First Science Course
Light, Color, Sound, Mass, Electricity, Magnetism
GA 320
8 August 1921, Stuttgart
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First Science Course, tr. SOL
11. Diskussionsvotum
11. Discussion Vote
[ 1 ] Fräulein Dr. Rabel hat am Schluß ihrer ja sehr bemerkenswerten Ausführungen gesagt, daß ich einmal bemerkt habe, daß eigentlich diese neueren Versuche zur Bestätigung der Goetheschen Farbenlehre dienen können. Fräulein Dr. Rabel war damals so gütig, mir eine ihrer Abhandlungen zu geben, die gerade in dieser Linie liegen, und ich sagte, daß die Tatsachen, die auf diese Art durch die moderne Physik herauskommen, in der Tat in der Linie liegen, die allmählich zu einer Bestätigung der Goetheschen Farbenlehre führen müssen.
[ 1 ] At the end of her truly remarkable remarks, Dr. Rabel mentioned that I had once observed that these more recent experiments could actually serve to confirm Goethe’s theory of colors. Dr. Rabel was kind enough at the time to give me one of her papers, which is precisely along these lines, and I said that the facts emerging in this way through modern physics do indeed follow a line of reasoning that must gradually lead to a confirmation of Goethe’s theory of colors.
[ 2 ] Nun ist heute wirklich keine Möglichkeit vorhanden, in das ganze Pro und Kontra der Goetheschen Farbenlehre und, sagen wir, der Anti-Goetheschen Farbenlehre einzutreten. Die Sache liegt ja so, daß zunächst noch die physikalischen Vorstellungen, die heute gang und gäbe sind, aus solchen theoretischen Voraussetzungen heraus gemacht werden, daß in der Tat das richtig ist, was ich einmal von einem Physiker hörte, mit dem ich ein Gespräch über die Goethesche Farbenlehre hatte. Er sagte einfach, wie ich ausdrücklich verifizieren muß, er sagte ganz ehrlich: Ein Physiker von heute —- und er bezeichnete sich als einen solchen mit Recht - kann sich überhaupt bei der Goetheschen Farbenlehre nichts vorstellen! - Und das ist etwas, was eigentlich durchaus richtig ist.
[ 2 ] Now, there really is no way today to delve into all the pros and cons of Goethe’s theory of colors and, let’s say, the anti-Goethean theory of colors. The fact is that, to begin with, the physical concepts that are commonplace today are based on theoretical assumptions such that what I once heard from a physicist—with whom I had a conversation about Goethe’s theory of colors—is indeed true. He simply said—and I must explicitly verify this—he said quite honestly: A physicist today—and he rightly described himself as such—cannot conceive of Goethe’s theory of colors at all!—And that is something that is, in fact, absolutely correct.
[ 3 ] Wir müssen eben nicht vergessen, daß gewisse Dinge da vorliegen, die erst noch überwunden werden müssen, wenn von Seiten der Physik die Goethesche Farbenlehre ernst und nur ernst genommen werden soll. Nicht wahr, der Physiker ist zunächst heute dazu geleitet, dasjenige, was er Licht nennt, möglichst so zu untersuchen, daß innerhalb des Untersuchungsfeldes das von ihm als subjektiv Bezeichnete keine Rolle mehr spielt, daß gewissermaßen das Erlebnis, das bei den Lichterscheinungen da ist, ganz und gar höchstens dazu dient, einen aufmerksamer zu machen in der Beobachtung, daß da oder dort etwas vorgeht. Aber was der Physiker einbeziehen will in seine Interpretationen der Lichterscheinungen, die er dann auch auf Farbenerscheinungen ausdehnt, das soll eine Entität sein vollständig unabhängig von dem subjektiven Erlebnis.
[ 3 ] We must not forget that there are certain obstacles that still need to be overcome if physics is to take Goethe’s theory of colors seriously—and only seriously. Isn’t it true that physicists today are initially led to investigate what they call “light” in such a way that, within the field of investigation, what they designate as “subjective” no longer plays a role—that, so to speak, the experience associated with light phenomena serves, at most, to make one more attentive in observing that something is happening here or there? But what the physicist wishes to include in his interpretations of light phenomena—which he then extends to color phenomena as well—is supposed to be an entity completely independent of subjective experience.
[ 4 ] Goethe geht ja von ganz anderen Voraussetzungen in bezug auf sein Denken überhaupt aus. Daher halte ich es auch heute noch in einem gewissen Sinne für richtig, was ich 1893 in einem Vortrag über Goethes Naturanschauung in Frankfurt am Main sagte: Über die Äußerungen Goethes auf dem Gebiete der Morphologie, da läßt sich reden, und darüber habe ich auch dazumal einen Vortrag gehalten, weil in einer gewissen Beziehung schon heute sich begegnen die Vorstellungen, die Goethe über die Metamorphose hatte und im Zusammenhang mit der Metamorphose über die Ursprünge der Arten, mit denjenigen, die, allerdings in ganz anderer Weise, von der Darwin-Haeckel-Anschauung herkommen. Da ist also, in gewissem Sinne wenigstens, schon ein Feld vorhanden, wo die Anschauungen ineinandergreifen. Aber mit Bezug auf die Goethesche Farbenlehre, die keine Optik übrigens sein will, ist das durchaus noch nicht der Fall. Daher ist zwar gewiß möglich, sagen wir, auf anthroposophischem Boden über die Goethesche Farbenlehre zu reden, da ist durchaus ein Reden möglich, aber eine Diskussion mit dem, was heute ein Physiker über die Farben zu sagen hat, was er aus seinen physikalischen Untergründen heraus ableitet, wird heute durchaus noch etwas Unfruchtbares bilden. Dazu ist notwendig, daß eben gewisse Grundvorstellungen, die Goethe implizite gehabt hat und von denen er ausgegangen ist in seiner Farbenlehre, noch expliziert werden, daß man die wirklich zugrunde legen kann.
[ 4 ] Goethe, after all, starts from entirely different premises when it comes to his thinking in general. That is why I still consider it correct, in a certain sense, what I said in 1893 in a lecture on Goethe’s view of nature in Frankfurt am Main: Regarding Goethe’s statements in the field of morphology, there is room for discussion, and I gave a lecture on this very topic back then, because in a certain respect, even today, Goethe’s ideas about metamorphosis—and, in connection with metamorphosis, about the origins of species—converge with those that stem, albeit in a completely different way, from the Darwin-Haeckel perspective. So there is, at least in a certain sense, already a field where these views intersect. But with regard to Goethe’s theory of colors—which, incidentally, does not claim to be optics—this is by no means the case. Therefore, while it is certainly possible—let us say—to speak about Goethe’s theory of colors from an anthroposophical perspective—discussion is certainly possible there—a discussion with what a physicist today has to say about colors, what he derives from his physical foundations, will still prove to be rather fruitless today. For this to happen, it is necessary that certain fundamental concepts—which Goethe implicitly held and from which he proceeded in his theory of colors—be made explicit, so that they can truly serve as a foundation.
[ 5 ] Daher halte ich auch alles dasjenige, was ich in meinen Büchern über die Goethesche Farbenlehre gesagt habe, für etwas, was vorläufig einmal in die Welt hineingeworfen ist und was eigentlich durchaus nicht den Anspruch darauf erhebt, in eine fruchtbare - ich meine fruchtbare -— Diskussion mit den ja nicht entgegengesetzten, sondern von ganz anderen Seiten herkommenden Vorstellungen der Physik zu treten. Nun, in der Tat aber, dessen können Sie ganz sicher sein, und dazu wurde ja von dem Vorredner schon sehr viel beigebracht, würde Goethe in all denjenigen Erscheinungen, die Fräulein Dr. Rabel heute in dankenswerter Weise vorgebracht hat, eine Bestätigung seiner Grundanschauungen erkennen. Und das ist dasjenige, was ich eben durchaus vertreten möchte.
[ 5 ] That is why I also consider everything I have said in my books about Goethe’s theory of colors to be something that has, for the time being, been thrown out into the world—and which actually makes no claim whatsoever to entering into a fruitful—and I mean fruitful— — discussion with the ideas of physics, which are not opposed but come from an entirely different perspective. Well, in fact—and you can be quite certain of this, as the previous speaker has already made very clear—Goethe would recognize in all the phenomena that Dr. Rabel has so graciously presented today a confirmation of his fundamental views. And that is precisely what I would like to advocate.
[ 6 ] Es trifft schon von der einen Seite aus den Tatbestand, aber es trifft ihn nicht vollständig, wenn man bei Goethe davon spricht, daß die eine Seite des Spektrums, also dasjenige, was hier langwellige Strahlen genannt worden sind als im Gegensatz zu den kurzwelligen Strahlen, daß das in dem Verhältnis einer Polarität steht. Polarität ist ein sehr. abstraktes Verhältnis, das man eben auf verschiedene Gegensätze anwenden kann, so auch auf diesen. Nur hier ist das durchaus nicht dasjenige, auf was es eigentlich bei Goethe ankommt... (Nachschrift lückenhaft). Wenn man aber noch so sehr glaubt, durch irgendeine Versuchsanordnung einen Fehlerausschluß zu erreichen dadurch, daß man das Strahlenbündel immer schmäler und schmäler nimmt, so daß man zuletzt die ganze Dicke des Strahlenbündels - was übrigens gar nicht wein Ausdruck ist, den ich aber rechtmäßig gebrauchen darf - aufhebt und dann von einem «Strahl» spricht, so ist schließlich kein Unterschied in Wirklichkeit, ob man ein breites Bündel nimmt oder ein schmales, es macht das prinzipiell keinen Unterschied. Aber Goethe hat einen prinzipiellen Unterschied angegeben — und darauf kommt es an -, als er durch den kleinen Spalt nun selbst Versuche angestellt hat.
[ 6 ] It does indeed apply to one aspect of the matter, but it does not apply fully when, in Goethe’s work, one speaks of one side of the spectrum—that is, what has been called long-wave rays here, as opposed to short-wave rays—as being in a relationship of polarity. Polarity is a very abstract relationship that can be applied to various opposites, including this one. But here, that is by no means what is actually important in Goethe’s view... (Postscript incomplete). But no matter how much one believes that one can eliminate error through some experimental setup by making the beam of rays ever narrower and narrower, so that one ultimately eliminates the entire thickness of the beam of rays—which, incidentally, is not really an expression, but one I am entitled to use—and then speaks of a “ray”—in reality, there is ultimately no difference between using a wide beam or a narrow one; in principle, it makes no difference. But Goethe did point out a fundamental difference—and that is what matters—when he himself conducted experiments using the small slit.
[ 7 ] Im Prisma kann man nicht dasjenige ausschließen, was die moderne Physik ausschließen möchte, denn man kann natürlich nicht einen sogenannten «Strahl von Null-Dicke» irgendwie ins Experimentierfeld schieben. Aber man kann das machen, daß man die scharfe Grenze ins Auge faßt zwischen dem dunklen Gebiet und dem hellen. Da hat man in der Tat die scharfe Grenze! Wenn man von dieser scharfen Grenze redet, dann hat man in einer gewissen Weise gerade aus dem Goetheschen Versuch heraus das, was die neuere Physik möchte. Goethe hat mit der Grenze gearbeitet und nicht mit dem Strahlenbündel, das ist es, worauf es ankommt. Diese Forderung, die man idealiter mit Recht erhebt, die wird prinzipiell eigentlich gerade dadurch erfüllt, daß Goethe mit der Grenze arbeitet, nicht also mit einem Strahl oder Strahlenbündel. Und von dem, was sich als Phänomen dann an der Grenze ergibt, geht Goethe aus und versucht, von da seine Versuchsanordnungen zu machen, die ja allerdings heute, wenn sie im Goetheschen Sinne ausgeführt werden sollten, ganz anders, als Goethe sie ausgeführt hat, werden müßten.
[ 7 ] In the prism, one cannot rule out what modern physics would like to rule out, because, of course, one cannot somehow introduce a so-called “beam of zero thickness” into the experimental setup. But what one can do is focus on the sharp boundary between the dark region and the bright one. There, in fact, lies the sharp boundary! When one speaks of this sharp boundary, then, in a certain sense, one has—precisely from Goethe’s experiment—what modern physics seeks. Goethe worked with the boundary and not with the beam of light—that is what matters. This requirement, which is rightly raised in an ideal sense, is in principle actually fulfilled precisely by the fact that Goethe works with the boundary, and not with a beam or a bundle of beams. And Goethe takes as his starting point what then emerges as a phenomenon at the boundary and attempts to design his experimental setups from there—though, of course, if they were to be carried out today in the Goethean sense, they would have to be quite different from the way Goethe carried them out.
[ 8 ] Ich hoffe, daß wir gerade in dieser Beziehung prinzipielle Versuche in unserem physikalischen Forschungsinstitut in Stuttgart anstellen werden und daß dadurch auch dasjenige, was Dr. Schmiedel «Verschleierung» genannt hat, in gewissem Sinne ausgeschaltet wird, und daß man lernte, in exakter Weise wirklich mit den Grenzen zu arbeiten und dann in der Lage ist, das Spektrum erst als eine Erscheinung aufzufassen, in der die Grenzerscheinungen als die Urphänomene verarbeitet werden. Das würde der Gang sein, um den es sich handelt.
[ 8 ] I hope that, particularly in this regard, we will conduct fundamental experiments at our physics research institute in Stuttgart, and that this will, in a sense, eliminate what Dr. Schmiedel has called “obscuration” will, in a certain sense, be eliminated, and that we will learn to work with the boundaries in a truly precise manner, thereby becoming capable of understanding the spectrum first and foremost as a phenomenon in which the boundary phenomena are processed as the primordial phenomena. That would be the path we need to take.
[ 9 ] Nun aber bekommt man, wenn man so mit der Grenze arbeitet, eben dasjenige, was Dr. Schmiedel das polare Verhältnis nannte zwischen dem einen und dem andern Teile des sogenannten Spektrums.
[ 9 ] But when one works with the boundary in this way, one obtains precisely what Dr. Schmiedel called the polar relationship between one part and the other of the so-called spectrum.
[ 10 ] Also: «Polarität» ist im Goetheschen Sinne hier ein viel zu abstrakt angewendeter Ausdruck! Man kann ihn ja von allen möglichen Naturerscheinungen als Ausdruck gebrauchen. Goethe kommt nun — und da kann ich natürlich heute abend wegen der Kürze der Zeit nicht auf die Einzelheiten eingehen -, indem er immer Versuche veranstaltete, zu dem grundsätzlichen Gegensatz, den er annimmt zwischen der roten Natur und der blauen Natur, wobei durchaus auch zu beachten ist, daß Goethe nicht spricht von rotem und blauem Lichte, da kann man widersprechen im Goetheschen Sinne, sondern von der roten und blauen Natur. Das Licht ist schlechterdings undifferenzierbar, und das, was als Differenzierungen auftritt, sind Erscheinungen am Licht. Mit Recht ist als ein Ergebnis der neueren Physik hervorzuheben, daß Goethe dem, was er die Entität des Lichtes nennt, entgegensetzt die Entität der Finsternis nicht als das Nichts, sondern als eine wirkliche Entität. Und nun kann ich dasjenige, was bei Goethe eine ziemlich komplizierte Vorstellung ist, eigentlich in kurzen Worten nur etwa so andeuten, daß ich folgendes sage: Sowohl im roten Teil der Farbabschattungen wie im blauen Teil hat man es nun nicht mit einer Mischung, sondern mit einem dynamischen Ineinanderwirken von Licht und Finsternis zu tun, aber so, daß im roten Teil dieses Zusammenwirken so ist, daß gewissermaßen das Rot sich ergibt als die Aktivität des Lichtes in der Finsternis. Man hat es also mit dem Zusammenwirken von Licht und Finsternis zu tun. Hat man es mit dem Roten zu tun, also sagen wir mit einem roten Felde, dann hat man es mit dem aktiven Licht in der Finsternis zu tun, hat man es mit der blauen Seite zu tun, dann hat man es mit der Aktivität der Finsternis in der Helligkeit zu tun. Also das ist der genaue Ausdruck für die Polarität.
[ 10 ] In other words: “Polarity,” in the Goethean sense, is a term used here in a far too abstract way! One can, of course, use it to describe all sorts of natural phenomena. Goethe—and I cannot, of course, go into the details tonight due to time constraints—arrives at the fundamental opposition he posits between “red nature” and “blue nature” by constantly conducting experiments; it should also be noted that Goethe does not speak of red and blue light, one can disagree in Goethe’s sense—but rather of red and blue nature. Light is utterly undifferentiable, and what appears as differentiations are phenomena in the light. It is rightly emphasized as a finding of modern physics that Goethe contrasts what he calls the entity of light with the entity of darkness—not as nothingness, but as a real entity. And now I can only roughly hint at what is a rather complicated concept in Goethe’s work by saying the following: In both the red and the blue parts of the color spectrum, we are not dealing with a mixture, but with a dynamic interplay of light and darkness—though in the red part, this interplay is such that, in a sense, red emerges as the activity of light within darkness. We are therefore dealing with the interplay of light and darkness. When we deal with the red—that is, with a red field—we are dealing with the active light within the darkness; when we deal with the blue side, we are dealing with the activity of darkness within the light. This, then, is the precise expression of polarity.
[ 11 ] Das ist natürlich eine Vorstellung, von der ich gern zugebe, daß der moderne Physiker nicht viel damit verbinden kann. Aber für Goethe ist das Rot die Aktivität des Lichtes in der Finsternis, das Blau die Aktivität der Finsternis im Hellen, also im Lichte. Das kann man eine Polarität nennen, das ist eine Polarität. Und das führt Goethe nun durch für die physikalische oder physische Farbe, also eigentlich die spektrale Farbe, und auch für die chemische Farbe, und er ist sich wohl bewußt, wie er überall auf Unsicherheiten tappt, weil er natürlich nicht dieses allgemeine Prinzip im einzelnen durchführen kann. Aber nehmen wir nun dieses, was ich nur eben ganz flüchtig angedeutet habe, so haben wir überall, wo Farben auftreten, wo also Farben erscheinen, überall da haben wir ein Qualitatives. Und da stehen wir an dem Punkte, wo einmal die Entscheidung fallen wird in dieser Beziehung.
[ 11 ] This is, of course, a concept that—as I readily admit—the modern physicist cannot relate to very much. But for Goethe, red is the activity of light in darkness, and blue is the activity of darkness in brightness—that is, in light. One might call this a polarity; it is a polarity. And Goethe now applies this to physical color—that is, spectral color—as well as to chemical color, and he is well aware that he is stumbling upon uncertainties everywhere, because he naturally cannot apply this general principle in every detail. But if we take this—which I have just briefly touched upon—then wherever colors occur, wherever colors appear, there we have something qualitative. And there we stand at the point where a decision will eventually be made in this regard.
[ 12 ] Sehen Sie, es ist ja heute noch so, daß man, möchte man sagen, erlebt eine Fülle von Erscheinungen. Auch heute sind Ihnen eine ganze Fülle von Erscheinungen vorgeführt worden in dankenswerter Weise, die eigentlich erforderten, daß man ganze Serien von Vorträgen darüber halten würde, um nun zu zeigen, wie sie eigentlich sich hineinstellen in die Goethesche Farbenlehre und in das Gesamtgebiet der Naturwissenschaft. Aber wir erleben heute Erscheinungen, die — in ganz anderer Weise als etwa die theoretischen Erwägungen der Relativitätstheorie und so weiter über die Geschwindigkeitsvorstellungen beim Lichte es geben — Rektifizierungen hervorbringen müssen. Wir erleben eben, was gerade von Fräulein Dr. Rabel selber hervorgehoben worden ist, daß sich der Physiker gedrängt fühlt, allerdings in einer sehr modifizierten Gestalt, wiederum zu der Emissionstheorie des Newton zurückzukommen. Ein sehr großer Unterschied ist allerdings zwischen der Newtonschen Theorie, die aus verhältnismäßig einfachen Phänomenen herausgezogen worden ist, und der heutigen Zeit. Denn ich glaube, die heutige Auffassung beruht hauptsächlich darauf, daß man sich nach den gewöhnlichen wellentheoretischen Vorstellungen kein Bild davon machen kann, wie zum Beispiel folgendes möglich ist: Wenn man ultraviolettes Licht auf ein Metall fallen läßt, so bekommt man Elektronen zurückgeworfen, und diese Elektronen kann man untersuchen. Sie zeigen dann eine bestimmte Stärke. Diese Stärke ist nicht abhängig von der Entfernung der Quelle des ultravioletten Lichtes von dem Metall. Sie können die Quelle weit weg legen und bekommen dennoch dieselbe Voltstärke. Nun müßte natürlich, wenn, wie es vorausgesetzt wird, die Lichtstärke verbleibt, die Intensität abnehmen mit dem progressiven Grade der Entfernung. Das ist aber nicht der Fall für die Elektronen, die Ihnen vom Metall zurückgeworfen werden. Man sieht, daß ihre Stärke gar nicht abnimmt mit dem Grade der Entfernung, sondern lediglich von der Farbe abhängt. Wenn Sie die Farbe in der Nähe haben, so ist es dasselbe wie in der größeren Entfernung. Da wird man also zunächst darauf geführt, daß man überhaupt über dasjenige, was da Licht genannt wird, anders denken muß. Man hilft sich heute damit, daß man die Quantentheorie zugrunde legt, die sagt, daß sich nicht irgend etwas Kontinuierliches ausbreite, wie etwa die Schwere ausgebreitet gedacht wird, sondern es breite sich das Licht atomistisch aus. Wenn es sich atomistisch ausbreitet, so hat man das betreffende Quantum an irgendeiner Stelle und es wirkt dann. Es handelt sich da nicht darum... das Quantum kann eben nur an einer Stelle sein. Wenn es überhaupt da ist, dann wirkt es auslösend auf die Elektronenwirkungen.
[ 12 ] You see, even today it is still the case that—one might say—one experiences a wealth of phenomena. Even today, a whole wealth of phenomena has been presented to you—for which we are grateful—phenomena that would actually require a whole series of lectures to demonstrate how they actually fit into Goethe’s theory of colors and into the entire field of natural science. But today we are experiencing phenomena that—in a completely different way than, for example, the theoretical considerations of the theory of relativity and so on regarding the concepts of the speed of light—must lead to corrections. We are witnessing precisely what Dr. Rabel herself has just emphasized: that the physicist feels compelled—albeit in a very modified form—to return once again to Newton’s emission theory. There is, however, a very great difference between Newton’s theory, which was derived from relatively simple phenomena, and the present day. For I believe that today’s view is based primarily on the fact that, according to the usual concepts of wave theory, one cannot form a picture of how, for example, the following is possible: When ultraviolet light is directed at a metal, electrons are scattered back, and these electrons can be examined. They then exhibit a certain intensity. This intensity does not depend on the distance of the ultraviolet light source from the metal. You can place the source far away and still obtain the same voltage. Now, of course, if—as is assumed—the light intensity remains constant, the intensity should decrease with increasing distance. But this is not the case for the electrons that are scattered back to you from the metal. One sees that their intensity does not decrease at all with distance, but depends solely on color. Whether the color is close by or at a greater distance, the result is the same. This leads one, at first, to conclude that we must think differently about what is called “light” in the first place. Today, we rely on quantum theory, which states that light does not propagate as a continuous entity—as gravity, for example, is thought to—but rather propagates in discrete quanta. If it propagates atomistically, then the quantum in question is present at a specific point and exerts its effect there. It is not a matter of... the quantum can only be at one point. If it is there at all, then it triggers the electronic effects.
[ 13 ] Also, diese Dinge haben wiederum zu der Emissionstheorie zurückgeführt. Während Newton sich vorstellt, daß irgendwie Substanzen, Entitäten in ponderabler Weise sich ausdehnen, die aber so sind, daß man sagen müßte, daß die Intensität abnimmt mit dem Quadrat der Entfernung, so ist es jetzt so, daß man diese ersetzt durch die Ausbreitung von elektromagnetischen Feldern, die dann aber wirklich durch den Raum gehen, und zwar im Sinne der Quantentheorie. Man hat es also eigentlich zu tun mit der Emission von elektromagnetischen Feldern, während man es bei der Undulationstheorie, die durchaus gang und gäbe war in der Zeit, als zum Beispiel ich selber jung wat, es eben zu tun hatte mit einem bloßen Fortschreiten der Bewegung, so daß also eigentlich nichts im Raume ausstrahlt, sondern nur die Bewegung weitergeführt wird. Diese Vorstellungen über das objektiv Vorhandene sind eigentlich gerade — wenigstens ich sehe es so an — heute in beständigem Flusse, und die Experimente, die da vorliegen, die weisen überall auf dasjenige hin, was Fräulein Dr. Rabel mit Recht hervorgehoben hat, daß man ja mit der bloßen Annahme von Wellenlängen nicht auskommt, daß das so eine Art von Widerspruch in sich enthält. Das ist aber gerade das, um was es sich handelt. Im Grunde genommen liegt eigentlich doch nur das vor, daß man sich durch lange Zeiten durchaus gewöhnt hat, mit den Wellenlängen und so weiter als einzigem zu rechnen. Die Vorstellung war ja außerordentlich einfach. Man rechnete überhaupt nur objektiv mit Wellen von gewissen Wellenlängen und Schwingungen von gewissen Geschwindigkeiten, bezeichnete dasjenige, was im Spektrum vom Violett bis zum Rot liegt, so, daß man sagte, es macht das eben einen Eindruck auf die Netzhaut des Auges. Jenseits des Roten hat man die anderen Schwingungen, die keinen Eindruck machen, aber sie unterscheiden sich nicht qualitativ davon, ebenso jenseits des Violetten. Einzelne haben sich aufgelehnt, einzelne haben es in interessanter Weise zurückgewiesen, so in den achtziger, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Eugen Dreher, der sehr viele Experimente gemacht hat, um zu beweisen, daß Licht, Wärme und chemische Entität drei durchaus radikal voneinander verschiedene Entitäten sind. Auch ließ sich das bis zu einem gewissen Grade durchaus belegen. Und gerade der heutige Stand der Sache beweist eben, daß der ganze Komplex der Fragen im Grunde genommen im Fluß ist. Sobald man eben auf dasjenige kommen wird, was, abgesehen vom Subjektiven, unter dem Komplex «Lichterscheinungen» zusammengefaßt eigentlich vorliegt ... (Lücke) ... Das Wesentliche ist bei Goethe, daß er dasjenige hineingebracht hat, was sich heute der Physik aufdrängt. Gewiß, er hat es hineingebracht nach dem mangelhaften Stande der Physik am Ende des 18. Jahrhunderts. Aber er hat. es hineingebracht.
[ 13 ] So, these ideas led back to the emission theory. While Newton imagined that substances—entities—somehow expand in a ponderable manner, but in such a way that one would have to say that the intensity decreases with the square of the distance, it is now the case that these are replaced by the propagation of electromagnetic fields, which then actually travel through space, specifically in the sense of quantum theory. So we are actually dealing with the emission of electromagnetic fields, whereas in the undulation theory—which was quite common in the time when, for example, I myself was young—it was simply a matter of the mere propagation of motion, so that nothing actually radiates into space, but only the motion is carried forward. These conceptions of what objectively exists are actually—at least as I see it—in a state of constant flux today, and the available experiments all point to what Dr. Rabel rightly emphasized: that one cannot get by with the mere assumption of wavelengths, that this contains a kind of contradiction within itself. But that is precisely the issue at hand. When all is said and done, the reality is simply that, over long periods of time, we have become thoroughly accustomed to relying solely on wavelengths and the like in our calculations. The concept was, after all, extraordinarily simple. People simply calculated objectively with waves of certain wavelengths and oscillations of certain speeds; they described what lies in the spectrum from violet to red by saying that it simply makes an impression on the retina of the eye. Beyond red, there are other oscillations that make no impression, but they do not differ qualitatively from those in the red spectrum, nor do those beyond violet. Some individuals have objected, and others have rejected it in interesting ways—for example, in the 1870s and 1880s, Eugen Dreher, who conducted a great many experiments to prove that light, heat, and chemical entities are three fundamentally distinct entities. This could indeed be substantiated to a certain extent. And the current state of affairs proves precisely that the entire complex of questions is, in essence, in a state of flux. As soon as one arrives at what, apart from the subjective, actually exists under the umbrella term “light phenomena”... (gap)... The essential point with Goethe is that he incorporated what is now becoming evident to physics. Certainly, he incorporated it based on the limited state of physics at the end of the 18th century. But he did incorporate it.
[ 14 ] Wenn man sich heute die Sache ansieht, so sagt man sich: Ganz gewiß, das ist alles ungeheuer interessant. Und ich muß gestehen, interessanter war die ganze Behandlung der Undulationstheorie, als ich jung war, denn die Undulationstheorie war bis zum Exzeß ausgebildet, und da war wirklich alles bis ins einzelnste hinein recht genau berechnet. Aber heute werden die jungen Leute gar nicht mehr mit dieser ausgefallenen Undulationstheorie geplagt. Denn es nimmt sich doch etwas anders aus, ob man aus der theoretischen Mechanik heraus mit irgendeiner Ätherhypothese die Undulation berechnet, oder ob man von der Wirkungsweise elektromagnetischer Felder ausgeht. Da nimmt sich schon alles etwas unbestimmter aus. Man hat heute nicht so das Bedürfnis, alles dieses Exaktlinige zu berechnen innerhalb der Lichterscheinungen, wie das noch vor vierzig, fünfunddreißig Jahren geschehen ist. Es ist außerordentlich interessant natürlich, auf all die Finessen zu kommen, aber sie sind ein Rechnungsresultat, und der ganze maßgebende Beweis eigentlich für dieses Rechnungstesultat wird ja im Interferenzversuch gesehen. Heute steht der Interferenzversuch so da, daß er einer neuen Erklärung bedarf. Das gibt die Physik von heute zu. Und da hat wirklich die Quantentheorie nicht viel erlangt. Die Sache liegt eben so: Es ist heute noch nicht sehr weit gediehen, aber man sieht immer mehr und mehr, wie man gewisse gut brauchbare Zahlen, Hilfszahlen, in den Schwingungszahlen oder Wellenlängen hat, das sind alles gute Rechnungsmünzen, aber niemand wird heute eigentlich sagen können, daß dem irgend etwas Reales zugrunde liegt. Ich möchte sagen, wenn man die Schwingungszahl für die sogenannten roten Strahlen und die blauen angibt, so hat man ein gewisses Verhältnis, das zwischen Rot und Blau besteht, so ausgedrückt, wie sich die eine Zahl zu der anderen verhält. Man kann schon heute sagen: Viel wichtiger sind die Verhältnisse der einzelnen Zahlen zueinander als der absolute Wert der einzelnen Schwingungszahlen. Und das führt von dem Quantitativen ins Qualitative hinüber. Man ist heute doch auf dem Wege, sich zu sagen: Mit den Wellenlängen allein geht es nicht, man braucht etwas anderes.
[ 14 ] When you look at the matter today, you say to yourself: Certainly, this is all incredibly interesting. And I must admit, the whole treatment of the undulation theory was more interesting when I was young, because the undulation theory had been developed to the extreme, and everything had really been calculated quite precisely down to the smallest detail. But today, young people are no longer bothered with this outlandish undulation theory. After all, it makes quite a difference whether one calculates undulations from theoretical mechanics using some ether hypothesis, or whether one starts from the mode of action of electromagnetic fields. In the latter case, everything seems a bit more indefinite. Today, there isn’t really the same need to calculate all these precise details within the phenomena of light, as was the case forty or thirty-five years ago. It is, of course, extraordinarily interesting to uncover all these subtleties, but they are the result of calculations, and the entire decisive proof for this calculated result is, after all, seen in the interference experiment. Today, the interference experiment stands in such a way that it requires a new explanation. Modern physics admits this. And in this regard, quantum theory has not really achieved much. The situation is simply this: It hasn’t progressed very far yet, but we are seeing more and more how we have certain very useful numbers—auxiliary numbers—in the frequencies or wavelengths; these are all good tools for calculation, but no one today can really say that anything real underlies them. I would like to say that when one specifies the frequency for the so-called red rays and the blue ones, there is a certain ratio that exists between red and blue, expressed as the relationship of one number to the other. One can already say today: The relationships of the individual numbers to one another are far more important than the absolute value of the individual vibration numbers. And this leads from the quantitative to the qualitative. Today, we are on the path to realizing: Wavelengths alone are not enough; we need something else.
[ 15 ] Aber dieses andere wird immer ähnlicher und ähnlicher dem, was Goethe auf seinen Wegen suchte. Das ist heute noch nicht so strikte zu bemerken, aber für den, der die Dinge genau kennt, eben durchaus zu bemerken, wie die Physik nach und nach dahin führt, und, wie gesagt, die Erscheinungen, die heute angeführt worden sind, die würde Goethe durchaus so auffassen, daß er sie als eine Bestätigung seiner Anschauung finden würde.
[ 15 ] But this other thing is becoming more and more like what Goethe sought on his journeys. This is not yet so clearly apparent today, but for those who know the subject well, it is certainly evident how physics is gradually leading in that direction; and, as I said, Goethe would certainly interpret the phenomena mentioned today in such a way that he would see them as a confirmation of his own view.
[ 16 ] Auf einzelnes einzugehen ist natürlich schwierig, weil dazu heute nicht die Grundlagen geschaffen worden sind. Ich will nur prinzipiell zum Beispiel auf die Pflanzenfrage eingehen. Auf solche Dinge möchte ich mich nicht gerne einlassen, wie, ob man einen Ausdruck wie «absorbiert» gebrauchen darf oder nicht. Wenn man ihn nimmt als eine bloße Bezeichnung dessen, was vorliegt, so habe ich nichts dagegen, aber wenn man sich die Sache dann so einfach macht, nicht wahr, daß, wenn irgendwo Helles auffällt und irgendeine Glasscheibe in den Weg gestellt wird und man hinter der Glasscheibe ein rotes Feld hat, man dann sagt: da sind alle anderen Farben verschluckt von dem Glas, nur das Rote ist durchgelassen worden, - so setzt man eben an die Stelle eines konstatierten Phänomenes eine Erklärung, die aber ganz und gar im Blauen liegt, für die eigentlich nichts Reales vorliegt. Man kann durchaus beim Phänomen bleiben; Das ist gut. Aber nehmen Sie dasjenige, was vielleicht sogar noch so unvollkommen bei Goethe ausgesprochen ist: Aktivität des Lichtes, der Helligkeit im Finsteren liegt dem Roten zugrunde; Aktivität der Finsternis im Hellen, im Lichte, das liegt dem Blau zugrunde. Was den Nuancen zugrunde liegt, als Abschattung, dem Grün oder Orange, darauf kommt es jetzt nicht an, darauf kann man sich nicht einlassen. Ich kann nur das Grundphänomen angeben. Und da haben Sie dann allerdings das, was ich jetzt nur, ich möchte sagen, approximativ andeutete, dann hat man es zu tun mit dem Finsteren als einem Realen, dann muß man doch sich klar sein darüber - es gibt ja natürlich sehr vieles zum Beleg dessen, was ich sagen werde, aber auch aus einer ganz oberflächlichen Betrachtung der Sache kann man sich klar darüber werden -, daß diese Finsternis in einer gewissen Weise sich entgegensetzt dem Hellen. Das gibt natürlich die subjektive Empfindung, aber auch objektive Tatsachen. - Da muß man natürlich eine Polarität annehmen, wenn man nur nicht im Abstrakten bleiben will, sondern auf das Konkrete dabei eingeht. Wenn Sie an dieses Polarische des Hellen und Dunklen nun denken, dann kommen Sie allmählich zu der Vorstellung, die Ihnen eine gewisse Unmöglichkeit vor Augen führt, in derselben Weise von Ausbreitung einer Entität zu sprechen beim Dunklen wie beim Hellen. Darüber entscheiden die Experimente, die bis heute gemacht worden sind, gar nichts! Denn sehen Sie, wenn Sie sich denken — natürlich ist es mehr, aber das beruht dann auf übersinnlichen Beobachtungen oder halb übersinnlichen Beobachtungen, aber nehmen Sie es zunächst nur als eine Möglichkeit, als eine Hypothese einmal hin -—, die Helligkeit würde schematisch dadurch bezeichnet, daß eine Ausbreitung stattfindet. Sie können dann die Dunkelheit nicht dadurch bezeichnen, daß ein Ausbreiten stattfindet, sondern müssen die Dunkelheit so bezeichnen, daß gewissermaßen von dem Unendlichen her so etwas wie ein Saugen stattfindet. Sie würden also von einem Raum, den Sie mit schwarzen Wänden ausgekleidet haben, nicht sagen dürfen: Es findet da ein Ausbreiten statt, eine Emission oder dergleichen, sondern es findet ein Saugen statt, Saugwirkungen, die natürlich einen Erreger des Saugens haben müssen, denn man braucht natürlich ein Zentrum. Aber die Möglichkeit von Saugwirkungen ist zunächst das, was, um diese Trivialität zu sagen, im schwarzen Raum vorhanden ist, im Gegensatz zu dem durchhellten, wo man es mit Ausbreitungswirksamkeiten zu tun hat.
[ 16 ] It is, of course, difficult to go into specifics, because the groundwork for that has not been laid today. I just want to address the issue of plants, for example, in general terms. I would rather not get into details such as whether or not one is allowed to use a term like “absorbed.” If one takes it as a mere description of what is present, I have no objection, but if one then simplifies the matter to the point where—if, for example, something bright catches the eye and a piece of glass is placed in the way, and there is a red patch behind the glass—one says: ‘All the other colors have been swallowed up by the glass; only the red has been allowed to pass through’—then one is simply substituting an explanation for an observed phenomenon, an explanation that is entirely speculative and for which there is actually no real basis. One can certainly stick to the phenomenon; that is fine. But take what is perhaps even expressed rather imperfectly by Goethe: The activity of light, of brightness within the darkness, underlies red; the activity of darkness within the brightness, within the light, underlies blue. What underlies the nuances—as a shading—of green or orange, that is not what matters now; one cannot go into that. I can only point out the basic phenomenon. And there, you do indeed have what I am now merely, I would say, have only roughly hinted at—then one is dealing with darkness as a reality, and one must be clear about this—there is, of course, a great deal of evidence to support what I am about to say, but even a very superficial consideration of the matter makes this clear—that this darkness, in a certain sense, stands in opposition to the light. This is evident not only in subjective perception but also in objective facts. - One must, of course, assume a polarity here if one does not wish to remain in the abstract but instead address the concrete aspects of the matter. If you now consider this polarity of light and darkness, you will gradually arrive at the idea that reveals a certain impossibility: that of speaking of the propagation of an entity in the same way for darkness as for light. The experiments conducted to date have no bearing whatsoever on this! For you see, if you imagine—of course there is more to it, but that is based on extrasensory or semi-extrasensory observations; for now, however, let’s just accept it as a possibility, as a hypothesis—that brightness would be schematically characterized by the fact that an expansion takes place. You cannot then describe darkness by saying that a spreading takes place, but must describe darkness by saying that, as it were, something like a suction is taking place from the infinite. So you would not be allowed to say of a room lined with black walls: “There is a spreading taking place there, an emission or the like,” but rather: “There is a suction taking place, suction effects,” which of course must have a source of the suction, for one naturally needs a center. But the possibility of suction effects is, to put it trivially, what is present in the black room, in contrast to the illuminated one, where one is dealing with propagation effects.
[ 17 ] Wenn Sie das festhalten, dann wird die Farbvotstellung immer konkreter werden, und Sie werden in dem Blau etwas haben vom Saugenden — es ist eigentlich nur approximativ gesprochen — und werden bei dem Roten etwas haben vom Sich-Ausbreitenden, im Grünen gewissermaßen die Neutralisierung. Und nun denken Sie — da müssen wir ja in eine tiefere Schichte des Vorstellens -, wenn Sie dasjenige, was da als Saugwirkung vorhanden ist, in seinem Verhältnis zum Pflanzenwesen betrachten, so haben Sie die hinter dem Farbigen liegende Saugwirkung, die im Gegensatz zu gewissen inneren Kräften der Pflanze ist. Die haben Sie in der ganzen Konfiguration, in der ganzen Organisation der Pflanze mitwirkend drinnen.
[ 17 ] If you keep this in mind, the color composition will become increasingly concrete, and you will find in the blue something of the “absorbing” — though this is, strictly speaking, only an approximation — and in the red something of the “spreading,” and in the green, so to speak, the “neutralization.” And now consider—here we must delve into a deeper layer of imagination—if you observe that which is present as a suction effect in relation to the plant organism, you will find the suction effect underlying the color, which stands in contrast to certain inner forces of the plant. These forces are at work within the entire configuration, within the entire organization of the plant.
[ 18 ] Wir müssen also gewissermaßen hinter die Farbenerscheinungen gehen. Wir finden in den Farbenerscheinungen nur den symptomatischen Ausdruck für dasjenige, was ja tiefer hinter den Farbwirkungen liegt. Wir kommen also auf eine Polarität, wenn wir diese nicht bloß als eine abstrakte Polarität ansehen, sondern eingehen auf diese ganz besondere Art der Polarität, so daß wir, wenn wir es subjektiv machen und zum Beispiel das Blau sehen, wir das Auge im Grunde genommen einer Saugwirkung exponieren, im Rot einer Druckwirkung in einem gewissen Sinne, was aber nun nicht mechanisch, sondern intensiv zu denken ist.
[ 18 ] So, in a sense, we must look beyond the phenomena of color. In these phenomena, we find only the symptomatic expression of what lies deeper beneath the effects of color. We thus arrive at a polarity; if we do not regard this merely as an abstract polarity, but delve into this very special kind of polarity, so that when we experience it subjectively—for example, when we see blue—we are essentially exposing the eye to a suction effect, and in the case of red, to a pressure effect in a certain sense—which, however, must be conceived not mechanically but intensively.
[ 19 ] Wenn wir das dann haben, dann bekommen wir auch Vorstellungen, die natürlich viel kompliziertere sind als diese, daß ich sage: Ich stelle eine Glasscheibe in den Weg eines erhellten Bündels und bekomme hinten ein rotes Feld. Alles andere ist verschluckt worden außer dem Rot. Wir werden dann geführt zu einer ganz anderen Art, einer ganz anderen Formulierung des Problems. Die Forderung entsteht, aus dem Phänomen, das mir vorliegt, nun die Natur des in den Weg gestellten Materiellen zu untersuchen. Wenn wir da anfangen, werden wir zu einer ganz anderen Methode, sagen wir, der Polarisationserscheinungen geführt. Man kommt da auf einem gewissen Umweg zu einer sehr strikten Auffassung, was auch Fräulein Dr. Rabel gesagt hat. (Zu Fräulein Dr. Rabel gewandt): Sie haben einen englischen Physiker genannt. Es ist aber von einer ganzen Reihe von Physikern auch auf die Sache schon aufmerksam gemacht worden, daß man es eigentlich zu tun hat bei diesen Erscheinungen nicht mit etwas, was einen hinweist auf die Entität des Lichtes, sondern eigentlich der Materie, die da dem Licht entgegengestellt wird, natürlich auch ganz besonders der organischen Materie, also, sagen wir, der Pflanzen.
[ 19 ] Once we have that, we also arrive at ideas that are, of course, much more complicated than this one, where I say: I place a glass pane in the path of an illuminated beam and get a red field at the back. Everything else has been absorbed except for the red. We are then led to a completely different approach, a completely different formulation of the problem. The need arises to investigate, based on the phenomenon before me, the nature of the material placed in the path. When we begin there, we are led to a completely different method—let’s say, that of polarization phenomena. Through a certain detour, one arrives at a very strict conception of this, as Dr. Rabel also mentioned. (Turning to Dr. Rabel): You mentioned an English physicist. However, a whole series of physicists have already drawn attention to the fact that these phenomena do not actually point to the essence of light, but rather to the matter that is set in opposition to the light—and, of course, especially to organic matter, that is, to plants.
[ 20 ] Das ist dasjenige, worauf man immer mehr und mehr wird geführt werden, daß man abkommen wird davon, sagen wir, Polarisationsfiguren geradezu ins Licht hineinzukonstruieren. Das ist doch etwas, was ganz wunderbar gegangen ist bei der alten, rein mechanischen Wellentheorie, was aber bei der heutigen Lage nicht mehr in derselben Weise Geltung haben wird. Der Physiker wird dahin geführt, nun nicht bloß den Verlauf der Polarisationsfiguren zu sehen, so daß er sie ins Licht hineinkonstruiert, sondern er schaut eine Wechselwirkung des Lichtes mit der Materie, so daß also gewissermaßen die Konstitution der Materie verraten wird durch das, was da auftritt, auch an anderen Erscheinungen, die insbesondere so auftreten, daß man sie als Emission elektromagnetischer Wellen ansieht. Viel interessanter ist heute, die Sachen so zu betrachten, daß man nachsieht, wie man allmählich herauskomme aus einer Anschauungsweise, die eigentlich wirklich nur darauf beruht, daß man sich so sehr gewöhnt hat an diese mechanische Anschauungsweise mit dem Äther, der ja von einigen als fester Äther konstruiert wird, von anderen als Flüssigkeit. ... (Lücke) ... Man hat sich gewöhnt an bestimmte Vorstellungen, und kommt nicht los davon, wahrhaftig... Bleibt man bei der Wellentheorie stehen, so muß man annehmen, daß man noch etwas unterlegen muß... Und da muß aufmerksam gemacht werden: Goethe war auf dem Wege, diese Unterlagen zu untersuchen. Ihn hat die ganze Undulationstheorie, die er ja noch Zeit seines Lebens gekannt hat, nicht eigentlich interessiert, sondern ihn hat interessiert, was ich in ganz ungenügender Weise angedeutet habe, indem ich die Polarität auf das Konkrete zurückgeführt habe.
[ 20 ] This is precisely what we will increasingly be led to do: to move away from, let’s say, constructing polarization figures directly into the light. This is something that worked wonderfully well in the old, purely mechanical wave theory, but which will no longer hold true in the same way in today’s context. The physicist is led not merely to observe the course of the polarization figures—constructing them, as it were, into the light—but to perceive an interaction between light and matter, so that, in a sense, the constitution of matter is revealed by what occurs there, as well as in other phenomena that manifest themselves in such a way that they are regarded as the emission of electromagnetic waves. It is much more interesting today to view things in such a way that one examines how to gradually move away from a way of thinking that is really based solely on having become so accustomed to this mechanical view involving the ether—which some conceive of as a solid ether, while others view it as a liquid. ... (gap) ... We have become accustomed to certain ideas, and truly cannot shake them off... If one sticks with wave theory, one must assume that there is still something more to be accounted for... And here it must be pointed out: Goethe was in the process of examining these underlying factors. He was not really interested in the entire undulation theory—which he, of course, was familiar with during his lifetime—but rather, as I have indicated in a wholly inadequate way by tracing polarity back to the concrete, he was interested in something else.
[ 21 ] Man kommt tiefer hinein in dasjenige, was Goethe wollte, gerade indem man seine «Farbenlehre» ganz von Kapitel zu Kapitel nimmt, auch bis in die sinnlich-sittlichen Wirkungen der Farben herauf, wo gewissermaßen die Farben im Blickfelde verschwinden, und, man möchte sagen, geistig-seelische, moralische Eigenschaften auftreten. Man erlebt sie an der Stelle des Roten, des Blauen, wo man übergeführt wird ins Seelische. Und Goethe würde da sagen: Eigentlich da erst erfährt man etwas in bezug auf das Wesen des Farbigen, wenn das Farbige verschwindet und etwas ganz anderes auftritt.
[ 21 ] One gains a deeper understanding of what Goethe intended precisely by working through his *Theory of Colors* chapter by chapter, right up to the sensory and moral effects of colors, where, in a sense, the colors themselves disappear from view and—one might say—spiritual, psychological, and moral qualities come to the fore. One experiences them in the realm of red and blue, where one is led into the realm of the soul. And Goethe would say here: It is actually only then that one learns something about the essence of color, when the color itself disappears and something entirely different emerges.
[ 22 ] Da tritt dasjenige auf, was der Anfang ist zu den Wegen der höheren Erkenntnis, die durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft beschrieben werden, die dazu führen, daß man tatsächlich nicht mehr diese Trennung vornimmt zwischen Subjekt und Objekt, die ja nicht mehr spricht auf einer gewissen Erkenntnisstufe, sondern die zu einem Hinüberleben des Subjektes ins Objekt führen. Das muß beobachtet werden. Es kann keine Erkenntnistheorie geben, die jemals befriedigen kann, wenn ein absoluter Abgrund steht zwischen Subjekt und Objekt, sondern nur, wenn eben diese Gliederung Subjekt und Objekt - im Grunde genommen doch nur eine vorläufige Annahme ist, wie erkenntnistheoretisch dargestellt worden ist. Die moderne Physik, wie sie, sagen wir, Blanc definiert, geht doch durchaus darauf aus, das Subjektive ganz auszuschließen und die Erscheinungen so darzustellen, wie sie, ohne daß man auf den Menschen irgendwie Rücksicht nimmt, im objektiven Felde verlaufen. Louis Blanc sagt: Die Physik hätte eigentlich nur dasjenige aufzusuchen, was auch ein Marsbewohner — und wenn er ganz anders organisiert wäre — von der objektiven Welt behaupten könnte. Und das ist in der Tat durchaus richtig. Aber die Frage ist diese: ob man nicht auch im Menschen selbst so etwas findet, was den Ergebnissen der Physik entspricht, die rein nach Maß, Zahl und Gewicht gesucht werden, ob nicht auch dem, bei einer entsprechenden höheren Erkenntnis, etwas im Menschen entspricht. Und da muß man sagen: Ja, das ist es! Wir gehen ganz genau durch die Region durch, die dann erlebt wird und die der moderne Physiker eigentlich nur durch eine Konstruktion, eine gewisse Konstruktion aus dem Phänomen heraus, gewinnt. Nur nimmt sich diese Region so aus, daß das Substantielle, das zugrunde liegt, nicht mehr ein Materielles, sondern ein Geistiges ist. Man erwirbt sich da sogar das Recht, die Formeln der Physik in einer gewissen Form anzuwenden, setzt nur ein anderes Substantielles hinein. Newton meinte, es wird eine Art ponderabler Materie hineingegossen in die Gleichungen, die Formeln; die Huygenssche Undulationstheorie: es wird nur die Zahl der Wellen hineingegossen; die neuere Theorie: es werden elektromagnetische Felder hineingegossen.
[ 22 ] Here we encounter what is the beginning of the paths to higher knowledge, as described by anthroposophically oriented spiritual science, which lead to a point where one no longer makes this distinction between subject and object—a distinction that, at a certain level of knowledge, no longer applies—but rather to a transition of the subject into the object. This must be observed. There can be no theory of knowledge that is ever satisfactory if there is an absolute gulf between subject and object, but only if this very distinction between subject and object—which, when all is said and done, is merely a provisional assumption, as has been shown in epistemology—is recognized. Modern physics, as defined, say, by Blanc, does indeed aim to completely exclude the subjective and to present phenomena as they occur in the objective realm, without taking human beings into account in any way. Louis Blanc says: Physics should, in fact, seek only what even a Martian—even if he were organized entirely differently—could assert about the objective world. And that is, in fact, entirely correct. But the question is this: whether one might not also find within human beings themselves something that corresponds to the results of physics—which are sought purely in terms of measure, number, and weight—and whether, with a corresponding higher level of understanding, there is not something in human beings that corresponds to this as well. And here one must say: Yes, that is it! We are moving very precisely through the region that is then experienced—and which the modern physicist actually gains only through a construction, a certain construction derived from the phenomenon. Only this region appears in such a way that the substantial element underlying it is no longer material, but spiritual. One even acquires the right there to apply the formulas of physics in a certain way, simply substituting a different substance into them. Newton believed that a kind of ponderable matter is introduced into the equations and formulas; Huygens’ wave theory posits that only the number of waves is introduced; and the more recent theory posits that electromagnetic fields are introduced.
[ 23 ] Also dasjenige, was da eigentlich auf den Formeln schwimmt, das ist etwas, worüber eine gewisse Liberalität heute schon auch im Verlaufe der Theorien herrscht. Und darum sollte man sich nicht gar zu sehr stemmen, wenn Geisteswissenschaft genötigt ist, in diese durch den Weltenraum fliegenden, tanzenden Gleichungen nun auch Geist hineinzutun. Weder dasjenige, was Newton wollte, noch das, was der ganz moderne Physiker will, sondern da eben Geist hineintun! Nur muß man eben zuerst wissen, was Geist ist. Das beruht dann nicht auf irgendeiner Theorie, sondern auf einer höheren Erfahrung.
[ 23 ] So what is actually “floating” on those formulas is something about which a certain degree of flexibility already prevails today, even within the theories themselves. And that is why one should not resist too strongly when spiritual science is compelled to introduce spirit into these equations that fly and dance through the cosmos. Neither what Newton wanted, nor what the very modern physicist wants, but simply to introduce spirit into them! But first, one must know what spirit is. This is based not on any theory, but on a higher experience.
[ 24 ] Ich glaube also, daß tatsächlich immer mehr und mehr zum richtigen Verständnis von Goethes Farbenlehre beigetragen wird durch dasjenige, was von Fräulein Dr. Rabel heute in so dankenswerter Weise vorgebracht worden ist. Ich glaube aber nicht, daß es möglich ist, heute auch noch auf solche Fragen einzugehen, wie sie zum Beispiel Dr. Stein noch gestellt hat. Denn man müßte nun auf das ganze Wesen der Elektrizität eingehen. Und das berührt Fragen, die eigentlich erst auf anthroposophischem Felde, ich will nicht sagen gelöst, sondern besprochen werden können. Denn da kommen wir ja natürlich in Begriffe hinein, die, möchte man sagen, alles auf den Kopf zu stellen haben, was man gewohnt ist heute, im Physikalischen theoretisch anzuerkennen.
[ 24 ] I therefore believe that what Dr. Rabel so graciously presented today is indeed contributing more and more to a proper understanding of Goethe’s Theory of Colors. However, I do not believe it is possible today to address questions such as those raised, for example, by Dr. Stein. For that would require delving into the very nature of electricity. And that touches on questions that can really only be—I won’t say solved, but rather discussed—in the field of anthroposophy. For there we naturally encounter concepts that, one might say, turn everything we are accustomed to recognizing theoretically in physics today on its head.
[ 25 ] Wenn man auch jetzt etwas davon abgekommen ist, so ist es noch nicht lange her, da rechnete man ja mit elektrischen Strömungen und dergleichen. Nun hat man es aber in der Wirklichkeit zu tun — das ist eben nur Ergebnis der höheren Erkenntnis, was ich Ihnen jetzt sagen werde — bei elektrischen Strömen nicht mit etwas, was da hineinströmt, sondern man hat es in Wirklichkeit zu tun, wenn ich schematisch das andeuten darf, damit, daß wir, wenn man hier einen Draht hat, durch den eine sogenannte elektrische Strömung geht, eine Aussparung haben in der Realität.
[ 25 ] Even though we have moved away from that somewhat now, it wasn’t long ago that people were still dealing with electric currents and the like. But in reality, — and this is simply the result of a higher understanding, as I will now explain to you — with electric currents, we are not dealing with something that flows into it, but rather, if I may illustrate this schematically, we are actually dealing with the fact that, when we have a wire through which a so-called electric current flows, there is a void in reality.
[ 26 ] Wenn ich die Realität - ich rede jetzt von einem Grad der Realität, das werden ja viele nicht gelten lassen -, wenn ich die Realität zum Beispiel hier mit + a bezeichnen will, so müßte ich die Realität innerhalb des Drahtes mit -a bezeichnen. Und dann haben wir da ein Hereinsaugen desjenigen, was eigentlich immer wie ein Hereinfließen angesehen wird. Und man hat es im wesentlichen damit zu tun, daß, wenn ein elektrischer Leiter da ist, so stellt er eigentlich nicht ein Ausfüllendes, sondern einen Hohlraum im Geistigen dar. Und das führt uns dann hinüber zu der Willensnatur, die hier Dr. Stein nur vorempfunden hat, die ja auch eigentlich darauf beruht, daß man es nicht zu tun hat, sagen wir, mit Nerven, die ausfüllen, sondern mit Hohlrinnen, Hohlröhren, durch die das Geistige angesaugt wird und durch die das Geistige durchgeht.
[ 26 ] If I want to designate reality—I’m talking now about a degree of reality that many will not accept—if I want to designate reality here, for example, as +a, then I would have to designate the reality inside the wire as -a. And then we have a sort of “sucking in” of that which is actually always regarded as a “flowing in.” And essentially, what we are dealing with is this: when an electrical conductor is present, it does not actually represent something that fills a space, but rather a hollow space in the spiritual realm. And this then leads us over to the nature of the will, which Dr. Stein has here only intuited, and which is actually based on the fact that we are not dealing, let’s say, with nerves that fill a space, but with hollow channels, hollow tubes, through which the spiritual is drawn in and through which the spiritual passes.
[ 27 ] Das aber, wie gesagt, würde heute viel zu weit führen, und ich habe mir eigentlich nur die Aufgabe setzen können zu zeigen, inwieferne oder vielmehr wie das damals gemeint war, als ich gesagt habe: Diese neueren Erscheinungen liegen eigentlich in der Linie der Weiterentwickelung der Goetheschen Farbenlehre.
[ 27 ] But, as I said, that would take us far too far afield today, and I have really only been able to set myself the task of showing to what extent—or rather, how—that was meant at the time when I said: These more recent developments are actually in line with the further development of Goethe’s theory of colors.
Fragenbeantwortungen
Question and Answer
[Frage nicht überliefert]
[Question not recorded]
[ 28 ] Wende mich gar nicht gegen den Gebrauch des Wortes «Absorption, aber dass man etwas [benennen kann oder nicht, oder nur Goethe nennen kann], spricht nichts aus über das Phänomen. Ob [dieses Wort] aber [den Gebrauch] gut oder schlecht schmückt, das ist dadurch nicht ausgemacht. Also an dem Gebrauch des Wortes Absorption, und sogar an einer gewissen Berechtigung, wenn ich darinnen ein weiteres Problem sehe, ist gar kein weiterer Anstoß zu nehmen; aber nur ist damit das Problem eigentlich im Grunde genommen sehr leicht gemacht, dass man von Absorption spricht im abschließenden Sinne, nicht im Sinne des Aufwerfens eines Problems.
[ 28 ] I am not at all opposed to the use of the word “absorption,” but whether one can [name something or not, or can only name it after Goethe] says nothing about the phenomenon. Whether [this word] embellishes [the usage] for better or worse, however, is not thereby settled. So there is no cause for offense in the use of the word “absorption,” or even in a certain justification for it—though I do see a further problem in it—but this actually makes the problem very simple, in that one speaks of absorption in a conclusive sense, not in the sense of raising a problem.
[Frage nicht überliefert]
[Question not recorded]
[ 29 ] [Es liegt aber doch im Entwicklungsgang der modernen Physik, und im Allgemeinen wird doch gelten, dass also auch zu den Anschauungen, die Fräulein Rabel vorgebracht hat, ein Durchschnittsphysiker noch so sagen wird, wie dazumal zu mir: Mit dem kann überhaupt ein moderner Physiker nichts anfangen.] Die Physiker sind sehr eingeschworen auf diese Wellenlinien, und es ist zuweilen sehr merkwürdig, in welch hohem Grade die Leute noch immer von der Wellentheorie reden, trotzdem sie eigentlich mit [der Quantentheorie] arbeiten [könnten].
[ 29 ] [But this is, after all, part of the course of development of modern physics, and in general it will still be true that even regarding the views Miss Rabel has put forward, an average physicist will still say, just as he said to me back then: “A modern physicist can’t make head or tail of that at all.”] Physicists are very committed to these wave functions, and it is sometimes quite remarkable to what extent people still talk about wave theory, even though they could actually be working with [quantum theory].
