Editorische Nachworte zu
Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften
in der Weimarer Ausgabe
1891–1896
GA 1f
1892, Weimar
Band 7: Zur Morphologie II
[Einleitung zu den Lesarten, S. 227-232:]
Der vorliegende zweite Band der Morphologie, der siebente der naturwissenschaftlichen Schriften, dient zunächst in zweifacher Beziehung seinem Vorgänger zur Ergänzung und Erweiterung. Erstens bringt er alle Arbeiten Goethes, die noch nicht unter der Herrschaft des Gedankens der Metamorphosenlehre stehen, sondern in denen sich noch ein Ringen nach den Grundprincipien seiner Ansichten über organische Naturen findet. Zweitens sind hier diejenigen Aufsätze zusammengestellt, in denen sich Goethe von dem gewonnenen Standpuncte aus mit gleichzeitigen und geschichtlichen Erscheinungen über die Wissenschaft des Organischen auseinandersetzt. In die erste Reihe gehören die unter dem Namen «Vorarbeiten zur Morphologie» (S. 5-33) zusammengefassten Ausführungen Goethes. Dieselben rühren offenbar aus einer Zeit her, wo der Gedanke der Identität aller Pflanzenorgane bei ihm noch keine klare Form angenommen hatte. Sie sind zum Theil dictirt, zum Theil eigenhändig niedergeschrieben (siehe «Handschriften»). Eng mit ihnen hängen die unter «Paralipomena I» mitgetheilten Aufzeichnungen Goethes aus Italien zusammen. Darinnen sehen wir die erste Gestalt vieler für die «Morphologie» massgebenden Gedanken. So bildeten sie sich in Goethes Geist aus, bevor sie sich zu einer systematischen Form zusammenschlossen. Das Capitel «Paralipomena I» stellt das erste Glied einer aufsteigenden Gedankenentwicklung dar, die uns über die «Vorarbeiten zur Morphologie» bis zur reifen Ausbildung von Goethes Anschauungen in der 1790 erschienenen «Metamorphose der Pflanzen» führt. Einer noch ganz unklaren Stufe gehören die Arbeiten über Infusorien (Paralipomena II) an. Hier blickt die Idee der Metamorphose noch nirgends durch. Sie zeigen uns Goethe auf der allerersten Stufe des Suchens, wo er bemüht ist, durch rein empirische Zusammenstellung von Erscheinungen und deren allseitige Betrachtung unter den verschiedensten Umständen, Maximen aufzusuchen, in denen sich die Lebenserscheinungen aussprechen lassen. Diese Aufzeichnungen rühren, wie aus den in ihnen gemachten Zeitangaben ersichtlich ist, aus dem Jahre 1786 her.
Der zweiten Reihe gehören die Aufsätze S. 35-214 an. In dem Aufsatz «Über die Spiraltendenz der Vegetation» sucht Goethe seine Metamorphosenlehre in Einklang zu bringen mit den von Martius 1828 und 1829 bei den Zusammenkünften deutscher Naturforscher zu München und Berlin (abgedruckt in der Isis 1828 S. 522 und 1829 S. 333) vertretenen Ansichten über die spirale und verticale Tendenz im Pflanzenwachsthum. Der Aufsatz wurde von Goethe zuerst am Schlusse der Ausgabe der «Meramorphose» von 1831 in jener kürzeren Form mitgetheilt, die wir in den Paralipomenis bringen. In der hier abgedruckten Gestalt stand er zuerst in den Nachgelassenen Werken (Band LV S. 95-128). Die einzelnen Theile, aus denen sich derselbe zusammensetzt, sind handschriftlich in drei Heften enthalten. In letzteren finden sich ausserdem noch Vorarbeiten dazu (siehe «Paralipomena»). Wie die Angaben des Datums S. 68 und Goethes eigenhändige Notiz auf dem Umschlag des ersten Heftes: «Spiral-Tendenz 1829» bezeugen, sind diese Theile in den Jahren 1829-1832 entstanden. Im Tagebuch notirt Goethe unter dem 26. December 1829: «Ich hatte die Lehre von der Spiraltendenz der Pflanzen im Sinne». Schon am 27. beginnt er das Studium der Aufsätze in der Isis, sowie das Aufzeichnen seiner Gedanken über die Spiraltendenz. Er kommt dann wiederholt auf die Sache zurück, nimmt am 14. Januar 1831 nochmals Martius’ Aufsätze vor, um an seinen aphoristischen Bemerkungen darüber fortzufahren. Der Aufsatz ist, wie aus 68,7 ersichtlich, im Herbst 1831 beendet. Im Manuscript steht am Ende des Aufsatzes allerdings: W. d. 4. Februar 1831. Die Reihenfolge, in der sie in unserem Bande erscheinen, ist nicht genau die des Manuscriptes, sondern die durch am Rande beigefügte Ziffern bezeichnete. Sie ist auch in den Nachgelassenen Schriften eingehalten. Diese Ziffern sind von Eckermanns Hand. S. 69-129 sind unter dem allgemeinen Titel: «Aufsätze zur allgemeinen Pflanzenkunde und Recensionen» Aufsätze vereinigt, in denen Goethe: 1. die Beziehung seiner Metamorphosen-Idee zu Blumenbachs «Bildungstrieb» (S. 71-73) sucht; 2. sich mit dem Botaniker Ernst Meyer über das Verhältniss der «Metamorphose» zur Theorie der Arten und zu einem System der natürlichen Bildungen und Wesen auseinandersetzt (S. 74-92); 3. Humboldts «Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse» (S. 93-100), Wilbrands und Ritgens «Gemälde der organischen Natur» (S. 101-103) und Fr. S. Voigts «System der Natur und ihrer Geschichte» (S. 104) von seinem Standpuncte aus zu würdigen sucht; endlich 4. das Verhältniss seiner eigenen Gedanken über organische Bildung zu denen des von de Candolle als Vorläufer bezeichneten Joachim Jungius untersucht. S. 71-104 ist handschriftlich nicht erhalten. 71-73 ist zuerst gedruckt: Morphologie Band I. Heft 2. S. 114-116, 74-92 ebenda Band II. Heft 1. S. 28-45, 93-100 in der Jenaischen Literaturzeitung 1806 S. 489-492, 101-102. Zur Morphologie Band I. Heft 4. S. 353-354, 103-104 ebenda Band II. Heft 1. S. 63-64. S. 105-129 ist handschriftlich in einem Hefte erhalten (siehe Handschriften S. 233) und zwar gerade so wie 37-68 in einzelnen zu verschiedenen Zeiten entstandenen Absätzen. Die Reihenfolge ist durch Ziffern festgesetzt, die von Riemers Hand herrühren. Dieselbe hat schon Guhrauer in seinem 1850 besorgten Abdrucke (in «Joachim Jungius und sein Zeitalter.» von Guhrauer) eingehalten. Die Angaben 123,8 (vergl. auch in den Lesarten zu 119,4) ferner der Umstand, dass dem Manuscript eine Abschrift des Artikels über Jungius aus Zedlers Universal-Lexicon beiliegt, auf dem das Datum 8. März 1831 steht, beweisen, dass die Abfassung der Arbeit in das Jahr 1831 fällt. Goethes Beschäftigung damit muss aber früher angesetzt werden. De Candolles «Organographie», die ihm Veranlassung gab (vergl. 105,4-12), erschien 1827. Goethe las sie im Sommer 1828, vom 13. Juni an, wie das Tagebuch ausweist. In letzterem finden wir die erste auf Jungius bezügliche Notiz 23. Juli 1828. Die erhaltenen Empfangsscheine weisen aus, dass Goethe am 10. Juli 1828 folgende Werke Jungius aus der Jenaischen Bibliothek ausgeliehen hat: Germania superior. Hamb. 1685, Mineralia. Hamburgi 1689; Logica Hamburgensis 1681. Goethe liess aber das Studium der Werke von Jungius nicht mehr aus den Augen. Am 5. Nov. 1831 lässt er sich (nach dem Tagebuche) die Logica Hamburgensis ein zweites mal schicken. Wir bringen im Anschlusse an die ausgeführteren Theile des Aufsatzes auch die Skizzen und die Auszüge aus Jungius’ Werken, die sich Goethe anlegte, weil sie ungefähr die Gestalt veranschaulichen, die derselbe zuletzt hätte annehmen sollen. Für die Theile, die nicht ausgeführt wurden, müssen diese Entwürfe in den Text eintreten, um das Bild zu vervollständigen. S. 131-149 bringt einen bisher ungedruckten Aufsatz, in dem Goethe die von Knecht für den Weinbau aufgestellten Grundsätze und Regeln durch die Metamorphosenlehre zu beleuchten sucht. Die Beschäftigung mit diesem Gegenstande beginnt nach dem Tagebuche am 3. August 1828. Die Zeiten, in denen der Aufsatz ausgearbeitet worden ist, sind aus den Angaben 134,4; 138,15; 147,11 ersichtlich. 151-164 enthält eine bisher ungedruckte Übersetzung des Capitels «De la symetrie vegetale» aus de Candolles «Organographie vegetale» aus welchem hervorgeht, wie nahe die Grundgedanken dieses französischen Forschers den Goethischen stehen. Goethe beabsichtigte ursprünglich diese Übersetzung der Ausgabe der «Metamorphose» von 1831 beizufügen, wie aus einem Blatte ersichtlich ist, auf dem Goethe den Inhalt dieser Ausgabe, wie er ihn sich zuerst dachte, verzeichnet hat. Die Abfassungszeit ist aus dem Datum S. 164 ersichtlich. Goethe begann nach dem Tagebuche die Übersetzung am 31. Juli 1828 in Dornburg. S. 165-214 enthalten Goethes Aufsatz über den zwischen Geoffroy de SaintHilaire und Cuvier im März 1830 ausgebrochenen naturwissenschaftlichen Streit. Derselbe erschien zuerst in den Berliner «Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik» 1830. 2. Band. September No. 52/53 und 1832 März No. 51/52. Der ersten Spur davon, dass sich Goethe für diesen Streit interessirt, begegnen wir im Tagebuche unter dem 7. Mai 1830, wo er sich mit dem Canzler von Müller über den Gegenstand unterhält. Die eigentliche Beschäftigung damit beginnt (Tagebuch) am 19. Juli, und am 27. desselben Monats fängt er bereits an, an dem Aufsatz zu dictiren. Vom September des Jahres an ruht die Sache etwas; am 12. November 1831 nimmt sie Goethe wieder auf und arbeitet dann den zweiten Theil des Aufsatzes aus, den er im März 1832 (vgl. 214,23) vollendet. 215-224 ist ein bisher ungedruckter Aufsatz Goethes über die naturphilosophische Grundlage seiner Organik. Er erscheint hier am Ende der Morphologie gedruckt, weil er den Gedanken der Metamorphosenlehre zu dem einer allgemeinen Vergleichungslehre zu erweitern sucht. Obwohl wahrscheinlich am Anfange der neunziger Jahre geschrieben (sie ist in Götzes Handschrift erhalten) zieht diese Abhandlung doch wahrhaft die letzte Consequenz der Goethischen Organik, welche darinnen ausserdem durch die Auseinandersetzung über die teleologische Weltanschauung zu den höchsten Gebieten der allgemeinen Naturphilosophie in Beziehung gebracht wird.
Eine relativ selbständige Stellung nimmt das Capitel «Paralipomena III» ein, in welchem Goethe die Resultate seiner, Band 6. II. Abth. 17,4-9 erwähnten Versuche über die Wirkung des Lichtes auf organische Körper tagebuchartig verzeichnet. Wie aus dem Datum auf dem Umschlage ersichtlich ist, rühren diese Versuche aus dem Jahre 1796 her. Was sonst noch an Skizzen und Vorarbeiten u.s.w. vorhanden ist, bringen die folgenden Capitel der Paralipomena.
Wir hielten es für zweckmässig in den Text und in die Paralipomena an einzelnen Stellen bildliche Darstellungen einzuschalten. Wir sind dabei dem Grundsatze gefolgt, jene zumeist skizzenhaften Zeichnungen Goethes aufzunehmen, die sich eng an den Text anschliessen, neben und in welchem sie stehen. Wo das nicht der Fall ist, wo Bild und Wort nicht gewissermassen zwei Seiten eines und desselben Gedankens aussprechen, haben wir von der Aufnahme von Bildern abgesehen. Deshalb erscheinen die im Goethe-National-Museum vorhandenen, unter Paralipomena IV erwähnten Zeichnungen nicht in diesem Bande.
Herausgeber dieses Bandes ist Rudolf Steiner; wie die Einrichtung überhaupt, so wurden sachliche und namentlich philologische Fragen auch diesmal durch Besprechungen mit dem Redactor Bernhard Suphan erledigt, der schon während der Vorarbeiten den Herausgeber mit seinem Rathe vielfach unterstützte und durch Superrevision für die Genauigkeit des Druckes mit bemüht gewesen ist.
[Ausgewählte Texte in den Lesarten:]
[S. 234] Evolutionisten, jene Naturforscher, die annehmen alle Organe, die an einem Naturwesen im Laufe der Zeit sichtbar werden, seien bereits im Keime in verborgener Gestalt vorhanden.
[Sacherläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA 117, 8.15; LA 110, 55.32]
Tau in der Weimarer Ausgabe (1891-1896) Seite 33 Weimarer Ausgabe II 7
[S. 234-235] Epigenesisten, jene welche annehmen, jedes folgende Organ entstehe immer erst aus dem unmittelbar vorhergehenden.
[Sacherläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA 117, 8.16; LA 1 10, 55.33]
[S. 236] Kreise ihrer Natur d.h. wenn sie durch irgendeinen Einfluss veranlasst werden, solche Formen anzunehmen, die sie, bloss sich selbst überlassen, nicht annehmen, die aber gerade jene Bildungsgesetze verrathen, die im normalen Pflanzenleben zwar bestimmend aber oft nicht sichtbar sind.
[Sacherläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA 117, 17.6; LAT 10, 62.17]
[S. 237] Diese Pflanzen haben Veranlassung gegeben, die Cotyledonen nicht als Blätter anzusehen und sind deshalb der Grund davon gewesen, dass man die Identität der Pflanzenorgane so lange nicht eingesehen hart.
[Sacherläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA 117, 22.10-14; LA 110, 42.20-23]
[S. 237] Räumung. In [der Handschrift aus Goethes Hand] H schwer zu lesen, weil über dem ersten Buchstaben ein Tintenfleck, äumung ist deutlich. Man könnte daran denken, dass Räumung gleichbedeutend mit Ausdehnung gebraucht ist und der Wurzelpunct wegen der grösseren Ausdehnung zu wenig Feuchtigkeit vorfindet. Möglich aber wäre auch, dass einfach Keimung zu lesen sei.
[Erläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA 117, 26.1; LA 110, 44.37]
[S. 237] Vergl. Paralipomena. Hier müsste eigentlich ein neuer Absatz beginnen, entsprechend 24.9 [im selben Aufsatz]. Goethe hat aber offenbar darauf im Dictieren nicht geachtet. Deshalb wollen wir hier auch die Sache getreu der Handschrift wiedergeben, da dies dem Goethischen Gedankenfluss genauer entspricht, der ungeachtet des Übergangs auf einen neuen Gegenstand von dem wesentlichen innern Kern der Sache in Anspruch genommen war.
[Erläuterung zu Goethes Text Vorarbeiten zur Morphologie: WA II 7, 26.9; LA 110, 45.6]
[S. 252] Von dem Gesetzlichen der Pflanzenbildung. (S. 151-164.) Dieser Aufsatz ist eine Übersetzung des dritten Capitels von De Candolles Organographie vegetale Band II S. 226-244. [...] Wir geben ausser den Lesarten der Handschriften auch für einzelne Worte und Wendungen den französischen Texte an, und zwar in den Fällen, wo die Übersetzung so weit eine freie ist, dass sie uns für Goethes Sprache und Ausdrucksweise charakteristisch erscheint.
[Vorbemerkung zu Goethes Text: WA 11 7, 153-164; LA I 10, 241-248]
[S: 269] Versuch einer allgemeinen Vergleichungslehre. (S. 209-224.) Dieser Aufsatz ist in Goethes Handschrift erhalten. Goethe scheint sie, nachdem sie dictirt war, nicht wieder angesehen zu haben. Wir finden in dem sehr mangelhaft geschriebenen Manuscript nur an einigen Stellen Bleistiftcorrecturen von Riemers Hand. Um einen sinngemässen und stilistisch richtigen Satzbau heraus zu bekommen, musste dieses Manuscript daher an vielen Stellen corrigirt werden. Wir geben die Abweichungen desselben unserem Drucke gegenüber im folgenden an.
[Vorbemerkung zu Goethes Text: WA I1 7, 217-224; LA I 10, 118-122; GA 1e, 573-577]
[S. 271] Wir drucken dieses nach und die Vorsilbe um in dem Worte umbilden gesperrt, weil sie das Verhältniss des Gegensatzes bezeichnen, auf den es hier ankommt.
[Erläuterung zu Goethes Text Versuch einer allgemeinen Vergleichungslehre: WA 117, 222.5-6; LA I 10, 121.14-15, GA le, 576.14-15]
[S. 273-274] Paralipomena I. Morphologische Studien in Italien. Das unter dieser Überschrift Untergebrachte enthält Goethes Gedanken über Pflanzenwesen und Pflanzenleben, wie er sich sie auf seiner italienischen Reise aufgezeichnet hat. Bunt durcheinander finden sich allgemeine Ideen und Bemerkungen über Einzelnes, was Goethe unter dem Eindrucke einer von der deutschen so vielfach abweichenden Pflanzenwelt klar wurde. Wir sehen in ihnen die Grundzüge seiner Metamorphosenlehre entstehen. Die Umwandlungsfähigkeit der Pflanzenorgane und das Wesen des Blattes verfolgte er bei jeder Gelegenheit, die sich ihm darbot. So kam er immer mehr dahin, ein ideelles Grundorgan zu suchen, das, in verschiedener Weise modificirt, sich in den sichtbaren Organen der Pflanze auslebt. Ebenso suchte er die im Pflanzenleben wirksame Kraft als eine stetige und unendliche zu begreifen, die jene Modification der Organe bewirkt, aber sich auch über das Individuum hinaus fortsetzt, dann getrennt auftritt und die Geschlechtswirkung erzeugt. Gerade diese Blätter beweisen, dass der Hauptzug in Goethes Denken nicht darauf hinausging den abstracten Gedanken durchzuführen, dass jedes Pflanzenorgan Blatt sei, sondern vielmehr darauf, die Einheit des wirkenden Agens im ganzen Pflanzenindividuum und zuletzt in der ganzen Pflanzenwelt zu begreifen. Diese Bemerkungen stehen auf kleinen Zetteln, die zu einem Heftchen zusammengenäht waren, ganz in der Art wie jene, auf denen Goethe die Ideen zur Nausikaa aufzeichnete. Diese Papiere wurden von Bernhard Suphan geordnet und nach den Materien, denen sie angehören, zusammengestellt. Der auf Botanik bezügliche Theil umfasst das Folgende. Das Ganze ist von Goethes eigener Hand geschrieben.
[Vorbemerkung zu den folgenden Texten von Goethe: WA I1 7, 274-288; LA II9A 52-62 (M 39), 51-52 (M 38), 62-68 (M 40), 50 (M 36)]
[S. 342] Paralipomena IV. In diesem Capitel sind jene Arbeiten vereinigt, die nicht dem Goethe’schen «System der Botanik» angehören, oder unmittelbar daraus folgen, sondern über botanische Dinge in einer nicht als Consequenz des Metamorphosengedankens zu bezeichnenden Weise handeln. Was Goethe über Pflanzenlehre wichtigeres gedacht und in keinen Anschluss an die Metamorphosenlehre gebracht hat, erscheint hier. Nur der erste Aufsatz (A) [über die Spiraltendenz] macht eine Ausnahme. (Siehe unten).
[Vorbemerkung zu den folgenden Texten von Goethe: (A): WA 11 7, 342346, LA I 10, 339-342; (B)-(H): WA II 7, 346-356, LA I 10, 216-218, LA 19, 328-329, LA I 10, 260, 260, 258-259, 23, 24; teilweise in GA la, 189-191]
[S. 363] Paralipomena VI. Zu den einzelnen Aufsätzen Goethes über botanische Gegenstände sind eine Fülle von Vorarbeiten und an die einzelnen Parthieen sich anschliessenden Ausführungen vorhanden. Dieselben in ihrer vollen Ausdehnung mitzutheilen, wäre ganz werthlos. Nur was etwa wirklich zum Gedankeninhalt ergänzendes hinzukommt, soll am Schluss als: «Einzelne Bemerkungen» stehen. Alles übrige hat keinen sachlichen Werth, wenn man die Ideen, die in Band 6 und 7 mitgetheilt sind, kennt. Wir bringen hier davon nur soviel noch nach, als nothwendig erscheint, um Goethes Arbeitsweise kennen zu lernen. Dabei sollen solche Stücke ausgewählt werden, die für diesen Zweck besonders charakteristisch sind. Wir theilen dieselben ein in «Dispositionen» und «Skizzen zu einzelnen Theoremen». Goethe hat offenbar immer in der Weise gearbeitet, dass er sich den Gedankengang einer Arbeit vollständig skizzirte und dann mit dieser Disposition in der Hand einem Schreiber die Ausführung dictirte. Alles folgende ist noch unveröffentlicht.
[Vorbemerkung zu den folgenden Texten von Goethe: A. Dispositionen, WA 117, 363-368; B. Skizzen einzelner Theoreme, WA II 7, 368-370; ©. Einzelne Bemerkungen, WA I 7, 370-372; LA: siehe Konkordanz, S. 159]
