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The Rudolf Steiner Archive

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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224

23 May 1923, Berlin

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11. Die Schaffung eines Michael-Festes aus dem Geiste heraus die Rätsel des inneren Menschen

11. Creating a Michael Festival from the Spirit: The Mysteries of the Inner Self

[ 1 ] Was ich Ihnen heute vorbringen möchte, wird, wie alles, was ich über Anthroposophie in der letzten Zeit zu sagen hatte, mit einem gewissen Unterton gesagt werden müssen, der hervorgerufen ist durch das schmerzliche Ereignis, das unsere Sache und unsere Gesellschaft am letzten Silvesterabend getroffen hat: Das Goetheanum in Dornach ist ja augenblicklich nicht mehr. Es ist von den Flammen in der letzten Silvesternacht verzehrt worden. Und alle die, welche mit dieser einen Nacht die zehnjährige, lange Arbeit zerstört sahen, die ausgegangen ist von so vielen unserer Freunde, die in hingebungsvoller Weise diese Arbeit geleistet haben, alle, die aus dieser Arbeit und aus dem, was uns das Goetheanum war, dieses Goetheanum sehr lieb gehabt haben, die werden unter diesem Eindruck stehen müssen, daß wir dieses äußere Zeichen anthroposophischen Wirkens nicht mehr haben. Denn wenn auch — was ja durchaus sein sollte — irgendein Bau für unsere Sache an derselben Stätte wiederum entstehen wird: das alte Goetheanum kann es ja unter dem Einfluß der schwierigen Zeitverhältnisse selbstverständlich nicht mehr werden. So steht denn eigentlich im Hintergrunde hinter alledem, was ich seit jenen Tagen zu sagen habe, die furchtbare Glut der Flammen, die in einer so herzzerreißenden Weise eingriffen in die Entwickelung unserer ganzen Sache. Wir müssen uns da um so mehr, als dieses äußere Zeichen dahin ist, widmen dem Ergreifen der inneren Kräfte und inneren Wesenhaftigkeiten der anthroposophischen Bewegung und desjenigen, was mit ihr für die ganze Entwickelung der Menschheit zusammenhängt. So lassen Sie mich denn auch zunächst mit einer Art Betrachtung über das Wesen des Menschen beginnen. Ich habe solche viele hier in Ihrer Mitte angestellt und möchte nun heute wiederum eine solche von einem gewissen Gesichtspunkte aus anstellen.

[ 1 ] What I would like to share with you today, like everything I have had to say about anthroposophy recently, must be said with a certain undertone, one brought on by the painful event that struck our cause and our society on New Year’s Eve: The Goetheanum in Dornach is, after all, no longer standing. It was consumed by flames on New Year’s Eve. And all those who, in the span of that one night, saw the ten years of hard work destroyed—work that had been undertaken by so many of our friends who had devoted themselves to it—all those who, through this work and through what the Goetheanum meant to us, had come to love this Goetheanum dearly—they will have to come to terms with the fact that we no longer have this outward symbol of anthroposophical activity. For even if—as indeed should be the case—some building for our cause is to be erected again on the very same site, the old Goetheanum can, of course, no longer be the same under the influence of these difficult times. Thus, in the background of everything I have had to say since those days lies the terrible heat of the flames that intervened in such a heart-rending way in the development of our entire cause. Now that this outward symbol is gone, we must devote ourselves all the more to grasping the inner forces and inner essences of the anthroposophical movement and of what is connected with it for the entire development of humanity. So let me begin, then, with a kind of reflection on the nature of the human being. I have made many such reflections here among you, and today I would like to offer another one from a certain perspective.

[ 2 ] Ich möchte ausgehen von einer Betrachtung des in die Welt hereintretenden Menschen, des Menschen, der heruntergestiegen ist aus dem vorirdischen Dasein und seine ersten Schritte hier im Erdenleben macht. Wir wissen, daß bei diesem Eintritt in das Erdenleben ein Zustand unsere Seele beherrscht, der doch eine gewisse Ähnlichkeit hat mit dem immer sich wiederholenden Zustande des menschlichen Schlaflebens. Wie das gewöhnliche Bewußtsein beim Aufwachen eine Erinnerung nicht hat an das, was das menschliche Seelisch-Geistige vom Einschlafen bis zum Aufwachen durchgemacht hat — mit Ausnahme der bunten Mannigfaltigkeit der Träume, die aber auch eigentlich, wie wir ja wissen, dahinfluten mit dem Einschlafen oder mit dem Aufwachen, die eigentlich für das gewöhnliche Bewußtsein nicht herauskommen aus dem tiefen Schlafe —, wie also das gewöhnliche Bewußtsein sich an diese Zustände nicht erinnert, so hat ja dieses selbe Bewußtsein für das ganze Erdenleben nur eine Erinnerung bis zurück zu einem gewissen Zeitpunkte der Kindheit. Bei dem einen liegt er etwas früher, bei dem andern etwas später. Was davor liegt im Erdenleben, ist eigentlich für das gewöhnliche Bewußtsein so verhüllt wie die Ereignisse des Schlafzustandes. Es ist ja richtig, das Kind ist nicht in einem wirklichen Schlafe, es ist in einer Art träumerischer, unbestimmter inneren Tätigkeit, aber für das ganze spätere Leben ist dieser Zustand zunächst wenigstens einem traumerfüllten Schlafe nicht ganz fernliegend.

[ 2 ] I would like to begin by considering the human being entering the world—the human being who has descended from pre-earthly existence and is taking his first steps here in earthly life. We know that upon this entry into earthly life, our soul is dominated by a state that bears a certain resemblance to the ever-recurring state of human sleep. Just as ordinary consciousness, upon waking, has no memory of what the human soul and spirit have gone through from falling asleep to waking up—with the exception of the colorful variety of dreams, which, however, as we know, fade away with falling asleep or waking up—and which, for ordinary consciousness, do not actually emerge from deep sleep—just as ordinary consciousness does not recall these states, so too does this same consciousness have, for the entire earthly life, only a memory extending back to a certain point in childhood. For some, this point lies somewhat earlier; for others, somewhat later. What lies before that in earthly life is, in fact, as veiled from ordinary consciousness as the events of the sleeping state. It is true, of course, that the child is not in a state of actual sleep; it is in a kind of dreamlike, indeterminate inner activity, but for the whole of later life, this state is, at least initially, not entirely dissimilar to a dream-filled sleep.

[ 3 ] Nun greifen aber drei Tätigkeiten, drei Dinge, die das Kind lernt, in dieser Zeit ein: dasjenige, was wir gewöhnlich zusammenfassen mit dem Ausdrucke Gehenlernen, dann das, was mit dem Sprechenlernen und das, was mit dem Denkenlernen für das Kind verbunden ist. Nun bezeichnen wir mit dem Ausdrucke Gehenlernen in einer außerordentlich abgekürzten und eben aus unserer Bequemlichkeit stammenden Weise eigentlich etwas, was außerordentlich kompliziert ist. Wir müssen nur daran denken, wie das Kind zunächst in völliger Ungeschicklichkeit in das Leben hereintritt, wie es nach und nach die Möglichkeit gewinnt, seine eigene Gleichgewichtslage in den Raum hineinzupassen, in dem es sich durch das ganze Leben hindurch bewegen soll. Es ist ja nicht bloß ein Gehenlernen, was wir beim Kinde wahrnehmen, sondern ein Aufsuchen der Gleichgewichtslage des irdischen Lebens, und verbunden mit diesem Gehenlernen ist der Gebrauch der Bewegungsgliedmaßen überhaupt. Für den, der für eine solche Sache das richtige Anschauungsvermögen hat, drücken sich in diesem Gehenlernen eigentlich die merkwürdigsten, großartigsten Lebensrätsel aus. Eine ganze Welt drückt sich aus in der Art und Weise, wie das Kind vom Kriechen zum Aufrichten, zum Füßchenstellen, aber auch zu allem andern, zum Aufrichten des Hauptes, zum Gebrauch der Arme und Gliedmaßen kommt. Und wer dann, ich möchte sagen, intimer da hineinsieht, wie das eine Kind das Füßchen mehr mit der Ferse aufstellt, das andere mehr dazu neigt, mit den Zehen aufzutreten, der wird vielleicht eine Ahnung bekommen von dem, was ich Ihnen gerade heute mit Bezug auf die genannten drei Tätigkeiten und ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt werde auszuführen haben. Ich möchte nur vorher erst äußerlich diese drei Tätigkeiten noch charakterisieren.

[ 3 ] However, three activities—three things the child learns—come into play during this period: what we usually summarize with the expression “learning to walk,” then what is associated with learning to speak, and what is associated with learning to think. Now, when we use the term “learning to walk”—in an extremely abbreviated way that stems precisely from our own convenience—we are actually referring to something that is extraordinarily complex. We need only consider how the child first enters life in a state of complete clumsiness, and how it gradually gains the ability to adapt its own balance to the space in which it is to move throughout its entire life. After all, what we observe in the child is not merely learning to walk, but a search for the state of balance in earthly life, and linked to this learning to walk is the use of the limbs for movement in general. For those who possess the proper insight into such matters, this learning to walk actually expresses the most remarkable and magnificent mysteries of life. A whole world is expressed in the way the child progresses from crawling to sitting up, to placing its little feet on the ground, but also to everything else—raising its head, using its arms and limbs. And whoever then—I would say—looks more closely at how one child places their little foot more on the heel, while another tends more to step on the toes, may perhaps gain a glimpse of what I am about to explain to you today with regard to the three activities mentioned and their connection to the spiritual world. But first, I would like to briefly characterize these three activities from an external perspective.

[ 4 ] Auf Grundlage dieses Gleichgewichtsuchens, dieses Suchens wenn ich mich jetzt etwas gelehrter, vielleicht auch etwas geschwollener ausdrücken darf — nach einer Dynamik des Lebens, auf Grundlage dieses Suchens bildet sich dann das Sprechenlernen aus. Denn wer beobachten kann, weiß ganz genau: die normale Entwickelung des Kindes geht so, daß sich das Sprechenlernen auf Grundlage des Gehen- und Greifenlernens entwickelt. Zunächst wird man schon am Sprechenlernen merken, wie das feste oder leichte Auftreten des Kindes sich auch ausdrückt in dem Sprechtakt, in dem Betonen der Silben, in der Kraft der Sprache. Und man wird ferner merken, wie die Modulation der Worte, wie die Konturierung der Worte einen gewissen Parallelismus hat mit der Art und Weise, wie das Kind lernt, geschickt oder ungeschickt seine Fingerchen zu biegen oder geradezuhalten. Aber wer dann das ganze Innere des menschlichen Organismus beobachten kann, der wird wissen können, wie nicht nur, was ja auch die heutige Entwickelungslehre zugibt, rechtshändige Menschen in der linken dritten Stirnwindung, in der sogenannten Brocaschen Windung, das Sprachzentrum haben — was ganz einfach physiologisch den charakteristischen Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Greifvermögen, wenn ich mich des Pleonasmus bedienen darf: des ganzen Handhabungsvermögens des Armes und der Hand vergegenwärtigt —, sondern er weiß auch, wie intim die Bewegung der Stimmbänder, die ganze Einstellung des Sprachorganismus genau denselben Charakter annimmt, den die Geh- und Greifbewegungen annehmen. Aber es kann sich bei der normalen kindlichen Entwickelung das Sprechen, das ja in Nachahmung der Umgebung entwickelt wird, gar nicht entwickeln, ohne daß die Grundlage des Aufsuchens der Gleichgewichtslage im Leben erst da ist.

[ 4 ] Based on this search for balance—or, if I may express myself in a slightly more scholarly, perhaps even somewhat more lofty manner, this search for a dynamic of life—it is on the basis of this search that the process of learning to speak then takes shape. For anyone who observes closely knows very well: a child’s normal development proceeds in such a way that learning to speak builds upon learning to walk and grasp. First of all, one will already notice in the process of learning to speak how the child’s steady or light gait is also reflected in the rhythm of speech, in the stress placed on syllables, and in the strength of the speech. And one will further notice how the modulation of words and the contouring of words show a certain parallelism with the way the child learns to bend or keep their little fingers straight—whether skillfully or clumsily. But anyone who can then observe the entire inner workings of the human organism will be able to understand not only—as modern developmental theory also acknowledges—that right-handed people have their speech center in the left third frontal gyrus, the so-called Broca’s gyrus—which quite simply illustrates, physiologically, the characteristic connection between speech and the ability to grasp, if I may use the pleonasm: the entire manipulative capacity of the arm and hand—but they will also know how intimately the movement of the vocal cords and the entire functioning of the speech apparatus take on precisely the same character as that of walking and grasping movements. But in normal childhood development, speech—which, after all, develops through imitation of the environment—cannot develop at all unless the foundation for seeking a state of equilibrium in life is already in place.

[ 5 ] Und das Denken! Ja, die feineren Organe des Gehirns, die dem Denken zugrunde liegen, sie entwickeln sich wieder aus der Sprachorganisation. Es soll nur niemand glauben, daß sich in der normalen kindlichen Entwickelung das Denken vor dem Sprechen entwickeln könnte. Wer aufzupassen vermag, der wird finden: Die Sprache ist zunächst nicht ein Ausdruck von Gedanken beim Kind. Ganz und gar nicht! Es wäre lächerlich, das zu glauben. Sondern die Sprache ist beim Kinde ein Ausdruck des Fühlens, des Empfindens, des Seelenlebens. Daher werden Sie sehen, daß es zunächst die Empfindungsworte sind, alles, was Empfindungen sind, was das Kind durch die Sprache zuerst ausdrückt. Und wenn das Kind «Mama» oder «Papa» sagt, so sind es die Gefühle zu Mama oder Papa, die es meint, nicht irgendein Begriff oder Gedanke. Das Denken entwickelt sich erst aus der Sprache heraus. Allerdings verschiebt sich beim Menschen manches, so daß man dann sagt: Dieses Kind hat sprechen gelernt vor dem Gehenlernen. Aber es ist dies nicht die normale Entwickelung, und man sollte sogar bei der Erziehung durchaus darauf sehen, daß die normale Entwickelungsreihe wirklich eingehalten werde: Gehen, Sprechen, Denken.

[ 5 ] And thinking! Yes, the finer organs of the brain that underlie thinking develop, in turn, from the organization of language. No one should believe that, in normal childhood development, thinking could develop before speech. Anyone who pays close attention will find that, at first, language is not an expression of thoughts in the child. Not at all! It would be ridiculous to believe that. Rather, language in the child is an expression of feeling, of sensation, of the life of the soul. That is why you will see that, at first, it is the words for sensations—everything that is a sensation—that the child expresses through language first. And when the child says “Mama” or “Papa,” it is the feelings toward Mama or Papa that the child means, not some concept or thought. Thinking develops only out of language. However, in humans, certain things can be out of order, so that one might say: “This child learned to speak before learning to walk.” But this is not normal development, and in child-rearing one should indeed ensure that the normal sequence of development is strictly followed: walking, speaking, thinking.

[ 6 ] Aber den wirklichen Charakter dieser Tätigkeiten des Kindes wird man eigentlich erst gewahr, wenn man die andere Seite des menschlichen Lebens beobachtet, wenn man nämlich beobachtet, wie sich diese Tätigkeiten im späteren Leben im Schlafe verhalten, denn aus dem Schlafe oder wenigstens aus dem traumhaften Schlafe des Kindes, wie ich angedeutet habe, gehen diese Tätigkeiten hervor. Aber was machen denn nun diese Tätigkeiten während des späteren Erdenlebens?

[ 6 ] But one only truly becomes aware of the real nature of these activities of the child when one observes the other side of human life—namely, when one observes how these activities manifest themselves in sleep later in life; for, as I have indicated, these activities arise from sleep, or at least from the child’s dream-like sleep. But what, then, do these activities do during later earthly life?

[ 7 ] Es ist im allgemeinen dem heutigen wissenschaftlichen Leben nicht möglich, auf diese Dinge einzugehen. Das heutige wissenschaftliche Leben kennt ja eigentlich nur die Außenseite der Menschenwesenheit und kennt nicht die inneren Zusammenhänge des Menschen mit dem Weltenwesen, insofern das Weltenwesen geistig ist. Auf allen Gebieten hat sich die Menschheitszivilisation — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — oder sagen wir die Menschheitskultur, zu einem gewissen Materialismus oder Naturalismus entwickelt. Glauben Sie nicht, daß ich hier gegen den Materialismus keifen will. Wenn der Materialismus in der Menschheitszivilisation nicht gekommen wäre, so wären die Menschen nicht frei geworden. Der Materialismus ist also eine notwendige Entwickelungsepoche in der Menschheit. Aber heute muß man sich darüber klarwerden, welche Wege wir gehen müssen, auch weiter in die Zukunft hinein. Und darüber müssen wir uns auf allen Gebieten klarwerden. Damit das besser illustriert ist, was ich Ihnen nun zu sagen habe, möchte ich Ihnen dies an einem Beispiel veranschaulichen.

[ 7 ] In general, modern scientific life is unable to address these matters. Modern scientific life, after all, is familiar only with the outer aspects of human existence and is unaware of the inner connections between the human being and the world spirit, insofar as the world spirit is spiritual. In all areas, human civilization—if I may use that term—or let us say human culture, has developed into a certain form of materialism or naturalism. Please do not think that I am trying to rail against materialism here. If materialism had not emerged in human civilization, human beings would not have become free. Materialism is therefore a necessary phase in human development. But today we must become clear about the paths we must take, even further into the future. And we must become clear about this in all areas. To better illustrate what I am about to say, I would like to demonstrate this with an example.

[ 8 ] Sie wissen alle und können es aus meinen Schriften erfahren, daß die Erdenmenschheit, bevor sie diejenigen Kulturepochen durchgemacht hat, die der heutigen noch halbwegs ähnlich sind — die uralt indische, die urpersische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische und dann die unsrige —, vordem durchgegangen ist durch die sogenannte atlantische Katastrophe. Und während dieser atlantischen Katastrophe war die Menschheit, die heute europäische, asiatische und amerikanische Kulturmenschheit ist, im wesentlichen ansässig auf einem Kontinente, der heute Meer ist, nämlich der Atlantische Ozean. Dort war damals im wesentlichen Land, und die Menschheit hat sich vor sehr langer Zeit auf diesem atlantischen Lande entwickelt. Sie können ja das, was die Menschheit da durchgemacht hat, auch in meinen Schriften und Zyklen nachlesen.

[ 8 ] You all know—and can learn from my writings—that before humanity on Earth went through those cultural epochs that are even remotely similar to today’s—the ancient Indian, the ancient Persian, the Egyptian-Chaldean, the Greek-Latin, and then our own—it had previously gone through the so-called Atlantean Catastrophe. And during this Atlantean Catastrophe, humanity—which today comprises the European, Asian, and American civilizations—was essentially settled on a continent that is now an ocean, namely the Atlantic Ocean. At that time, it was essentially land, and humanity developed on this Atlantean land a very long time ago. You can, of course, read about what humanity went through there in my writings and cycles.

[ 9 ] Ich will nun nicht von andern Erlebnissen der Menschheit in der alten atlantischen Zeit sprechen, als gerade von musikalischen Erlebnissen. Das ganze musikalische Erleben der alten Atlantier müßte einem heutigen Menschen, wenn er es hören könnte — er kann es ja nicht hören —, völlig grotesk, kurios erscheinen, denn das, was die alten Atlantier in der Musik aufgesucht haben, das waren zum Beispiel Septimenakkorde. Diese Septimenakkorde hatten für die Atlantier die Eigentümlichkeit, daß die Seelen dieser Urmenschen — in deren Leibern wir ja alle drinnensteckten, denn in den wiederholten Erdenleben haben wir ja diese Zeit selbst auch durchgemacht — sofort aus ihren Leibern heraus entrückt waren, wenn sie in ihrer Musik lebten, die vorzugsweise die Septimenakkorde berücksichtigte. Sie kannten keine andere Gemütsstimmung in der Musik als das Entrücktsein, das Enthusiasmiertsein, das Mit-dem-Gotte-Durchdrungensein. Und sofort, wenn ihre außerordentlich einfachen Instrumente erklangen, die übrigens nur Begleitinstrumente zum Singen waren, dann fühlte sich eigentlich solch ein Atlantier herumwebend und -lebend in der geistigen Außenwelt.

[ 9 ] I do not wish to speak here of humanity’s other experiences during the ancient Atlantean era, but specifically of musical experiences. The entire musical experience of the ancient Atlanteans would seem completely grotesque and bizarre to a person today—if they could hear it (though, of course, they cannot)—because what the ancient Atlanteans sought in music were, for example, seventh chords. These seventh chords had the peculiar quality for the Atlanteans that the souls of these primeval human beings—in whose bodies we were all once contained, for in our repeated earthly lives we ourselves have also lived through this era—were immediately lifted out of their bodies when they were immersed in their music, which primarily featured seventh chords. They knew no other emotional state in music than rapture, enthusiasm, and being imbued with the divine. And as soon as their extraordinarily simple instruments sounded—which, incidentally, were merely accompaniment instruments for singing—such an Atlantean actually felt himself weaving and living in the spiritual outer world.

[ 10 ] Nun kam die atlantische Katastrophe. Bei allen Nachatlantiern entwickelte sich zunächst die Vorliebe für Quintenfolgen. Sie wissen ja wahrscheinlich, daß die Quinte noch lange Zeit in der musikalischen Entwickelung die ausgedehnteste Rolle spielte; noch im alten Griechenland zum Beispiel spielte die Quinte eine ganz ausgebreitete Rolle. Die Vorliebe für Quintenfolgen hatte die Eigentümlichkeit zur Folge, daß zwar die Menschen, indem sie musikalisch erlebten, sich allerdings jetzt nicht mehr außerhalb ihres Leibes fühlten, aber in ihrem Leibe sich seelisch-geistig fühlten. Sie vergaßen völlig während des musikalischen Erlebens das physische Erleben. Sie fühlten sich zwar sozusagen innerhalb ihrer Haut, aber ihre Haut ganz ausgefüllt mit Seele und Geist. Das war die Wirkung der Musik, und die wenigsten Menschen werden es glauben, daß fast noch bis zum 10., 11. nachchristlichen Jahrhundert die naturgemäße Musik so war, wie ich es beschrieb, denn dann erst traten die Begabungen der Menschen für Terzen ein, die große und die kleine Terz, und für das Dur- und Mollmäßige. Das ist verhältnismäßig spät gekommen, aber mit diesem Spätkommen gestaltete sich zugleich das innerliche Erleben des Musikalischen heraus. Der Mensch blieb jetzt bei sich im Musikalischen. So wie die übrige Kultur in dieser Zeit von dem Geistigen herunterstrebte zum Materiellen, so strebte der Mensch im Musikalischen von dem Erleben des Geistigen, in das er aufging in den alten Zeiten, wenn er überhaupt Musik erlebte, hin zu dem Erleben des Musikalischen in sich, nicht mehr bis zur Haut, sondern ganz in sich. In dieser Weise waren auch die Dur- und Mollstimmungen erst damals heraufgekommen, die im wesentlichen eigentlich erst möglich sind, wenn der Mensch das Musikalische innerlich erlebt.

[ 10 ] Then came the Atlantic catastrophe. Among all post-Atlanteans, a preference for sequences of fifths initially developed. You probably know that the fifth continued to play the most prominent role in musical development for a long time; even in ancient Greece, for example, the fifth played a very widespread role. This preference for sequences of fifths had the peculiar consequence that, although people no longer felt themselves to be outside their bodies when experiencing music, they did feel themselves to be within their bodies in a soul-spiritual sense. During the musical experience, they completely forgot their physical experience. They felt, so to speak, within their own skin, but their skin was completely filled with soul and spirit. That was the effect of music, and very few people will believe that, almost up until the 10th or 11th century A.D., natural music was as I have described it, for it was only then that people’s aptitude for thirds—the major and minor thirds—and for major and minor modes began to emerge. This came relatively late, but with this late arrival, the inner experience of music also took shape. People now remained within themselves in their musical experience. Just as the rest of culture during this period descended from the spiritual to the material, so too did people in their musical experience move from the experience of the spiritual—in which they were absorbed in ancient times, whenever they experienced music at all—toward the experience of the musical within themselves, no longer merely on the surface but entirely within themselves. It was in this way that the major and minor modes first emerged at that time; these are, in essence, only truly possible when human beings experience the musical realm inwardly.

[ 11 ] So kann man auf allen Gebieten verfolgen, wie sich der Mensch von dem Geistigen herunter zu der Materie, aber auch zu sich entwickelt hat. Deshalb darf man nicht in einer philiströs-banausischen Weise immer nur sagen: Ach, der Materialismus ist so etwas Minderwertiges, aus dem muß der Mensch heraus. — Der Mensch wäre gar nicht richtig Mensch geworden, wenn er nicht heruntergestiegen wäre zum Ergreifen des materiellen Lebens. Gerade dadurch, daf3 er das Geistige im Materiellen ergriff, wurde der Mensch das seiner selbst bewußte, freie Ich-Wesen. Und heute müssen wir mit Hilfe der anthroposophischen Geisteswissenschaft wiederum zurück den Weg in die geistige Welt finden, müssen ihn auf allen Gebieten finden. Deshalb ist es ja so schmerzlich, daß der künstlerische Versuch, der mit Dornach gemacht worden ist, in dieser Weise heute ausgelöscht ist! Es muß eben auf allen Gebieten der Weg in die geistige Welt hinein gesucht werden.

[ 11 ] Thus, in all areas, one can trace how human beings have developed from the spiritual down to the material, but also toward themselves. That is why one must not, in a philistine and narrow-minded way, always just say: “Oh, materialism is something inferior; human beings must break free from it.” — Humanity would not have truly become human if it had not descended to grasp material life. It was precisely by grasping the spiritual within the material that humanity became a self-aware, free “I”-being. And today, with the help of anthroposophical spiritual science, we must once again find our way back into the spiritual world—we must find it in all areas. That is precisely why it is so painful that the artistic endeavor undertaken in Dornach has been extinguished in this way today! The path into the spiritual world must simply be sought in all areas.

[ 12 ] Betrachten wir nun zunächst die eine Tätigkeit, die das Kind lernt, die sprachliche, mit Bezug auf die Gesamtentwickelung des Menschen. Man muß wirklich sagen: Das, was da das Kind lernt, ist etwas Großartiges, und Jean Paul, der deutsche Dichter, hat gesagt, in den drei ersten Lebensjahren — wo man also wesentlich gehen, sprechen, denken lernt — lerne der Mensch viel mehr als in den drei akademischen Jahren. Mittlerweile sind ja die drei akademischen Jahre viele geworden, man lernt aber noch immer nicht mehr in den «drei» akademischen Jahren, als man in den drei ersten Lebensjahren als Kind lernt. Nun, betrachten wir das Sprechen! In dem Sprechen liegt zunächst das äußerlich Physisch-Physiologische: unser Kehlkopf und unsere übrigen Sprachorgane kommen in Bewegung, sie bewegen die Luft. Es wird der Ton vermittelt. Da kommen wir. gewissermaßen an das äußerlich Physisch-Physiologische heran. Aber in dem, was wir sprechen, ist ja auch Seele, und die Seele durchzieht und durchglüht alles dasjenige, was wir in den Lauten von uns geben. Ja, insofern die Sprache etwas Physisches gibt, sind der physische Leib und der Ätherleib des Menschen daran beteiligt. Die schweigen selbstverständlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das heißt, der normale Mensch spricht ja nicht vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Aber insofern Seele und Ich am Sprechen beteiligt sind, nehmen Seele und Ich, der astralische Leib und das Ich, indem sie beim Einschlafen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib herausgehen, das seelische Sprachvermögen mit, und damit eigentlich alles, was der Mensch während des ganzen Tages seelisch in sein Sprechen hineingelegt hat. Wir sind ja eigentlich an jedem Abend andere Menschen, denn wir haben uns den ganzen Tag über sprechend betätigt, die einen viel, andere weniger, manche allzuviel, manche auch zu wenig, aber immerhin, wir haben uns den ganzen Tag sprechend betätigt und unsere Seele in die Sprache hineingelegt. Und das, was wir da hineingelegt haben in die Sprache, das nehmen wir mit dem Einschlafen mit, das bleibt unser Wesen zwischen Einschlafen und Aufwachen.

[ 12 ] Let us now first consider the one activity that the child learns—language—in relation to the overall development of the human being. One really must say: What the child learns there is something magnificent, and Jean Paul, the German poet, said that in the first three years of life—when one essentially learns to walk, speak, and think—a person learns much more than in three years of academic study. Meanwhile, those “three” academic years have multiplied, yet one still does not learn more in those “three” academic years than one learns in the first three years of life as a child. Now, let us consider speech! Speech involves, first of all, the outwardly physical and physiological aspects: our larynx and our other speech organs come into motion; they move the air. Sound is produced. Here, so to speak, we approach the outwardly physical and physiological aspects. But what we speak also contains the soul, and the soul permeates and infuses everything we express through our sounds. Yes, insofar as speech involves something physical, the human physical body and etheric body are involved in it. They are, of course, silent from the moment we fall asleep until we wake up—that is to say, the normal person does not speak from the moment they fall asleep until they wake up. But insofar as the soul and the “I” are involved in speech, the soul and the “I”—the astral body and the “I”—take the soul’s capacity for speech with them when they leave the physical body and the etheric body upon falling asleep, and with it, in fact, everything that the human being has soulfully invested in their speech throughout the entire day. We are, in fact, different people every evening, for we have been engaged in speech all day long—some a great deal, others less, some too much, some too little—but in any case, we have been engaged in speech all day long and have poured our soul into our speech. And what we have poured into our speech, we take with us as we fall asleep; that remains our essence between falling asleep and waking up.

[ 13 ] Nun kann es heute, gerade in unserem materialistischen Zeitalter, so sein, daß der Mensch gar nicht mehr eine Ahnung davon hat, daß in der Sprache Idealismus oder Spiritualismus zum Ausdruck kommen kann. Die Menschen haben vielfach heute nur noch die Meinung, daß die Sprache Äußerliches, handgreiflich Gegenständliches ausdrücken soll. Die Empfindung dafür, daß man in der Sprache Ideale zum Ausdruck bringen kann, ist ja vielfach ganz verlorengegangen. Daher ist es ja auch so, daß die Menschen heute das, was zu ihnen vom Geiste gesprochen wird, meistens so unverständlich finden. Denn was sagen sich die Menschen, wenn vom Geiste gesprochen wird? Sie sagen sich: Ja, der spricht da in Worten. — Aber von diesen Worten wissen die Leute nur, daß sie das bedeuten, was man angreifen oder sehen kann. Daß die Worte auch hindeuten können auf irgend etwas, was übersinnlich, unsichtbar ist, das mögen die Leute gar nicht mehr. Und das kann die eine Art sein, wie die Menschen zur Sprache stehen. Die andere kann aber allerdings diese sein, daß die Menschen sich wiederum hinfinden zum Idealismus schon in den Worten, schon in der Sprache, so daß die Menschen wissen, daß gewissermaßen dutch jedes Wort durchtönen kann ein seelisch-geistiges Erleben.

[ 13 ] Nowadays, especially in our materialistic age, it may well be that people no longer have the slightest inkling that idealism or spiritualism can find expression in language. In many cases, people today believe that language is meant only to express external, tangible, concrete things. The sense that ideals can be expressed through language has, in many cases, been completely lost. That is why people today usually find what is spoken to them by the Spirit so incomprehensible. For what do people say to themselves when the Spirit is spoken of? They say to themselves: Yes, he is speaking in words. — But all people know about these words is that they signify what can be touched or seen. The idea that words might also point to something supersensible and invisible—people no longer want to accept that at all. And that may be one way people relate to language. The other, however, may well be that people find their way back to idealism already in the words themselves, already in language, so that they know that, in a sense, a spiritual-soul experience can resonate through every word.

[ 14 ] Was ein Mensch, der ganz im Materialismus der Sprache lebt, nun mit dem Einschlafen hinüberträgt in die geistige Welt, das bringt ihn merkwürdigerweise in ein schwieriges Verhältnis zur Erzengelwelt, zur Welt der Archangeloi, in die er jede Nacht zwischen Einschlafen und Aufwachen kommen soll, während der, welcher den Idealismus der Sprache sich bewahrt und weiß, wie in der Sprache der Sprachgenius lebt, in das notwendige Verhältnis zur Hierarchie der Archangeloi kommt, namentlich zu demjenigen der Archangeloi, dem er selbst zugeordnet ist in der Welt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Ja, dies drückt sich selbst in den äußeren Welterscheinungen aus.

[ 14 ] What a person who lives entirely within the materialism of language carries over into the spiritual world as they fall asleep strangely places them in a difficult relationship with the world of the archangels, the world of the Archangeloi, into which they are meant to enter every night between falling asleep and waking up, whereas the person who preserves the idealism of language and knows how the genius of language lives within it enters into the necessary relationship with the hierarchy of the Archangeloi—namely, with the Archangel to whom they themselves are assigned in the world between falling asleep and waking up. Yes, this even finds expression in the phenomena of the outer world.

[ 15 ] Warum suchen denn die Menschen heute so krampfhaft ein äußeres Verhältnis zu den Nationalsprachen? Warum kam denn dieses furchtbare Unglück über Europa, das Woodrow Wilson für ein «Glück» gehalten hat — aber der ist halt eben ein kurioser Illusionär gewesen —, warum kam denn dieses große Unglück über Europa, daß die Freiheit verbunden ist mit dem krampfhaften Ergreifenwollen der kleinsten Nationalsprachen? Weil die Menschen in Wirklichkeit äußerlich krampfhaft ein Verhältnis suchen, das sie nicht mehr haben im Geistigen; denn einschlafend haben sie nicht mehr das naturgemäße Verhältnis zur Sprache und deshalb auch nicht zu der Hierarchie der Archangeloi. Die Menschheit wird sich wiederum zurückfinden müssen zu der Durchdringung des ganzen Sprachlichen mit Idealismus, wenn sie nicht den Weg in die geistige Welt verlieren will.

[ 15 ] Why, then, are people today so desperately seeking an external connection to their national languages? Why did this terrible misfortune befall Europe—which Woodrow Wilson considered a “blessing” (though he was, after all, a peculiar dreamer)—why did this great misfortune befall Europe, such that freedom is now linked to the desperate desire to cling to even the smallest national languages? Because, in reality, people are desperately seeking an external relationship that they no longer have in the spiritual realm; for, having fallen asleep, they no longer have the natural relationship to language and therefore also not to the hierarchy of the Archangels. Humanity will once again have to find its way back to the permeation of the entire realm of language with idealism if it does not want to lose its way into the spiritual world.

[ 16 ] Wie achtet denn die Menschheit heute überhaupt darauf, was mit dem einzelnen Menschen zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen vorgeht? Die Menschen rechnen ja gar nicht mit diesem Schlafzustande. Wenn man sich so zurückerinnert an das Leben, so glaubt man: was man da vor sich hat, ist ein geschlossenes Lebensbild. Das ist nicht wahr! Da fallen ja immer die Schlafenszeiten heraus, das Ganze ist immer unterbrochen. Wir knüpfen zwar immer den Morgen an den Abend an, aber dazwischen liegt ja die Nacht. Und was während des Schlafes in der Nacht geschehen ist, das bedeutet erstens äußerlich mindestens einen Drittel des menschlichen Lebens — wenigstens bei «anständigen Menschen» ist es so —, und zweitens ist es für das Innere des Menschen viel wichtiger als das äußere Tun während des ganzen Tages. Gewiß, das äußere Tun ist für die äußere Kultur das Wichtigere. Aber unsere innere Gestaltung während des Lebens wird dadurch zustande gebracht, daß wir in nachtschlafender Zeit in der richtigen Weise hineinkommen in den Zusammenhang mit der geistigen Welt.

[ 16 ] How much attention does humanity today actually pay to what happens to the individual between falling asleep and waking up? People don’t even take this state of sleep into account. When we look back on our lives, we tend to believe that what we see is a complete picture of our lives. That is not true! Sleep periods are always left out; the whole picture is always interrupted. We may always link the morning to the evening, but the night lies in between. And what happens during sleep at night accounts, first of all, for at least one-third of human life in external terms—at least for “decent people”—and secondly, it is far more important for the inner life of the human being than external activity throughout the entire day. Certainly, external activity is more important for external culture. But our inner development throughout life is brought about by our ability to enter into the right kind of connection with the spiritual world during the hours of night sleep.

[ 17 ] Und ebenso ist es mit dem, was den andern Tätigkeiten zugrunde liegt. Legt der Mensch in seine Handlungen, das heißt in das, was er durch das Gesamtgebiet seiner Bewegungen, die er ja auch als erstes lernt beim Antritte des Erdenlebens, legt er in die Gesamtheit seiner Handlungen Idealismus, das heißt, enthält sein Leben in seiner Verwirklichung Idealismus, dann findet der Mensch wieder den richtigen Zusammenhang mit der Hierarchie der Archai. Und durch die Gedanken, wenn sie Idealismus enthalten, wenn sie nicht materialistische sind, findet der Mensch nachtschlafend den Zusammenhang mit der Hierarchie der Angeloi. Darauf kommt man, wenn man anthroposophisch-geisteswissenschaftlich den Zusammenhang dieser drei während der Kindheit angeeigneten Tätigkeiten mit dem nachtschlafenden Zustande untersucht. Aber dieser Zusammenhang kann sich uns in einem viel umfassenderen Maße enthüllen, wenn wir auf das Gesamtleben des Menschen im Kosmos sehen.

[ 17 ] And the same is true of what underlies other activities. If a person infuses their actions—that is, the totality of their movements, which they learn first and foremost at the beginning of their earthly life—with idealism, that is, if their life in its realization contains idealism, then that person rediscovers the proper connection with the hierarchy of the Archai. And through thoughts—if they contain idealism, if they are not materialistic—a person finds, in the state of night sleep, the connection with the hierarchy of the Angeloi. One arrives at this conclusion when one examines, from the perspective of anthroposophical spiritual science, the connection between these three activities acquired during childhood and the state of night sleep. But this connection can reveal itself to us on a much broader scale when we look at the human being’s entire life within the cosmos.

[ 18 ] Sie kennen die Darstellung in meiner «Theosophie». Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, macht er zunächst während einiger Tage den Zustand durch, der in dem Fortgehen der Gedanken, der Vorstellungen besteht. Man kann das so ausdrücken, daß man sagt: Der Ätherleib dehnt sich in die weite Welt hinaus aus, der Mensch verliert seinen Ätherleib. — Aber das ist dasselbe, wie wenn ich sage: Die Vorstellungen und Gedanken des Menschen gehen fort. — Aber was heißt denn das eigentlich: die Vorstellungen, die Gedanken gehen fort? Das heißt nämlich im Grunde sehr viel. Das heißt nämlich, daß unser ganzes Wachleben von uns fortgeht. Unser ganzes Wachleben geht im Verlaufe von zwei, drei Tagen von uns fort, und es wäre von unserem Leben gar nichts mehr da, wenn wir dann nicht das durchlebten, was während des Erdenlebens unbewußt bleibt, wenn wir nicht dann anfingen, dasjenige in voller Bewußtheit zu durchleben, was wir während unseres Schlafeslebens durchgemacht haben. Dieses Schlafesleben ist nämlich geistig unendlich viel reicher, intensiver als das tagwachende Leben. Dieses Schlafesleben ist jedesmal, ob wit einen kurzen oder einen langen Schlaf durchmachen, eine rückwärtsverlaufende Wiederholung des Tageslebens, aber mit geistigem Einschlage. Das, was Sie als Handlungen durchgemacht haben während des Tages, bringt Sie während der Nacht in ein Verhältnis zu den Archai, zu den Urkräften. Was Sie als Sprechende am Tage durchgemacht haben, bringt Sie nachts in ein Verhältnis zu den Archangeloi, Erzengelwesen. Und was Sie als Denkende durchmachten, bringt Sie ebenso in ein Verhältnis zu Ihren Engelwesen, den Angeloi. Dasjenige, was da der Mensch durchmacht, ist ja auch unabhängig von der Zeit. Sie brauchen nicht zu sagen: Ja, es gibt aber diese Möglichkeit: Ich schlafe, auf einmal rumort etwas in der Nacht, irgend etwas, was weiß ich, weckt mich auf, dann kann ich doch nicht mein Zurückleben fertigmachen? — Doch mache ich es fertig, weil die Zeitverhältnisse ganz andere sind. In einem Augenblicke kann das durchgemacht werden, was sonst, wenn der Schlaf regelmäßig vor sich geht, durch Stunden dauern kann. Die Zeitverhältnisse sind während des Schlafeslebens eben ganz andere. Deshalb kann das durchaus gesagt werden und muß gesagt werden, daß der Mensch jedesmal, wenn er schläft, rückwärtslaufend das, was er durchlebt hat hier in der physischen Welt zwischen dem letzten Aufwachen und Einschlafen, noch einmal in geistiger Form, Art und Wesenheit durchlebt. Und wenn er das wache Vorstellungsleben nach dem Tode in wenigen Tagen in den Kosmos hinaus verloren hat, dann lebt er eben dasjenige durch, was er in einem Drittel des Lebens, im Schlafe, durchgemacht hat. Deshalb habe ich auch immer beschreiben müssen, wie der Mensch ein Drittel seines Erdenlebens dazu braucht, um dann das zu durchleben, was er in den Nächten durchgemacht hat. Es gleicht das ja im wesentlichen natürlich dem Tagesleben, aber es wird auf andere Art durchgemacht, und der Mensch durchlebt dann als zweiten Zustand nach dem Tode dieses Rückwärtsgehen, wo er eigentlich das ganze Leben in einem Drittel der Zeit noch einmal bis zur Geburt durchmacht. Dann ist er bei der Geburt wieder angekommen, und dann lebt er sich in jenen Zustand ein, den ich Ihnen in einem andern Zusammenhange hier schon beschrieben habe: er lebt sich ein in denjenigen Zustand, wo sich alle Weltanschauung für ihn wesentlich ändert.

[ 18 ] You are familiar with the description in my *Theosophy*. When a person passes through the gate of death, they first experience, for a few days, a state that consists of the departure of thoughts and images. One can express this by saying: The etheric body expands out into the vast world; the human being loses his etheric body. — But this is the same as if I were to say: The human being’s ideas and thoughts depart. — But what does that actually mean: that the ideas and thoughts depart? It actually means a great deal. It means, in fact, that our entire waking life departs from us. Our entire waking life departs from us over the course of two or three days, and there would be nothing left of our life at all if we did not then experience what remains unconscious during our earthly life—if we did not then begin to experience in full consciousness what we have gone through during our sleep life. This life of sleep is, in fact, spiritually infinitely richer and more intense than waking life. This life of sleep is, every time—whether we experience a short or a long sleep—a backward-moving repetition of the day’s events, but with a spiritual dimension. What you have experienced as actions during the day brings you into a relationship with the Archai, the primal forces, during the night. What you have experienced as a speaker during the day brings you into a relationship with the Archangeloi—the archangelic beings—at night. And what you have experienced as a thinker likewise brings you into a relationship with your angelic beings, the Angeloi. What a human being experiences in this way is, after all, independent of time. You need not say: “Yes, but there is this possibility: I’m sleeping, and suddenly something stirs in the night—something, I don’t know what—wakes me up; then surely I can’t complete my review of the day?” — Yet I do complete it, because the temporal conditions are entirely different. In a single moment, one can go through what might otherwise, when sleep proceeds normally, take hours. The temporal conditions during the life of sleep are simply quite different. That is why it can certainly be said—and must be said—that every time a person sleeps, they relive in reverse, in spiritual form, nature, and essence, what they have experienced here in the physical world between the last waking and falling asleep. And when, after death, they have lost their waking life of imagination to the cosmos within a few days, they then relive precisely what they experienced during one-third of their life—while asleep. That is why I have always had to describe how a person needs one-third of their earthly life to then relive what they experienced during the nights. Essentially, of course, this resembles daily life, but it is experienced in a different way, and the human being then experiences, as a second state after death, this “retrograde journey,” in which he essentially relives his entire life once more—back to birth—in one-third of the time. Then they have arrived back at birth, and they acclimate themselves to the state I have already described to you here in another context: they acclimate themselves to the state in which their entire worldview changes fundamentally.

[ 19 ] Sehen Sie, hier auf der Erde stehen wir an einem bestimmten Punkte der Erde. Um uns herum ist die Welt. Wir kennen uns ja sehr wenig mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Die Welt schauen wir mit den äußeren Sinnen an, die kennen wir. Sie werden vielleicht sagen: Aber die Anatomen kennen ja das Innere des Menschen ganz gut. — Nein, die kennen nur das Äußere des Inneren. Das wirkliche Innere ist etwas ganz anderes. Wenn Sie sich heute an etwas erinnern, was Sie vor zehn Jahren durchgemacht haben, dann haben Sie in der Erinnerung doch etwas, was im Inneren Ihrer Seele ist. Es ist zusammengedrängt, eine kurze Erinnerung vielleicht von einem sehr, sehr weit ausgedehnten Erlebnis. Aber da ist nur ein seelisches Bild von etwas da, das Sie im Erdenleben durchgemacht haben. Gehen Sie jetzt aber in sich hinein, jetzt nicht in Ihre Erinnerungen, sondern in Ihren physischen Organismus, das heißt den scheinbar physischen Organismus, beachten Sie Ihr wunderbar gebautes Gehirn, Ihre wunderbar gebauten Lungen und so weiter, dann leben darinnen nicht zusammengerollt gewissermaßen die Erlebnisse dieses Erdenlebens, sondern da ist zusammengerollt der ganze Kosmos, die ganze Welt. Der Mensch ist wirklich eine kleine Welt, ein Mikrokosmos. In seinen Organen ist zusammengerollt die ganze Welt. Aber der Mensch weiß es nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Wenn er auf der Erde steht, so hat er die Erinnerung an seine Erlebnisse. Er weiß nicht, daß er selbst mit seinem physischen Wesen gewissermaßen die verkörperte Erinnerung des ganzen Kosmos ist.

[ 19 ] You see, here on Earth we stand at a specific point on the Earth’s surface. The world surrounds us. With our ordinary consciousness, we know very little about it. We perceive the world through our external senses; that is what we know. You might say: But anatomists know the human interior quite well. — No, they know only the outer aspect of the interior. The true interior is something entirely different. When you recall something today that you experienced ten years ago, what you have in your memory is something that lies within your soul. It is condensed—perhaps a brief memory of a very, very extensive experience. But there is only a mental image of something you went through in your earthly life. But now look within yourself—not into your memories, but into your physical organism, that is, your seemingly physical organism—and observe your wonderfully constructed brain, your wonderfully constructed lungs, and so on. Then you will see that it is not merely the experiences of this earthly life that are, so to speak, rolled up within you, but rather the entire cosmos, the entire world, that is rolled up there. Human beings are truly a small world, a microcosm. The entire world is contained within their organs. But human beings are not aware of this with their ordinary consciousness. When they stand on Earth, they have memories of their experiences. They do not know that they themselves, with their physical being, are, so to speak, the embodied memory of the entire cosmos.

[ 20 ] Wenn also nun die Rückwärtswanderung durch das Leben, die ich hier eben angedeutet habe, abgeschlossen ist, dann treten wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in ein Weltenleben ein, wo nun nicht um uns herum die Welt mit ihren Bergen, Wolken, Sternen, Meeren und so weiter ist, sondern wo die Rätsel des inneren Menschen unsere Umgebung sind — wo alles, was sich uns im Erdenleben über die Geheimnisse des inneren Menschen entzieht, dann unsere Umgebung ist. Hier auf dieser Erde leben wir ja innerhalb unserer Haut und wissen von der Sternen-, Wolken-, Berges-, Stein-, Tier- und Pflanzenwelt. Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wissen wir von dem Menschen; alle Geheimnisse des Menschen sind dann unsere Umgebung. Und glauben Sie nicht, daß das eine uninteressantere Umgebung ist als die Erdenumgebung! Gewiß, prachtvoll ist der Sternenhimmel, großartig sind die Berge und die Meere; aber dasjenige, was das Innere des Menschen in einem einzigen Gefäßchen ist, ist großartiger und gewaltiger, wenn wir es in seiner majestätischen Größe zwischen Tod und einer neuen Geburt um uns herum haben als dasjenige, was in unserer Erdenumgebung ist. Der Mensch ist die Welt zwischen Tod und einer neuen Geburt, und er muß die Welt sein, weil wir ein nächstes Erdenleben vorbereiten. Wir müssen dabei sein, um mit den Wesen der höheren Hierarchien zusammen den künftigen Erdenmenschen vorzubereiten. Wie wir hier unsere äußere Kultur und Zivilisation besorgen, wie wir hier auf der Erde Stiefel machen, Röcke machen, Telephone bedienen, Leute frisieren, Vorträge halten, Künstlerisches treiben und was heute alles zur Zivilisation gehört, so machen wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien zusammen dasjenige, was Mensch ist und was wir selber wiederum im physischen Leibe im nächsten Erdenleben werden. Das ist das geistige Kulturziel, und es ist gewaltiger, unendlich viel gewaltiger und großartiger als das irdische Kulturziel. Nicht umsonst haben die alten Menschen den physischen Menschenleib einen Tempel der Götter genannt, weil mit den Göttern, mit den Wesen der höheren Hierarchien zusammen dieser menschliche physische Leib zwischen dem Tode und einer neuen Geburt geformt wird. Das ist die Tätigkeit, da sind wir mit unserem Ich nun zwischen den Wesen der höheren Hierarchien, arbeiten an der Menschheit mit den Wesen der höheren Hierarchien zusammen. Wir wandeln gewissermaßen zwischen den Wesen der höheren Hierarchien nun herum, wir sind Geister unter Geistern.

[ 20 ] So when the journey backward through life—which I have just alluded to here—is complete, we enter, between death and a new birth, into a cosmic life where the world with its mountains, clouds, stars, seas, and so on surrounds us, but where the mysteries of the inner human being are our surroundings—where everything that eludes us in earthly life regarding the mysteries of the inner human being then becomes our surroundings. Here on this earth, we live within our own skin and are familiar with the worlds of stars, clouds, mountains, stones, animals, and plants. Between death and a new birth, we know of the human being; all the mysteries of the human being then become our surroundings. And do not think that this is a less interesting environment than the earthly one! Certainly, the starry sky is magnificent, and the mountains and seas are grand; but that which constitutes the inner being of a human being—contained within a single tiny vessel—is even more magnificent and awe-inspiring when we experience it in all its majestic grandeur all around us between death and a new birth than anything found in our earthly surroundings. Human beings are the world between death and a new birth, and they must be that world, because we are preparing for our next earthly life. We must be part of this process, working together with the beings of the higher hierarchies to prepare the future inhabitants of Earth. Just as we here cultivate our external culture and civilization—just as we here on Earth make boots, sew skirts, operate telephones, style people’s hair, give lectures, engage in the arts, and do all that is part of civilization today—so, between death and a new birth, together with the beings of the higher hierarchies, we create that which is human and that which we ourselves will once again become in the physical body in our next earthly life. That is the spiritual goal of culture, and it is far more immense, infinitely more immense and magnificent than the earthly goal of culture. It is not for nothing that the ancients called the physical human body a temple of the gods, because this human physical body is formed in collaboration with the gods—with the beings of the higher hierarchies—between death and a new birth. This is the activity: here we are, with our “I,” now among the beings of the higher hierarchies, working together with them for the benefit of humanity. We move about, as it were, among the beings of the higher hierarchies; we are spirits among spirits.

[ 21 ] Was wir da tun, können wir allerdings nur nach Maßgabe desjenigen tun, was wir im Erdenleben hier vollbracht haben, und auch das zeigt sich uns in einem gewissen Sinne in dem Verhältnis des Schlafes zum Wachen. Denken Sie doch nur einmal, wie chaotisch der Traum ist! Ich verkenne nicht die wunderbar bunte Mannigfaltigkeit und das Großartige des Traumes, aber wir müssen uns doch darüber klar sein, daß der Traum gegenüber dem Erdenleben, in dessen Bilder er sich kleidet, chaotisch ist. Sie brauchen sich ja nur an jenen Traum zu erinnern, den ich früher einmal zur Illustration angeführt habe — Vo/kelt erzählt diesen Traum nach einer württembergischen Erzählung, aber solche Träume kennen wir ja —, wo eine Stadtfrau ihre Schwester, die die Frau eines Pfarrers ist, auf dem Lande besucht. Sie träumt, daß sie mit ihrer Schwester zusammen in die Kirche zur Predigt geht. Aber es ist ihr da ganz sonderbar, denn, nachdem das Evangelium gelesen ist und der Pastor auf die Kanzel steigt, da fängt er nicht an zu predigen, sondern da hebt er statt der Arme die Flügel und fängt schließlich an zu krähen wie ein Hahn! — Oder denken Sie an einen andern Traum, wo eine Frau sagt, sie habe eben geträumt, wie sie darüber nachgedacht habe, was sie Gutes ihrem Manne kochen solle, und da sei ihr gar nichts anderes eingefallen, bis ihr zuletzt der Gedanke gekommen sei, daß sie noch eine alte gesalzene Großmutter oben auf dem Boden habe, aber die sei noch sehr zähe. — So chaotisch kann der Traum wirken, merkwürdig chaotisch. Aber was heißt denn das: der Traum wirkt so chaotisch? Was heißt das eigentlich?

[ 21 ] What we do there, however, we can only do in accordance with what we have accomplished here in our earthly life, and this, too, is revealed to us in a certain sense in the relationship between sleep and wakefulness. Just think for a moment how chaotic a dream is! I do not deny the wonderfully colorful diversity and the grandeur of dreams, but we must nevertheless be clear that, compared to earthly life—whose images it takes on—a dream is chaotic. You need only recall that dream I once cited as an illustration—Volkelt recounts this dream based on a Württemberg tale, but we are all familiar with such dreams—in which a city woman visits her sister, who is a pastor’s wife, in the countryside. She dreams that she goes to church with her sister to hear the sermon. But something seems very strange to her there, because after the Gospel is read and the pastor climbs into the pulpit, he doesn’t begin to preach; instead, instead of raising his arms, he raises his wings and finally begins to crow like a rooster! — Or consider another dream, in which a woman says she had just dreamed that she was thinking about what nice meal to cook for her husband, and nothing else occurred to her until, finally, the thought occurred to her that she still had an old salted grandmother up in the attic, but that she was still very tough. — That’s how chaotic a dream can seem—strangely chaotic. But what does that mean: that the dream seems so chaotic? What does that actually mean?

[ 22 ] Während wir schlafen, sind wir mit unserem Ich und astralischen Leib außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes. Aber da leben wir zurück — namentlich mit der moralischen Bedeutung — alles das, was wir bei Tage getan, gesprochen und gedacht haben. Das leben wir zurück. Wir bereiten uns unser Karma für das nächste Erdenleben vor, und das erscheint in Bildern schon zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Aber diese Bilder sind noch sehr ungeschickt, denn wenn wir dann beim Aufwachen in den physischen Leib wieder hinein wollen, dann paßt das noch nicht recht hinein. Wir können nicht makrokosmosgemäß vorstellen. Wir stellen statt dessen etwas ganz anderes vor, vielleicht eine «gesalzene Großmutter». Das ist, weil wir mit Bezug auf das, was wir schon ausgebildet haben, nicht die Anpassung an den physischen Menschenleib verstehen, und diese Anpassung an den physischen Menschenleib ist unendlich schwierig. Wir eignen sie uns an in jener Zusammenarbeit, die ich geschildert habe, mit den Wesen der höheren Hierarchien zwischen Tod und neuer Geburt. Da muß das innere Seelisch-Geistige, das sonst im Traum oftmals so ungeschickt hineinsteigt, dies erst wieder ausgleichen, wenn das ganze Schlafbewußtsein wiederum überwunden ist und der Mensch ohne sein Zutun in seinen alten physischen Leib wieder untergetaucht ist.

[ 22 ] While we sleep, our ego and astral body are outside the physical body and the etheric body. But there we relive—particularly in terms of moral significance—everything we have done, said, and thought during the day. We relive all of that. We prepare our karma for the next earthly life, and this appears in images even between falling asleep and waking up. But these images are still very crude, for when we then want to re-enter the physical body upon waking, they do not yet fit quite right. We cannot imagine things in accordance with the macrocosm. Instead, we imagine something entirely different—perhaps a “salty grandmother.” This is because, based on what we have already developed, we do not understand how to adapt to the physical human body, and this adaptation to the physical human body is infinitely difficult. We acquire this ability through the collaboration I have described with the beings of the higher hierarchies between death and new birth. There, the inner soul-spiritual aspect—which otherwise often enters the physical body so clumsily in dreams—must first re-establish balance once the entire sleep consciousness has been overcome and the human being has re-entered their old physical body without any active effort on their part.

[ 23 ] Dieses Seelisch-Geistige muß zwischen Tod und neuer Geburt alle Geheimnisse des Leiblichen durchschauen, damit der Leib in einer richtigen Weise aufgebaut werden kann. Denn der Leib wird ja wirklich nicht von den Eltern und Voreltern allein aufgebaut. Das zu glauben, ist ein richtiger Unsinn der Wissenschaft — man darf schon dieses Wort aussprechen. Denn wie stellt sich die Wissenschaft ungefähr dieses Menschwerden vor? Nun, sie sagt: Wir haben unter den Stoffen Moleküle, die sind in einer komplizierten Weise aus Atomen aufgebaut. Das Eiweißmolekül, das in der Keimzelle enthalten ist, ist das allerkomplizierteste Molekül — natürlich kann das kein Wissenschafter beschreiben, aber er weist auf die ungeheure Kompliziertheit hin —, und weil es so kompliziert ist, kann ein Mensch daraus entstehen. — Es ist die einfachste Art von Menschenerklärung. Man sagt eben: Der ganze Mensch steckt da schon drinnen, es ist nur ein so kompliziert aufgebautes Molekül. — Die Wahrheit ist aber, daß nur dadurch ein Mensch entstehen kann, daß das Eiweißmolekül ganz ins Chaos zurückfallen muß, Staub werden muß aus ungeordneter Materie. Wir haben draußen geordnete Materie, in Kristallen, in Pflanzen und so weiter. Wenn etwas entstehen soll, auch die Pflanze, auch das Tier, so muß erst die Materie völlig in Staub zurückfallen. Und wenn erst die Materie nicht mehr eine Form in sich bestimmt hat, dann wirkt der ganze Kosmos auf das.kleine Stückchen Materie, macht sich in ihm ein Bild.

[ 23 ] Between death and rebirth, this soul-spiritual being must penetrate all the mysteries of the physical body so that the body can be built up in the proper way. For the body is certainly not built up by the parents and ancestors alone. To believe that is utter nonsense on the part of science—one may well use that word. For how does science roughly conceive of this process of becoming human? Well, it says: Among substances, we have molecules, which are composed of atoms in a complex manner. The protein molecule contained in the germ cell is the most complex molecule of all—of course, no scientist can describe it, but he points to its immense complexity—and because it is so complex, a human being can arise from it. — It’s the simplest way to explain human beings. People simply say: The whole human being is already contained within it; it’s just a molecule with such a complex structure. — But the truth is that a human being can only come into being if the protein molecule must completely revert to chaos, must become dust from disordered matter. Outside, we have ordered matter—in crystals, in plants, and so on. If something is to come into being—whether a plant or an animal—the matter must first completely revert to dust. And only when the matter no longer has a specific form of its own does the entire cosmos act upon that tiny piece of matter, forming an image within it.

[ 24 ] Wie ist es also mit dem Menschen? Wir formen dieses Menschenbild zwischen Tod und neuer Geburt mit allen Geheimnissen, in die wir nun hineinweben unser Karma, schicken es herunter vor uns in den Leib der Mutter; wir haben den Geistkeim, der nur groß ist im Verhältnis zum physischen Keim, also erst ausgebildet, und der senkt sich in die chaotisch gewordene Materie hinein. Das ist die Wahrheit, nicht dasjenige, wovon die heutige Physiologie träumt.

[ 24 ] So what about human beings? We shape this image of humanity—between death and new birth—with all the mysteries into which we now weave our karma, and send it down before us into the mother’s body; we have the spiritual seed, which is large only in relation to the physical seed—that is, only just formed—and it descends into the matter that has become chaotic. That is the truth, not what modern physiology dreams of.

[ 25 ] In dieser Zeit, von der ich jetzt gesprochen habe, lebt das Ich als Geistig-Seelisches unter geistig-seelischen Götterwesen, lebt in der Betätigung, den Menschen als solchen innerlich ganz kennenzulernen für das nächste Erdenleben. Von dem, was da geistig in ungeheurer Majestät und Großartigkeit durchgemacht wird, ist ein Abbild dasjenige, was wunderbar in den einzelnen Betätigungen des Gleichgewichtsuchens beim Kinde auftritt. Es ist sehr interessant zu sehen, wie da die Urkräfte oder Archai herüberwirken aus dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt in das ganze Gleichgewichtsuchen des Kindes, in das, was wir trivial das Gehenlernen nennen. Wer in allem Irdischen ein Bild des Geistigen sehen kann, der kann sehen, wie in allen Gehbetätigungen, in den Armgreifbetätigungen und so weiter diese seelisch-geistigen Taten, die wir zwischen Tod und neuer Geburt in dem Suchen eines geistigen Gleichgewichtes als Ich unter höheren Ichen ausführen, ihr Abbild finden in dem irdischen Gehenlernen.

[ 25 ] During this period I have just described, the “I” lives as a spiritual-soul entity among spiritual-soul divine beings, engaged in the task of coming to know human beings as such in their innermost being, in preparation for the next earthly life. A reflection of what is experienced there spiritually in immense majesty and grandeur is what appears in a wondrous way in the child’s individual activities of seeking balance. It is very interesting to see how the primal forces, or Archai, influence the child’s entire process of seeking balance—what we trivially call “learning to walk”—from the life between death and new birth. Anyone who can see a reflection of the spiritual in all earthly things can see how, in all the activities of walking, in the movements of reaching out with the arms, and so on, these soul-spiritual acts—which we perform between death and new birth in the search for spiritual balance as the “I” among higher “I’s”—find their reflection in the earthly process of learning to walk.

[ 26 ] Und wenn wir jene Zustände durchgemacht haben, wo wir ein Geist unter Geistern sind, wo wir das vorbereiten, was in unserem Erdenleben sich auslebt im Körper, in den Gliedmaßen, durch die wir wiederum ein so und so gearteter Mensch werden und unser Karma erleben, wenn wir diese Zustände drüben in der Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgemacht haben, dann wird es so, daß ein Zustand im vorirdischen Leben kommt, wo wir die einzelnen Geistwesen, mit denen wir so lange zusammengearbeitet haben, nicht mehr unterscheiden können, sondern wo nur ein allgemeines Wahrnehmen des Geistes da ist. Wir wissen dann zwar, daß wir in einer geistigen Welt leben, aber indem wir uns jetzt schon dem Erdenleben nähern, wird der Eindruck, den die geistige Welt auf uns macht, mehr ein einheitlicher, nicht mehr der des speziellen, individuellen Wahrnehmens der geistigen Wesenheiten. Ich kann mich durch einen trivialen Vergleich ausdrücken, damit wir uns verständigen können, aber seien Sie sich nur klar darüber, daß ich damit doch etwas sehr Erhabenes meine. Wenn sehr weit entfernt irgendwo eine kleine Wolke ist, so sagen Sie: Das ist eine kleine Wolke. — Wenn Sie aber näher herangehen, werden Sie gewahr: Das sind ja lauter Mücken! — Da unterscheiden Sie die einzelnen Individualitäten. Nun, in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt ist es umgekehrt. Da unterscheiden Sie zunächst die einzelnen Individualitäten der geistigen Wesenheiten, dann wird es ein allgemeiner Eindruck. Ich möchte sagen, die Offenbarung des Geistigen tritt an die Stelle des Erlebens des Geistigen.

[ 26 ] And once we have gone through those states where we are a spirit among spirits, where we prepare what will play out in our earthly life within the body and in the limbs—through which we in turn become a human being of one kind or another and experience our karma—once we have gone through these states over there in the world between death and a new birth, then a state arises in pre-earthly life where we can no longer distinguish the individual spiritual beings with whom we have worked together for so long, but where there is only a general perception of the spirit. We do know, then, that we are living in a spiritual world, but as we now approach earthly life, the impression the spiritual world makes on us becomes more of a unified one, no longer that of the specific, individual perception of spiritual beings. I can use a trivial comparison to explain this so that we can understand one another, but please be clear that I am actually referring to something very sublime. If there is a small cloud somewhere far away, you say, “That is a small cloud.”—But when you get closer, you realize: “Those are all just gnats!” — There you distinguish the individual entities. Well, in the spiritual world between death and rebirth, it is the other way around. There you first distinguish the individual entities of the spiritual beings, and then it becomes a general impression. I would say that the revelation of the spiritual takes the place of the experience of the spiritual.

[ 27 ] Ja, dieser Zustand, der uns also gewissermaßen von der geistigen Welt entfernt, weil wir schon den Weg zu der Erde herunter wieder suchen, dieser Zustand spiegelt sich nunmehr in dem Inneren, das der menschlichen Sprache zugrunde liegt. Nehmen Sie an, wir sprechen. Beim Kehlkopf sozusagen fängt es an — es ist nicht genau, aber ungefähr —, die andern Sprachorgane werden in Bewegung gesetzt. Aber hinter dem liegt ja das Wesentliche dann noch. Das Wesentliche liegt im Herzen, hinter dem Kehlkopf, liegt in der ganzen Atmung und in allem, was damit zusammenhängt. Das, was der Sprache da zugrunde liegt, ist ebenso ein irdisches Bild dieses Zustandes der Offenbarung, wo wir das Göttlich-Geistige nur mehr verschwommen wahrnehmen, wie das Gehenlernen, das Gleichgewichtsuchen ein irdisches Bild ist des Sich-Bewegens in der geistigen Welt. So erlebt das Kind, indem es sprechen lernt, wiederum einen Zustand, der durchgemacht ist zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 27 ] Yes, this state—which, in a sense, distances us from the spiritual world because we are already seeking our way back down to Earth—is now reflected in the inner workings that underlie human speech. Suppose we are speaking. It begins, so to speak, at the larynx—not exactly, but roughly—and the other speech organs are set in motion. But behind that lies the essential element. The essential element lies in the heart, behind the larynx; it lies in the entire breathing process and in everything connected with it. What underlies language there is likewise an earthly image of this state of revelation, in which we perceive the divine-spiritual only vaguely—just as learning to walk and seeking balance are earthly images of moving within the spiritual world. Thus, as the child learns to speak, it once again experiences a state that has been undergone between death and new birth.

[ 28 ] Und wenn wir unseren Geistkeim des physischen Leibes heruntergeschickt haben, wenn der durch die Empfängnis sich nach und nach vereinigt hat mit dem Leibe der Mutter, dann sind wir noch immer oben. Es ist die letzte Zeit vor der irdischen Verkörperung. Da ziehen wir aus allen Gegenden der Welt den Ätherleib zusammen, und das, was da geschieht in der übersinnlichen Welt im Zusammenziehen des Ätherleibes, das drückt sich in dem kindlichen Denkenlernen aus.

[ 28 ] And when we have sent down our spirit seed into the physical body, when it has gradually united with the mother’s body through conception, we are still up above. This is the final period before earthly incarnation. During this time, we draw together the etheric body from all regions of the world, and what takes place in the supersensible world as the etheric body is drawn together is expressed in the child’s learning to think.

[ 29 ] Nun haben Sie die drei aufeinanderfolgenden Zustände: Erleben in der geistigen Welt, sich spiegelnd im Gehenlernen, Offenbarung der geistigen Welt im Sprechenlernen. Daher nennen wir dasjenige, was als Weltenwort zugrunde liegt, den Weltenlogos, das innere Wort. Es ist die Offenbarung des allgemeinen Logos, in dem sich das Geistige ausspricht, wie die Mücke im Mückenschwarm, es liegt dem Sprechen zugrunde. Und was wir dann tun, um unseren Ätherleib auszubilden, der ja eigentlich in uns denkt — wir denken nämlich die ganze Nacht fort, wir sind nur nicht dabei mit unserem Ich und Astralleib —, das ist das letzte, was wir zusammensammeln für uns, bevor wir heruntersteigen auf die Erde, und das ist das, was dann herüberreicht in das Denken. So gliedert das ganz kleine Kind im Gehen-, Sprechen-, Denkenlernen in den physischen Leib das hinein, was es herunterträgt aus dem vorirdischen Dasein.

[ 29 ] Now you have the three successive states: experiencing the spiritual world, reflected in learning to walk, and the revelation of the spiritual world in learning to speak. That is why we call that which underlies the world word—the World Logos—the inner word. It is the revelation of the universal Logos, in which the spiritual expresses itself, like the mosquito in a swarm of mosquitoes; it underlies speech. And what we then do to develop our etheric body—which, after all, actually thinks within us (for we continue to think throughout the night; we are simply not present with our “I” and astral body)—is the very last thing we gather for ourselves before we descend to Earth, and that is what then carries over into thinking. Thus, as the very young child learns to walk, speak, and think, it integrates into the physical body what it brings down from its pre-earthly existence.

[ 30 ] Das ist es, was zur wirklichen Geist-Erkenntnis und damit auch zum künstlerischen Erfassen der Welt und zur religiösen Erfassung der Welt führt: daß wir jedes einzelne im physisch-sinnlichen Dasein auf das Geistige beziehen können. Diejenigen Menschen, die nur immer im allgemeinen vom Göttlich-Geistigen reden möchten, habe ich schon öfter verglichen mit einem Menschen, der auf eine Wiese hinausginge und dem gezeigt würde: Sieh einmal, dort sind Gänseblümchen, dort Löwenzahn, dort sind Zichorien, Wegwarte! — und der darauf sagen würde: Ach, das interessiert mich alles nicht! Blume, Blume, Blume ist alles. — Das ist bequem: Blume, Blume ist alles. Aber da differenziert sich doch etwas im Blumensein! Und so ist es auch in der geistigen Welt. Es ist natürlich bequem, zu sagen: Allem SinnlichPhysischen liegt ein Geistiges zugrunde. — Darauf aber kommt es an, daß wir immer mehr und mehr wissen, welches Geistige dem einzelnen Physisch-Sinnlichen zugrunde liegt, denn nur dadurch können wir aus dem Geist heraus tatsächlich wiederum eingreifen in den physisch-sinnlichen Gang des Lebens.

[ 30 ] This is what leads to true spiritual insight—and thus also to an artistic and religious understanding of the world: that we can relate every single aspect of physical, sensory existence to the spiritual. I have often compared those people who always want to speak only in general terms about the divine-spiritual to someone who went out into a meadow and was shown: “Look, there are daisies, there are dandelions, there are chicory, and there is chicory root!”—and who would then say: “Oh, none of that interests me! Flower, flower, flower—that’s all there is.” — That’s convenient: flower, flower is everything. But there are distinctions within the very nature of being a flower! And so it is in the spiritual world as well. It is, of course, convenient to say: Everything physical and sensory has a spiritual basis. — But what matters is that we come to know more and more which spiritual element underlies each individual physical and sensory aspect, for only in this way can we actually intervene once again from the spirit into the physical and sensory course of life.

[ 31 ] Durch dieses Prinzip wird ja zum Beispiel unsere Waldorfschulpädagogik eine besondere Pädagogik, die den Menschen wirklich berücksichtigt. Das wird sich noch deutlicher zeigen können, wenn einmal diese Pädagogik für die ersten Jahre des Kindes ausgebildet sein wird. Wir können das noch nicht machen. Wir hatten bis jetzt immer nach oben anzustückeln und haben in diesem Jahr die letzte Klasse eingerichtet. Man hat sehr viel zu tun, wenn man eine ganze Schule in ihren Lehrzielen ausgestalten will. Deshalb war bis jetzt nicht daran zu denken, auch nach unten die Sache vollständiger zu machen und eine Art Kindergarten daranzustückeln. Jetzt sollen die ersten Waldorfschüler zu ihrem Abiturientenexamen kommen. Dann wird das Anstückeln nach oben nicht weiter nötig sein, aber bei unserem außerordentlichen «Überfluß an Geldmangel», den wir haben, gerade auch für die Waldorfschule, fürchte ich, daß trotzdem das Anstückeln nach unten scheitern wird. Wie man es da einrichten würde für das Gehenlernen, Sprechenlernen, Denkenlernen und ihre weitere Entwickelung, so richten wir natürlich auch zwischen dem sechsten und siebenten und den andern Lebensjahren die Sache so ein, daß wir darauf Rücksicht nehmen: Was verkörpert sich da im Kinde? Was kommt mit jeder Woche, mit jedem Monat von dem, was vorgebuttlich ist, in dem kindlichen Leben zum Ausdruck? Also man bildet tatsächlich vom Geiste aus die Pädagogik.

[ 31 ] It is this principle, for example, that makes our Waldorf school pedagogy a unique approach that truly takes the human being into account. This will become even clearer once this pedagogy has been developed for a child’s early years. We are not yet able to do that. Up until now, we’ve always had to expand upward, and this year we established the final grade level. There is a great deal of work involved in shaping the educational goals of an entire school. That is why, until now, it was out of the question to make the program more complete at the lower end as well and to add a kind of kindergarten. Now the first Waldorf students are set to take their high school graduation exams. Then adding classes at the upper end will no longer be necessary, but given our extraordinary “abundance of lack of funds”—especially for the Waldorf School—I fear that expanding the program at the lower end will still fail. Just as we would organize things there for learning to walk, speak, and think, and for their further development, so too do we naturally organize matters between the ages of six and seven and in the other years of life in such a way that we take this into account: What is taking shape within the child? What aspects of the pre-birth realm are expressed in the child’s life with each passing week and month? Thus, pedagogy is in fact shaped by the spirit.

[ 32 ] Das ist eines der Momente, von denen wir viele wiederfinden müssen, wenn die Menschheit nicht in dem Niedergang bleiben will, sondern wenn sie zum Aufgang kommen will. Wir müssen wieder die Wege in die geistige Welt finden. Das können wir aber nur, wenn wir aus voller Bewußtheit heraus lernen, Mittel und Wege zu finden, aus dem Geiste heraus zu handeln, zu sprechen.

[ 32 ] This is one of the moments we must rediscover many times over if humanity does not wish to remain in decline but instead wants to rise again. We must rediscover the paths to the spiritual world. But we can only do this if, out of full consciousness, we learn to find ways and means to act and speak from the spirit.

[ 33 ] In der ersten Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe lebten die Menschen aus dem Geiste heraus, jeder einzelne, weil jedem einzelnen gesagt werden konnte aus dem Zeitpunkte, an dem er geboren war, wie sein Karma ist. Da bedeutete die Astrologie nicht jenen Dilettantismus, den sie heute oftmals darstellt, sondern da bedeutete die Astrologie das lebendige Miterleben der Sternentaten, und es wurde aus diesem lebendigen Miterleben jedem einzelnen Menschen aus dem Mysterium heraus geoffenbart, wie er zu leben hatte, Es hatte die Astrologie eine lebendige Bedeutung für das einzelne menschliche Erleben.

[ 33 ] In the early days following the great Atlantic catastrophe, people lived in accordance with the spirit—every single one of them—because each individual could be told, from the moment of his or her birth, what his or her karma was. At that time, astrology did not represent the amateurism it often embodies today; rather, it meant actively experiencing the workings of the stars, and through this active experience, it was revealed to each individual from within the Mystery how they were to live. Astrology had a vital significance for the individual human experience.

[ 34 ] Dann kam die Zeit, etwa mit dem sechsten, fünften, vierten vorchristlichen Jahrtausend, wo die Menschen zwar nicht mehr die Geheimnisse des Sternenhimmels erlebten, wo sie aber den Jahreslauf erlebten. Was meine ich denn damit, wenn ich sage, die Menschen erlebten den Jahreslauf? Das heißt, sie wußten aus unmittelbarer Anschauung, die Erde ist nicht jener grobe Klotz, als den die heutige Geologie sie anschaut. Auf der Erde, wie die Geologie sie sich vorstellt, könnten nie Pflanzen wachsen, geschweige denn Tiere oder Menschen vorkommen. Das könnte es gar nicht geben, denn die Erde der Geologen ist ein Stein, und im Stein wächst unmittelbar nur etwas, wenn der ganze Kosmos auf ihn einwirkt, wenn er mit der ganzen Welt in Verbindung steht. Man wußte eben in alten Zeiten, was man heute wieder wissen lernen muß: daß die Erde ein Organismus ist, eine Seele hat.

[ 34 ] Then came the time—around the sixth, fifth, or fourth millennium B.C.—when people no longer experienced the mysteries of the starry sky, but did experience the cycle of the year. What do I mean when I say that people experienced the course of the year? It means they knew from direct observation that the Earth is not that crude block of rock that modern geology regards it as. On the Earth as geology conceives it, plants could never grow, let alone animals or human beings exist. Such things could not exist at all, for the geologists’ Earth is a stone, and nothing grows directly within a stone unless the entire cosmos acts upon it—unless it is connected to the whole world. In ancient times, people simply knew what we must learn to know again today: that the Earth is an organism and has a soul.

[ 35 ] Diese Erdenseele hat nun auch ihre besonderen Schicksale. Nehmen Sie an, bei uns sei Winter, Weihnachtszeit, Wintersonnenwendezeit, so ist das die Zeit, wo die Erdenseele ganz mit der Erde vereinigt ist. Denn wenn die Schneedecke die Erde bedeckt, wenn gewissermaßen ein Kältemantel um die Erde herum ist, dann ist die Erdenseele mit der Erde vereinigt, ruht im Inneren der Erde. Da ist es auch so, daß die in der Erde ruhende Erdenseele das Leben zahlreicher Elementargeister unterhält. Wenn heute eine naturalistische Anschauung meint, die Samen, die ich im Herbst in die Erde säe, die lägen nun dadrinnen, und das gehe so bis zum nächsten Frühling hin, so ist das nicht wahr. Die Samen müssen hinüberbewahrt werden über die Winterzeit durch die Elementargeister der Erde. Das alles hängt damit zusammen, daß während der Winterzeit die Erdenseele mit dem Erdenleib vereinigt ist.

[ 35 ] This Earth soul, too, has its own particular destinies. Suppose it is winter here, the Christmas season, the time of the winter solstice; that is the time when the Earth soul is fully united with the Earth. For when the snow covers the earth, when, so to speak, a cloak of cold surrounds the earth, then the Earth soul is united with the earth and rests within it. It is also the case that the Earth soul, resting within the earth, sustains the life of numerous elemental spirits. If a naturalistic view today suggests that the seeds I sow into the earth in the fall simply lie there until the following spring, that is not true. The seeds must be preserved through the winter by the earth’s elemental spirits. All of this is connected to the fact that during the winter, the Earth Soul is united with the Earth’s body.

[ 36 ] Nehmen Sie die entgegengesetzte Zeit, die Johannizeit. Geradeso wie der Mensch die Luft einatmet und ausatmet, so daß sie einmal in ihm und einmal außer ihm ist, so atmet die Erde ihre Seele ein. Das ist während der Winterzeit. Und ganz ausgeatmet, hinausvetrlegt in die Weiten des Kosmos ist die Erdenseele in der Hochsommerzeit, während der Johannizeit. Da ist der Erdenleib gewissermaßen von der Erdenseele leer. Die Erde lebt in ihrer Seele die Ereignisse des Kosmos mit, den Gang der Sterne und so weiter. Daher hatte man in den alten Zeiten Wintermysterien, in denen man das Zusammensein der Erdenseele mit der Erde erfuhr, und man hatte Sommermysterien, in denen man die Geheimnisse des Weltenalls wahrnehmen konnte aus dem Zusammenerleben der Erdenseele — der die Menschenseele in den Eingeweihten hinaus folgen sollte in den Weltenraum — mit den Sternen.

[ 36 ] Consider the opposite season, the time of St. John. Just as a person inhales and exhales air—so that it is sometimes within them and sometimes outside them—so the Earth inhales its soul. This occurs during the winter season. And fully exhaled, cast out into the vastness of the cosmos, the Earth’s soul is in midsummer, during the time of St. John. Then, in a sense, the Earth’s body is empty of the Earth’s soul. The Earth experiences the events of the cosmos—the course of the stars and so on—through its soul. That is why, in ancient times, there were winter mysteries in which one experienced the union of the Earth soul with the Earth, and there were summer mysteries in which one could perceive the mysteries of the universe through the shared experience of the Earth soul—which the human soul, in the initiates, was to follow out into the cosmos—with the stars.

[ 37 ] Daß man ein Bewußtsein von diesen Dingen hatte, das kann Ihnen aus den alten traditionellen Resten hervorgehen, die heute noch da sind. Es ist jetzt lange her, da saß ich öfter — gerade hier in Berlin war es — mit einem Astronomen zusammen, der hier sehr berühmt war und der furchtbar dafür agitierte, daß es doch sehr störend sei, wenn nicht in jedem Jahre das Osterfest zum Beispiel wenigstens auf den ersten Sonntag im April falle, und es sei schrecklich, daß das Osterfest der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond sein solle. Es half einem natürlich nichts, Gründe dagegen anzuführen, denn die Sache, die da zugrunde lag, war diese: es käme doch dadurch eine furchtbare Unordnung in Soll und Haben der Kassabücher hinein, wenn man jedes Jahr das Osterfest auf eine andere Zeit legt. Diese Bewegung hatte sogar schon ziemlich große Dimensionen angenommen. Ich habe auch hier schon einmal gesagt: In den Kassabüchern steht gewöhnlich immer auf der ersten Seite «Mit Gott», aber meistens ist es dann so, daß das, was in diesen Büchern steht, nicht gerade «mit Gott» ist.

[ 37 ] You can see from the old traditional remnants that still exist today that people were aware of these things. It was a long time ago now, but I used to sit down quite often—right here in Berlin, in fact—with an astronomer who was very famous here and who argued vehemently that it was very disruptive if, for example, Easter did not fall at least on the first Sunday in April every year, and that it was terrible that Easter was supposed to be the first Sunday after the spring full moon. Of course, it was no use citing reasons against this, because the underlying issue was this: it would cause terrible confusion in the debits and credits of the cash books if Easter were set at a different time every year. This movement had even already taken on quite large proportions. I’ve said here before: The first page of the cash books usually bears the inscription “With God,” but more often than not, what’s written in these books isn’t exactly “with God.”

[ 38 ] In jenen Zeiten, in denen man das Osterfest festgesetzt hat nach dem Sternenlauf — der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond war der Sonne geweiht —, da war noch ein Bewußtsein dafür vorhanden: Zur Winterzeit ist die Erdenseele in der Erde, zur Johannizeit ist die Erdenseele ganz draußen im Weltenraum, im Frühling ist sie auf dem Wege nach dem Weltenraum. Das Frühlingsfest, das Osterfest kann daher nicht nach der Erde allein festgesetzt werden auf einen bestimmten Tag, sondern muß sich nach den Sternenkonstellationen richten. Da ist eine tiefe Weisheit darinnen, die aus den Zeiten herrührt, in denen die Menschen aus dem alten instinktiven Hellsehen noch das Geistige des Jahreslaufes wahrnehmen konnten. Dazu müssen wir wieder kommen, und wir können in einem gewissen Sinne wieder dazu kommen, wenn wir, gerade anknüpfend an solche Auseinandersetzungen, wie wir sie hier zusammen gepflogen haben, die Aufgaben der Gegenwart ergreifen.

[ 38 ] In those times when Easter was determined by the movement of the stars—the first Sunday after the spring full moon was dedicated to the sun—there was still an awareness of this: In winter, the Earth’s soul is within the Earth; at the time of St. John’s Day, the Earth’s soul is entirely out in outer space; in spring, it is on its way to outer space. The spring festival, Easter, therefore cannot be fixed on a specific day based solely on the Earth, but must be determined by the constellations. There is a profound wisdom in this, stemming from times when people, through the old instinctive clairvoyance, were still able to perceive the spiritual nature of the annual cycle. We must return to this, and in a certain sense we can return to it if, building directly upon discussions such as those we have held here together, we take up the tasks of the present.

[ 39 ] Ich habe es schon öfter auch hier ausgesprochen: Von den geistigen Wesenheiten, mit denen sich der Mensch jede Nacht vereinigt in der Weise, wie ich das gesagt habe — durch die Sprache mit den Archangeloi —, sind gewisse Wesenheiten durch einen gewissen Zeitraum Hindurch die regierenden geistigen Mächte. Und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ging die Michaelzeit an, jene Zeit, in welcher der Geist, der sonst in den Schriften mit Michael bezeichnet wird, für die menschlichen Zivilisationsangelegenheiten der wesentliche geworden ist. Diese Dinge wiederholen sich zyklisch.

[ 39 ] I have often spoken of this here as well: Among the spiritual beings with whom human beings unite every night in the manner I have described—through language with the Archangels—certain beings serve as the ruling spiritual powers for a specific period of time. And in the last third of the 19th century, the Age of Michael began—that time in which the spirit, otherwise referred to in the Scriptures as Michael, became the essential force in the affairs of human civilization. These things repeat themselves cyclically.

[ 40 ] In alten Zeiten wußte man von allen diesen geistigen Vorgängen etwas. Das hebräische Altertum sprach von Jahve, aber es sprach immer von dem Antlitz Jahves, und mit dem Antlitz meinte es die Erzengel, die eigentlich zwischen Jahve und der Erde vermittelten. Und als die Juden den Messias auf Erden erwarteten, da wußten sie, das ist die Michaelzeit, da vermittelt Michael die Tätigkeit des Christus auf Erden. Sie haben das nur im tieferen Zusammenhang dann mißverstanden. Jetzt ist wiederum für die Erde die Zeit eingetreten, seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wo die Michael-Macht die regierende geistige Macht in der Welt ist und wo wir verstehen müssen, Geistiges in unsere Handlungen einzuführen, von dem Geistigen aus unser Leben einzurichten. Das heißt, dem Michael dienen: nicht bloß vom Materiellen aus unser Leben einzurichten, sondern sich bewußt zu sein, daß derjenige, der die niederen ahrimanischen Mächte zu überwinden in seiner Mission hat, Michael, sozusagen unser Genius für die Zivilisationsentwickelung werden muß. Wie kann er das? Nun, das kann er, wenn wir uns erinnern, wie wir wiederum an den Jahreslauf im geistigen Sinne anknüpfen können.

[ 40 ] In ancient times, people knew something about all these spiritual processes. Ancient Hebrew tradition spoke of Yahweh, but it always spoke of the “face” of Yahweh, and by “face” it meant the archangels, who actually mediated between Yahweh and the earth. And when the Jews awaited the Messiah on Earth, they knew that this was the Age of Michael, when Michael mediates the activity of the Christ on Earth. They only misunderstood this in a deeper context. Now, once again, the time has come for the Earth—since the 1870s—when the Michael power is the ruling spiritual power in the world, and when we must learn to incorporate the spiritual into our actions and to organize our lives from a spiritual perspective. This means serving Michael: not merely organizing our lives from a material standpoint, but being conscious that Michael—whose mission is to overcome the lower Ahrimanic forces—must, so to speak, become our guiding spirit for the development of civilization. How can he do that? Well, he can do so if we remember how we, in turn, can reconnect with the course of the year in a spiritual sense.

[ 41 ] Es liegt wirklich eine große Weisheit im ganzen Weltenlaufe darin, daß wir mit dem Frühlingsfeste das Auferstehungsfest des Christus Jesus verbinden dürfen. Der historische Zusammenhang — ich habe ihn ja öfter dargelegt — ist ein durchaus richtiger: Es kann nur in jedem Jahre das Frühlingsfest, das heißt das Osterfest, auf einen andern Tag fallen, weil es ja eben von der andern Welt aus angesehen wird. Nur wir auf der Erde haben die philiströse Vorstellung, daß die Zeit kontinuierlich fortläuft, daß immer eine Stunde so lang ist als die andere. Die Zeit zu bestimmen, das machen wir ja nur mit unseren irdischen Hilfsmitteln, mit der Mathematik. Dagegen für die wirkliche geistige Welt ist die Weltenstunde lebendig. Da ist nicht eine Weltenstunde gleich wie die andere, sondern länger oder kürzer. Daher können wir uns immer irren, wenn wir etwas, was von dem Himmel aus festgesetzt werden soll, nur von der Erde aus festsetzen. Das Osterfest ist rechtmäßig himmelsmäßig festgesetzt.

[ 41 ] There is truly great wisdom in the course of the universe in that we are able to associate the Spring Festival with the Resurrection of Christ Jesus. The historical connection—which I have explained on several occasions—is entirely accurate: The Spring Festival—that is, Easter—can only fall on a different day each year because it is viewed from the other world. Only we on Earth have the philistine notion that time flows continuously, that one hour is always as long as the next. We determine time only with our earthly tools, with mathematics. In contrast, for the true spiritual world, the “world hour” is alive. No two world hours are alike; rather, they are longer or shorter. Therefore, we are bound to err whenever we attempt to determine something that is to be fixed from heaven solely from our earthly perspective. Easter is rightfully fixed according to heavenly principles.

[ 42 ] Was ist es für ein Fest? Es ist dasjenige Fest, das uns erinnern soll und das dieMenschen einmal mit aller Lebendigkeit erinnert hat daran, daß ein Gott zur Erde herniedergestiegen ist, in dem Menschen Jesus von Nazareth Wohnung genommen hat, damit in der Zeit, in der sie sich näherten der Ich-Entwickelung, die Menschen in entsprechender Weise zurückfinden können den Weg durch den Tod in das geistige Leben hinein. Das habe ich öfter hier auseinandergesetzt. So daß also das Osterfest dasjenige Fest ist, in dem der Mensch anschaut Tod und darauf folgende Unsterblichkeit in dem Mysterium von Golgatha. Wir schauen dieses Frühlingsfest in dem richtigen Sinne an, wenn wir uns sagen: Der Christus hat bekräftigt die Unsterblichkeit des Menschen, indem er selber den Tod besiegt hat. Aber wir Menschen verstehen die Unsterblichkeit des Christus Jesus nur richtig, wenn wir uns während des Erdenlebens dieses Verständnis aneignen, das heißt, wenn wir in unserer Seele unser Verhältnis zu dem Mysterium von Golgatha beleben und wenn wir loskommen können von jener materialistischen Vorstellung, die von dem Mysterium von Golgatha alles Geistige wegsondern will. Heute will man gar nicht mehr den Christus gelten lassen, sondern nur noch den «schlichten Mann aus Nazareth», den Jesus. Man geniert sich gewissermaßen vor seiner eigenen Wissenschaftlichkeit, wenn man zugeben sollte, daß das Mysterium von Golgatha ein geistiges Geheimnis mitten im Erdendasein enthält: Tod und Auferstehung des Gottes. Aber wenn wir das geistig erleben, dann bereiten wir uns auch vor, anderes geistig zu erleben.

[ 42 ] What kind of festival is it? It is the festival that is meant to remind us—and that once reminded people with great vividness—that a God descended to Earth, taking up residence in the human being Jesus of Nazareth, so that at a time when humanity was approaching the development of the “I,” people might find their way back, in an appropriate manner, through death into spiritual life. I have discussed this here on several occasions. Thus, the Easter festival is the festival in which humanity contemplates death and the immortality that follows it in the Mystery of Golgotha. We view this spring festival in its true sense when we say to ourselves: Christ has affirmed the immortality of the human being by overcoming death himself. But we human beings can only truly understand the immortality of Christ Jesus if we acquire this understanding during our earthly life—that is, if we enliven in our souls our relationship to the Mystery of Golgotha and if we can free ourselves from that materialistic conception that seeks to strip away everything spiritual from the Mystery of Golgotha. Today, people no longer want to acknowledge Christ at all, but only the “simple man from Nazareth,” Jesus. They are, so to speak, embarrassed by their own scientific mindset if they were to admit that the Mystery of Golgotha contains a spiritual secret at the very heart of earthly existence: the death and resurrection of God. But when we experience this spiritually, we also prepare ourselves to experience other things spiritually.

[ 43 ] Daher ist für den Menschen der Gegenwart so wichtig, daß er die Möglichkeit gewinne, das Mysterium von Golgatha zunächst als etwas rein Geistiges zu erleben. Dann wird er anderes Geistiges erleben, und er wird den Zugang zu den geistigen Welten, die Wege zu den geistigen Welten durch das Mysterium von Golgatha finden. Aber dann muß der Mensch, anknüpfend an das Mysterium von Golgatha, die Auferstehung verstehen, während er noch lebt. Und wenn er die Auferstehung empfindend versteht, während er lebt, wird er dadurch auch befähigt werden, in der richtigen Weise durch den Tod zu gehen. Das heißt, Tod und Auferstehung im Mysterium von Golgatha sollen den Menschen lehren, umzukehren das Verhältnis: während des Lebens die Auferstehung innerlich seelisch zu erleben, damit der Mensch nach dieser inneren seelischen Auferstehung recht durch den Tod gehen kann. Das ist das dem Ostererleben entgegengesetzte Erleben.

[ 43 ] That is why it is so important for people today to gain the ability to experience the Mystery of Golgotha, first and foremost, as something purely spiritual. Then they will experience other spiritual realities, and they will find access to the spiritual worlds—the paths to the spiritual worlds—through the Mystery of Golgotha. But then, building upon the Mystery of Golgotha, a person must understand the Resurrection while still alive. And when they intuitively understand the Resurrection while they are alive, they will thereby also be enabled to pass through death in the right way. That is to say, death and resurrection in the Mystery of Golgotha are meant to teach human beings to reverse the relationship: to experience the resurrection inwardly and spiritually during life, so that, after this inner spiritual resurrection, the human being can pass through death in the right way. This is the experience that is the opposite of the Easter experience.

[ 44 ] Zu Ostern sollen wir uns versenken können in Tod und Auferstehung des Christus. Wir brauchen aber als Menschen auch die Möglichkeit, uns versenken zu können in das, was uns ist Auferstehung der Seele, damit die auferstandene Seele des Menschen richtig durch den Tod gehe. Wie wir uns im Frühling die richtige Osterstimmung aneignen, wenn wir sehen, wie da die Pflanzen sprießen und sprossen, wie die Natur aufersteht, wie die Natur den Tod des Winters überwindet, so können wir, wenn wir den Sommer richtig durchgemacht haben, uns auch ein Gefühl dafür aneignen, daß wir wissen: Da ist die Seele hinaufgestiegen in kosmische Weiten, wir nähern uns nun dem Herbste, September kommt heran, Herbstsonnenwende kommt heran. Diejenigen Blätter, die im Frühling grünend und sprossend geworden sind, werden bräunlich, gelblich, werden abgelegt, die Bäume stehen da, schon zum Teil entblättert, die Natur erstirbt. Aber wir verstehen diese ersterbende Natur, wenn wir hineinschauen in das Absterben, in das Nähern der Schneedecke der Erde und uns sagen: Da zieht die Erdenseele wiederum zurück zur Erde, und sie wird ganz bei der Erde sein, wenn die Wintersonnenwende herangekommen sein wird.

[ 44 ] At Easter, we should be able to immerse ourselves in the death and resurrection of Christ. But as human beings, we also need the opportunity to immerse ourselves in what is, for us, the resurrection of the soul, so that the resurrected soul of the human being may truly pass through death. Just as we cultivate the true Easter spirit in spring when we see the plants sprouting and growing, how nature rises again, and how nature overcomes the death of winter, so too, if we have truly lived through the summer, can we cultivate a sense of knowing that: The soul has ascended into cosmic expanses; we are now approaching autumn—September is drawing near, the autumnal equinox is approaching. The leaves that turned green and sprouted in spring are turning brownish and yellowish and are falling off; the trees stand there, already partly bare, and nature is dying. But we understand this dying nature when we look into the process of dying, into the approaching blanket of snow covering the earth, and say to ourselves: There the soul of the earth is drawing back to the earth once more, and it will be wholly with the earth when the winter solstice has arrived.

[ 45 ] Es gibt eine Möglichkeit, diese Herbsteszeit mit derselben Intensität zu empfinden wie die Frühlingszeit. Und empfinden wir in der Frühlings-Osterzeit Tod und Auferstehung des Gottes, so können wir in der Herbsteszeit Auferstehung und Tod der Menschenseele empfinden, das heißt das Auferstehungserlebnis während des Erdenlebens, um in der richtigen Weise durch den Tod zu gehen. Dann aber müssen wir auch verstehen, was das bedeutet für uns, für unsere jetzige Zeit, daß die Erdenseele während der Johannizeit im Sommer ausgeatmet wird in die Weltenweiten, da mit den Sternen vereinigt ist und wieder zurückkommt. Wer die Geheimnisse dieses Erdenkreislaufes im Laufe des Jahres durchschaut, der weiß, daß da die Michael-Kraft jetzt durch die Naturkräfte wieder herunterkommt, die in den früheren Jahrhunderten nicht heruntergekommen ist; so daß wir dem sich entlaubenden Herbst entgegengehen können, in dem wir das Herankommen der Michael-Kraft aus den Wolken zur Erde hin erblicken.

[ 45 ] There is a way to experience this autumn season with the same intensity as the spring season. And just as we experience the death and resurrection of God during the spring and Easter season, so too can we experience the resurrection and death of the human soul during the autumn season—that is, the experience of resurrection during earthly life—in order to pass through death in the right way. But then we must also understand what this means for us, for our present time: that during the St. John’s season in summer, the earthly soul is breathed out into the vastness of the worlds, where it unites with the stars and returns again. Whoever penetrates the mysteries of this earthly cycle throughout the year knows that the Michael force is now descending again through the forces of nature—a force that did not descend in earlier centuries—so that we can move toward the leaf-shedding autumn, in which we behold the Michael force approaching the earth from the clouds.

[ 46 ] Ja, in den Kalendern steht an diesem Tag «Michael», und als ein Bauernfeiertag gilt Michaeli. Aber die Gegenwart geistig so empfinden, daß sich uns die Erden-Menschenereignisse zusammenschließen mit den Naturereignissen, das werden wir erst, wenn wir wieder fähig werden, den Jahreslauf so weit zu verstehen, daß wir bilden können im Jahreslaufe — wie die alten Menschen aus ihrem alten traumhaften Hellsehen heraus sie gebildet haben — Jahresfeste. Die Alten haben das Jahr verstanden und haben aus diesen Geheimnissen, die ich heute nur andeuten konnte, Weihnachten, Ostern und das Johannifest herausgebildet. Man beschenkt sich zu Weihnachten, man tut auch einiges andere, aber ich habe es ja öfter, wenn ich hier Weihnachts- oder Ostervorträge gehalten habe, auseinandergesetzt, wie wenig die Menschen heute noch von diesen alten Festes-Setzungen haben, wie alles traditionell und äußerlich geworden ist. Aber wird man wieder die Feste verstehen, die man heute nur feiert, jedoch nicht versteht, so wird man auch die Kraft haben, aus der geistigen Erkenntnis des Jahreslaufes ein Fest festzusetzen, das erst für die gegenwärtige Menschheit die rechte Bedeutung hat. Das wird das Michael-Fest sein in den Ende-September-Tagen, wenn der Herbst naht, die Blätter welk werden, die Bäume kahl werden, die Natur dem Absterben entgegengeht — wie sie im Osterfeste dem Aufsprießen entgegengeht —, wenn wir in der absprossenden Natur gerade gewahr werden, wie da die Erdenseele sich mit der Erde vereinigt, wie sie Michael aus den Wolken mitbringt.

[ 46 ] Yes, the calendars list “Michael” for this day, and Michaelmas is considered a farmers’ holiday. But we will only be able to perceive the present in such a spiritual way that earthly human events merge with natural events when we once again become capable of understanding the course of the year to such an extent that we can establish annual festivals within it—just as the ancient people established them out of their ancient, dreamlike clairvoyance. The ancients understood the year and, drawing on these mysteries—which I could only hint at today—developed Christmas, Easter, and the Feast of St. John. People exchange gifts at Christmas and do other things as well, but I have often explained—when I have given Christmas or Easter lectures here—how little people today still have of these ancient festival traditions, and how everything has become merely traditional and superficial. But once we come to understand the festivals that we merely celebrate today without truly understanding them, we will also have the strength to establish, out of a spiritual understanding of the course of the year, a festival that holds the true significance for present-day humanity. This will be the Michaelmas Festival in the days at the end of September, when autumn approaches, the leaves wither, the trees become bare, and nature moves toward dying off—just as it moves toward sprouting at Easter—when, in the sprouting nature, we become aware of how the soul of the earth unites with the earth, and how Michael brings it down from the clouds.

[ 47 ] Wenn wir die Kraft haben, aus dem Geiste heraus solch ein Fest zu schaffen, das in unser soziales Leben wiederum Gemeinsamkeit hereinbringt, dann werden wir das aus dem Geiste heraus getan haben. Denn dann werden wir unter uns etwas gestiftet haben, wozu der Geist den Ursprung bildet. Wichtiger als alles übrige soziale Nachdenken und dergleichen, das in den jetzigen verworrenen Verhältnissen doch nur dann zu etwas führen kann, wenn der Geist darinnen ist, wäre es zunächst, daß eine Anzahl verständnisvoller Menschen sich zusammenfänden, um wiederum aus dem Kosmos heraus auf Erden etwas zu stiften wie ein Michaelifest, das würdig des Osterfestes, aber als Herbstfest das Gegenstück zum Osterfest wäre. Könnte man sich entschließen, etwas, wozu es Motive nur in der geistigen Welt gibt, was aber dann unter die Menschen wiederum gemeinsames Fühlen brächte bei einem solchen Fest, das aus der vollen, frischen Menschenbrust noch in unmittelbarer Gegenwart geschaffen wäre, so würde es etwas geben, was die Menschen sozial wieder bindet. Denn die Feste haben die Menschen in alten Zeiten sozial fest gebunden. Denken Sie nur, was für die Feste und zu den Festen für die ganze Kultur getan, gesprochen und gedacht worden ist! Das ist dasjenige, was durch die Fixierung der Feste aus dem unmittelbaren Geiste heraus sich in das Physische hineingelebt hat.

[ 47 ] If we have the strength to create, out of the spirit, a celebration that in turn brings a sense of community back into our social life, then we will have done so out of the spirit. For then we will have established something among ourselves that has its origin in the spirit. More important than all other social reflection and the like—which, in the current confused circumstances, can only lead to something if the spirit is present—it would be, first and foremost, for a number of understanding people to come together to create something on Earth, inspired by the cosmos, such as a Michaelmas festival that would be worthy of Easter but, as an autumn festival, would serve as its counterpart. If one could resolve to create something for which the motives exist only in the spiritual world—but which would then bring about a shared sense of feeling among people once again at such a festival, created from the full, fresh human heart right here and now—then there would be something that would bind people together socially once more. For in ancient times, festivals firmly bound people together socially. Just think of all that has been done, said, and thought about festivals and in connection with them for the entire culture! This is what, through the establishment of festivals rooted in the immediate spirit, has become embodied in the physical world.

[ 48 ] Könnten sich die Menschen heute in würdiger Weise dazu entschließen, ein Michaelifest in den Ende-September-Tagen einzusetzen, so wäre das eine Tat von größter Bedeutung. Dazu müßte der Mut sich finden in den Menschen: nicht nur zu diskutieren über äußere soziale Organisationen und dergleichen, sondern etwas zu tun, was die Erde an den Himmel bindet, was die physischen Verhältnisse wieder an die geistigen Verhältnisse bindet. Dann würde, weil dadurch der Geist wiederum in die irdischen Verhältnisse eingeführt würde, unter den Menschen wirklich etwas geschehen, was ein mächtiger Impuls wäre zur Weiterführung unserer Zivilisation und unseres ganzen Lebens.

[ 48 ] If people today could decide, in a dignified manner, to establish a Michaelmas festival in the days at the end of September, that would be an act of the utmost significance. To do this, people would have to find the courage—not merely to discuss external social organizations and the like, but to do something that binds the Earth to the heavens, that reconnects physical conditions to spiritual conditions. Then, because this would reintroduce the spirit into earthly conditions, something would truly happen among people that would be a powerful impulse for the continuation of our civilization and our entire life.

[ 49 ] Es ist natürlich keine Zeit, um Ihnen auszumalen, was das alles für wissenschaftliches, religiöses und künstlerisches Erleben wäre, geradeso wie durch die alten Feste, so durch ein solches in großem Stil aus dem Geiste heraus geschaffenes neues Fest, und wieviel wichtiger als alles das, was man heute an sozialen Tiraden entwickelt, ein solches Schaffen aus der geistigen Welt heraus wäre. Denn was würde das bedeuten? Ach, es bedeutet viel für das Hineinschauen in das menschliche Innere, wenn ich einem Menschen absehen kann, was er meint, oder wenn ich seine Worte richtig verstehe. Kann man heute absehen, wie der ganze Weltenlauf wirkt, wenn es gegen den Herbst zu geht, kann man enträtseln, entziffern diese ganze Physiognomie des Weltenalls und kann man schöpferisch daraus wirken, dann enthüllt man nicht nur Menschenwillen an einem solchen Festeschaffen, dann enthüllte man Götter- und Geisterwillen. Dann ist wieder Geist unter den Menschen!

[ 49 ] Of course, this is not the time to describe to you what a scientific, religious, and artistic experience all of this would be—just as with the old festivals, so too with such a new festival created on a grand scale from the spirit—and how much more important such a creation from the spiritual world would be than all the social tirades being developed today. For what would that mean? Ah, it means a great deal for gaining insight into the human soul when I can discern what a person means, or when I understand their words correctly. If one can perceive today how the entire course of the world unfolds as autumn approaches, if one can unravel and decipher this entire physiognomy of the universe and act creatively upon it, then one reveals not only human will in such a festive creation—one would reveal the will of the gods and spirits. Then the spirit is among humanity once more!

[ 50 ] Aber heute ist es ja wirklich so, daß das Geistige in einer sonderbaren Weise in der Welt aufgenommen wird. Womit ich begonnen habe, damit darf ich vielleicht auch mit ein paar Worten schließen. Ich mußte längst hinweisen darauf, wie, ausgehend von einer sehr untergeordneten freimaurerischen Seite und dann aber wiederholt in allerlei astrologischen Werken, aufgegriffen von allen Gegnern seit längerer Zeit, der Satz in die Welt gesetzt worden ist: Geistige Feuerfunken seien in das Goetheanum in Dornach genug hineingeflogen; es werde die Zeit kommen, wo der physische Feuerfunke in dieses Goetheanum hineinfliegen wird. — Die Leute haben es durch zwei Jahre geschrieben. Das ist die Art und Weise, wie heute dasjenige, was wirklich aus dem Geiste heraus geschöpft wird, in der Welt empfangen wird! Demgegenüber muß es Menschen geben, welche mit dem SichHineinversetzen in den Geist völlig Ernst machen können. Ernst machen kann man nicht durch das Reden vom Geist allein, sondern durch ein solches Reden vom Geist, das auch wirklich den Geist unter uns Menschen verbreiten kann. Eine solche Verbreitung des Geistes wäre es, wenn wir schafflend würden aus dem Geiste, wie alte Zeiten schaffend wurden aus dem Geiste. Ich habe des öfteren über das Weihnachtsfest, das Osterfest, das heißt über alte Feste unter Ihnen sprechen dürfen. Es ist schön, den Geist der alten Feste herauszuholen aus den Zeitenläuften. Aber ich möchte doch, daß man nicht nur versteht, wenn durch Anthroposophie das an die Oberfläche gebracht wird, was alte Weisheit gedacht hat, sondern ich möchte, daß man auch verstehen kann dasjenige, was aus dem Geist unserer unmittelbaren Gegenwart als Aufforderung zu uns spricht. Es genügt nicht, bloß die Evangelien als Ausdruck des Christentums anzusehen, denn Christus hat gesagt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten.» Er ist da! Verstehen wir seinen Geist, seine Worte, dann können wir jeden Tag aus diesem Geiste heraus sprechen. Was die Alten schaffend gemacht hat aus einer Weltenweisheit, was gemacht hat, daß wir heute noch den tiefen Sinn der Feste enthüllen können, das lebt doch unter uns. Wir wollen doch ganze Menschen sein. Dann müssen wir aber auch als ganze Menschen geistig schaffen können. Dann müssen wir nicht nur nachdenken können über den Sinn der alten Feste, dann müssen wir selber dadurch sozial schöpferisch werden können, daß wir aus dem Jahreslauf heraus Feste-schöpfend werden können.

[ 50 ] But today it is indeed the case that the spiritual is received in the world in a peculiar way. Perhaps I may conclude with a few words on the very point with which I began. I should have pointed out long ago how—starting from a very minor Masonic source, but then repeatedly taken up in all sorts of astrological works and echoed by all opponents for quite some time—the following statement has been put out into the world: Enough spiritual sparks of fire have flown into the Goetheanum in Dornach; the time will come when the physical spark of fire will fly into this Goetheanum. — People have been writing about this for two years. This is the way in which what is truly drawn from the spirit is received in the world today! In contrast, there must be people who can take the act of immersing themselves in the spirit completely seriously. One cannot take it seriously merely by speaking of the spirit, but rather by speaking of the spirit in such a way that it can truly spread the spirit among us human beings. Such a spreading of the spirit would occur if we were to create out of the spirit, just as in ancient times people created out of the spirit. I have often had the opportunity to speak to you about Christmas, Easter—that is, about ancient festivals. It is beautiful to draw the spirit of the ancient festivals out of the flow of time. But I would like people not only to understand what ancient wisdom conceived—as brought to the surface through anthroposophy—but I would also like them to be able to understand what speaks to us as a call from the Spirit of our immediate present. It is not enough to regard the Gospels merely as an expression of Christianity, for Christ said: “I am with you always, even to the end of the age.” He is here! If we understand his spirit, his words, then we can speak from this spirit every day. What enabled the ancients to create from a world-wisdom—what enables us even today to reveal the deep meaning of the festivals—that lives among us. Let us strive to be whole human beings. But then we must also be able to create spiritually as whole human beings. Then we must not only be able to reflect on the meaning of the ancient festivals; we must also be able to become socially creative through them, so that we can create festivals out of the cycle of the year.

[ 51 ] Das mutet allerdings den Menschen mehr zu, als die alteingesessenen Feste zu erklären. Aber es ist eben auch eine wirkliche Anthroposophie, eine höhere Anthroposophie. Und geprüft werden kann die Anthroposophische Gesellschaft doch nur daran, ob sie nicht nur tote Anthroposophie begreift, die über Vergangenes handelt, sondern ob sie auch lebendige Anthroposophie begreift. Die wird auch eine Summe von Feuerfunken sein können! Aber diese Feuerfunken werden in einem Tempel sein, der nicht aus äußerem Material besteht. Physische Flammen verzehren Tempel, die aus äußerem Material bestehen. Die Flammen echter spiritueller Begeisterung, echten spirituellen Lebens, die den Tempel durchdringen müssen, weil sie ihn erleuchten müssen mit dem, was im Geiste aufleuchtet, diese Flammen können den Tempel nicht zerstören, die können diesen Tempel nur immer herrlicher gestalten. Denken wir an das, was lebendige Anthroposophie ist, als diejenige Feuerflamme, die uns immer weiter- und weiterführen wird, wie der lebendige Geist der Anthroposophie selber, der uns führen soll zum Fortschritt der Menschheit und zum Wiederaufbau desjenigen, was jetzt in einem so deutlichen Niedergange ist.

[ 51 ] This, however, demands more of people than simply explaining the long-established festivals. But it is also a true anthroposophy, a higher anthroposophy. And the Anthroposophical Society can only be judged by whether it understands not only dead anthroposophy, which deals with the past, but also living anthroposophy. This, too, can be a collection of sparks of fire! But these sparks of fire will be in a temple that is not made of external material. Physical flames consume temples made of external material. The flames of genuine spiritual enthusiasm, of genuine spiritual life—which must permeate the temple because they must illuminate it with what shines forth in the spirit—these flames cannot destroy the temple; they can only make this temple ever more magnificent. Let us think of what living anthroposophy is as that fiery flame that will lead us farther and farther, just like the living spirit of anthroposophy itself, which is to guide us toward the progress of humanity and the reconstruction of that which is now in such a clear state of decline.

[ 52 ] Das wollte ich Ihnen bei meiner diesmaligen Anwesenheit in Berlin sagen, meine lieben Freunde, weil es gut ist, wenn wir solche ernsten Dinge, gerade weil wir so selten zusammensein können, jetzt besprechen. Ich hoffe, daß ausgehen möge auch von diesem ein recht gutes Zusammensein in Gedanken. Denn Anthroposophie soll wirken im Geiste, nicht bloß im physischen Raume. Und so möge es als Gruß zu Ihnen gesprochen sein, daß wir beisammenbleiben mögen im Geiste, auch wenn wir jetzt räumlich längere Zeit wieder getrennt sein müssen.

[ 52 ] That is what I wanted to tell you during my current visit to Berlin, my dear friends, because it is good for us to discuss such serious matters now, precisely because we are so rarely able to be together. I hope that this gathering will also result in a truly meaningful connection in spirit. For anthroposophy is meant to work in the spirit, not merely in physical space. And so, let this serve as a greeting to you: may we remain united in spirit, even if we must now be physically separated for some time.