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Editorische Nachworte zu
Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften
in der Weimarer Ausgabe
1891–1896
GA 1f

1892, Weimar

Band 9: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Mineralogie und Geologie I

[Einleitung zu den Lesarten, S. 309-314:]

Der vorliegende neunte Band der naturwissenschaftlichen Schriften enthält alle Goethe’schen Arbeiten, die geeignet sind, einen Umriss der Gesammtheit seiner geologischen Ideen zu geben. Ausführungen über Einzelfragen, Untersuchungen, die von dem Hauptwege abgehen und in Seitenpfade sich verlieren, sind hier weggelassen. Sie wurden in Band 10 verwiesen. Band 9 und 10 verhalten sich in dieser Richtung hinsichtlich der geologischen Arbeiten Goethes wie Band 6 und 7 in Bezug auf die Morphologie. Die Vertheilung des Stoffes wurde in diesem Bande so vorgenommen, wie es dem Goethe’schen Denken am besten entspricht. Dasselbe stieg auf von der Betrachtung des empirischen Materiales zu theoretischen Erwägungen über die Entstehung einzelner geologischer Gebilde und erhob sich zuletzt zu einer umfassenden Ansicht über Erd- und Weltbildung. Diese Stufen folgen natürlich in Goethes Entwicklung nicht zeitlich aufeinander, aber seine Gedankenmassen stehen inhaltlich in der damit gekennzeichneten Ordnung und gegenseitigen Abhängigkeit. Diesem Umstande gemäss zerfällt der Inhalt des Bandes in drei Massen; die erste: Zur Kenntniss der böhmischen Gebirge und der in andern Gegenden, S. 1-168; die zweite: Über die Entstehung und Bedeutung des Granits und anderer Gesteine, S. 169-225; die dritte: Geologische Theorieen, S. 229-306. Die Arbeiten über Karlsbader geologische Verhältnisse, S. 7-39, die bei Goethes Karlsbader Aufenthalt 1807 entstanden, sind nicht diejenigen, von denen er bei Bildung seiner Ansichten ausging. Er durchforschte ja Thüringen vom Ende der siebziger Jahre an. Aber für die spätere Goethe’sche Auffassung, wie sie uns heute als Ganzes erscheint, sind die Karlsbader Erfahrungen zuletzt massgebend geworden. Sie bilden die empirischen Grundelemente des Goethe’schen Systems der Geologie. Daher stehn sie hier an erster Stelle. Über das Verhältniss Goethes zu dem Karlsbader Steinschneider Müller, das für diese Arbeiten wichtig gewesen ist, handelt dann der 1832 entstandene (vergl. Lesarten zu S. 35-40) Aufsatz: Ferneres über Joseph Müller und dessen Sammlung. Die Sammlung dieses Mannes liegt dem Aufsatze auf S. 7-34 zu Grunde. Weiteres über dieses Verhältniss ist in Paralipomena I enthalten. Der Brief: An Herrn von Leonhard S. 41-51 ist das Schreiben Goethes an den Herausgeber des geologischen Taschenbuches, in dem des ersteren Aufsatz in Karlsbad zuerst gedruckt erschien. Der Brief gehört hieher, denn er ist eine Fortsetzung des Aufsatzes und ebenfalls in dem Taschenbuche (1808) erschienen. «Freimüthiges Bekenntniss» S. 52 ist eine ins Allgemeine gehende Randbemerkung zu dem Inhalte von S. 1-51 und steht am besten an dieser Stelle. «Marienbad überhaupt und besonders in Rücksicht auf Geologie» behandelt Marienbad in ähnlicher Weise wie S. 7-34 Karlsbad. Goethe hat die Materialien dazu zum Theil auf seiner Marienbader Reise 1821 selbst gesammelt, zum Theil auf Grund von Mittheilungen, die ihm gemacht worden sind, gearbeitet (vergl. über diese Vorarbeiten den betreffenden Abschnitt in den Paralipomenis). Der «anleitende Katalog» S. 56-62 ist offenbar nur eine Überarbeitung einer ihm von befreundeter Seite mitgetheilten Vorlage, deren Abweichungen wir in den «Lesarten» zu S. 5662,16 angeben (vergl. unten: «Handschriften» S. 314). Sowohl der Aufsatz über Karlsbad, wie jener über Marienbad sind auf mineralogisch-geologische Sammlungen gestützt, auf die sich Goethe fortwährend bezieht (die angebrachte Numerirung gilt auch für diese Sammlungen) und die im Goethe-National-Museum vorhanden sind. S. 73-75 schliesst sich an den Aufsatz über Marienbad an, als Arbeit über eine daselbst vorkommende besondere Naturerscheinung. S. 76-97 behandelt ein geologisches Object, das Goethe viel zu denken gegeben hat, den Kammerberg bei Eger. Der erste Aufsatz (S. 76-94) ist 1808, während eines längeren Aufenthaltes in Franzensbrunn entstanden, als Goethe den «problematischen Berg» (vergl. Tag- und Jahreshefte 1808) öfters besuchte. Der zweite ist ein Zusatz aus dem Jahre 1822, und zwar auf der Karlsbader Reise, die durch Eger führte (vergl. Tag- und Jahreshefte 1822) entstanden. Hieran schliessen sich dann die anderen auf Böhmen bezüglichen Arbeiten: S. 98-99 über den «Horn», den Goethe 1820 beobachtete (vergl. Tag- und Jahreshefte); S. 100-103 über «Böhmische Erdbrände», die ebenfalls auf Untersuchungen des Jahres 1820 beruhen; S. 104 ist eine 1823 geschriebene Note zu dem Vorigen; S. 105-111 «Fahrt nach Pograd», sind Aufzeichnungen, hervorgegangen aus den Beobachtungen der Reise von 1822; S. 112-116 «Der Wolfsberg» jener von 1823; S. 117-123 schliesst sich an die Beschreibung der Reise nach Pograd an, und ist im März 1824 geschrieben, auf Grund einer Wiederholung derselben, die 1823 stattfand, wie aus dem in der Handschrift beigefügten Datum hervorgeht; S. 124-128 sind Bemerkungen allgemeinerer Natur, deren Hauptgedanken wohl auf der Reise 1813 entstanden sind. Ein Fascikel mit Skizzen und Briefen ist erhalten, welche die Keime dieser Ideen enthalten, und die zumeist aus diesem Jahre datirt sind. Geschrieben ist der Aufsatz später, denn die handschriftlich im Archiv vorhandene Correspondenz mit Mawe, die 128 erwähnt ist, fällt erst in das Jahr 1817; S. 129-135 ist eine Ergänzung zum Bericht über die Müllersche Sammlung und, wie aus den Tag- und Jahresheften hervorgeht, 1820 entstanden. S. 139-168 enthalten Beschreibungen von geologischer Verhältnissen ausserhalb Böhmens, und zwar 139-154 jene der 1813 von Goethe unternommenen Reise nach Zinnwalde und Altenberge, auf der er sich die empirischen Elemente für seine Ideen über die Zinnformation holte; 155-168 das Tagebuch der Harzreise vom Jahre 1784, das zu den ersten bedeutenden geologischen Aufzeichnungen Goethes gehört. Auf die Ausbildung seiner Ansichten haben aber diese Erfahrungen weit weniger gewirkt als die böhmischen, weswegen sie hier auch räumlich diesen nachgestellt erscheinen. S. 169180 enthalten die Arbeiten über den Granit, die eine Grundlage der geologischen Ansichten Goethes bilden und die den Übergang darstellen von den Sammlungen empirischen Materiales zu den ein Ganzes überschauenden und erklärenden Ideen. S. 171-177 ist die Abhandlung über den Granit, die Goethe am 18. Januar 1784 dictirte. Hieran schliesst sich 178-180 ein handschriftlich vorhandener Aufsatz, in welchem eine weitere Ausführung des schon in der ersten Abhandlung ausgeführten Gedankens enthalten ist, dass der Granit die Unterlage aller geologischen Bildung ist und alle geologische Betrachtungsweise von diesem Gestein auszugehen habe. Andere Gesteine werden dann behandelt S. 183-195 im Anschlüsse an Karl Wilhelm Nose’s Werk über «historische Symbola, die Basalt-Genese betreffend», das Goethe 1820 beschäftigt (vergl. Tag- und Jahreshefte); S. 196-208 anknüpfend an Nöggeraths Werk über die Basaltbrüche am Rhein aus dem Jahre 1824. Beide Aufsätze sind bedeutsam für Goethes Stellung zur Frage nach der Entstehung des Basalts, der nächst dem Granit das wichtigste Gestein für den Ausbau seiner geologischen Ideen ist; 209-213: Brief an Leonhard, der sich auch schon mit dem Basalt beschäftigt. Ansichten über Gestein-Bildungen und Formationsverhältnisse bieten dann die durch die Lectüre zeitgenössischer geologischer Schriften veranlassten Aufsätze S. 214-225. Den dritten Abschnitt über «geologische Theorieen» eröffnet die Ausführung über die Luisenburg (herrührend von der Reise über Wunsiedel nach Alexandersbad) die eine principielle Bedeutung hat, als geologisches Urphänomen. Durch consequente Ausgestaltung dieser einfacheren Vorstellungen entstand dann der Aufsatz S. 232 bis 240, der 1824 geschrieben ist, dessen Gedanke aber viel weiter zurückreichen (vergl. Brief an Leonhard vom 9. März 1814); eine noch genauere Behandlung erfahren diese Gedanken S. 241-252: «Gebirgsgestaltung im Ganzen und Einzelnen» und 253-258: «Geologische Probleme und Versuch ihrer Auflösung»; endlich 259-267: «Verschiedene Bekenntnisse», die in Goethes letzten Lebensjahren entstanden und erst in den nachgelassenen Schriften veröffentlicht sind. Die letzteren Aufsätze gehen bereits über auf Fragen der höheren Geologie und beschäftigen sich mit den Kräften, die bei der Erdentstehung wirksam gewesen sind. Die Skizze S. 268-279 ist die Disposition zu einer Abhandlung über den Bildungsprocess der Erde und die dabei wirksamen Agentien. Sie steht hier gemäss dem im 6. Bande der naturwissenschaftlichen Schriften ausgesprochenen Grundsatz, unausgeführte Arbeiten dann aufzunehmen, wenn sie ein nothwendiges Glied des Goethe’schen Gedankengebäudes bilden, und die entsprechende Ausführung nicht vorhanden ist. Gedruckt ist die Skizze zuerst in Hempels Goethe-Ausgabe (Band 33 S. CLXX ff.) nach der damals in Loepers Besitz befindlichen Handschrift, die jetzt im Goethe-Archiv sich befindet und auch unserem Abdruck zu Grunde liegt. In Hempels Ausgabe ist die Folge der einzelnen Absätze dieser Skizze eine andere. Die von uns gegebene erscheint nicht nur durch innere Gründe - die sachliche Gedankenfolge gesichert, sondern ergiebt sich auch bei einer Betrachtung der Beschaffenheit des Manuscripts als die richtige. Die Abfassung fällt wohl in die Zeit um 1807, wo Goethe sich damit beschäftigte, die im Einzelnen gefassten Ideen zu einem Ganzen zu verarbeiten. Der Aufsatz S. 280-287 schliesst sich daran an; er bringt Goethes Bemerkungen zu Hoffs Werk: «Geschichte der durch Überlieferung nachgewiesenen Veränderungen der Erdoberfläche», das 1822 erschienen ist. Er gehört an diese Stelle, weil die Zusätze Goethes zu Hoffs Bildungsgeschichte der Erde zugleich als solche zu Goethes eigenen Ausführungen des vorangehenden Aufsatzes gelten können. In dieselbe Reihe - vorbereitende Skizzen zu einer Abhandlung grossen Stils über «allgemeine Geschichte der Natur» gehören dann die Arbeiten S. 288, 289 f., 291-298, die handschriftlich im Archiv vorhanden sind. (Über die Abfassungszeit vergl. 290,14-295,18.) Als specielle Abtheilung dieser an der Grenze zwischen Geologie und Kosmologie stehenden Aufsätze sind die auf S. 299-306 anzusehen, von denen die auf S. 302-306 nur handschriftlich vorhanden sind. Sie stellen sich als Streitschriften gegen die extremen Vulcanisten dar und ergeben sich als nothwendige Consequenz aus dem grossen Bilde von dem Erd-Entstehungsprocess, das auf S. 268-279 und 296-298 enthalten ist, mit dem zusammen sie die Summe der Urphänomene aussprechen, aus denen Goethes geologisches System besteht.

Die Nothwendigkeit einer von dem Inhalte dieser Arbeiten abhängigen Neuordnung ergab sich aus dem Umstande, dass sie, soweit sie gedruckt sind, in Goethes Zeitschrift «Zur Naturwissenschaft» in der Folge ihrer zufälligen Entstehungsweise erschienen sind. Diese Folge, die dem Inhalte zumeist nicht entspricht, ist dann in den nachgelassenen Schriften der Werke letzter Hand beibehalten worden.

Herausgeber dieses Bandes ist Rudolf Steiner; die Eintheilung des Stoffes wurde mit dem Redactor Bernhard Suphan durch vorherige eingehende Besprechung erledigt.


[Ausgewählte Texte in den Lesarten:]

[S. 387) Dieser Aufsatz schliesst sich auch im 1. Heft des 2. Bandes «Zur Naturwissenschaft» an den vorigen an. Er ist eine Antwort Goethes auf Recensionen seiner beiden Bände: «Zur Morphologie» und «Zur Naturwissenschaft». Wir trennen die beiden Aufsätze auch in diesem Bande nicht. Sie gehören inhaltlich zusammen, weil Goethe in beiden sich über die Eigenthümlichkeit der Denkweise ausspricht, die ihm seine Stellung zur Frage des Vulkanismus und Neptunismus aufdrängte.

[Vorbemerkung zum Text von Goethe Zur Naturwissenschaft und Morphologie: WA II 9, 300-301; LA 18, 355-356; GA 1b, 268-269. Der vorige Aufsatz Über den Bau und die Wirkungsart der Vulkane in verschiedenen Erdstrichen ist in WA II 9, 299-300; LA 18, 354; GA 1b, 268]

[S. 390] Paralipomena I. Das folgende ist eine mit kritischen Bemerkungen versehene Inhaltsangabe Goethes des unten dem Titel nach angegebenen Werkes Carl Wilhelm Nose’s, von dem auch die Abhandlung S. 183 ff. [Karl Wilhelm Nose] handelt. Für die Erfassung der eigenen Ansichten Goethes sind die Stellen, die er sich notirt, von Wichtigkeit. Man sieht daraus, was ihm von der Ansicht anderer homogen war.

[Vorbemerkung zum folgenden Text von Goethe: WA II 9, 390-399; LA II 8B.1, 64-81 (M 39)]

[S. 405] C. Das folgende ist eine vorläufige Skizze zu 209-213 [An Herrn Leonhard]. Sie enthält viel mehr an Gedanken als später dann in den fertigen Aufsatz übergegangen sind.

[Vorbemerkung zum folgenden Text von Goethe: WA IT 9, 406-408; LA 111, 128-130]