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Earthly Knowledge and Heavenly Insight
GA 221

3 February 1923, Dornach

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Erdenwissen und Himmelserkenntnis
  1. Earthly Knowledge and Heavenly Insight, tr. SOL

2. Der Nachtmensch und der Tagesmensch. In das reine Denken kann das Ich-Wesen Hineingeschoben werden

2. Der Nachtmensch und der Tagesmensch. In das reine Denken kann das Ich-Wesen Hineingeschoben werden

[ 1 ] Heute möchte ich Ihnen zuerst eine kleine Szene erzählen aus dem Erkenntnisleben des 19. Jahrhunderts, damit wir uns daran über die groBen Veränderungen orientieren können, welche in dem Seelenwesen des abendländischen Menschen vor sich gegangen sind. Ich habe es ja öfter betont: der Mensch der Gegenwart hat stark das Bewußtsein, daß eigentlich die Menschen immer so gedacht, gefühlt, empfunden haben wie gegenwärtig, oder daß, wenn sie anders empfunden haben, dies eben kindlichen Entwickelungszuständen entsprach und daß der Mensch erst in der Gegenwart, ich möchte sagen, zu der rechten Männlichkeit des Denkens vorgerückt sei. Man muß sich, um den Menschen, um das Menschenwesen wirklich kennenzulernen, in die Denkweise älterer Zeiten zurückversetzen können, damit man nicht gar so siegesgewiß und hochmütig auf dasjenige wird, was in der Gegenwart die menschlichen Seelen erfüllt. Und wenn man dann sieht, wie schon im Verlaufe weniger Jahrzehnte sich Gedanken und Vorstellungen, die bei Gebildeten vorhanden waren, vollständig geändert haben, dann wird man auch einen Begriff sich machen können, wie radikal das Seelenleben der Menschen ein anderes geworden ist durch große Zeiträume hindurch, worauf wir ja gestern genötigt waren, wiederum aufmerksam zu machen.

[ 1 ] Heute möchte ich Ihnen zuerst eine kleine Szene erzählen aus dem Erkenntnisleben des 19. Jahrhunderts, damit wir uns daran über die groBen Veränderungen orientieren können, welche in dem Seelenwesen des abendländischen Menschen vor sich gegangen sind. Ich habe es ja öfter betont: der Mensch der Gegenwart hat stark das Bewußtsein, daß eigentlich die Menschen immer so gedacht, gefühlt, empfunden haben wie gegenwärtig, oder daß, wenn sie anders empfunden haben, dies eben kindlichen Entwickelungszuständen entsprach und daß der Mensch erst in der Gegenwart, ich möchte sagen, zu der rechten Männlichkeit des Denkens vorgerückt sei. Man muß sich, um den Menschen, um das Menschenwesen wirklich kennenzulernen, in die Denkweise älterer Zeiten zurückversetzen können, damit man nicht gar so siegesgewiß und hochmütig auf dasjenige wird, was in der Gegenwart die menschlichen Seelen erfüllt. Und wenn man dann sieht, wie schon im Verlaufe weniger Jahrzehnte sich Gedanken und Vorstellungen, die bei Gebildeten vorhanden waren, vollständig geändert haben, dann wird man auch einen Begriff sich machen können, wie radikal das Seelenleben der Menschen ein anderes geworden ist durch große Zeiträume hindurch, worauf wir ja gestern genötigt waren, wiederum aufmerksam zu machen.

[ 2 ] Einer der bekanntesten Hegelianer des 19. Jahrhunderts ist Karl Rosenkranz, der, nach anderen Aufenthaltsorten, lange Zeit Professor der Philosophie an der Universität in Königsberg war. Rosenkranz war Hegelianer, aber sein Hegeltum war erstens gefärbt durch ein sorgfältiges Kant-Studium — er sah gewissermaßen Hegel durch die Brille des Kantianismus an —, aber außerdem war sein Hegeltum stark gefärbt durch sein Studium der evangelischen Theologie. Das alles, evangelische Theologie, Kantianismus, Hegeltum, floß in diesem Menschen von der Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen.

[ 2 ] Einer der bekanntesten Hegelianer des 19. Jahrhunderts ist Karl Rosenkranz, der, nach anderen Aufenthaltsorten, lange Zeit Professor der Philosophie an der Universität in Königsberg war. Rosenkranz war Hegelianer, aber sein Hegeltum war erstens gefärbt durch ein sorgfältiges Kant-Studium — er sah gewissermaßen Hegel durch die Brille des Kantianismus an —, aber außerdem war sein Hegeltum stark gefärbt durch sein Studium der evangelischen Theologie. Das alles, evangelische Theologie, Kantianismus, Hegeltum, floß in diesem Menschen von der Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen.

[ 3 ] Das Hegeltum ist ja im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus dem Gesichtskreis der gebildeten Menschheit Mitteleuropas verschwunden, und man kann sich kaum vorstellen, wie tief in diesem Hegeltum drinnen die denkenden Menschen Mitteleuropas in den vierziger Jahren steckten. Daher wird man heute auch schwer eine Vorstellung davon bekommen, wie es eigentlich aussah in einer solchen Seele, wie die des Karl Rosenkranz war.

[ 3 ] Das Hegeltum ist ja im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus dem Gesichtskreis der gebildeten Menschheit Mitteleuropas verschwunden, und man kann sich kaum vorstellen, wie tief in diesem Hegeltum drinnen die denkenden Menschen Mitteleuropas in den vierziger Jahren steckten. Daher wird man heute auch schwer eine Vorstellung davon bekommen, wie es eigentlich aussah in einer solchen Seele, wie die des Karl Rosenkranz war.

[ 4 ] Nun war immerhin Rosenkranz ein Mensch, der in den vierziger Jahren so dachte, wie man es etwa nach der damaligen gebildeten Denkweise von einem Menschen verlangte, der das alte unbrauchbare Denken verlassen hat, der sich der modernen Aufklärung gefügt hat und nicht abergläubisch war in dem Sinne, wie es [sich] die vierziger Jahre dachten. Man konnte denken, daß Rosenkranz ein solcher Mensch war, der sozusagen auf der Höhe der damaligen Bildung stand.

[ 4 ] Nun war immerhin Rosenkranz ein Mensch, der in den vierziger Jahren so dachte, wie man es etwa nach der damaligen gebildeten Denkweise von einem Menschen verlangte, der das alte unbrauchbare Denken verlassen hat, der sich der modernen Aufklärung gefügt hat und nicht abergläubisch war in dem Sinne, wie es [sich] die vierziger Jahre dachten. Man konnte denken, daß Rosenkranz ein solcher Mensch war, der sozusagen auf der Höhe der damaligen Bildung stand.

[ 5 ] Nun machte dieser Karl Rosenkranz — es war im Jahre 1843 — einmal einen Spaziergang und traf auf diesem Spaziergang einen Menschen, Bon hieß er, mit dem er in ein für ihn, für Rosenkranz, so interessantes Gespräch kam, daß Rosenkranz dieses Gespräch aufgezeichnet hat. Bon war ein Thüringer, aber keineswegs, in dem Sinne wie etwa Rosenkranz, ein ganz aus seiner Zeit herausgewachsener Mensch. Bon seinerseits wird wohl wahrscheinlich über Rosenkranz so gedacht haben, daß er ihn für angefressen gehalten hat von den neuesten Vorstellungen, daß er ihn gehalten haben wird für einen Menschen, der zwar in einem gewissen Sinne vorurteilslos ist, der aber doch die gute alte Weisheit, die er, Bon, noch besaß, nicht mehr verstand.

[ 5 ] Nun machte dieser Karl Rosenkranz — es war im Jahre 1843 — einmal einen Spaziergang und traf auf diesem Spaziergang einen Menschen, Bon hieß er, mit dem er in ein für ihn, für Rosenkranz, so interessantes Gespräch kam, daß Rosenkranz dieses Gespräch aufgezeichnet hat. Bon war ein Thüringer, aber keineswegs, in dem Sinne wie etwa Rosenkranz, ein ganz aus seiner Zeit herausgewachsener Mensch. Bon seinerseits wird wohl wahrscheinlich über Rosenkranz so gedacht haben, daß er ihn für angefressen gehalten hat von den neuesten Vorstellungen, daß er ihn gehalten haben wird für einen Menschen, der zwar in einem gewissen Sinne vorurteilslos ist, der aber doch die gute alte Weisheit, die er, Bon, noch besaß, nicht mehr verstand.

[ 6 ] Und so kamen diese beiden — wie gesagt, es war im Jahre 1843 — in ein Gespräch. Bon war ausgebildet auf der Universität Erlangen und war dort hauptsächlich ein Schüler des etwas pietistisch angehauchten Philosophen Schubert, der aber noch voll war von älterer Weisheit, von Weisheit, die schr viel darauf gab, aus besonderen traumhaften Bewußtseinszuständen in die Wesenheit des Menschen hineinzukommen. Schubert war ein Mensch, der sehr viel von der überlieferten alten Weisheit hielt und der den Glauben hatte, wenn man nicht selber durch ein sinniges Innenleben etwas in sich lebendig machen kann von der guten alten Weisheit, dann kann man eigentlich im Ernste durch die neue Weisheit über den Menschen doch nichts wissen. In dieser Beziehung sind die Werke von Schubert außerordentlich interessant. Schubert vertiefte sich sehr gern in die verschiedenen Offenbarungen des menschlichen Traumlebens, auch in die abnormen Seelenzustände, wir würden heute vielleicht sagen, in die Seelenzustände des nicht schwindelhaften Mediums, in die Zustände jenes Hellsehertums, das sich noch wie atavistisch aus alten Zeiten erhalten hatte, kurz, in die abnormen, nicht in die völlig wachen Zustände des Seelenlebens. Dadurch suchte er Aufschluß über den Menschen zu erhalten.

[ 6 ] Und so kamen diese beiden — wie gesagt, es war im Jahre 1843 — in ein Gespräch. Bon war ausgebildet auf der Universität Erlangen und war dort hauptsächlich ein Schüler des etwas pietistisch angehauchten Philosophen Schubert, der aber noch voll war von älterer Weisheit, von Weisheit, die schr viel darauf gab, aus besonderen traumhaften Bewußtseinszuständen in die Wesenheit des Menschen hineinzukommen. Schubert war ein Mensch, der sehr viel von der überlieferten alten Weisheit hielt und der den Glauben hatte, wenn man nicht selber durch ein sinniges Innenleben etwas in sich lebendig machen kann von der guten alten Weisheit, dann kann man eigentlich im Ernste durch die neue Weisheit über den Menschen doch nichts wissen. In dieser Beziehung sind die Werke von Schubert außerordentlich interessant. Schubert vertiefte sich sehr gern in die verschiedenen Offenbarungen des menschlichen Traumlebens, auch in die abnormen Seelenzustände, wir würden heute vielleicht sagen, in die Seelenzustände des nicht schwindelhaften Mediums, in die Zustände jenes Hellsehertums, das sich noch wie atavistisch aus alten Zeiten erhalten hatte, kurz, in die abnormen, nicht in die völlig wachen Zustände des Seelenlebens. Dadurch suchte er Aufschluß über den Menschen zu erhalten.

[ 7 ] Ein Schüler dieses Schubert war nun Bon. Dann war aber Bon hierher in die Schweiz gekommen und hatte in der Schweiz ein Geistesleben aufgenommen, von dem wohl die heutigen Schweizer zumeist keine Ahnung haben, daß es hier einmal vorhanden war. Bon hatte nämlich in der Schweiz den sogenannten Gichtelianismus aufgenommen. Ich weiß nicht, ob noch viel bei den heutigen Schweizern bekannt ist davon, daß der Gichtelianismus ziemlich verbreitet war; nicht nur im übrigen Europa — heimisch war er ja in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel in Holland —, sondern er war auch in der Schweiz ziemlich verbreitet.

[ 7 ] Ein Schüler dieses Schubert war nun Bon. Dann war aber Bon hierher in die Schweiz gekommen und hatte in der Schweiz ein Geistesleben aufgenommen, von dem wohl die heutigen Schweizer zumeist keine Ahnung haben, daß es hier einmal vorhanden war. Bon hatte nämlich in der Schweiz den sogenannten Gichtelianismus aufgenommen. Ich weiß nicht, ob noch viel bei den heutigen Schweizern bekannt ist davon, daß der Gichtelianismus ziemlich verbreitet war; nicht nur im übrigen Europa — heimisch war er ja in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel in Holland —, sondern er war auch in der Schweiz ziemlich verbreitet.

[ 8 ] Dieser Gichtelianismus war nämlich dasjenige, was im 19. Jahrhundert, auch durch das 18. Jahrhundert hindurch, aber noch im 19. Jahrhundert übriggeblieben war von der Lehre Jakob Böhmes. Und in der Form, wie Gichtel die Lehre Jakob Böhmes vertreten hat, hat sich dann diese Lehre Jakob Böhmes über viele Gegenden ausgebreitet, unter anderem auch hierher in die Schweiz, und da hat Bon den Gichtelianismus kennengelernt.

[ 8 ] Dieser Gichtelianismus war nämlich dasjenige, was im 19. Jahrhundert, auch durch das 18. Jahrhundert hindurch, aber noch im 19. Jahrhundert übriggeblieben war von der Lehre Jakob Böhmes. Und in der Form, wie Gichtel die Lehre Jakob Böhmes vertreten hat, hat sich dann diese Lehre Jakob Böhmes über viele Gegenden ausgebreitet, unter anderem auch hierher in die Schweiz, und da hat Bon den Gichtelianismus kennengelernt.

[ 9 ] Nun, Rosenkranz hatte ja viel gelesen, und wenn er nun auch durch seinen Kantianismus, Hegelismus und durch seinen evangelischen Theologismus sich nicht in einer innerlich aktiven Weise in so etwas hineinfinden konnte wie Jakob Böhmes Lehre oder ihre Abschwächung in Gichtel, so verstand er wenigstens die Ausdrücke, und es interessierte ihn, wie so ein merkwürdiger Mensch, ein Gichtelianer, sprach.

[ 9 ] Nun, Rosenkranz hatte ja viel gelesen, und wenn er nun auch durch seinen Kantianismus, Hegelismus und durch seinen evangelischen Theologismus sich nicht in einer innerlich aktiven Weise in so etwas hineinfinden konnte wie Jakob Böhmes Lehre oder ihre Abschwächung in Gichtel, so verstand er wenigstens die Ausdrücke, und es interessierte ihn, wie so ein merkwürdiger Mensch, ein Gichtelianer, sprach.

[ 10 ] Nun sprachen sie offenbar — wie gesagt, Rosenkranz hat das Gespräch aufgezeichnet, das 1843 stattgefunden hat — zunächst über ein Thema, das sowohl für Kantianer wie für Hegelianer des 19. Jahrhunderts keine allzustark unverständlichen Seiten hatte. Rosenkranz sagte im Verlauf des Gespräches, es sei doch eigentlich mißlich, wenn man so recht tief nachdenken will über irgendein Problem, daß man durch allerlei äußere Abhaltungen gestört werden kann.

[ 10 ] Nun sprachen sie offenbar — wie gesagt, Rosenkranz hat das Gespräch aufgezeichnet, das 1843 stattgefunden hat — zunächst über ein Thema, das sowohl für Kantianer wie für Hegelianer des 19. Jahrhunderts keine allzustark unverständlichen Seiten hatte. Rosenkranz sagte im Verlauf des Gespräches, es sei doch eigentlich mißlich, wenn man so recht tief nachdenken will über irgendein Problem, daß man durch allerlei äußere Abhaltungen gestört werden kann.

[ 11 ] Ich möchte sagen, man fühlt, indem Rosenkranz dies sagt, schon etwas von dem, was dann später in einem viel höheren Maße gekommen ist: von der Nervosität des Zeitalters. Man braucht sich ja nur daran zu erinnern, daß unter den mannigfaltigen Vereinen, die sich in der Vorkriegszeit in Mitteleuropa gebildet haben, einer war, der von Hannover aus seinen Ursprung genommen hat, gegen den Lärm. Man wollte anstreben Gesetze gegen den Lärm, daß man abends zum Beispiel still denkend sitzen kann und nicht durch den Lärm etwa von einem benachbarten Gasthaus gestört werde. Es gibt Zeitschriftenartikel, welche diesen Verein gegen den Lärm propagierten. Es ist die Absicht, einen solchen Verein gegen den Lärm zu errichten, natürlich durchaus ein Ausfluß unseres nervösen Zeitalters. Also man spürt aus Karl Rosenkranz’ Rede, daß man so unangenehm gestört werden könne durch allerlei Dinge, die in der Umgebung vor sich gehen, wenn man nachdenken will oder gar, wenn man ein Buch schreiben will. Man spürt schon etwas von dieser Nervosität heraus. Und Bon scheint recht viel Verständnis gehabt zu haben für die Klage eines Mannes, der ungestört denken möchte, und er sagte dann zu Rosenkranz: Ja, er könne ihm da etwas Gutes empfehlen, er könne ihm nämlich empfehlen die Unannehmlichkeit.

[ 11 ] Ich möchte sagen, man fühlt, indem Rosenkranz dies sagt, schon etwas von dem, was dann später in einem viel höheren Maße gekommen ist: von der Nervosität des Zeitalters. Man braucht sich ja nur daran zu erinnern, daß unter den mannigfaltigen Vereinen, die sich in der Vorkriegszeit in Mitteleuropa gebildet haben, einer war, der von Hannover aus seinen Ursprung genommen hat, gegen den Lärm. Man wollte anstreben Gesetze gegen den Lärm, daß man abends zum Beispiel still denkend sitzen kann und nicht durch den Lärm etwa von einem benachbarten Gasthaus gestört werde. Es gibt Zeitschriftenartikel, welche diesen Verein gegen den Lärm propagierten. Es ist die Absicht, einen solchen Verein gegen den Lärm zu errichten, natürlich durchaus ein Ausfluß unseres nervösen Zeitalters. Also man spürt aus Karl Rosenkranz’ Rede, daß man so unangenehm gestört werden könne durch allerlei Dinge, die in der Umgebung vor sich gehen, wenn man nachdenken will oder gar, wenn man ein Buch schreiben will. Man spürt schon etwas von dieser Nervosität heraus. Und Bon scheint recht viel Verständnis gehabt zu haben für die Klage eines Mannes, der ungestört denken möchte, und er sagte dann zu Rosenkranz: Ja, er könne ihm da etwas Gutes empfehlen, er könne ihm nämlich empfehlen die Unannehmlichkeit.

[ 12 ] Rosenkranz war wie aus den Wolken gefallen. Er sollte nun Übungen machen in der Unannehmlichkeit, so empfahl ihm Bon, er solle lernen, Unannehmlichkeit in sich zu entwickeln. Ja, sagte Rosenkranz, unangenehm ist es ja, wenn man von allem Möglichen gestört wird. — Da sagte Bon: Das meine ich nicht. — Und nun erklärte Bon dem Rosenkranz, was er eigentlich mit der Unannehmlichkeit meinte. Er sagte: Da muß man sehen, daß man so fest in sich wird, daß man durch die Turba der anderen Vorgänge in der Umgebung nicht in seiner eigenen Konstellation beeinträchtigt werde, damit die reine Tinktur im eigenen Astrum sich entwickeln könne.

[ 12 ] Rosenkranz war wie aus den Wolken gefallen. Er sollte nun Übungen machen in der Unannehmlichkeit, so empfahl ihm Bon, er solle lernen, Unannehmlichkeit in sich zu entwickeln. Ja, sagte Rosenkranz, unangenehm ist es ja, wenn man von allem Möglichen gestört wird. — Da sagte Bon: Das meine ich nicht. — Und nun erklärte Bon dem Rosenkranz, was er eigentlich mit der Unannehmlichkeit meinte. Er sagte: Da muß man sehen, daß man so fest in sich wird, daß man durch die Turba der anderen Vorgänge in der Umgebung nicht in seiner eigenen Konstellation beeinträchtigt werde, damit die reine Tinktur im eigenen Astrum sich entwickeln könne.

[ 13 ] Nun, das hatte Bon hier in der Schweiz von den Gichtelianern gelernt, zu sagen, man solle dafür Sorge tragen, daß man nicht gestört werde in seiner eigenen Konstellation durch die Turba der anderen Vorgänge in der Umgebung, damit die reine Tinktur des eigenen Astrums erhalten bleiben könne. Wie gesagt, Rosenkranz verstand die Ausdrücke. Ich glaube, heute versteht nicht einmal jeder mehr die Ausdrücke, der auch ein ganz gelehrter Mensch sein möchte.

[ 13 ] Nun, das hatte Bon hier in der Schweiz von den Gichtelianern gelernt, zu sagen, man solle dafür Sorge tragen, daß man nicht gestört werde in seiner eigenen Konstellation durch die Turba der anderen Vorgänge in der Umgebung, damit die reine Tinktur des eigenen Astrums erhalten bleiben könne. Wie gesagt, Rosenkranz verstand die Ausdrücke. Ich glaube, heute versteht nicht einmal jeder mehr die Ausdrücke, der auch ein ganz gelehrter Mensch sein möchte.

[ 14 ] Was hatte nun der Gichtelianer Bon dazumal eigentlich gemeint? Nun, sehen Sie, Bon lebte eben in den fortgepflanzten Vorstellungen des Jakob Böhme. Ich habe neulich diesen Jakob Böhme ein wenig charakterisiert. Ich habe gesagt, er sammelte aus allem Volkstum die volkstümlich gebliebene Weisheit auf. Er hat viel aus dieser volkstümlichen Weisheit aufgenommen, was man heute gar nicht glauben würde. Diese volkstümliche Weisheit ist sogar vielfach bei sogenannten sinnierenden Menschen in solchen Ausdrücken, wie ich sie eben jetzt aus dem Munde des Bon zitiert habe, erhalten geblieben. Und man hat sich unter diesen Ausdrücken eben etwas vorstellen können, was eine gewisse innere Lebendigkeit hatte. Es waren eben noch Traditionen vorhanden von dem, was eine ältere Menschheit in dem älteren Hellsehen in sich aufgenommen hatte. Dieses ältere Hellsehen bestand ja in Kräften, welche aus der Körperlichkeit der Menschen herauskamen. Man muß deshalb nicht sagen, dieses alte Hellsehen lebte im Physischen. Da würde man verkennen, daß ja alles Körperliche durchzogen ist von Geistigem. Aber eigentlich sog der alte Hellseher das, was er in seinen traumhaften Imaginationen vor seine Seele gestellt hatte, aus den Kräften seiner Körperlichkeit heraus. Was im Blute pulsierte, was im Atem kraftete, selbst das, was in den sich verwandelnden Stoffen des Leibes lebte, das dampfte gewissermaßen ins Geistige geistig herauf und gab dem alten Hellscher grandiose Weltbilder, wie ich sie öfter hier beschrieben habe. Es war dieses alte Hellsehen eben durchaus aus Körperlichem heraufgesogen.

[ 14 ] Was hatte nun der Gichtelianer Bon dazumal eigentlich gemeint? Nun, sehen Sie, Bon lebte eben in den fortgepflanzten Vorstellungen des Jakob Böhme. Ich habe neulich diesen Jakob Böhme ein wenig charakterisiert. Ich habe gesagt, er sammelte aus allem Volkstum die volkstümlich gebliebene Weisheit auf. Er hat viel aus dieser volkstümlichen Weisheit aufgenommen, was man heute gar nicht glauben würde. Diese volkstümliche Weisheit ist sogar vielfach bei sogenannten sinnierenden Menschen in solchen Ausdrücken, wie ich sie eben jetzt aus dem Munde des Bon zitiert habe, erhalten geblieben. Und man hat sich unter diesen Ausdrücken eben etwas vorstellen können, was eine gewisse innere Lebendigkeit hatte. Es waren eben noch Traditionen vorhanden von dem, was eine ältere Menschheit in dem älteren Hellsehen in sich aufgenommen hatte. Dieses ältere Hellsehen bestand ja in Kräften, welche aus der Körperlichkeit der Menschen herauskamen. Man muß deshalb nicht sagen, dieses alte Hellsehen lebte im Physischen. Da würde man verkennen, daß ja alles Körperliche durchzogen ist von Geistigem. Aber eigentlich sog der alte Hellseher das, was er in seinen traumhaften Imaginationen vor seine Seele gestellt hatte, aus den Kräften seiner Körperlichkeit heraus. Was im Blute pulsierte, was im Atem kraftete, selbst das, was in den sich verwandelnden Stoffen des Leibes lebte, das dampfte gewissermaßen ins Geistige geistig herauf und gab dem alten Hellscher grandiose Weltbilder, wie ich sie öfter hier beschrieben habe. Es war dieses alte Hellsehen eben durchaus aus Körperlichem heraufgesogen.

[ 15 ] Und was einem da sich enthüllte, indem man lebte, wie wenn man ungefähr die ganze Welt in einem violetten Lichte fühlte, sich selber wie eine violette Wolke in violettem Lichte einheitlich fühlte, so daß man sich ganz in sich empfand, das nannte man die 'Tinktur. Und das empfand man als sein Eigenes, als das mit dem eigenen Organismus verbundene Eigene. Man empfand es als sein eigenes Astrum. Diese aus dem Körper gesogene Innerlichkeit bezeichnete der Gichtelianer Bon als die reine Tinktur des eigenen Astrums.

[ 15 ] Und was einem da sich enthüllte, indem man lebte, wie wenn man ungefähr die ganze Welt in einem violetten Lichte fühlte, sich selber wie eine violette Wolke in violettem Lichte einheitlich fühlte, so daß man sich ganz in sich empfand, das nannte man die 'Tinktur. Und das empfand man als sein Eigenes, als das mit dem eigenen Organismus verbundene Eigene. Man empfand es als sein eigenes Astrum. Diese aus dem Körper gesogene Innerlichkeit bezeichnete der Gichtelianer Bon als die reine Tinktur des eigenen Astrums.

[ 16 ] Aber es war ja schon die Zeit gekommen — eigentlich war sie längst gekommen —, in der die Menschen solches nicht mehr aus ihrer Körperlichkeit heraussaugen konnten. Die Zeit, in der das alte Hellsehen eigentlich nicht mehr dem Menschen angepaßt war, die war schon längst gekommen. Daher fühlten solche Leute, wie Jakob Böhme oder Gichtel, daß es schwer ist, diese alten Vorstellungen sich noch lebendig zu machen. Der Mensch hatte eben die Fähigkeit verloren, in diesen alten Vorstellungen zu leben. Sie vergingen gewissermaßen gleich, wenn sie heraufkamen. Der Mensch fühlte sich unsicher darinnen, und daher wollte er alles anwenden, um diese flüchtigen inneren Bilder, die noch, ich möchte sagen, durch den inneren Klang der alten Worte heraufkamen, festzuhalten. Und wie er in sich die reine Tinktur seines Astrums fühlte, so fühlte er, wenn irgend etwas anderes herankam, daß ihm das gleich die Bilder verdrängte. Dieses andere, das, was da lebte geistig in den Dingen und Vorgängen der Umgebung, nannte man Turba. Und durch diese Turba wollte man nicht die eigene Konstellation, das heißt die Seelenverfassung, stören lassen, in der man sein konnte, wenn man sich so recht in den inneren Klang der alten Worte vertiefte, um gewissermaßen seinen Menschen durch die Bewahrung dieses traditionellen Innenlebens fest noch zu haben. Daher bestrebte man sich, nichts Äußerliches anzunehmen, sondern in sich selber zu leben. Man machte sich «unannehmlich », so daß man nichts Äußeres anzunehmen brauchte.

[ 16 ] Aber es war ja schon die Zeit gekommen — eigentlich war sie längst gekommen —, in der die Menschen solches nicht mehr aus ihrer Körperlichkeit heraussaugen konnten. Die Zeit, in der das alte Hellsehen eigentlich nicht mehr dem Menschen angepaßt war, die war schon längst gekommen. Daher fühlten solche Leute, wie Jakob Böhme oder Gichtel, daß es schwer ist, diese alten Vorstellungen sich noch lebendig zu machen. Der Mensch hatte eben die Fähigkeit verloren, in diesen alten Vorstellungen zu leben. Sie vergingen gewissermaßen gleich, wenn sie heraufkamen. Der Mensch fühlte sich unsicher darinnen, und daher wollte er alles anwenden, um diese flüchtigen inneren Bilder, die noch, ich möchte sagen, durch den inneren Klang der alten Worte heraufkamen, festzuhalten. Und wie er in sich die reine Tinktur seines Astrums fühlte, so fühlte er, wenn irgend etwas anderes herankam, daß ihm das gleich die Bilder verdrängte. Dieses andere, das, was da lebte geistig in den Dingen und Vorgängen der Umgebung, nannte man Turba. Und durch diese Turba wollte man nicht die eigene Konstellation, das heißt die Seelenverfassung, stören lassen, in der man sein konnte, wenn man sich so recht in den inneren Klang der alten Worte vertiefte, um gewissermaßen seinen Menschen durch die Bewahrung dieses traditionellen Innenlebens fest noch zu haben. Daher bestrebte man sich, nichts Äußerliches anzunehmen, sondern in sich selber zu leben. Man machte sich «unannehmlich », so daß man nichts Äußeres anzunehmen brauchte.

[ 17 ] Diese Unannehmlichkeit, das Leben in sich selbst, empfahl Bon dem Rosenkranz in dieser Form, wie ich es Ihnen eben mitgeteilt habe. Aber sehen Sie, da schaut man eigentlich hinein in das Seelenleben einer recht alten Zeit, das innerhalb der Kreise des Gichtelianismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch vorhanden war, allerdings ganz in der Abenddämmerung, ganz im Verklingen. Denn das, was da verklang, war einstmals ein innerliches Miterleben der göttlich-geistigen Welt in traumhaft hellscherischen Bildern, durch welche der Mensch sich viel mehr als ein Himmelswesen, denn als ein Erdenwesen fühlte.

[ 17 ] Diese Unannehmlichkeit, das Leben in sich selbst, empfahl Bon dem Rosenkranz in dieser Form, wie ich es Ihnen eben mitgeteilt habe. Aber sehen Sie, da schaut man eigentlich hinein in das Seelenleben einer recht alten Zeit, das innerhalb der Kreise des Gichtelianismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch vorhanden war, allerdings ganz in der Abenddämmerung, ganz im Verklingen. Denn das, was da verklang, war einstmals ein innerliches Miterleben der göttlich-geistigen Welt in traumhaft hellscherischen Bildern, durch welche der Mensch sich viel mehr als ein Himmelswesen, denn als ein Erdenwesen fühlte.

[ 18 ] Und die Voraussetzung für jene alte Seelenverfassung war die, daß der Mensch noch nicht das reine Denken der neueren Zeit entwickelt hatte. Dieses reine Denken der neueren Zeit, von dem eigentlich in voller Bewußtheit erst gesprochen worden ist in meiner «Philosophie der Freiheit», das ist etwas, von dem heute eigentlich noch nicht viel Empfindung vorhanden ist. Es ist dieses reine Denken etwas, was sich zunächst an der Naturwissenschaft herangebildet hat.

[ 18 ] Und die Voraussetzung für jene alte Seelenverfassung war die, daß der Mensch noch nicht das reine Denken der neueren Zeit entwickelt hatte. Dieses reine Denken der neueren Zeit, von dem eigentlich in voller Bewußtheit erst gesprochen worden ist in meiner «Philosophie der Freiheit», das ist etwas, von dem heute eigentlich noch nicht viel Empfindung vorhanden ist. Es ist dieses reine Denken etwas, was sich zunächst an der Naturwissenschaft herangebildet hat.

[ 19 ] Sehen wir einen Teil dieser Naturwissenschaft an, der uns das, was hier gesagt werden soll, besonders charakteristisch zeigt, schen wir die Astronomie an. Durch Kopernikus wird die Astronomie rein zu einer Weltmechanik, zu einer Art Beschreibung der Weltmaschinerie. Vorher waren immer noch Vorstellungen davon vorhanden, daß in den Sternen geistige Wesenheiten verkörpert sind. Die Scholastik des Mittelalters spricht noch von der geistigen Wesenheit der Sterne, von den Intelligenzen, welche die Sterne bewohnen, welche in den Sternen verkörpert sind und so weiter. Daß alles da draußen materiell ist, gedankenlos ist, daß der Mensch sich nur darüber Gedanken macht, das ist ja erst aufgekommen. Früher hat sich der Mensch Bilder gemacht, Bilder, die sich verbanden mit seiner Anschauung von einem Stern oder Sternbilde. Er hat etwas Lebendes, etwas für sich Webendes da drinnen gesehen. Nicht das reine Denken, sondern etwas SeelischLebendes verband den Menschen mit seiner Umwelt. Aber der Mensch hat in dieser Umwelt zunächst das reine Denken ausgebildet.

[ 19 ] Sehen wir einen Teil dieser Naturwissenschaft an, der uns das, was hier gesagt werden soll, besonders charakteristisch zeigt, schen wir die Astronomie an. Durch Kopernikus wird die Astronomie rein zu einer Weltmechanik, zu einer Art Beschreibung der Weltmaschinerie. Vorher waren immer noch Vorstellungen davon vorhanden, daß in den Sternen geistige Wesenheiten verkörpert sind. Die Scholastik des Mittelalters spricht noch von der geistigen Wesenheit der Sterne, von den Intelligenzen, welche die Sterne bewohnen, welche in den Sternen verkörpert sind und so weiter. Daß alles da draußen materiell ist, gedankenlos ist, daß der Mensch sich nur darüber Gedanken macht, das ist ja erst aufgekommen. Früher hat sich der Mensch Bilder gemacht, Bilder, die sich verbanden mit seiner Anschauung von einem Stern oder Sternbilde. Er hat etwas Lebendes, etwas für sich Webendes da drinnen gesehen. Nicht das reine Denken, sondern etwas SeelischLebendes verband den Menschen mit seiner Umwelt. Aber der Mensch hat in dieser Umwelt zunächst das reine Denken ausgebildet.

[ 20 ] Ich habe schon einmal hier gesagt, Gedanken haben ja auch die älteren Menschen gehabt, aber sie haben die Gedanken mit ihrem Hellsehen zugleich bekommen, sie haben von der Umwelt die hellseherischen Bilder empfangen, und dann haben sie aus dem Hellseherischen heraus ihre Gedanken gezogen. Direkt die reinen Gedanken abgezogen von den äußeren Dingen, das haben die älteren Menschen nicht. Das ist die Eigentümlichkeit der neueren Zeit, daß der Mensch lernt, mit dem bloßen Denken die Welt zu umfassen. Und an der Weltumfassung entwickelt der Mensch zunächst dieses reine Denken.

[ 20 ] Ich habe schon einmal hier gesagt, Gedanken haben ja auch die älteren Menschen gehabt, aber sie haben die Gedanken mit ihrem Hellsehen zugleich bekommen, sie haben von der Umwelt die hellseherischen Bilder empfangen, und dann haben sie aus dem Hellseherischen heraus ihre Gedanken gezogen. Direkt die reinen Gedanken abgezogen von den äußeren Dingen, das haben die älteren Menschen nicht. Das ist die Eigentümlichkeit der neueren Zeit, daß der Mensch lernt, mit dem bloßen Denken die Welt zu umfassen. Und an der Weltumfassung entwickelt der Mensch zunächst dieses reine Denken.

[ 21 ] Nun ist aber etwas anderes verknüpft mit allen diesen Dingen. Diejenigen Menschen, auf die noch zurück weist so etwas, wie es der Bon dem Rosenkranz gesagt hat, diese Menschen erlebten den Schlaf doch nicht so, wie der bloß denkende moderne Mensch den Schlaf erlebt. Der bloß denkende moderne Mensch erlebt den Schlaf als die Bewußtlosigkeit, die ihm höchstens durch die Träume unterbrochen wird, von denen er aber mit Recht nicht viel hält. Denn so, wie die Seelenverfassung des Menschen in der neueren Zeit ist, haben die Träume nicht viel Wert. Sie sind in der Regel Reminiszenzen an das innere oder äußere Leben und haben in ihrem Inhalte keinen besonderen Wert. So daß eigentlich für den Schlaf das besonders Charakteristische die Bewußtlosigkeit ist. Das war sie nicht immer. Und Jakob Böhme selbst kannte noch durchaus eine Art von Schlaf, bei dem das Bewußtsein erfüllt war von wirklichen Einsichten in den Weltzusammenhang.

[ 21 ] Nun ist aber etwas anderes verknüpft mit allen diesen Dingen. Diejenigen Menschen, auf die noch zurück weist so etwas, wie es der Bon dem Rosenkranz gesagt hat, diese Menschen erlebten den Schlaf doch nicht so, wie der bloß denkende moderne Mensch den Schlaf erlebt. Der bloß denkende moderne Mensch erlebt den Schlaf als die Bewußtlosigkeit, die ihm höchstens durch die Träume unterbrochen wird, von denen er aber mit Recht nicht viel hält. Denn so, wie die Seelenverfassung des Menschen in der neueren Zeit ist, haben die Träume nicht viel Wert. Sie sind in der Regel Reminiszenzen an das innere oder äußere Leben und haben in ihrem Inhalte keinen besonderen Wert. So daß eigentlich für den Schlaf das besonders Charakteristische die Bewußtlosigkeit ist. Das war sie nicht immer. Und Jakob Böhme selbst kannte noch durchaus eine Art von Schlaf, bei dem das Bewußtsein erfüllt war von wirklichen Einsichten in den Weltzusammenhang.

[ 22 ] Solch ein Mensch wie Jakob Böhme, und dann auch Gichtel, der sich noch mit großem Fleiße in eine solche Seelenverfassung hineinfand, sagte: Nun ja, wenn man mit seinen Augen die Sinnendinge beobachtet, mit den anderen Sinnen die Welt erfaßt und dann mit Gedanken dasjenige weiter ergreift, was man da mit den Sinnen erfaßt, dann kann man ja allerlei Schönes über die Welt erfahren; aber die wirklichen Geheimnisse der Welt werden einem da nicht offenbar. Da gibt sich doch nur das äußere Bild der Welt kund.

[ 22 ] Solch ein Mensch wie Jakob Böhme, und dann auch Gichtel, der sich noch mit großem Fleiße in eine solche Seelenverfassung hineinfand, sagte: Nun ja, wenn man mit seinen Augen die Sinnendinge beobachtet, mit den anderen Sinnen die Welt erfaßt und dann mit Gedanken dasjenige weiter ergreift, was man da mit den Sinnen erfaßt, dann kann man ja allerlei Schönes über die Welt erfahren; aber die wirklichen Geheimnisse der Welt werden einem da nicht offenbar. Da gibt sich doch nur das äußere Bild der Welt kund.

[ 23 ] Wie gesagt, Jakob Böhme und Gichtel kannten solche Zustände des Bewußtseins, wo sie weder schliefen noch bloß träumten, sondern wo das Bewußtsein angefüllt war mit Einsichten über wirkliche Weltengeheimnisse, die hinter der sinnlichen Welt verborgen sind. Und die schätzten sie höher als das, was sich für ihre Sinne und für den Verstand ergab. Das bloße Denken, das war für diese Menschen noch nichts Bedeutsames. Aber auch das Gegenbild war für sie vorhanden, nämlich das Bewußtsein, daß der Mensch wahrnehmen kann ohne seinen Körper. Denn in solchen Bewußtseinszuständen, die weder Schlafen noch Träumen waren, wußten sie zugleich, daß der eigentliche Mensch sich zum großen Teil von seinem Körper losgerissen hat, aber sich mitgenommen hat die Kraft des Blutes, mitgenommen hat die Kraft des Atmens. Und so wußten sie: Weil der Mensch innerlich verbunden ist mit der Welt, aber sein wacher Körper ihm das Verbundensein verfinstert, kann sich der Mensch, wenn er sich bis zu einem gewissen Teil unabhängig macht von diesem wachen Körper, durch die feineren Kräfte dieses Körpers, die das alte Hellsehen, wie ich erklärt habe, herausgesogen hat aus dem Körper, eine Erkenntnis von den Geheimnissen der Welt verschaffen.

[ 23 ] Wie gesagt, Jakob Böhme und Gichtel kannten solche Zustände des Bewußtseins, wo sie weder schliefen noch bloß träumten, sondern wo das Bewußtsein angefüllt war mit Einsichten über wirkliche Weltengeheimnisse, die hinter der sinnlichen Welt verborgen sind. Und die schätzten sie höher als das, was sich für ihre Sinne und für den Verstand ergab. Das bloße Denken, das war für diese Menschen noch nichts Bedeutsames. Aber auch das Gegenbild war für sie vorhanden, nämlich das Bewußtsein, daß der Mensch wahrnehmen kann ohne seinen Körper. Denn in solchen Bewußtseinszuständen, die weder Schlafen noch Träumen waren, wußten sie zugleich, daß der eigentliche Mensch sich zum großen Teil von seinem Körper losgerissen hat, aber sich mitgenommen hat die Kraft des Blutes, mitgenommen hat die Kraft des Atmens. Und so wußten sie: Weil der Mensch innerlich verbunden ist mit der Welt, aber sein wacher Körper ihm das Verbundensein verfinstert, kann sich der Mensch, wenn er sich bis zu einem gewissen Teil unabhängig macht von diesem wachen Körper, durch die feineren Kräfte dieses Körpers, die das alte Hellsehen, wie ich erklärt habe, herausgesogen hat aus dem Körper, eine Erkenntnis von den Geheimnissen der Welt verschaffen.

[ 24 ] So aber kam der Mensch, gerade wenn er in solche besonderen Schlafzustände kam, zu einem Bewußtsein davon, was eigentlich der Schlaf ist. Menschen wie Jakob Böhme oder wie Gichtel, die sagten sich: Wenn ich schlafe, dann bin ich mit den feineren Gliedern meiner Wesenheit auch in der feineren Natur draußen. Ich tauche unter in die feinere Natur.

[ 24 ] So aber kam der Mensch, gerade wenn er in solche besonderen Schlafzustände kam, zu einem Bewußtsein davon, was eigentlich der Schlaf ist. Menschen wie Jakob Böhme oder wie Gichtel, die sagten sich: Wenn ich schlafe, dann bin ich mit den feineren Gliedern meiner Wesenheit auch in der feineren Natur draußen. Ich tauche unter in die feinere Natur.

[ 25 ] Sie fühlten sich darinnenstehend in dieser feineren Natur. Und wenn sie wachten, dann wußten sie: Dasjenige, womit ich, als mit meiner feineren Menschenwesenheit, in der feineren Natur gewesen bin während des Schlafes, auch während des bewußtlosen Schlafes, das lebt auch in mir während des Wachens. Ich fülle mit diesem meinen Körper aus, wenn ich empfinde, wenn ich denke, was dazumal eben durchaus noch nicht reines Denken war. Also, wenn ich mir denkend Bilder mache, dann lebt diese feinere Menschlichkeit in diesen Bildern.

[ 25 ] Sie fühlten sich darinnenstehend in dieser feineren Natur. Und wenn sie wachten, dann wußten sie: Dasjenige, womit ich, als mit meiner feineren Menschenwesenheit, in der feineren Natur gewesen bin während des Schlafes, auch während des bewußtlosen Schlafes, das lebt auch in mir während des Wachens. Ich fülle mit diesem meinen Körper aus, wenn ich empfinde, wenn ich denke, was dazumal eben durchaus noch nicht reines Denken war. Also, wenn ich mir denkend Bilder mache, dann lebt diese feinere Menschlichkeit in diesen Bildern.

[ 26 ] Kurz, es hatte für diese Menschen eine reale Bedeutung, wenn sie sagten: Das, was ich im Schlafe bin, das lebt in mir auch während des Wachens weiter fort. Und sie fühlten etwa wie ein seelisches Blut in den wachen Bewußtseinszuständen das Schlafen weiter fortpulsieren.

[ 26 ] Kurz, es hatte für diese Menschen eine reale Bedeutung, wenn sie sagten: Das, was ich im Schlafe bin, das lebt in mir auch während des Wachens weiter fort. Und sie fühlten etwa wie ein seelisches Blut in den wachen Bewußtseinszuständen das Schlafen weiter fortpulsieren.

[ 27 ] Solch ein Mensch, wie Jakob Böhme oder Gichtel, sagte sich: Wenn ich wach bin, da schlafe ich doch weiter. Nämlich das, was in mir während des Schlafes vorgeht, das wirkt auch im Wachen weiter. Das war eine andere Empfindung, als sie der moderne Mensch hat, der nun schon zum bloßen Denken übergegangen ist, zu dem reinen intellektuellen Denken. Dieser moderne Mensch wacht in der Frühe auf und macht einen scharfen Trennungsstrich zwischen dem, was er im Schlafe war und was er nun im Wachen ist. Er zieht sozusagen vom Schlaf nichts hinüber in das wachende Leben. Es hört auf das, was er im Schlafe war, wenn er anfängt zu wachen. Ja, aus solchen Bewußtseinsverhältnissen, wie sie noch in einem solchen Menschen wie Bon lebten, der ein Gichtelianer war, ist eben die moderne Menschheit herausgewachsen, und sie hat dadurch etwas verwirklicht, was in der Anlage eigentlich schon seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts vorhanden war. Sie hat das verwirklicht, indem sie übergegangen ist im wachen Tagesleben zu dem bloßen intellektualistischen Denken. Das beherrscht ja heute alle Menschen. Sie denken nicht mehr in Bildern. Die Bilder betrachten sie als Mythologie, wie ich gestern gesagt habe. Sie denken in Gedanken, und sie schlafen im Nichts.

[ 27 ] Solch ein Mensch, wie Jakob Böhme oder Gichtel, sagte sich: Wenn ich wach bin, da schlafe ich doch weiter. Nämlich das, was in mir während des Schlafes vorgeht, das wirkt auch im Wachen weiter. Das war eine andere Empfindung, als sie der moderne Mensch hat, der nun schon zum bloßen Denken übergegangen ist, zu dem reinen intellektuellen Denken. Dieser moderne Mensch wacht in der Frühe auf und macht einen scharfen Trennungsstrich zwischen dem, was er im Schlafe war und was er nun im Wachen ist. Er zieht sozusagen vom Schlaf nichts hinüber in das wachende Leben. Es hört auf das, was er im Schlafe war, wenn er anfängt zu wachen. Ja, aus solchen Bewußtseinsverhältnissen, wie sie noch in einem solchen Menschen wie Bon lebten, der ein Gichtelianer war, ist eben die moderne Menschheit herausgewachsen, und sie hat dadurch etwas verwirklicht, was in der Anlage eigentlich schon seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts vorhanden war. Sie hat das verwirklicht, indem sie übergegangen ist im wachen Tagesleben zu dem bloßen intellektualistischen Denken. Das beherrscht ja heute alle Menschen. Sie denken nicht mehr in Bildern. Die Bilder betrachten sie als Mythologie, wie ich gestern gesagt habe. Sie denken in Gedanken, und sie schlafen im Nichts.

[ 28 ] Ja, das hat eigentlich eine recht tiefe Bedeutung: diese modernen Menschen schlafen im Nichts. Für Jakob Böhme zum Beispiel hätte es noch gar nicht einen rechten Sinn gehabt, zu sagen, ich schlafe im Nichts. Für den modernen Menschen hat es einen Sinn bekommen, zu sagen: Ich schlafe im Nichts. Ich bin nicht nichts, indem ich schlafe, ich behalte während des Schlafens mein Ich und meinen astralischen Leib. Ich bin nicht nichts, aber ich reiße mich aus der ganzen Welt heraus, die ich wahrnehme mit meinen Sinnen, die ich begreife mit meinem wachen Verstande. Ich reiße mich während des modernen Schlafes auch heraus aus der Welt, die zum Beispiel Jakob Böhme in besonderen, abnormen Bewußtseinszuständen gesehen hat mit den feineren Kräften des physischen und Ätherleibes, die er sich noch mitgenommen hat in seine Schlafzustände.

[ 28 ] Ja, das hat eigentlich eine recht tiefe Bedeutung: diese modernen Menschen schlafen im Nichts. Für Jakob Böhme zum Beispiel hätte es noch gar nicht einen rechten Sinn gehabt, zu sagen, ich schlafe im Nichts. Für den modernen Menschen hat es einen Sinn bekommen, zu sagen: Ich schlafe im Nichts. Ich bin nicht nichts, indem ich schlafe, ich behalte während des Schlafens mein Ich und meinen astralischen Leib. Ich bin nicht nichts, aber ich reiße mich aus der ganzen Welt heraus, die ich wahrnehme mit meinen Sinnen, die ich begreife mit meinem wachen Verstande. Ich reiße mich während des modernen Schlafes auch heraus aus der Welt, die zum Beispiel Jakob Böhme in besonderen, abnormen Bewußtseinszuständen gesehen hat mit den feineren Kräften des physischen und Ätherleibes, die er sich noch mitgenommen hat in seine Schlafzustände.

[ 29 ] Der moderne Mensch reißt sich heraus während des Schlafens nicht nur aus seiner Sinneswelt, sondern auch aus der Welt, welche die Welt des alten Hellsehers war. Und von der Welt, in der dann der Mensch darinnen ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da kann er ja nichts wahrnehmen, denn das ist eine Zukunftswelt, das ist die Welt, in die sich die Erde verwandeln wird in jenen Zuständen, die ich in meiner «Geheimwissenschaft » als Jupiter-, Venus-, Vulkanzustand beschrieben habe. So daß in der Tat der moderne Mensch, der auf das intellektualistische Denken dressiert ist — verzeihen Sie den Ausdruck —, während des Schlafes im Nichts lebt. Er ist nicht nichts, ich muß es immer wieder betonen, aber er lebt im Nichts, weil er das, worin er lebt, die Zukunftswelt, eben noch nicht erleben kann. Die ist für ihn noch nichts. Aber gerade dadurch, daß der moderne Mensch im Nichts schlafen kann, wird ihm seine Freiheit garantiert; denn er lebt sich ein vom Einschlafen bis zum Aufwachen in die Befreiung von aller Welt, in das Nichts. Er wird gerade während des Schlafes unabhängig. Das ist sehr wichtig einzusehen, daß die besondere Art, wie der moderne Mensch schläft, ihm die Garantie für seine Freiheit gibt.

[ 29 ] Der moderne Mensch reißt sich heraus während des Schlafens nicht nur aus seiner Sinneswelt, sondern auch aus der Welt, welche die Welt des alten Hellsehers war. Und von der Welt, in der dann der Mensch darinnen ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da kann er ja nichts wahrnehmen, denn das ist eine Zukunftswelt, das ist die Welt, in die sich die Erde verwandeln wird in jenen Zuständen, die ich in meiner «Geheimwissenschaft » als Jupiter-, Venus-, Vulkanzustand beschrieben habe. So daß in der Tat der moderne Mensch, der auf das intellektualistische Denken dressiert ist — verzeihen Sie den Ausdruck —, während des Schlafes im Nichts lebt. Er ist nicht nichts, ich muß es immer wieder betonen, aber er lebt im Nichts, weil er das, worin er lebt, die Zukunftswelt, eben noch nicht erleben kann. Die ist für ihn noch nichts. Aber gerade dadurch, daß der moderne Mensch im Nichts schlafen kann, wird ihm seine Freiheit garantiert; denn er lebt sich ein vom Einschlafen bis zum Aufwachen in die Befreiung von aller Welt, in das Nichts. Er wird gerade während des Schlafes unabhängig. Das ist sehr wichtig einzusehen, daß die besondere Art, wie der moderne Mensch schläft, ihm die Garantie für seine Freiheit gibt.

[ 30 ] Der alte Hellseher, der noch von der alten Welt wahrnahm, nicht von der Zukunftswelt, der von der alten Welt wahrnahm, der konnte kein völlig freier Mensch werden, denn er wurde abhängig in diesem Wahrnehmen. Das im Nichts Ruhen während des Schlafes macht den modernen Menschen, den Menschen der modernen Zeit eigentlich frei.

[ 30 ] Der alte Hellseher, der noch von der alten Welt wahrnahm, nicht von der Zukunftswelt, der von der alten Welt wahrnahm, der konnte kein völlig freier Mensch werden, denn er wurde abhängig in diesem Wahrnehmen. Das im Nichts Ruhen während des Schlafes macht den modernen Menschen, den Menschen der modernen Zeit eigentlich frei.

[ 31 ] So sind zwei Gegenbilder vorhanden für den modernen Menschen. Erstens lebt er während des Wachens im Gedanken, der ein bloßer Gedanke ist, der nicht mehr Bilder enthält im alten Sinne; die hält er, wie gesagt, für Mythologie. Und er lebt während des Schlafes in der Nichtigkeit. Dadurch befreit er sich von der Welt, dadurch erringt er sich das Bewußtsein der Freiheit. Die Gedankenbilder können ihn nicht zwingen, weil sie bloße Bilder sind. Geradesowenig wie die Spiegelbilder zwingen können, irgend etwas verursachen können, geradesowenig können die Gedankenbilder von den Dingen den Menschen zu etwas zwingen. Wenn daher der Mensch seine moralischen Impulse in reinen Gedanken ergreift, so muß er sie als ein freies Wesen befolgen. Keine Emotion, keine Leidenschaft, kein innerlich körperlicher Vorgang kann ihn veranlassen, jenen moralischen Impulsen zu folgen, die er in reinen Gedanken zu erfassen in der Lage ist. Aber er ist auch imstande, diesen bloßen Bildern in Gedanken zu folgen, diesem reinen Gedanken zu folgen, weil er sich während des Schlafes, befreit von allen Naturgesetzen in seinem eigenen Körperlichen, findet, weil er wirklich während des Schlafes eine reine freie Seele wird, die dem Nichtwirklichen des Gedankens folgen kann; während der ältere Mensch auch während des Schlafes abhängig blieb von der Welt und daher nicht hätte folgen können unwirklichen Impulsen.

[ 31 ] So sind zwei Gegenbilder vorhanden für den modernen Menschen. Erstens lebt er während des Wachens im Gedanken, der ein bloßer Gedanke ist, der nicht mehr Bilder enthält im alten Sinne; die hält er, wie gesagt, für Mythologie. Und er lebt während des Schlafes in der Nichtigkeit. Dadurch befreit er sich von der Welt, dadurch erringt er sich das Bewußtsein der Freiheit. Die Gedankenbilder können ihn nicht zwingen, weil sie bloße Bilder sind. Geradesowenig wie die Spiegelbilder zwingen können, irgend etwas verursachen können, geradesowenig können die Gedankenbilder von den Dingen den Menschen zu etwas zwingen. Wenn daher der Mensch seine moralischen Impulse in reinen Gedanken ergreift, so muß er sie als ein freies Wesen befolgen. Keine Emotion, keine Leidenschaft, kein innerlich körperlicher Vorgang kann ihn veranlassen, jenen moralischen Impulsen zu folgen, die er in reinen Gedanken zu erfassen in der Lage ist. Aber er ist auch imstande, diesen bloßen Bildern in Gedanken zu folgen, diesem reinen Gedanken zu folgen, weil er sich während des Schlafes, befreit von allen Naturgesetzen in seinem eigenen Körperlichen, findet, weil er wirklich während des Schlafes eine reine freie Seele wird, die dem Nichtwirklichen des Gedankens folgen kann; während der ältere Mensch auch während des Schlafes abhängig blieb von der Welt und daher nicht hätte folgen können unwirklichen Impulsen.

[ 32 ] Fassen wir das zunächst ins Auge, daß der moderne Mensch dieses Zweierlei hat: reine Gedanken haben kann, die rein intellektualistisch konzipiert sind, und einen in der Nichtigkeit zugebrachten Schlaf, wo er drinnen ist, wo er ein Wirkliches ist, aber wo seine Umgebung ihm ein Nichtiges zeigt. Denn nun kommt das Wesentliche. Sehen Sie, es ist nun auch einmal in der Natur des modernen Menschen begründet, daß er durch alles das, was er da durchgemacht hat, innerlich willensschwach geworden ist. Das will der moderne Mensch gar nicht wahr haben, aber es ist so: Der moderne Mensch ist innerlich willensschwach geworden. Wenn man nur wollte, würde man das auch geschichtlich begreifen können. Man soll nur einmal hinschauen auf mächtige geistige Bewegungen, die sich früher ausgebreitet haben, mit welchen Willensimpulsen zuweilen, sagen wir, Religionsstifter durch die Welt gewirkt haben. Diese innerliche Willensimpulsivität ist der modernen Menschheit verlorengegangen. Und deshalb läßt sich der moderne Mensch zu seinen Gedanken von der Außenwelt erziehen. Er betrachtet die Natur, bildet an den Naturvorgängen und Naturwesen seine bloßen intellektualistischen Gedanken aus, wie wenn sein Inneres wirklich nur ein Spiegel wäre, der alles spiegelt. Ja, der Mensch ist schon so schwach geworden, daß er eine heillose Angst bekommt, wenn irgendeiner Gedanken aus sich produziert, wenn er Gedanken nicht bloß abliest an demjenigen, was die äußere Natur darbietet. So daß sich zunächst das reine Denken in ganz passiver Weise in dem modernen Menschen entwickelt hat.

[ 32 ] Fassen wir das zunächst ins Auge, daß der moderne Mensch dieses Zweierlei hat: reine Gedanken haben kann, die rein intellektualistisch konzipiert sind, und einen in der Nichtigkeit zugebrachten Schlaf, wo er drinnen ist, wo er ein Wirkliches ist, aber wo seine Umgebung ihm ein Nichtiges zeigt. Denn nun kommt das Wesentliche. Sehen Sie, es ist nun auch einmal in der Natur des modernen Menschen begründet, daß er durch alles das, was er da durchgemacht hat, innerlich willensschwach geworden ist. Das will der moderne Mensch gar nicht wahr haben, aber es ist so: Der moderne Mensch ist innerlich willensschwach geworden. Wenn man nur wollte, würde man das auch geschichtlich begreifen können. Man soll nur einmal hinschauen auf mächtige geistige Bewegungen, die sich früher ausgebreitet haben, mit welchen Willensimpulsen zuweilen, sagen wir, Religionsstifter durch die Welt gewirkt haben. Diese innerliche Willensimpulsivität ist der modernen Menschheit verlorengegangen. Und deshalb läßt sich der moderne Mensch zu seinen Gedanken von der Außenwelt erziehen. Er betrachtet die Natur, bildet an den Naturvorgängen und Naturwesen seine bloßen intellektualistischen Gedanken aus, wie wenn sein Inneres wirklich nur ein Spiegel wäre, der alles spiegelt. Ja, der Mensch ist schon so schwach geworden, daß er eine heillose Angst bekommt, wenn irgendeiner Gedanken aus sich produziert, wenn er Gedanken nicht bloß abliest an demjenigen, was die äußere Natur darbietet. So daß sich zunächst das reine Denken in ganz passiver Weise in dem modernen Menschen entwickelt hat.

[ 33 ] Ich sage das nicht als Tadel; denn wäre die Menschheit gleich übergegangen zu einem aktiven Produzieren des reinen Denkens, dann hätte sie von der alten Erbschaft allerlei unreinliche Phantastereien in dieses Denken hineingebracht. Es war schon ein gutes Erziehungsmittel für die moderne Menschheit, daß sich die Leute von den grandiosen Philistern, wie etwa dem Bacon von Verulam, dazu verleiten ließen, verführen ließen, ihre Begriffe und Ideen nur an der Außenwelt zu entwickeln, nur sich alles diktieren zu lassen von der Außenwelt. Und so sind die Menschen nach und nach gewöhnt worden, nicht in ihren Begriffen und Ideen, in ihrem Denken selbst zu leben, sondern sich das Denken von der Außenwelt geben zu lassen. Einige bekommen das direkt, die die Natur beobachten, oder die die geschichtlichen Dokumente betrachten. Sie verschaffen sich direkt Gedanken über die Natur, über die Geschichte. Die leben dann in ihnen. Andere bekommen es nur durch die Schule. Die Menschen werden ja heute schon vom frühesten Kindesalter an durch die Schule mit solchen Begriffen traktiert, die auf passive Weise an der Außenwelt gewonnen sind.

[ 33 ] Ich sage das nicht als Tadel; denn wäre die Menschheit gleich übergegangen zu einem aktiven Produzieren des reinen Denkens, dann hätte sie von der alten Erbschaft allerlei unreinliche Phantastereien in dieses Denken hineingebracht. Es war schon ein gutes Erziehungsmittel für die moderne Menschheit, daß sich die Leute von den grandiosen Philistern, wie etwa dem Bacon von Verulam, dazu verleiten ließen, verführen ließen, ihre Begriffe und Ideen nur an der Außenwelt zu entwickeln, nur sich alles diktieren zu lassen von der Außenwelt. Und so sind die Menschen nach und nach gewöhnt worden, nicht in ihren Begriffen und Ideen, in ihrem Denken selbst zu leben, sondern sich das Denken von der Außenwelt geben zu lassen. Einige bekommen das direkt, die die Natur beobachten, oder die die geschichtlichen Dokumente betrachten. Sie verschaffen sich direkt Gedanken über die Natur, über die Geschichte. Die leben dann in ihnen. Andere bekommen es nur durch die Schule. Die Menschen werden ja heute schon vom frühesten Kindesalter an durch die Schule mit solchen Begriffen traktiert, die auf passive Weise an der Außenwelt gewonnen sind.

[ 34 ] In dieser Beziehung ist der moderne Mensch eigentlich eine Art Sack, nur daß er die Öffnung auf der Seite hat. Da nimmt er alles auf aus der äußeren Natur und spiegelt es in seinem Inneren. Das sind dann seine Ideen. Eigentlich ist seine Seele nur ausgefüllt mit Naturbegriffen. Er ist ein Sack. Wenn der moderne Mensch prüfen würde, wo er seine Begriffe her hat, so würde er schon darauf kommen. Manche haben es auf direkte Weise, jene, die einmal wirklich die Natur beobachten auf dem oder jenem Gebiete, die meisten haben es aber überhaupt in der Schule aufgenommen, ihre Begriffe sind ihnen eingepflanzt worden.

[ 34 ] In dieser Beziehung ist der moderne Mensch eigentlich eine Art Sack, nur daß er die Öffnung auf der Seite hat. Da nimmt er alles auf aus der äußeren Natur und spiegelt es in seinem Inneren. Das sind dann seine Ideen. Eigentlich ist seine Seele nur ausgefüllt mit Naturbegriffen. Er ist ein Sack. Wenn der moderne Mensch prüfen würde, wo er seine Begriffe her hat, so würde er schon darauf kommen. Manche haben es auf direkte Weise, jene, die einmal wirklich die Natur beobachten auf dem oder jenem Gebiete, die meisten haben es aber überhaupt in der Schule aufgenommen, ihre Begriffe sind ihnen eingepflanzt worden.

[ 35 ] Durch Jahrhunderte, seit dem 15. Jahrhundert, ist der Mensch in dieser Passivität der Begriffe erzogen. Und heute betrachtet er schon das wie eine Art von Sünde, wenn er innerlich tätig ist, sich seine Gedanken selber macht. Ja, die Naturgedanken kann man nicht selber machen. Man würde die Natur nur verunreinigen durch allerlei Phantastereien, wenn man die Naturgedanken selber machte. Aber man hat in sich den Quell des Denkens. Man kann eigene Gedanken machen, ja man kann die Gedanken, die man schon hat, weil sie ja eigentlich eben bloße Gedanken sind, mit innerlicher Wirklichkeit durchdringen. Wann geschieht das? Das geschieht dann, wenn der Mensch so viel Willen aufbringt, daß er wiederum seinen Nachtmenschen in das Tagleben hineinschiebt, daß er nicht bloß passiv denkt, sondern seinen während des Schlafes unabhängig gewordenen Menschen in seine Gedanken hineinschiebt. Das kann man nur mit den reinen Gedanken.

[ 35 ] Durch Jahrhunderte, seit dem 15. Jahrhundert, ist der Mensch in dieser Passivität der Begriffe erzogen. Und heute betrachtet er schon das wie eine Art von Sünde, wenn er innerlich tätig ist, sich seine Gedanken selber macht. Ja, die Naturgedanken kann man nicht selber machen. Man würde die Natur nur verunreinigen durch allerlei Phantastereien, wenn man die Naturgedanken selber machte. Aber man hat in sich den Quell des Denkens. Man kann eigene Gedanken machen, ja man kann die Gedanken, die man schon hat, weil sie ja eigentlich eben bloße Gedanken sind, mit innerlicher Wirklichkeit durchdringen. Wann geschieht das? Das geschieht dann, wenn der Mensch so viel Willen aufbringt, daß er wiederum seinen Nachtmenschen in das Tagleben hineinschiebt, daß er nicht bloß passiv denkt, sondern seinen während des Schlafes unabhängig gewordenen Menschen in seine Gedanken hineinschiebt. Das kann man nur mit den reinen Gedanken.

[ 36 ] Eigentlich ist das der Grundgedanke meiner «Philosophie der Freiheit» gewesen, daß ich aufmerksam darauf gemacht habe: In das Denken, das sich der moderne Mensch erworben hat, kann er sein IchWesen wirklich hineinschieben. Jenes Ich-Wesen, das er — ich konnte es dazumal noch nicht aussprechen, aber es ist so — während des Schlafzustandes in der modernen Zeit freikriegt, das kann er hineinschieben in das reine Denken. Und so wird der Mensch seines Ich-Wesens sich wirklich bewußt im reinen Denken, wenn er so die Gedanken faßt, daß er aktiv, tätig in ihnen lebt.

[ 36 ] Eigentlich ist das der Grundgedanke meiner «Philosophie der Freiheit» gewesen, daß ich aufmerksam darauf gemacht habe: In das Denken, das sich der moderne Mensch erworben hat, kann er sein IchWesen wirklich hineinschieben. Jenes Ich-Wesen, das er — ich konnte es dazumal noch nicht aussprechen, aber es ist so — während des Schlafzustandes in der modernen Zeit freikriegt, das kann er hineinschieben in das reine Denken. Und so wird der Mensch seines Ich-Wesens sich wirklich bewußt im reinen Denken, wenn er so die Gedanken faßt, daß er aktiv, tätig in ihnen lebt.

[ 37 ] Nun ist damit etwas anderes verknüpft. Nehmen wir an, es wird nach dem Muster der modernen Naturwissenschaft Anthroposophie vorgetragen. Die Menschen nehmen Anthroposophie auf, nehmen sie zunächst so auf, wie der moderne Mensch es gewöhnt ist, nach Art des passiven Denkens. Man kann sie ja verstehen, wenn der Menschenverstand nur gesund ist, man braucht nicht einen bloßen Glauben anzuwenden. Wenn der Menschenverstand bloß gesund ist, kann man die Gedanken verstehen. Aber man lebt dennoch passiv in ihnen, wie man in den äußeren Naturgedanken passiv lebt. Dann kommt man und sagt: Ja, ich habe diese Gedanken von anthroposophischer Forschung her, ich kann aber selbst nicht für sie eintreten, denn ich habe sie bloß aufgenommen —, wie es manchem heute zu sagen beliebt: Ich habe sie aufgenommen von geisteswissenschaftlicher Seite. — Wir hören das ja so oftmals betonen: die Naturwissenschaft sagt das, und wir hören dann das oder jenes von geisteswissenschaftlicher Seite. Was bezeugt das, wenn jemand sagt, ich höre das von geisteswissenschaftlicher Seite her? Das heißt, er weist darauf hin, daß er im passiven Denken verharrt, daß er auch die Geisteswissenschaft nur im passiven Denken aufnehmen will. Denn in dem Momente, wer sich entschließt, die Gedanken, die ihm die anthroposophische Forschung überliefert, selbst in sich zu erzeugen, wird er auch imstande, mit seiner ganzen Persönlichkeit für ihre Wahrheit einzutreten, denn er erlebt dadurch die erste Stufe ihrer Wahrheit.

[ 37 ] Nun ist damit etwas anderes verknüpft. Nehmen wir an, es wird nach dem Muster der modernen Naturwissenschaft Anthroposophie vorgetragen. Die Menschen nehmen Anthroposophie auf, nehmen sie zunächst so auf, wie der moderne Mensch es gewöhnt ist, nach Art des passiven Denkens. Man kann sie ja verstehen, wenn der Menschenverstand nur gesund ist, man braucht nicht einen bloßen Glauben anzuwenden. Wenn der Menschenverstand bloß gesund ist, kann man die Gedanken verstehen. Aber man lebt dennoch passiv in ihnen, wie man in den äußeren Naturgedanken passiv lebt. Dann kommt man und sagt: Ja, ich habe diese Gedanken von anthroposophischer Forschung her, ich kann aber selbst nicht für sie eintreten, denn ich habe sie bloß aufgenommen —, wie es manchem heute zu sagen beliebt: Ich habe sie aufgenommen von geisteswissenschaftlicher Seite. — Wir hören das ja so oftmals betonen: die Naturwissenschaft sagt das, und wir hören dann das oder jenes von geisteswissenschaftlicher Seite. Was bezeugt das, wenn jemand sagt, ich höre das von geisteswissenschaftlicher Seite her? Das heißt, er weist darauf hin, daß er im passiven Denken verharrt, daß er auch die Geisteswissenschaft nur im passiven Denken aufnehmen will. Denn in dem Momente, wer sich entschließt, die Gedanken, die ihm die anthroposophische Forschung überliefert, selbst in sich zu erzeugen, wird er auch imstande, mit seiner ganzen Persönlichkeit für ihre Wahrheit einzutreten, denn er erlebt dadurch die erste Stufe ihrer Wahrheit.

[ 38 ] Mit anderen Worten: der Mensch ist im allgemeinen heute noch nicht dazu gekommen, die Realität, die er als unabhängige Realität im Schlafe erlebt, während des Wachlebens durch Willensstärke hineinzugießen in die Gedanken des Wachlebens. Wenn man Anthroposoph werden will in der Art, daß man die anthroposophischen Gedanken aufnimmt und dann nicht einfach passiv sich ihnen hingibt, sondern durch einen starken Willen dasjenige, was man während jeder Nacht im traumlosen Schlafe ist, hineingießt in die Gedanken, in die reinen Gedanken der Anthroposophie, dann hat man die erste Stufe desjenigen erklommen, was man heute berechtigt ist, Hellsehen zu nennen, dann lebt man hellsichtig in den Gedanken der Anthroposophie. Man lese ein Buch mit dem starken Willen, daß man nicht nur sein Tagleben in das anthroposophische Buch hineinträgt, daß man nicht so liest: vorgestern ein Stück, dann hört es auf, gestern, dann hört es auf, heute, dann hört es auf usw. Die Menschen lesen heute nur mit einem ihrer Lebensstücke, nämlich nur mit dem Tagesleben. So kann man ja natürlich Gustav Freytag lesen, so kann man auch Dickens lesen, Emerson kann man so lesen, aber nicht ein anthroposophisches Buch. Wenn man ein anthroposophisches Buch liest, muß man mit seinem ganzen Menschen hinein, und weil man im Schlafe bewußtlos ist, also keine Gedanken hat — aber der Wille dauert fort —, muß man mit dem Willen hinein. Wollen Sie dasjenige, was in den Worten eines wirklichen anthroposophischen Buches liegt, so werden Sie durch dieses Wollen wenigstens gedankenhaft unmittelbar hellsichtig. Und sehen Sie, dieser Wille, der muß noch hinein in diejenigen, die unsere Anthroposophie vertreten! Wenn dieser Wille hineinfährt wie ein Blitz in diejenigen, die unsere Anthroposophie vertreten, dann wird die Anthroposophie vor der Welt in der richtigen Weise vertreten werden können. Nicht irgendwelcher Zauberkünste bedarf es dazu, sondern des energischen Wollens, das nicht nur die Lebensstücke während des Tages hineinträgt in ein Buch. Heute lesen ja die Leute übrigens nicht einmal mehr mit diesem vollständigen Lebensstück Werke, sondern heute bei der Zeitungslektüre genügt es, wenn man ein paar Tagesminuten rege macht, um sich anzueignen, was man da hat. Da braucht man nicht einmal den ganzen wachen Tag. Wenn man aber mit seinem ganzen Menschen untertaucht in ein Buch, das aus der Anthroposophie entstammt, dann wird es in einem lebendig.

[ 38 ] Mit anderen Worten: der Mensch ist im allgemeinen heute noch nicht dazu gekommen, die Realität, die er als unabhängige Realität im Schlafe erlebt, während des Wachlebens durch Willensstärke hineinzugießen in die Gedanken des Wachlebens. Wenn man Anthroposoph werden will in der Art, daß man die anthroposophischen Gedanken aufnimmt und dann nicht einfach passiv sich ihnen hingibt, sondern durch einen starken Willen dasjenige, was man während jeder Nacht im traumlosen Schlafe ist, hineingießt in die Gedanken, in die reinen Gedanken der Anthroposophie, dann hat man die erste Stufe desjenigen erklommen, was man heute berechtigt ist, Hellsehen zu nennen, dann lebt man hellsichtig in den Gedanken der Anthroposophie. Man lese ein Buch mit dem starken Willen, daß man nicht nur sein Tagleben in das anthroposophische Buch hineinträgt, daß man nicht so liest: vorgestern ein Stück, dann hört es auf, gestern, dann hört es auf, heute, dann hört es auf usw. Die Menschen lesen heute nur mit einem ihrer Lebensstücke, nämlich nur mit dem Tagesleben. So kann man ja natürlich Gustav Freytag lesen, so kann man auch Dickens lesen, Emerson kann man so lesen, aber nicht ein anthroposophisches Buch. Wenn man ein anthroposophisches Buch liest, muß man mit seinem ganzen Menschen hinein, und weil man im Schlafe bewußtlos ist, also keine Gedanken hat — aber der Wille dauert fort —, muß man mit dem Willen hinein. Wollen Sie dasjenige, was in den Worten eines wirklichen anthroposophischen Buches liegt, so werden Sie durch dieses Wollen wenigstens gedankenhaft unmittelbar hellsichtig. Und sehen Sie, dieser Wille, der muß noch hinein in diejenigen, die unsere Anthroposophie vertreten! Wenn dieser Wille hineinfährt wie ein Blitz in diejenigen, die unsere Anthroposophie vertreten, dann wird die Anthroposophie vor der Welt in der richtigen Weise vertreten werden können. Nicht irgendwelcher Zauberkünste bedarf es dazu, sondern des energischen Wollens, das nicht nur die Lebensstücke während des Tages hineinträgt in ein Buch. Heute lesen ja die Leute übrigens nicht einmal mehr mit diesem vollständigen Lebensstück Werke, sondern heute bei der Zeitungslektüre genügt es, wenn man ein paar Tagesminuten rege macht, um sich anzueignen, was man da hat. Da braucht man nicht einmal den ganzen wachen Tag. Wenn man aber mit seinem ganzen Menschen untertaucht in ein Buch, das aus der Anthroposophie entstammt, dann wird es in einem lebendig.

[ 39 ] Das ist aber dasjenige, was beachtet werden sollte, namentlich von jenen, die führende Persönlichkeiten sein sollen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Denn dieser Anthroposophischen Gesellschaft schadet es ungeheuer, wenn gesagt wird: Ja, die Anthroposophie wird verkündet von Menschen, die nicht für sie eintreten können. — Wir müssen eben dazu kommen, zu dem bloßen passiven intellektualistischen Erleben der anthroposophischen Wahrheiten das Aufgehen mit unserem ganzen Menschen in diesen anthroposophischen Wahrheiten zu finden. Dann wird dasjenige, was anthroposophische Verkündigung ist, nicht in der lendenlahmen Weise auftreten, daß man immer nur sagt: Von geisteswissenschaftlicher Seite wird uns versichert —, sondern dann wird man die anthroposophische Wahrheit als sein eigenes Erleben verkündigen können, wenigstens zunächst für das, was dem Menschen am allernächsten liegt, zum Beispiel für das medizinische Gebiet, für das physiologische Gebiet, für das biologische Gebiet, für das Gebiet der äußeren Wissenschaften oder des äußeren sozialen Lebens. Wenn auch nicht die Gebiete der höheren Hierarchien auf dieser ersten Stufe des Hellsehens zugänglich werden, aber das, was als Geist in unserer unmittelbaren Umgebung ist, das kann auf diese Weise auch wirklich Gegenstand der menschlichen Seelenverfassung der Gegenwart sein. Und vom Willen hängt es ab im umfassendsten Sinne, ob in unserer Anthroposophischen Gesellschaft Menschen auftreten, die Zeugnis dafür ablegen können, ein gültiges Zeugnis, weil es unmittelbar empfunden wird, als lebendiger Quell der Wahrheit empfunden wird, ein gültiges lebendiges Zeugnis für die innere Wahrheit des Anthroposophischen.

[ 39 ] Das ist aber dasjenige, was beachtet werden sollte, namentlich von jenen, die führende Persönlichkeiten sein sollen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Denn dieser Anthroposophischen Gesellschaft schadet es ungeheuer, wenn gesagt wird: Ja, die Anthroposophie wird verkündet von Menschen, die nicht für sie eintreten können. — Wir müssen eben dazu kommen, zu dem bloßen passiven intellektualistischen Erleben der anthroposophischen Wahrheiten das Aufgehen mit unserem ganzen Menschen in diesen anthroposophischen Wahrheiten zu finden. Dann wird dasjenige, was anthroposophische Verkündigung ist, nicht in der lendenlahmen Weise auftreten, daß man immer nur sagt: Von geisteswissenschaftlicher Seite wird uns versichert —, sondern dann wird man die anthroposophische Wahrheit als sein eigenes Erleben verkündigen können, wenigstens zunächst für das, was dem Menschen am allernächsten liegt, zum Beispiel für das medizinische Gebiet, für das physiologische Gebiet, für das biologische Gebiet, für das Gebiet der äußeren Wissenschaften oder des äußeren sozialen Lebens. Wenn auch nicht die Gebiete der höheren Hierarchien auf dieser ersten Stufe des Hellsehens zugänglich werden, aber das, was als Geist in unserer unmittelbaren Umgebung ist, das kann auf diese Weise auch wirklich Gegenstand der menschlichen Seelenverfassung der Gegenwart sein. Und vom Willen hängt es ab im umfassendsten Sinne, ob in unserer Anthroposophischen Gesellschaft Menschen auftreten, die Zeugnis dafür ablegen können, ein gültiges Zeugnis, weil es unmittelbar empfunden wird, als lebendiger Quell der Wahrheit empfunden wird, ein gültiges lebendiges Zeugnis für die innere Wahrheit des Anthroposophischen.

[ 40 ] Das hängt auch zusammen mit dem, was der Anthroposophischen Gesellschaft notwendig ist: daß in ihr Persönlichkeiten auftreten müssen, die, wenn ich mich des paradoxen Ausdrucks bedienen will, den guten Willen zum Willen haben. Heute nennt man Willen jeden beliebigen Wunsch; aber ein Wunsch ist kein Wille. Manche möchten, daß etwas so und so gelinge. Das ist kein Wille. Der Wille ist tätige Kraft. Die fehlt heute im weitesten Umfange. Die fehlt dem Menschen der Gegenwart. Die darf aber nicht fehlen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Da muß ruhiger Enthusiasmus in starkem Willen verankert sein können. Das gehört auch zu den Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft.

[ 40 ] Das hängt auch zusammen mit dem, was der Anthroposophischen Gesellschaft notwendig ist: daß in ihr Persönlichkeiten auftreten müssen, die, wenn ich mich des paradoxen Ausdrucks bedienen will, den guten Willen zum Willen haben. Heute nennt man Willen jeden beliebigen Wunsch; aber ein Wunsch ist kein Wille. Manche möchten, daß etwas so und so gelinge. Das ist kein Wille. Der Wille ist tätige Kraft. Die fehlt heute im weitesten Umfange. Die fehlt dem Menschen der Gegenwart. Die darf aber nicht fehlen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Da muß ruhiger Enthusiasmus in starkem Willen verankert sein können. Das gehört auch zu den Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft.