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The Rudolf Steiner Archive

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Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275

4 January 1915, Dornach

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Achter Vortrag

8. Working with Sculptural Architecture II

[ 1 ] Ich möchte heute meinen Ausgangspunkt nehmen von einer kleinen Betrachtung über das unserem Bau zugeordnete Heizhaus und mit einigen Worten das architektonische Prinzip dieses Heizhauses zur Darstellung bringen. Sie müssen, wenn Sie die Motivierung der architektonischen Formen dieses Hauses betrachten wollen, ins Auge fassen, daß dieses Haus ein dem ganzen Bau zugeordneter Teil ist, gewissermaßen also zu dem Bau gehört. Dieses ausgesprochene: Es ist das etwas, was zu dem Bau gehört -, muß schon in dem künstlerischen Gedanken des Baues, wenn dieser richtig sein soll, zum Ausdruck kommen. Das darf nicht eine Abstraktion sein, sondern es muß in der künstlerischen Form zum Ausdruck kommen.

[ 1 ] I should like to begin today by saying a few words about the boiler house attached to the Goetheanum and the architectural principle underlying it. If you want to study what motivated the architectural forms of this house, you must bear in mind that it is part of the whole Goetheanum building and belongs to it. This fact of it belonging to the building has to come to expression in the artistic conception of the building itself, if this conception is correct. It should not be an abstraction but has to be expressed in the artistic form.

[ 2 ] Nun handelt es sich darum, einmal die Frage ins Auge zu fassen: Wie steht es denn überhaupt mit diesen zusammengehörigen künstlerischen Formen? — Wir kommen der Betrachtung dieser Frage am allernächsten, wenn wir jene große künstlerische Schöpfertätigkeit ins Auge fassen, die leider von den Menschen viel zu wenig ins Auge gefaßt wird, die große schöpferisch-künstlerische Tätigkeit, die wir vorgebildet finden, wenn wir imstande sind, die Natur geistig zu betrachten, das natürliche Schaffen als hervorgehend aus dem Geiste zu betrachten. Weil die Betrachtung sich verhältnismäßig noch am einfachsten darstellt, möchte ich Ihren Blick hinlenken auf diejenigen Formen, die sich im Knochensystem zum Ausdruck bringen. Alle übrigen Glieder organischer Wesenheiten sind in ihren Formen noch schwieriger zu studieren als beispielsweise das Knochensystem des Menschen.

[ 2 ] Now let us have a look at the whole question of related artistic forms. We get closest to this if we do what human beings unfortunately do far too seldom, and think of the tremendous artistic creative activity we find exemplified if we are able to look at the spiritual aspect of nature and recognise natural creation as a product of the spirit. I would like to draw your attention to the forms of the bony system because it is easiest to see there. Man's bony system, especially, is less difficult to study than the forms of any other living organisms.

[ 3 ] Nun wissen Sie, daß es mein Bestreben war seit Jahrzehnten schon, ein wenig Verständnis hervorzurufen in der Welt für das Bedeutsame, das getan worden ist durch die großen anatomisch-physiologischen Entdeckungen, die Goethe gemacht hat, ich möchte sagen, als ein zweites großes Werk auf diesem Gebiete. Das erste will ich heute nicht berühren, ich will nur auf das zweite hinweisen. Diese zweite bedeutsame Entdeckung verdankt ihre Entstehung dem, was man in der äußeren materialistischen Welt die Verbindung eines Zufalls mit einer genialen Menschennatur nennen könnte. Goethe erzählt selber, daß er einmal beim Spazierengehen auf dem Judenkirchhofe in Venedig einen Schöpsen- oder Schafschädel fand, dessen einzelne Knochenteile auseinandergefallen waren nach ihren Nähten. Und als er diesen Schädel aufhob und ihn so betrachtete der Form der Knochen nach, da ging ihm ein Gedanke auf, der Gedanke: Ja, wenn ich mir so diese Kopfknochen anschaue, was sind sie denn eigentlich ? Sie sind umgebildete Rückenwirbelknochen.

[ 3 ] You will know that I have been trying for decades to arouse some understanding in the world for the significant discoveries Goethe made in the field of anatomy and physiology, which I should like to call his second major achievement in this realm. I will not touch on the first one today but only refer to the second. This second significant discovery owes its origin to what one might, in the external materialistic world, call the combination of chance and human genius. Goethe himself relates that one day when he was going for a walk in the Jewish cemetery in Venice he found a sheep's skull that had fallen apart at the seams. Picking it up and looking at the form of the bones the thought occurred to him, ‘When I look at these head bones, what actually are they? They are transformed dorsal vertebrae.'

[ 4 ] Sie wissen ja, die Knochensäule, innerhalb welcher das Rückenmark des Menschen eingeschlossen ist als ein Nervenstrang, ist aus übereinandergelegten Ringen zusammengesetzt, aus bestimmt geformten Ringen, die Fortsätze haben. Und wenn man sich nun denkt, daß solch ein Ring sich ausdehnt, zunächst so ausdehnt, daß jenes Loch, durch welches das Rückenmark durchgeht — denn es sind übereinandergelegte Ringe —, zunächst größer wird und der Knochen entsprechend dünner wird und sich ausdehnt wie etwas Elastisches, nicht nur in horizontaler Richtung sich ausdehnt, sondern auch nach andern Richtungen, so entsteht aus diesen Ringknochen eine Form, welche nichts anderes ist als die Knochenform, die unsere Schädeldecke bildet. Unsere Schädelknochen sind also umgewandelte Rückenwirbelknochen.

[ 4 ] You know, of course, that the spinal cord that encloses the spine marrow as a nerve cord is composed of rings which fit into one another, rings with a definite shape and processes (procesus vertebralis). And if you imagine one of these rings expanding so that the hole the marrow passes through—for the rings fit into one another—begins to get larger and the bone gets correspondingly thinner and expands like elastic, not only in a horizontal direction but also in other directions, then the form that arises out of this ring form is nothing else but the bone formation which forms our skullcap. Our skullcaps are transformed dorsal vertebrae.

[ 5 ] Wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, können wir diese Goethesche Entdeckung noch weiter ausbilden, und heute kann sie in viel weiter ausgebildeter Form gesagt werden, in der Weise gesagt werden, daß alle Knochen, die der Mensch überhaupt an sich trägt, Umbildungen, Metamorphosen einer einzigen Form sind. Man bemerkt dies nur aus dem Grunde nicht, weil man sehr primitive Anschauungen hat über das, was durch die Umbildung, durch die Umgestaltung entstehen kann. Wenn Sie, ich will sagen, einen Oberarmknochen ins Auge fassen, solch einen röhrenförmigen Oberarmknochen - Sie wissen ja, wie solch ein Knochen ausschaut -, so würde er Ihnen allerdings nicht ohne weiteres ähnlich erscheinen einem Knochen, den wir am Kopfe tragen. Das rührt aber nur davon her, weil man nicht weit genug ist im Durchdenken der Umformungsgedanken.

[ 5 ] On the basis of spiritual science we can develop this discovery of Goethe's even further and can say today that every bone man has is a transformation, a metamorphosis of a single form. The only reason we do not notice this is because we have very primitive views of what can arise through transformation. If you think of a bone of the upper arm—you know of course what it looks like—a tubular bone like that would not immediately strike you as being similar to a bone in our head. But that is only due to our not having developed the concept of transformation far enough.

[ 6 ] Zunächst denkt man, solch ein Röhrenknochen muß aufgeplustert werden, und wenn er aufgeplustert ist und er drinnen eine Höhle hat, so müßte sich die Form des Kopfknochens ergeben. So ist es aber nicht mit den Knochen, sondern einen Röhrenknochen müßte man erst umkehren, so daß man seine Ähnlichkeit mit dem Schädelknochen dann ersehen könnte, nachdem man ihn umgestülpt hätte wie einen Handschuh, den man umkehrt mit dem Inneren nach außen. Aber nicht wahr, nun ist der Mensch gewohnt, wenn man einen Handschuh umstülpt, daß das, was herauskommt, ähnlich ausschaut dem Früheren, aber der Handschuh ist nun etwas Totes und bei einem Lebendigen ist das nicht so der Fall. Zum Beispiel wenn der Handschuh etwas Lebendiges wäre, so würde durch das Umstülpen folgendes geschehen. Es würden zum Beispiel gewisse Veränderungen entstehen, es würden der Daumen und der kleine Finger sehr lang werden, der Mittelfinger sehr kurz und so weiter, die Handfläche würde sich zusammenziehen und so weiter. Dann würden durch das Umstülpen und durch die verschiedene Elastizität des Stoffes ganz verschiedene Änderungen eintreten, kurz, der Handschuh würde durch das Umstülpen eine ganz andere Form haben, obgleich es immer noch der Handschuh ist. So müssen Sie sich zum Beispiel einen röhrenförmigen Oberarmknochen umgestülpt denken und es würde dann ein Kopfknochen daraus entstehen.

[ 6 ] The first idea you will have is that the tubular bone has to be puffed up until it is hollow inside, then you ought to arrive at the form of the head bone. But that is not the principle underlying the shapes of the bones. A tubular bone would first have to be turned round, and you would not see the similarity it has to the skullcap until you had turned it inside out like a glove. But when a person turns a glove inside out he expects it to look the same as it did before, doesn't he? This is because the glove is something dead. It is quite different with something living. If the glove were alive, the following would happen when it was turned inside out: changes would occur like the thumb and the little finger getting very long, the middle finger very short, and the palm contracting, and so on. The turning inside out and the varying elasticity of the material would bring all sorts of changes about, in fact, the glove would acquire a totally different form, although it would still be the glove. This is how you must imagine a tubular upper arm bone being turned inside out, and then a skullcap would emerge.

[ 7 ] So müssen Sie sich denken, die weisen, göttlichen Mächte im Kosmos haben eine größere Weisheit besessen, als sie jene zur Schädelbildung nötigen umformenden Kräfte ins Werk setzten, als der stolze Mensch sie heute hat. Darauf gerade beruht die innere Einheit alles Natürlichen, daß im Grunde genommen alle, auch die einander unähnlichsten Gebilde, Umwandlungen sind von einer Urgrundform. Es gibt nichts, das Lebensmöglichkeit haben sollte, was nicht auf diese Weise entstehen würde, daß es Umwandlungsform einer Grundform wäre. Bei diesem Umwandeln entsteht dann auch noch etwas anderes. Gewisse Teile der Grundform werden auf Kosten anderer größer, andere werden kleiner, es vergrößern sich einzelne Glieder, und nicht in demselben Maße vergrößern sich wieder andere Glieder. Dadurch entstehen Unähnlichkeiten, die aber doch nur Umformungen einer Grundform sind.

[ 7 ] You will realise that the wise powers of the Godhead in the cosmos possessed a greater wisdom than arrogant man has today, to be able to set the forces of transformation in motion that are needed to form a skull.The inner unity in nature comes from the very fact that, fundamentally, even the most dissimilar forms are transformations of one archetypal form. There is nothing in the realm of life that could not arise as a metamorphosis of a primary form. In the course of this metamorphosis something else happens as well. Certain parts of the primary form become larger at the expense of others, and other parts become smaller; also various limbs expand, but not all to the same extent. This produces dissimilarities, although they are all transformations of the same primary form.

[ 8 ] Nun nehmen Sie einmal die Grundform, die sich Ihnen ergeben kann, wenn Sie unseren ganzen Bau ins Auge fassen. Ich kann das, was ich Ihnen zu sagen habe, nur skizzenhaft zusammenfassen und nur einen der Gesichtspunkte andeuten, die in Betracht kommen.

[ 8 ] Now look at the primary form of our whole Goetheanum building. I can only give you a very sketchy account of what I want to tell you, and only mention one point of view.

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Figure 1

[ 9 ] Wenn Sie unseren Bau in Betracht ziehen, so finden Sie, daß er ein Doppelkuppelbau ist, so daß die Kuppeln auf einem zylindrischen Unterbau aufsitzen. Er ist ein Doppelkuppelbau. Das ist das Wesentliche, denn daß eine Doppelkuppel vorhanden ist, das drückt das Lebendige an der Sache aus. Wäre nur eine einzige Kuppel vorhanden, so wäre das Wesen unseres Baues tot. Das Lebendige unseres Baues kommt dadurch zum Ausdruck, daß gewissermaßen die eine Kuppel in der andern ihr Bewußtseinsspiegelbild hat, daß sich die beiden Kuppeln ineinander spiegeln, wie sich dasjenige, was von den Menschen in der Außenwelt vorhanden ist, durch die Organe des Menschen spiegelt. Der Grundgedanke der Doppelkugel muß festgehalten werden bei allem, was in innigem, organischem Zusammenhang steht mit unserem Bau, denn was nicht in irgendeiner, wenn auch noch so versteckten Form die Doppelkuppelform trüge, würde nicht das Wesentliche unseres Baugedankens zum Ausdruck bringen. Daher muß auch bei diesem Nebenbau der Doppelkuppelgedanke vorhanden sein.

[ 9 ] If you look at the Goetheanum you will see that it has double domes and that the domes rest on a cylindrical sub-structure. The fact that it is a building with double domes is vital, for these double domes are an expression of the living element. If there had only been one dome then in essence our building would have been dead. The living quality of our building is expressed in the fact that the consciousness of the one dome is reflected in the other, as it were, that the two domes mirror one another, just as the part of man that is in the external world is reflected in man's organs. The basic concept of the double dome must be borne in mind in relation to anything organically connected with the Goetheanum, for if it were not to contain the double dome form, however hard it was to recognise, it would not express the essential nature of the concept of the building. Therefore the annexe must also contain the concept of the double dome.

[ 10 ] Aber nun nehmen Sie die Doppelkuppel mit ihren Zubauten. Wir haben zunächst dasjenige, auf dessen Bedeutung schon öfter hingewiesen worden ist: die Durchdringung der beiden Kuppelmotive, die gewissermaßen ein Neues in der Baukunst darstellen und, wie Sie wissen, durch die Ingenieur-Mithilfe von Herrn Englert zustandegekommen ist. Dieses Durchdringen der beiden Kuppeln, das ist beim Hauptbau von besonderer Bedeutung aus dem Grunde, weil es ausdrückt das innig Zusammengehörige desjenigen, was sich gegenseitig zu spiegeln hat. Ich drücke diesen Spiegelungsgedanken zunächst abstrakt aus. In diesem Durchdringen der beiden Kuppelmotive liegt ein unendlich Mannigfaltiges, liegt unendlich viel. Nur dadurch, daß wir dieses Durchdringen der Doppelkuppelmotive zustande gebracht haben, wird für das weitergehende künstlerische Stadium unseres Baues das zustande kommen, was sich als Abglanz unserer geisteswissenschaftlichen Gedanken in dem Bau zum Ausdruck bringt. Also diese Durchdringung ist eben beim Hauptbau vorhanden. Und wenn wir, ich möchte sagen, die Durchdringung wieder aufheben, die Kuppelmotive auseinandernehmen, dann nähern wir uns mehr einem ahrimanischen Prinzip. Würden wir sie noch mehr nähern oder ganz ineinander drängen, würden wir sie so bauen, daß wir die eine in die andere hineinstellen, so würden wir uns in dem Bau dem luziferischen Prinzipe nähern.

[ 10 ] Now look at the double dome and its additional constructions. First of all we have the interpenetration of the two dome motifs, whose importance I have often referred to. They represent a kind of new innovation in architecture and, as you know, were done with the help of Herr Englert. The interpenetration of the two domes is of special importance in the main building because it expresses the inner connection of the two elements which mirror one another. I am giving you this concept of mirroring in an abstract way at the moment. A very great deal is contained in this interpenetration of the two dome motifs; an infinite amount of different aspects. The further stage of the building, the artistic stage, that expresses the image of the concept of spiritual science, can only come into being because we have succeeded in achieving this interpenetration of the double dome motifs. So we have this interpenetration in the main building. If we were to cancel the interpenetration and separate the dome motifs, we move towards the ahrimanic principle. If we bring them closer together or overlap them completely, by building one inside the other, we would approach the luciferic principle.

[ 11 ] Nun handelt es sich darum, daß das ahrimanische Prinzip herausgesondert wird aus diesem Bau. Es handelt sich also bei dem Nebenbau darum, die Kuppeln hier auseinanderzudrängen; denn auch hier bei diesem Nebenbau ist der Kuppelgedanke dennoch das, worauf es ankommt. Und nun denken Sie sich die Kuppeln auseinandergehalten, denken Sie sich auf der einen Seite dieses Seitenmotiv (Südportal am Hauptbau) ganz verkümmert, so daß die punktierte Linie fortfällt, und auf der andern Seite wesentlich vergrößert (zum Schornstein). Denken Sie sich den Hauptbau so, daß Sie hier (im Süden) die auseinandergeschobenen Kuppeln haben, hier einen Vorbau, hier die ganze Sache hereingeschoben (siehe Zeichnung a), hier dagegen die ganze Sache statt hereingeschoben herausgeholt (b), hier (a) also vollständig verkümmert, statt weiter ausgebildet. Auf der andern Seite denken Sie sich ihn (den Vorbau am Nordpotrtal) besonders ausgebildet, dann haben Sie das Umwandlungsmotiv für unseren Hauptbau in einem ihm zugeordneten Nebenbau in den Grundformen. Denn wenn Sie sich denken würden das Immer-kleiner-und-kleiner-Werden von diesem hier (dem Schornstein) und das Wiederherausgehen von diesem, und das Ganze zusammengeschoben, dann bekämen Sie dutch Metamorphose aus dem Nebenbau den Hauptbau.

[ 11 ] So the ahrimanic principle has to be taken out of the building. In the annexe the domes have to be pushed apart, for in the case of the annexe, too, the dome concept is vital. And now imagine the domes kept apart. Imagine that on one side, this side motif (south portal of the main building) has shrunk to nothing, so the dotted line has gone, and on the other side it has grown considerably larger (and become the chimney). With the main building in mind, imagine that here (south) you have the separated domes, here is a front structure, and here the whole thing has been pushed in (see a). There the whole thing has been pulled out instead of being pushed in (b) but here (a) it has shrunk to nothing instead of growing. Imagine that on the other side (the front structure of the north portal) it developed considerably, and you have the transformation motif for an annexe of our main building which has developed out of the primary forms. For if you imagine this getting smaller and smaller (the chimney), that coming out again and the whole thing pushed together, then the annexe would be transformed into the main building.

[ 12 ] Dieses wurde am Modell des Kesselhauses erörtert.

[ 12 ] (Dr. Steiner was using a model of the boiler house as he spoke.)

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Figure 2

[ 13 ] Es handelt sich also darum, daß wir hier eine Anpassung haben an dasjenige, was darin vorgehen soll, die durch Metamorphose aus unserem Hauptbau entstanden ist. Wie ein Rückenwirbelknochen aus derselben Grundform hervorgegangen sein kann wie der Knochen des menschlichen Schädels, so daß man den einen aus dem andern hervorgehend denken kann, so ist es auch mit dem Hauptbau und dem Nebenbau, die man durch Umwandlung auseinander hervorgehend sich denken kann. Der Formgedanke, wenn er sich umwandelt, wenn er lebendig wird, ist so, daß er aus der einen Form in die andere Form übergehen kann.

[ 13 ] The point is that this metamorphosis of our main building shall be suitable for its purpose. Just as a vertebra arises out of the same primary form as the human skull, and you can think of one changing into the other, you can also think of the main building and the annexe changing from one to the other. The concept of the form can pass from one form to the other, if it metamorphoses and becomes alive.

[ 14 ] Wir müssen wirklich Lehrlinge der schöpferischen Hierarchien werden, die geschaffen haben durch Metamorphose, und wir müssen lernen, in derselben Weise nachzubilden das schöpferische Prinzip der Hierarchien.

[ 14 ] We really have to become apprentices of the creative hierarchies who created by means of metamorphosis, and learn to do the same thing ourselves.

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Figure 3

[ 15 ] Nun aber denken Sie sich, daß eine Kraft vorhanden sein muß, welche dasjenige, was hier an der Seite (Nordportal am Hauptbau) erscheint als ein wenig bedeutendes Seitenstück, vergrößert (Schornstein). Wenn Sie einen kleinen elastischen Sack haben und Sie wollen, daß der größer wird, so müssen Sie ihn eben drücken von innen nach den verschiedenen Seiten, damit er größer sein kann; es muß eine Kraft da sein, die das Kleine groß macht, die es ausbildet. Wenn also hier wirklich ein solcher Seitenflügel aufgeplustert werden sollte, so mußte er durch die Kraft, die ihn von innen durchdringt, hier (siehe Zeichnung links) aufgeplustert werden.

[ 15 ] Now imagine the kind of force necessary to enlarge this insignificant-looking part on this side (north portal of the main building which becomes the chimney). If you have a small rubber bag that you want to enlarge, you have to press it this way and that way from inside so that it gets bigger. A force has to be there that can enlarge things and develop them. So if one of these side wings really has to be puffed up, it would have to be done by a force working from inside, from here (see left diagram).

[ 16 ] Was können das aber für Kräfte sein, die dadrinnen sind? Diese Kräfte, die können Sie studieren in den Formen der Architrave. Denken Sie sich die Kräfte, die in den Architraven sitzen, hineinspringend in den Seitenbau und das hier aufdrängend, so bekommen Sie diese Form heraus (des Schornsteins und der Hinterwand). Man muß also versuchen, einmal mit seinen formkünstlerischen Gedanken hineinzuschlüpfen in diese Formen der Architrave, sie zusammenfassen, sie ausweiten, und muß sich denken, daß man dadurch, daß man da hineinschlüpft, ausweitet das, was dadrinnen klein ist. Dann entsteht diese Form (Schornstein und Hinterwand). Man kann sich nicht anders in einheitlichem Schaffen ergehen als dadurch, daß man versucht, in der Sache darinnenzustecken.

[ 16 ] What kind of forces can they be, in there? You can study these forces in the forms of the architraves. If you imagine the forces in the architraves jumping into the side structure and pushing this up, you get this form (chimney and back wall). You have to try and slip inside these forms of the architraves with your formative artistic thinking and contract and expand them. Imagine, that because you have slipped inside, you enlarge what is small in there. Then this form arises (chimney and back wall). There is no other way of going about creating things that belong together, than by trying to get inside them.

[ 17 ] Auch in diesem Hineinkriechen in die Sachen und in dem Darinnenstecken liegt wieder ein Nachbilden der schöpferischen Kräfte der Natur selber, und nur damit ist die Gottverlassenheit der modernen industriellen Kultur ganz allein zu überwinden. Einen Schornstein, wie er sonst vorhanden ist, den können Sie sich unmöglich als ein Produkt des natürlichen Schaffens denken. Er entsteht, indem verleugnet werden die göttlich-geistigen Kräfte der Natur. Es gibt kaum etwas, was man vergleichen könnte in der Natur draußen mit einem solchen Schornstein, als höchstens das so ziemlich scheußlichste Pflanzengewächs, den Spargel. Aber das ist gewissermaßen eine Ausnahme. Dasjenige, was wirklich im Sinne der in der Erde vorhandenen Kräfte wächst, kann sich niemals schornsteinmäßig nach oben erstrecken, sondern wenn Sie die nach oben wirkenden Kräfte studieren wollen, können Sie am besten das, was den verborgenen Kräften in der Erde entspricht, am Baum studieren, der auch nicht nur senkrecht den Stamm in die Höhe treibt, sondern sich in den Ästen nach außen erstrecken muß. Es kann sich natürlich nicht darum handeln, das unmittelbar am Modell nachzuahmen, sondern man muß sich vertiefen in diejenigen Kräfte, die von der Erde ausstrahlen und die bloß vertikale Richtung des Baumstammes überwinden, die in die Breite streben und in die Äste treiben. Da haben Sie auch gerechtfertigt das in dem Raum, in dem Kosmos draußen Auseinanderstreben, ich möchte sagen, astförmige Auseinanderstreben (beim Schornstein).

[ 17 ] This slipping into things and being inside them is another way of imitating the creative forces in nature, and unless modern industrial civilisation does this, it will not overcome its godforsakenness. It would be impossible to imagine the ordinary kind of chimney as a product of natural creation. It only exists because there is a denial of divine-spiritual forces in nature. There is hardly anything outside in nature that you could compare with an ordinary chimney except possibly the rather hideous-looking asparagus plant. But that is a kind of exception. Whatever grows with the forces of earth can never go straight upwards like a chimney. If you want to study the forces that work in an upward direction, a tree is the best example in which to find what corresponds to the hidden forces in the earth, for a tree does not only develop a trunk in the vertical, but also has to reach out with its branches. The point obviously is not to imitate this directly in the model, but to study those forces which radiate out from the earth and overcome the purely vertical direction of the tree trunk by reaching out breadthways and putting forth branches. This part here does justice to the centrifugal forces in space, in the cosmos, to what I would like to call the branchlike centrifugal forces (on the chimney).

[ 18 ] So könnte ich Ihnen - ich habe nur die gröbsten Prinzipien anzeigen können - bis ins kleinste Detail hinein, in jeder einzelnen Fläche, an dieser architektonischen Form die Prinzipien rechtfertigen, das würde aber zu lange dauern.

[ 18 ] Although I have only been able to show you the roughest principles, I could justify the principles behind this architectural form in minute detail in the case of every single plane, but it would take too long.

[ 19 ] Nun handelt es sich darum, daß eine solche Form dann vollständig ist, wenn sie ihren Sinn erfüllt. Wenn Sie jetzt diese Form anschauen, so ist sie noch nicht vollständig. Sie wird erst vollständig sein, wenn einmal darinnen wirklich geheizt werden und da auch der Rauch herausgehen wird; der gehört dazu, der gehört richtig dazu, der ist in der architektonischen Form mit darinnen gedacht. Wenn man hellseherisch ins Auge fassen wird einmal das Aufsteigen des Rauches hier und das Hinausgehen des Rauches durch den Schornstein, so wird man — da man wissen wird, wenn man es wirklich hellseherisch wird ins Auge fassen können, daß in dem Physischen auch ein Geistiges enthalten ist — das Geistige des aufsteigenden Rauches mit in Betracht ziehen. Denn so wie Sie einen physischen, einen ätherischen und einen astralischen Leib haben, so hat auch der Rauch einen ätherischen Teil wenigstens. Dieser ätherische Teil aber nimmt andere Wege als der physische Teil: der physische Teil wird nach aufwärts geben, der Ätherteil aber wird wirklich ergriffen von diesen Zweigen, die nach außen gehen. Man wird einstmals sehen das Aufsteigen des physischen Teiles des Rauches und das Hinwegweichen der Ätherteile des Rauches. Dadurch aber wird allmählich, wenn das in der Form zum Ausdruck kommt, einem Prinzip aller Kunst entsprochen, nämlich dem: das Innere im Äußeren darzustellen, das Innere wirklich zum Prinzip des Äußeren zu machen.

[ 19 ] Now a form such as this is only complete when it is fulfilling its purpose. If you look at the form now it is not complete. It will only be complete when the heating is actually functioning inside and smoke is coming out; smoke belongs to it, it really belongs, and this has been included in the architectural form. One day when the rising of the smoke is observed clairvoyantly, and the smoke coming out of the chimney, the spiritual part of the rising smoke will also be taken into consideration—for we shall know, when we have really observed it clairvoyantly, that the physical also contains a spiritual element. For just as you have a physical, an etheric and an astral body, the smoke also has at least an etheric part. And this etheric part goes a different way from the physical: the physical part will go upwards, but the etheric part is really caught by these twigs that reach outwards. A time will come when people will see the physical part of the smoke rising while the etheric part wafts away. When this kind of thing is expressed in the form, a principle of all art is gradually being complied with, namely, the presenting of the inner essence in outer form, really making the inner essence the principle according to which the outer form is created.

[ 20 ] Wie gesagt, ich müßte sehr viel zu Ihnen sprechen, wenn ich nun auf die vielleicht sogar viel interessanteren Einzelheiten eingehen wollte, die dieser architektonischen Form zugrunde liegen. Und zum Interessanten gehört es, daß es eben möglich war, das, was so zum Ausdruck kommen sollte, wirklich in diesem modernen Materiale, als Betonbau auszuführen. Denn das wird die Möglichkeit bieten, in der Gestaltung dieses modernen Materials immer weiter- und weiterzugehen und gerade Bauten, welche der modernen ahrimanischen Kultur dienen, in diesem Stile allmählich zu gestalten. Es ist das aber gerade notwendig. Und mehr habe ich nicht nötig, auf Einzelheiten einzugehen, weil es mir mehr darauf ankommt, das Prinzip dieses Baues und dessen, was damit zusammenhängt, Ihnen zu zeigen. Dieses Prinzip kann in vieler Hinsicht abgeändert werden. Es kann zum Beispiel die Kuppel umgeändert werden, so daß sie gar nicht mehr einer Kuppel ähnlich sieht, wenn man sie bloß geometrisch-mathematisch betrachtet, wenn man sie nicht organisch betrachtet und so weiter. Ich wollte aber heute dieses Prinzip besprechen: das Prinzip des innerlichen Umschaffens und Umwandelns, das Prinzip des Lebens in der Umwandlung und im Schaffen. Das wollte ich anführen, um Ihnen zu zeigen, inwiefern das wahre künstlerische Schaffen, insoweit es mit unserem geisteswissenschaftlichen Gedanken zusammenhängt, hinwegführen muß von allem symbolischen Deuten, denn das symbolische Deuten ist etwas Äußerliches. Es handelt sich aber darum, das, was hier geboten wird, innerlich zu ergreifen und mit der ganzen Seele mitzugehen.

[ 20 ] As I said, I would have to do a lot of talking if I were to go into all the details on which these architectural forms are based, although these might be far more interesting than those we have already discussed. One of these interesting things is that it was possible to express everything that had to be expressed in this modern material, and build with concrete. For it will be possible to go a long way with form-making in this modern material, especially in the designing of buildings in this style that will serve modern ahrimanic civilisation. In fact it is essential to do so. There is no need for me to go into any further details, because I am more concerned with showing you the principle of this building and everything to do with it. This principle can he modified in many respects. For instance the dome can be modified so that it does not look like a dome any more, if it is looked at merely from the geometrical-mathematical point of view and not organically, and so on. But today I wanted to discuss the particular principle of inner metamorphosis and transformation, the life principle within these. I wanted to cite this to show you in what way real artistic creativity, when it has to do with our spiritual-scientific conception, has to differ from any kind of symbolic interpretation, for that is external. It is a matter of getting an inner grasp of what you are being shown here and following the process with your whole soul.

[ 21 ] Nicht möchte man, wenn unser Bau einmal fertig sein wird, die Frage immer wieder hören: Was bedeutet dieses, was bedeutet jenes? — um dann vernehmen zu müssen, wie man gewissermaßen sich froh fühlt, wenn man bei diesen Dingen die Bedeutung von diesem oder jenem gefunden zu haben glaubt. In bezug auf solche Deutungen sind wir auf manchen Seitenwegen der Theosophie gerade bei allerlei dichterischen und literarischen Produkten ins Kuriose gekommen. So zum Beispiel sind Dramen gedeutet worden in der Weise, daß man bei einer Person sagte, die bedeutet Manas, bei einer andern Person, die bedeutet Buddhi, bei einer dritten, die bedeutet Atma und so weiter. So kann man allerdings, wenn man will, alles deuten. Aber um solche Deutungen handelt es sich nicht, sondern um ein In-denSachen-Leben, um ein Mitgehen mit dem Schöpferischen, das als Ausfluß der höheren Hierarchien unsere ganze Welt durchdringt und gestaltet. Weil dieses letztere schwieriger ist als das symbolische oder allegorische Deuten, deshalb braucht man es gerade doch nicht als das Schwierigere zu vermeiden, denn es führt in die geistige Welt hinein und ist der allerstärkste Antrieb, um wirklich zur Imagination, zur Inspiration und zur Intuition zu kommen.

[ 21 ] When the building is eventually finished we do not continually want to be asked, ‘What does this mean and that mean?', and have to witness people happily believing that they have discovered the meaning of some of these things. Regarding some of these interpretations, we have come into a strange position along some of the by-paths of theosophy, with respect to quite a number of poetic and literary works. For instance, people have explained plays by saying that one person means manas, another person buddhi and a third person atma, and so on. If you want to, you can of course explain everything like this. But we are not concerned with this kind of interpretation, but with entering into things and joining in the process of creativity that came from the higher hierarchies and fills and forms the whole of our world. There is no need to avoid doing this just because it is more difficult than symbolic or allegorical interpretation. For it leads into the spiritual world and is the very strongest incentive for really acquiring imagination, inspiration and intuition.

[ 22 ] Das ist es, was zu den Umwandlungsimpulsen der Gegenwart gehört, daß notwendig wird ein immer weiter- und weitergehendes Verständnis für das Aufrücken der Menschenseele in diejenigen Regionen, die sich erschließen der imaginativen, inspirierten und intuitiven Betrachtung. Denn in den Sphären, die sich dieser Betrachtung erschließen, liegt dasjenige, was unsere Welt erst zu einem Ganzen macht, was uns hinaushebt über die bloße Maja und uns in die wahrhafte Realität hineinführt.

[ 22 ] A vital part of the present-day impulses for change is that we acquire more and more understanding for the way the human soul rises into the realms that open up to imaginative, inspirational and intuitive observation. For these realms contain the elements that will make our world whole again, and which will lift us up out of mere maya and lead us to true reality.

[ 23 ] Es muß immer wieder und wieder betont werden, daß dasjenige, dem wir entgegengehen als einer neuen Geisteserkenntnis, nicht bestehen kann in einem Aufwärmen der Ergebnisse früheren Hellsehens. Gewiß, es trachten viele Menschen nach einem Aufwärmen des früheren Hellsehens, aber die Zeit des früheren Hellsehens ist vorbei, und es sind nur atavistische Nachklänge des alten Hellschens, die bei einzelnen Menschen auftreten können. Aber die Stufen des menschlichen Daseins, die wir erklimmen müssen, eröffnen sich nicht bei einem Aufwärmen des alten Hellsehens. Wir wollen versuchen, dasjenige, was diesem neuen Hellsehen zugrunde liegen muß, nochmals zu betrachten. Wir haben oftmals auf das Prinzipielle der Sache hingewiesen, wir wollen aber versuchen, heute noch von einer andern Seite auf die Sache hinzuweisen.

[ 23 ] It has to be stressed again and again that the new spiritual knowledge we are moving towards, cannot consist of repeating the results of earlier clairvoyance. There are certainly a lot of people striving to repeat earlier clairvoyance, but the time for this clairvoyance is over, and it is only atavistic echoes of ancient clairvoyance that can possibly occur in these few individuals. But the levels of human existence to which we must ascend will not open up to a repetition of ancient clairvoyance. Let us have another look at the essential basis of this new clairvoyance. We have often referred to the principle of the thing, and now we want to try and approach it from another angle.

[ 24 ] Gehen wir nochmals von dem aus, was wir alle kennen, von dem, daß der Mensch während des Tagwachens mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe lebt in seinem ätherischen und in seinem physischen Leibe. Aber ich habe schon in den letzten Tagen betont, daß dieses Wachen des Menschen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, doch kein vollständiges Wachen ist, daß vielmehr immer noch etwas schläft im Menschen. Und das, was wir als Wille empfinden, das ist wirklich nur teilweise wach. Unsere Gedanken sind wach vom Aufwachen bis zum Einschlafen, aber das Wollen ist etwas, was wir ganz traumhaft vollbringen. Deshalb ist so vieles Nachdenken über die Freiheit des Willens und über die Freiheit überhaupt vergeblich gewesen, weil die Menschen nicht beachtet haben, daß dasjenige, was sie wissen über den Willen beim wachen Tagesleben, eigentlich nur ein Träumen von den Willensimpulsen ist. Wenn Sie wollen und etwas darüber sich vorstellen, dann wachen Sie allerdings. Aber wie das Wollen zustande kommt und in die Handlung übergeht, darüber träumt der Mensch nur im wachen Tagesleben.

[ 24 ] Again we will start with something we all know, namely, that during waking day man lives with his ego and his astral body within his etheric and his physical body. But I have already emphasised during the past few days that, awake as he is between waking up and going to sleep, man is not fully awake, for something in him is still asleep. What we feel as our will is really only partly awake. Our thoughts are awake from when we wake up until we go to sleep, but willing is something we carry out completely in a dream. This is why all the pondering about freedom of will and about freedom altogether has been in vain, because people have failed to notice that what they know about the will during the daytime is actually only the dreaming of their will impulses. If you have an impulse of will and make a mental image of it you are certainly awake. But in waking life man only dreams with regard to how the will arises and goes over into action.

[ 25 ] Wenn Sie ein Stückchen Kreide aufheben und das Aufheben der Kreide sich vorstellen, so können Sie das allerdings sich vorstellen. Wie aber das Ich und der astralische Leib in die Hand fließen, wie der Wille sich da ausbreitet, von dem wissen Sie beim bloßen Tagesbewußtsein ohne Hellsehen nicht mehr, als Sie von einem Traum wissen, wenn Sie träumen. Von dem eigentlichen Willen kann man bei gewöhnlichem wachem Tagesleben nur träumen, und bei den meisten Dingen träumen wir nicht einmal, sondern schlafen wir bloß. Denn wie Sie einen Bissen auf die Gabel nehmen, das können Sie sich deutlich vorstellen, wie Sie den Bissen zerbeißen, können Sie sich auch noch bis zu einem gewissen Grade vorstellen, daß Sie den Bissen aber schlucken, das träumen Sie nicht einmal. Darüber sind Sie meistens ganz unbewußt, wie Sie sich unbewußt sind Ihrer Gedanken, wenn Sie schlafen. So ist ein großer Teil gerade der Willenstätigkeit beim Wachen im Wachschlafen vollbracht.

[ 25 ] If you pick up a piece of chalk and make a mental image of picking it up, that is of course something you can have a mental image of. But with only your day consciousness and without clairvoyance you know no more about how the ego and astral body stream into your hand and how the will spreads out, than you know about a dream whilst you are dreaming. We can only dream about the actual will with ordinary waking consciousness, and where most things are concerned we do not even dream, we just sleep. You can clearly visualise putting a mouthful of food on your fork, and to a certain extent you can visualise chewing it, but you do not even dream about swallowing it. You are usually quite unconscious of it, as you are unconscious of your thoughts while you are asleep. So during waking life a major part of our will activity is carried out in waking day sleep.

[ 26 ] Würden wir nicht schlafen gerade in bezug auf unser Begehrungsvermögen und auf die mit unserem Begehrungsvermögen verbundenen Gefühlsimpulse, dann würden wir zunächst eine sonderbare Tätigkeit entwickeln. Wir würden die Handlungen, die wir ausführen, bis in unseren Körper hinein verfolgen, wir würden mit alledem, was wir als Willensimpulse ausführen, folgen dem Inneren, unserem Blute, in alle Blutbahnen hinein. Das heißt, wenn Sie das Aufheben eines Kreidestückchens in bezug auf den Willensimpuls verfolgen könnten, so würden Sie in alle Blutbahnen hinein verfolgen dasjenige, was in Ihrer Hand vorgeht; Sie würden von innen heraus ansehen die Tätigkeit des Blutes und die Gefühle, die damit verbunden sind; zum Beispiel die Schwere des Kreidestückes und dergleichen würden Sie innerlich ansehen und dadurch gewahr werden, daß Sie Ihre Nervenbahnen und das darinnen befindliche ätherische Fluidum verfolgen. Sie würden sich innerlich erleben längs der Tätigkeit des Blutes und der Nerven. Das würde sein ein innerliches Genießen der eigenen Blut- und Nerventätigkeit. Diesem innerlichen Genießen der eigenen Blut- und Nerventätigkeit müssen wir aber für unser irdisches Leben enthoben sein, sonst würden wir durch unser irdisches Leben so hindurchgehen, daß wir bei allem, was wir tun, unseren innerlichen Selbstgenuß haben wollen. Unser Genuß an uns selbst würde sich dadurch unendlich erhöhen. Aber diesen Genuß durfte der Mensch nichthaben, so wieernuneinmalgewordenist. Und das Geheimnis, warum er diesen Genuß nicht haben durfte, liegt wieder in einer Stelle der Bibel ausgesprochen, gegenüber der wir immer größere Ehrfurcht empfinden sollten.

[ 26 ] If we did not sleep with regard to our desires and the feeling impulses bound up with them, something strange would begin to happen. We would follow the course of our actions right into our body; everything we do out of will impulse would be followed up inside us in our blood and throughout the whole circulation. That is, if you could follow the picking up of a piece of chalk from the point of view of the will impulse, you would follow what is going on in your hand right into the blood circulation; you would see the activity of the blood and the feelings that are bound up with this from inside. For instance, you would have an inner perception of the weight of the piece of chalk and become aware that you are seeing the nerve channels and the etheric fluid inside them. You would feel yourself moving through the activity of the blood and the nerves, which would amount to an inner enjoyment of your own blood and nerve activity. But we have to be free of this inner enjoyment of our own blood and nerve activity during earthly life, otherwise we would go through life wanting this inner enjoyment to accompany everything we do. Our enjoyment of self would increase enormously. But as man is now constituted he should not have this enjoyment. And the secret of why he should not have it can again be found in a passage of the Bible, for which we ought to feel greater and greater reverence.

[ 27 ] Nach dem, was sich ereignet hat und was ausgedrückt ist in der Paradiesesmythe, wurde dem Menschen gelassen das Essen vom Baume der Erkenntnis, nicht aber vom Baume des Lebens. Und das innerliche Genießen würde sein das Genießen vom Baume des Lebens. Das sollte nicht für den Menschen eintreten. Ich kann dieses Motiv heute nicht weiter ausführen, denn das würde zu weit führen, aber Sie werden durch eigenes Meditieren über das, was hier angeschlagen worden ist als Motiv, noch weiteres herausfinden können. Nun können Sie aber etwas anderes, was uns in diesen Tagen besonders wichtig sein kann, von da ausgehend ins Auge fassen: Das können wir nicht, vom Baume des Lebens essen, das heißt, unsere Bluttätigkeit im Inneren genießen und unsere Nerventätigkeit im Inneren genießen, das können wir nicht. Nun aber kommt, gerade wenn wir durch unsere Sinne und unseren Verstand die Außenwelt erkennen, etwas zustande, was wohl mit einem solchen innerlichen Genießen zusammenhängt. Bei der Wahrnehmung irgendeines Dinges der Außenwelt und bei dem Nachdenken über irgendein Ding der Außenwelt verfolgen wir gegen die Sinne zu - also gegen die Augen, die Ohren, die Nase, die Geschmacksnerven zu - die Blutbahnen, und wenn wir denken, verfolgen wir die Nervenbahnen. Aber wir nehmen nicht dasjenige wahr, was wir dadrinnen in den Nervenbahnen und dem Blute wahrnehmen würden, sondern das, was wir im Blute wahrnehmen würden, wird durch die Sinne reflektiert, wird zurückgeworfen, gespiegelt, und dadurch entstehen die Sinnesempfindungen. Und das, was durch die Nervenbahnen geleitet wird, wird ebenfalls reflektiert und zurückgeleitet da, wo die Nervenbahnen ihr Ende erreichen, und wird dann gespiegelt als unsere Gedanken.

[ 27 ] After what had occurred in paradise and is told in the paradise myth, man was permitted to eat from the tree of knowledge but not from the tree of life. Now this inner enjoyment would be the enjoying of the tree of life, and man is not permitted to do this. I cannot develop this theme further today as it would lead too far, but through meditating on it yourselves you will be able to discover more about it. Another thing that can have special significance for us in connection with these present lectures and arises out of this, is the following: not being able to eat from the tree of life means not being able to enjoy the blood and nerve activity going on within us. Yet just because we know the outer world by means of our senses and our reason, something comes about that surely has something to do with this kind of enjoyment. Whenever we perceive anything in the outer world and whenever we think about it, we follow the course of our blood circulation in the region of the senses—eyes, ears, nose and taste nerves—and, in the case of thinking, the nerve channels. But we do not have the perception of what is going on in the blood circulation and nerve channels, for what we would have perceived in the blood is reflected and mirrored by the senses, thus causing the sense impressions to arise. And what is conducted through the nerve channels is also reflected and conducted back to the nerve ends, where it is then mirrored as thought.

[ 28 ] Nehmen Sie einmal an, daß ein Mensch aufträte, welcher in die Lage käme, nicht nur unter dem Einflusse der Außenwelt sein Blut zu verfolgen und dann das, was sein Blut tut, gespiegelt zu erhalten, und nicht bloß seine Nerven zu verfolgen und das, was die Nerven tun, gespiegelt zu erhalten, sondern das, was uns versagt ist in bezug auf Blut und Sinnesnerven, innerlich zu erleben, das Blut, wie es gegen den Nerv und die Augen hintendiert, innerlich zu erleben, so würde er das — wenigstens in bezug auf die Teile des Blutes und der Nerven - innerlich genießen. Dadurch entstehen jene Gebilde, die dem atavistischen inneren Hellsehen angehören. Denn dasjenige, was sich für uns spiegelt, sind eben nur Bilder, gleichsam filtrierte Bilder desjenigen, was im Blut und in den Nerven ist. Im Blut und in den Nerven sind Weltengeheimnisse, aber solche Weltengeheimnisse, die sich dadurch schon erschöpft haben, daß wir aus ihnen geworden sind. Wir lernen nur uns selber kennen, wenn wir die Imaginationen kennenlernen, die sich uns ergeben, wenn wir uns in unserem zu den Sinnen gehenden Blutlauf erleben, und wir lernen nur diejenigen Inspirationen kennen, die dazu bestimmt sind, uns aufzubauen, wenn wir uns in die zu den Sinnen hingehenden Nerven hineinleben.

[ 28 ] Now imagine for a moment a human being who is in the following situation: he does not just follow the course of his blood as it responds to the outer world and then receive a mirror image of what his blood does, nor does he just follow the course of his nerves and receive a mirror image of what his nerves do, but he is in a position to experience within himself what is denied us with regard to our blood and our sense nerves; he experiences the blood moving towards the nerve and the eyes. If this were the case he would enjoy his own inner process, at least in the blood and the nerves in this area. This is how the inner pictures of atavistic clairvoyance arise. What we see reflected are only pictures, filtered pictures as it were of what is in the blood and the nerves. There are world secrets in the blood and nerves, but the kind of world secrets that have already given their substance to creating us. It is only ourselves we get to know when we acquire the imaginations resulting from experiencing the blood circulating to the senses, and it is only the inspirations which have the task of building up our bodily nature we get to know, when we experience ourselves in the nerves leading to our senses.

[ 29 ] Aber es kann sich eine ganze Innenwelt also aufbauen. Diese Innenwelt kann sein eine Summe von Imaginationen. Während wir aber beim Wahrnehmen der äußeren, physischen Welt in regulärer Weise für unsere Erdenentwickelung Reflexionen und Spiegelbilder unserer Blut- und Nervenereignisse wahrnehmen, können wir — uns in uns selber genießend vertiefend — nicht über die Sinne hinausgehen, sondern nur bis zu dem Punkte gehen, wo der Blutlauf in den Sinn einmündet. Dann erlebt man die imaginative Welt so, daß man gleichsam schwimmt im Blute wie der Fisch im Wasser. Aber diese imaginative Welt ist in Wahrheit keine Außenwelt, sondern eine Welt, die in unserem Blute lebt. Wenn man in den Nerven lebt, die bis zu den Sinnen hingehen, dann erlebt man eine inspirierte Welt, eine Welt von Sphärenklängen und eine Welt innerer Bilder. Das ist wieder kosmisch, aber es ist nichts Neues. Es ist nur etwas, was seine Aufgabe erschöpft hat, indem es in unser Nerven- und Blutsystem hineingeronnen ist.

[ 29 ] A whole inner world can arise in this manner, and this inner world can be a collection of imaginations. Yet although, when perceiving the outer physical world in a way that is proper for our earth evolution, we perceive reflections of our blood and nerve activities, we still cannot get beyond the senses when we indulge in inner enjoyment, but reach only to the point where the blood circulation flows into the senses. Then the experience of the imaginative world is comparable to swimming in blood like a fish in water. But this imaginative world is in reality not an outside world but a world living in our blood. If one lives in the nerves leading to the senses one experiences an inspirational world full of music of the spheres and inner pictures. This is cosmic again but it is nothing new. It has already fulfilled its task in that it has flowed into our nerve and blood systems.

[ 30 ] Dieses Hellsehen, das also entsteht und das den Menschen nicht über sich hinausführt, sondern ihn gerade tiefer in sich hineinführt, ist ein Selbstgenuß, ein wirklicher, echter Selbstgenuß. Dieses ist der Grund, warum es in gewissem Sinne eine höhere Wollust erzeugt in den Menschen, wenn sie also hellseherisch werden, wenn sie eine für sie neue Welt erleben. Und im ganzen muß man sagen, daß dieses also Hellsehend-Werden das Zurückgehen auf eine frühere Evolutionsstufe ist. Denn das, was ich Ihnen geschildert habe, das Leben in den eigenen Sinnesorganen und im Blute, war damals nicht in der Form vorhanden, wie es jetzt vorhanden ist, aber das Nervensystem war schon vorgebildet. Diese Art des Wahrnehmens war das reguläre Wahrnehmen des Menschen auf dem alten Monde, und in dem, was dazumal vorhanden war als Ansätze zu den Nerven, in dem nahm er sich innerlich wahr. Das Blut war noch nicht innerlich gebildet. Das war etwas, was noch mehr als warmer Hauch von außen an den Menschen herankam, wie an uns die Sonnenstrahlen herankommen. Daher war das, was jetzt hier auf der Erde ein Wahrnehmen des inneren Blutsystems ist, auf dem Monde ein reguläres Wahrnehmen der Außenwelt.

[ 30 ] The kind of clairvoyance arising in this way, and leading man further into himself instead of beyond himself, is self-enjoyment, veritable self-enjoyment. This is why a kind of refined voluptuousness is brought about in people who become clairvoyant in this way and experience a world which is new to them. And on the whole we must say that this kind of clairvoyance is a return to an earlier stage of evolution. For although this experiencing of a person's own sense organs and blood, as I have been describing to you, did not exist then in the form in which it does today, the nervous system was already there in a germinal state. This kind of perception was the normal one for man on ancient Moon, and what he had then in the way of the beginning of nerves served to give him an inner perception of himself. The blood had not yet taken form inside him. It was more like a warm breath coming towards him from outside, like we receive the rays of the sun. Therefore what is now, on the earth, a perception of the inner blood system was regular, normal perception of the outside world at the Moon stage.

[ 31 ] Man kann so sagen: Wenn hier (es wurde gezeichnet) die Grenze ist zwischen menschlicher Innen- und Außenwelt, so war dasjenige, was jetzt Nerv ist, auf dem Monde schon vorgebildet. Indem der Mensch den Nerv verfolgte, konnte er wahrnehmen, was sich ihmals innere imaginative Welt enthüllte, was in ihm enthalten war. Er nahm wahr, wie er selber enthalten ist im Kosmos. Dann nahm er aber auch imaginativ wahr das, was wie ein Hauch von außen an ihn herankam, nicht von innen. Das ist jetzt weggefallen; was außen war auf dem alten Monde, ist innerlich zum Blutkreislaufe geworden in der Erdenentwickelung. Daher ist das ein Zurückgehen in die alte Mondenentwickelung.

[ 31 ] You could say that if this is the borderline between man's inner and outer world (a diagram was drawn), then, what are now our nerves were already there, in germinal form, on the Moon. By following the course of the nerves he could perceive what was within him, as a world of inner imagination. He saw that he himself belonged in the cosmos. He also had an imaginative perception of what came to him as a breath from outside and not from inside. That has now ceased, and what was outside, on ancient Moon, has become internalised as the blood circulation in Earth evolution. So it is a regression to the old Moon evolution.

[ 32 ] Es ist gut, wenn man von solchen Dingen weiß, weil immer wieder und wieder auftaucht dasjenige, was auf diese Weise hellseherisch entsteht. Was auf diese Weise hellseherisch entsteht, braucht sich nicht zu entwickeln auf jenem schwierigen Meditations- und Konzentrationswege, von dem die Rede ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Dieses Hellsehen, welches dadurch entsteht, daß man lernt, in seinen Nerven und in seinem Blute innerlich zu leben, lernt, sich in sich selbst zu genießen, das ist nur eine feinere Ausbildung des organischen Lebens überhaupt, eine feinere Ausbildung dessen, was der Mensch erlebt, wenn er ißt und trinkt. Daher ist ein solches Hellsehen im Grunde genommen wirklich nicht das, was die Menschheit heute als Aufgabe hat, sondern es ist, man möchte sagen, das was als Treibhauspflanze entsteht dadurch, daß wir zu einem raffinierteren Dasein jenen Selbstgenuß bringen, den uns Essen und Trinken oder ähnliches macht. Wie bei einem Feinschmecker des Weines, wenn er Rheinwein oder Mosel trinkt, eine innere Nachwirkung entsteht, die sich allerdings nur zu einer Imagination des Geschmackes erhebt, aber nicht gestaltend wird, so entsteht bei manchen Leuten ein raffiniertes inneres Genießen, und das ist ihr Hellsehen.

[ 32 ] It is good to know of these things, because that kind of clairvoyance keeps on making its appearance. It does not need to be acquired along the hard path of meditation and concentration described in Knowledge of the Higher Worlds. The kind of clairvoyance that arises as a result of learning to experience one's nerves and blood as an inner enjoyment is just a more refined development of organic life, a further development of the experience of eating and drinking. This is certainly not mankind's present task, but is a kind of hot-house plant which arises when self-enjoyment of things such as eating and drinking is developed to a fine art. Just as a wine connoisseur has an inner after-taste which is only an imagination of the taste and is not formative, some people have a subtle inner enjoyment which is their clairvoyance.

[ 33 ] Vieles Hellsehen ist nichts weiter als ein raffiniertes, verfeinertes, treibhausartiges Nachgenießen des Lebens. In unserer Zeit muß man auf diese Dinge wieder aufmerksam machen. Denn, ich möchte sagen, die letzte Zeit, in welcher man die Geheimnisse dieser Dinge noch kannte, in welcher man noch in der Literatur sprach von diesen Dingen, war eigentlich die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dann kam die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit den als so großartig angesehenen Entdeckungen, mit den mit Recht von ihrem Gesichtspunkte aus für großartig angesehenen Entdeckungen, und das Verständnis für diese Dinge und für die feineren Zusammenhänge alles Seins gingen verloren. Noch nicht hat man ja verloren - das sei in Parenthese gesagt — das Genießen unter dem Einfluß der gröberen, sagen wir Zu-sich-Nehmungen. Das ist den Menschen noch geblieben, daß sie unter dem Nachgenuß des Essens und Trinkens leben können, das haben sie gerade in dem materialistischen Zeitalter bis zu einem gewissen Grade ausgebildet.

[ 33 ] A lot of clairvoyance is nothing more than a subtle, refined, forced kind of after-taste of life. We must become aware of these things again in our time. For people have not known about these secrets nor referred to them in literature since the first half of the nineteenth century. Then the second half of the nineteenth century came, with all the discoveries that are considered so wonderful, and they certainly are wonderful from their point of view, and an understanding of these things and the finer connections of existence were lost. But what has not yet been lost—and this is said in parenthesis—is the enjoyment of the effects of the coarser things we imbibe. Mankind continues to be able to live in the after-enjoyment of eating and drinking, and, precisely in the materialistic age, has cultivated this to an extent.

[ 34 ] Aber in solchen Dingen lebt auch die Menschheit in einer zyklischen, in einer rhythmischen Bewegung. Und das materialistische Zeitalter kann allerdings, weil es getilgt hat dasjenige, was als allgemeines Gefühl früher vorhanden war - das Hineingehen des Selbstgenusses in die Sinne, in die Nerven- und Blutzirkulation, was allerdings früher mehr vorhanden war -, sich deshalb stärker hingeben den Eindrücken des Essens und Trinkens. Man kann sehr leicht studieren den ganzen Umschwung und Aufschwung, welcher in dieser Beziehung in verhältnismäßig kurzer Zeit stattgefunden hat. Es braucht sich jemand nur eine Hotelspeisekarte aus den siebziger Jahren zur Hand zu nehmen, um sie zu vergleichen mit einer heutigen. Man würde sehen, wie das Leben in den verfeinerten Genüssen, in den Selbstgenüssen des eigenen Leibes, Fortschritte erfahren hat. Aber solche Dinge gehen auch zyklisch vor sich, alles kann nur bis zu einem gewissen Grade erreicht werden, und so wie ein Pendel nur ausschlagen kann bis zu einem gewissen Punkte und dann wieder zurück muß, so muß auch der bloß physische Genuß, von einem bestimmten Punkte ab, wo er angelangt sein wird einmal, wieder zurück. Das wird dann eintreten, wenn die schärfsten Genüßlinge, also die, welche die meiste Sehnsucht haben nach Genüssen, selbst vor den am leckersten zubereiteten Dingen so stehen werden, daß sie sie nicht verlangen, sondern so, daß sie sagen: Äh! das mag ich nicht, das ist mir alles schon über! — Dieser Zeitpunkt wird auch eintreten, denn das ist notwendige Entwickelung. Alles verläuft zyklisch.

[ 34 ] But mankind lives in a rhythmic cycle where things like this are concerned. Of course, because it has eradicated the general feeling it used to have of indulging in self-enjoyment in the senses, nerves and blood circulation, which people had to a greater extent in the past, the materialistic age can devote itself even more strongly to the effects of eating and drinking. You can easily study the whole change and rapid development that has taken place in a relatively short time in this realm. You have only to compare a hotel menu of the 1870's with a present-day one (1915), and you will see the progress that has been made in the sphere of refined pleasures, in the self-enjoyment of one's own body. Yet things of this kind also move in cycles, and achievements are only carried to a certain level. Just as a pendulum can only swing to a certain point before it has to go back again, the indulgence in mere physical pleasure will also have to go in the other direction once it has reached a certain point. This will occur when the keenest epicureans, that is, people with the most longing for pleasures, will look at the choicest dainties and say, ‘Ugh! I don't feel like having that, that is just too much!' This moment will certainly come, for it is a necessary development. Everything moves in cycles.

[ 35 ] Die andere Seite des Lebens erlebt der Mensch während seiner Schlafenszeit. Da schläft sein Vorstellungsleben und da treten naturgemäß ganz andere Verhältnisse ein. Nun sagte ich, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war es im wesentlichen, welche noch eine Einsicht gehabt hat in diese Dinge, und dasjenige Hellsehen, das entsteht durch das Verfolgen der eigenen Blut- und Nervenbahnen, das nannte man noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, indem man sich erinnerte an gewisse Anklänge, das pythische Hellsehen, weil es in der Tat verwandt ist mit dem, was dem pythischen Hellsehen des Altertums zugrunde lag.

[ 35 ] Man experiences the other side of life during sleep. His thought life is asleep and quite different conditions prevail, of course. Now I said that it was chiefly the first half of the nineteenth century that had insight into these matters still; and the kind of clairvoyance that arises when one follows the course of one's own blood and nerve channels was still called pythian clairvoyance at that time, from certain memories the people had, and it is indeed related to the foundations of ancient pythian clairvoyance.

[ 36 ] Die anderen Verhältnisse sind während des Schlaflebens vorhanden. Da ist der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe aus dem physischen und ätherischen Leibe heraus. Im gewöhnlichen Leben sind da die Vorstellungen herabgedrängt, herabgelähmt. Aber der Mensch lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen fortwährend in der Begierde nach seinem physischen Leibe. Darinnen besteht gerade das Schlafen, daß der Mensch von dem Momente an, wo er anfängt zu schlafen, Begierde entwickelt nach seinem physischen Leibe. Die steigt bis zu einem Höhepunkte und dann drängt es ihn immer mehr und mehr nach dem physischen Leibe zurück. Die Begierde nach dem eigenen physischen Leibe wird immer größer und größer im Schlafzustande. Und weil die Begierde wie ein Nebel das Ich und den Astralleib durchzieht, wird abgedämpft, abgedämmert das Vorstellungsleben. Gerade dadurch werden die Vorstellungen abgedämmert, daß das Begierdeleben nach dem physischen Leibe das Ich und den astralischen Leib wie ein Nebel durchdringt. Wie wir, wenn ein Nebel sich ausbreitet, die Bäume des Waldes nicht sehen, so können wir auch unser Wahrnehmungsleben nicht innerlich erleben, wenn sich der Nebel unserer Begierde darüber ausbreitet.

[ 36 ] Other conditions prevail during sleep. Man is outside his physical and etheric body with his ego and astral body. In ordinary life thoughts are then suppressed and devitalised. But between falling asleep and waking up man lives continually with the longing for his physical body. This is precisely what sleep consists of, acquiring a longing for his physical body from the moment he falls asleep. This rises to a climax and then urges him more and more to return to his body. When he is asleep the longing to return to his own physical body becomes stronger and stronger. And because the longing pervades the ego and the astral body like a mist, the life of thought is dimmed. Just as we cannot see the trees any more when mist encloses them, we cannot experience our life of perception within us when the mist of our longing envelops us.

[ 37 ] Nun kann aber der Fall eintreten, daß dieses Begierdeleben während des Schlafes so stark wird, daß der Mensch nicht nur außerhalb seines physischen und ätherischen Leibes diese Begierde entwickelt, sondern daß er bis zu einem gewissen Grade so gierig wird, daß er dieses Innere seines physischen und ätherischen Leibes zum Teil ergreift, so daß er mit seiner Begierde an die äußersten Enden seiner Blut- und Nervenbahnen herankommt, daß er gewissermaßen von außen sich durch die Sinne hindurch einsenkt in die letzten Enden des Blutkreislaufes und in die letzten Enden der Nervenbahnen.

[ 37 ] Now it can happen that this longing grows so strong during sleep, that man does not keep it outside his physical and etheric body, but that his greed grows to the extent that he partly takes hold of his physical and etheric body and comes into touch with the extreme ends of his blood and nerve channels; he penetrates from outside as it were through his senses into the extreme ends of his blood circulation and his nerve channels.

[ 38 ] In den alten Zeiten, als gewissermaßen die Götter den Menschen noch halfen bei solchen Erlebnissen, war das etwas durchaus Reguläres, etwas Gutes. Die Menschen, die so Großes geleistet haben für ihr Volk, die alten hebräischen Propheten, haben geleistet, was sie geleistet haben, hatten ihre prophetische Gabe dadurch, daß sie jene ungeheure Liebe gerade zu dem Blut und zu dem Nervenaufbau ihres Volkes verwendeten, so daß sie selbst im Schlafzustande nicht ganz weg sein wollten von dem, was physisch in diesem Volke lebte. Sie waren von solcher Sehnsucht ergriffen, von solcher Liebe erfüllt, diese Propheten des jüdischen Altertums, daß sie verbunden sein wollten auch im Schlafe mit dem Blute ihres Volkes, dem sie angehörten. Daraus kamen ihnen gerade ihre prophetischen Gaben.

[ 38 ] In ancient times, when man still had experiences like these with the help of the gods, as it were, it was a normal and healthy process. The old Hebrew prophets, who accomplished so much for their people, acquired their prophetic gifts through making use of the tremendous love they bore precisely for the blood and nerve composition of their own people, so that even during sleep they did not want to let go altogether of that which lived physically in their people. These prophets of Jewish antiquity were seized with such longing and filled with such love that even in sleep they wanted to remain bound to the blood of the people to whom they belonged. This is precisely what gave them their prophetic gifts.

[ 39 ] Das ist der physiologische Ursprung dieser prophetischen Gaben, und schöne, herrliche Produkte gingen hervor aus dem eben Dargestellten. Die Propheten der einzelnen Völker sind gerade dadurch für ihre einzelnen Völker so bedeutend, daß sie selbst noch außerhalb des physischen Leibes mit diesem physischen Leibe in der eben geschilderten Weise lebten.

[ 39 ] This is the physiological origin of these prophetic gifts, and splendid achievements came about through this channel. This is precisely why the prophets of the various peoples had such significance for their people, because even when they were outside the body they maintained a contact with it in this way.

[ 40 ] Wie gesagt, bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war noch ein gewisses Bewußtsein von diesem Zusammenhang im Menschheitsleben vorhanden. Wie man das vorher genannte und charakterisierte Hellsehen das pythische Hellsehen nannte, so nannte man das Hellsehen, von dem ich jetzt gesprochen habe, bei dem man mit dem, was sonst während des Schlafes außerhalb des physischen und Ätherleibes lebte, noch hineintauchte in das Blut und die Nervenbahnen des physischen Leibes, das prophetische Hellsehen.

[ 40 ] As I mentioned, there was still a certain awareness right up to the first half of the nineteenth century, of this connection in the life of humanity. Just as they called the other kind of clairvoyance pythian clairvoyance, this kind of clairvoyance, which came about through contact of the ego-astral nature of man with the blood and nerve channels of the physical body during sleep, was called prophetic clairvoyance.

[ 41 ] Wenn man die Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgt, wenn es auch nicht mit der Genauigkeit und Präzision der neuen Geisteswissenschaft so beschrieben werden konnte wie heute, so werden Sie doch das pythische und das prophetische Hellsehen beschrieben finden. Man kennt heute diesen Unterschied nicht mehr, weil man nicht mehr das verstehen kann, was man von dem pythischen und prophetischen Hellsehen in den Büchern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liest. Beide Arten des Hellsehens aber sind heute nicht dasjenige, was wirklich die Menschheit vorwärtsbringen kann. Diese beiden Arten des Hellsehens sind diejenigen, welche alten Zeiten gegolten haben. Das heutige Hellsehen, das sich gegen die Zukunft hin immer mehr und mehr entwickeln muß, kann weder dadurch entstehen, daß wir das, was im Tagwachen unseren Leib von innen heraus durchdringt, genießen, noch auch dadurch, daß wir von außen in schlafähnlichem Zustande, aus Liebe — nicht zu uns selber, sondern zu demjenigen Menschenteile, dem unser Leib angehört untertauchen in diesen Leib. Beide sind überwundene Standpunkte.

[ 41 ] If you look at the literature of the first half of the nineteenth century you will find descriptions of pythian and prophetic clairvoyance, even if they are not as precise as spiritual-scientific descriptions of them would be today. People do not know the difference between them any more, since they have no understanding for what they can read about them in the books of the first half of the nineteenth century. But neither of these kinds of clairvoyance can really help humanity forward today. Both of them were right for olden times. Modern clairvoyance, which has to develop further and further in the future, can come about neither through enjoying what is going on in our bodies while we are awake, nor by entering into the body from outside in a sleeplike state, urged on by love—even if it is not for ourselves, but for the part of mankind to which our body belongs. Both these levels have been superseded.

[ 42 ] Das heutige Hellsehen muß sich so entwickeln, daß es als ein drittes auftritt, als ein solches, welches so wird, daß es weder von außen ein in liebender Gier Ergreifen des physischen Leibes ist, noch von innen ein Genießen des physischen Leibes. Das, was im Inneren lebt und innerlich unseren Leib genießend durchdringen kann, und das, was äußerlich, von außen herein den Leib ergreifen kann, muß beides aus dem Leibe herausgehen, das muß beides, wenn das heutige Hellsehen eintreten soll, nur so weit noch innerhalb der Inkarnation zwischen Geburt und Tod mit dem Leibe in Zusammenhang stehen, daß es Blut und Nerven weder von innen noch von außen genießt oder liebt, sondern es muß in reiner Abkehr von solchem Selbstgenuß oder solcher Selbstliebe verbunden bleiben mit dem Leibe. Die Verbindung mit dem Leibe muß allerdings trotzdem bleiben, denn sonst würde es ein Sterben bedeuten. Es muß der Mensch verbunden bleiben mit dem Leibe, der ihm angehört in der physischen Inkarnation auf der Erde, verbunden bleiben mit diesem Leibe durch die Glieder, welche gewissermaßen fernstehen oder wenigstens relativ fernstehen der Blut- und Nerventätigkeit. Die Loslösung von Blutund Nerventätigkeit muß sich vollziehen.

[ 42 ] Modern clairvoyance must be a third way, neither a taking hold of the physical body from outside, in loving longing, nor an enjoying of the physical body from inside. Both these phenomena, that which lives within and floods the body with pleasure, and that which can seize hold of the body from outside, have to go out of the body, if modern clairvoyance is to occur; they may only have the sort of relationship with the body, during incarnation between birth and death, in which they neither enjoy nor love the blood and nerves, either from inside or from outside, but remain connected with the body whilst freely abstaining from such self-enjoyment or self-love. The connection with the body has to be maintained nevertheless, of course, otherwise it would mean a dying. Man must remain bound to the body that belongs to him in physical incarnation on earth, and this must be done by means of the organs which are remote, as it were, or at least relatively remote from the activity of blood and nerves. A detaching from the activity of blood and nerves must be achieved.

[ 43 ] Wenn der Mensch nicht mehr innerlich sich genießt auf den Bahnen, die zu seinen Sinnen hinführen, oder von außen sich durchdringt bis in seine Sinne herein, sondern wenn der Mensch gleichsam so mit sich selbst in Verbindung zu stehen vermag, von innen und von außen, daß er wirklich das lebendig in sich ergreifen kann, was das Symbolum des Todes für das physische Leben ist, wenn er sich verbinden kann mit dem, was die Anwartschaft auf den physischen Tod gibt, dann ist der in Betracht kommende Zustand erreicht. Denn wir sterben eigentlich physiologisch dadurch, daß wir imstande sind, das Knochensystem in uns zu entwickeln. Wenn wir imstande sind, das, was aus wunderbarer Ahnung heraus das Volk empfindet als Symbolum des Todes, das Knochengerüst, das, was so fern ist dem Blutund Nervensystem wie das Knochensystem, zu ergreifen, dann kommen wir zu dem, was ein Höheres ist gegenüber dem pythischen und prophetischen Hellsehen, dann kommen wir zu dem, was wir nennen können das geisteswissenschaftliche Hellsehen.

[ 43 ] When a person no longer indulges in enjoyment of self along the channels leading to the senses, nor takes hold of himself, from outside, as far as the senses, but has the kind of relationship to himself, both from inside and from outside, in which he can actually take living hold of what symbolises the death of physical life, then the proper condition has been reached. For we actually die physiologically because we are able to develop the bony system. When we are capable of taking hold of the skeleton which folk wisdom recognises as the symbol of death, and which is as remote from the blood system as it is from the nervous system, then we come to what we can call spiritual-scientific clairvoyance, which is higher than either pythian or prophetic clairvoyance.

[ 44 ] In diesem geisteswissenschaftlichen Hellsehen erfassen wir nicht mehr einen Teil der menschlichen Natur, sondern wir erfassen den ganzen Menschen. Und es ist im Grunde genommen einerlei, ob wir ihn von innen oder von außen erfassen, denn ein Genießen kann diese Art des Hellsehens nicht mehr sein. Es ist nicht mehr ein raffinierter Genuß, sondern ein Aufgehen in den göttlich-geistigen Kräften des Alls. Es ist ein mit der Welt Einswerden, ein Erleben nicht mehr des Menschen und desjenigen, was in den Menschen hineingeheimnißt ist, sondern es ist ein Miterleben mit den Taten der Wesenheiten der höheren Hierarchien, ein wirkliches Sich-Herausheben aus dem Selbstgenuß und der Selbstliebe. Und so wie unsere Gedanken Glieder unserer Seele werden, so muß der Mensch gleichsam ein Gedanke, ein Glied werden gegenüber den höheren Hierarchien. Sich denken, sich vorstellen, sich wahrnehmen lassen von den höheren Hierarchien, das ist das Prinzip des geisteswissenschaftlichen Hellsehens. Hingenommen werden, nicht sich hinnehmen.

[ 44 ] With spiritual-scientific clairvoyance we take hold of the whole and not just part of the human being, and it actually makes no difference whether we take hold of it from inside or outside, for this kind of clairvoyance can no longer be an act of enjoyment. Instead of being a subtle enjoyment it is an opening up and rising into the divine-spiritual forces of the All. It is a uniting with the world. It is no longer an experiencing of the human being and the mysteries that have been woven into him, but an experiencing of the deeds of the beings of the higher hierarchies, whereby one truly lifts oneself out of self-enjoyment and self-love. Man must become a thought as it were, an organ of the higher hierarchies, just as our thoughts are organs of our souls. To be thought of, pictured and perceived by the higher hierarchies, is the principle of spiritual-scientific clairvoyance. To be received, not to take oneself.

[ 45 ] Das, was ich also sage, von dem möchte ich wünschen, daß es recht sehr Gegenstand Ihrer weiteren Meditationen werde, denn gerade das, was ich heute auseinandergesetzt habe, das kann vieles, vieles in Ihnen allen anregen, und das kann zu einem immer weiter- und weitergehenderen Durchdringen der eigentlichen Impulse unserer geisteswissenschaftlichen Strömung dienen. Und wie viel Ernst sein muß in diesem Durchdringen unserer geisteswissenschaftlichen Strömung, davon ist ja gerade in diesen Tagen öfter die Rede gewesen. Dasjenige, was innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Strömung, ich sage nicht gewollt wurde, sondern gewollt werden müßte, von dem würde wiederum etwas verwirklicht werden können, wenn möglichst viele sich entschließen würden, über diese dreifache Gestalt des Wissens von höheren Welten lebensmäßig nachzudenken, damit klarere und immer klarere Begriffe über das entstehen, was wir ja doch im Grunde genommen alle wollen, und was so leicht verwechselt wird mit dem, was bequemer, viel bequemer zu haben ist.

[ 45 ] I would like to express the wish that what I have just been saying might become a real object for your meditation, for precisely that which I have been telling you today can bring many, many things to life in all of you and enliven the actual impulses of our spiritual-scientific movement to an ever greater extent. And how seriously we have to take the enlivening of our spiritual-scientific movement has often been spoken of during these days together. We could bring to realisation a further part—I will not say of what was intended—but of what ought to be intended within this spiritual-scientific movement, if as many people as possible would resolve to think about this threefold form of knowledge of higher worlds in a living way, so that our thoughts become clearer and clearer about what, at bottom, we all intend, and which can become so easily confused with what can be had much more comfortably.

[ 46 ] Wirklich, nicht umsonst wird gearbeitet von Zyklus zu Zyklus, um immer mehr und mehr Ideen und Begriffe zusammenzutragen. Diese Ideen und Begriffe zu studieren ist nicht unnötig, sondern es ist der Weg, um gerade in sich jene Seelenimpulse vorzubereiten, die zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Hellsehen führen. Man kann manchmal dadurch, daß man etwas nippt da oder dort an dem, was innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Strömung gegeben wird, dem oder jenem in der menschlichen Natur einen Riß geben, und dann entsteht etwas vom pythischen und prophetischen Hellsehen, und man kann schon stolz und hochmütig in diesem pythischen oder prophetischen Hellsehen werden. Wenn das der Fall ist, dann kommen solche Urteile zustande, die man oftmals hören muß, wo der eine oder andere sagt: Ich brauche nicht alles in den Einzelheiten zu studieren, ich brauche nicht das, was in den Zyklen gesagt wird. Was ich höre von den Dingen, weiß ich schon ganz genau, ich habe das schon gewußt und so weiter. — Das Prinzip, zu leben in ein paar Imaginationen, die man Blut- und Nervenimaginationen nennen könnte, durchdringt noch viele. Viele dünken sich etwas ganz Besonderes zu haben, wenn sie so ein paar Blut- und Nervenimaginationen haben. Aber das ist nicht das, was uns zum selbstlosen Mitarbeiten an der Menschheitsevolution führen kann, sondern ein solches Verweilen in den Blut- und Nervenimaginationen führt eigentlich zu einer Erhöhung des Selbstgenusses, führt zu einem raffinierteren Egoismus. Und dann kann es allerdings vorkommen, daß gerade durch die Pflege der Geisteswissenschaft ein raffinierterer Egoismus herangezüchtet wird, als er je in der äußeren Welt vorhanden ist.

[ 46 ] Truly, it is not for nothing that we work from cycle to cycle to accumulate more and more concepts and ideas. It is not needless work studying these concepts and ideas, for it is precisely the way to prepare the soul impulses that will lead us to real spiritual-scientific clairvoyance. By snatching up one or two ideas given by anthroposophy you can sometimes make a chink in one or another part of the human organisation, causing fragments of pythian and prophetic clairvoyance to arise, enough to make people proud of themselves. If this is the case, we often hear statements like this, ‘I don't need to study everything in detail, and I don't need what the cycles say. I know all that, I knew it already.’ And so on. Many people are still satisfied with the principle of living in a few imaginations which we could call blood and nerve imaginations. A lot of people fancy they have something really special if they have a few blood and nerve imaginations. But this is not what can lead us to selfless co-operation in mankind's development. Indulging in blood and nerve imaginations actually leads to a heightening of self-enjoyment, to a more subtle form of egoism. Then, of course, the cultivation of spiritual science can be the very thing that breeds an even more subtle kind of egoism than you ever find in the outside world.

[ 47 ] Selbstverständlich redet man niemals von den Anwesenden in diesen Dingen, niemals von der Anthroposophischen Gesellschaft, die ja anwesend ist. Aber erwähnt darf doch werden, daß es Gesellschaften gibt, in denen sich diese oder jene Leute befinden, welche es nach den Prinzipien dieser Gesellschaften dazu bringen, zwar nicht wirklich selbstlos mitzuarbeiten, sondern einiges aufzunehmen, am liebsten so etwas aufzunehmen, was gerade da oder dort anfacht die Blut- oder Nervenimaginationen, und dann glauben, sich selbst ersparen zu können das andere. Dann kommen sie zu einem solchen atavistischen Hellsehen, oder vielleicht kommen sie nicht einmal dazu, sondern nur zu den Gefühlen, die als Begleiterscheinung eines solchen imaginativen Hellsehens zu betrachten sind. Und diese Gefühle sind nicht eine Überwindung des Egoismus, sondern nur eine höhere Blüte des Egoismus. Bei solchen Gesellschaften findet man dann - die Anthroposophische Gesellschaft ist aus Höflichkeit ausgenommen -, obgleich sie die Pflicht hätten, Liebe und Eintracht und Harmonie bis in die tiefsten Seelengründe hinein von Mitglied zu Mitglied zu entfalten, man findet immer mehr wachsen Disharmonie, Zanksucht, gegenseitiges Sich-Beklatschen und so weiter. Ich darf diesen Ausdruck gebrauchen, da ich ja, wie gesagt, die Angehörigen der Anthroposophischen Gesellschaft immer ausnehme.

[ 47 ] It is taken for granted that one is never referring to the present company nor to the Anthroposophical Society, which is, of course, here. But it should be permissible to mention that there are societies in which some people manage to turn the principles in their favour, and without really giving their unselfish support, make use of one or another thing, preferably those things which stimulate blood or nerve imaginations, and then imagine they can spare themselves the rest. As a result they acquire an atavistic clairvoyance, or perhaps not even that, but only the feelings that accompany that kind of imaginative clairvoyance. These feelings are not an overcoming of egoism, just a heightened form of it. You find in societies like this—the Anthroposophical Society excepted for politeness’ sake—that although it would be people's duty to develop love and harmony out of the depths of their hearts from one member to another, you find disharmony, quarrelsomeness, people telling tales about one another, and so on. I can say things like this, for as I said, I always make an exception of the members of the Anthroposophical Society.

[ 48 ] Wir können dann sehen, daß gerade da, wo starkes Licht aufgehen sollte, auch starke Schatten vorausgeworfen werden. Nicht als ob ich diese Dinge so tadeln wollte, daß ich meinte, diese Dinge könnten gleich ausgerottet werden von heute auf morgen. Das können sie nicht, weil sie auf naturgemäße Weise entstehen. Aber arbeiten kann wenigstens jeder an sich, und es ist nicht gut, wenn das Bewußtsein nicht wenigstens auf jene Dinge hingelenkt wird.

[ 48 ] This shows us that dark shadows are thrown just where a strong light is about to appear. I am not finding such faults because I imagine these things can be exterminated overnight. That cannot happen, because they come from nature. But at least each person can work on himself; and it is not a good thing if you are not made aware of these things.

[ 49 ] Verstehen kann man es durchaus, daß gerade deshalb, weil eine gewisse Strömung herausgearbeitet werden muß, innerhalb solcher Gesellschaften auch die Schattenseiten sich geltend machen, und daß oftmals das, was draußen im Leben wuchert, in solchen Gesellschaften im stärksten Maße wuchern kann. Aber gewissermaßen ein bitteres Gefühl ruft es doch immer wieder hervor, wenn dies in Gesellschaften auftritt, die naturgemäß - sonst hätte es keinen Sinn, eine Gesellschaft zu haben - eine gewisse Brüderlichkeit, ein gewisses Zusammenhalten entwickeln sollten, daß aber gerade deshalb, weil die Menschen näher zusammenkommen, mit dem Näher-Zusammenkommen gewisse Eigenschaften, die draußen nur flüchtig existieren, um so intensiver sich entwickeln. Da die Anthroposophische Gesellschaft als anwesende ausgenommen ist, so wird es uns um so mehr möglich sein, ganz objektiv, gleichsam als Unbeteiligte, über diese Dinge nachzudenken, nachzusinnen, damit wir sie intensiver kennenlernen, und wenn wir diese Dinge irgendwo in der Welt finden sollten, sie nicht als etwas anderes betrachten denn als das, was sie sind und uns nicht dem Glauben hingeben, wenn jemand ganz besonders tief die Anthroposophie zu verstehen meinte und dabei doch bei ihm gewisse Eigenschaften, die draußen in der Welt auftreten, nicht nur so sich zeigen, wie sie in der Welt draußen sind, sondern viel intensiver, damit wir dann nicht glauben, diese Dinge seien unbegreiflich, sondern wissen, daß sie begreiflich sind, daß sie aber solche Dinge sind, die wir bekämpfen müssen. Wir können sie manchmal erst bekämpfen, wenn wir sie wirklich begriffen haben.

[ 49 ] It is thoroughly understandable that just because a particular movement has to be founded, the shadow sides also make themselves felt in these societies, and that what is rampant in outside life is far more rampant within them. Yet it always gives one a bitter feeling if this happens in societies which, by their very nature—otherwise there would be no point in having a society—should develop a certain brotherliness, a certain loyalty, but just because they come closer together, certain faults that are short-lived in the outside world develop all the more fiercely. As the present company, the Anthroposophical Society, is excepted, it will give us all the more opportunity to think and reflect about these things quite objectively and impartially, so that we really know what they are about. Then if we come across them somewhere, we shall know them for what they are, and not imagine that if someone thinks he has a particularly deep grasp of anthroposophy, that we cannot understand that faults which occur in the outside world appear much more strongly in him. We shall understand it, but we shall also know that we have to combat them. Sometimes we cannot combat them until we have really understood them.

[ 50 ] Auch dies ist etwas von dem, was uns zeigt, wie das Leben zusammenhängt mit dem, was geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist, wie die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wirklich ihr Ziel nur erreichen kann, wenn sie als Lebensauffassung, ja als Lebenskunst aufgefaßt wird, wenn sie hineingetragen wird in alles Leben. Wie schön wäre es, wenn alle einzelnen Lebensbeziehungen, sagen wir jetzt, der Anthroposophischen Gesellschaft sich herausstellen würden als so im Einklang miteinander stehend, wie es versucht wird mit den Formen unseres Baues, wo die einzelnen Formen ineinander übergehen und alle im Einklang miteinander stehen, wenn es im Leben so sein könnte, wie es im Bau ist, und wenn das ganze Leben in unserer Gesellschaft so werden könnte, wie wir es haben wollten durch ein schönes Zusammenwirken derjenigen, die am Bau beteiligt sind, so daß dieses Arbeiten am Bau schon ein Harmonisches, ein Edles ist, ein Abdruck desjenigen ist, was in dem Bau selbst zum Ausdruck kommt.

[ 50 ] This is another example showing how closely connected life is with the spiritual-scientific outlook; that this spiritual- scientific outlook cannot, in fact, achieve its aim unless it becomes an attitude to life, an art of life, and is brought into the whole of life. How wonderful it would be if in—let us now say the Anthroposophical Society—all the various human relationships proved to be as harmonious as we have tried to make the forms of our Goetheanum building, where they change from one to the other and each is in harmony with the other. If it could be the same in life as it is in the Goetheanum, and the whole life of our Society could be like the wonderful co-operation among the people engaged in building the Goetheanum, so that even this very building activity is a harmonious and noble image of what comes to expression in the building itself.

[ 51 ] So sollte der innere Sinn des Lebensprinzipes unseres Baues und der innere Sinn des Zusammenwirkens der Seelen - na, das will ich lieber nicht sagen -, so sollte der innere Sinn des Zusammenwirkens der Formen an unserem Bau den Weg hinaus machen in all die einzelnen Lebensbeziehungen unserer Gesellschaft, sollte gleichsam selber, in seiner inneren Gestaltung, wie ein Ideal vor uns dastehen. Ich möchte Sie nur versichern, daß ich mich nicht versprochen habe, als ich vorhin einen Satz ausließ; ich habe ihn schon ganz bewußt ausgelassen und manchmal ist auch das gesagt, was man nicht sagt.

[ 51 ] Thus, the inner significance of the life principle of our Goetheanum building and the inner significance of the co-operation among the souls—no, I would rather not say that—the inner significance of the harmony of the forms of our building, should find their way into all the various human relationships in our society, and their inner formative force should stand before us as a kind of ideal. I should just like to assure you that the wrong words did not slip out just now, when I stopped in mid-sentence. I stopped quite deliberately, and sometimes the thing is said without actually saying it.

[ 52 ] Zusammenfassend aber dasjenige, was ich, ich möchte sagen, ein Thema in der verschiedensten Weise variierend, in diesen Tagen ausgeführt habe, was ich Ihnen ganz besonders ans Herz legen möchte, ist, nicht nur die Gedanken und Ideen der Geisteswissenschaft, die Ergebnisse der Geistesforschung vor Ihren Verstand, vor Ihre Vernunft hinzustellen, sondern aufzunehmen dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, in Ihre Herzen. Denn davon hängt wirklich das Heil des künftigen Menschheitsfortschrittes ab. Das kann ohne Überhebung gesagt werden, und derjenige kann das einsehen, der versucht, ein wenig die Impulse unserer Evolution und die Zeichen unserer Zeit zu studieren. Damit sei abgeschlossen die Serie von Vorträgen, die ich mir erlaubte, um diese Jahreswende vor Ihnen zu halten.

[ 52 ] To summarise the theme I have given in many variations over these days; what I want to recommend to you most warmly is not only to look at the thoughts and ideas of spiritual science, the results of spiritual research, with your intellect and reason, but to take what lives in spiritual science into your hearts. For the salvation of mankind's future progress really depends on this. This can be said without presumption, for anyone can see it if they try at all to study the impulses of our evolution and the signs of our times. With these thoughts I will close the series of lectures I ventured to give you at the turn of the year.