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Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos
Der Mensch — eine Hieroglyphe des Weltenalls
GA 201

18 April 1920, Dornach

Sechster Vortrag

[ 1 ] Wir haben gesehen, wie ein Einklang gesucht werden muß zwischen dem, was im und mit dem Menschen vorgeht, und demjenigen, was im außermenschlichen Weltenall vor sich geht. Wir wollen uns noch einmal kurz vorführen, in was gestern unsere Betrachtung gegipfelt hat. Wir haben gesagt, der Mensch müsse zunächst nach vier Gesichtspunkten betrachtet werden. Erstens nach dem Gesichtspunkt der Gestaltungskräfte, die in ihm wirken, demjenigen also, was ihn zu seiner eigentlichen Menschenform bildet. Dann haben wir als zweites ins Auge gefaßt alles das, was entspricht der inneren Säftebewegung, denjenigen Bewegungen, von denen eine der Blutkreislauf ist, die Lymphbewegung und so weiter; also die inneren Bewegungskräfte. Sie wissen, daß die Gestaltungskräfte etwas sind, was gewissermaßen beim ausgewachsenen Menschen zur Ruhe gekommen ist, was eine feste Form angenommen hat. Die Bewegungskräfte sind in einem fortwährenden Fluß, in einer fortwährenden Strömung. Als drittes haben wit die Organkräfte anzusehen, und als viertes den eigentlichen Stoffwechsel.

1. Gestaltungskräfte
2. Innere Bewegungskräfte
3. Organkräfte
4. Stoffwechsel

[ 2 ] Nun handelt es sich darum, daß wir zunächst einmal alles das ins Auge fassen, was mit den Gestaltungskräften etwas zu tun hat. Es müssen das diejenigen Kräfte sein, welche beim Menschen bis in die äußerste Peripherie, bis in die Grenzen seines Umfanges hinein wirken. So daß wir sagen können: Bilden wir gewissermaßen von allen Seiten die Silhouette des Menschen, so würden wir die äußersten Enden der Wirksamkeit dieser Kräfte erfassen, die aus dem ganzen Innern des Menschen heraus ihn wirksam aufbauen. Nun ist leicht einzusehen, daß diese Kräfte, die den Menschen gestalten, etwas zu tun haben müssen mit anderen Kräften, die auch durchaus an der Peripherie des Menschen sich hinziehen, die an der Peripherie des Menschen zu suchen sind. Und das sind diejenigen Kräfte, die in den Sinnen wirken. Die Sinne des Menschen liegen ja an seiner Peripherie. Sie sind nur gewissermaßen differenziert über seine Peripherie hin. Aber wo Sie auch versuchen, das, was in den Sinnen wirkt, zu fassen, Sie müssen es an der menschlichen Peripherie aufsuchen. So daß wir also sagen können, diese Gestaltungskräfte müssen etwas zu tun haben mit den Sinneswirkungen, insofern die Sinne wahrnehmen. Vielleicht werden wir uns besser verstehen, wenn wir uns erinnern an das Wort, auf das Goethe, wie er sagt, als von einem alten Mystiker herkommend, aufmerksam macht:

Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt’ es nie erblicken!

[ 3 ] Nicht wahr, diejenige Lichtwirkung, die immer um uns herum liegt, die kann nicht eigentlich gemeint sein, wenn man davon spricht, daß das Auge sonnenhaft, lichthaft sei; denn diese Lichtwirkung wird ja dem Auge erst wahrnehmbar, wenn das Auge fertig ist. Diese Lichtwirkung, die dem Auge erst wahrnehmbar wird, wenn das Auge fertig ist, die kann nicht, so wie es jetzt ist, unmittelbar gemeint sein, wenn man davon spricht, daß das Auge dadurch aufgebaut worden ist. Wir müssen uns die Lichtwirkung wesentlich anders denken, wenn wir an den Aufbau des Auges denken. Allerdings, man bekommt eine gewisse Vorstellung von dem, was da zugrunde liegt, wenn man den Menschen verfolgt in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denn in dieser Zeit besteht dasjenige, was der Mensch erlebt, zum Teile — zum Teile natürlich nur — darin, daß er wahrnimmt, wie allmählich die Kräfte in ihren Formungen von den früheren Leben umgeformt werden zu dem neuen Leben, wie der Gliedmaßenleib umgeformt wird in die Kopfesform. Das sind Erlebnisse, die ebenso reich sind wie die Erlebnisse, die wir hier haben, wenn wir zum Beispiel erleben das Hervorsprossen der Pflanzen im Frühling, das Hinsterben der Pflanzen im Herbste und so weiter.

[ 4 ] Dasjenige, was im Menschen sich aufbaut zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das ist eine reiche Summe von Geschehnissen, das ist nicht etwas, was sich so einfach erfaßt wie der abstrakte Gedanke davon. Das ist eine reiche Summe von Tatsachen. Und alles das, was da geschieht in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, um die Formkräfte des Gliedmaßenleibes umzuwandeln in die Formkräfte des Kopfes für die nächste Inkarnation, und was der Mensch da miterlebt, das ist etwas außerordentlich Vielfältiges. Da erlebt der Mensch etwas Ähnliches wie die Bildung des Auges. Aber er erlebt es eigentlich nicht so, wie er es erlebt hat in der langen Entwickelungsperiode, die er selbst durchgemacht hat in denjenigen Entwickelungsstadien, die unserer Erde vorangegangen sind, in der Mond-, der Sonnenperiode und so weiter. Da wirkten die Kräfte des Sternenhimmels anders auf den Menschen. Dieser Sternenhimmel war ja auch anders gestaltet. Sie wirkten anders auf den Menschen, als sie jetzt wirken; und es ist eigentlich wichtig, sich eine Vorstellung von diesen Dingen zu machen.

[ 5 ] Wenn wir unsere heutigen Wahrnehmungen betrachten, was sind sie denn eigentlich? Unsere heutigen Wahrnehmungen sind eigentlich Bilder, die uns umgeben. Hinter diesen Bildern liegt ja natürlich die eigentliche Welt. Die Welt aber, die heute hinter den Bildern liegt, das war die Welt, die uns eigentlich aufgebaut hat, bevor wir zu der Anschauung der Bilder gekommen sind. Wir können heute mit unseren Augen die Bilder der uns umgebenden Welt wahrnehmen. Hinter diesen Weltbildern liegt dasjenige, was uns unsere Augen aufgebaut hat. Und insofern kann man sagen: Wäre nicht durch die Kräfte, die hinter dem Sonnenbilde liegen, das Auge aufgebaut, so könnte das Auge nicht eine Wahrnehmung dieses Sonnenbildes haben.

[ 6 ] Also insofern muß doch dieser Ausspruch etwas modifiziert werden, denn das heutige Lichtwahrnehmen gibt Bilder, und das, was die Organe zuerst aufgebaut hat bis an die Peripherie des Menschen hin, das sind nicht die Bilder, sondern das sind die Wirklichkeiten, so daß also, indem wir uns in der Welt umschauen, wir dasjenige erblicken, was uns aufgebaut hat, also unsere Gestaltungskräfte. Aber die sind in uns hineingezogen; was gewirkt hat außer uns bis zu dem Erdenlauf, das wirkt nunmehr in uns. Das wollen wir festhalten für die kommenden Betrachtungen.

[ 7 ] Und jetzt wollen wir einmal das erste und das vierte hier (Schema S. 86) verbinden. Wir wollen einen Blick werfen auf den Stoffwechsel. Dieser Stoffwechsel, er ist ja auch für den Menschen schon in einer gewissen Weise unregelmäßig geworden; aber es gibt auch natürliche Ursachen, aus denen heraus der Mensch noch an einem regelmäßigen Gang dieses Stoffwechsels festhält. Sie wissen ja, daß der Mensch in einer gewissen Weise gestört wird, wenn er in bezug auf den Stoffwechsel nicht zu seinem rhythmischen Rechte kommt. Der Mensch kann davon abweichen; aber er versucht immer wiederum zu einem gewissen Rhythmus im Stoffwechsel zurückzukommen, und Sie wissen ja auch, daß das im Wesentlichen zur Gesundheit des Menschen gehört. Dieser Rhythmus im Stoffwechsel, der ist ein Rhythmus, welcher tatsächlich den Tag und die Nacht umfaßt. Innerhalb von 24 Stunden vollzieht sich der Rhythmus im Stoffwechsel. Sie brauchen nur daran zu denken, daß Sie eben, wenn Sie gefrühstückt haben, nach 24 Stunden wiederum Appetit haben zum Frühstücken und so weiter. Alles das, was da mit dem Stoffwechsel zusammenhängt, das hängt auch mit dem Tageslauf zusammen. Nun vergleichen Sie, wie fest Ihre Körperperipherie liegt, und wie Ihr Stoffwechselleben ein Bewegtes ist. Sie können sagen: Es gehen keine Veränderungen vor sich in Ihrer Körperperipherie, während sich Ihr Stoffwechsel in 24 Stunden immer wiederholt. Da geht viel innerhalb Ihres Organismus vor, aber Ihre Peripherie bleibt unverändert. Suchen Sie sich nun das äußere Gegenbild für diese innere Beweglichkeit des Stoffwechsels im Verhältnis zu dem festbleibenden Äußeren der Gestalt: sehen Sie, da finden wir das Entsprechende in dem äußeren Sternenhimmel, dessen einzelne Sternbilder sich zunächst so wenig verschieben, wie sich die Einzelheiten Ihrer Körperoberfläche verschieben. Sie finden, daß der Widder, das Sternbild des Widders, immer ebenso eine bestimmte Entfernung hat von dem Sternbild des Stieres, wie Ihre beiden Augen voneinander eine bestimmte Entfernung haben und sich nicht verschieben. Aber scheinbar verschiebt sich dieser Sternenhimmel, scheinbar kreist er um die Erde herum. Nun, über diesen Schein ist ja heute die Menschheit sich klar: es ist wirklich ein Schein. Die Menschheit schreibt der Erde eine Drehung um ihre Achse zu.

[ 8 ] Nun hat man verschiedene Beweise gesucht für diese Drehung der Erde um ihre Achse. Eigentlich erst seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat man ein Recht, wirklich von dieser Drehung zu sprechen, seitdem der sogenannte Foucaultsche Pendelversuch ja wirklich die Drehung der Erde um ihre Achse ergeben hat. Aber darauf will ich heute nicht eingehen. Diese Drehung ist gut begründet. Sie ist etwas, was sich in 24 Stunden wiederholt. Sie ist im Verhältnis zu dem festgestalteten, bleibenden Sternenhimmel dasjenige, was abbildet den täglichen Kreislauf des menschlichen Stoffwechsels im Verhältnis zu der festen äußeren Peripheriegestalt des Menschen. So daß Sie also, wenn Sie die Verhältnisse gut durchschauen, den striktesten Beweis für die Bewegung der Erde in den Vorgängen des menschlichen Stoffwechsels finden.

[ 9] Sehen Sie, es gibt in der neueren Zeit verschiedene sogenannte relativistische Theorien, die da sagen, man könne ja im Grunde genommen von einer absoluten Bewegung nicht sprechen; denn schaue ich bei einem Eisenbahnzug zum Fenster hinaus, so könnte ich zunächst glauben, daß sich draußen die Gegenstände bewegen, während sich der Zug mit mir weiterbewegt — aber man könne überhaupt nicht strikte beweisen, daß nicht eigentlich die Außenwelt sich in entgegengesetzter Richtung bewege. Nun, all dieses Reden ist im Grunde genommen nicht viel wert, denn wenn ein Mensch läuft, und dann ein anderer in der Entfernung steht, und er ihm näher kommt, so kann er sagen: Ja, gewiß, es ist schließlich relativ, ob ich sage, ich nähere mich dem Menschen, oder er nähert sich mir. — Für den Augenschein nimmt sich das gleich aus. Solche Erwägungen liegen ja im Grunde genommen auch den Einsteinschen Relativitätstheorien zugrunde.

[ 10 ] Aber man kann ja doch die Bewegung in einer gewissen Weise streng nachweisen. Nämlich derjenige Mensch, der in Ruhe bleibt, der wird nicht ermüdet; derjenige aber, der läuft, der wird ermüdet. Durch innere Vorgänge kann man die absolute Realität der Bewegung nämlich beweisen. Andere Beweise für die Absolutheit der Bewegung gibt es nicht als die inneren Vorgänge. Demnach muß man auch auf innere Vorgänge hinweisen können, wenn man von der Absolutheit einer Bewegung spricht. Und bei der Erde kann man von der Absolutheit der Bewegung sprechen, weil man nach und nach eigentlich durch Geisteswissenschaft einsieht, sie entspricht der inneren Bewegung des Stoffwechsels im Verhältnisse zur äußeren festen Gestaltung des Menschen. Daher sollten wir allerdings auch nicht so sehr davon sprechen, daß die Erde um ihre Achse kreist und dadurch die scheinbare Sonnenbewegung zustande kommt, sondern wir sollten diese Bewegung der Erde auf den ganzen Sternenhimmel beziehen, sollten eigentlich nicht so sehr von Sonnentagen, als von Sternentagen sprechen, die ja nicht zusammenfallen; der Sonnentag ist länger als der Sternentag. Es muß immer eine Korrektur angebracht werden in den Formeln, wenn man nach Sonnentagen zählt. Also davon kann man als von etwas aus der Natur des Menschen selbst Ableitbarem sprechen, daß die Erde um ihre Achse sich bewegt. Denn mit dieser Bewegung im Verhältnisse zu dem festgestalteten Sternenhimmel hängt die innere Bewegung des menschlichen Stoffwechsels zusammen. So daß wir also sagen können: das Verhältnis des Stoffwechsels im Menschen zu seiner Gestaltungskraft ist das Verhältnis der Erde zum Fixsternhimmel, den wir uns in der Regel durch den Tierkreis darstellen, der für uns der Repräsentant des Fixsternhimmels ist.

[ 11 ] Wenn wir also hinschauen auf den Tierkreis, so bildet er für uns den äußeren kosmischen Repräsentanten unserer äußeren Gestalt (siehe Schema S.86). Wenn wir hinschauen auf die Erde, so bildet sie den Repräsentanten unseres Stoffwechsels im Innern. Und das Bewegungsverhältnis zwischen beiden ist ein solches, daß eins dem andern entspricht.

[ 12 ] Nun, etwas schwieriger ist es, zwischen dem zweiten und dritten (siehe Schema) das entsprechende Verhältnis zu suchen. Aber wir können uns die Sache begreiflich machen. Wenn Sie dasjenige, was die Bewegungen, die inneren Bewegungen des menschlichen Organismus sind, ins Auge fassen, so werden Sie sich sagen: Da ist etwas im Menschen, was keineswegs so fest ist, wie seine äußere gestaltete Peripherie. Da ist etwas in Bewegung. Aber mit dieser Bewegung hängt etwas anderes zusammen. Mit dieser Bewegung, die das Blut, die auch das Nervenfluidum, die Lymphe und so weiter vollziehen wir brauchen diese Bewegungen im einzelnen nicht aufzuzählen, sie sind siebenerlei im Menschen —, mit dem, was da an Bewegung vollzogen wird, stehen ja die einzelnen Organe im Zusammenhang. Die Bewegungen haben in ihre Gefäßläufe eingeschaltet die einzelnen Organe, und wir müssen sehen in dem, was die einzelnen Organe tun, Ergebnisse der Bewegungen. Ich habe in der letzten Zeit oftmals aufmerksam gemacht, wie es sich eigentlich mit dem menschlichen Herzen verhält. Die materialistische Weltanschauung, sagte ich Ihnen, nimmt ja an, daß das menschliche Herz eine Art Pumpe sei, die das Blut pumpt in den ganzen Leib. Das ist nicht so, sondern das Blut ist etwas innerlich in sich selbst Bewegliches, hat seine Vitalität, und der Herzschlag ist nicht die Ursache des Blutlaufes, sondern im Gegenteil die Folge, die Wirkung des Blutlaufes. Und so ist es bei den andern Organen. Was die Organe als ihre Funktion ausüben, das ist eingeschaltet in die lebendigen Bewegungen.

[ 13 ] Suchen wir im Kosmos draußen ein Äquivalent dafür, dann werden wir ein solches Äquivalent finden, wenn wir hinschauen auf der einen Seite auf die Planetenbewegungen, namentlich wenn wir die Planetenbewegungen studieren einschließlich der Bewegungen des Mondes. Sie wissen ja, wie zusammenhängen mit dem Mondenlaufe — ich habe oftmals davon gesprochen — die Erscheinungen von Ebbe und Flut. Vieles andere hängt noch mit dem Mondenlauf zusammen. Würde man die Dinge, die überhaupt in unserer Erdenumgebung vor sich gehen, genauer studieren, dann würde man finden, daß nicht nur dadurch, daß die Sonne aufgeht, das Licht erscheint, sondern man würde auch finden, daß andere, sogar materiellere Wirkungen in unserer Erdenumgebung zusammenhängen mit dem Planetenlauf. Und wenn es einmal auf diesem Boden ein echtes wirkliches Studium gibt, dann wird man die Witterungserscheinungen mit den Bewegungen der Planeten in einem Einklange sehen. Man wird geradeso studieren die Wirkungen der Planeten auf die Luft, auf das Wasser, auf die Erde, wie man zu studieren hat im Inneren des Menschen die Wirkungen der Bewegungskräfte, die in der Blutzirkulation, in den anderen Zirkulationen sind, auf die Organe. Man wird eine gewisse Wechselwirkung zwischen den Elementen und zwischen den Bewegungen der Planeten konstatieren und ein entsprechendes Verhältnis zwischen den Organwirkungen und den inneren Bewegungskräften. So daß man in der Tat eine ähnliche Entsprechung wie zwischen Erde und Fixsternen haben wird zwischen den Elementen der Erde, des Wassers, der Luft, der Wärme und den Planeten, wobei wir allerdings zu den Planeten die Sonne eben dazurechnen.

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[ 14 ] Sie sehen, wir kommen da auf gewisse Beziehungen zwischen dem, was im Innern des menschlichen Organismus vorgeht und demjenigen, was äußerlich im Makrokosmos vorhanden ist. Nun brauchen Sie aber nur zu studieren, wie es sich verhält mit diesen Organkräften. Diese Organkräfte, wie werden sie denn aufgebaut im Menschen? Diese Organkräfte werden im Menschen so aufgebaut, daß wir ja ziemlich genau sehen können, wenn wir das menschliche Leben verfolgen, solange die Organe aufgebaut werden, daß der Aufbau der Organkräfte so mit dem Jahreswechsel zusammenhängt, wie der Stoffwechsel mit dem Tageslauf. Der Stoffwechsel hängt mit dem Tageslauf zusammen. Beachten Sie das Kind, von der Konzeption angefangen, bis es, wie man so schön sagt, das Licht der Welt erblickt; aber dann werden ja die Organe weiter ausgebaut, besonders in den ersten Monaten, so daß wir es in der Tat — wie wir schon gesagt haben — mit einem Jahreslauf zu tun haben. Dann haben wir wiederum einen Jahreslauf, bis die Zähne erscheinen. Kurz, wir haben im Organaufbau einen Jahreslauf. Aber dieser Jahreslauf steht in einem ähnlichen Einklange mit den Bewegungskräften im Menschen, wie die jährlichen Witterungsverhältnisse, die Witterungsverhältnisse von Frühling, Sommer, Herbst, Winter zu den Bewegungen der Planeten stehen. Wir haben es da durchaus mit etwas zu tun, was im Menschen wiederum gewissen Verhältnissen im Makrokosmos entspricht. Diese Dinge kann man nicht anders studieren als dadurch, daß man die Einzelheiten miteinander vergleicht. Ich kann Sie heute nur hinweisen auf gewisse Beziehungen, sonst würden wir, wenn wir jede einzelne Beziehung studieren würden, sehr lange dazu brauchen. Sie werden aber diesen Einklang finden, je genauer Sie eingehen auf gewisse Beziehungen im Menschen, die da bestehen im Aufbau der Organe, solange die Organe sich aufbauen; wenn sie fertig sind, entreißt sich eben der Mensch den Kräften. Wenn Sie auf dieses hinschauen und es im Zusammenhange erblicken mit den Bewegungskräften, so werden Sie überall ein analoges Verhältnis finden zu dem, was in den jährlichen Witterungsmetamorphosen, in ihren Verhältnissen zu den Bewegungskräften der Planeten vor sich geht. Nur hat man da nötig, daß man tatsächlich nicht davon ausgeht, daß eben das Herz eine Pumpe sei, sondern man muß dieses Herz gewissermaßen als ein Geschöpf der Blutbewegung ansehen. Man muß das Herz hineinstellen in die lebendige Blutbewegung. Geradeso muß man aber auch die Sonnenbewegung in die Planetenbewegung hineinstellen. Einfach die vorurteilsfreie Beobachtung der innermenschlichen Verhältnisse zeigt uns, daß wir wohl von einer Umdrehung der Erde um ihre Achse sprechen müssen (Tafel 11, links), wodurch die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels herbeigeführt wird — das entspricht der Bewegung des Stoffwechsels in bezug auf die menschliche Außengestaltung —, daß wir aber, wenn wir das menschliche Innere verstehen, das im Zusammenhange steht mit dem Makrokosmos, nicht von einer Umdrehung der Erde um die Sonne im Jahreslauf sprechen können, weil wir dasjenige, was nach dem Herzen hin sich bewegt, durchaus nicht in einer anderen Weise auffassen dürfen als die andern Bewegungsströmungen im Menschen. Deshalb muß anerkannt werden, daß wir es nicht zu tun haben mit einer Bewegung der Erde um die Sonne in einer Ellipse (rechts), sondern daß wir es zu tun haben mit einer Bewegung der Erde im Jahreslauf, die aber entspricht einer Bewegung der Sonne. Das heißt, daß sich Erde und Sonne miteinander bewegen, nicht daß sich eine um die andere dreht im Jahreslauf. Nur dadurch, daß auf den äußeren Augenschein gesehen worden ist, kam man auf diese Drehung der Erde um die Sonne im Jahreslauf. In Wirklichkeit hat man es zu tun mit einer Bewegung der beiden Weltenkörper, die im Raume in einem gewissen Zusammenhange der beiden verläuft (Tafel 12, links).

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[ 15 ] Das ist etwas, was für die Zukunft im wesentlichen korrigiert werden muß an der sogenannten kopernikanischen Weltanschauung. Aber man muß auch noch in einer andern Weise verstehen den Zusammenhang des Menschen mit der makrokosmischen Natur.

[ 16 ] Das, was wir an der täglichen Bewegung des Stoffwechsels haben, wie vollzieht es sich denn eigentlich? Es vollzieht sich ja nur ein Teil davon so, daß er begleitet ist von dem Erscheinen unseres Bewußtseins. Ein anderer Teil vollzieht sich so, daß unser Bewußtsein ausgeschaltet ist, daß wir mit unserem Ich und unserem astralischen Leib außer dem physischen und Ätherleib sind. Auf das muß durchaus gesehen werden. Wir müssen uns klar sein darüber, daß da der Mensch nicht in gleichwertiger Weise beides durchläuft, dasjenige, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen und das, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen durchlaufen wird. Beachten Sie nur einmal, wie sich die beiden Punkte des Einschlafens und des Aufwachens zueinander verhalten. Sie werden zu einer ganz eindeutigen Anschauung kommen, wenn Sie vorurteilsfrei Aufwachen und Einschlafen miteinander vergleichen. Indem Sie einschlafen, da sind Sie eigentlich, ich möchte sagen, im Nullpunkte Ihres Wesens. Wenn Sie schlafen, ist eigentlich der entgegengesetzte Zustand des Wachens da; nicht ein bloßer Ruhezustand, der entgegengesetzte Zustand des Wachens ist da. Und wenn Sie aufwachen, sind Sie eigentlich wiederum in bezug auf Ihr Leben in demselben Verhältnisse zu sich und zur Außenwelt, wie beim Einschlafen; die Momente des Einschlafens und des Aufwachens, sie sind einander ganz entsprechend; sie “unterscheiden sich eigentlich nur durch die Richtungen voneinander. Beim Aufwachen geht es von dem Schlafen ins Wachen, beim Einschlafen von dem Wachen ins Schlafen. Aber außer diesen beiden Richtungen sind die beiden vollständig gleich. Wollen Sie also durch eine Linie die Bewegung des Stoffwechsels darstellen, so können Sie sie nicht durch eine gerade Linie oder dutch eine Kreislinie darstellen, denn da würden Sie darinnen nicht das Aufwachen und Einschlafen haben. Sie müssen sich eine Linie suchen, welche die Bewegung des Stoffwechsels wirklich abbildet und da gibt es keine andere Linie — Sie mögen nachdenken, wie Sie wollen —, wenn Sie den Stoffwechsel ins Auge fassen, gibt es keine andere Linie als diese Lemniskate (Tafel 12, Mitte). Da haben Sie das eine Mal in dieser Richtung, das andere Mal in dieser Richtung den Punkt des Aufwachens und Einschlafens, das eine Mal in der Richtung des einen Pfeils, das andere Mal in der Richtung des anderen Pfeils, nur einander entgegengesetzt gerichtet, aber im übrigen in bezug auf die Lebensverhältnisse gleich. Und Sie können dann wirklich den Kreislauf des Tages und den Kreislauf der Nacht voneinander unterscheiden.

[ 17 ] Was folgt daraus? Wenn wir verstanden haben, daß die Bewegung des täglichen Stoffwechsels entspricht der Bewegung der Erde, dürfen wir nicht einem einzelnen Punkte eine solche Bewegung zuschreiben, daß er sich in einem Kreise bewegt. Das dürfen wir nicht, sondern wir müssen uns vorstellen, daß diese Bewegung eine andere ist, daß in der Tat die Erde sich in einer gewissen Weise fortschiebt, so daß wir, wenn wir die wirkliche Bewegung dieses Punktes ins Auge fassen, eine solche Linie bekommen (die Lemniskate wird auf die Erdkugel gezeichnet, Tafel 12, rechts). Nicht eine bloße Drehung findet statt, sondern eine komplizierte Bewegung der Erde findet statt, so daß jeder Punkt ihrer Oberfläche eine solche Lemniskate beschreibt, die dann entspricht der Lemniskate, die wir als die repräsentierende Linie für den Stoffwechsel aufzuzeichnen haben.

[ 18 ] Sie sehen daraus, daß wir uns die Erde gar nicht so bewegt denken können, daß wir einfach eine Achse annehmen und dann die Erde herumdrehen lassen, sondern wir müssen uns die Erde in einer komplizierteren Bewegung denken, so daß jeder Punkt, auf dem Sie stehen, tatsächlich, damit er die Unterlage für die Bewegung Ihres Stoffwechsels sein kann, eine solche Lemniskate beschreibt. Ganz und gar ist es notwendig, daß man das Entsprechende sucht in den Bewegungen der Außenwelt für das, was im Innern des Menschen vorgeht. Denn nur an den Veränderungen des Innern des Menschen kann studiert werden, was außen als Bewegung vor sich geht; so wie man nicht mehr darüber dozieren kann, ob der Mensch bloß in einer relativen Bewegung oder in einer wirklichen Bewegung ist, wenn er seine Beine in Bewegung setzen muß und ermüdet wird. In einer wirklichen Bewegung kann man nicht sagen, vielleicht ist die Bewegung nur relativ, und vielleicht nähert sich mir der andere Mensch, dem ich immer näherkomme. Da kann nicht mehr von Relativitätstheorie geredet werden, wenn die innere Bewegung zeigt, daß der Mensch in Bewegung ist. Deshalb können Sie auch durch nichts nachweisen die Bewegungen, die im Innern der Erde geschehen, als durch die inneren Veränderungen, die im Menschen selbst vor sich gehen. Die inneren Bewegungen des Stoffwechsels zum Beispiel sind das getreue Abbild dessen, was die Erde als Bewegung im Raume vollzieht. Und wiederum, was als organbildende Kräfte im Lauf eines Jahres auftritt, das ist dasjenige, was abbildet die Jahresbewegung, welche die Erde mit der Sonne zusammen ausführt. Wir werden auf solche Dinge noch weiter zu sprechen kommen, sie auch spezialisieren können.

[ 19 ] Sie sehen daraus, daß wir wohl sprechen können von einer täglichen Umdrehung der Erde um ihre Achse, daß wir aber nicht sprechen können von dem, was man gewöhnlich nennt die jährliche Umdrehung der Erde um die Sonne. Denn die Erde läuft der Sonne hintennach, und beide führen dieselben Umschwünge aus.

[ 20 ] Daß man von einem Herumdrehen der Erde um die Sonne nicht sprechen sollte, das geht ja noch aus mannigfaltigem anderen hervor. Das geht schon aus dem hervor, daß man — wie ich übrigens schon einmal erwähnte — nötig hatte, einen der Sätze des Kopernikus einfach zu unterdrücken. Die Sache ist ja so, daß, wenn Sie nur Rücksicht darauf nehmen, daß die Drehungsachse durch ihre Trägheit sich immer parallel bleibt, eigentlich die Erde, indem sie um die Sonne herum geht, zeigen müßte, wie beim Herumgehen diese Erdenachse immer nach anderen Sternen zeigt. Das tut sie nicht. Wenn die Erde sich wirklich um die Sonne herumdrehen würde, so müßte die Erdachse nicht immer nach dem Polarstern zeigen, sondern es müßte der Punkt, nach dem sie zeigt, um den Polarstern sich herumdrehen. Das tut sie nicht, sondern die Achse zeigt immer nach dem Polarstern. Gerade diejenige Linie, die man sehen müßte, und welche entsprechen würde dem Fortschreiten der Erde im Verhältnis zur Sonne, die sieht man nicht. In einer Art von Schraubenlinie bewegt sich eben die Erde hinter der Sonne nach, bohrt sich gewissermaßen in den Weltenraum ein.

[ 21 ] Nun habe ich Ihnen aber auch schon angedeutet, daß da eine gewisse Bewegung vorliegt, die zunächst zum Ausdruck kommt dadurch, daß sich der Frühlingspunkt, der Aufgangspunkt der Sonne im Frühling, verschiebt, daß er in 25920 Jahren einmal im Tierkreise ganz herumgeht. Das entspricht auch einer bestimmten Bewegung. Was ist denn das für eine Bewegung? Können wir dafür auch etwas finden im Menschen? Ja, sehen Sie, aus dem, was ich Ihnen jetzt schon sagte, können Sie auf diese Bewegung einen Schluß ziehen, meine lieben Freunde. Es muß eine Bewegung sein, welche sich bezieht auf das Verhältnis der Sonne zu dem Fixsternhimmel, denn die Sonne macht ja diese Bewegung mit Bezug auf den Fixsternhimmel. Sie durchläuft mit Bezug auf ihren Aufgangspunkt in 25920 Jahren den Tierkreis. Es ist eine Bewegung, der im Innern des Menschen entsprechen muß etwas, was als Verhältnis besteht zwischen den inneren Bewegungskräften und den Gestaltungskräften; aber es muß das eine lange Dauer haben. Die Sonne bewegt sich in irgendeiner Weise im Verhältnis zu dem übrigen Fixsternhimmel. Die menschlichen inneren Bewegungskräfte müssen sich in irgendeiner Weise verändern, so, daß sie anders liegen zu dem, was an der Peripherie des Menschen ist.

[ 22 ] Nun erinnern Sie sich, wovon ich Ihnen gesprochen habe als etwas Bemerkbarem seit der alten Griechenzeit. Da habe ich Ihnen davon gesprochen, daß die Griechen für Gelb und Grün dasselbe Wort hatten, daß sie eigentlich das Blaue nicht in der Weise sahen, wie wir es sehen, daß sie eigentlich, wie selbst die römischen Schriftsteller uns berichten, mit vier Farben, zu denen Blau nicht gehörte, rechneten, auch damit malten: Gelb, Rot, Schwarz, Weiß. Nach den lebhaften Farben hin sahen sie. Die Griechen sahen den Himmel nicht so blau wie wir. Sie sahen ihn bloß in einer Art Dunkel. Das ist etwas, was mit Sicherheit gesagt werden kann; insbesondere geisteswissenschaftlich läßt sich das mit Sicherheit feststellen. Ja, meine lieben Freunde, das ist eine Veränderung, die mit dem Menschen vorgegangen ist seit der alten griechischen Zeit. Wenn Sie daran denken, daß seit der alten griechischen Zeit so weit die Konstitution des menschlichen Auges sich verändert hat, so können Sie an andere Veränderungen im menschlichen Organismus, die sich äußerlich an der Peripherie abspielen, für längere Zeiträume durchaus denken. Diese Veränderungen, die spielen sich an der Peripherie ab, müssen aber natürlich zusammenhängen mit den inneren Bewegungskräften, denn selbstverständlich kann die Verdauung oder können die Organe das nicht bewirken. So daß wir daraus ersehen, daß die Veränderungen, die an der menschlichen Peripherie vorgehen, diesem Lauf des Frühlingspunktes der Sonne im Tierkreis entsprechen, also einem Zeitraume von 25920 Jahren. Da verändert sich das Menschengeschlecht. Wir dürfen durchaus nicht denken, daß hinter 25 920 Jahren das Menschengeschlecht so war, wie es jetzt ist. Schon aus diesen physischen Verhältnissen heraus ist es ein völliges Unding, von jenen Zahlen zu sprechen für die Entwickelung der Menschheit, wie es die heutige Geologie tut, weil wir nur einschließen können in den Zeitraum von 25920 Jahren das Menschengeschlecht, und dazu gehört noch die Zukunft. Denn wenn die Sonne im Frühlingspunkte wiederum zurückgekommen sein wird, so werden solche Veränderungen vor sich gegangen sein mit dem ganzen Menschengeschlecht, daß es nicht mehr irgendwie ähnlich sein wird der gegenwärtigen Gestalt. Ich habe Ihnen aus anderen Erkenntnisquellen heraus etwas gesagt über die Zukunft des Menschengeschlechts und über sein Alter. Hier sehen Sie, wie auch die wirkliche Betrachtung der physischen Verhältnisse uns zu solchen Erkenntnissen zwingt.

[ 23 ] Aus alledem aber sehen Sie, daß diejenigen Dinge, die wir bezeichnen als die Bewegungen der Himmelskörper, so einfach nicht liegen, wie es die heutige Astronomie sich machen möchte, sondern daß wir da in außerordentlich komplizierte Verhältnisse hineinkommen, in Verhältnisse, die nur aus dem Zusammenhange des Menschen mit dem Makrokosmos wirklich studiert werden können. Auf Einzelnes in diesen Bewegungen konnte ich Sie schon hinweisen; wir werden sie im Laufe der Zeit wiederum aus anderen Untergründen heraus immer weiter und weiter kennenlernen. Aber eines sehen Sie: daß der Mensch nicht völlig aufgeht in dieser Abhängigkeit von dem Makrokosmos! Sie sehen, mit dem, was sehr stark im Unterbewußten liegt, mit seinem Stoffwechsel, ist der Mensch in einer gewissen Weise, aber nur in einer gewissen Weise, gebunden an den täglichen Umlauf der Erde um ihre Achse; aber er kann sich herausheben. Wovon rührt denn das her? Das rührt davon her, daß der Mensch, so wie er jetzt ist, wie er aufgebaut ist nach Peripheriekräften, inneren Bewegungskräften, Organkräften und Stoffwechsel, fertig ist in seiner Abhängigkeit von den äußeren Kräften und jetzt gewissermaßen mit seiner fertigen Organisation sich herausreißen kann aus diesem Zusammenhange. Geradeso, wie wir in unserem Schlafen und Wachen ein Abbild haben von Tag und Nacht, aber uns nicht zu halten brauchen an Tag und Nacht wir haben den inneren Rhythmus von Tag und Nacht, halten uns aber nicht immer daran, daß dieser innere Rhythmus auch übereinstimme mit dem äußeren Rhythmus von Tag und Nacht —, geradeso reißt sich der Mensch auch heraus in bezug auf sein übriges Leben aus dem Rhythmus des Makrokosmos. Darauf aber beruht die Möglichkeit der menschlichen Freiheit. Nicht die gegenwärtige Menschenbildung hängt mit dem Makrokosmos zusammen, sondern seine vergangene Bildung hängt mit dem Makrokosmos zusammen, und was der Mensch jetzt erlebt, ist im Grunde genommen ein Bild seiner vergangenen Anpassung an den Makrokosmos. So daß wir jetzt in den Bildern unserer Vergangenheit leben. Innerhalb von Bildern aber können wir die Freiheit entwickeln und ist die von der Naturnotwendigkeit getrennte moralische Weltordnung gegeben. Gerade wenn man deutlicher einsieht, wie der Mensch zusammenhängt mit dem Makrokosmos, dann begreift man, wie die Freiheit des Menschen möglich ist.

[ 24 ] Sie können auch das Folgende noch zugrunde legen. Sehen Sie, beim Menschen ist es klar, daß sein Stoffwechsel noch in einer gewissen Beziehung steht zu dem Rhythmus des Tageslebens. Die Gestaltungskräfte sind fest geworden. Nehmen Sie statt des Menschen die Tierheit an, so werden Sie in der Tierheit viel größere Abhängigkeit finden von dem Makrokosmos als beim Menschen. Der Mensch ist aus dieser Abhängigkeit schon herausgewachsen. Eine alte Weisheit sprach deshalb von dem, was der Gestaltungskraft entspricht, nicht als von dem «Menschenkreis», sondern von dem «Tierkreis». Die tierischen Gestaltungskräfte, die bei den Tieren in vielerlei Gestalten erscheinen, sie erscheinen beim Menschen im wesentlichen in einer Gestalt für das ganze Menschengeschlecht. Aber es sind die Kräfte der Tierheit. Und indem wir über sie hinauswachsen zum Menschen, müssen wir über den Tierkreis hinausgehen. Jenseits des Tierkreises liegt dasjenige, wovon wir abhängig sind als Mensch in einem höheren Maße als von alledem, was innerhalb des Tierkreises, das heißt innerhalb des Fixsternhimmels, liegt. Das ist das Wesentliche, was unserem Ich entspricht.

[ 25 ] Mit unserem astralischen Leib — ihn hat auch das Tier — stehen wir drinnen in einer Abhängigkeit vom Makrokosmos. Da wird alles so gebildet noch im astralischen Leib, wie es die Sterne wollen. Mit unserem Ich stehen wir jenseits der Sternenwelt, außerhalb des Tierkreises.

[ 26 ] Da haben wir das Stück, durch das wir uns frei gemacht haben. Innerhalb des Tierkreises können wir nicht sündigen, so wenig wie das Tier sündigen kann. Aber wir beginnen zu sündigen, wenn wir außerhalb des Tierkreises unser Gebaren tragen. Und das können wit. Wenn wir dasjenige vollziehen, was uns frei macht von der Weltengestaltung, so setzen wit uns in eine Beziehung zu dem, was außerhalb des Tierkreises, außerhalb des Fixsternhimmels liegt. Das ist der wesentliche Inhalt unseres menschlichen Ich.

[ 27 ] Sie sehen, wenn wir die Welt durchmessen, insofern sie uns als eine sichtbare und zeitliche vor Augen liegt, wenn wir alles dasjenige durchmessen, was im Raume ausgedehnt ist bis in die äußersten Fixsterne und was an Bewegungen in der Zeit in diesem Fixsternen- und Planetenhimmel vor sich geht, und das alles in seiner Beziehung zum Menschen erfassen: im Menschen vollzieht sich noch etwas, was außerhalb dieses Raumes und dieser Zeit vor sich geht, was da draußen liegt, außerhalb dessen noch, was im Astralischen vor sich geht. Da, außerhalb diesem liegt keine Naturnotwendigkeit, da liegt allein dasjenige, was zusammenhängt mit unserer moralischen Natur, mit unseren moralischen Taten. Innerhalb des Fixsternhimmels können wir nicht unsere moralische Welt entfalten, aber in dem wir sie entfalten, zeichnen wir sie ein in den Makrokosmos außerhalb des Tierkreises. Alles, was wir wirken, bleibt als Wirkung in der Welt bestehen. Dasjenige, was in uns vorgeht, von unserer Gestaltungskraft bis hinein in den Stoffwechsel, das ist das Ergebnis der Vergangenheit. Aber die Vergangenheit präjudiziert im Weltenall nicht alle Zukunft, nicht diejenige Zukunft, die vom Menschen in seinen moralischen Handlungen ausgeht.

[ 28 ] Halten wir diesen Punkt fest. Ich kann Sie in diesen Auseinandersetzungen, ich möchte sagen, nur von Stufe zu Stufe führen. Halten wir das fest, was wir heute besprochen haben; wir wollen dann die Sache noch von anderen Seiten beleuchten.