts, sondern rückwärts! Davon dann morgen weiter.

[ 40 ] Sie sehen, gegenseitige Verständigung wird schon nicht möglich sein; aber ein Beispiel ist es doch dafür, ob eine Krisis, eine materialistische Krisis, durch das 19. Jahrhundert da ist oder nicht, und inwieweit es gilt, daß man es «so herrlich weit» gebracht hat! Man hat es, ich glaube, von Troxler zu Joß auf dem Gebiete der Aarauer Aura herrlich weit gebracht! Aber nicht vorwärts, sondern rückwärts! Davon dann morgen weiter.