Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

How Can Humanity Rediscover the Christ?
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 187

22 December 1918, Basel

Translate the original German text into any language:

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Gleich zwei mächtigen Geistessäulen hat das christliche Weltempfinden die beiden Jahresfeste, das Weihnachts- und das Osterfest, in den Jahreslauf hineingestellt, der da sein soll ein Symbolum für den menschlichen Lebenslauf. Und man darf sagen, in dem Weihnachtsgedanken und in dem Ostergedanken stehen vor der menschlichen Seele jene beiden Geistessäulen, auf denen verzeichnet sind die beiden großen Geheimnisse physischen menschlichen Daseins, auf welche der Mensch in einer ganz andern Art hinblicken muß als auf andere Ereignisse seines physischen Lebenslaufes. Gewiß, es ragt in diesen physischen Lebenslauf — durch Sinnesbetrachtung, durch Verstandesurteil, durch Gefühl und Willensinhalt — Übersinnliches herein. Aber dieses Übersinnliche ist sonst ein unmittelbar sich als Übersinnliches Ankündendes, so wie etwa die christliche Weltempfindung es versinnlichen will durch das Pfingstfest. Mit dem Weihnachtsgedanken aber und mit dem Ostergedanken ist hingewiesen auf jene beiden in dem physischen Lebenslauf sich vollziehenden Ereignisse, die durchaus ihrem äußeren Anscheine nach physische Ereignisse sind, die aber entgegen allen andern physischen Ereignissen sich, so wie sie sind, nicht unmittelbar als physische Ereignisse ankünden. Man kann mit Naturanschauung das physische Leben des Menschen überblicken, und man kann mit Naturanschauung die Außenseite dieses physischen Lebens, die äußere Offenbarung des Geistigen sinnlich schauen. Man kann aber niemals sinnlich schauen, man kann auch nicht die Außenseite, die äußere Offenbarung der zwei Grenzerlebnisse des menschlichen Lebenslaufes sinnlich schauen, ohne daß man durch das sinnliche Schauen selber auf das gewaltige Rätselhafte, auf das Geheimnisvolle dieser beiden Ereignisse hingewiesen wird. Es sind die Ereignisse von Geburt und Tod. Und im Leben des Christus Jesus — und an sie erinnernd im Weihnachts- und im Ostergedanken — stehen vor der menschlichen Seele diese beiden Ereignisse des menschlichen physischen Lebens vor dem christlichen Gemüte da.

[ 1 ] The Christian worldview has placed two powerful spiritual pillars—the two annual festivals, Christmas and Easter—within the cycle of the year, which is meant to symbolize the course of human life. And it can be said that, in the spirit of Christmas and in the spirit of Easter, these two spiritual pillars stand before the human soul, upon which are inscribed the two great mysteries of physical human existence—mysteries that a person must regard in a completely different way than other events in the course of their physical life. Certainly, the supersensible penetrates this physical life—through sensory perception, intellectual judgment, feeling, and the content of the will. But this supersensible is otherwise something that reveals itself directly as supersensible, just as, for example, the Christian worldview seeks to make it tangible through the Feast of Pentecost. The Christmas and Easter concepts, however, point to those two events unfolding within the physical course of life that are, in their outward appearance, physical events; yet, unlike all other physical events, they do not, as they are, reveal themselves immediately as physical events. Through a natural perspective, one can survey the physical life of the human being, and through this same perspective, one can perceive with the senses the outer aspect of this physical life—the outward manifestation of the spiritual. But one can never perceive with the senses—nor can one perceive with the senses the outer aspect, the outward manifestation—of the two boundary experiences of the human life course without being drawn, through the very act of sensory perception, to the profound mystery and the enigmatic nature of these two events. These are the events of birth and death. And in the life of Christ Jesus—and in remembrance of them in the Christmas and Easter traditions—these two events of human physical life stand before the human soul in the Christian consciousness.

[ 2 ] Im Weihnachtsgedanken und im Ostergedanken will die menschliche Seele hinblicken auf die beiden großen Geheimnisse. Und so wie sie hinblickt, findet sie aus der Betrachtung lichtvolle Stärkung für den Gedanken, kraftvollen Inhalt für das menschliche Wollen, Aufrichtung des ganzen Menschen, aus welcher Lage heraus er auch immer diese Aufrichtung braucht. So wie sie dastehen, diese beiden Geistsäulen, der Weihnachtsgedanke und der Ostergedanke, so haben sie einen Ewigkeitswert.

[ 2 ] In the spirit of Christmas and Easter, the human soul seeks to contemplate these two great mysteries. And as it contemplates them, it finds in this contemplation luminous strength for thought, powerful substance for human will, and an uplifting of the whole person—no matter what circumstances may require this uplifting. Just as they stand there, these two pillars of the spirit—the Christmas and Easter reflections—they possess an eternal value.

[ 3 ] Das menschliche Vorstellungsvermögen hat sich aber vielfach im Laufe seiner Entwickelung in verschiedener Art genähert dem großen Weihnachtsgedanken und dem großen OÖstergedanken. Während in den ersten Zeiten der christlichen Entwickelung, da die Wirkung des Ereignisses von Golgatha erschütternd in viele Gemüter eingezogen ist, die Menschen allmählich sich hingefunden haben zu der Anschauung des auf Golgatha sterbenden Erlösers, während sie in dem am Kreuze hängenden Cruzifixus in den ersten Jahrhunderten des Christentums den Erlösungsgedanken empfunden haben und sich da allmählich ausgestaltet hat die große, gewaltige Imagination des sterbenden Christus am Kreuze, hat das christliche Empfinden, insbesondere als die neuere Zeit begonnen hat, sich mehr anpassend an den in der Menschheitsentwickelung heraufkommenden Materialismus, sich hingewendet zu dem Bilde des kindhaften, in die Welt tretenden, des geborenwerdenden Jesus.

[ 3 ] However, in the course of its development, the human imagination has, in many ways, drawn closer to the great idea of Christmas and the great idea of Easter. While in the early days of Christian development, when the impact of the event at Golgotha shook many hearts, people gradually came to embrace the image of the Savior dying on Golgotha, and while in the first centuries of Christianity they perceived the idea of redemption in the Crucifix hanging on the cross—and the grand, powerful image of Christ dying on the cross gradually took shape there—Christian sentiment, especially as modern times began, adapting more to the materialism emerging in human development, turned toward the image of the childlike Jesus entering the world, the Jesus being born.

[ 4 ] Nun kann man ja allerdings sagen, daß man mit einer feineren Empfindung in der Art, wie in den verflossenen Jahrhunderten das christliche Gemüt Europas sich hingewendet hat zur Weihnachtskrippe, etwas darin finden kann von materialistischem Christentum. Das Bedürfnis — es ist nicht in einem schlimmen Sinne gemeint, wenn ich das sage —, gewissermaßen zu kosen mit dem lieben Jesulein, das ist ein triviales Bedürfnis geworden im Lauf der Jahrhunderte. Und manches heute noch als schön, oder wie manche Leute sagen, als herzig empfundene Lied auf das liebe Jesulein will uns den ernst gewordenen Zeiten gegenüber heute doch zu wenig ernst anmuten.

[ 4 ] Now, one could certainly argue that, with a more refined sensibility—such as that with which the Christian spirit of Europe turned toward the Christmas nativity scene in centuries past—one might find in it something of a materialistic Christianity. The need—and I don’t mean this in a negative sense—to, so to speak, cuddle with little Jesus has become a trivial need over the centuries. And many songs about little Jesus that are still considered beautiful today—or, as some people say, “cute”—seem far too frivolous to us in the face of the serious times we now face.

[ 5 ] Aber der Ostergedanke und der Weihnachtsgedanke, sie sind ewige Säulen, ewige Denksäulen des menschlichen Gemütes. Und man kann wohl sagen, daß in unserer Zeit neuer Geistesoffenbarungen auch neues Licht sich ergießen wird über den Weihnachtsgedanken, daß der Weihnachtsgedanke in einer grandiosen Weise allmählich in neuer Gestalt empfunden werden wird. Und an uns wird es sein, zu vernehmen aus dem Weltengeschehen heraus den Ruf nach Erneuerung mancher alten Vorstellungswelt, den Ruf nach neuer Offenbarung des Geistes. An uns wird es sein, zu verstehen, wie ein neuer Weihnachtsgedanke zur Stärkung und Aufrichtung der menschlichen Seele sich herausarbeitet aus diesem Weltengeschehen.

[ 5 ] But the spirit of Easter and the spirit of Christmas are eternal pillars, eternal pillars of thought in the human mind. And one can certainly say that in our time of new spiritual revelations, new light will also be shed upon the spirit of Christmas, that the spirit of Christmas will gradually be perceived in a magnificent new form. And it will be up to us to hear, from the events of the world, the call for the renewal of many old ways of thinking, the call for a new revelation of the Spirit. It will be up to us to understand how a new Christmas spirit, designed to strengthen and uplift the human soul, is emerging from these world events.

[ 6 ] Die Geburt und der Tod des Menschen, man mag sie noch so sehr zergliedern, noch so sehr anschauen, sie stellen sich dar als Ereignisse, die unmittelbar auf dem physischen Plane sich abspielen, und in denen Geistiges so waltet, daß niemand, der ernsthaft die Dinge betrachtet, sagen sollte, diese zwei Ereignisse, diese Erdenereignisse des menschlichen Lebens seien nicht so, daß sie unmittelbar als physische Ereignisse zeigten, indem sie sich am Menschen abspielen, wie der Mensch Bürger einer geistigen Welt ist. Keiner Naturanschauung kann es je gelingen, innerhalb dessen, was Sinne schauen können, was der Verstand begreifen kann, in Geburt und Tod etwas anderes zu finden als ein solches, in dem sich unmittelbar im Physischen das Eingreifen des Geistigen zeigt. So, in solcher Art treten nur diese beiden Ereignisse an das menschliche Gemüt heran. Und auch für das Weihnachtsereignis, für das Geburtsereignis wird das menschlich-christliche Gemüt immer tiefer und tiefer empfinden müssen den Mysteriencharakter dieses Ereignisses.

[ 6 ] The birth and death of a human being—no matter how much one analyzes them or examines them, they present themselves as events that take place directly on the physical plane, and in which the spiritual reigns in such a way that no one who seriously considers these matters should say that these two events—these earthly events of human life—are not such that they manifest themselves directly as physical events, even as they unfold in human beings, just as human beings are citizens of a spiritual world. No view of nature can ever succeed in finding, within the realm of what the senses can perceive and what the intellect can grasp, anything in birth and death other than an event in which the intervention of the spiritual manifests itself directly in the physical. It is in this way alone that these two events approach the human mind. And even with regard to the Christmas event—the event of the Nativity—the human-Christian mind will have to perceive ever more deeply the mystical character of this event.

[ 7 ] Man kann sagen, nur selten haben Menschen sich aufgeschwungen, im rechten Sinne zum Mysteriencharakter der Geburt hin ihren Blick zu wenden. Selten, aber dann in wunderbar tief in die menschliche Seele hereinsprechenden Vorstellungen. So in jener Vorstellung, die sich anknüpft an den schweizerischen Geisteshelden des 15. Jahrhunderts, an Nikolaus von der Flüe. Von ihm wird erzählt — und er hat es selbst von sich erzählt —, daß er vor seiner Geburt, bevor er physische Luft außen atmen konnte, geschaut hat sein eigenes menschliches Bild, das er leibhaftig an sich tragen werde, nachdem seine Geburt wird eingetreten sein und sein Leben verlaufen wird. Und geschaut hat er vor seiner Geburt seinen Taufakt mit denjenigen Personen, welche anwesend bei diesem Taufakte und bei seinen ersten Erlebnissen waren. Mit Ausnahme einer einzigen älteren Persönlichkeit, die dabei war, die er nicht wiedererkannte, hat er die andern erkannt, weil er sie schon gesehen hatte, bevor er das Licht der Welt erblickt hat. Man nehme diese Erzählung auf, wie man sie aufnehmen will, aber man wird nicht umhin können, in ihr einen bedeutsamen Hinweis auf das Geburtsmysterium des Menschen zu sehen, welches so großartig symbolisiert in dem Weihnachtsgedanken vor der Weltgeschichte dasteht. Man wird hingewiesen finden in der Erzählung des Nikolaus von der Flüe, daß sich etwas mit dem Eintritt in das physische Leben verbindet, was nur durch eine sehr, sehr dünne Wand verborgen ist der gewöhnlichen menschlichen Anschauung des Alltags, durch eine dünne Wand, die durchbrochen werden kann, wenn ein solches karmisches Verhältnis vorhanden ist, wie es bei Nikolaus von der Flüe vorhanden war. Noch da und dort tritt uns solch ergreifender Hinweis auf das Geburts-Weihnachtsmysterium entgegen. Aber man kann sagen: Wenig ist sich die Menschheit noch bewußt geworden, wie in den beiden Grenzsäulen des menschlichen Lebens Geburt und Tod unmittelbar in der physischen Welt dastehen als zwei schon in ihrer physischen Erscheinung sich offenbarende geistige Ereignisse, die niemals sich abspielen können innerhalb des bloßen Naturablaufes, sondern in denen ein unmittelbares Eingreifen göttlich-geistiger Gewalten da ist, welches sich dadurch ankündigt, daß eben durch ihre physische Erscheinung diese beiden Grenzerlebnisse des menschlichen physischen Daseinslaufes Geheimnisse bleiben müssen.

[ 7 ] It can be said that only rarely have people risen to the occasion to turn their gaze, in the true sense, toward the mystical nature of birth. Rarely, but when they do, their ideas speak with wonderful depth to the human soul. Such is the case with the idea associated with the Swiss spiritual hero of the 15th century, Nicholas of Flüe. It is said of him—and he himself recounted it—that before his birth, before he could breathe the physical air of the outside world, he beheld his own human form, which he would physically embody once his birth had taken place and his life had unfolded. And before his birth, he beheld his baptism, along with the people who were present at that baptism and at his earliest experiences. With the exception of a single older person who was there—whom he did not recognize—he recognized the others because he had already seen them before he first saw the light of day. Take this story however you will, but you cannot help but see in it a significant reference to the mystery of human birth, which is so magnificently symbolized in the Christmas tradition as it stands before world history. One will find indicated in the story of Nicholas of Flüe that something is connected with the entry into physical life that is concealed from ordinary human perception in everyday life by only a very, very thin veil—a thin veil that can be pierced when a karmic relationship of the kind that existed in the case of Nicholas of Flüe is present. Here and there we still encounter such moving references to the mystery of birth and Christmas. But one can say: Humanity has still become scarcely aware of how, in the two boundary pillars of human life—birth and death—these stand directly within the physical world as two spiritual events that reveal themselves even in their physical appearance, events that can never unfold within the mere course of nature, but in which there is a direct intervention of divine spiritual forces, which is indicated by the fact that, precisely because of their physical appearance, these two boundary experiences of the human physical life course must remain mysteries.

[ 8 ] Sie lenkt uns nun hin, die neue christliche Offenbarung, diesen menschlichen Lebenslauf so zu betrachten, wie ihn, man darf wohl sagen, der Christus im 20. Jahrhundert von den Menschen betrachtet haben will. Wir gedenken heute, wo wir uns versenken wollen in den Weihnachtsgedanken, eines dem Christus Jesus in den Mund gelegten Ausspruches, welcher uns so recht hinweisen kann zu dem Weihnachtsgedanken. Der Ausspruch heißt: «Und so ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel.» «Und so ihr nicht werdet wie die Kindlein...» es ist wahrhaft nicht eine Aufforderung dazu, allen Mysteriencharakter abzustreifen von dem Weihnachtsgedanken, und den Weihnachtsgedanken herunterzuziehen in die Trivialität des lieben Jesulein, wie viele Volks- und ähnliche Lieder, aber weniger Volks- als Kunstlieder, im Laufe der materialistischen Entwickelung des Christentums getan haben. Gerade dieser Ausspruch: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel», er läßt uns aufschauen zu gewaltigen Impulsen, die durch die Menschheitsentwickelung wallen. Und in unserer heutigen Zeit, wo dutch die Weltereignisse wahrhaftig nicht ein Anlaß gegeben ist, in triviale Weihnachtsgedanken zu verfallen, wo durch das menschliche Herz so Schmerzvolles zieht, wo dieses menschliche Herz zurückschauen muß auf Millionen von Menschen, die den Tod gefunden haben in den letzten Jahren, hinschauen muß auf unzählige Menschen, die hungern, in dieser Zeit geziemt es sich wahrlich nicht anders, als hinzuschauen auf die mächtigen, den Menschen treibenden weltgeschichtlichen Gedanken, auf . die man hingelenkt werden kann durch das Wort: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein...» und das man ergänzen kann durch das andere: «Und so ihr nicht euer Leben verbringet in dem Lichte dieses Gedankens, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel.»

[ 8 ] This new Christian revelation now guides us to view the course of human life in the way that—it is safe to say—Christ would have wanted people to view it in the 20th century. Today, as we seek to immerse ourselves in the spirit of Christmas, we recall a saying attributed to Christ Jesus that so aptly points us toward the spirit of Christmas. The saying goes: “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven.” “Unless you become like little children…” This is truly not a call to strip the Christmas message of all its mystical character and to reduce it to the triviality of the “dear little Jesus,” as many folk songs and similar songs—though fewer folk songs than art songs—have done in the course of Christianity’s materialistic development. It is precisely this saying—“Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven”—that causes us to look up to the mighty impulses surging through human evolution. And in our present time, when world events truly give us no reason to sink into trivial Christmas thoughts, when such pain is tearing through the human heart, when this human heart must look back on millions of people who have met their deaths in recent years, and must look upon countless people who are starving—at such a time, it is truly fitting to do nothing else but turn our gaze toward the powerful, human-driving ideas of world history, toward . those to which we can be guided by the words: “Unless you become like little children...” and which can be supplemented by the other: “And unless you spend your lives in the light of this thought, you cannot enter the kingdoms of heaven.”

[ 9 ] Indem der Mensch als Kind in die Welt eintritt, kommt er unmittelbar aus der geistigen Welt heraus. Denn das, was sich im physischen Leben vollzieht, die Erzeugung und das Wachstum seines physischen Leibes, das ist die Umkleidung desjenigen Ereignisses, das nicht anders bezeichnet werden kann als so, daß man sagt: Des Menschen tiefste Wesenheit geht heraus aus der geistigen Welt. Der Mensch wird aus dem Geiste heraus in den Leib hineingeboren. Und wenn der Rosenkreuzer sagt: Ex deo nascimur — so meint er den Menschen, insofern er in der physischen Welt auftritt. Denn dasjenige, was den Menschen zunächst umhüllt, was ihn zum physischen Ganzen hier auf dem Erdenrund macht, das ist dasjenige, was mit dem Worte Ex deo nascimur getroffen wird. Sieht man auf das Zentrum des Menschen, auf das eigentliche innere Mittelpunktswesen, dann muß man sagen: Der Mensch wandert aus dem Geiste heraus in diese physische Welt herein. — Durch dasjenige, was sich in der physischen Welt abspielt, dem er zugeschaut hat aus den geistigen Landen vor seiner Empfängnis oder seiner Geburt, wird er umkleidet mit seinem physischen Leibe, um in diesem physischen Leibe Dinge zu erleben, die eben nur im physischen Leibe erlebt werden können. Aber der Mensch kommt in seinem Mittelpunktswesen aus der geistigen Welt heraus. Und er ist so, daß er in den ersten Jahren seines physischen Daseins — für denjenigen, der die Dinge anschauen will so, wie sie sind in der Welt, der nicht geblendet ist durch Illusionen des Materialismus —, er ist so, dieser Mensch, daß er ankündigt noch in den ersten Jahren, wie er aus dem Geiste heraus gekommen ist. Dasjenige, was man am Kinde erlebt, stellt sich für den wirklich Einsichtigen so dar, daß man in ihm empfinden kann die Nachwirkung der Erlebnisse in der geistigen Welt.

[ 9 ] When a human being enters the world as a child, he comes directly from the spiritual world. For what takes place in physical life—the formation and growth of his physical body—is the outward expression of an event that can be described only as follows: The deepest essence of the human being emerges from the spiritual world. The human being is born from the spirit into the body. And when the Rosicrucian says: *Ex deo nascimur*—he is referring to the human being insofar as it appears in the physical world. For that which initially envelops the human being, that which makes him a physical whole here on Earth, is precisely what is expressed by the words *Ex deo nascimur*. If one looks at the center of the human being, at the actual inner core being, then one must say: The human being journeys out of the spirit and into this physical world. — Through what takes place in the physical world—which he observed from the spiritual realms before his conception or birth—he is clothed in his physical body in order to experience, within this physical body, things that can only be experienced in the physical body. But the human being emerges from the spiritual world in his central being. And he is such that, in the first years of his physical existence—for those who wish to view things as they are in the world, who are not blinded by the illusions of materialism—he is such that, even in those early years, he reveals how he has come forth from the spirit. What one observes in a child appears to the truly discerning person in such a way that one can sense in the child the aftereffects of the experiences in the spiritual world.

[ 10 ] Auf dieses Geheimnis wollen solche Erzählungen hinweisen wie diejenige, die anknüpft an den Namen des Nikolaus von der Flüe. Eine Trivialanschauung, die stark beeinflußt ist von materialistischer Denkungsart, die spricht in ihrer Einfalt, daß der Mensch nach und nach im Leben sein Ich entwickelt von der Geburt bis zum Tode hin, daß dieses Ich immer mächtiger und immer stärker wird, immer deutlicher hervortritt. Es ist eine einfältige Denkungsart. Denn sieht man hin auf das wahre Ich des Menschen, auf dasjenige, was zur physischen Umkleidung mit der Geburt des Menschen aus der geistigen Welt heraus kommt, dann spricht man über diese ganze physische Entwickelung des Menschen anders. Dann weiß man nämlich, daß das wahre Ich des Menschen nach und nach, indem er physisch heranwächst, in den physischen Leib hinein gerade verschwindet, daß es immer weniger und weniger deutlich wird, und daß dasjenige, was sich entwickelt hier in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod, nur ein Spiegelbild geistiger Ereignisse ist, ein totes Spiegelbild eines höheren Lebens. Das ist die richtige Ausdrucksweise, daß man sagt: In den Leib hinein verschwindet nach und nach die ganze Fülle des menschlichen Wesens; sie wird immer unsichtbarer und unsichtbarer. Der Mensch lebt sein physisches Leben hier auf der Erde, indem er sich nach und nach an den Leib verliert, um sich im Tode im Geiste wiederzufinden. — So spricht derjenige, der die Verhältnisse kennt. Derjenige aber, der die Verhältnisse nicht kennt, spricht so, daß er sagt: Das Kind ist unvollkommen, und nach und nach entwickelt sich das Ich zu immer größerer und größerer Vollkommenheit, es wächst heraus aus den unbestimmten Untergründen des menschlichen Daseins. — Die Erkenntnis desjenigen, was der Geistessucher schaut, muß anders sprechen gerade auf diesem Gebiete, als da spricht das in äußere Illusionen verstrickte sinnliche Bewußtsein unserer heute noch immer materialistisch empfindenden Zeit.

[ 10 ] Stories such as those associated with the name of Nicholas of Flüe point to this mystery. A trivial view, strongly influenced by materialistic thinking, naively asserts that a person gradually develops his or her “I” throughout life, from birth to death, and that this “I” becomes ever more powerful and stronger, emerging ever more clearly. It is a simplistic way of thinking. For if one looks at the true “I” of the human being—that which emerges from the spiritual world into the physical body at birth—then one speaks differently about the entire physical development of the human being. For then one knows that, as the human being grows physically, the true “I” gradually disappears into the physical body, becoming less and less distinct, and that what develops here in the physical world between birth and death is merely a reflection of spiritual events—a lifeless reflection of a higher life. This is the correct way to express it: the entire fullness of the human being gradually disappears into the body; it becomes more and more invisible. A person lives their physical life here on Earth by gradually losing themselves to the body, only to find themselves again in the spirit at death. — Thus speaks the one who knows the circumstances. But the one who does not know the circumstances speaks in such a way that he says: The child is imperfect, and little by little the “I” develops into ever greater and greater perfection; it grows out of the indeterminate depths of human existence. — The insight of the spiritual seeker must speak differently in this very realm than does the sensory consciousness of our age—an age that still perceives the world materialistically and is entangled in external illusions.

[ 11 ] Und so tritt dann der Mensch als Geisteswesen in die Welt ein. Sein Leibeswesen ist, indem er Kind ist, noch unbestimmt; es hat noch wenig in Anspruch genommen das Geistige, das wie hereinschläft in das physische Dasein, das aber nur deshalb uns so wenig inhaltsvoll erscheint, weil wir es ebensowenig im gewöhnlichen physischen Leben wahrnehmen, wie wir das schlafende Ich und den schlafenden Astralleib wahrnehmen, wenn sie vom physischen und Ätherleib getrennt sind. Deshalb aber ist ein Wesen nicht unvollkommener, weil wir es nicht sehen. Das muß der Mensch mit seinem physischen Leibe erkaufen, daß er sich immer mehr und mehr eingräbt in den physischen Leib, um durch dieses Eingraben Fähigkeiten zu bekommen, die nur auf diese Weise erlangt werden können, daß sich das Geist-Seelenwesen des Menschen eine Zeitlang an das physische Dasein im physischen Leibe verliert. Daß wir uns an diesen unseren Geistursprung immerdar erinnern, daß wir erstarken in dem Gedanken: Wir sind aus dem Geiste herausgewandert in die physische Welt —, dazu steht der Weihnachtsgedanke wie eine mächtige Lichtsäule da innerhalb der christlichen Weltempfindung. Dieser Gedanke als Weihnachtsgedanke muß immer mehr und mehr erkraftet werden in der zukünftigen geistigen Entwickelung der Menschheit. Dann wird dieser Weihnachtsgedanke für diese Menschheit wieder stark werden, dann werden die Menschen wiederum dem Weihnachtsfeste so entgegenleben können, daß sie Kraft für das physische Dasein schöpfen aus diesem Weihnachtsgedanken, der sie in rechtem Sinne an ihren Geistesursprung erinnern kann. So kraftvoll wie dieser Weihnachtsgedanke dann empfunden werden wird, so wird er heute noch wenig von den Menschen gefühlt; denn es ist eine merkwürdige, aber durchaus in den Gesetzen des geistigen Daseins begründete Tatsache, daß dasjenige, was in der Welt Menschen vorwärtsbringend, Menschen fördernd auftritt, nicht gleich in seiner letzten Gestalt auftritt, daß es gewissermaßen zuerst tumultuarisch, wie von unrechtmäßigen Geistern der Weltentwickelung vorweggenommen, vor den Menschen tritt. Wir verstehen die geschichtliche Entwickelung der Menschheit nur in rechtem Sinne, wenn wir wissen, daß Wahrheiten nicht nur so genommen werden müssen, wie sie manchmal in die Weltgeschichte eintreten, sondern daß bei Wahrheiten hingeschaut werden muß auf die rechte Zeit, in der sie im rechten Lichte in die Menschheitsentwickelung eintreten können.

[ 11 ] And so the human being enters the world as a spiritual being. As a child, his physical being is still undetermined; the spiritual aspect has as yet made little claim upon it; it seems to slumber within physical existence, but it appears so devoid of substance to us only because we perceive it no more in ordinary physical life than we perceive the sleeping “I” and the sleeping astral body when they are separated from the physical and etheric bodies. Yet a being is no less perfect simply because we cannot see it. This is the price the human being must pay with his physical body: to become ever more deeply rooted in the physical body, so that through this rooting he may acquire abilities that can be attained only in this way—even if it means that the human spirit-soul being loses itself for a time to physical existence within the physical body. So that we may always remember our spiritual origin, so that we may be strengthened by the thought: “We have journeyed out of the spirit into the physical world”—for this purpose, the Christmas idea stands like a mighty pillar of light within the Christian worldview. This idea, as the Christmas idea, must be strengthened more and more in the future spiritual development of humanity. Then this Christmas idea will become strong again for humanity; then people will once more be able to look forward to the Christmas festival in such a way that they draw strength for their physical existence from this Christmas idea, which can remind them in the true sense of their spiritual origin. As powerfully as this Christmas idea will then be felt, so little is it felt by people today; for it is a curious fact—yet one thoroughly grounded in the laws of spiritual existence—that whatever appears in the world to advance and uplift humanity does not immediately appear in its final form; rather, it first presents itself to people in a tumultuous manner, as if anticipated by the illegitimate spirits of world development. We understand the historical development of humanity in the proper sense only when we realize that truths must not merely be accepted as they sometimes enter world history, but that we must look to the right time when they can enter the development of humanity in the proper light.

[ 12 ] Unter den mancherlei Gedanken, die in die neuere Menschheitsentwickelung — ganz gewiß angeregt durch den Christus-Impuls, aber in einer zunächst verfrühten Gestalt — hereingetreten sind, ist der tief christliche, aber einer immer weitergehenden Vertiefung fähige Gedanke der Gleichheit der Menschheit vor der Welt und vor Gott, der Gleichheit aller Menschen. Aber man darf diesen Gedanken nicht in solcher Allgemeinheit hinstellen vor das Menschengemüt, wie ihn, als er zuerst tumultuarisch in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, die Französische Revolution hingestellt hat. Man muß sich bewußt sein, daß dieses Menschenleben von der Geburt bis zum Tode in Entwickelung ist, und daß die Hauptimpulse auf dieses Menschenleben verteilt sind. Fassen wir den Menschen ins geistige Auge, wie er in das sinnliche Dasein eintritt: er tritt voll ein in dieses sinnliche Dasein, durchimpulsiert von dem Impuls der Gleichheit des Menschenwesens aller Menschen. Und man empfindet das kindliche Dasein am allerintensivsten, wenn man hinblickt auf das Kind, das durchdrungen ist in seiner Wesenheit von dem Gedanken der Gleichheit aller Menschen. Noch nichts, was die Menschen in Ungleichheit bringt, noch nichts, was die Menschen so organisiert, daß sie sich als verschieden von andern Menschen fühlen, noch nichts von alldem tritt im kindlichen Dasein zunächst auf. Alles das wird dem Menschen erst gegeben im Laufe seines physischen Menschenlebens. Ungleichheit erzeugt das physische Dasein; aus dem Geiste heraus wandert der Mensch gleich. vor der Welt und vor Gott und vor andern Menschen. So verkündet das Mysterium des Kindes.

[ 12 ] Among the various ideas that have entered into the recent development of humanity—certainly inspired by the Christ impulse, but initially in a premature form—is the deeply Christian idea, capable of ever-greater deepening, of the equality of humanity before the world and before God, the equality of all human beings. But this idea must not be presented to the human mind in such general terms as the French Revolution presented it when it first burst tumultuously into human development. One must be aware that human life, from birth to death, is a process of development, and that the main impulses are distributed throughout this human life. Let us envision the human being as he enters sensory existence: he enters fully into this sensory existence, permeated by the impulse of the equality of the human nature of all people. And one perceives childhood most intensely when one looks upon the child, whose very being is permeated by the idea of the equality of all human beings. Nothing yet that creates inequality among people, nothing yet that organizes people in such a way that they feel different from others, nothing of all this appears in childhood at first. All of this is only bestowed upon a person in the course of their physical human life. Physical existence gives rise to inequality; from the spirit, however, a person is equal before the world, before God, and before other human beings. Thus proclaims the mystery of the child.

[ 13 ] Und an dieses Mysterium des Kindes schließt sich an der Weihnachtsgedanke, der in neuer christlicher Offenbarung seine Vertiefung finden wird. Denn diese neue christliche Offenbarung wird rechnen mit der neuen Trinität: dem Menschen, wie er die Menschheit unmittelbar repräsentiert, dem Ahrimanischen und dem Luziferischen. Und indem man erkennen wird, wie der Mensch hineingestellt ist in das Weltendasein als in den Gleichgewichtszustand zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, wird man verstehen, was dieser Mensch auch im äußeren physischen Dasein in Wirklichkeit ist.

[ 13 ] And this mystery of the child is followed by the idea of Christmas, which will find its deepening in a new Christian revelation. For this new Christian revelation will take into account the new Trinity: the human being, as he directly represents humanity, the Ahrimanic, and the Luciferic. And as people come to recognize how the human being is situated within world existence as a state of equilibrium between the Ahrimanic and the Luciferic, they will understand what this human being truly is, even in outer, physical existence.

[ 14 ] Vor allen Dingen muß Verständnis fallen, christliches Verständnis fallen auf eine gewisse Seite dieses menschlichen Lebens. Laut wird es verkünden der christliche Gedanke in der Zukunft, was sich bei einzelnen Geistern seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, ich möchte sagen, in stammelnder Erkenntnis, wenn auch durchaus deutlich, schon angekündigt hat. Wenn man erfaßt, was eine Tatsache ist, daß das Kind mit Gleichheitsgedanken in die Welt hereintritt, daß aber später im Menschen, wie heraus aus dem Geborenwerden, Ungleichheitskräfte sich entwickeln, die scheinbar nicht von dieser Erde sind, so tritt damit gerade gegenüber dem Gleichheitsgedanken ein neues gewaltiges Mysterium an den Menschen heran. Dieses Mysterium zu durchschauen und durch das Durchschauen dieses Mysteriums eine richtige Anschauung über den Menschen zu erlangen, das wird zu wichtigen und notwendigen Bedürfnissen in der zukünftigen menschlichen Seelenentwickelung von der Gegenwart ab gehören. Die Frage steht bange vor dem Menschen: Ja, die Menschen werden verschieden, wenn sie es auch noch nicht in der Kindheit sind, durch etwas, was scheinbar mit ihnen geboren ist, was im Blute liegt, durch ihre verschiedenen Begabungen und Fähigkeiten.

[ 14 ] Above all, understanding—Christian understanding—must be directed toward a certain aspect of human life. In the future, the Christian idea will proclaim loudly what has already been foreshadowed in individual minds since the mid-19th century—I would say, in a stammering realization, though quite clearly. When one grasps the fact that the child enters the world with a sense of equality, but that later in human life—as if emerging from the very act of birth—forces of inequality develop that seem not to be of this earth, a new and powerful mystery confronts humanity precisely in opposition to this sense of equality. To penetrate this mystery and, through this penetration, to gain a true understanding of the human being—this will be among the most important and necessary requirements for the future development of the human soul, beginning in the present. The question looms anxiously before humanity: Yes, people do become different—even if they are not yet so in childhood—through something that seems to be born with them, something in their blood, through their various talents and abilities.

[ 15 ] Die Frage der Begabungen und Fähigkeiten, welche so viele Ungleichheiten unter den Menschen bewirken, sie tritt an den Menschen heran im Zusammenhang mit dem Weihnachtsgedanken. Und das Weihnachtsfest der Zukunft, es wird in ernster Weise den Menschen immerzu gemahnen an den Ursprung seiner ihn über die Erde hin differenzierenden Begabungen, Fähigkeiten, Talente, vielleicht sogar genialen Fähigkeiten. Er wird nach diesem Ursprung fragen müssen. Und das richtige Gleichgewicht innerhalb des physischen Daseins wird er nur erlangen, wenn er in der rechten Art auf den Ursprung seiner ihn von den andern Menschen unterscheidenden Fähigkeiten hinweisen kann. Das Weihnachtslicht oder die Weihnachtslichter müssen der sich entwickelnden Menschheit Aufschluß geben über diese Fähigkeiten, müssen die große Frage lösen: Besteht Ungerechtigkeit innerhalb der Weltenordnung für den einzelnen persönlichen Menschen zwischen Geburt und Tod? Wie ist es mit den Fähigkeiten, mit der Begabung?

[ 15 ] The question of gifts and abilities, which cause so many inequalities among people, comes to the fore in connection with the spirit of Christmas. And the Christmas celebration of the future will, in a solemn way, constantly remind people of the origin of the gifts, abilities, talents—perhaps even genius—that distinguish them from one another on Earth. They will have to ask about this origin. And they will attain the proper balance within their physical existence only if they can point, in the right way, to the origin of the abilities that distinguish them from other human beings. The light of Christmas—or the lights of Christmas—must provide evolving humanity with insight into these abilities; they must resolve the great question: Is there injustice within the world order for the individual human being between birth and death? What about abilities and gifts?

[ 16 ] Nun, manches wird anders werden in der menschlichen Anschauung, wenn die Menschen mit dem neuen christlichen Empfinden durchdrungen sein werden. Verstehen wird man vor allen Dingen, warum die alttestamentliche Geheimanschauung eine besondere Ansicht hatte über das Prophetentum. Was waren sie im Alten Testament, die auftretenden Propheten? Sie waren von Jahve geheiligte Persönlichkeiten; sie waren diejenigen Persönlichkeiten, die in rechtmäßiger Weise besondere Geistesgaben, die über die Menge hervorragten, gebrauchen durften. Jahve mußte erst heiligen diejenigen Fähigkeiten, welche dem Menschen wie durch das Blut eingeboren sind. Und wir wissen, Jahve wirkt auf den Menschen vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir wissen, Jahve wirkt nicht herein in das bewußte Leben. Jeder wirkliche Bekenner des Alten 'Testamentes sagte sich in seinem Gemüte: Dasjenige, was die Menschen unterscheidet hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Begabungen, was sich in den Prophetennaturen sogar zu genialer Höhe erhebt, es ist zwar mit dem Menschen geboren, aber der Mensch wendet es nicht zum Guten an, wenn er nicht einschlafend untersinken kann in jene Welt, in der Jahve seine Seelenimpulse lenkt und dasjenige, was physische Begabung, an dem Leibe hängende Begabungen sind, von der geistigen Welt aus umwandelt. — Auf ein tiefstes Geheimnis des alttestamentlichen Anschauens weisen wir dabei hin. Die alttestamentliche Anschauung, auch die Anschauung über das Prophetentum, sie muß dahingehen. Neue Anschauungen müssen zum Heile der Menschheit in die weltgeschichtliche Entwickelung eintreten. Dasjenige, wovon die alten Hebräer glaubten, daß es geheiligt werde durch Jahve im bewußtlosen Schlafzustand, das muß in der neueren Zeit der Mensch fähig werden zu heiligen, während er wach ist, bei vollem Bewußtsein. Das aber kann er nur, wenn er weiß, daß auf der einen Seite alles dasjenige, was natürliche Begabungen, Fähigkeiten, Talente, Genies vielleicht sind, luziferische Gaben sind, die luziferisch in der Welt wirken, solange sie nicht geheiligt und durchdrungen werden von alldem, was als Christus-Impuls in die Welt eintreten kann. Ein ungeheuer bedeutungsvolles Mysterium der neueren Menschheitsentwickelung berührt man, wenn man den Keim des neuen Weihnachtsgedankens erfaßt und hinweist darauf, daß der Christus verstanden und empfunden werden muß von den Menschen so, daß die Menschen nun als neutestamentliche Menschen vor dem Christus stehen und sagen: Ich habe zu der Gleichheitsprätention, zu der Gleichheitsaspiration des Kindes hinzubekommen die verschiedenen Fähigkeiten und Begabungen und Talente. Sie führen aber auf die Dauer nur zum Guten, zum Heile des Menschen, wenn diese Begabungen, diese Talente, diese Fähigkeiten gestellt werden in den Dienst des Christus Jesus, wenn der Mensch anstrebt, sein ganzes Wesen zu durchchristen, damit Luzifer entrissen werden die menschlichen Begabungen, Talente, Genies.

[ 16 ] Well, some things will change in the human perspective once people are imbued with the new Christian sensibility. Above all, people will come to understand why the Old Testament’s esoteric view held a particular perspective on prophecy. What were the prophets who appeared in the Old Testament? They were personalities sanctified by Yahweh; they were those individuals who were rightfully permitted to use special spiritual gifts that set them apart from the crowd. Yahweh first had to sanctify those abilities that are innate in human beings, as if through the blood. And we know that Yahweh acts upon human beings from the moment they fall asleep until they wake up. We know that Yahweh does not intervene in conscious life. Every true believer in the Old Testament said to himself in his heart: That which distinguishes people in terms of their abilities and talents—which in the nature of the prophets even rises to a level of genius— is indeed born with the human being, but the human being does not use it for good unless he can sink, as if falling asleep, into that world in which Yahweh directs the impulses of his soul and transforms what are physical gifts—gifts attached to the body—from the spiritual world. — We are pointing here to one of the deepest mysteries of the Old Testament worldview. The Old Testament worldview—including the view of prophecy—must give way. New perspectives must enter the course of world history for the sake of humanity’s salvation. What the ancient Hebrews believed was sanctified by Yahweh during the unconscious state of sleep—humanity in modern times must become capable of sanctifying this while awake, in full consciousness. But he can do this only if he knows that, on the one hand, everything that constitutes natural gifts, abilities, talents, and perhaps even genius, are Luciferic gifts that work Luciferically in the world as long as they are not sanctified and permeated by all that can enter the world as the Christ impulse. One touches upon an immensely significant mystery of recent human development when one grasps the seed of the new Christmas idea and points out that Christ must be understood and felt by people in such a way that they now stand before Christ as New Testament people and say: I have been given various abilities, gifts, and talents to complement the child’s claim to equality, the child’s aspiration to equality. But in the long run, they lead only to good, to the salvation of humanity, if these gifts, these talents, these abilities are placed in the service of Christ Jesus, if human beings strive to imbue their entire being with the spirit of Christ, so that human gifts, talents, and genius may be wrested from Lucifer.

[ 17 ] Das durchchristete Gemüt entreißt Luzifer dasjenige, was sonst luziferisch im physischen Dasein des Menschen wirkt. Das muß als starker Gedanke hindurchgehen durch die künftige Entwickelung der menschlichen Seele. Das ist der neue Weihnachtsgedanke, die neue Verkündigung von der Wirksamkeit des Christus in unserer Seele zur Umwandlung des Luziferischen, das in uns nicht hineinkommt, insofern wir herauswandern aus dem Geiste, sondern das wir in uns dadurch finden, daß wir mit einem blutdurchdrungenen physischen Leib umkleidet werden, der uns aus der Vererbung heraus die Fähigkeiten gibt. Innerhalb der luziferischen Strömung, innerhalb desjenigen, was in der physischen Vererbungsströmung wirkt, treten diese Eigenschaften auf, aber gewonnen, erobert wollen sie sein während des physischen Lebens von dem, was der Mensch nun nicht durch Jahve-Inspirationen im Schlafe, sondern in vollem Bewußtsein, durch Ausnützung seiner Erlebnisse an dem Christus-Impuls empfinden kann. Wende dich hin, o Christ, zu dem Weihnachtsgedanken — so redet das neue Christentum — und bringe dar auf dem Altare, der zu Weihnacht aufgerichtet wird, alles dasjenige, was du an Menschendifferenzierung empfängst aus dem Blute heraus, und heilige deine Fähigkeiten, heilige deine Begabungen, heilige selbst dein Genie, indem du es beleuchtet siehst von dem Lichte, das von dem Weihnachtsbaum ausgeht.

[ 17 ] The mind permeated by Christ snatches from Lucifer that which otherwise works in a Luciferic manner within human physical existence. This must run as a powerful thought through the future development of the human soul. This is the new Christmas message, the new proclamation of Christ’s activity in our soul to transform that which is Luciferic—which does not enter us as we emerge from the spirit, but which we find within ourselves through being clothed in a blood-permeated physical body that endows us with abilities through heredity. These qualities arise within the Luciferic current, within that which acts in the physical current of heredity; but they must be won and conquered during physical life by what the human being can now perceive—not through Jahve-inspired visions in sleep, but in full consciousness—by drawing upon his experiences of the Christ impulse. Turn, O Christian, to the Christmas message—so speaks the new Christianity—and offer upon the altar erected at Christmas all that which you receive in terms of human differentiation from the blood, and sanctify your abilities, sanctify your gifts, sanctify even your genius, by seeing it illuminated by the light that emanates from the Christmas tree.

[ 18 ] In neuen Worten muß sprechen die neue Geistverkündung, und wir müssen nicht stumpf und gehörlos sein gegenüber dem, was in unserer von Ernst durchdrungenen Zeit an neuen Offenbarungen des Geistes zu uns spricht. Dann, wenn wir so empfinden, dann leben wir auch mit jener Kraft, mit der heute der Mensch leben soll, um die großen Aufgaben zu lösen, die der Menschheit gerade in unserem Zeitalter gestellt sein werden. Empfunden werden muß die ganze Schwere des Weihnachtsgedankens: In unserem Zeitalter muß in das volle wache Bewußtsein hereintreten das, was der Christus zu den Menschen sagen wollte, als er die Worte sprach: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel.» Der Gleichheitsgedanke, den das Kind offenbart, wenn wir es in richtigem Sinne anschauen, der wird nicht Lügen gestraft durch diese Worte; denn das Kind, an dessen Geburt wir uns in der Weihnachtsnacht erinnern, verkündet — den Menschen in ihrer Entwickelung durch die Weltgeschichte immer neue Gedanken offenbarend klar und deutlich, daß in das Licht des Christus, der durchseelt hat dieses Kind, gerückt werden muß dasjenige, was wir an uns differenzierenden Begabungen tragen, daß auf dem Altare dieses Kindes dargebracht werden muß dasjenige, was diese verschiedenen Begabungen aus uns Menschen machen.

[ 18 ] The new spiritual message must speak in new words, and we must not be dull and deaf to the new revelations of the Spirit that speak to us in our time, which is permeated by a sense of gravity. Then, when we feel this way, we will also live with the very power with which people today must live in order to solve the great tasks that humanity will face, especially in our own age. We must feel the full weight of the Christmas message: In our age, what Christ intended to say to humanity must enter into our full, waking consciousness when he spoke the words: “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven.” The idea of equality that the child reveals—when we look upon it in the true sense—is not contradicted by these words; for the child whose birth we commemorate on Christmas Eve proclaims—revealing ever-new ideas to humanity as it evolves through world history—clearly and distinctly that what we possess in the form of our distinctive gifts must be brought into the light of Christ, who animated this child, and that what these various gifts make of us as human beings must be offered upon the altar of this child.

[ 19 ] Fragen können Sie nun, angeregt durch den Ernst des Weihnachtsgedankens: Wie erfahre ich den Christus-Impuls in meiner eigenen Seele? — Oh, der Gedanke, er liegt in dem Menschen oftmals schwer!

[ 19 ] Inspired by the solemnity of the Christmas message, you may now ask: How do I experience the Christ impulse in my own soul? — Oh, that thought often weighs heavily on the human heart!

[ 20 ] Nun, nicht in einem Augenblick, nicht so, daß man sagen kann, unmittelbar, stürmisch pflanzt sich das in unsere Seele ein, was wir als den Christus-Impuls bezeichnen können. Und zu verschiedenen Zeiten pflanzt es sich verschieden ein. Heute hat der Mensch durch sein volles, klares, waches Bewußtsein aufzunehmen solche Weltengedanken, wie sie stammelnd mitzuteilen versucht werden durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, zu der wir uns bekennen. So wie diese Gedanken sich ihm ankündigen, wenn er sie recht versteht, können sie das Vertrauen in ihm erwecken, daß auf den Flügeln dieser Gedanken die neue Offenbarung, das heißt der neue Christus-Impuls unserer Zeit, wirklich in ihn einzieht. Und er wird ihn verspüren, wenn er nur darauf aufmerksam sein will, dieser Mensch!

[ 20 ] Well, it is not in an instant, nor in such a way that one could say it happens immediately or impetuously—what we might call the Christ impulse takes root in our soul. And it takes root differently at different times. Today, through his full, clear, and alert consciousness, human beings are able to take in such cosmic ideas as are tentatively conveyed by the anthroposophically oriented spiritual science to which we are committed. As these thoughts reveal themselves to him—if he understands them correctly—they can awaken within him the confidence that, on the wings of these thoughts, the new revelation—that is, the new Christ impulse of our time—truly enters into him. And he will sense it, if only he is willing to be attentive to it, this human being!

[ 21 ] Versuchen Sie es, so wie es hier gemeint ist, recht lebendig im heutigen zeitgemäßen Sinne, die Geistgedanken der Weltenlenkung in sich aufzunehmen; versuchen Sie sie aufzunehmen nicht bloß wie eine Lehre, nicht bloß wie eine Theorie, versuchen Sie sie aufzunehmen so, daß sie diese Ihre Seele im tiefsten Inneren bewegen, erwärmen, durchleuchten und durchströmen, daß Sie sie lebendig tragen. Versuchen Sie, diese Gedanken in solcher Stärke zu empfinden, daß sie Ihnen sind wie etwas, was wie durch den Leib in Ihre Seele eintritt und den Leib verändert. Versuchen Sie, alle Abstraktionen, alles Theoretische von diesen Gedanken abzustreifen. Versuchen Sie, darauf zu kommen, daß diese Gedanken solche sind, welche eine wirkliche Speise der Seele sind, versuchen Sie, darauf zu kommen, daß durch diese Gedanken nicht bloß Gedanken in Ihre Seele einziehen, sondern daß geistiges Leben, das herauskommt aus der geistigen Welt, durch diese Gedanken in unsere Seele einzieht. Machen Sie sich intim innerlichst eins mit diesen Gedanken, und Sie werden ein Dreifaches bemerken. Sie werden bemerken, daß diese Gedanken allmählich etwas in Ihnen selber austilgen, was insbesondere in unserer Zeit des Bewußtseinsseelenzeitalters so deutlich in die Menschenseelen hereinzieht: daß diese Gedanken, mögen sie sonst wie immer lauten, austilgen im Menschen die Selbstsucht! Wenn Sie zu bemerken anfangen: diese Gedanken töten den Egoismus, lähmen die Selbstsucht —, dann, meine lieben Freunde, haben Sie verspürt das Durchchristete der anthroposophisch orientierten geisteswissenschaftlichen Gedanken. Und wenn Sie zweitens verspüren, daß in dem Augenblick, wo irgendwie in der Welt an Sie herantritt die Unwahrhaftigkeit, entweder indem Sie selber versucht werden, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen, oder von anderer Seite Ihnen die Unwahrhaftigkeit entgegentritt, wenn Sie verspüren, daß in dem Augenblicke, wo die Unwahrhaftigkeit in Ihre Lebenssphäre hereintritt, warnend oder auf die Wahrheit hinweisend, ein Impuls dasteht neben Ihnen, der die Unwahrheit nicht in Ihr Leben hereintreten lassen will, der Sie immerzu mahnend auffordert, mit der Wahrheit es zu halten: dann verspüren Sie wiederum gegenüber dem zum Scheine heute so vielfach neigenden Leben den lebendigen Christus-Impuls. Der Mensch wird nicht leicht gegenüber den anthroposophisch orientierten Geistgedanken lügen können oder keine Empfindung haben für den Schein und die Unwahrheit. Ein Wegweiser zum Wahrheitsempfinden, von allem übrigen Verständnis abgesehen, er kann von Ihnen gefühlt werden in den Gedanken der neuen christlichen Offenbarung. Wenn Sie es dahin bringen, nicht bloß theoretisches Verständnis zu suchen für die Geisteswissenschaft, wie man es für eine andere Wissenschaft sucht, sondern wenn Sie es dahin bringen, daß die Gedanken so in Sie eindringen, daß Sie fühlen: Es ist so, indem diese Gedanken mit meiner Seele intim werden, wie wenn sich eine zur Wahrheit mahnende Gewissensmacht neben mich hinstellte, dann haben Sie den Christus-Impuls in der zweiten Art gefunden. Und wenn Sie drittens auch noch fühlen, daß ausströmt von diesen Gedanken etwas bis in den Leib hinein, aber insbesondere in der Seele Wirkendes, Krankheit Überwindendes, den Menschen Gesundmachendes, Frischmachendes, wenn Sie verspüren die verjüngende, erfrischende, krankheitsfeindlicheKraft dieser Gedanken: dann haben Sie den dritten Teil des Christus-Impulses dieser Gedanken empfunden. Denn das ist es, wonach die Menschheit mit der neuen Weisheit, mit dem neuen Geiste strebt: aus dem Geiste selber heraus die Möglichkeit zu finden, Selbstsucht zu überwinden, den Schein des Lebens zu überwinden; Selbstsucht durch Liebe, den Schein des Lebens durch die Wahrheit, das Krankmachende durch die gesunden Gedanken, die uns unmittelbar in Einklang versetzen mit den Harmonien des Weltenalls, weil sie aus den Harmonien des Weltenalls stammen.

[ 21 ] Try, in the sense intended here—in a truly vivid and contemporary way—to take in the spiritual ideas of world guidance; try to take them in not merely as a doctrine, not merely as a theory; try to take them in in such a way that they move, warm, illuminate, and flow through your soul in its deepest recesses, so that you carry them within you as a living presence. Try to feel these thoughts with such intensity that they are like something that enters your soul through your body and transforms your body. Try to strip away all abstractions, all that is theoretical, from these thoughts. Try to realize that these thoughts are true nourishment for the soul; try to realize that through these thoughts, it is not merely thoughts that enter your soul, but spiritual life—emanating from the spiritual world—that enters our soul through them. Become intimately and deeply one with these thoughts, and you will notice three things. You will notice that these thoughts gradually eradicate something within you—something that, especially in our age of the conscious soul, so clearly creeps into human souls: that these thoughts, whatever they may otherwise be, eradicate selfishness in human beings! When you begin to notice that these thoughts kill egoism and paralyze selfishness—then, my dear friends, you have sensed the Christ-imbued nature of anthroposophically oriented spiritual-scientific thoughts. And secondly, when you sense that at the very moment when untruth approaches you in the world in any way—whether by your own temptation to be lax with the truth, or by untruth coming at you from another direction—when you sense that at the very moment when untruth enters your sphere of life, a warning impulse stands beside you—pointing toward the truth—that does not want falsehood to enter your life, that constantly urges you to hold fast to the truth: then you will once again sense the living Christ impulse in contrast to a life that today seems so prone to appearances. It will not be easy for a person to lie in the face of anthroposophically oriented spiritual thoughts, nor will they be insensitive to pretense and untruth. A guide to the sense of truth—apart from all other forms of understanding—can be felt by you in the thoughts of the new Christian revelation. If you manage not merely to seek a theoretical understanding of spiritual science, as one might seek it for any other science, but if you manage to allow these thoughts to penetrate you so deeply that you feel: “It is so”—as these thoughts become intimate with my soul, as if a power of conscience urging me toward the truth were standing beside me—then you have found the Christ impulse in the second sense. And if, thirdly, you also feel that something radiates from these thoughts into your body—but acts especially within the soul, overcoming illness, healing the human being, and revitalizing them—if you sense the rejuvenating, refreshing, and disease-fighting power of these thoughts: then you have experienced the third aspect of the Christ impulse within these thoughts. For this is what humanity strives for with the new wisdom, with the new spirit: to find, from within the spirit itself, the possibility of overcoming selfishness, of overcoming the illusion of life; selfishness through love, the illusion of life through truth, and what causes illness through healthy thoughts that immediately bring us into harmony with the harmonies of the universe, because they originate from the harmonies of the universe.

[ 22 ] Nicht alles von dem Gesagten kann heute schon erreicht werden, denn der Mensch trägt ein altes Erbgut in sich herum. Und nur unverständig ist es, wenn zum Beispiel solche geistige Hinterstubenpolitiken wie die Christian Science den Gedanken des Gesundmachenden des Geistes zur Karikatur verzerren. Aber wenn auch der Gedanke wegen des alten Erbgutes heute noch nicht mächtig genug sein kann, um vielleicht dasjenige, was der Mensch durch ihn wünscht, selbstsüchtig wünscht, zu erreichen, er ist ein Gesundendes. In diesen Dingen denkt man nur immer verkehrt. Es kann Ihnen jemand sagen, der die Dinge versteht: Dich machen gewisse Gedanken gesund —, der Betreffende wird dann in einem bestimmten Zeitpunkt von dieser oder jener Krankheit befallen. — Ja, daß wir heute noch nicht von allen Krankheiten genesen können durch bloßen Gedankeneinfluß, das ist eine alte Erbschaft. Aber vermöchten Sie zu sagen, welche Krankheit Sie bekommen hätten, wenn Sie diese Gedanken nicht gehabt hätten? Vermöchten Sie zu sagen, daß Ihr Leben in ebensolcher Gesundheit verlaufen wäre, wenn Sie die Gedanken nicht gehabt hätten? Vermögen Sie zu sagen bei einem Menschen, der sich anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft zugewendet hat und fünfundvierzig Jahre alt geworden ist: Nun ist er mit fünfundvierzig Jahren gestorben — wenn Sie nicht den Beweis liefern können, daß er ohne diese Gedanken mit zweiundvierzig, mit vierzig Jahren gestorben wäre? Der Mensch denkt immer von der verkehrten Seite, wenn er sich so diesen Gedanken nähert. Der Mensch sieht auf dasjenige hin, was ihm nicht gegeben werden kann, vermöge seines Karma; er sieht nicht auf dasjenige hin, was ihm gegeben wird vermöge seines Karma. Aber wenn Sie trotz allem, was in der äußeren physischen Welt widerspricht, hinblicken durch die Kraft inneren Vertrauens, das Sie durch intimere Bekanntschaft mit den Gedanken der Geisteswissenschaft gewinnen, dann verspüren Sie auch das Gesundende, das bis in den physischen Leib hinein Gesundende, Erfrischende, Verjüngende als das dritte Element, als das Element, das der Christus als Heiland mit seinen immer dauernden Offenbarungen in die menschliche Seele hineinbringt.

[ 22 ] Not everything that has been said can be achieved today, for human beings carry within them an ancient genetic heritage. And it is simply foolish when, for example, certain spiritual backroom movements such as Christian Science distort the idea of the spirit’s healing power into a caricature. But even if, because of this ancient genetic heritage, the thought cannot yet be powerful enough today to achieve what a person selfishly desires through it, it is still a healing force. People simply always think about these things the wrong way. Someone who understands these matters might tell you: “Certain thoughts will make you healthy”—and the person in question will then, at a certain point in time, be struck by this or that illness. — Yes, the fact that we cannot yet recover from all illnesses today through the mere influence of thought alone is an old legacy. But could you say which illness you would have contracted if you had not had these thoughts? Could you say that your life would have unfolded in exactly the same state of health if you had not had those thoughts? Can you say of a person who turned to anthroposophically oriented spiritual science and lived to be forty-five years old—and who died at the age of forty-five—that he would have died at forty-two or forty had he not had these thoughts, unless you can provide proof to the contrary? People always approach these thoughts from the wrong angle. People focus on what cannot be given to them by virtue of their karma; they do not focus on what is given to them by virtue of their karma. But if, despite everything in the outer physical world that contradicts it, you look beyond through the power of inner trust—which you gain through a more intimate acquaintance with the ideas of spiritual science—then you will also sense the healing power, the power that heals right down into the physical body, the refreshing, rejuvenating force—as the third element, as the element that Christ, as the Savior, brings into the human soul through his ever-lasting revelations.

[ 23 ] Wir wollten uns vertiefen, meine lieben Freunde, in den Weihnachtsgedanken, der so nahe zusammenhängt mit dem Mysterium der Menschengeburt. Dasjenige, was uns heute aus dem Geiste geoffenbart wird als die Fortführung des Weihnachtsgedankens, mit einigen Strichen wollten wir es vor unsere Seele führen. Fühlen können wir, daß es ein Stärkendes ist, daß es ein Tragendes im Leben ist. Fühlen können wir, daß es uns hineinstellt in die Impulse der Weltenentwickelung, was auch kommen mag, so daß wir uns eins fühlen können mit diesen göttlichen Impulsen der Weltenentwickelung, daß wir sie verstehen können, daß wir Kraft schöpfen können für unseren Willen aus diesem Verstehen, Licht schöpfen können für unser Vorstellungsleben aus diesem Verstehen. Der Mensch ist in Entwickelung; unrecht wäre es, diese Entwickelung zu leugnen. Recht ist es allein, mit dieser Entwickelung zu gehen. — Der Christus hat auch gesagt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende des Erdenlaufes.» Das ist nicht eine Phrase, das ist eine Wahrheit. Der Christus hat sich nicht nur geoffenbart durch die Evangelien, der Christus ist bei uns, der Christus offenbart sich fortwährend. Ohren sollen wir haben, hinzuhören auf dasjenige, was er in neuen Zeiten immer neu offenbart. Schwach kann es uns machen, wenn wir keinen Glauben haben an diese neuen Offenbarungen; stark wird es uns aber machen, wenn wir ihn haben.

[ 23 ] We wanted to delve deeper, my dear friends, into the Christmas message, which is so closely connected to the mystery of the Incarnation. We wanted to bring before our souls, in a few strokes, that which is revealed to us today through the Spirit as the continuation of the Christmas message. We can sense that it is a source of strength, that it is a supporting force in life. We can feel that it places us within the impulses of world evolution, whatever may come, so that we can feel at one with these divine impulses of world evolution, so that we can understand them, so that we can draw strength for our will from this understanding, and draw light for our imaginative life from this understanding. Humanity is evolving; it would be wrong to deny this evolution. The only right thing is to go along with this evolution. — Christ also said: “I am with you always, even to the end of the age.” This is not a mere phrase; it is a truth. Christ has not only revealed Himself through the Gospels; Christ is with us, and Christ reveals Himself continually. We must have ears to listen to what He reveals anew in these new times. It can make us weak if we have no faith in these new revelations; but it will make us strong if we do have that faith.

[ 24 ] Stark wird es uns machen, wenn wir den Glauben haben an diese neuen Offenbarungen, und tönten sie auch aus den scheinbar widersprechenden Schmerzen und dem Unglück des Lebens heraus. Mit unserer eigenen Seele gehen wir durch wiederholte Erdenleben, in denen sich unser Schicksal vollzieht. Zu diesem Gedanken selber, der das Geistige hinter dem äußeren physischen Leben verspüren läßt, kommen wir nur, wenn wir im rechten christlichen Sinne die sich fortsetzenden Offenbarungen in uns aufnehmen. Der Christ, der rechte Christ soll im Sinne unserer Zeit dann, wenn er die Lichter des Weihnachtsbaumes vor sich hat, mit den stärkenden Gedanken beginnen, die heute aus der neuen Weltenoffenbarung ihm kommen können zur Erkraftung seines Willens, zur Durchleuchtung seines Vorstellungslebens. Und er soll sich erfühlen so, daß er mit der Kraft und mit dem Lichte dieses Gedankens sich nähern kann im christlichen Jahre dem andern Gedanken, der an das Mysterium des Todes mahnt: dem Ostergedanken, der das Enderlebnis des menschlichen irdischen Daseins als ein Geistiges vor unsere Seele hinstellt. Den Christus werden wir immer mehr und mehr empfinden, wenn wir vermögen, unser eigenes Dasein mit seinem Dasein in das rechte Verhältnis zu setzen. Der an das Christentum anknüpfende mittelalterliche Rosenkreuzer sagte: Ex Deo nascimur, In Christo morimur, Per Spiritum Sanctum reviviscimus. — Aus dem Göttlichen sind wir geboren, indem wir uns als Menschen hier auf dem Erdenrund betrachten. In dem Christus sterben wir. In dem Heiligen Geiste werden wir wiederum auferweckt werden. — Doch das bezieht sich auf unser Leben, auf unser menschliches Leben. Blicken wir von unserem Leben auf das Leben des Christus hin, so haben wir das, was in unserem Leben als Spiegelbild sich darstellt: Aus dem Göttlichen sind wir geboren, in dem Christus sterben wir, durch den Heiligen Geist werden wir wieder auferweckt werden. — Wir können es als die Wahrheit des als unser erster Bruder unter uns lebenden Christus so aussprechen, daß wir es nun als von ihm ausstrahlende, in unserer menschlichen Wesenheit gespiegelte Christus-Wahrheit empfinden: Aus dem Geiste ward Er gezeugt — wie es im Lukas-Evangelium steht, in dem Symbolum der herabsteigenden Taube dargestellt wird —, aus dem Geiste ward Er gezeugt, in dem Menschenleibe starb Er, in dem Göttlichen wird Er wieder erstehen.

[ 24 ] It will make us strong if we have faith in these new revelations, even if they resound from the seemingly contradictory pains and misfortunes of life. With our own soul, we pass through repeated earthly lives in which our destiny unfolds. We can only arrive at this very thought—which allows us to sense the spiritual reality behind outward physical life—if we take in the continuing revelations within ourselves in the true Christian sense. The Christian—the true Christian—should, in the spirit of our time, when he has the lights of the Christmas tree before him, begin with the strengthening thoughts that can come to him today from the new world revelation, to fortify his will and to illuminate his life of imagination. And he should attune himself so that, with the strength and light of this thought, he may approach—in the Christian year—the other thought that reminds us of the mystery of death: the thought of Easter, which presents the final experience of human earthly existence as a spiritual reality before our soul. We will perceive Christ more and more deeply as we become able to place our own existence in the proper relationship to his. The medieval Rosicrucians, who drew upon Christianity, said: Ex Deo nascimur, In Christo morimur, Per Spiritum Sanctum reviviscimus. — We are born of the Divine when we consider ourselves as human beings here on Earth. In Christ we die. In the Holy Spirit we shall be raised again. — Yet this refers to our life, to our human life. When we look from our own life toward the life of Christ, we see what is reflected in our own life: We are born of the Divine; in Christ we die; through the Holy Spirit we shall be raised again. — We can express this as the truth of Christ, who lives among us as our first brother, in such a way that we now perceive it as the truth of Christ radiating from him and reflected in our human being: He was conceived by the Spirit—as it says in the Gospel of Luke, where the symbol of the descending dove is depicted—He was conceived by the Spirit, He died in the human body, and He will rise again in the Divine.

[ 25 ] Die Wahrheiten, die ewige sind, nehmen wir nur im rechten Sinne wahr, wenn wir sie in ihrer gegenwärtigen Spiegelung sehen, nicht nur verabsolutiert, verabstrahiert in einer Form. Und wenn wir uns fühlen als Mensch nicht nur im abstrakten Sinne, sondern als Mensch so recht darinstehend in einer Zeit, in der es unsere Pflicht ist, aus der Zeit heraus zu handeln und zu denken, dann werden wir den Christus, der bei uns ist alle Tage bis ans Ende des Erdenlaufes, zu vernehmen versuchen in seiner gegenwärtigen Sprache, wie er uns über den Weihnachtsgedanken belehrt, erleuchtet, mit dem Weihnachtsgedanken durchkraftet. Dann werden wir diesen Christus in seiner neuen Sprache in uns aufnehmen wollen, denn verwandt muß der Christus uns werden. Dann können wir die rechte Christus-Aufgabe auf dem Erdenrunde und nach dem 'Tode durch uns selber erfüllen. Der Mensch jedes Zeitalters muß in seiner Art den Christus in sich aufnehmen. Die Menschen empfanden das, wenn sie im rechten Sinne hinblickten auf die beiden großen starken Geistsäulen, auf den Weihnachtsgedanken und den Ostergedanken. So hat der tiefsinnige deutsche Mystiker, der schlesische Angelus, Angelus Silesius, hinblickend auf den Weihnachtsgedanken, gesagt:

[ 25 ] We can only perceive eternal truths in their proper sense when we see them as they are reflected in the present, not merely as absolute, abstract concepts. And when we feel ourselves to be human beings not merely in an abstract sense, but as human beings truly standing within a time in which it is our duty to act and think from within that time, then we will seek to hear the Christ—who is with us every day until the end of the Earth’s course—in his present-day language, as he instructs us, enlightens us, and strengthens us through the Christmas message. Then we will want to take this Christ into ourselves in his new language, for Christ must become one with us. Then we can fulfill the true Christ-task on Earth and after “death” through ourselves. The human being of every age must, in his or her own way, take Christ into himself or herself. People sensed this when they looked, in the true sense, upon the two great, powerful pillars of the spirit: the Christmas idea and the Easter idea. Thus the profound German mystic, the Silesian Angelus—Angelus Silesius—said, looking upon the Christmas idea: “/p”

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.

Will Christ be born a thousand times in Bethlehem
And not in you—you will remain lost forever.

[ 26 ] Und hinblickend auf den Ostergedanken:

[ 26 ] And with an eye toward the spirit of Easter:

Das Kreuz zu Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

The cross at Golgotha cannot save you from evil,
unless it is also raised up within you.

[ 27 ] Wahrhaftig, der Christus muß in uns leben, da wir Menschen nicht im absoluten Sinne, sondern Menschen einer bestimmten Zeit sind. Der Christus muß in uns geboren werden so, wie seine Worte durch unser Zeitalter tönen. Den Christus müssen wir versuchen, in uns zu gebären, zu unserer Stärkung, zu unserer Durchleuchtung, so wie er jetzt bei uns geblieben ist, wie er bei den Menschen bleiben will durch alle Zeiten bis ans Ende der Erdentage, wie er jetzt in unserer Seele geboren werden will. Wenn wir also versuchen, in unserer eigenen Seele die Geburt des Christus zu erleben am heutigen Tage, wie sie hereinleuchtet und hereinkraftet in unsere Seele als das ewige Licht und die ewige Kraft in die Zeit, dann sehen wir in richtiger Weise auf die historische Geburt des Christus in Bethlehem und auf ihr Abbild in unserer eigenen Seele hin.

[ 27 ] Truly, Christ must live within us, for we are not human beings in the absolute sense, but human beings of a specific time. Christ must be born within us just as his words resound through our age. We must strive to give birth to Christ within ourselves—for our strengthening, for our enlightenment—just as he has remained with us now, just as he wishes to remain with humanity throughout all ages until the end of the world, just as he now wishes to be born in our souls. So when we try to experience the birth of Christ in our own souls today—as it shines and pours into our souls as the eternal light and eternal power within time—then we look correctly upon the historical birth of Christ in Bethlehem and upon its reflection in our own souls.

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.

Will Christ be born a thousand times in Bethlehem
And not in you—you will remain lost forever.

[ 28 ] So wie er es uns heute in die Seele legt, hinzublicken auf diese seine Geburt, seine Geburt im Menschengeschehen, seine Geburt in unserer eigenen Seele, so vertiefen wir uns recht in den Weihnachtsgedanken. Und dann blicken wir hin auf jene Weihenacht, die wir aufgehen fühlen sollten für eine neue Erkraftung und Erleuchtung der Menschen auf mancherlei Übel und Schmerzen hin, die in der Gegenwart sie durchbebt haben und sie noch durchbeben werden.

[ 28 ] Just as He inspires us today to look upon His birth—His birth into human history, His birth within our own souls—so do we truly immerse ourselves in the spirit of Christmas. And then we turn our gaze to that Holy Night, which we should feel dawning to bring new strength and enlightenment to humanity in the face of the many evils and sufferings that have shaken them in the present and will continue to shake them.

[ 29 ] «Mein Reich», so sagt der Christus, «ist nicht von dieser Welt.» Ein Wort, das uns auffordert, wenn wir auf seine Geburt im rechten Sinne hinblicken, in unserer eigenen Seele zu finden den Weg nach jenem Reiche, wo Er ist, uns zu erkraften, wo Er ist, uns zu erleuchten, wenn es finster und kraftlos werden will, aus den Impulsen, die aus jener Welt sind, von der Er selber sprach, von der immerdar sein Erscheinen in der Weihenacht künden will. «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Aber Er hat dieses Reich in diese Welt gebracht, so daß wir aus diesem Reiche immer Kraft, Trost, Zuversicht und Hoffnung in allen Lebenslagen werden finden können, wenn wir nur zu Ihm kommen wollen, seine Worte beherzigend, solche Worte wie diese: «Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, werdet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel.»

[ 29 ] “My kingdom,” says Christ, “is not of this world.” A statement that calls upon us—when we contemplate His birth in its true sense—to find within our own souls the path to that kingdom where He is, to draw strength from Him where He is, to be enlightened by Him when darkness and weakness threaten to take hold, through the impulses that come from that world of which He Himself spoke, the world that His appearance on Christmas Eve forever proclaims. “My kingdom is not of this world.” But He has brought this kingdom into this world, so that we may always find strength, comfort, confidence, and hope from this kingdom in all circumstances of life, if only we are willing to come to Him, taking His words to heart—words such as these: “Unless you become like little children, you will not enter the kingdom of heaven.”