Introductions to Goethe's Scientific Writings
GA 1
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2. Die Entstehung der Metamorphosenlehre
[ 1 ] Wenn man der Entstehungsgeschichte von Goethes Gedanken über die Bildung der Organismen nachgeht, so kommt man nur allzuleicht in Zweifel über den Anteil, den man der Jugend des Dichters, d. h. der Zeit vor seinem Eintritte in Weimar zuzuschreiben hat. Goethe selbst dachte sehr gering von seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen in dieser Zeit: «Von dem ..., was eigentlich äußere Natur heißt, hatte ich keinen Begriff und von ihren sogenannten drei Reichen nicht die geringste Kenntnis.» (Siehe Goethes Naturwissenschaftliche Schriften in Kürschners Deutscher National-Literatur, 4Im folgenden mit Natw. Schr. abgekürzt. 1. Band [S. 64].) Auf diese Äußerung gestützt, denkt man sich meistens den Beginn seines naturwissenschaftlichen Nachdenkens erst nach seiner Ankunft in Weimar. Dennoch erscheint es geboten, noch weiter zurückzugehen, wenn man nicht den ganzen Geist seiner Anschauungen unerklärt lassen will. Die belebende Gewalt, welche seine Studien in jene Richtung lenkte, die wir später darlegen wollen, zeigt sich schon in frühester Jugend.
[ 2 ] Als Goethe an die Leipziger Hochschule kam, herrschte in den naturwissenschaftlichen Bestrebungen daselbst noch ganz jener Geist, der für einen großen Teil des achtzehnten Jahrhunderts charakteristisch ist und der die gesamte Wissenschaft in zwei Extreme auseinanderwarf, welche zu vereinigen man kein Bedürfnis fühlte. Auf der einen Seite stand die Philosophie Christian Wolffs (1679-1754), welche sich ganz in einem abstrakten Elemente bewegte; auf der anderen die einzelnen Wissenschaftszweige, welche in der äußerlichen Beschreibung unendlicher Einzelheiten sich verloren und denen jedes Bestreben mangelte, in der Welt ihrer Objekte ein höheres Prinzip aufzusuchen. Jene Philosophie konnte den Weg aus der Sphäre ihrer allgemeinen Begriffe in das Reich der unmittelbaren Wirklichkeit, des individuellen Daseins nicht finden. Da wurden die selbst-verständlichsten Dinge mit aller Ausführlichkeit behandelt. Man erfuhr, daß das Ding ein Etwas sei, welches keinen Widerspruch in sich habe, daß es endliche und unendliche Substanzen gebe usw. Trat man aber mit diesen Allgemeinheiten an die Dinge selbst heran, um deren Wirken und Leben zu verstehen, so stand man völlig ratlos da; man konnte keine Anwendung jener Begriffe auf die Welt, in der wir leben und die wir verstehen wollen, machen. Die uns umgebenden Dinge selbst aber beschrieb man in ziemlich prinziploser Weise, rein nach dem Augenschein, nach ihren äußerlichen Merkmalen. Es standen sich hier eine Wissenschaft der Prinzipien, welcher der lebendige Gehalt, die liebevolle Vertiefung in die unmittelbare Wirklichkeit fehlte, und eine prinziplose Wissenschaft, welche des ideellen Gehaltes ermangelte, gegenüber ohne Vermittlung, jede für die andere unfruchtbar. Goethes gesunde Natur fand sich von beiden Einseitigkeiten in gleicher Weise abgestoßen 5Siehe «Dichtung und Wahrheit«, II. Teil, 6. Buch. und im Widerstreite mit ihnen entwickelten sich bei ihm Vorstellungen, die ihn später zu jener fruchtbaren Naturauffassung führten, in welcher Idee und Erfahrung in allseitiger Durchdringung sich gegenseitig beleben und zu einem Ganzen werden.
[ 3 ] Der Begriff, den jene Extreme am wenigsten erfassen konnten, entwickelte sich daher bei Goethe zuerst: der Begriff des Lebens. Ein lebendes Wesen stellt uns, wenn wir es seiner äußeren Erscheinung nach betrachten, eine Menge von Einzelheiten dar, die uns als dessen Glieder oder Organe erscheinen. Die Beschreibung dieser Glieder, ihrer Form, gegenseitigen Lage, Größe usw. nach, kann den Gegenstand weitläufigen Vortrages bilden, dem sich die zweite der von uns bezeichneten Richtungen hingab. Aber in dieser Weise kann man auch jede mechanische Zusammensetzung aus unorganischen Körpern beschreiben. Man vergaß völlig, daß bei dem Organismus vor allem festgehalten werden müsse, daß hier die äußere Erscheinung von einem inneren Prinzipe beherrscht wird, daß in jedem Organe das Ganze wirkt. Jene äußere Erscheinung, das räumliche Nebeneinander der Glieder kann auch nach der Zerstörung des Lebens betrachtet werden, denn sie dauert ja noch eine Zeitlang fort. Aber was wir an einem toten Organismus vor uns haben, ist in Wahrheit kein Organismus mehr. Es ist jenes Prinzip verschwunden, welches alle Einzelheiten durchdringt. Jener Betrachtung, welche das Leben zerstört, um das Leben zu erkennen, setzt Goethe frühzeitig die Möglichkeit und das Bedürfnis einer höheren entgegen. Wir sehen dies schon in einem Briefe aus der Straßburger Zeit vom 14. Juli 1770, wo er von einem Schmetterlinge spricht: «Das arme Tier zittert im Netz, streift sich die schönsten Farben ab; und wenn man es ja unversehrt erwischt, so steckt es doch endlich steif und leblos da; der Leichnam ist nicht das ganze Tier, es gehört noch etwas dazu, noch ein Hauptstück und bei der Gelegenheit, wie bei jeder andern, ein hauptsächliches Hauptstück: das Leben [WA 1, 238] Derselben Anschauung sind ja auch die Worte im «Faust» [1. Teil/Studierzimmer] entsprungen:
[ 4 ] «Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben; Dann hat er die Teile in der Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.»
[ 5 ] Bei dieser Negation einer Auffassung blieb aber Goethe, wie dies bei seiner Natur wohl vorauszusetzen ist, nicht stehen, sondern er suchte seine eigene immer mehr auszubilden, und wir erkennen in den Andeutungen, welche wir über sein Denken von 1769-1775 haben, gar oft schon die Keime für seine späteren Arbeiten. Er bildet sich hier die Idee eines Wesens aus, bei dem jeder Teil den andern belebt, bei dem ein Prinzip alle Einzelheiten durchdringt. Im «Faust» [1. Teil/Nacht] heißt es:
[ 6 ] «Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt.»
[ 7 ] und im «Satyros» [4. Akt]:
[ 8 ] «Wie im Unding das Urding erquoll,
Lichtsmacht durch die Nacht scholl,
Durchdrang die Tiefen der Wesen all, Daß aufkeimte Begehrungs-Schwall
Und die Elemente sich erschlossen,
Mit Hunger ineinander ergossen,
Alldurchdringend, alldurchdrungen.»
[ 9 ] Dieses Wesen wird so gedacht, daß es in der Zeit steten Veränderungen unterworfen ist, daß aber in allen Stufen der Veränderungen sich immer nur ein Wesen offenbart, das sich als das Dauernde, Beständige im Wechsel behauptet. Im «Satyros» heißt es von jenem Urdinge weiter:
[ 10 ] «Und auf und ab sich rollend ging
Das all und ein' und ewig' Ding,
Immer verändert, immer beständig! »
[ 11 ] Man vergleiche damit, was Goethe im Jahre 1807 als Einleitung zu seiner Metamorphosenlehre schrieb: «Betrachten wir aber alle Gestalten, besonders die organischen, so finden wir, daß nirgend ein Bestehendes, nirgend ein Ruhendes, ein Abgeschlossenes vorkommt, sondern daß vielmehr alles in einer steten Bewegung schwanke.» (Natw. Schr., 1. Bd. [S. 8]) Diesem Schwankenden stellt er dort die Idee oder «ein in der Erfahrung nur für den Augenblick Festgehaltenes» als das Beständige entgegen. Man wird aus obiger Stelle aus «Satyros» deutlich genug erkennen, daß der Grund zu den morphologischen Gedanken schon in der Zeit vor dem Eintritte in Weimar gelegt wurde.
[ 12 ] Das, was aber festgehalten werden muß, ist, daß jene Idee eines lebenden Wesens nicht gleich auf einen einzelnen Organismus angewendet, sondern daß das ganze Universum als ein solches Lebewesen vorgestellt wird. Hierzu ist freilich in den alchymistischen Arbeiten mit Fräulein von Klettenberg und in der Lektüre des Theophrastus Paracelsus nach seiner Rückkehr von Leipzig (1768/69) die Veranlassung zu suchen. Man suchte jenes das ganze Universum durchdringende Prinzip durch irgendeinen Versuch festzuhalten, es in einem Stoffe darzustellen. 6«Dichtung und Wahrheit«, II. Teil, 8. Buch. Doch bildet diese ans Mystische streifende Art der Weltbetrachtung nur eine vorübergehende Episode in Goethes Entwicklung und weicht bald einer gesunderen und objektiveren Vorstellungsweise. Die Anschauung von dem ganzen Weltall als einem großen Organismus, wie wir sie oben in den Stellen aus «Faust» und «Satyros» angedeutet fanden, bleibt aber noch aufrecht bis in die Zeit um 1780, wie wir später aus dem Aufsatze «Die Natur» sehen werden. Sie tritt uns im «Faust» noch einmal entgegen, und zwar da, wo der Erdgeist als jenes den All-Organismus durchdringende Lebensprinzip dargestellt wird [1. Teil/Nacht]:
[ 13 ] «In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben.»
[ 14 ] Während sich so bestimmte Anschauungen in Goethes Geist entwickelten, kam ihm in Straßburg ein Buch in die Hand, welches eine Weltanschauung, die der seinigen gerade entgegengesetzt ist, zur Geltung bringen wollte. Es war Holbachs «Système de la nature». 7«Dichtung und Wahrheit», III. Teil, 11. Buch. Hatte er bis dahin nur den Umstand zu tadeln gehabt, daß man das Lebendige wie eine mechanische Zusammenhäufung einzelner Dinge beschrieb, so konnte er in Holbach einen Philosophen kennenlernen, der das Lebendige wirklich für einen Mechanismus ansah. Was dort bloß aus einer Unfähigkeit, das Leben in seiner Wurzel zu erkennen, entsprang, das führte hier zu einem das Leben ertötenden Dogma. Goethe sagt darüber in «Dichtung und Wahrheit» (III. Teil, 11. Buch): «Eine Materie sollte sein von Ewigkeit, und von Ewigkeit her bewegt, und sollte nun mit dieser Bewegung rechts und links und nach allen Seiten, ohne weiteres, die unendlichen Phänomene des Daseins hervorbringen. Dies alles wären wir sogar zufrieden gewesen, wenn der Verfasser wirklich aus seiner bewegten Materie die Welt vor unseren Augen aufgebaut hätte. Aber er mochte von der Natur so wenig wissen als wir; denn indem er einige allgemeine Begriffe hingepfahlt, verläßt er sie sogleich, um dasjenige, was höher als die Natur, oder als höhere Natur in der Natur erscheint, zur materiellen, schweren, zwar bewegten, aber doch richtungs- und gestaltlosen Natur zu verwandeln, und glaubt dadurch recht viel gewonnen zu haben.» Goethe konnte darinnen nichts finden als «bewegte Materie» und im Gegensatze dazu bildeten sich seine Begriffe von Natur immer klarer aus. Wir finden sie im Zusammenhange dargestellt in seinem Aufsatz «Die Natur», 8Natw. Schr., 2. Bd., S. 5 ff.; bezüglich dieses Aufsatzes vgl. man auch die Ausführungen Rudolf Steiners in «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung», Gesamtausgabe Dornach 1960, S. 138 (Anm. zu S. 28) und «Methodische Grundlagen der Anthroposophie 1884-1901«, Gesamtausgabe Dornach 1961, S. 320ff. welcher um das Jahr 1780 geschrieben ist. Da in diesem Aufsatze alle Gedanken Goethes über die Natur, welche wir bis dahin nur zerstreut angedeutet finden, zusammengestellt sind, so gewinnt er eine besondere Bedeutung. Die Idee eines Wesens, welches in beständiger Veränderung begriffen ist und dabei doch immer identisch bleibt, tritt uns hier entgegen: «Alles ist neu und immer das Alte.» «Sie (die Natur) verwandelt sich ewig, und ist kein Moment Stillstehen in ihr,» aber «ihre Gesetze sind unwandelbar.» Wir werden später sehen, daß Goethe in der unendlichen Menge von Pflanzengestalten die eine Urpflanze sucht. Auch diesen Gedanken finden wir hier schon angedeutet: «Jedes ihrer (der Natur) Werke hat ein eigenes Wesen, jede ihrer Erscheinungen den isoliertesten Begriff, und doch macht alles Eins aus.» Ja sogar die Stellung, welche er später Ausnahmefällen gegenüber einnahm, nämlich sie nicht einfach als Bildungsfehler anzusehen, sondern aus Naturgesetzen zu erklären, spricht sich hier schon ganz deutlich aus: «Auch das Unnatürlichste ist Natur» und «ihre Ausnahmen sind selten.» 9Siehe über die Autorschaft dieses Aufsatzes Anmerkung 1 am Schlusse dieser Schrift. [Rudolf Steiner hatte die Absicht, für die Sonderausgabe sämtlicher Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften», 1.-5. Aufl., Dornach 1926, an dieser und weiteren 35 bereits von ihm bezeichneten Stellen - diese Stellen tragen im vorliegenden Text sämtlich einen - Anmerkungen zu schreiben. Er konnte diese Absicht nicht mehr verwirklichen.
[ 15 ] Wir haben gesehen, daß Goethe sich schon vor seinem Eintritte in Weimar einen bestimmten Begriff von einem Organismus ausgebildet hatte. Denn wenngleich der erwähnte Aufsatz «Die Natur» erst lange nach demselben entstanden ist, so enthält er doch größtenteils frühere Anschauungen Goethes. Auf eine bestimmte Gattung von Naturobjekten, auf einzelne Wesen hatte er diesen Begriff noch nicht angewendet. Dazu bedurfte es der konkreten Welt der lebenden Wesen in unmittelbarer Wirklichkeit. Der durch den menschlichen Geist hindurchgegangene Abglanz der Natur War durchaus nicht das Element, welches Goethe anregen konnte. Die botanischen Gespräche bei Hofrat Ludwig in Leipzig blieben ebenso ohne tiefere Wirkung, wie die Tischgespräche mit den medizinischen Freunden in Straßburg. In bezug auf die wissenschaftlichen Studien erscheint uns der junge Goethe ganz als der die Frische ursprünglichen Anschauens der Natur entbehrende Faust, welcher seine Sehnsucht nach derselben mit den Worten ausspricht [1. Teil/Nacht]:
[ 16 ] «Ach! könnt' ich doch auf Bergeshöhn In deinem (des Mondes) lieben Lichte gehn, Um Bergeshöhle mit Geistern schweben, Auf Wiesen in deinem Dämmer weben.»
[ 17 ] Wie eine Erfüllung dieser Sehnsucht erscheint es uns, wenn ihm bei seinem Eintritte in Weimar gegönnt ist, «Stuben-und Stadtluft mit Land-, Wald- und Gartenatmosphäre zu vertauschen» (Natw. Schr., 1. Bd., S. 64).
[ 18 ] Als die unmittelbare Anregung zum Studium der Pflanzen haben wir des Dichters Beschäftigung mit dem Pflanzen von Gewächsen in den ihm von dem Herzoge Karl August geschenkten Garten zu betrachten. Die Empfangnahme desselben von seiten Goethes erfolgte am 21. April 1776 und das von R. Keil herausgegebene «Tagebuch» meldet uns von nun an oft von Goethes Arbeiten in diesem Garten, die eines seiner Lieblingsgeschäfte werden. Ein weiteres Feld für Bestrebungen in dieser Richtung bot ihm der Thüringerwald, wo er Gelegenheit hatte, auch die niederen Organismen in ihren Lebenserscheinungen kennenzulernen. Es interessieren ihn besonders die Moose und Flechten. Am 31. Oktober 1777 bittet er Frau von Stein um Moose von allen Sorten und womöglich mit den Wurzeln und feucht, damit sie sich wieder fortpflanzen. Es muß uns höchst bedeutsam erscheinen, daß Goethe sich hier schon mit dieser tiefstehenden Organismenwelt beschäftigte und später die Gesetze der Pflanzenorganisation doch von den höheren Pflanzen ableitete. Wir haben dies in Erwägung dieses Umstandes nicht, wie viele tun, einer Unterschätzung der Bedeutung der weniger entwickelten Wesen, sondern vollbewußter Absicht zuzuschreiben.
[ 19 ] Nun verläßt der Dichter das Reich der Pflanzen nicht mehr. Schon sehr früh mögen wohl Linnés Schriften vorgenommen worden sein. Wir erfahren von der Bekanntschaft mit denselben zuerst aus den Briefen an Frau von Stein im Jahre 1782.
[ 20 ] Linnés Bestrebungen gingen dahin, eine systematische Übersichtlichkeit in die Kenntnis der Pflanzen zu bringen. Es sollte eine gewisse Reihenfolge gefunden werden, in der jeder Organismus an einer bestimmten Stelle steht, so daß man ihn jederzeit leicht auffinden könne, ja daß man überhaupt ein Mittel der Orientierung in der grenzenlosen Menge der Einzelheiten hätte. Zu diesem Zwecke mußten die Lebewesen nach Graden ihrer Verwandtschaft untersucht und diesen entsprechend in Gruppen zusammengestellt werden. Da es sich dabei vor allem darum handelte, jede Pflanze zu erkennen und ihren Platz im Systeme leicht aufzufinden, so mußte man insbesondere auf jene Merkmale Rücksicht nehmen, welche die Pflanzen voneinander unterscheiden. Um eine Verwechslung einer Pflanze mit einer anderen unmöglich zu machen, suchte man vorzüglich diese unterscheidenden Kennzeichen auf. Dabei wurden von Linné und seinen Schülern äußerliche Kennzeichen, Größe, Zahl und Stellung der einzelnen Organe als charakteristisch angesehen. Die Pflanzen waren auf diese Weise wohl in eine Reihe geordnet, aber so, wie man auch eine Anzahl unorganischer Körper hätte ordnen können: nach Merkmalen, welche dem Augenscheine, nicht der inneren Natur der Pflanze entnommen waren. Sie erschienen in einem äußerlichen Nebeneinander, ohne inneren, notwendigen Zusammenhang. Bei dem bedeutsamen Begriffe, den Goethe von der Natur eines Lebewesens hatte, konnte ihm diese Betrachtungsweise nicht genügen. Es war da nirgends nach dem Wesen der Pflanze geforscht. Goethe mußte sich die Frage vorlegen: Worin besteht dasjenige «Etwas», welches ein bestimmtes Wesen der Natur zu einer Pflanze macht? Er mußte ferner anerkennen, daß dieses Etwas in allen Pflanzen in gleicher Weise vorkomme. Und doch war die unendliche Verschiedenheit der Einzelwesen da, welche erklärt sein wollte. Wie kommt es, daß jenes Eine sich in so mannigfaltigen Gestalten offenbart? Dies waren wohl die Fragen, welche Goethe beim Lesen der Linnéschen Schriften aufwarf, denn er sagt ja selbst von sich: «Das, was er - Linné - mit Gewalt auseinanderzuhalten suchte, mußte, nach dem innersten Bedürfnis meines Wesens, zur Vereinigung anstreben.» 10Vgl. Natw. Schr., 1. Bd. [S. 68].
[ 21 ] Ungefähr in dieselbe Zeit, wie die erste Bekanntschaft mit Linné, fällt auch die mit den botanischen Bestrebungen des Rousseau. Am 16. Juni 1782 schreibt Goethe an [Herzog] Karl August: «In Rousseaus Werken finden sich ganz allerliebste Briefe über die Botanik, worin er diese Wissenschaft auf das faßlichste und zierlichste einer Dame vorträgt. Es ist recht ein Muster, wie man unterrichten soll und eine Beilage zum Emil. Ich nehme daher den Anlaß, das schöne Reich der Blumen meinen schönen Freundinnen aufs neue zu empfehlen.» [WA 5, 347] Rousseaus Bestrebungen in der Pflanzenkunde mußten auf Goethe einen tiefen Eindruck machen. Das Hervorheben einer aus dem Wesen der Pflanzen hervorgehenden und ihm entsprechenden Nomenklatur, die Ursprünglichkeit des Beobachtens, das Betrachten der Pflanze um ihrer selbst willen, abgesehen von. allen Nützlichkeitsprinzipien, die uns bei Rousseau entgegentreten, alles das war ganz im Sinne Goethes. Beide hatten ja auch das gemeinsam, daß sie nicht durch ein speziell herangezogenes wissenschaftliches Bestreben, sondern durch allgemein menschliche Motive zum Studium der Pflanze gekommen waren. Dasselbe Interesse fesselte sie an denselben Gegenstand.
[ 22 ] Die nächsten eingehenden Beobachtungen der Pflanzenwelt fallen in das Jahr 1784. Wilhelm Freiherr von Gleichen, genannt Rußwurm, hatte damals zwei Schriften herausgegeben, welche Untersuchungen zum Gegenstande hatten, die Goethe lebhaft interessierten: «Das Neueste aus dem Reiche der Pflanzen» (Nürnberg 1764) und «Auserlesene mikroskopische Entdeckungen bei Pflanzen, Blumen und Blüten, Insekten und anderen Merkwürdigkeiten» (Nürnberg 1777-81). Beide Schriften behandelten die Befruchtungsvorgänge an der Pflanze. Der Blütenstaub, die Staubfäden und Stempel wurden sorgfältig untersucht und die dabei stattfindenden Prozesse auf schön ausgeführten Tafeln dargestellt. Diese Untersuchungen machte nun Goethe nach. Am 12. Januar 1785 schreibt er an Frau von Stein: «Ein Mikroskop ist aufgestellt, um die Versuche des v. Gleichen, genannt Rußwurm, mit Frühlingsantritt nachzubeobachten und zu kontrollieren.» [WA 7, 8] In demselben Frühlinge wurde auch die Natur des Samens studiert, wie uns ein Brief an Knebel vom 2. April 1785 zeigt: «Die Materie vom Samen habe ich durchgedacht, soweit meine Erfahrungen reichen.» [WA 7, 36] Bei allen diesen Untersuchungen handelt es sich bei Goethe nicht um das Einzelne; das Ziel seiner Bestrebungen ist, das Wesen der Pflanze zu erforschen. Er meldet davon am 8. April 1785 an Merck, daß er in der Botanik «hübsche Entdeckungen und Kombinationen gemacht hat». [WA 7, 41] Auch der Ausdruck Kombinationen beweist uns hier, daß er darauf ausgeht, denkend sich ein Bild der Vorgänge in der Pflanzenwelt zu entwerfen. Das Studium der Botanik näherte sich jetzt rasch einem bestimmten Ziele. Wir müssen dabei nun freilich daran denken, daß Goethe im Jahre 1784 den Zwischenknochen entdeckt hat, wovon wir unten ausdrücklich sprechen wollen und daß er damit dem Geheimnis, wie die Natur bei der Bildung organischer Wesen verfährt, um eine bedeutende Stufe nähergerückt war. Wir müssen ferner daran denken, daß der erste Teil von Herders «Ideen zur Philosophie der Geschichte» 1784 abgeschlossen wurde und daß Gespräche über Gegenstände der Natur zwischen Goethe und Herder damals sehr häufig waren. So berichtet Frau von Stein an Knebel am 1. Mai 1784: «Herders neue Schrift macht wahrscheinlich, daß wir erst Pflanzen und Tiere waren ... Goethe grübelt jetzt gar denkreich in diesen Dingen und jedes, was erst durch seine Vorstellung gegangen ist, wird äußerst interessant.» [Zur deutschen Literatur und Geschichte, hrsg. von H. Düntzer, Bd. 1, Nürnberg 1857, S. 120.] Wir sehen daraus, welcher Art Goethes Interesse für die größten Fragen der Wissenschaft damals war. Es muß uns also jenes Nachdenken über die Natur der Pflanze und die Kombinationen, die er darüber im Frühling 1785 macht, ganz erklärlich erscheinen. Mitte April dieses Jahres geht er nach Belvedere eigens um seine Zweifel und Fragen zur Lösung zu bringen und am 15. Juni [1786!] macht er an Frau von Stein folgende Mitteilung: «Wie lesbar mir das Buch der Natur wird, kann ich dir nicht ausdrücken, mein langes Buchstabieren hat mir geholfen, jetzt ruckts auf einmal, und meine stille Freude ist unaussprechlich.» [WA 7, 229] Kurz vorher will er sogar eine kleine botanische Abhandlung für Knebel schreiben, um ihn für diese Wissenschaft zu gewinnen. 11«Gerne schickte ich dir eine kleine botanische Lektion, wenn sie nur schon geschrieben wäre.» [Brief an Knebel vom] 2. April 1785. [WA 7, 36] Die Botanik zieht ihn so an, daß seine Reise nach Karlsbad, die er am 20. Juni 1785 antritt, um den Sommer dort zuzubringen, zu einer botanischen Studienreise wird. Knebel begleitete ihn. In der Nähe von Jena treffen sie einen 17-jährigen Jüngling, [Friedrich Gottlieb] Dietrich, dessen Blechtrommel zeigte, daß er eben von einer botanischen Exkursion heimkehrt. Über diese interessante Reise erfahren wir näheres aus Goethes «Geschichte meines botanischen Studiums» und aus einigen Mitteilungen von [Ferdinand] Cohn 12«Deutsche Rundschau» (Berlin etc.) Bd. XXVIII (Juli-Sept.) 1881, S. 34 f. in Breslau, der dieselben einem Manuskripte Dietrichs entlehnen konnte. In Karlsbad bieten nun gar oft botanische Gespräche eine angenehme Unterhaltung. Nach Hause zurückgekehrt widmet Goethe sich mit großer Energie dem Studium der Botanik; er macht an der Hand von Linnés Philosophia 13Karl von Linné «philosophia botanica«, Stockholm 1751. Beobachtungen über Pilze, Moose, Flechten und Algen, wie wir solches aus seinen Briefen an Frau von Stein ersehen. Erst jetzt, wo er bereits selbst vieles gedacht und beobachtet, wird ihm Linné nützlicher, er findet bei ihm Aufschluß über viele Einzelheiten, die ihm bei seinen Kombinationen vorwärts helfen. Am 9. November 1785 berichtet er an Frau von Stein: «Ich lese im Linné fort, denn ich muß wohl, ich habe kein ander Buch. Es ist die beste Art ein Buch gewiß zu lesen, die ich öfters praktizieren muß, besonders da ich nicht leicht ein Buch auslese. Dieses ist aber vorzüglich nicht zum Lesen, sondern zum Rekapitulieren gemacht und tut mir nun die trefflichsten Dienste, da ich über die meisten Punkte selbst gedacht habe.» [WA 7, 118] Während dieser Studien wurde ihm immer klarer, daß es doch nur eine Grundform sei, welche in der unendlichen Menge einzelner Pflanzenindividuen erscheint, es wurde ihm auch diese Grundform selbst immer anschaulicher, er erkannte ferner, daß in dieser Grundform die Fähigkeit unendlicher Abänderung liege, wodurch die Mannigfaltigkeit aus der Einheit erzeugt wird. Am 9. Juli 1786 schreibt er an Frau von Stein: «Es ist ein Gewahrwerden der. . . Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt und spielend das mannigfaltige Leben hervorbringt.» [WA 7, 242] Nun handelte es sich vor allem darum, das Bleibende, Beständige, jene Urform, mit welcher die Natur gleichsam spielt, im einzelnen zu einem plastischen Bilde auszubilden. Dazu bedurfte es einer Gelegenheit, das wahrhaft Konstante, Dauernde in der Pflanzenform von dem Wechselnden, Unbeständigen zu trennen. Zu Beobachtungen dieser Art hatte Goethe noch ein zu kleines Gebiet durchforscht. Er mußte eine und dieselbe Pflanze unter verschiedenen Bedingungen und Einflüssen beobachten; denn nur dadurch fällt das Veränderliche so recht in die Augen. Bei Pflanzen verschiedener Art fällt es uns weniger auf. Dieses alles brachte die beglükkende Reise nach Italien, welche er am 3. September von Karlsbad aus angetreten hatte. Schon an der Flora der Alpen ward manche Beobachtung gemacht. Er fand hier nicht bloß neue von ihm noch nie gesehene Pflanzen, sondern auch solche, die er schon kannte, aber verändert. «Wenn in der tiefern Gegend Zweige und Stengel stärker und mastiger waren, die Augen näher aneinanderstanden und die Blätter breit waren, so wurden höher ins Gebirg hinauf Zweige und Stengel zarter, die Augen rückten auseinander, so daß von Knoten zu Knoten ein größerer Zwischenraum stattfand und die Blätter sich lanzenförmiger bildeten. Ich bemerkte dies bei einer Weide und einer Gentiana und überzeugte mich, daß es nicht etwa verschiedene Arten wären. Auch am Walchensee bemerkte ich längere und schlankere Binsen als im Unterlande». 14Italienische Reise, 8. Okt. 1786. Ähnliche Beobachtungen wiederholten sich. In Venedig am Meere entdeckt er verschiedene Pflanzen, welche ihm Eigenschaften zeigen, die ihnen nur das alte Salz des Sandbodens, mehr aber die salzige Luft geben konnte. Er fand da eine Pflanze, die ihm wie unser «unschuldiger Huflattich» erschien, «hier aber mit scharfen Waffen bewaffnet und das Blatt wie Leder, so auch die Samenkapseln, die Stiele, alles war mastig und fett.» 15Italienische Reise, 8. Sept. 1786. Da sah Goethe alle äußeren Merkmale der Pflanze, alles was an ihr dem Augenscheine angehört, unbeständig, wechselnd. Er zieht daraus den Schluß, daß also in diesen Eigenschaften das Wesen der Pflanze nicht liege, sondern tiefer gesucht werden müsse. Von ähnlichen Beobachtungen, wie hier Goethe, ging auch Darwin aus, als er seine Zweifel über die Konstanz der äußeren Gattungs- und Art-formen zur Geltung brachte. Die Resultate aber, welche von den beiden gezogen werden, sind durchaus verschieden. Während Darwin in jenen Eigenschaften das Wesen des Organismus in der Tat für erschöpft hält und aus der Veränderlichkeit den Schluß zieht: Also gibt es nichts Konstantes im Leben der Pflanzen ,geht Goethe tiefer und zieht den Schluß: Wenn jene Eigenschaften nicht konstant sind, so muß das Konstante in einem anderen, welches jenen veränderlichen Äußerlichkeiten zugrunde liegt, gesucht werden. Dieses letztere auszubilden wird Goethes Ziel, während Darwins Bestrebungen dahin gehen, die Ursachen jener Veränderlichkeit im einzelnen zu erforschen und darzulegen. Beide Betrachtungsweisen sind notwendig und ergänzen einander. Man geht ganz fehl, wenn man Goethes Größe in der organischen Wissenschaft darinnen zu finden glaubt, daß man in ihm den bloßen Vorläufer Darwins sieht. Seine Betrachtungsweise ist eine viel breitere; sie umfaßt zwei Seiten: 1. Den Typus, d. i. die sich im Organismus offenbarende Gesetzlichkeit, das Tier-Sein im Tiere, das sich aus sich herausbildende Leben, das Kraft und Fähigkeit hat, sich durch die in ihm liegenden Möglichkeiten in mannigfaltigen, äußeren Gestalten (Arten, Gattungen) zu entwickeln. 2. Die Wechselwirkung des Organismus und der unorganischen Natur und der Organismen untereinander (Anpassung und Kampf ums Dasein). Nur die letztere Seite der Organik hat Darwin ausgebildet. Man kann also nicht sagen: Darwins Theorie sei die Ausbildung von Goethes Grundideen, sondern sie ist bloß die Ausbildung einer Seite der letzteren. Sie blickt nur auf jene Tatsachen, welche veranlassen, daß sich die Welt der Lebewesen in einer gewissen Weise entwickelt, nicht aber auf jenes «Etwas», auf welches jene Tatsachen bestimmend einwirken. Wenn die eine Seite allein verfolgt wird, so kann sie auch durchaus nicht zu einer vollständigen Theorie der Organismen führen, sie muß wesentlich im Geiste Goethes verfolgt werden, sie muß durch die andere Seite von dessen Theorie ergänzt und vertieft werden. Ein einfacher Vergleich wird die Sache deutlicher machen. Man nehme ein Stück Blei, mache es durch Erhitzen flüssig und gieße es dann in kaltes Wasser. Das Blei hat zwei aufeinander folgende Stadien seines Zustandes durchgemacht; das erste wurde bewirkt durch die höhere, das zweite durch die niedrigere Temperatur. Wie sich die beiden Stadien gestalten, das hängt nun nicht allein von der Natur der Wärme, sondern ganz wesentlich auch von jener des Bleies ab. Ein anderer Körper würde, durch dieselben Medien gebracht, ganz andere Zustände zeigen. Auch die Organismen lassen sich von den sie umgebenden Medien beeinflussen, auch sie nehmen, durch letztere veranlaßt, verschiedene Zustände an und zwar durchaus ihrer Natur entsprechend, entsprechend jener Wesenheit, die sie zu Organismen macht. Und diese Wesenheit findet man in Goethes Ideen. Derjenige, der ausgerüstet mit dem Verständnisse dieser Wesenheit ist, der wird erst imstande sein zu begreifen, warum die Organismen auf bestimmte Veranlassungen gerade in einer solchen und keiner andern Weise antworten (reagieren). Ein solcher wird erst imstande sein, sich über die Veränderlichkeit der Erscheinungsformen der Organismen und die damit zusammenhängenden Gesetze der Anpassung und des Kampfes ums Dasein die richtigen Vorstellungen zu machen. 16Unnötig wohl ist es zu sagen, daß die moderne Deszendenatheorje damit durchaus nicht bezweifelt werden soll, oder daß ihre Behauptungen damit eingeschränkt werden sollen; im Gegenteil, es wird ihnen erst eine sichere Basis geschaffen.
[ 23 ] Der Gedanke der Urpflanze bildet sich immer bestimmter, klarer in Goethes Geist aus. Im botanischen Garten zu Padua (Italienische Reise, 27. Sept. 1786), wo er unter einer ihm fremden Vegetation einhergeht, wird ihm der «Gedanke immer lebendiger, daß man sich alle Pflanzengestalten vielleicht aus einer entwickeln könne». Am 17. November 1786 schreibt er an Knebel: «So freut mich doch mein bißchen Botanik erst recht in diesen Landen, wo eine frohere, weniger unterbrochene Vegetation zu Hause ist. Ich habe schon recht artige, ins allgemeine gehende Bemerkungen gemacht, die auch dir in der Folge angenehm sein werden.» [WA 8, 58] Am 19. Februar 1787 (siehe Italienische Reise) schreibt er in Rom, daß er auf dem Wege sei, «neue schöne Verhältnisse zu entdecken, wie die Natur solch ein Ungeheures, das wie nichts aussieht, aus dem Einfachen das Mannigfaltigste entwickelt.» Am 25. März bittet er, Herdern zu sagen, daß er mit der Urpflanze bald zustande ist. Am 17. April (siehe Italienische Reise) schreibt er in Palermo von der Urpflanze die Worte nieder: «Eine solche muß es doch geben! Woran würde ich sonst erkennen, daß dieses oder jenes Gebilde eine Pflanze sei, wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet wären.» Er hat im Auge den Komplex von Bildungsgesetzen, welcher die Pflanze organisiert, sie zu dem macht, was sie ist und wodurch wir bei einem bestimmten Objekte der Natur zu dem Gedanken kommen: Dieses ist eine Pflanze -, das ist die Urpflanze. Als solche ist sie ein Ideelles, nur im Gedanken Festzuhaltendes; sie gewinnt aber Gestalt, sie gewinnt eine gewisse Form, Größe, Farbe, Zahl ihrer Organe usw. Diese äußere Gestalt ist nichts Festes, sondern sie kann unendliche Veränderungen erleiden, welche alle jenem Komplexe von Bildungsgesetzen gemäß sind, aus ihm mit Notwendigkeit: folgen. Hat man jene Bildungsgesetze, jenes Urbild der Pflanze erfaßt, so hat man das in der Idee festgehalten, was bei jedem einzelnen Pflanzenindividuum die Natur gleichsam zugrunde legt und woraus sie dasselbe als eine Folge ableitet und entstehen läßt. Ja man kann selbst jenem Gesetze gemäß Pflanzengestalten erfinden, welche aus dem Wesen der Pflanze mit Notwendigkeit folgen und existieren könnten, wenn die notwendigen Bedingungen dazu einträten. Goethe sucht so gleichsam das im Geiste nachzubilden, was die Natur bei der Bildung ihrer Wesen vollzieht. Er schreibt am 17. Mai 1787 17Italienische Reise. an Herder: «Ferner muß ich Dir vertrauen, daß ich dem Geheimnis der Pflanzenzeugung und Organisation ganz nahe bin und daß es das einfachste ist, was nur gedacht werden kann... Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten und nicht etwa malerische oder dichterische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen.» Es tritt nun hier noch eine weitere Verschiedenheit der Goetheschen Auffassung von der Darwins hervor, namentlich, wenn man berücksichtigt, wie letztere gewöhnlich vertreten wird. 18Wir haben hier weniger die Entwicklungslehre derjenigen Naturforscher, die auf dem Boden der sinnenfälligen Empirie stehen, vor Augen, als vielmehr die theoretischen Grundlagen, die Prinzipien, die dem Darwinismus zugrunde gelegt werden. Vor allem natürlich die Jenaische Schule mit Haeckel an der Spitze; in diesem Geiste ersten Ranges hat wohl die Darwinsche Lehre mit aller ihrer Einseitigkeit ihre konsequente Ausgestaltung gefunden. Diese nimmt an, daß die äußeren Einflüsse wie mechanische Ursachen auf die Natur eines Organismus einwirken und ihn dementsprechend verändern. Bei Goethe sind die einzelnen Veränderungen verschiedene Äußerungen des Urorganismus, der in sich selbst die Fähigkeit hat, mannigfache Gestalten anzunehmen und in einem bestimmten Falle jene annimmt, welche den ihn umgebenden Verhältnissen der Außenwelt am angemessensten ist. Diese äußeren Verhältnisse sind bloß Veranlassung, daß die inneren Gestaltungskräfte in einer besonderen Weise zur Erscheinung kommen. Diese letzteren allein sind das konstitutive Prinzip, das Schöpferische in der Pflanze. Daher nennt es Goethe am 6. September 1787 19Italienische Reise. auch ein, - 7(51) (Ein und Alles) der Pflanzenwelt.
[ 24 ] Wenn wir nun auf diese Urpflanze selbst eingehen, so ist darüber folgendes zu sagen. Das Lebendige ist ein in sich beschlossenes Ganze, welches seine Zustände aus sich selbst setzt. Sowohl im Nebeneinander der Glieder, wie in der zeitlichen Aufeinanderfolge der Zustände eines Lebewesens ist eine Wechselbeziehung vorhanden, welche nicht durch die sinnenfälligen Eigenschaften der Glieder bedingt erscheint, nicht durch mechanischkausales Bedingtsein des Späteren von dem Früheren, sondern welche von einem höheren über den Gliedern und Zuständen stehenden Prinzipe beherrscht wird. Es ist in der Natur des Ganzen bedingt, daß ein bestimmter Zustand als der erste, ein anderer als der letzte gesetzt wird; und auch die Aufeinanderfolge der mittleren ist in der Idee des Ganzen bestimmt; das Vorher ist von dem Nachher und umgekehrt abhängig; kurz, im lebendigen Organismus ist Entwicklung des einen aus dem andern, ein Übergang der Zustände ineinander, kein fertiges, abgeschlossenes Sein des Einzelnen, sondern stetes Werden. In der Pflanze tritt dieses Bedingtsein jedes einzelnen Gliedes durch das Ganze insofern auf, als alle Organe nach derselben Grundform gebaut sind. Am 17. Mai 1787 20Italienische Reise. schreibt Goethe diesen Gedanken an Herder mit den Worten: «Es war mir nämlich aufgegangen, daß in demjenigen Organ (der Pflanze), welches wir gewöhnlich als Blatt ansprechen, der wahre Proteus verborgen liege, der sich in allen Gestaltungen verstecken und offenbaren könne. Rückwärts und vorwärts ist die Pflanze immer nur Blatt, mit dem künftigen Keime so unzertrennlich vereint, daß man sich eins ohne das andere nicht denken darf.» Während beim Tiere jenes höhere Prinzip, das jedes Einzelne beherrscht, uns konkret entgegentritt als dasjenige, welches die Organe bewegt, seinen Bedürfnissen gemäß gebraucht usw., entbehrt die Pflanze noch eines solchen wirklichen Lebensprinzipes; bei ihr offenbart sich dasselbe erst in der unbestimmteren Weise, daß alle Organe nach demselben Bildungstypus gebaut sind, ja daß in jedem Teile der Möglichkeit nach die ganze Pflanze enthalten ist und durch günstige Umstände aus demselben auch hervorgebracht werden kann. Goethe wurde dieses besonders klar, als in Rom Rat Reiffenstein bei einem Spaziergange mit ihm hier und da einen Zweig abreißend behauptete, derselbe müsse in die Erde gesteckt, fortwachsen und sich zur ganzen Pflanze entwickeln. Die Pflanze ist also ein Wesen, welches in aufeinanderfolgenden Zeiträumen gewisse Organe entwickelt, welche alle sowohl untereinander, wie jedes einzelne mit dem Ganzen nach ein und derselben Idee gebaut sind. Jede Pflanze ist ein harmonisches Ganze von Pflanzen. 21In welchem Sinne diese Einzelheiten zum Ganzen stehen, werden wir an verschiedenen Stellen Gelegenheit haben auszuführen. Wollten wir einen Begriff der heutigen Wissenschaft für ein solches Zusammenwirken von belebten Teilwesen zu einem Ganzen entlehnen, so wäre es etwa der eines Stockes» in der Zoologie. Es ist dies eine Art Staat von Lebewesen, ein Individuum, das wieder aus selbständigen Individuen besteht, ein Individuum höherer Art. Als Goethe dieses klar vor Augen stand, handelte es sich für ihn nur noch um die Einzelbeobachtungen, die es ermöglichten, die verschiedenen Stadien der Entwicklung, welche die Pflanze aus sich heraus setzt, im besonderen darzulegen. Auch dazu war schon das Nötige geschehen. Wir haben gesehen, daß Goethe schon im Frühjahr 1785 Samen untersucht hat; von Italien aus meldet er Herdern am 17. Mai 1787, daß er den Punkt, wo der Keim steckt, ganz klar und zweifellos gefunden habe. Damit war für das erste Stadium des Pflanzenlebens gesorgt. Aber auch die Einheit des Baues aller Blätter zeigte sich bald anschaulich genug. Neben zahlreichen anderen Beispielen fand Goethe in dieser Hinsicht vor allem am frischen Fenchel den Unterschied der unteren und oberen Blätter, die aber trotzdem immer dasselbe Organ sind. Am 25. März 22Italienische Reise. bittet er Herdern zu melden, daß seine Lehre von den Kotyledonen so sublimiert sei, daß man schwerlich wird weitergehen können. Es war nur noch ein kleiner Schritt zu tun, um auch die Blütenblätter, die Staubgefäße und Stempel als metamorphosierte Blätter anzusehen. Dazu konnten die Untersuchungen des englischen Botanikers Hill führen, welche damals allgemeiner bekannt wurden und die Umbildungen einzelner Blütenorgane in andere zum Gegenstande haben.
[ 25 ] Indem die Kräfte, welche das Wesen der Pflanze organisieren, ins wirkliche Dasein treten, nehmen sie eine Reihe räumlicher Gestaltungsformen an. Es handelt sich nun um den lebendigen Begriff, welcher diese Formen rückwärts und vorwärts verbindet.
[ 26 ] Wenn wir die Metamorphosenlehre Goethes, wie sie uns aus dem Jahre 1790 vorliegt, betrachten, so finden wir darinnen, daß bei Goethe dieser Begriff der des wechselnden Ausdehnens und Zusammenziehens ist. Im Samen ist die Pflanzenbildung am stärksten zusammengezogen (konzentriert). Mit den Blättern erfolgt hierauf die erste Entfaltung, Ausdehnung der Bildungskräfte. Was im Samen auf einen Punkt zusammengedrängt ist, das tritt in den Blättern räumlich auseinander. Im Kelche ziehen sich die Kräfte wieder an einem Achsenpunkte zusammen; die Krone wird durch die nächste Ausdehnung bewirkt; Staubgefäße und Stempel entstehen durch die nächste Zusammenziehung; die Frucht durch die letzte (dritte) Ausdehnung, worauf sich die ganze Kraft des Pflanzenlebens (dies entelechische Prinzip) wieder im höchst zusammengezogenen Zustande im Samen verbirgt. Während wir nun so ziemlich alle Einzelheiten des Metamorphosengedankens bis zur endlichen Verwertung in dem 1790 erschienenen Aufsatze verfolgen können, wird es mit dem Begriffe der Ausdehnung und Zusammenziehung nicht so leicht gehen. Doch wird man nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß dieser übrigens tief in Goethes Geist wurzelnde Gedanke auch schon in Italien mit dem Begriffe der Pflanzenbildung verwebt wurde. Da der Inhalt dieses Gedankens die durch die bildenden Kräfte bedingte größere oder geringere räumliche Entfaltung ist, also in dem liegt, was sich an der Pflanze dem Auge unmittelbar darbietet, so wird er wohl dann am leichtesten entstehen, wenn man den Gesetzen der natürlichen Bildung gemäß die Pflanze zu zeichnen unternimmt. Nun fand Goethe in Rom einen strauchartigen Nelkenstock, welcher ihm die Metamorphose besonders klar zeigte. Darüber schreibt er nun: «Zur Aufbewahrung dieser Wundergestalt kein Mittel vor mir sehend, unternahm ich es, sie genau zu zeichnen, wobei ich immer zu mehrerer Einsicht in den Grundbegriff der Metamorphose gelangte.» 23Italienische Reise / Störende Naturbetrachtungen; vgl. auch den Brief Goethes an Knebel vom 18. Aug. 1787 (WA 8, 251). Solche Zeichnungen sind vielleicht noch öfters gemacht worden und dies konnte dann zu dem in Rede stehenden Begriff führen.*
[ 27 ] Im September 1787 bei seinem zweiten Aufenthalte in Rom trägt Goethe seinem Freunde Moritz die Sache vor; er findet dabei, wie lebendig, anschaulich die Sache bei einem solchen Vortrage wird. Es wird immer auf geschrieben, wie weit sie gekommen sind. Aus dieser Stelle und einigen anderen Äußerungen Goethes erscheint es wahrscheinlich, daß auch die Niederschrift der Metamorphosenlehre wenigstens aphoristisch noch in Italien geschehen ist. Er sagt weiter: «Auf diese Art - im Vortrage mit Moritz - konnt' ich allein etwas von meinen Gedanken zu Papier bringen.» 24Italienische Reise, 28. Sept. 1787. Es ist nun keine Frage, daß am Ende des Jahres 1789 und am Anfange des Jahres 1790 die Arbeit in der Gestalt, wie sie uns jetzt vorliegt, niedergeschrieben wurde; allein Inwieweit diese letztere Niederschrift bloß redaktioneller Natur war und was noch hinzukam, das wird schwer zu sagen sein. Ein für die nächste Ostermesse angekündigtes Buch, welches etwa dieselben Gedanken hätte enthalten können, verleitete ihn im Herbste 1789, seine Ideen vorzunehmen und ihre Veröffentlichung zu befördern. Am 20. November schreibt er dem Herzoge, daß er angespornt sei, seine botanischen Ideen zu schreiben. Am 18. Dezember überschickt er die Schrift bereits dem Botaniker Batsch in Jena zur Durchsicht; am 20. geht er selbst dorthin, um sich mit Batsch zu besprechen; am 22. meldet er Knebel, daß Batsch die Sache gut aufgenommen habe. Er kehrt nach Hause zurück, arbeitet die Schrift noch einmal durch, überschickt sie dann wieder an Batsch, der sie am 19. Januar 1790 zurückschickt. Welche Erlebnisse nun die Handschrift sowohl wie die Druckschrift machte, hat Goethe selbst ausführlich erzählt (siehe Natw. Schr., 1. Bd. [S. 91ff.]). Die große Bedeutung der Metamorphosenlehre, sowie das Wesen derselben im einzelnen werden wir unten [570ff.] in dem Aufsatze: «Über das Wesen und die Bedeutung von Goethes Schriften über organische Bildung» abhandeln.
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Goethean Science, Mercury Press 1988, tr. William Lindeman
2. How Goethe's Theory of Metamorphosis Arose
[ 1 ] If one traces the history of how Goethe's thoughts about the development of organisms arose, one can all too easily be come doubtful about the part one must ascribe to the early years of the poet, i.e., to the time before he went to Weimar. Goethe himself attached very little value to the natural-scientific knowledge he had in that period: “I had no idea what external nature actually means and not the slightest knowledge about its so-called three kingdoms.” On the basis of this statement, one usually thinks that his natural-scientific reflections began only after his arrival in Weimar. Nevertheless, it seems advisable to go back still further if one does not want to leave the whole spirit of his views unexplained. The enlivening power that guided his studies in the direction we want to describe later already manifests itself in earliest youth.
[ 2 ] When Goethe entered the University of Leipzig, that spirit was still entirely dominant in natural-scientific endeavors which is characteristic of a great part of the eighteenth century, and which sundered the whole of science into two extremes that one felt no need to unite. At one extreme there stood the philosophy of Christian Wolff (1679–1754), which moved entirely within an abstract element; at the other stood the individual branches of science that lost themselves in the outer description of endless details, and that lacked any effort to seek out a higher principle within the world of their particular objects of study. Wolff's kind of philosophy could not find its way out of the sphere of his general concepts into the realm of immediate reality, of individual existence. There the most obvious things were treated with all possible thoroughness. One discovered that a thing is a something that has no contradiction in itself, that there are finite and infinite substances, etc. But if one approached the things themselves with these generalities, in order to understand their life and working, one stood there completely at a loss; one could find no application of those concepts to the world in which we live and which we want to understand. The things themselves, however, that surround us were described in rather non-principle terms, purely according to their looks, according to their outer features. On the one hand, there was a science of principles that lacked living content, that did not delve lovingly into immediate reality; on the other hand, a science without principles, lacking all ideal content; each confronted the other without mediation; each was unfruitful for the other. Goethe's healthy nature found itself repelled in the same way by both kinds of one-sidedness3See Poetry and Truth, part 2, book 6 in his opposition to them, there developed within him the mental pictures that later led him to that fruitful grasp of nature in which idea and experience comprehensively interpenetrate each other, mutually enliven one another, and become one whole.
[ 3 ] The concept, therefore, that those two extremes could grasp the least emerged for Goethe as the very first: the concept of life. When we look at a living being according to its outer manifestation, it presents itself to us as a number of particulars manifesting as its members or organs. The description of these members, according to form, relative position, size, etc., can be the subject of the kind of extensive exposition to which the second of the two sciences we named devoted itself. But one can also describe in this same way any mechanical construction out of inorganic parts. One forgot completely that the main thing to keep in mind about the organism is the fact that here the outer manifestation is governed by an inner principle, that the whole works in every organ. That outer manifestation, the spatial juxtaposition of its parts, can also be observed after its life is destroyed, because it does still remain for a time. But what we have before us as a dead organism is in reality no longer an organism. That principle has disappeared which permeated all the particulars. In opposition to that way of looking at things which destroys life in order to know life Goethe early on established the possibility and need of a higher way. We see this already in a letter of July 14, 1770 from his Strassburg period, in which he speaks of a butterfly: “The poor creature trembles in the net, rubs off its most beautiful colours; and even if one captures it unharmed, it still lies there finally stiff and lifeless; the corpse is not the whole creature; something else belongs to it, a main part, and in this case as in every other, a most major main part: its life ...” The words in Faust [Part I, Study] also have their origin, in fact, from this same view:
[ 4 ] Who'll know aught living and describe it well,4All quotations from Faust are from George Madison Priest's translation.
Seeks first the spirit to expel.
He then has the component parts in hand
But lacks, alas! the spirit's bond.
[ 5 ] As one would fully expect from a nature like Goethe's, however, he did not stop with the negation of a view, but rather sought to develop his own view more and more; and we can very often find already in the indications we have about his thinking from 1769–1775 the germs of his later works. He was developing for himself the idea of a being in which each part enlivens the other, in which one principle imbues all the particulars. We read in Faust [Part I, Night]:
[ 6 ] Into the whole how all things blend,
Each in the other working, living!
[ 7 ] And in Satyros [Act 4]:
[ 8 ] How from no-thing the primal thing arose,
How power of light through the night did ring,
Imbuing the depths of the beings all;
Thus welled up desiring's surge.
And the elements disclosed themselves,
With hunger into one another poured,
All-imbuing, all-imbued.
[ 9 ] This being is conceived of as subject to continuous changes in time, but in all the stages of these changes only one being is always manifesting itself, a being that asserts itself as what endures, as what is constant within the change. About this primal thing (Urding), it is further stated in Satyros:
[ 10 ] And rolling up and down did go
The all and one eternal thing,
Ever changing, ever constant!
[ 11 ] Compare with this what Goethe wrote in 1807 as an introduction to his theory of metamorphosis: “But if we look at all forms, especially the organic ones, we find that nowhere is there anything enduring, anything at rest, anything complete, but rather it is far more the case that everything is in continuous motion and flux.” Over against this flux, Goethe there sets up the idea—or “a something held fast in the world of experience only for the moment”—as that which is constant. From the above passage from Satyros, one can see clearly enough that the foundation for Goethe's morphological ideas had already been laid before he came to Weimar.
[ 12 ] But we must firmly bear in mind that this idea of a living being is not applied right away to any single organism, but rather the entire universe is pictured as such a living being. What moves Goethe to this view, of course, is to be sought in his alchemistic studies with Fräulein von Klettenberg and in his reading of Theophrastus Paracelsus after his return from Leipzig (1768–69). Through one experiment or another, one sought to hold fast that principle which permeates the entire universe, to make it manifest within a substance.5Poetry and Truth, Part 2, Book 8. Nevertheless, this way of looking at the world, which borders on the mystical, represents only a passing episode in Goethe's development, and so on gives way to a healthier and more objective way of picturing things. But his view of the entire world as one great organism, as we find this indicated in the passages from Faust and from Satyros cited above, still stands until about 1780, as we shall see later from his essay on Nature. This view confronts us once more in Faust, at that place where the earth spirit is represented as that life principle which permeates the universal organism [Part I, Night]:
[ 13 ] In the tides of life, in actions' storm,
Up and down I wave,
To and fro weave free,
Birth and the grave,
An infinite sea,
A varied weaving,
A radiant living.
[ 14 ] As definite views were thus developing in Goethe's mind, there came into his hand in Strassburg a book that sought to propound a world view that was the exact antithesis of his own. It was Holbach's Système de la Nature.6Poetry and Truth, Part 3, book 11 Whereas until then he had only had to censure the fact that one described what is alive as though it were a mechanical accumulation of individual things, now he could get to know, in Holbach, a philosopher who really regarded what is alive as a mechanism. What, in the former case, sprang merely from an inability to know life down into its roots here leads to a dogma pernicious to life. In Poetry and Truth, Goethe says about this: “One matter supposedly exists from all eternity, and has moved for all eternity, and now with this motion supposedly brings forth right and left and on all sides, without more ado, the infinite phenomena of existence. We would indeed have been satisfied with this, if the author had really built up the world before our eyes out of his moving matter. But he might know as little about nature as we do, for as soon as he has staked up a few general concepts, he leaves nature at once, in order to transform what appears as something higher than nature, or as a higher nature in nature, into a nature that is material, heavy, moving, to be sure, but still without direction or shape, and he believes that he has gained a great deal by this.” Goethe could find nothing in this except “moving matter,” and in opposition to this, his concepts about nature took ever clearer form. We find these brought together and presented in his essay Nature, written about 1780. Since, in this essay, all Goethe's thoughts about nature—which until then we only find in scattered indications—are gathered together, it takes on special significance. The idea here confronts us of a being that is caught up in constant change and yet remains thereby ever the same: “All is new and ever the old.” “She (nature) transforms herself eternally, and there is within her no moment of standing still,” but “her laws are immutable.” We will see later that Goethe seeks the one archetypal plant within the endless multitude of plant forms. We also find this thought indicated here already: “Each of her (nature's) works has its own being, each of her manifestations has the most isolated concept, and yet all constitute one.” Yes, even the position he took later with respect to exceptional cases—namely, not to regard them simply as mistakes in development, but rather to explain them out of natural laws—is already very clearly expressed here: “Even the most unnatural is nature,” and “her exceptions are rare.”
[ 15 ] We have seen that Goethe had already developed for himself a definite concept of an organism before he came to Weimar. For, even though the above-mentioned essay Nature was written only long after his arrival there, it still contains for the most part earlier views of Goethe. He had not yet applied this concept to any particular genus of natural objects, to any individual beings. In order to do this he needed the concrete world of living beings within immediate reality. A reflection of nature, passed through the human mind, was absolutely not the element that could stimulate Goethe. His botanical conversations with Hofrat Ludwig in Leipzig remained just as much without any deeper effect as the dinner conversations with medical friends in Strassburg. With respect to scientific study, the young Goethe seems altogether to be like Faust, deprived of the freshness of firsthand beholding of nature, who expresses his longing for this in the words [Part I, Night]:
[ 16 ] Ah! Could I but on mountain height
Go onward in thy [the moon's] lovely light,
With spirits hover round mountain caves,
Weave over meadows thy twilight laves ...
[ 17 ] It seems a fulfillment of this longing when, with his arrival in Weimar, he is permitted “to exchange chamber and city air for the atmosphere of country, forest, and garden.”
[ 18 ] We have to regard as the immediate stimulus to his study of plants the poet's occupation of planting the garden given him by Duke Karl August. The acceptance of the garden by Goethe took place on April 21, 1776, and his diary, edited by R. Keil, informs us often from then on about Goethe's work in this garden, which becomes one of his favorite occupations. An added field for endeavors in this direction was afforded him by the forest of Thüringen, where he had the opportunity of acquainting himself also with the lower organisms in their manifestations of life. The mosses and lichens interest him especially. On October 31, 1777, he requests of Frau von Stein mosses of all sorts, with roots and damp, if possible, so that they can propagate themselves. We must consider it as highly significant that Goethe was already then occupying himself with this world of lower organisms and yet later derived the laws of plant organization from the higher plants. As we consider this fact, we should not attribute it, as many do, to Goethe's underestimation of the significance of less.
[ 19 ] From then on Goethe never leaves the plant realm. It is very possible that he took up Linnaeus' writings already quite early. We first hear of his acquaintance with them in letters to Frau von Stein in 1782.
[ 20 ] Linnaeus' endeavour was to bring a systematic overview into knowledge of the plants. A certain sequence was to be discovered, in which every organism has a definite place, so that one could easily find it at any time, so that one would have altogether, in fact, a means of orientation within the unlimited number of particulars. To this end the living beings had to be examined with respect to their degree of relatedness to each other and accordingly be arranged together in groups. Since the main point to all this was to know every plant and easily to find its place within the system, one had to be particularly attentive to those characteristics which distinguish one plant from another. In order to make it impossible to confuse one plant with another, one sought out primarily those distinguishing traits. In doing so, Linnaeus and his students regarded external traits—size, number, and location of individual organs—as characteristic. In this way the plants were indeed ordered sequentially, but just as one could also have ordered a number of inorganic bodies: according to characteristics taken, not from the inner nature of the plant, but from visual aspects. The plants appear in an external juxtaposition, without any inner necessary connection. Because of the significant concept he had of the nature of a living being, Goethe could not be satisfied by this way of looking at things. No effort was made there to seek out the essential being of the plant. Goethe had to ask himself the question: In what does that “something” consist which makes a particular being of nature into a plant? He had to recognize further that this something occurs in all plants in the same way. And yet the endless differentiation of the individual beings was there, needing to be explained. How does it come about that that oneness manifests itself in such manifold forms? These must have been the questions that Goethe raised in reading Linnaeus' writings, for he says of himself after all: “What he—Linnaeus—sought forcibly to keep apart had to strive for unity in accordance with the innermost need of my being.”
[ 21 ] Goethe's first acquaintance with Rousseau's botanical endeavors falls into about the same period as that with Linnaeus. On June 16, 1782, Goethe writes to Duke Karl August: “Among Rousseau's works there are some most delightful letters about botany, in which he presents this science to a lady in a most comprehensible and elegant way. It is a real model of how one should teach and it supplements Émile. I use it therefore as an excuse to recommend anew the beautiful realm of the flowers to my beautiful lady friends.” Rousseau's botanical endeavors must have made a deep impression on Goethe. The emphasis we find in Rousseau's work upon a nomenclature arising from the nature of the plants and corresponding to it, the freshness of his observations, his contemplation of the plants for their own sake, apart from any utilitarian considerations—all this was entirely in keeping with Goethe's way. And something else the two had in common was the fact that they had come to study the plant, not for any specific scientific purposes, but rather out of general human motives. The same interest drew them to the same thing.
[ 22 ] Goethe's next intensive observations in the plant world occur in the year 1784. Wilhelm Freiherr von Gleichen, called Russwurm, had published back then two works dealing with research of lively interest to Goethe: The Latest News from the Plant Realm7Das Neueste aus dem Reiche der Pflanzen, (Nürnberg 1764) and Special Microscopic Discoveries about Plants, Flowers and Blossoms, Insects, and other Noteworthy Things.8Auserlesene mikroskopische Entdeckungen bei Pflanzen, Blumen und Blüten, Insekten und anderen Merkwürdigkeiten, (Nürnberg 1777-81) Both works dealt with the processes of plant fertilization. Pollen, stamens, and pistil were carefully examined and the processes occurring there were portrayed in beautifully executed illustrations. Goethe now repeated these investigations. On January 12, 1785, he writes to Frau von Stein: “A microscope is set up in order, when spring arrives, to re-observe and verify the experiments of von Gleichen, called Russwurm.” During the same spring he also studies the nature of the seed, as a letter to Knebel on April 2, 1785 shows: “I have thought through the substance of the seed as far as my experiences reach.” For Goethe, the main thing in all these investigations is not the individual details; the goal of his efforts is to explore the essential being of the plant. On April 8, 1785, he reports to Merck that he “had made nice discoveries and combinations” in botany. The term “combinations” also shows us here that his intention is to construct for himself, through thinking, a picture of the processes in the plant world. His botanical studies now drew quickly near to a particular goal. To be sure, we must also now bear in mind that Goethe, in 1784, had already discovered the intermaxillary bone, which we will later discuss in detail, and that this discovery had brought him a significant step closer to the secret of how nature goes about its forming of organic beings. We must, moreover, bear in mind that the first part of Herder's Ideas on the Philosophy of History9Ideen zur Philosophie der Geschichte was completed in 1784 and that conversations between Goethe and Herder on things of nature were very frequent at that time. Thus, Frau von Stein reports to Knebel on May 1, 1784: “Herder's new book makes it likely that we were first plants and animals ... Goethe is now delving very thoughtfully into these things, and everything that has once passed through his mind becomes extremely interesting.” We see from this the nature of Goethe's interest at that time in the greatest questions of science. Therefore his reflections upon the nature of the plant and the combinations he made about it during the spring of 1785 seem quite comprehensible. In the middle of April of this year he goes to Belvedere expressly for the purpose of finding a solution to his doubts and questions, and on June 15, he communicates to Frau von Stein: “I cannot express to you how legible the book of nature is becoming for me; my long efforts at spelling have helped me; now suddenly it is working, and my quiet joy is inexpressible.” Shortly before this, in fact, he wants to write a short botanical treatise for Knebel in order to win him over to this science.10“I would gladly send you a little botanical essay, if only it were already written.” (Letter to Knebel, April 2, 1785) Botany draws him so strongly that his trip to Karlsbad, which he begins on June 20, 1785 in order to spend the summer there, turns into a journey of botanical study. Knebel accompanied him. Near Jena, they meet a seventeen-year-old youth, Friedrich Gottlieb Dietrich, whose specimen box showed that he was just returning from a botanical excursion. We hear more in detail about this interesting trip from Goethe's History of my Botanical Studies11Geschichte meines botanischen Studiums and from some reports of Ferdinand Cohn in Breslau, who was able to borrow them from one of Dietrich's manuscripts. In Karlsbad then, botanical conversations quite often afford pleasant entertainment. Back home again, Goethe devotes himself with great energy to the study of botany; in connection with Linnaeus' Philosophia Botanica, he makes certain observations about mushrooms, mosses, lichens, and algae, as we see from his letters to Frau von Stein. Only now, after he himself has already thought and observed a great deal, does Linnaeus become more useful to him; in Linnaeus he finds enlightenment about many details that help him forward in his combinations. On November 9, 1785, he reports to Frau von Stein: “I continue to read Linnaeus; I have to; I have no other book. It is the best way to read a book thoroughly, a way I must often practice, especially since I do not easily read a book to the end. This one, however, is not principally made for reading, but rather for review, and it serves me now excellently, since I have thought over most of its points myself.” During these studies it becomes ever clearer to him, that it is after all only one basic form that manifests in the endless multitude of single plant individuals; this basic form itself was also becoming ever more perceptible to him; he recognized further, that within this basic form, there lies the potential for endless transformation, by which manifoldness is created out of oneness. On July 9, 1786, he writes to Frau von Stein: “It is a becoming aware the ... form with which nature is always only playing, as it were, and in playing brings forth its manifold life.” Now the most important thing of all was to develop this lasting, this constant element this archetypal form with which nature, as it were, plays—to develop it in detail into a plastic configuration. In order to do this, one needed an opportunity to separate what is truly constant and enduring in the form of plants from what is changing and inconstant. For observations of this kind, Goethe had as yet explored too small an area. He had to observe one and the same plant under different conditions and influences; for only through this does the changeable element really become visible. In plants of different kinds this changeable element is less obvious. The journey to Italy that Goethe had undertaken from Karlsbad on September 3 and that gave him such happiness brought him all this. He made many observations already with respect to the flora of the Alps. He found here not merely new plants that he had never seen before, but also plants he knew already, but changed. “Whereas in lower-lying regions, branches and stems were stronger and thicker, the buds closer to each other, and the leaves broad, highest in the mountains, branches and stems became more delicate, the buds moved farther apart so that there was more space between nodes, and the leaves were more lance-shaped. I noticed this in a willow and in a gentian, and convinced myself that it was not because of different species, for example. Also, near the Walchensee I noticed longer and more slender rushes than in the lowlands.”12Italian Journey, October 8, 1786 Similar observations occurred repeatedly. By the sea near Venice, he discovers different plants that reveal characteristics that only the old salt of the sandy ground, but even more the salty air, could have given them. He found a plant there that looked to him like “our innocent coltsfoot, but here it was armed with sharp weapons, and the leaf was like leather, as were the seedpods and the stems also; everything was thick and fat.”13Italian Journey, September 8, 1786 Goethe there regarded all the outer characteristics of the plant, everything belonging to the visible aspect of the plant, as inconstant, as changing. From this he drew the conclusion that the essential being of the plant, therefore, does not lie in these characteristics, but rather must be sought at deeper levels. It was from observations similar to these of Goethe that Darwin also proceeded when he asserted his doubts about the constancy of the outer forms of genera and species. But the conclusions drawn by the two men are utterly different. Whereas Darwin believes the essential being of the organism to consist in fact only of these outer characteristics, and, from their changeability draws the conclusion that there is therefore nothing constant in the life of the plants, Goethe goes deeper and draws the conclusion that if those outer characteristics are not constant, then the constant element must be sought in something else that underlies those changeable outer aspects. It becomes Goethe's goal to develop this something else, whereas Darwin's efforts go in the direction of exploring and presenting the specific causes of that changeability. Both ways of looking at things are necessary and complement one another. It is completely erroneous to believe that Goethe's greatness in organic science is to be found in the view that he was a mere forerunner of Darwin. Goethe's way of looking at things is far broader; it comprises two aspects: 1. the typus, i.e., the lawfulness manifesting in the organism, the animalness of the animal, the life that gives form to itself out of itself, that has the power and ability—through the possibilities lying within it—to develop itself in manifold outer shapes (species, genera); 2. the interaction of the organism with inorganic nature and of the organisms with each other (adaptation and the struggle for existence). Darwin developed only the latter aspect of organic science. One cannot therefore say that Darwin's theory is the elaboration of Goethe's basic ideas, but rather that it is merely the elaboration of one aspect of his ideas. Darwin's theory looks only at those facts that cause the world of living beings to evolve in a certain way, but does not look at that “something” upon which those facts act determinatively. If only the one aspect is pursued, then it can also not lead to any complete theory of organisms; essentially, this must be pursued in the spirit of Goethe; the one aspect must be complemented and deepened by the other aspect of his theory. A simple comparison will make the matter clearer. Take a piece of lead; heat it into liquid form; and then pour it into cold water. The lead has gone through two states, two stages, one after the other; the first was brought about by the higher temperature, the second by the lower. Now the form that each stage takes does not depend only on the nature of warmth, but also depends quite essentially on the nature of the lead. A different body, if subjected to the same media, would manifest quite different states. Organisms also allow themselves to be influenced by the media surrounding them; they also, affected by these media, assume different states and do so, in fact, totally in accordance with their own nature, in accordance with that being which makes them organisms. And one does find this being in Goethe's ideas. Only someone who is equipped with an understanding for this being will be capable of grasping why organisms respond (react) to particular causes in precisely one way and in no other. Only such a person will be capable of correctly picturing to himself the changeability in the manifest forms of organisms and the related laws of adaptation and of the struggle for existence.14It is certainly unnecessary to state that the modern theory of evolution should not at all be placed in doubt by this, or that its assertions should be curtailed by it; on the contrary, only it provides a secure foundation for them.
[ 23 ] Goethe's thought about the archetypal plant (Urpflanze) takes on ever clearer and more definite shape in his mind. In the botanical garden in Padua (Italian Journey, September 27, 1786), where he goes about in a vegetation strange to him, “The thought becomes ever more alive to him that one could perhaps develop for oneself all the plant shapes out of one shape.” On November 17, 1786, he writes to Knebel: “My little bit of botany is for the first time a real pleasure to have, in these lands where a happier, less intermittent vegetation is at home. I have already made some really nice general observations whose consequences will also please you.” On February 19, 1787 (see Italian Journey), he writes in Rome that he is on his way “to discovering beautiful new relationships showing how nature achieves something tremendous that looks like nothing: out of the simple to evolve the most manifold.” On March 25, he asks that Herder be told that he will soon be ready with his archetypal plant. On April 17 (see Italian Journey) in Palermo? he writes down the following words about the archetypal plant: “There must after all be such a one! How would I otherwise know that this or that formation is a plant, if they were not all formed according to the same model.” He had in mind the complex of developmental laws that organizes the plant, that makes it into what it is, and through which, with respect to a particular object of nature, we arrive at the thought, “This is a plant”: all that is the archetypal plant. As such, the archetypal plant is something ideal something that can only be held in thought; but it takes on shape, it takes on a certain form, size, colour, number of organs, etc. This outer shape is nothing fixed, but rather can suffer endless transformations, which are all in accordance with that complex of developmental laws and follow necessarily from it. If one has grasped these developmental laws, this archetypal picture of the plant, then one is holding, in the form of an idea, that upon which nature as it were founds every single plant individual, and from which nature consequentially derives each plant and allows it to come into being. Yes, one can even invent plant shapes, in accordance with this law, which could emerge by necessity from the being of the plant and which could exist if the necessary conditions arose for this. Thus Goethe seeks, as it were, to copy in spirit what nature accomplishes in the forming of its beings. On May 17, 1787, he writes to Herder: “Furthermore, I must confide to you that I am very close to discovering the secret of plant generation and organization, and that it is the simplest thing one could imagine ... The archetypal plant will be the most magnificent creation in the world, for which nature itself will envy me. With this model and the key to it, one can then go on inventing plants forever that must follow lawfully; that means: which, even if they don't exist, still could exist, and are not, for example? the shadows and illusions of painters or poets but rather have an inner truth and necessity. The same law can be applied to all other living things.” A further difference between Goethe's view and that of Darwin emerges here, especially if one considers how Darwin's view is usually propounded.15What we have here is not so much the theory of evolution of those natural scientists who base themselves on sense-perceptible empiricism, but far more the theoretical foundations, the principles, that are laid into the foundations of Darwinism; especially by the Jena school, of course, with Haeckel in the vanguard; in this first-class mind, Darwin's teachings, in all their one-sidedness, have certainly found their consequential development. It assumes that outer influences work upon the nature of an organism like mechanical causes and change it accordingly. For Goethe, the individual changes are the various expressions of the archetypal organism that has within itself the ability to take on manifold shapes and that, in any given case, takes on the shape most suited to the surrounding conditions in the outer world. These outer conditions merely bring it about that the inner formative forces come to manifestation in a particular way. These forces alone are the constitutive principle, the creative element in the plant. Therefore, on September 6, 1787 (Italian Journey), Goethe also calls it a hen kai pan (a one and all) of the plant world.
[ 24 ] If we now enter in detail into this archetypal plant itself, the following can be said about it. The living entity is a self contained whole, which brings forth its states of being from out of itself. Both in the juxtaposition of its members and in the temporal sequence of its states of being, there is a reciprocal relationship present, which does not appear to be determined by the sense-perceptible characteristics of its members, nor by any mechanical-causal determining of the later by the earlier, but which is governed by a higher principle standing over the members and the states of being. The fact that one particular state is brought forth first and another one last is determined in the nature of the whole; and the sequence of the intermediary states is also determined by the idea of the whole; what comes before is dependent upon what comes after, and vice versa; in short, within the living organism, there is development of one thing out of the other, a transition of states of being into one another; no finished, closed-off existence of the single thing, but rather continuous becoming. In the plant, this determination of each individual member by the whole arises insofar as every organ is built according to the same basic form. On May 17, 1787 (Italian Journey)), Goethe communicates these thoughts to Herder in the following words: “It became clear to me, namely, that within that organ (of the plant) that we usually address as leaf, there lies hidden the true Proteus that can conceal and manifest itself in every shape. Any way you look at it, the plant is always only leaf, so inseparably joined with the future germ that one cannot think the one without the other.” Whereas in the animal that higher principle that governs every detail appears concretely before us as that which moves the organs and uses them in accordance with its needs, etc., the plant is still lacking any such real life principle; in the plant, this life principle still manifests itself only in the more indistinct way that all its organs are built according to the same formative type—in fact, that the whole plant is contained as possibility in every part and, under favorable conditions, can also be brought forth from any part. This became especially clear to Goethe in Rome when Councilor Reiffenstein, during a walk with him, broke off a branch here and there and asserted that if it were stuck in the ground it would have to grow and develop into a whole plant. The plant is therefore a being that successively develops certain organs that are all—both in their interrelationships and in the relationship of each to the whole—built according to one and the same idea. Every plant is a harmonious whole composed of plants.16We will have occasion at various places to demonstrate in what sense these individual parts relate to the whole. If we wanted to borrow a concept of modern science for such working together of living partial entities into one whole, we might take for example that of a “stock” in zoology. This is a kind of statehood of living entities, an individual that itself further consists of independent individuals, an individual of a higher sort. When Goethe saw this clearly, his only remaining concern was with the individual observations that would make it possible to set forth in detail the various stages of development that the plant brings forth from itself. For this also, what was needed had already occurred. We have seen that in the spring of 1785 Goethe had already made a study of seeds; on May 17, 1787, from Italy, he announces to Herder that he has quite clearly and without any doubt found the point where the germ (Keim) lies. That took care of the first stage of plant life. But the unity of structure in all leaves also soon revealed itself visibly enough. Along with numerous other examples showing this, Goethe found above all in fresh fennel a difference between the lower and upper leaves, which nevertheless are always the same organ. On March 25 (Italian Journey), he asks Herder to be informed that his theory about the cotyledons was already so refined that one could scarcely go further with it. Only one small step remained to be taken in order also to regard the petals, the stamens, and the pistil as metamorphosed leaves. The research of the English botanist Hill could lead to this; his research was becoming more generally known at that time, and dealt with the transformation of individual flower organs into other ones.
[ 25 ] As the forces that organize the being of the plant come into actual existence, they take on a series of structural forms in space. Then it is a question of the big concept that connects these forms backwards and forwards.
[ 26 ] When we look at Goethe's theory of metamorphosis, as it appears to us in the year 1790, we find that for Goethe this concept is one of calculating expansion and contraction. In the seed, the plant formation is most strongly contracted (concentrated). With the leaves there follows the first unfolding, the first expansion of the formative forces. That which, in the seed, is compressed into a plant now spreads out spatially in the leaves. In the calyx the forces again draw together around an axial point; the corolla is produced by the next expansion; stamens and pistil come about through the next contraction; the fruit arises through the last (third) expansion, whereupon the whole force of plant life (its entelechical principle) conceals itself again, in its most highly concentrated state, in the seed. Although we now can follow nearly all the details of Goethe's thoughts on metamorphosis up to their final realization in the essay that appeared in 1790, it is not so easy to do the same thing with the concept of expansion and contraction. Still one will not go wrong in assuming that this thought, which anyway is deeply rooted in Goethe's spirit, was also woven by him already in Italy into his concept of plant formation. Since a greater or lesser spatial development, which is determined by the formative forces, is the content of this thought, and since this content therefore consists in what the plant presents directly to the eye, this content will certainly arise most easily when one undertakes to draw the plant in accordance with the laws of natural formation. Goethe found now a bush-like carnation plant in Rome that showed him metamorphosis with particular clarity. He writes about this: “Seeing no way to preserve this marvelous shape, I undertook to draw it exactly, and in doing so attained ever more insight into the basic concept of metamorphosis.” Perhaps such drawings were often made and this could then have led to the concept we are considering.
[ 27 ] In September 1787, during his second stay in Rome, Goethe expounds the matter to his friend Moritz; in doing so he discovers how alive and perceptible the matter becomes through such a presentation. He always writes down how far they have gotten. To judge by this passage and by a few other statements of Goethe's, it seems likely that the writing down of his theory of metamorphosis—at least aphoristically occurred already in Italy. He states further: “Only in this way—through presenting it to Moritz—could I get something of my thoughts down on paper.” There is now no doubt about the fact that this work, in the form in which we now have it, was written down at the end of 1789 and the beginning of 1790; but it would be difficult to say how much of this latter manuscript was a mere editing and how much was added then. A book announced for the next Easter season, which could have contained something of the same thoughts, induced him in the autumn of 1789 to take his thoughts in hand and to arrange lot their publication. On November 20, he writes to the Duke that he is spurred on to write down his botanical ideas. On December 18, he sends the manuscript already to the botanist Batsch in Jena for him to look over; on the 20th, he goes there himself in order to discuss it with Batsch; on the 22nd, he informs Knebel that Batsch has given the matter a favorable reception. He returns home, works the manuscript through once more, and then sends it to Batsch again, who returns it to him on January 19, 1790. Goethe himself has recounted in detail the experiences undergone by the handwritten manuscript as well as by the printed edition. Later, in the section on “The Nature and Significance of Goethe's Writings on Organic Development,” we will deal with the great significance of Goethe's theory of metamorphosis, as well as with the detailed nature of this theory.
