The Spiritual Background of World War I
GA 174b
24 February 1918, Stuttgart
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Die geistigen Hinter des Ersten Weltkrieges
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben gestern versucht, des genaueren jene Welt kennenzulernen, die uns so umgibt, daß wir sie gemeinsam haben mit denjenigen, die durch des Todes Pforte gegangen sind, und die wir auch gemeinschaftlich haben mit jenen geistig-seelischen Wesenheiten, die wir zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien rechnen. Damit haben wir uns einer Betrachtung hingegeben, welche geeignet ist, uns einen Teil jener Wirklichkeit zu erschließen, die in das menschliche Leben hereinspielt, ohne daß der Mensch mit seiner sinnlichen Wahrnehmung und auch mit seinem an die sinnliche Wahrnehmung gefesselten Verstand etwas von ihr im gewöhnlichen wachen Bewußtsein wissen kann. Da diese Welt eine Wirklichkeit ist, eine bei der Gestaltung des menschlichen Lebens mitwirkende Wirklichkeit, so ist es wohl begreiflich, daß in der Zeit, in die wir uns hineinleben, in welcher der Mensch immer mehr und mehr aufgerufen wird, aus seinem freien Willen heraus — wie wir das öfter sagten — das allgemeine Menschheitsentwickelungsgeschick in die Hand zu nehmen, daß in einer solchen Zeit ein Wissen auch über diese übersinnlichen Dinge sich in die Menschenseele senkt. In der Andeutung, daß in unserer Zeit dies ganz besonders notwendig ist, haben wir gestern die Betrachtung ausklingen lassen, die eben als eine Betrachtung über das Leben der sogenannten Toten jeder einzelnen Menschenseele tief eindringlich sein muß. Auf der anderen Seite muß es aber auch wiederum ein intensives Bedürfnis sein, gerade über solche Dinge sich genauere Gedanken zu machen, wie die waren, die wir gestern in unserer Betrachtung haben anklingen lassen. Denn in unserer Zeit sollten selbst halbwache Menschen, träumende Menschen ahnen, daß sich außerordentlich wichtige Entscheidungen bilden.
[ 1 ] Wir haben gestern versucht, des genaueren jene Welt kennenzulernen, die uns so umgibt, daß wir sie gemeinsam haben mit denjenigen, die durch des Todes Pforte gegangen sind, und die wir auch gemeinschaftlich haben mit jenen geistig-seelischen Wesenheiten, die wir zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien rechnen. Damit haben wir uns einer Betrachtung hingegeben, welche geeignet ist, uns einen Teil jener Wirklichkeit zu erschließen, die in das menschliche Leben hereinspielt, ohne daß der Mensch mit seiner sinnlichen Wahrnehmung und auch mit seinem an die sinnliche Wahrnehmung gefesselten Verstand etwas von ihr im gewöhnlichen wachen Bewußtsein wissen kann. Da diese Welt eine Wirklichkeit ist, eine bei der Gestaltung des menschlichen Lebens mitwirkende Wirklichkeit, so ist es wohl begreiflich, daß in der Zeit, in die wir uns hineinleben, in welcher der Mensch immer mehr und mehr aufgerufen wird, aus seinem freien Willen heraus — wie wir das öfter sagten — das allgemeine Menschheitsentwickelungsgeschick in die Hand zu nehmen, daß in einer solchen Zeit ein Wissen auch über diese übersinnlichen Dinge sich in die Menschenseele senkt. In der Andeutung, daß in unserer Zeit dies ganz besonders notwendig ist, haben wir gestern die Betrachtung ausklingen lassen, die eben als eine Betrachtung über das Leben der sogenannten Toten jeder einzelnen Menschenseele tief eindringlich sein muß. Auf der anderen Seite muß es aber auch wiederum ein intensives Bedürfnis sein, gerade über solche Dinge sich genauere Gedanken zu machen, wie die waren, die wir gestern in unserer Betrachtung haben anklingen lassen. Denn in unserer Zeit sollten selbst halbwache Menschen, träumende Menschen ahnen, daß sich außerordentlich wichtige Entscheidungen bilden.
[ 2 ] Ich habe ja da oder dort im Laufe unserer Auseinandersetzungen immer wieder und wiederum auch Andeutungen gegeben über dasjenige, was man aus den Quellen der Geistesforschung heraus über den Charakter der neueren Zeit, den Charakter unserer Zeit selber und der nächsten Zukunft zu sagen vermag. Solche Dinge konnte man allerdings der gegenwärtigen Menschheit, auch mehr oder weniger der anthroposophisch gesinnten Menschheit nur in vorsichtiger Weise geben. Sehen Sie nur einmal nach, wieviel zum Verständnis gerade dieser unserer schweren, katastrophalen Zeit sich hineingefügt findet in die Vorträge, die viele Jahre vor diesen katastrophalen Ereignissen in Kristiania über die Völkerseelen gehalten worden sind. Und vielleicht darf auch daran erinnert werden, daß in einer Zeit, in der es wohl nötig gewesen wäre, in der einen oder anderen Weise hinzuzeigen auf den Ernst der Impulse, die da vorliegen, in dem Vortragszyklus, der in Wien gehalten worden ist im Vorfrühling 1914 — also vor dem Ausbruch unserer gegenwärtigen Weltkatastrophe —, von dem sozialen Leben, von dem menschlichen Zusammenleben unserer Zeit so gesprochen worden ist, daß ich damals einen scharfen, einen starken Ausdruck gewählt habe: Ich habe dazumal in diesen Vorträgen, die im wesentlichen auch handelten von dem Leben des Menschen zwischen Tod und einer neuen Geburt, davon gesprochen, daß durch das moralisch-soziale Leben der Gegenwart etwas vorgeht, was man als ein soziales Karzinom, als eine schreckliche soziale Krebskrankheit bezeichnen kann. Vielleicht hat das der eine oder andere damals als einen starken Ausdruck empfunden. Vielleicht hat sich aber auch der eine oder andere seither überzeugen können, daß die Tatsachen schon dafür sprechen, daß dazumal solch ein starker Ausdruck hat gewählt werden dürfen.
[ 2 ] Ich habe ja da oder dort im Laufe unserer Auseinandersetzungen immer wieder und wiederum auch Andeutungen gegeben über dasjenige, was man aus den Quellen der Geistesforschung heraus über den Charakter der neueren Zeit, den Charakter unserer Zeit selber und der nächsten Zukunft zu sagen vermag. Solche Dinge konnte man allerdings der gegenwärtigen Menschheit, auch mehr oder weniger der anthroposophisch gesinnten Menschheit nur in vorsichtiger Weise geben. Sehen Sie nur einmal nach, wieviel zum Verständnis gerade dieser unserer schweren, katastrophalen Zeit sich hineingefügt findet in die Vorträge, die viele Jahre vor diesen katastrophalen Ereignissen in Kristiania über die Völkerseelen gehalten worden sind. Und vielleicht darf auch daran erinnert werden, daß in einer Zeit, in der es wohl nötig gewesen wäre, in der einen oder anderen Weise hinzuzeigen auf den Ernst der Impulse, die da vorliegen, in dem Vortragszyklus, der in Wien gehalten worden ist im Vorfrühling 1914 — also vor dem Ausbruch unserer gegenwärtigen Weltkatastrophe —, von dem sozialen Leben, von dem menschlichen Zusammenleben unserer Zeit so gesprochen worden ist, daß ich damals einen scharfen, einen starken Ausdruck gewählt habe: Ich habe dazumal in diesen Vorträgen, die im wesentlichen auch handelten von dem Leben des Menschen zwischen Tod und einer neuen Geburt, davon gesprochen, daß durch das moralisch-soziale Leben der Gegenwart etwas vorgeht, was man als ein soziales Karzinom, als eine schreckliche soziale Krebskrankheit bezeichnen kann. Vielleicht hat das der eine oder andere damals als einen starken Ausdruck empfunden. Vielleicht hat sich aber auch der eine oder andere seither überzeugen können, daß die Tatsachen schon dafür sprechen, daß dazumal solch ein starker Ausdruck hat gewählt werden dürfen.
[ 3 ] Allerdings, das was ich schon gestern angedeutet habe, ist richtig und sollte tief zu denken geben: Trotz alledem, trotzdem leicht erahnt werden kann, was für schwerwiegende Impulse in unserer Zeiten Schoß liegen, ist die Menschheit heute wenig geneigt, die Erscheinungen in ihrer ganzen Schwere wirklich zu fassen. Die Menschheit ist heute dazu viel zu bequem, gibt sich viel zu gerne jenen bequemen Begriffen hin, die man heute in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung finden kann, weil diese Begriffe am Gängelband der äußeren Erfahrung gewonnen werden können, weil sie nicht viel innere Geistesanstrengung erfordern und dennoch der Eitelkeit der Menschen so sehr schmeicheln. Aber was notwendig ist, das ist, daß die Menschheit gerade mit Bezug auf sehr vieles, was die Zeit heute lehren muß, aufwache, wirklich aufwache, nicht weiterschlafe. Das Aufwachen wird allerdings nur möglich sein, wenn gewisse tieferliegende Tatsachen nicht mehr als eine Phantasterei, nicht mehr als eine Träumerei, sondern als eine in unsere Zeitereignisse hereinspielende Wirklichkeit betrachtet werden. Und so habe ich denn auch öfter im Verlaufe unserer Auseinandersetzungen angedeutet, wie gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit der Menschheit ein bedeutender Umschwung geschehen ist. Auch hier in Stuttgart habe ich diese Dinge angedeutet. Wir wollen sie uns von einem gewissen Gesichtspunkt aus heute wieder einmal vor die Seele rufen.
[ 3 ] Allerdings, das was ich schon gestern angedeutet habe, ist richtig und sollte tief zu denken geben: Trotz alledem, trotzdem leicht erahnt werden kann, was für schwerwiegende Impulse in unserer Zeiten Schoß liegen, ist die Menschheit heute wenig geneigt, die Erscheinungen in ihrer ganzen Schwere wirklich zu fassen. Die Menschheit ist heute dazu viel zu bequem, gibt sich viel zu gerne jenen bequemen Begriffen hin, die man heute in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung finden kann, weil diese Begriffe am Gängelband der äußeren Erfahrung gewonnen werden können, weil sie nicht viel innere Geistesanstrengung erfordern und dennoch der Eitelkeit der Menschen so sehr schmeicheln. Aber was notwendig ist, das ist, daß die Menschheit gerade mit Bezug auf sehr vieles, was die Zeit heute lehren muß, aufwache, wirklich aufwache, nicht weiterschlafe. Das Aufwachen wird allerdings nur möglich sein, wenn gewisse tieferliegende Tatsachen nicht mehr als eine Phantasterei, nicht mehr als eine Träumerei, sondern als eine in unsere Zeitereignisse hereinspielende Wirklichkeit betrachtet werden. Und so habe ich denn auch öfter im Verlaufe unserer Auseinandersetzungen angedeutet, wie gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit der Menschheit ein bedeutender Umschwung geschehen ist. Auch hier in Stuttgart habe ich diese Dinge angedeutet. Wir wollen sie uns von einem gewissen Gesichtspunkt aus heute wieder einmal vor die Seele rufen.
[ 4 ] Ich habe den Herbst 1879 angegeben für die Wende dieser Menschheitsentwickelung der neueren Zeit. Will man diese Menschheitsentwickelung der neueren Zeit genauer verstehen, so muß man sagen: Dasjenige, was da im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geschehen ist, das ist nur die Auswirkung von etwas, was vorher in der geistigen Welt sich abgespielt hat. In der geistigen Welt hat es begonnen mit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Und die Zeit von den vierziger Jahren bis Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts ist eine wichtige und wesentliche, eine bedeutungsvolle Zeit. Was sich damals zugetragen hat, hat sich nicht auf dem physischen Plan zugetragen; aber im Jahre 1879 sind die Nachwirkungen auf den physischen Plan herabgestiegen, und seit jener Zeit tragen sich diese Nachwirkungen auf dem physischen Plane zu. Sie sind eine Art Abbild dessen, was vorher in der geistigen Welt geschehen ist. Soll man dasjenige bezeichnen, was da zugrunde liegt, so kann man sagen: Es ist auf einem besonderen Gebiet in einer besonderen Sphäre die Ausgestaltung dessen, was sonst öfter in der Entwickelung der Menschheit geschieht, und was von denen, die solche Dinge noch zu beobachten wußten, immer bezeichnet worden ist als ein Kampf des Michael mit dem Drachen. Auf den verschiedensten Gebieten haben solche Kämpfe normal fortschreitender geistiger Wesenheiten der höheren Hierarchien gegen Geister der Hindernisse, der Hemmnisse stattgefunden. Für die Kulturentwickelung der Menschheit hat ein solcher Kampf in geistigen Höhen, und zwar in denjenigen geistigen Höhen, die unmittelbar an die Erde angrenzen, stattgefunden in den Jahrzehnten von den vierziger Jahren bis zum Ende der siebziger Jahre. Damals, 1879, endete dieser Kampf mit einem Sieg, wenn man so sagen will, der guten Mächte gegen gewisse Geister der Hindernisse, die damals — man kann das schon so ausdrücken — aus den geistigen Welten heruntergestürzt worden sind in die irdischen Verhältnisse, so daß sie seither in den irdischen Verhältnissen wirken und weben. Man hat innerhalb desjenigen, was sich in der geistigen Menschheitsentwickelung ausbildet, Geister der Hindernisse, die erst mit dem Ende der siebziger Jahre als besiegte Geister, besiegt für die obere Welt, in die untere Welt hinuntergestürzt worden sind und nunmehr in den Menschen walten.
[ 4 ] Ich habe den Herbst 1879 angegeben für die Wende dieser Menschheitsentwickelung der neueren Zeit. Will man diese Menschheitsentwickelung der neueren Zeit genauer verstehen, so muß man sagen: Dasjenige, was da im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geschehen ist, das ist nur die Auswirkung von etwas, was vorher in der geistigen Welt sich abgespielt hat. In der geistigen Welt hat es begonnen mit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Und die Zeit von den vierziger Jahren bis Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts ist eine wichtige und wesentliche, eine bedeutungsvolle Zeit. Was sich damals zugetragen hat, hat sich nicht auf dem physischen Plan zugetragen; aber im Jahre 1879 sind die Nachwirkungen auf den physischen Plan herabgestiegen, und seit jener Zeit tragen sich diese Nachwirkungen auf dem physischen Plane zu. Sie sind eine Art Abbild dessen, was vorher in der geistigen Welt geschehen ist. Soll man dasjenige bezeichnen, was da zugrunde liegt, so kann man sagen: Es ist auf einem besonderen Gebiet in einer besonderen Sphäre die Ausgestaltung dessen, was sonst öfter in der Entwickelung der Menschheit geschieht, und was von denen, die solche Dinge noch zu beobachten wußten, immer bezeichnet worden ist als ein Kampf des Michael mit dem Drachen. Auf den verschiedensten Gebieten haben solche Kämpfe normal fortschreitender geistiger Wesenheiten der höheren Hierarchien gegen Geister der Hindernisse, der Hemmnisse stattgefunden. Für die Kulturentwickelung der Menschheit hat ein solcher Kampf in geistigen Höhen, und zwar in denjenigen geistigen Höhen, die unmittelbar an die Erde angrenzen, stattgefunden in den Jahrzehnten von den vierziger Jahren bis zum Ende der siebziger Jahre. Damals, 1879, endete dieser Kampf mit einem Sieg, wenn man so sagen will, der guten Mächte gegen gewisse Geister der Hindernisse, die damals — man kann das schon so ausdrücken — aus den geistigen Welten heruntergestürzt worden sind in die irdischen Verhältnisse, so daß sie seither in den irdischen Verhältnissen wirken und weben. Man hat innerhalb desjenigen, was sich in der geistigen Menschheitsentwickelung ausbildet, Geister der Hindernisse, die erst mit dem Ende der siebziger Jahre als besiegte Geister, besiegt für die obere Welt, in die untere Welt hinuntergestürzt worden sind und nunmehr in den Menschen walten.
[ 5 ] Wenn man hinblicken will auf diese Geister der Hindernisse, diese Geister ahrimanischer Natur, mit denen diejenigen Geister, die man michaelische Geister nennen kann, einen starken Kampf ausgefochten haben, so muß man sagen: Diese ahrimanischen Geister hatten in verflossenen Zeiten der Menschheitsentwickelung ihre gute Bedeutung, sie hatten ihre Aufgaben in verflossenen Zeiten der Geistesentwickelung. Diese Aufgaben vollzogen sich so, daß sie geleitet wurden von guten höheren Geistern. Wir dürfen uns die sogenannten bösen Geister nicht so vorstellen, daß wir denken, man müsse sie nur fliehen, um sie möglichst loszuwerden. Das ist nämlich das beste Mittel, sie an sich zu heften, wenn man sie in egoistischer Weise loswerden will, man hat sich vielmehr vorzustellen, daß diese sogenannten bösen Geister eben auch im Dienste der weisen Weltordnung stehen. Wenn sie nur an ihren richtigen Ort gestellt werden, dann verrichten sie Dienste, die notwendig sind im Sinne der weisen Weltordnung. Und so kann man sagen: Durch Jahrhunderte, ja durch Jahrtausende verrichteten diese Geister ahrimanischer Natur die Aufgabe, die Menschen zu gliedern in diejenigen Gemeinschaftszusammenhänge, die mit den Banden des Blutes zu tun haben. Die Menschen hängen ja in ihren irdischen Verbänden so zusammen, daß die Bande des Blutes auch gewisse Bande der Liebe auslösen, bewirken. Die Menschen gliedern sich in Familienzusammenhänge, in Stammeszusammenhänge, in Völkerzusammenhänge, in Rassenzusammenhänge. Alle diese Dinge unterliegen ja gewissen Gesetzen der Zeiten. Diese werden dirigiert von Wesenheiten der höheren Welten. Dasjenige, was die Menschheit spezialisiert hat, was die Mensch 286 heit so gegliedert hat, daß dieser Gliederung das Blut zugrunde liegt, das wurde von diesen ahrimanischen Geistern, aber unter der Leitung von guten Geistern, gelenkt.
[ 5 ] Wenn man hinblicken will auf diese Geister der Hindernisse, diese Geister ahrimanischer Natur, mit denen diejenigen Geister, die man michaelische Geister nennen kann, einen starken Kampf ausgefochten haben, so muß man sagen: Diese ahrimanischen Geister hatten in verflossenen Zeiten der Menschheitsentwickelung ihre gute Bedeutung, sie hatten ihre Aufgaben in verflossenen Zeiten der Geistesentwickelung. Diese Aufgaben vollzogen sich so, daß sie geleitet wurden von guten höheren Geistern. Wir dürfen uns die sogenannten bösen Geister nicht so vorstellen, daß wir denken, man müsse sie nur fliehen, um sie möglichst loszuwerden. Das ist nämlich das beste Mittel, sie an sich zu heften, wenn man sie in egoistischer Weise loswerden will, man hat sich vielmehr vorzustellen, daß diese sogenannten bösen Geister eben auch im Dienste der weisen Weltordnung stehen. Wenn sie nur an ihren richtigen Ort gestellt werden, dann verrichten sie Dienste, die notwendig sind im Sinne der weisen Weltordnung. Und so kann man sagen: Durch Jahrhunderte, ja durch Jahrtausende verrichteten diese Geister ahrimanischer Natur die Aufgabe, die Menschen zu gliedern in diejenigen Gemeinschaftszusammenhänge, die mit den Banden des Blutes zu tun haben. Die Menschen hängen ja in ihren irdischen Verbänden so zusammen, daß die Bande des Blutes auch gewisse Bande der Liebe auslösen, bewirken. Die Menschen gliedern sich in Familienzusammenhänge, in Stammeszusammenhänge, in Völkerzusammenhänge, in Rassenzusammenhänge. Alle diese Dinge unterliegen ja gewissen Gesetzen der Zeiten. Diese werden dirigiert von Wesenheiten der höheren Welten. Dasjenige, was die Menschheit spezialisiert hat, was die Mensch 286 heit so gegliedert hat, daß dieser Gliederung das Blut zugrunde liegt, das wurde von diesen ahrimanischen Geistern, aber unter der Leitung von guten Geistern, gelenkt.
[ 6 ] Nun sollte aber ein anderes Zeitalter eintreten. Solange die Menschen gewissermaßen durch das Blut geführt wurden, konnte der Mensch nicht in der Weise, wie es öfter angedeutet worden ist, sein Geschick selbst in die Hand nehmen. Dazu war notwendig, daß der Dienst von diesen ahrimanischen Geistern, so wie er war, aus der geistigen Welt ausgeschaltet wurde. Diese Geister wollten zunächst aus der geistigen Welt her ihre Tätigkeit der Gliederung der Menschen nach dem Blute fortsetzen; aber die Menschheit sollte zu einer mehr allgemeinen Auffassung ihres gesamten Geistes getrieben werden. Dasjenige, was öfter gerade auf unserem Gebiet gesagt wird, daß die Menschheit sich als eine Gesamtheit über die Erde hin zu begreifen habe, das ist wahrhaftig keine Phrase, sondern eine neuzeitliche Notwendigkeit. Und dem liegt eben die Tatsache zugrunde, daß ein starker, intensiver Kampf stattgefunden hat zwischen den michaelischen Geistern und den Geistern ahrimanischer Natur, welche früher die Menschen differenziert haben nach dem Blute.
[ 6 ] Nun sollte aber ein anderes Zeitalter eintreten. Solange die Menschen gewissermaßen durch das Blut geführt wurden, konnte der Mensch nicht in der Weise, wie es öfter angedeutet worden ist, sein Geschick selbst in die Hand nehmen. Dazu war notwendig, daß der Dienst von diesen ahrimanischen Geistern, so wie er war, aus der geistigen Welt ausgeschaltet wurde. Diese Geister wollten zunächst aus der geistigen Welt her ihre Tätigkeit der Gliederung der Menschen nach dem Blute fortsetzen; aber die Menschheit sollte zu einer mehr allgemeinen Auffassung ihres gesamten Geistes getrieben werden. Dasjenige, was öfter gerade auf unserem Gebiet gesagt wird, daß die Menschheit sich als eine Gesamtheit über die Erde hin zu begreifen habe, das ist wahrhaftig keine Phrase, sondern eine neuzeitliche Notwendigkeit. Und dem liegt eben die Tatsache zugrunde, daß ein starker, intensiver Kampf stattgefunden hat zwischen den michaelischen Geistern und den Geistern ahrimanischer Natur, welche früher die Menschen differenziert haben nach dem Blute.
[ 7 ] Dieser Kampf hat damit geendet, daß die ahrimanischen Wesenheiten heruntergestoßen worden sind und nunmehr unter den Menschen walten. Unter den Menschen werden sie Verwirrung stiften, denn das ist nach dieser Besiegung ihre Absicht: Verwirrung zu stiften mit alledem, was aus allerlei Begriffen und Ideen, die mit Blutsbanden, Blutsverwandtschaften zusammenhängen, gesogen werden kann. Besonders wichtig ist eben, daß seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in alledem, was der Mensch hier auf dem physischen Plan durch Gedanken und Empfindungen wirken kann, diese Impulse mit tätig sind, und daß man die Wirklichkeit nicht versteht, wenn man diese Impulse nicht mit in Rechnung zieht. Die Art und Weise, wie heute gesprochen wird über gewisse Völkerbeziehungen und dergleichen, ist verwirrt worden durch diese ahrimanischen Geister, die von dem Geiste Michael besiegt worden sind.
[ 7 ] Dieser Kampf hat damit geendet, daß die ahrimanischen Wesenheiten heruntergestoßen worden sind und nunmehr unter den Menschen walten. Unter den Menschen werden sie Verwirrung stiften, denn das ist nach dieser Besiegung ihre Absicht: Verwirrung zu stiften mit alledem, was aus allerlei Begriffen und Ideen, die mit Blutsbanden, Blutsverwandtschaften zusammenhängen, gesogen werden kann. Besonders wichtig ist eben, daß seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in alledem, was der Mensch hier auf dem physischen Plan durch Gedanken und Empfindungen wirken kann, diese Impulse mit tätig sind, und daß man die Wirklichkeit nicht versteht, wenn man diese Impulse nicht mit in Rechnung zieht. Die Art und Weise, wie heute gesprochen wird über gewisse Völkerbeziehungen und dergleichen, ist verwirrt worden durch diese ahrimanischen Geister, die von dem Geiste Michael besiegt worden sind.
[ 8 ] Ich habe ja öfter erwähnt, daß wir schon sagen dürfen: Wir haben seit dem Ende der siebziger Jahre das sogenannte Michaelische Zeitalter. Michael haben wir als Zeitgeist anzusehen, der Gabriel als Zeitgeist abgelöst hat. Das bedeutet sehr viel: Michael als Zeitgeist! Die Zeitgeister, die in den früheren Jahrhunderten da waren, haben anders gewirkt als dieser Zeitgeist. Die anderen Zeitgeister, die in die Menschheitsentwickelung hineinwirkten in früheren Jahrhunderten, haben doch noch mehr oder weniger ins Unterbewußte hineingewirkt. Die Aufgabe des Zeitgeistes Michael, der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Menschheitsgeschicken wirkt, ist diese: immer mehr und mehr im menschlichen Bewußtsein selbst dasjenige auszulösen, was in der Erdenentwickelung geschehen soll. Dieser michaelische Zeitgeist ist nämlich eigentlich heruntergestiegen und wirkt auf dem physischen Erdenplan.
[ 8 ] Ich habe ja öfter erwähnt, daß wir schon sagen dürfen: Wir haben seit dem Ende der siebziger Jahre das sogenannte Michaelische Zeitalter. Michael haben wir als Zeitgeist anzusehen, der Gabriel als Zeitgeist abgelöst hat. Das bedeutet sehr viel: Michael als Zeitgeist! Die Zeitgeister, die in den früheren Jahrhunderten da waren, haben anders gewirkt als dieser Zeitgeist. Die anderen Zeitgeister, die in die Menschheitsentwickelung hineinwirkten in früheren Jahrhunderten, haben doch noch mehr oder weniger ins Unterbewußte hineingewirkt. Die Aufgabe des Zeitgeistes Michael, der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Menschheitsgeschicken wirkt, ist diese: immer mehr und mehr im menschlichen Bewußtsein selbst dasjenige auszulösen, was in der Erdenentwickelung geschehen soll. Dieser michaelische Zeitgeist ist nämlich eigentlich heruntergestiegen und wirkt auf dem physischen Erdenplan.
[ 9 ] Mit alledem hängt etwas zusammen für unsere Zeit, das man ungemein leicht mißverstehen kann. Unsere Zeit ist eine sehr, sehr zwiespältige. Unsere Zeit könnte man, wenn man sie so oberflächlich bezeichnet, leicht eine bloß materialistische nennen. Das ist sie aber nicht allein; die Sache liegt viel komplizierter. Im ganzen kann man sagen: Diese neuere Zeit ist ihrem Grundcharakter nach außerordentlich spirituell, gerade außerordentlich spirituell. Und spirituellere Begriffe, spirituellere Vorstellungen als diejenigen sind, die durch die neuere Naturwissenschaft an die Oberfläche gebracht wurden, hat es in der Menschheitsentwickelung überhaupt noch nicht gegeben. Nur sind diese Begriffe — wenn ich mich so ausdrücken darf — dünn, sind abstrakt. Sie sind in sich, ihrer Substanz nach, durchaus geistig; aber sie sind nicht geeignet, so wie sie auftreten, wenn sie nicht richtig behandelt werden, Geistiges auszudrücken. Diese naturwissenschaftlichen Begriffe, die heute aller Bildung eingeimpft werden, sind ein sehr zweischneidiges Schwert, wenn ich dieses paradoxe Gleichnis gebrauchen darf. Man kann sie so brauchen, wie sie heute von der akademischen Wissenschaft gebraucht werden. Da sind sie zwar spirituell, werden aber nur angewendet auf die äußere materielle Welt, ihre Spiritualität wird verleugnet. Man kann aber diese naturwissenschaftlichen Begriffe auch so anwenden, daß man sie als Meditationsstoff verwendet, daß man darüber meditiert. Dann führen sie am sichersten in die geistige Welt hinein. Würden diejenigen, die heute eine naturwissenschaftliche Weltanschauung haben, nicht zu faul sein, um ihre Begriffe meditativ anzuwenden, so würden diese Menschen mit naturwissenschaftlicher Weltanschauung sehr bald in die Geisteswissenschaft hineinkommen. Nicht an dem Inhalt der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, sondern an der Art und Weise ihrer Behandlung liegt es. Die Begriffe sind fein, sind intim, aber die Anwendung durch die Menschen ist eine im materialistischen Sinne gehaltene. Das ist allerdings nicht so ohne weiteres in allen Einzelheiten gleich klarzumachen, aber wir müssen uns verständigen; daher müssen wir schon manche solcher Wahrheiten gewissermaßen nur durch eine Spiegelung an uns herantreten lassen.
[ 9 ] Mit alledem hängt etwas zusammen für unsere Zeit, das man ungemein leicht mißverstehen kann. Unsere Zeit ist eine sehr, sehr zwiespältige. Unsere Zeit könnte man, wenn man sie so oberflächlich bezeichnet, leicht eine bloß materialistische nennen. Das ist sie aber nicht allein; die Sache liegt viel komplizierter. Im ganzen kann man sagen: Diese neuere Zeit ist ihrem Grundcharakter nach außerordentlich spirituell, gerade außerordentlich spirituell. Und spirituellere Begriffe, spirituellere Vorstellungen als diejenigen sind, die durch die neuere Naturwissenschaft an die Oberfläche gebracht wurden, hat es in der Menschheitsentwickelung überhaupt noch nicht gegeben. Nur sind diese Begriffe — wenn ich mich so ausdrücken darf — dünn, sind abstrakt. Sie sind in sich, ihrer Substanz nach, durchaus geistig; aber sie sind nicht geeignet, so wie sie auftreten, wenn sie nicht richtig behandelt werden, Geistiges auszudrücken. Diese naturwissenschaftlichen Begriffe, die heute aller Bildung eingeimpft werden, sind ein sehr zweischneidiges Schwert, wenn ich dieses paradoxe Gleichnis gebrauchen darf. Man kann sie so brauchen, wie sie heute von der akademischen Wissenschaft gebraucht werden. Da sind sie zwar spirituell, werden aber nur angewendet auf die äußere materielle Welt, ihre Spiritualität wird verleugnet. Man kann aber diese naturwissenschaftlichen Begriffe auch so anwenden, daß man sie als Meditationsstoff verwendet, daß man darüber meditiert. Dann führen sie am sichersten in die geistige Welt hinein. Würden diejenigen, die heute eine naturwissenschaftliche Weltanschauung haben, nicht zu faul sein, um ihre Begriffe meditativ anzuwenden, so würden diese Menschen mit naturwissenschaftlicher Weltanschauung sehr bald in die Geisteswissenschaft hineinkommen. Nicht an dem Inhalt der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, sondern an der Art und Weise ihrer Behandlung liegt es. Die Begriffe sind fein, sind intim, aber die Anwendung durch die Menschen ist eine im materialistischen Sinne gehaltene. Das ist allerdings nicht so ohne weiteres in allen Einzelheiten gleich klarzumachen, aber wir müssen uns verständigen; daher müssen wir schon manche solcher Wahrheiten gewissermaßen nur durch eine Spiegelung an uns herantreten lassen.
[ 10 ] So leben die Menschen in Begriffen, in Vorstellungen, in Ideen, die dünn sind, die, ich möchte sagen, ganz destillierter Geist sind, so daß man nur eine starke Kraft anzuwenden braucht, um von ihnen zur Geisteswissenschaft zu kommen; und diese Begriffe sind diejenigen, die gerade durch das Michaelische Zeitalter in die Menschheitsentwickelung hineinkommen sollen. Es sind aber auch diejenigen, die am meisten verwirrt werden durch die angedeuteten, man kann schon sagen, vom Himmel auf die Erde gestoßenen, im Himmel von Michael überwundenen ahrimanischen Geister der Hindernisse. Sie treten ja auf so unzähligen Gebieten auf, wo der Mensch heute glaubt, ganz richtig zu denken, ganz richtig zu sinnen, wo er aber der Verwirrung dieser Geister in einem hohen Maße ausgesetzt ist.
[ 10 ] So leben die Menschen in Begriffen, in Vorstellungen, in Ideen, die dünn sind, die, ich möchte sagen, ganz destillierter Geist sind, so daß man nur eine starke Kraft anzuwenden braucht, um von ihnen zur Geisteswissenschaft zu kommen; und diese Begriffe sind diejenigen, die gerade durch das Michaelische Zeitalter in die Menschheitsentwickelung hineinkommen sollen. Es sind aber auch diejenigen, die am meisten verwirrt werden durch die angedeuteten, man kann schon sagen, vom Himmel auf die Erde gestoßenen, im Himmel von Michael überwundenen ahrimanischen Geister der Hindernisse. Sie treten ja auf so unzähligen Gebieten auf, wo der Mensch heute glaubt, ganz richtig zu denken, ganz richtig zu sinnen, wo er aber der Verwirrung dieser Geister in einem hohen Maße ausgesetzt ist.
[ 11 ] Gerade bei der Betrachtung einer solchen Sache zeigt sich, wie eigentlich die Entwickelung — bleiben wir zunächst bei der Menschheit stehen — vor sich geht. Da müssen wir ein bedeutsames Entwickelungsgesetz, das wir von anderen Gesichtspunkten aus auch zu betrachten haben, uns einmal vor die Seele führen. Es ist ja eine ungeheuer oberflächliche Betrachtungsart, wenn man meint, daß die Ereignisse im geschichtlichen Leben einfach so auseinander hervorgehen, daß das, was im Jahre 1918 geschieht, eine Folge ist von 1917, 1916 und so weiter. Das ist eine oberflächliche Betrachtungsweise. Die Dinge vollziehen sich doch ganz anders; sie vollziehen sich so, daß immer dasjenige, was auf geistigem Gebiete geschehen ist, in den nächstfolgenden Zeiten noch weiter wirkt, aber in einer gewissen Weise. Man kann jedes Jahr herausgreifen; sagen wir zum Beispiel das Jahr 1879: so geschieht im Jahre 1880 etwas, was dadurch mitbestimmt ist, daß sich das rückläufig wiederholt, was 1878 geschehen ist; 1881 wiederholt sich rückläufig in einer gewissen Beziehung dasjenige, was 1877 geschehen ist und so weiter. Man kann von jedem Punkte der Menschheitsentwickelung, so widerspruchsvoll das erscheint, ausgehen; man wird immer finden, daß sich frühere Jahresläufe in späteren in wichtigen Impulsen zeigen. Man kann daher erwarten, daß gerade in einem wichtigen Zeitabschnitt dieses Gesetz auch mit einer besonderen Deutlichkeit und Wichtigkeit in die Menschheitsentwickelung eingreift.
[ 11 ] Gerade bei der Betrachtung einer solchen Sache zeigt sich, wie eigentlich die Entwickelung — bleiben wir zunächst bei der Menschheit stehen — vor sich geht. Da müssen wir ein bedeutsames Entwickelungsgesetz, das wir von anderen Gesichtspunkten aus auch zu betrachten haben, uns einmal vor die Seele führen. Es ist ja eine ungeheuer oberflächliche Betrachtungsart, wenn man meint, daß die Ereignisse im geschichtlichen Leben einfach so auseinander hervorgehen, daß das, was im Jahre 1918 geschieht, eine Folge ist von 1917, 1916 und so weiter. Das ist eine oberflächliche Betrachtungsweise. Die Dinge vollziehen sich doch ganz anders; sie vollziehen sich so, daß immer dasjenige, was auf geistigem Gebiete geschehen ist, in den nächstfolgenden Zeiten noch weiter wirkt, aber in einer gewissen Weise. Man kann jedes Jahr herausgreifen; sagen wir zum Beispiel das Jahr 1879: so geschieht im Jahre 1880 etwas, was dadurch mitbestimmt ist, daß sich das rückläufig wiederholt, was 1878 geschehen ist; 1881 wiederholt sich rückläufig in einer gewissen Beziehung dasjenige, was 1877 geschehen ist und so weiter. Man kann von jedem Punkte der Menschheitsentwickelung, so widerspruchsvoll das erscheint, ausgehen; man wird immer finden, daß sich frühere Jahresläufe in späteren in wichtigen Impulsen zeigen. Man kann daher erwarten, daß gerade in einem wichtigen Zeitabschnitt dieses Gesetz auch mit einer besonderen Deutlichkeit und Wichtigkeit in die Menschheitsentwickelung eingreift.
[ 12 ] Ich habe das öfters schon angedeutet, habe öfters schon vor diesen katastrophalen Ereignissen gesprochen von dem wichtigen Zeitabschnitt 1879, und davon, daß er nur die Auswirkung desjenigen ist, was seit den vierziger Jahren in der geistigen Welt sich abgespielt hat. Wenden wir nun einmal dieses Gesetz an, das ich eben ausgesprochen habe, so können wir folgendes sagen: 1879 ist ein wichtiger Zeitabschnitt; da sind gewisse Geister heruntergestoßen worden, die als Geister der Hindernisse früher in der geistigen Welt gewirkt haben, die von da ab hier auf dem physischen Plan unter den Menschen hemmend und verwirrend wirken. Das, was da 1879 geschehen ist, ist gewissermaßen der Abschluß eines Früheren, das von 1841 bis 1844 seinen Anfang genommen hat und durch die Jahrzehnte dann gewirkt hat. Nehmen wir nun das Jahr 1841, so haben wir von 1841 bis 1879 die Kampfzeit in der geistigen Welt. Jene Wesenheiten, die unter der Herrschaft des Geistes stehen, den man Michael nennt — man könnte ihn auch mit einem anderen Namen bezeichnen —, schickten sich also im Jahre 1841 an, den starken, intensiven Kampf in der geistigen Welt aufzunehmen, der dann für die geistige Welt 1879 seinen Abschluß gefunden hat. Er dauerte also achtunddreißig Jahre. Nun sagte ich: Dasjenige, was rückläufig geschieht, wirkt in der folgenden Zeit wiederum zurück. — Rechnen Sie jetzt weiter von 1879 durch weitere achtunddreißig Jahre: 1917. Wie sich also 1880 dasjenige wiederholt, was 1878 geschehen ist, 1881 dasjenige, was 1877 geschehen ist, so wiederholt sich in einer gewissen Weise 1917 innerhalb der physischen Welt dasjenige, was 1841 innerhalb der geistigen Welt aufgenommen worden ist als einer der wichtigsten Kämpfe. Es ist tatsächlich so, daß dieses Jahr 1879 einen Einschnitt bedeutet, der ganz energische Impulse nach vorwärts und nach rückwärts der Betrachtung zeigt. Und in gewisser Weise wiederholen sich jetzt auf dem physischen Plan von 1917, 1918 an diejenigen Dinge, die in der geistigen Welt vorgehen mußten in den vierziger Jahren, und die man eben bezeichnen kann als einen Kampf der normalen, vorwärtstreibenden Geister gegen gewisse Geister der Hindernisse. Das ist eine Rechnung, die ich nicht heute erst anstelle, sondern viele von Ihnen wissen, daß auf diese Ereignisse immer hingewiesen worden ist, und daß von dem Gesichtspunkte dieser Ereignisse aus das Jahr 1917 so angesehen werden muß, daß es ein wichtiger Ausgangspunkt für folgende Geschehnisse ist.
[ 12 ] Ich habe das öfters schon angedeutet, habe öfters schon vor diesen katastrophalen Ereignissen gesprochen von dem wichtigen Zeitabschnitt 1879, und davon, daß er nur die Auswirkung desjenigen ist, was seit den vierziger Jahren in der geistigen Welt sich abgespielt hat. Wenden wir nun einmal dieses Gesetz an, das ich eben ausgesprochen habe, so können wir folgendes sagen: 1879 ist ein wichtiger Zeitabschnitt; da sind gewisse Geister heruntergestoßen worden, die als Geister der Hindernisse früher in der geistigen Welt gewirkt haben, die von da ab hier auf dem physischen Plan unter den Menschen hemmend und verwirrend wirken. Das, was da 1879 geschehen ist, ist gewissermaßen der Abschluß eines Früheren, das von 1841 bis 1844 seinen Anfang genommen hat und durch die Jahrzehnte dann gewirkt hat. Nehmen wir nun das Jahr 1841, so haben wir von 1841 bis 1879 die Kampfzeit in der geistigen Welt. Jene Wesenheiten, die unter der Herrschaft des Geistes stehen, den man Michael nennt — man könnte ihn auch mit einem anderen Namen bezeichnen —, schickten sich also im Jahre 1841 an, den starken, intensiven Kampf in der geistigen Welt aufzunehmen, der dann für die geistige Welt 1879 seinen Abschluß gefunden hat. Er dauerte also achtunddreißig Jahre. Nun sagte ich: Dasjenige, was rückläufig geschieht, wirkt in der folgenden Zeit wiederum zurück. — Rechnen Sie jetzt weiter von 1879 durch weitere achtunddreißig Jahre: 1917. Wie sich also 1880 dasjenige wiederholt, was 1878 geschehen ist, 1881 dasjenige, was 1877 geschehen ist, so wiederholt sich in einer gewissen Weise 1917 innerhalb der physischen Welt dasjenige, was 1841 innerhalb der geistigen Welt aufgenommen worden ist als einer der wichtigsten Kämpfe. Es ist tatsächlich so, daß dieses Jahr 1879 einen Einschnitt bedeutet, der ganz energische Impulse nach vorwärts und nach rückwärts der Betrachtung zeigt. Und in gewisser Weise wiederholen sich jetzt auf dem physischen Plan von 1917, 1918 an diejenigen Dinge, die in der geistigen Welt vorgehen mußten in den vierziger Jahren, und die man eben bezeichnen kann als einen Kampf der normalen, vorwärtstreibenden Geister gegen gewisse Geister der Hindernisse. Das ist eine Rechnung, die ich nicht heute erst anstelle, sondern viele von Ihnen wissen, daß auf diese Ereignisse immer hingewiesen worden ist, und daß von dem Gesichtspunkte dieser Ereignisse aus das Jahr 1917 so angesehen werden muß, daß es ein wichtiger Ausgangspunkt für folgende Geschehnisse ist.
[ 13 ] Die Dinge dürfen natürlich nicht so betrachtet werden, daß man sagt: Nun ja, wir haben das Jahr 1917 erlebt. Gewiß, man hat es erlebt; aber was die Ereignisse eigentlich waren, die sich in diesem Jahr abgespielt haben, das haben doch nur wenige Menschen erlebt, da wenige Menschen geneigt sind, sie im wachen Bewußtsein zu werten. Das ist es, um was es sich handelt.
[ 13 ] Die Dinge dürfen natürlich nicht so betrachtet werden, daß man sagt: Nun ja, wir haben das Jahr 1917 erlebt. Gewiß, man hat es erlebt; aber was die Ereignisse eigentlich waren, die sich in diesem Jahr abgespielt haben, das haben doch nur wenige Menschen erlebt, da wenige Menschen geneigt sind, sie im wachen Bewußtsein zu werten. Das ist es, um was es sich handelt.
[ 14 ] Nun, durch alle diese Dinge wollte ich nur darauf hinweisen, daß wir tatsächlich in einem wichtigen Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung leben, und daß es schon notwendig ist, manche Dinge in diesem Zeitpunkte ernster zu nehmen, als sie von der gegenwärtigen Menschheit in ihrer Masse genommen werden. Ich habe ja darauf hingewiesen, wie es insbesondere notwendig ist, daß man die normalen spirituellen Impulse in unserer Zeit nicht unbeachtet läßt. So wie diese neuere Zeit sich herangebildet hat, was ist denn in ihr eigentlich tonangebend geworden? Was hat denn wirklich Einfluß gewonnen in dieser neueren Zeit? Was ist denn ausgestrahlt, ich möchte sagen, in die gesamte allgemeine Bildung? Im Grunde genommen nur dasjenige, was auf dem gröbsten Felde der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gewachsen ist. Dieses gröbste Feld der naturwissenschaftlichen Weltanschauung hat aber nur die Macht, das Tote, das Unlebendige, niemals das Lebendige zu erfassen, was gerade in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter so unendlich notwendig wäre. Den Zusammenhang solcher Dinge mit den allgemeinen Weltereignissen will man eben durchaus heute noch nicht einsehen. Man will heute noch nicht einsehen, daß, je mehr sich die Menschheit bemüht, nur Begriffe auszubilden, die sich auf das Tote beziehen, man vom Menschen aus auch das soziale, auch das Gemeinschaftsleben zerstört. Notwendig ist, daß man die naturwissenschaftlichen Begriffe in Fluß bringt und sie so belebt, daß sie wirklich anwendbar sein können auf das menschliche Zusammenleben, daß sie gewissermaßen geeignet sind, auch das menschliche Zusammenleben zu erklären.
[ 14 ] Nun, durch alle diese Dinge wollte ich nur darauf hinweisen, daß wir tatsächlich in einem wichtigen Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung leben, und daß es schon notwendig ist, manche Dinge in diesem Zeitpunkte ernster zu nehmen, als sie von der gegenwärtigen Menschheit in ihrer Masse genommen werden. Ich habe ja darauf hingewiesen, wie es insbesondere notwendig ist, daß man die normalen spirituellen Impulse in unserer Zeit nicht unbeachtet läßt. So wie diese neuere Zeit sich herangebildet hat, was ist denn in ihr eigentlich tonangebend geworden? Was hat denn wirklich Einfluß gewonnen in dieser neueren Zeit? Was ist denn ausgestrahlt, ich möchte sagen, in die gesamte allgemeine Bildung? Im Grunde genommen nur dasjenige, was auf dem gröbsten Felde der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gewachsen ist. Dieses gröbste Feld der naturwissenschaftlichen Weltanschauung hat aber nur die Macht, das Tote, das Unlebendige, niemals das Lebendige zu erfassen, was gerade in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter so unendlich notwendig wäre. Den Zusammenhang solcher Dinge mit den allgemeinen Weltereignissen will man eben durchaus heute noch nicht einsehen. Man will heute noch nicht einsehen, daß, je mehr sich die Menschheit bemüht, nur Begriffe auszubilden, die sich auf das Tote beziehen, man vom Menschen aus auch das soziale, auch das Gemeinschaftsleben zerstört. Notwendig ist, daß man die naturwissenschaftlichen Begriffe in Fluß bringt und sie so belebt, daß sie wirklich anwendbar sein können auf das menschliche Zusammenleben, daß sie gewissermaßen geeignet sind, auch das menschliche Zusammenleben zu erklären.
[ 15 ] Der Gang der Entwickelung war ja so in dieser neueren, in dieser neuesten Zeit: In dem, was man als eigentliche Wissenschaft hat gelten lassen, bildeten sich nur diejenigen Begriffe aus, mit denen man die äußere, tote Natur begreifen kann. Ganz ungeeignet waren diese Begriffe, das menschliche Leben zu erfassen. Man wollte aber mit ihnen das menschliche Leben erfassen. Und so haben die offiziellen Wissenschafter diese Begriffe angewendet auf die Geschichte, auf die Sozialwissenschaft, auf die Sozialpolitik und so weiter. Da sind aber diese Begriffe nicht brauchbar, und so gibt es überhaupt keinen brauchbaren Begriff für das Gesellschaftsleben, und so ist das Gesellschaftsleben der Erde dem Menschen über den Kopf gewachsen, ist zu dem geworden, was es seit nahezu vier Jahren jetzt ist. Die Menschen werden lernen müssen, ihre Begriffe zu verdichten, ihre Begriffe auch zu verlebendigen.
[ 15 ] Der Gang der Entwickelung war ja so in dieser neueren, in dieser neuesten Zeit: In dem, was man als eigentliche Wissenschaft hat gelten lassen, bildeten sich nur diejenigen Begriffe aus, mit denen man die äußere, tote Natur begreifen kann. Ganz ungeeignet waren diese Begriffe, das menschliche Leben zu erfassen. Man wollte aber mit ihnen das menschliche Leben erfassen. Und so haben die offiziellen Wissenschafter diese Begriffe angewendet auf die Geschichte, auf die Sozialwissenschaft, auf die Sozialpolitik und so weiter. Da sind aber diese Begriffe nicht brauchbar, und so gibt es überhaupt keinen brauchbaren Begriff für das Gesellschaftsleben, und so ist das Gesellschaftsleben der Erde dem Menschen über den Kopf gewachsen, ist zu dem geworden, was es seit nahezu vier Jahren jetzt ist. Die Menschen werden lernen müssen, ihre Begriffe zu verdichten, ihre Begriffe auch zu verlebendigen.
[ 16 ] Dasjenige, was die Naturwissenschafter selber ausbilden, das ist gewiß geistvoll, brauchbar, ist gewissenhaft methodisch, aber nur für die äußere Natur. Heute arbeitet ein jeder auf seinem Felde und dehnt gar nicht die Begriffe, die auf irgendeinem Felde erarbeitet werden, über die Gesamtheit der menschlichen Weltanschauung aus. Nehmen Sie nur eines, da werden Sie gleich verstehen, was ich eigentlich meine. Der gewöhnliche Schulphysiker, der heute die Magnetnadel betrachtet, die mit dem einen Ende nach Norden, mit dem anderen nach Süden weist, erklärt seinen Buben schon, daß dieses ständige Weisen der Magnetnadel nach Norden und nach Süden vom Erdmagnetismus herrührt, daß die Erde auch ein großer Magnet ist; und es wäre lächerlich, wenn dieser Schulphysiker in der Magnetnadel selber die Kräfte suchen würde, die bewirken, daß die Nadel nach diesen Richtungen zeigt. Er sucht das aus Eigenschaften der Erde zu erklären, er sucht die Ursache im Kosmos draußen. Auf diesem rein toten Gebiet, da taugen schon die naturwissenschaftlichen Begriffe noch etwas, da kann man auf das eine oder andere noch kommen. Daher fällt es niemandem ein, von der Magnetnadel zu sagen, sie habe in sich die Kraft, immer nach der einen Richtung hinzuweisen. Man nimmt Richtkräfte vom magnetischen Nordpol und Südpol der Erde an. Der Biologe tut das schon nicht mehr. Dem fällt es gar nicht ein, einen ähnlichen Begriff auszubilden. Der Biologe sieht das Huhn, in dem sich das Ei bildet. Es fällt ihm gar nicht ein, dieselbe Frage so zu stellen, wie der Physiker sie bei der Magnetnadel stellt. Der Biologe sagt einfach: Wenn sich das Ei im Huhn bildet, so liegt die Ursache der Eibildung im Huhn. Würde er vorgehen wie der Physiker mit der Magnetnadel, so würde er sich sagen: Zwar ist im Huhn der Platz, an dem sich das Ei ausbildet, aber wie an der Magnetnadel der Kosmos mitwirkt, so wirken die kosmischen Kräfte mit, wenn sich das Ei bildet. Ich muß hinausgehen aus der eng begrenzten Natur und muß das, was draußen ist, zu Hilfe nehmen. Im Huhn ist zwar der Ort, an dem sich der Eikeim bildet, aber die Kräfte wirken herein aus dem Kosmos, wie sie aus dem Kosmos der Magnetnadel Richtung geben.
[ 16 ] Dasjenige, was die Naturwissenschafter selber ausbilden, das ist gewiß geistvoll, brauchbar, ist gewissenhaft methodisch, aber nur für die äußere Natur. Heute arbeitet ein jeder auf seinem Felde und dehnt gar nicht die Begriffe, die auf irgendeinem Felde erarbeitet werden, über die Gesamtheit der menschlichen Weltanschauung aus. Nehmen Sie nur eines, da werden Sie gleich verstehen, was ich eigentlich meine. Der gewöhnliche Schulphysiker, der heute die Magnetnadel betrachtet, die mit dem einen Ende nach Norden, mit dem anderen nach Süden weist, erklärt seinen Buben schon, daß dieses ständige Weisen der Magnetnadel nach Norden und nach Süden vom Erdmagnetismus herrührt, daß die Erde auch ein großer Magnet ist; und es wäre lächerlich, wenn dieser Schulphysiker in der Magnetnadel selber die Kräfte suchen würde, die bewirken, daß die Nadel nach diesen Richtungen zeigt. Er sucht das aus Eigenschaften der Erde zu erklären, er sucht die Ursache im Kosmos draußen. Auf diesem rein toten Gebiet, da taugen schon die naturwissenschaftlichen Begriffe noch etwas, da kann man auf das eine oder andere noch kommen. Daher fällt es niemandem ein, von der Magnetnadel zu sagen, sie habe in sich die Kraft, immer nach der einen Richtung hinzuweisen. Man nimmt Richtkräfte vom magnetischen Nordpol und Südpol der Erde an. Der Biologe tut das schon nicht mehr. Dem fällt es gar nicht ein, einen ähnlichen Begriff auszubilden. Der Biologe sieht das Huhn, in dem sich das Ei bildet. Es fällt ihm gar nicht ein, dieselbe Frage so zu stellen, wie der Physiker sie bei der Magnetnadel stellt. Der Biologe sagt einfach: Wenn sich das Ei im Huhn bildet, so liegt die Ursache der Eibildung im Huhn. Würde er vorgehen wie der Physiker mit der Magnetnadel, so würde er sich sagen: Zwar ist im Huhn der Platz, an dem sich das Ei ausbildet, aber wie an der Magnetnadel der Kosmos mitwirkt, so wirken die kosmischen Kräfte mit, wenn sich das Ei bildet. Ich muß hinausgehen aus der eng begrenzten Natur und muß das, was draußen ist, zu Hilfe nehmen. Im Huhn ist zwar der Ort, an dem sich der Eikeim bildet, aber die Kräfte wirken herein aus dem Kosmos, wie sie aus dem Kosmos der Magnetnadel Richtung geben.
[ 17 ] Solch einen Begriff auszubilden, ihn methodisch durchzuführen, wäre dringend notwendig. Aber vor der offiziellen Wissenschaft der Biologie ist er töricht, phantastisch, ist er lächerlich, weil sie sich vollständig in eine Sackgasse des Toten bloß verirrt hat. Diese offizielle Wissenschaft kann nicht einmal auf solche Dinge die umfassenden Begriffe anwenden, viel weniger kann sie irgend etwas darüber sagen, wie die Menschen politisch oder sozial in richtiger Weise zusammenleben könnten. Wie kann man darauf hoffen, daß aus dieser bloßen naturwissenschaftlichen Weltanschauung etwas, was der Menschheit so notwendig ist, herauskommen könne, nämlich eine Belebung, eine Auffrischung dieser Begriffe. Gerade auf dem wichtigen Gebiet des menschlichen Lebens kann das nicht sein. Wir wollen uns das klarmachen an einem Begriff, den wir geisteswissenschaftlich einmal erfassen wollen.
[ 17 ] Solch einen Begriff auszubilden, ihn methodisch durchzuführen, wäre dringend notwendig. Aber vor der offiziellen Wissenschaft der Biologie ist er töricht, phantastisch, ist er lächerlich, weil sie sich vollständig in eine Sackgasse des Toten bloß verirrt hat. Diese offizielle Wissenschaft kann nicht einmal auf solche Dinge die umfassenden Begriffe anwenden, viel weniger kann sie irgend etwas darüber sagen, wie die Menschen politisch oder sozial in richtiger Weise zusammenleben könnten. Wie kann man darauf hoffen, daß aus dieser bloßen naturwissenschaftlichen Weltanschauung etwas, was der Menschheit so notwendig ist, herauskommen könne, nämlich eine Belebung, eine Auffrischung dieser Begriffe. Gerade auf dem wichtigen Gebiet des menschlichen Lebens kann das nicht sein. Wir wollen uns das klarmachen an einem Begriff, den wir geisteswissenschaftlich einmal erfassen wollen.
[ 18 ] Schon die bloße Betrachtung des menschlichen Skeletts zeigt etwas außerordentlich Wichtiges, etwas, ich möchte sagen, Großartiges zeigt sie. Wenn Sie das menschliche Skelett anschauen, so haben Sie das Haupt, das eigentlich nur aufgesetzt ist auf dem übrigen Rumpfskelett; es ist eine Welt für sich. Der andere Skeletteil ist ganz anders gebildet. Sobald man die Goethesche Metamorphosenlehre anwendet, bekommt man allerdings die Umwandlung des Rumpfes zum Hauptskelett, aber das Hauptskelett ist kugelförmig gebildet, das Haupt ist ein Abbild der ganzen Weltensphäre. Das andere ist mehr mondenförmig gebildet. Das ist etwas außerordentlich Wesentliches und weist uns darauf hin, daß wir, wenn wir über den Menschen schon aus seiner Gestalt heraus fruchtbare Begriffe bekommen wollen, hinschauen müssen auf so etwas, was schon in der Gestalt angedeutet ist. Unsere Naturwissenschaft ist ja großartig, aber sie ist analphabetisch in bezug auf die Erkenntnis der Welt. Sie geht so vor wie jemand, der die Seiten eines Buches nicht liest, sondern beschreibt: A ist so, B ist so —, der also nicht liest, sondern bloß die Buchstaben beschreibt. Man muß aber zum Lesen vorschreiten, man muß verstehen, die Gestalten der Natur nicht bloß so zu beschreiben, wie es die Naturwissenschaft macht, sondern sie zu deuten in ihren Beziehungen, in ihren Übergängen. Dann kommt man aus dem Lesen der Naturgestalten und Naturerscheinungen zum Enträtseln des Sinnes der Welt. Gewiß, die Menschen, die so etwas heute hören und mit ihren dicken Köpfen ganz in dem Analphabetismus drinnenstecken, die finden eine solche Sache, wenn man sie sagt, ganz schauderhaft. Davon könnte man gute Beispiele anführen, wie man etwas schauderhaft findet, was so vom menschlichen Skelett hergeholt ist, was aber auf den ganzen menschlichen Organismus ausgedehnt werden kann. Der Mensch ist eine Zwienatur, und diese Zwienatur drückt sich schon aus in dem durchgreifenden Gegensatz des Hauptes und des übrigen Organismus.
[ 18 ] Schon die bloße Betrachtung des menschlichen Skeletts zeigt etwas außerordentlich Wichtiges, etwas, ich möchte sagen, Großartiges zeigt sie. Wenn Sie das menschliche Skelett anschauen, so haben Sie das Haupt, das eigentlich nur aufgesetzt ist auf dem übrigen Rumpfskelett; es ist eine Welt für sich. Der andere Skeletteil ist ganz anders gebildet. Sobald man die Goethesche Metamorphosenlehre anwendet, bekommt man allerdings die Umwandlung des Rumpfes zum Hauptskelett, aber das Hauptskelett ist kugelförmig gebildet, das Haupt ist ein Abbild der ganzen Weltensphäre. Das andere ist mehr mondenförmig gebildet. Das ist etwas außerordentlich Wesentliches und weist uns darauf hin, daß wir, wenn wir über den Menschen schon aus seiner Gestalt heraus fruchtbare Begriffe bekommen wollen, hinschauen müssen auf so etwas, was schon in der Gestalt angedeutet ist. Unsere Naturwissenschaft ist ja großartig, aber sie ist analphabetisch in bezug auf die Erkenntnis der Welt. Sie geht so vor wie jemand, der die Seiten eines Buches nicht liest, sondern beschreibt: A ist so, B ist so —, der also nicht liest, sondern bloß die Buchstaben beschreibt. Man muß aber zum Lesen vorschreiten, man muß verstehen, die Gestalten der Natur nicht bloß so zu beschreiben, wie es die Naturwissenschaft macht, sondern sie zu deuten in ihren Beziehungen, in ihren Übergängen. Dann kommt man aus dem Lesen der Naturgestalten und Naturerscheinungen zum Enträtseln des Sinnes der Welt. Gewiß, die Menschen, die so etwas heute hören und mit ihren dicken Köpfen ganz in dem Analphabetismus drinnenstecken, die finden eine solche Sache, wenn man sie sagt, ganz schauderhaft. Davon könnte man gute Beispiele anführen, wie man etwas schauderhaft findet, was so vom menschlichen Skelett hergeholt ist, was aber auf den ganzen menschlichen Organismus ausgedehnt werden kann. Der Mensch ist eine Zwienatur, und diese Zwienatur drückt sich schon aus in dem durchgreifenden Gegensatz des Hauptes und des übrigen Organismus.
[ 19 ] Geht man nun durch Geisteswissenschaft ein auf diese zwei Glieder der Zwienatur — man könnte noch weitere Glieder angeben, aber darauf kommt es heute nicht an —, so kann man schon ungeheuer Bedeutsames aus der bloßen Gestalt des Menschen herauslesen, wenn man nur wirklich darauf eingeht. Geisteswissenschaftlich kann man nämlich ersehen, daß dieses menschliche Haupt von der Geburt durch das physische Erdenleben eine Entwickelung durchmacht, die sich nun ebenso von der Entwickelung des übrigen Organismus unterscheidet, wie sich das Haupt schon der Gestalt nach unterscheidet von dem übrigen Organismus. Es ist sehr interessant, wenn man verfolgt, daß sich dieses Haupt drei- bis viermal schneller entwickelt als der übrige Organismus. Wenn man den übrigen Organismus betrachtet, so kann man ihn mit einem gemeinsamen Namen nennen, insofern er hauptsächlich durchorganisiert ist vom Herzen, so daß man dann einen Gegensatz bekommt zwischen dem Kopforganismus und dem Herzensorganismus. Dieser Herzensorganismus entwickelt sich wirklich drei bis viermal langsamer als der Kopforganismus. Würden wir nur Kopf sein, so wären wir ungefähr im siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr schon alte Leute, die sich zum Sterben anschicken, weil der Kopf sich so schnell entwickelt. Der übrige Organismus entwickelt sich viermal langsamer, und so leben wir bis in die Siebziger-, Achtzigerjahre hinein. Aber das ändert nichts daran, daß wir tatsächlich eine Kopfentwickelung und eine Herzentwickelung, daß wir diese zwei Naturen in uns tragen. Unsere Kopfentwickelung ist auch in der Regel mit dem achtundzwanzigsten Jahre vollständig abgeschlossen; der Kopf entwickelt sich nicht mehr weiter. Dasjenige, was sich dann entwickelt, ist der übrige Organismus. Der sendet auch von sich aus die Entwickelungsstrahlen in das Haupt herein. Wer nur anzuschauen vermag die Gestalt, Charakteristisches der Gestaltentwickelung, der könnte selbst aus äußerlichen Dingen, wenn auch nicht auf diese Sache selbst kommen, so doch auf die Bestätigung. Darauf kommen muß man allerdings durch Geisteswissenschaft. Aber sehen Sie, wer hat noch nicht ein kleines Kind betrachtet und sich gesagt, wenn er es später wieder gesehen hat: Dieses Kind ist erst in späteren Jahren dem oder jenem so ähnlich geworden. — Das hängt damit zusammen, daß die Vererbungskräfte eigentlich im übrigen Organismus stecken. Der Kopf ist ganz aus dem Kosmos heraus gebildet; und erst wenn die Vererbungskräfte aus dem übrigen Organismus heraus arbeiten, was langsamer geht, dann ähnelt sich auch die Physiognomie des Kopfes dem übrigen Organismus an. Das ist nur ein Beispiel, wie durch die äußeren Tatsachen bestätigt werden kann, was die Geisteswissenschaft findet. Das ist bedeutsam, daß man das festhält: Der Kopf macht in seiner Ausbildung einen viel schnelleren Weg durch als der übrige Organismus.
[ 19 ] Geht man nun durch Geisteswissenschaft ein auf diese zwei Glieder der Zwienatur — man könnte noch weitere Glieder angeben, aber darauf kommt es heute nicht an —, so kann man schon ungeheuer Bedeutsames aus der bloßen Gestalt des Menschen herauslesen, wenn man nur wirklich darauf eingeht. Geisteswissenschaftlich kann man nämlich ersehen, daß dieses menschliche Haupt von der Geburt durch das physische Erdenleben eine Entwickelung durchmacht, die sich nun ebenso von der Entwickelung des übrigen Organismus unterscheidet, wie sich das Haupt schon der Gestalt nach unterscheidet von dem übrigen Organismus. Es ist sehr interessant, wenn man verfolgt, daß sich dieses Haupt drei- bis viermal schneller entwickelt als der übrige Organismus. Wenn man den übrigen Organismus betrachtet, so kann man ihn mit einem gemeinsamen Namen nennen, insofern er hauptsächlich durchorganisiert ist vom Herzen, so daß man dann einen Gegensatz bekommt zwischen dem Kopforganismus und dem Herzensorganismus. Dieser Herzensorganismus entwickelt sich wirklich drei bis viermal langsamer als der Kopforganismus. Würden wir nur Kopf sein, so wären wir ungefähr im siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr schon alte Leute, die sich zum Sterben anschicken, weil der Kopf sich so schnell entwickelt. Der übrige Organismus entwickelt sich viermal langsamer, und so leben wir bis in die Siebziger-, Achtzigerjahre hinein. Aber das ändert nichts daran, daß wir tatsächlich eine Kopfentwickelung und eine Herzentwickelung, daß wir diese zwei Naturen in uns tragen. Unsere Kopfentwickelung ist auch in der Regel mit dem achtundzwanzigsten Jahre vollständig abgeschlossen; der Kopf entwickelt sich nicht mehr weiter. Dasjenige, was sich dann entwickelt, ist der übrige Organismus. Der sendet auch von sich aus die Entwickelungsstrahlen in das Haupt herein. Wer nur anzuschauen vermag die Gestalt, Charakteristisches der Gestaltentwickelung, der könnte selbst aus äußerlichen Dingen, wenn auch nicht auf diese Sache selbst kommen, so doch auf die Bestätigung. Darauf kommen muß man allerdings durch Geisteswissenschaft. Aber sehen Sie, wer hat noch nicht ein kleines Kind betrachtet und sich gesagt, wenn er es später wieder gesehen hat: Dieses Kind ist erst in späteren Jahren dem oder jenem so ähnlich geworden. — Das hängt damit zusammen, daß die Vererbungskräfte eigentlich im übrigen Organismus stecken. Der Kopf ist ganz aus dem Kosmos heraus gebildet; und erst wenn die Vererbungskräfte aus dem übrigen Organismus heraus arbeiten, was langsamer geht, dann ähnelt sich auch die Physiognomie des Kopfes dem übrigen Organismus an. Das ist nur ein Beispiel, wie durch die äußeren Tatsachen bestätigt werden kann, was die Geisteswissenschaft findet. Das ist bedeutsam, daß man das festhält: Der Kopf macht in seiner Ausbildung einen viel schnelleren Weg durch als der übrige Organismus.
[ 20 ] Sehen Sie, das zu wissen hatte keine so große Bedeutung in den früheren Zeiten, als die Menschen mehr unfrei waren, mehr geleitet worden sind. Da haben die guten geistigen Mächte die Sache geregelt. Da haben sie gewissermaßen zwischen dem Tempo der Kopfentwickelung und dem Tempo der übrigen Entwickelung den Akkord hergestellt, haben das in Einklang gebracht. Jetzt beginnt die Zeit, wo der Mensch selber dafür sorgen muß, daß solche Dinge in Einklang kommen. Daher muß der Mensch solche Dinge richtig verstehen können, muß auf sie eingehen können, und er sündigt gegen die Entwickelung, wenn er das nicht kann. Und wir haben ein wichtiges Gebiet des Menschenlebens, wo gegen diese Dinge furchtbar gesündigt wird. Diese Sünde kommt heute, weil wir seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts drinnenstecken, sporadisch schon zum Ausdruck. Sie wird in furchtbarer Weise zum Ausdruck kommen, wenn die Menschen die geistigen Impulse nicht begreifen können. Heute kommen sie zunächst in der folgenden Art zum Ausdruck: Man berücksichtigt nicht, daß dem Menschen etwas gegeben werden muß, wenn er sich normal entwickeln soll, was darauf Rücksicht nimmt, daß seine Kopfentwickelung dreibis viermal schneller geht als die des übrigen Organismus. Und ein Gebiet, auf dem dies ganz besonders schädigend zum Ausdruck kommt, ist das der Erziehung, des Unterrichts, und zwar aus folgenden Gründen: Unter dem Einflusse der naturwissenschaftlichen Weltanschauung haben sich Begriffe herausgebildet, die nach und nach bloße Begriffe für die Kopfbildung geworden sind, die der übrigen Entwickelung nichts geben, Begriffe, die in dem Tempo erworben werden, wie der Kopf sich entwickelt, die nicht in dem Tempo aufgenommen werden können, in dem der übrige Organismus sich entwickelt.
[ 20 ] Sehen Sie, das zu wissen hatte keine so große Bedeutung in den früheren Zeiten, als die Menschen mehr unfrei waren, mehr geleitet worden sind. Da haben die guten geistigen Mächte die Sache geregelt. Da haben sie gewissermaßen zwischen dem Tempo der Kopfentwickelung und dem Tempo der übrigen Entwickelung den Akkord hergestellt, haben das in Einklang gebracht. Jetzt beginnt die Zeit, wo der Mensch selber dafür sorgen muß, daß solche Dinge in Einklang kommen. Daher muß der Mensch solche Dinge richtig verstehen können, muß auf sie eingehen können, und er sündigt gegen die Entwickelung, wenn er das nicht kann. Und wir haben ein wichtiges Gebiet des Menschenlebens, wo gegen diese Dinge furchtbar gesündigt wird. Diese Sünde kommt heute, weil wir seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts drinnenstecken, sporadisch schon zum Ausdruck. Sie wird in furchtbarer Weise zum Ausdruck kommen, wenn die Menschen die geistigen Impulse nicht begreifen können. Heute kommen sie zunächst in der folgenden Art zum Ausdruck: Man berücksichtigt nicht, daß dem Menschen etwas gegeben werden muß, wenn er sich normal entwickeln soll, was darauf Rücksicht nimmt, daß seine Kopfentwickelung dreibis viermal schneller geht als die des übrigen Organismus. Und ein Gebiet, auf dem dies ganz besonders schädigend zum Ausdruck kommt, ist das der Erziehung, des Unterrichts, und zwar aus folgenden Gründen: Unter dem Einflusse der naturwissenschaftlichen Weltanschauung haben sich Begriffe herausgebildet, die nach und nach bloße Begriffe für die Kopfbildung geworden sind, die der übrigen Entwickelung nichts geben, Begriffe, die in dem Tempo erworben werden, wie der Kopf sich entwickelt, die nicht in dem Tempo aufgenommen werden können, in dem der übrige Organismus sich entwickelt.
[ 21 ] Damit ist außerordentlich viel gesagt. Die Zeit hat allmählich lauter Ideen ausgebildet, die den Kopf beschäftigen, die das Herz kühl und leer lassen. Sie kommen heute schon, wie gesagt, sporadisch; aber die Dinge werden immer mehr und mehr um sich greifen. Sie können die Probe machen, wenn Sie das Leben beobachten können. Der Mensch ist nämlich durch die Zwiespältigkeit seiner Kopf- und Herzensbildung darauf angewiesen, daß er in seiner Jugend nicht bloß eine Kopfbildung bekommt. In der Jugend kommt ja vorzugsweise der Kopf in Betracht, weil das andere sich langsamer entwickelt. Wenn man den Menschen ebenso erziehen wollte für das übrige wie für den Kopf, so müßte man ihn das ganze Leben in die Schule nehmen. Man kann in der Schulerziehung nur den Kopf behandeln. Aber heute behandelt man den Kopf so, daß dieser Kopf geistig-seelisch nichts zurückgeben kann an den übrigen Organismus. Der übrige Organismus gibt ja seine vererbten Impulse das ganze Leben hindurch an denKopf ab, sonst würden wir mit siebenundzwanzig Jahren sterben, denn der Kopf ist dazu veranlagt. Aber ebenso sollte der Kopf das wiederum abgeben, was in ihm herangezogen wird. Daß die heutige Erziehung das nicht trifft, dafür können Sie die Probe machen, indem Sie sich die Frage stellen: Ist es denn nicht so, daß heute Menschen, welche die schulmäßige Erziehung bekommen, sich im späteren Leben nur an das Gefühlsmäßige erinnern? — Sie tun meistens nicht einmal das, sondern sie sind froh, wenn sie alles rasch vergessen können. Das bedeutet nur, daß der übrige Organismus anschaut die Bildung des Kopfes. Würde der übrige Organismus vom Kopfe als Lebensessenz das erhalten, was er braucht, so würde man sich nicht nur gedächtnismäßig erinnern, sondern man würde zurückblicken auf das, was einem der Lehrer gegeben hat, wie auf ein Paradies, zu dem man jede Stunde im späteren Leben mit inniger Zufriedenheit, mit Anhänglichkeit zurückdenkt, in das man sich immer wieder und wiederum versenkt und in dem man eine Quelle von Verjüngungen hat. Es wäre eine Quelle von Verjüngung, wenn es Herzensbildung enthalten würde, nicht bloß Kopfbildung. Dann würde der Mensch sein ganzes Leben hindurch für den übrigen Organismus, der sich viermal langsamer entwickelt, aus der Kindheitslehre etwas haben, aus der Schule etwas haben, was auch zurückwirken würde auf seinen Organismus. Heute fängt das erst an, immer schlimmer und schlimmer wird es werden. Die Menschen werden früh greisenhaft werden, weil sie höchstens gedächtnismäßig sich an das erinnern werden, was sie nur für den Kopf aufgenommen haben, und was so nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahre eine Bedeutung hat. Nachher bleibt es stehen, Unbrauchbares, an das man sich zurückerinnert; und der Mensch altert. Er wird früh innerlich seelisch-geistig alt, weil die Kopfbildung nicht geeignet ist, überzufließen in die viermal langsamere Herzensentwickelung.
[ 21 ] Damit ist außerordentlich viel gesagt. Die Zeit hat allmählich lauter Ideen ausgebildet, die den Kopf beschäftigen, die das Herz kühl und leer lassen. Sie kommen heute schon, wie gesagt, sporadisch; aber die Dinge werden immer mehr und mehr um sich greifen. Sie können die Probe machen, wenn Sie das Leben beobachten können. Der Mensch ist nämlich durch die Zwiespältigkeit seiner Kopf- und Herzensbildung darauf angewiesen, daß er in seiner Jugend nicht bloß eine Kopfbildung bekommt. In der Jugend kommt ja vorzugsweise der Kopf in Betracht, weil das andere sich langsamer entwickelt. Wenn man den Menschen ebenso erziehen wollte für das übrige wie für den Kopf, so müßte man ihn das ganze Leben in die Schule nehmen. Man kann in der Schulerziehung nur den Kopf behandeln. Aber heute behandelt man den Kopf so, daß dieser Kopf geistig-seelisch nichts zurückgeben kann an den übrigen Organismus. Der übrige Organismus gibt ja seine vererbten Impulse das ganze Leben hindurch an denKopf ab, sonst würden wir mit siebenundzwanzig Jahren sterben, denn der Kopf ist dazu veranlagt. Aber ebenso sollte der Kopf das wiederum abgeben, was in ihm herangezogen wird. Daß die heutige Erziehung das nicht trifft, dafür können Sie die Probe machen, indem Sie sich die Frage stellen: Ist es denn nicht so, daß heute Menschen, welche die schulmäßige Erziehung bekommen, sich im späteren Leben nur an das Gefühlsmäßige erinnern? — Sie tun meistens nicht einmal das, sondern sie sind froh, wenn sie alles rasch vergessen können. Das bedeutet nur, daß der übrige Organismus anschaut die Bildung des Kopfes. Würde der übrige Organismus vom Kopfe als Lebensessenz das erhalten, was er braucht, so würde man sich nicht nur gedächtnismäßig erinnern, sondern man würde zurückblicken auf das, was einem der Lehrer gegeben hat, wie auf ein Paradies, zu dem man jede Stunde im späteren Leben mit inniger Zufriedenheit, mit Anhänglichkeit zurückdenkt, in das man sich immer wieder und wiederum versenkt und in dem man eine Quelle von Verjüngungen hat. Es wäre eine Quelle von Verjüngung, wenn es Herzensbildung enthalten würde, nicht bloß Kopfbildung. Dann würde der Mensch sein ganzes Leben hindurch für den übrigen Organismus, der sich viermal langsamer entwickelt, aus der Kindheitslehre etwas haben, aus der Schule etwas haben, was auch zurückwirken würde auf seinen Organismus. Heute fängt das erst an, immer schlimmer und schlimmer wird es werden. Die Menschen werden früh greisenhaft werden, weil sie höchstens gedächtnismäßig sich an das erinnern werden, was sie nur für den Kopf aufgenommen haben, und was so nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahre eine Bedeutung hat. Nachher bleibt es stehen, Unbrauchbares, an das man sich zurückerinnert; und der Mensch altert. Er wird früh innerlich seelisch-geistig alt, weil die Kopfbildung nicht geeignet ist, überzufließen in die viermal langsamere Herzensentwickelung.
[ 22 ] Diese Dinge müssen berücksichtigt werden. Sollen sie aber berücksichtigt werden, dann muß unsere Schulerziehung eine total andere werden, dann muß sie anstelle der toten Begriffe, die heute überall herrschen, lebendige Begriffe haben. Bei einer Kant-Laplaceschen Theorie werden sich die Menschen immer so zurückerinnern, daß sie dabei vergreisen. Das, was wirklich ist: der geistig-seelische Ausgangspunkt unseres Weltenalls, aus dem sich das Physische erst herausentwickelt hat, das wird, wenn es richtig in den Unterrichtsstoff verarbeitet wird, ein lebenslänglicher Quell der Verjüngung sein. Und möglich ist es, den Unterrichtsstoff nicht bloß durch Methodisches, sondern durch völlige Umarbeitung im anthroposophischen Sinn so zu gestalten, daß der Mensch sein ganzes Leben hindurch etwas hat, an das er sich nicht nur gedankenmäßig zurückerinnert, sondern was ein lebenslänglicher Quell fortwährender Verjüngung ist. Das muß bewußt erreicht werden, daß die Menschen nicht, wenn sie kaum fünfzig Jahre alt sind, Greise sind, sondern daß sie innerlich seelisch von dem noch zehren können, was sie in der Jugend aufgenommen haben; daß sie einen Erfrischungsquell, einen Erfrischungstrank an dem haben können, was sie als Kind aufgenommen haben. Dann muß es aber so gegeben werden, daß es nicht bloß taugt für die Kopfentwickelung, sondern daß es taugt für die Entwickelung des ganzen menschlichen Organismus, die drei- bis viermal langsamer vor sich geht als die Kopfentwickelung.
[ 22 ] Diese Dinge müssen berücksichtigt werden. Sollen sie aber berücksichtigt werden, dann muß unsere Schulerziehung eine total andere werden, dann muß sie anstelle der toten Begriffe, die heute überall herrschen, lebendige Begriffe haben. Bei einer Kant-Laplaceschen Theorie werden sich die Menschen immer so zurückerinnern, daß sie dabei vergreisen. Das, was wirklich ist: der geistig-seelische Ausgangspunkt unseres Weltenalls, aus dem sich das Physische erst herausentwickelt hat, das wird, wenn es richtig in den Unterrichtsstoff verarbeitet wird, ein lebenslänglicher Quell der Verjüngung sein. Und möglich ist es, den Unterrichtsstoff nicht bloß durch Methodisches, sondern durch völlige Umarbeitung im anthroposophischen Sinn so zu gestalten, daß der Mensch sein ganzes Leben hindurch etwas hat, an das er sich nicht nur gedankenmäßig zurückerinnert, sondern was ein lebenslänglicher Quell fortwährender Verjüngung ist. Das muß bewußt erreicht werden, daß die Menschen nicht, wenn sie kaum fünfzig Jahre alt sind, Greise sind, sondern daß sie innerlich seelisch von dem noch zehren können, was sie in der Jugend aufgenommen haben; daß sie einen Erfrischungsquell, einen Erfrischungstrank an dem haben können, was sie als Kind aufgenommen haben. Dann muß es aber so gegeben werden, daß es nicht bloß taugt für die Kopfentwickelung, sondern daß es taugt für die Entwickelung des ganzen menschlichen Organismus, die drei- bis viermal langsamer vor sich geht als die Kopfentwickelung.
[ 23 ] Solche Dinge einsehen heißt: dasjenige, was bei dem Naturwissenschafter und deshalb auch bei unserer Allgemeinbildung tote Begriffe sind, beleben. Unterschätzen Sie nicht die große soziale Bedeutung dessen, was damit gesagt ist. Sie könnten ja glauben, das habe nur Bedeutung da, wo die Naturwissenschaft im engeren Sinne wirkt. Das ist nicht wahr. Die Naturwissenschaft wirkt ja auf die ganze heutige Bildung, auf die ganze Breite der heutigen Menschheitsentwickelung. Diese naturwissenschaftlichen Begriffe dehnen sich aus bis in die Sonntagsblättchen hinein; und selbst derjenige, der nur aus seinem Sonntagsblättchen heraus alles dasjenige aufnimmt, was seinen Glauben heute ausmacht, den wirklichen und wahrhaftigen Glauben, den er seiner Kirche oder seinem Amte gegenüber heuchelt, der ist heute infiziert durch die Naturwissenschaft, die nur Totes liefern kann, wenn auch dieses Tote in der geistigsten Weise betrachtet werden mag. Diese Dinge müssen klar durchschaut werden.
[ 23 ] Solche Dinge einsehen heißt: dasjenige, was bei dem Naturwissenschafter und deshalb auch bei unserer Allgemeinbildung tote Begriffe sind, beleben. Unterschätzen Sie nicht die große soziale Bedeutung dessen, was damit gesagt ist. Sie könnten ja glauben, das habe nur Bedeutung da, wo die Naturwissenschaft im engeren Sinne wirkt. Das ist nicht wahr. Die Naturwissenschaft wirkt ja auf die ganze heutige Bildung, auf die ganze Breite der heutigen Menschheitsentwickelung. Diese naturwissenschaftlichen Begriffe dehnen sich aus bis in die Sonntagsblättchen hinein; und selbst derjenige, der nur aus seinem Sonntagsblättchen heraus alles dasjenige aufnimmt, was seinen Glauben heute ausmacht, den wirklichen und wahrhaftigen Glauben, den er seiner Kirche oder seinem Amte gegenüber heuchelt, der ist heute infiziert durch die Naturwissenschaft, die nur Totes liefern kann, wenn auch dieses Tote in der geistigsten Weise betrachtet werden mag. Diese Dinge müssen klar durchschaut werden.
[ 24 ] Sie sehen also: Es handelt sich bei der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wahrhaftig nicht bloß um etwas, was so die subjektive Neugierde befriedigen kann, sondern um etwas, was tief einzuschneiden hat in unsere ganze Zeitentwickelung. Und wiederum, dieses Eingreifen in unsere Zeitentwickelung hängt für unser Bewußtsein, das in der Anthroposophie herangeschult werden kann, zusammen mit der Erkenntnis dessen, was da von den Jahren 1841 bis 1879 und bis 1917 sich in der Menschheitsentwickelung übersinnlich und sinnlich, über dem physischen Plan und auf dem physischen Plan, abgespielt hat. Man kann diese Dinge nicht ernst genug nehmen. Denn nicht ernst genommen worden ist vieles, recht vieles in der neueren Zeit. Und darin wird gerade die Gesundung der Menschheit bestehen müssen, daß die Menschen sich wiederum bequemen, Empfindungen, Begriffe, Gefühle über die Weltentwickelung aufzunehmen. Besinne man sich nur einmal über diese Dinge!
[ 24 ] Sie sehen also: Es handelt sich bei der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wahrhaftig nicht bloß um etwas, was so die subjektive Neugierde befriedigen kann, sondern um etwas, was tief einzuschneiden hat in unsere ganze Zeitentwickelung. Und wiederum, dieses Eingreifen in unsere Zeitentwickelung hängt für unser Bewußtsein, das in der Anthroposophie herangeschult werden kann, zusammen mit der Erkenntnis dessen, was da von den Jahren 1841 bis 1879 und bis 1917 sich in der Menschheitsentwickelung übersinnlich und sinnlich, über dem physischen Plan und auf dem physischen Plan, abgespielt hat. Man kann diese Dinge nicht ernst genug nehmen. Denn nicht ernst genommen worden ist vieles, recht vieles in der neueren Zeit. Und darin wird gerade die Gesundung der Menschheit bestehen müssen, daß die Menschen sich wiederum bequemen, Empfindungen, Begriffe, Gefühle über die Weltentwickelung aufzunehmen. Besinne man sich nur einmal über diese Dinge!
[ 25 ] Wenn Sie auf die letzten Jahrzehnte zurücksehen: was hat denn, mit Ausnahme von einzelnen Menschen, im Grunde genommen die tonangebende Welt mit Weltanschauungsfragen, mit großen Weltanschauungsfragen gemacht? Sie hat sich höchstens die naturwissenschaftlichen Begriffe irgendwie popularisieren lassen, hat sich von diesen naturwissenschaftlichen Begriffen, die sie sich hat popularisieren lassen mit den Mitteln der neueren Zeit, allerlei möglichst illustrative Dinge vorführen lassen. Wenn man irgendwie hat ankündigen können, daß irgend etwas aus der Naturwissenschaft mit Lichtbildern vorgeführt wird, so hat man damit ganz besonderes Aufsehen gemacht und besonderen Zuspruch erfahren. Was hat denn eigentlich gerade die tonangebende Gesellschaftsschicht mit Weltanschauungsfragen in der neueren Zeit gemacht? Man hat sich sehr interessiert, wenn irgend jemand erzählen konnte, was er als Nordpolfahrer, was er als Brasilienforscher erlebt hat. Das soll nicht getadelt werden, daß man sich dafür interessiert. Wenn einer darüber spricht, daß er die Geheimnisse des Eikeimes des Maikäfers irgendwie hat enträtseln können, so hat man die Notwendigkeit gefühlt, daß man als gut bürgerlich gebildeter Mensch der neueren Zeit in solche Vorträge hineingehört, wenn man auch nach fünf Minuten, sofern einen nicht gerade ein Lichtbild aufgeweckt hat, in Schlummer versunken ist. Aber der wirkliche Wille, die menschliche Idee hinaufzuheben zu einer Weltanschauung, wo ist er denn eigentlich vorhanden? Wo er vorhanden war, das ist sehr charakteristisch, und darüber nachzudenken ist eigentlich heute jeder gezwungen. Wo gibt es seit Jahrzehnten die regsten Weltanschauungsdebatten, die regsten Interessen für Weltanschauungsfragen? Da, wo die Sozialdemokraten ihre Versammlungen hatten. Da bildete man Weltanschauungen aus. Das weiß man nur in anderen Gesellschaftsschichten nicht, weil man sich womöglich, so gut es geht, davor hütet, das Menschenleben wirklich kennenzulernen.
[ 25 ] Wenn Sie auf die letzten Jahrzehnte zurücksehen: was hat denn, mit Ausnahme von einzelnen Menschen, im Grunde genommen die tonangebende Welt mit Weltanschauungsfragen, mit großen Weltanschauungsfragen gemacht? Sie hat sich höchstens die naturwissenschaftlichen Begriffe irgendwie popularisieren lassen, hat sich von diesen naturwissenschaftlichen Begriffen, die sie sich hat popularisieren lassen mit den Mitteln der neueren Zeit, allerlei möglichst illustrative Dinge vorführen lassen. Wenn man irgendwie hat ankündigen können, daß irgend etwas aus der Naturwissenschaft mit Lichtbildern vorgeführt wird, so hat man damit ganz besonderes Aufsehen gemacht und besonderen Zuspruch erfahren. Was hat denn eigentlich gerade die tonangebende Gesellschaftsschicht mit Weltanschauungsfragen in der neueren Zeit gemacht? Man hat sich sehr interessiert, wenn irgend jemand erzählen konnte, was er als Nordpolfahrer, was er als Brasilienforscher erlebt hat. Das soll nicht getadelt werden, daß man sich dafür interessiert. Wenn einer darüber spricht, daß er die Geheimnisse des Eikeimes des Maikäfers irgendwie hat enträtseln können, so hat man die Notwendigkeit gefühlt, daß man als gut bürgerlich gebildeter Mensch der neueren Zeit in solche Vorträge hineingehört, wenn man auch nach fünf Minuten, sofern einen nicht gerade ein Lichtbild aufgeweckt hat, in Schlummer versunken ist. Aber der wirkliche Wille, die menschliche Idee hinaufzuheben zu einer Weltanschauung, wo ist er denn eigentlich vorhanden? Wo er vorhanden war, das ist sehr charakteristisch, und darüber nachzudenken ist eigentlich heute jeder gezwungen. Wo gibt es seit Jahrzehnten die regsten Weltanschauungsdebatten, die regsten Interessen für Weltanschauungsfragen? Da, wo die Sozialdemokraten ihre Versammlungen hatten. Da bildete man Weltanschauungen aus. Das weiß man nur in anderen Gesellschaftsschichten nicht, weil man sich womöglich, so gut es geht, davor hütet, das Menschenleben wirklich kennenzulernen.
[ 26 ] Aber was bildet man bei den Sozialdemokraten für eine Weltanschauung aus? Eine, die nur arbeitet mit denselben Begriffen, welche in die Maschinen hineingeheimnißt sind; eine Weltanschauung, die Anschauungen über die Welt nur ausbildet in dem Mechanischen: historischen Materialismus, materialistische Geschichtsauffassung, matertalistische Auffassung des menschlichen Zusammenlebens. Sie können ja über diese Begriffe in jeder sozialistischen Zeitschrift nachlesen. Das tun ja die meisten nicht, aber das würde, um sich zu informieren, ganz nützlich sein. Diejenigen Menschen, die in die Maschinen hineingedrängt worden sind, die von morgens bis abends mit nichts anderem zu tun haben, und die, wenn sie am Abend von den Maschinen wegkommen, es wieder zu tun haben mit einer gesellschaftlichen Einrichtung, die eigentlich ein Abbild der Maschine ist, die haben eine Weltanschauung, welche die Welt so ansieht, als wenn sie eine Maschine wäre. Sie haben eine Weltanschauung ausgebildet, welche mit nichts Individuellem rechnet, welche alles über den ausgleichenden Begriff des Toten spannt. Man hat ein recht gutes, ein wahres Sprichwort: Der Tod macht alles gleich —; aber man könnte auch sagen: Eine Weltanschauung, welche sich nur mit dem Maschinellen, dem Toten beschäftigt, macht auch alles gleich, löscht alles individuelle Dasein, alles Leben aus. — So würde alles individuelle Dasein, alles Leben ausgelöscht durch diejenige Weltanschauung, die von der Maschine her ihr Ideal nähme. Solange die Sache nicht sengerig wurde, hat man diese Dinge träumend, schlafend über sich ergehen lassen, hat sich so verhalten, daß man alle Weltanschauungsfragen abgelehnt hat und allmählich den Zusammenhang verloren hat mit all den Impulsen, die das menschliche Gemeinschaftsleben, das menschliche Erziehungsleben in verständnisvoller Weise durchdringen können. Und im Grunde genommen ist in der neueren Zeit in Weltanschauungsfragen nur da gearbeitet worden, wo man maschinelle Begriffehatte. Auch die Wissenschaft gab ja nur maschinelle Begriffe her. Wenn Sie das Buch von Theodor Ziehen, das für die moderne Wissenschaft ein Musterbuch ist, nehmen und die Schlußkapitel lesen, so werden Sie sehen, daß er ja auch zu denjenigen gehört, welche sagen: Naturwissenschaft kann nicht zu Begriffen kommen, die Ethik, Moral, Ästhetik hergeben; aber nachher werden doch Begriffe ausgebildet, welche besagen, daß alles, was nicht Naturwissenschaft ist, nur erträumtes Zeug sei. Zwischen den Zeilen wird doch alles das, was nicht naturwissenschaftlich ist, verleumdet. Da sagt Theodor Ziehen am Schlusse zwar noch gnädig: Begriffe wie Freiheit, wie Ethik, Moral und so weiter, die müssen ja von anderen Seiten kommen; nur den Begriff der Verantwortung, den müßte eigentlich die wirkliche Wissenschaft ablehnen. Verantwortlich könne der Mensch ebensowenig sein, wie irgendeine Blume für ihre Häßlichkeit verantwortlich gemacht werden könne. — Das ist naturwissenschaftlich absolut richtig, wenn man einseitig auf dern Boden der Naturwissenschaft steht, wenn man bloße Begriffe des Toten anwendet. Aber man wendet dann eben Begriffe an, die nicht einmal zu dem Lebendigen kommen, erst recht nicht zum Ich.
[ 26 ] Aber was bildet man bei den Sozialdemokraten für eine Weltanschauung aus? Eine, die nur arbeitet mit denselben Begriffen, welche in die Maschinen hineingeheimnißt sind; eine Weltanschauung, die Anschauungen über die Welt nur ausbildet in dem Mechanischen: historischen Materialismus, materialistische Geschichtsauffassung, matertalistische Auffassung des menschlichen Zusammenlebens. Sie können ja über diese Begriffe in jeder sozialistischen Zeitschrift nachlesen. Das tun ja die meisten nicht, aber das würde, um sich zu informieren, ganz nützlich sein. Diejenigen Menschen, die in die Maschinen hineingedrängt worden sind, die von morgens bis abends mit nichts anderem zu tun haben, und die, wenn sie am Abend von den Maschinen wegkommen, es wieder zu tun haben mit einer gesellschaftlichen Einrichtung, die eigentlich ein Abbild der Maschine ist, die haben eine Weltanschauung, welche die Welt so ansieht, als wenn sie eine Maschine wäre. Sie haben eine Weltanschauung ausgebildet, welche mit nichts Individuellem rechnet, welche alles über den ausgleichenden Begriff des Toten spannt. Man hat ein recht gutes, ein wahres Sprichwort: Der Tod macht alles gleich —; aber man könnte auch sagen: Eine Weltanschauung, welche sich nur mit dem Maschinellen, dem Toten beschäftigt, macht auch alles gleich, löscht alles individuelle Dasein, alles Leben aus. — So würde alles individuelle Dasein, alles Leben ausgelöscht durch diejenige Weltanschauung, die von der Maschine her ihr Ideal nähme. Solange die Sache nicht sengerig wurde, hat man diese Dinge träumend, schlafend über sich ergehen lassen, hat sich so verhalten, daß man alle Weltanschauungsfragen abgelehnt hat und allmählich den Zusammenhang verloren hat mit all den Impulsen, die das menschliche Gemeinschaftsleben, das menschliche Erziehungsleben in verständnisvoller Weise durchdringen können. Und im Grunde genommen ist in der neueren Zeit in Weltanschauungsfragen nur da gearbeitet worden, wo man maschinelle Begriffehatte. Auch die Wissenschaft gab ja nur maschinelle Begriffe her. Wenn Sie das Buch von Theodor Ziehen, das für die moderne Wissenschaft ein Musterbuch ist, nehmen und die Schlußkapitel lesen, so werden Sie sehen, daß er ja auch zu denjenigen gehört, welche sagen: Naturwissenschaft kann nicht zu Begriffen kommen, die Ethik, Moral, Ästhetik hergeben; aber nachher werden doch Begriffe ausgebildet, welche besagen, daß alles, was nicht Naturwissenschaft ist, nur erträumtes Zeug sei. Zwischen den Zeilen wird doch alles das, was nicht naturwissenschaftlich ist, verleumdet. Da sagt Theodor Ziehen am Schlusse zwar noch gnädig: Begriffe wie Freiheit, wie Ethik, Moral und so weiter, die müssen ja von anderen Seiten kommen; nur den Begriff der Verantwortung, den müßte eigentlich die wirkliche Wissenschaft ablehnen. Verantwortlich könne der Mensch ebensowenig sein, wie irgendeine Blume für ihre Häßlichkeit verantwortlich gemacht werden könne. — Das ist naturwissenschaftlich absolut richtig, wenn man einseitig auf dern Boden der Naturwissenschaft steht, wenn man bloße Begriffe des Toten anwendet. Aber man wendet dann eben Begriffe an, die nicht einmal zu dem Lebendigen kommen, erst recht nicht zum Ich.
[ 27 ] Interessant ist ja, wie Theodor Ziehen über das Ich spricht. In diesen Vorträgen, die nachgeschrieben und dann gedruckt worden sind, so daß sie den Ton des Vortrages festhalten, sagt er über das Ich: Meine Herren, es ist ein komplizierter Begriff, das Ich; wenn Sie nachdenken, was Sie eigentlich bei dem Wörtchen «Ich» denken, auf was kommen
[ 27 ] Interessant ist ja, wie Theodor Ziehen über das Ich spricht. In diesen Vorträgen, die nachgeschrieben und dann gedruckt worden sind, so daß sie den Ton des Vortrages festhalten, sagt er über das Ich: Meine Herren, es ist ein komplizierter Begriff, das Ich; wenn Sie nachdenken, was Sie eigentlich bei dem Wörtchen «Ich» denken, auf was kommen
[ 28 ] Sie? Zuerst auf Ihre Leiblichkeit. Nachher auf Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen. Nachher auf Ihre Eigentumsbeziehungen. Dann denken Sie an Ihren Namen und Titel — die Orden läßt er aus —, nachher..., nun, an lauter solche Dinge. Und dasjenige, meint er, was mancher Psychologe ausgebildet hat, ist nur eine Fiktion. Ja, der Naturforscher kann auch, wenn er über das Ich spricht, zu nichts anderem kommen als zu dem, woran eigentlich kein Mensch denkt, wenn er ernsthaft die Sache auffaßt, wenn er das Ich ins Auge faßt. Aber es ist ernst mit der Sache, daß dasjenige, was an Begriffen nur aus dem Toten heraus ausgebildet ist, auch zur Ertötung, zur Zerstörung, zur Verwüstung des Lebens führen muß. Eine Theorie, die aus der toten Maschine heraus als soziale Weltanschauungstheorie gemacht worden ist, wirkt, wenn sie ins Leben eingeführt wird, nicht aufbauend, sondern zerstörend. Die Menschheit hat sich nicht entschlossen, dies zu begreifen; sie muß es daher am Extremsten erleben. Denn, was ist geschehen? In demjenigen Gebiete, wo einstmals Quellen ungeheurer Zukunftsimpulse aufgehen werden, im Osten, wirkt die Toten-Theorie, die Fortsetzung der maschinellen Weltanschauung in sozialen Anschauungen, im Leninismus und Trotzkismus, zerstörend.
[ 28 ] Sie? Zuerst auf Ihre Leiblichkeit. Nachher auf Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen. Nachher auf Ihre Eigentumsbeziehungen. Dann denken Sie an Ihren Namen und Titel — die Orden läßt er aus —, nachher..., nun, an lauter solche Dinge. Und dasjenige, meint er, was mancher Psychologe ausgebildet hat, ist nur eine Fiktion. Ja, der Naturforscher kann auch, wenn er über das Ich spricht, zu nichts anderem kommen als zu dem, woran eigentlich kein Mensch denkt, wenn er ernsthaft die Sache auffaßt, wenn er das Ich ins Auge faßt. Aber es ist ernst mit der Sache, daß dasjenige, was an Begriffen nur aus dem Toten heraus ausgebildet ist, auch zur Ertötung, zur Zerstörung, zur Verwüstung des Lebens führen muß. Eine Theorie, die aus der toten Maschine heraus als soziale Weltanschauungstheorie gemacht worden ist, wirkt, wenn sie ins Leben eingeführt wird, nicht aufbauend, sondern zerstörend. Die Menschheit hat sich nicht entschlossen, dies zu begreifen; sie muß es daher am Extremsten erleben. Denn, was ist geschehen? In demjenigen Gebiete, wo einstmals Quellen ungeheurer Zukunftsimpulse aufgehen werden, im Osten, wirkt die Toten-Theorie, die Fortsetzung der maschinellen Weltanschauung in sozialen Anschauungen, im Leninismus und Trotzkismus, zerstörend.
[ 29 ] Betrachten Sie die Sache nur ganz ernst. Derjenige, der nur das Tote gelten läßt, auch im Menschen nur das Tote gelten läßt, mag er auch ein so großer Gelehrter sein wie Theodor Ziehen, wenn er über das Ich, über die Verantwortlichkeit so redet wie Theodor Ziehen, dann ist sein richtiger gesellschaftlicher Interpret nicht er selbst — der sich das nicht getraut —, sondern Lenin und Trotzkij sind diejenigen, die die richtige Konsequenz ziehen für die menschliche Gesellschaft. Was Lenin und Trotzkij ausführen, das sind die Konsequenzen desjenigen, was von der rein naturwissenschaftlichen Weltanschauung schon gepflegt wird. Weil diese naturwissenschaftliche Weltanschauung aber Kompromisse schließt mit dem, was nicht Konsequenz dieser Weltanschauung ist, nur deshalb wird sie, weil sie eben nicht die Konsequenz zieht, nicht Leninismus und Trotzkismus.
[ 29 ] Betrachten Sie die Sache nur ganz ernst. Derjenige, der nur das Tote gelten läßt, auch im Menschen nur das Tote gelten läßt, mag er auch ein so großer Gelehrter sein wie Theodor Ziehen, wenn er über das Ich, über die Verantwortlichkeit so redet wie Theodor Ziehen, dann ist sein richtiger gesellschaftlicher Interpret nicht er selbst — der sich das nicht getraut —, sondern Lenin und Trotzkij sind diejenigen, die die richtige Konsequenz ziehen für die menschliche Gesellschaft. Was Lenin und Trotzkij ausführen, das sind die Konsequenzen desjenigen, was von der rein naturwissenschaftlichen Weltanschauung schon gepflegt wird. Weil diese naturwissenschaftliche Weltanschauung aber Kompromisse schließt mit dem, was nicht Konsequenz dieser Weltanschauung ist, nur deshalb wird sie, weil sie eben nicht die Konsequenz zieht, nicht Leninismus und Trotzkismus.
[ 30 ] Darauf kommt es aber auch an, daß die Dinge dem Sinne der Wirklichkeit nach genommen werden. Was nicht wahr ist, das wirkt als etwas Objektives. Gedanken sind Wirklichkeiten, sind nicht bloße Begriffe. Man kann nicht nur sagen: Auch wenn kein Mensch von einer Lüge etwas weiß, so wirkt sie doch als Macht. — Das ist wahr, aber noch etwas anderes ist wahr: Wenn eine Lüge existiert, die man nicht als Lüge ansieht, so ändert das nichts an der Wirkung; sie wirkt in der realen Welt als Lüge. Und sie mag noch so gut gemeint sein, sie wirkt doch als Lüge.
[ 30 ] Darauf kommt es aber auch an, daß die Dinge dem Sinne der Wirklichkeit nach genommen werden. Was nicht wahr ist, das wirkt als etwas Objektives. Gedanken sind Wirklichkeiten, sind nicht bloße Begriffe. Man kann nicht nur sagen: Auch wenn kein Mensch von einer Lüge etwas weiß, so wirkt sie doch als Macht. — Das ist wahr, aber noch etwas anderes ist wahr: Wenn eine Lüge existiert, die man nicht als Lüge ansieht, so ändert das nichts an der Wirkung; sie wirkt in der realen Welt als Lüge. Und sie mag noch so gut gemeint sein, sie wirkt doch als Lüge.
[ 31 ] Es gibt heute schon Werke — ich habe es vielleicht auch hier schon erwähnt —, welche vom Standpunkte der richtigen gegenwärtigen Naturwissenschaft aus die Christus Jesus-Frage behandeln. Sehr interessante Bücher, weil sie kompromißlos vorgehen. Vor allen Dingen ein dänisches Buch. Es gibt auch andere, die wirklich aussprechen, was der gegenwärtige Psychologe, der gegenwärtige Psychiater, der naturwissenschaftlich denkt, über den Christus Jesus denken muß. Was wird da der Christus Jesus? Er wird da ein Epileptiker, ein pathologischer Mensch, eine krankhaft veranlagte Natur. Und die Evangelien werden so interpretiert, daß man in jedem Kapitel sieht: sie sind Krankheitsgeschichten. Das ist natürlich alles Blödsinn; aber daß es Blödsinn ist, das zu sagen, dazu hat heute nur derjenige das Recht, der die Sache geistig durchschaut. Derjenige, der die naturwissenschaftliche Psychologie und Psychiatrie heute gelten läßt, von dessen Standpunkt aus ist diese Christus-Lehre die richtige, weil sie da die richtige Konsequenz zieht. Und ein Mensch, der so als heutiger Psychiater spricht, ist noch immer ein besserer Mensch, ein wahrerer, ein ehrlicherer Mensch als derjenige, der die heutige Psychiatrie annimmt und doch im anderen Sinne über den Christus denkt, im Sinne jener Pastoren oder Pfarrer, die auch die Naturwissenschaft umfänglich gelten lassen und doch die Kompromisse schließen.
[ 31 ] Es gibt heute schon Werke — ich habe es vielleicht auch hier schon erwähnt —, welche vom Standpunkte der richtigen gegenwärtigen Naturwissenschaft aus die Christus Jesus-Frage behandeln. Sehr interessante Bücher, weil sie kompromißlos vorgehen. Vor allen Dingen ein dänisches Buch. Es gibt auch andere, die wirklich aussprechen, was der gegenwärtige Psychologe, der gegenwärtige Psychiater, der naturwissenschaftlich denkt, über den Christus Jesus denken muß. Was wird da der Christus Jesus? Er wird da ein Epileptiker, ein pathologischer Mensch, eine krankhaft veranlagte Natur. Und die Evangelien werden so interpretiert, daß man in jedem Kapitel sieht: sie sind Krankheitsgeschichten. Das ist natürlich alles Blödsinn; aber daß es Blödsinn ist, das zu sagen, dazu hat heute nur derjenige das Recht, der die Sache geistig durchschaut. Derjenige, der die naturwissenschaftliche Psychologie und Psychiatrie heute gelten läßt, von dessen Standpunkt aus ist diese Christus-Lehre die richtige, weil sie da die richtige Konsequenz zieht. Und ein Mensch, der so als heutiger Psychiater spricht, ist noch immer ein besserer Mensch, ein wahrerer, ein ehrlicherer Mensch als derjenige, der die heutige Psychiatrie annimmt und doch im anderen Sinne über den Christus denkt, im Sinne jener Pastoren oder Pfarrer, die auch die Naturwissenschaft umfänglich gelten lassen und doch die Kompromisse schließen.
[ 32 ] Eine Lüge wirkt, wenn sie auch noch so fromm drapiert ist, denn sie ist eine reale Macht. Vor allen Dingen ist heute notwendig, daß man nicht das Leben zudeckt durch Kompromisse, sondern daß man überall dasjenige ins Auge faßt, was notwendig ist ins Auge zu fassen von bestimmten Voraussetzungen aus. Will heute der moderne Psychiater nicht den Christus als Epileptiker, als Irrsinnigen ansehen, der er nach der heutigen Psychiatrie wäre, dann muß er die Psychiatrie aufgeben, wie sie heute ausgestaltet ist; dann muß er sich auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen. Würden die Menschen heute imstande sein, sich wirklich scharf umrissen auf die Grundlagen desjenigen zu stellen, was erkannt werden kann, dann würden wir mit dem, was erkannt werden kann, erst die richtigen Impulse haben für das, was weiter wirken muß.
[ 32 ] Eine Lüge wirkt, wenn sie auch noch so fromm drapiert ist, denn sie ist eine reale Macht. Vor allen Dingen ist heute notwendig, daß man nicht das Leben zudeckt durch Kompromisse, sondern daß man überall dasjenige ins Auge faßt, was notwendig ist ins Auge zu fassen von bestimmten Voraussetzungen aus. Will heute der moderne Psychiater nicht den Christus als Epileptiker, als Irrsinnigen ansehen, der er nach der heutigen Psychiatrie wäre, dann muß er die Psychiatrie aufgeben, wie sie heute ausgestaltet ist; dann muß er sich auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen. Würden die Menschen heute imstande sein, sich wirklich scharf umrissen auf die Grundlagen desjenigen zu stellen, was erkannt werden kann, dann würden wir mit dem, was erkannt werden kann, erst die richtigen Impulse haben für das, was weiter wirken muß.
[ 33 ] In diesen Tagen ist mir ein Zettelchen in die Hand geschoben worden über ein Buch, das mir aber schon bekannt war, das ja jedenfalls das Entsetzen der Dame — denn eine Dame wird es ja wohl sein — hervorgerufen hat. In dem Zettelchen wird mitgeteilt, was Alexander Moszkowski geschrieben hat. Ich habe das Buch nicht hier, aber aus dem Zettelchen werden Sie den Inhalt des Buches erkennen können: «Wer jemals die Bänke eines Gymnasiums gedrückt hat, dem werden die Stunden unvergeßlich sein, da er in Plato die Gespräche zwischen Sokrates und seinen Freunden «genoß», unvergeßlich wegen der fabelhaften Langeweile, die diesen Gesprächen entströmt. Und man erinnert sich vielleicht, daß man die Gespräche des Sokrates eigentlich herzhaft dumm fand; aber man wagte natürlich nicht, diese Ansicht zu äußern, denn schließlich war der Mann, um den es sich handelte, ja Sokrates, der «griechische Philosoph». Mit dieser ganz ungerechtfertigten Überschätzung des braven Atheners räumt das Buch «Sokrates der Idiot von Alexander Moszkowski (Verlag Dr. Eysler & Co. Berlin) gehörig auf. Der Polyhistoriker Moszkowski unternimmt in dem kleinen, unterhaltend geschriebenen Werke nichts Geringeres, als Sokrates seiner Philosophenwürde so ziemlich vollständig zu entkleiden. Der Titel «Sokrates — der Idiot» ist wörtlich gemeint. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß sich an das Buch noch wissenschaftliche Auseinandersetzungen knüpfen werden.»
[ 33 ] In diesen Tagen ist mir ein Zettelchen in die Hand geschoben worden über ein Buch, das mir aber schon bekannt war, das ja jedenfalls das Entsetzen der Dame — denn eine Dame wird es ja wohl sein — hervorgerufen hat. In dem Zettelchen wird mitgeteilt, was Alexander Moszkowski geschrieben hat. Ich habe das Buch nicht hier, aber aus dem Zettelchen werden Sie den Inhalt des Buches erkennen können: «Wer jemals die Bänke eines Gymnasiums gedrückt hat, dem werden die Stunden unvergeßlich sein, da er in Plato die Gespräche zwischen Sokrates und seinen Freunden «genoß», unvergeßlich wegen der fabelhaften Langeweile, die diesen Gesprächen entströmt. Und man erinnert sich vielleicht, daß man die Gespräche des Sokrates eigentlich herzhaft dumm fand; aber man wagte natürlich nicht, diese Ansicht zu äußern, denn schließlich war der Mann, um den es sich handelte, ja Sokrates, der «griechische Philosoph». Mit dieser ganz ungerechtfertigten Überschätzung des braven Atheners räumt das Buch «Sokrates der Idiot von Alexander Moszkowski (Verlag Dr. Eysler & Co. Berlin) gehörig auf. Der Polyhistoriker Moszkowski unternimmt in dem kleinen, unterhaltend geschriebenen Werke nichts Geringeres, als Sokrates seiner Philosophenwürde so ziemlich vollständig zu entkleiden. Der Titel «Sokrates — der Idiot» ist wörtlich gemeint. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß sich an das Buch noch wissenschaftliche Auseinandersetzungen knüpfen werden.»
[ 34 ] Es wird natürlich der heutige Kompromißlermensch sagen: Nun, wir haben ja zur Genüge gelernt, daß Sokrates ein großer Mensch ist, und kein Idiot; da kommt nun Moszkowski und sagt so etwas! — Aber heute ist es notwendig, über eine solche Sache einen ganz anderen Gedanken zu haben. Wer Moszkowski kennt, weiß, daß dieser Moszkowski im vollsten Sinne des Wortes auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Weltanschauung steht, bis zu der Quantentheorie auf diesem Boden steht, daß er also auf dem äußersten Flügel der heutigen naturwissenschaftlichen Weltanschauung steht. Und gesagt werden muß, daß dieser Moszkowski ein viel ehrlicherer Mensch ist als die anderen, die auch glauben, auf dem Standpunkte der naturwissenschaftlichen Weltanschauung zu stehen und doch nicht denken, sie müßten Sokrates für einen Dummkopf ansehen, der gar nichts zu sagen hat zu den für die Weltanschauung wichtigen Begriffen; die trotzdem die Kompromisse schließen, Sokrates als einen großen Mann hinzustellen.
[ 34 ] Es wird natürlich der heutige Kompromißlermensch sagen: Nun, wir haben ja zur Genüge gelernt, daß Sokrates ein großer Mensch ist, und kein Idiot; da kommt nun Moszkowski und sagt so etwas! — Aber heute ist es notwendig, über eine solche Sache einen ganz anderen Gedanken zu haben. Wer Moszkowski kennt, weiß, daß dieser Moszkowski im vollsten Sinne des Wortes auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Weltanschauung steht, bis zu der Quantentheorie auf diesem Boden steht, daß er also auf dem äußersten Flügel der heutigen naturwissenschaftlichen Weltanschauung steht. Und gesagt werden muß, daß dieser Moszkowski ein viel ehrlicherer Mensch ist als die anderen, die auch glauben, auf dem Standpunkte der naturwissenschaftlichen Weltanschauung zu stehen und doch nicht denken, sie müßten Sokrates für einen Dummkopf ansehen, der gar nichts zu sagen hat zu den für die Weltanschauung wichtigen Begriffen; die trotzdem die Kompromisse schließen, Sokrates als einen großen Mann hinzustellen.
[ 35 ] Das ist es, daß sich die Dinge heute nicht zurechtrücken aus dem einfachen Grunde, weil man nicht den Wahrheitssinn hat, überall kompromißlos die Konsequenz ins Auge zu fassen. Und derjenige, der Sokrates heute gelten lassen will, darf eben nicht die Voraussetzungen, die Moszkowski macht, gelten lassen.
[ 35 ] Das ist es, daß sich die Dinge heute nicht zurechtrücken aus dem einfachen Grunde, weil man nicht den Wahrheitssinn hat, überall kompromißlos die Konsequenz ins Auge zu fassen. Und derjenige, der Sokrates heute gelten lassen will, darf eben nicht die Voraussetzungen, die Moszkowski macht, gelten lassen.
[ 36 ] Aber das ist heute schwierig, ist schwierig gewesen schon seit drei bis vier Jahrhunderten. Daher hat man die Sache gehen lassen, bis sie sich ausgewachsen hat zu dem, was in den letzten drei bis vier Jahren geworden ist. Die Dinge müssen angefaßt werden bei ihrem seelisch-geistigen Grundcharakter, da wo ihre wirklich tieferen Impulse liegen. Das muß ins Auge gefaßt werden, was heute ganz besonders notwendig ist, ins Auge zu fassen: daß Wahrheit und Wahrheitssinn namentlich in die Seelen der Menschen einziehe! Dann werden die Dinge, die in das Licht dieses Wahrheitssinnes gerückt werden, die von dem Lichte dieses Wahrheitssinnes beleuchtet werden, ihr richtiges Gesicht zeigen können. Dann wird man genötigt sein, einfach weil man das richtige Gesicht der Dinge sieht, zur Geisteswissenschaft zu kommen. Denn die Gegenwart spricht viel und spricht eindringlich, und die Dinge können gelernt werden, wie die Erziehungsfragen, die Unterrichtsfragen heute von der Geisteswissenschaft studiert werden müssen. Wie für den Unterricht, für die Erziehung die Frage über das verschiedene Tempo der Kopf- und Herzensbildung wichtig ist, so gibt es viele Fragen, die für das soziale Leben, für das historische Leben, für das juristische Leben grundlegend, wichtig, bedeutsam sind. Wir müssen nur herauskommen aus dem, in das wir uns hineingebohrt haben, aus dem furchtbaren Autoritätsglauben gegenüber dem, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung allein gibt. Das ist schon einmal notwendig für unsere Zeit. Das, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung «wirklich» nennt, gibt Begriffe, die niemals hinaufreichen können in das Gebiet des menschlichen Zusammenlebens. Unter diesem Fehler lebt heute die Menschheit. Wenn man die Dinge tiefer betrachtet, so sieht man dieses.
[ 36 ] Aber das ist heute schwierig, ist schwierig gewesen schon seit drei bis vier Jahrhunderten. Daher hat man die Sache gehen lassen, bis sie sich ausgewachsen hat zu dem, was in den letzten drei bis vier Jahren geworden ist. Die Dinge müssen angefaßt werden bei ihrem seelisch-geistigen Grundcharakter, da wo ihre wirklich tieferen Impulse liegen. Das muß ins Auge gefaßt werden, was heute ganz besonders notwendig ist, ins Auge zu fassen: daß Wahrheit und Wahrheitssinn namentlich in die Seelen der Menschen einziehe! Dann werden die Dinge, die in das Licht dieses Wahrheitssinnes gerückt werden, die von dem Lichte dieses Wahrheitssinnes beleuchtet werden, ihr richtiges Gesicht zeigen können. Dann wird man genötigt sein, einfach weil man das richtige Gesicht der Dinge sieht, zur Geisteswissenschaft zu kommen. Denn die Gegenwart spricht viel und spricht eindringlich, und die Dinge können gelernt werden, wie die Erziehungsfragen, die Unterrichtsfragen heute von der Geisteswissenschaft studiert werden müssen. Wie für den Unterricht, für die Erziehung die Frage über das verschiedene Tempo der Kopf- und Herzensbildung wichtig ist, so gibt es viele Fragen, die für das soziale Leben, für das historische Leben, für das juristische Leben grundlegend, wichtig, bedeutsam sind. Wir müssen nur herauskommen aus dem, in das wir uns hineingebohrt haben, aus dem furchtbaren Autoritätsglauben gegenüber dem, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung allein gibt. Das ist schon einmal notwendig für unsere Zeit. Das, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung «wirklich» nennt, gibt Begriffe, die niemals hinaufreichen können in das Gebiet des menschlichen Zusammenlebens. Unter diesem Fehler lebt heute die Menschheit. Wenn man die Dinge tiefer betrachtet, so sieht man dieses.
[ 37 ] Das ist es, was ich heute zu Ihnen sagen wollte. Ziehe nun jeder einzelne daraus den Schluß, daß es darauf ankommt, die Augen aufzumachen, die Dinge zu beleuchten mit dem Lichte, das wir aus dem Lichte der Geisteswissenschaft selber finden können.
[ 37 ] Das ist es, was ich heute zu Ihnen sagen wollte. Ziehe nun jeder einzelne daraus den Schluß, daß es darauf ankommt, die Augen aufzumachen, die Dinge zu beleuchten mit dem Lichte, das wir aus dem Lichte der Geisteswissenschaft selber finden können.
[ 38 ] Ich habe gestern davon gesprochen, wie dasjenige, was unsere Entwickelung ist, dem Orientalen erscheint. In vieler Beziehung sieht der Orientale gerade das, was das Kompromiflerische ist, das Unkonsequente, mit seinem naiven, intuitiven geistigen Vermögen. Und von hervorragenden Orientalen gibt es gerade jetzt kritische Anschauungen, die bedeutsam, interessant zu verfolgen sind. Immer mehr und mehr bilden sich im asiatischen Osten die Anschauungen aus, daß der Orient die weitere Entwickelung der Menschheit in die Hand nehmen müsse. Diese Anschauungen, wie würden sie zunichte werden können, wenn mehr Sinn wäre für dasjenige, was von hier als Geisteswissenschaft verkündet wird! Aber dann muß dieser Sinn auch wirklich ein lebendiger sein; man muß nicht nur etwas Interessantes an der Geisteswissenschaft haben wollen, an dem man sich eine innere seelische Wollust bereitet, sondern man muß etwas haben wollen, was das ganze Leben durchdringt. Und die Anschauung muß man haben können, daß durch die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft die sozialen, die sittlichen, die Rechtsbegriffe wirklich erst ins Auge gefaßt werden können. Dasjenige, was die Menschheit gedacht hat unter dem Einfluß der naturwissenschaftlichen Weltanschauung durch Jahrzehnte, das ist dem Geiste, der in der Wirklichkeit waltet, nicht gewachsen. Nein, das ist höchstens gewachsen jenen Anschauungen, die heute Menschen ausbilden, welche die ganze Welt geistig ertöten möchten, weil sie ihre Begriffe nur von der Welt des Toten hernehmen. Künftige Zeiten, in denen man wieder objektiver denken wird über diese Dinge, in denen die Leidenschaften verglommen sein werden, die heute so vielfach die Urteile lenken und leiten, künftige Zeiten — ich bin voll davon überzeugt, daß es so sein kann — werden sagen: Eines der wichtigsten Charakteristika des Zeitalters um 1917 herum war, daß die Weltanschauung, die nur für den Kopf gedacht ist und den Menschen eigentlich ins Greisenhafte treibt, eine schulmäßige Weltanschauung geworden ist. — Man wird sie künftig einmal — die Zukunft wird vielleicht noch ferne liegen — Wilsonismus nennen, anknüpfend an den großen Schulmeister, von dem sich heute ein großer Teil der Menschheit eine sozialpolitische Weltanschauung einprägen lassen will. Nicht umsonst ist die bloße Schulweisheit, die sich vom Geistigen nichts träumen läßt, heute eine der wichtigsten politischen Potenzen in der Form des Wilsonismus. Das ist wichtig, es ist ein ungeheuer bedeutungsvolles Zeitsymptom. Es ist nur nicht möglich, heute schon über diese Dinge wirklich eingehend und umfassend und alles ergreifend zu sprechen. Aber aus meinen heutigen Andeutungen werden Sie entnommen haben, wie wichtig es eigentlich ist, zu versuchen, diese Dinge durchgreifend zu verstehen, wie unendlich wichtig es ist, nicht nur aus Affekten, aus Emotionen heraus, sondern aus der Erkenntnis heraus diese Dinge ins Auge zu fassen.
[ 38 ] Ich habe gestern davon gesprochen, wie dasjenige, was unsere Entwickelung ist, dem Orientalen erscheint. In vieler Beziehung sieht der Orientale gerade das, was das Kompromiflerische ist, das Unkonsequente, mit seinem naiven, intuitiven geistigen Vermögen. Und von hervorragenden Orientalen gibt es gerade jetzt kritische Anschauungen, die bedeutsam, interessant zu verfolgen sind. Immer mehr und mehr bilden sich im asiatischen Osten die Anschauungen aus, daß der Orient die weitere Entwickelung der Menschheit in die Hand nehmen müsse. Diese Anschauungen, wie würden sie zunichte werden können, wenn mehr Sinn wäre für dasjenige, was von hier als Geisteswissenschaft verkündet wird! Aber dann muß dieser Sinn auch wirklich ein lebendiger sein; man muß nicht nur etwas Interessantes an der Geisteswissenschaft haben wollen, an dem man sich eine innere seelische Wollust bereitet, sondern man muß etwas haben wollen, was das ganze Leben durchdringt. Und die Anschauung muß man haben können, daß durch die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft die sozialen, die sittlichen, die Rechtsbegriffe wirklich erst ins Auge gefaßt werden können. Dasjenige, was die Menschheit gedacht hat unter dem Einfluß der naturwissenschaftlichen Weltanschauung durch Jahrzehnte, das ist dem Geiste, der in der Wirklichkeit waltet, nicht gewachsen. Nein, das ist höchstens gewachsen jenen Anschauungen, die heute Menschen ausbilden, welche die ganze Welt geistig ertöten möchten, weil sie ihre Begriffe nur von der Welt des Toten hernehmen. Künftige Zeiten, in denen man wieder objektiver denken wird über diese Dinge, in denen die Leidenschaften verglommen sein werden, die heute so vielfach die Urteile lenken und leiten, künftige Zeiten — ich bin voll davon überzeugt, daß es so sein kann — werden sagen: Eines der wichtigsten Charakteristika des Zeitalters um 1917 herum war, daß die Weltanschauung, die nur für den Kopf gedacht ist und den Menschen eigentlich ins Greisenhafte treibt, eine schulmäßige Weltanschauung geworden ist. — Man wird sie künftig einmal — die Zukunft wird vielleicht noch ferne liegen — Wilsonismus nennen, anknüpfend an den großen Schulmeister, von dem sich heute ein großer Teil der Menschheit eine sozialpolitische Weltanschauung einprägen lassen will. Nicht umsonst ist die bloße Schulweisheit, die sich vom Geistigen nichts träumen läßt, heute eine der wichtigsten politischen Potenzen in der Form des Wilsonismus. Das ist wichtig, es ist ein ungeheuer bedeutungsvolles Zeitsymptom. Es ist nur nicht möglich, heute schon über diese Dinge wirklich eingehend und umfassend und alles ergreifend zu sprechen. Aber aus meinen heutigen Andeutungen werden Sie entnommen haben, wie wichtig es eigentlich ist, zu versuchen, diese Dinge durchgreifend zu verstehen, wie unendlich wichtig es ist, nicht nur aus Affekten, aus Emotionen heraus, sondern aus der Erkenntnis heraus diese Dinge ins Auge zu fassen.
[ 39 ] Ich habe vielleicht schon einmal auch hier erwähnt, erwähne es wiederum, weil es wichtig ist: Jetzt ist es ja nicht schwer, über Wilson sich auszusprechen innerhalb Mitteleuropas; aber ich kann ja hinweisen darauf, wie ich in einem Zyklus, der lange vor diesen Ereignissen gehalten worden ist, als noch die ganze Welt einschließlich Mitteleuropas Wilson bewunderte, dazumal ihn genau ebenso charakterisiert habe wie jetzt. Es handelt sich darum, daß man aus viel tieferen Quellen heraus an die Impulse, welche die heutige Zeit beherrschen, welche die heutige Zeit auch als Irrtümer beherrschen, herangeht. Gerade auf unserem anthroposophischen Gebiete hatten unsere Freunde Gelegenheit, zu sehen, wie, lange bevor eine äußere Nötigung vorlag, die Dinge im rechten Lichte zu sehen, immer wieder und wiederum auf das Richtige hingewiesen worden ist. Möge man diese Dinge in der Zukunft besser verstehen, als man sich in der Vergangenheit entschlossen hat, sie zu verstehen! Und das lege ich Ihnen noch besonders ans Herz: Manches, was auf dem Gebiete unserer anthroposophischen Wissenschaft zutage tritt, es ist noch unendlich besser zu verstehen, als man sich bisher entschlossen hat, es zu verstehen. Es kann noch tiefer in die Herzen und Seelen der Menschen dringen und zu einem intensiveren Leben erweckt werden, als es bisher geschehen ist. Möge es geschehen! Denn es wird das, was dadurch geschieht, schon mit vielem zusammenhängen, was wahrhaftig nicht zum Unheil, sondern zum Heil der künftigen Menschheitsentwickelung geschehen kann, was geschehen kann zur Ausbesserung von vielem, das versäumt worden ist, und das vielleicht weiter versäumt werden wird, wenn man nur auf dasjenige, was außerhalb der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, hören will. Auch unter unseren Freunden haben viele eine doppelte Buchhaltung ihres Lebens. Die eine haben sie in den anthroposophischen Betrachtungen und Büchern, um für den Privatgebrauch ihres Herzens und ihrer Seele etwas daraus zu gewinnen. Die andere Buchhaltung ist für das Leben draußen, wo sie einzig und allein auf die naturwissenschaftliche Autorität etwas geben. Man merkt es oftmals nicht, daß es so ist; es ist aber gut, in diesen Dingen ein wenig gewissenhaft mit seiner Seele zu Rate zu gehen, damit Einklang bestehe zwischen diesen zwei Buchhaltungen.
[ 39 ] Ich habe vielleicht schon einmal auch hier erwähnt, erwähne es wiederum, weil es wichtig ist: Jetzt ist es ja nicht schwer, über Wilson sich auszusprechen innerhalb Mitteleuropas; aber ich kann ja hinweisen darauf, wie ich in einem Zyklus, der lange vor diesen Ereignissen gehalten worden ist, als noch die ganze Welt einschließlich Mitteleuropas Wilson bewunderte, dazumal ihn genau ebenso charakterisiert habe wie jetzt. Es handelt sich darum, daß man aus viel tieferen Quellen heraus an die Impulse, welche die heutige Zeit beherrschen, welche die heutige Zeit auch als Irrtümer beherrschen, herangeht. Gerade auf unserem anthroposophischen Gebiete hatten unsere Freunde Gelegenheit, zu sehen, wie, lange bevor eine äußere Nötigung vorlag, die Dinge im rechten Lichte zu sehen, immer wieder und wiederum auf das Richtige hingewiesen worden ist. Möge man diese Dinge in der Zukunft besser verstehen, als man sich in der Vergangenheit entschlossen hat, sie zu verstehen! Und das lege ich Ihnen noch besonders ans Herz: Manches, was auf dem Gebiete unserer anthroposophischen Wissenschaft zutage tritt, es ist noch unendlich besser zu verstehen, als man sich bisher entschlossen hat, es zu verstehen. Es kann noch tiefer in die Herzen und Seelen der Menschen dringen und zu einem intensiveren Leben erweckt werden, als es bisher geschehen ist. Möge es geschehen! Denn es wird das, was dadurch geschieht, schon mit vielem zusammenhängen, was wahrhaftig nicht zum Unheil, sondern zum Heil der künftigen Menschheitsentwickelung geschehen kann, was geschehen kann zur Ausbesserung von vielem, das versäumt worden ist, und das vielleicht weiter versäumt werden wird, wenn man nur auf dasjenige, was außerhalb der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, hören will. Auch unter unseren Freunden haben viele eine doppelte Buchhaltung ihres Lebens. Die eine haben sie in den anthroposophischen Betrachtungen und Büchern, um für den Privatgebrauch ihres Herzens und ihrer Seele etwas daraus zu gewinnen. Die andere Buchhaltung ist für das Leben draußen, wo sie einzig und allein auf die naturwissenschaftliche Autorität etwas geben. Man merkt es oftmals nicht, daß es so ist; es ist aber gut, in diesen Dingen ein wenig gewissenhaft mit seiner Seele zu Rate zu gehen, damit Einklang bestehe zwischen diesen zwei Buchhaltungen.
[ 40 ] Das Leben des Menschen läßt sich doch nur in einerlei Sinn verwalten. Auch in die naturwissenschaftliche Weltanschauung muß der Geist eindringen. Und auch das religiöse Leben muß durchdrungen werden von demjenigen Lichte, das an der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann. Fassen Sie selbst solche Dinge, wie sie heute hier gesagt und gemeint waren und die scheinbar die Zeitenbetrachtungen in übersinnliche Höhen hinaufführen, so auf, wie sie in Ihren Vorstellungen lebendig ergriffen werden können. Dann werden Sie schon sehen, daß mit anthroposophischer Bildung nicht nur Kopfbildung, daß damit Herzensbildung für die Menschheit gegeben werden kann. Sie ist schon Herzensbildung. Sie dient schon der ganzen Menschheit, nicht bloß derjenigen Menschheit, die eigentlich mit siebenundzwanzig Jahren sterben könnte. Sie dient schon dazu, den Menschen lebensmutig, lebenstüchtig das ganze Leben hindurch zu machen. Greisenhaft, nervös, unharmonisch, zerrissen wird diejenige Bildung ihn machen, welche das verschiedene Tempo von Kopf- und Herzensentwickelung nicht beachtet. Sehen Sie ins Leben, Sie werden dies bestätigt finden, denn das Leben kann ein großer Lehrmeister sein mit Bezug auf die Bestätigung desjenigen, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft aus den geistigen Höhen herunterholt. Nehmen Sie alles zusammen, was gesprochen ist, vor allen Dingen, wenn es von solchen Gesichtspunkten aus gesprochen ist wie heute, als zu Ihrem Herzen gesprochen, meine lieben Freunde, für die Bildung unseres Herzens durch den Geist der Welt; und halten Sie zusammen dasjenige, was das Band sein soll, das uns gerade als Glieder unserer Bewegung miteinander verknüpft. So wollen wir zusammenarbeiten, und so wollen wir uns vornehmen, weiterzuarbeiten, jeder an seinem Platz, so gut er es kann.
[ 40 ] Das Leben des Menschen läßt sich doch nur in einerlei Sinn verwalten. Auch in die naturwissenschaftliche Weltanschauung muß der Geist eindringen. Und auch das religiöse Leben muß durchdrungen werden von demjenigen Lichte, das an der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann. Fassen Sie selbst solche Dinge, wie sie heute hier gesagt und gemeint waren und die scheinbar die Zeitenbetrachtungen in übersinnliche Höhen hinaufführen, so auf, wie sie in Ihren Vorstellungen lebendig ergriffen werden können. Dann werden Sie schon sehen, daß mit anthroposophischer Bildung nicht nur Kopfbildung, daß damit Herzensbildung für die Menschheit gegeben werden kann. Sie ist schon Herzensbildung. Sie dient schon der ganzen Menschheit, nicht bloß derjenigen Menschheit, die eigentlich mit siebenundzwanzig Jahren sterben könnte. Sie dient schon dazu, den Menschen lebensmutig, lebenstüchtig das ganze Leben hindurch zu machen. Greisenhaft, nervös, unharmonisch, zerrissen wird diejenige Bildung ihn machen, welche das verschiedene Tempo von Kopf- und Herzensentwickelung nicht beachtet. Sehen Sie ins Leben, Sie werden dies bestätigt finden, denn das Leben kann ein großer Lehrmeister sein mit Bezug auf die Bestätigung desjenigen, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft aus den geistigen Höhen herunterholt. Nehmen Sie alles zusammen, was gesprochen ist, vor allen Dingen, wenn es von solchen Gesichtspunkten aus gesprochen ist wie heute, als zu Ihrem Herzen gesprochen, meine lieben Freunde, für die Bildung unseres Herzens durch den Geist der Welt; und halten Sie zusammen dasjenige, was das Band sein soll, das uns gerade als Glieder unserer Bewegung miteinander verknüpft. So wollen wir zusammenarbeiten, und so wollen wir uns vornehmen, weiterzuarbeiten, jeder an seinem Platz, so gut er es kann.
