Therapeutic Eurythmy
GA 315
28 October 1922, Stuttgart
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Therapeutic Eurythmy, tr. SOL
Vortrag im Rahmen der «Medizinischen Woche»
Lecture as part of “Medical Week”
[ 1 ] Es ist gewünscht worden, daß ich noch einiges in bezug auf unsere Heileurythmie sage. Im Grunde genommen ist das empirische Material für diese Heileurythmie ja von mir beim letzten Ärztekurs in Dornach entwickelt worden, dargestellt worden, und es ist kaum notwendig, über das dazumal Gegebene hinauszugehen. Denn wenn es in entsprechender Weise verwertet wird, dann kann es ja wirklich sehr weittragende Bedeutung haben. Ich möchte heute vielmehr zu Ihnen sprechen über den ganzen Sinn und die Bedeutung der Heileurythmie.
[ 1 ] It has been requested that I say a few more words regarding our therapeutic eurythmy. Essentially, the empirical material for this therapeutic eurythmy was developed and presented by me during the last medical course in Dornach, and there is hardly any need to go beyond what was presented at that time. For if it is applied in the appropriate way, it can indeed have far-reaching significance. Today, I would rather speak to you about the overall meaning and significance of therapeutic eurythmy.
[ 2 ] Nicht wahr, sie gliedert sich ja in einer gewissen Weise heraus aus einer rein künstlerischen Sache, die sich auch zuerst als künstlerische Sache entwickelt hat, und in gewisser Beziehung muß sogar die künstlerische Eurythmie eine Art Grundlage abgeben für das richtige Verständnis der Heileurythmie. Nun werde ich vielleicht am klarsten sprechen, wenn ich zunächst einmal versuche, den Unterschied zwischen der künstlerischen Eurythmie und der Heileurythmie anzugeben. Eurythmie im allgemeinen beruht darauf, daß man dasjenige, was im menschlichen Organismus vor sich geht beim Sprechen, nach einer gewissen Seite hin metamorphosieren kann. Daher ist Eurythmie zunächst künstlerisch wirklich eine Art sichtbare Sprache. Wir müssen uns nämlich klar sein, daß beim menschlichen Sprechen zwei Komponenten zusammenwirken. Die eine Komponente geht aus von einer gewissen Benützung des plastischen Apparates — ich darf von diesem plastischen Apparate im Menschen sprechen nach den vorangehenden Vorträgen -, von einer weiter nach innen gelagerten Schicht, möchte ich sagen, des Nervensystems. Da spielt das Vorstellungsmäßige hinein. Im wesentlichen setzt sich der Vorstellungsapparat im Sprechapparate allerdings in einer etwas komplizierten Weise bis in den Bau des Nervensystems fort, und das ergibt dann eben in der weiteren Ausstrahlung, möchte ich sagen, die eine Komponente, die im Sprechen wirkt. Die andere Komponente kommt eigentlich aus dem Stoffwechselorganismus des Menschen herauf. Und wir haben in einer gewissen Weise ein Sich-Begegnen von einer Dynamik, die aus dem Stoffwechselsystem des Menschen kommt, und einer Dynamik, welche aus dem Nerven-Sinnessystem des Menschen kommt. Die beiden treffen sich so, daß das Stoffwechselsystem sich zunächst metamorphosiert in den Zirkulationsvorgängen, und das Vorstellungsgemäße, das aus dem Nerven-Sinnessystem kommt, sich metamorphosiert im Atmungssystem. Im Atmungssystem und Zirkulationssystem stoßen dann die beiden dynamischen Systeme zusammen, und indem das Ganze mit Hilfe des Sprachorganismus auf die Luft übertragen wird, ist auch der astralische menschliche Organismus imstande, sich hineinzuergießen in dasjenige, was da als Luftbewegungen erzeugt wird. Und die Sprache kommt zustande, wenn wir gewissermaßen die äußerste Peripherie des menschlichen Organismus betrachten, durch eine Verkörperung des Vorstellungsgemäßen auf der einen Seite und des Stoffwechselgemäßen auf der andern Seite, was eigentlich, seelisch ausgedrückt, das Willensgemäße ist. Wir haben also alles dasjenige, was seelisch seinen Ausdruck im Willen, körperlich seinen Ausdruck im Stoffwechselsystem findet, insofern das Nervensystem am Willen beteiligt ist: es ist ja beteiligt, insofern Stoffwechsel im Nervensystem stattfindet, nicht als Nerven-Sinnesfunktion. Also das Willensmäßige, das seinen körperlichen Ausdruck findet im Stoffwechselsystem, und das Vorstellungsgemäße, das seinen körperlichen Ausdruck findet, ich möchte sagen, in einer Sektion, in einer Schicht des Nerven-Sinnesmäßigen, die gliedern sich gewissermaßen zu einer Resultierenden zusammen. Sie finden dann den physischen Ausdruck in dem, was als die gewöhnliche Lautsprache oder der Gesang zum Ausdruck kommt. Beim Gesang ist es etwas anderes, aber es ist ja etwas ähnliches. Nun handelt es sich bei der Eurythmie darum, daß man ausschaltet das eigentlich Vorstellungsmäßige in möglichst hohem Grade, und zur Wirksamkeit bringt das Willensmäßige. Dadurch metamorphosiert sich die gewöhnliche Lautsprache in Bewegungen des gesamten menschlichen Organismus, so daß man die eine Komponente, das Willensgemäße beziehungsweise das Stoffwechselgemäße verstärkt, das Vorstellungsgemäße beziehungsweise das Nerven-Sinnesgemäße abschwächt und dadurch die Eurythmie herausbekommt. Dadurch ist man in der Lage, wirklich für die einzelnen Laute, seien sie Vokale, seien sie Konsonanten, Korrelate in menschlichen Bewegungen zu schaffen. Und geradeso wie eine gewisse Luftformung und Luftbewegung einem A oder L entspricht, kann eine äußerlich sichtbare Bewegungsform entsprechen einem A oder L. Es liegt da eine durch sinnlich-übersinnliches Schauen aus dem menschlichen Organismus herausgeholte Bewegung, Bewegungsstruktur möchte ich sagen, vor, die wirklich mit derselben Gesetzmäßigkeit aus dem menschlichen Organismus folgt wie die Lautsprache, nur eine Metamorphose der Lautsprache ist, die eben mehr nach dem Willensmäßigen hin orientiert ist. So daß man also das ganze Alphabet zusammensetzen kann auch durch diese Sprache; so daß man alles Sprachliche durch diese Eurythmie zum Ausdruck bringen kann. Wenn nun künstlerisch Eurythmie ausgeführt wird, dann wendet sich die menschliche Aufmerksamkeit und damit alle Vorgänge im menschlichen physischen, ätherischen und astralischen Organismus, welche die Träger der Aufmerksamkeit sind, zu dem entsprechenden Laut beziehungsweise der Wortgestaltung oder der künstlerischen Satzgestaltung, der metrischen Gestaltung, poetischen Gestaltung und so weiter. Der Mensch ist gewissermaßen, wenn er künstlerisch-eurythmisch tätig ist, ganz hingegeben an dasjenige, was an künstlerischer Gestaltung des Lautlichen möglich ist. Da man ja selbstverständlich bei der künstlerischen Eurythmie folgt jener Gestaltung, welche auch die Sprache hat, so ist der Mensch, indem er künstlerisch-eurythmisch tätig ist, an die Außenwelt hingegeben. Und wie man ja auch im Worte an einem A nicht hält, an einem L nicht hält, sondern die Dinge vorübergehen, so haben wir es bei dieser künstlerischen Eurythmie zu tun mit etwas, was durchaus innerhalb des normal funktionierenden menschlichen Organismus sich abspielen kann. Es tritt also für den menschlichen Organismus keine andere physiologische Folge durch die gewöhnliche künstlerische Eurythmie ein als diejenige, daß in einer energischen Weise schon durch die gewöhnliche künstlerische Eurythmie die innere Harmonisierung der menschlichen Funktionen hervorgerufen wird, der Funktionen, insofern sie eine Totalität bilden im menschlichen Organismus.
[ 2 ] Isn't it true that it emerges, in a certain sense, from a purely artistic endeavor—one that initially developed as an artistic endeavor—and that, in a certain respect, artistic eurythmy must even serve as a kind of foundation for the proper understanding of therapeutic eurythmy? Now I will perhaps express myself most clearly if I first attempt to explain the difference between artistic eurythmy and therapeutic eurythmy. Eurythmy in general is based on the ability to transform, in a certain way, what takes place in the human organism during speech. Therefore, eurythmy is, in the first place, artistically speaking, truly a kind of visible language. We must be clear, in fact, that two components interact in human speech. One component arises from a certain use of the plastic apparatus—I may speak of this plastic apparatus in the human being in light of the preceding lectures—from a layer of the nervous system that lies deeper within, so to speak. This is where the imaginative aspect comes into play. Essentially, however, the imaginative apparatus extends in the speech apparatus—albeit in a somewhat complex way—all the way into the structure of the nervous system, and this then results, so to speak, in the further radiation of the one component that is at work in speech. The other component actually arises from the human metabolic system. And in a certain sense, we have an encounter between a dynamic that originates in the human metabolic system and a dynamic that originates in the human nervous-sensory system. The two meet in such a way that the metabolic system first undergoes a metamorphosis in the circulatory processes, and the imaginative aspect, which comes from the nervous-sensory system, undergoes a metamorphosis in the respiratory system. In the respiratory and circulatory systems, these two dynamic systems then converge, and as the whole is transmitted into the air with the aid of the speech organ, the human astral organism is also able to pour itself into what is produced there as air movements. And speech comes about—when we consider, so to speak, the outermost periphery of the human organism—through an embodiment of the imaginative on the one hand and the metabolic on the other, which, expressed in psychological terms, is actually the volitional. We thus have everything that finds its psychological expression in the will and its physical expression in the metabolic system, insofar as the nervous system is involved in the will: it is indeed involved, insofar as metabolism takes place in the nervous system—not as a nervous-sensory function. So the volitional, which finds its physical expression in the metabolic system, and the imaginative, which finds its physical expression—I would say—in a section, in a layer of the nervous-sensory system; these combine, as it were, into a resultant force. They then find their physical expression in what is expressed as ordinary spoken language or singing. With singing, it is somewhat different, but it is, after all, something similar. Now, in eurythmy, the aim is to suppress the purely imaginative aspect to the greatest possible extent and to bring the volitional aspect into play. Through this, ordinary spoken language is transformed into movements of the entire human organism, so that one strengthens one component—the volitional or metabolic aspect—while weakening the imaginative or nervous-sensory aspect, thereby bringing eurythmy into being. This enables one to truly create correlates in human movements for the individual sounds, whether they be vowels or consonants. And just as a certain formation and movement of air corresponds to an A or an L, so too can an outwardly visible form of movement correspond to an A or an L. There is a movement—or, I would say, a movement structure—extracted from the human organism through sensory-supersensory perception, which truly arises from the human organism with the same regularity as spoken language; it is merely a metamorphosis of spoken language that is oriented more toward the volitional. Thus, one can also compose the entire alphabet through this language; so that everything linguistic can be expressed through this eurythmy. When eurythmy is performed artistically, human attention—and with it all the processes in the human physical, etheric, and astral organisms, which are the vehicles of attention—turns toward the corresponding sound, or the word formation, or the artistic phrasing, the metrical structure, the poetic structure, and so on. In a sense, when a person is engaged in artistic eurythmy, they are completely devoted to what is possible in terms of the artistic shaping of sound. Since, of course, artistic eurythmy follows the same structure as language, the person, by engaging in artistic eurythmy, is devoted to the external world. And just as in speech one does not dwell on an “A” or an “L,” but rather lets the sounds pass by, so too in artistic eurythmy we are dealing with something that can take place entirely within the normally functioning human organism. Thus, ordinary artistic eurythmy has no other physiological effect on the human organism than to energetically bring about the inner harmonization of human functions—functions that, insofar as they form a totality within the human organism.
[ 3 ] Man kann daher sagen: Wenn in der richtigen Weise Einhalt getan wird einem Übertreiben in eurythmisch-künstlerischer Tätigkeit, so ist auch diese eurythmisch-künstlerische Tätigkeit ganz allgemein gesundend. Aber wie alles, was gesundend sein kann, krankmachend sein kann, wenn es übertrieben wird, kann auch die Eurythmie als künstlerische Tätigkeit übertrieben werden. Der Professor Benedikt, der berühmte Kriminalpsychologe, hat, weil er die Antialkoholbewegung nicht leiden konnte, immer wieder und wieder betont, daß viel mehr Leute durch das Wasser sterben als durch den Alkohol. Das müssen die Statistiken auch zugeben, weil zu starker, nicht richtiger Wassergenuß zu zahlreichen Krankheitserscheinungen führt. So kann Eurythmie natürlich in dem Maße, in dem sie getrieben werden soll - künstlerisch wird das ja ohnedies einen gewissen Befriedigungs- oder Unbefriedigungszustand im menschlichen Organismus ergeben -, im allgemeinen nur gesundend sein.
[ 3 ] One can therefore say: If excesses in eurythmic-artistic activity are curbed in the right way, then this eurythmic-artistic activity is, in general, healing. But just as everything that can be healing can also be harmful if taken to extremes, eurythmy as an artistic activity can also be taken to extremes. Professor Benedikt, the famous criminal psychologist, who could not stand the temperance movement, repeatedly emphasized that far more people die from water than from alcohol. The statistics must admit this as well, because excessive or improper consumption of water leads to numerous health problems. Thus, eurythmy—to the extent that it is to be practiced—can, of course, generally only be beneficial; artistically speaking, it will in any case result in a certain state of satisfaction or dissatisfaction within the human organism.
[ 4 ] Was nun die Heileurythmie betrifft, so ist gewissermaßen dasjenige, was bei der künstlerischen Eurythmie in der Hingabe lebt an Lautgestaltung, Wortgestaltung, Satzgestaltung, nach innen reflektiert. Es ist schon dadurch nach innen reflektiert, daß bei der Heileurythmie, sagen wir, ein Laut A oftmals hintereinander wiederholt werden muß. Dadurch geschieht etwas ganz anderes, als wenn ich vom Laut A übergehe zu einem I oder dergleichen in künstlerischer Darstellung. Nun handelt es sich darum, hineinzuschauen in den eigentlichen Heilprozeß, der bei der Eurythmie stattfinden kann. Da möchte ich nicht vermeiden, eine gewisse Besorgnis auszusprechen, die eigentlich naheliegt gegenüber solchen Dingen. Solcher Dinge bemächtigen sich sehr leicht Laien und Dilettanten. Ich habe aber vom Anfange an betont, daß Heileurythmie eigentlich ausgeübt werden soll vom Arzte oder der Ärztin selbst, oder wenigstens im innigsten Finklang mit dem Arzte nur vollzogen werden darf. Das aus dem Grunde, weil auch solche Ausläufer, möchte ich sagen, desjenigen, was Geisteswissenschaft in bezug auf Medizin will, weil auch solche Ausläufer so betrachtet werden müssen wie die ganze Stellung der Geisteswissenschaft zur Medizin.
[ 4 ] As for therapeutic eurythmy, it is, in a sense, the inward reflection of what in artistic eurythmy lives in the devotion to the shaping of sounds, words, and sentences. It is already reflected inwardly by the very fact that in therapeutic eurythmy, let us say, the sound “A” must often be repeated in succession. This brings about something quite different from what happens when I move from the sound “A” to an “I” or something similar in an artistic performance. Now the point is to look into the actual healing process that can take place through eurythmy. I cannot help but express a certain concern that is actually quite natural when it comes to such matters. Such practices are very easily appropriated by laypeople and amateurs. However, I have emphasized from the very beginning that therapeutic eurythmy should actually be practiced by the physician themselves, or at the very least may only be performed in the closest harmony with the physician. The reason for this is that even such offshoots—I would say—of what Spiritual Science aims for in relation to medicine must be viewed in the same light as the entire stance of Spiritual Science toward medicine.
[ 5 ] Es ist wirklich so, daß Geisteswissenschaft nicht arbeitet auf medizinischem Gebiete nach so etwas hin, wie es mir einmal begegnet ist vor zwanzig Jahren. Da waren auch anwesend bei anthroposophischen Versammlungen, ja, Naturheilärzte nannten sie sich, und da wurde mir einmal eine Abhandlung übergeben, in der stand eigentlich nur in verschiedenen Wiederholungen dieses: Alle Heilung beruht darauf, daß man das im Organismus Unharmonische wiederum harmonisiert. — Auf sechs Seiten wurde dieser Satz in der mannigfaltigsten Weise variiert, daß man das Unharmonische harmonisieren soll. Es ist gegen diesen Satz nicht das geringste einzuwenden, es handelt sich nur darum, daß man es im einzelnen Fall, ganz im Speziellen kann. Und da wird es dann unangenehm für Menschen, die eine solche Gesinnung haben, wie sie sich im Schlußsatze aussprach: Alles dasjenige, was jetzt geschrieben worden ist, das zeigt, daß man die ungeheuer komplizierte Medizin verlassen kann und daß man sich beschränkt auf das Harmonisieren des Unharmonischen, und das wäre - so stand es wörtlich da - von «berauschender Einfachheit». — So etwas von der berauschenden Einfachheit kann ich Ihnen nicht bieten. Sondern es ist schon so, daß durch die Geisteswissenschaft die Medizin nicht zu einer solchen berauschenden Einfachheit hingetrieben werden soll, sondern eigentlich zu einer größeren Komplikation, wie Sie schon aus Verschiedenem entnommen haben werden. So daß Sie nun nicht weniger zu lernen haben werden durch die Geisteswissenschaft, sondern mehr zu lernen haben werden, aber mit dem Wenigerlernen wird es durchaus etwas hapern, wenn auch alle Dinge übersichtlicher und überschaubarer werden und das Lernen interessanter wird dadurch. Wer darauf reflektiert, daß das Heilen bequemer gemacht werden soll durch die Geisteswissenschaft, der wird schon aus den Auseinandersetzungen, die ich hier gepflogen habe, gesehen haben, daß das nicht der Fall ist.
[ 5 ] It is truly the case that Spiritual Science does not work in the medical field toward something like what I once encountered twenty years ago. There were also people present at anthroposophical gatherings—indeed, they called themselves naturopaths—and on one occasion I was handed a treatise that essentially contained nothing but various repetitions of this: All healing is based on restoring harmony to what is out of harmony within the organism. — Over the course of six pages, this sentence was varied in the most diverse ways, all emphasizing that one should harmonize what is disharmonious. There is not the slightest objection to this statement; the only question is whether one can actually do so in a specific, individual case. And that is where it becomes uncomfortable for people who hold the view expressed in the concluding sentence: “Everything that has now been written shows that one can abandon the immensely complicated field of medicine and limit oneself to harmonizing what is disharmonious, and that would be—as it was stated verbatim—of ‘intoxicating simplicity.’” — I cannot offer you anything of that “intoxicating simplicity.” Rather, it is indeed the case that, through Spiritual Science, medicine is not to be driven toward such intoxicating simplicity, but rather toward greater complexity, as you will have already gathered from various sources. So you will not have less to learn through Spiritual Science, but rather more; yet the idea of “learning less” will certainly prove problematic, even though everything will become clearer and more manageable, and learning will become more interesting as a result. Anyone who reflects on the idea that Spiritual Science is supposed to make healing more convenient will have already seen from the discussions I have conducted here that this is not the case.
[ 6 ] Und, ich möchte sagen, so ist es auch bei dem, was Heileurythmie ist. Es ist durchaus so, daß eigentlich Heileurythmie ohne eine gesunde Diagnose nicht angewendet werden sollte, daß es sich durchaus darum handelt, daß sie nur im Einklang mit der fachmännischen ärztlichen Wissenschaft ausgeübt werden sollte. Denn man hat es eigentlich zu tun mit der Anwendung einer ungeheuer feinen Kenntnis des menschlichen Organismus.
[ 6 ] And, I would say, the same is true of what therapeutic eurythmy is. It is certainly true that therapeutic eurythmy should not be practiced without a sound diagnosis, and that it is absolutely essential that it be practiced only in harmony with expert medical science. For what we are actually dealing with is the application of an incredibly subtle understanding of the human organism.
[ 7 ] Dadurch, daß zusammenstoßen im menschlichen Organismus, schon bei der gewöhnlichen Sprache, die Stoffwechseltätigkeit und die plastische Tätigkeit aus dem Nerven-Sinnessystem, dieses Zusammenstoßen in der Resultierenden sich aber entlädt in der Luftbewegung, die verhältnismäßig von der menschlichen Organisation sich in Abgesondertheit vollzieht, so daß die Sprache sich loslöst vom Organismus, wird alles dasjenige, was von der Heileurythmie ausgestaltet wird, zurückgeschlagen in den Organismus, und man hat es mit folgendem zu tun: Denken Sie sich, Sie setzen zum Beispiel eine A-Bewegung mit einer L-Bewegung zusammen. Also erstens lassen Sie die Bewegungen wiederholen, damit sich nicht die Sache nach außen entlädt, sondern die Wiederholung sich ergießt in innere Vorgänge des menschlichen Organismus. Sie haben aber immer, indem Sie das Vokalische oder das Konsonantische, sagen wir, in der A-Bewegung oder L-Bewegung zusammenwirken lassen, Sie haben immer dadurch den menschlichen Organismus in ein Funktionieren gebracht, welches ein Zusammenwirken bedeutet des Stoffwechselmenschen und des Nerven-Sinnesmenschen. Gewiß, es ist die Tätigkeit des Nerven-Sinnessystems in der Eurythmie überhaupt abgeschwächt, aber auch in diesem besonderen Verhältnis der beiden Komponenten, in der abgeschwächten Nerven-Sinnestätigkeit mit der verstärkten Stoffwechseltätigkeit, die durch die eurythmische Bewegung zustande kommen, auch in dieser Weise wirken doch die beiden Komponenten zusammen. Und man hat einfach, indem man zum Beispiel eine L-Bewegung machen läßt in Wiederholungen, ein Heranschlagen des Stoffwechselmenschen an den Nerven-Sinnesmenschen, wenn man die L-Bewegung assoziiert mit einer A-Form. So daß man also sagen kann: In diesem Erregen von notwendigen Formen oder Bewegungen liegt ein Mitnehmen des gesamten Funktionierens des menschlichen Organismus. Wenn Sie zum Beispiel eine konsonantische Bewegung ausführen lassen, so wirkt die konsonantische Bewegung zunächst so, daß sie im wesentlichen ihre ganze Kraft ablädt, ihre innere Dynamik ablädt auf den Einatmungsvorgang, so daß Sie dadurch den ganzen Einatmungsvorgang eigentlich in die Hand bekommen. Je nach dem Konsonanten, den Sie erregen, bekommen Sie den Einatmungsvorgang in die Hand. Sie verstärken den Einatmungsvorgang durch jede konsonantische Betätigung.
[ 7 ] Because, even in ordinary speech, metabolic activity and the plastic activity of the nervous-sensory system collide within the human organism—but this collision discharges its resultant force into the movement of air, which takes place relatively separately from the human organism— so that speech becomes detached from the organism; everything that is shaped by therapeutic eurythmy is reflected back into the organism, and we are dealing with the following: Imagine, for example, that you combine an A-movement with an L-movement. So first, let the movements be repeated, so that the energy is not discharged outward, but rather the repetition flows into the inner processes of the human organism. But whenever you allow the vocal or consonantal elements—let’s say—to interact in the A-movement or the L-movement, you have thereby always set the human organism in motion in a way that involves the interaction of the metabolic human and the nervous-sensory human. Certainly, the activity of the nervous-sensory system is generally attenuated in eurythmy, but even in this particular relationship between the two components—in which the attenuated nervous-sensory activity is combined with the intensified metabolic activity brought about by the eurythmic movement—the two components still interact in this way. And simply by having someone perform, for example, an “L” movement in repetitions—especially when associating the “L” movement with an “A” form—one brings the metabolic human into contact with the nervous-sensory human. So one can say: In this evocation of necessary forms or movements lies an engagement of the entire functioning of the human organism. If, for example, you have someone perform a consonantal movement, the consonantal movement initially acts in such a way that it essentially discharges all its power—its inner dynamics—into the inhalation process, so that through this you actually gain control of the entire inhalation process. Depending on the consonant you stimulate, you gain control over the inhalation process. You intensify the inhalation process through every consonantal action.
[ 8 ] Nun wissen Sie ja vielleicht aus dem, was aus der Heileurythmie schon mitgeteilt worden ist, wie Bewegungen dann etwas modifiziert werden für die Heileurythmie, die sonst in der künstlerischen Eurythmie zum Ausdruck kommen. Und so kann man sagen: Führt man eine A- oder L-Bewegung aus, sie ist immer verbunden mit einer Verstärkung oder Abschwächung des Stoßes, der in der Einatmung ausgeführt wird. Nun müssen Sie bedenken, daß die Einatmung dabei in ihrer Totalität genommen werden muß. Wir haben ja doch, wenn wir die Einatmung betrachten, zunächst den Einatmungsweg zu verfolgen in seiner Ausbreitung zunächst im mittleren Teile des menschlichen Organismus, dann aber durch den Medialkanal, Rückenmarkskanal in das Gehirn hinein, und die Gehirntätigkeit ist ja im wesentlichen ein Zusammenklingen der in das Gehirn hinein verfeinerten Atmungstätigkeit mit der Nerven-Sinnestätigkeit. Es gibt keine Gehirntätigkeit, die für sich betrachtet werden kann, sondern es ist immer eine Resultierende da aus der eigentlichen Nerven-Sinnestätigkeit und aus der Atmungstätigkeit. Alle Gehirnvorgänge müssen auch so studiert werden, daß die Atmungstätigkeit dabei in Betracht gezogen wird. Nun haben Sie es durch die Erregung gewisser Konsonanten, der verschiedenen Konsonanten, tatsächlich in der Hand, in einer ganz eklatanten Weise zu beeinflussen, auf dem Umwege durch die Atmung, die plastische Tätigkeit des Menschen, die plastizierende Tätigkeit des Menschen. Sie brauchen zum Beispiel aus einem gewissen künstlerischen Erfassen des menschlichen Organismus heraus bloß zu wissen, sagen wir, bei einem Kinde, das eben die zweiten Zähne bekommt, die oberen Zähne: wie werden sie denn aus der plastischen Tätigkeit, die von oben nach unten geht, gebildet? Sie werden so gebildet, daß? bei den oberen Zähnen vorzugsweise die plastische Tätigkeit von vorne nach rückwärts wirkt. Wie werden die unteren Zähne gebildet? Bei den Zähnen des Unterkiefers wirkt die plastische Tätigkeit von rückwärts nach vorne; so daß eigentlich, wenn ich schematisch ausdrücken will die Tätigkeit, die beim Zähnekriegen ausgeübt wird, es diese ist: Die oberen Zähne werden von vorne nach hinten gebildet, und es werden also die hinteren Flächen gebildet, die vorderen werden abgesetzt. Die unteren Zähne werden von rückwärts nach vorne gebildet. So wirken die Kräfte zusammen.
[ 8 ] Now, you may already know from what has been said about therapeutic eurythmy how movements that are otherwise expressed in artistic eurythmy are modified for therapeutic eurythmy. And so one can say: When an A or L movement is performed, it is always connected with an intensification or attenuation of the impulse that takes place during inhalation. Now you must bear in mind that inhalation must be considered in its entirety. After all, when we consider inhalation, we must first trace the path of inhalation as it spreads, initially through the central part of the human organism, and then through the medial canal—the spinal canal—into the brain; and brain activity is essentially a harmonious interplay between the respiratory activity refined as it enters the brain and the nervous-sensory activity. There is no brain activity that can be considered in isolation; rather, it is always the result of the actual nervous-sensory activity and the respiratory activity. All brain processes must also be studied in such a way that respiratory activity is taken into account. Now, through the articulation of certain consonants—the various consonants—you actually have the power to influence, in a quite striking way, indirectly through respiration, the human being’s plastic activity, the human being’s plasticizing activity. For example, based on a certain artistic understanding of the human organism, you need only know—let’s say, in the case of a child who is just getting their second set of teeth, the upper teeth—how are they formed by the plastic activity that moves from top to bottom? They are formed in such a way that—in the case of the upper teeth—the plastic activity acts primarily from front to back. How are the lower teeth formed? In the case of the lower jaw’s teeth, the formative activity acts from back to front; so that, if I were to describe schematically the activity involved in tooth development, it would be this: The upper teeth are formed from front to back, and thus the rear surfaces are formed while the front surfaces are set back. The lower teeth are formed from back to front. This is how the forces work together.
[ 9 ] Wenn Sie nun bemerken, das Kind hat Schwierigkeiten mit dem Zahnen, so können Sie das Zahnen in der oberen Kinnlade einfach dadurch unterstützen, indem Sie zum Beispiel eine A-Bewegung machen lassen; das Zahnen in der unteren Kinnlade können Sie unterstützen, indem Sie eine O-Bewegung machen lassen. Sie bekommen tatsächlich die plastizierenden Kräfte durch gewisse Einwirkungen in die Hand. Sie müssen aber, um überhaupt dieser plastizierenden Tätigkeit Nahrung zu geben, sozusagen das Hauptaugenmerk darauf legen, zunächst den Einatmungsstoß zu unterstützen, müssen also zu der plastizierenden Tätigkeit, die von der A- und O-Bewegung auf diese Weise ausgeführt wird, hinzufügen dasjenige, was Ihnen ja nun folgt aus der gesamten Konstitution des Menschen. Sagen wir, Sie haben einen Menschen, der eine schwache Peristaltik hat, der neigt zu leisen Verstopfungen. In der Lebensepoche, wo das Zahnen stattfindet, hängt auch die Darmtätigkeit durchaus zusammen mit der Zahnbildung, und man muß das Augenmerk darauf richten, wo bei Unregelmäßigkeiten im Zahnen die Ursprünge liegen. Kommen Sie dem Atemstoß zu Hilfe, der durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn geht, und von da aus jene plastischen Kräfte erst fördert, die man durch die Vokalbewegungen in die Hand bekommt, dann können Sie das tun, wenn Sie gerade diesen Fall vor sich haben, indem Sie das Kind eine L-Bewegung ausführen lassen. Es ergibt sich, wenn Sie einfach die Heileurythmie studieren, aus der Diagnose, wie Sie sie anwenden sollen. Ohne Diagnose sollte man sie eigentlich nicht anwenden, weil man unter Umständen das ganz Verkehrte machen kann. Aber es ist das wirklich so, daß man sich, ich möchte sagen, ein Gefühl erwecken muß für das Künstlerische in der Dynamik des ganzen Menschen. Man muß einen intuitiven Blick sich erwerben für das Künstlerische. Nehmen wir zum Beispiel an, das Kind zeigt in der Zeit, in der es eben beginnt zu zahnen, Schwierigkeiten; es zeigt Unpäßlichkeiten oder dergleichen, die nicht da sein sollten. Man findet nun, daß da unregelmäßige, nicht genügende Darmbewegungen stattfinden. Nun kommt man mit L-Bewegungen, bereitet vor. Nachdem man eine Zeitlang diese L-Bewegungen gemacht hat, kommt man entgegen demjenigen, was man nach dem plastizierenden Zentrum hingeleitet hat, indem man A- oder O-Bewegungen ausführen läßt. Denn die vokalischen Bewegungen wirken auf die Ausatmung. Und zwar beginnen die Vokale zu wirken schon im Gehirn. Der Atemstrom arbeitet im Gehirn. Und alles dasjenige, was im umfassenden, im totalen Sinn mit der Einatmung zusammenhängt, drückt sich im Konsonantischen aus. Das kann unterstützt, gefördert werden durch konsonantisches Eurythmisieren. Alles dasjenige, was mit der Ausatmung zusammenhängt, kann unterstützt werden durch vokalisches Eurythmisieren. Aber da arbeitet unmittelbar, indem Sie vokalisch eurythmisieren lassen — die Wiederholungen, die stattfinden müssen in dem Laute, müssen Sie abschätzen, je nachdem die Anwendung der Kraft notwendig ist -, da arbeitet unmittelbar das plastizierende Element mit dem ausstrahlenden Element zusammen. Sagen wir zum Beispiel, Sie haben es zu tun mit irgendeiner Nierenaffektion, da können Sie sich sagen, die Nierenaffektion ist in einem gewissen Stadium, sagen wir in einem frühen Stadium. In dem Augenblick, wo ich gewisse Bewegungen machen lasse, zum Beispiel A-Bewegungen,1In einer andern Nachschrift ist hier S start A angegeben. fördere ich die Nierenaffektion in einem frühen Stadium. Ist aber die Nierenaffektion schon lange da und hat das mangelnde Funktionieren bereits zu einer Deformation geführt, so muß ich erst vorbereiten mit dem konsonantischen Eurythmisieren und dann das vokalische Eurythmisieren nachfolgen lassen, damit ich durch das Vokalische auf die Formierung wirken kann gegenüber der Deformierung, die eingetreten ist. Kurz, so wenig theoretisch als möglich muß man das machen, sondern ganz aus der Erkenntnis des menschlichen Organismus im gesunden und kranken Zustande das herausfinden, was ich in den Regeln angegeben habe, die ich damals in Dornach dargelegt habe, und die Ihnen übertragen sind.
[ 9 ] If you notice that your child is having difficulty teething, you can support the teething process in the upper jaw simply by having the child make an “A” movement, for example; you can support teething in the lower jaw by having the child make an “O” movement. You do indeed gain access to the plasticizing forces through certain influences. However, in order to nourish this plasticizing activity at all, you must, so to speak, focus primarily on supporting the inhalation impulse first; thus, you must add to the plasticizing activity carried out in this way by the “A” and “O” movements that which follows from the person’s overall constitution. Let’s say you have a person with weak peristalsis who is prone to mild constipation. During the stage of life when teething occurs, bowel activity is closely linked to tooth formation, and one must focus on identifying the origins of any irregularities in teething. If you support the breath impulse that travels through the spinal canal into the brain—and from there stimulates the very plastic forces that are accessed through vowel movements—you can do so in this specific case by having the child perform an “L” movement. If you simply study therapeutic eurythmy, the diagnosis will reveal how you should apply it. One should not actually apply it without a diagnosis, because under certain circumstances one might do exactly the wrong thing. But it is truly the case that one must, I would say, awaken a sense for the artistic aspect in the dynamics of the whole human being. One must develop an intuitive eye for the artistic. Let’s take, for example, a child who is experiencing difficulties during the period when they are just beginning to teethe; they show signs of discomfort or similar symptoms that shouldn’t be present. One then discovers that irregular, insufficient bowel movements are occurring. Now one introduces L-movements to prepare the child. After performing these L-movements for a while, one counteracts what has been directed toward the plasticizing center by having the child perform A- or O-movements. For the vowel movements affect exhalation. In fact, the vowels begin to take effect already in the brain. The breath current is at work in the brain. And everything that is connected, in the broadest, most comprehensive sense, with inhalation is expressed through consonants. This can be supported and promoted through consonantal eurythmy. Everything related to exhalation can be supported through vowel-based eurythmy. But when you practice vowel-based eurythmy—the repetitions that must occur in the sound must be gauged according to the necessary application of force—the plasticizing element works directly in conjunction with the radiating element. Let’s say, for example, you are dealing with some kind of kidney condition; in that case, you can tell yourself that the kidney condition is at a certain stage—let’s say an early stage. At the moment when I have the patient perform certain movements, for example, A-movements,1In another postscript, S start A is indicated here. I am treating the kidney condition at an early stage. But if the kidney condition has been present for a long time and the impaired functioning has already led to a deformity, then I must first prepare the body with consonantal eurythmy and then follow it with vocal eurythmy, so that through the vocal movements I can work on the formation of the body in opposition to the deformity that has occurred. In short, one must approach this as little theoretically as possible, but rather, based entirely on an understanding of the human organism in both its healthy and diseased states, discover what I have outlined in the rules I presented in Dornach at that time and which have been entrusted to you.
[ 10 ] Nun, handelt es sich zum Beispiel darum, daß eine unterdrückte Herz-Lungenfunktion da ist, die dann auf die Nieren nur hinüberwirkt, dann kommt man sehr weit, wenn man B- oder P-Bewegungen ausführen läßt, namentlich in den Anfangsstadien. Sie können daraus ersehen, daß man wirklich das ganze Funktionieren eigentlich in der Hand hat dabei, und daß alles davon abhängt, daß man versteht, wie in jedem einzelnen menschlichen Organ eine Art zentrifugale Dynamik vorhanden ist, die plastisch gerundet wird durch eine von außen nach innen wirkende, also nicht ganz zentripetal, aber ähnlich wie zentripetal zu nennende Dynamik, die in jedes menschliche Organ hineinwirkt. Man wird überhaupt erst in die Lage kommen, richtige Physiologie zu treiben, wenn man jedes einzelne menschliche Organ in seiner Polarität wird betrachten können. Denn es sind diese Polaritäten darinnen, eine zentrifugale und zentripetale Dynamik in jedem menschlichen Organ. Und da spielt ja eine große Rolle für alles, was plastizierend ist, die Verteilung, die Differenzierung der Wärmeverhältnisse im menschlichen Organismus und die Organisierung der Luftverhältnisse. Für alles dasjenige, was zentrifugal ist, ausstrahlend ist, spielt eine große Rolle alles dasjenige, was erstens im menschlichen Organismus aus der Eigendynamik der Substanzen der Welt kommt, und dasjenige, was in der Überwindung der Eigenvitalität der äußeren Wesenheit im menschlichen Organismus entwickelt wird. Diese beiden Dynamiken, die müssen durchaus gegenseitig reguliert werden, und man kann hoffen, daß sich Heileurythmiker ausbilden, welche geradezu ein feines Gefühl entwikkeln werden für dasjenige, was im einzelnen Falle geschehen kann. Es wird natürlich gerade da auf eine künstlerische Seelenverfassung außerordentlich viel ankommen.
[ 10 ] Well, if, for example, there is impaired cardiopulmonary function that then affects the kidneys, one can make significant progress by having the patient perform B or P movements, particularly in the early stages. From this you can see that one truly has the entire functioning process under control, and that everything depends on understanding how a kind of centrifugal dynamic exists in every single human organ, which is plastically rounded out by a dynamic acting from the outside in—that is, not entirely centripetal, but one that can be described as similar to centripetal—which acts within every human organ. We will only be able to engage in true physiology once we are able to view each individual human organ in terms of its polarity. For it is these polarities—a centrifugal and a centripetal dynamic—that exist within every human organ. And in this context, the distribution and differentiation of thermal conditions within the human organism, as well as the organization of air conditions, play a major role in everything that contributes to plasticity. For everything that is centrifugal—that radiates outward—a major role is played by, first, that which arises in the human organism from the intrinsic dynamics of the substances of the world, and, second, that which develops in the human organism through the overcoming of the inherent vitality of the external entity. These two dynamics must be mutually regulated, and one can hope that therapeutic eurythmists will be trained who will develop a truly subtle sense for what can happen in each individual case. Naturally, an artistic state of mind will be of extraordinary importance precisely in this regard.
[ 11 ] Nun, wenn Sie dabei noch bedenken, daß das ganze System des Heileurythmischen noch unterstützt werden kann durch das eigentlich Therapeutische, so hat man zwei Faktoren, die zusammenwirken. Man kann sich sagen, irgend etwas wirkt in dieser oder jener Weise besonders aufs Herz, und Sie unterstützen das noch besonders durch eine heileurythmische Übung: dann fördern sich diese beiden Dinge gegenseitig, und es ist das etwas, was wirklich ganz große Aussichten eröffnet, was eine außerordentlich große Zukunft haben kann. Denken Sie sich doch nur einmal, was es schon in mancher Beziehung für eine Wirkung gehabt hat, daß massiert wird. Aber dieses äußerliche Herumkrabbeln an dem Menschen, das ist nämlich - ich will gar nichts dagegen sagen, ich kritisiere es nicht ab, erkenne es in seiner Bedeutung an -, aber das ist doch ein sehr Unbedeutendes gegen jene Massage, die Sie anwenden, wenn Sie einfach durch die heileurythmischen Faktoren zum innerlichen Andersbewegen bringen die ganzen Organsysteme, die da zusammenwirken. Es ist das ja ein innerlichstes Durchkneten des ganzen Organismus, was verbunden ist mit einer Wirkung im ätherischen, im astralischen, im Ich-Organismus. So daß man sagen kann: Dasjenige, was man als richtig anerkennen kann für die Massage, das wird da in unendlich starker Weise verinnerlicht durch diese Heileurythmie. - Und man wird tatsächlich auch über die heilgemäßen Folgen des Turnens erst einen Aufschluß gewinnen können, wenn man auf die Ähnlichkeit hinschaut, welche die Freiübungen mit eurythmischen Übungen haben. Denn dasjenige, was beim Turnen heilsam ist, ist nur ein sekundäres Analogon zu dem, was heileurythmisch seine Bedeutung hat. Ich habe damals in Dornach gesagt: Wenn man E-Bewegungen in rhythmischer Folge ausführen läßt in einer gewissen Weise, wie es dazumal vorgeführt worden ist, so kann man außerordentlich viel tun, um schwächlich aussehenden Kindern, solchen Kindern, welche in schwächlicher Weise ihre Körperfunktionen ausführen, zur Gesundheit zu verhelfen, zum wünschenswerten Stärkerwerden zu verhelfen; nur ist auch bei solchen Dingen durchaus notwendig, daß man eben den ganzen Menschen berücksichtigt. Es kommt doch immer wieder und wiederum vor, daß das zu wenig geschieht, daß der ganze Mensch berücksichtigt wird. Ich weiß, daß ich Ihnen damit eine Trivialität sage, weil Ste sagen werden: Das wissen wir ja. — Gewiß, aber in der Praxis kommt es doch immer wieder vor, daß es nicht berücksichtigt wird. Wie oft sagt einem jemand: Dieser Mensch hat ein unregelmäßig funktionierendes Herz; da muß man abhelfen. - Ja, aber bei Berücksichtigung des totalen Menschen muß man sagen: Gott sei Dank, daß der ein solches Herz hat, denn ein normales verträgt sein Organismus nicht. Gerade wie man zum Beispiel unter Umständen bei jemandem, der sich in einem bestimmten Fall das Nasenbein gebrochen hat, sagen muß, daß der von einem günstigen Schicksal betroffen worden ist, denn atmete er die Luft in vollständig ausgebildeten Kanälen ein, so wäre das für seinen Organismus zu viel Luft, die er zu verarbeiten hat. Es ist überall zu berücksichtigen in der sorgfältigsten Weise, was in der Gesamtorganisation begründet ist.
[ 11 ] Now, if you also consider that the entire system of therapeutic eurythmy can be further supported by the actual therapeutic aspect, then you have two factors that work together. One might say that something has a particular effect on the heart in one way or another, and you can further support that specifically through a curative eurythmy exercise: then these two things reinforce each other, and this is something that truly opens up vast possibilities—something that could have an extraordinarily bright future. Just think for a moment what an impact massage has already had in many respects. But this external fiddling around on the person—I mean, I have nothing against it, I’m not criticizing it, I acknowledge its significance—but it is, after all, very insignificant compared to the kind of massage you apply when you simply use the eurythmy-healing factors to bring about an inner transformation in the entire system of organs that interact there. It is, after all, an innermost kneading of the entire organism, which is connected to an effect in the etheric, astral, and ego organisms. So that one can say: What can be recognized as correct for massage is internalized there in an infinitely more powerful way through this therapeutic eurythmy. - And one will in fact only be able to gain insight into the therapeutic effects of gymnastics by observing the similarity between free exercises and eurythmic exercises. For what is therapeutic in gymnastics is merely a secondary analogue to what is significant in therapeutic eurythmy. I said back then in Dornach: If one has children perform E-movements in a rhythmic sequence in a certain way, as was demonstrated at that time, one can do an extraordinary amount to help frail-looking children—children who perform their bodily functions in a feeble manner—to regain their health and achieve the desirable increase in strength; but even with such things, it is absolutely necessary to take the whole person into account. It happens time and again that this is not done enough—that the whole person is not taken into account. I know I’m stating the obvious here, because you’ll say: We already know that. — Certainly, but in practice it happens time and again that this is not taken into account. How often does someone say: “This person has an irregular heartbeat; we must do something about it.” — Yes, but when considering the whole person, one must say: “Thank God that person has such a heart, because his organism cannot tolerate a normal one.” Just as, for example, under certain circumstances, one might have to say of someone who has broken their nasal bone in a particular incident that they have been blessed by good fortune—for if they were breathing air through fully developed passages, that would be too much air for their organism to process. Everywhere, one must take into account in the most careful manner what is rooted in the overall organization.
[ 12 ] Wenn man in einer gewissen Weise die I-Bewegungen ausführen läßt, dann wirken diese I-Bewegungen namentlich harmonisierend auf das Assoziieren der linken und rechten Seite des menschlichen Organismus. Man kann bei allen Asymmetrien, die im menschlichen Organismus auftreten, durch die I-Bewegungen helfen. Sogar bei Schielen kann man durch I-Bewegungen, die man vorsichtig anwendet, sehr gute heileurythmische Erfolge erzielen. Nur würde ich dann raten, beim Schielen nicht so vorzugehen, wie wenn zum Beispiel jemand asymmetrisch geht oder zu stark asymmetrisch den rechten und linken Arm benützen kann. Ich würde für das Schielen nicht die gewöhnlichen I-Bewegungen, sondern I-Bewegungen mit dem Zeigefinger nur ausführen und möglichst oft im Tag wiederholen lassen. Im wachstumsfähigen Alter kann das einen guten Erfolg haben, insbesondere dann, wenn man diese I-Bewegungen auch noch ausführen läßt mit der großen Zehe. Und den größten Erfolg wird man erzielen, wenn man den Patienten dazu haben kann, sie mit der kleinen Zehe auszuführen. Gerade für Asymmerrien, die auf das Sehen sich beziehen, werden auch diese an der Peripherie verlaufenden eurythmischen Übungen von einem ganz guten Erfolg sein. Dagegen wird umgekehrt, wenn es sich darum handelt, irgendwelche Ungeschicklichkeiten im Gehen auszugleichen, es sogar von gutem Erfolg sein können, wenn Sie den Berreffenden — aber natürlich ohne daß es ihm schadet - I-Bewegungen mit dem Auge ausführen lassen, so daß Sie mit der Sehlinie, mit der Visierlinie I-Bewegungen ausführen lassen. Es ist da so, daß man wirklich eine Art Gesetz aufstellen kann: Für alles dasjenige, was im unteren Menschen abnorm ist, wirkt normalisierend dasjenige, was im oberen Menschen als Ausgleich geschaffen wird, und umgekehrt.
[ 12 ] When the I-movements are performed in a certain way, they have a harmonizing effect on the connection between the left and right sides of the human organism. The I-movements can help with all asymmetries that occur in the human organism. Even in cases of strabismus, very good eurythmic therapeutic results can be achieved through I-movements, when applied with care. However, I would advise against treating strabismus in the same way as, for example, when someone walks asymmetrically or uses their right and left arms with excessive asymmetry. For strabismus, I would not use the usual I-movements, but rather have the patient perform I-movements using only the index finger and repeat them as often as possible throughout the day. During the growth phase, this can be very effective, especially if these I-movements are also performed using the big toe. And the greatest success will be achieved if the patient can be encouraged to perform them with the little toe. Especially for asymmetries related to vision, these eurythmic exercises performed on the periphery will also yield quite good results. Conversely, when it comes to compensating for any clumsiness in walking, it can even be quite effective to have the person—but of course without causing them harm—perform “I” movements with their eyes, so that they carry out “I” movements along the line of sight, the line of vision. In this regard, one can indeed establish a kind of law: whatever is abnormal in the lower human being is normalized by what is created as a counterbalance in the upper human being, and vice versa.
[ 13 ] Wenn Sie Steh-Unsicherheiten haben, die ja wiederum in der verschiedensten Weise bewirkt werden können, dann sind die U-Formen von besonderer Wichtigkeit, wobei Sie aber dann sehen müssen, daß die U-Form vollständig zustande kommt, so daß wirklich ein Aneinanderlegen stattfindet der betreffenden Glieder; ein wirkliches Aneinanderlegen, daß das eine Glied das andere spürt, das ist von besonderer Wichtigkeit. Dann ist ja die U-Form erst vollständig. Das braucht bei der künstlerischen Eurythmie nur angedeutet zu werden; bei der Heileurythmie muß aber ausgeführt werden, daß das eine Glied an dem andern anliegt, so daß, wenn es entsprechend ausgeführt wird, das sogenannte Strammstehen zustande kommt, wobei die Beine aneinandergedrückt werden. Das ist eine außerordentlich heileurythmische Übung für Leute, welche etwas Zuckungen im Kopfe haben.
[ 13 ] If you have difficulties with standing—which, of course, can be caused in a wide variety of ways—then the U-shapes are of particular importance; however, you must ensure that the U-shape is formed completely, so that the relevant limbs are truly brought together; a genuine joining, in which one limb senses the other—this is of particular importance. Only then is the U-shape truly complete. In artistic eurythmy, this need only be hinted at; in therapeutic eurythmy, however, it must be carried out in such a way that one limb rests against the other, so that, when performed correctly, the so-called “standing at attention” posture is achieved, with the legs pressed together. This is an exceptionally effective therapeutic eurythmy exercise for people who experience slight twitching in the head.
[ 14 ] Wenn es angemessen ist, daß man namentlich dickliche Kinder heileurythmisch behandelt, so sind die O-Formen dafür ganz besonders passend. Aber alle diese Formen, die heileurythmischen Erfolg haben sollen, müssen verbunden sein mit einem deutlichen Spüren des betreffenden Muskelsystems. Wenn Sie die O-Form einfach so machen, wie es viele Eurythmisten machen, so kann das ja genügen für die äußerliche Andeutung; aber heileurythmischen Erfolg hat es erst, wenn Sie tatsächlich beim Ausführen der Übung die Muskeln durch den ganzen Arm hindurch spüren. Die lose, schlenkerische Form hat nicht die Wirkung, sondern das Spüren des ganzen Muskelsystems bis in die Einzelheiten hinein, das hat erst die entsprechende heileurythmische Wirkung. Besonders wichtig ist es, daß Sie auch beachten, daß eine Unterstützung der heileurythmischen Übung in ihrer Fortsetzung in das Bewußtsein hinein stattfindet. Nun, wenn Sie die O-Bewegung machen, wie ich sie eben vorgemacht habe, so ist ja ein starkes Hineinprojizieren in das Bewußtsein damit verbunden. Sagen Sie also einem Dickling, den Sie behandeln wollen mit O-Formen: Während du die O-Form machst, denke du an deine Dickheit, an dein Breitsein -, so daß Sie geradezu konzentrieren lassen das Bewußtsein auf dasjenige, dem abgeholfen werden soll. Dadurch unterstützen Sie im wesentlichen das, was beabsichtigt wird: wie man den Bewußtseinsfaktor überhaupt nicht unterschätzen soll beim Heilen.
[ 14 ] If it is appropriate to treat overweight children in particular with therapeutic eurythmy, the O-forms are especially well-suited for this purpose. However, all of these forms, which are intended to be effective in therapeutic eurythmy, must be combined with a clear sense of the relevant muscular system. If you perform the O-shape simply as many eurythmists do, that may suffice for the outward gesture; but it will only have a therapeutic effect if, while performing the exercise, you actually feel the muscles throughout your entire arm. The loose, floppy form does not have the desired effect; rather, it is the sensation of the entire muscular system down to the finest details that produces the corresponding therapeutic eurythmy effect. It is particularly important that you also note that the therapeutic eurythmy exercise is supported by its continuation into consciousness. Now, when you perform the “O” movement as I just demonstrated, it involves a strong projection into consciousness. So tell a person who is overweight—whom you wish to treat with “O” forms—the following: “While you’re making the O-shape, think about your being overweight, about your width”—so that you are effectively directing their consciousness toward precisely what needs to be remedied. In this way, you are essentially supporting the intended goal: that the factor of consciousness should never be underestimated in healing.
[ 15 ] In dieser Beziehung wird sich, wie ich denke, sobald man auf solche Dinge sieht, noch ein gewisser Kampf mit den Orthopäden abspielen. Die sind heute, trotzdem sie auf dem Gebiet, auf dem sie sich betätigen, große Erfolge haben, noch ganz stramm darauf aus, den menschlichen Organismus als eine Art Mechanismus zu behandeln und darauf sich einzustellen. Während zum Beispiel solche Apparate, die angelegt werden in der Absicht, daß der Betreffende die Sache fortwährend spürt, also in sein Bewußtsein hereinkommt - sagen wir, wenn ich bei jemandem günstig finde, daß er seine Schultern zurücklege und ihm Bandagen gebe, durch die er tatsächlich das Bewußtsein hat, das soll zurückgehalten werden, so daß das nicht im Unbewußten verläuft -, so ist dieses Bewußtsein der Sache ein ausgezeichneter Heilfaktor. Das ist dasjenige, was dann eben auch für die Heileurythmie die Folge hat, daß, wie ich schon gesagt habe, die Dinge durchaus zum Bewußtsein gebracht werden, so daß also dieses Konzentrieren eine wesentliche Unterstützung des Heileurythmischen gibt.
[ 15 ] In this regard, I believe that as soon as one begins to look into such matters, there will still be a certain struggle with orthopedists. Despite their great success in their field, they are still very much intent on treating the human organism as a kind of mechanism and adapting to it. Whereas, for example, devices that are applied with the intention that the person in question should feel them constantly—that is, that they should enter their consciousness —let’s say, for instance, when I find it beneficial for someone to pull their shoulders back and give them bandages through which they are actually aware that this should be restrained, so that it does not remain in the unconscious—this awareness of the matter is an excellent healing factor. This is precisely what also results in therapeutic eurythmy: as I have already said, things are brought fully into consciousness, so that this concentration provides essential support for therapeutic eurythmy.
[ 16 ] Als besonders wichtig möchte ich Ihnen dieses noch sagen, daß alles, was E-Formen sind, im wesentlichen regulierend wirkt, wenn der astralische Organismus zu stark oder zu schwach den ätherischen Organismus beeinflußt. Also in allen denjenigen Fällen, wo man sagen kann, es ist vorhanden entweder eine übertriebene Tätigkeit des astralischen Organismus oder eine zu geringe Tätigkeit, kann man unter Umständen mit E-Formen, mit der Wiederholung der E-Formen sehr viel machen. Bei den beiden Symptomkomplexen, die ich vorhin in der andern Stunde dargelegt habe, werden E-Formen heilsam wirken können. Das, was ich jetzt gesagt habe, ist besonders dann der Fall, wenn der astralische Organismus vom ätherischen beeinflußt ist, wenn er also zu schwach ist, wenn er sich vom ätherischen beeinflussen läßt, wenn er durch eine Unregelmäßigkeit in dem astralischen Organismus des Kopfes zu stark ist. Dagegen kann der umgekehrte Fall eintreten, wenn das Ätherische vom Astralischen zu stark beeinflußt wird; das ist dann der Fall, wenn sich das Astralische sehr stark in der Darmorganisation zum Ausdruck bringt, wenn man also bei jeder Gelegenheit, wo man ein bißchen Angst hat, gleich Durchfälle kriegt. Da werden dann die U-Formen von besonders günstiger Wirkung sein.
[ 16 ] I would like to emphasize this point in particular: everything that takes the form of an “E” essentially has a regulating effect when the astral organism influences the etheric organism too strongly or too weakly. So in all those cases where one can say that there is either excessive activity of the astral organism or insufficient activity, one can, under certain circumstances, achieve a great deal with E-forms—specifically, through the repetition of E-forms. For the two symptom complexes I described earlier in the other lecture, E-forms will be able to have a healing effect. What I have just said is particularly true when the astral organism is influenced by the etheric—that is, when it is too weak, when it allows itself to be influenced by the etheric, or when it is too strong due to an irregularity in the astral organism of the head. Conversely, the opposite situation can arise when the etheric is influenced too strongly by the astral; this is the case when the astral manifests itself very strongly in the intestinal system—that is, when one immediately develops diarrhea at every opportunity when feeling even a little anxious. In such cases, the U-forms will have a particularly beneficial effect.
[ 17 ] Nun ist ja gestern die Frage aufgetaucht, die ich zum Schluß noch kurz besprechen will: Ob man bei Persönlichkeiten, welche schwanger sind oder welche Unterleibskrankheiten haben, gewisse heileurythmische Bewegungen ausführen lassen kann. Aber prüfen Sie einmal dasjenige, was in Dornach als Regel gegeben worden ist, dann werden Sie durchaus das einhalten können, daß Sie, trotzdem Sie darauf sehen müssen, daß bei schwangeren Frauen oder bei unterleibskranken Menschen der Unterleib in Ruhe gelassen werden muß - er muß nämlich da in Ruhe gelassen werden, er darf nicht irritiert werden durch Heileurythmie —, trotzdem er in Ruhe gelassen wird, können Übungen mit den Armen auch im Sitzen, im Liegen, bei vollständigem Ruhen desjenigen, was Ruhe haben muß, mit dem Kopfe durchaus ausgeführt werden. Und Sie werden noch immer genügend finden in den Angaben, die gemacht worden sind, um in allen Fällen mit der Eurythmie eingreifen zu können. Natürlich, wenn der betreffende Mensch sich überhaupt nicht rühren kann, dann wäre ihm die Eurythmie am allergesündesten: zum Beispiel ber Lähmungserscheinungen; aber er kann sie unter Umständen eben nicht ausführen. Sie wäre schon da am allergesündesten. Nicht wahr, solche Lähmungserscheinungen sind ja auch im wesentlichen ein abnormes Funktionieren des astralischen Leibes, der nicht eingreift in die ätherische und physische Organisation, und man kann da sehr viel mit E-Bewegungen erreichen. Namentlich ist ja eine sehr günstige FBewegung - für Störungen des Unterleibes selbst - das nicht übertriebene, aber immerhin doch sorgfältig ausgeführte künstliche Schielen. Also das ist durchaus wahr, daß jene etwas dekadenten Jogis, die gewisse Übungen machen, indem sie ihre Augen auf ihre Nasenspitze konzentrieren, daß die eigentlich darauf bedacht sind, eine möglichst harmonische Tätigkeit ihres Unterleibes hervorzurufen, weil sie sehr wohl wissen, was die Tätigkeit des Unterleibes auch für dasjenige, was diese Leute geistige Betätigung nennen, bedeutet. So daß man schon sagen kann: diese Dinge sind so, daß man manches eben, was man bei dem Menschen, der einen gesunden Unterleib hat, selbst mit Sprüngen ausführen muß, einfach ersetzen kann durch eine leisere Heileurythmie der Arme, der Finger, selbst der Augen, wenn es eben nötig ist. Und unter allen Umständen darf nicht etwa eine schwangere Frau zu heileurythmischen Springübungen veranlaßt werden. Das geht natürlich nicht.
[ 17 ] Now, the question came up yesterday that I would like to briefly discuss at the end: Whether certain therapeutic eurythmy movements can be performed by individuals who are pregnant or who have abdominal ailments. But if you take a look at the guidelines established in Dornach, you will certainly be able to adhere to them: even though you must ensure that the lower abdomen of pregnant women or people with abdominal ailments is left undisturbed—it must indeed be left undisturbed and must not be irritated by therapeutic eurythmy— even though it is left undisturbed, exercises with the arms can certainly be performed while sitting, lying down, or with the part that must remain at rest—the head—completely at rest. And you will still find sufficient guidance in the instructions that have been provided to be able to intervene with eurythmy in all cases. Of course, if the person in question cannot move at all—for example, due to symptoms of paralysis—then eurythmy would be the healthiest course of action for them; but under certain circumstances, they simply cannot perform it. It would indeed be the healthiest course of action in that situation. Isn’t it true that such symptoms of paralysis are essentially an abnormal functioning of the astral body, which does not intervene in the etheric and physical organization, and that one can achieve a great deal there with eurythmy movements? In particular, a very beneficial e-movement—for disorders of the lower abdomen itself—is artificial squinting, performed not excessively but nevertheless with care. So it is certainly true that those somewhat decadent yogis who perform certain exercises by focusing their eyes on the tip of their nose are actually intent on inducing the most harmonious activity possible in their lower abdomen, because they know very well what the activity of the lower abdomen means even for what these people call spiritual activity. So one can certainly say: these things are such that many actions—which, in a person with a healthy lower abdomen, one would have to perform even with jumps—can simply be replaced by a gentler therapeutic eurythmy of the arms, the fingers, and even the eyes, if necessary. And under no circumstances should a pregnant woman be asked to perform therapeutic eurythmy jumping exercises. That is, of course, out of the question.
[ 18 ] Sie sehen, es handelt sich auch da wirklich nicht darum, daß man etwa ein Universalheilmittel hat fabrizieren wollen, das man in einem halben Tag sich aneignen kann; sondern es handelt sich darum, daß auch die Heileurythmie in ernster Arbeit erworben werden muß, und sogar ist da notwendig, daß sie in übender Arbeit erworben wird. Denn fast jedesmal, wenn man aus seinen Heilinstinkten heraus ein bißchen wird angewendet haben die heileurythmischen Übungen, wird man die Sache besser können. Es ist durchaus so: im Üben wird man gerade in der Heileurythmie ganz besonders gut vorwärtskommen.
[ 18 ] As you can see, this really isn’t about trying to create some kind of universal remedy that can be mastered in half a day; rather, it is about the fact that therapeutic eurythmy, too, must be acquired through serious work, and indeed, it is necessary that it be acquired through practice. For almost every time one has applied the therapeutic eurythmy exercises a little, guided by one’s healing instincts, one will be able to do it better. It is certainly true that through practice, one will make particularly good progress in therapeutic eurythmy.
[ 19 ] Nun, ich wollte Ihnen diese, ich möchte sagen, mehr theoretische Auseinandersetzung über die Heileurythmie geben, weil ja alles andere, soweit wie die Heileurythmie heute ist, damals in Dornach gegeben worden ist, und von unseren ärztlichen Freunden weitergegeben wird, so daß Sie sie immer haben können, und weil ich eben wollte, daß Sie gerade den ganzen physiologischen und therapeutischen Sinn der Heileurythmie auch einsehen können. Es darf selbstverständlich so etwas wie diese Heileurythmie nicht wieder überschätzt werden. Sie wird in vielen Fällen ein außerordentlich wichtiges Hilfsmittel sein, aber man darf sie nicht überschätzen. Und man muß sich durchaus klar sein, daß wirklich mit der berauschenden Einfachheit nichts getan ist, und daß, ebensowenig wie durch die «berauschende Einfachheit», daß man das «Disharmonische harmonisieren» muß, ein Karzinom geheilt werden kann, man auch durch heileurythmische Übungen ein gebrochenes Bein oder einen gebrochenen Arm nicht zur Heilung bringen kann. Man muß sich klar sein darüber: Nicht eine Vermehrung des Dilettantismus und ärztlichen Laientums, sondern durchaus eine Bereicherung des medizinischen Fachkönnens soll auf dem Wege durch die Geisteswissenschaft erreicht werden. — Verzeihen Sie, daß ich das so oft betone; aber ich möchte gerade, um Mißverständnissen vorzubeugen, immer wieder ganz besonders hervorheben, daß die Methoden nicht etwa, wie das häufig bei fanatischen Bewegungen der Fall ist, in einer laienhaften Opposition gegenüber der offiziellen Medizin auftreten, sondern durchaus rechnen mit dem Stande der gegenwärtigen Medizin, und den nur auf dem Wege weiterführen wollen, auf dem er weitergeführt werden muß, aus dem einfachen Grunde, weil es nicht wahr ist, daß der Mensch bloß dasjenige ist, was die heutige Physiologie und Anatomie sagt. Er ist das, aber er ist auch etwas anderes, er muß auch noch nach seiner seelisch-geistigen Seite erkannt werden. Und dann werden solche sonderbaren Vorstellungen verschwinden, die heute immer wiederkehren, wo man zum Beispiel im Gehirn eine Art telegraphischen Mittelpunktapparates sieht, zu dem hinlaufen die sogenannten Sinnesnerven, von dem auslaufen die Willensnerven. Während das Ganze überhaupt gar keinen Tatbestand trifft, wie Sie aus dem heutigen Vortrage gesehen haben; sondern man hat es zu tun mit dem Nerven-Sinnessystem als einer plastizierenden Dynamik, der gewissermaßen etwas abgerungen wird, dem sich dann anpaßt die Seelentätigkeit. Es ist eben sehr viel zu tun, um wiederum zurückzugeben so etwas an eine gesunde Physiologie, was ihr abgenommen worden ist dadurch, daß man in einer unrichtigen Weise in dem physischen Organismus ein Korrelat für die seelischen Funktionen sah. Es ist schon für jede seelische Funktion etwas Physisches da während des menschlichen physischen Erdenlebens; aber nichts wird für die Seele benützt, was nicht andererseits eine viel größere Bedeutung hätte in der Wechselwirkung mit andern Organen für die körperliche Organisation. Nichts wird für die Seele bloß als seelisches Organ benützt. Unser gesamtes Seelisches und Geistiges ist abgerungen dem Körperlichen, wird herausgeholt aus dem Körperlichen. Und wir dürfen nicht anerkennen besondere seelische Organe. Wir können nur sagen: Seelenfunktionen sind solche, welche herausgegliedert werden aus den organischen Wirkungen und besonders angepaßt werden der Seelentätigkeit. Erst wenn wir wirklich ernst machen damit, daß begriffen wird dasjenige, was eigentlich im physischen Organismus des Menschen wirkt, wenn wir nicht in einer so äußerlichen Weise vorgehen, daß wir das ganze Nervensystem nur für eine dem Seelenleben dienende Einlagerung ansehen, dann können wir hoffen, daß wir die menschliche Organisation durchschauen. Aber nur so durchschaute menschliche Organisation kann auch die Grundlage abgeben für eine im Lichte arbeitende und nicht in der Finsternis rein probierende Physiologie und Therapie. Dieses möchte ich Ihnen eben auch noch zuletzt gesagt haben, damit Sie nicht mit einem Mißverständnis fortgehen und damit Sie Mißverständnissen entgegnen können, die immer wieder und wiederum auftauchen.
[ 19 ] Well, I wanted to present this—I would say—more theoretical discussion of therapeutic eurythmy to you, because everything else—as far as therapeutic eurythmy stands today—was already presented back then in Dornach and is being passed on by our physician friends, so that you will always have access to it; and because I wanted you to be able to grasp the full physiological and therapeutic significance of therapeutic eurythmy. Of course, something like therapeutic eurythmy must not be overestimated again. In many cases it will be an extraordinarily important aid, but one must not overestimate it. And one must be absolutely clear that this “intoxicating simplicity” alone accomplishes nothing, and that just as a carcinoma cannot be cured by the “intoxicating simplicity” of the idea that one must “harmonize the disharmonious,” neither can a broken leg or arm be healed through therapeutic eurythmy exercises. One must be clear about this: It is not an increase in dilettantism and medical ignorance, but rather an enrichment of medical expertise that is to be achieved through the path of Spiritual Science. — Please forgive me for emphasizing this so often; but precisely to prevent misunderstandings, I would like to emphasize again and again, in particular, that these methods do not, as is often the case with fanatical movements, present themselves in a layman-like opposition to official medicine, but rather fully take into account the current state of medicine, and seek only to advance it along the path it must follow, for the simple reason that it is not true that human beings are merely what modern physiology and anatomy describe. They are that, but they are also something else; they must also be understood in terms of their psychological and spiritual aspects. And then such strange mental images will disappear—images that recur time and again today, such as the idea that the brain is a kind of telegraphic central station to which the so-called sensory nerves converge and from which the volitional nerves radiate. Yet this entire view does not correspond to reality at all, as you have seen from today’s lecture; rather, we are dealing with the nervous-sensory system as a plastic, dynamic force from which, so to speak, something is wrested, to which the activity of the soul then adapts. There is indeed a great deal to be done to restore to a healthy physiology what has been taken away from it by the mistaken view that the physical organism serves as a correlate for mental functions. There is indeed something physical present for every mental function during human physical life on earth; but nothing is used for the soul that does not, on the other hand, have a much greater significance in its interaction with other organs for the physical organism. Nothing is used for the soul merely as a mental organ. Our entire soul and spirit are wrested from the physical, drawn out of the physical. And we must not recognize specific soul organs. We can only say: Soul functions are those that are distinguished from organic processes and specially adapted to soul activity. Only when we truly take seriously the task of understanding what actually operates within the human physical organism—when we do not proceed in such a superficial manner as to regard the entire nervous system merely as a structure serving the life of the soul—can we hope to gain a thorough understanding of the human organism. But only a human organism understood in this way can provide the foundation for a physiology and therapy that works in the light rather than merely experimenting in the darkness. I would like to share this with you as a final point, so that you do not leave with a misunderstanding and so that you can counter the misunderstandings that arise time and again.
[ 20 ] Es ist zum Beispiel für unser Karzinommittel mit einer «berauschenden Einfachheit» die Kritik in die Welt gesetzt worden, was man dadurch erreicht hat, daß man überhaupt nicht weiß, aus welchen Erkenntnissen dieses Karzinommittel gewonnen ist; sondern man hat irgendwelche leichte Analogie konstruiert und glaubt, indem man diese leichten Analogien abtut, die Sache abzutun. Das ist dasjenige, was als eine Bedingung für das Gedeihen nach der geisteswissenschaftlichen Seite der Medizin durchaus da ist: daß man Mißverständnissen ein wenig in den Weg tritt. Denn die Leute werden schon bemerken, daß, wenn sie nicht mehr Mißverständnisse verbreiten können, sie dann überhaupt nicht mehr viel sagen können, weil die Hauptsache der Gegnerschaft das Verbreiten von Mißverständnissen über die ganze Anthroposophie ist. Versuchen Sie nur einmal herauszubekommen, wie viele Gegner etwas anderes sagen, als lediglich Mißverständnisse. Ich muß sagen, ich lese oftmals gegnerische Artikel oder Schriften, und wenn da nicht mein Name stünde, so könnte ich es auf etwas ganz anderes beziehen. Es bezieht sich nämlich gar nicht auf dasjenige, was hier gepflegt wird, es macht sich nämlich mit ganz anderem zu tun. Ich werde manchmal ganz überrascht, möchte aufsuchen, wo das ist, was da widerlegt werden soll; hier ist es jedenfalls nicht. Hier wird es auch in der Medizin so gemacht wie gegenüber der Theologie, da begegnet man derselben Sache. Man kann zum Beispiel einem auf der Höhe der Wissenschaft stehenden Theologen sagen: Was du über den Christus sagst, sagen wir ja auch, nur noch etwas dazu! — Er ist aber nicht zufrieden, daß man das sagt, was er sagt und noch etwas dazu; er sagt: Man darf nichts dazu sagen. — Er kritisiert nicht dasjenige, was seinen Behauptungen widerspricht, sondern er kritisiert dasjenige, worüber er gar nichts sagt. Er kritisiert es, bloß weil man über dasjenige etwas sagt, worüber er nichts weiß. Er betrachtet es als einen Fehler, etwas über etwas zu wissen, worüber er nichts weiß. In diesen Fehler darf die Medizin nicht verfallen. Wir müssen uns die Dinge genau ansehen und nicht widersprechen, aber wir müssen auch da nur allerlei hinzufügen aus einer schon ganz gut begründeten Erkenntnis des gesunden und kranken Menschen.
[ 20 ] For example, criticism has been leveled at our cancer remedy with “intoxicating simplicity”—criticism based on the fact that no one knows at all from what findings this remedy was derived; instead, people have constructed some flimsy analogies and believe that by dismissing these flimsy analogies, they can dismiss the matter altogether. This is precisely what is necessary for the flourishing of the aspect of Spiritual Science in medicine: that one stands in the way of misunderstandings to some extent. For people will soon realize that, if they can no longer spread misunderstandings, they will have very little left to say at all, because the main aim of the opposition is to spread misunderstandings about anthroposophy as a whole. Just try to find out how many opponents say anything other than mere misunderstandings. I must say, I often read articles or writings by opponents, and if my name weren’t there, I might think they were referring to something entirely different. For they do not refer at all to what is practiced here; rather, they concern themselves with something entirely different. Sometimes I am quite surprised and want to find out where exactly the point is that is supposed to be refuted; in any case, it is not here. Here, the approach in medicine is the same as it is with regard to theology—one encounters the same thing. For example, one can say to a theologian at the cutting edge of scholarship: “What you say about Christ, we say as well—just add a little more!” — But he is not satisfied that one says what he says and adds something to it; he says: “One must not say anything more.” — He does not criticize what contradicts his assertions, but rather what he says nothing about at all. He criticizes it simply because one says something about a subject he knows nothing about. He regards it as a mistake to know something about a subject he knows nothing about. Medicine must not fall into this error. We must examine things closely and not contradict, but we must also add all sorts of insights based on an already well-founded understanding of healthy and sick people.
