Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben
Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit
GA 184
13 Oktober 1918, Dornach
Fünfzehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben gestern gesehen, wie die Seelenverfassung, der wir zuzusteuern haben im Zeitalter der Bewußtseinsseele, sich gewißermaßen geschichtlich zubereitet hat. Halten wir uns nun klar vor die Seele, wie die äußere Weltsituation in bezug auf diese Dinge ist. Wir können gewissermaßen sagen, das Jahr 333 nach Christi Geburt stellt eine Art von Gleichgewichtszustand dar (siehe Zeichnung S. 300), der deutlich zu vernehmen ist im geschichtlichen Werden, der aber in der äußeren Geschichte wenig zum Vorschein kommt, aus dem einfachen Grunde, weil sich um ihn die Sachen drehen, möchte ich sagen, und der Drehungspunkt eigentlich, auch selbst in mechanischen Bewegungen, als solcher nicht zu dem System gehört, das sich bewegt. Nehmen Sie eine Waage: Sie sehen die Bewegung der Waagschalen, der Waagebalken; doch der Drehungspunkt selbst, der ist etwas Ideelles, der ist etwas, was man nicht sehen kann. Aber er ist das Allerwichtigste, selbstverständlich; er muß vor allen Dingen unterstützt sein. Erfassen müssen wir vor allen Dingen, was in diesem Jahre 333, das so wichtig ist, so unvermerkt geschehen ist für die äußere Welt, wie der Drehungspunkt einer Waage. Nun, dieses Jahr 333 ist eben der Mittelpunkt der vierten nachatlantischen Periode, der Mittelpunkt jener wichtigen Periode, die sich abgespielt hat von 747 vor dem Mysterium von Golgatha, als Rom gegründet worden ist, bis 1413 ungefähr, als der griechisch-lateinische Zeitraum zu Ende ging und jenes Zeitalter begann, das dann bis hinüber zum Ende des 4. Jahrtausends dauern wird, und das unser Zeitraum der Bewußtseinsseele ist. Dieser Mittelpunkt im Jahre 333, der kommt also, wenn man die äußeren Ereignisse betrachtet, so wenig heraus wie der Mittelpunkt der Waage. Allein, mehr könnten wir schon 333 Jahre später zeigen, 666. Das ist das Jahr, von dem wir sagen konnten: Dasjenige, was dann später als die naturwissenschaftliche Denkungsart der Menschheit sich ausgebildet hat, es zeigt sich als vom Mohammedanismus abgestumpfte Unternehmungen der Akademie von Gondishapur. Das haben wir ja gestern versucht zu verfolgen, wie sich eine gewisse Art von Geistes- oder Seelenverfassung der Menschen durch Südeuropa herüber ausbreitete und dann zu jener eigentümlichen wissenschaftlichen Stimmung wird, die wir in der modernen Naturwissenschaft eigentlich noch immer haben, die wir auch in der modernen Denkweise viel, viel verbreitet haben. Das sind also 333 Jahre von jenem Zeitalter an, wo man eigentlich nur noch sozusagen zurückblickte nach der alten Zeit, wenn man so war wie Julian der Abtrünnige. Bis 666 sind 333 Jahre; wenn wir dann zurückgehen, den andern Waagebalken nehmen, also 333 Jahre zurückgehen, haben wir gerade das Mysterium sich vorbereitend durch die Geburt des Christus Jesus.
[ 2 ] Nun haben wir ja alle diese Ereignisse im Grunde genommen so betrachtet, daß wir sagten: Was wäre in der Menschheitsentwickelung geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht dagewesen wäre? Denn die ganze Begründung der Akademie von Gondishapur und alles das, was sie bewirkt hat, das ist ja unabhängig vom Mysterium von Golgatha geschehen. Die Philosophenschulen in Athen, sie waren in einer gewissen Weise mit dem Christentum schon in Beziehung gekommen. Allein, Justinian hatte sie 529 geschlossen. Reine griechische Weisheit ging hinüber durch Syrien nach Gondishapur im neupersischen Reiche. Und alles übrige, was sich darangeschlossen hat, ist dann, wenn es nicht Abstumpfung ist, wenn es dasjenige ist, was eigentlich von Gondishapur aus beabsichtigt war, mit Ausschluß des Christentums, mit Ausschluß des Mysteriums von Golgatha gedacht gewesen. Geschehen in der Wirklichkeit ist nichts, ohne daß der Impuls des Mysteriums von Golgatha seit dem Jahre Null unserer Zeitrechnung gewirkt hat; aber beabsichtigt ist vieles natürlich gewesen.
[ 3 ] Nun können wir sagen, auch das, was am Drehpunkte liegt, dasjenige, was im 4. Jahrhunderte tätig war in den Seelen, die nicht zum Christentum hinneigten, das ist auch nur rein zu betrachten, wenn man sich zunächst frägt: Wie wäre die Entwickelung der abendländischen Menschheit geworden, wenn das Mysterium von Golgatha nicht stattgefunden hätte? Man kann das schon studieren, selbst historisch, wie diese Entwickelung der abendländischen Menschheit geworden wäre, zum Beispiel bei Augustinus, der die beiden Seiten dem späteren betrachtenden Menschen darbietet. Er ist erst ganz unabhängig vom Christentum, versucht bei den Manichäern seine starken Weltanschauungsrätsel sich zu lösen, und wird dann zum Christentum erst übergeführt.
[ 4 ] Nun können wir aber weiter zurückgehen, und da kommt eine bedeutsame Frage zustande: Was wäre denn der Fall, wenn wir, gerade für die Zeit des Mysteriums von Golgatha, die Entwickelung betrachteten und uns fragten, wie sah es denn dazumal aus, als das Mysterium von Golgatha drüben in Palästina stattfand, in all den von diesem Ereignis unberührten Gegenden? Das waren ja im Grunde genommen, außer dem engsten Wirkungskreise des Christus selbst, alle Gegenden des Erdenkreises. Wie sah es denn aus in all den Gegenden des Erdenkreises? Wie sah es insbesondere aus in Rom, wohin sich später als besonders wirksam der Impuls des Mysteriums von Golgatha ausbreitete?
[ 5 ] Diese Frage ist für unsere Zeit von ganz besonderer Wichtigkeit, diese Frage ist wahrhaftig in unseren Tagen keine irgendwie bloß theoretische: Wie hat es in Rom ausgesehen, als in Palästina drüben das Mysterium von Golgatha sich vollzog? Denn wir werden nachher sehen, wie ähnlich, nur in einer etwas andern Sphäre, gerade unsere unmittelbare Gegenwart der Zeit ist, die man betrachten kann als die Zeit des Mysteriums von Golgatha. Man darf niemals das vergessen, was man leicht vergißt, wenn man jetzt, von hinterher, den Blick zurückwendet auf die Zeit des Mysteriums von Golgatha; man muß sich immer wieder und wiederum — aus einem Gemütsbedürfnis heraus muß das vor sich gehen — rein empfindungsgemäß versetzen in die Kultur des alten Römischen Reiches, wo ganz unbekannt war, daß da drüben eine einsame Menschenpersönlichkeit mit einigem Anhang aufgetreten war, die ein gewisses Leben durchgemacht hat, den Kreuzestod erlitten hat, und an die sich dann geknüpft haben die Erkenntnisse, die wichtigen Erkenntnisse der nachgeborenen Menschheit über Geburt und Tod. Man muß sich immer wieder und wiederum in die Vorstellung versetzen: Trotzdem sich dieses Ereignis, welches heute als eine vollständige Sonne die Geschichte der Menschen überleuchtet, abgespielt hat im Beginne unserer Zeitrechnung, entwickelte sich ja alles seelische und äußere Leben so über den ganzen Erdkreis hin in den damaligen Zeiten, daß man nichts zur Kenntnis nahm von diesem palästinensischen Mysterium von Golgatha. Daher muß man sich die Frage aufwerfen: Wie sah es denn aus insbesondere in Rom?
[ 6 ] Nun werden wir uns leichter verstehen, wenn wir geradezu ausgehen von dem, was man später, 666, in jenen Köpfen wollte, welche die Akademie von Gondishapur vorzugsweise hervorgerufen haben. Wie ich es gestern gesagt habe: Dasjenige, was erst später die Bewußtseinsseele durch die eigene Arbeit der Menschen erlangen kann, wollte man durch eine Offenbarung, die man selber auf ahrimanischem Wege erhalten hat, den Menschen geben. Im Jahre 666 war ja noch das Zeitalter der Verstandes- und Gemütsseele; da konnten die Menschen durch sich selbst nicht so denken, daß sie über alles bewußt gewesen wären. Das aber wollte man ihnen geben: Man wollte etwas, was erst Jahrtausende später kommen sollte, nun früher der Menschheit geben. Umgekehrt lag die Sache, ganz umgekehrt im Jahre Null, in dem Zeitalter, in welchem sich das Mysterium von Golgatha selbst abspielte. 333 Jahre nach 333 wollte man der Menschheit etwas Zukünftiges geben, etwas, was ihr erst in der Zukunft vorbestimmt ist. 333 Jahre vorher, also eben um die Zeit des Mysteriums von Golgatha, da wollte man die Menschheit zurückdrängen auf dasjenige, was nach der Normalentwickelung der Menschen Jahrtausende früher in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist.
[ 7 ] Es ist sehr schwierig, über dieseDinge zu sprechen, aus dem Grunde, weil die Geschichte, die ja selber auch eine Geschichte hat, sich so entwickelte, daß über diese Dinge die Menschen eigentlich immer durch die Geschichte in Irrtum hineingetrieben worden sind. Man hat dasjenige, was eigentlich in den südlicheren Gegenden Europas sich wirkungsvoll zugetragen hat, verdeckt, man hat es nicht zum Wissen der Menschheit kommen lassen. Man schildert ja in der Geschichte zum Beispiel auch die Persönlichkeit des ersten römischen Kaisers Augustus. Aber was das für eine bedeutende, was das für eine einschneidend wirksame Persönlichkeit war, davon ruft man, absichtlich von gewisser Seite und von den meisten Seiten her unabsichtlich, eigentlich kein Verständnis hervor. Denn der Kaiser Augustus, der stand im Mittelpunkt römischer Bestrebungen, die ganz bewußt herbeizuführen suchten einen solchen Zustand der Weltkultur, welcher vor der Menschheit verdunkeln sollte alles das, was die Verstandesoder Gemütsseele gebracht hat, verdunkeln sollte das, was die Menschen sich an Kultur seit dem Jahre 747 durch die eigene Arbeit hatten erringen können. Die Menschen sollten vor allen Dingen beschränkt werden auf dasjenige, was bis zu diesem Zeitalter, bis zum Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele, was namentlich im Zeitalter der Empfindungsseele, der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die Menschheit sich errungen hat.
[ 8 ] Während also später, 666, die Weisen der Akademie von Gondishapur das Spätere bringen wollten in einer früheren Zeit, sollte zur Zeit des Kaisers Augustus ausgelöscht werden dasjenige, was der Mensch in der Gegenwart sich erringen kann. Dafür aber sollte er in alter Glorie, in alter Bedeutung dasjenige haben, was einer früheren Zeit, der Zeit des alten Persertums, der Zeit der alten ägyptisch-chaldäischen Kultur, der Menschheit eigen war. Und wenn man durch all das Gestrüppe, das als Geschichte sich angehäuft hat, auf die Wirklichkeit zurückblickt und sich dann frägt: Was ist es eigentlich, was man in Rom dazumal bewußt konservieren wollte, und was dann durch die Ausbreitung der Impulse des Mysteriums von Golgatha verhindert worden ist zu konservieren, was war es, das durch das Christentum verhindert worden ist, daß es konserviert werden konnte? — so kommt man auf folgendes.
[ 9 ] Nun, es war vor allen Dingen ein zweifaches. Erstens wollte man konservieren den Sinn, den empfindenden Sinn für die alten Kulte, für jene Kulte, welche vor Jahrtausenden schon gang und gäbe waren bei den Ägyptern und in Vorderasien, aber auch noch tiefer nach Asien hinein. Man wollte gewissermaßen den Verstand der Menschen ausschalten, die Intelligenz der Menschen unwirksam machen, bloß die Empfindungsseele zur Ausbildung bringen dadurch, daß man den Menschen all die bedeutenden, all die großartigen, gewaltigen Kulte vorführte, die in alter Zeit wirksam sein sollten, die wirksam waren in der Zeit, als die Menschen noch nicht zur Intelligenz gekommen waren, die wirksam waren in der Zeit, als aus der Empfindungsseele heraus der Kultus der Götter entstehen sollte, damit die Menschen nicht ohne Götter blieben. Da waren große, bedeutungsvolle Kulte, die das Nachdenken ersetzen sollten, die gewissermaßen in einem halb hypnotischen Zustande, nach alten atavistischen Sitten in den Seelen anregen sollten die Belebung des Gottesbewußtseins und der Gottseligkeit. Dafür wollte man in Rom die Empfindung wiederum beleben. Man lernt das Spezifische im Unterschiede zwischen dem Römertum und dem Griechentum, das aber dazumal seiner äußeren Vernichtung entgegenging, nur kennen, wenn man auf diese feineren Unterschiede hinschaut. Diese Empfindung, die insbesondere der Kaiser Augustus mit seinem mächtigen, nach rückwärts gewandten Initiationsimpuls in Rom einleiten wollte, diese Impulse, man kannte sie drüben in Griechenland nicht. Der Grieche wollte nicht zurückgreifen in alte Zeiten. Der Grieche wollte dasjenige vor sich haben, was er selber verstehen konnte, womit er sich vereinigen konnte. Und wäre nicht später der christliche Impuls gekommen, sehr bald gekommen, hätte nicht der christliche Impuls sehr rasch gegen die Intentionen des Augustus und seiner Nachfolger gewirkt, es wäre aus Rom ein noch viel größerer Glanz der Kultushandlungen entsprungen, als aus ihm entsprungen ist.
[ 10 ] Also halten wir zunächst das eine fest: Nach den Intentionen des Augustus und seiner Bekenner sollte von Rom, ebenso wie später von der Akademie von Gondishapur eine spätere prophetische Weisheit ausgehen sollte, so von Rom ein mächtiger Kultus ausgehen, der die ganze Welt benebeln würde, indem er ihr nehmen sollte sowohl die Möglichkeit der Verstandesseele wie die der späteren Bewußtseinsseele. Hatte die Akademie von Gondishapur geradezu der Menschheit die Bewußtseinsseele geben sollen, um das Spätere abzuschneiden, um dadurch, daß die Bewußtseinsseele zu früh gekommen wäre, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch abzuschneiden, so wollte dasjenige, was in Rom geschehen sollte, die Bewußtseinsseele gar nicht herankommen lassen, wollte ebenso — schon 333 vor dem Wendepunkt — ausschalten die Verstandes- oder Gemütsseele und vor die Menschheit in mächtigen Seelenkulthandlungen dasjenige hinstellen, was zum Gottesbewußtsein führen soll. Das war die eine Seite, die man nach dem Eingeweihten Augustus in Rom einführen wollte.
[ 11 ] Nun hat das, was Verstandes- oder Gemütsseele ist, immer zwei Aspekte. Es ist der eine Aspekt im wesentlichen jene Seite der Verstandes- oder Gemütsseele, die hinunterneigt zur Empfindungsseele. Sie wissen, wenn wir gliedern, so haben wir Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Die erste, die sich zunächst entwickelt hat, ist die Empfindungsseele, deren Entwickelung 747 vor unserer Zeitrechnung abgeschlossen war. Die Verstandesseele ist diejenige, die sich entwickelt von 747 bis ungefähr 1413 nach Christus — das sind annähernde Zahlen —, und seither ist das Zeitalter der Bewußtseinsseele. Nun ist die mittlere, die Verstandesoder Gemütsseele, hinneigend auf der einen Seite zu der Empfindungsseele (Pfeil), wenn sie sich durchdringen will mit dem Alten, wie das eben gezeigt worden ist. Den Sinn, der aus der Empfindungsseele heraus gewonnen werden soll, den wollte der Augustus beleben. Was wird denn dadurch, daß man gewissermaßen zurückschraubt die Verstandes- oder Gemütsseele auf den Standpunkt der Empfindungsseele, was wird denn aus dem Teil, der hinneigt — er ist natürlich noch nicht entwickelt, aber er ist da — zur Bewußtseinsseele, aus dem mehr intelligenten Sinn? Man muß die Frage aufwerfen, und im Zeitalter des Augustus mußte sie ja als eine große Kulturfrage aufgeworfen werden: Was geschieht denn mit dem, was sich nach der Bewußtseinsseele hin entwickeln will, wenn man diese Entwickelung abschneidet, wenn man es nicht kommen läßt zur Weiterentwickelung der Verstandes- oder Gemütsseele? Was wird denn dann aus dem in der menschlichen Seele, was hinstreben will zur Bewußtseinsseele? Was hinstrebt zur Empfindungsseele, das befriedigt man, mehr als es das Maß der normalen menschlichen Entwickelung gestattet, durch den Kultus, den man erneuert. Was aber gibt man dem, das hinstrebt zur Bewußtseinsseele? Man braucht nur das Wort zu nennen, das man in diesem Zusammenhang immer vermieden hat zu erwähnen, damit über eine gewisse Tatsache der Menschheitsentwickelung seit jener Zeit nicht das richtige Licht verbreitet werde, man braucht in diesem Zusammenhange nur das Wort zu nennen und man wird das Verständnis schon fassen können. Man gibt auf der andern Seite der Seele, die man abfertigen will nach ihrer Empfindungsrichtung hin mit dem Kultus, die Rhetorik, die an Stelle des Durchdrungenseins der Seele mit Substanz, mit innerem Inhalt, nur Schale gibt, die dort, wo lebendige Begriffe walten sollten, nach der Konfiguration der Worte, des Satzbaues strebt.
[ 12 ] Ja, unter des Augustus Einfluß wurde in Rom etwas ganz anderes, als früher in Griechenland war. Mag das römische Gewand noch so ähnlich sein dem griechischen Gewand: der römischen Toga sieht man es nicht mehr an, daß man sich in ihrem Faltenwurf fühlt wie der Grieche, der sich drinnen erfühlt hat, sondern man sieht sie an von außen wie das Gewand, das dekorieren soll. Ein Abglanz der Kultusverehrung ist selbst in der Form des Faltenwurfes der römischen Toga im Gegensatze zu dem griechischen Gewand noch erhalten. Und ein gewaltiger Unterschied würde empfunden werden, wenn man diesen Unterschied nur empfinden wollte, zwischen dem Demosthenes, der stotternd war und der trotzdem durch sein stotterndes Äußere das griechische Wesen zum Ausdrucke bringen sollte — nicht in Rhetorik! —, und den römischen Rhetoren, bei denen es darauf ankam, daß jedenfalls kein Stotterer unter ihnen sei, sondern einer, der die Wortfolge und den Satzbau wohl zu formulieren verstand.
[ 13 ] Aus dem augusteischen Zeitalter heraus wollte man der Menschheit auf der einen Seite geben die unverstandenen alten Kulte. Man wollte geradezu anstreben, daß sich die Menschheit ja nicht mit dem Verständnis über die Kulte hermacht, ja nicht frägt: Was bedeutet dasjenige, was im Kultus auftritt? Diese Gesinnung hat sich bis in unsere Zeiten auf den mannigfaltigsten Gebieten erhalten. Es gibt sogar Freimaurer heute, die einem etwas ganz Kurioses erzählen. Diesen Freimaurern sagt man zum Beispiel: Ja, ihr habt eine ausgebreitete Symbolik. In dieser ausgebreiteten Symbolik steckt viel darinnen; aber die heutige Freimaurerei kümmert sich gar nicht darum, was eigentlich diese Symbole bedeuten. — Wenn man den Leuten das sagt, dann antworten sie einem: Das finde ich gerade das Schöne in der heutigen Freimaurerei, daß sich jeder bei den Symbolen denken kann das, was er selber will. — Meistens denkt sich ein solcher, was er sich in seiner Einfalt gerade denken kann, und was sehr, sehr weit entfernt ist von der tiefen Bedeutung der Symbole, von der tiefen Bedeutung, die in die Menschengemüter und Seelengemüter hineinführt.
[ 14 ] Das ist dasjenige, was man dazumal bewußt erzeugen wollte in Rom: Kultus, ohne zu fragen, was der Kultus für eine Bedeutung hat, ohne sich mit Intelligenz und Wille an den Kultus heranzumachen. Der andere Pol, der notwendig damit verbunden ist, ist die inhaltslose Rhetorik, jene Rhetorik, die nicht nur dann wirkt, wenn man Reden hält, sondern die zum Beispiel ganz als Rhetorik übergegangen ist in das Corpus iuris des Justinianus, und dann die abendländische Welt überschwemmt hat mit dem sogenannten römischen Recht. Dieses römische Recht verhält sich zu dem, was in den Seelen wirksam sein sollte, welche der Bewußtseinsseelenentwickelung entgegengingen, wie Rhetorik zu seelenwarmem Inhalt. Das ist, was jene fröstelnde Kälte, welche im römischen Recht liegt, über die Welt gebracht hat, daß das römische Recht sich verhält zu dem Seelenwarmen, wie Rhetorik zu dem, was man, wenn man es auch stotternd sagt, aus Wärme und Licht der Seele heraus sagt.
[ 15 ] Daß nicht aufs Höchste stieg, was Augustus gewollt hat, dafür sorgte, daß von Osten herüberwehte die Luft des Mysteriums von Golgatha. Aber dennoch hat sich, ebenso wie sich die Nachfolgeschaft der Akademie von Gondishapur in unserer heutigen Naturwissenschaft erhalten hat, so die Nachwirkung dessen, was Augustus gewollt hat, erhalten; aber in der Form, wie er es wollte, hat sie es ebensowenig erreicht, wie die Akademie von Gondishapur erreicht hat, was sie wollte. Aus dem Impulse der Akademie von Gondishapur wurde einfach das Übersinnliche herausgetrieben: das ist bis auf die heutige Zeit die naturwissenschaftliche Gesinnung geblieben. Aber dieses Übersinnliche — wenigstens das große Übersinnliche, das wie eine wirkliche Erneuerung der alten Empfindungsseelenreligiosität Augustus wollte — wurde auch herausgetrieben. Es wurde dieses Übersinnliche auch herausgetrieben, und es blieb von dem andern — das also zur Zeit des Mysteriums von Golgatha vorzugsweise in Rom gegründet worden ist — der Katholizismus, die katholische Kirche übrig; denn die katholische Kirche ist die wahre Fortsetzung des augusteischen Zeitalters. Daß die katholische Kirche die Form angenommen hat, die sie angenommen hat, beruht darauf, daß sie nicht sich begründet auf das Mysterium von Palästina, daß sie nicht sich begründet auf das Mysterium von Golgatha. Das hat nur seine Luft hineingeweht. Was in der katholischen Kirche lebt, das ist höchstens ihr Kultus. Dieser Kultus aber, der in der katholischen Kirche lebt, ist der Kultus, in den nur hineinverwoben ist dasjenige, was vom Mysterium von Golgatha herübergekommen ist; er ist aber in seinen Formen und Zeremonien herübergekommen aus dem Zeitalter der Empfindungsseele der Menschheit.
[ 16 ] Recht kann man sich heute nur verhalten zu diesem katholischen Kultus, der wirklich etwas Heiliges, etwas Großes ist, weil er das Heilige, das durch Urzeiten der Menschheit webt, ja bringt — alles hat seine großen, seine gewaltigen Seiten, es darf nur nicht einseitig ausgebildet werden —, richtig kann man sich nur verhalten zum Beispiel zu seinem Mittelpunkte, zu dem Meßopfer, das ein Abbild der höchsten Mysterien aller Zeiten ist, wenn man belebt dasjenige, was tot geworden ist und was bloß für die Empfindungsseele zugerichtet werden soll, durch dasjenige, was in der neueren Zeit über das Mysterium von Golgatha die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wiederum zu sagen hat. Hineintragen kann man in das, was durch den Katholizismus vom Augusteischen konserviert worden ist, dasjenige, was wiedergefunden wird im normalen Entwickelungsgange der Menschheit durch geisteswissenschaftliche Forschung; ebenso wie man hineintragen muß in das, was — ins Sinnliche abgestumpft- von dem Wollen der Akademie von Gondishapur geblieben ist, dasjenige, was Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten herausholen kann. In die Naturwissenschaft muß der Geist einziehen; in die sakramentalen Handlungen, welche die Menschen wieder finden müssen, muß der Geist einziehen. Mit seinem ganzen, schweren, bedeutungsvollen Inhalte wird das, was ich eben gesagt habe, nur derjenige nehmen, welcher fühlt — und wer längere Zeit sich mit der Geisteswissenschaft befaßt hat, kann das fühlen —, wie ähnlich unsere Zeit in dem, was zum großen Teil unbewußt in den Seelen lebt, der Zeit ist, in welcher das Mysterium von Golgatha sich herangenaht hat an die Menschheit. Ich habe es ja öfter erwähnt, und Sie finden es dargestellt in dem ersten meiner Mysterien, in der «Pforte der Einweihung», daß so, wie dazumal ein Punkt da war, der nach einem Wendepunkt hinführte, so wie man dazumal zur entsprechenden Zeit, zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, vor diesem Wendepunkt des vierten nachatlantischen Zeitraums, 333, stand, wir heute auch vor einem wichtigen Wendepunkt stehen. Die Zeit ist etwas kürzer, weil die Bewegung der höheren Geister sich in der Geschwindigkeit ändert; man kann nicht so rechnen, daß man heute auch wieder 333 Jahre früher davor stehen soll. Es ändert sich so etwas im Laufe der Zeit; die Geschwindigkeit, mit der sich die einzelnen verschiedenen Geister der höheren Hierarchien fortbewegen, ändert sich. So stehen wir heute im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vor dem Herankommen eines wichtigen Menschheitsereignisses. Und alle Erschütterungen, alle Katastrophen sind nichts anderes als die erdbebenartigen Vorgänge, die einem großen geistigen Ereignisse des 20. Jahrhunderts vorangehen. Es ist das jetzt nicht ein Ereignis in der physischen Welt, sondern ein Ereignis, das die Menschen als eine Art Erleuchtung haben werden, das herangekommen sein wird, ehe das erste Drittel des 20. Jahrhunderts abgelaufen ist. Man kann es nennen, wenn man das Wort nicht mißversteht, das Wiedererscheinen des Christus Jesus. Aber der Christus Jesus wird nicht im äußeren Leib erscheinen wie zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, sondern als wirkend im Menschen, und man wird ihn empfinden übersinnlich: im Ätherleib ist er da. Derjenige, der sich darauf vorbereitet, kann immerfort in Visionen ihn empfinden, immerfort Ratschläge von ihm empfangen, kann gewissermaßen in ein unmittelbar persönliches Verhältnis zu ihm treten. Das alles, was uns so bevorsteht, ist vergleichbar dem, was die Römer vor dem augusteischen Zeitalter als das physisch reale Mysterium von Golgatha empfanden, das sich näherte.
[ 17 ] Aber für solche Sachen muß man eben die Empfindung haben. Man muß fühlen an verschiedenen äußeren Erscheinungen, die sich abgespielt haben und die endlich in diese furchtbare Weltkatastrophe geführt haben, wie der Drang zum Kultischen wiederum in den Menschen vorhanden ist. Im Grunde ist er langsam herangekommen. Bedenken Sie nur, studieren Sie einmal — aber ich bitte Sie, mit wachen Sinnen —, wie gerade feinsinnige Geister seit mehr als einem Jahrhundert wiederum diesen Drang fühlen, und aus dem nüchternen rationellen Verstandesprotestantismus heraus wiederum zum Kultus streben. Sehen Sie, wie gerade diejenigen Geister, die etwas empfinden konnten von der ganzen Bedeutung, die der Kultus in der Seele hat, in den Romantikern nach der Katholizität hinstrebten. Weil sie noch nicht fähig waren, geisteswissenschaftlich sich aufzuhellen dasjenige, was sakramental in die Welt hineinstrebt, deshalb strebten sie nach der Katholizität hin. Solche Geister wie Novalis — und er ist nur durch seine besonders tiefe Geistigkeit, die sich in verhältnismäßig früher Jugend aus ihm entwickelt hat, eine besonders charakteristische Persönlichkeit —, sie sind nicht zufrieden im nüchternen Protestantismus, sie streben nach den Formen des Katholizismus hin, aber sie sind natürlich gesund genug, um bewahrt zu bleiben vor dem Übertritt in den Katholizismus. Sie drücken gerade dasjenige aus, was die Zeit ausdrücken muß, wenn sie noch gesund sein will: das Streben, in der Welt wiederum etwas Sakramentales, Kultmäßiges zu fühlen, aber nicht etwas, was nur alten Kult hinüberschleppen will, wie es ja auch heute viele da tun, wo invalide Geister auftreten, wo die Invaliden des Geisteslebens auftreten, zu denen ich ja allerdings den mir seit Jahren bekannten, in früherer Zeit sehr befreundeten Hermann Bahr zähle. Wir sehen es an diesen Invaliden des Seelenlebens, wie sie hinneigen zu einem mißverstandenen Katholizismus auch in unserer Zeit, bei Hermann Bahr, bei Scheler, bei Börries von Münchhausen, bei all diesen Leuten — es ist eine große Zahl, und ich kenne viele davon —, sie streben in der Invalidität ihres Seelenlebens nach dem Katholizismus hin. Diese Seelenverfassung kennt man sehr gut, diese Seelenverfassung entspringt daraus, daß die Leute sich nicht aufraffen können zu einem tätigen inneren Seelenleben, zu einer wirklichen, mutvollen Aktivität des Seelenlebens, da sie, wie gesagt, Invalide des Seelenlebens geworden sind, und deshalb nach etwas hinstreben, was sich ihnen schon fertig darbietet. Es durchströmt das die ganzen Mythenbücher des Scheler, die sehr geistreich sind, die ganzen mythischen Abhandlungen der letzten Zeit von Hermann Bahr und so weiter. Das ist seelische Invalidität in gewissem Sinne. Das ist jene bequeme Gesinnung, die nicht dasjenige, was die Zeit fordert, aus den Tiefen der Seele hervortreiben will, um im Zeitalter der Bewußtseinsseele wiederum das zu finden, was nach einer Naturwissenschaft hinarbeitet, die in der ganzen Natur selber Sakramentales sieht, der die ganze Natur ein Ausdruck wird der göttlich-geistigen Weltordnung.
[ 18 ] Ja, man muß im Zeitalter der Bewußtseinsseele sehr bald zu einem Menschen werden, der die Möglichkeit hat, nicht bloß jene abstrakte, trockene, den ganzen Menschen petrifizierende Naturwissenschaft zu haben, die heute als das Heil der Welt ausgeschrien wird, sondern jene Naturwissenschaft, die sich vertiefen kann zu einem betenden Anschauen desjenigen, was in heiligen Symbolen die Gottheit ausbreitet über die ganze Welt in all den Taten, die den Menschen befriedigen, aber auch in alldem, womit die Gottheit die Menschen prüft. Ist man wieder imstande, sakramental, auf höherer Stufe, das Laboratorium zu prüfen und die Klinik zum Altar zu machen, statt zur bloßen Schlachtbank und zur Zimmermannswerkstätte im groben Sinne, dann ist die Zeit gekommen, die gefordert wird durch die göttliche Entwickelung für unsere heutige Seele. Es ist daher kein Wunder, daß in einer solchen Zeit vieles mißverstanden werden kann; mißverstanden wird vor allen Dingen durch dasjenige, was noch immer als die Nachzüglerschaft der Akademie von Gondishapur da ist, was also die Naturwissenschaft nimmt, ohne ein Verhältnis gewinnen zu wollen zu dem Mysterium von Golgatha. Dadurch wird die Naturwissenschaft eine rein ahrimanische Wissenschaft, entspricht allen ahrimanischen Bedürfnissen der Menschheit, entspricht der Gesinnung, welche nur nach Äußerem die Welt ordnen will. Man kann sagen: Dasjenige, was der Impuls des Mysteriums von Golgatha ist, das muß man immer neu aufnehmen, man muß ernst nehmen das Wort: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten», bis die Erdenzyklen erfüllt sein werden. Man muß dieses Wort ernst nehmen. Man muß, wenn man an das Mysterium von Golgatha anknüpfen will, die Seelen frisch erhalten, um immer neue und neue Impulse aufzunehmen, die aus der geistigen Welt zyklenweise, nicht immer, zufließen, aber eben von Zeit zu Zeit an die Menschheit herankommen wollen.
[ 19 ] Dem gegenüber steht allerdings eine Naturwissenschaft, die nichts wissen will von solchen Einflüssen, die einfach die Forscher hinstellen will ins Laboratorium oder in die Klinik und so weiter, wo alles so in Tretmühlenweise weitergeht. Da erforscht man, wie unsichtbare Strahlen wirken, ohne sich zu kümmern um dasjenige, was sich darin der Welt offenbart. Man prüft Aspirin oder Acetin oder Phenacetin und so weiter, gibt sie den Patienten ein: wenn man so eins nach dem andern eingibt, da braucht man nur äußerlich sinnlich zu schauen und zu notieren, was man geschaut hat, da braucht man nicht die Seele in Regsamkeit zu versetzen. Das ist die Gesinnung, welche im wesentlichen hervorgegangen ist aus dem Impuls der Akademie von Gondishapur. Denn, wäre die durchgedrungen mit ihren Impulsen, dann könnten sich die Menschen heute auf die Faulbank legen und brauchten gar nichts mehr zu tun; sie hätten ja dazumal alles, was sie für ihre Bewußtseinsseele hätten erarbeiten wollen, in die Hand gelegt bekommen durch Gnade. Diese Gesinnung ist, nur ins Sinnliche umgesetzt, in der äußeren Naturwissenschaft vorhanden.
[ 20 ] Die andere Gesinnung ist diese, welche in die Welt gegossen ist von Rom aus, welche fortlebt in den verschiedensten Formen desjenigen, was nicht von Palästina, nicht vom Mysterium von Golgatha ausgegangen ist, sondern was von Rom ausgegangen ist, und was sich nach den zwei Richtungen hin entwickelt hat: Weihrauch streuen, um einen Kultus zu entwickeln, der nicht nach der Intelligenz verlangt, sondern nur nach der Empfindungsseele, und Rhetorik, die nur nach der Formulierung der Worte strebt, oder nach einer solchen Figurierung der menschlichen Handlungen, die in ihrer Gesetzgebung eigentlich selbst eine Rhetorik ist. Beide Seiten, sie haben sich erhalten. Beiden Seiten kann nur geholfen werden, wenn durchschaut wird, wie auf der andern Seite es eine geistlose Naturwissenschaft in der Zukunft nicht geben darf. Ohne daß man die Naturwissenschaft bekämpft, wird man ihre Grenzen erkennen müssen. Man braucht sie nicht zu bekämpfen, sie liefert, wenn man sie bloß positiv betrachtet, Großartiges, Gewaltiges, und niemand hat ein Recht, über die Naturwissenschaft abzusprechen, der nicht gerade ihre Ergebnisse gut kennt. Wer sie nicht kennt, die Naturwissenschaft, und über sie kritisch abspricht, der tut Unrecht, nur der, der an die Naturwissenschaft glaubt, sie kennt, sie durchdrungen hat, sich selbst ihre Methoden angeeignet hat, nur der hat sich dadurch das Recht erworben, über sie abzusprechen, nämlich ihre Grenzen anzugeben und zu zeigen, wie die Naturwissenschaft selbst hineinführen müsse in ein geistiges Erfassen der Welt.
[ 21 ] Feindselige Gesinnung hat unter anderem an meinen Schriften auch herausgefunden, daß ich über Haeckel und über die moderne Naturwissenschaft mich anerkennend ausgesprochen habe. Ich würde auf dem Standpunkte der Geisteswissenschaft, auf dem ich stehe, niemals wagen, ein absprechendes Wörtchen über die Naturwissenschaft zu sagen, wenn ich nicht vorher alles getan hätte zu ihrer Anerkennung. Denn auf dem Boden des positiven Geisteslebens hat man nur ein Recht zu negativer Kritik, wenn man auch zu zeigen vermag, daß man dasjenige, was man bekämpft, in den Grenzen, in denen es anzuerkennen ist, voll anerkennt. Ich glaube mir das Recht voll erworben zu haben, eine geistige Entwickelung der Menschheit, eine geistige Evolution zu verkündigen, in der ich dargestellt habe, was die Sinne nicht lehren, weil ich auch gezeigt habe, was der Darwinismus und Haeckelianismus für eine Bedeutung im wissenschaftlichen Leben haben.
[ 22 ] Man muß, wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, schon den Anspruch machen, daß die Worte, die man sagt, etwas anders genommen werden, als sie sonst genommen werden. Daher möchte ich auch nicht, daß dasjenige, was ich sagen werde von einem solchen Gesichtspunkte, wie ich es heute getan habe, über den Katholizismus oder sonstige Bestrebungen der Gegenwart, vom Standpunkte des gewöhnlichen Philisters aus aufgefaßt und verwechselt werde mit demjenigen, was jede beliebige liberalisierende Gesellschaft kritischüber den Katholizismus oder über ähnliche Bestrebungen vorbringt. Nichts ist anders gemeint als es hier vorgebracht wird, und nichts anderes ist gemeint als dasjenige, was vom Standpunkte der geisteswissenschaftlichen Forschung wirklich auch gerechtfertigt werden kann. Naturwissenschaftliche Forschung fordert Vertiefung, so daß sie allmählich hineinführt in das geistige Leben. Dasjenige, was sich seit alten Zeiten erhalten hat, was zum Teil recht abgebraucht worden ist im Laufe des Menschenlebens, es tritt jetzt wiederum, aus den Gründen, die ich eben angeführt habe, auf: Bedürfnis der Menschen nach Sakramentalismus, Bedürfnis der Menschen nach Formung. Schauen in den Formen das Leben des Göttlichen in der Welt, aber begreifen die Formen; nicht wie in Dogmen sprechen über Luzifer, Ahriman und Christus, sondern diese Trinität auch künstlerisch in Formen vor sich haben: das ist, was wir brauchen.
[ 23 ] Aus diesem Gedanken wird in unserem Bau die Mittelpunktsschöpfung Christus-Luzifer-Ahriman in der Holzstatue hervorgehen; aus diesem Gedanken: in Formen, die ein Ganzes ausdrücken, dasjenige zu schaffen, was in der Entwickelung der Menschheit fordernd liegt, aber so, daß, indem man die Formen anschaut, man durchdringt zu dem Geiste. Solche Formen zu schaffen, das mußte unserem Bau zugrunde liegen. Man hat auch kein Recht, diesen Bau im trivialen Sinne aufzufassen, sondern nach der Grundrichtung dessen, was gewollt wird aus den großen Forderungen unserer Zeit heraus, wie es notwendig ist in einer Zeit, die sich wiederum, und jetzt in einer neuen Weise, dem Mysterium von Golgatha nähern muß.
[ 24 ] So wie in unserer Zeit, ich möchte sagen, der notwendige Zeitpunkt gegeben ist, den Christus wiederum zu finden, den Christus auf höherem Standpunkte zu finden, so sind auch die Widerstände gegen den Christus gegeben. Die Widerstände gegen den Christus waren ja früher da. Wir wissen: Dasjenige, was die Akademie von Gondishapur geben wollte, das wollte überhaupt das Christentum nicht aufkommen lassen. Dasjenige, was in Rom von Augustus gegründet worden ist, das wollte eigentlich etwas begründen, das nichts mit dem Christus-Impuls zu tun hat. Es ist später zum Katholizismus geworden, weil der christliche Impuls hineingeschlagen hat in den Romanismus. Die Christenverfolgungen, das neronische Zeitalter, die diokletianischen Christenverfolgungen, all das, was vorgegangen ist, auch die Ablehnung des Apollonius von Tyana, all das ist geschehen, weil man sich in Rom so viel als möglich gesträubt hat, das Christentum aufzunehmen. Es sollte das gerade ausgeschieden werden, aber es ließ sich nicht ausscheiden. Daher wurde dasjenige, was Romanismus ist, indem es vom Christentum so viel aufnahm, als es ging, katholische Kirche, und die katholische Kirche hat sich in diesem Geiste auch weiter entwickelt: in dem Augenblick, wo wiederum eine neue Offenbarung in die Menschheit eintritt, die weiterführt in der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, da wendet sich die katholische Kirche davon ab nicht zu, sondern ab.
[ 25 ] Denken Sie doch nur, das Faktum muß man immer wieder und wieder hervorheben: Als Kopernikus, der sogar selber ein Domherr war, also ein richtiger Katholik, die Kopernikanische Lehre aufstellte, da verbot die katholische Kirche die Kopernikanische Lehre als ketzerisch. Bis zum Jahre 1827 war es einem rechtgläubigen Katholiken verboten, an die Kopernikanische Lehre zu glauben; seit jener Zeit ist es erlaubt, daran zu glauben. Und dann ist es möglich geworden, daß ein Professor der katholischen Philosophie an der Universität gesagt hat: Gewiß, die katholische Kirche hat die Kopernikanische Lehre verbannt, hat den Galilei so behandelt, wie sie ihn eben behandelt hat. Aber das geziemt sich heute nicht mehr, so zu denken; heute geziemt es sich — so sagte der Professor Müllner dazumal, der katholischer Philosoph war, als er seine Rektoratsrede an der Wiener Universität hielt — zu sagen, daß gerade durch die Entdeckungen des Kopernikus und Galilei über die äußeren Geheimnisse des Weltenalls die Wunder der göttlichen Allmacht um so mehr anschaulich wurden. Das war allerdings christlich gesprochen, aber es wäre, wenn es zensuriert würde nach den sonstigen Gepflogenheiten, ganz gewiß nicht römisch-katholisch gesprochen. Also es hat immerhin eine Zeitlang gebraucht, bis unter äußerem Zwange anerkannt hat die katholische Kirche, daß durch die Erkenntnis des Weltenalls das Christentum nicht zurückgedrängt, sondern gefördert wird. Wie lange die katholische Kirche braucht, um die geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Ergebnisse anzuerkennen, nun, wir wollen es abwarten, müssen uns allerdings beim Abwarten wahrscheinlich darauf verlassen, daß wir zu einem Ergebnisse nicht mehr kommen, solange wir in diesem Erdenleibe verkörpert sind. Das ist die eine Seite der Sache.
[ 26 ] Aber es können leicht Verwechslungen und Mißverständnisse eintreten. Die Verwechslungen und Mißverständnisse, die eintreten können, sind die, daß in den Seelen, im Unterbewußten, heute wirklich der Drang ist, sakramental zu empfinden. Eben nach einer höheren Stufe des sakramentalen Empfindens strebt heute die ganze Menschheit. Daher benützt selbstverständlich die katholische Kirche dieses Streben der Menschheit, um ihre Rechnung zu finden. Und das möchte man so sehr erreichen, daß innerhalb des heutigen, leider, leider so tiefen Schlafzustandes der Menschheit, die Menschen über die wichtigsten Dinge, die geschehen, wenn sie auch auf vielen Gebieten sie nicht ändern können als einzelne Menschen, wenigstens aufwachen über dasjenige, was geschieht. Gewiß, man braucht nicht sich zu sagen: Wie ändere ich das als einzelner Mensch? Es ist bei manchen Dingen notwendig, daß man die Zeit walten läßt, bei manchen Dingen notwendig, daß man im rechten Zusammenhange wirkt. Man braucht nicht gleich für alles nach einem Rezept zu verlangen, aber man braucht ein klares Bewußtsein, um die Dinge beobachten zu können, damit, wenn von einem an seinem Orte etwas gefordert wird, er wirklich auch weiß, was er zu tun hat. Es ist vor allen Dingen notwendig zu sehen, daß überall, wo es nur möglich ist, die Menschheit, die da glaubt, sehr viel zu denken, heute nämlich schläft; die Menschheit schläft nun einmal, und man möchte sie gerade gewinnen zum wirklichen Erkennen desjenigen, was als Impulse in der Menschheitsentwickelung liegt. Doch das ist schwierig. Aber andere wachen, der Jesuitismus wacht, Rom wacht. Und diese Gewalten benützen jetzt jede Möglichkeit, jeden Kanal, um dasjenige, was in der Menschheit lebt, nicht so sich ausbilden zu lassen, wie es der Bewußtseinsseele entgegengeht, sondern so ausbilden zu lassen, wie es Rom eben entspricht. Und würde man nur erwachen über dasjenige, was Rom will, würde man nur die Dinge, die manchmal auf der Hand liegen, die man nach ganz andern Gesichtspunkten beurteilt, würde man erkennen den Finger Roms und des Jesuitismus, dann würde das von ungeheurer Bedeutung sein für die Lösung derjenigen Fragen, die in der nächsten Zeit aus dem wirren Chaos der Gegenwart heraus gelöst werden müssen.
[ 27 ] Deshalb ist die Anerkenntnis einer solchen Tatsache, wie diejenige, die wir gestern und heute besprochen haben, auch für die unmittelbare Gegenwart von ungeheurer Wichtigkeit. Man soll heute nicht nach abstrakten Grundsätzen die Welt beurteilen wollen: Da duselt man weiter ein; man soll sie nach wirklichen Erkenntnissen beurteilen wollen. Denn dasjenige, was geschehen muß gegen die nächsten Jahre zu, es wird nur geschehen können von seiten derjenigen Menschen, die ihre Grundsätze, die die Impulse ihres Handelns und Wollens schöpfen aus einer geistigen Erkenntnis des Weltenwerdens. Und ich muß sagen: Man darf nicht, von der einen Seite her, benützen lassen den gesunden, echten, erfreulich erfrischenden Zug der Menschenseelen nach Sakramentalismus zur Auffrischung alter Kulte. Nicht zur Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha benützt man ihn, sondern zur Fortsetzung des geistlosen Symbolismus Roms, wie er im augusteischen Zeitalter inauguriert wurde und wie es gegenwärtig, zur Befriedigung ihrer Rechnung, wiederum gewünscht wird von Rom aus. Das ist die eine Seite, wie man die Menschenseelen Mißverständnissen aussetzen kann, Mißverständnissen gegenüber dem Sakramentalismus, Mißverständnissen gegenüber den Kulten, Mißverständnissen auch gegenüber der Rhetorik, gegenüber dem Leben in Begriffen, in Worten, die man formuliert, und die wahrhaftig nicht entsprungen sind jenen Anstrengungen, die Demosthenes in Griechenland gemacht hat, der Steine auf die Zunge gelegt hat, weil er Stotterer war, aber doch den warmen und liebevollen Inhalt seiner Seele den Griechen mitteilen wollte, sondern die entspringen aus Schönrednereien, die die Menschen, wenn sie nicht voll erwachen können in den Impulsen der Menschheitsentwickelung, hinreißen und hinnehmen.
[ 28 ] Auch das weiß man auf jenen Seiten, wo man seine Rechnung finden will. Dasjenige, woraus die Menschheit schon hinausstrebt aus einem gesunden Impuls im Laufe der letzten Zeit, sehen Sie, wie es wieder erneuert wurde! Lesen Sie die Schriften und Abhandlungen, die heute erscheinen über die Bestrebungen der katholischen Kirche zur Erneuerung des Corpus iuris canonici, das wiederum auferstehen soll aus seinem Grabe: das Corpus juris canonici soll wiederum Gesetz werden für die katholischen Christen. Das System ist zusammengestellt. Dann werden Sie empfinden, durch welche Kanäle fließen soll dasjenige, was nach der Rhetorikseite hin fließt von jenem Rom aus, das so klug, so großartig klug, das so großartig auch eingeweiht ist in die Geheimnisse der Menschheitsentwickelung, und das man niemals erfolgreich bekämpfen wird mit äußeren Staatsmachtmitteln, sondern nur mit Mitteln des geistigen Kampfes. Man lasse die Jesuiten überall hinein, aber man gebe überall den Menschen die Möglichkeit, in freier Weise sich ebenso tief geistig zu unterrichten, wie die Jesuiten unterrichtet sind; dann werden die Jesuiten ungefährlich sein. Nur wenn man sich selbst schützt, und das andere nicht schützt, sondern im Gegenteil bekämpft, dann wird der Jesuitismus gefährlich sein. Der Jesuitismus kann überall hereingelassen werden, wenn man den Kampf, der mit ihm geführt werden muß, in ebensolcher Freiheit und in ebenso vorurteilslosem Sinn sich entfalten läßt, wie dasjenige, was von jener Seite kommt. Davon sind wir nach den Lebensgewohnheiten der Gegenwart weit, weit entfernt.
[ 29 ] Aber dasjenige, was sich verbreiten soll, es verbreitet sich nicht nur von dieser Seite aus. Das, was lebt in römischem Sakramentalismus, in römischer Rhetorik, und was insbesondere heute in der Kanzelrhetorik Triumphe feiert, das ist nur die eine Seite.
[ 30 ] Die andere Seite ist dasjenige, was nur schwört auf grobklotzige Naturwissenschaft, die sich nicht vergeistigen will, die die Naturwissenschaft nur insofern gelten lassen will, als sie zur Technik wird, die ablehnen will alles dasjenige, was durch die gewaltigen, großen Naturerscheinungen gefunden werden kann über den geistigen Gehalt der Welt. Ich habe einmal gesagt, wahrhaftig nicht aus Rhetorik heraus, sondern aus dem heraus, was aus der tieferen Erkenntnis der Seele kommt: Bevor unsere Physik, unsere Mechanik, unsere ganze äußerliche Wissenschaft nicht durchchristet ist, hat sie nicht ihr Ziel erreicht. — Nicht nur die Geschichte soll von dem Mysterium von Golgatha sprechen, sondern wissen soll man, daß seit dem Mysterium von Golgatha auch die Naturerscheinungen so betrachtet werden müssen, so daß man weiß: Der Christus ist auf der Erde, während er früher nicht auf der Erde war. Nicht nach Atomen und ihren Gesetzen wird eine wirkliche christliche Wissenschaft suchen, nicht nach Erhaltung des Stoffes und der Kraft, sondern nach der Offenbarung des Christus in allen Naturerscheinungen, die dadurch selber für den Menschen einen Sakramentalismus darstellen.
[ 31 ] Betrachtet man so die Natur, dann geht aus dieser Betrachtung der Natur auch eine Betrachtung der moralischen, der sozialen, der politischen, der religiösen Grundsätze des Menschenlebens hervor, die wirklich diesem Leben gewachsen ist. Saugen wir aus der Natur die Göttlichkeit, saugen wir aus der Naturerkenntnis die Kraft des Christus, dann tragen wir in das, was wir der Menschheit als Gesetze vorschreiben, in das, was wir der Menschheit, sei es in der Armenpflege, sei es sonst auf irgendeinem Gebiete, als einen äußeren sozialen Dienst erweisen wollen, dann tragen wir in all unser Wirken auch die Christologie hinein. Können wir aber nicht die Natur um uns herum als durchdrungen von dem Christus erblicken, können wir nicht in dem, was in Menschentaten lebt, selbst wenn sie prüfende Taten der Menschen sind, den Christus in seiner Wirksamkeit entdecken, so sind wir auch nicht imstande, in unser soziales, in unser moralisches, politisches Leben unterzutauchen mit dem, was wirklich von der Zeit gefordert wird. Dann würden wir stehenbleiben auf der einen Seite bei der grobklotzigen Naturwissenschaft, die nichts anderes ist als ein Verkennen des Übersinnlichen, oder wir würden stehenbleiben bei der bloßen Rhetorik, die ein Vermächtnis ist des Romanismus, das Gespenst des Romanismus. Und muß man auf der einen Seite, wenn man von dem mißverstandenen Sakramentalismus und Kultus spricht, auf Rom verweisen, und zwar auf das heutige Rom, auf jenes Rom, das insbesondere durch Leo XII/., den gescheiten Papst, groß geworden ist, dann muß man auch den Namen finden, der diejenige leere Phrasenhaftigkeit in der Rhetorik anzeigt, welche der Mensch, der wirklich mit anthroposophischer Erfassung des Geisteslebens sich durchdringt, heute in der Rhetorik erkennen muß. Wir haben öfter auf diese Rhetorik hier hingewiesen. Ich muß jetzt schon auf Aktuelles eingehen; ich tue es ja gewöhnlich nur, wenn das andere schon der Zeit nach erschöpft ist.
[ 32 ] Wo finden wir diejenige Rhetorik, die, ebenso wie die römische Kanzelrhetorik im Jesuitismus, entgegensteht einem invalid gewordenen Kultus? Wo finden wir die Rhetorik, die der heutigen Naturwissenschaft, die nach Geistigkeit verlangt, gegenübersteht, und die unsere Menschheit bedroht, weil unsere Menschheit schlafend aufnimmt dasjenige, was ihr ja vielleicht aus äußeren Gründen notwendig ist, was ihr aber, wo sie erkennen soll, ganz fremd bleiben sollte? Das ist der Wilsonismus! Woodrow Wilsons Name ist derjenige, der da geprägt werden muß für das Leben in bloßer Rhetorik, in bloßer substanzloser Zusammenstellung von Worten, heißen sie nun Völkerbund oder sonstwie; das ist eben das Schwelgen in bloßer Rhetorik. Das ist etwas, was die Menschheit nicht verschlafen sollte. Die heutige Menschheit hat nötig, zu erkennen, was hier betont worden ist: daß der wahre Wilsonismus dasjenige ist, was entgegengesetzt ist dem wahren Fortschritte der Menschheit, und was erkannt werden muß als eine auf tönernen Füßen stehende Rhetorik. So wie die invalid gewordene Seelenverfassung der Menschheit heute einerseits nach Rom strebt, so tendiert ja die sich mißverstehende, von der naturwissenschaftlichen grobklotzigen Weltanschauung angefressene Seele der Gegenwart andererseits nach dem, was heute als bloße Rhetorik durch die Welt weht, und was feindlich ist all dem, was mit dem wahren, segensreichen Fortschritt der Menschheit zusammenhängt.
[ 33 ] Dies läßt sich nicht mit ein paar bourgeoisen, mit ein paar philiströsen Gedanken zum Ausdruck bringen. Dasjenige, was von dieser Richtung her unserer Zeit droht, was man nüchtern sehen muß, wenn man die Tagesereignisse ins Auge faßt, das muß auf der andern Seite aber in seiner ganzen Bedeutung erkannt werden. Es darf nicht über alle Menschen der Schlafzustand kommen, daß die Welt verwilsont wird. Mögen die Wilsonianer in Amerika, mögen sie in Europa, mögen sie da oder dort leben, es muß auch noch Menschen geben, welche wissen, daß es eine tiefe Verwandtschaft gibt zwischen Jesuitismus auf der einen Seite und Wilsonismus auf der andern Seite. Diese Menschen muß es geben. Diese Menschen müssen allerdings über das Philistertum der Gegenwart hinauswachsen, müssen sich nicht ihr Urteil bilden nach dem, was der Tag oder auch die Jahre bringen, sondern müssen sich ihr Urteil bilden können nach dem, was die Jahrhunderte bergen und was die Jahrhunderte uns offenbaren, wenn wir wirklich und wahrhaftig mit innerster, aktiver Kraft der Seele hinzuschauen vermögen nach jenem Hügel, worauf gestanden hat das Kreuz von Golgatha, das das Symbol ist für alles dasjenige, was als die Offenbarung der uralten Geheimnisse in die Menschheit eingeflossen ist, das aber immer jung und jung sein wird und immer neue und neue Offenbarungen den Menschen bringen wird, wenn die Menschen sich diesen Offenbarungen nicht verschließen, sei es, daß sie sich einlullen lassen von Rom, sei es, daß sie sich einlullen lassen von der blendenden Rhetorik, nach der sie heute so hinneigen.
