Physiological Therapeutics
based on Spiritual Science
GA 314
9 October 1920, Dornach
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Physiology and Therapeutics, tr. Wuslin and Karnow
Physiologisch-therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft III
Lecture Three
[ 1 ] Es wird natürlich nur möglich sein, über spezielle Heilungsverfahren einiges im allgemeinen anzudeuten in der kurzen Zeit, die gerade für diesen therapeutischen Teil unserer Veranstaltung zur Verfügung stehen kann. Andererseits ist es auch eine etwas, ich möchte sagen, zweifelhafte Sache, über das Spezielle gerade des Medizinischen Detailangaben machen zu müssen, wenn man nicht, wie das zum Beispiel im Frühling hier der Fall war, vor einem rein fachlichen Publikum steht. Denn so sehr es auf der einen Seite für die Zukunft der Menschheitsentwickelung notwendig sein wird, daß die weitesten Kreise von den allgemein richtunggebenden Faktoren des Heilens, gewissermaßen den Konsequenzen der Medizin, Verständnis sich werden erwerben müssen, damit ein vertrauensvolles, aber auf der Sache begründetes Verhältnis zwischen dem Arzte und den Patienten bestehen könne, und so sehr es notwendig sein wird, daß ein solches Verständnis der Richtungslinie des Medizinischen für eine Sozial-Hygiene in weitesten Kreisen wird errungen werden müssen, sowenig ist es auf der anderen Seite wünschenswert, daß in das Medizinische allzu stark dilettantisches und laienhaftes Urteil hineinspielt, was ja leider durch den Zustand des medizinischen Wesens in der neueren Zeit reichlich geschehen ist. Es muß durchaus betont werden, daß es wenigstens nicht meine Absicht sein kann, irgendwie das Kurpfuschertum zu fördern, sondern daß innerhalb unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ganz entschieden das Bestreben vorhanden sein muß, die wirkliche, auf treu methodischem Studium beruhende medizinische Wissenschaft als medizinische Kunst zu fördern, geisteswissenschaftliche Erkenntnisse in diese wirkliche medizinische Kunst hineinzubringen. Also nicht etwa auf seiten derjenigen soll hier gestanden werden, die aus einer, man könnte sagen, unbegrenzten Unkenntnis desjenigen, was sie eigentlich reden, gegen alles mögliche, was sie Schulmedizin nennen und dergleichen, Sturm laufen. Auf seiten dieser Leute sollte hier wahrhaftig nicht gestanden werden. Dann ist noch etwas zu berücksichtigen, wenn Dinge besprochen werden, wie die zum Beispiel heute in Frage kommenden. Es ist in die Medizin etwas eingedrungen in der neueren Zeit, es war in einem gewissen Sinne gewiß seit langem da, aber in der neueren Zeit hat es sich mit all der Vehemenz bemerklich gemacht, mit der sich nun schon einmal in unserer chaotisch wirkenden sozialen Ordnung Dinge bemerklich machen: das ist die Parteibildung sogar innerhalb des medizinischen Wesens. Und die sich bekämpfenden Parteien stehen sich auf diesem Boden kaum anders gegenüber als, ich möchte sagen, politische Parteien. Daß das nicht förderlich sein kann für das medizinische Wesen, das ist im allgemeinen leicht einzusehen, und der Streit der Allopathen mit den Homöopathen, der sogenannten Schulmediziner mit den Naturheilkundigen und so weiter, hat nun reichlich Verwirrung gebracht in dasjenige, was wir als Verständnis für das medizinische Wesen in weiteren Kreisen unserer Menschheit nötig haben. Das alles mußte ich vorausschicken, damit nur ja auf keinen falschen Boden gestellt werde dasjenige, was ich heute noch zu sagen haben werde.
[ 1 ] In the short time available to us for this therapeutic portion of our meeting, it will naturally only be possible to speak in a general way about specific therapeutic measures. On the other hand, it is always questionable whether one should speak in detail about specifics, especially in medicine, if one is not speaking to a purely professional audience, as was the case when I gave a series of lectures in the spring.1Rudolf Steiner, Spiritual Science and Medicine, twenty lectures given to physicians in Dornach, 1920. Rudolf Steiner Press, London, 1975. For the future development of humanity, it will indeed be necessary that the widest circles are familiar with the guiding principles of healing in order that a trusting relationship, well-grounded in facts, may develop between physician and patient. Though it will be necessary for such an understanding of the guidelines for medicine and social hygiene to be sought in the widest circles, it will nevertheless remain undesirable for an excessively dilettantish and lay judgment to intervene in medical matters; due to the state of medicine in modern times, this happens far too frequently today. It must be firmly stressed that I have absolutely no intention of encouraging any kind of quackery. Within our anthroposophically oriented spiritual science we must instead strive to bring spiritual scientific knowledge into a true medical art based on a methodical study of medical science. We therefore will not align ourselves with those who, out of an unlimited ignorance concerning what they are actually speaking about, attack nearly everything they call academic medicine and the like. We should certainly not align ourselves with these people. Something else must also be considered in discussing matters like those that will be raised today. Though in a certain sense this has been the case for a long time, something has permeated medicine particularly in modern times; this aspect has asserted itself in our time with all the vehemence with which matters tend to assert themselves in our chaotic social order: this is the formation of partisan groups even within the medical field. And these parties struggling among themselves are no better than political parties. In general it is quite clear that this cannot support the development of medicine. The battle between the allopaths and the homoeopaths, between the so-called academic physicians and those using natural remedies and so on, has generated a great deal of confusion in the understanding of medicine that is required in the wider circles of humanity. I needed to make these introductory remarks today so that what I have to say will not be placed on false ground.
[ 2 ] Ich habe Sie ja aufmerksam gemacht darauf, wie auf der einen Seite im menschlichen Organisationsprozeß drinnensteht das GeistigSeelische, welches in den physischen Erkrankungsprozessen gewissermaßen überwuchert, so daß dieses Geistig-Seelische nicht in der richtigen Weise abgesondert wirkt von dem physischen Organ und daher in ihm wuchert. Wir haben es dann mit all den Krankheiten zu tun, welche nach Neubildungen im Organismus treiben. Wir haben es auf der anderen Seite mit solchen Erkrankungen zu tun, in denen das Geistig-Seelische in einer solchen Art sich ausbildet, daß es zu wenig eingreift in den physischen Organismus, daher gewisse Teile des physischen Organismus den nicht von der menschlichen Organisation ergriffenen Prozessen, sondern den untergeordneten Prozessen des Naturdaseins überläßt, möchte ich sagen, so daß sich in einem überragenden Maße Organe — wenn ich das Wort gebrauchen darf — verphysizieren, statt daß sie sich seelisch-geistig durchdringen würden. Dann flutet das Seelisch-Geistige heraus, ohne daß es in der richtigen Weise mit dem Ich-Bewußtsein überspannt werden kann, und es entstehen alle diejenigen Erkrankungsformen, welche man uneigentlich als Geisteskrankheiten bezeichnet.
[ 2 ] I have already directed your attention to how, on the one hand, the soul-spiritual stands within the human process of organization; this then proliferates, as it were, in the physical processes of illness so that the soul-spiritual cannot work separately from the physical organ, as it should, thus wreaking havoc in it. When this happens we are faced with all those illnesses that tend toward new formations in the organism. By contrast, we are also concerned with illnesses in which the soul-spiritual develops in such a way that it does not take sufficient hold of the physical organism, whereupon certain parts of the physical organism are abandoned, not to processes taken hold of by the human organization but to subordinate processes of natural existence. In this way organs “physicalize”—if I may use such a word—to an excessive degree rather than permeating themselves soul-spiritually. The soul-spiritual then flows out without being encompassed in the right way by the ego-consciousness, and as a result all the forms of illness arise that we designate inaccurately as mental illnesses.2In German, the illnesses, are called Geisteskrankheiten, diseases of the spirit as opposed to those of the body. As Steiner is speaking here of the role of the spirit in bodily-phenomena, it may be helpful to keep in mind the thought of spiritual illnesses, though in the translation we have chosen the more commonly used English equivalent, mental illnesses.
[ 3 ] Aber diese Anschauung muß sich in dem Augenblicke, wo man von einer gesunden Physiologie zu einer gesunden Pathologie und Therapie vorschreitet, modifizieren, das heißt, ich möchte sagen, in einer noch genaueren Weise ausbilden. Sie muß sich nämlich zusammengliedern mit jener Anschauung vom Wesen des Menschen, die hier schon wiederholt vorgebracht worden ist, aber in ganz anderem Zusammenhange, als wir sie heute nötig haben. Es ist die Anschauung von der Dreigliederung des menschlichen Organismus. Wir haben es ja im Menschen auf der einen Seite zu tun mit einer Dreigliederung des seelischen Wesens im Vorstellenden, im Fühlenden und in den Willensimpulsen. Aber diese Dreigliederung des seelischen Wesens entspricht ganz genau einer Dreigliederung des physisch-körperlichen Wesens in eine Art Kopfsystem oder Nerven-Sinnessystem, in ein rhythmisches System und in ein Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Ich bemerke ausdrücklich, daß diese Gliederung des menschlichen Organismus nicht eine verstandesmäßige sein darf, sondern eine anschauliche. Denn derjenige, der da etwa unter dem Kopfsystem verstehen würde dasjenige, was bis zum Halse reicht, und dann unter dem Zirkulations- oder rhythmischen System dasjenige, was den Rumpf umfaßt, und dasjenige, was das Verdauungssystem mit Gliedmaßensystem, Sexualsystem umfaßt, der würde, wenn er eine solche äußerliche Gliederung vornähme, eben durchaus nicht dasjenige treffen, was sachgemäß ist. Sondern es handelt sich darum, daß das Nerven-Sinnessystem hauptsächlich im Kopfe lokalisiert ist, daß es sich aber über den ganzen übrigen Organismus als solches ausdehnt. So daß wir in einem gewissen Sinne, wenn wir hier in anthroposophischer Absicht von dem Nerven-Sinnessystem zu sprechen haben, sagen müssen, es ist dasjenige System von Funktionen im menschlichen Organismus — denn wir haben es nicht mit Raumesabgrenzungen, sondern mit Funktionsabgrenzungen zu tun —, welches ja im wesentlichen im Haupte lokalisiert ist, aber die Hauptestätigkeit über den ganzen Menschen ausdehnt, so daß in gewisser Beziehung der ganze Mensch wiederum Haupt ist. Ebenso ist es für die anderen Systeme. Und es war daher ein bloßer Unfug, wenn ein leichtfertiger Medizinprofessor, welcher nicht die Absicht hatte, in diese Dinge einzugehen, wohl aber die Absicht hatte, diese Dinge vor der Welt zu verleumden, von dem «Bauchsystem» gesprochen hat, um zu diskreditieren dasjenige, was mit dem Stoffwechselsystem eigentlich gemeint ist. Er hat eben gezeigt, daß er durchaus kein Verständnis dafür hat, wie es bei dieser Gliederung ankommt auf das Funktionelle und nicht auf das räumlich Abzugrenzende.
[ 3 ] This view must be modified, however, the moment one proceeds from a sound physiology to a sound pathology and therapy; it must he modified by being developed still more precisely. It must incorporate the view of the nature of the human being that has been presented here repeatedly, though in very different connections from those we require today: this is the view of the threefold nature of the human organism. On the one hand we have to do with a threefold nature of the soul being: in forming mental images, in feeling, and in will impulses. This threefold nature of the soul being, however, corresponds very precisely with a threefolding of the physical-bodily being: a kind of head system or nerve-sense system, a rhythmic system, and a metabolic-limb system. I must stress particularly that this constitution of the human organism must not be understood merely intellectually but through inner perception. A person would be unable to comprehend how matters actually stood if he remained with an external picture, if he understood the head system as something that simply ends at the neck, the circulatory or rhythmic system as being encompassed by the trunk, while the digestive system encompasses the limb system, the sexual system. What is important here is that while the nerve-sense system is located primarily in the head, it nevertheless extends over the entire remaining organism as such. We may thus say that when we speak here with an anthroposophical purpose about the nerve-sense system, it is the system of functions in the human organism (for we are concerned here not with spatial limitations but functional limitations) that is located essentially in the head; nevertheless the head activity extends over the entire human being so that in a certain sense the whole human being is head. The same is true for the other systems. It was thus mere foolishness when a superficial professor of medicine, who did not intend really to study these matters but only wished to discredit them to the world, spoke about the “belly-system” in order to ridicule what is actually referred to by the metabolic system. He has merely shown his total lack of understanding for how the threefold constitution of the human being is functional, and not defined by spatial limitations.
[ 4 ] Wenn man dann diese Gliederung des Menschen versteht, über die man viele Vorträge halten könnte, um sie in allen Details zu schildern, kommt man dazu, deutlich die Unterschiede anzuschauen, welche bestehen zwischen dem Kopfsystem, also dem Nerven-Sinnessystem auf der einen Seite, dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem auf der anderen Seite und dem mittleren System, dem rhythmischen System, das im wesentlichen dazu berufen ist, den Ausgleich zwischen den beiden anderen Systemen zu bewirken. Wir haben dann, wenn wir die ganze Wesenheit des Menschen umfassen wollen, das Folgende vor uns: Die eigentliche vorstellende und wahrnehmende Tätigkeit des Menschen, sie hat zu ihrer Grundlage, man kann nicht einmal sagen zum Werkzeug, aber zu ihrer physischen Grundlage alles dasjenige, was sich abspielt physisch im Nerven-Sinnessystem. Es ist nun nicht so, wie eine neuere Psychologie und Physiologie meint, daß sich im Nerven-Sinnessystem auch diejenigen Prozesse abspielen, die in primärer Weise zusammenhängen mit dem Gefühls- und Willenssystem. Nein, das hält vor einem genaueren Studium der Sache nicht stand. Dieses genauere Studium finden Sie, wenigstens in seinen Leitlinien, angedeutet in meinem Buche «Von Seelenrätseln»; aber nach dieser Richtung wird eben sehr viel Detailarbeit noch zu leisten sein. Dann wird sich schon dasjenige, was Geisteswissenschaft heute mit Gewißheit von ihrer Seite zu sagen hat, auch von der anderen Seite, von der physisch-empirischen Seite her herausstellen, dann wird sich herausstellen, daß das Fühlen des Menschen nicht zusammenhängt in primärer Weise mit dem Nerven:Sinnessystem, sondern mit dem rhythmischen System, daß geradeso, wie das Nerven-Sinnessystem entspricht dem vorstellenden Wahrnehmen, das rhythmische System entspricht dem Fühlen, und daß erst durch die Wechselwirkung des rhythmischen Systems mit dem NervenSinnessystem, auf dem Umwege durch den Rhythmus des Gehirnwassers, der heranschlägt an das Nerven-Sinnessystem, eingeschaltet wird das Nerven-Sinnessystem als Träger des Vorstellungslebens dann, wenn wir unsere Gefühle zu Vorstellungen erheben, wodurch das dumpf-traumhafte Gefühlsleben von uns selber wahrgenommen und vorgestellt wird auf innerliche Weise. Und ebenso, wie das Gefühlsleben direkt zusammenhängt mit dem rhythmischen System und indirekt durch dieses vermittelt wird, so hängt direkt zusammen das Willensleben mit dem Stoffwechselsystem. Und dieser Zusammenhang ist dann wiederum so, daß in sekundärer Weise, weil der Stoffwechsel natürlich auch im Gehirn vor sich geht, das Stoffwechselsystem in seinen Funktionen an das Nerven-Sinnessystem heranschlägt und auf diese Weise wir innerlich zustandebringen die Vorstellungen von unseren Willensimpulsen, die sonst in einem dumpfen Schlafesleben innerhalb unseres Organismus spielen würden.
[ 4 ] When an individual really understands this constitution of the human being—about which many lectures could be given to describe it in full detail—he reaches the point of being able to perceive clearly the distinctions between the head system, and therefore the nerve-sense system, on the one hand, the metabolic-limb system on the other hand, and the mediating system, the rhythmic system, whose essential role is to bring about the balance between the two other systems. If we thus wish to encompass the entire nature of the human being, we must consider the following. The actual conceptual and perceptual activity of the human being has as its basis—one cannot even say as its tool, but as its physical basis—everything that takes place physically in the nerve-sense system. It is not the case, as is suggested by modern psychology and physiology, that those processes connected primarily with the feeling and willing systems also take place in the nerve-sense system. Such an opinion does not hold up before a more precise study of the issue. You will find such a precise study, at least suggested in its outlines, in my book, Riddles of the Soul.3Rudolf Steiner, Von Seelenraetseln, 1917. Excerpts of this are published in English under the title, The Case for Anthroposophy. Rudolf Steiner Press, London, 1970. Much detailed work must still be done in this regard, however. Then what spiritual science has to say with certainty from its side will be elaborated from the other side, from the physical-empirical side. It will become clear that man's feeling is not connected in a primary way with the nerve-sense system but with the rhythmic system, that just as the nerve-sense system corresponds to mentally active perception, so the rhythmic system corresponds to feeling. Only through the interaction of the rhythmic system with the nerve-sense system, by the roundabout route of the rhythm in the cerebral fluid, pulsating against the nerve-sense system, is the nerve-sense system engaged as the carrier of the conceptual life. Then, if we raise our feelings to mental images, the dull, dreamlike life of feelings is perceived and pictured by us in an inner way. Just as the life of feeling is directly connected with the rhythmic system and is indirectly mediated by it, so the life of will is connected directly with the metabolic system. This connection in turn acts in a secondary way, since metabolism takes place also in the brain, of course, so that the metabolic system in its functions presses against the nerve-sense system. In this way we are able to bring forth the mental images of our will impulses, which otherwise would unfold in a dull sleep-life within our organism.


[ 5 ] Sie sehen da, daß wir im menschlichen Organismus drei voneinander verschiedene Systeme haben, die in verschiedener Weise das Seelenleben tragen. Nun sind diese Systeme aber nicht nur voneinander verschieden, sondern sie sind auch entgegengesetzt — wie gesagt, ich kann diese Dinge heute nur skizzieren —, so daß wir auf der einen Seite haben das Nerven-Sinnessystem, auf der anderen Seite all das haben, was die Funktionen des Stoffwechselsystems, des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems ausmachen (siehe Zeichnung). Über den Zusammenhang des Stoffwechsels mit den Gliedmaßen können Sie ja sich Vorstellungen machen, wenn Sie einfach die Wirkungen der bewegten Glieder auf den Stoffwechsel ins Auge fassen. Diese Wirkung ist eine viel größere, als man gewöhnlich innerhalb des äußeren Bewußstseins meint. Aber diese beiden Systeme, ich möchte sagen, das Nerven-Sinnessystem und das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, sie sind auch in einer gewissen Weise polarisch entgegengesetzt. Und diese polarische Entgegensetzung muß für eine gesunde Pathologie und Therapie, namentlich für eine solche Pathologie, die ganz organisch herüberführt in die Therapie, gründlich ins Auge gefaßt werden und für alle einzelnen Details, deren es natürlich unzählige gibt, sorgfältig studiert werden. Denn wenn man in die Detailwirkungen eingeht, dann stellt sich folgendes heraus. Es stellt sich heraus, daß im hohen Grade das vorhanden ist, was ich schon gestern andeutete. Wir haben innerhalb alles dessen, was zusammenhängt mit dem Kopfsystem oder Nerven-Sinnessystem Abbauprozesse, so daß, während unser Vorstellen im wachen Zustande verläuft, während wir wahrnehmen und vorstellen, dieses Wahrnehmen und Vorstellen nicht gebunden ist etwa an Wachstums- und Aufbauprozesse, sondern an Abbauprozesse, an Ausscheidungsprozesse. Und man wird darauf kommen eigentlich, wenn man in ganz gesunder Weise anschaut dasjenige, was heute schon die empirischphysiologische Wissenschaft nach dieser Richtung darbietet. Es ist heute im Grunde genommen schon der empirische Beweis auch dafür vorhanden, oder ich könnte besser sagen, die empirische Bestätigung für dasjenige, was da die Geisteswissenschaft durch Anschauung liefert. Verfolgen Sie nur dasjenige, was gewisse geistvolle Physiologen beizubringen vermögen über die physischen Vorgänge im Nervensystem, die sich abspielen als Parallelerscheinungen des Vorstellens und Wahrnehmens. Dann werden Sie sehen, daß durchaus diese Behauptung, daß wir es zu tun haben mit Ausscheidungs- und Abbauprozessen, nicht mit Aufbauprozessen, während wir denken, wachend denken und wahrnehmen, heute schon sehr gut gestützt ist. Dagegen haben wir es da, wo die Willensprozesse sich vermitteln für den Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, mit Aufbauprozessen zu tun. Nun stehen aber alle einzelnen Funktionen des Menschen durchaus miteinander in Wechselwirkung. Und sehen wir uns die Sache ordentlich an, so müssen wir sagen: Die Aufbauprozesse von unten wirken hinauf in die Abbauprozesse, die Abbauprozesse von oben wirken hinunter in die Aufbauprozesse. Und Sie haben, wenn Sie dieses sinngemäß verfolgen, dann als ausgleichendes System, als Funktionen, die den Ausgleich bewirken, da drinnen zwischen den abbauenden Prozessen und den aufbauenden Prozessen die rhythmischen Prozesse, die den Abbau in den Aufbau, den Aufbau in den Abbau hineintreiben. Und studieren wir der Sache nach, nicht rein äußerlich, studieren wir der Sache nach dasjenige, was in der sogenannten Blutzirkulation des Herzens, in der Durchatmung des menschlichen Leibes vor sich geht, so haben wir überall darinnen, ich möchte sagen, Spezialverläufe, irgendwie unterbrochene. Ich kann nicht eingehen auf dieses Unterbrechen, das hat seinen guten Sinn; aber wir haben überall Spezialisierung dieser Rhythmuskurve, die ich hier aufgezeichnet habe (siehe Zeichnung). Der Atmungsverlauf ist ein Spezialfall dieser Kurve, der Prozeß, den Sie hinzeichnen, wenn Sie den Blutgang vom Herzen nach oben, nach dem Haupte oder beziehungsweise nach der Lunge und hinunter nach dem Körper zeichnen, so haben Sie Spezialisierungen dieses Prozesses. Kurz, wenn Sie dasjenige beleben, was hier angedeutet wird, so dringen Sie nicht auf eine solche tote Weise, wie es gewöhnlich geschieht, in das Funktionengewebe des menschlichen Organismus ein, sondern in einer lebendigen Weise. Sie aber müssen dabei Ihre Vorstellungen selber lebendig machen. Es muß gewissermaßen dabei ein plastisches Abbild des menschlichen Organismus vorgestellt werden können. Man kann den menschlichen Organismus nicht mit den ruhend abstrakten Vorstellungen umfassen, mit denen man ihn umfassen möchte in der heutigen Physiologie und Pathologie, sondern man muß ihn erfassen mit bewegten Vorstellungen, mit solchen Vorstellungen, die wirklich eingreifen ihrerseits in die Wirkung von dem, was innerliche Bewegung hat, was keineswegs bloße mechanische Wechselwirkungen gegeneinander in Ruhe befindlicher Organe sind. So kommen wir darauf, wie im Grunde genommen fortwährend im menschlichen Organismus eine Wechselwirkung vorhanden ist zwischen den Abbauprozessen, den ertötenden Prozessen und zwischen den Aufbau-, den Wachstumsprozessen, den Wucherungsprozessen und so weiter. Ohne diese Tätigkeit ist die menschliche Organisation nicht zu erfassen.
[ 5 ] Thus you can see that in the human organism we have three different systems that carry the soul life in different ways. These systems do not simply differ from one another; they actually oppose each other (as I said, I can only sketch these matters today) so that on one side we have the nerve-sense system and on the other side all that constitutes the functions of the metabolic system, the metabolic-limb system (see drawing). Regarding the connection of the metabolism with the limbs, you can arrive at appropriate images if you simply consider the influence of the moving limbs on the metabolism. This influence is much greater than is ordinarily assumed in outer consciousness. These two systems, however, the nerve-sense system and the metabolic-limb system, are in opposition, are polar opposites in a certain way. This polar opposition must be studied carefully in order to arrive at a sound pathology and therapy, particularly a pathology that could lead organically over into therapy; it must be studied carefully in all its countless individual details. If one enters into the detailed effects, it becomes evident that what I suggested yesterday is truly the case. Within everything connected with the head system or nerve-sense system, we have breakdown processes, so that while our conceptual activity takes place in the waking state, when we perceive and form mental images, this activity is not bound up with growth and upbuilding processes but with breakdown processes, processes of elimination. This can be grasped if one looks in a sound way at what empirical-physiological science has already presented concerning this. There is already empirical evidence or to express it better, empirical corroboration—for what spiritual science provides through its perception. You need only pursue what certain inspired physiologists are able to present about the physical processes in the nervous system, which unfold as parallel phenomena to perceiving and forming mental images. You will see then that this assertion is certainly well supported, the assertion that when we think, when we think and perceive wakefully, we have to do with processes of elimination and breakdown, not with upbuilding processes. By contrast, where the will processes are mediated for the human being in the metabolic-limb system we are concerned with upbuilding processes. All individual functions in the human being definitely interact with one another, however. If we look at the matter correctly, we must say that the upbuilding processes from below work up into the breakdown processes, and that the breakdown processes from above work down into the upbuilding processes. Then if you pursue this logically you have the rhythmic processes as a balancing system, as functions introducing the balance between the upbuilding processes and the breakdown processes, rhythmic processes that press breakdown into build-up and build-up into breakdown. If we do not study the matter purely outwardly, we see that in the so-called blood circulation of the heart, in the aeration of the human body, we have everywhere special processes, as it were, that are somehow interrupted. I cannot go further now into this interruption, which has its purpose, but everywhere we have a specialization of this rhythmic curve that I have sketched here (see drawing). The course of breathing is a special aspect of this curve, the process that you draw if you follow the course of the blood from the heart upward toward the head or respectively toward the lungs and down to the rest of the body. Thus you have a specialization of these processes. In short, if you enliven what is suggested here, you penetrate into the functional tissue of the human organism, not in the dead way that is customary but in a living way. To do so you must enliven your own mental images. A mobile image of the human organism can thus be pictured. The human organism cannot be encompassed with static, abstract mental images, as modern physiology and pathology would like to encompass it today; it must instead be grasped with mental images in movement, with mental images that can really penetrate into the working of something that has inner movement, that is in no way merely a mechanical interaction of organs situated at rest in relation to one another. We thus can see that within the human organism there is basically a continuous interaction between the breakdown processes, the deadening processes, and the upbuilding processes, the growth or proliferative processes. The human organization cannot be grasped without this activity.
[ 6 ] Aber was ist da eigentlich vorhanden? Sehen Sie sich nur die Sache einmal genauer an. Wenn der Abbauprozeß der Nerven-Sinnesorganisation hineinwirkt durch den Rhythmus in das StoffwechselGliedmaßensystem, dann ist etwas vorhanden, was entgegenwirkt dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, was für dieses StoffwechselGliedmaßensystem Gift ist. Und umgekehrt ist dasjenige, was im Aufbausystem vorhanden ist, wenn es im Rhythmus hineinwirkt in das Kopfsystem, für das Kopfsystem Gift. Und da die Systeme, wie ich angedeutet habe, über den ganzen übrigen Organismus ausgebreitet sind, so hat man es überall im menschlichen Organismus zu tun mit einem fortwährenden Giften und Entgiften, was durch den rhythmischen Prozeß zum Ausgleich gebracht wird. Wir sehen also nicht hinein in einen solchen Naturprozeß, wie man ihn sich gewöhnlich vorstellen möchte, der einseitig — einsichtig, möchte ich sagen — verläuft, so daß man die gesunden Prozesse einfach als die normalen bezeichnen kann, sondern wir sehen hinein in zwei einander entgegenwirkende Prozesse, von denen der eine für den anderen durchaus ein kränkender Prozeß ist, und wir können gar nicht leben im physischen Organismus, ohne daß wir unser GliedmaßenStoffwechselsystem fortwährend den Krankheitsursachen des Kopfsystems, und das Kopfsystem den Krankheitsursachen des Stoffwechselsystems aussetzen. Und so wie die Waage, wenn sie nicht gleichmäßig belastet ist, so ausschlägt, ganz nach Naturgesetzen, daß der Waagebalken nicht horizontal liegt, so ist, weil das Leben ein in sich bewegliches ist, einfach nicht ein ruhender Gleichgewichtszustand vorhanden, sondern ein Gleichgewichtszustand, der nach beiden Seiten in Unregelmäßigkeit ausschlagen kann. Und heilen heißt nichts anderes, als zum Beispiel das Kopfsystem, wenn es zu stark vergiftend wirkt auf das Stoffwechselsystem, seiner vergiftenden Wirkung zu entladen, ihm seine vergiftende Wirkung zu nehmen. Oder umgekehrt, wenn das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem zu stark auf das Kopfsystem vergiftend, das heißt wuchernd wirkt, muß ihm seine Giftwirkung genommen werden. Aber zu einer vollständigen Anschauung auf diesem Gebiete kommt man erst, wenn man nun wiederum dasjenige, was man in die Lage kommt am Menschen zu beobachten, ausdehnt auf die Beobachtung der ganzen Natur, wenn man nun diese Natur im geisteswissenschaftlichen Sinne aufzufassen in der Lage ist. Wenn Sie zum Beispiel den Pflanzenbildeprozeß ins Auge fassen, dann haben Sie ganz deutlich, ich möchte sagen, im Allermakroskopischsten, ganz deutlich ein Aufwärtsstreben des Pflanzenbildeprozesses, ein Hinwegstreben vom Erdenzentrum, und Sie können reizvoll diese sich metamorphosierenden Bildebestrebungen der Pflanzen, wenigstens den ersten Linien nach, den Grundlinien nach, in Goethes «Metamorphose der Pflanzen» studieren.
[ 6 ] What is actually present there, however? Let's look at the matter more precisely. If the breakdown process of the nerve-sense organization works into the metabolic-limb system through rhythm, something is present there that works against the metabolic-limb system, something that is a poison for this metabolic-limb system. The reverse is also the case, that what is present in the upbuilding system, working into the head system in rhythm, is a poison for the head system. And since, as I have indicated, the systems are spread out over the entire organism, a poisoning and unpoisoning are continuously taking place everywhere in the human organism, and this is brought into balance by the rhythmic processes. We are therefore unable to regard such a natural process as taking its course one-sidedly, in the way that one normally pictures things, so that healthy processes are simply designated as normal. Rather we look into two processes working against one another, where one is a process that is thoroughly illness-engendering for the other. We simply cannot live in the physical organism at all without continuously exposing our metabolic-limb system to the causes of illness from the head system and exposing the head system to the causes of illness from the metabolic system. A scale that is not balanced properly is thrown out of balance by entirely natural laws so that the beam does not rest on the horizontal; similarly life, because it is in constant movement within itself, does not simply exist in a state of balanced rest but rather exists in a state of balance that can deviate in both directions toward irregularities. Healing, then, means simply that if the head system, for example, is working in a way too strongly poisonous on the metabolic system, its poisoning effect is relieved, its poisonous effect is taken away. If, on the other hand, the metabolic-limb system is working in a way too strongly poisonous on the head system, which means working over abundantly: then its poisonous effect must also be removed. It is possible to arrive at a comprehensive view of this realm, however, only if one now extends what can be observed in the human being to the observation of all nature, if one is able to grasp all nature in a spiritual scientific sense. If you look at the plant-forming process, for example, you can see clearly and macroscopically the upward striving of plant-forming processes, a striving away from the center of the earth. You may make a stimulating study of this metamorphosing formative striving of the plants, at least in a rudimentary way, on the basis of the guidelines offered in Goethe's Metamorphosis of the Plants.
[ 7 ] In Goethes «Metamorphose der Pflanzen» ist zunächst skizzenhaft enthalten nur die allererste Gliederung, die allerersten Elemente desjenigen, was über das Pflanzenwesen nach dieser Richtung zu studieren ist. Aber die Richtung dieses Studierens muß weiter ausgebildet werden. Die Grundlinien müssen verfolgt werden, dann bekommen wir eine lebendige Anschauung daraus über alles dasjenige, was da geschieht im Pflanzenwachstum, wenn wurzelnd im Boden, gewissermaßen da in negativer Richtung das Aufwärtsstreben ausbildend in der Wurzel, die Pflanze anfängt zu wachsen, dann hinaufwächst, die Anziehungskraft der Erde, die noch in der Wurzel überwiegend tätig ist, überwindend, dann sich hindurchringt durch andere Kräfte, um zuletzt zur Blüte und Frucht und Keimesbildung zu kommen.
[ 7 ] In Goethe's Metamorphosis of the Plants there is a sketchy rendering of the first composition, the first elements that are to be studied about the nature of the plant in this direction, but the direction of such a study must be developed further. The initial guidelines must be pursued, for then we may obtain a living view of everything involved in plant growth: when rooting in the soil the plant's upward-striving develops in a negative direction in the root; the plant begins to grow, then grows upward, overcoming the force of attraction of the earth prevailing in the root; then it wrestles through other forces in order to come ultimately to blossom, fruit, and seed formation.
[ 8 ] Auf diesem Wege geschieht sehr vieles. Auf diesem Wege geschieht zum Beispiel dasjenige, daß wiederum eine entgegengesetzte Kraft eingreift. Diese entgegengesetzte Kraft, die da eingreift, können Sie beobachten, wenn Sie zum Beispiel — Sie können irgendein Beispiel herausgreifen —, sagen wir, die gewöhnliche Birke, Weißbirke, Betula alba, herausgreifen und genauer den Prozeß verfolgen, der sich vollzieht von der Wurzelbildung durch die Stammesbildung, namentlich dann durch die Rindenbildung, wie sich auf Grundlage alles desjenigen, was zusammenwirkt in der Stamm- und Rindenbildung, dasjenige herausbildet, was dann in der Blattbildung zustandekommt. Man kann das geisteswissenschaftlich besonders gut studieren, wenn man die noch bräunlich erscheinenden jungen Birkenblätter im Frühling studiert. Wenn man das alles anschaulich studiert, so bekommt man eine Anschauung von einem sich Metamorphosieren auch der Kräfte, die sich da abspielen, die da wirken im Innern der Pflanze, und man bekommt die Anschauung, wie auf der einen Seite wirkt in dem Pflanzenbildungsprozesse eine Kraftrichtung von unten nach oben. Man bekommt aber auch dasjenige, was noch retardierend wirkt, was zuerst bei der Wurzel, ich möchte sagen, noch stark als Schwerkraft gewirkt hat, was aber dann, indem die Pflanze sich entringt der Erdensubstanz, indem sie aus der Luft herauswirkt, in einer anderen Weise zusammenwirkt mit der aufstrebenden Kraft. Und wir haben dann eine interessante Stufe, aber auch jetzt sachgemäße Stufe, um einzusehen, wie in der Pflanzenbildung bei diesem nach aufwärts strebenden Prozeß in der Birkenrinde sich ablagern gewisse Salze, Kalisalze, die einfach das Ergebnis sind der nach unten wirkenden Kräfte, die im Wechselspiel stehen mit den nach oben wirkenden Kräften und, ich möchte sagen, zur Eiweißbildung hinneigen, zu demjenigen, was ich als albuminisierende Kraftbildung bezeichnen möchte. So dringt man ein zum Beispiel in den Pflanzenbildeprozeß. Ich kann das hier nur andeuten. Sie sehen, wir dringen eben so ein, indem wir gewissermaßen anschauen, wie sich da ablagern in der Birkenrinde die Kalisalze, wie sich dann etwas entringt dieser nach unten ziehenden Kraft — ich möchte sagen, des Prozesses, der etwa zu vergleichen wäre mit dem, wenn so ein Salz herausfällt aus einer Lösung —, wir kommen dann zu dem Prozesse, der vor sich geht, indem sich die Lösung dem Salze entringt, wir kommen da, indem wir das lebendig erfassen, in den Eiweißbildungsprozeß, in dasjenige hinein, was ich als den Albuminisierungsprozeß bezeichnen möchte. Da haben wir einen Weg, das Äußere, das den Menschen umgibt, zu studieren, anschaulich zu studieren.
[ 8 ] A great deal takes place upon this path. On this path, for example, an opposing force once again intervenes. The opposing force that intervenes can be well observed if you study, simply to take an example, the common birch, betula alba. Pursue very precisely the process that takes place from the root formation through the trunk formation, particularly the bark formation. Consider how, on the basis of everything that works together in the trunk and bark formation, there develops what later comes into manifestation in the leaf formation. This can be studied particularly well in a spiritual scientific way if the still-brownish young birch leaves are studied in the spring. If this is studied vividly, one also receives a view of forces self-metamorphosing, forces that are active there within the plant. One receives a view of how, on the one hand, there is a formative force active in the process of plant formation that works from below upward. On the other hand it is also possible to behold the force that retards, which in the root still, works strongly as the force of gravity but which, as the plant wrestles itself free from the earthly substance out into the air, is able to work together in another way with the upward-striving force. We then reach an interesting stage, a stage very helpful in understanding how in plant formation during this upward-striving process certain salts, potassium salts, are deposited in the birch bark; this is simply the result of the interaction of the forces working downward with the forces working upward, tending toward protein-formation, you could say, toward what I would like to designate as the albuminizing force formation. In this way it is possible to penetrate into the plant-forming process. I can only indicate this here. By looking at how the potassium salts are deposited in the birch bark, how something wrestles itself free from this force drawing downward (a process somewhat comparable to what happens when a salt precipitates out of a solution), coming to the process that takes place when the solution rids itself of the salt, we come to see, to grasp in a living way, the process of protein formation, the process I would designate as the albuminizing process. We thus have a path to study what outwardly surrounds the human being, to study it vividly.
[ 9 ] Und dann, dann schauen wir zurück auf den Menschen und sehen, wie der Mensch im Grunde genommen, sagen wir, wenn wir ins Auge fassen seinen von oben nach unten wirkenden Abbauprozeß, in sich hat dieselbe Form von Kräften, die bei der Pflanze von unten nach oben wirkt. Wir schauen da gewissermaßen in dem, was an Kräften wirkt vom Kopfsystem nach unten, nach dem Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, wie gewissermaßen ein umgekehrtes Pflanzliches drinnen wirkt, wie in der Tat die Kräfte, die wir nach aufwärts geschickt sehen im Pflanzenwachstum, nach abwärts wirken. Wenn zum Beispiel der Mensch diesen, ich möchte sagen, bei ihm in seinem Innern wirkenden Pflanzenbildungsprozeß in der unrichtigen Weise aufhält, so daß er nicht in richtiger Weise von dem, was im Kopfe wirkt — das Astralische, das Ich-Wesen —, durchdringt das Leibeswesen, aber diese Durchdringung sich äußert innerhalb des Leibes, dann haben wir es zu tun mit etwas, was da aufgehalten wird, was verlaufen sollte im menschlichen Organismus, wir haben es zu tun mit einer pathologischen Erscheinung, die uns entgegentritt zum Beispiel in den Fällen, wo Rheumatismus, wo gichtische Zustände auftreten. Wir studieren dasjenige, was von diesem Aufbauprozesse, indem er in einer gewissen Weise zurückgestaut wird, im menschlichen Organismus bewirkt wird, wir studieren das und finden es wieder in dem Prozesse des Rheumatismus, in dem Prozesse der Gichtbildung und so weiter. Und wir lenken jetzt wiederum den Blick von dem Inneren des Organismus, sagen wir, nach einem solchen Pflanzenbildungsprozeß, wie er uns bei Betula alba vorliegt; dann gewinnen wir folgendes. Dann schauen wir auf der einen Seite hinein in dasjenige, was sich da abspielt in der Salzbildung, auf der anderen Seite in der Eiweißbildung. Und wir finden, wenn wir diesen Prozeß der Eiweißbildung ordentlich verstehen, darinnen den entgegengesetzten Prozeß von demjenigen, was da aufgehalten wird. Im Organismus wird aufgehalten derjenige Prozeß, der sich abspielen sollte ähnlich jenem Prozesse, der sich als richtiger Prozeß der Albuminisierung in den Birkenblättern abspielt, und wir bekommen dadurch einen Zusammenhang zwischen denjenigen Prozessen, die sich zum Beispiel in den Birkenblättern abspielen und den Prozessen des Organismus, indem wir dasjenige, was in den Birkenblättern ist, zu Heilmitteln verarbeiten, die wir den Menschen beibringen, und durch die wir, weil sie in der richtigen Weise entgegengesetzt sind diesem Stauprozeß, der im Rheumatismus, in der Gicht auftritt, in dieser Weise heilbringend wirken. Das heißt, wir schauen in dieser Weise zusammen dasjenige, was draußen in der Natur sich abspielt, mit dem, was im Innern des Organismus sich abspielt und bekommen da eine Vorstellung heraus, wie wir die Heilkräfte dirigieren sollen. Auf der anderen Seite sehen wir, wie dann, wenn die Abbauprozesse so verlaufen, daß der Organismus sie gewissermaßen nicht aufhalten kann, daß sie nach unten sich verbreitern, das rhythmische System sie nicht in der richtigen Weise zurückschlägt, daß sie dann an die Peripherie des Körpers auslaufen, daß sie gewissermaßen nach der Haut herausdrängen. Wir bekommen entzündliche Zustände in dem Äußeren der Menschen, wir bekommen Hautausschläge und dergleichen. Und wir schauen wiederum zurück auf unsere Pflanze, Betula alba, und wir finden den entgegengesetzten Prozeß in der Ablagerung der Kalisalze in der Birkenrinde, bekommen dadurch die Möglichkeit, einzusehen, wie wir diesen im menschlichen Wesen zu einer Überexsudation treibenden Prozeß des Hautausschlages bekämpfen, indem wir ein Heilmittel aus der Birkenrinde bereiten.
[ 9 ] Then when we look back at the human being, we can see how, fundamentally speaking, the human being has the same form of forces in him—if we consider the breakdown process working from above downward—that work from below upward in the plant. We can see that in what is active in the forces working downward from the head system toward the metabolic-limb system there is something like an inverted plant element active within us. We can see that in fact those forces that we see sent upward in plant growth work in a downward direction in the human being. If the human being inappropriately holds back this process of plant formation active within him, so that he doesn't permeate the bodily life in the right way with what is active in the head—the astral, the ego-being—and if this then penetrates the bodily nature, this penetration expressing itself within the body, then something is held up there, something that should proceed into the human organism. We thus have to do with a pathological phenomenon like that which confronts us, for example, in cases of rheumatism or gouty conditions. If we study what is brought about in the human organism when this breakdown process is dammed up in a certain way, we discover its effects in the process of rheumatism, in the process of gout-formation, and so on. Let us now shift our gaze again from within the organism to a process of plant formation like the one we have in the betula alba. From this we can arrive at the following. We look on the one hand into what takes place in salt formation and on the other hand into protein formation. We find, if we understand this process of protein formation in the right way, that the opposite process is within it and is held up there. We find held up in the organism that process which should take place in a way similar to the correct process of albuminizing in the leaves of the birch. We are thus able to come to the relationship between those processes that take place in the birch leaves, for example, and the processes within the organism if we process what is in the birch leaves into remedies. We can then give these remedies to the human being, by means of which we can bring about a healing, because the remedy correctly opposes this damming-up process that occurs in rheumatism and gout. In this way we look both at what is taking place outside in nature and at what takes place within the organism, and then we arrive at an idea of how we should guide the healing forces. On the other hand we can see instances when the breakdown processes proceed in such a way that the organism cannot restrain them so that they pour themselves downward, and the rhythmic system does not press them back in the right way; they thus reach the periphery of the body pressing outward, as it were, toward the skin. Then we get inflammatory conditions on the outer portion of the human being, we get skin eruptions and the like. If we now look hack again to our plant, to the betula alba, we find the opposing process in the disposition of the potassium salts in the birch bark: we thus become able to see how we can fight against the process of skin eruption, which is an excessive function of exudation within the human being, by preparing a remedy from the birch bark.
[ 10 ] Und so können wir studieren, wie pflanzliche, wie mineralische Prozesse wirken, und wir bekommen einen Zusammenhang zwischen dem, was da in der äußeren Natur ist und demjenigen, was im Innern des Menschen wirkt. Wir bekommen mit anderen Worten das Aufsteigen der medizinischen Empirie, der therapeutischen Empirie, zu demjenigen, was Goethe in seinem Sinne, jetzt nicht im verstandesmäßigen, sondern in seinem Sinne die rationelle Stufe der Wissenschaft nennt, wir bekommen eine Wissenschaft als Therapie, welche wirklich die Zusammenhänge durchschaut. So leicht sind die Dinge nicht, denn man muß mindestens nach gewissen Typen, zunächst nach geheimen Typen der menschlichen Persönlichkeit und nach Geheimnissen des Naturdaseins die Dinge wirklich im einzelnen studieren. Und man muß nun nicht etwa glauben, daß, wenn man den Prozeß studiert hat an einem solchen Exempel wie Betula alba, man dann schon alles dasjenige überschauen kann, was da in Betracht kommt. Bei irgendwelchen anderen Pflanzenbildeprozessen, ich will sagen, zum Beispiel bei der Roßkastanie und dergleichen, vollziehen sich diese Bildungsprozesse in wesentlich anderer Art, und keineswegs zu einem allgemeinen Gefasel und Geschwafel führt dasjenige, was hier angedeutet wird, sondern es führt zu einem sehr ernsten und ausgebreiteten Studium.
[ 10 ] We are therefore able to study how plant processes, how mineral processes, are active, and we grasp the connections between what is outside in nature and what is active within the human being. In other words, medical empiricism, therapeutic empiricism, ascends to what Goethe calls in his sense—not now in the intellectual sense but in his sense the rational stage of science. We arrive at a science as therapy, which is able really to penetrate into the connections. These things are not so simple, for one must study things in detail, at least in accordance with certain types, at first in accordance with secret types of the human personality and in accordance with secrets of natural existence. It should not be assumed that if the process has been studied in an example such as the betula alba, an overview has already been reached of what needs to be considered. In each different plant-forming process—for example in the horse chestnut or whatever—these formative processes will manifest themselves in an essentially different way. What has been indicated here should not in any way lead to a generalized twaddle but to a very serious and extensive study.
[ 11 ] Aber — dieses Wort möchte ich insbesondere an die verehrte Studentenschaft richten — dieses Studium wird nicht, wenn es in rationeller Weise getrieben wird, Sie in eine Furcht vor dem Umfange hineinzutreiben haben. Denn ich kann Ihnen die Versicherung geben, wenn all dasjenige, was Examensballast ist, was — um in diesem paracelsischen Sinne zu sprechen — Examens-Tartaros ist, wegfällt, und dafür alles dasjenige getrieben wird, was in dieser Weise in eine rationelle Anschauung von einer therapeutischen Pathologie und pathologischen Therapie hineinführt, dann werden die Studenten der Medizin nicht etwa noch mehr, sondern weniger zu studieren haben, Und dieses Studium wird, weil es sie durchleben wird, nur in ihnen einen größeren Enthusiasmus hervorrufen als dasjenige, was sie heute an den Menschen heranführt und was ihnen im wesentlichen nichts anderes liefert, als daß sie Organe sehen, die keineswegs ruhend sind, sondern die nur verstanden werden, wenn man sie in ihrer lebendigen Funktion auffaßt und in ihrer Wechselwirkung zu anderen Organen, wenn man diese Organisation studiert, wenn man dieses ganz ins Funktionelle-Hineintreiben und dazu eine äußere Naturwissenschaft hat, welche ebenfalls wieder ins Funktionelle hineintreibt. Es wird ja durchaus immer wieder parallel zu studieren sein jener innere Vorgang im Menschen, jenes Eigentümliche, das sich da abspielt als Vergiftungen und Giftwirkungen, die aus dem Gleichgewicht gekommen sind, und diejenigen Prozesse, die sich gerade nicht in der Naturordnung abspielen und die, weil das Äußere polarisch zu dem Inneren sich verhält, in einer gewissen Weise auch polarisch zu verwenden sind, und die daher durchaus in die Pathologie, oder besser gesagt in eine therapeutische Pathologie und pathologische Therapie hineinführen können.
[ 11 ] Now I wish to direct my words particularly to the students here. If this study is undertaken in a rational way, it need not drive you into a panic regarding the extent of study necessary, for if everything now present as examination-ballast falls away—to speak in Paracelsus' terms—and is replaced by something active, leading in this way to a rational view of a therapeutic pathology and a pathological therapy, students will have to study not more but less. And because this study will permeate you with life, it will bring forth a much greater enthusiasm than what leads you to the human being today, yielding only the ability to see organs. Such organs are by no means at rest and can be understood only if they are grasped in their living function and in their interaction with other organs, can be understood only if this organization is studied and if one strives to enter completely into the functional element. We need an outer natural science that is also striving to reach the functional element. It is absolutely necessary to study in parallel the inner process in the human being, that peculiar process taking place as poisoning and poisoning effects that have fallen out of balance, and those processes that take place in the natural order. And because the outer relates itself in a polar way to the inner, the outer processes must be used in a certain way polarically. By this means we can be guided into pathology, or, said better, into a therapeutic pathology and a pathological therapy.
[ 12 ] So konnte ich Ihnen nur andeuten dasjenige, was, ich möchte sagen, die Schritte zu lenken hat, welche eine Gesundung des medizinischen Studierens nehmen muß, und ich konnte Ihnen nur andeuten, wie die Geisteswissenschaft hineinwirken will in dieses medizinische Studieren. Ich werde Ihnen heute abend, wo ich wiederum eine halbe Stunde nach Beendigung der eurythmischen Vorstellung für alle hier vortragen werde, noch einige andere Beispiele geben, welche Ihnen zeigen werden, wie dieses intuitive Zusammenschauen der äußeren Naturwirkungen mit den Wirkungen des inneren Organismus eben zum Therapeutischen und zum Erkennen des Pathologischen führen kann. Ich möchte da eingehen dann auf einzelne Stoffe. Ich konnte in dieser kurzen Zeit, die mir hier zur Verfügung stand, nur das Prinzip gewissermaßen an dem Beispiel von Betula alba angeben, werde heute abend noch einiges andere angeben, werde mich aber überall daran halten eben, anzudeuten, was in das allgemeine Verständnis der Menschen hineingehen soll. Denn von diesem ausgehend muß dann wiederum der Mediziner speziell weiterbauen. Er soll in das Spezielle hineingehen, denn das Spezielle zu behandeln, erfordert auch überall eine individuelle Beurteilung, und da ist es notwendig, daß aus dem Verständnis aller Laien für die medizinischen Richtungen, für die medizinischen Prinzipien ein Verständnis, eine verständnisvolle Art dafür herauswächst, was der Arzt innerhalb der äußeren Welt vorzunehmen hat.
[ 12 ] I have only been able to suggest here what is necessary to direct the steps needed to heal medical study, and was only able to suggest how spiritual science wishes to work into this medical study. This evening I will give you a few more examples, to show you how intuitively looking together at the outer workings of nature and the workings of the inner organism can lead to therapy and to knowledge of pathology. At that time I would like to go into particular substances. During the brief time available to me here, I have only been able to indicate the principle, as it were, concerning the example of betula alba, and this evening I will give some further indications, but in every instance I will try to hold myself to indicating only what can add to a general understanding of the human being. Proceeding from this, the physician must move into further specialization. He must enter into the specifics. To deal with specifics always requires an individual evaluation, and here it is only necessary, out of the laymen's understanding of medical directions, of medical principles, for an understanding to grow of what the physician has to undertake within the outer world.
[ 13 ] Und wenn Sie in richtigem Sinne den Gang betrachten, den eigentlich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft für die Medizin nehmen will — ich werde heute abend noch darüber weiter zu reden haben —, so werden Sie sich schon sagen: Wahrhaftig, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will nicht in das Kurpfuschertum, in das Laientum, in den Dilettantismus hineintreiben, sondern sie will vor allen Dingen hinwirken auf eine Gesundung der Wissenschaft, der echten, ernsten Wissenschaft selbst, die dann wiederum selbst ihre soziale Wirkung schon haben wird.
[ 13 ] If you consider rightly the course that an anthroposophically oriented spiritual science wishes to pursue in medicine—and I will speak more about this tonight—you will really be able to say that this anthroposophically oriented spiritual science does not wish to encourage quackery and dilettantism; rather it wishes above all to work toward a healing of science, toward a true, serious science that will itself engender social effects.
