Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Supplements to Member Lectures
GA 246

15 April 1905, Karlsruhe

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge
  1. Supplements to Member Lectures, tr. SOL

2. Das Leben der Seelen zwischen Tod und neuer Geburt

2. Das Leben der Seelen zwischen Tod und neuer Geburt

[ 1 ] Wir wollen eine Frage behandeln, die nur im Kreise vorgeschrittener Theosophen besprochen werden kann, die Frage: Haben die menschlichen Seelen zwischen dem physischen Tode und einer neuen Geburt eine Geschichte, wie sie auf dem physischen Plan eine Geschichte haben? Kann im Astralen, im Devachan sich etwas abspielen, was wir als Geschichte bezeichnen können? Wir müssen diese Frage mit «Ja» beantworten. Und wenn auch die Geschichte jenseits der Grenze des Todes ganz anders ist als die sich auf der Erde abspielende, so steht sie doch im engen Zusammenhange mit dem Leben der Seelen auf dem physischen Plane.

[ 1 ] Wir wollen eine Frage behandeln, die nur im Kreise vorgeschrittener Theosophen besprochen werden kann, die Frage: Haben die menschlichen Seelen zwischen dem physischen Tode und einer neuen Geburt eine Geschichte, wie sie auf dem physischen Plan eine Geschichte haben? Kann im Astralen, im Devachan sich etwas abspielen, was wir als Geschichte bezeichnen können? Wir müssen diese Frage mit «Ja» beantworten. Und wenn auch die Geschichte jenseits der Grenze des Todes ganz anders ist als die sich auf der Erde abspielende, so steht sie doch im engen Zusammenhange mit dem Leben der Seelen auf dem physischen Plane.

[ 2 ] Wir müssen die Entwicklung der Seelen zurückverfolgen bis in die alten Zeiten der Atlantis. Die einzelnen Seelen hatten sich einst aus dem Schoße der Gottheit gelöst und waren in die physischen Körper hinabgestiegen, aber noch in unseren alten atlantischen Vorfahren fühlten sich diese Seelen als Fremdlinge auf der Erde, und wenn sie während des Schlafens oder beim Tode in die himmlische Welt zurückkehrten, so empfanden sie das als Seligkeit, als Heimkehr in ihre wahre Heimat. Ihr Bewusstsein in den physischen Körpern war ein dumpfes, trübes, und sie fühlten sich deshalb eingeengt und unbehaglich in denselben. So war es noch in der ersten Unterrasse unserer jetzigen Rasse, bei den alten Indern. Auch sie betrachteten die geistige Welt als ihre eigentliche Heimat, [als] das Ziel ihrer Sehnsucht.

[ 2 ] Wir müssen die Entwicklung der Seelen zurückverfolgen bis in die alten Zeiten der Atlantis. Die einzelnen Seelen hatten sich einst aus dem Schoße der Gottheit gelöst und waren in die physischen Körper hinabgestiegen, aber noch in unseren alten atlantischen Vorfahren fühlten sich diese Seelen als Fremdlinge auf der Erde, und wenn sie während des Schlafens oder beim Tode in die himmlische Welt zurückkehrten, so empfanden sie das als Seligkeit, als Heimkehr in ihre wahre Heimat. Ihr Bewusstsein in den physischen Körpern war ein dumpfes, trübes, und sie fühlten sich deshalb eingeengt und unbehaglich in denselben. So war es noch in der ersten Unterrasse unserer jetzigen Rasse, bei den alten Indern. Auch sie betrachteten die geistige Welt als ihre eigentliche Heimat, [als] das Ziel ihrer Sehnsucht.

[ 3 ] Tiefer in die Materie hinab stiegen die Seelen schon in der nächsten Unterrasse, der persischen. Da lebte der Mensch sich mehr auf der Erde ein, lernte sie bebauen und lieb gewinnen.

[ 3 ] Tiefer in die Materie hinab stiegen die Seelen schon in der nächsten Unterrasse, der persischen. Da lebte der Mensch sich mehr auf der Erde ein, lernte sie bebauen und lieb gewinnen.

[ 4 ] In der dritten Unterrasse, der ägyptischen, haben sich die Seelen schon so an das physische Leben gewöhnt, dass ihnen der physische Körper als etwas sehr Wertvolles dünkt. Dies drückt sich bei den Ägyptern in dem Brauche des Mumifizierens des physischen Körpers aus. Dieses künstliche Erhalten der Körper hatte effektiv den Einfluss auf die daraus geschiedenen Seelen, dass sie sich schwer von den irdischen Verhältnissen trennten, um in höhere Welten aufzusteigen.

[ 4 ] In der dritten Unterrasse, der ägyptischen, haben sich die Seelen schon so an das physische Leben gewöhnt, dass ihnen der physische Körper als etwas sehr Wertvolles dünkt. Dies drückt sich bei den Ägyptern in dem Brauche des Mumifizierens des physischen Körpers aus. Dieses künstliche Erhalten der Körper hatte effektiv den Einfluss auf die daraus geschiedenen Seelen, dass sie sich schwer von den irdischen Verhältnissen trennten, um in höhere Welten aufzusteigen.

[ 5 ] Am meisten verstrickt in das irdische Leben waren die Seelen während der griechisch-römischen Epoche. Das Leben im Physischen schien ihnen als das einzig Erstrebenswerte, und sie fühlten sich im Devachan, in den himmlischen Welten direkt unglücklich, als wesenlose Schatten. Die trostlosen Beschreibungen aus der griechischen Unterwelt sind keine Phantasiegebilde, sondern der wahre Ausdruck der tiefsten Seelenempfindungen dieses so sehr an den Schönheiten der Erde hängenden Volkes. Der Ausspruch eines griechischen Feldherrn: Lieber ein Bettler auf Erden, als ein König in der Unterwelt, drückte die Stimmung des ganzen Volkes aus. Die Griechen verwendeten alle ihre künstlerischen Gaben, um sie in plastischen Darstellungen auszudrücken. Die griechischen Statuen, die wundervollen Tempel sind von hoher künstlerischer Vollendung, und doch: Wenn zum Beispiel der Scher vor den Ruinen des Tempels von Paestum steht, so kann er zwar noch die Schönheit der Formen, der Struktur genießen, aber im Geistigen schwebt über dem Ganzen eine Leere, die er deutlich empfindet und die über allen griechischen Kunstwerken wiederkehrt. Das kommt daher, weil die Griechen so ganz das Gefühl für das Geistige verloren hatten. So schöne Schöpfungen sie auf Erden schufen, so unfähig, ja ungeschickt waren ihre Seelen zu der Arbeit, die ihrer im Devachan harrte.

[ 5 ] Am meisten verstrickt in das irdische Leben waren die Seelen während der griechisch-römischen Epoche. Das Leben im Physischen schien ihnen als das einzig Erstrebenswerte, und sie fühlten sich im Devachan, in den himmlischen Welten direkt unglücklich, als wesenlose Schatten. Die trostlosen Beschreibungen aus der griechischen Unterwelt sind keine Phantasiegebilde, sondern der wahre Ausdruck der tiefsten Seelenempfindungen dieses so sehr an den Schönheiten der Erde hängenden Volkes. Der Ausspruch eines griechischen Feldherrn: Lieber ein Bettler auf Erden, als ein König in der Unterwelt, drückte die Stimmung des ganzen Volkes aus. Die Griechen verwendeten alle ihre künstlerischen Gaben, um sie in plastischen Darstellungen auszudrücken. Die griechischen Statuen, die wundervollen Tempel sind von hoher künstlerischer Vollendung, und doch: Wenn zum Beispiel der Scher vor den Ruinen des Tempels von Paestum steht, so kann er zwar noch die Schönheit der Formen, der Struktur genießen, aber im Geistigen schwebt über dem Ganzen eine Leere, die er deutlich empfindet und die über allen griechischen Kunstwerken wiederkehrt. Das kommt daher, weil die Griechen so ganz das Gefühl für das Geistige verloren hatten. So schöne Schöpfungen sie auf Erden schufen, so unfähig, ja ungeschickt waren ihre Seelen zu der Arbeit, die ihrer im Devachan harrte.

[ 6 ] Die Boten zwischen den Seelen in und außer dem Körper waren von jeher die Seher. Was diese den Seelen auf Erden aus dem Devachan herabbrachten, hatte immer großen Wert für dieselben. Und Buddha und mancher andere konnten viel Schönes aus jenen Welten erzählen, das für die Menschen von Nutzen war.

[ 6 ] Die Boten zwischen den Seelen in und außer dem Körper waren von jeher die Seher. Was diese den Seelen auf Erden aus dem Devachan herabbrachten, hatte immer großen Wert für dieselben. Und Buddha und mancher andere konnten viel Schönes aus jenen Welten erzählen, das für die Menschen von Nutzen war.

[ 7 ] Umgekehrt war die Sache weit schwieriger. Den verstorbenen Griechen, die ihr trostloses Schattendasein führten, konnten die Seher nichts von den Herrlichkeiten der Erde erzählen; sie würden dadurch ihre Schmerzen nur erhöht haben.

[ 7 ] Umgekehrt war die Sache weit schwieriger. Den verstorbenen Griechen, die ihr trostloses Schattendasein führten, konnten die Seher nichts von den Herrlichkeiten der Erde erzählen; sie würden dadurch ihre Schmerzen nur erhöht haben.

[ 8 ] Da trat ein großes Ereignis ein, das mit einem Schlage das Leben im Devachan änderte und farbenreicher gestaltete. Das Mysterium von Golgatha war nicht nur für die physische Erdenentwicklung, für die Menschheitsentwicklung auf Erden von weittragendster Bedeutung, sondern auch für das Leben der Seelen im Devachan. Christus erschien tatsächlich bei den Toten, und seitdem, seit diesem großen geistigen Einschlag empfinden die Seelen wieder mehr die Schönheit der himmlischen Welten, werden sie wieder geschickter zum Leben darin.

[ 8 ] Da trat ein großes Ereignis ein, das mit einem Schlage das Leben im Devachan änderte und farbenreicher gestaltete. Das Mysterium von Golgatha war nicht nur für die physische Erdenentwicklung, für die Menschheitsentwicklung auf Erden von weittragendster Bedeutung, sondern auch für das Leben der Seelen im Devachan. Christus erschien tatsächlich bei den Toten, und seitdem, seit diesem großen geistigen Einschlag empfinden die Seelen wieder mehr die Schönheit der himmlischen Welten, werden sie wieder geschickter zum Leben darin.

[ 9 ] Wenn die Menschen auf Erden den lebendigen Kontakt mit dem Christus suchen, so wird ihr [Dasein im] Devachan immer reicher gegliedert, [so] werden ihnen die himmlischen Welten wieder zur Heimat. Die Entfaltung eines reichen geistigen Lebens kann der Scher über einem christlichen Dom - im Gegensatz zum griechischen Tempel — wahrnehmen. Umgestaltend auf die ganze Welt wirkt das Erscheinen des Christus auf Erden. Die Schattenwelt durchflutet er mit seinem Licht und seinem Leben. Und wenn die Eingeweihten nun zu den [verstorbenen] Seelen kommen, so können sie ihnen eine Botschaft bringen von dem physischen Plan, die Botschaft vom Mysterium von Golgatha. Dieses Weltenereignis, das umgestaltend auf unsere Erde wirkte, durchströmte auch die Schattenwelt und wandelt sie wieder um zur lichten Heimat.

[ 9 ] Wenn die Menschen auf Erden den lebendigen Kontakt mit dem Christus suchen, so wird ihr [Dasein im] Devachan immer reicher gegliedert, [so] werden ihnen die himmlischen Welten wieder zur Heimat. Die Entfaltung eines reichen geistigen Lebens kann der Scher über einem christlichen Dom - im Gegensatz zum griechischen Tempel — wahrnehmen. Umgestaltend auf die ganze Welt wirkt das Erscheinen des Christus auf Erden. Die Schattenwelt durchflutet er mit seinem Licht und seinem Leben. Und wenn die Eingeweihten nun zu den [verstorbenen] Seelen kommen, so können sie ihnen eine Botschaft bringen von dem physischen Plan, die Botschaft vom Mysterium von Golgatha. Dieses Weltenereignis, das umgestaltend auf unsere Erde wirkte, durchströmte auch die Schattenwelt und wandelt sie wieder um zur lichten Heimat.

[ 10 ] Durch die großen Eingeweihten, die die Botschaft des Geistigen auf den physischen Plan zu bringen haben, selbst innerhalb des physischen Körpers weilend - sie verkehren in den höheren Welten nicht nur mit den Seelen der Menschen, sondern mit hohen geistigen Wesenheiten, mit den Göttern, die die führenden Mächte sind; mit ihnen leben sie, von ihrer Weisheit tragen sie herunter auf den physischen Plan, [sie sind] die Boten der Götter und Geber der Wahrheit an die Menschen. Das eine Ereignis, das die Schattenwelt zum Himmel wandeln konnte, gibt ihren Botschaften immer mehr und mehr Kraft und Durchdringlichkeit: das Weltenereignis des Mysteriums von Golgatha.

[ 10 ] Durch die großen Eingeweihten, die die Botschaft des Geistigen auf den physischen Plan zu bringen haben, selbst innerhalb des physischen Körpers weilend - sie verkehren in den höheren Welten nicht nur mit den Seelen der Menschen, sondern mit hohen geistigen Wesenheiten, mit den Göttern, die die führenden Mächte sind; mit ihnen leben sie, von ihrer Weisheit tragen sie herunter auf den physischen Plan, [sie sind] die Boten der Götter und Geber der Wahrheit an die Menschen. Das eine Ereignis, das die Schattenwelt zum Himmel wandeln konnte, gibt ihren Botschaften immer mehr und mehr Kraft und Durchdringlichkeit: das Weltenereignis des Mysteriums von Golgatha.