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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 222

16 March 1923, Dornach

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Dritter Vortrag

Lecture III

[ 1 ] In der letzten Zeit hatte ich wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß man ebensogut eine Lebensbeschreibung des Menschen geben könnte für die Zeit, die er immer zwischen dem Einschlafen und Aufwachen zubringt, wie man eine solche gibt für die Zeit zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Alles, was der Mensch erlebt zwischen dem Aufwachen und Einschlafen, erlebt er durch seinen physischen und ätherischen Leib. Dadurch, daß er in dem physischen und ätherischen Leib entsprechend ausgebildete Sinnesorgane besitzt, ist es ja so, daß ihm diese Welt bewußt wird, die als seine Umgebung mit dem physischen und Ätherleib verbunden ist, sozusagen eines mit ihm ist. Weil er in seinem gegenwärtigen Entwickelungszustand in seinem Ich und astralischen Leib nicht in ähnlicher Weise geistseelische Organe ausgebildet hat, die gewissermaßen — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf — übersinnliche Sinnesorgane wären, kann er das, was er zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebt, nicht zu seinem Bewußtsein bringen. So daß also nur ein geistiges Anschauen dasjenige überblicken könnte, was gewissermaßen die Biographie dieses Ich und astralischen Leibes enthalten würde, parallel der Biographie, die mit Hilfe des physischen und ätherischen Leibes zustande kommt.

[ 1 ] Recently1The translation by Johanna Collis of this lecture is also included in the volume entitled Art in the light of Mystery Wisdom, a collection of eight lectures given by Rudolf Steiner on various dates and published by Rudolf Steiner Press (London). Permission has been given for publication in the present volume. it has repeatedly been my task to point out that it would be just as possible to write a person's biography for the time spent between going to sleep and awakening as it is for the time spent between awakening and going to sleep. Whatever man goes through between awakening and going to sleep is experienced through his physical and etheric bodies. Because in his physical and etheric bodies he has suitably developed sense organs, he is conscious of the world around him, for it is linked with his physical and etheric bodies so that it forms, as it were, a unity with him. But because at his present stage of evolution he does not possess similar organs of soul and spirit in his ego and astral body—organs which, if I may be permitted this paradoxical expression, would be super-sensible sense-organs—he is unable to be conscious of his experiences between going to sleep and awakening. Accordingly, only with spiritual sight would one be able to perceive what is contained in the biography of the ego and astral body, which runs parallel with the biography lived through with the help of the physical and etheric bodies.

[ 2 ] Nun, wenn man von den Erlebnissen des Menschen in der Zeit zwischen dem Aufwachen und Einschlafen spricht, so gehört ja notwendig zu diesen Erlebnissen dasjenige, was mit ihm zusammen, von ihm erlebt und durch ihn bewirkt, in seiner physisch-ätherischen Umgebung vorgeht. Man muß deshalb sprechen von einer physisch-ätherischen Umgebung, einer physisch-ätherischen Welt, in welcher der Mensch zwischen dem Aufwachen und Einschlafen ist. Ebenso ist er aber in einer Welt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, nur ist das eine Welt, die ganz anders geartet ist als die physisch-ätherische Welt. Und es besteht die Möglichkeit für das übersinnliche Anschauen, von dieser Welt zu sprechen, die geradeso unsere Umgebung ist, wenn wir schlafen, wie die physische Welt, wenn wir wachen, unsere Umgebung ist. Und wir wollen in diesen Vorträgen einiges vor unsere Seele treten lassen, was diese Welt beleuchten kann. Dazu sind ja die Elemente gegeben in dem, was Sie zum Beispiel beschrieben finden in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Da finden Sie in einer gewissen Weise, wenn auch skizzenhaft beschrieben, wie sich die Reiche der physisch-ätherischen Welt, das mineralische, pflanzliche, tierische, menschliche Reich, hinauf fortsetzen in die Reiche der höheren Hierarchien. Wir wollen uns das heute einmal ein wenig vorhalten.

[ 2 ] In speaking about man's experiences between awakening and going to sleep we naturally include the events which take place in his physical and etheric environment, things which happen in connection with him, things he experiences and things which are caused by him. Thus we must speak of a physical and etheric environment, a physical and etheric world inhabited by man in the period between awakening and going to sleep. Similarly he inhabits another world between going to sleep and awakening, only the nature of this world is quite different from that of the physical and etheric world. Through spiritual vision it is possible to speak about this world which is just as much our environment when we sleep as the physical world is our environment when we are awake. You will find the elementary facts in the descriptions given, for instance, in my book Occult Science: an Outline. There you will find, albeit only in brief, a description of how the realms of the physical and etheric world, the mineral, plant, animal and human kingdoms, extend on into the realms of the higher Hierarchies. Let us give this some consideration today.

[ 3 ] Wir wollen uns sagen: Wenn wir unsere Augen oder die andern Sinnesorgane im wachenden Zustand hinauswenden in unsere physisch-ätherische Umgebung, dann nehmen wir die drei Reiche der Natur beziehungsweise vier Reiche wahr: das mineralische, das pflanzliche, das tierische und das menschliche Reich. Gehen wir nun weiter hinauf in diejenigen Regionen, die nur dem Übersinnlichen zugänglich sind, so haben wir gewissermaßen die Fortsetzung dieser Reiche: das Reich der Angeloi, der Archangeloi, der Archai, der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes und so weiter (siehe Schema, Seite 47).

[ 3 ] If, while awake, we direct our eyes or other sense-organs outwards towards our physical and etheric environment, we perceive the four kingdoms of mineral, plant, animal and man. If we then ascend further into those regions which can only be perceived supersensibly, we find that which may be called the continuation of these kingdoms: the kingdom of the Angeloi, Archangeloi and Archai, the kingdom of the Exousiai, Dynamis and Kyriotetes, and the kingdom of the Thrones, Cherubim, and Seraphim.

[ 4 ] Wir haben also zwei Welten, die sich gegenseitig durchdringen: die physisch-ätherische Welt und die übersinnliche Welt. Und wir wissen schon, daß wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in dieser übersinnlichen Welt wirklich drinnen sind und mit ihr Erlebnisse haben, trotzdem diese Erlebnisse wegen der fehlenden geistseelischen Organe eben zu dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht kommen.

[ 4 ] Thus we have two worlds which permeate one another: the physical and etheric world and the super-sensible world. And we already know that we live in this super-sensible world between going to sleep and awakening; we know that we have experiences there, although these experiences cannot make their way into our ordinary consciousness because we have no organs of soul and spirit.

[ 5 ] Nun handelt es sich darum, daß genauer begriffen werden kann, was der Mensch in dieser übersinnlichen Welt erlebt, wenn man, ich möchte sagen, eine Art Beschreibung von dieser übersinnlichen Welt in derselben Weise gibt, wie man sie durch Naturwissenschaft, durch Geschichte, von der physisch-ätherischen Welt gibt. Man muß für eine solche, sagen wir, übersinnliche Wissenschaft des tatsächlichen Verlaufes in der Welt, in der wir als schlafende Menschen sind, natürlich zunächst einzelnes herausgreifen. Und ich werde heute zunächst ein Ereignis herausgreifen, das von einer tiefgehenden Bedeutung für die ganze Entwickelung der Menschheit in den letzten Jahrtausenden ist.

[ 5 ] As a matter of fact a more exact understanding can be reached of what man experiences in this super-sensible world, if the same sort of description of this world is given as is given of the physical and etheric world with the help of science and history. In order to set forth what we may call a super-sensible science of the actual course of the world we inhabit in sleep, we must begin by pointing out certain details. Today we shall first turn our attention to an event of deep signfiicance for the whole of human evolution during the last few thousand years.

[ 6 ] Von einer Seite nämlich, von der Seite der physisch-ätherischen Welt und ihrer Geschichte, haben wir dieses Ereignis schon des öfteren besprochen. Wir wollen es heute gewissermaßen von der andern Seite besprechen, von der Seite, die sich zeigt, wenn man den Gesichtspunkt nicht in der physisch-ätherischen Welt, sondern in der übersinnlichen Welt nimmt. Das Ereignis, das ich meine und das ich von dem einen Gesichtspunkte aus öfter geschildert habe, ist dasjenige, das in das 4. nachchristliche Jahrhundert hineinfällt.

[ 6 ] We have already discussed this event frequently from the point of view of the physical and etheric world and its history. Now we shall look at it from the other side, as it were, taking our viewpoint not in the physical and etheric world but in the super-sensible world. The event I am referring to and which I have often portrayed from the one point of view took place in the 4th century A.D.

[ 7 ] Ich habe ja beschrieben, wie die ganze Verfassung der Menschenseele des Abendlandes eine andere wird in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert, wie das tatsächlich so ist, daß man ohne ein geisteswissenschaftliches Eingehen auf die Sache überhaupt nicht mehr versteht, wie die Menschen in der Zeit gefühlt und empfunden haben, die dem 4. nachchristlichen Jahrhundert vorangegangen ist. Aber wir haben ja dieses Empfinden, diese Seelenverfassung des öfteren geschildert. Wir haben mit andern Worten geschildert, was die Menschen im Laufe des Zeitraumes erlebt haben, in den dieses 4. nachchristliche Jahrhundert hineinfällt. Wir wollen nun heute ein wenig Rücksicht darauf nehmen, was in jener Zeit diejenigen Wesenheiten erlebt haben, die diesem übersinnlichen Reiche angehören. Wir wollen gewissermaßen uns auf die andere Seite des Lebens wenden, wir wollen den Gesichtspunkt im Übersinnlichen nehmen.

[ 7 ] I have described how the whole disposition of man's soul in the Western world changed during this 4th century A.D.; how in fact without spiritual-scientific insight into the matter we today no longer have the slightest understanding of human feelings and sentiments as they were before the 4th century A.D. But we have often portrayed these feelings and this disposition of soul, describing what human beings experienced round about that century. Today we shall turn our attention for a moment to the experiences undergone by the Beings of the super-sensible realm during this time. So we shall be concerned, so to say, with the other side of life and speak from the viewpoint of the super-sensible realm.

[ 8 ] Es ist ja ein Vorurteil der gegenwärtigen sogenannt aufgeklärten Menschheit, daß ihre Gedanken nur in den Köpfen drinnenstecken. Wir würden nichts von den Dingen durch Gedanken erfahren, wenn diese Gedanken nur in den Köpfen der Menschen wären. Derjenige, der da glaubt, daß die Gedanken nur in den Köpfen der Menschen seien, der unterliegt, so paradox das klingt, demselben Vorurteil, wie einer, der glaubt, daß der Schluck Wasser, mit dem er sich den Durst löscht, auf seiner Zunge entstanden ist und nicht aus dem Wasserkrug in seinen Mund hineingeflossen ist. Es ist im Grunde genommen ebenso lächerlich zu behaupten, die Gedanken entstehen im Menschenkopfe, wie es lächerlich ist zu sagen — wenn ich meinen Durst mit einem Trunk Wasser lösche, den ich im Krug habe —, das Wasser sei in meinem Mund entstanden. Die Gedanken sind eben durchaus in der Welt ausgebreitet. Die Gedanken sind die in den Dingen waltenden Kräfte. Und unser Denkorgan ist eben nur etwas, was aus dem kosmischen Reservoir der Gedankenkräfte schöpft, was die Gedanken in sich hereinnimmt. Wir müssen also von Gedanken nicht so sprechen, als ob sie etwas wären, das nur dem Menschen angehört. Wir müssen von Gedanken so sprechen, daß wir uns bewußt sind: Gedanken sind die weltbeherrschenden Kräfte, die überall im Kosmos ausgebreitet sind. Aber diese Gedanken fliegen deshalb doch nicht frei herum, sondern sie sind immer getragen, bearbeitet von irgendwelchen Wesenheiten. Und, was das Wichtigste ist, sie sind nicht immer von denselben, nicht immer von den gleichen Wesenheiten getragen.

[ 8 ] That thoughts are confined to the head is a preconceived notion of man's so-called enlightenment. We should learn nothing about things through thoughts if these thoughts were confined to the heads of men. Anyone who believes that thoughts are to be found only in men's heads is a victim of the same prejudice, paradoxical though it may sound, as a person who believes that the sip of water which quenches his thirst arose on his tongue instead of flowing into his mouth from his glass. Really it is just as absurd to say that thoughts arise in men's heads as it is to say: If I quench my thirst with water from my glass, this water has come into being in my mouth. For thoughts are quite definitely spread throughout the world. Thoughts are the forces at work in things. And the organ of our thinking merely taps the cosmic reservoir of thought forces, taking the thoughts into itself. Accordingly we must not speak of thoughts as though they were something belonging to man alone. We must speak of thoughts with an awareness that they are forces which govern the world and are spread throughout the cosmos. But they do not just fly about at random; they are always borne and worked upon by beings of one kind or another. And most important of all: they are not always borne by the same beings.

[ 9 ] Wenn wir uns an die übersinnliche Welt wenden, dann finden wir durch die übersinnliche Forschung, daß die Gedanken, durch die sich die Menschen die Welt begreiflich machen, draußen im Kosmos getragen wurden — ich könnte auch sagen: ausgeströmt wurden; irdische Ausdrücke passen wenig für diese erhabenen Vorgänge und Wesenhaftigkeiten —, daß also diese Gedanken getragen, ausgeströmt waren bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert von den Wesen jener Hierarchien, die wir als Exusiai oder Formwesen bezeichnen (siehe Schema Seite 47).

[ 9 ] Turning to the super-sensible world, we find by means of super-sensible investigation that until the fourth century A.D. the thoughts through which human beings make the world comprehensible to themselves were borne, or perhaps one should say, poured forth (earthly expressions are little suited for the description of such lofty events and beings) by the Beings of the Hierarchy called the Exousiai or Beings of Form.

[ 10 ] Wenn ein alter Grieche aus der Wissenschaft seiner Mysterien heraus sich hat Rechenschaft geben wollen darüber, woher er eigentlich seine Gedanken hat, so hat er das in der Art tun müssen, daß er sich sagte: Ich wende meinen geistigen Blick hinauf zu jenen Wesen, von denen mir geoffenbart wird durch die Mysterienwissenschaft als den Wesen der Form, als den Formkräften, Formwesen. Das sind die Träger der kosmischen Intelligenz, das sind die Träger der kosmischen Gedanken. Sie lassen die Gedanken durch die Weltenereignisse strömen, und sie geben diese menschlichen Gedanken an die Seele ab, die sich diese Gedanken erlebend vergegenwärtigt. — Wer etwa durch eine besondere Initiation sich in jenen alten Zeiten des griechischen Lebens in die übersinnliche Welt eingelebt hatte und bis zum Erleben dieser Formwesen gekommen war, der schaute diese Formwesen, und er mußte, um sich von ihnen das rechte Bild, die richtige Imagination zu machen, ihnen etwa als ein Attribut beigeben die durch die Welt strömenden, leuchtenden Gedanken. Er sah als alter Grieche diese Formwesen etwa wie von ihren Gliedern ausgehen lassend leuchtende Gedankenkräfte, die dann in die Weltenprozesse hineingehen und da als die weltschöpferischen Intelligenzmächte weiter wirken. Er sagte etwa: Die Kräfte der Form, die Exusiai, sie haben im Weltenall, im Kosmos, den Beruf, die Gedanken durch die Weltenvorgänge zu ergießen. — Und so wie die sinnliche Wissenschaft das Tun der Menschen beschreibt, indem sie dies oder jenes notifiziert, was die Menschen einzeln oder miteinander tun, so müßte eine übersinnliche Wissenschaft beschreiben, wenn sie die Tätigkeit der Formkräfte für das charakterisierte Zeitalter ins Auge faßt, wie sich diese übersinnlichen Wesen gegenseitig die Gedankenkräfte zuströmen lassen, wie sie voneinander sie empfangen, und wie in diesem Zuströmenlassen und in diesem Empfangen eingegliedert sind jene Weltenvorgänge, die dann nach außen sich dem Menschen als die Naturerscheinungen darstellen.

[ 10 ] If an ancient Greek wanted to account for the origin of his thoughts through knowledge of the Mysteries, he would have had to say the following: I lift up my spiritual vision to the Beings revealed to me by Mystery knowledge as the Beings of Form, the Forces of Form. They are the bearers of the cosmic intelligence, they are the bearers of the cosmic thoughts. They cause the thoughts to stream through the events of the cosmos, and they bestow these human thoughts upon the soul which becomes aware of them by experiencing them. When someone in the days of ancient Greece adapted himself to the super-sensible world by means of a special initiation, he was able to come to an experience of these Beings of Form; he actually beheld these Beings, and in order to find a true picture or Imagination of them he had to attach to them, in a way as an attribute, the thoughts which flowed shining through the universe. This ancient Greek saw how these Beings of Form as it were sent out shining thought forces from their limbs, forces which entered into the world-processes and there continued to work as world-creative forces of intelligence. He would say perhaps: Throughout the universe, throughout the cosmos, it is the task of the Beings of Form, the Exousiai, to pour thoughts through the universal processes. Therefore just as science based on sense-perception describes the activities of human beings by recording what they do individually or co-operatively, so a science based on super-sensible perception, in examining the activities of the Form Forces during the era under consideration, would have to describe how these super-sensible Beings cause the thought forces to flow from one to the other, how they receive them from each other, and how embedded in this outflowing and receiving lie the universal processes which present themselves to man externally in the shape of natural phenomena.

[ 11 ] Nun kam in der Entwickelung der Menschheit eben jenes 4. nachchristliche Jahrhundert heran. Und das brachte für diese übersinnliche Welt das außerordentlich bedeutsame Ereignis, daß die Exusiai — die Kräfte, die Wesenheiten der Form — ihre Gedankenkräfte abgaben an die Archai, an die Urkräfte oder Urbeginne (siehe Schema).

[ 11 ] And then came the 4th century A.D. in the evolution of mankind. For the super-sensible world it brought an event of the utmost importance: the Exousiai, the Forces or Spirits of Form, transferred their thought forces to the Archai, the Primal Forces or Principalities.

[ 12 ] Es traten damals die Urbeginne, die Archai, in den Beruf ein, den früher die Exusiai ausgeübt hatten. Solche Vorgänge gibt es eben in der übersinnlichen Welt. Das war ein ganz hervorragend wichtiges kosmisches Ereignis. Die Exusiai, die Formwesen, behielten sich von jener Zeit an lediglich die Aufgabe zurück, die äußeren Sinneswahrnehmungen zu regeln, also mit besonderen kosmischen Kräften alles das zu beherrschen, was in der Welt der Farben, der Töne und so weiter vorhanden ist. So daß derjenige, der in diese Dinge hineinschaut, für das Zeitalter, das nun nach dem 4. nachchristlichen Jahrhundert heraufkam, sagen muß: Er sieht, wie die weltbeherrschenden Gedanken übergeben werden an die Archai, an die Urbeginne, und wie das, was Augen sehen, Ohren hören, in seiner mannigfaltigen Weltgestaltung, in seiner ständigen Metamorphosierung das Gewebe ist, das da weben die Exusiai, die früher den Menschen die Gedanken gegeben haben, die also jetzt ihnen die Sinnesempfindungen geben, während ihnen die Urbeginne jetzt die Gedanken geben.

[ 12 ] At that time the Archai, the Principalities, took over the task previously carried out by the Exousiai. Events of this kind do take place in the super-sensible world. And this was an event of immense cosmic importance. The Exousiai, the Spirits of Form, retained merely the task of controlling external sense-perceptions; with special cosmic forces they rule over everything present in the world of colour, tone and so on. Accordingly, those who have insight into these things must say with reference to the times which follow the 4th century A.D.: the thoughts which rule the world are transferred to the Archai, the Principalities; now, all the manifold forms of the world, the constant metamorphoses seen by eyes and heard by ears constitute a fabric woven by the Exousiai, who formerly gave thoughts to human beings and now give them sense-impressions, while the Archai now give them thoughts.

[ 13 ] Und diese Tatsache der übersinnlichen Welt spiegelte sich hier unten in der sinnlichen Welt so, daß eben in jener älteren Zeit, in welcher zum Beispiel die Griechen lebten, die Gedanken objektiv in den Dingen wahrgenommen worden sind. So wie wir heute glauben, das Rot oder das Blau an den Dingen wahrzunehmen, so fand der Grieche einen Gedanken nicht bloß mit seinem Kopfe erfaßt, sondern hervorstrahlend, herausstrahlend aus den Dingen, wie eben das Rot oder das Blau herausstrahlt.

[ 13 ] This reality of the super-sensible world was mirrored here below in the world of the senses by the fact that in ancient times, for instance, the times of the Greeks, thoughts were perceived objectively in things. Just as today we believe we perceive red or blue on things, so a Greek found that a thought was not merely grasped by his head but that it radiated forth from an object in the same way as red or blue radiates forth.

[ 14 ] Das habe ich ja in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» beschrieben, was diese andere, ich möchte sagen, die menschliche Seite der Sache ist. Wie sich dieser wichtige Vorgang der übersinnlichen Welt spiegelt in der physisch-sinnlichen Welt, das finden Sie durchaus in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» beschrieben. Da gebraucht man dann philosophische Ausdrücke, weil die Philosophensprache eine Sprache für die materielle Welt ist, während man, wenn man den Gesichtspunkt in der übersinnlichen Welt bespricht, eben auch von der übersinnlichen Tatsache zu sprechen hat, daß der Beruf der Exusiai übergegangen ist an die Archai.

[ 14 ] I have described this human side of the matter in my book Riddles of Philosophy. In this book you will find a description of how this important event in the super-sensible world was reflected in the world of the physical senses. Philosophical terms are used there because the language of philosophy is suitable for describing the material world, whereas in discussing the point of view of the super-sensible world one also has to mention the super-sensible fact that the task of the Exousiai has been transferred to the Archai.

[ 15 ] Solche Dinge bereiten sich in der Menschheit durch ganze Epochen hindurch vor. Solche Dinge sind mit gründlichen Umwandlungen der Menschenseelen verknüpft. Ich sage, daß diese übersinnliche Tatsache sich zugetragen hat im 4. nachchristlichen Jahrhundert; doch ist das ja nur annähernd gesagt, denn das ist sozusagen nur ein mittlerer Zeitpunkt, während diese Übergabe eben lange Zeiten hindurch gespielt hat. Sie hat sich schon in den vorchristlichen Zeiten vorbereitet und war erst vollendet im 12., 13., 14. nachchristlichen Jahrhundert. Das 4. Jahrhundert ist sozusagen nur der mittlere Zeitpunkt, den man angegeben hat, um auf etwas Bestimmtes im geschichtlichen Werden der Menschheit hinzudeuten.

[ 15 ] The preparation of such things in humanity takes many epochs. And such things are linked with basic transformations of the human soul. When I say that this super-sensible event took place in the 4th century A.D., this is of course only an approximation applying merely to the central period, whereas the whole process took place over many ages. Preparations began in pre-Christian times and the change was not completed until the 12th, 13th and 14th centuries A.D. The 4th century A.D. is only the central period and is alluded to in order to have something definite to point to in the historical development of mankind.

[ 16 ] Nun, damit sind wir gleichzeitig in jenem Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung, in dem sich für den Menschen überhaupt der Ausblick in die übersinnliche Welt völlig zu verdunkeln beginnt. Es hört das Bewußtsein der Seele auf, übersinnlich zu schauen, wahrzunehmen, indem sich diese Menschenseele hingibt der Welt. Es wird das vielleicht noch intensiver vor Ihre Seele treten, wenn wir es von einer andern Seite her beleuchten.

[ 16 ] This is also the point in human evolution when men's outlook into the super-sensible world begins to become wholly obscured. The consciousness of the soul loses the capacity of super-sensible vision and perception while the soul devotes itself to the world. You will perhaps understand this more clearly in your souls if light is thrown upon it from another angle.

[ 17 ] Worin besteht denn eigentlich das, worauf ich so intensiv hinweisen will? Es besteht darin, daß die Menschen immer mehr und mehr sich in ihrer Individualität fühlen. Indem die Gedankenwelt übergeht von den Formwesen zu den Urbeginnen, von den Exusiai zu den Archai, empfindet der Mensch die Gedanken seiner eigenen Wesenheit mehr, weil die Archai um eine Stufe näher dem Menschen leben als die Exusiai. Und wenn der Mensch beginnt, übersinnlich zu schauen, dann hat er den folgenden Eindruck. Dann sagt er: Nun ja, da ist diese Welt, die ich als die sinnliche überschaue. Sagen wir, das Gelbe (siehe Schema Seite 50) ist die meinen Sinnen zugewendete Seite, das Rote ist die schon verborgene, von den Sinnen abgewendete Seite.

[ 17 ] What is the point I am trying so insistently to make clear? It is that human beings begin to feel increasingly aware of themselves as individuals. When the thought-world passes from the Spirits of Form to the Principalities, from the Exousiai to the Archai, man feels more aware of the thoughts of his own being, because the Archai live one step nearer than the Exousiai to man. Somebody who begins to acquire super-sensible vision will receive the following impression. He will say: Certainly this is the same world which I know as the world of the senses.

[ 18 ] Das gewöhnliche Bewußtsein weiß von den hier in Betracht kommenden Verhältnissen überhaupt nichts. Aber das übersinnliche Bewußtsein hat durchaus die Empfindung: Wenn hier der Mensch ist (siehe Schema S.50), dann sind zwischen dem Menschen und den Sinneseindrücken Angeloi, Archangeloi und Archai; die sind eigentlich diesseits der sinnlichen Welt. Man sieht sie nur nicht mit den gewöhnlichen Augen, aber sie liegen eigentlich zwischen dem Menschen und dem ganzen Sinnesteppich. Und die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes sind eigentlich erst jenseits; die werden zugedeckt durch den Sinnesteppich. So daß also der Mensch, der ein übersinnliches Bewußtsein hat, die Gedanken, nachdem sie an die Archai übergeben sind, als an sich herankommend empfindet. Er empfindet sie so, als ob sie jetzt mehr in seiner Welt lägen, während sie früher hinter den Farben, dem Roten, dem Blauen, das an den Dingen ist, drinnen waren, gewissermaßen durch das Rote, das Blaue, oder auch durch das Cis oder durch das G herankamen. Er fühlt sich seit dieser Übergabe in einem freieren Verkehr mit der Gedankenwelt. Das ruft ja auch die Illusion hervor, als ob der Mensch die Gedanken selber machte.

[ 18 ] Ordinary consciousness knows nothing at all about the conditions under consideration here. But with super-sensible consciousness there is definitely the feeling that Angeloi, Archangeloi and Archai are present between man and his sense impressions. The feeling is that they are present here in the sense-world. They are not seen with the ordinary eye but they are actually present between man and the whole fabric of sense impressions. It is the Exousiai, Dynamis and Kyriotetes who are beyond this world; they are concealed by the fabric of the senses. Thus an individual possessing super-sensible consciousness feels that thoughts, after they have been handed over to the Archai, come nearer to him. He feels them now to be more in his own world, whereas previously they were behind the colours on things, behind the red or the blue; we might say they approached him through the red or the blue or through a C sharp or a G. He feels that his communication with the thought-world has become freer since the transfer. Of course this also brings about the illusion that man makes the thoughts himself.

[ 19 ] Der Mensch hat sich aber auch erst im Laufe der Zeit dazu entwickelt, gewissermaßen in sich hereinzunehmen, was sich ihm früher als objektive äußere Welt darbot. Das ist erst nach und nach in der Menschheitsentwickelung so gekommen. Wenn wir jetzt einmal recht weit zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, wenn wir hinter die atlantische Katastrophe in die alte atlantische Zeit zurückgehen, da bitte ich Sie, sich das Menschengebilde in der atlantischen Zeit so vorzustellen, wie ich es in meiner «Geheimwissenschaft» oder in den Abhandlungen «Aus der Akasha-Chronik» beschrieben habe. Diese Menschen waren ja, wie Sie wissen, ganz anders gestaltet. Ihre Leibessubstanz war von größerer Feinheit, als sie dann später, in der nachatlantischen Zeit, geworden ist. Dadurch war aber auch das Seelenhafte — es ist ja das alles in den Büchern beschrieben — in einem ganz andern Verhältnis zur Welt, und diese Atlantier haben die Welt ganz anders erlebt. Ich will nur eines angeben von dieser besonderen Art des Erlebens. Diese Atlantier konnten zum Beispiel keine Terz erleben, nicht einmal eine Quinte. Sie konnten eigentlich das musikalische Erleben erst beginnen, indem sie die Septime empfanden. Und dann haben sie weitergehende Intervalle empfunden, deren kleinstes eben die Septime war. Terzen, Quinten, haben sie überhört; die gab es nicht für sie.

[ 19 ] It took a long time for man to evolve to the point of being able to take into himself, as it were, what had formerly presented itself to him as the objective external world. This only came about by degrees during the course of human evolution. Looking back a very long way in evolution, right back beyond the Atlantean catastrophe and into the time of ancient Atlantis, I must ask you to imagine man at that time as I have described him in my books Occult Science: an Outline and Cosmic Memory. As you know, human beings at that time were formed quite differently. Their bodily substance was much more delicate than it became later on during the post-Atlantean age. Because of this the soul element was related differently to the world and the Atlanteans experienced the world quite differently. Let me give you just one instance of this particular way of experiencing the world. The Atlanteans could not experience the interval of a third, or even of a fifth. Their musical experience began with the experience of the seventh. They were also aware of greater intervals, but the seventh was the smallest. Thirds and fifths escaped their hearing; no such intervals existed for them.

[ 20 ] Dadurch aber war das Erleben der Tongebilde überhaupt ein ganz anderes, die Seele hatte ein ganz anderes Verhältnis zu den Tongebilden. Wenn man ohne die Zwischenintervalle musikalisch eben nur in Septimen lebt, und in so natürlicher Weise in Septimen lebt, wie die Atlantier in Septimen gelebt haben, dann nimmt man überhaupt das Musikalische nicht als etwas wahr, was an einem oder in einem als Mensch vorgeht, sondern man ist in dem Augenblicke, in dem man überhaupt musikalisch wahrnimmt, aus seinem Leibe draußen, man lebt im Kosmos draußen. Und so war es bei den Atlantiern. Bei den Atlantiern war es so, daß ihnen das musikalische Erlebnis zusammenfiel mit einem unmittelbar religiösen Erlebnis. Ihr Septimenerlebnis gab sich ihnen so, daß sie nicht etwa sagen konnten, sie haben selbst etwas zu tun mit der Entstehung der Septimenintervalle, sondern sie empfanden, wie Götter, die durch die Welt wallten und webten, sich in Septimen offenbarten. Sie hätten gar keinen Sinn damit verknüpfen können: Ich mache Musik. — Sie konnten nur einen Sinn damit verbinden, wenn sie sagten: Ich lebe in der von den Göttern gemachten Musik.

[ 20 ] As a result their experience of tone-structures was quite different; the soul had a quite different relationship with the tone-structures. For if, without the smaller intervals, we were to live only in the music of sevenths, if we were to live as naturally in these sevenths as did the Atlanteans, we would not perceive music as something taking place within us or in connection with us; we would find ourselves outside our bodies the moment musical perception began. We would live outside in the cosmos as was the case with the Atlanteans. For them a musical experience was a direct religious experience. In experiencing sevenths they could not say that they themselves had anything to do with the creation of these intervals; they felt that the Gods, weaving and flowing through the world, revealed themselves in sevenths. To say: ‘I am making music’ was senseless to them. But it meant something when they said: ‘I live in the music made by the Gods.’

[ 21 ] Nun, in einer wesentlichen Abschwächung war dieses musikalische Erleben auch noch in der nachatlantischen Zeit vorhanden, in derjenigen Zeit, in der im wesentlichen in Quintenintervallen gelebt wurde. Sie dürfen das nicht vergleichen mit der heutigen Empfindung der Quinten durch den Menschen. Heute empfindet der Mensch die Quinte etwa so, daß sie ihm den Eindruck eines nicht erfüllten Äußeren gibt. Sie hat für ihn etwas Leeres, im besten Sinne des Wortes, aber etwas Leeres. Sie ist leer geworden, weil sich die Götter von den Menschen zurückgezogen haben.

[ 21 ] In a much weakened form this musical experience was still present in the post-Atlantean age, when mainly the interval of the fifth was experienced. This must not be compared with our present experience of the fifth. Today the fifth gives us the impression of an empty shell. In the best sense of the word we feel the fifth to be empty. It has become empty because the Gods have withdrawn from mankind.

[ 22 ] Auch noch in der nachatlantischen Zeit erlebte der Mensch bei seinen Quintenintervallen, daß in diesen Quinten eigentlich die Götter lebten. Und erst als später innerhalb des Musikalischen die Terz auftrat, die große und die kleine Terz, da war es so, daß nun das Musikalische gewissermaßen untertauchte in das menschliche Gemüt, daß der Mensch mit dem musikalischen Erleben nicht mehr entrückt war. Im richtigen Quintenzeitalter war der Mensch mit dem musikalischen Leben durchaus noch entrückt. Im Terzenzeitalter, das, wie Sie wissen, erst verhältnismäßig spät heraufgezogen ist, ist der Mensch mit dem musikalischen Erleben in sich selbst darinnen. Er nimmt das Musikalische an seine Leiblichkeit heran. Er verwebt das Musikalische mit seiner Leiblichkeit. Daher tritt mit dem Terzenerlebnis der Unterschied zwischen Dur und Moll auf, und man erlebt auf der einen Seite das, was man eben beim Dur erleben kann, auf der andern Seite dasjenige, was mit dem Moll erlebt werden kann. An die menschlichen gehobenen, freudigen, an die deprimierten, schmerzvollen, leidvollen Stimmungen, die der Mensch als der Träger seines physischen und ätherischen Leibes erlebt, knüpft sich das musikalische Erleben mit der Entstehung der Terz, mit dem Hereinkommen von Dur und Moll in das Musikalische. Der Mensch nimmt gewissermaßen sein Welterleben aus dem Kosmos heraus, verbindet sich selber mit seinem Welterleben. In älteren Zeiten hatte er sein wichtigstes Welterleben so — und das war durchaus noch der Fall in der Quintenzeit, aber in einem höheren Maße in der Septimenzeit, wenn ich mich dieser Ausdrücke bedienen darf —, daß es ihn unmittelbar entrückte, daß er sagen konnte: Die Welt der Töne zieht mein Ich und meinen astralischen Leib aus meinem physischen und Ätherleib unmittelbar heraus. Ich verwebe mein irdisches Dasein mit der göttlich-geistigen Welt, und es ertönen die Tongebilde als etwas, auf dessen Flügeln die Götter durch die Welt wallen, deren Wallen ich miterlebe, indem ich die Töne wahrnehme.

[ 22 ] But in post-Atlantean times man felt that the Gods still lived in the fifths. It was not until later, when the third, both major and minor, made its appearance in music, that music as it were submerged itself in man's inner nature, so that in musical experience he was no longer outside himself. In the real age of the fifth man was still definitely outside himself in the experience of music. In the age of the third, which as you know is comparatively recent, man remains within himself when he experiences music. He embraces music with his body. He interweaves musical and bodily nature. That is why the experience of the third is accompanied by the differentiation between major and minor, so that we have the experience of the major mood an the one hand and the experience of the minor mood an the other. With the arrival of the third, with the entry into music of the major and minor moods, musical experience links itself with the elevated and joyful moods and also with the depressed, painful and sad moods experienced by man because he bears a physical and an etheric body. We might say that man removes his experience of the world from the cosmos; instead he unites himself with his experience of the world. In olden times, in the age of the fifth, and even more so in the age of the seventh, if I may be permitted to use these expressions, man's most important experience of the world was such that it took him immediately outside himself. He could thus say: The world of tones draws my ego and my astral body out of my physical and etheric bodies; I interweave my earthly existence with the divine-spiritual world; the tone structures resound as something an whose wings the Gods flow through the world; and I experience this flowing of the Gods by perceiving the tones.

[ 23 ] Sie sehen also auf diesem besonderen Gebiete, wie gewissermaßen das kosmische Erleben an den Menschen herankommt, wie der Kosmos in den Menschen hineindringt, wie wir gewissermaßen, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, das wichtigste Menschenerleben im Übersinnlichen suchen müssen, und wie dann die Zeit heraufkommt, wo der Mensch als sinnlich-irdische Erscheinung, ich möchte sagen, mitgenommen werden muß, wenn die wichtigsten Weltereignisse beschrieben werden.

[ 23 ] You see therefore in this particular field how cosmic experience in a certain sense makes its way towards the human being, how the cosmos penetrates into the human being. You see how if we look back into ancient times it is in the super-sensible world that we must seek man's most important experiences. And you see how later the time comes when man as an Earth-being endowed with physical senses must be included when the most important world events are being described.

[ 24 ] Das geschieht in jenem Zeitalter, das eintritt, nachdem die Gedanken von den Formwesen an die Urbeginne abgegeben sind. Das drückt sich auch dadurch aus, daß das alte Quintenzeitalter — das schon früher war als jene Übergabe — übergeht in das Terzenzeitalter, in das Erleben von Dur und Moll.

[ 24 ] This becomes necessary when the thoughts are given by the Spirits of Form to the Principalities, the Archai. Another expression of this may be found in the transition from the ancient period of the fifth to the period of the third and the experience of major and minor.

[ 25 ] Nun ist es besonders interessant, wenn gerade mit diesem Erleben in eine noch ältere Zeit als die atlantische zurückgegangen wird, also in eine Zeit der menschlichen Erdenentwickelung, die in grauester, fernster Vergangenheit für die Rückschau verschwimmt, deren Anschauung aber hervorgeholt werden kann durch das übersinnliche Schauen. Da kommen wir sogar zu einem Zeitalter — Sie finden es in meiner «Geheimwissenschaft» als das lemurische Zeitalter beschrieben —, wo der Mensch überhaupt das Musikalische nicht mehr so wahrnehmen kann, daß ihm innerhalb einer Oktave ein Intervall bewußt werden kann, sondern da kommen wir in eine Zeit, in welcher der Mensch ein Intervall nur wahrnimmt, indem das Intervall die Oktave übergreift, also etwa so: so daß der Mensch nur dieses Intervall c d wahrnimmt, das heißt das d der nächsten Oktave.

[ 25 ] Now it is of particular interest, in connection with this experience, to go back into an age even earlier than the Atlantean, an age of human evolution upon Earth which fades away into the dim and far-distant past but which can be recalled with the aid of super-sensible vision. You will find this distant age described in my book Occult Science: an Outline as the Lemurian age. At that time man's perception of music was such that he could not even be conscious of intervals contained within an octave; at that time man could perceive an interval only if it extended beyond an octave, for instance: C, D, E, F, G, A, B, C, D, where the interval C, D, is experienced only if the D lies in the next octave.

[ 26 ] Im lemurischen Zeitalter haben wir also durchaus ein musikalisches Erleben, das sich gar nicht abspielen kann im Anhören eines Intervalls innerhalb einer Oktave, sondern da geht das Intervall über die Oktave hinaus, bis zum ersten Ton der folgenden Oktave, und dann geht es bis zum folgenden Ton der zweitnächsten Oktave. Und da erlebt der Mensch etwas, was schwer zu benennen ist; aber man kann sich vielleicht eine Vorstellung davon machen, wenn ich sage: Es erlebt der Mensch die Sekund der nächsten Oktave und die Terz der zweitnächsten Oktave. Er erlebt eine Art objektiver Terz, und da auch wiederum die zwei Terzen, nämlich die große und die kleine Terz. Nur daß die Terz — dasjenige, was er da erlebt — natürlich in unserem Sinne keine Terz ist, denn nur, wenn ich die Prim in derselben Oktave annehme, ist der Ton, den ich in bezug auf die zweitnächste Prim meine, die Terz. Aber indem der Mensch unmittelbar die Intervalle erleben konnte, die für uns heute so sind, daß wir sagen: Prim in einer Oktave, Sekund in der nächsten Oktave, Terz in der dritten Oktave —, nahm dieser ältere Mensch dasjenige wahr, was eine Art objektiven Durs und objektiven Molls ist, ein nicht mehr in sich erlebtes Dur und Moll, sondern ein Dur und Moll, das als der Ausdruck des seelischen Erlebens der Götter empfunden wurde. Die Menschen des lemurischen Zeitalters erlebten, man kann jetzt nicht sagen Freude und Leid, Erhebung und Deprimierung, sondern man muß sagen: Die Menschen erlebten durch dieses besondere musikalische Empfinden in der lemurischen Zeit, indem sie ganz außer sich entrückt waren in dem Wahrnehmen dieser Intervalle, die kosmischen Jubelklänge der Götter und die kosmischen Klagen der Götter. — Und wir können zurückschauen auf ein irdisches, von den Menschen wirklich erlebtes Zeitalter, in dem sozusagen hinausprojiziert war in das Weltenall dasjenige, was der Mensch heute erlebt bei Dur und Moll. Was er heute innerlich erlebt, es war hinausprojiziert in das Weltenall. Was ihn heute durchwellt in seinem Gemüte, in seiner Empfindung, das vernahm er in Entrückung von seinem physischen Leibe als Erlebnis der Götter draußen. Was wir heute als innerliches Durerlebnis charakterisieren müßten, nahm er in der Entrückung von seinem Leibe draußen als den kosmischen Jubelgesang, als die kosmische Jubelmusik der Götter wie den Ausdruck der Freude über ihr Weltschaffen wahr. Und was wir heute als innerliche Mollerlebnisse haben, nahm einstmals der Mensch in der lemurischen Zeit als die ungeheure Klage der Götter wahr über die Möglichkeit, daß die Menschen verfallen können in das, was dann in der biblischen Geschichte als der Sündenfall, als der Abfall von den göttlich-geistigen Mächten, von den guten Mächten, geschildert worden ist.

[ 26 ] Thus in the Lemurian age there could be no musical experience in listening to intervals smaller than an octave; the interval experienced goes beyond the octave to the first tone of the following octave and then to the next tone of the next octave. Thus man experiences something which is difficult to describe, but you may be able to imagine it if I say the following: man experiences the second in the next higher octave and the third in the next octave after that. He experiences a kind of objective third, indeed the two thirds, both major and minor. But of course it is not a third as we know it today, since for us the third only comes about if we take the tonic and the next note but one within the same octave. Because man in ancient times was able to have a direct experience of intervals which we describe today as the tonic in one octave, the second in the next octave and the third in the third octave, he was able to perceive a sort of objective major and minor; not a major and minor mood experienced within himself but a major and minor expressing a feeling of what the Gods experienced in their souls. We cannot describe what man in the Lemurian age experienced by any such names as joy and sorrow, exultation and depression; we must say that through this particular musical perception in Lemurian times, when he was quite outside himself in perceiving these intervals, he experienced the cosmic jubilation of the Gods and the cosmic lamentation of the Gods. We are able to look back to a time an Earth really experienced by man when what is experienced today as major and minor was, as it were, projected out into the universe. What man experiences inwardly today was then projected out into the universe. What today flows through his emotion and feeling was then perceived by him outside his physical body as the experience of the Gods in the cosmos. What must be characterized as our present inner experience of the major mood was experienced by him outside his body as the cosmic jubilation, the cosmic music of the Gods rejoicing in their creation of the world. And what we know today as the minor mood was experienced in Lemurian times as the vast lamentation of the Gods over the possibility of what is described in the Bible as the Fall of man, the falling away of mankind from the divine spiritual powers, the powers of good.

[ 27 ] Das ist etwas, was uns herübertönt aus jener wunderbaren, von selbst in das Künstlerische übergehenden Erkenntnis der alten Mysterien, daß wir vernehmen, wie nicht nur etwa abstrakt geschildert wird, daß einstmals die Menschen durch die luziferische und ahrimanische Verführung und Versuchung gegangen sind und dies oder jenes erfahren haben, sondern daß die Menschen gehört haben, wie in uralten Erdenzeiten die Götter jubelnd musiziert haben im Kosmos aus der Freude ihres Weltenschaffens heraus, und wie sie gleichsam prophetisch schon hingeschaut haben auf den Abfall der Menschen von den göttlich-geistigen Mächten, und dieses Hinschauen in der kosmischen Klage zum Ausdrucke brachten.

[ 27 ] This is something which echoes down to us out of that wonderful knowledge of the ancient Mysteries which of itself passes over into the realm of art; we not only perceive in a more abstract way how mankind once upon a time succumbed to Luciferic and Ahrimanic seduction and temptation and experienced this or that, but we also perceive how human beings heard in ancient times the music of the Gods rejoicing in the cosmos about their creation of the world and also the cosmic lamentation of the Gods whose prophetic vision showed them that man would fall away from the divine-spiritual powers.

[ 28 ] Dieses künstlerische Erfassen von etwas, was später immer intellektualistischere Formen angenommen hat, das ist etwas, was aus den alten Mysterien heraustönt, und aus dem wir die so tiefe Überzeugung gewinnen können, daß es eine Quelle ist, aus der Erkenntnis, Kunst, Religion geflossen sind. Und daraus muß uns die Überzeugung werden, daß wir wieder zurück müssen zu jener menschlichen Seelenverfassung, die wiederum entstehen wird, wenn die Seele erkennt, indem sie religiös durchwellt, künstlerisch durchströmt wird; zu jener Seelenverfassung, die wiederum tief lebensvoll das versteht, was schon Goethe gemeint hat mit dem Worte: Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne dessen Erscheinung ewig verborgen geblieben wären. — Das Geheimnis der Menschheitsentwickelung innerhalb des Erdenseins, innerhalb des Erdenwerdens, das verrät uns selbst diese innerliche Einheit alles dessen, was der Mensch erkennend religiös und künstlerisch mit der Welt zusammen durchmachen muß, damit er mit dieser Welt zusammen seine Gesamtentfaltung erleben kann.

[ 28 ] This artistic understanding of something which later became more abstract in form is given to us out of ancient Mysteries; from it we may win the deep conviction that knowledge, art and religion have flowed from a single source. This must lead us to the conviction that we must seek to return to that state of soul which will appear once again when the soul has knowledge because religion streams and art flows through it, that state of soul which brings a deep and living understanding of what Goethe meant so many years ago when he said: ‘Beauty is a manifestation of secret natural laws which would have lain concealed forever had beauty not appeared.’ The secret of human evolution within the Earth's existence, within the Earth's evolution, itself reveals to us this inner unity of everything man must experience together with the world knowingly, religiously and artistically in order that he may experience his complete potentiality together with the world.

[ 29 ] Und es ist schon so, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo diese Dinge den Menschen wiederum zum Bewußtsein kommen müssen, weil sonst einfach die menschliche Natur in ihrer Seelenhaftigkeit verfallen müßte. Der Mensch müßte heute und in die nächste Zukunft hinein durch die intellektualistisch werdende einseitige Erkenntnis seelisch vertrocknen, er müßte durch die einseitig gewordene Kunst seelisch stumpf werden und durch die einseitig gewordene Religion überhaupt seelenlos werden, wenn er nicht den Weg finden könnte, der ihn zur inneren Harmonie und Einheit dieser drei führen könnte, wenn er nicht den Weg finden könnte, auf eine bewußtere Art, als es einmal der Fall war, aus sich herauszukommen und das Übersinnliche wiederum mit dem Sinnlichen zusammen zu schauen und zusammen zu hören.

[ 29 ] It is a fact that now the time has come when these things must once again enter human consciousness, for otherwise man's soul-nature would simply begin to decay. Now and in the near future man's soul would shrivel up as a result of increasingly intellectual and one-sided knowledge; his soul would be dulled by the one-sidedness of art and he would lose his soul altogether through the one-sidedness of religion if he could not find the way which leads to the inner harmony and unity of these three, the way which helps him to leave his body in a more conscious manner than of old and once more see and hear the super-sensible world together with the world of the senses.

[ 30 ] Gerade wenn man mit Geisteswissenschaft hinblickt auf die älteren, tieferen Persönlichkeiten der werdenden griechischen Kultur, auf jene Persönlichkeiten, als deren Nachkommen sich dann ein Äschylos, ein Heraklit entwickelt haben, dann findet man, daß diese Persönlichkeiten, insofern sie in die Mysterien eingeweiht waren, alle ein gleiches Gefühl hatten aus ihrer Erkenntnis heraus und aus ihren künstlerischen Schöpferkräften, die sie eben noch so fühlten, wie ja auch Homer «Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilleus» — nicht als etwas persönlich in ihnen Waltendes, sondern als etwas, was sie in ihrem religiösen Empfinden in Gemeinsamkeit mit der geistigen Welt verrichteten, und wodurch sie sich sagten: Die Menschen haben in uralten Zeiten sich eigentlich als Menschen erlebt, indem sie durch die wichtigsten menschlichen Betätigungen — wie ich es Ihnen für das Musikalische gezeigt habe, aber auch bei dem Gedankenfassen war es so — aus sich herausgingen und mit den Göttern zusammen erlebten. Das, was sie da erlebten, das haben die Menschen verloren.

[ 30 ] Through Spiritual Science we can look at the more ancient and profound personalities of the developing Greek culture, personalities whose successors were such people as Aeschylus and Heraclitus. We find that these personalities, in so far as they were initiated into the Mysteries, all had similar feelings as a result of their knowledge and their artistic, creative powers. Like Homer, who said: ‘Sing me, O Muse, of the wrath of Achilles, son of Peleus,’ they still felt their knowledge and their creative powers not as something working in them personally but as something they carried out in their religious feeling together with the spiritual world. Thus they could say: In most ancient times man experienced himself as man when, in carrying out the most important human activities, he passed out of himself and shared his experiences with the Gods (as I have shown you in connection with music, but it was also true in the forming of thoughts). But man has now lost what he was thus able to experience.

[ 31 ] Diese Stimmung des Verlustes eines uralten Erkenntnis- und künstlerischen und religiösen Besitzes der Menschheit, die lastete durchaus auf den tieferen griechischen Seelen.

[ 31 ] This feeling of having lost an ancient knowledge and an ancient artistic and religious possession of mankind most certainly weighed upon the more profound Greek souls.

[ 32 ] Über den neueren Menschen muß etwas anderes kommen. Über den neueren Menschen muß kommen, daß er durch Entfaltung der rechten Kräfte seines seelischen Erlebens dahin gelangt, das, was einstmals verloren worden ist, wieder zu finden. Ich möchte sagen: Der Mensch muß ein Bewußtsein davon entwickeln — wir leben ja im Bewußtseinszeitalter —, wie das, was nun innerlich geworden ist, wiederum den Weg nach außen zu dem Göttlich-Geistigen findet. Und solches wird sich vollziehen können — ich habe es angedeutet auf eine Frage hin, die im Goetheanum beim ersten Hochschulkursus gestellt worden ist —, solches wird sich auf einem Gebiete zum Beispiel ereignen, wenn der innerliche Reichtum der Empfindungen, der in der Melodie erlebt wird, einmal auf den einzelnen Ton übergehen wird, wenn der Mensch das Geheimnis des einzelnen Tones erfahren wird, wenn, mit andern Worten, der Mensch nicht nur Intervalle erleben wird, sondern wirklich auch mit innerlichem Reichtum, mit innerlicher Mannigfaltigkeit des Erlebens den einzelnen Ton wie eine Melodie wird erleben können. Davon ist heute noch kaum eine Vorstellung vorhanden.

[ 32 ] Something different must come to mankind today. By developing the proper powers of his soul-experience, man must come to the point where he is able to rediscover what was lost long ago. What I want to say is that man must develop a consciousness—after all, we are living in the age of consciousness—of how what has become inward must find its way outwards again towards the divine-spiritual world. And it will be possible to accomplish this—as I have indicated in answer to a question put to me during a lecture-course at the Goetheanum—in one field for instance, when the inner wealth of feeling experienced in melody is transferred to the single tone, when man discovers the secret of the single tone, in other words when man experiences not only intervals but is also able to experience with inner richness and variety the single tone as if it were a melody. This is something which today can scarcely be imagined.

[ 33 ] Aber Sie sehen, wie die Dinge fortgehen: von der Septime zur Quinte, von der Quinte zur Terz, von der Terz zur Prim herunter, bis zum einzelnen Ton, und dann weiter fort. So daß dasjenige, was einstmals ein Verlieren des Göttlichen war, sich wandeln muß für die Menschheitsentwickelung, wenn die Menschheit auf Erden sich weiterbilden und nicht untergehen will, sich wandeln muß für die Erdenmenschheit in ein Wiederfinden des Göttlichen.

[ 33 ] But you see how things progress: from the seventh to the fifth, from the fifth to the third, from the third to the prime and so down to the single tone and onward still further. So what once represented the loss of the divine world must be transformed in human evolution into the rediscovery of the divine by man on Earth, if humanity is to go on developing on Earth instead of perishing.

[ 34 ] Wir verstehen die Vergangenheit nur richtig, wenn wir ihr das rechte Ebenbild für unsere Entwickelung in die Zukunft hinein entgegenzustellen vermögen, wenn wir ganz tief, erschütternd tief das empfinden können, was noch in uralter Griechenzeit ein tieferer Mensch empfunden hat: Ich habe die Gegenwart der Götter verloren —, und wenn wir dem entgegensetzen können wiederum aus erschütterter, aber intensiv und innigst strebender Seele: Wir wollen den Geist, der im Keim in uns ist, zum Blühen und Fruchten bringen, damit wir die Götter wiederfinden können.

[ 34 ] We only understand the past aright when we are able to see in contrast the true image of our development in the future, when we feel with an emotion which affects us deeply what was also felt by the more profound human beings in ancient Greece, namely that we have lost the presence of the Gods, and when we can contrast this by saying with deeply moved but intensely striving souls: We will bring to blossom and fruition the spirit whose germ exists within us, so that we may once more find the Gods.