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From a Unitary State
to a Tripartite Social Organism
GA 334

18 April 1920, Dornach

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From a Unitary State to a Tripartite Social Organism, tr. SOL
  1. Vom Einheitsstaat zum dreigliedrigen sozialen Organismus

7. Ansprache vor dem Schweizer Staatsbürger-Verein

7. Speech to the Swiss Citizens' Association

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Auf Ihren Wunsch darf ich Ihnen heute einiges auseinandersetzen über den sozialen Impuls, der unter dem Namen der Dreigliederung des sozialen Organismus der Welt gegenübertreten will — gegenübertreten will zunächst von hier aus. Und er darf gerade von hier aus in die Welt getragen werden aus dem Grunde, weil hier Geisteswissenschaft getrieben werden soll und eigentlich heute schon weiteste Kreise begreifen könnten, daß eine Gesundung der allgemeinen Weltenverhältnisse doch nur durch eine geistige Vertiefung kommen kann.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! At your request, I would like to discuss with you today the social impulse that seeks to present itself to the world under the name of the threefold social order—an impulse that seeks to present itself, first and foremost, from here. And it is precisely from here that it must be carried out into the world, for the reason that Spiritual Science is to be pursued here, and in fact, even today, the broadest circles could understand that a restoration of general world conditions can come about only through spiritual deepening.

[ 2 ] Es erwartet uns nach diesem kurzen Vortrage noch die Besichtigung des Baues, und Sie werden daher begreifen, daß ich mich kurz fassen will, und Sie nur aphoristisch auf das Wesentlichste des Dreigliederungsgedankens heute hinweisen kann.

[ 2 ] Following this brief lecture, we will be touring the building, so you will understand that I must keep my remarks brief and can only offer aphoristic insights into the most essential aspects of the threefold social order today.

[ 3 ] Dieser Dreigliederungsgedanke ist nicht etwa ganz neu, sondern er ist entsprungen aus einer jahrzehntelangen Beobachtung der europäischen, namentlich der mitteleuropäischen Verhältnisse und namentlich aus der Beobachtung derjenigen Verhältnisse, welche zu der Schreckenskatastrophe der letzten fünf bis sechs Jahre geführt haben.

[ 3 ] This concept of a threefold social order is not entirely new; rather, it has emerged from decades of observation of European conditions—particularly those in Central Europe—and specifically from the observation of the conditions that have led to the horrific catastrophe of the past five to six years.

[ 4 ] Für denjenigen, der heute zu Ihnen spricht, kamen diese Verhältnisse, unter denen ein großer Teil der Welt heute furchtbar leidet, nicht überraschend. Es war im Frühling des Jahres 1914, da hielt ich vor einem kleineren Kreise in Wien — gerade in Wien, Sie wissen ja, der Weltbrand ist von Wien ausgegangen! - eine Reihe von Vorträgen. Innerhalb dieser Vorträge mußte ich sagen, einfach unter der Verpflichtung, möchte ich sagen, gegenüber der Zeit heraus, daß man sich nicht soll beruhigen dabei, immerfort nur die Großarugkeit der Entwickelung der Gegenwart in allen möglichen Worten zu preisen, sondern daß man hinschauen soll auf dasjenige, was sich vorbereite. Und ich mußte dazumal sagen — also es war im Frühfrühling des Jahres 1914, viele Wochen vor dem Ausbruche des Weltkrieges!: Wer die sozialen Verhältnisse Europas mit einem gewissen Kennerblick überschaut, der kann gewisse Erscheinungen, namentlich in unserem Wirtschaftsleben, nur vergleichen mit einer Art sozialer Krebskrankheit, die in kürzester Zeit zu einem furchtbaren Ausbruch kommen müsse.

[ 4 ] For the one speaking to you today, these circumstances—under which a large part of the world is suffering terribly today—came as no surprise. It was in the spring of 1914 that I gave a series of lectures to a small group in Vienna—in Vienna, of all places; as you know, the world conflagration originated in Vienna! —a series of lectures. In the course of these lectures, I felt compelled—out of a sense of duty to the times, I might say—to point out that one should not be content merely to praise, in every possible way, the grandeur of present-day developments, but rather that one should look to what was in the making. And I had to say at the time—it was in early spring of 1914, many weeks before the outbreak of the World War!: Anyone who surveys the social conditions in Europe with a certain expert eye can only compare certain phenomena—particularly in our economic life—to a kind of social cancer that is bound to erupt in a terrible outburst in the very near future.

[ 5 ] Sehen Sie, jemanden, der im Frühling des Jahres 1914 so etwas gesagt hat, den hat man als einen verträumten Idealisten angesehen, der pessimistische Ansichten hegt. Und diejenigen, die sich dazumal «Praktiker» gedünkt haben, die haben gesprochen davon, daß die allgemeine politische Lage sich entspanne, daß die besten Beziehungen zwischen den Regierungen Europas seien und so weiter.

[ 5 ] You see, anyone who said something like that in the spring of 1914 was regarded as a dreamy idealist harboring pessimistic views. And those who considered themselves “practical” at the time spoke of how the general political situation was easing, how relations between the governments of Europe were at their best, and so on.

[ 6 ] Heute darf wohl darauf hingewiesen werden, daß nicht der Idealist dazumal Unrecht gehabt hat mit seiner Vorhersage, sondern die zehn bis zwölf Millionen Menschen, die seither durch den Weltbrand getötet worden sind, und die dreimal soviel, die zu Krüppeln geschlagen sind innerhalb der zivilisierten Welt, die liefern wohl den hinlänglichen Beweis dafür, daß der «Idealist» dazumal solche Worte sprechen durfte.

[ 6 ] Today, it is safe to say that it was not the idealist of that time who was wrong in his prediction, but rather the ten to twelve million people who have since been killed by the global conflagration, and the three times as many who have been maimed within the civilized world—they surely provide sufficient proof that the “idealist” of that time was justified in speaking such words.

[ 7 ] Man wird an die Stellung, die dazumal die Leute, die sich praktisch dünkten, einnahmen, auch heute in einer gewissen Weise wiederum erinnert. Denn auch heute wird demjenigen kaum voll geglaubt, der davon spricht, daß wir keineswegs am Ende des europäischen Niederganges sind, sondern daß wir immer weiter und weiter hinunter uns bewegen werden auf der schiefen Ebene, wenn nicht in einer genügend großen Anzahl von Menschen die Erkenntnis aufdämmert, wie diesem allgemeinen Niedergange entgegenzusteuern sei.

[ 7 ] In a certain sense, we are reminded today of the stance taken back then by people who considered themselves practical. For even today, hardly anyone fully believes those who say that we are by no means at the end of Europe’s decline, but that we will continue to slide further and further down this slippery slope unless a sufficiently large number of people come to realize how to counteract this general decline.

[ 8 ] Auch heute wird mancher sagen, man rede pessimistisch, wenn man eine solche Prognose stellt. Man redet nicht pessimistisch, man redet nur aus einer Erkenntnis der Verhältnisse heraus.

[ 8 ] Even today, some will say that making such a prediction is pessimistic. It is not pessimism; it is simply speaking from an understanding of the circumstances.

[ 9 ] Und so wie man heute, gewissermaßen durch Geisteswissenschaft gestärkt, einen tieferen Blick in die Verhältnisse tun kann, so konnte man es seit Jahrzehnten. Man konnte sorgfältig beobachten, wie sich die einzelnen Staatenverhältnisse untereinander in Europa immer mehr und mehr zu gegensätzlichen entwickelten, wie dasjenige, was als Maßnahme getroffen worden ist, durchaus nicht hinlänglich war, um das, was sich überall als Zündstoff anhäufte, zu bewältigen. Und man mußte voraussehen dasjenige, was kommt: die Schreckensjahre, die wir nun scheinbar hinter uns haben.

[ 9 ] And just as today—strengthened, so to speak, by Spiritual Science—we can gain a deeper insight into these circumstances, so too has this been possible for decades. One could carefully observe how the relationships between individual states in Europe were becoming increasingly antagonistic, and how the measures that had been taken were by no means sufficient to cope with the tensions that were building up everywhere. And one had to foresee what was to come: the years of terror that we now seem to have left behind.

[ 10 ] Heute darf aber gesagt werden, daß eben vor diesen furchtbaren Jahren keine, wenn ich mich so ausdrücken darf, keine Ohren da waren, um diese Dinge zu hören. Es mußte erst über einen großen Teil Europas die furchtbare Not kommen, die jetzt da ist. So mußte man sich sagen dazumal, es waren nicht Ohren da um zu hören, und man muß auch heute noch warten damit, ob man wirklich gehört werde. Dennoch, trotz der Not, trotz der furchtbaren Lehre, die uns die letzten Jahre gebracht haben, kann man nicht sagen, daß gerade die Idee der Dreigliederung, die aus einer sorgfältigen Beobachtung der Verhältnisse hervorgegangen ist, in entsprechender Weise heute schon aufgenommen werde. Und da möchte ich Ihnen denn gleich im Anfange von dem Grund sprechen, warum man sich so sehr gegen diese Idee von der Dreigliederung stemmt, warum man sie für eine Art Utopie, für eine Art Phantasiegebilde hält.

[ 10 ] Today, however, it can be said that just before those terrible years, there were—if I may put it that way—no ears to hear these things. First, the terrible hardship that now prevails had to befall a large part of Europe. So one had to tell oneself back then that there were no ears to hear, and even today one must still wait to see whether one will truly be heard. Nevertheless, despite the hardship, despite the terrible lessons that the last few years have taught us, one cannot say that the very idea of the threefold social order—which arose from a careful observation of conditions—is already being received in an appropriate manner today. And so I would like to speak to you right at the outset about the reason why people resist this idea of the threefold social order so strongly, why they regard it as a kind of utopia, as a kind of fantasy.

[ 11 ] Sehen Sie, das kommt davon her, weil Verhältnisse so verwickelter Art, Verhältnisse, die die Verheerung, das Chaos so ausgebreitet hatten, eigentlich noch niemals da waren in der ganzen Menschheitsentwickelung! Die Menschheit hat viel durchgemacht; zu bestimmten Zeiten ist auch über Europa viel niedergegangen. Verhältnisse, wie sie jetzt sind, waren in der Zeit der geschichtlichen Entwickelung wirklich noch nicht da.

[ 11 ] You see, this is the result of circumstances of such a complex nature—circumstances that have spread such devastation and chaos—that have, in fact, never before existed in the entire course of human development! Humanity has been through a great deal; at certain times, much has also befallen Europe. Circumstances such as those we face now have truly never existed before in the course of historical development.

[ 12 ] Es haben es die Umstände mit sich gebracht, daß früher kleine Gruppen der Menschheit ergriffen worden sind von Niedergangserscheinungen. Selbst als das große Römische Reich seinem Niedergange entgegenging, da war das im Verhältnis zu der ganzen Erde doch ein kleines Gebiet. Heute werden durch die Verquickung der Verhältnisse, die wir eigentlich über die ganze zivilisierte Erde ausgebreitet haben, die Niedergangserscheinungen sichtbarer. Kein Wunder, daß daher es auch notwendig ist, nun nicht eine kleine Idee, wie man auf dem oder jenem beschränkten Gebiet, das oder jenes verbessern kann, heute fruchtbar machen kann, sondern daß eine umfassende Idee nötig ist, eine Idee, die wirklich auch so tief eingreift, wie die Verwirrung tief ist. Eine solche Idee möchte die Dreigliederung des sozialen Organismus sein. Außer dem, daß sie hervorgegangen ist aus der Beobachtung der wirklichen Verhältnisse, ist sie auch hervorgegangen aus der Betrachtung der geschichtlichen Zeitpunkte, in denen sich die Menschheit in der Gegenwart befindet. Und auch deshalb, weil sie eigentlich mit der ganzen zivilisierten Menschheit der Gegenwart rechnet, diese Dreigliederungsidee, deshalb kommt man ihr so ablehnend entgegen. Man hält sie für eine Utopie, man hält sie für irgend etwas, was ausgedacht ist. Sie ist aber das Wirklichste, oder will wenigstens sein das Wirklichste, das sich in die gegenwärtigen Verhältnisse hereinzustellen hat.

[ 12 ] Circumstances have led to situations in the past where small groups of humanity were affected by signs of decline. Even when the great Roman Empire was heading toward its decline, that was still a small area relative to the entire world. Today, due to the intertwining of conditions that we have essentially spread across the entire civilized world, these signs of decline are becoming more visible. No wonder, then, that what is now needed is not a narrow idea of how to improve this or that limited area—an idea that can bear fruit today—but rather a comprehensive idea, one that truly penetrates as deeply as the confusion itself runs deep. The threefold social order could be such an idea. In addition to having emerged from the observation of actual conditions, it has also arisen from a consideration of the historical junctures at which humanity currently finds itself. And it is also because this idea of threefolding actually takes into account all of contemporary civilized humanity that it is met with such hostility. It is regarded as a utopia; it is regarded as something that has been invented. But it is the most real thing—or at least aims to be the most real thing—that must be brought into the present circumstances.

[ 13 ] Wenn wir nämlich die Entwickelung der geistigen, der staatlichen, der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Gegenwart überblicken, so müssen wir sie anschließen an dieselbe Entwickelung der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Was weiter zurückliegt, das hat einen ganz anderen Charakter. Die letzten drei bis vier Jahrhunderte, und namentlich das 19. Jahrhundert und bis in unsere Tage herein, haben die Menschheit in einen ganz besonderen Entwickelungszustand hineingebracht. In einzelnen Teilen bemerkt man das noch nicht. Mit vollem Recht ist hier von der Gesundheit des Schweizer Volkes gesprochen worden. Auf sie muß für die Zukunft gerechnet werden. Aber es ist dazu auch notwendig, damit diese Gesundheit bleibe, daß man sich keinen Illusionen hingibt, daß etwa gegenüber all dem jetzt Zusammenbrechenden ein kleines Gebiet jetzt isoliert bleiben könnte. Dieses kann nicht sein.

[ 13 ] For when we survey the development of intellectual, political, and economic conditions in the present, we must view them as part of the same development that has taken place over the last three to four centuries. What lies further back in history has an entirely different character. The past three to four centuries—and particularly the 19th century up to the present day—have brought humanity into a very special stage of development. In some areas, this is not yet apparent. It has been quite rightly noted here that the Swiss people are in good health. We must count on them for the future. But for this health to endure, it is also necessary not to harbor any illusions that a small region could remain isolated in the face of everything that is now collapsing. That cannot be.

[ 14 ] Sehen Sie, es gibt heute in Mittel- und Südosteuropa große Gebiete, von denen Sie wissen, wie sehr sie unter dem Herabkommen der Valuta leiden. Dieses Herabkommen der Valuta, dem Volkswirtschafter tritt es entgegen, ich möchte sagen, als eine große Erscheinung gegenüber kleinen Erscheinungen, die es früher auch immer gegeben hat. Man wußte, wenn die Valuta auf irgendeinem Gebiete fällt, dann wird dadurch die Einfuhr in das betreffende Gebiet etwas untergraben; die Ausfuhr wird dadurch um so mehr gefördert. Dieses Gesetz, es läßt sich nicht mehr anwenden auf die Verheerungen der Wirtschaftsverhältnisse, die in Mittel- und Osteuropa eingetreten sind.

[ 14 ] You see, there are large areas in Central and Southeastern Europe today where you know just how much they are suffering from the depreciation of the currency. This depreciation of the currency—which economists view, I would say, as a major phenomenon compared to the minor phenomena that have always existed in the past— It was understood that when the currency falls in a given region, imports into that region are somewhat undermined, while exports are promoted all the more as a result. This principle can no longer be applied to the devastation of economic conditions that has occurred in Central and Eastern Europe.

[ 15 ] Aber bis jetzt hat sich bloß gezeigt, welches die Nachteile des Sinkens der Valuta in gewissen Gebieten sind! Sie werden nicht sehr lange dazu brauchen, um einzusehen, wie groß die Nachteile des Steigens der Valuta in einem Lande sind! Die werden kommen, und es wird gar nicht so lange dauern, dann werden die Länder mit sinkender Valuta, wo die Wirtschaftsverhältnisse zurückgehen, nicht allein stehen in ihrer Sorge, es werden die Länder mit steigender Valuta mit furchtbaren Gefühlen an ihre hohe Valuta denken.

[ 15 ] But so far, we have only seen what the disadvantages of a falling currency are in certain regions! It won’t take them very long to realize just how great the disadvantages of a rising currency are in a country! Those disadvantages will come, and it won’t be long before the countries with falling exchange rates—where economic conditions are deteriorating—will not be alone in their worries; the countries with rising exchange rates will also look upon their high exchange rates with dread.

[ 16 ] Diese Dinge, die zeigen dem, der in die Verhältnisse hineinschauen kann, nur, wie dadurch, daß heute im Grunde das Wirtschaftsgebiet der Erde doch eine Einheit bildet, trotz aller Staatengliederungen, wie das Wohl und Wehe eines kleinen Gebietes der Erde von dem Wohl und Wehe der ganzen Erde abhängt. Daher kann auch heute nur über die sozialen Verhältnisse in ganz internationalem Sinne gedacht werden.

[ 16 ] To those who can see beneath the surface of these conditions, these things merely demonstrate how—given that, despite all national divisions, the world’s economic sphere essentially forms a single unit today—the welfare and misfortune of even a small part of the world depend on the welfare and misfortune of the entire world. Therefore, even today, social conditions can only be considered in a truly international sense.

[ 17 ] Überblickt man dasjenige, was uns eigentlich in die heutige Lage hineingebracht hat, so muß man sagen: Wir sehen, wie weit wir es gebracht haben - heute sieht man es noch nicht -—, aber man könnte eigentlich sagen, man könnte es sehen an der Mißbildung des europäischen Ostens, an der Mißbildung von Rußland. Man muß schon sagen: Solche Dinge sind tief bezeichnend, wie wir sie jetzt zum Beispiel — ich will eine Kleinigkeit erwähnen, aber sie ist tief bezeichnend -, wie wir sie jetzt aus Rußland lesen. Sie konnten lesen, daß Trotzki die Leute aufgefordert hat, den 1. Mai nicht zu feiern, sondern am 1. Mai zu arbeiten. Ich bitte Sie, da drüben in Rußland soll das Ideal der Sozialisten in großem Maßstab verwirklicht werden - ein Paradies wurde den Leuten versprochen. Dasjenige, was das Proletariat durch Jahrzehnte hindurch als sein Manifestationszeichen bezeichnet hat — die Maifeier —, das ist etwas, was da abgeschafft werden muß. Es ist nur ein Ausdruck für dasjenige, was da alles abgeschafft werden muß! Man hat lange Zeit gesprochen von dem Schlimmen des Militarismus, gewiß mit Recht davon gesprochen. In Rußland wird gegenwärtig die Arbeit militarisiert. In Rußland wird gegenwärtig gesagt, es sei ein Unsinn, daß der Mensch hier auf dieser Erde über seine eigene Person verfügen solle. Eine Freiheit des Verfügens über seine eigene Person könne es nicht geben. — Das zeigt so recht die Früchte in dem extremen Falle, zu dem es die Entwickelung der letzten drei bis vier Jahrhunderte gebracht hat. Auf diese Dinge muß man hinschauen. Man muß sich klar darüber sein, daß dieser Staat — ich meine jetzt nicht den einzelnen Staat, sondern den Staat überhaupt -, der sich aus ganz andersartigen Verhältnissen eben im Laufe dieser letzten drei bis vier Jahrhunderte entwickelt hat, daß dieser sich überladen hat mit Dingen, die der Staat als solcher nicht besorgen kann. Denn warum?

[ 17 ] If one takes stock of what actually brought us to our current situation, one must say: We can see how far we’ve come—though it’s not yet apparent today—but one could actually say that it’s evident in the distortion of Eastern Europe, in the distortion of Russia. One really must say: Such things are deeply revealing, as we now see, for example—I’ll mention a small detail, but it is deeply revealing—as we now read about them from Russia. You may have read that Trotsky called on the people not to celebrate May 1, but to work on May 1. I ask you: over there in Russia, the socialist ideal is supposed to be realized on a grand scale—the people were promised a paradise. That which the proletariat has for decades regarded as its symbol of solidarity—the May Day celebration—is something that must be abolished there. It is merely an expression of everything that must be abolished there! For a long time, people have spoken of the evils of militarism—and certainly with good reason. In Russia, labor is currently being militarized. In Russia, it is currently claimed that it is nonsense for a person here on this earth to have autonomy over their own person. There can be no freedom to dispose of one’s own person. — This truly reveals the fruits of the extreme situation to which the developments of the last three to four centuries have led. One must look closely at these things. One must be clear that this state—and I do not mean the individual state, but the state in general—which has developed from entirely different circumstances over the course of these last three to four centuries, has burdened itself with matters that the state as such cannot handle. Why is that?

[ 18 ] Sehen Sie, wir müssen, um solche Dinge wirklich nüchtern und klar, ohne Phantastik, zu betrachten, uns schon zu dem Gedanken aufschwingen, daß das ganze Leben der Menschheit etwas Ähnliches ist wie das Leben des einzelnen Menschen. Wir können nicht das Leben des einzelnen Menschen so beschreiben, daß wir immer sagen: Nun, wenn der Mensch vierzig Jahre alt ist, so ist er mit vierzig Jahren in der Welt die Wirkung der Ursache, die mit dem neununddreißigsten Jahre da war, die im neununddreißigsten Jahre sind die Wirkung von dem achtunddreißigsten Jahre und so weiter. Das kann man nicht sagen, sondern es ist eine innere gesetzmäßige Entwickelung im Menschen. Der Mensch bekommt durch eine innere Gesetzmäßigkeit um das siebente Jahr herum die zweiten Zähne. Er macht andere Entwickelungsstadien durch in späteren Jahren. Es lebt im Inneren des Menschen ein gewisser Impuls, der ihn in einer gewissen Zeit für etwas reif macht. So ist es auch mit der ganzen Menschheit. Dasjenige, was in der ganzen Menschheit heraufgekommen ist im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, das ist etwas, dem die Menschheit nicht entgehen kann.

[ 18 ] You see, in order to view such things in a truly sober and clear-eyed manner, without fantasy, we must already rise to the idea that the entire life of humanity is something similar to the life of an individual human being. We cannot describe the life of an individual human being in such a way that we always say: Well, when a person is forty years old, at forty they are in the world the effect of the cause that was present at thirty-nine; at thirty-nine, they are the effect of what occurred at thirty-eight, and so on. One cannot say that; rather, it is an inner, law-governed development within the human being. Through an inner law, a person gets their second set of teeth around the age of seven. They go through other stages of development in later years. A certain impulse lives within the human being that makes them ready for something at a certain time. The same is true of humanity as a whole. What has emerged within humanity over the course of the last three to four centuries is something that humanity cannot escape.

[ 19 ] Man konnte gar nicht anders innerhalb der Menschheit, als den Ruf ertönen lassen nach Demokratie. Was man auch für Ideale hingestellt hat, im äußeren sozialen Leben, das Ideal der Demokratie, das ist dasjenige, das am allermeisten die Menschheit der Gegenwart ergriffen hat, und auch ergreifen muß. Es muß dasjenige, was Staat ist, demokratisch werden, demokratisch werden im weitesten Umfange. Gerade in der Schweiz sollte man so etwas empfinden, wo man ja die alte Demokratie hat, aber wo man auch wahrnehmen wird nach und nach die Notwendigkeit, diese Demokratie von gewissen Gebieten zu entlasten.

[ 19 ] Humanity had no choice but to raise its voice in call for democracy. Whatever ideals may have been put forward in external social life, the ideal of democracy is the one that has most deeply captivated—and must continue to captivate—the people of our time. The very essence of the state must become democratic—democratic to the fullest extent. This should be particularly evident in Switzerland, where the old democracy exists, but where people will also gradually come to recognize the need to relieve this democracy of certain burdens.

[ 20 ] Was heißt denn Demokratie? Demokratie heißt: die Möglichkeit, daß die Menschen in bezug auf dasjenige, was für alle gleiche Angelegenheiten sind, was für jeden mündig gewordenen Menschen Angelegenheit des Lebens ist, daß darüber die Menschen, sei es durch Referendum, sei es durch Vertretung, selber entscheiden. Das ist zuletzt das Ideal der Demokratie, das gleiche unter den Menschen in bezug auf die Entscheidungen jetzt alles desjenigen, was von mündig gewordenen Menschen gleich ist - nach diesem strebte der Staat. Aber was strebte der Staat, der sich eben im Laufe der Geschichte entwickelt hat, der aus ganz anderen Verhältnissen hervorgegangen ist, bloß an? Zwei Gebiete können niemals im Menschenleben demokratisch entschieden werden: das eine Gebiet ist dasjenige des Geisteslebens und das andere Gebiet ist dasjenige des Wirtschaftslebens. Gerade, wer es ehrlich meint mit der Demokratie, der muß sich klar darüber sein: Wenn volle Demokratie werden soll, dann muß aus dem Gebiete des bloß demokratischen Staates ausgesondert werden auf der einen Seite das Geistesleben, auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben.

[ 20 ] What does democracy mean? Democracy means: the possibility that people, with regard to matters that are common to all—matters that are a matter of life for every person who has attained legal age—decide for themselves on these matters, whether through a referendum or through representation. Ultimately, this is the ideal of democracy—equality among people with regard to decisions concerning everything that is now common to all people who have attained legal age—and this is what the state strove for. But what exactly did the state—which has developed over the course of history and emerged from entirely different circumstances—actually strive for? There are two areas in human life that can never be decided democratically: one is the realm of spiritual life, and the other is the realm of economic life. Precisely those who are sincere about democracy must be clear about this: if full democracy is to be achieved, then spiritual life, on the one hand, and economic life, on the other, must be separated from the realm of the merely democratic state.

[ 21 ] Wer beobachten kann auf diesem Gebiete, der kann an naheliegenden Beispielen einsehen, wie unmöglich es ist, in das demokratisch politische Gebiet das Geistesleben als solches hineinzutragen. Ich will nicht von den hiesigen Verhältnissen sprechen, das kommt mir nicht zu; aber es geht ja gar nicht, diese Verhältnisse nur von einem kleinen Gesichtspunkte heute ins Auge zu fassen, sondern man muß die ganze Welt überblicken, die ganze zivilisierte Welt wenigstens.

[ 21 ] Anyone who observes this field can see, from obvious examples, how impossible it is to bring intellectual life as such into the realm of democratic politics. I do not wish to speak of the conditions here; that is not my place; but it is simply not possible to view these conditions today from just a narrow perspective; rather, one must take in the whole world—or at least the entire civilized world.

[ 22 ] Sehen Sie sich aber den ehemaligen, bis zum Jahre 1914 und darüber hinaus scheinbar bestandenen deutschen Reichstag an, so haben Sie so recht das Beispiel, wie sich der Staat - ob er nun mehr oder weniger demokratisch ist, darauf kommt es nicht an in diesem Falle - überladen hat mit rein geistigen Angelegenheiten. Sie haben unter den Parteien des deutschen Reichstags eine sehr große Partei gehabt, das sogenannte Zentrum. Es spielt gegenwärtig wiederum in jener Metamorphose des alten Reichstags, die man Nationalversammlung nennt, eine Rolle, das Zentrum. Dieses Zentrum hat keine anderen Interessen gehabt, als lediglich religiöse, das heißt geistige Angelegenheiten. Kam irgendeine wirtschaftliche, kam eine politische Frage in Betracht, so wurde sie entschieden durch irgendeinen Kompromiß, den man von dem Zentrum aus mit anderen Parteien schloß. Aber es ist ganz selbstverständlich, daß dieses Zentrum immer nur das Interesse hatte, seine eigenen geistigen Interessen zu fördern. Kurz, führt man den Gedankengang zu Ende, so zeigt es sich, daß dasjenige, was nur geistige Angelegenheit ist, nicht hineingehört in das politische Parlament.

[ 22 ] But if you look at the former German Reichstag, which apparently existed until 1914 and beyond, you have a perfect example of how the state—whether it is more or less democratic, which is irrelevant in this case—has overburdened itself with purely intellectual matters. Among the parties in the German Reichstag, there was a very large party, the so-called Center Party. The Center is currently playing a role once again in that metamorphosis of the old Reichstag known as the National Assembly. This Center had no interests other than purely religious—that is, spiritual—matters. Whenever an economic or political issue came up, it was resolved through some compromise that the Center struck with other parties. But it goes without saying that the Center was always concerned solely with promoting its own spiritual interests. In short, if one follows this line of thought to its conclusion, it becomes clear that matters which are purely spiritual do not belong in a political parliament.

[ 23 ] Nehmen Sie das Wirtschaftsleben. Sehen Sie, Österreich, das ist ja das Land, das so recht zeigt, ich möchte sagen, das ein Schulbeispiel für das ist, was sich entwickelt hat unter den neueren Verhältnissen, dafür, daß eben die Länder zugrundegehen müssen. Nur, Österreich ist das Schulbeispiel für Zugrundegehendes!

[ 23 ] Take the economy, for example. Look at Austria—that is the country that truly illustrates, I would say, a textbook example of what has developed under recent circumstances, proving that countries are bound to collapse. Yet Austria is the textbook example of a country in decline!

[ 24 ] Derjenige, der, wie ich selber, dreißig Jahre seines Lebens in Österreich zugebracht hat, und sehen konnte die Entwickelung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, der konnte alle die Verhältnisse heraufkommen sehen, die sich dort entwickelt haben, konnte sehen alle die neueren sozialen Zustände eintreten. Da dachte man auch in Österreich ein Parlament zu machen. Aber wie machte man dieses Parlament? Man machte vier Kurien: die Kurie der Städte, die Kurie der Länder, der Gemeinden, die Kurie der Großgrundbesitzer lauter Wirtschaftskurien, Wirtschaftsassoziationen wurden gemacht, und in das politische Parlament hineingewählt. Die entschieden dann von ihrem wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus über dasjenige, was öffentliches Recht sein sollte. Da haben Sie das andere Beispiel! An dem deutschen Reichstag haben Sie das Beispiel, wie sich eine rein Geistiges erstrebende Partei als ein Störenfried entpuppt im rein wirtschaftlichen Parlament. In Österreich haben Sie ein Parlament aufgebaut auf reinen wirtschaftlichen Kurien, und wer beobachten konnte die Verhältnisse, der weiß, daß dieses Parlament niemals imstande war, dasjenige zu bewältigen, was zum Beispiel gerade in Österreich notwendig gewesen wäre: die geistigen Verhältnisse, insoferne sie sich kundgegeben haben in den weltlichen Verhältnissen der Nationalitäten, zu regeln.

[ 24 ] Anyone who, like myself, has spent thirty years of his life in Austria and was able to observe the developments during the last third of the 19th century could see all the conditions that emerged there and witness the advent of all the new social realities. At that time, there were plans in Austria to establish a parliament as well. But how was this parliament organized? Four chambers were established: the Chamber of Cities, the Chamber of Provinces and Municipalities, and the Chamber of Large Landowners—all purely economic chambers. Economic associations were formed and elected into the political parliament. They then decided, from their economic perspective, what public law should be. There you have the other example! In the German Reichstag, you have the example of how a party striving for purely spiritual ideals turns out to be a troublemaker in a purely economic parliament. In Austria, you have a parliament built on purely economic curiae, and anyone who has observed the circumstances knows that this parliament was never capable of addressing what would have been necessary, for example, in Austria: regulating the spiritual conditions, insofar as they manifested themselves in the secular conditions of the nationalities.

[ 25 ] In Österreich konnte man noch etwas anderes sehen. Da war der Staat nur politisches Gebiet. Dreizehn offizielle Sprachen waren da. Diese dreizehn offiziellen Sprachen, man konnte sie nicht unter einen Hut bringen; man konnte sie unter dem Eindrucke nicht unter einen Hut bringen, denn die Leute mit den verschiedenen Sprachen hatten in Österreich die verschiedensten geistigen Interessen. Man hat versucht, auf privatem Wege manches zu erhalten. Oh, ich war oft dabei, wie man, wissen Sie, solche langen Strohfäden, die in den sogenannten Virginia-Zigarren stecken, wie man die amerikanisch versteigert hat zugunsten der Schulvereine! Damit wurden die Schulvereine gegründet, um aus den geistigen Interessen selber heraus etwas zu tun, was der Staat als solcher nicht tun konnte. Aber man war zu sehr versessen in die Einheitsstaat-Idee, als daß solche privaten Begründungen eine größere, breitere Wirkung erzielen konnten. Und so könnte ich Ihnen bis morgen früh erzählen von der Unmöglichkeit, gewisse Dinge zusammenzuhalten, die der moderne Staat zusammenhalten will.

[ 25 ] In Austria, one could observe something else as well. There, the state was merely a political entity. There were thirteen official languages. These thirteen official languages—it was impossible to reconcile them; it was impossible to reconcile them under any single impression, because the people speaking the various languages had the most diverse intellectual interests in Austria. People tried to preserve certain things through private initiatives. Oh, I was often there when, you know, those long straw threads found in so-called Virginia cigars—how they were auctioned off in the American style to benefit school associations! That’s how the school associations were founded—to do something, driven by their own intellectual interests, that the state as such could not do. But people were too fixated on the idea of a unified state for such private initiatives to achieve a greater, broader impact. And so I could go on until tomorrow morning telling you about the impossibility of holding certain things together that the modern state wants to hold together.

[ 26 ] Die Mittelstaaten Europas und Rußland, sie haben am eigenen Leib erfahren müssen, daß dieser Einheitsstaat nicht bestehen kann so, wie er bisher bestanden hat. Diejenigen, die noch nicht von diesem Schicksal betroffen sind, die glauben heute noch, es läßt sich abwenden. Es wird sich nicht abwenden lassen, wenn man nicht zum Rechtlichen die Idee faßt, wie aus dem menschlichen Willen heraus den Zuständen abgeholfen werden könne. Da ist es doch, wo wirklich aus reichlicher Beobachtung heraus und aus der Erwägung der geschichtlichen Verhältnisse heraus, die Idee der Dreigliederung einsetzen will. Sie sagt: Immer ehrlicher und ehrlicher müssen die Menschen im Streben nach Demokratie werden. Dann aber muß das demokratische Prinzip sich beschränken auf das bloße Staatsprinzip, in dem jeder Mensch über alles, was alle mündig gewordenen Menschen angeht, in gleicher Weise zu entscheiden hat. Wie gesagt, entweder durch Referendum oder durch Vertretung. Dann aber muß ausgesondert werden von diesem Staatsgebilde, von dem, was streng parlamentarisch zu verwalten ist, muß ausgegliedert werden auf der einen Seite das gesamte geistige Leben. Dieses gesamte geistige Leben, es ist ja immer mehr und mehr in den letzten Jahrhunderten in die Macht des Staates gekommen, und noch heute betrachten die meisten Menschen das als einen großen Vorzug der modernen Staatsidee, das Geistesleben, namentlich das Schulwesen, aufzusaugen. Da kämpft man noch sehr gegen die furchtbarsten Vorurteile. Aber man sieht eben in der Welt die Zusammenhänge nicht.

[ 26 ] The central European states and Russia have had to learn the hard way that this unified state cannot survive as it has existed until now. Those who have not yet been affected by this fate still believe today that it can be averted. It cannot be averted unless one grasps, from a legal perspective, the idea of how conditions can be remedied through human will. This is precisely where, based on extensive observation and consideration of historical circumstances, the idea of threefold social order seeks to take hold. It states: People must become ever more honest in their pursuit of democracy. But then the democratic principle must be limited to the mere principle of the state, in which every person has an equal say in deciding everything that concerns all people who have attained legal age. As I said, either through a referendum or through representation. But then, the entire spiritual life must be separated from this state structure—from that which is to be administered strictly in a parliamentary manner—and set apart on the one hand. This entire spiritual life has, after all, come increasingly under the control of the state in recent centuries, and even today most people regard it as a great advantage of the modern concept of the state to absorb spiritual life—namely, the school system. People are still struggling hard against the most terrible prejudices. But they simply do not see the connections in the world.

[ 27 ] Wenn Sie sich aber fragen: Woher ist es denn eigentlich gekommen, daß wir heute nicht nur vor lauter Klassenkämpfen, sondern vor dem Gutheißen der Klassenkämpfe stehen? Daß wir stehen vor jeglichem Mangel an Verständnis der Menschen untereinander? Daß wir es erleben, daß in Rußland ein paar Hunderttausende von Menschen heute tyrannisch herrschen über Millionen von Menschen und vorgeben, demokratisch zu sein, woher ist denn das alles gekommen? Es hat sich langsam vorbereitet. Man braucht an ein einziges Wort zu denken - ich habe darauf aufmerksam gemacht in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart» —, um einzusehen, warum aus dem Irrtum heraus ein großer Teil der Menschheit heute, derjenige Teil der Menschheit, der das Proletariat enthält, aufsteht und glaubt: Nur aus dem heraus, was Ihnen ja sattsam bekannt ist, irgendeine Umgestaltung der Verhältnisse bewirken zu können. Das einzige Wort, das man zu nennen braucht, das ist dasjenige, was man hören konnte in allen, allen sozialdemokratischen Veranstaltungen durch Jahrzehnte: es ist das Wort «Ideologie». Und dieses Wort Ideologie, meine sehr verehrten Anwesenden, das weist hin auf den ganzen Gang, den die materialistische Weltanschauung in der neueren Zeit genommen hat.

[ 27 ] But if you ask yourself: How did it actually come to this—that today we are faced not only with constant class struggles, but also with the condoning of those class struggles? That we are faced with a complete lack of understanding among people? That we are witnessing how, in Russia, a few hundred thousand people today tyrannically rule over millions of people and pretend to be democratic—how did all this come about? It has been slowly brewing. One need only think of a single word—I drew attention to it in my book *The Key Points of the Social Question in the Necessities of Life Today* —to understand why, as a result of this error, a large part of humanity today—the part of humanity that includes the proletariat—is rising up and believing that it can bring about some transformation of conditions solely through what you are, of course, well acquainted with. The only word one needs to mention is the one that could be heard at all—and I mean all—Social Democratic events over the decades: it is the word “ideology.” And this word, “ideology,” ladies and gentlemen, points to the entire course that the materialist worldview has taken in recent times.

[ 28 ] Man mag über die früheren Verhältnisse der Menschheit denken wie man will, wir wollen ganz gewiß nicht die früheren Verhältnisse wieder heraufführen, wollen vorwärts und nicht zurück; aber man muß doch sagen: Man schaue sich den Menschen der Vorzeit an! Er wußte, daß in seiner Seele etwas lebt, das eine unmittelbare Verbindung hat mit dem Geistigen, das die Welt durchzieht. Was weiß schließlich der Mensch seit der Mitte des 15. Jahrhunderts von diesen Zusammenhängen seines Inneren mit einem Geistigen in der Welt! Die Sonne, sagt man ihnen, das ist ein glühender Gasball. Was wissen die Menschen heute über die Sterne, über die Sonne! Fragt man unsere Gelehrten: Wovon ist die Erdenentwickelung ausgegangen? — da wird gesagt: Das war einstmals ein Dunstnebel; da haben sich Sonne und Planeten abgeschnürt im Laufe von Tausenden von Jahren. Darein haben sich ja auch die Menschen ergeben, das einzusehen! Ich habe schon öfter hingewiesen auf die Schilderung von Herman Grimm, der sagte: Künftige Menschen werden große Mühe haben, den Wahnsinn zu begreifen, der in dieser Kant-Laplaceschen Idee von dem Herkommen der Erde aus dem Urnebel spricht. — Aber heute betrachtet man das als eine große Entwickelung und Wissenschaft.

[ 28 ] Whatever one may think of humanity’s earlier conditions, we certainly do not wish to return to them; we want to move forward, not backward. But one must still say: Look at the people of antiquity! They knew that something lived within their souls that had a direct connection to the spiritual realm pervading the world. After all, what has humanity known since the mid-15th century about these connections between their inner selves and the spiritual realm in the world! The sun, they are told, is a glowing ball of gas. What do people today know about the stars, about the sun! If one asks our scholars: What was the origin of the Earth’s development? — they will say: It was once a nebula; from it, the sun and the planets coalesced over the course of thousands of years. People have, after all, come to accept this view! I have often referred to the description by Herman Grimm, who said: Future generations will have great difficulty comprehending the madness inherent in this Kant-Laplacean idea of the Earth’s origin from the primordial nebula. — But today this is regarded as a great advancement and science.

[ 29 ] Dasjenige, was da gepflegt worden ist, das hat dann die mannigfaltigsten Strömungen aus sich herausgetrieben, und diese Strömungen, die sind eingeflossen in das Proletariat. Und im Grunde genommen ist dasjenige, was heute in Rußland von Trotzki und Lenin vertreten wird, nur die letzte Konsequenz desjenigen, was unsere Gelehrten an den Universitäten als Materialismus gelehrt haben.

[ 29 ] What was cultivated there gave rise to the most diverse currents, and these currents flowed into the proletariat. And, when all is said and done, what Trotsky and Lenin advocate in Russia today is merely the ultimate consequence of what our scholars at the universities have taught as materialism.

[ 30 ] Hier in der Schweiz war ein Mann, der viel gepoltert hat, schon in den siebziger Jahren, der aber durchschaut hat, was sich naht. Man hatte ihn nicht gern, weil er viel gepoltert hat, Johannes Scherr. Aber neben manchem Poltern hat er auch Wichtiges gesehen. Und er hat in den siebziger Jahren bereits gesagt: Wenn man hinschaute auf die wirtschaftliche Entwickelung, wenn man hinschaute auf das geistige Leben, wie es immer mehr und mehr herunterkommen mußte, so wird man zuletzt dahin kommen, daß Europa sich sagen muß: Unsinn, du hast gesiegt!

[ 30 ] Here in Switzerland, there was a man who ranted a lot—even back in the 1970s—but who saw through what was coming. People didn’t like him because he ranted so much: Johannes Scherr. But amid all his ranting, he also saw what was important. And he said as early as the 1970s: If one looked at economic developments, if one looked at intellectual life—which was bound to decline more and more—one would ultimately come to the point where Europe would have to say to itself: Nonsense, you have triumphed!

[ 31 ] In den letzten fünf bis sechs Jahren konnte man es und bis heute kann man es noch immer sagen: Unsinn, du hast gesiegt!

[ 31 ] Over the past five to six years, people have been able to say it—and they still can today: “Nonsense, you've won!”

[ 32 ] Ideologie, was heißt es denn? Das heißt nichts anderes als: Alles geistige Leben ist schließlich nur ein Rauch, der aufsteigt aus dem bloßen wirtschaftlichen Leben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind die einzige Realität, so predigt der Marxismus in allen Tonarten. Und dasjenige, was sich aus den wirtschaftlichen Verhältnissen ergibt, ist dasjenige, was der Mensch als seinen Seeleninhalt in sich trägt. Recht, Sitte, Religion, Wissenschaft, Kunst: alles Ideologie. Das ist die Saat, die aufgegangen ist: Ideologie, Unglaube an das geistige Leben.

[ 32 ] Ideology—what does that mean? It means nothing other than this: All intellectual life is, in the end, nothing but smoke rising from mere economic life. Economic conditions are the only reality, as Marxism preaches in every possible way. And what arises from economic conditions is what human beings carry within themselves as the substance of their souls. Law, morality, religion, science, art: all ideology. That is the seed that has sprouted: ideology, disbelief in spiritual life.

[ 33 ] Woher kommt dieser Unglaube? Dieser Unglaube, er kommt von der Verquickung des geistigen Lebens mit dem Staatsleben in den letzten Jahrhunderten. Denn das geistige Leben, meine sehr verehrten Anwesenden, kann nur gedeihen, wenn es ganz allein auf seinen eigenen Boden gestellt ist. Denken Sie sich - ich will nur das Schulwesen herausgreifen, denn es ist das wichtigste Gebiet des öffentlichen Geisteslebens —, das Schulwesen ist so geordnet, daß diejenigen, die lehren, diejenigen, die erziehen, zu gleicher Zeit die Verwalter des Lehr- und Erziehungswesens sind. Denken Sie sich, daß der Lehrer der untersten Schulklasse niemandem anderen zu gehorchen hat, als wiederum jemandem, dem er nicht gehorcht, sondern dessen Rat er wiederum befolgt, der selber wieder im Unterrichts- und Erziehungswesen drinnensteht. Jemand, der so weit entlastet wird, daß er zu gleicher Zeit verwalten kann das Unterrichts- und Erziehungswesen, so daß niemand hineinspricht von irgendeinem politischen Departement in das geistige Leben selbst, daß das geistige Leben selber auf seinen eigenen Füßen steht. Sie können das in meinem Buche nachlesen. Ich habe versucht, die Sache so anschaulich wie möglich zu machen, daß nur ein solches, auf sich selbst gestelltes Geistesleben uns von all den schädlichen Wirkungen befreien kann, die uns in das Unglück gestürzt haben. Aber nur ein solches auch, das unmittelbar aus dem Geistigen heraus geschöpft wird, kann im Grunde wiederum den Glauben an den Geist, den Zusammenhang mit dem Geist wiederum erzeugen.

[ 33 ] Where does this unbelief come from? This unbelief stems from the entanglement of spiritual life with political life over the past few centuries. For spiritual life, my esteemed audience, can flourish only when it is firmly rooted in its own soil. Just imagine—I’ll take the school system as an example, since it is the most important area of public intellectual life—the school system is organized in such a way that those who teach, those who educate, are at the same time the administrators of the educational system. Imagine that the teacher of the lowest grade has to obey no one other than someone whom he does not obey, but whose advice he in turn follows—someone who is himself involved in the system of teaching and education. Someone who is relieved of responsibility to such an extent that he can simultaneously administer the educational system, so that no one from any political department interferes with intellectual life itself—so that intellectual life stands on its own two feet. You can read about this in my book. I have tried to make the point as clear as possible: only such an intellectual life, standing on its own, can free us from all the harmful effects that have plunged us into misfortune. But only such an intellectual life—one drawn directly from the spiritual realm—can, in essence, restore faith in the spirit and reconnect us with the spirit.

[ 34 ] Ich möchte anschaulich werden. Wir haben in Stuttgart, weil dort noch ein Schulgesetz, ich möchte sagen, eine kleine Lücke läßt, die Waldorfschule gegründet. Diese Waldorfschule ist eine wirkliche Einheitsschule, denn es sind die Kinder der Arbeiter der WaldorfAstoria-Fabrik neben den Kindern der Fabrikanten und so weiter alle nebeneinander; es ist eine wirkliche Einheitsschule, eine vollständige Volksschule, bis ins vierzehnte, fünfzehnte Jahr hinein, herausgekommen.

[ 34 ] Let me explain. We founded the Waldorf School in Stuttgart because the school law there—I would say—leaves a small loophole. This Waldorf School is a true integrated school, because the children of the workers at the Waldorf-Astoria factory are there alongside the children of the factory owners and so on—all side by side; it has developed into a true integrated school, a comprehensive elementary school, extending into the fourteenth and fifteenth years.

[ 35 ] Ich habe für die Lehrer, die ich selber ausgewählt habe, einen pädagogischen Kursus gehalten, um so die Lehrer für diese Schule vorzubereiten, wo nur gelehrt werden soll nach Menschenkenntnis, nach der Anschauung desjenigen, was aus dem Menschen herauswill; wo nicht nach irgendwelchen Vorurteilen gelehrt werden soll, es müsse so und so sein, sondern aus dem Beobachten desjenigen, was durch den Menschen hereinkommt in die Welt, was daraus gelehrt werden soll. Ich habe darüber in den verschiedensten Zeitschriften, auch hier darüber berichtet, wie die Methoden in der Waldorfschule eingerichtet worden sind. Dasjenige aber, was ich Ihnen jetzt erwähnen will, ist dieses: Nicht wahr, wenn man einen solchen Lehrgang hält für die Art und Weise, wie unterrichtet und erzogen werden soll, dann richtet man sich nach dem, was die Menschenkenntnis, was die wirkliche Geisteswissenschaft ergibt. Aber im heutigen Schulwesen gibt es noch etwas anderes. Da gibt es auch dasjenige, was die Pädagogen glauben, daß es das richtige ist für die Erziehung des Kindes. Dann aber ist immer mehr und mehr etwas anderes gekommen. Ich mußte es mir anschauen, gerade weil ich ganz praktisch vorgehen mußte, als ich die Waldorfschule mit Bezug auf ihren geistigen Inhalt begründete. Da sind aus dem politischen Leben herauskommend die Verfügungen: Erste Klasse: das und das muß durchgenommen werden, das und das ist das Lehrziel. Zweite Klasse: Das und das muß durchgenommen werden, das ist das Lehrziel. — Sehen Sie, das kommt vom politischen Leben herüber! Ist es nicht mit Händen zu greifen, daß das nicht hineingehört, daß der, der nicht hineinschaut, der nichts vom Lehren und Erziehen versteht, daß der die Vorschriften geben muß? Die Vorschriften muß lediglich der geben, der Pädagoge ist, und der soll auch nicht hinübergerufen werden, als Experte in das Ministerium, sondern der soll im lebendigen Erziehen und Unterrichten drinnenstehen. Das geistige Leben muß aus sich selbst heraus auch auf allen Gebieten des Schulwesens, auf seinen eigenen Boden gestellt werden. Dann wird der Geist wiederum die Menschen ergreifen.

[ 35 ] I conducted a pedagogical course for the teachers I had selected myself, in order to prepare them for this school, where teaching is to be based solely on an understanding of human nature—on an insight into what seeks to emerge from within the human being—and where teaching is not to be guided by any preconceptions, that things must be this way or that way, but rather from observing what enters the world through the human being and what is to be learned from it. I have reported on this in various magazines, including here, describing how the methods at the Waldorf School have been established. But what I want to mention to you now is this: Isn’t it true that when one conducts such a course on the way teaching and education should be carried out, one bases one’s approach on what an understanding of human nature—what genuine Spiritual Science—reveals? Yet in today’s school system, there is something else as well. There is also what educators believe to be the right approach to a child’s upbringing. But then something else has increasingly come into play. I had to examine this myself, precisely because I had to take a very practical approach when I founded the Waldorf School with regard to its spiritual content. There are directives stemming from political life: First grade: this and that must be covered; this and that is the learning objective. Second grade: This and that must be covered; this is the learning objective. — You see, this comes from the political sphere! Isn’t it obvious that this doesn’t belong here—that the person who doesn’t look into the matter, who understands nothing about teaching and education, is the one who has to issue the regulations? The guidelines must be provided solely by the educator, and that person should not be called upon as an expert to the ministry, but should be immersed in the living process of education and teaching. Intellectual life must be established on its own foundation in all areas of the school system, arising from within itself. Then the spirit will once again take hold of people.

[ 36 ] So daß man sagen muß: Der Staat verwirklicht ehrlich die Demokratie, indem er sich entlastet von dem Geistesleben, das ganz auf Sachkenntnis und Fachtüchtigkeit gestellt ist, in dem man ja wahrhaftig nicht durch Majoritäten entscheiden kann, sondern nur nach dem, was man weiß. Da handelt es sich darum, daß wirklich nur das Fachliche und das Sachliche entscheidet, daß die Entscheidungen kommen aus der Eigenverwaltung des Schulwesens. Das ist das eine Gebiet, das ausgeschieden werden muß aus dem Staatlichen. Das andere Gebiet ist das wirtschaftliche. Sehen Sie, woher kommt denn all dasjenige, was heute die Welt immer mehr und mehr hineintreibt in eine allgemeine Wirtschaftskrise? Woher kommen denn solche Dinge, wie sie zum Beispiel 1907 in Europa von einzelnen Leuten sehr gut bemerkt werden konnten? Aber es ging dazumal, wenn auch nicht ohne Schmerzen, so doch noch ohne größere Katastrophen für die Weltwirtschaft vorüber, ich möchte sagen, nur mit dem Wehtun von einigem vorüber. Dann war wiederum ein Gejubel bei allen vorhanden über die großen wirtschaftlichen Fortschritte und «wie wir es so herrlich weit gebracht» haben in der neueren Zeit. Man hat nicht bemerkt, wie sich an ganz charakteristischen Erscheinungen dasjenige zeigt, was sich jetzt allmählich zur allgemeinen Weltkrisis entwickelt. Diese charakteristischen Erscheinungen ...

[ 36 ] So one must say: The state truly realizes democracy by divesting itself of the intellectual life, which is based entirely on expertise and professional competence—a realm in which decisions cannot truly be made by majority vote, but only on the basis of what one knows. The point here is that decisions are truly based only on technical and factual considerations, and that these decisions arise from the self-administration of the school system. This is the one area that must be separated from the state. The other area is the economic one. Do you see where all of this comes from—the very things that are driving the world more and more into a general economic crisis today? Where do such things come from—as, for example, were very clearly observed by certain individuals in Europe in 1907? But at that time, although not without pain, it still passed without major catastrophes for the global economy; I would say, with only some discomfort. Then, once again, there was widespread jubilation over the great economic progress and “how wonderfully far we’ve come” in recent times. People failed to notice how certain very characteristic phenomena were already revealing what is now gradually developing into a general global crisis. These characteristic phenomena ...

[ 37 ] Alle diese Dinge haben sich im kleinen und im großen überall abgespielt. Sie sind im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts allmählich das Geld eigentlich der Regent geworden ist über das gesamte Wirtschaftsleben. Das Geld als Regent über das gesamte Wirtschaftsleben; was bedeutet denn das? Sehen Sie, ob es sich um Weizen handelt - denn Sie müssen auf den Geldwert sehen -, er kostet so und so viel Franken. Wenn Sie Röcke kaufen, wenn Sie bloß auf den Geldwert sehen: Franken. Kurz, das Geld, das spezifiziert sich nicht, das richtet sich nicht nach der Konkretheit des Wirtschaftslebens. Das ist etwas, was so dasteht im außerwirklichen Leben, wie die abstrakten Begriffe im Geistesleben, mit denen man auch keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockt in Wirklichkeit. Nur, daß die abstrakten, phantastischen Begriffe nicht so viel Unheil anrichten, wie diese verallgemeinerte Abstraktheit des Geldes. Man kann gerade darauf hinweisen, wie im Laufe des 19. Jahrhunderts der Geldleiher allmählich zum eigentlich treibenden Motor in unserem Wirtschaftsleben geworden ist. Während vorher bloß der wirtschaftliche, ökonomische Mensch derjenige war, auf den es angekommen ist. Es ist allmählich auch die Möglichkeit entstanden, daß sich die Staaten in das Wirtschaftliche hineingestellt haben, so daß die Staaten selber Wirtschaftende geworden sind.

[ 37 ] All these things have been happening everywhere, on both a small and a large scale. They can essentially be attributed to the fact that, since the beginning of the 19th century, money has gradually become the ruler of the entire economic life. Money as the ruler of the entire economic life—what does that mean? You see, whether it’s wheat—because you have to look at the monetary value—it costs so many francs. When you buy skirts, if you look only at the monetary value: francs. In short, money does not specify itself; it does not conform to the concreteness of economic life. It is something that stands apart in an unreal life, much like the abstract concepts in intellectual life, which in reality wouldn’t get anyone off the couch. Except that these abstract, fantastical concepts do not cause as much harm as this generalized abstractness of money. One can point out precisely how, in the course of the 19th century, the moneylender gradually became the actual driving force in our economic life. Whereas previously it was merely the economic man who mattered. Gradually, the possibility also arose for states to become involved in economic affairs, so that the states themselves became economic actors.

[ 38 ] Wenn man einmal unbefangen die Kriegsursachen untersuchen wird, wird man feststellen: durch rein wirtschaftliche Verhältnisse sind die gekommen, und mußten kommen, weil sich solche Verhältnisse, wie ich sie angeführt habe, herausgebildet haben. Da wiederum liefert ein sorgfältiges Studium Aufschlüsse über dasjenige, um was es sich handelt: daß man zurückkommen muß zu einem Zusammenkommen des Menschen mit dem wirtschaftlich Produzieren selber. Der Mensch muß wiederum herangeführt werden an dasjenige, was er produziert. Der Mensch muß wiederum zusammenwachsen mit Weizen und mit Roggen und mit dem allem, was er sonst hervorbringt, und er muß das Wirtschaftsleben wandeln nach dem, was er hervorbringt. Und die Menschen dürfen es nicht erzwingen, dieses Geld rein zu vermehren. Ohne daß man an diese Dinge denkt, kommt man nicht weiter. Eine Gesundung des Wirtschaftslebens ist nur möglich, wenn der Mensch wieder mit der Wirtschaft zusammengeführt wird, aus dem Bedürfnis der Wirtschaft heraus arbeitet.

[ 38 ] Once the causes of war are examined impartially, one will find that they arose—and were bound to arise—from purely economic conditions, because such conditions, as I have described, had developed. A careful study of this, in turn, provides insight into what is at stake: that we must return to a reconnection of human beings with economic production itself. Human beings must once again be brought into contact with what they produce. Human beings must once again grow together with wheat and rye and with everything else they produce, and they must shape economic life according to what they produce. And people must not force the mere accumulation of money. Without giving these things thought, we will get nowhere. A recovery of economic life is only possible if people are reunited with the economy and work out of the economy’s needs.

[ 39 ] Das aber kann nur kommen, wenn man nicht vom Staate aus organisiert, sondern wenn man die Menschen, die in den entsprechenden Wirtschaftszweigen drinnen stehen, zu Assoziationen kommen läßt, wenn man Interessenwirtschaft lediglich baut auf Sachkenntnis und Fachkenntnis und Fachtüchugkeit im Wirtschaftsleben. Zweierlei ist notwendig: erstens, daß man dasjenige kann, was man produzieren will, und zweitens, daß man das Vertrauen der Menschen hat. Das aber kann man nur haben, wenn man in dem entsprechenden Wirtschaftszweig drinnensteht und mit ihm zusammengewachsen ist.

[ 39 ] But this can only happen if it is not organized by the state, but rather if people working in the relevant economic sectors are allowed to form associations, if the economy of interests is built solely on expertise, specialized knowledge, and professional competence in economic life. Two things are necessary: first, that one is capable of producing what one intends to produce, and second, that one has the trust of the people. But one can only have that trust if one is deeply embedded in the relevant economic sector and has grown up with it.

[ 40 ] Dadurch aber ergeben sich die einzelnen Berufe, dadurch ergeben sich die Gesetzmäßigkeiten der Produktion und Konsumtion. Dagegen können die einzelnen Wirtschaftsweisen nur dadurch in ein bestimmtes Verhältnis zueinander gebracht werden, indem die einzelnen Assoziationen selbständig arbeiten, kein Staat und keine Obrigkeit hineinredet. So wie namentlich das Geistesleben vom Staatsleben abgesondert auf seine eigenen Füße gestellt werden muß, so das Wirtschaftsleben ebenfalls. Das Geistesleben kann einzig und allein gedeihen, wenn der einzelne Mensch, der die Fähigkeiten hat, diese Fähigkeiten auch zum Besten seiner Mitmenschheit entfalten kann. Das Geistesleben wirkt am idealsten und am sozialsten dann, wenn die einzelne Individualität, die begabt ist, wirken kann im Dienste ihrer Mitmenschen. Das Wirtschaftsleben wirkt am besten da, wenn diejenigen, die auf irgendeinem Gebiete produzieren, oder wenn die Konsumentenkreise so sich miteinander verbinden, daß einfach durch das Bestehen der Assoziationen und Verbindungen ein reales, nicht vom Gelde abhängiges Vertrauen da ist, wenn das Kreditwesen ein reales, nicht ein bloß fingiertes ist, wie es in der abgelaufenen Periode der Fall war, und wenn man weiß, daß man irgendeinen Produktionszweig unterstützen kann, weil in diesem Produktionszweige die Leute drinnenstehen, die man nun kennengelernt hat, und die zusammengewachsen sind mit ihrem Produktionszweig.

[ 40 ] This, however, gives rise to the various professions; this gives rise to the laws governing production and consumption. Conversely, the various economic activities can only be brought into a certain relationship with one another if the individual associations operate independently, without interference from the state or any authority. Just as intellectual life, in particular, must be separated from political life and placed on its own footing, so too must economic life. Intellectual life can flourish solely when the individual who possesses certain abilities is able to develop those abilities for the benefit of his fellow human beings. Intellectual life functions most ideally and most socially when the gifted individual is able to work in the service of his fellow human beings. Economic life functions best when those who produce in any given field, or when consumer groups, connect with one another in such a way that—simply through the existence of these associations and connections—there is a genuine trust that is not dependent on money; when the credit system is a real one, not a mere fiction, as was the case in the past period, and when one knows that one can support a particular branch of production because that branch is staffed by people one has come to know and who have grown together with their branch of production.

[ 41 ] Das ist gewiß in kleinen Verhältnissen noch der Fall; in den großen Verhältnissen, die den eigentlichen Verderb herbeigeführt haben, ist es nicht der Fall. Sehen Sie, ich konnte Ihnen nur skizzieren, um was es sich bei der Dreigliederung handelt. Ich konnte Ihnen nur zeigen, daß gewissermaßen die Menschheitsentwickelung bis zu dem Punkt gekommen ist, in dem dasjenige, was man dem Staate als ein Einheitsgebilde aufgeladen hat, getrennt sein will in drei selbständige Gebiete: in das sich selbständig verwaltende Geistesleben, in das selbständig sich verwaltende Staatsleben demokratischer Art, das im besonderen das Rechtsleben sein wird, und in das selbständig sich auf eigene Füße stellende Wirtschaftsleben, das wiederum ein gesondertes Gebiet darstellt. Allein das ist das Wesentliche: Ablesen an dem, wohin die zivilisierte Welt heute streben sollte, und eigentlich auch streben will, nur daß es den Menschen noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist, und daß die Menschen festhalten wollen an den alten Verhältnissen.

[ 41 ] This is certainly still the case on a small scale; on the large scale—which has actually brought about the decline—it is not the case. You see, I could only give you a rough outline of what the threefold social order is all about. I could only show you that, in a sense, human development has reached the point where what has been imposed on the state as a unified entity now seeks to be separated into three independent spheres: the self-governing spiritual life, the self-governing democratic political life—which will consist, in particular, of the legal sphere—and the economic life, which is standing on its own two feet and constitutes a separate sphere in its own right. Yet this is the essential point: it reveals the direction toward which the civilized world should be striving today—and indeed does wish to strive—only that people have not yet become aware of it, and that they wish to cling to the old conditions.

[ 42 ] Sehen Sie, es ist sehr merkwürdig, wie man gerade am Sozialdemokratismus sehen kann, so wie er sich heute entwickelt, das konservativste Prinzip. Denn, was will denn dieser Sozialdemokratismus? Er will den Staat zu einer einzigen großen Genossenschaft machen, durch die er alles militarisieren könnte. So könnte man heute sagen, wenn man auf Rußland sieht, wo alles militarisiert wird. Vom Militarisieren der Arbeit spricht man ja schon aus russischen Verhältnissen heraus, weil gerade die Sozialdemokratie marxistischer Färbung sagt: Der Staat ist da. Dem laden wir nun alles auf, die Erziehung und das Wirtschaftsleben und alles laden wir ihm auf. — Das ist das Ungesunde! Gerade der sozialistische Gedanke stellt die letzte, ungesundeste Konsequenz desjenigen dar, was sich in den letzten Jahrhunderten heraufentwickelt hat.

[ 42 ] You see, it is very strange how one can see, particularly in social democracy as it is developing today, the most conservative principle. For what does this social democracy want? It wants to turn the state into one big cooperative, through which it could militarize everything. One could say that today, looking at Russia, where everything is being militarized. People are already talking about the militarization of labor in the context of Russian conditions, because it is precisely Marxist-leaning social democracy that says: The state is here. We will now entrust everything to it—education, economic life, and everything else. — That is what is unhealthy! It is precisely the socialist idea that represents the ultimate, most unhealthy consequence of what has developed over the last few centuries.

[ 43 ] Das Gesunde ist, einzusehen, daß dasjenige, was dem Staate aufgeladen worden ist, was er aus seinem Demokratischen heraus nicht entscheiden kann, von ihm losgetrennt und auf eigene Beine gestellt werden muß, das Geistesleben und das Wirtschaftsleben. Man kann ja natürlich begreifen, daß sehr viele Menschen heute auf solche Ideen nicht eingehen können, denn es ist dem heutigen Menschen einmal anerzogen, den Staat als dasjenige zu betrachten, was am besten durch eine gewisse Allmacht wirkt. Man meint es eigentlich doch nicht ernsthaft mit dem demokratischen Gedanken, wenn man dem Staate alles aufhalsen will. Man meint es mit dem demokratischen Gedanken nur dann ernsthaft, wenn man dasjenige demokratisch behandelt sehen will, was gleich behandelt werden kann unter allen mündigen Menschen. Wenn es auf den einzelnen Menschen ankommt, auf seine Fähigkeiten, die er durch seine Geburt aus anderen Welten in diese Welt hereinträgt, dann handelt es sich darum daß diese Welt, diese geistige Welt, auch aus diesen Fähigkeiten heraus organisiert werden muß. Beim wirtschaftlichen Leben handelt es sich darum, daß man nicht über alles eine abstrakte Organisation spannt, was die Geldwirtschaft durch ihre eigene Wesenheit ist, sondern daß aus dem konkreten Wirtschaftsleben heraus gewirtschaftet werden könne. Aus dem konkreten Wirtschaftsleben heraus können sich aber nur Assoziationen bilden, die sich zusammenschließen, und die durch ihr gegenseitiges Verhältnis wirklich das erreichen, was ein gesundes Verhältnis zwischen Konsumierenden und Produzierenden sein kann. Gewiß, ein solcher Gedanke, der gewissermaßen auf alles dasjenige eingeht, was heute nach dem Niedergange hindrängt, und der einsieht, daß der Niedergang nicht anders aufgehalten werden kann, als indem man gründlich nach einer Neubildung sucht, ein solcher Gedanke kann nicht gleich verstanden werden. Man sieht ein, daß er nicht gleich verstanden werden kann. Denn die Menschen sind doch eigentlich daraufhin organisiert, immer sich zu denken: Ja, jetzt geht es schlecht, aber es wird schon wieder besser werden. Aus irgendeinem Winkel heraus, so meinen sie, wird die Besserung kommen. So hat man es auch gemacht zum Beispiel in Deutschland während des Krieges. Immer, wenn es schlecht gegangen ist, hat man gewartet, daß aus irgendeinem Winkel heraus die Besserung kommen werde. Sie ist nicht gekommen! So sollte man auch heute nicht warten, daß von irgendwoher, man weiß nicht woher, zunächst schon wiederum die Verhältnisse besser werden! Nein, die Menschheit ist heute — das bezeugt gerade das Auftreten der Demokratie -, die Menschheit ist heute in einem gewissen Grade dazu aufgerufen, sich reif zu benehmen. Reif ist man aber nur dann, wenn man nicht von irgend etwas Unbestimmtem erwartet, es wird die Besserung kommen, sondern wenn man sich sagt: Die Besserung kann nur von dem eigenen Willen kommen, von einem einsichtigen Willen, der die Wirkung durchschaut. [Lücke] Wenn doch nur ein Prozent der heutigen zivilisierten Menschheit sich durchringen könnte zu einer klaren Erkenntnis der Gefahr für die ganze zivilisierte Welt, und sehen könnte, sehen könnte, wie nötig die Zustände nach Dreigliederung streben! Aber die Dreigliederung wird überall mit Füßen getreten. Wenn nur ein Prozent der Menschen bis zu einem gewissen Grade die Dinge einsehen würde, so würde es besser werden. Denn nur durch die Menschen kann die Besserung kommen! Das Schlimmste war für die Menschheit immer der Fatalismus.

[ 43 ] The sensible approach is to recognize that what has been imposed on the state—what it cannot decide on its own as a democracy—must be separated from it and made self-sufficient: intellectual life and economic life. Of course, one can understand that very many people today cannot accept such ideas, for people today have been conditioned to view the state as that which functions best through a certain omnipotence. One is not really serious about the democratic ideal if one wants to saddle the state with everything. One is serious about the democratic ideal only when one wants to see treated democratically that which can be treated equally among all mature human beings. When it comes down to the individual human being—to the abilities he brings into this world from other worlds through his birth—then the point is that this world, this spiritual world, must also be organized on the basis of these abilities. In economic life, the point is not to impose an abstract organization—which is what the monetary economy is by its very nature—on everything, but rather to manage economic affairs based on concrete economic life. However, it is only from concrete economic life that associations can form—associations that come together and, through their mutual relationship, truly achieve what a healthy relationship between consumers and producers can be. Certainly, such an idea—which, in a sense, addresses everything that is currently driving us toward decline, and which recognizes that this decline cannot be halted except by thoroughly seeking a new form of organization—cannot be understood immediately. One realizes that it cannot be understood immediately. For people are, after all, essentially programmed to always think: “Yes, things are bad now, but they’ll get better again.” They believe that improvement will come from some direction or another. That is how things were handled, for example, in Germany during the war. Whenever things went badly, people waited for improvement to come from some direction or another. It did not come! So today, too, we should not wait for conditions to improve again, coming from somewhere—we don’t know where! No, humanity today—as the emergence of democracy itself attests—is, to a certain extent, called upon to behave in a mature manner. But one is mature only when one does not expect improvement to come from some vague source, but rather tells oneself: Improvement can come only from one’s own will—a discerning will that sees through the consequences. [Gap] If only one percent of today’s civilized humanity could bring itself to clearly recognize the danger facing the entire civilized world, and could see—could see—how necessary it is for conditions to strive toward threefolding! But the threefold social order is trampled underfoot everywhere. If only one percent of people could grasp these things to a certain degree, things would improve. For improvement can come only through human beings! Fatalism has always been the worst thing for humanity.

[ 44 ] Aber das Allerschlimmste heute ist eben dieser Fatalismus! Neulich konnten Sie hier in einem Blatte, das in Basel erscheint, einen Brief eines Deutschen lesen, der da sagt: Wir müssen es in Deutschland nun einmal hinnehmen, durch den Bolschewismus durchzugehen. Dann, wenn wir durch den Bolschewismus durchgegangen sind, dann wird — man weiß nicht woher! — das Bessere kommen.

[ 44 ] But the very worst thing today is precisely this fatalism! Recently, you could read a letter here in a newspaper published in Basel from a German who says: “We in Germany simply have to accept that we must go through Bolshevism. Then, once we have gone through Bolshevism, something better will come—though no one knows from where!”

[ 45 ] Das ist der furchtbarste Fatalismus. Das ist die Folge davon, daß man im Grunde genommen das tiefste Wesen des Christentums heute noch nicht versteht. Der Christus ist für alle Menschen in die Welt gekommen. Er ist in die Welt gekommen nicht bloß für das eine Volk, aus dem er hervorging; nicht bloß für den einen Volksgott kämpfte er, denn er hat gelehrt: Nicht dieser eine Volksgott, sondern dasjenige, was der Gott ist für alle Menschen, das ist es, worauf es ankommt. Haben nicht in den letzten fünf bis sechs Jahren die Menschen zu dem alten Jehova wieder zurückgeschaut, haben sie nicht überall für die Volksgötter gekämpft, indem sie diese Volksgötter mit dem Christus-Namen belegt hatten? War es der wirkliche, allen Menschen zukommende Christus, von dem sie gesprochen haben? - Nein, es war nicht der allen Menschen zukommende Christus, von dem gesprochen wurde; es waren die einzelnen Volksgötter! Und man spricht ja von den einzelnen Völkern in diesem Sinne heute wie damals als denjenigen, die in sich verkörpern ihre gesonderten Ideale. Man muß das Christentum wiederum als ein allgemeines verstehen; aber nicht bloß mit Worten, sondern mit reifen Ideen.

[ 45 ] This is the most dreadful fatalism. It is the consequence of the fact that, deep down, the very essence of Christianity is still not understood today. Christ came into the world for all people. He did not come into the world merely for the one people from whom he came; he did not fight merely for the one national god, for he taught: It is not this one national god, but rather what God is for all people—that is what matters. Have people not, in the last five or six years, looked back to the old Jehovah; have they not fought everywhere for the national gods, having bestowed the name of Christ upon these national gods? Was it the true Christ, who belongs to all people, of whom they spoke? - No, it was not the Christ intended for all people of whom they spoke; it was the individual national gods! And indeed, one speaks of the individual nations in this sense today, just as in the past, as those who embody their distinct ideals. One must once again understand Christianity as a universal concept; but not merely with words, but with mature ideas.

[ 46 ] Sehen Sie, indem ich so heute nur ein paar skizzenhafte Gedanken angab in dieser kurzen Zeit, aber indem ich immer wieder und wiederum zu den Leuten gesprochen habe über Dreigliederung, da traten auch solche Menschen auf, die heute «gute Christen» sind, das heißt mit Phrasen sind sie aufgetreten. Sie redeten von allem möglichen; aber man sollte es heute doch sagen, meinten sie, daß das Christentum erfüllt, der Christus wirklich werden soll. — Ich konnte nur erwiedern: Es gibt ein Gebot: Du sollst den Namen deines Gottes, den Namen deines Herrn nicht eitel aussprechen. — Ist man deshalb ein schlechter Christ, weil man nicht immer den Christusnamen auf der Zunge führt? Der Christus wollte nicht immer bloß angeredet sein mit dem Namen «Herr! Herr!» — sondern er wollte eine Gesinnung unter die Menschen bringen, die, so ausgestaltet, konkrete Formen annimmt, die nicht immer sich bloß auf seinen Namen berufen, sondern die in seinem Sinn soziale Zustände herbeiführen, die alle Menschen gleich umfassen.

[ 46 ] You see, although I’ve only offered a few sketchy thoughts today in this short time, and although I’ve spoken to people again and again about the threefold social order, there were also those who presented themselves today as “good Christians”—that is, they spoke in clichés. They spoke of all sorts of things; but they felt it should be said today that Christianity must be fulfilled, that Christ must truly come to be. — I could only reply: There is a commandment: You shall not take the name of your God, the name of your Lord, in vain. — Is one therefore a bad Christian because one does not always have the name of Christ on one’s lips? Christ did not want to be addressed merely as “Lord! Lord!”—but rather, he wanted to instill in people a mindset that, once fully developed, takes concrete forms; forms that do not merely invoke his name, but that, in his spirit, bring about social conditions that embrace all people equally.

[ 47 ] Es mag mit äußeren Worten scheinbar nicht vom Christentum die Rede sein in der Dreigliederung, aber diese Dreigliederung des sozialen Organismus ist im Sinne des echten, wahren, praktischen Christentums gedacht. Und man wird doch noch einmal einsehen — das ist meine tiefe Überzeugung, meine sehr verehrten Anwesenden -, daß die Idealisten, die heute von Dreigliederung sprechen, die eigentlichen wahren Praktiker sind. Und die anderen, die sagen: Ach, Schwärmereien! — das sind diejenigen, die heute so sprechen, na, wie zum Beispiel fast gleichlautend der Außenminister des deutschen Reichstags und der österreichischen Delegation im Monat Juni 1914 gesprochen haben. Diese beiden praktischen Herren, die haben etwa das Folgende, fast Gleichlautende in Berlin und Wien gesagt: Unsere freundnachbarlichen Beziehungen zu Petersburg sind die allerbesten, die es gibt. In der politischen Lage ist eine Entspannung eingetreten; wir gehen friedlichen Zuständen in Europa entgegen - im Mai, Juni 1914! Mit England schweben Unterhandlungen, so sagte man in Berlin von den Praktikern aus, die demnächst zu befriedigenden Resultaten führen werden. — Die befriedigenden Resultate kamen dann im August 1914! So haben die «Praktiker» gesprochen, so haben die Praktiker die Dinge vorausgesehen.

[ 47 ] On the surface, the term “Christianity” may not appear to be mentioned in connection with the threefold social order, but this threefold social order is conceived in the spirit of genuine, true, and practical Christianity. And people will yet come to realize—this is my deep conviction, my esteemed audience—that the idealists who speak of the threefold social order today are the true practitioners. And the others, who say, “Oh, that’s just fanciful nonsense!” — those are the very people who speak that way today, just as, for example, the Foreign Minister of the German Reichstag and the Austrian delegation spoke in almost identical terms in June 1914. These two “practical” gentlemen said something along the following lines, almost word for word, in Berlin and Vienna: “Our friendly relations with St. Petersburg are the very best there are. The political situation has eased; we are moving toward peaceful conditions in Europe—in May and June 1914! Negotiations with England are underway, according to the “practical” minds in Berlin, and will soon lead to satisfactory results. — The “satisfactory results” then came in August 1914! That is how the “practical” minds spoke; that is how they foresaw things.

[ 48 ] Man sollte das bedenken, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man heute in einem solchen Vorschlage, wie sie diese Dreigliederung des sozialen Organismus ist, einen bloßen Idealismus einiger Schwärmer sieht, während man darinnen sehen sollte das Allerpraktischeste, das am allermeisten mit der Wirklichkeit Rechnende, das sich in unsere Zeit hineinstellen will!

[ 48 ] One should bear this in mind, my esteemed audience, when one views a proposal such as this threefold social order today as mere idealism on the part of a few dreamers, whereas one should see in it the most practical of all ideas, the one that takes reality most seriously, and the one that seeks to take its place in our time!

[ 49 ] Ich danke Ihnen, meine sehr verehrten Anwesenden, daß Sie anhören wollten, was ich vorzubringen hatte. Ich kann nur um Ihre Nachsicht bitten, da ich in der kurzen Zeit, die mir zur Verfügung stand, selbstverständlich nur einige reine Gedanken ohne die nötigen Beweise vor Sie hinstellen konnte, die Sie aber in den entsprechenden Büchern und Zeitschriften, die auch hier in der Schweiz zu haben sind, und die Sie auch in der «Sozialen Zukunft» finden können, die von Dr. Boos herausgegeben wird. Ich konnte Ihnen nur einige Leitgedanken hinstellen; und ich hoffe nur, daß diese Leitgedanken in Ihnen vielleicht doch die Empfindung hervorrufen können, daß es sich jedenfalls in diesem Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus nicht um einen zufällig hingeworfenen Ideeneinfall handelt, sondern daß diese Dreigliederung des sozialen Organismus herausgegriffen ist aus den tiefsten Nöten der heutigen Menschheit, die aber zu gleicher Zeit die heutige Menschheit aus ihren Nöten wirklich herausführen kann, aus dem Chaos und dem Niedergang herausführen will zu einem wirklichen Neubau, nach dem sich heute so viele Menschen, und zwar mit Recht, doch sehnen.

[ 49 ] I thank you, distinguished audience, for taking the time to listen to what I had to say. I can only ask for your forbearance, since in the short time available to me I was, of course, able to present to you only a few raw ideas without the necessary evidence—though you can find this evidence in the relevant books and journals, which are also available here in Switzerland, and which you can also find in *Soziale Zukunft*, published by Dr. Boos. I was able to present only a few guiding principles to you; and I can only hope that these guiding principles might perhaps evoke in you the sense that, at any rate, this impulse toward the threefold structure of the social organism is not a random, off-the-cuff idea, but rather that this threefold social order has been drawn from the deepest needs of humanity today—needs that, at the same time, can truly lead humanity out of its distress, out of chaos and decline, toward a genuine new order for which so many people today—and rightly so—yearn.

[ 50 ] [Schlußwort des Veranstalters.)

[ 50 ] [Closing remarks by the organizer.)