On Health and Illness
GA 348
5 January 1923, Dornach
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Health and Illness II, tr. St. Goar
Elfter Vortrag
11. The Brain and Thinking
Erster Vortrag für die Arbeiter nach dem Brand des Goetheanum in der Silvesternacht. Die Zuhörer hatten sich beim Hereinkommen Dr. Steiners zum Zeichen ihrer Anteilnahme an dem Brandunglück alle von ihren Sitzen erhoben.
This was the first lecture given to the workmen after the burning of the Goetheanum. As a demonstration of their sympathy, all present stood when Rudolf Steiner entered.
[ 1 ] Es ist schwer, etwas über den Schmerz auszusprechen, den ich empfinde. Ich weiß ja, daß Sie innig Anteil nehmen an der Sache, und ich brauche daher nicht viele Worte zu machen.
Dr. Steiner: It is difficult to put into words the sorrow I feel. I know of your deep sympathy, so let me be brief.
[ 2 ] Es darf aber doch vielleicht, nicht wahr, bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht werden, daß ich ja schon am 23. Januar 1921 hier in diesem Saale eine Stelle vorlesen konnte aus einer Broschüre, wo geschildert war der Ausspruch eines Gegners, man kann schon sagen Feindes, denn dieser Ausspruch hat ja dazumal gelautet: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mäusefalle zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, versöhnend zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet.»
[ 1 ] May I take this opportunity to call attention to the fact that as early as January 23, 1921, here in this hall, I read from a brochure a statement made by an opponent, indeed, one can already say an enemy, that went like this: There are plenty of spiritual sparks of fire that strike like lightning against the wooden mouse trap. It will require quite a bit of cleverness on Steiner's part to work in a conciliatory manner so as to prevent a real spark of fire from bringing the Dornach grandeur to an inglorious end some day.
[ 3 ] Sehen Sie, wo so gehetzt wird, ist es ja nicht besonders zu verwundern, daß dann dergleichen Dinge geschehen, und es ist natürlich auch eine Sache, die bei der großen Feindschaft, die bestand, eben leicht zu befürchten war. Daß sie leicht zu befürchten war, werden Sie ja begreifen. Aber, nicht wahr, es ist doch so, daß man auch jetzt noch sieht, in welcher Weise gewisse Kreise über die Sache denken.
[ 2 ] You see, with such inflammatory talk it is not surprising when something like the fire occurs, and in view of such vehement hostility it was something that could easily be feared. You can understand why it was easy to fear. It is true, however, that even now one can see what certain groups think about the matter.
[ 4 ] Man braucht nur diese Feindseligkeit in Betracht zu ziehen, braucht nur daran zu denken, welche Feindseligkeit darinnen liegt, daß Zeitungen den Geschmack haben, jetzt zu sagen, nachdem es geschehen ist: Hat denn der «hellsichtige» Steiner diesen Brand nicht vorausgesehen? Daß derlei Dinge außerdem noch eine Riesendummheit sind, darüber will ich jetzt nicht sprechen. Aber es liegt doch solch ein böswilliger Grad von Feindschaft darinnen, wenn man es jetzt für nötig findet, derlei Sätze überhaupt in die Welt zu setzen! Daraus ersieht man ja, was die Leute denken, und wie roh es ist heute. Es ist roh!
[ 3 ] We need only consider the antagonism contained in the poor taste of newspapers, which now, after the Goetheanum has been destroyed, ask, “Didn't that `clairvoyant' Steiner foresee this fire?” That such attitudes are also evidence of a great stupidity is something I don't wish to talk about now. It points to a malicious degree of hostility, however, that some people find it at all necessary to publish such statements! One learns from this what people think and how crude things are today. It is indeed crude!
[ 5 ] Sie können aber überzeugt sein, ich selber werde mich von meinem Wege niemals abbringen lassen, was auch geschieht. Solange ich lebe, werde ich meine Sache vertreten, und werde sie in derselben Weise vertreten, wie ich sie bisher vertreten habe. Und ich hoffe natürlich, daß in keiner Richtung hier irgendeine Unterbrechung eintritt, so daß wir auch in der Zukunft in derselben Weise hier am Orte werden so zusammen arbeiten können — wenigstens wird es mein Bestreben sein —, wie es bisher der Fall gewesen ist. Denn es mag auch geschehen was immer, mein Gedanke ist, daß die Sache eben in irgendeiner Form wiederum aufgebaut werden muß. Und dazu soll alles gemacht werden, selbstverständlich. Also fortfahren in derselben Weise, wie wir es getan haben, müssen wir. Das ist einfach eine innere Verpflichtung.
[ 4 ] You can be sure, however, that I will never let anything divert me from my path, come what may. As long as I live, I shall represent my cause and will continue in the same way as I have done up to now. Also, I naturally hope that there will be no interruption here in any area, so that in the future we can work together here at this location in the same way as we have before; at least, that is my intention. Come what may, my thought is that the building will have to be reconstructed in some form; to be sure, no effort will be spared toward that end. We must therefore go on in the same way as before; this is simply an inner commitment.
[ 6 ] Nun möchte ich heute die Zeit dazu ausnützen, um Ihnen zunächst ein paar Dinge zu sagen, die noch zu dem dazu gehören, was wir das letztemal in einer etwas weniger schmerzlichen Zeit gesprochen haben.
[ 5 ] Today, I wish to make use of our time by saying a few things to you that relate to the subject we discussed a little before this sad event.
[ 7 ] Ich habe mich dazumal bemüht, Ihnen zu zeigen, daß eine wirkliche Wissenschaft ja tatsächlich daran arbeiten muß, das Geistig-Seelische des Menschen wiederum zu erkennen. Aber ich glaube, daß Sie nicht wissen, wie stark das gerade in wissenschaftlichen Kreisen einfach die Leidenschaften hervorruft. Denn diese wissenschaftlichen Kreise, die sich heute so nennen, die von dem, der nicht hineinsieht in die Dinge, eben als etwas ganz Besonderes genommen werden, die sind schon diejenigen, welche, wenn es sich darum handelt, gegen die anthroposophische Bewegung anzugehen, dann bereit sind, mit allem, was es an Feinden gibt, gemeinsame Sache zu machen - sie machen gemeinsame Sache! Und sehen Sie, es ist die Feindschaft gegen die anthroposophische Bewegung wirklich nicht klein. Denn in den Tagen, in denen hier das Unglück geschehen ist, kam mir zum Beispiel ein Bericht zu von einer Vereinigung, die sich gebildet hat und die sich nennt: «Vereinigung von nichtanthroposophischen Kennern der Anthroposophie.» Das sind also Leute, die natürlich nichts zu tun haben mit dem jetzigen Unglück, die aber zu der ganzen Gegnerschaft gehören. Dieser Bericht schließt mit den Worten: «Es gilt einen Kampf auf Tod und Leben; die Seite wird siegen, die sich vom Heiligen Geist leiten läßt.»
[ 6 ] I tried to show you that a true science must work toward recognizing again the soul-spiritual aspects of the human being. I don't believe you have any idea of how emotionally charged is the reaction that this matter calls forth today within scientific circles. These scientific circles, as they call themselves today, which are taken to be something special by the layman, are the very ones that stand ready to make common cause with all existing hostile forces when it is a matter of proceeding against the anthroposophical movement. You must see that the hatred against the anthroposophical movement is by no means a slight matter. During the days when the tragedy took place, a report reached me, for example, of the formation of an association that calls itself “The Association of Non-Anthroposophical Experts on Anthroposophy.” They are people who naturally have nothing to do with the accident here but who are part of the whole opposition. The report concludes with the words, “This calls for a life-or-death struggle. The side that has the Holy Spirit will gain victory.”
[ 8 ] Nun, meine Herren, nach den idiotischen Dingen, welche die Leute gesagt haben, ist ja von vornherein vorauszusehen, daß — vom Heiligen Geist wohl ganz zu schweigen - überhaupt kein Geist bei den Leuten ist, die diesen Kampf auf Tod und Leben beschlossen haben; das ist einmal aus dem Versammlungsbericht ganz sicher zu entnehmen. Aber dennoch, die Wut, die vorhanden ist, drückt sich da aus in dem Satze: Es gilt einen Kampf auf Tod und Leben. Und diesen Kampf führen schon die Leute! Und die Anzahl der Gegner ist wahrhaftig nicht ganz klein. Wissenschaftliche Kreise, sogenannte wissenschaftliche Kreise beteiligen sich heute durchaus an diesen Dingen, und zwar in sehr intensiver Weise.
[ 7 ] It is obvious from the idiotic things said by these people, who want a life-or-death struggle, that the spirit—leaving the Holy Spirit completely aside—is not with these people. That is evident at once from the minutes of their meeting. Nevertheless, the spirit of hatred that exists is expressed in the sentence, “This calls for a life-or-death struggle.” People do wage this struggle, and the number of opponents is indeed not small. So-called scientific groups participate in these affairs today and in a most intensive way at that.
[ 9 ] Das ist dasjenige, sehen Sie, was ich eben immer wieder betonen muß, weil so stark heute die Autorität der Wissenschaft wirkt. Wenn irgendeiner etwas wissen will, geht er zu einem sogenannten wissenschaftlichen Fachmann, weil das eben so eingerichtet ist. Die Leute wissen doch nicht, auf welchem Wege diese Leute «Fachleute» werden, und daß man daneben der größte Idiot sein kann und doch ein «Fachmann» mit Zeugnissen und so weiter. Diese Dinge sind doch auch etwas, was einmal richtig gewußt werden muß, und deshalb ist es schon wichtig, daß man sich vom Fundament aus, von der Grundlage aus die Dinge klar macht, wie sie eigentlich liegen. Denn die allerersten Sätze, die heute schon den kleinen Kindern in der Schule - nicht direkt, aber indirekt beigebracht werden, sind ja im Grunde genommen meistens ein Kohl! Dinge, die heute als selbstverständlich gelten, sind nämlich ein Kohl.
[ 8 ] You see, I must continue to stress this, because the authority of science is so strong today. In order to know something, one turns to a so-called scientific expert, because this is the way things are arranged. Laymen don't know the means by which such persons become “experts” and that one can be the greatest idiot and yet be an “expert” with certifications, etc. These matters must be fully comprehended, and it is therefore important to get to the bottom of things and understand what really lies at their foundation. The very first sentences taught little children in school today—not directly, but indirectly—are mostly rubbish! Things that are considered self-evident today are in fact rubbish.
[ 10 ] So hat man heute die ganze Welt gegen sich, wenn man sagt: Es ist ein Unsinn, daß das Gehirn denkt. - Denn es gilt überall der Satz, daß das Gehirn denkt; und wo kein Gehirn vorhanden ist, kann nicht gedacht werden; da sind keine Gedanken, wo kein Gehirn vorhanden ist. Nun, aus meinen Vorträgen werden Sie gesehen haben, daß das Gehirn natürlich seinen Anteil an dem Denken und eine Bedeutung für das Denken hat. Wenn aber die Leute, die ihr Gehirn wahrhaftig wenig gebrauchen, behaupten, daß das Gehirn so eine Art Apparat ist, womit gedacht wird, so ist das eine bloße Gedankenlosigkeit. Wenn das irgendeiner, der bloß ein einfacher Mensch ist, glaubt, so kann man sich darüber nicht verwundern, denn er kann ja die Tatsachen nicht übersehen und er glaubt daran, weil eben die Autorität eine so große ist. Aber Logik, wirkliches Denken ist in diesem Satze nicht, daß das Gehirn denkt, und dafür will ich Ihnen heute ein paar Beweise geben.
[ 9 ] One is attacked from all sides today if one says, it is nonsense that the brain thinks, for it is agreed everywhere that the brain thinks and that where there is no brain, there can be no thinking, that there are no thoughts where no brain exists. Well, from my lectures you will have seen that the brain naturally plays its part in, and has a significance for, thinking. But if those people, who in fact make little use of their brains, claim that the brain is a sort of machine with which one thinks, then this is mere thoughtlessness. It is not surprising when a simple, uneducated person believes this, because he is not in possession of all the facts and so he adheres to the voice of the authority. No logic and real thinking, however, are contained in the statement that the brain thinks, and today I shall give you a number of examples to prove it.
[ 11 ] Sie werden doch ohne weiteres sehen, wenn Sie einen kleinen Käfer anschauen, der hat auch einen furchtbar kleinen Kopf. Wenn Sie zum Beispiel einen solchen Käfer wie den Totengräberkäfer nehmen und Sie reißen ihm den Kopf ab und gucken da hinein, so finden Sie alles eher als ein solches Gehirn, womit man vorgibt, daß es der Apparat zum Denken ist. Solch ein kleiner Käfer hat natürlich in dem Sinne, wieman immer behauptet: das menschliche Gehirn denkt, kein Gehirn, sondern er hat ganz kleine Knötchen, Nervenknötchen, aber gar nicht im geringsten auch nur den Anfang eines irgendwie ausgefüllten Gehirnes.
[ 10 ] If you look at a small beetle, you can easily see that it has a small head. If you dissect the head of such a beetle—the burying beetle, for instance—you discover nothing like a brain, which is supposed to be the thinking apparatus. Naturally, the tiny beetle has no brain in this sense but only a little lump, a lump of nerves, you could say. It does not have even the beginnings of a complete brain.
[ 12 ] Nun will ich Ihnen zum Beispiel eine Szene erzählen. Da muß ich Ihnen aber vorher noch sagen, daß diese Totengräberkäfer eine Lebensgewohnheit haben, die sie immer ausüben. Diese Totengräberkäfer legen ihre Eier, und aus den Eiern kriechen zuerst wurmförmige, madenförmige Tiere aus, die sich dann erst zum Käfer umwandeln. Diese kleinen Maden brauchen, wenn sie auskriechen, sogleich Fleischnahrung. Sie könnten nicht leben, wenn sie nicht Fleischnahrung hätten. Was tun daher die Totengräberkäfer?
[ 11 ] Now, I will relate a scene to you as an example, but before I give you this example I must tell you that these burying beetles always follow the lifelong habit of laying their eggs, and maggots hatch from them that only later change into beetles. As soon as they have emerged from the eggs, these tiny maggots require meat for their nourishment. They could not live without it.
[ 13 ] Diese Totengräberkäfer suchen irgendwo auf dem Felde eine Stelle, wo eine tote Maus oder ein toter Vogel liegt oder ein Maulwurf. Dann, wenn ein einzelner Totengräberkäfer, sagen wir, eine tote Maus gefunden hat, dann läuft er zunächst wieder weg; dann kommt er wieder zurück, aber nicht allein, sondern er kommt mit einer ganzen Menge anderer Käfer. Und diese Käfer, mit denen er jetzt zurückgekommen ist, die laufen zunächst den ganzen Ort ab um die Maus herum.
[ 12 ] So, what does the burying beetle do? It searches in the field for a dead mouse or a dead bird or a mole, and having discovered one—a dead mouse, for example—it runs home again, only to return not alone but with a number of other beetles. These beetles that it has returned with run all around the mouse.
[ 14 ] Also denken Sie sich einmal, da liege eine Maus (es wird gezeichnet). Die hat der Käfer ausfindig gemacht, hat sie entdeckt. Jetzt läuft er fort. Dann kommt er zurück, dieser Totengräberkäfer, mit einer ganzen Menge anderer solcher Totengräberkäfer. Diese sieht man da herumlaufen. Und manchmal sieht man, daß sie wieder weglaufen; man merkt sich das, wenn das so ist, wenn sie wieder weglaufen. Manchmal aber sieht man auch: die Käfer kommen, laufen da herum um die tote Maus, und nachher fangen sie an zu graben, und graben so, daß sie unter der Maus zuerst und ringsherum die Erde ausgraben. Da sinkt die Maus immer mehr und mehr in die Erde hinein. Sie graben da so lange, bis die Maus in die Erde hineingefallen ist. Dann holen sie die Weibchen, und die legen ihre Eier hinein. Und dann machen sie das Erdreich darüber wieder zu, so daß ein Mensch, wenn er darüber hingeht, nichts von der ganzen Sache sieht.
[ 13 ] Picture the mouse here (sketching); the beetle has discovered it; it runs off and then returns with a number of other burying-beetles. You see them run all around it. Occasionally, you notice that they all run away. At other times, you will see the beetles arrive, run around the dead mouse, and then start digging. First, they dig the ground under the mouse and then all around it. The mouse gradually sinks deeper and deeper into the earth as they continue digging. They dig until the mouse finally falls into the ground. They then fetch the females, who lay their eggs in it. Finally, they cover the hole completely so that passersby wouldn't notice it.
[ 15 ] Nun sagte ich Ihnen, daß manchmal die Käfer wieder fortlaufen. Wenn man das nun untersucht, so stellt sich heraus, daß, wenn die Käfer fortliefen, das Erdreich hart war. Die Käfer haben sich gesagt, da können wir nichts machen. Jedenfalls wenn sie bleiben und die Prozedur ausführen, dann ist weiches Erdreich da.
[ 14 ] I mentioned earlier that sometimes you can observe the beetles leave without returning. When you look into this, you find that the ground is too hard to dig. The beetles seem to have realized that here they could do nothing. Whenever they stay and begin digging, the ground is soft.
[ 16 ] Das Allermerkwürdigste, das unglaublich, aber wahr ist, das Allermerkwürdigste ist das, wenn man darüber nachdenkt, warum mit einem solchen Käfer, der fortgelaufen ist, nur zehn oder zwölf, und nicht vierzig oder fünfzig Totengräberkäfer zurückkommen. Man merkt nämlich: es kommen niemals mehr Käfer zurück, wenn der fortgelaufen ist, als der zu der Arbeit braucht. Er stellt sich gar nicht mehr an, als er braucht. Aber es kommen auch nicht weniger. Der kommt gerade mit der Anzahl von Käfern, die die Arbeit bewältigen können.
[ 15 ] It is unbelievably strange but true that only ten or twelve beetles return with the one that makes the discovery, never forty or fifty. Only as many beetles return as are required to do the work. The first beetle doesn't bring more helpers than it needs, nor does it bring fewer. It arrives with just the right number to do the job.
[ 17 ] Das ist etwas, was unglaublich klingt, aber was ich erzähle, ist kein Märchen. Das haben Leute an allerlei Versuchen feststellen können. Es ist eine absolute Wahrheit. Und es war nicht etwa irgendein abergläubischer Mensch, sondern ein Mensch, der ein gesundes Urteil hatte, der sonst nur naturwissenschaftliche Untersuchungen gemacht hat in einer Zeit, in der die Naturwissenschaft noch besser war, ein Freund des Botanikers Gleditsch, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Naturforscher war, der einmal Untersuchungen mit Kröten, mit richtigen Kröten gemacht hat. Die Versuche sind zu etwas ganz anderem bestimmt gewesen — Sie wissen ja, daß durch einen Froschschenkel zuerst die Elektrizität entdeckt worden ist. — Also er holte eine tote Kröte zum Trocknen. Was hat der Naturforscher getan? Er ist in den Garten gegangen und hat ein kleines Holzstückelchen genommen, auf das er die tote Kröte draufgesteckt hat, damit sie in der Sonne recht schnell trocknet. Nach einiger Zeit ging er wieder hin und fand ringsherum, fest arbeitend, die Totengräberkäfer, eine Anzahl Totengräberkäfer. Er hat die Sache nicht weggenommen, sondern sich gedacht: ich will lieber achtgeben, was die da machen, was da draus wird, und hat diese Kerle, die Totengräberkäfer, ruhig arbeiten lassen. Und was haben die getan? Die haben so lange gegraben, bis der Stock umgefallen ist, und bis die Kröte Platz gehabt hat hier im Erdreich, im Erdloch. Dann haben sie die Weibchen ihre Eier ablegen lassen und haben dann den Stock, der da war, nicht etwa liegen lassen, sondern den haben sie begraben und nachher die Erde darüber gelegt über die Kröte. Wenn das ein Mensch täte, würde man sagen: er gräbt den Stock ein, damit jede Spur verwischt ist, wenn ein Mensch darüber geht. Die Totengräberkäfer machen es geradeso, wie es gescheite Menschen machen würden; denn ich bin überzeugt, eine ganze Anzahl von dummen Menschen würde das gar nicht einmal so gescheit machen. Also Sie sehen daraus, daß dasjenige, was man Gescheitheit, Verstand nennt, einfach vorhanden ist, ohne daß die Totengräberkäfer ihn haben.
[ 16 ] This sounds unbelievable, but what I am telling you is not a fairy tale. People have been able to demonstrate this phenomenon with all kinds of experiments. It's absolutely true. The person who first described the activity of these beetles wasn't a superstitious person but one who had sound judgment. He was a friend of the botanist, Gleditsch, and was a scientist in the first half of the nineteenth century, an age when science was still on a sounder basis. He was involved in experimental work and once used toads in his experiments. These tests were intended for something completely different—you know that electricity was first discovered through work on a frog's thigh—and he needed to dry a dead toad. What did this natural scientist do? He took it outside and pinned the dead toad to a small piece of wood to let the sun dry it quickly. After a while he returned to check it and found a number of beetles around it hard at work. He decided to leave the dead toad alone and watch what these fellows, the beetles, were up to. What did they do? They continued digging until the wood fell and the toad had a place in the ground, in the hole; then the females were allowed to lay their eggs in it. That done, the beetles covered the toad and the wood it was pinned to with earth. Now, if a human being were to do that, one would think he also buried the stick in order to hide every trace. So you see, the burying beetles do exactly what a clever human being would do; indeed, I am convinced that a number of stupid people wouldn't do any—where near as well. You see, therefore, that what is called cleverness, intelligence, is present without the beetles possessing it.
[ 18 ] Nun kann immer noch einer sagen: Nein, das ist Unsinn, Verstand braucht das nicht zu sein. Das ist ganz blöd, wenn einer sagt, das ist Verstand, das ist einfach Instinkt. — Ich halte zwar jemand für blöde, der in diesem Fall das Wort Instinkt gebraucht, der auf diese Weise die Sache auf ein totes Gleis bringen will. Man will ein Wort haben. Das Wort «Instinkt» benützt man für alles, damit man sich überhaupt nichts vorzustellen braucht. Die Sache soll ich kennenlernen - es ist ja ganz gleichgültig, wie ich sie nenne —, die Sache soll ich kennenlernen. Aber es kann immerhin einer noch sagen: Gut, es ist trotzdem ein Unsinn, wenn der uns das erzählt; das wird eben dem Käfer angeboren, das vererben sie, da braucht man nicht an Verstand zu denken. Das liegt einfach in ihrer physischen Natur, und man braucht nicht daran zu denken, daß diese Käfer da einen Verstand haben.
[ 17 ] One might call this nonsense and say that it need not be looked upon as intelligence, that it is stupid to say it is intelligence since it is simply instinct. Of course, I consider it stupid for a person to use the word “instinct” in this case, thus getting on the wrong track. One needs a word, however, and “instinct” is used for everything, so that one need not think at all. I must learn to know the issue itself—it is all the same what I call it—I must learn to know the issue. Still, one might object by saying, “All right, but what he has told, us is still nonsense. The beetles are born with this ability; they pass it on genetically; one need not think of intelligence here. It is inherent in their physical nature, and there is no need to think that these beetles possess intelligence.”
[ 19 ] Nun will ich aber eine andere Geschichte erzählen, noch dazu eine, die ein ganz einwandfreier Mensch erzählt hat, und zwar diejenige Geschichte, die auch andere beobachtet haben, aber vor allem ein ganz einwandfreier Mensch, nämlich Darwin - auf Darwin schwören ja die Leute, nicht wahr —, nun nicht an einem Käfer, aber an einer Wespe erlebt hat, Die Wespen haben ja kein größeres Gehirn als die Käfer. Sehen Sie, auch solche Wespen brauchen für ihre Larven, für ihre Maden, die aus den Eiern auskriechen, gleich Fleisch. Und diese Wespen sind schwächer als diese Käfer, auch wenn sie beisammen sind. Und es kommt da noch das dazu, daß sie nicht Maulwürfe oder tote Kröten brauchen können, sondern daß sie wiederum kleinere Tiere brauchen, die nur einer brauchen kann, wo es nicht viel hilft, wenn mehrere fortgehen. Deshalb sammeln solche Tiere, solche Wespen für ihre Maden andere kleine Tiere wie Fliegen und dergleichen.
[ 18 ] Now I shall tell you another story that was told by a person of incontestable authority, a story that has also been reported by others but above all by Darwin, an incontestable source; after all, people swear by Darwin, don't they? He observed this activity in wasps, not beetles. Wasps have brains that are no larger than those of beetles. Their larvae also require meat as soon as they hatch. Now, these wasps are weaker than beetles, even when they band together, so they cannot handle moles or dead toads but prefer smaller creatures that they can handle without help. This is why such wasps gather little animals like flies and such for their young.
[ 20 ] Nun hat Darwin, der immer als der größte Naturforscher des 19. Jahrhunderts genannt wird, folgendes beobachtet: Eine Wespe, die ein solches Tier braucht, damit das Weibchen, das mit Eiern beladen ist, also die Eier ablegen kann, findet eine Fliege, eine tote Fliege am Weg. Sie will mit der Fliege fortfliegen, die Wespe. Jetzt ist sie ihr zu schwer. Was tut die Wespe? Die Wespe beißt den Kopf und den Hinterleib ab und fliegt fort mit der Brust und den Flügeln. Das kann sie bewältigen, Brust und Flügel. Ohne Kopf und Hinterleib der Fliege fliegt nun die Wespe fort. Jetzt ist aber ein starker Wind, und die Wespe kommt nicht vorwärts. Sie arbeitet sich vorwärts — wie gesagt, Darwin hat dies alles beobachtet -, aber sie kommt nicht recht vorwärts wiederum, weil sich der Wind immer in den zwei Flügeln verfängt. Da schlägt der Wind an an diese zwei Flügel, und sie kommt nicht vorwärts. Was tut da die Wespe, die beladen ist mit der Fliege? Sie fliegt auf den Boden, beißt die zwei Flügel ab und fliegt mit der Fliege ohne die Flügel weiter.
[ 19 ] Darwin, who is considered to be the greatest natural scientist of the nineteenth century, observed a wasp who needed such an animal, a female wasp, heavy with eggs, looking for an insect into which to lay them. Finding a fly, a dead fly, on the ground, she tried to fly away with it, but it was too difficult for her. What did the wasp do? It bit off the fly's head and hind quarters and flew off with the breast and wings, which it could manage. Without the head and hind quarters of the fly, the wasp could now fly. Now—as I said, Darwin watched all this—a strong breeze was blowing and the wasp could not fly forward because the fly's wings caught the wind. The two wings caught the wind, and it could not fly forward. Again, what did the wasp do, laden with the fly? It landed on the ground, bit off the two wings, and flew away with the fly's breast without the wings.
[ 21 ] Nun, da ist es unmöglich, anderes zu sagen, als daß es noch Überlegung ist; denn die Wespe hat sich ja nach dem Wind gerichtet. Das kann ihr doch nicht angeboren sein, beim Wind die Flügel auch noch wegzubeißen. Da muß man ja doch schon von dem, was man Verstand nennt, ausgehen und muß sich sagen: Wenn ich die Flügel nicht habe, dann verfängt sich der Wind nicht. Das kann doch nicht angeboren sein! So etwas ist ja unmöglich, daß es angeboren ist! Da ist das vorhanden, was man Überlegung nennt. Und die Folge davon ist, daß man sagen muß, da wirkt eben wirklich der Verstand. Da wirkt der Verstand.
[ 20 ] In this case it is impossible to say that this is anything else but deliberate, since the wasp, after all, accommodated itself to the wind. This cannot be inherent in the wasp, to bite off the wings. It must be what is called intelligence that motivates the insect. The wasp tells itself that if the wings are discarded, the wind won't catch in them. It is impossible for this to be inherited; what exists there is what one calls deliberation; consequently, one must admit that intelligence is really at work here. Here intelligence is at work.
[ 22 ] Daraus können Sie sehen, wie dasjenige gearbeitet hat, was Naturforschung im 19. Jahrhundert war. Ich habe Ihnen ganz absichtlich Darwin angeführt, der dies gesehen hat. Was hat Darwin aber gesagt? Darwin hat gesagt: Alles dasjenige, was uns bei Tieren entgegentritt, das geschieht nur durch die Vererbung und durch natürliche Zuchtwahl und so weiter.
[ 21 ] Now you can see how scientists proceeded in the nineteenth century. I purposely mentioned to you Darwin, who observed this. What was his conclusion, however? Darwin said that everything that confronts us in animals is produced only through heredity and through natural selection, and so forth.
[ 23 ] Ja, die Leute unterschlagen ja dasjenige, was sie selber wissen, um Theorien aufzustellen! Das ist eben das Hauptsächlichste, daß die Leute einfach dasjenige unterschlagen, was sie selber wissen, um bequeme Theorien aufzustellen, die durchaus nicht aus irgendeiner Wissenschaft bestehen, sondern mit denen man den Leuten Sand in die Augen streut. Gewiß, Darwin war ein großer Mann, und das, was er positiv geleistet hat, das hat keiner liebevoller anerkannt als ich selbst. Ich habe für Darwin geschrieben, alles mögliche. Aber man muß sich eben klar sein, daß selbst diejenigen, die schon etwas geleistet haben — das ist gerade das Merkwürdige —, schon etwas Größeres geleistet haben, an der Krankheit gelitten haben, daß sie gar kein Auge mehr hatten für Tatsachen. Das 19. Jahrhundert ist trotz seiner großen Triumphe in der Außenwelt eben dadurch charakterisiert, daß die Leute den Sinn für Tatsachen ganz verloren haben und einfach die Tatsachen unterschlagen haben.
[ 22 ] In order to set up theories, people simply suppress what they themselves know. This is the essential point, that people suppress what they know to set up convenient theories. Such theories are by no means scientific and only throw sand in the eyes of the public. Darwin was certainly a great man, and nobody has acknowledged his positive accomplishments in a more kindly way than I. I have written everything possible in Darwin's favor, but, oddly enough, we must realize that even those who have made significant contributions have suffered from the malady of having no eyes for facts. In spite of the great scientific triumphs made in the external world, it is characteristic of scientists of the nineteenth century that people completely lost their sense for facts, and the facts were simply suppressed.
[ 24 ] Nun gehen wir einmal weiter. Nehmen wir andere Insekten. An den Insekten muß man ja diese Sache gerade beobachten, weil man bei den Insekten ganz genau wissen kann: dadurch können sie nicht gescheit sein, daß sie ein großes Gehirn haben, denn das haben sie ganz sicher nicht. Deshalb muß man diese Sache gerade bei den Insekten beobachten. Ja, meine Herren, bei den Insekten, da ist es so, daß sie nicht nur diese Dinge ausführen, die ich Ihnen da beschrieben habe, sondern noch ganz andere Sachen. Die Insekten legen ja alle ihre Eier, und da kommt nicht gleich das Tier heraus, sondern immer eine solche Made, die sich erst umwandelt — bei den Schmetterlingen, die ja auch Insekten sind, ist es sogar noch komplizierter. Da kommt zuerst eine Made heraus, eine Raupe; die puppt sich ein, und aus der Puppe kommt erst der Schmetterling heraus. Da ist eben durchaus eine Umwandelung vorhanden. Aber diese Umwandelung ist eigentlich bei allen Insekten vorhanden. Nun sehen Sie, es gibt Insekten, die sind, wenn sie ausgewachsen sind, Vegetarier, die fressen bloß Pflanzen. Meine Herren, ich agitiere nicht für das Vegetarischleben, das wissen Sie, aber diese Insekten sind eben Vegetarier. Die fressen bloß Pflanzen. Aber das Eigentümliche ist vorhanden, daß ihre Larven, ihre Maden, wenn sie aus den Eiern auskriechen, trotzdem Fleisch brauchen. Also diese Insekten haben die große Eigentümlichkeit, daß ihnen zuerst etwas ganz anderes angeboren ist. Die bekehren sich erst, wenn sie ausgewachsene Tiere sind, zur Pflanzenkost. Wenn sie noch kleine Kinder sind und ganz anders ausschauen — wie Maden oder Würmer -, da fressen sie Fleisch.
[ 23 ] Now, let's go further. Let's consider other insects. In these matters one must study insects, because they can illuminate our subject particularly well; we can be quite sure that in their case they do not owe their intelligence to having a large brain, because this they certainly don't have. Therefore, one must study insects in this matter. Indeed, not only are they able to illuminate the things I have just described but many others as well. Insects lay their eggs, and a mature insect never emerges from them but only little worms. With butterflies, which are insects, it is even more complicated. First, a little worm appears, a caterpillar; it pupates, and finally from the chrysalis emerges the butterfly. This is certainly quite a transformation, but this transformation actually occurs with all insects. You see, there are some insects that, when they are fully mature, feed only on plants. I am not agitating for vegetarianism, as you know, gentlemen, but these insects are vegetarians. They eat only plants. The strange thing is that their larvae, the maggots, require meat when they hatch. These insects therefore have a great peculiarity, that they are born with a completely different food preference from that which they later acquire. They convert to plant food only when they are fully developed insects. When they are still little children and look completely different—like maggots or worms—they feed on meat.
[ 25 ] Nun, was tun denn diese Tiere? Diese Tiere suchen sich andere Insekten wiederum, meistens Raupen, und legen in den Körper der Raupe die Eier hinein. Sie selber haben gar keinen Appetit mehr auf Fleisch, auf tierische Nahrung, aber sie wissen, daß aus den Eiern Maden auskriechen und die brauchen Fleisch - also legen sie ihre Eier in den Körper einer solchen Raupe oder eines anderen Insektentieres hinein.
[ 24 ] What do these mature insects do? They seek out other insects, mostly caterpillars, and lay their eggs on their backs. They themselves no longer have an appetite for meat, but they know that maggots requiring meat will hatch from their eggs. Therefore, they lay their eggs in the body of such a caterpillar or some such animal.
[ 26 ] Aber das ist noch immer nicht so furchtbar viel, es gibt noch etwas ganz anderes. Man kann nämlich sagen: Diese auskriechenden Maden sind eigentlich schon furchtbar gescheit. Denn denken Sie einmal, es gibt solche, die angewiesen sind auf lebendige Tiernahrung. Wenn also die Eier gelegt werden, dann macht das Insekt, das einen Stachel hat, einen Stich in ein lebendiges anderes Insekt, das größer ist, und da werden manchmal sehr viele Eier drinnen abgelegt. So daß manchmal in einer solchen Raupe - da sind überall drinnen Stiche gemacht - massenhaft Eier drinnen sind, aus denen dann diese Maden auskriechen. Sie sind dann im Körper dieses anderen Insekts drinnen. Aber nur in lebendige Insekten werden diese Eier abgelegt, weil in dem Augenblick, wo das Tier, in das diese Eier abgelegt sind, krepieren würde, alle diese Eier auch dem Tode ausgeliefert würden. Die Maden können nur von dem lebendigen Tierischen leben. Also denken Sie, wenn es einer einzigen solchen Made, die da auskriecht, passieren würde, dem Tiere, in das solche Eier hineingelegt sind, ein solches Organ zu zerstören, wovon das Tier, in das die Eier hineingelegt sind, den Tod hätte, dann müßten alle die Maden, die aus den abgelegten Eiern auskriechen, zugrundegehen. Nun sind diese Insektentiere so gescheit, daß niemals in einer solchen lebendigen Raupe etwas anderes gefressen wird als dasjenige, was nicht so notwendig ist für das Leben der Raupe, daß also die Raupe davon nicht stirbt. Also die lebensnotwendigen Organe werden geschont. Wenn noch so viele Eier da sind - es wird nur das im Inneren gefressen, was noch möglich macht, daß das Tier weiterlebt.
[ 25 ] Though one can marvel at this cleverness, there is much more. One can even say that these newly hatched maggots are already clever. Consider that some maggot species depend on living flesh for food. When it is time to lay the eggs, this insect, which has a stinger, punctures another living insect that is larger and lays many eggs within it. Sometimes numerous eggs are thus deposited, filling the caterpillar's body, and from which the maggots hatch. The maggots are then within the body of this other insect. These eggs are only deposited in live insects, because if the animal in which the eggs are laid were to die, the eggs would be lost, since the maggots can only survive on living flesh. Consider, therefore, that if a maggot were to destroy a vital organ in the host insect, thus causing its death, all the other maggots hatching from the eggs would perish. These little creatures are so clever, however, that nothing is ever eaten in the living caterpillar except those parts not needed for its survival. All vital organs are spared, and the caterpillar stays alive. Regardless of how many eggs are deposited, only so much is consumed as to ensure the host insect's life.
[ 27 ] Sehen Sie, das sind Dinge, die die Leute einfach wissen, die sie aber unterschlagen. Die Leute wissen das, unterschlagen es. Natürlich ist es ihnen unangenehm, wenn es ein anderer sagt, weil dadurch nicht nur die Unfähigkeit der Wissenschaft herauskommt, sondern die direkte Unredlichkeit, Unehrlichkeit der Wissenschaft.
[ 26 ] You see, these things are known but are simply suppressed. People know it but suppress it, and it isn't well received, naturally, when one points them out, because this not only shows up the incapability but the downright dishonesty of official science.
[ 28 ] Daraus können Sie aber ersehen, daß man bei den Tieren wie den Insekten sagen kann: Sie haben ganz gewiß keinen Verstand, denn einen Apparat haben sie ja nicht zum Verstand, das Gehirn ist ja weg, aber das, was sie tun, in dem wirkt der Verstand. Das muß man sagen: der Verstand ist da. Die Tiere überlegen sich das ja nicht. Zum Überlegen braucht man schon ein Gehirn. Die Tiere überlegen sich das nicht, aber geschehen tut das, was Verstand ist.
[ 27 ] In the case of animals and insects you can see that it is possible to say that they certainly do not possess intelligence, because they have no apparatus for intelligence, that is, brains. Nevertheless, intelligence is working in what they do, and it must be admitted that intelligence is there.
[ 29 ] Ja, es geschieht sogar das, daß die Tiere etwas Ähnliches haben wie Erinnerung oder Gedächtnis. Sie haben nicht Gedächtnis, aber etwas Ähnliches. Das können Sie dann beobachten, wenn Sie, sagen wir, zum Beispiel Bienenvater sind. Die Dinge sind alle gemacht worden. Hier steht ein Bienenstock. Die Bienen kriechen aus. Derjenige, der etwas wissen will, setzt nun diesen Bienenstock ein wenig weiter weg. Die Bienen kommen zurück, fliegen aber zunächst nach diesem Orte her. Na, schön, «Instinkt» selbstverständlich; da braucht man sich nicht zu verwundern darüber - sie fliegen in der Richtung, wie sie weggeflogen sind, wieder hin. Aber jetzt fangen sie an zu suchen. Sie fliegen weiter, suchen überall. Jetzt kommen sie daher. Aber jetzt gehen sie nicht etwa gleich hinein, sondern da sieht man sie die längste Zeit draußen herumfliegen, und man kann ganz genau daraus entnehmen: sie untersuchen erst den Bienenstock, ob der ihr eigener ist, geradeso wie der Totengräberkäfer zuerst untersucht, ob die Erde weich oder hart ist! Also das zeigt, daß sie zwar nicht Erinnerung, aber etwas der Erinnerung Ähnliches haben, nämlich, sie müssen ja feststellen, ob das derselbe Bienenstock ist. Das tun wir mit unserem Gedächtnis, wenn wir feststellen wollen, ob es dasselbe ist. Die Bienen tun etwas Ähnliches.
[ 28 ] The animals do not deliberate; deliberation would require a brain; animals don't deliberate, but what takes place in their activities is intelligent. Indeed, it happens that animals even have something similar to memory. They have no recollection but something akin to it. You can observe this, for instance, if you are a bee keeper. Here stands a beehive. The bees hatch. For the sake of an experiment, you move the hive to a nearby spot. The bees return to the first location; naturally, this is “instinct,” and there is no need to be surprised about it; they fly in the direction from which they flew away. Now, however, they begin to look everywhere for the hive and fly around seeking it. They arrive at the new location but do not enter the hive immediately. Instead, they swarm around it for a long time, and one can definitely conclude that they are examining it to see if it is their own! The burying beetle does the same when it examines the ground to see if it is hard or soft. While bees have no recollection, the above incident shows that they nevertheless possess something similar to memory; namely, they must determine whether it is the same beehive. We do this with our memory; bees do it with something similar.
[ 30 ] Sie sehen: Überall wirkt das, was beim Menschen durch den Kopf wirkt, zum Verstand wirkt. Überall wirkt Verstand, sogar im Insekt wunderbarer Verstand. Denn stellen Sie sich nur einmal vor, was das für ein wunderbarer Verstand ist, daß da die Insektenlarven, die da auskriechen, nicht etwa den Magen des Tieres sofort anbeißen. Wenn sie den Magen anbeißen würden, dann wäre alles gleich nachher kaputt.
[ 29 ] You see, what works as intelligence through the human head is at work everywhere. Intelligence is at work everywhere; even in insects there is marvelous intelligence. Picture the wonderful intelligence at work when the larvae that hatch inside the caterpillar's body do not feed immediately on its stomach. If they did, all the maggots would perish.
[ 31 ] Wenn man diese Taktik verfolgt, die von den Menschen manchmal im Krieg ausgeführt wird, da bekommt man schon ein bißchen Respekt vor dem Verstand, der da drinnen waltet (in dem Insekt) gegenüber dem Unverstand der Menschen! Nach dieser Richtung haben die Menschen gar nicht Grund, zu sagen: Wir haben allein den Verstand.
[ 30 ] Compared with the tactics employed by humans during war, the intelligence ruling the insect arouses respect and exposes the foolishness of human beings. In this regard, human beings have no reason to claim sole possession of intelligence.
[ 32 ] Nun will ich Ihnen da noch etwas anderes sagen. Sie alle kennen Papier. Sie wissen, die Menschen haben das Papier, das wir heute haben, erst vor vier bis fünf Jahrhunderten erfunden. Früher hat man alles mögliche andere, Pergament und so weiter zum Schreiben verwendet. Aber das sogenannte Lumpenpapier, das hat ja die zivilisierte Menschheit erst vor vier bis fünf Jahrhunderten entdeckt. Vorher konnte man auf Leder und so weiter schreiben. Wie konnte man das entdecken? Das konnte man nur dadurch entdecken, daß man gewisse Substanzen in einer bestimmten Form zusammengemischt hat. Vielleicht war einmal einer von Ihnen in einer Papierfabrik. Das Papier ist zuerst flüssig, wird verfestigt und so weiter. Also es wird auf eine rein künstliche Weise, durch allerlei chemische und mechanische Mittel hergestellt.
[ 31 ] I'll tell you something else now. You are all familiar with paper. You all know that the paper we have today was invented no earlier than four or five hundred years ago. Before this, parchment and all sorts of materials were used for writing. Civilized man discovered so-called rag paper just four or five centuries ago. Before this, man wrote on leather and so on. How was paper discovered? One had to discover how to mix together certain substances in a specific way. Perhaps one of you has been in a paper factory. At first, the paper is liquid; it is then solidified, etc. It is produced in a purely artificial way through various chemical and mechanical means.
[ 33 ] Sie werden vielleicht nicht nur Papier gesehen haben, sondern auch ab und zu ein Wespennest. Solch ein Wespennest ist ungefähr so aufgebaut (es wird gezeichnet): Es steht irgendwo auf, dann geht es so herum, daß die Wespen hereinfliegen können. Grau ist es, nicht weiß, sondern grau, aber es gibt ja auch graues Papier. Dieses Wespennest, das ist richtiges Papier! Wenn man frägt: Was ist das chemisch, woraus das Wespennest gemacht ist? — so ist es nach der chemischen Zusammensetzung ganz genau dasselbe wie das Papier. Es ist richtiges Papier.
[ 32 ] Perhaps you've not only seen paper but also now and then a wasps' nest. A wasps' nest is built like this (sketching). It is attached to something and formed so the wasps can fly into it. It is grey, not white—but paper can be grey, too—and this wasps' nest is real paper. If one asks, what is a wasps' nest made of chemically, chemically it is identical with paper. It is real paper.
[ 34 ] Nun, die Wespen machen ihre Nester nicht erst seit vier bis fünf Jahrhunderten, sondern wahrhaftig seit Jahrtausenden! Daraus würden Sie sehen: die Wespen haben das Papier viel früher hergestellt als die Menschen. Das ist einfach auch eine Tatsache. Das Wespennest ist einfach aus Papier. Wenn die Menschen schon vor Jahrtausenden etwa den schlauen Gedanken gehabt hätten: wir wollen einmal nachschauen, aus was die Wespennester bestehen, so wären sie schon zum Papier gekommen. Aber die Chemie war dazumal noch nicht so weit. Aber auch das Schreiben war noch nicht so weit. Durch das Schreiben ist manches gekommen, was auch nicht gerade zum Heile der Menschheit dient. Aber jedenfalls ist es so, daß die Wespen das Papier seit unermeßlich viel längerer Zeit fabrizieren als die Menschen.
[ 33 ] Wasps, however, have been building their nests for thousands and thousands of years, not just four or five hundred. You can see, therefore, that wasps manufactured paper much earlier than humans. That's simply a fact: the wasps' nest is made of paper. If, thousands of years ago, people had been clever enough to examine the substance of a wasps' nest, they would have discovered paper then. Chemistry was not that advanced, however; neither was writing, through which some things have also come about that do not exactly serve man. In any case, the wasp has made paper for an immeasurably longer time than the human being has.
[ 35 ] Ich könnte Ihnen natürlich nicht stundenlang, sondern tagelang davon reden, wie überall der Verstand ausgebreitet ist. Man findet ihn überall. Und beim Menschen ist es natürlich nur so, daß er den Verstand, der überall ausgebreitet ist, zusammenhäuft und dann ihn gebraucht. Und dadurch, daß er das ausgebildete Gehirn hat, dadurch kann er dasjenige, was überall in der Welt ausgebreitet ist, für sich gebrauchen. Also der Mensch hat eben das durch sein Gehirn, daß er den Verstand, der überall in den Dingen drinnen ist, für sich gebrauchen kann.
[ 34 ] Naturally, I could go on, not for hours but for days, to speak of how intelligence pervades everything and is found everywhere. Man simply gathers this intelligence that is spread out in the world and puts it to use. Owing to his well-developed brain, he can put to his own use what permeates the world. Thanks to his brain, he can utilize the intelligence contained in all things for his own benefit.
[ 36 ] Also nicht dazu haben wir unser Gehirn, daß wir Verstand erzeugen. Das ist ja ein großer Unsinn, wenn wir glauben, daß wir Verstand erzeugen. Wenn wir glauben, daß wir Verstand erzeugen, so ist das gerade so dumm, wie wenn einer mit einer Wasserkanne geht und aus einem Teich Wasser schöpft, dann mit der Wasserkanne kommt und dann sagt: Sieh einmal an, da drinnen ist jetzt Wasser; du hast gesehen, vor einer Minute war noch keines drinnen: aus dem Blech ist das Wasser herausgewachsen! Da wird ein jeder sagen: Das ist ein Blödsinn! Der war eben beim Teich und hat sich Wasser geholt; das ist nicht aus der Kanne herausgewachsen! — Aber die Gelehrten zeigen das Gehirn auf, das einfach auch den Verstand zusammensammelt, weil er überall ist, wie das Wasser, und sie behaupten, aus dem Innern wachse der Verstand heraus! Das ist genau so dumm, wie wenn man sagt, das Wasser wachse aus der Wasserkanne heraus, weil der Verstand auch dort ist, wo kein Gehirn ist. Ebenso ist der Teich nicht abhängig von der Wasserkanne. Der Verstand ist überall da. Schöpfen kann ihn der Mensch, den Verstand. Und geradeso wie man in der Wasserkanne das Wasser benützen kann, so kann der Mensch, wenn er den Verstand, der überall in der Welt ist, wie das Wasser, zusammensammelt, eben sein Gehirn benützen. Er tut das mit dem Verstand bis heute noch nicht in sehr ausgezeichneter Weise.
[ 35 ] Our brain is not given us for the purpose of producing intelligence. It is sheer nonsense to believe that we produce intelligence. It is as stupid as saying, “I went to the pond with a water pitcher to fetch water. Look, it contains water now; a minute ago there was none; the water, therefore, materialized from the walls of the pitcher!” Everybody will say that is nonsense. The water came from the pond; it was not produced by the pitcher. The experts, however, point to the brain, which simply collects intelligence because it is present in everything, like the water, and claim that intelligence emerges from within it. It is as foolish as saying that water is produced by the pitcher. After all, intelligence is even present where there is no brain, just as the pond does not depend on the water pitcher. Intelligence exists everywhere, and man can take hold of it. Just as the water from the pitcher can be put to use, so man can make use of his brain when he gathers the intelligence that is present everywhere in the world. To this day, however, he is not making use of it in a particularly outstanding manner.
[ 37 ] Aber Sie sehen, daß es schon auf richtiges Denken ankommt. Aber diejenigen werden niemals richtig denken — denn sie zeigen, daß sie nicht richtig denken können -, die da behaupten, der Verstand wird vom Gehirn erzeugt. Die behaupten wirklich denselben Blödsinn, wie wenn einer behauptet, das Wasser wird vom Blech der Wasserkanne erzeugt. Und dieser Blödsinn ist heute Wissenschaft. Und handgreiflich, meine Herren, sind ja eigentlich die Dinge. Es ist einfach so, daß man daraus sieht: der Verstand, der muß ja erst gesammelt werden.
[ 36 ] You can see that it is a matter of correct thinking. But those who never think correctly—for they show that they cannot think correctly—claim that intelligence is produced by the brain. This is as foolish as claiming that water from a pond is produced by its container. Such foolishness, however, is science today. Actually, these matters should be obvious; one should simply realize that intelligence is something that must be gathered together.
[ 38 ] Nun, Sie können das Gehirn nehmen, irgendwo Verstand sammeln wollen. Das sammelt nämlich geradesowenig Verstand, als wenn Sie die Wasserkanne hinstellen, dann zurückgehen und erstaunt sind, daß da kein Wasser drinnen ist! Von selber sammelt die Wasserkanne kein Wasser. Von selbst sammelt auch das Gehirn keinen Verstand. Was muß denn da sein, damit das Gehirn Verstand sammeln kann? Sie können nicht das Gehirn für sich allein lassen, geradesowenig wie Sie nicht die Wasserkanne für sich allein lassen können. Wenn Sie glauben, Sie bestehen nur aus Blut und Nerven und Gehirn - das alles ist die Wasserkanne; es muß etwas da sein, was sammelt, was das Gehirn benützt, um den Verstand zusammenzusammeln. Und das ist das Geistig-Seelische, das so sammelt, das so in den Menschen kommt, wie ich schon neulich gesagt habe, das schon vorher vorhanden ist in der geistig-seelischen Welt und nur das Physische benützt. Wenn man also die Tatsachen nicht unterschlägt, wenn man also wirklich darauf kommt, daß der Verstand überall ist, wie das Wasser, daß er zusammengesammelt werden muß im Gehirn, wie das Wasser in der Kanne, dann muß man auch den Sammler suchen, wenn man ein ernsthafter Wissenschafter sein will und nicht ein Scharlatan. Das ist dasjenige, was einfach die Benützung der klaren Vernunft ergibt. Es ist nicht wahr, daß anthroposophische Geisteswissenschaft weniger wissenschaftlich ist als das andere, sondern es ist viel mehr Wissenschaft — viel mehr Wissenschaft.
[ 37 ] Now, you can take your brain and resolve to gather intelligence somewhere. It doesn't collect intelligence any more than the empty water pitcher, which, when you put it away, remains empty. By itself the water pitcher cannot fetch water, nor does the brain collect intelligence by itself. You cannot leave the brain to its own devices and expect it to function any more than the water pitcher. What must be present so that the brain can gather intelligence? The empty water pitcher alone can be compared to the belief that man consists only of blood, nerves, and brain. Something else must be present that does the collecting and that gathers intelligence by means of the brain. It is the soul—spiritual element of man that does the collecting. It enters man as I described recently in the lecture on embryonic development. It has previously existed in the soul—spiritual world and only makes use of the physical. If the facts are not suppressed, if one sees that intelligence, like water, pervades everything and, like water in a pitcher, must be gathered together, then—if one is a serious scientist and not a charlatan—one must search for the gatherer. This is simply what follows from the use of clear reason. It is not true that the anthroposophical science of the spirit is less scientific than ordinary science; it is much more scientific, much more scientific.
[ 39 ] Was die Leute für Logiker sind, das konnte man vorgestern sehen. Sie wissen, daß jetzt hier ein naturwissenschaftlicher Kurs gehalten wurde. Ich habe Ihnen schon erzählt, wir haben in Stuttgart Experimente darüber gemacht, was die Milz für eine Aufgabe hat, und wir haben das bestätigt, daß die Milz die Aufgabe hat, als eine Art Regulator des Nahrungsrhythmus zu dienen. Das heißt, das Blut hat im Menschen einen bestimmten Rhythmus, der Puls, nicht wahr, zweiundsiebzig Pulsschläge — die müssen da sein. Die hängen aber mit der Nahrungsaufnahme zusammen. Ein bißchen sehen ja die Menschen darauf, daß auch ihre Nahrungsaufnahme einem Rhythmus unterliegt. Aber die Menschen können das wenig; bald ißt einer da, bald da. Und erst wenn man auf die Substanzen sieht: da ißt einer das, was brauchbar ist und unbrauchbar ist. Da ist keine Gleichmäßigkeit drinnen wie im Blut. Wenn ich einmal zum Beispiel statt um ein Uhr um zwei Uhr gegessen habe, so ist eine Unregelmäßigkeit da. Denn das Blut richtet sich nicht darnach, macht keine anderen Pulsschläge; das will die Nahrung zur selben Zeit haben. Da ist die Milz - die gleicht das aus. Das suchen wir durch Experimente nachzuweisen, und das ist auch gelungen — wenigstens bis zu einem gewissen Grade; es müssen weitere Experimente gemacht werden, es muß bald geschehen -, aber es ist gelungen, bis zu einem gewissen Grade nachzuweisen, daß die Milz ein Regulator ist, der einfach macht, daß, wenn wir auch unregelmäßig essen, die Nahrungsmittel so lange in den Därmen bleiben, wie es das Blut braucht. Und wenn wir nicht allzustark hungern — wenn wir allzustark hungern, dann kann die Milz auch nichts mehr machen -, dann bewirkt die Milz, daß aus unserem eigenen Körper das Fett genommen und noch das Blut damit versorgt wird.
[ 38 ] The day before yesterday, one could see the kind of logic people employ. As you know, a natural scientific course was recently held here. I have already told you of experiments conducted in Stuttgart concerning the task of the spleen. We confirmed that the spleen has the task of serving as a sort of regulator of the digestive rhythm. The blood circulation has a definite rhythm, as found in the pulse with its seventy—two beats per minute. These are related to the intake of food. People also pay a little heed to a rhythmic intake of food; they are not too good at it, however, and frequently have no set mealtime. Worse yet, people indiscriminately partake of foods that are useful for them and those that are not. There is no regularity here as there is in the blood. If, for example, I eat at one o'clock instead of two o'clock, this is an irregularity. The blood circulation, after all, doesn't work that way and doesn't produce a different pulse when it requires nourishment. This is where the spleen takes over. We have tried to demonstrate this with experiments and have been successful to a degree. More experiments are needed and must be done soon, but we have been able to show to some extent that the spleen is a regulator. Though we might have irregular eating habits, the spleen keeps food in the intestines as long as the blood needs it. If we don't starve ourselves too much—if we starve ourselves too much even the spleen would be unable to function properly—the spleen supplies the blood with fat taken from our own body.
[ 40 ] Sehen Sie, weil wir ganz ehrlich waren, hat Frau Kolisko in ihrem Buche ehrlich geschrieben, daß ich in einem medizinischen Kurs angegeben habe, daß die Milz diese Aufgabe hätte, und daß sie dann die Versuche gemacht hat, die die Sache bestätigen. Und da hat ein Münchner Professor gesagt: Nun, das ist ja freilich leicht. Da bekommt man von der Anthroposophie die Angaben; die hat man schon in der Tasche. - Wenn man dann Versuche und Experimente darüber macht, dann ist das, wie die Leute sagen, keine voraussetzungslose Wissenschaft, denn man kommt schon mit der fertigen Angabe und macht hinterher seine Experimente. Er sagt also: Das ist keine voraussetzungslose Wissenschaft.
[ 39 ] You see, because we were completely honest, Dr. Kolisko quite honestly stated in her book that in my medical course I indicated that the spleen has this task, and she then proceeded with experiments to confirm this. Then a professor in Munich said that this was easy; she had already received the indications from anthroposophy and so had them in her pocket. It is not supposed to be hypothetical-deductive science if one starts with indications and then conducts experiments. He therefore said that this isn't hypothetical-deductive science.
[ 41 ] Warum sagt er das? Weil die Kerle überhaupt nicht nach irgendeinem Gedanken arbeiten wollen, sondern sie wollen, daß man ihnen möglichst viel Material in ihre Kabinette liefert, und da fangen sie an zu experimentieren, blind darauflos zu experimentieren, bis überhaupt irgend etwas herauskommt. Und das nennen sie voraussetzungslose Wissenschaft. Da ist überhaupt keine Voraussetzung da. Daß da zufällig manchmal großartige Sachen gefunden werden - nun ja, ein blindes Huhn findet auch manchmal ein Korn! Aber wie kämen wir vorwärts, wenn nicht nach diesen Ideen gearbeitet werden soll in unseren Kabinetten?
[ 40 ] Why does the professor say that? Because people do not wish to work with a thought as their guideline. Instead, they want a lot of material delivered to their laboratories, and they blindly begin to experiment until they happen on some result. They call this hypothetical-deductive science, but there is no hypothesis in it at all. Occasionally, the most significant discoveries are made by chance. Then, well—even a blind dog sometimes finds a morsel! How could we progress, however, if in our laboratories our work did not follow our ideas?
[ 42 ] Was hat also der Münchner Professor gesagt? Das ist keine voraussetzungslose Wissenschaft, sondern da arbeitet man schon mit Angaben. Nun denken Sie, irgendwo hätte man schon Versuche gemacht, die festgestellt hätten, daß es sich so verhält mit der Milz, aber die Beschreibungen wären einmal verbrannt bei einem Brande, so hätte einer nur noch das Ergebnis gewußt, was herausgekommen ist. Hätte nun nicht einer hinterher kommen und sagen können: Nun mache ich diese Versuche ein zweites Mal! — Der hätte auch nichts anderes gehabt als diese Angaben. Dann müßte solch ein Professor kommen, der das sieht, und sagen: Ja, der hat ja schon die Angaben in der Tasche, das ist keine voraussetzungslose Wissenschaft. - Das wäre eine Trottelei. Der Unterschied ist eben nur der, daß ich die Angabe aus dem geistigen Verfolgen der Sache gemacht habe, aber so gemacht habe, daß sie anatomisch nach der Wissenschaft durchaus verfolgbar ist, und der andere braucht eben die Bestätigung durch Versuche, die er macht, für dasjenige, was genau angegeben war. Es braucht also bloß die Aufgabe, einen richtigen physischen Beweis zu führen für das, was ich gesagt habe. Es ist also gar kein logischer Unterschied, ob ich das sage aus meiner Erkenntnis heraus, die auf geisteswissenschaftlichem Wege gefunden worden ist, oder ob einer das schon früher durch Versuche gehabt hat.
[ 41 ] The professor in Munich says that it is not hypothetical-deductive science for one to work with indications. Now, imagine that somewhere experiments had been conducted that proved the spleen's function but that a fire had destroyed the reports of the work. Only the final result would be known. Couldn't somebody come along and say that he would repeat these experiments? It would not be any different from our starting out with these indications. The same professor would also have to object to that as being unscientific. Now, wouldn't that be absurd? The only difference here is that I have made my indications by tracing the spiritual course of the matter, but I have done it in such a way that it can readily be followed according to anatomical science. Then, through experiments, another person seeks affirmation of what had been precisely indicated. Our task here was simply to show correct physical proof for what I had said. There is no logical difference between my knowledge acquired by spiritual scientific means and what another person has already found earlier by means of experiments.
[ 43 ] Wenn einer also sagt: Das ist voraussetzungslose Wissenschaft - und das würde er sagen, wenn das auf physischem Wege gefunden worden wäre und die Beschreibungen der Versuche verbrannt worden wären, das würde er gelten lassen; aber wenn es die Anthroposophie macht, dann ist es keine voraussetzungslose Wissenschaft — ja, meine Herren, was bedeutet das? Das bedeutet, daß man nicht ehrlich ist, sondern daß man einfach alles dasjenige, was von der Anthroposophie kommt, von vorneherein verketzert. Nicht um voraussetzungslose Wissenschaft handelt es sich den Leuten, das sagen sie nur. Sie sind ja so töricht, daß sie nicht merken, daß das ein logischer Blödsinn ist. Aber sie sagen, «das ist keine voraussetzungslose Wissenschaft», aber nicht aus dem Grunde, weil das logisch wäre, sondern weil es von der Anthroposophie kommt, und die Menschen eben zu töricht sind, um das zu begreifen, was von der Anthroposophie kommt. Natürlich sind sie wütend, weil sie es nicht begreifen können, und deshalb verketzern sie es. So beruht also die ganze Sache darauf, daß die Anthroposophie verketzert wird, daß diese Menschen, die überall sogenannte Wissenschaft betreiben, nicht denken, Anthroposophie nicht verstehen können. Das liegt in unserer ganzen Zivilisation. Man kann heute ein großer Wissenschafter, ein Gelehrter sein, ohne wirklich denken zu können. Dasjenige, was kommen muß, ist, daß man ehrlich die Ehrlichkeit kultiviert, die alle Tatsachen berücksichtigt, nicht bloß diejenigen, die einem bequem sind, um irgendeine Theorie aufzustellen, mit der man den Leuten Sand in die Augen streut.
[ 42 ] What does it indicate when someone considers it to be hypothetical-deductive science when something has been discovered by physical means, though the descriptions of the tests may have been burned, while anything done by anthroposophy is not considered hypothetical-deductive science? It indicates that one is not honest and that from the first one denounces anything coming from anthroposophy. People aren't really concerned about hypothetical-deductive science; they are so foolish that they don't notice that this is logical nonsense. They say that ours is not hypothetical-deductive science not because it would be logical to say so but only because it derives from anthroposophy. People are too foolish to comprehend what comes from anthroposophy. Naturally, their lack of comprehension makes them angry, and therefore they denounce it. The real reason anthroposophy is considered heresy is that those who are engaged in so-called science do not think and cannot understand anthroposophy. This is an aspect of our entire civilization. It is possible today to be a great scientist or scholar without being able really to think. In the future, one must truly cultivate honesty, an honesty that takes into account all the facts, not only those that conveniently fit one's pet theory, thus throwing sand in the eyes of the public.
[ 44 ] Sehen Sie, ein großer Teil der Wut gegen die Anthroposophie beruht einfach darauf, daß die Anthroposophie ehrlich ist und man ihr das nicht erlauben will. Und wenn die Leute mehr Wahrheit empfinden würden, so würden sie wahrscheinlich oftmals die Feder niederlegen schon beim zweiten Satze. Weil aber das Ganze, was sie als gegnerisches Gebäude aufführen müssen, zerfällt, wenn man wirklich Anthroposophie ins Auge faßt, so erfinden sie allerlei Zeug über die Anthroposophie. Und die Leute, die über Anthroposophie allerlei Zeug erfinden, denen ist es ja nicht um die Wahrheit zu tun. Und Leute, die anfangen, einmal die Unwahrheit zu sagen, die gehen auch weiter. Daher kommen auch die großen Verleumdungen über die Anthroposophie. Und was ist die Folge? Daß natürlich derjenige, der das nicht durchschauen kann, glaubt, die Anthroposophen seien allerlei Teufel. Derjenige, der das nicht durchschauen kann, glaubt natürlich den Autoritäten, die die Unwahrheit sagen. Das ist dasjenige, unter dem die Anthroposophie am allermeisten leidet, daß man über sie überall die Unwahrheit sagt, während sie einfach darauf aus ist, die Tatsachen richtig ins Auge zu fassen und richtige Wissenschaft ist.
[ 43 ] The hatred of anthroposophy is based in large part on anthroposophy's honesty, something people don't want to grant it. If people had a keener sense for truth, they would often stop writing after the first sentence. Since all their arguments against anthroposophy would collapse, however, if anthroposophy were properly studied, they invent all kinds of fabrications concerning it. People inventing fabrications about anthroposophy don't care about truth, and once they start telling lies, they go further. The serious defamations of anthroposophy thus arise. What is the result? A person who cannot see through all this believes that anthroposophists engage in devilry. Such a person cannot see through this, because he naturally believes the authorities, who do not speak the truth. Anthroposophy suffers most of all from these lies that are circulated about it, whereas its one aim is to focus on the facts and be a real science.
[ 45 ] Deshalb muß man schon ein wenig, wenn etwas so furchtbar Schmerzliches geschieht, wie es hier jetzt geschehen ist, auch darauf hinschauen, wie eigentlich die Dinge sind, wie wirklich die Dinge sind, und wie eigentlich gehetzt wird, gehetzt wird aus lauter Unwahrhaftigkeit heraus.
[ 44 ] In view of the painful tragedy that has struck here, we must at least look into the real state of affairs and realize how anthroposophy is being slandered out of a spirit of pure falsehood.
[ 46 ] Ich selber bin absolut dagegen, daß von unserer Seite selber eine Hetzerei kommt. Natürlich kann ich nicht alles verhindern. Aber nicht wahr, wenn ich zu Ihnen spreche, so ist es so, daß ich einfach auf die ganz strikten Tatsachen hinweise. Denn das, was ich Ihnen heute erzählt habe, sind eben strikte Tatsachen, und ich habe nur eine allgemeine Charakteristik des wissenschaftlichen Lebens daraus gezogen. Sie werden sich selber sagen müssen: Wo man solche Tatsachen nicht berücksichtigt, da herrscht eben kein Wille, wirkliche Wissenschaft zu schaffen, sondern da herrscht der Wille, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, wenn auch in recht unbewußter Weise. Da müßten die Leute viel gescheiter sein, als sie sind.
[ 45 ] I myself am absolutely opposed to any agitation coming from our side. Naturally, I cannot stop everything, but when I speak to you, I am strictly pointing out facts. This is all I have done today, and from these facts I have drawn a general characterization of scientific life. You must admit to yourselves that where such facts are ignored there is no desire to create real science but only a desire to throw sand in the eyes of the public, even if in a quite unconscious way. People would have to be much more clever to see through this.
[ 47 ] Nächsten Montag werden wir darüber weiterreden. Wenn Sie etwas zu fragen haben, möchte ich, daß Sie ganz aus Ihrem Herzen heraus sprechen. Im übrigen aber möchte ich mich nicht beirren lassen durch das große Unglück, das geschehen ist. Deshalb habe ich Ihnen nicht die ganze Zeit etwas vorjammern wollen, sondern wollte Ihnen etwas Nützliches sagen.
[ 46 ] We shall continue on Monday. If you have something to ask, I would like you to speak entirely from your hearts. I, for one, don't wish to be deterred by the great tragedy that has struck here. This is why I didn't want to waste my time lamenting but wanted to tell you something useful.
