Three Perspectives of Anthroposophy
Cultural Phenomena
from the Perspective of Spiritual Science
GA 225
8 July 1923, Dornach
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Anthroposophie als Kosmosophie, Erster Teil
6. Die europäische Kultur und ihr Zusammenhang mit der lateinischen Sprache griechisches und rmische Mysterienwesen
6. Die europäische Kultur und ihr Zusammenhang mit der lateinischen Sprache griechisches und rmische Mysterienwesen
[ 1 ] Aus den beiden Vorträgen, die ich gestern und vorgestern gehalten habe, werden Sie ersehen haben, wie man es vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus für wichtig halten muß, in rechter Weise an dasjenige anzuknüpfen, was in Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts geschehen ist. Und wir konnten ja die Erscheinungen, die wir da vor unsere Seele gestellt haben, anknüpfen an manches von dem, was sich uns ergeben hat als die eigentliche Charakteristik der neueren Zeit, die wir von Mitte des 15. Jahrhunderts an als die eigentliche Charakteristik der geistigen und auch sonstigen geschichtlichen Entwickelung Europas rechnen.
[ 1 ] Aus den beiden Vorträgen, die ich gestern und vorgestern gehalten habe, werden Sie ersehen haben, wie man es vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus für wichtig halten muß, in rechter Weise an dasjenige anzuknüpfen, was in Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts geschehen ist. Und wir konnten ja die Erscheinungen, die wir da vor unsere Seele gestellt haben, anknüpfen an manches von dem, was sich uns ergeben hat als die eigentliche Charakteristik der neueren Zeit, die wir von Mitte des 15. Jahrhunderts an als die eigentliche Charakteristik der geistigen und auch sonstigen geschichtlichen Entwickelung Europas rechnen.
[ 2 ] Ich möchte nun heute, gerade indem ich das Gestrige und Vorgestrige als eine Art Unterbau, als eine Art Perspektivenausgang, könnte ich auch sagen, betrachte, den Blick nach etwas weiterem, auch der Zeit nach weiterem richten.
[ 2 ] Ich möchte nun heute, gerade indem ich das Gestrige und Vorgestrige als eine Art Unterbau, als eine Art Perspektivenausgang, könnte ich auch sagen, betrachte, den Blick nach etwas weiterem, auch der Zeit nach weiterem richten.
[ 3 ] Wir müssen uns ja klar sein darüber, daß im Laufe des 19. Jahrhunderts in der europäischen Entwickelung auf der einen Seite der Materialismus heraufgekommen ist. Und ich rechne zum Materialismus alles das, was sich überhaupt nur hinwenden kann zu den materiellen Erscheinungen, wenn es etwas über die Welt sagen will, was nicht ein Bedürfnis empfindet, zu einem Geistigen sich zu wenden, wenn es sich um dasjenige handelt, was den Menschen in der Welt aufrechterhält, was dem Menschen in der Welt seine Bahn anweist. Auf der anderen Seite kam zu diesem Materialismus hinzu, was man Intellektualismus, Rationalismus, Verstandesansicht nennen kann, die Ansicht, welche nur, ich möchte sagen, in logischen Begriffen leben und weben will.
[ 3 ] Wir müssen uns ja klar sein darüber, daß im Laufe des 19. Jahrhunderts in der europäischen Entwickelung auf der einen Seite der Materialismus heraufgekommen ist. Und ich rechne zum Materialismus alles das, was sich überhaupt nur hinwenden kann zu den materiellen Erscheinungen, wenn es etwas über die Welt sagen will, was nicht ein Bedürfnis empfindet, zu einem Geistigen sich zu wenden, wenn es sich um dasjenige handelt, was den Menschen in der Welt aufrechterhält, was dem Menschen in der Welt seine Bahn anweist. Auf der anderen Seite kam zu diesem Materialismus hinzu, was man Intellektualismus, Rationalismus, Verstandesansicht nennen kann, die Ansicht, welche nur, ich möchte sagen, in logischen Begriffen leben und weben will.
[ 4 ] Nun fassen Sie das nicht so auf, als ob ich meinte, daß dieser logischen Denkungsart eine andere nichtlogische oder gar antilogische entgegengestellt werden soll. Das fällt mir natürlich gar nicht ein. Aber das Logische allein ist für die Wirklichkeit so, wie das Knochensystem für den Menschen ist, und das Logische stellt eigentlich in allen Dingen nicht das Lebendige, sondern das Tote dar. Und so förderte dasjenige, wozu sich der Mensch naiv durchgerungen hat, diese bloße Verstandeslogik, die tote Begriffe enthält, sie förderte den Materialismus, der nur anknüpfte an die tote Substanz.
[ 4 ] Nun fassen Sie das nicht so auf, als ob ich meinte, daß dieser logischen Denkungsart eine andere nichtlogische oder gar antilogische entgegengestellt werden soll. Das fällt mir natürlich gar nicht ein. Aber das Logische allein ist für die Wirklichkeit so, wie das Knochensystem für den Menschen ist, und das Logische stellt eigentlich in allen Dingen nicht das Lebendige, sondern das Tote dar. Und so förderte dasjenige, wozu sich der Mensch naiv durchgerungen hat, diese bloße Verstandeslogik, die tote Begriffe enthält, sie förderte den Materialismus, der nur anknüpfte an die tote Substanz.
[ 5 ] Nun kann heute wirklich zu einer Weiterentwickelung der menschheitlichen Zivilisation nichts anderes uns verhelfen als ein ganz illusionsfreies Hineinschauen in die wahren Gründe, die auf der einen Seite diesen Materialismus, auf der anderen Seite den Rationalismus heraufgebracht haben. Und da müssen wir eben auch zeitlich heute etwas weiter ausgreifen, damit die gestrige und vorgestrige Schilderung einen noch weiteren Hintergrund bekommt.
[ 5 ] Nun kann heute wirklich zu einer Weiterentwickelung der menschheitlichen Zivilisation nichts anderes uns verhelfen als ein ganz illusionsfreies Hineinschauen in die wahren Gründe, die auf der einen Seite diesen Materialismus, auf der anderen Seite den Rationalismus heraufgebracht haben. Und da müssen wir eben auch zeitlich heute etwas weiter ausgreifen, damit die gestrige und vorgestrige Schilderung einen noch weiteren Hintergrund bekommt.
[ 6 ] Ich habe ja schon öfter darauf hingewiesen, welch ein tiefer Riß vorhanden ist zwischen alle dem, was einmal griechische Bildung war — sagen wir, diejenige Bildung, welche sich zum Teil in griechischer Sprache dargelebt hat —, und dem, was dann westlich davon als römische, als lateinische Bildung nach und nach sich ausgebildet hat. Es ist ja öfter hingewiesen worden auf die Anschauung von Herman Grimm, der da sagt: Die Römer kann der heutige Mensch noch verstehen, denn er hat im Grunde genommen noch dieselben Begriffe wie die Römer in sich; die Griechen erscheinen ihm wie die Bewohner eines Märchenlandes. — Nun, ich habe mich ja in den Aufsätzen, die im «Goetheanum» vor kurzem erschienen sind, gerade über diese Tatsache genauer ausgesprochen.
[ 6 ] Ich habe ja schon öfter darauf hingewiesen, welch ein tiefer Riß vorhanden ist zwischen alle dem, was einmal griechische Bildung war — sagen wir, diejenige Bildung, welche sich zum Teil in griechischer Sprache dargelebt hat —, und dem, was dann westlich davon als römische, als lateinische Bildung nach und nach sich ausgebildet hat. Es ist ja öfter hingewiesen worden auf die Anschauung von Herman Grimm, der da sagt: Die Römer kann der heutige Mensch noch verstehen, denn er hat im Grunde genommen noch dieselben Begriffe wie die Römer in sich; die Griechen erscheinen ihm wie die Bewohner eines Märchenlandes. — Nun, ich habe mich ja in den Aufsätzen, die im «Goetheanum» vor kurzem erschienen sind, gerade über diese Tatsache genauer ausgesprochen.
[ 7 ] Nun müssen wir uns aber darüber klar sein, daß der Osten von Europa, den ich gestern sozusagen nur anhangsweise und vielleicht in einer für manche, die hier sitzen, anfechtbaren Weise zu schildern versucht habe, eine Welle der Zivilisation erlebt hat, die in späterer Zeit stark von dem Griechischen beeinflußt worden ist. Im Osten Europas treffen wir die Spätlinge des griechischen Fühlens, des griechischen Empfindens. Im Westen von Europa und auch in Mitteleuropa pflanzt sich dagegen die lateinische Bildung in einer ganz intensiven Weise fort. Und gerade jene Differenzierung über Europa hin, die ich Ihnen in den letzten zwei Tagen geschildert habe, die steht im Grunde genommen doch ganz unter dem Einfluß dessen, was im Osten wie eine Fortsetzung des Griechentums, im Westen wie eine Fortsetzung des lateinischen Römertums vorhanden war.
[ 7 ] Nun müssen wir uns aber darüber klar sein, daß der Osten von Europa, den ich gestern sozusagen nur anhangsweise und vielleicht in einer für manche, die hier sitzen, anfechtbaren Weise zu schildern versucht habe, eine Welle der Zivilisation erlebt hat, die in späterer Zeit stark von dem Griechischen beeinflußt worden ist. Im Osten Europas treffen wir die Spätlinge des griechischen Fühlens, des griechischen Empfindens. Im Westen von Europa und auch in Mitteleuropa pflanzt sich dagegen die lateinische Bildung in einer ganz intensiven Weise fort. Und gerade jene Differenzierung über Europa hin, die ich Ihnen in den letzten zwei Tagen geschildert habe, die steht im Grunde genommen doch ganz unter dem Einfluß dessen, was im Osten wie eine Fortsetzung des Griechentums, im Westen wie eine Fortsetzung des lateinischen Römertums vorhanden war.
[ 8 ] Wir müssen nämlich folgendes nicht vergessen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß der Westen in einer ganz anderen Weise in der Lage war, innerlich seelisch das lateinisch römische Wesen zu verdauen als Mitteleuropa. Der Westen hat das Lateinische in sich aufgenommen. Mitteleuropa ist am Lateinischen krank geworden. Und wer diese Erscheinung, die heute sich in ihren letzten Ausläufern gerade in der denkbar intensivsten Weise zeigt, richtig ins Auge zu fassen vermag, der allein weiß eigentlich sich zurechtzufinden innerhalb der gegenwärtigen Bildungsbegriffe.
[ 8 ] Wir müssen nämlich folgendes nicht vergessen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß der Westen in einer ganz anderen Weise in der Lage war, innerlich seelisch das lateinisch römische Wesen zu verdauen als Mitteleuropa. Der Westen hat das Lateinische in sich aufgenommen. Mitteleuropa ist am Lateinischen krank geworden. Und wer diese Erscheinung, die heute sich in ihren letzten Ausläufern gerade in der denkbar intensivsten Weise zeigt, richtig ins Auge zu fassen vermag, der allein weiß eigentlich sich zurechtzufinden innerhalb der gegenwärtigen Bildungsbegriffe.
[ 9 ] Sehen wir die Sache einmal zunächst vom mitteleuropäischen Standpunkte an. Ich möchte da noch einmal aufmerksam machen auf das, was aus der Sprache heraus, aus der Kritik der Sprache heraus der vor kurzem verstorbene Fritz Mauthner geltend gemacht hat. Fritz Mauthner hat nicht so wie Kant eine Kritik der Vernunft, das heißt eigentlich eine Kritik der Begriffe, sondern er hat eine Kritik der Sprache schreiben wollen. Er hat nämlich die vermeintliche Entdeckung gemacht, daß die Menschen im Grunde genommen, wenn sie über höhere Dinge reden, nur in Worten reden und nicht bemerken, daß sie nur in Worten reden. Kommt man aber darauf, wie die Menschen Worte gebrauchen, zum Beispiel Gott, Geist, Seele, das Gute und so fort, so sieht man, daß die Menschen glauben, wenn sie Worte gebrauchen, auch eine Sache zu haben, daß sie aber eben nur die Worte gebrauchen, ohne damit auf eine wirkliche Sache hinzudeuten.
[ 9 ] Sehen wir die Sache einmal zunächst vom mitteleuropäischen Standpunkte an. Ich möchte da noch einmal aufmerksam machen auf das, was aus der Sprache heraus, aus der Kritik der Sprache heraus der vor kurzem verstorbene Fritz Mauthner geltend gemacht hat. Fritz Mauthner hat nicht so wie Kant eine Kritik der Vernunft, das heißt eigentlich eine Kritik der Begriffe, sondern er hat eine Kritik der Sprache schreiben wollen. Er hat nämlich die vermeintliche Entdeckung gemacht, daß die Menschen im Grunde genommen, wenn sie über höhere Dinge reden, nur in Worten reden und nicht bemerken, daß sie nur in Worten reden. Kommt man aber darauf, wie die Menschen Worte gebrauchen, zum Beispiel Gott, Geist, Seele, das Gute und so fort, so sieht man, daß die Menschen glauben, wenn sie Worte gebrauchen, auch eine Sache zu haben, daß sie aber eben nur die Worte gebrauchen, ohne damit auf eine wirkliche Sache hinzudeuten.
[ 10 ] Nun habe ich ja schon, ich glaube auch hier, angedeutet, daß natürlich diese ganze Mauthnersche Ansicht nicht zutrifft, wenn es sich um Dinge der Natur handelt, denn da können die Leute ganz gut unterscheiden zwischen dem Wort und der Sache. Wenigstens habe ich noch nicht erfahren, daß irgend jemand zum Beispiel die Absicht gehabt hätte, nicht einen wirklichen Schimmel zu besteigen, wenn er reiten will, sondern bloß das Wort «Schimmel» zu besteigen! Also in bezug auf die Dinge der Natur können die Leute schon unterscheiden das Wort und seinen Inhalt von der Realität.
[ 10 ] Nun habe ich ja schon, ich glaube auch hier, angedeutet, daß natürlich diese ganze Mauthnersche Ansicht nicht zutrifft, wenn es sich um Dinge der Natur handelt, denn da können die Leute ganz gut unterscheiden zwischen dem Wort und der Sache. Wenigstens habe ich noch nicht erfahren, daß irgend jemand zum Beispiel die Absicht gehabt hätte, nicht einen wirklichen Schimmel zu besteigen, wenn er reiten will, sondern bloß das Wort «Schimmel» zu besteigen! Also in bezug auf die Dinge der Natur können die Leute schon unterscheiden das Wort und seinen Inhalt von der Realität.
[ 11 ] Aber die Sache wird doch anders — und das gibt Fritz Mauthner einen gewissen Schein von Recht — in dem Augenblick, wo man auf der einen Seite auf seelisches Gebiet und auf der anderen Seite auf ethisch-moralisches Gebiet kommt. In bezug auf das Seelische haben sich eben Worte erhalten aus alten Zeiten, die die Menschen fortsprechen, aber es haben sich nicht die Anschauungen über die Sachen erhalten. So daß die Menschen zwar Worte gebrauchen wie Seele, Geist, aber die Anschauung der Sache nicht haben. Und da Mauthner das auf seelischem Gebiete bemerkt hat, hat er gemeint, das verallgemeinern zu können. Aber auf seelischem Gebiete und auch auf ethisch-moralischem Gebiete ist es so, daß zum Beispiel auf ethisch-moralischem Gebiete die moralischen Impulse allmählich für den Menschen den sachlichen Inhalt verloren haben und eigentlich heute nur noch als äußere Gebote oder gar als äußere Gesetze figurieren.
[ 11 ] Aber die Sache wird doch anders — und das gibt Fritz Mauthner einen gewissen Schein von Recht — in dem Augenblick, wo man auf der einen Seite auf seelisches Gebiet und auf der anderen Seite auf ethisch-moralisches Gebiet kommt. In bezug auf das Seelische haben sich eben Worte erhalten aus alten Zeiten, die die Menschen fortsprechen, aber es haben sich nicht die Anschauungen über die Sachen erhalten. So daß die Menschen zwar Worte gebrauchen wie Seele, Geist, aber die Anschauung der Sache nicht haben. Und da Mauthner das auf seelischem Gebiete bemerkt hat, hat er gemeint, das verallgemeinern zu können. Aber auf seelischem Gebiete und auch auf ethisch-moralischem Gebiete ist es so, daß zum Beispiel auf ethisch-moralischem Gebiete die moralischen Impulse allmählich für den Menschen den sachlichen Inhalt verloren haben und eigentlich heute nur noch als äußere Gebote oder gar als äußere Gesetze figurieren.
[ 12 ] Also für ein gut Stück des Sprachschatzes ist die Anschauung der Sache verlorengegangen. Daher kostet es ja so viel Mühe, wenn man heute für die wichtigsten Fähigkeiten der menschlichen Seele — Denken, Fühlen und Wollen — auf die Sache wirken will. Denn Denken, Fühlen und Wollen sind Dinge, die heute jeder bespricht, aber eine Anschauung von den entsprechenden Sachen haben die Menschen eigentlich nicht. Und es handelt sich darum, darauf zu kommen, was da eigentlich dahintersteckt.
[ 12 ] Also für ein gut Stück des Sprachschatzes ist die Anschauung der Sache verlorengegangen. Daher kostet es ja so viel Mühe, wenn man heute für die wichtigsten Fähigkeiten der menschlichen Seele — Denken, Fühlen und Wollen — auf die Sache wirken will. Denn Denken, Fühlen und Wollen sind Dinge, die heute jeder bespricht, aber eine Anschauung von den entsprechenden Sachen haben die Menschen eigentlich nicht. Und es handelt sich darum, darauf zu kommen, was da eigentlich dahintersteckt.
[ 13 ] Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß die Bildung, die eigentlich zum Geistesleben geführt hat, durch viele, viele Jahrhunderte im Mittelalter hindurch von der lateinischen Sprache getragen war und daß die lateinische Sprache wirklich nicht nur im Sinne einer äußerlichen Bezeichnung, sondern in ganz innerlichem Sinne eine tote Sprache geworden ist. Die lateinische Sprache, die man sich im Mittelalter aneignen mußte, wenn man überhaupt an die höhere Bildung herankommen wollte, wurde immer mehr und mehr zu einem, wenn ich mich so ausdrücken darf, Mechanismus in sich. Und sie wurde gerade zu dem logischen Mechanismus in sich.
[ 13 ] Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß die Bildung, die eigentlich zum Geistesleben geführt hat, durch viele, viele Jahrhunderte im Mittelalter hindurch von der lateinischen Sprache getragen war und daß die lateinische Sprache wirklich nicht nur im Sinne einer äußerlichen Bezeichnung, sondern in ganz innerlichem Sinne eine tote Sprache geworden ist. Die lateinische Sprache, die man sich im Mittelalter aneignen mußte, wenn man überhaupt an die höhere Bildung herankommen wollte, wurde immer mehr und mehr zu einem, wenn ich mich so ausdrücken darf, Mechanismus in sich. Und sie wurde gerade zu dem logischen Mechanismus in sich.
[ 14 ] Dieser Prozeß ist sehr gut zu verfolgen, wenn man eben die Geschichte so betrachtet, wie wir sie für das 19. Jahrhundert gestern und vorgestern betrachtet haben. Wenn man das Innere im Fortleben der Menschheit betrachtet, da sieht man, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert die lateinische Sprache allmählich aufhört, innerlich erlebt zu werden, wie sie nicht mehr den Logos auslebt, sondern nur noch die Hüllen des Logos. Dasjenige, was dann als Nachzügler von der lateinischen Sprache geblieben ist, die italienische Sprache, die französische Sprache, sie haben allerdings vieles von der lateinischen Sprache in sich aufgenommen. Dadurch haben sie teilgenommen an dem Absterbeprozeß der lateinischen Sprache. Aber sie haben auch dasjenige in sich aufgenommen, was ausgestrahlt hat von den verschiedenen Völkerschaften, die von Osten nach Westen gezogen sind und den Westen bewohnt haben. So daß im Italienischen und im Französischen das ganz andere Element mitlebt, nicht etwa bloß in den Worten, sondern vor allen Dingen in der Gestaltung der Sprache mitlebt, in dem Dramatischen der Sprache. Dagegen ist das wirkliche Lateinische abgestorben. Und in dieser Abgestorbenheit, wo allmählich die Anschauungen herausgefallen sind, ist es zur allherrschenden wissenschaftlichen Sprache geworden. Und man muß gerade bei der Sprache anfragen, wenn man einsehen will: Warum hat die mittelalterliche Weltanschauung die Gestalt bekommen, die sie nun einmal hat?
[ 14 ] Dieser Prozeß ist sehr gut zu verfolgen, wenn man eben die Geschichte so betrachtet, wie wir sie für das 19. Jahrhundert gestern und vorgestern betrachtet haben. Wenn man das Innere im Fortleben der Menschheit betrachtet, da sieht man, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert die lateinische Sprache allmählich aufhört, innerlich erlebt zu werden, wie sie nicht mehr den Logos auslebt, sondern nur noch die Hüllen des Logos. Dasjenige, was dann als Nachzügler von der lateinischen Sprache geblieben ist, die italienische Sprache, die französische Sprache, sie haben allerdings vieles von der lateinischen Sprache in sich aufgenommen. Dadurch haben sie teilgenommen an dem Absterbeprozeß der lateinischen Sprache. Aber sie haben auch dasjenige in sich aufgenommen, was ausgestrahlt hat von den verschiedenen Völkerschaften, die von Osten nach Westen gezogen sind und den Westen bewohnt haben. So daß im Italienischen und im Französischen das ganz andere Element mitlebt, nicht etwa bloß in den Worten, sondern vor allen Dingen in der Gestaltung der Sprache mitlebt, in dem Dramatischen der Sprache. Dagegen ist das wirkliche Lateinische abgestorben. Und in dieser Abgestorbenheit, wo allmählich die Anschauungen herausgefallen sind, ist es zur allherrschenden wissenschaftlichen Sprache geworden. Und man muß gerade bei der Sprache anfragen, wenn man einsehen will: Warum hat die mittelalterliche Weltanschauung die Gestalt bekommen, die sie nun einmal hat?
[ 15 ] Denken Sie doch nur einmal, daß der Mensch im Knabenalter in dieses Lateinische hineingedrängt wurde, also daß nicht der Prozeß so bei ihm gewesen ist, daß er vom lebendig Seelischen aus die Sprache gestaltet hat, sondern die Sprache wurde als fertiges logisches Instrument in ihn hineingegossen, und er lernte sozusagen an der Art und Weise, wie die Worte grammatisch zusammenhingen, die Logik. Die Logik wurde etwas, was den Menschen von außen herein ausfüllte.
[ 15 ] Denken Sie doch nur einmal, daß der Mensch im Knabenalter in dieses Lateinische hineingedrängt wurde, also daß nicht der Prozeß so bei ihm gewesen ist, daß er vom lebendig Seelischen aus die Sprache gestaltet hat, sondern die Sprache wurde als fertiges logisches Instrument in ihn hineingegossen, und er lernte sozusagen an der Art und Weise, wie die Worte grammatisch zusammenhingen, die Logik. Die Logik wurde etwas, was den Menschen von außen herein ausfüllte.
[ 16 ] Und so wurde der Zusammenhang der Menschenseele mit der geistigen Bildung ein immer loserer und loserer, und man wuchs nicht mit Begeisterung aus dem, was man schon in sich hatte, in die Bildung hinein, man wurde aufgenommen von einem fremden Elemente der Bildung, von dem im Lateinischen perrifizierten, fremden Elemente der Bildung. Das sprühte aus sozusagen in der Seele und trieb das, was man ursprünglich hatte, heraus aus dem Menschen oder tiefer in den Menschen hinein, in eine solche Region, wo man keinen Anspruch auf Logik machte.
[ 16 ] Und so wurde der Zusammenhang der Menschenseele mit der geistigen Bildung ein immer loserer und loserer, und man wuchs nicht mit Begeisterung aus dem, was man schon in sich hatte, in die Bildung hinein, man wurde aufgenommen von einem fremden Elemente der Bildung, von dem im Lateinischen perrifizierten, fremden Elemente der Bildung. Das sprühte aus sozusagen in der Seele und trieb das, was man ursprünglich hatte, heraus aus dem Menschen oder tiefer in den Menschen hinein, in eine solche Region, wo man keinen Anspruch auf Logik machte.
[ 17 ] Denken Sie nur, wie es durch viele Jahrhunderte im Mittelalter war und wie es in unserer Jugend war, in der Jugend derjenigen, die jetzt schon so alt gewordene Wesen sind wie ich. Da war es so, daß wenn jemand irgend etwas in seiner Muttersprache ausgedrückt hatte und es in der Gesellschaft, in der man gerade war, nicht klar erschien, man es rasch ins Lateinische übersetzte, denn da wurde es klar. Aber es wurde auch kalt und nüchtern. Es wurde logisch. Man verstand sogleich, wenn irgend etwas in einem lateinischen Kasus ausgedrückt wurde, man verstand sogleich, wie eigentlich genau und exakt die Sache gemeint ist.
[ 17 ] Denken Sie nur, wie es durch viele Jahrhunderte im Mittelalter war und wie es in unserer Jugend war, in der Jugend derjenigen, die jetzt schon so alt gewordene Wesen sind wie ich. Da war es so, daß wenn jemand irgend etwas in seiner Muttersprache ausgedrückt hatte und es in der Gesellschaft, in der man gerade war, nicht klar erschien, man es rasch ins Lateinische übersetzte, denn da wurde es klar. Aber es wurde auch kalt und nüchtern. Es wurde logisch. Man verstand sogleich, wenn irgend etwas in einem lateinischen Kasus ausgedrückt wurde, man verstand sogleich, wie eigentlich genau und exakt die Sache gemeint ist.
[ 18 ] Das aber wurde durch die Jahrhunderte des Mittelalters immer gemacht. Man erlaubte sich in der gesprochenen Sprache jede Schlamperei, weil man die Exaktheit, die Genauigkeit eben dem Denken in der lateinischen Sprache zuschrieb. Das war aber dem Menschen etwas Fremdes. Und weil es fremd war und der Mensch nur durch seine Seele zum Geist kommen kann, so petrifizierte die lateinische Sprache so weit, daß man da überhaupt nicht mehr irgendwie ein Wort anwenden konnte, wenn man nicht draußen in der physischen Sinnlichkeit das Ding hatte. Beim Pferd, da wäre es nicht gegangen, wenn man bloß das Wort gehabt hätte, denn da hätte man nicht darauf reiten können. Aber bei denjenigen Dingen, die übersinnlich sind, da rauchte allmählich der Inhalt aus dem Worte heraus, und da hatten die Leute nur das Wort. Und dann sagten sie später, als ihre Muttersprache heraufkam, in der Muttersprache auch nur das Wort, das einfach lexigraphisch übersetzte Wort. Dadurch brachten sie nicht die Anschauung hinein. Indem man anima und Seele zusammenstellte und anima als Inhalt die Wirklichkeit verloren hatte, blieb auch der Inhalt bei der Seele aus. Und so kam es, daß die lateinische Sprache nurmehr anwendbar war auf das äußerlich Sinnliche.
[ 18 ] Das aber wurde durch die Jahrhunderte des Mittelalters immer gemacht. Man erlaubte sich in der gesprochenen Sprache jede Schlamperei, weil man die Exaktheit, die Genauigkeit eben dem Denken in der lateinischen Sprache zuschrieb. Das war aber dem Menschen etwas Fremdes. Und weil es fremd war und der Mensch nur durch seine Seele zum Geist kommen kann, so petrifizierte die lateinische Sprache so weit, daß man da überhaupt nicht mehr irgendwie ein Wort anwenden konnte, wenn man nicht draußen in der physischen Sinnlichkeit das Ding hatte. Beim Pferd, da wäre es nicht gegangen, wenn man bloß das Wort gehabt hätte, denn da hätte man nicht darauf reiten können. Aber bei denjenigen Dingen, die übersinnlich sind, da rauchte allmählich der Inhalt aus dem Worte heraus, und da hatten die Leute nur das Wort. Und dann sagten sie später, als ihre Muttersprache heraufkam, in der Muttersprache auch nur das Wort, das einfach lexigraphisch übersetzte Wort. Dadurch brachten sie nicht die Anschauung hinein. Indem man anima und Seele zusammenstellte und anima als Inhalt die Wirklichkeit verloren hatte, blieb auch der Inhalt bei der Seele aus. Und so kam es, daß die lateinische Sprache nurmehr anwendbar war auf das äußerlich Sinnliche.
[ 19 ] Da haben Sie aus der Sprache heraus einen der Gründe, warum dann die Theologie in der Mitte des Mittelalters gesagt hat: Man kann durch die Wissenschaft nur die äußeren sinnlichen Dinge begreifen, und höchstens ihren Zusammenhang, und die übersinnlichen Dinge muß man dem Glauben überlassen. Hätten nämlich diese Leute die volle Kraft entwickelt, noch das auszusprechen, was wahr ist, dann hätten sie gesagt: Der Mensch kann von der Welt nur so viel erkennen, als auf lateinisch ausdrückbar ist, und das übrige muß er einem nicht ganz ausdrückbaren, nur gefühlten Glauben überlassen.
[ 19 ] Da haben Sie aus der Sprache heraus einen der Gründe, warum dann die Theologie in der Mitte des Mittelalters gesagt hat: Man kann durch die Wissenschaft nur die äußeren sinnlichen Dinge begreifen, und höchstens ihren Zusammenhang, und die übersinnlichen Dinge muß man dem Glauben überlassen. Hätten nämlich diese Leute die volle Kraft entwickelt, noch das auszusprechen, was wahr ist, dann hätten sie gesagt: Der Mensch kann von der Welt nur so viel erkennen, als auf lateinisch ausdrückbar ist, und das übrige muß er einem nicht ganz ausdrückbaren, nur gefühlten Glauben überlassen.
[ 20 ] Sehen Sie, in gewissem Sinne ist das die Wahrheit, und das andere ist nur eine Illusion. Die Wahrheit ist diese, daß durch die Jahrhunderte die Anschauung gewirkt hat, daß wissenschaftlich wahr nur dasjenige sei, was durch die lateinische Sprache ausdrückbar ist.
[ 20 ] Sehen Sie, in gewissem Sinne ist das die Wahrheit, und das andere ist nur eine Illusion. Die Wahrheit ist diese, daß durch die Jahrhunderte die Anschauung gewirkt hat, daß wissenschaftlich wahr nur dasjenige sei, was durch die lateinische Sprache ausdrückbar ist.
[ 21 ] Und nun kam eigentlich erst im 18. Jahrhundert die Prätention der Volkssprache. Nun hatten aber in dieser Zeit, als die Prätentionen der Volkssprachen heraufkamen, die verschiedenen Gegenden Europas eine ganz verschiedene Beziehung zu den Volkssprachen. Da wo das Lateinische noch nachwirkte, da fand sich die Volkssprache mit der Bildung leichter zusammen. Daher haben wir diese Erscheinungen im Westen Europas, die wir vorgestern geschildert haben, daß eigentlich die Zusammenhänge im sozialen Leben, die sozialen Bindungen, wie ich sie genannt habe, sich in einer Weise entwickeln, die populär ist, an der jedermann teilnimmt, weil da im Westen, als das Volkstum heraufkam, gewissermaßen dieses Volkstum im Lateinischen einschnappte in eine verwandte Art.
[ 21 ] Und nun kam eigentlich erst im 18. Jahrhundert die Prätention der Volkssprache. Nun hatten aber in dieser Zeit, als die Prätentionen der Volkssprachen heraufkamen, die verschiedenen Gegenden Europas eine ganz verschiedene Beziehung zu den Volkssprachen. Da wo das Lateinische noch nachwirkte, da fand sich die Volkssprache mit der Bildung leichter zusammen. Daher haben wir diese Erscheinungen im Westen Europas, die wir vorgestern geschildert haben, daß eigentlich die Zusammenhänge im sozialen Leben, die sozialen Bindungen, wie ich sie genannt habe, sich in einer Weise entwickeln, die populär ist, an der jedermann teilnimmt, weil da im Westen, als das Volkstum heraufkam, gewissermaßen dieses Volkstum im Lateinischen einschnappte in eine verwandte Art.
[ 22 ] In Mitteleuropa war das ganz unmöglich, denn da hatte die Volkssprache nichts Lateinisches angenommen. Da war die Volkssprache etwas durchaus vom Lateinischen Verschiedenes. Und darüber war nun die Schicht der Bildung, die lateinisch lernte, wenn sie gebildet werden wollte. Also hier war die Differenz eine ungeheure. Ja, von dieser Differenz rührt nämlich jene Tragik für Mitteleuropa her, von der ich gestern gesprochen habe, die Tragik, die da bestand zwischen den Menschen der breiten Masse, die nicht Lateinisch lernten, die daher auch keine Wissenschaft hatten — denn Wissenschaft war das, was man auf lateinisch sagen konnte —, und denjenigen, die Wissenschaft erwarben, die also einfach in dem Momente, wo sie Wissenschaft erwarben, sich umschalteten. Im gewöhnlichen Leben, wenn sie aßen und tranken und wenn sie sonst irgendwie mit den Landesgenossen zusammen waren, da waren sie ungelehrte Leute, weil sie in der Sprache sprachen, die überhaupt nicht die Gelehrsamkeit in sich hatte. Und wenn sie Wissenschafter waren, da waren sie etwas ganz anderes, da zogen sie einen inneren Talar an. So daß eigentlich einer, der gebildet war, im Grunde genommen in sich ein zerspaltener Mensch war.
[ 22 ] In Mitteleuropa war das ganz unmöglich, denn da hatte die Volkssprache nichts Lateinisches angenommen. Da war die Volkssprache etwas durchaus vom Lateinischen Verschiedenes. Und darüber war nun die Schicht der Bildung, die lateinisch lernte, wenn sie gebildet werden wollte. Also hier war die Differenz eine ungeheure. Ja, von dieser Differenz rührt nämlich jene Tragik für Mitteleuropa her, von der ich gestern gesprochen habe, die Tragik, die da bestand zwischen den Menschen der breiten Masse, die nicht Lateinisch lernten, die daher auch keine Wissenschaft hatten — denn Wissenschaft war das, was man auf lateinisch sagen konnte —, und denjenigen, die Wissenschaft erwarben, die also einfach in dem Momente, wo sie Wissenschaft erwarben, sich umschalteten. Im gewöhnlichen Leben, wenn sie aßen und tranken und wenn sie sonst irgendwie mit den Landesgenossen zusammen waren, da waren sie ungelehrte Leute, weil sie in der Sprache sprachen, die überhaupt nicht die Gelehrsamkeit in sich hatte. Und wenn sie Wissenschafter waren, da waren sie etwas ganz anderes, da zogen sie einen inneren Talar an. So daß eigentlich einer, der gebildet war, im Grunde genommen in sich ein zerspaltener Mensch war.
[ 23 ] Sehen Sie, das wirkte besonders auf das Geistesleben Mitteleuropas ganz tief. Denn in der Volkssprache war durch alle möglichen Umstände, die wir ja auch einmal berühren werden, eigentlich nur dasjenige enthalten, was ich gestern angedeutet habe auf der einen Seite als ein astrologisches Element, auf der andern Seite als ein alchimistisches Element. Das lebte schon in der Volkssprache, und die Volkssprache hatte eigentlich eine innere Spiritualität, eine innere Geistigkeit. Die Volkssprache hatte keinen Materialismus in Europa. Der Materialismus wurde der Volkssprache erst aufgedrückt aus dem Materialismus der lateinischen Sprache heraus, indem die lateinische Sprache, als sie nicht mehr die Gelehrtensprache war, den Leuten doch noch die Allüren ließ, die sich herausgebildet hatten, als sie die Gelehrtensprache wurde. Und so konnte die mitteleuropäische Sprache gar nicht dazu gelangen, einen Ausgleich, eine Harmonisierung mit demjenigen zu finden, was sich am Lateinischen herauf als Bildung festgelegt hatte.
[ 23 ] Sehen Sie, das wirkte besonders auf das Geistesleben Mitteleuropas ganz tief. Denn in der Volkssprache war durch alle möglichen Umstände, die wir ja auch einmal berühren werden, eigentlich nur dasjenige enthalten, was ich gestern angedeutet habe auf der einen Seite als ein astrologisches Element, auf der andern Seite als ein alchimistisches Element. Das lebte schon in der Volkssprache, und die Volkssprache hatte eigentlich eine innere Spiritualität, eine innere Geistigkeit. Die Volkssprache hatte keinen Materialismus in Europa. Der Materialismus wurde der Volkssprache erst aufgedrückt aus dem Materialismus der lateinischen Sprache heraus, indem die lateinische Sprache, als sie nicht mehr die Gelehrtensprache war, den Leuten doch noch die Allüren ließ, die sich herausgebildet hatten, als sie die Gelehrtensprache wurde. Und so konnte die mitteleuropäische Sprache gar nicht dazu gelangen, einen Ausgleich, eine Harmonisierung mit demjenigen zu finden, was sich am Lateinischen herauf als Bildung festgelegt hatte.
[ 24 ] Das ist eine ungeheuer ernste Angelegenheit. Es ist das bis heute in intensiver Weise zu bemerken. Ich will gleich ein konkretes Beispiel anführen, in wie intensiver Weise das zu bemerken ist. Sehen Sie, es wird heute an den verschiedenen Universitäten auch eine sogenannte Nationalökonomie gepflegt. Diese Nationalökonomie ist eigentlich aus juristischen Vorstellungen herausgewachsen, und die sind ganz und gar ein Kind des Lateinertums. Juristisch denken heißt auf lateinisch denken, auch heute noch. Und die nationalökonomischen Vorstellungen — ja, da kommt man eben auf eine unglückselige Weise für die Lateiner zu den Sachen hinunter. Geradeso wie man das bloße Wort Schimmel nicht reiten kann, so kann man die bloßen ökonomischen Begriffe nicht essen. Man kann mit den bloßen ökonomischen Begriffen nicht wirtschaften. Da aber die Wissenschaft sich nur aus dem Lateinischen heraus entwickelt hat — es ist den Leuten ja nur der Zusammenhang nicht klar —, so haben die ökonomischen Wissenschaften der Gegenwart eben gar keinen Inhalt mehr. Die Nationalökonomie, so wie sie heute gelehrt wird, begreift eigentlich nur etwas, was mit der Wirklichkeit gar nichts mehr zu tun hat, weil sie vom Lateinischen abstammt, aber den Anschluß an die gegenwärtige Wirklichkeit gar nicht gefunden hat, sondern alles aus Begriffen herausspinnt.
[ 24 ] Das ist eine ungeheuer ernste Angelegenheit. Es ist das bis heute in intensiver Weise zu bemerken. Ich will gleich ein konkretes Beispiel anführen, in wie intensiver Weise das zu bemerken ist. Sehen Sie, es wird heute an den verschiedenen Universitäten auch eine sogenannte Nationalökonomie gepflegt. Diese Nationalökonomie ist eigentlich aus juristischen Vorstellungen herausgewachsen, und die sind ganz und gar ein Kind des Lateinertums. Juristisch denken heißt auf lateinisch denken, auch heute noch. Und die nationalökonomischen Vorstellungen — ja, da kommt man eben auf eine unglückselige Weise für die Lateiner zu den Sachen hinunter. Geradeso wie man das bloße Wort Schimmel nicht reiten kann, so kann man die bloßen ökonomischen Begriffe nicht essen. Man kann mit den bloßen ökonomischen Begriffen nicht wirtschaften. Da aber die Wissenschaft sich nur aus dem Lateinischen heraus entwickelt hat — es ist den Leuten ja nur der Zusammenhang nicht klar —, so haben die ökonomischen Wissenschaften der Gegenwart eben gar keinen Inhalt mehr. Die Nationalökonomie, so wie sie heute gelehrt wird, begreift eigentlich nur etwas, was mit der Wirklichkeit gar nichts mehr zu tun hat, weil sie vom Lateinischen abstammt, aber den Anschluß an die gegenwärtige Wirklichkeit gar nicht gefunden hat, sondern alles aus Begriffen herausspinnt.
[ 25 ] Man könnte sagen, gerade auf nationalökonomischem Gebiete zeigt sich ein Gegensatz. Ich habe Ihnen gestern davon gesprochen, daß in Mitteleuropa unter dem Volke Leute herumgingen, die man Sinnierer nannte — die wirkten aus dem Volkstume heraus, die hatten daher die alte Astrologie, die alte Alchimie —, Sinnierer, das heißt diejenigen, die sinnen. Solche, die dann das Lateinische in jener Sublimation weiter auch in die Nationalökonomie hineingetragen haben, das sind diejenigen, die nun nicht sinnen, sondern spinnen. Ja, wirklich, das ist nicht im Spaß gemeint, sondern das ist ganz im Ernst gemeint, weil aus einem bloßen logischen Netz, zu dem die lateinische Sprache geworden ist, herausgesponnen wird, was als eine einzelne Wissenschaft ausgebildet wird.
[ 25 ] Man könnte sagen, gerade auf nationalökonomischem Gebiete zeigt sich ein Gegensatz. Ich habe Ihnen gestern davon gesprochen, daß in Mitteleuropa unter dem Volke Leute herumgingen, die man Sinnierer nannte — die wirkten aus dem Volkstume heraus, die hatten daher die alte Astrologie, die alte Alchimie —, Sinnierer, das heißt diejenigen, die sinnen. Solche, die dann das Lateinische in jener Sublimation weiter auch in die Nationalökonomie hineingetragen haben, das sind diejenigen, die nun nicht sinnen, sondern spinnen. Ja, wirklich, das ist nicht im Spaß gemeint, sondern das ist ganz im Ernst gemeint, weil aus einem bloßen logischen Netz, zu dem die lateinische Sprache geworden ist, herausgesponnen wird, was als eine einzelne Wissenschaft ausgebildet wird.
[ 26 ] Ich habe im vorigen Herbst hier einen Kursus über Nationalökonomie vorgetragen. Der ist aus den Sachen heraus gewesen, nicht aus dem Wortgespinst. Und da stellt sich immer mehr und mehr heraus, weil da aus den Sachen heraus gesprochen worden ist, also von den Wirklichkeiten des wirtschaftlichen Lebens geredet wird: Es können nun die nationalökonomischen Studenten das nicht zusammenbringen mit dem, was bloß gesponnen ist! Es geht das eine nicht in das andere herüber. Und nun könnte jemand die Aufgabe stellen, man solle noch einen Nebenkursus halten, wo man die Hülle, die Begriffshülle der heutigen Nationalökonomie in Konkretisierung bringt mit dem, was da aus der Wirklichkeit geschöpft worden ist. Das hieße aber ja, man solle jemandem die Fruchtbarkeit einer Orange an den weggeworfenen Orangenschalen erklären, und das geht eben nicht. Wo es sich darum handelt, ein Wissen aus der Wirklichkeit heraus zu gewinnen, da kann man nicht Fäden hinüberziehen zu dem, was ein bloßes Gespinst ist. Da muß tatsächlich vom Ursprünglichen, Elementaren heraus eben neu gearbeitet werden, wenn Realität wirken soll.
[ 26 ] Ich habe im vorigen Herbst hier einen Kursus über Nationalökonomie vorgetragen. Der ist aus den Sachen heraus gewesen, nicht aus dem Wortgespinst. Und da stellt sich immer mehr und mehr heraus, weil da aus den Sachen heraus gesprochen worden ist, also von den Wirklichkeiten des wirtschaftlichen Lebens geredet wird: Es können nun die nationalökonomischen Studenten das nicht zusammenbringen mit dem, was bloß gesponnen ist! Es geht das eine nicht in das andere herüber. Und nun könnte jemand die Aufgabe stellen, man solle noch einen Nebenkursus halten, wo man die Hülle, die Begriffshülle der heutigen Nationalökonomie in Konkretisierung bringt mit dem, was da aus der Wirklichkeit geschöpft worden ist. Das hieße aber ja, man solle jemandem die Fruchtbarkeit einer Orange an den weggeworfenen Orangenschalen erklären, und das geht eben nicht. Wo es sich darum handelt, ein Wissen aus der Wirklichkeit heraus zu gewinnen, da kann man nicht Fäden hinüberziehen zu dem, was ein bloßes Gespinst ist. Da muß tatsächlich vom Ursprünglichen, Elementaren heraus eben neu gearbeitet werden, wenn Realität wirken soll.
[ 27 ] Und weil in der Volksbildung, die nicht vom Lateinischen durchsetzt war, wenn auch in einer nicht mehr zeitgemäßen Form die alte Himmelskunde und die alte Erdkunde, Astrologie und Alchimie, fortlebten, so gesellten sich zu der Empfindung, daß Erkenntnis dasjenige ist, was man auf lateinisch sagen kann, allmählich die anderen Empfindungen: Aberglaube ist all das, was man nicht auf lateinisch sagen kann, sondern in den Volkssprachen sagen muß. Nur drücken das die Leute nicht so aus, weil sie allerlei Schönheiten über die Dinge hinüberzimmern. Aber unsere ganze Bildung ist durchdrungen auf der einen Seite von dem Satze: Wissenschaftlich ist alles das, was man in lateinische Sätze bringen kann; und auf der anderen Seite: Aberglaube ist alles das, was man nicht in lateinische Sätze bringen kann, sondern in der Volkssprache ausdrücken muß.
[ 27 ] Und weil in der Volksbildung, die nicht vom Lateinischen durchsetzt war, wenn auch in einer nicht mehr zeitgemäßen Form die alte Himmelskunde und die alte Erdkunde, Astrologie und Alchimie, fortlebten, so gesellten sich zu der Empfindung, daß Erkenntnis dasjenige ist, was man auf lateinisch sagen kann, allmählich die anderen Empfindungen: Aberglaube ist all das, was man nicht auf lateinisch sagen kann, sondern in den Volkssprachen sagen muß. Nur drücken das die Leute nicht so aus, weil sie allerlei Schönheiten über die Dinge hinüberzimmern. Aber unsere ganze Bildung ist durchdrungen auf der einen Seite von dem Satze: Wissenschaftlich ist alles das, was man in lateinische Sätze bringen kann; und auf der anderen Seite: Aberglaube ist alles das, was man nicht in lateinische Sätze bringen kann, sondern in der Volkssprache ausdrücken muß.
[ 28 ] Das ist etwas, was im Westen viel weniger erlebt worden ist, was aber in einer furchtbar tragischen Weise gerade in Mitteleuropa erlebt worden ist. Im Osten wieder weniger. Erstens hatte der Osten das noch ganz von dem Safte der Wirklichkeit durchdrungene Griechische vielfach in seine Zivilisation einströmen lassen, und zweitens hat er sich das, was nun der furchtbare innere Seelenkampf zwischen dem lebendigen Volksgemäßen und dem abgestorbenen Lateinischen wurde, nicht sehr tief zu Herzen genommen, sondern er hat sich hingesetzt und hat sich gesagt: Ach was, in solche Lebenskämpfe hinein kommen ja doch nur solche Menschen, die aus dem Paradiese heruntergefallen sind; wir aber im Osten sind eigentlich im Paradiese geblieben. Es ist nur ein äußerer Schein, daß wir aus dem Paradies heruntergefallen sind, wir sind innerliche Menschen — innerlich; innerliche Menschen!
[ 28 ] Das ist etwas, was im Westen viel weniger erlebt worden ist, was aber in einer furchtbar tragischen Weise gerade in Mitteleuropa erlebt worden ist. Im Osten wieder weniger. Erstens hatte der Osten das noch ganz von dem Safte der Wirklichkeit durchdrungene Griechische vielfach in seine Zivilisation einströmen lassen, und zweitens hat er sich das, was nun der furchtbare innere Seelenkampf zwischen dem lebendigen Volksgemäßen und dem abgestorbenen Lateinischen wurde, nicht sehr tief zu Herzen genommen, sondern er hat sich hingesetzt und hat sich gesagt: Ach was, in solche Lebenskämpfe hinein kommen ja doch nur solche Menschen, die aus dem Paradiese heruntergefallen sind; wir aber im Osten sind eigentlich im Paradiese geblieben. Es ist nur ein äußerer Schein, daß wir aus dem Paradies heruntergefallen sind, wir sind innerliche Menschen — innerlich; innerliche Menschen!
[ 29 ] Sehen Sie, auf solche Dinge muß durchaus eingegangen werden, wenn man diese furchtbare Spaltung begreifen will, die heute besteht zwischen den Menschen, die in dem leben, was auf lateinische Art gezimmert worden ist, und den Menschen, die als heimatlose Seelen — ich habe den Ausdruck vor kurzem hier einmal gebraucht — aus dem Elementaren ihres eigenen Wesens heraus wiederum den Weg zum Geistigen suchen wollen. Da tritt dann die ungeheure Autorität dessen, was eine Dependance des Lateinischen ist, den Menschen entgegen. Der Respekt vor dem Lateinischen nämlich, der steckt in dem Autoritätsglauben, der unserer heutigen Wissenschaft entgegengebracht wird.
[ 29 ] Sehen Sie, auf solche Dinge muß durchaus eingegangen werden, wenn man diese furchtbare Spaltung begreifen will, die heute besteht zwischen den Menschen, die in dem leben, was auf lateinische Art gezimmert worden ist, und den Menschen, die als heimatlose Seelen — ich habe den Ausdruck vor kurzem hier einmal gebraucht — aus dem Elementaren ihres eigenen Wesens heraus wiederum den Weg zum Geistigen suchen wollen. Da tritt dann die ungeheure Autorität dessen, was eine Dependance des Lateinischen ist, den Menschen entgegen. Der Respekt vor dem Lateinischen nämlich, der steckt in dem Autoritätsglauben, der unserer heutigen Wissenschaft entgegengebracht wird.
[ 30 ] Denken Sie doch nur einmal, was es durch Jahrhunderte geheißen hat, wenn so ein Bauernbüblein ins Klostergymnasium gekommen ist und da Lateinisch gelernt hat! Dann ist es in den Ferien nach Hause gekommen, hat Lateinisch gekonnt! Keiner hat etwas verstanden von dem, was das Bauernbüblein gelernt hatte, die andern alle wußsten aber, nun ja, daß man nichts verstehen darf und kann, was zur Wissenschaft, was zur Erkenntnis führt. Das wußten sie ja nun. Denn das Bauernbüblein, das in das Klostergymnasium gekommen ist, das sprach in einer Sprache, in der man eben die Erkenntnis sucht, und die andern Bauernbuben, die Kartoffeln ausnahmen — nun, das war in früheren Zeiten nicht der Fall —, die also, sagen wir, auf der Wiese oder auf dem Acker irgendwie arbeiteten, die hatten einen ungeheuren Respekt.
[ 30 ] Denken Sie doch nur einmal, was es durch Jahrhunderte geheißen hat, wenn so ein Bauernbüblein ins Klostergymnasium gekommen ist und da Lateinisch gelernt hat! Dann ist es in den Ferien nach Hause gekommen, hat Lateinisch gekonnt! Keiner hat etwas verstanden von dem, was das Bauernbüblein gelernt hatte, die andern alle wußsten aber, nun ja, daß man nichts verstehen darf und kann, was zur Wissenschaft, was zur Erkenntnis führt. Das wußten sie ja nun. Denn das Bauernbüblein, das in das Klostergymnasium gekommen ist, das sprach in einer Sprache, in der man eben die Erkenntnis sucht, und die andern Bauernbuben, die Kartoffeln ausnahmen — nun, das war in früheren Zeiten nicht der Fall —, die also, sagen wir, auf der Wiese oder auf dem Acker irgendwie arbeiteten, die hatten einen ungeheuren Respekt.
[ 31 ] Denn einen Respekt hat man nicht vor dem, was man weiß, sondern vor dem, was man nicht wissen kann. Und dieses setzte sich fest als ein ungeheurer Respekt vor dem, was man nicht wissen kann, wo man von vornherein darauf verzichtet. Ja, das setzt sich dann fort, und solche Dinge nehmen Wege, die man nur dann verfolgen kann, wenn man wirklich den guten Willen hat, die geistigen Wege der Menschheit zu verfolgen. Das Bauernbüblein im 13., 12. Jahrhundert, das draußen nur den Pflug hielt und sonst mithalf, vielleicht höchstens noch beim Zerkleinern des Schweinespecks zu Grammeln und so weiter mitwirkte, das Bauernbüblein, das wußte: Wir können nichts wissen, wir werden niemals etwas wissen können, weil nur diejenigen etwas wissen können, die Lateinisch lernen. — Das Bauernbüblein sagt das, und dann geht das die geheimen Wege, und dann, dann hält in neueren Jahrhunderten ein Naturforscher eine Rede vor der erleuchteten Naturforscherversammlung, und es gipfelt diese Rede in denselben Worten, die im 12. Jahrhundert der Bauernbub von dem Klosterbauernbüblein gesagt hat: Wir werden nicht wissen ignorabimus! Würde man nämlich heute den Sinn dafür haben, den geschichtlichen Tatsachen nachzugehen, dann würde man, wenn man um Jahrhunderte zurückgeht, den Ursprung des Du Bois-Reymondschen Impulses finden bei dem Bauernbub, der nicht Lateinisch gelernt hat, gegenüber dem Bauernbüblein, das Lateinisch gelernt hat.
[ 31 ] Denn einen Respekt hat man nicht vor dem, was man weiß, sondern vor dem, was man nicht wissen kann. Und dieses setzte sich fest als ein ungeheurer Respekt vor dem, was man nicht wissen kann, wo man von vornherein darauf verzichtet. Ja, das setzt sich dann fort, und solche Dinge nehmen Wege, die man nur dann verfolgen kann, wenn man wirklich den guten Willen hat, die geistigen Wege der Menschheit zu verfolgen. Das Bauernbüblein im 13., 12. Jahrhundert, das draußen nur den Pflug hielt und sonst mithalf, vielleicht höchstens noch beim Zerkleinern des Schweinespecks zu Grammeln und so weiter mitwirkte, das Bauernbüblein, das wußte: Wir können nichts wissen, wir werden niemals etwas wissen können, weil nur diejenigen etwas wissen können, die Lateinisch lernen. — Das Bauernbüblein sagt das, und dann geht das die geheimen Wege, und dann, dann hält in neueren Jahrhunderten ein Naturforscher eine Rede vor der erleuchteten Naturforscherversammlung, und es gipfelt diese Rede in denselben Worten, die im 12. Jahrhundert der Bauernbub von dem Klosterbauernbüblein gesagt hat: Wir werden nicht wissen ignorabimus! Würde man nämlich heute den Sinn dafür haben, den geschichtlichen Tatsachen nachzugehen, dann würde man, wenn man um Jahrhunderte zurückgeht, den Ursprung des Du Bois-Reymondschen Impulses finden bei dem Bauernbub, der nicht Lateinisch gelernt hat, gegenüber dem Bauernbüblein, das Lateinisch gelernt hat.
[ 32 ] Nun hat eine Sprache, wenn sie tot wird, eine Sprache, welche diesen Rückschritt durchmacht, den die lateinische Sprache durchgemacht hat, die Tendenz, eben auch in ihren Worten zum Toten hinzuneigen. Das Tote der Welt ist aber das Materielle. Und so hat die lateinische Sprache auch da, wo sie besonders herrschend war, die Dinge zum Toten hin getrieben, nämlich zum Materiellen. Ursprünglich wußte man überall, ich habe das schon einmal berührt, was die Verwandlung des Brotes und Weines in den Leib und in das Blut Christi bedeuten, weil man die Sache noch aus dem lebendigen Erleben heraus wußte. Das Volk hätte es auch wissen können, aber die Volksalchimie galt ja als abergläubisch, die war ja nicht in lateinischer Sprache. Die lateinische Sprache aber konnte das Spirituelle nicht festhalten. Und so entstand der triviale Glaube, daß dasjenige, was man sich unter Materie des Brotes und Weines vorstellte, sich verwandeln soll, und es entstanden die ganzen Diskussionen über die Abendmahlslehre eigentlich so, daß diejenigen, die diskutierten, damit nichts anderes bewiesen, als daß sie diese Lehre in lateinischer Sprache übernommen hatten. Aber da hatten die Worte nur mehr einen toten Charakter, und man verstand das Lebendige nicht mehr, wie die heutigen Anatomen aus dem toten Leichnam auch nicht mehr den lebendigen Menschen verstehen.
[ 32 ] Nun hat eine Sprache, wenn sie tot wird, eine Sprache, welche diesen Rückschritt durchmacht, den die lateinische Sprache durchgemacht hat, die Tendenz, eben auch in ihren Worten zum Toten hinzuneigen. Das Tote der Welt ist aber das Materielle. Und so hat die lateinische Sprache auch da, wo sie besonders herrschend war, die Dinge zum Toten hin getrieben, nämlich zum Materiellen. Ursprünglich wußte man überall, ich habe das schon einmal berührt, was die Verwandlung des Brotes und Weines in den Leib und in das Blut Christi bedeuten, weil man die Sache noch aus dem lebendigen Erleben heraus wußte. Das Volk hätte es auch wissen können, aber die Volksalchimie galt ja als abergläubisch, die war ja nicht in lateinischer Sprache. Die lateinische Sprache aber konnte das Spirituelle nicht festhalten. Und so entstand der triviale Glaube, daß dasjenige, was man sich unter Materie des Brotes und Weines vorstellte, sich verwandeln soll, und es entstanden die ganzen Diskussionen über die Abendmahlslehre eigentlich so, daß diejenigen, die diskutierten, damit nichts anderes bewiesen, als daß sie diese Lehre in lateinischer Sprache übernommen hatten. Aber da hatten die Worte nur mehr einen toten Charakter, und man verstand das Lebendige nicht mehr, wie die heutigen Anatomen aus dem toten Leichnam auch nicht mehr den lebendigen Menschen verstehen.
[ 33 ] Mitteleuropa hat in tief tragischer Weise das durchgemacht, indem seine Sprache nichts hatte von dem, was die lateinische Sprache heraufbrachte. Mitteleuropa hatte eine Sprache, die angewiesen gewesen wäre, in das Lebendige hineinzuwachsen. Aber das Denken war, weil ja auch dieses Denken eine Dependance war des Lateinischen, das Denken war tot. Und so fanden die Begriffe die Worte nicht und die Worte die Begriffe nicht.
[ 33 ] Mitteleuropa hat in tief tragischer Weise das durchgemacht, indem seine Sprache nichts hatte von dem, was die lateinische Sprache heraufbrachte. Mitteleuropa hatte eine Sprache, die angewiesen gewesen wäre, in das Lebendige hineinzuwachsen. Aber das Denken war, weil ja auch dieses Denken eine Dependance war des Lateinischen, das Denken war tot. Und so fanden die Begriffe die Worte nicht und die Worte die Begriffe nicht.
[ 34 ] So hätte zum Beispiel das Wort «Seele» ebenso das Lebendige finden können, wie einstmals das Wort «Psyche» im Griechischen das Lebendige gefunden hat. Aber die Vorbildung war Lateinertum, und da wußte man nichts von diesem Lebendigen und tötete das Lebendige, das in den Volksworten war, eben auch damit ab. Deshalb ist es heute so wichtig, wiederum hinzuschauen auf den tiefen Riß, der eingetreten war zwischen Griechentum und Römertum. Und dieser tiefe Riß zeigt sich ganz besonders, wenn wir gerade in das Mysterienwesen hineinschauen.
[ 34 ] So hätte zum Beispiel das Wort «Seele» ebenso das Lebendige finden können, wie einstmals das Wort «Psyche» im Griechischen das Lebendige gefunden hat. Aber die Vorbildung war Lateinertum, und da wußte man nichts von diesem Lebendigen und tötete das Lebendige, das in den Volksworten war, eben auch damit ab. Deshalb ist es heute so wichtig, wiederum hinzuschauen auf den tiefen Riß, der eingetreten war zwischen Griechentum und Römertum. Und dieser tiefe Riß zeigt sich ganz besonders, wenn wir gerade in das Mysterienwesen hineinschauen.
[ 35 ] Wenn wir nach Griechenland hinübergehen, da haben wir, ich möchte sagen, als die populärsten Mysterien die Eleusinischen Mysterien, die Mysterien von Eleusis. Sie waren diejenigen Mysterien, die sozusagen am meisten den Weg zum Geistigen hin populär gemacht hatten. Und diejenigen, die in die Eleusinischen Mysterien eingeweiht waren, das waren die Telesten; sie waren in Eleusis eingeweiht. Schauen wir uns einmal an, erstens was in dieser Benennung «Eleusis» steckt und zweitens was in dieser Benennung «Telesten» steckt.
[ 35 ] Wenn wir nach Griechenland hinübergehen, da haben wir, ich möchte sagen, als die populärsten Mysterien die Eleusinischen Mysterien, die Mysterien von Eleusis. Sie waren diejenigen Mysterien, die sozusagen am meisten den Weg zum Geistigen hin populär gemacht hatten. Und diejenigen, die in die Eleusinischen Mysterien eingeweiht waren, das waren die Telesten; sie waren in Eleusis eingeweiht. Schauen wir uns einmal an, erstens was in dieser Benennung «Eleusis» steckt und zweitens was in dieser Benennung «Telesten» steckt.
[ 36 ] Eleusis ist ja nur die etwas sprachliche Umwandlung von Elosis und heißt eigentlich: der Ort, wo die Kommenden sind, diejenigen, die die Zukunft in sich tragen wollen. Eleusis heißt: das Kommende. Und die Telesten sind die Kommenden, die eleusisch Eingeweihten sind die Kommenden. Das deutet darauf hin, daß der Mensch das Bewußtsein hatte, er ist so, wie er da steht, mehr ein Unvollkommener und er muß ein Kommender werden, einer der die Zukunft in sich trägt. Telos nimmt die Zukunft voraus, das, was erst in der Zukunft allmählich sich realisiert. So daß in den Eleusinischen Mysterien in der Stätte des Kommens, in der Stätte der Kommenden, die unvollkommenen Menschen zu vollkommenen ausgebildet wurden. Telesten waren sie.
[ 36 ] Eleusis ist ja nur die etwas sprachliche Umwandlung von Elosis und heißt eigentlich: der Ort, wo die Kommenden sind, diejenigen, die die Zukunft in sich tragen wollen. Eleusis heißt: das Kommende. Und die Telesten sind die Kommenden, die eleusisch Eingeweihten sind die Kommenden. Das deutet darauf hin, daß der Mensch das Bewußtsein hatte, er ist so, wie er da steht, mehr ein Unvollkommener und er muß ein Kommender werden, einer der die Zukunft in sich trägt. Telos nimmt die Zukunft voraus, das, was erst in der Zukunft allmählich sich realisiert. So daß in den Eleusinischen Mysterien in der Stätte des Kommens, in der Stätte der Kommenden, die unvollkommenen Menschen zu vollkommenen ausgebildet wurden. Telesten waren sie.
[ 37 ] Der ganze Sinn dieses Einweihens erlitt einen Bruch, als es hinüberkam ins Römertum. In Griechenland wies noch alles in der Einweihung auf die Zukunft, auf das Erdenende hin. Man sollte sich mit einem starken inneren Impuls ausgestalten, damit man den Weg nach dem Erdenende in der richtigen Weise findet. Dann war man ein Telest, einer, der nach dem Erdenende hin in der richtigen Weise sich entwickeln sollte.
[ 37 ] Der ganze Sinn dieses Einweihens erlitt einen Bruch, als es hinüberkam ins Römertum. In Griechenland wies noch alles in der Einweihung auf die Zukunft, auf das Erdenende hin. Man sollte sich mit einem starken inneren Impuls ausgestalten, damit man den Weg nach dem Erdenende in der richtigen Weise findet. Dann war man ein Telest, einer, der nach dem Erdenende hin in der richtigen Weise sich entwickeln sollte.
[ 38 ] Indem das nach dem Römertum hinüberkam, wurde der Ausdruck der Telesten allmählich der der Initiierten — Initium, Anfang. Es wurde das Ziel sozusagen von dem Erdenende nach dem Erdenanfang verlegt. Die Telesten wurden Initiierte. Diejenigen, die eingeweiht waren in die Geheimnisse des Kommenden, wurden Wissende des Vergangenen. Die prometheisch Strebenden wurden epimetheisch, nach dem Wissen des Vergangenen Strebende. Vom Vergangenen kann aber nur das abstrakte Wissen bleiben; wenn man in die Zukunft hin will, braucht man ein lebendiges, willengetragenes Wissen, denn da muß der Wille sich hineinentwickeln. Das Vergangene ist vergangen. Da kann man ein höheres Wissen gewinnen, wenn man zu dem Initium, zu dem Vergangenen zurückgeht; aber es bleibt ein Wissen; es wird immer abstrakter und abstrakter.
[ 38 ] Indem das nach dem Römertum hinüberkam, wurde der Ausdruck der Telesten allmählich der der Initiierten — Initium, Anfang. Es wurde das Ziel sozusagen von dem Erdenende nach dem Erdenanfang verlegt. Die Telesten wurden Initiierte. Diejenigen, die eingeweiht waren in die Geheimnisse des Kommenden, wurden Wissende des Vergangenen. Die prometheisch Strebenden wurden epimetheisch, nach dem Wissen des Vergangenen Strebende. Vom Vergangenen kann aber nur das abstrakte Wissen bleiben; wenn man in die Zukunft hin will, braucht man ein lebendiges, willengetragenes Wissen, denn da muß der Wille sich hineinentwickeln. Das Vergangene ist vergangen. Da kann man ein höheres Wissen gewinnen, wenn man zu dem Initium, zu dem Vergangenen zurückgeht; aber es bleibt ein Wissen; es wird immer abstrakter und abstrakter.
[ 39 ] Und damit zog der Impuls nach der Abstraktion, also nach jener Vertotlichung, die vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an und dann immer mehr und mehr eingetreten ist, in die lateinische Sprache ein. Man wollte nach der Vergangenheit zurück, wo noch die Ideen mit dem Leben verbunden waren, weil man wußte, jetzt sind sie nicht mehr mit dem Leben verbunden, jetzt tritt man in ein unlebendiges Reden ein, wenn man sich zu den Ideen erhebt. Und initiiert werden in Griechenland hieß ein höheres Leben in seiner Seele empfangen. Initiiert werden im Römertum, hieß resignieren für das Erdenleben auf ein höheres Tun und nur sich Gedanken darüber zu bilden: Im Erdenanfange, da hatte der Mensch einmal ein höheres Tun, aber von dem ist er heruntergegangen; man kann nicht ein Tuender, höchstens ein Wissender in bezug auf das höhere Wissen sein.
[ 39 ] Und damit zog der Impuls nach der Abstraktion, also nach jener Vertotlichung, die vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an und dann immer mehr und mehr eingetreten ist, in die lateinische Sprache ein. Man wollte nach der Vergangenheit zurück, wo noch die Ideen mit dem Leben verbunden waren, weil man wußte, jetzt sind sie nicht mehr mit dem Leben verbunden, jetzt tritt man in ein unlebendiges Reden ein, wenn man sich zu den Ideen erhebt. Und initiiert werden in Griechenland hieß ein höheres Leben in seiner Seele empfangen. Initiiert werden im Römertum, hieß resignieren für das Erdenleben auf ein höheres Tun und nur sich Gedanken darüber zu bilden: Im Erdenanfange, da hatte der Mensch einmal ein höheres Tun, aber von dem ist er heruntergegangen; man kann nicht ein Tuender, höchstens ein Wissender in bezug auf das höhere Wissen sein.
[ 40 ] Sehen Sie, das sind die Schwierigkeiten, unter denen wir heute stehen. Wenn wir, sagen wir, das Wort «Einweihung» bilden, so ist das so furchtbar anschaulich, denn «Weihen», das steckt in der ganzen Anschauung drinnen: unter Wasser tauchen den Menschen, wegbringen von den scharfen Konturen des physischen Lebens, in das flüssige Weltenelement hineinbringen, so daß er im webenden, lebenden, flüchtig-flüssigen Geistigen mit seiner Seele sich bewegen kann. Hineinweihen ist jemanden einführen in die in sich bewegliche, fluktuierende, flüssige Welt des Lebens. Nun muß das irgendwie übersetzt werden. Und es wird ins Gegenteil übersetzt. Für die Einweihung muß man zum Beispiel sagen: Initiation.
[ 40 ] Sehen Sie, das sind die Schwierigkeiten, unter denen wir heute stehen. Wenn wir, sagen wir, das Wort «Einweihung» bilden, so ist das so furchtbar anschaulich, denn «Weihen», das steckt in der ganzen Anschauung drinnen: unter Wasser tauchen den Menschen, wegbringen von den scharfen Konturen des physischen Lebens, in das flüssige Weltenelement hineinbringen, so daß er im webenden, lebenden, flüchtig-flüssigen Geistigen mit seiner Seele sich bewegen kann. Hineinweihen ist jemanden einführen in die in sich bewegliche, fluktuierende, flüssige Welt des Lebens. Nun muß das irgendwie übersetzt werden. Und es wird ins Gegenteil übersetzt. Für die Einweihung muß man zum Beispiel sagen: Initiation.
[ 41 ] Es ist eben notwendig, daß man weiß, daß solche Gegensätze, solche Schwierigkeiten in unserer gegenwärtigen Zivilisation drinnen stecken, man muß sich über diese Spieße, möchte ich sagen, die einem so weh tun in unserer gegenwärtigen Zivilisation, klar sein. Dann erst kann dasjenige kommen, was die Menschheit wirklich lebendig vorwärtsbringt.
[ 41 ] Es ist eben notwendig, daß man weiß, daß solche Gegensätze, solche Schwierigkeiten in unserer gegenwärtigen Zivilisation drinnen stecken, man muß sich über diese Spieße, möchte ich sagen, die einem so weh tun in unserer gegenwärtigen Zivilisation, klar sein. Dann erst kann dasjenige kommen, was die Menschheit wirklich lebendig vorwärtsbringt.
[ 42 ] Es ist mir natürlich sehr ferne, die Vorträge zu einer Philippika gegen das Lateinischlernen gestalten zu wollen. Im Gegenteil, ich möchte, daß? die Menschen noch mehr Lateinisch lernen würden, damit sie auch das ins Gefühl hereinkriegen, daß man mit dem Lateinischen nur das Tote bezeichnen kann, daß das Lateinische ganz richtig in die Anatomie, in den Seziersaal hineingehört, aber daß man, wenn man wiederum das kennenlernen will, was nicht tot ist, sondern was lebt, zu dem lebendigen Elemente des Sprachlichen seine Zuflucht nehmen muß. Man kann heute nicht mit irgendwelchem abstrakten Wollen in die Zukunft hineinkommen, sondern mit einem illusionsfreien Einsehen desjenigen, was aus dem Toten das Leben des Geistes wiederum herausschlagen kann. Und wir leben ja in einem Moment, wo die Sache eigentlich bis zur Entscheidung getrieben ist im Geistesleben. Wir leben in einem ungeheuer wichtigen Momente.
[ 42 ] Es ist mir natürlich sehr ferne, die Vorträge zu einer Philippika gegen das Lateinischlernen gestalten zu wollen. Im Gegenteil, ich möchte, daß? die Menschen noch mehr Lateinisch lernen würden, damit sie auch das ins Gefühl hereinkriegen, daß man mit dem Lateinischen nur das Tote bezeichnen kann, daß das Lateinische ganz richtig in die Anatomie, in den Seziersaal hineingehört, aber daß man, wenn man wiederum das kennenlernen will, was nicht tot ist, sondern was lebt, zu dem lebendigen Elemente des Sprachlichen seine Zuflucht nehmen muß. Man kann heute nicht mit irgendwelchem abstrakten Wollen in die Zukunft hineinkommen, sondern mit einem illusionsfreien Einsehen desjenigen, was aus dem Toten das Leben des Geistes wiederum herausschlagen kann. Und wir leben ja in einem Moment, wo die Sache eigentlich bis zur Entscheidung getrieben ist im Geistesleben. Wir leben in einem ungeheuer wichtigen Momente.
[ 43 ] Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen ernst genommen haben, was ich in den letzten Nummern des «Goetheanum» ausgeführt habe, dafß man noch vor zwanzig, fünfzehn, zehn Jahren solch einen Menschen wie Herman Grimm zitieren konnte wie einen Gegenwärtigen. Heute ist er ein Vergangener, und man kann von ihm nur wie von einem Vergangenen sprechen. Ich habe dies, was ich gerade in diesen vier Artikeln in Anknüpfung an Herman Grimm gesagt habe, ungeheuer bitter ernst gemeint. Ich selber habe, wie Sie wissen, mit Vorliebe früher Herman Grimm in ganz anderem Sinne zitiert, als ich ihn jetzt zitiere. Ich habe ihn zitiert da, wo er in seinem Ausdruck als ein Geist verwendet werden konnte, der mit in die Zukunft hineinführt. Heute ist er ein Vergangener, gehört er der Geschichte an, und man kann höchstens in solchen Dingen, wo er auf das alte Griechen und Römertum hinweist, dasjenige zitieren, was vor kurzem noch Gegenwart war; das ist heute schon Vergangenheit.
[ 43 ] Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen ernst genommen haben, was ich in den letzten Nummern des «Goetheanum» ausgeführt habe, dafß man noch vor zwanzig, fünfzehn, zehn Jahren solch einen Menschen wie Herman Grimm zitieren konnte wie einen Gegenwärtigen. Heute ist er ein Vergangener, und man kann von ihm nur wie von einem Vergangenen sprechen. Ich habe dies, was ich gerade in diesen vier Artikeln in Anknüpfung an Herman Grimm gesagt habe, ungeheuer bitter ernst gemeint. Ich selber habe, wie Sie wissen, mit Vorliebe früher Herman Grimm in ganz anderem Sinne zitiert, als ich ihn jetzt zitiere. Ich habe ihn zitiert da, wo er in seinem Ausdruck als ein Geist verwendet werden konnte, der mit in die Zukunft hineinführt. Heute ist er ein Vergangener, gehört er der Geschichte an, und man kann höchstens in solchen Dingen, wo er auf das alte Griechen und Römertum hinweist, dasjenige zitieren, was vor kurzem noch Gegenwart war; das ist heute schon Vergangenheit.
[ 44 ] Aber ich gebe zu, daß dieses merkwürdige Hinüberleben einer schnell zur Vergangenheit werdenden Zeit in unserer Zeit etwas ganz anderes fordert — und vieles wird sanft verschlafen! Denn das sanfte Verschlafen ist heute überhaupt etwas, das die Menschen so lieben.
[ 44 ] Aber ich gebe zu, daß dieses merkwürdige Hinüberleben einer schnell zur Vergangenheit werdenden Zeit in unserer Zeit etwas ganz anderes fordert — und vieles wird sanft verschlafen! Denn das sanfte Verschlafen ist heute überhaupt etwas, das die Menschen so lieben.
[ 45 ] Aber Anthroposophie ist diejenige Erkenntnis, die man nicht bloß in Ideen sammelt, sondern woran man aufwachen soll. Daher sind so viele Auseinandersetzungen, und auch die, welche ich jetzt gehalten habe, eben durchaus wiederum so gemeint, daß sie weckend wirken sollen.
[ 45 ] Aber Anthroposophie ist diejenige Erkenntnis, die man nicht bloß in Ideen sammelt, sondern woran man aufwachen soll. Daher sind so viele Auseinandersetzungen, und auch die, welche ich jetzt gehalten habe, eben durchaus wiederum so gemeint, daß sie weckend wirken sollen.
