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Nordic and Central European Spiritual Influences
The Feast of the Epiphany
GA 209

12 December 1921, Dornach

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Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse.
  1. Nordic and Central European Spiritual Influences, tr. SOL

Der Mensch als Erdenwesen und Himmelswesen I

Der Mensch als Erdenwesen und Himmelswesen I

[ 1 ] Wenn man zunächst die geschichtliche Entwickelung der Menschheit überblickt, so bietet sie dasjenige dar, wovon wir gesprochen haben: eine absteigende Linie von der ursprünglich vorhandenen, von dem Menschen instinktiv angenommenen Urweisheit, die zu gleicher Zeit etwas Belebendes für die Menschheit hatte und dann abgelähmt wurde . zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Und dann folgt die aufsteigende Entwickelungsströmung, in der wir drinnenstehen, die eben in der auch schon öfter geschilderten Weise vom Mysterium von Golgatha aus beginnt. Nun handelt es sich darum, das, was da zunächst als ein gewisses inneres Charakteristikum der geschichtlichen Entwickelung zutage tritt, einmal für unsere Zeit, in der wir doch drinnenstehen und die wir verstehen müssen, richtig zu betrachten.

[ 1 ] Wenn man zunächst die geschichtliche Entwickelung der Menschheit überblickt, so bietet sie dasjenige dar, wovon wir gesprochen haben: eine absteigende Linie von der ursprünglich vorhandenen, von dem Menschen instinktiv angenommenen Urweisheit, die zu gleicher Zeit etwas Belebendes für die Menschheit hatte und dann abgelähmt wurde . zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Und dann folgt die aufsteigende Entwickelungsströmung, in der wir drinnenstehen, die eben in der auch schon öfter geschilderten Weise vom Mysterium von Golgatha aus beginnt. Nun handelt es sich darum, das, was da zunächst als ein gewisses inneres Charakteristikum der geschichtlichen Entwickelung zutage tritt, einmal für unsere Zeit, in der wir doch drinnenstehen und die wir verstehen müssen, richtig zu betrachten.

[ 2 ] Es gibt in unserer Zeit die mannigfaltigsten Erscheinungen, die in den Gefühlen, in den Empfindungen der Menschen leben, von denen man sogar sagen kann, daß sie in einer gewissen Weise die Menschen gesund und krank machen, die aber doch nicht zum Bewußtsein gebracht werden, die nicht in der richtigen Weise mit den großen Entwickelungsprinzipien in Zusammenhang gebracht werden. Wir müssen unser Augenmerk auf diese Erscheinungen der Gegenwart richten, denn davon allein hängt eben die Gesundung von manchem innerhalb der menschheitlichen Entwickelung in die Zukunft hinein ab.

[ 2 ] Es gibt in unserer Zeit die mannigfaltigsten Erscheinungen, die in den Gefühlen, in den Empfindungen der Menschen leben, von denen man sogar sagen kann, daß sie in einer gewissen Weise die Menschen gesund und krank machen, die aber doch nicht zum Bewußtsein gebracht werden, die nicht in der richtigen Weise mit den großen Entwickelungsprinzipien in Zusammenhang gebracht werden. Wir müssen unser Augenmerk auf diese Erscheinungen der Gegenwart richten, denn davon allein hängt eben die Gesundung von manchem innerhalb der menschheitlichen Entwickelung in die Zukunft hinein ab.

[ 3 ] Man könnte da Verschiedenes anführen. Wir wollen heute eines herausheben, das ist die Schwierigkeit, die wir heute haben, ein richtiges Verstehen mit der aufwachsenden Jugend herbeizuführen. Das liegt schließlich auch unseren anthroposophischen pädagogischen Bestrebungen zugrunde, diese Schwierigkeit des Menschen, als Erwachsener sich heute mit der Jugend zu verständigen. Wir sehen heranwachsen heute eine ausgesprochene Jugendbewegung. Sobald die Kinder bis an das Alter der Geschlechtsreife herankommen und dann etwas darüber hinaus, entwickeln sie sich mit einem Empfindungs- und Gefühlsleben, das nur außerordentlich schwierig heute für den Erwachsenen zu verstehen ist, das aber auch noch schwieriger eigentlich zu behandeln ist. Wir sehen, wie geradezu unter der Jugend Agitationsbewegungen auftauchen, revoltierende Empfindungen sich geltend machen gegen alle elterliche oder erzieherische Autorität. Und wenn wir schließlich mit unbefangenem Sinn auf alles das hinschauen, so können wir vielem davon keineswegs die Berechtigung abstreiten. Wir müssen einmal uns sagen: Es lebt heute in dem heranwachsenden Menschen etwas, was den Zusammenhang verloren hat mit dem äußeren Leben und auch mit den Offenbarungen des inneren Lebens bei den Erwachsenen. — Manches erscheint in dieser Beziehung heute dem Philister so, daß er dann, wenn er es bemerkt, einfach anfängt, in einer sonderbaren Weise zu schimpfen. Er meint es vielleicht nicht immer so, aber er fängt an zu schimpfen. Er sagt: Die Jugend hat heute alles Autoritätsgefühl verloren, sie ist fast schon bolschewistisch geworden; sie lehnt sich gegen alles auf, was das Alter vernünftig findet, sie gehorcht nicht. — Das alles sind Dinge, die das heutige Leben aussichtslos machen. Und insbesondere innerhalb der Lehrerschaft, innerhalb desjenigen Teiles der Lehrerschaft, der gern den alten Schlendrian bewahren möchte, findet man solche Aussprüche sehr, sehr häufig. Verstehen kann man eine solche Sache eben wiederum nur aus der Erkenntnis der Entwickelungsimpulse der Menschheit.

[ 3 ] Man könnte da Verschiedenes anführen. Wir wollen heute eines herausheben, das ist die Schwierigkeit, die wir heute haben, ein richtiges Verstehen mit der aufwachsenden Jugend herbeizuführen. Das liegt schließlich auch unseren anthroposophischen pädagogischen Bestrebungen zugrunde, diese Schwierigkeit des Menschen, als Erwachsener sich heute mit der Jugend zu verständigen. Wir sehen heranwachsen heute eine ausgesprochene Jugendbewegung. Sobald die Kinder bis an das Alter der Geschlechtsreife herankommen und dann etwas darüber hinaus, entwickeln sie sich mit einem Empfindungs- und Gefühlsleben, das nur außerordentlich schwierig heute für den Erwachsenen zu verstehen ist, das aber auch noch schwieriger eigentlich zu behandeln ist. Wir sehen, wie geradezu unter der Jugend Agitationsbewegungen auftauchen, revoltierende Empfindungen sich geltend machen gegen alle elterliche oder erzieherische Autorität. Und wenn wir schließlich mit unbefangenem Sinn auf alles das hinschauen, so können wir vielem davon keineswegs die Berechtigung abstreiten. Wir müssen einmal uns sagen: Es lebt heute in dem heranwachsenden Menschen etwas, was den Zusammenhang verloren hat mit dem äußeren Leben und auch mit den Offenbarungen des inneren Lebens bei den Erwachsenen. — Manches erscheint in dieser Beziehung heute dem Philister so, daß er dann, wenn er es bemerkt, einfach anfängt, in einer sonderbaren Weise zu schimpfen. Er meint es vielleicht nicht immer so, aber er fängt an zu schimpfen. Er sagt: Die Jugend hat heute alles Autoritätsgefühl verloren, sie ist fast schon bolschewistisch geworden; sie lehnt sich gegen alles auf, was das Alter vernünftig findet, sie gehorcht nicht. — Das alles sind Dinge, die das heutige Leben aussichtslos machen. Und insbesondere innerhalb der Lehrerschaft, innerhalb desjenigen Teiles der Lehrerschaft, der gern den alten Schlendrian bewahren möchte, findet man solche Aussprüche sehr, sehr häufig. Verstehen kann man eine solche Sache eben wiederum nur aus der Erkenntnis der Entwickelungsimpulse der Menschheit.

[ 4 ] Wir haben einmal seit dem 15. Jahrhundert eine Entwickelung der Menschheit zum Intellektualismus hin, zur verstandesmäßigen Auffassung der Welt. Wir sind uns nicht immer bewußt, wie stark wir heute eigentlich in diesem Intellektualismus, in dieser rein verstandesmäßigen, immer mehr und mehr abstrakt werdenden Form der Weltauffassung leben. Trotzdem die Menschen immer glauben, daß sie von Erfahrungen, von der Wirklichkeit, von dem praktischen Leben ausgehen, gehen sie eigentlich in Wirklichkeit doch überall nur von dem Begriffsleben, von Definitionen aus, statt von den Tatsachen. Die Menschen glauben, irgend etwas verstanden zu haben, wenn sie sich einen Begriff von der Sache verschafft haben. Man spricht davon — ich habe ja solche Beispiele öfter erwähnt —, wie man den Tod versteht. Nun, der Tod wird, wenn es auch manchmal recht kompliziert geschieht, aufgefaßt als das Ende eines Wesens, einer Formgestaltung. Wenn diese Formgestaltung in sich zerfließt, wenn sie nicht mehr in sich zusammenbhält, dann sagt man, sie sterbe, und man bildet sich einen Begriff, der die Frage beantworten soll: Was ist denn eigentlich der Tod? Und dann wendet man diesen Begriff, den man gefaßt hat, den man auch säuberlich fein definiert, auf Pflanzen, auf Tiere, auf Menschen an. Man sagt: Pflanzen sterben, Tiere sterben, Menschen sterben. Daß aber dieses zu Endegehen des innerlichen Zusammenhaltes etwas ganz Verschiedenes sein kann bei der Pflanze, beim Tiere, beim Menschen, das beachtet man nicht, weil man eben an der äußeren Seite der Sache hängen bleibt. Es ist eben so, wie ich oftmals sagte: Irgend jemand sagt, ein Messer gehört zum Fleischschneiden —, und dann bekommt er ein Rasiermesser und verwendet es zum Fleischschneiden, Messer ist eben Messer. So etwa verfahren wir auch heute mit dem Begriff Tod, Leben und so weiter. Wir leben in Abstraktionen, im Intellektualismus. Das ist besonders stark im wissenschaftlichen Leben zu bemerken, wo man nicht von Tatsachen ausgeht, sondern von dem Erfassen von Begriffen, von dem Definieren.

[ 4 ] Wir haben einmal seit dem 15. Jahrhundert eine Entwickelung der Menschheit zum Intellektualismus hin, zur verstandesmäßigen Auffassung der Welt. Wir sind uns nicht immer bewußt, wie stark wir heute eigentlich in diesem Intellektualismus, in dieser rein verstandesmäßigen, immer mehr und mehr abstrakt werdenden Form der Weltauffassung leben. Trotzdem die Menschen immer glauben, daß sie von Erfahrungen, von der Wirklichkeit, von dem praktischen Leben ausgehen, gehen sie eigentlich in Wirklichkeit doch überall nur von dem Begriffsleben, von Definitionen aus, statt von den Tatsachen. Die Menschen glauben, irgend etwas verstanden zu haben, wenn sie sich einen Begriff von der Sache verschafft haben. Man spricht davon — ich habe ja solche Beispiele öfter erwähnt —, wie man den Tod versteht. Nun, der Tod wird, wenn es auch manchmal recht kompliziert geschieht, aufgefaßt als das Ende eines Wesens, einer Formgestaltung. Wenn diese Formgestaltung in sich zerfließt, wenn sie nicht mehr in sich zusammenbhält, dann sagt man, sie sterbe, und man bildet sich einen Begriff, der die Frage beantworten soll: Was ist denn eigentlich der Tod? Und dann wendet man diesen Begriff, den man gefaßt hat, den man auch säuberlich fein definiert, auf Pflanzen, auf Tiere, auf Menschen an. Man sagt: Pflanzen sterben, Tiere sterben, Menschen sterben. Daß aber dieses zu Endegehen des innerlichen Zusammenhaltes etwas ganz Verschiedenes sein kann bei der Pflanze, beim Tiere, beim Menschen, das beachtet man nicht, weil man eben an der äußeren Seite der Sache hängen bleibt. Es ist eben so, wie ich oftmals sagte: Irgend jemand sagt, ein Messer gehört zum Fleischschneiden —, und dann bekommt er ein Rasiermesser und verwendet es zum Fleischschneiden, Messer ist eben Messer. So etwa verfahren wir auch heute mit dem Begriff Tod, Leben und so weiter. Wir leben in Abstraktionen, im Intellektualismus. Das ist besonders stark im wissenschaftlichen Leben zu bemerken, wo man nicht von Tatsachen ausgeht, sondern von dem Erfassen von Begriffen, von dem Definieren.

[ 5 ] Nun, die Anlagen, die der Mensch braucht, um ein solches Leben in Begriffen zu führen, die kommen nämlich eigentlich erst mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre, mit der Geschlechtsreife in Wirklichkeit herauf. Es ist geradezu unmöglich, bei unbefangener Anschauung des Lebens schon beim Kinde davon zu sprechen, daß es Anlage haben könne zur intellektualistischen Auffassung der Welt. Das Kind kann eben nicht in einer solchen Weise über die Welt denken, daß es zum Abstrakten hingeht. Das Kind entwickelt ein ganz anderes Leben in der Seele. Das Kind bringt ja Entwickelungskräfte, innerliche Gestaltungskräfte aus seinem vorgeburtlichen Leben, aus dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit. Die gestalten, vor allen Dingen in den ersten sieben Lebensjahren, dann aber noch in einem etwas geringeren Maße, aber auch bedeutsam, auch noch bis zur Geschlechtsreife hin am physischen Organismus. Und solange in einer solchen Weise am physischen Organismus gestaltet wird, so lange ist es ganz ausgeschlossen, daß der Mensch sich bis zum reinen Intellektualismus heraufentwickelt. Nun ist die Menschheit in ihrer Entwickelung immer mehr und mehr dahin gekommen, daß alles, was man bekommt aus der Welt, was einem anerzogen wird, intellektualistische Begriffe sind. Wir bekommen gewissermaßen die Seelenkleider so, daß wir erst im vierzehnten, fünfzehnten Jahre in sie hineinwachsen können. Es ist nur Schein, wenn wir zum Beispiel sagen, wir wollen bei den Kindern hauptsächlich beim Anschauen bleiben. Was wir für sie da in der Anschauung entwickeln lassen, in das wachsen sie eigentlich erst mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre hinein. Die Folge davon ist, daß beim heutigen Erwachsenen kein lebendiger Zusammenhang besteht zwischen dem, was da eigentlich auftritt als Seelenleben nach der Geschlechtsreife und dem, was vorher da war. Man erinnert sich nur äußerlich an das, was man als Kind erlebt hat. Man taucht nicht unter in die kindlichen Erlebnisse. Man taucht nicht so unter in diese kindlichen Erlebnisse, daß man innerlich aufjauchzt bei dem, was man an Freude als Kind erlebt hat, daß man traurig wird in intensivem Maße bei dem, was gegen einen war. Man vergißt eigentlich, zwar nicht für den Verstand, wohl aber für Gefühl und Wille die Kindheit, so daß man nicht in der lebendigen Weise zurückblickt in die Kindheit.

[ 5 ] Nun, die Anlagen, die der Mensch braucht, um ein solches Leben in Begriffen zu führen, die kommen nämlich eigentlich erst mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre, mit der Geschlechtsreife in Wirklichkeit herauf. Es ist geradezu unmöglich, bei unbefangener Anschauung des Lebens schon beim Kinde davon zu sprechen, daß es Anlage haben könne zur intellektualistischen Auffassung der Welt. Das Kind kann eben nicht in einer solchen Weise über die Welt denken, daß es zum Abstrakten hingeht. Das Kind entwickelt ein ganz anderes Leben in der Seele. Das Kind bringt ja Entwickelungskräfte, innerliche Gestaltungskräfte aus seinem vorgeburtlichen Leben, aus dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit. Die gestalten, vor allen Dingen in den ersten sieben Lebensjahren, dann aber noch in einem etwas geringeren Maße, aber auch bedeutsam, auch noch bis zur Geschlechtsreife hin am physischen Organismus. Und solange in einer solchen Weise am physischen Organismus gestaltet wird, so lange ist es ganz ausgeschlossen, daß der Mensch sich bis zum reinen Intellektualismus heraufentwickelt. Nun ist die Menschheit in ihrer Entwickelung immer mehr und mehr dahin gekommen, daß alles, was man bekommt aus der Welt, was einem anerzogen wird, intellektualistische Begriffe sind. Wir bekommen gewissermaßen die Seelenkleider so, daß wir erst im vierzehnten, fünfzehnten Jahre in sie hineinwachsen können. Es ist nur Schein, wenn wir zum Beispiel sagen, wir wollen bei den Kindern hauptsächlich beim Anschauen bleiben. Was wir für sie da in der Anschauung entwickeln lassen, in das wachsen sie eigentlich erst mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre hinein. Die Folge davon ist, daß beim heutigen Erwachsenen kein lebendiger Zusammenhang besteht zwischen dem, was da eigentlich auftritt als Seelenleben nach der Geschlechtsreife und dem, was vorher da war. Man erinnert sich nur äußerlich an das, was man als Kind erlebt hat. Man taucht nicht unter in die kindlichen Erlebnisse. Man taucht nicht so unter in diese kindlichen Erlebnisse, daß man innerlich aufjauchzt bei dem, was man an Freude als Kind erlebt hat, daß man traurig wird in intensivem Maße bei dem, was gegen einen war. Man vergißt eigentlich, zwar nicht für den Verstand, wohl aber für Gefühl und Wille die Kindheit, so daß man nicht in der lebendigen Weise zurückblickt in die Kindheit.

[ 6 ] Aber das Kind selbst, das hat noch nicht die Anlage zum Intellektualismus; das hat in sich diejenigen Kräfte, die noch am Organismus arbeiten. Das ist eigentlich dadurch eine ganz andere Rasse von Menschen, und daher die Unmöglichkeit des Verstehens der Erwachsenen und der Kinder. Die Lehrer reden so zu den Kindern, daß sie eben furchtbar gescheit sind, diese Lehrer — aber die Kinder sind weise. Die Lehrer sind gescheit und die Kinder sind weise, und die Gescheitheit kann die Weisheit nicht verstehen, kann keine Brücke schlagen von dem einen zu dem anderen. Wenn wir mit unserer Gescheitheit all das tun müßten, was die Kinder an ihrem inneren Organismus tun, ja, wir würden natürlich ganz und gar nicht damit zurechtkommen.

[ 6 ] Aber das Kind selbst, das hat noch nicht die Anlage zum Intellektualismus; das hat in sich diejenigen Kräfte, die noch am Organismus arbeiten. Das ist eigentlich dadurch eine ganz andere Rasse von Menschen, und daher die Unmöglichkeit des Verstehens der Erwachsenen und der Kinder. Die Lehrer reden so zu den Kindern, daß sie eben furchtbar gescheit sind, diese Lehrer — aber die Kinder sind weise. Die Lehrer sind gescheit und die Kinder sind weise, und die Gescheitheit kann die Weisheit nicht verstehen, kann keine Brücke schlagen von dem einen zu dem anderen. Wenn wir mit unserer Gescheitheit all das tun müßten, was die Kinder an ihrem inneren Organismus tun, ja, wir würden natürlich ganz und gar nicht damit zurechtkommen.

[ 7 ] Jean Paul hat mit Recht gesagt, man lerne in den ersten drei Jahren seines Lebens weit mehr als in den drei akademischen. Wer mit Unbefangenheit seine akademische Zeit durchgemacht hat, und dann in entsprechender Weise zurückschauen kann auf die kindlichen Jahre, der weiß, daß das durchaus wahr ist; denn die drei akademischen Jahre bewegen sich bloß in der Gescheitheit — sagen wir, es sei so —, jedenfalls aber bewegen sie sich nicht in der Weisheit. Die drei kindlichen Jahre aber, die ersten sogar am meisten, bewegen sich wirklich in der Weisheit. Da arbeitet die Weisheit an dem Menschen, wenn sie auch im Unterbewußten bleibt, es arbeitet die Weisheit an dem Menschen. Dann läßt sie ja allerdings später nach, aber sie ist immerhin vorhanden und wir erleben dann das, was wir eben heute erleben: die revoltierenden Empfindungen der Jugend gegenüber den Erwachsenen. Man versteht diese Sache eigentlich erst recht, wenn man zurückblickt in Zeitalter der Menschheit, wo das anders war. Und eben anders war es in derjenigen Entwickelungsperiode der Menschheit, die bis in die vierte nachatlantische Zeit hereingeht. Und ich will etwas schildern, wie das anders war.

[ 7 ] Jean Paul hat mit Recht gesagt, man lerne in den ersten drei Jahren seines Lebens weit mehr als in den drei akademischen. Wer mit Unbefangenheit seine akademische Zeit durchgemacht hat, und dann in entsprechender Weise zurückschauen kann auf die kindlichen Jahre, der weiß, daß das durchaus wahr ist; denn die drei akademischen Jahre bewegen sich bloß in der Gescheitheit — sagen wir, es sei so —, jedenfalls aber bewegen sie sich nicht in der Weisheit. Die drei kindlichen Jahre aber, die ersten sogar am meisten, bewegen sich wirklich in der Weisheit. Da arbeitet die Weisheit an dem Menschen, wenn sie auch im Unterbewußten bleibt, es arbeitet die Weisheit an dem Menschen. Dann läßt sie ja allerdings später nach, aber sie ist immerhin vorhanden und wir erleben dann das, was wir eben heute erleben: die revoltierenden Empfindungen der Jugend gegenüber den Erwachsenen. Man versteht diese Sache eigentlich erst recht, wenn man zurückblickt in Zeitalter der Menschheit, wo das anders war. Und eben anders war es in derjenigen Entwickelungsperiode der Menschheit, die bis in die vierte nachatlantische Zeit hereingeht. Und ich will etwas schildern, wie das anders war.

[ 8 ] Nehmen wir einen alten Ägypter der früheren Zeit oder einen Angehörigen des chaldäischen Menschheitsstammes: der empfand die mineralische Natur nicht so wie wir. Er empfand sie ganz anders, die mineralische Natur. Er empfand sie so, daß, wenn er den gewöhnlichen Boden sah, er verhältnismäßig neutral empfand; aber schon ganz anders, lebendig empfand er, wenn er ein Gebirge sah, oder wenn er einen Fluß fließen sah. Da regte sich alles Lebendige in ihm. Da bekam er Aufschlüsse über das, was er eigentlich brauchte an Aufschlüssen von der Außenwelt. Er fühlte, sagen wir, wenn er einen Kristall sah, daß der Kristall ihm etwas sagte, daß er ihm ein Geheimnis der Natur enthüllte. Heute werden wir allerdings intellektualistisch herangetrieben an die Mineralogie, an die Kristallographie. Da sollen wir allerlei lernen von Kanten und Winkeln und dergleichen. Schön, es ist ja recht gut, aber es läßt sich gar nicht vergleichen mit dem, was einstmals der Mensch empfand, wenn er einen Kristall ansah. Da sprachen wirklich Elementarwesen zu ihm; da fühlte er, daß er auf der Welt nicht allein ist, daß da etwas in der Natur drinnensteckt, das zu ihm spricht. Und gar, wenn der Mensch an die Pflanzen herantrat. Gewiß, an das uns umgebende Gras trat man auch mehr oder weniger neutral heran. Wenn man aber, sagen wir, eine Bilsenkrautpflanze am Wegrain sah und an ihr vorbeiging, dann hatte man ein bestimmtes Erlebnis. Das Bilsenkraut hat eine bestimmte Form; heute führt der Lehrer, der Botaniker ein Kind an diese Form heran: es wird beschrieben. Das ist eine intellektualistische Art, sich zu der Sache zu stellen, und wenn diese intellektualistische Art eintritt, so bleibt man eigentlich gegenüber fast allen Pflanzen mehr oder weniger neutral. Sie gefallen einem gewiß, ein Asthetisches tritt ein, aber das ganz Lebendige, das früher einmal da war, das tritt nicht ein. Denn wer in älterer Zeit, als alter Ägypter, als alter Chaldäer an einem Bilsenkraut vorbeigegangen wäre, der würde erblaßt sein, der würde etwas blaß geworden sein. Derjenige, der an einer Fingerhutpflanze, an einer Digitalispflanze vorbeiging, der errötete. Wer an Colchicum autumnale, an der Herbstzeitlosen vorbeiging, der fühlte, wie seine Haut steifer wurde. Also man ging nicht gleichgültig durch die Welt. Man fühlte, wie man in der Blutzirkulation und — in der heutigen Sprache können wir das so nennen — in dem nervösen Erleben mitmachte, was äußerlich in der Form sich aussprach. Es war ein lebendiges Mitmachen mit der Natur.

[ 8 ] Nehmen wir einen alten Ägypter der früheren Zeit oder einen Angehörigen des chaldäischen Menschheitsstammes: der empfand die mineralische Natur nicht so wie wir. Er empfand sie ganz anders, die mineralische Natur. Er empfand sie so, daß, wenn er den gewöhnlichen Boden sah, er verhältnismäßig neutral empfand; aber schon ganz anders, lebendig empfand er, wenn er ein Gebirge sah, oder wenn er einen Fluß fließen sah. Da regte sich alles Lebendige in ihm. Da bekam er Aufschlüsse über das, was er eigentlich brauchte an Aufschlüssen von der Außenwelt. Er fühlte, sagen wir, wenn er einen Kristall sah, daß der Kristall ihm etwas sagte, daß er ihm ein Geheimnis der Natur enthüllte. Heute werden wir allerdings intellektualistisch herangetrieben an die Mineralogie, an die Kristallographie. Da sollen wir allerlei lernen von Kanten und Winkeln und dergleichen. Schön, es ist ja recht gut, aber es läßt sich gar nicht vergleichen mit dem, was einstmals der Mensch empfand, wenn er einen Kristall ansah. Da sprachen wirklich Elementarwesen zu ihm; da fühlte er, daß er auf der Welt nicht allein ist, daß da etwas in der Natur drinnensteckt, das zu ihm spricht. Und gar, wenn der Mensch an die Pflanzen herantrat. Gewiß, an das uns umgebende Gras trat man auch mehr oder weniger neutral heran. Wenn man aber, sagen wir, eine Bilsenkrautpflanze am Wegrain sah und an ihr vorbeiging, dann hatte man ein bestimmtes Erlebnis. Das Bilsenkraut hat eine bestimmte Form; heute führt der Lehrer, der Botaniker ein Kind an diese Form heran: es wird beschrieben. Das ist eine intellektualistische Art, sich zu der Sache zu stellen, und wenn diese intellektualistische Art eintritt, so bleibt man eigentlich gegenüber fast allen Pflanzen mehr oder weniger neutral. Sie gefallen einem gewiß, ein Asthetisches tritt ein, aber das ganz Lebendige, das früher einmal da war, das tritt nicht ein. Denn wer in älterer Zeit, als alter Ägypter, als alter Chaldäer an einem Bilsenkraut vorbeigegangen wäre, der würde erblaßt sein, der würde etwas blaß geworden sein. Derjenige, der an einer Fingerhutpflanze, an einer Digitalispflanze vorbeiging, der errötete. Wer an Colchicum autumnale, an der Herbstzeitlosen vorbeiging, der fühlte, wie seine Haut steifer wurde. Also man ging nicht gleichgültig durch die Welt. Man fühlte, wie man in der Blutzirkulation und — in der heutigen Sprache können wir das so nennen — in dem nervösen Erleben mitmachte, was äußerlich in der Form sich aussprach. Es war ein lebendiges Mitmachen mit der Natur.

[ 9 ] Und wenn erst die Menschen dann Tiere sahen, dann erlebten sie ganz besonders intensiv in der eigenen inneren Gesamtempfindung mit der Form des Tieres mit. Die verstanden daher ganz anders die Natur. Sie verstanden sie unmittelbar mit dem ganzen Menschen. Wer eine Schlange sah, der fühlte etwas wie eine Sucht, sich zu winden im ganzen Organismus und zu entschlüpfen mit der Seele allerlei Dingen, die ihm unangenehm waren. Das ganze, was da ausgedrückt wird in der Bibel: die Schlange war das listigste Tier —, das war ein innerliches Erlebnis beim Anblick der Schlange. Es sprach das mineralische Reich zu dem Menschen von außen. Es sprach das tierische Reich so, daß dieses Sprechen einem Miterleben mit der Form des Tieres gleichkam.

[ 9 ] Und wenn erst die Menschen dann Tiere sahen, dann erlebten sie ganz besonders intensiv in der eigenen inneren Gesamtempfindung mit der Form des Tieres mit. Die verstanden daher ganz anders die Natur. Sie verstanden sie unmittelbar mit dem ganzen Menschen. Wer eine Schlange sah, der fühlte etwas wie eine Sucht, sich zu winden im ganzen Organismus und zu entschlüpfen mit der Seele allerlei Dingen, die ihm unangenehm waren. Das ganze, was da ausgedrückt wird in der Bibel: die Schlange war das listigste Tier —, das war ein innerliches Erlebnis beim Anblick der Schlange. Es sprach das mineralische Reich zu dem Menschen von außen. Es sprach das tierische Reich so, daß dieses Sprechen einem Miterleben mit der Form des Tieres gleichkam.

[ 10 ] Das alles ist der Menschheit entschwunden, und an die Stelle trat eine Art Sich-Weggeworfenfühlen von der Natur, ein Gefühl: die Natur hat ihre Fenster zugemacht. Man sieht nicht mehr in sie hinein. Man steht vereinsamt da. Das liegt in der naturgemäßen Entwickelung der Menschheit. Dasjenige nun, was da eine ältere Menschheit an der Natur erlebte, das ist in einem hohen Maße als Bedürfnis beim Kinde vorhanden. Und man soll nur einmal achtgeben darauf, wie das Kind eigentlich frägt. Es frägt gar nicht so, daß unsere heutigen intellektualistischen Antworten auf dieFragen des Kindes wirklich passen. Sie passen eigentlich gar nicht. Das Kind fühlt sich zumeist unbefriedigt. Und wenn wir an Kinder kommen, die dann Fragen stellen und sich befriedigt fühlen mit intellektualistischen Antworten, so ist das etwas, was heute ganz besonders in einer schiefen und falschen Erziehung zum Schaden der sich entwickelnden Menschheit auftritt. Wenn das Kind nämlich sich befriedigt erklärt bei unseren intellektualistischen Antworten, so entspricht das eigentlich einer gewissen Koketterie, die sich im Kinde entwickelt. In Wirklichkeit fühlt sich das Kind gar nicht befriedigt, wenn man ihm die heute gewohnten Antworten gibt, und wir.dressieren es nur dazu, oftmals sich befriedigt zu fühlen und machen es dadurch eigentlich innerlich unwahr, innerlich kokett. Es kokettiert dann mit der Befriedigung. Das weist uns darauf hin, daß im Kinde etwas lebt, was ähnlich ist dem, was als Miterleben mit dem Kosmos in alten Zeiten die ganze Menschheit hatte, und was abgestumpft worden ist durch das intellektualistische Seelenleben der neueren Zeit. Wenn das einfach so, wie es heute ist, fortgehen würde, so würde die Kluft zwischen den Erwachsenen und den Kindern immer tiefer und tiefer werden.

[ 10 ] Das alles ist der Menschheit entschwunden, und an die Stelle trat eine Art Sich-Weggeworfenfühlen von der Natur, ein Gefühl: die Natur hat ihre Fenster zugemacht. Man sieht nicht mehr in sie hinein. Man steht vereinsamt da. Das liegt in der naturgemäßen Entwickelung der Menschheit. Dasjenige nun, was da eine ältere Menschheit an der Natur erlebte, das ist in einem hohen Maße als Bedürfnis beim Kinde vorhanden. Und man soll nur einmal achtgeben darauf, wie das Kind eigentlich frägt. Es frägt gar nicht so, daß unsere heutigen intellektualistischen Antworten auf dieFragen des Kindes wirklich passen. Sie passen eigentlich gar nicht. Das Kind fühlt sich zumeist unbefriedigt. Und wenn wir an Kinder kommen, die dann Fragen stellen und sich befriedigt fühlen mit intellektualistischen Antworten, so ist das etwas, was heute ganz besonders in einer schiefen und falschen Erziehung zum Schaden der sich entwickelnden Menschheit auftritt. Wenn das Kind nämlich sich befriedigt erklärt bei unseren intellektualistischen Antworten, so entspricht das eigentlich einer gewissen Koketterie, die sich im Kinde entwickelt. In Wirklichkeit fühlt sich das Kind gar nicht befriedigt, wenn man ihm die heute gewohnten Antworten gibt, und wir.dressieren es nur dazu, oftmals sich befriedigt zu fühlen und machen es dadurch eigentlich innerlich unwahr, innerlich kokett. Es kokettiert dann mit der Befriedigung. Das weist uns darauf hin, daß im Kinde etwas lebt, was ähnlich ist dem, was als Miterleben mit dem Kosmos in alten Zeiten die ganze Menschheit hatte, und was abgestumpft worden ist durch das intellektualistische Seelenleben der neueren Zeit. Wenn das einfach so, wie es heute ist, fortgehen würde, so würde die Kluft zwischen den Erwachsenen und den Kindern immer tiefer und tiefer werden.

[ 11 ] Eine bekannte sozialistische Agitatorin hat einmal einen Aufsatz geschrieben, der ihr viel übelgenommen worden ist, über die Revolutionierung der Kinder. Das ist lange vor dem Kriege gewesen—da wurde geradezu verlangt, die Kinder sollen revolutioniert werden. Nun ja, man will ja heute alles revolutionieren, warum nicht auch die Kinder? Aber wenn das alles ohne Verständnis des menschlichen Wesens geschieht, so kann es nur zum größten Unheil führen, führt auch zum größten Unheil. Man muß eben einsehen, daß, so notwendig die intellektuelle Entwickelung, die Entwickelung zum Abstrakten hin für die Menschheit war, sie doch eben den Menschen herausgeworfen hat aus der Natur, und wir wachsen heute auf, indem wir unseren Kopf befriedigen an der Entwickelung des Intellekts, und den übrigen Menschen, namentlich das übrige Seelenleben, das aber im Unterbewußtsein sehr stark arbeitet, unbefriedigt lassen. Das zeigt sich für denjenigen, der nun den ganzen Menschen beobachten kann mit den Mitteln der Geistesforschung, insbesondere heute beim schlafenden Menschen.

[ 11 ] Eine bekannte sozialistische Agitatorin hat einmal einen Aufsatz geschrieben, der ihr viel übelgenommen worden ist, über die Revolutionierung der Kinder. Das ist lange vor dem Kriege gewesen—da wurde geradezu verlangt, die Kinder sollen revolutioniert werden. Nun ja, man will ja heute alles revolutionieren, warum nicht auch die Kinder? Aber wenn das alles ohne Verständnis des menschlichen Wesens geschieht, so kann es nur zum größten Unheil führen, führt auch zum größten Unheil. Man muß eben einsehen, daß, so notwendig die intellektuelle Entwickelung, die Entwickelung zum Abstrakten hin für die Menschheit war, sie doch eben den Menschen herausgeworfen hat aus der Natur, und wir wachsen heute auf, indem wir unseren Kopf befriedigen an der Entwickelung des Intellekts, und den übrigen Menschen, namentlich das übrige Seelenleben, das aber im Unterbewußtsein sehr stark arbeitet, unbefriedigt lassen. Das zeigt sich für denjenigen, der nun den ganzen Menschen beobachten kann mit den Mitteln der Geistesforschung, insbesondere heute beim schlafenden Menschen.

[ 12 ] Dieser schlafende Mensch von heute hat gewissermaßen gar nichts von dem, was er eigentlich braucht. Er hat den großen Mangel, daß er vom Einschlafen bis zum Aufwachen nicht nur physisch schläft, wie er ja soll, sondern auch seelisch in einer gewissen Weise schläft. Bei dem älteren Menschen war das so der Fall, daß er im Einschlafen seelisch erwachte. Es ging das natürlich nicht in das gewöhnliche Bewußtsein über, aber er erwachte seelisch so, daß er gewisse Kräfte in der Umgebung — er war ja dann mit seiner Umgebung verbunden, nicht mehr mit dem Leibe, aus dem er heraußen war —, daß er gewisse Kräfte durch das Bewußtsein einsog, die er im gewöhnlichen Bewußtsein nicht einsaugen konnte. Diese Kräfte gehen heute dem Menschen verloren. Der Mensch steht in der äußeren Welt drinnen, und doch wiederum mit seiner Seele nicht darinnen. Er kann nicht mehr erröten, wenn er den purpurroten Fingerhut anschaut, er kann nicht mehr erblassen, wenn er das Bilsenkraut ansieht. Er kann nicht mehr so lebendig fühlen, daß es ein Glück ist, in der Nähe von Eichenwäldern geboren zu werden, weil die Eiche mutige Kräfte in den Menschen ergießt, wie das beim alten Germanen der Fall war. Diese Dinge sind nicht bloß in der Abstraktheit zu fassen, wie wir das heute tun, wo wir es nacherzählen, so richtig philiströs nacherzählen, wie der alte Germane die Eichen geliebt hat. Es ist philisterhaft, wie wir das heute erzählen, denn wir wissen gar nicht, wie die Eiche auf ältere Menschen gewirkt hat, wie der siebzehnbis achtzehnjährige Bursche, wenn er beim Erwachen gewisser Kräfte der Eiche gegenübergestanden hat, gar nicht anders konnte, als sich steifen in den Knien, in den Lenden, wie er den Hals straffte, wie das eine Selbstverständlichkeit war.

[ 12 ] Dieser schlafende Mensch von heute hat gewissermaßen gar nichts von dem, was er eigentlich braucht. Er hat den großen Mangel, daß er vom Einschlafen bis zum Aufwachen nicht nur physisch schläft, wie er ja soll, sondern auch seelisch in einer gewissen Weise schläft. Bei dem älteren Menschen war das so der Fall, daß er im Einschlafen seelisch erwachte. Es ging das natürlich nicht in das gewöhnliche Bewußtsein über, aber er erwachte seelisch so, daß er gewisse Kräfte in der Umgebung — er war ja dann mit seiner Umgebung verbunden, nicht mehr mit dem Leibe, aus dem er heraußen war —, daß er gewisse Kräfte durch das Bewußtsein einsog, die er im gewöhnlichen Bewußtsein nicht einsaugen konnte. Diese Kräfte gehen heute dem Menschen verloren. Der Mensch steht in der äußeren Welt drinnen, und doch wiederum mit seiner Seele nicht darinnen. Er kann nicht mehr erröten, wenn er den purpurroten Fingerhut anschaut, er kann nicht mehr erblassen, wenn er das Bilsenkraut ansieht. Er kann nicht mehr so lebendig fühlen, daß es ein Glück ist, in der Nähe von Eichenwäldern geboren zu werden, weil die Eiche mutige Kräfte in den Menschen ergießt, wie das beim alten Germanen der Fall war. Diese Dinge sind nicht bloß in der Abstraktheit zu fassen, wie wir das heute tun, wo wir es nacherzählen, so richtig philiströs nacherzählen, wie der alte Germane die Eichen geliebt hat. Es ist philisterhaft, wie wir das heute erzählen, denn wir wissen gar nicht, wie die Eiche auf ältere Menschen gewirkt hat, wie der siebzehnbis achtzehnjährige Bursche, wenn er beim Erwachen gewisser Kräfte der Eiche gegenübergestanden hat, gar nicht anders konnte, als sich steifen in den Knien, in den Lenden, wie er den Hals straffte, wie das eine Selbstverständlichkeit war.

[ 13 ] Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen; ich meine nicht, daß wir das jetzt heute heranerziehen sollen. Davon kann gar nicht die Rede sein, denn es wäre, wenn wir es heranerziehen wollten, etwas Unnatürliches. Es ist eben das etwas, was der Menschheit geschwunden ist, was nicht mehr vorhanden ist. Aber wir müssen einsehen, daß das Bedürfnis im unterbewußten Seelenleben trotzdem dafür geblieben ist, daß dieses Bedürfnis da ist.

[ 13 ] Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen; ich meine nicht, daß wir das jetzt heute heranerziehen sollen. Davon kann gar nicht die Rede sein, denn es wäre, wenn wir es heranerziehen wollten, etwas Unnatürliches. Es ist eben das etwas, was der Menschheit geschwunden ist, was nicht mehr vorhanden ist. Aber wir müssen einsehen, daß das Bedürfnis im unterbewußten Seelenleben trotzdem dafür geblieben ist, daß dieses Bedürfnis da ist.

[ 14 ] Wie hat denn also der alte Mensch gegenüber der Natur gesagt? Er hat gesagt: Ich bin geboren — er hat es natürlich nicht so ausgesprochen, aber es lag im Gefühle —, ich bin geboren worden; was in mir lebt, das wurzelt da draußen in den Steinen, die mir etwas sagen, in den Pflanzen, die mich erröten und erblassen machen, mich straff machen und so weiter, in den Tieren, die mich mit innerlichen Kräften erfüllen oder schlaff machen; da wurzle ich drinnen. Da werde ich mit meiner Seele wiederum aufgenommen, wenn mein Körper von mir abfällt. — Und es war das eine Empfindung, wie sie, sagen wir, die Pflanzen haben könnten, wenn sie blühen. Wenn die Pflanze ein Seelenleben entwickeln könnte, wenn sie blüht, so würde sie sagen: ich muß jetzt den Keim entwickeln zur Frucht; da ist es aus mit mir, da geht es nicht weiter, da muß ich meine Blätter welken und zuletzt abfallen lassen. — Aber dann würde sich die Pflanze, wenn sie ihr Seelenleben entwickeln würde, dankbar hinwenden zur Erde und würde sagen: Ja, da ist aber die Erde, die nimmt meine Keime auf, die entwickelt meine Keime. Da lebe ich weiter. — So hat ungefähr der alteMensch gefühlt gegenüber der ganzen Natur. Er hat nicht bloß abgeleitet sein Seelensein von der physischen Vererbung, sondern er wußte sich wurzelnd in der ganzen Natur. Und indem er sich wurzelnd wußte in der ganzen Natur, wußte er auch wiederum, wie er in die ganze Natur aufgenommen wird, wenn sein Körper von ihm abgefallen ist. Er betrachtete die ganze Natur so, wie die blühende Pflanze die Erde betrachtet, die ihren Keim aufnimmt. Diese Welt, die da der alte Mensch um sich fühlte, die ist eigentlich nicht mehr da, die ist erstorben, die ist tot. Und das ist, wenn es eben auch nicht verstanden wird, ein Grundgefühl des modernen Menschen, daß er sich herausgeworfen fühlt aus der Natur.

[ 14 ] Wie hat denn also der alte Mensch gegenüber der Natur gesagt? Er hat gesagt: Ich bin geboren — er hat es natürlich nicht so ausgesprochen, aber es lag im Gefühle —, ich bin geboren worden; was in mir lebt, das wurzelt da draußen in den Steinen, die mir etwas sagen, in den Pflanzen, die mich erröten und erblassen machen, mich straff machen und so weiter, in den Tieren, die mich mit innerlichen Kräften erfüllen oder schlaff machen; da wurzle ich drinnen. Da werde ich mit meiner Seele wiederum aufgenommen, wenn mein Körper von mir abfällt. — Und es war das eine Empfindung, wie sie, sagen wir, die Pflanzen haben könnten, wenn sie blühen. Wenn die Pflanze ein Seelenleben entwickeln könnte, wenn sie blüht, so würde sie sagen: ich muß jetzt den Keim entwickeln zur Frucht; da ist es aus mit mir, da geht es nicht weiter, da muß ich meine Blätter welken und zuletzt abfallen lassen. — Aber dann würde sich die Pflanze, wenn sie ihr Seelenleben entwickeln würde, dankbar hinwenden zur Erde und würde sagen: Ja, da ist aber die Erde, die nimmt meine Keime auf, die entwickelt meine Keime. Da lebe ich weiter. — So hat ungefähr der alteMensch gefühlt gegenüber der ganzen Natur. Er hat nicht bloß abgeleitet sein Seelensein von der physischen Vererbung, sondern er wußte sich wurzelnd in der ganzen Natur. Und indem er sich wurzelnd wußte in der ganzen Natur, wußte er auch wiederum, wie er in die ganze Natur aufgenommen wird, wenn sein Körper von ihm abgefallen ist. Er betrachtete die ganze Natur so, wie die blühende Pflanze die Erde betrachtet, die ihren Keim aufnimmt. Diese Welt, die da der alte Mensch um sich fühlte, die ist eigentlich nicht mehr da, die ist erstorben, die ist tot. Und das ist, wenn es eben auch nicht verstanden wird, ein Grundgefühl des modernen Menschen, daß er sich herausgeworfen fühlt aus der Natur.

[ 15 ] Und jetzt wollen wir etwas ganz anderes vor unsere Seele hinstellen. Wir wollen uns einmal vorstellen in der vierten nachatlantischen Zeit einen Eingeweihten, der eingeweiht ist in den Beginn des intellektualistischen Lebens. Was heute allgemein intellektualistisches Leben ist, war in gewisser Beziehung für den vierten nachatlantischen Zeitraum Ergebnis einer gewissen Einweihung. Gewisse Einweihungen gingen darauf hin, den Menschen bis zum Begreifen des Intellektualismus zu bringen. Sehen Sie, solch ein Eingeweihter wurde natürlich zu den Konsequenzen des Intellektualismus gebracht, während man heute unter der Furcht vor dem Intellektualismus eben stecken bleibt — man geht nicht bis zu den Konsequenzen. Aber solch ein Eingeweihter, der wurde dazu gebracht, das zu verstehen. In alten Zeiten war es eben so, daß der Mensch das Beseelte der ganzen Natur fühlte. Da lebte er mit seinem Seelenleben so, daß er wußte, im Tode nimmt ihn das Beseelte des Kosmos wiederum auf. Es waltete schon eine tragische Stimmung über vielen Einweihungen des vierten nachatlantischen Zeitraumes und die Eingeweihten dieser Art von Mysterien, die hatten eigentlich gegenüber der Natur alle Hoffnung verloren. Sie erwarteten gar nichts von dem, was die Natur zum Menschen sprechen konnte. Sie sagten, die Natur hat aufgehört, zum Menschen zu sprechen, die Natur hat aufgehört, den Menschen aufzunehmen im Tode. Es muß eine ganz andere Welt kommen, damit der Mensch mit seinem Seelenleben wiederum eine Hoffnung haben könne. Und es wurde diesen Eingeweihten klargemacht: Wer in die Natur schaut, findet in der Natur nichts, was ihm eine solche Hoffnung geben könnte. Er mußte ja sehen in der Natur, daß nichts da ist, was den Menschen seelisch, nicht nur leiblich, wo er Nachkommenschaft hat, aber was den Menschen seelisch rettet. Daß die Weisheit die intellektualistische Form annimmt, das lernten diese Eingeweihten kennen. Bei uns ist es ja schon eine Trivialität, aber diese Eingeweihten lernten kennen, wie die Weisheit sich in intellektualistische Form wandelt. Und das erzeugte in ihnen diese tragische Stimmung, das war es, was sie hoffnungslos machte. Denn eines erfuhren die alten Eingeweihten mit voller Bewußtheit: sie wußten, Weisheit ist nicht bloß etwas abstrakt im Menschen Lebendes, Weisheit ist Licht im Menschen, indem der Mensch denkt, sich innerlich Bilder macht. Denn dasselbe, was da im Menschen innerlich die Bilder sind, das ist äußerlich das Licht, das belebt. Unsere Begriffe können kein Licht schaffen — so etwa sagten sich diese Eingeweihten —, daher haben sie selber die Form des Todes in Anspruch genommen, daher sind sie tot, unsere Begriffe. Und das war die tragische Weisheit eines großen Teiles der Mysterien des vierten nachatlantischen Zeitraumes, daß der Satz gefühlt wurde: Die Weisheit des Menschen kann nicht mehr Licht sein, sie wird dunkel im Menschen; denn Licht ist schaffend. Der abstrakte Gedanke ist unschöpferisch, ist tot.

[ 15 ] Und jetzt wollen wir etwas ganz anderes vor unsere Seele hinstellen. Wir wollen uns einmal vorstellen in der vierten nachatlantischen Zeit einen Eingeweihten, der eingeweiht ist in den Beginn des intellektualistischen Lebens. Was heute allgemein intellektualistisches Leben ist, war in gewisser Beziehung für den vierten nachatlantischen Zeitraum Ergebnis einer gewissen Einweihung. Gewisse Einweihungen gingen darauf hin, den Menschen bis zum Begreifen des Intellektualismus zu bringen. Sehen Sie, solch ein Eingeweihter wurde natürlich zu den Konsequenzen des Intellektualismus gebracht, während man heute unter der Furcht vor dem Intellektualismus eben stecken bleibt — man geht nicht bis zu den Konsequenzen. Aber solch ein Eingeweihter, der wurde dazu gebracht, das zu verstehen. In alten Zeiten war es eben so, daß der Mensch das Beseelte der ganzen Natur fühlte. Da lebte er mit seinem Seelenleben so, daß er wußte, im Tode nimmt ihn das Beseelte des Kosmos wiederum auf. Es waltete schon eine tragische Stimmung über vielen Einweihungen des vierten nachatlantischen Zeitraumes und die Eingeweihten dieser Art von Mysterien, die hatten eigentlich gegenüber der Natur alle Hoffnung verloren. Sie erwarteten gar nichts von dem, was die Natur zum Menschen sprechen konnte. Sie sagten, die Natur hat aufgehört, zum Menschen zu sprechen, die Natur hat aufgehört, den Menschen aufzunehmen im Tode. Es muß eine ganz andere Welt kommen, damit der Mensch mit seinem Seelenleben wiederum eine Hoffnung haben könne. Und es wurde diesen Eingeweihten klargemacht: Wer in die Natur schaut, findet in der Natur nichts, was ihm eine solche Hoffnung geben könnte. Er mußte ja sehen in der Natur, daß nichts da ist, was den Menschen seelisch, nicht nur leiblich, wo er Nachkommenschaft hat, aber was den Menschen seelisch rettet. Daß die Weisheit die intellektualistische Form annimmt, das lernten diese Eingeweihten kennen. Bei uns ist es ja schon eine Trivialität, aber diese Eingeweihten lernten kennen, wie die Weisheit sich in intellektualistische Form wandelt. Und das erzeugte in ihnen diese tragische Stimmung, das war es, was sie hoffnungslos machte. Denn eines erfuhren die alten Eingeweihten mit voller Bewußtheit: sie wußten, Weisheit ist nicht bloß etwas abstrakt im Menschen Lebendes, Weisheit ist Licht im Menschen, indem der Mensch denkt, sich innerlich Bilder macht. Denn dasselbe, was da im Menschen innerlich die Bilder sind, das ist äußerlich das Licht, das belebt. Unsere Begriffe können kein Licht schaffen — so etwa sagten sich diese Eingeweihten —, daher haben sie selber die Form des Todes in Anspruch genommen, daher sind sie tot, unsere Begriffe. Und das war die tragische Weisheit eines großen Teiles der Mysterien des vierten nachatlantischen Zeitraumes, daß der Satz gefühlt wurde: Die Weisheit des Menschen kann nicht mehr Licht sein, sie wird dunkel im Menschen; denn Licht ist schaffend. Der abstrakte Gedanke ist unschöpferisch, ist tot.

[ 16 ] Und nun stellen Sie sich einen solchen Eingeweihten vor, der ganz in dieser Anschauung stehend erzogen ist: es kann erst wiederum einen Trost für den Menschen geben, wenn aus irgendeiner Ecke heraus die Überzeugung kommt: die Weisheit kann wieder leuchten, die Weisheit kann wiederum Licht werden, sie ist nicht tot, sie ist etwas, was man draußen auch sehen kann. Sie kann Licht werden. Sehen Sie, dieser Trost ist Paulus geworden, als er das Ereignis von Damaskus erlebte. Da hatte er erst das Mysterium von Golgatha begriffen. Da hat er erst verstanden: durch Christus ist etwas in die Welt gekommen, was nicht nur gedacht werden kann, was leuchtet, was wiederum Lichtkraft, also schaffende Kraft hat. Und von da an hat er gewußt: zwar die Natur ist für den Menschen erstorben, aber der Christus ist mit seiner Kraft auf der Erde. Er hat sie durchdrungen. Und in dem Christus kann jetzt die Menschheit dasjenige finden, was sie früher in der Natur gefunden hat. Das war das große Erlebnis des Paulus vor Damaskus. Und da verstand er: die Menschen haben die Natur verloren als Trost, die Natur ist ihnen ästhetisch geworden. Aber der Christus tritt ein. Der Christus, richtig verstanden, gibt dasjenige, was da lebte in dem ganzen Komplex der sprechenden Mineralien, der zum Erröten und Erblassen bringenden Pflanzen, der innerlich den Menschen durchsehnenden, durchwühlenden Tierheit. Ein Geistkosmos hat sich mit der Erde verbunden. Die Sonnenkraft, die früher in Mineral, Pflanze und Tier dem Menschen erschien, sie ist da auf moralische Art. Sie ist da für das innerliche Erleben. Das Himmelreich ist nahe herangekommen.

[ 16 ] Und nun stellen Sie sich einen solchen Eingeweihten vor, der ganz in dieser Anschauung stehend erzogen ist: es kann erst wiederum einen Trost für den Menschen geben, wenn aus irgendeiner Ecke heraus die Überzeugung kommt: die Weisheit kann wieder leuchten, die Weisheit kann wiederum Licht werden, sie ist nicht tot, sie ist etwas, was man draußen auch sehen kann. Sie kann Licht werden. Sehen Sie, dieser Trost ist Paulus geworden, als er das Ereignis von Damaskus erlebte. Da hatte er erst das Mysterium von Golgatha begriffen. Da hat er erst verstanden: durch Christus ist etwas in die Welt gekommen, was nicht nur gedacht werden kann, was leuchtet, was wiederum Lichtkraft, also schaffende Kraft hat. Und von da an hat er gewußt: zwar die Natur ist für den Menschen erstorben, aber der Christus ist mit seiner Kraft auf der Erde. Er hat sie durchdrungen. Und in dem Christus kann jetzt die Menschheit dasjenige finden, was sie früher in der Natur gefunden hat. Das war das große Erlebnis des Paulus vor Damaskus. Und da verstand er: die Menschen haben die Natur verloren als Trost, die Natur ist ihnen ästhetisch geworden. Aber der Christus tritt ein. Der Christus, richtig verstanden, gibt dasjenige, was da lebte in dem ganzen Komplex der sprechenden Mineralien, der zum Erröten und Erblassen bringenden Pflanzen, der innerlich den Menschen durchsehnenden, durchwühlenden Tierheit. Ein Geistkosmos hat sich mit der Erde verbunden. Die Sonnenkraft, die früher in Mineral, Pflanze und Tier dem Menschen erschien, sie ist da auf moralische Art. Sie ist da für das innerliche Erleben. Das Himmelreich ist nahe herangekommen.

[ 17 ] Was reden die Menschen alle über die Interpretation dessen, daß der Christus verkündet hat: Das Erdenende ist da, ein neues Reich kommt auf. — Ja, die es so verstanden haben, daß nunmehr die Ähren fünfmal so reich werden auf den Feldern, daß die Trauben fünfmal so groß werden an den Weinstöcken — wir wissen ja, daß das so verstanden worden ist —, die verstehen eben nicht, was da gemeint war; daß tatsächlich eine Durchtränkung des rein natürlichen Daseins mit dem gekommen war, was in dem Herabsenken des Christus auf die Erde liegt. Das hat der Paulus geoffenbart bekommen mit dem Ereignis von Damaskus. Und so müssen wir eben diese zweite Welt sehen, eine zweite, ganz neue Welt ist gekommen mit dem Christus. Es ist nicht bloß dieses Abstraktum, als das man es häufig ansieht, sondern es ist eine ganz neue Welt, eine Welt, die wiederum dasjenige gibt, wenn es richtig verstanden wird, was früher die Natur gegeben hat. Der Intellektualismus lacht, wenn man davon spricht, daß in den Mineralien Gnomen sind, was aber nichts anderes zum Ausdruck bringen soll als das, was ich vorhin gesagt habe: Die Mineralien sprachen zu einem —, oder daß Undinen in den Pflanzen sind. Menschen, die nicht mehr erblassen können, nicht mehr erröten können beim Anblick der Pflanzen, diekönnen natürlich auch von den Undinen nichts wissen; denn die Verstandesbegriffe, die Definitionen, die sagen nichts von den Undinen. Aber das Erröten und Erblassen, das, was im Blute liegt, das spricht davon, sprach einmal davon. Heute spricht es nur unbewußt davon. Aber all das vermag wieder aufzuleben, wenn der Christus wirklich als ein Erlebnis bei der Menschheit eintritt. Und im Christus wird sich das Alter wiederum mit der Jugend verständigen können. Denn der Christus, der kann nicht mit dem Verstande erfaßt werden. Sehen Sie, wie wir heute die Welt verstandesmäßig beurteilen, reden wir von richtig und unrichtig, von wahr und falsch. Aber das hat nur für die physische Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, Bedeutung. Die Leute, zu denen man reden muß über die höheren Welten, die wollen nicht eingehen auf das, was das Wesentliche ist. Gewiß, man muß die Begriffe von wahr und falsch, von logisch richtig und unrichtig auch in die höheren Welten hinauftragen. Aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist, daß da etwas Lebendiges dazu kommen muß, daß da die Begriffe «gesund» und «krank» zum Beispiel eintreten müssen. Hier für die physische Welt ist etwas eben richtig oder unrichtig, für die höheren Welten ist das Richtige außerdem gesund. Wir empfinden es so lebendig, wie wir hier das Gesundsein am ganzen Menschen empfinden in der physischen Welt. Und das Falsche, das Unrichtige ist dort das Kranke, und wir reden eigentlich besser, wenn wir in der gewöhnlichen Welt die Dinge wirklich treffen wollen, von gesund und krank, als wenn wir von richtig oder unrichtig reden, und wir müssen uns auch aneignen etwas von der Anschauung nach dem Gesunden oder Kranken. Hier urteilen wir logisch nach richtig oder unrichtig, in den höheren Welten empfinden wir: da wächst etwas, es entwickelt sich. Wir reden nicht vom bloßen Richtigen, wir empfinden das als gesund. Und wenn wir einen Begriff darüber fassen, so fühlen wir auch diesen Begriff als etwas Gesundes, nicht bloß als etwas Richtiges. Und ebenso fühlen wir das, was unrichtig ist, in der geistigen Welt als krank. Nun, für die physische Welt reichen wir heute eben aus — wir sind einmal so veranlagt — mit richtig oder unrichtig. Für die Geschichte ist das nicht der Fall. Für die Geschichte kommen wir eben mit dem nicht aus, was die neueren Historiker nach dem Muster der bloßen Physik an Begriffen entwickelt haben. Da müssen wir sprechen von einer Gesundheit am Ausgangspunkte der Menschheit. Wir müssen in der griechisch-lateinischen Zeit sprechen von einer Erkrankung der Kultur. Und wir müssen von der Therapie der Geschichte sprechen, indem wir die Wirksamkeit des Mysteriums von Golgatha entwickeln. Wir müssen also sprechen, wie wir von dem gesunden und kranken Menschen sprechen, wir müssen die Geschichte nach dem Musterbilde einer Erkrankung und einer Heilung darstellen.

[ 17 ] Was reden die Menschen alle über die Interpretation dessen, daß der Christus verkündet hat: Das Erdenende ist da, ein neues Reich kommt auf. — Ja, die es so verstanden haben, daß nunmehr die Ähren fünfmal so reich werden auf den Feldern, daß die Trauben fünfmal so groß werden an den Weinstöcken — wir wissen ja, daß das so verstanden worden ist —, die verstehen eben nicht, was da gemeint war; daß tatsächlich eine Durchtränkung des rein natürlichen Daseins mit dem gekommen war, was in dem Herabsenken des Christus auf die Erde liegt. Das hat der Paulus geoffenbart bekommen mit dem Ereignis von Damaskus. Und so müssen wir eben diese zweite Welt sehen, eine zweite, ganz neue Welt ist gekommen mit dem Christus. Es ist nicht bloß dieses Abstraktum, als das man es häufig ansieht, sondern es ist eine ganz neue Welt, eine Welt, die wiederum dasjenige gibt, wenn es richtig verstanden wird, was früher die Natur gegeben hat. Der Intellektualismus lacht, wenn man davon spricht, daß in den Mineralien Gnomen sind, was aber nichts anderes zum Ausdruck bringen soll als das, was ich vorhin gesagt habe: Die Mineralien sprachen zu einem —, oder daß Undinen in den Pflanzen sind. Menschen, die nicht mehr erblassen können, nicht mehr erröten können beim Anblick der Pflanzen, diekönnen natürlich auch von den Undinen nichts wissen; denn die Verstandesbegriffe, die Definitionen, die sagen nichts von den Undinen. Aber das Erröten und Erblassen, das, was im Blute liegt, das spricht davon, sprach einmal davon. Heute spricht es nur unbewußt davon. Aber all das vermag wieder aufzuleben, wenn der Christus wirklich als ein Erlebnis bei der Menschheit eintritt. Und im Christus wird sich das Alter wiederum mit der Jugend verständigen können. Denn der Christus, der kann nicht mit dem Verstande erfaßt werden. Sehen Sie, wie wir heute die Welt verstandesmäßig beurteilen, reden wir von richtig und unrichtig, von wahr und falsch. Aber das hat nur für die physische Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, Bedeutung. Die Leute, zu denen man reden muß über die höheren Welten, die wollen nicht eingehen auf das, was das Wesentliche ist. Gewiß, man muß die Begriffe von wahr und falsch, von logisch richtig und unrichtig auch in die höheren Welten hinauftragen. Aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist, daß da etwas Lebendiges dazu kommen muß, daß da die Begriffe «gesund» und «krank» zum Beispiel eintreten müssen. Hier für die physische Welt ist etwas eben richtig oder unrichtig, für die höheren Welten ist das Richtige außerdem gesund. Wir empfinden es so lebendig, wie wir hier das Gesundsein am ganzen Menschen empfinden in der physischen Welt. Und das Falsche, das Unrichtige ist dort das Kranke, und wir reden eigentlich besser, wenn wir in der gewöhnlichen Welt die Dinge wirklich treffen wollen, von gesund und krank, als wenn wir von richtig oder unrichtig reden, und wir müssen uns auch aneignen etwas von der Anschauung nach dem Gesunden oder Kranken. Hier urteilen wir logisch nach richtig oder unrichtig, in den höheren Welten empfinden wir: da wächst etwas, es entwickelt sich. Wir reden nicht vom bloßen Richtigen, wir empfinden das als gesund. Und wenn wir einen Begriff darüber fassen, so fühlen wir auch diesen Begriff als etwas Gesundes, nicht bloß als etwas Richtiges. Und ebenso fühlen wir das, was unrichtig ist, in der geistigen Welt als krank. Nun, für die physische Welt reichen wir heute eben aus — wir sind einmal so veranlagt — mit richtig oder unrichtig. Für die Geschichte ist das nicht der Fall. Für die Geschichte kommen wir eben mit dem nicht aus, was die neueren Historiker nach dem Muster der bloßen Physik an Begriffen entwickelt haben. Da müssen wir sprechen von einer Gesundheit am Ausgangspunkte der Menschheit. Wir müssen in der griechisch-lateinischen Zeit sprechen von einer Erkrankung der Kultur. Und wir müssen von der Therapie der Geschichte sprechen, indem wir die Wirksamkeit des Mysteriums von Golgatha entwickeln. Wir müssen also sprechen, wie wir von dem gesunden und kranken Menschen sprechen, wir müssen die Geschichte nach dem Musterbilde einer Erkrankung und einer Heilung darstellen.

[ 18 ] Unendlich abstrakt ist so etwas wie etwa die Rankesche Geschichte gegenüber der Wirklichkeit. Und diese Rankesche oder andere Geschichte, wie sie heute geschrieben wird, die ist ungefähr so, wie wenn ein Arzt an ein Krankenbett treten oder einem gesunden Menschen gegenübertreten würde und da bloß logizieren wollte. An die Geschichte müssen wir mit dem Blick für Gesundheit, Krankheit und Heilung herantreten. Und das geschieht eben, wenn wir die Geschichte so betrachten, daß wir von der Gesundheit in der Urzeit ausgehen, allmählich eine wirkliche Kulturerkrankung sehen, und den großen Therapeuten empfinden, der durch das Mysterium von Golgatha die Heilung von außerhalb der Erde wirklich gebracht hat. So wird die Geschichtsbetrachtung verlebendigt. So wird aber auch der Christus in die geschichtliche Entwickelung hineingestellt. Erst die geschichtliche Entwickelung hat eine Möglichkeit, an den Christus heranzukommen, die so verfährt, wie die Physiologie, die Pathologie gegenüber dem Materiellen verfahren muß. Man muß schon hineintragen können in das geistige Leben diejenigen Begriffe, die man heute nur im physischen Leben handhaben kann, und da auch schlecht, denn man untersucht zum Beispiel den Menschen, nachdem er gestorben ist, und leitet die wichtigsten Gesetze für sein Leben ab vom Leichnam. Also man handhabt auch das schlecht, aber man handhabt es wenigstens. Aber bei der Geschichtsbetrachtung ist einem das völlig entfallen. Höchstens wenn die Menschen ganz besondere Ausnahmezustände sehen, wie, sagen wir, wenn eine Sekte auftritt, die sich peitscht, dann spricht man von etwas Pathologischem, oder wenn die Dinge dazu kommen, wie es schon während der letzten Jahre zum Beispiel geschehen ist, daß einer einmal begonnen hat, mit Maschinengewehren nach der Venus zu schießen, weil er geglaubt hat, das ist ein heranziehender feindlicher Luftballon. Dann spricht man von Kriegspsychose. Also man redet in besonderen Fällen davon, daß da das Gesunde oder Kranke eintritt. Aber man betrachtet das Gesunde und Kranke nicht in dem großen Verlaufe. Daher kann man auch nicht dazu kommen, das Prinzip des Heilens, der großen geschichtlichen Therapie, die mit dem Mysterium von Golgatha aufgetreten ist, wirklich zu verstehen. Selbstverständlich, man kann sagen, die Menschen sind heute noch immer eigentlich recht sehr krank. Nun ja, aber das gilt nicht, denn man müßte eine Vorstellung davon haben, wie es wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Und wenn die Leute glauben, es käme nur auf den Glauben an, dann irren sie auch, denn es kommt auf das Objektive an, das in der Menschheitsentwickelung durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Gewiß, beim Kranken nützt der Glaube auch etwas, aber ein Wesentliches ist doch die Kunst des Arztes. Daher war es schon eine Abirrung, als man das eigentliche Phänomen der christlichen Frömmigkeit bloß in dem Glauben gesucht hat. Das wäre etwa so, wie wenn man sagen würde: Die Arznei kann bleiben, wo sie will, man braucht bloß dem Kranken den Glauben beizubringen, daß er durch diese Arznei gesund werden kann.

[ 18 ] Unendlich abstrakt ist so etwas wie etwa die Rankesche Geschichte gegenüber der Wirklichkeit. Und diese Rankesche oder andere Geschichte, wie sie heute geschrieben wird, die ist ungefähr so, wie wenn ein Arzt an ein Krankenbett treten oder einem gesunden Menschen gegenübertreten würde und da bloß logizieren wollte. An die Geschichte müssen wir mit dem Blick für Gesundheit, Krankheit und Heilung herantreten. Und das geschieht eben, wenn wir die Geschichte so betrachten, daß wir von der Gesundheit in der Urzeit ausgehen, allmählich eine wirkliche Kulturerkrankung sehen, und den großen Therapeuten empfinden, der durch das Mysterium von Golgatha die Heilung von außerhalb der Erde wirklich gebracht hat. So wird die Geschichtsbetrachtung verlebendigt. So wird aber auch der Christus in die geschichtliche Entwickelung hineingestellt. Erst die geschichtliche Entwickelung hat eine Möglichkeit, an den Christus heranzukommen, die so verfährt, wie die Physiologie, die Pathologie gegenüber dem Materiellen verfahren muß. Man muß schon hineintragen können in das geistige Leben diejenigen Begriffe, die man heute nur im physischen Leben handhaben kann, und da auch schlecht, denn man untersucht zum Beispiel den Menschen, nachdem er gestorben ist, und leitet die wichtigsten Gesetze für sein Leben ab vom Leichnam. Also man handhabt auch das schlecht, aber man handhabt es wenigstens. Aber bei der Geschichtsbetrachtung ist einem das völlig entfallen. Höchstens wenn die Menschen ganz besondere Ausnahmezustände sehen, wie, sagen wir, wenn eine Sekte auftritt, die sich peitscht, dann spricht man von etwas Pathologischem, oder wenn die Dinge dazu kommen, wie es schon während der letzten Jahre zum Beispiel geschehen ist, daß einer einmal begonnen hat, mit Maschinengewehren nach der Venus zu schießen, weil er geglaubt hat, das ist ein heranziehender feindlicher Luftballon. Dann spricht man von Kriegspsychose. Also man redet in besonderen Fällen davon, daß da das Gesunde oder Kranke eintritt. Aber man betrachtet das Gesunde und Kranke nicht in dem großen Verlaufe. Daher kann man auch nicht dazu kommen, das Prinzip des Heilens, der großen geschichtlichen Therapie, die mit dem Mysterium von Golgatha aufgetreten ist, wirklich zu verstehen. Selbstverständlich, man kann sagen, die Menschen sind heute noch immer eigentlich recht sehr krank. Nun ja, aber das gilt nicht, denn man müßte eine Vorstellung davon haben, wie es wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Und wenn die Leute glauben, es käme nur auf den Glauben an, dann irren sie auch, denn es kommt auf das Objektive an, das in der Menschheitsentwickelung durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Gewiß, beim Kranken nützt der Glaube auch etwas, aber ein Wesentliches ist doch die Kunst des Arztes. Daher war es schon eine Abirrung, als man das eigentliche Phänomen der christlichen Frömmigkeit bloß in dem Glauben gesucht hat. Das wäre etwa so, wie wenn man sagen würde: Die Arznei kann bleiben, wo sie will, man braucht bloß dem Kranken den Glauben beizubringen, daß er durch diese Arznei gesund werden kann.

[ 19 ] Man ist eben überall zu Abstraktionen gekommen, zum Unvermögen zu durchschauen, wie das, was der Mensch in seinem Inneren erlebt, zusammenhängt mit dem, was draußen objektiv vorgeht. Und so wird es eben notwendig sein, daß unsere Vorstellungen lebendiger und lebendiger werden. Denn mit den toten Vorstellungen, mit denen wir uns allmählich angewöhnt haben, die äußere Natur zu betrachten, mit denen ergibt sich das Mysterium von Golgatha nicht. Denen gegenüber würde das Christentum immer mehr und mehr verblassen. Der Christus würde immer mehr und mehr zu dem bloßen Menschen Jesus werden, wie er es schon für viele’Theologen geworden ist. Das Christentum würde verschwinden. Ein wirkliches Beleben des Christentums setzt voraus, daß die ganze Entwickelung der Menschheit und der menschlichen Anschauungen mit lebendigeren Begriffen durchsetzt werde, als es durch den Intellektualismus möglich ist. Wir mußten den Intellektualismus haben um der menschlichen Freiheit willen. Wir müssen aber den Intellektualismus wieder herausbringen um der menschlichen Wesenheit willen, damit diese menschliche Wesenheit wiederum lebendig werden könne. Zur Freiheit war notwendig ein Ersterben, denn nur aus der Betätigung des Willens im Erstorbenen, das heißt aus der höchsten Kraftanwendung des Willens, kann die Freiheit kommen. Wenn das Leben in uns uns übermannt, schwindet das Bewußtsein, in dem doch nur die Freiheit gedeihen kann. Aber indem der Intellektualismus einmal da ist, muß zu dem Intellektualismus das Leben kommen, das heißt zu den abstrakten Begriffen von wahr und falsch müssen die konkreten Begriffe von gesund und krank kommen.

[ 19 ] Man ist eben überall zu Abstraktionen gekommen, zum Unvermögen zu durchschauen, wie das, was der Mensch in seinem Inneren erlebt, zusammenhängt mit dem, was draußen objektiv vorgeht. Und so wird es eben notwendig sein, daß unsere Vorstellungen lebendiger und lebendiger werden. Denn mit den toten Vorstellungen, mit denen wir uns allmählich angewöhnt haben, die äußere Natur zu betrachten, mit denen ergibt sich das Mysterium von Golgatha nicht. Denen gegenüber würde das Christentum immer mehr und mehr verblassen. Der Christus würde immer mehr und mehr zu dem bloßen Menschen Jesus werden, wie er es schon für viele’Theologen geworden ist. Das Christentum würde verschwinden. Ein wirkliches Beleben des Christentums setzt voraus, daß die ganze Entwickelung der Menschheit und der menschlichen Anschauungen mit lebendigeren Begriffen durchsetzt werde, als es durch den Intellektualismus möglich ist. Wir mußten den Intellektualismus haben um der menschlichen Freiheit willen. Wir müssen aber den Intellektualismus wieder herausbringen um der menschlichen Wesenheit willen, damit diese menschliche Wesenheit wiederum lebendig werden könne. Zur Freiheit war notwendig ein Ersterben, denn nur aus der Betätigung des Willens im Erstorbenen, das heißt aus der höchsten Kraftanwendung des Willens, kann die Freiheit kommen. Wenn das Leben in uns uns übermannt, schwindet das Bewußtsein, in dem doch nur die Freiheit gedeihen kann. Aber indem der Intellektualismus einmal da ist, muß zu dem Intellektualismus das Leben kommen, das heißt zu den abstrakten Begriffen von wahr und falsch müssen die konkreten Begriffe von gesund und krank kommen.

[ 20 ] Und wir brauchen die Anwendung dieser konkreten Begriffe zum allerersten für die Geschichte. Dann werden wir als den wichtigsten Bestandteil der geschichtlichen Erdenentwickelung eben das Mysterium von Golgatha finden können.

[ 20 ] Und wir brauchen die Anwendung dieser konkreten Begriffe zum allerersten für die Geschichte. Dann werden wir als den wichtigsten Bestandteil der geschichtlichen Erdenentwickelung eben das Mysterium von Golgatha finden können.