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The Rudolf Steiner Archive

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The History and Circumstances
of the Anthroposophical Movement
in relation to the Anthroposophical Society
An Impulse Towards Self-reflection
GA 258

10 June 1923, Dornach

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Vorwort zur ersten Buchausgabe

Vorwort zur ersten Buchausgabe

[ 1 ] Wie eine Ergänzung zu demjenigen, was Rudolf Steiner uns in seinem Buche «Mein Lebensgang» gibt, kann der Inhalt der hier herausgegebenen Vorträge wirken, die durchaus im lebendigen Gesprächs- und Mitteilungston gehalten, nicht als Buch gedacht waren. Wegen ihres außerordentlich wichtigen Inhaltes aber und der historischen Zusammenhänge wegen sind sie ein Dokument von unschätzbarer Bedeutung, nicht nur für den Anthroposophen, der in lichtvoller Weise die Zusammenhänge jener Bewegung sehen kann, der er sich angeschlossen hat, und so einen festen Boden unter den Füßen gewinnt durch die Einsicht in die über jede Berechtigung hinausgehende Notwendigkeit jener Geschehnisse; auch diejenigen, die sonst nur oberflächlichste Urteile hören oder im Lexikon abgedruckt finden, dürften der Gelegenheit dankbar sein, einen realen Einblick in die Tatsachen zu erhalten. Dürfte es doch immer mehr Seelen geben, die solche Gelegenheit werden ergreifen wollen, um zu erleben, daß jene Fragen beantwortet werden können, die als Rätselfragen vor ihrem inneren Auge sich auftun, und daß ihnen Wege dazu gewiesen werden können. Nicht hat man mehr das Recht, in Schriften und Feuilletons zu wiederholen, daß Rettung aus der Not der Menschheit nur möglich wäre, wenn ein UniversalGenie erschiene, das die mannigfaltigen Gebiete des Lebens und Wissens beherrschen, zusammenhalten, aneinander abwägen, und dann neuschöpferisch wirken könnte, und daß es ein Entrinnen aus der Unsicherheit nur gäbe, wenn die Schranken der Erkenntnisgrenzen durchbrochen würden, dieses aber doch nicht möglich sei... Denn dieses Genie ist dagewesen, und es hat die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen. Sein Werk liegt vor uns, das Zeugnis dafür abgelegt. Sein Wort, auch das intimste, braucht kein Licht zu scheuen, kann jedem zugänglich gemacht werden. Die moralische Kraft und überragende Höhe seines Wesens leuchtet aus diesem Werk ebenso stark hervor wie die Sicherheit des umfassenden Wissens. Warum hat man kein Mittel gescheut, um sich dem entgegenzustemmen, um ihn unschädlich zu machen durch Verleumdung, als das Schweigen allein nicht mehr genügte? Weil unsere Zeit das Überragende nicht verträgt, es haßt; seine Daseinsberechtigung nicht zugeben will, und dadurch entgegenkommt den mächtigen Organisationen, die ein Interesse daran haben, nicht aufkommen zu lassen dasjenige, was sie selbst der Menschheit nicht gewähren wollen. Der Götze der Gegenwart, die materialistische Wissenschaft, ist ihnen immerhin noch lieber. Noch bleibt es wahr, jenes Wort Goethes, das er dem Erkennenden gewidmet hat:

[ 1 ] Wie eine Ergänzung zu demjenigen, was Rudolf Steiner uns in seinem Buche «Mein Lebensgang» gibt, kann der Inhalt der hier herausgegebenen Vorträge wirken, die durchaus im lebendigen Gesprächs- und Mitteilungston gehalten, nicht als Buch gedacht waren. Wegen ihres außerordentlich wichtigen Inhaltes aber und der historischen Zusammenhänge wegen sind sie ein Dokument von unschätzbarer Bedeutung, nicht nur für den Anthroposophen, der in lichtvoller Weise die Zusammenhänge jener Bewegung sehen kann, der er sich angeschlossen hat, und so einen festen Boden unter den Füßen gewinnt durch die Einsicht in die über jede Berechtigung hinausgehende Notwendigkeit jener Geschehnisse; auch diejenigen, die sonst nur oberflächlichste Urteile hören oder im Lexikon abgedruckt finden, dürften der Gelegenheit dankbar sein, einen realen Einblick in die Tatsachen zu erhalten. Dürfte es doch immer mehr Seelen geben, die solche Gelegenheit werden ergreifen wollen, um zu erleben, daß jene Fragen beantwortet werden können, die als Rätselfragen vor ihrem inneren Auge sich auftun, und daß ihnen Wege dazu gewiesen werden können. Nicht hat man mehr das Recht, in Schriften und Feuilletons zu wiederholen, daß Rettung aus der Not der Menschheit nur möglich wäre, wenn ein UniversalGenie erschiene, das die mannigfaltigen Gebiete des Lebens und Wissens beherrschen, zusammenhalten, aneinander abwägen, und dann neuschöpferisch wirken könnte, und daß es ein Entrinnen aus der Unsicherheit nur gäbe, wenn die Schranken der Erkenntnisgrenzen durchbrochen würden, dieses aber doch nicht möglich sei... Denn dieses Genie ist dagewesen, und es hat die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen. Sein Werk liegt vor uns, das Zeugnis dafür abgelegt. Sein Wort, auch das intimste, braucht kein Licht zu scheuen, kann jedem zugänglich gemacht werden. Die moralische Kraft und überragende Höhe seines Wesens leuchtet aus diesem Werk ebenso stark hervor wie die Sicherheit des umfassenden Wissens. Warum hat man kein Mittel gescheut, um sich dem entgegenzustemmen, um ihn unschädlich zu machen durch Verleumdung, als das Schweigen allein nicht mehr genügte? Weil unsere Zeit das Überragende nicht verträgt, es haßt; seine Daseinsberechtigung nicht zugeben will, und dadurch entgegenkommt den mächtigen Organisationen, die ein Interesse daran haben, nicht aufkommen zu lassen dasjenige, was sie selbst der Menschheit nicht gewähren wollen. Der Götze der Gegenwart, die materialistische Wissenschaft, ist ihnen immerhin noch lieber. Noch bleibt es wahr, jenes Wort Goethes, das er dem Erkennenden gewidmet hat:

«Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die Wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.»

«Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die Wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.»

[ 2 ] Und einer anderen Begründung für diesen Haß und diese Vernichtungswut bedarf es nicht. Es ist der Haß der Welt, der sich auf das sie Überragende richtet. Durch diesen Haß blickt und wirkt der Widersacher der Welt.

[ 2 ] Und einer anderen Begründung für diesen Haß und diese Vernichtungswut bedarf es nicht. Es ist der Haß der Welt, der sich auf das sie Überragende richtet. Durch diesen Haß blickt und wirkt der Widersacher der Welt.

[ 3 ] Doch jetzt, wo die Exzesse des Hasses sich kaum noch überbieten können, wo der große Träger der Menschenbefreiung tot ist, wo die eigensüchtigen und niedrigen Motive der Bekämpfung schon allzu deutlich zutage getreten sind, jetzt wird es immer mehr Seelen geben, die durch diesen Wust werden hindurchblicken wollen, und dem Werdegang des geistigen Geschehens werden folgen, seinen Ausstrahlungspunkt und seine ersten Schritte werden entdecken wollen. Den Interessenten für die historische Entwickelung der Bewegung wird dieses Buch die nötige Auskunft geben und zugleich die notwendige Erklärung und so einfache Begründung dessen, was als eine den vorhandenen Tatsachen entspringende Selbstverständlichkeit sich ergab: des ursprünglichen Zusammengehens mit der nach einem wissenden Lehrer sich umschauenden Theosophischen Gesellschaft. - Wenn man gerufen wird und die gestellten Bedingungen akzeptiert werden, warum soll der Gerufene nicht hingehen und helfen? Wenn man umworben wird und keinen Augenblick sich scheut, auf die Folgen des Zusammengehens aufmerksam zu machen: dem Umlernen, dem Wachwerden gegenüber den Forderungen der Zeit, dem zu entwickelnden Sinn für das fortschrittliche Geschehen und für die Aufgabe des Abendlandes, warum sollte der seines Weges Sichere sich nicht der führerlosen suchenden Menschen annehmen und ihnen den Weg zeigen zum göttlichen Führer und zur eigenen Freiheit? Wäre Annie Besant nicht in dem folgenschwersten Augenblicke ihres Lebens, da ihr jede Sicherheit fehlte, verblendet gewesen, es hätte noch alles zum Guten sich wenden können, und sie hätte die verlorene Brücke zum Christus finden können, ohne den kleinen Ersatz-Götzen zu fabrizieren, der ihr jetzt entglitten ist. Mit ihr hätten Tausende in der Theosophischen Gesellschaft den Weg der inneren Befreiung beschritten.

[ 3 ] Doch jetzt, wo die Exzesse des Hasses sich kaum noch überbieten können, wo der große Träger der Menschenbefreiung tot ist, wo die eigensüchtigen und niedrigen Motive der Bekämpfung schon allzu deutlich zutage getreten sind, jetzt wird es immer mehr Seelen geben, die durch diesen Wust werden hindurchblicken wollen, und dem Werdegang des geistigen Geschehens werden folgen, seinen Ausstrahlungspunkt und seine ersten Schritte werden entdecken wollen. Den Interessenten für die historische Entwickelung der Bewegung wird dieses Buch die nötige Auskunft geben und zugleich die notwendige Erklärung und so einfache Begründung dessen, was als eine den vorhandenen Tatsachen entspringende Selbstverständlichkeit sich ergab: des ursprünglichen Zusammengehens mit der nach einem wissenden Lehrer sich umschauenden Theosophischen Gesellschaft. - Wenn man gerufen wird und die gestellten Bedingungen akzeptiert werden, warum soll der Gerufene nicht hingehen und helfen? Wenn man umworben wird und keinen Augenblick sich scheut, auf die Folgen des Zusammengehens aufmerksam zu machen: dem Umlernen, dem Wachwerden gegenüber den Forderungen der Zeit, dem zu entwickelnden Sinn für das fortschrittliche Geschehen und für die Aufgabe des Abendlandes, warum sollte der seines Weges Sichere sich nicht der führerlosen suchenden Menschen annehmen und ihnen den Weg zeigen zum göttlichen Führer und zur eigenen Freiheit? Wäre Annie Besant nicht in dem folgenschwersten Augenblicke ihres Lebens, da ihr jede Sicherheit fehlte, verblendet gewesen, es hätte noch alles zum Guten sich wenden können, und sie hätte die verlorene Brücke zum Christus finden können, ohne den kleinen Ersatz-Götzen zu fabrizieren, der ihr jetzt entglitten ist. Mit ihr hätten Tausende in der Theosophischen Gesellschaft den Weg der inneren Befreiung beschritten.

[ 4 ] In das Rätsel Blavatsky hat Rudolf Steiner allein Licht hineingebracht; sie brauchte ihm kein Hemmnis zu bedeuten, denn er sah das Positive in ihrem Wirken und vermochte dieses Positive in Bahnen zu lenken, wo es, befreit von den anhaftenden Verirrungen, Blendungen und Ketten, weiter als Erkenntnispotenz fruchtbar sein konnte, ohne zu schaden. Der fortschreitenden Individualität der Blavatsky war dadurch der ihr gebührende Dank erwiesen, ihr Karma erleichtert. Ihr inneres Wesen, was sie war als ehrliche Haut und starke Kraft, würde auf diese Weise größer in der Geschichte dastehen, als wenn sie verflochten bliebe mit den spiritistischen Phänomenen, welche die schwere Seite ihres Karma bedeuten. Man hatte Mühe, sich zu dem geahnten Kern ihres Wesens durchzuringen, wenn man die unzähligen Wundergeschichten hörte, welche ihre intimen oder entfernteren Freunde von ihr erzählten, wie es noch Schreiberin dieser Zeilen ergangen ist. Man spürte aber eine ganz bedeutende Kraft und Größe schon aus einigen wenigen gelesenen Seiten der «Isis unveiled» oder «Secret doctrine», die von ganz anderem Kaliber waren, als was in den gesamten Büchern der Theosophical Society enthalten war. Den Schlüssel zu ihrem komplizierten Wesen gab uns Rudolf Steiner, und trotz der sehr mangelhaften Nachschriften vom Jahre 1915, da wir noch keinen Berufsstenographen in Dornach hatten, wird es wohl nötig sein, zur volleren Beleuchtung jener rätselhaften Erscheinungen die diesbezüglichen, wenn auch stark verstümmelten Vorträge Rudolf Steiners herauszugeben.

[ 4 ] In das Rätsel Blavatsky hat Rudolf Steiner allein Licht hineingebracht; sie brauchte ihm kein Hemmnis zu bedeuten, denn er sah das Positive in ihrem Wirken und vermochte dieses Positive in Bahnen zu lenken, wo es, befreit von den anhaftenden Verirrungen, Blendungen und Ketten, weiter als Erkenntnispotenz fruchtbar sein konnte, ohne zu schaden. Der fortschreitenden Individualität der Blavatsky war dadurch der ihr gebührende Dank erwiesen, ihr Karma erleichtert. Ihr inneres Wesen, was sie war als ehrliche Haut und starke Kraft, würde auf diese Weise größer in der Geschichte dastehen, als wenn sie verflochten bliebe mit den spiritistischen Phänomenen, welche die schwere Seite ihres Karma bedeuten. Man hatte Mühe, sich zu dem geahnten Kern ihres Wesens durchzuringen, wenn man die unzähligen Wundergeschichten hörte, welche ihre intimen oder entfernteren Freunde von ihr erzählten, wie es noch Schreiberin dieser Zeilen ergangen ist. Man spürte aber eine ganz bedeutende Kraft und Größe schon aus einigen wenigen gelesenen Seiten der «Isis unveiled» oder «Secret doctrine», die von ganz anderem Kaliber waren, als was in den gesamten Büchern der Theosophical Society enthalten war. Den Schlüssel zu ihrem komplizierten Wesen gab uns Rudolf Steiner, und trotz der sehr mangelhaften Nachschriften vom Jahre 1915, da wir noch keinen Berufsstenographen in Dornach hatten, wird es wohl nötig sein, zur volleren Beleuchtung jener rätselhaften Erscheinungen die diesbezüglichen, wenn auch stark verstümmelten Vorträge Rudolf Steiners herauszugeben.

[ 5 ] 1831 ist H.P. Blavatsky geboren. In diesem Jahre wird die Jahrhundertwende ihres Geburtstages stattfinden. Man muß annehmen, daß manches Fest, manche Gedächtnisfeier von den Theosophen in allen Ländern veranstaltet sein werden. Blavatsky war ein urwüchsiges Temperament und ein Naturmensch, sie hat viel gelitten innerhalb der ihrem Wesen fremden anglo-amerikanischen gesellschaftlichen Konvention; sie war ja auch deren Vertretern nur Phänomen, halbe Barbarin, blieb unverstanden; durch sie klopfte die Grenzwelt an das Tor der materialistisch verschlossenen Welt. Mehr noch, sie verstand sich selbst nicht und litt entsetzlich beim Aufwachen aus den Zuständen, die sich ihrer Bewußtheit entzogen. Diejenigen, die sie verstehen werden in dem Lichte und Zusammenhang des Hineingestelltseins in die ersten Versuche der Okkultisten, den materialistischen Bann zu brechen, werden ihrem Gedächtnis den besten Dienst erweisen. Nicht fallen lassen das Geleistete, auch wenn es mit Irrungen verknüpft ist, sondern das Positive davon hinüberretten in die Zukunft, ist die Pflicht des geistig gereiften Okkultisten. Auch in diesem Lichte muß immer wieder verstanden werden das frühere Zusammengehen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Theosophischen bis zu dem Tage, wo Annie Besant die Durchkreuzung ihrer eigenen Absichten nicht mehr duldete.

[ 5 ] 1831 ist H.P. Blavatsky geboren. In diesem Jahre wird die Jahrhundertwende ihres Geburtstages stattfinden. Man muß annehmen, daß manches Fest, manche Gedächtnisfeier von den Theosophen in allen Ländern veranstaltet sein werden. Blavatsky war ein urwüchsiges Temperament und ein Naturmensch, sie hat viel gelitten innerhalb der ihrem Wesen fremden anglo-amerikanischen gesellschaftlichen Konvention; sie war ja auch deren Vertretern nur Phänomen, halbe Barbarin, blieb unverstanden; durch sie klopfte die Grenzwelt an das Tor der materialistisch verschlossenen Welt. Mehr noch, sie verstand sich selbst nicht und litt entsetzlich beim Aufwachen aus den Zuständen, die sich ihrer Bewußtheit entzogen. Diejenigen, die sie verstehen werden in dem Lichte und Zusammenhang des Hineingestelltseins in die ersten Versuche der Okkultisten, den materialistischen Bann zu brechen, werden ihrem Gedächtnis den besten Dienst erweisen. Nicht fallen lassen das Geleistete, auch wenn es mit Irrungen verknüpft ist, sondern das Positive davon hinüberretten in die Zukunft, ist die Pflicht des geistig gereiften Okkultisten. Auch in diesem Lichte muß immer wieder verstanden werden das frühere Zusammengehen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Theosophischen bis zu dem Tage, wo Annie Besant die Durchkreuzung ihrer eigenen Absichten nicht mehr duldete.

[ 6 ] Wenn uns auch Rudolf Steiner in diesen Vorträgen sagt, daß gegen Ende der zweiten Epoche der anthroposophischen Bewegung überwunden war dasjenige, was als Erbe aus der Theosophischen Gesellschaft zu uns hinübergekommen ist, so besteht doch die Tatsache, daß durch den Zustrom neuer Generationen und vieler theosophischer Mitglieder in unserer Gesellschaft manche schon überwunden gewesene, wenig erfreuliche Symptome immer wieder auftreten, deren Gesundung er sich mit aller Strenge hatte angelegen sein lassen. Es ergibt sich daraus, daß, da die Menschen ja auch heute der gleichen Art und Gattung sind wie die ihnen vorangegangenen, sie auch dieselben Fehler und Kinderkrankheiten immer wieder durchzumachen haben, nur leider mit immer größerem Selbstgefühl und immer stärkerem Willen zum Ausleben der Eigenheit. Was sind gewisse Fehler, die Rudolf Steiner in den hier gedruckten Vorträgen rügt, zum Beispiel die Verhimmelung von Max Seiling (eine kleine Lokal- Angelegenheit) oder Bhagavân Dâs (eine vorübergehende flache Modesache) gegenüber manchen Erscheinungen, die in den letzten Jahren aufgetreten sind? Aber er wies auf solche Symptome hin, um deren Konsequenzen zu zeigen; um die . Ursachen aufzudecken der immer wiederkehrenden Zerfall-Erscheinungen, um zu zeigen, wie Gesellschaften scheitern können, wenn solches Gebaren in die führenden Kreise gerät. Damals hielt er letzteres bei uns für ausgeschlossen. Doch ging er zu früh von uns weg; und in den jungen, zu früh zur Führung gekommenen Menschen flammten — menschlich-allzumenschlich — die alten Fehler mit doppelter Kraft auf.

[ 6 ] Wenn uns auch Rudolf Steiner in diesen Vorträgen sagt, daß gegen Ende der zweiten Epoche der anthroposophischen Bewegung überwunden war dasjenige, was als Erbe aus der Theosophischen Gesellschaft zu uns hinübergekommen ist, so besteht doch die Tatsache, daß durch den Zustrom neuer Generationen und vieler theosophischer Mitglieder in unserer Gesellschaft manche schon überwunden gewesene, wenig erfreuliche Symptome immer wieder auftreten, deren Gesundung er sich mit aller Strenge hatte angelegen sein lassen. Es ergibt sich daraus, daß, da die Menschen ja auch heute der gleichen Art und Gattung sind wie die ihnen vorangegangenen, sie auch dieselben Fehler und Kinderkrankheiten immer wieder durchzumachen haben, nur leider mit immer größerem Selbstgefühl und immer stärkerem Willen zum Ausleben der Eigenheit. Was sind gewisse Fehler, die Rudolf Steiner in den hier gedruckten Vorträgen rügt, zum Beispiel die Verhimmelung von Max Seiling (eine kleine Lokal- Angelegenheit) oder Bhagavân Dâs (eine vorübergehende flache Modesache) gegenüber manchen Erscheinungen, die in den letzten Jahren aufgetreten sind? Aber er wies auf solche Symptome hin, um deren Konsequenzen zu zeigen; um die . Ursachen aufzudecken der immer wiederkehrenden Zerfall-Erscheinungen, um zu zeigen, wie Gesellschaften scheitern können, wenn solches Gebaren in die führenden Kreise gerät. Damals hielt er letzteres bei uns für ausgeschlossen. Doch ging er zu früh von uns weg; und in den jungen, zu früh zur Führung gekommenen Menschen flammten — menschlich-allzumenschlich — die alten Fehler mit doppelter Kraft auf.

[ 7 ] Es obliegt uns, zur Selbstbesinnung zu kommen. Machen wir uns nicht besser, als wir sind. Wir brauchen unsere Fehler nicht scheu zu verbergen, sondern müssen aus ihrem Dunkel das Licht herauskraften lassen, das uns Selbst-Erkenntnis bringt. Gemeinschaftsbewußtsein ist schwer; die Bildung eines starken Gemeinschafts-Ich ist für uns nur möglich auf der Grundlage der Aufwachekraft, des Willens zur Erkenntnis, des Mutes zur Wahrheit. Dies läßt sich nicht in der Verborgenheit erringen; es muß in Gemeinsamkeit erkämpft werden. Ehrliches Ringen wird uns nicht schaden, wird uns die Achtung der Gutgewillten bringen. Die Bösgewillten mögen aber zurückdenken an dasjenige, was die Kirche in ihrem Gemeinschaftswesen durchgemacht und dargelebt hat, trotz stärkster von außen her auferlegter Disziplin; was sie an Unvollkommenheiten und Gegensätzlichkeit zu ihrem Ideal auszuleben gehabt hat. Sie werden dann sehen, daß nicht der die Bewegung impulsierende Führer für die Fehler der Anhänger seiner Lehre verantwortlich zu machen ist, sondern die Spezies Mensch, die viele Umwege und vieles Steigen und Fallen und erneutes Klimmen braucht, um zu ihrem Ziele zu gelangen.

[ 7 ] Es obliegt uns, zur Selbstbesinnung zu kommen. Machen wir uns nicht besser, als wir sind. Wir brauchen unsere Fehler nicht scheu zu verbergen, sondern müssen aus ihrem Dunkel das Licht herauskraften lassen, das uns Selbst-Erkenntnis bringt. Gemeinschaftsbewußtsein ist schwer; die Bildung eines starken Gemeinschafts-Ich ist für uns nur möglich auf der Grundlage der Aufwachekraft, des Willens zur Erkenntnis, des Mutes zur Wahrheit. Dies läßt sich nicht in der Verborgenheit erringen; es muß in Gemeinsamkeit erkämpft werden. Ehrliches Ringen wird uns nicht schaden, wird uns die Achtung der Gutgewillten bringen. Die Bösgewillten mögen aber zurückdenken an dasjenige, was die Kirche in ihrem Gemeinschaftswesen durchgemacht und dargelebt hat, trotz stärkster von außen her auferlegter Disziplin; was sie an Unvollkommenheiten und Gegensätzlichkeit zu ihrem Ideal auszuleben gehabt hat. Sie werden dann sehen, daß nicht der die Bewegung impulsierende Führer für die Fehler der Anhänger seiner Lehre verantwortlich zu machen ist, sondern die Spezies Mensch, die viele Umwege und vieles Steigen und Fallen und erneutes Klimmen braucht, um zu ihrem Ziele zu gelangen.

[ 8 ] Anthroposophie ist ein Erziehungsweg. Die Anthroposophische Gesellschaft ist gewiß keine Musteranstalt für das Darleben anthroposophischer Ideale. Man könnte sogar sagen, daß sie nach mancher Richtung hin ein Siechenheim ist, wie es ja selbstverständlich ist in einer Zeit menschheitlicher Erkrankung. Es strömen zu ihr hin die Hilfsbedürftigen, die Gebrochenen an der Not der Zeit. Darf es aber nur Siechenheime für physisch Erkrankte geben? Ist es nicht eine Pflicht, Stätten zu haben, in denen sich die Menschen geistig wieder aufrichten können? Und das ist in weitgehendstem Maße hier geschehen. Der Briefe und dankerfüllten Worte gab es im Übermaß, in denen Menschen bezeugten, daß sie erst durch Anthroposophie und ihren Verkünder das Leben wieder lebenswert gefunden haben. Um die Anthroposophie zu finden, mußte es aber eine Gesellschaft geben, in der gearbeitet wurde.

[ 8 ] Anthroposophie ist ein Erziehungsweg. Die Anthroposophische Gesellschaft ist gewiß keine Musteranstalt für das Darleben anthroposophischer Ideale. Man könnte sogar sagen, daß sie nach mancher Richtung hin ein Siechenheim ist, wie es ja selbstverständlich ist in einer Zeit menschheitlicher Erkrankung. Es strömen zu ihr hin die Hilfsbedürftigen, die Gebrochenen an der Not der Zeit. Darf es aber nur Siechenheime für physisch Erkrankte geben? Ist es nicht eine Pflicht, Stätten zu haben, in denen sich die Menschen geistig wieder aufrichten können? Und das ist in weitgehendstem Maße hier geschehen. Der Briefe und dankerfüllten Worte gab es im Übermaß, in denen Menschen bezeugten, daß sie erst durch Anthroposophie und ihren Verkünder das Leben wieder lebenswert gefunden haben. Um die Anthroposophie zu finden, mußte es aber eine Gesellschaft geben, in der gearbeitet wurde.

[ 9 ] So war die Anthroposophische Gesellschaft eine Arbeitsstätte, und es ist ungeheuer viel in ihr gearbeitet worden. Anthroposophie konnte befruchtend hineinwirken in alle Gebiete des Lebens, die künstlerischen, die wissenschaftlichen, auch in die praktischen. In der schwersten Zeit wirtschaftlicher Krisen haben Anthroposophen vielfach nicht durchführen können, was ihnen als Ideal vorschwebte; sie hatten aber gegen doppelt starke Widerstände zu kämpfen. Die Menschen aber, die in die Gesellschaft hineingeströmt sind und nach außen zu wirken begannen, als diese schon etwas in der Welt bedeutete und äußerlich darstellte, waren Menschen, wie die heutige Zeit sie geschaffen hat, nicht wie das Ideal der Anthroposophie sie will, und so sind gewiß viele den Versuchungen und den Usancen der Zeit wieder erlegen. Die jungen Menschen, die enttäuscht worden waren durch das, was sie in den organisierten Jugendbewegungen erlebt und nicht gefunden hatten, fanden hier nicht nur eine Antwort auf ihre Rätselfragen, suchten nicht nur nach Erfüllung ihres Strebens in der neuen Gemeinschaft Anthroposophie, sondern brachten ihre Gewohnheiten in die Gesellschaft hinein, auch manches von dem, was von ihnen hätte überwunden sein sollen, um in der Anthroposophie neu zu beginnen. So kann die Anthroposophische Gesellschaft noch nicht eine Musterinstitution sein, sie bleibt eine Erziehungsstätte. Aber braucht man nicht Erziehungsstätten auch im Menschheitssinne, um weiterzuschreiten in eine bessere Zukunft hinein?

[ 9 ] So war die Anthroposophische Gesellschaft eine Arbeitsstätte, und es ist ungeheuer viel in ihr gearbeitet worden. Anthroposophie konnte befruchtend hineinwirken in alle Gebiete des Lebens, die künstlerischen, die wissenschaftlichen, auch in die praktischen. In der schwersten Zeit wirtschaftlicher Krisen haben Anthroposophen vielfach nicht durchführen können, was ihnen als Ideal vorschwebte; sie hatten aber gegen doppelt starke Widerstände zu kämpfen. Die Menschen aber, die in die Gesellschaft hineingeströmt sind und nach außen zu wirken begannen, als diese schon etwas in der Welt bedeutete und äußerlich darstellte, waren Menschen, wie die heutige Zeit sie geschaffen hat, nicht wie das Ideal der Anthroposophie sie will, und so sind gewiß viele den Versuchungen und den Usancen der Zeit wieder erlegen. Die jungen Menschen, die enttäuscht worden waren durch das, was sie in den organisierten Jugendbewegungen erlebt und nicht gefunden hatten, fanden hier nicht nur eine Antwort auf ihre Rätselfragen, suchten nicht nur nach Erfüllung ihres Strebens in der neuen Gemeinschaft Anthroposophie, sondern brachten ihre Gewohnheiten in die Gesellschaft hinein, auch manches von dem, was von ihnen hätte überwunden sein sollen, um in der Anthroposophie neu zu beginnen. So kann die Anthroposophische Gesellschaft noch nicht eine Musterinstitution sein, sie bleibt eine Erziehungsstätte. Aber braucht man nicht Erziehungsstätten auch im Menschheitssinne, um weiterzuschreiten in eine bessere Zukunft hinein?

[ 10 ] So können wir die Frage wenden, wie wir wollen, die Gesellschaft ist eine Notwendigkeit. Sie muß sich erziehen, und sie muß die Möglichkeit hergeben, für die Menschheit eine Erziehungsstätte zu sein. Die Lebenskräfte, die in sie hineingesenkt worden sind, können das bewirken, wenn sich starke, fähige, hingebungsvolle Menschen in ihr zusammenfinden, die da wissen, daß man zusammenkommen muß, um als Gemeinschaft für die Menschheit in weiterem Sinne zu wirken, nicht sich abschließend nur der eigenen Selbstheit zu frönen; die da wissen, daß es ein Undank wäre, nur hinzunehmen das, was einem selbst zum Rettungsanker wird; die da wissen, daß.man damit die Verpflichtung übernimmt, ihn jenen anderen zu reichen, deren Lebensschiff in Not ist.

[ 10 ] So können wir die Frage wenden, wie wir wollen, die Gesellschaft ist eine Notwendigkeit. Sie muß sich erziehen, und sie muß die Möglichkeit hergeben, für die Menschheit eine Erziehungsstätte zu sein. Die Lebenskräfte, die in sie hineingesenkt worden sind, können das bewirken, wenn sich starke, fähige, hingebungsvolle Menschen in ihr zusammenfinden, die da wissen, daß man zusammenkommen muß, um als Gemeinschaft für die Menschheit in weiterem Sinne zu wirken, nicht sich abschließend nur der eigenen Selbstheit zu frönen; die da wissen, daß es ein Undank wäre, nur hinzunehmen das, was einem selbst zum Rettungsanker wird; die da wissen, daß.man damit die Verpflichtung übernimmt, ihn jenen anderen zu reichen, deren Lebensschiff in Not ist.

Marie Steiner

Marie Steiner