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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
GA 198

28 März 1920, Dornach

Dritter Vortrag

[ 1 ] Wir müssen, wenn wir den Menschen in seiner Stellung zur Welt verstehen wollen, immer darauf Rücksicht nehmen, daß in der ganzen Wirklichkeit des Menschen enthalten ist auf der einen Seite alles dasjenige, was gewissermaßen hereinscheint aus dem vorgeburtlichen Leben, das heißt demjenigen Leben, welches der Mensch geführt hat zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt in übersinnlichen Welten. Dieses Leben ist selbstverständlich ganz anderer Art als das Leben, das hier durch die Sinne und durch jenen Willen geführt wird, der an die physischen Organe des Menschen gebunden ist. Aber es spielt eben herein dieses vorgeburtliche Leben in unser Erdenleben. Man muß sich gegenüber diesem vorgeburtlichen Leben doch die Frage vorlegen: Inwiefern spielt es in dieses Erdenleben herein? Man muß doch denken an irgendeinen Abschluß dieses vorgeburtlichen Lebens. Man muß daran denken, vielleicht durch irgendeinen Vergleich mit dem irdischen Leben ein Bild zu gewinnen desjenigen, was sich der geistigen Anschauung für dieses vorgeburtliche Leben ergibt. Dieses Bild, man kann es vielleicht am besten gewinnen dadurch, daß man zunächst an das Ende des sinnlichen Erdenlebens denkt.

[ 2 ] Was ich jetzt sage, sage ich nur, um Ihnen ein Bild zu geben, denn die eigentlichen Tatsachen, die diesem Bild zugrunde liegen, entstammen der geistigen Forschung, der geistigen Anschauung als solcher. Wenn der Mensch durch den physischen Tod geht, also herauszieht seine höhere Organisation aus der niedrigeren Organisation, dann bleibt ja der Leichnam zurück und dieser Leichnam wird dann eingefaßt von den gewöhnlichen irdischen Gesetzen, er, sagen wir, lebt weiter innerhalb der ganzen Erdenorganisation.

[ 3 ] Ähnlich ist vorzustellen dasjenige, was der Mensch durchmacht, wenn er aus dem übersinnlichen Leben in das sinnliche Leben eintritt. Das übersinnliche Leben steht von dem Momente der Konzeption beziehungsweise der Geburt an hinter dem sinnlichen Leben. Dieses übersinnliche Leben ist ja zunächst nicht so, daß der Mensch in ihm ein volles Bewußtsein entwickeln kann. Es ist erfüllt von demjenigen Bewußtseinszustand, der ein dumpfer, dunkler ist, den der Mensch hier auf der Erde nur durchmacht zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Man kann schon sagen: Immer beim Einschlafen kehrt zurück die übersinnliche Natur des Menschen in diejenige Region, in der der Mensch ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber es ist dann immer, wenn der Mensch verharrt in dieser Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, sein Bewußtsein dumpf. Er lebt gewissermaßen nicht voll bewußt in diesem Zustande. Aber in diesen Zustand des nicht voll bewußten Lebens in seinem Ich, in diesen Zustand ist der Mensch eben gekommen beim Heruntersteigen in einen physischen Organismus. Und dieses Dumpfwerden des Bewußtseins, dieses innerlich Finsterwerden des Bewußtseins, das entspricht für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dem Sich-Annähern dem Tode im physischen Leben. Der Mensch stirbt gewissermaßen für das übersinnliche Leben, wenn er gegen die Geburt hin sich bewegt, und er übergibt dann dem menschlichen Leben auch eine Art Leichnam. Wie der physische Mensch, wenn er stirbt, der Erde eine Art Leichnam übergibt, so übergibt der Mensch auch eine Art Leichnam diesem menschlichen Leben hier auf der Erde, wenn er geboren wird. Und dieses Geschöpf, das wir dann in uns tragen, das gewissermaßen für das überirdische Leben tot ist, das ist eigentlich unser gewöhnliches Vorstellungsleben, das Vorstellungsleben, das sich nicht befruchten läßt von der übersinnlichen Welt, von Imagination, von Inspiration, von Intuition.

[ 4 ] So können wir sagen: In unserem Denken tragen wir eigentlich mit uns herum den Leichnam, den wir mitgenommen haben aus der übersinnlichen Welt. Deshalb ist dieses Denken so sehr bloß geeignet, die tote Welt zu begreifen, weil es eigentlich der Leichnam unserer übersinnlichen Wesenheit ist. Daran müssen wir festhalten, daß wir allerdings in diesem Denken haben das einzige bewußte Überbleibsel der übersinnlichen Welt, daß es aber ein totes Geschöpf ist, so wie es in uns als Denken lebt. Wir tragen in der Tat die tote übersinnliche Welt mit dem Denken in uns herum.

[ 5 ] Nun würde in jedem physischen Menschenleben hier auf der Erde dieses tote Denken nicht nur zum physischen Tod führen, sondern auch zum Seelentod, wenn nicht während des Lebens dieses tote Geschöpf wiederum belebt würde. Ja, es wird wieder belebt! Und es wird dadurch belebt, daß in unserem seelischen Leben sich neben dem Denken, gewissermaßen dem Denken entgegengesetzt, der Wille regt. Der Wille ist dasjenige, was auftaucht aus unserer ganzen Organisation, aus unserer Erdenorganisation, um zu beleben unser totes Denken. Und unser Erdenleben ist im Grunde genommen die durch unseren Lebenslauf dauernde Verbindung zwischen dem toten Denken und dem in jedem Erdenleben während der Inkarnation in uns neu geborenen Willen. Dieser Wille wird immer neu geboren. Er läßt dann seine Reste zurück, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Und wenn er erschöpft ist von der übersinnlichen Welt, dann wird wiederum das Denken tot, dann muß es wiederum heruntergehen in die physischsinnliche Welt. Sie sehen, wie wir Menschen in der Tat ein zweiteiliges Geschöpf in dieser Beziehung sind, wie wir in uns tragen die Überreste des vorgeburtlichen Lebens und wie wir, durch unsere Organisation bedingt, das junge Willensleben haben, das sich verbinden muß mit dem altgewordenen Denkleben, und das wir dann hindurchtragen durch die Pforte des Todes.

[ 6 ] Ganz angemessen dieser seelischen Einrichtung der Menschenwelt ist dann der physische Ausdruck der menschlichen Organisation, auf der einen Seite die Kopforganisation, die deutlich zeigt für jeden, der sie unbefangen studieren will, wie sie eine Art Endorganisation ist, wie sie das vollkommenste, aber auch zu Ende gehende Produkt des Menschheitswerdens ist. In der Kopforganisation haben wir die fortwährend mit dem Tode ringende menschliche Organisation, die ganz angepaßt ist dem toten Denken. Dagegen in der Organisation unseres übrigen menschlichen Organismus haben wir dasjenige, was der Organisation des immer jung geborenen Willens angepaßt ist. Daher weist uns alles dasjenige, was mit unserer Kopforganisation verbunden ist, auf die Vergangenheit zurück; alles dasjenige, was mit unserer übrigen Organisation verbunden ist, weist uns auf die Zukunft, weist uns auf die Zukunft in physischer Beziehung, weist uns auch auf die Zukunft in physisch-spiritueller Beziehung. Unser Kopf ist die Metamorphose unseres übrigen Organismus aus der vorhergehenden Inkarnation, natürlich den Kräften nach, nicht den physischen Substanzen nach. Und unser übriger Organismus bildet sich um in Metamorphose zu dem Kopf der nächsten Inkarnation. Das ist etwas, was wir ja auch hier schon des öfteren ausgeführt haben.

[ 7 ] Dadurch stehen wir als Mensch eigentlich immer gegenüber auf der einen Seite dem, was mehr vom Vorstellungsleben durchdrungen ist und was mehr auf den Tod hin organisiert ist. Aus dem entspringt dann alles das, was uns drängt, Erkenntnisse zu entwickeln. Gerade je vollkommener der Mensch in der Erdenentwickelung wird, desto toter wird gewissermaßen sein Denken, desto toter wird seine Kopforganisation. Er wird immer mehr und mehr mit dieser Organisation hinschauen auf die Welt, die sich um ihn herum ausbreitet, wird versuchen, diese Welt zu verstehen, aber er wird immerhin auch, wenn er nicht verlieren will das Bewußtsein seiner menschlichen Würde, auf das Innere schauen müssen, auf dasjenige, was als jung geborener Wille aufsteigt und was ihm vorhält die sittlichen Ideale, was ihm vorhält überhaupt die Ideale seines Handelns, seines Tuns. Aber dadurch, daß der Mensch in der angedeuteten Richtung zweigeteilt ist, dadurch erscheint ihm der Zwiespalt zwischen der Welt der Naturnotwendigkeit, die er mit seiner Erkenntnis zu umspannen versucht, und der Welt der Sittlichkeit, die sich dann zum Religiösen erhebt und welche keine Anhaltspunkte findet, sich mit der Welt, mit dem Weltbilde zu vereinigen, das aus der Naturerkenntnis stammt. Dieser Zwiespalt ist ja in unserem Zeitalter aufs höchste getrieben. Denken Sie nur, wie die Menschen nach der Naturerkenntnis heute darüber nachdenken, wie die Erde sich gebildet hat aus dem Urnebel heraus, rein durch Naturkausalität, wie im Verlaufe dieser Erdenentwickelung auch der Mensch entstanden ist, und wie dies dann Millionen Jahre noch dauern werde. Da ist der Mensch eingesponnen seiner physischen Organisation nach in diese Naturkausalität. Es entspringen aus ihm seine sittlichen Ideale. Er möchte aus diesen sittlichen Idealen heraus eine Welt begründen. Allein, was bleibt ihm denn übrig, zu denken über diese sittliche Welt, wenn er hinschauen muß auf das Ende der Erdenentwickelung, die wie eine Schlacke in die Sonne zurückfallen wird mit alledem, was auf ihr ist? Er muß sich fragen: Wie steht es denn eigentlich mit alledem, was man als sittliche Ideale sich vorsetzt, wenn diese sittliche Welt keinen Halt hat in der Naturnotwendigkeit, wenn sie gewissermaßen nur der Rauch ist, der aufsteigt aus den Prozessen, die sich aus der Naturnotwendigkeit heraus ergeben?

[ 8 ] Auf denjenigen Menschen, welche sich überhaupt unbefangene und verinnerlichte Vorstellungen über die Welt machen, lastet dieser Zwiespalt heute sehr schwer. Nur ein gewisser Lebensleichtsinn läßt die Menschen hinwegschauen über diesen Lebenszwiespalt. Über diesen Lebenszwiespalt führt aber nichts anderes hinweg als wirkliche Geisteswissenschaft. Es zeigt ja gerade die Naturwissenschaft, welcher die Menschen sich heute als einer Autorität ganz besonders hingeben, wenn von Erkenntnis die Rede sein soll, daß ausgerechnet werden kann dasjenige, was Erdenanfang, Erdenende ist: Ein wesenloser Weltennebel der Anfang, trostlos das Erdenende, und eine Episode dazwischen: die in moralischen, ethischen, sittlichen Illusionen lebenden Menschen. Das muß aber während unserer Erdeninkarnation so sein. Die sittlichen Gesetze sind zunächst, wie wir sie darleben in unserer Erdenmenschheit, keine solchen Gesetze wie die Naturgesetze. Wären sie solche Gesetze, so würden wir in uns nicht einorganisieren können die Freiheit. Wenn die Freiheit getrieben würde, wie irgendein Naturvorgang getrieben wird, so würden Sie keine Freiheit in sich entwickeln können. Gerade der Umstand, daß die Erdenorganisation dazu berufen ist, in dem Menschen die Freiheit einzuorganisieren, der machte es notwendig, daß innerhalb der Erdenentwickelung eine Zeitlang es so ist, daß der Mensch, durch seine eigene innere Wesenheit veranlaßt, hinschauen muß auf die ihn umgebende Welt der Naturnotwendigkeit und in sich nur aufgehen lassen kann die sittlichen Ideale, die dann keine solche Gesetze sind, daß die Natur auch sie ausführen würde. Was wir in unserem Naturweltbilde haben, das übernimmt keine Garantie, daß dasjenige auch ausgeführt werde, was wir in unseren sittlichen Idealen als Menschheit und Welt überhaupt begründen wollen.

[ 9 ] Aber so, wie die Sachen jetzt stehen, so werden sie nicht immer stehen. Sie werden nicht immer stehen so, daß schroff einander gegenüberstehen die Welt der sittlichen Ideale und die Welt der Naturnotwendigkeit. Die Erde geht ja einem Ende zu, und vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte nimmt sich, wie ich auch schon hier öfters ausgeführt habe, dieses Ende anders aus als das Ende, welches die Naturerkenntnis errechnet. Dieses Erdenende tritt ja ein, wenn die Zeiträume sich abgespielt haben, die wir uns richtig vorstellen können dadurch, daß wir zum Beispiel hinschauen auf denjenigen Zeitraum, der unserem Zeitraum vorangegangen ist, der begonnen hat etwa 747 vor Christi Geburt, geendet hat etwa 1413 nach Christi Geburt. Jetzt leben wir also im Jahr 1920. Es wird ein Zeitraum eintreten, der wiederum so lange dauern wird, wie dieser Zeitraum; das ist der unsrige. Dann folgen auf diesen noch zwei, und wenn wir geisteswissenschaftlich diese Zeiträume überschauen bis zum nächsten Ende unserer Kulturperioden und dann uns vorstellen, daß sich noch etwas anknüpft, das wiederum mit größeren Perioden von der Länge der atlantischen Zeit zusammenhängt, so bekommen wir allerdings ein Erdenende heraus, das klein ist gegenüber den Millionen oder gar Milliarden von Jahren, welche errechnet werden durch richtige, aber unwirklichkeitsgemäße Rechnungen der Naturwissenschaft.

[ 10 ] Aber wenn die Erde ihrem Ende entgegengehen wird, dann wird das Verhältnis anders sein zwischen der Welt der sittlichen Ideale und zwischen der Welt, die ins heutige menschliche Erkenntnisbild eingeht. Es werden zusammenrücken die Moralgesetze und die physischen Gesetze. Jetzt leben wir in einem Zeitalter, wo die beiden getrennt sind. Der geisteswissenschaftliche Forscher kann heute schon wahrnehmen, wie sie zusammenrücken, wie dasjenige, was zum Beispiel erfahren wird in geistigen Welten, schon durchaus Wirkungen erzielt, die ebenso dauern, wie dauern die Naturwirkungen andererseits. Ein Zusammenschließen der geistigen Gesetze der Moral und der physischen Gesetze der Naturwirkungen, das nimmt der Geistesforscher wahr und er kann schauen, wie am Erdenende die ganze Entwickelung desjenigen, was durch dieses Erdenende durchgeht und zu einer nächsten planetarischen Verkörperung gehen wird, wie das einen Zusammenschluß erleben wird zwischen der Welt der sittlichen Ideale und der Welt der Naturgesetze. Die sittlichen Ideale werden so, wie die Naturgesetze heute sind, und die Naturgesetze werden so — indem sie sich nähern, die beiden —, wie die sittlichen Gesetze heute sind. Sittliche Welt und Naturgesetzlichkeit wird am Erdenende nicht eine Zweiheit sein, sondern wir gehen durch eine Periode durch, wo das eine Einheit sein wird. In dieser Einheit wird sich manches binden und manches lösen, was man heute für nichtgebunden oder nicht bindbar und nicht lösbar hält.

[ 11 ] Da stellen sich dem Geistesforscher ganz besondere Dinge vor Augen, und ich möchte heute nicht davor zurückschrecken, solche Dinge genauer gerade an diesem Orte schon in ihrer Bedeutung ein wenig zu entwickeln, wenn selbstverständlich auch der Widerspruch der Welt draußen, die nichts versteht und nichts verstehen will von dem, was hier getrieben wird, noch größer wird. Aber es nützt ja auch nichts, wenn man irgendwie abstumpft dasjenige, was auf dem anthroposophischen Boden gepflegt werden soll. Es muß schon dasjenige eben ausgekämpft werden, was sich dadurch herausbildet, daß gegen ein echtes Wahrheitsstreben so vieles in der gegenwärtigen Welt ankämpft. Dem Geistesforscher stellt sich auch vom Gesichtspunkte dieser Frage entgegen all dasjenige, was zum Beispiel geschehen ist an schrecklichen Dingen in den letzten fünf bis sechs Jahren. Wir haben wirklich Dinge erlebt, die in der ganzen Menschheitsentwickelung so noch nicht erlebt worden sind, vor allen Dingen so nicht erlebt worden sind, daß Naturerkenntnis benützt wurde, um so viel zu zerstören. Gewiß, es ist ja viel zerstört worden auch früher; aber das war alles eine Kleinigkeit, denn es waren nicht die Naturerkenntnisse da, um solche Zerstörungen hervorzurufen. Man denke nur, wie ungeheure Flächen der Erde durch Einbetonieren der Erde oder dergleichen einfach wegrasiert worden sind für lange, lange Zeiten. Man bedenke nur, was menschliche «Kunst» in diesen fünf bis sechs Jahren vermocht hat, um dasjenige, was die Natur hervorgebracht hat, ins Wesenlose hinein zu zerstören. Man braucht nur anzuschlagen diese Note und man weist auf Ungeheures hin, was aber auch dem Geistesforscher in einer bedeutungsvollen Weise, in einer tragisch-bedeutungsvollen Weise sich entgegenstellt. Was geht denn eigentlich in dem heutigen Materialisten vor, wenn er auf diese Dinge hinschaut? Er sieht das Erdenende dann, wenn die Entropie erfüllt ist, wenn alles umgewandelt ist durch den Wärmetod auf der Erde, wenn die Erde ihrem physischen Ende nahegekommen ist. Dann werden längst andere Menschen gelebt haben, die wiederum von anderen sittlichen Idealen geträumt haben. Aber wesenlos ist dasjenige, was einbetoniert worden ist zur Naturzerstörung, zur Zerstörung von menschlichem Schaffen und so weiter.

[ 12 ] Diese Erkenntnis des Materialisten kann der Geistesforscher nicht mitmachen, denn ihm stellt sich etwas anderes dar. Ihm stellt sich vor Augen der Zeitpunkt des Erdenendes, wo Naturgesetze und Moralgesetze eine Einheit bilden, wo dasjenige, was der Mensch sittlich vollbracht hat, oder, sagen wir in diesem Falle besser, unsittlich vollbracht hat, wo das als Naturgesetzlichkeit weiterwirken wird, so daß einmal am Erdenende ein Zeitpunkt kommt, wo das Erdenende da ist, wo die Erde durchgeht durch andere Bildungsstufen, wo aber Naturgesetze und sittliche Gesetze eins sind. Und dann geht es hinüber zur nächsten planetarischen Verkörperung, die ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» die Jupiterverkörperung genannt habe.

[ 13 ] Da wird es wiederum Perioden geben der Entwickelung; aber da wird ja nicht mehr das Mineralreich sein, da wird an der Stelle des Mineralreiches etwas anderes sein. Wir Menschen werden in uns nicht tragen die Einschlüsse des Mineralreiches, sondern als Unterstes die Einschlüsse des pflanzlichen Reiches, und es wird hinüberwirken dasjenige, was an Moralischem oder Unmoralischem geschehen ist, was aufgenommen worden ist von dem Naturwirken. Und so, wie in unserem fünften irdischen Zeitraum, im fünften Erdenzeitraume das geschehen ist, was wir als Schrecknisse über die Erde hin haben wehen sehen, so wird, nachdem diese Schrecknisse, das heißt die Impulse dazu, aufgenommen sein werden von jenem Prozesse, der auf dem Jupiter sein wird ein Natur-Moralprozeß, ein Moral-Naturprozeß, so wird dasjenige, was sich da entwickelt hat in diesem fünften Zeitraume, im dritten Zeitraume wiederkehren auf dem Jupiter auf einer anderen Stufe.

[ 14 ] Entgegentreten wird der Menschheit dieser Zukunft aus der Naturkonfiguration der nächsten, der Jupiterperiode der Erde, dasjenige, was dann Naturprozesse sein werden. Sie werden aber Naturprozesse sein. Entgegentreten wird ihr aus dem Pflanzenreiche, das dann das niederste ist, dasjenige, was wir nennen können Giftgewächse pflanzlicher Natur. Das ist gesät worden durch diese letzten fünf bis sechs Jahre, was ein Giftsumpfstoff ist, der aufsteigen wird, der hineinwachsen wird in die Periode des Jupiter, der aus diesem Erdendasein entstehen wird. Es ist nicht so, daß das Moralische oder das Unmoralische vergehen; es bildet sich eine Einheitswirksamkeit zwischen dem Moralischen und zwischen dem Naturgesetzlichen, und es wird hinübergetragen dasjenige, was an moralischen oder unmoralischen Impulsen auch in der Gesamtmenschheit gewirkt hat. Ich möchte sagen, die Menschheit hat jetzt die Wahl, gedankenlos zu bleiben über die großen Zusammenhänge, in die sie als Menschheit doch eigentlich eingespannt ist, hinzuleben im irdischen Menschendasein wie das blöde Vieh und zu denken: Da sind die Naturgesetze, nach denen wir ausrechnen, daß ein Kant-Laplacesches Weltbild dem Erdenanfange und ein durch eine Entropie hervorgerufener Wärmetod-ähnlicher Zustand dem Erdenende entspricht, daß wir im Grunde tun können, was wir mögen, ja daß wir Millionen hinmorden können: wenn der Wärmetod eingetreten ist, dann sind sie eben mit hingemordet, und die Impulse, aus denen heraus sie hingemordet worden sind, die haben ja keine Bedeutung hinweg über diesen Wärmetod. Der Mensch muß, aus dem Materialismus der Gegenwart heraus, solches glauben; aber er lebt dann dahin wie das blöde Vieh. Er lebt dann so dahin, daß er keine Gedanken sich macht über seinen Zusammenhang mit dem ganzen kosmischen Dasein. Das ist heute die Gefahr, daß der Mensch die Möglichkeit verliert, sich Gedanken zu machen über seinen Zusammenhang mit dem kosmischen Dasein. Dann kommen wahnsinnige Vorstellungen heraus wie die Kant-Laplacesche Theorie oder diejenige vom Wärmetod der Erde; während in der Tat die Erde eine Organisation ist, die ihren Anfang genommen hat in einem Zeitalter, wo Moralisches und Naturgesetzliches eine Einheit waren, eine Organisation, die ihr Ende finden wird in einem Zeitraum, wo wiederum Moralisches und Naturgesetzliches eine Einheit sein werden. Erweitert man nicht den Blick über dasjenige, was die unmittelbare Gegenwart ist, zu dem, was nur Geisteswissenschaft lehren kann, so lebt man eben dahin wie das blöde Vieh. Einzig und allein dadurch, daß man sich den Blick schärfen läßt bis zu demjenigen Zustande unseres Erdendaseins, wo Geist Materie und Materie Geist wird, so daß sie eine Einheit bilden, einzig dadurch kommt man zum Bewußtsein der Menschenwürde, das heißt, zum Bewußtsein des Zusammenhanges des Menschen mit den ganzen kosmischen Kräften, die weder einseitig Moral noch einseitig naturgesetzlich sind, sondern so sind, daß die Moral selber eine Naturordnung bildet, und die Naturordnung selber mit Moral sich durchdringt.

[ 15 ] Das sind auch die moralischen Gründe, warum es notwendig ist, daß in der Gegenwart der Mensch den Horizont seines Erkennens erweitere. Erweitert er ihn nicht, so engt er sich ein auf ein Weltverständnis, das sich nur erschöpfen will in demjenigen, was über den Dualismus zwischen moralischem Weltbild und naturgesetzlichem Weltbild nicht hinauskommen kann. Damit aber verengt sich der Mensch sein Weltbild so, daß er unmöglich dahinkommen kann, sich selber in seiner ganzen Wesenheit wirklich zu durchschauen.

[ 16 ] Sie sehen daraus, daß wirklich nicht eine Erkenntnisneugierde vorliegt, die befriedigt werden soll durch dasjenige, was in der Geisteswissenschaft getrieben wird, sondern daß vorliegt eine moralische Notwendigkeit für die Verbreitung der Geisteswissenschaft. Denn, was bisher die Menschen geleitet hat bis zu ihrem gegenwärtigen Zustande, das hat ja gerade hervorgebracht, daß der Mensch heute nicht begreifen kann, wie moralische Weltordnung und physische Weltordnung ineinanderhängen; sie können sich heute nicht durchdringen, weil der Mensch ein freies Wesen werden soll. Aber der Mensch muß auf die Knotenpunkte der Welt so hinblicken, daß in ihnen Naturordnung und moralische Ordnung eins sind. Es ist im Grunde genommen etwas Furchtbares, wenn heute ausgerechnet wird, wie von rein physischen Zuständen unsere Erde ihren Anfang genommen hätte, wie sie in rein physische Zustände wiederum ausmünden würde. Man soll ja nicht glauben, daß die überlieferten Bekenntnisse in der Form, wie sie sind, den Menschen retten vor diesem Verfall, wie er gerade in den Worten, die ich heute gebraucht habe, angedeutet ist. Diese überlieferten Bekenntnisse sind es, welche gerade das Geistige immer abstrakter und abstrakter gemacht haben und welche den Dualismus hervorgerufen haben, welche es dahin gebracht haben, daß der Mensch kaum das Bedürfnis empfindet, das Band zu suchen zwischen Naturordnung und moralischer Ordnung. Sucht er es heute, sucht er es aus ehrlichstem Herzen heraus, dann kann er es nur finden bei der Geisteswissenschaft, die ihn auf Erdenende und Erdenanfang hinweist als auf solche Knoten der Weltentwickelung, wo das Moralische natürlich und das Natürliche moralisch wird.

[ 17 ] Dann aber, dann durchsetzt sich in der Tat wiederum all dasjenige, was uns umgibt und in das wir eingespannt sind, für uns mit moralischer Verantwortlichkeit. Wir Menschen machen ja gewissermaßen durch, indem wir im Erdendasein aufeinanderfolgende Verkörperungen des Lebens haben, das Bild der ganzen Erdenorganisation. Wir leben die aufeinanderfolgenden Erdenleben, indem wir immer für dasjenige, worinnen wir in Einseitigkeit verfallen zwischen der Geburt und dem Tode, den Ausgleich suchen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir pendeln hin und her zwischen sinnlichem und übersinnlichem Leben und suchen nach dem Gleichgewichte und werden am Ende des Erdendaseins durch eine Welt hindurchgehen, welche auf der einen Seite sehr ähnlich ist der übersinnlichen Welt, aber wo dieses Übersinnliche alles zu gleicher Zeit diejenige übersinnliche Form annehmen wird, zu der wir uns eben dann hinentwickelt haben werden.

[ 18 ] Unser Denken ist in der Weltordnung älter als unser gegenwärtiges sinnliches Anschauen. Das widerspricht nicht dem Umstande, daß unsere Sinnesorgane in der ersten für uns verfolgbaren Erdenverkörperung veranlagt worden sind. Aber dieses sinnliche Anschauen, wie wir es jetzt haben, das hat sich erst während der Erdenzeit entwickelt, während das Denken, das sehr zurückgeschoben ist in unsere Organisation, schon während der alten Mondenzeit, wenn auch in Bildern, aber eben doch da war. Die sinnlich-physische Organisation ist bis zu den Organen, die so das Sinnliche wahrnehmen, namentlich wie unsere heutigen ausgebildeten Sinne das wahrnehmen, erst während unseres Erdendaseins gekommen. Und dasjenige, was wir heute sinnlich wahrnehmen, ist das so vergänglich wie es scheint? — Ja, sehen Sie, der Mensch denkt so. Er sieht heute die grüne Pflanze an, er sieht heute die rote Rose an. Dasjenige, was sich da abspielt zwischen seinen Sinnesorganen und der äußeren Welt, das denkt er vorübergehend. Es ist nicht vorübergehend! Es hinterläßt eine Wirkung in der ganzen menschlichen Organisation. Es ist nicht gleichgültig, worauf Sie Ihre Sinne gerichtet haben. Das steckt alles in Ihrer menschlichen Organisation drinnen, und der ganze Umfang Ihrer Sinnesanschauung wird in den Abdrücken des Ätherleibes geschaut beim Durchgang durch den Erdentod und im astralen Abdruck hinübergenommen in die übersinnliche Welt. Und dasjenige, was so immer hier auf der Erde von uns durch den Tod getragen wird, das sammelt sich an und das tragen wir durch diesen Zustand des Erdenendes dann weiter hinüber. Gewiß, von unserem Fleisch tragen wir nichts hinüber in die Jupiterperiode; aber von dem, was die Wirkungen dieser Wahrnehmungen sind, tragen wir sehr viel hinüber. Es bereitet sich das schon vor in jenem farbigen Bilderdasein, das wir haben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das aber eine wesentliche Verdichtung erfahren wird, wenn wir durchleben den Zustand zwischen der Erde und dem Jupiter, der ein moralisch-physischer und ein physisch-moralischer Zustand sein wird; durch den werden wir hindurchtragen können dasjenige, was sich uns einorganisieren wird dadurch, daß wir mit unseren höheren Sinnen wahrnehmen. Das, was da in uns einorganisiert wird, das ist fähig, durch eine solche Welt durchzugehen, die moralisch-physisch und physisch-moralisch ist, wo Naturgesetze Idealgesetze und Idealgesetze Naturgesetze sein werden.

[ 19 ] Wenn wir heute hinausschauen — ich weiß, daß ich selbstverständlich nur vergleichsweise spreche und daß meinetwillen jeder scheinbar geschulte Physiker korrigieren kann die Ausdrucksweise, die ich anwende, aber darauf kommt es hier nicht an —, wenn wir heute den Regenbogen ansehen, indem er ein großes Spektrum vor uns ausbreitet, so entsteht da gleichsam die im Raum schwebende Farbe abgesondert vor uns. So etwas Ähnliches bildet sich auch, wenn wir keinen Regenbogen sehen, sondern wenn wir nur sonst auf irgend etwas, das in uns die Empfindung der Farbe hervorruft, hinsehen; aber etwas Ähnliches, wie sich da draußen objektiv bildet, wenn der Regenbogen uns erscheint, etwas Ähnliches geht in uns vor mit unserem Ätherleib und bereitet vor jenen zunächst jetzt farbigen, aber dann verdichteten Leib, der durch die moralische Physis, durch das Physisch-Moralische gehen wird bei dem Übergang zwischen der Erde und dem Jupiter. Sehen Sie, da ist es also, an diesem Punkte der Geisteswissenschaft, wo sich der Mensch heute erringen kann ein inneres Bewußtsein von der Einheit der moralischen Welt und physischen Welt, während sonst moralische Welt und physische Welt für das heutige materialistische Bewußtsein auseinanderfallen. Moralisch notwendig ist die Verbreitung der Geisteswissenschaft. Denn dasjenige, was menschliche Moral ist, verdunstet und verduftet ja geradezu, wenn das physische Weltbild allein siegen sollte. Wenn man das durchschaut, dann ist es allerdings bittere Gefühle erweckend, gegen deren Ursache aber mit aller Schärfe angekämpft werden muß, wenn man sieht, wie heute von Leuten, die vorgeblich das Geistesleben der Menschheit pflegen wollen, angekämpft wird gegen diese notwendige, auch moralisch notwendige Pflege des Geisteslebens.

[ 20 ] Immer neue Proben dieses «sauberen» Kampfes treten auf. Eine besonders niedliche ist ja wiederum letzthin aufgetreten. Sie knüpft an — ich weiß nicht, von welcher Seite die Dinge immer vertratscht werden —, sie knüpft an an dasjenige, was hier von Dr. Boos vorgebracht worden war über ein Vertrauenszettel-Sammeln. Über diese Sache zu sprechen, ist ja nicht meine Angelegenheit; aber ein angeblich gut christliches Blatt der hiesigen Umgebung findet es nötig, besonders zu betonen, daß diese ganze Geschichte wiederum eine furchtbare Gefahr für das schweizerische Volkstum ist. Ich möchte doch wissen, ob derjenige wirklich das schweizerische Volkstum für besonders stark hält, der da glaubt, daß es erschüttert wird, wenn Anthroposophie getrieben wird? Aber sehen Sie, das schweizerische Volkstum soll in Gefahr sein, und das wird mit so schönen Worten geschrieben: «Wie man sieht, steht die Anthroposophen-Sache auf wackligen Füßen. Ein Geheimzirkular, dem wir allerdings die Maske abgerissen haben, soll dem Werke Dr. Steiners die Bahn freimachen, soll ihm die Behörden des ganzen Schweizerlandes günstig stimmen, ja, soll bewirken, daß die Einwanderung fremder Elemente nicht gehindert werde. Was kümmert die Gesellschaft unsere entsetzliche Wohnungsnot, was der unheilvolle Einfluß dieser fremdländischen Rasse auf unser edles Schweizertum. Man wendet sich an das Schweizervolk um Mithilfe, das Schweizertum zu vernichten.»

[ 21 ] Nun, da wird darauf hingewiesen, daß es schlimm ist, daß außerschweizerische Impulse hier spielen sollen. Aber jetzt folgt ein Satz, der niedlich sich zu dem ganzen hinzustellt, der die Frage auf die Lippen drängt: Woher wird denn das Recht genommen zu dieser Anklage von angeblich fremden Impulsen? Es steht da: «Für uns Katholiken ist der Standpunkt klar. Wir haben Meldung von Rom, daß kein Katholik sei’s direkt oder indirekt, dieser neuen Sekte Mithilfe leisten darf. Wir hielten es darum als unsere heilige Pflicht, weite Kreise auf die neue Bauernfängerei aufmerksam zu machen.»

[ 22 ] Diese Leute, die also das Schweizervolk retten wollen von fremden Einflüssen, bekommen ihre Einflüsse, auf die sie mit der ganzen festen Faust hindeuten, also nicht von Bern oder von Zürich vom Schweizervolk, sondern von Rom! Sonderbare Logik? Sehen Sie, das ist die Logik von heute. So wird gedacht — aber ohne daß man es merkt. Und man merkt das nicht, weil unsere Bildung, die von unseren Bildungsstätten ausgeht, solches Denken gestattet. Diejenigen Leute, die das niederschreiben, die wissen, was sie damit wollen, und die können daher solches Zeug hinschreiben. Aber zahlreiche andere, schlafende Seelen, die müssen erst mit harten Worten darauf aufmerksam gemacht werden, daß solche Torheiten einfach heute als Logik hingenommen werden und sie werden als Torheiten nicht bemerkt. Es sind die Wahrzeichen für das Schläfrige der Seelen heute. Deshalb ist es so notwendig, daß man immer wiederum mit harten Worten darauf hindeutet, daß die Seelen wach werden sollen, daß sie hinschauen sollen auf dasjenige, was in unserem versumpften Denken lebt, welche Dinge man heute sagen darf, ohne daß die schläfrigen Seelen merken, daß es auch vor der Logik ein gewöhnlicher Nonsens ist.

[ 23 ] Das zeigt uns auch von anderer Seite die moralische Notwendigkeit, die uns anspornen sollte, der Geisteswissenschaft eine wirkliche Stütze zu sein, nicht weiterhin zu schlafen, sondern aufzuwachen und der Geisteswissenschaft eine wirkliche Stütze zu sein. Sie finden die Logik, auf deren Nichtbemerken man hier rechnet, heute überall in wissenschaftlichen Büchern geübt. Gehen Sie die Hypothesen durch, gehen Sie all das Zeug durch, was heute für die gläubigen Anhänger die KantLaplacesche Wahnsinnstheorie bildet, dann finden Sie in alledem die Ursache, daß man der Menschheit noch heute solche Dinge vormachen darf. Suchen Sie in den angeblich exakten naturwissenschaftlichen Hypothesen und Theorien, die hier in den letzten Tagen charakterisiert worden sind, suchen Sie darinnen die Ursache, warum man heute der Menschheit so viel vormachen darf. Man zwingt die Menschen, die Jugend hinzuschicken in diese Hochschulen, in denen ihnen Experimentiererkenntnisse zwar beigebracht werden, aber ihr Denken, ihr ganzes Seelenleben in Grund und Boden hinein «verunlogiziert» wird. Und man will nicht hinschauen auf die Notwendigkeit, daß ja allerdings das Geistesleben sich auf sich selbst stellen muß im dreigliedrigen sozialen Organismus. Man will nicht hinschauen auf die Beweise, die man überall mit Händen greifen kann. Man muß sagen: Lange Zeit wird nicht sein, denn die Mächte, die alle Mittel anwenden, um auf die Unlogik der Menschen zu rechnen, sie haben heute einen guten Boden. Und wenn diejenigen, die ein wenig einsehen, was sein muß, weiter schlafen, dann wird es schon dahin kommen, daß vorläufig wenigstens für die europäische Kultur das Grab gegraben wird, und dann von ganz anderen Seiten her eine Erlösung kommen muß.

[ 24 ] Ich habe hier öfters von der Verantwortung gesprochen, die für die verschiedenen Teile der europäischen Menschheit besteht. Dieser Verantwortung sollte man sich bewußt werden. Diese Verantwortung ist eine große. Und es ist eben damit nicht getan, daß man allerlei kleine Mittelchen aussinnt und mit denen auch glaubt, seinen Weg zu machen. Man muß heute Herz und Sinn dafür haben, daß unser ganzes Geistesleben einer Neuerung bedarf und daß gerade dieses Geistesleben so nicht fortbestehen kann, wie es sich bis in unsere Zeiten hinein entwickelt hat.