How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10
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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds, tr. SOL
Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?
How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
Bedingungen
Conditions
[ 1 ] Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es ein wahres Wissen wäre – so ist man versucht zu denken –, so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.
[ 1 ] Within every human being lie dormant abilities through which they can gain insights into higher worlds. Mystics, Gnostics, and theosophists have always spoken of a world of the soul and a world of the spirit, which exist for them just as surely as the world that can be seen with physical eyes and touched with physical hands. The listener may say to himself at any moment: I, too, can experience what this person is speaking of if I develop certain powers within myself that still lie dormant there today. The only question is how to begin developing such abilities within oneself. Guidance in this can be provided only by those who already possess such powers within themselves. Ever since the human race has existed, there has always been a form of training through which those who possessed higher abilities provided guidance to those who sought such abilities. Such training is called “secret training”; and the instruction received there is called esoteric or occult instruction. Such a designation naturally gives rise to misunderstanding. Anyone who hears it can easily be led to believe that those involved in such training seek to present themselves as a particularly privileged class of people who arbitrarily withhold their knowledge from their fellow human beings. Indeed, one might even think that there is perhaps nothing of substance behind such knowledge at all. For, if it were true knowledge—one is tempted to think—there would be no need to keep it secret: it could be shared publicly, making its benefits accessible to all people.
[ 2 ] Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.
[ 2 ] Those who are initiated into the nature of secret knowledge are not in the least surprised that the uninitiated think this way. Only those who have themselves experienced, to a certain degree, this initiation into the higher mysteries of existence can understand what the secret of initiation consists of. Now one might ask: how is the uninitiated supposed to develop any human interest in so-called esoteric knowledge under such circumstances? How and why should they seek something about whose nature they can have absolutely no conception? But even such a question is based on a completely erroneous conception of the nature of esoteric knowledge. In truth, secret knowledge is no different from all other human knowledge and skill. For the average person, this secret knowledge is no more a secret than writing is a secret to someone who has not learned it. And just as anyone who chooses the right path can learn to write, so too can anyone who seeks the appropriate path become a secret student—or even a secret teacher. There is only one respect in which the circumstances here differ from those of external knowledge and skill. While poverty or the cultural conditions into which one is born may deprive someone of the opportunity to master the art of writing, there is no obstacle to acquiring knowledge and skill in the higher worlds for those who earnestly seek them.
[ 3 ] Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aüfschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist. Und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf, weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.
[ 3 ] Many believe that one must seek out the masters of higher knowledge here and there in order to receive insights from them. But two things are true. First, anyone who earnestly seeks higher knowledge will spare no effort and overcome any obstacle to find an initiate who can introduce him to the higher mysteries of the world. On the other hand, however, everyone can be certain that initiation will find him under any circumstances, provided there is a serious and worthy striving for knowledge. For there is a natural law for all initiates that compels them not to withhold knowledge due to any seeker. But there is an equally natural law which states that no one may be entrusted with any of the secret knowledge for which they are not called. And the more strictly an initiate observes these two laws, the more perfect he is. The spiritual bond that unites all initiates is not an external one, but the two laws mentioned form firm ties that hold the components of this bond together. You may live in close friendship with an initiate: yet you remain separated from his essence until you yourself have become an initiate. You may enjoy the heart and love of an initiate in the fullest sense: he will not entrust his secret to you until you are ready for it. You may flatter him; you may torment him: nothing can compel him to reveal to you anything that he knows must not be revealed to you, because at your present stage of development you do not yet know how to prepare the proper receptivity in your soul for the secret.
[ 4 ] Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.
[ 4 ] The paths that prepare human beings to receive a mystery are precisely defined. Their course is marked out with indelible, eternal letters in the spiritual realms, where the initiates guard the higher mysteries. In ancient times, which lie before our “history,” the temples of the spirit were also visible externally; today, when our lives have become so unspiritual, they do not exist in the world visible to the physical eye. But they are spiritually present everywhere; and anyone who seeks them can find them.
[ 5 ] Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.
[ 5 ] Only within his own soul can a person find the means that will open the mouths of the initiates to him. He must develop certain qualities within himself to a certain high degree; only then can the highest spiritual treasures be bestowed upon him.
[ 6 ] Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.
[ 6 ] A certain fundamental disposition of the soul must serve as the starting point. The esoteric researcher calls this fundamental disposition the Path of Reverence, that is, devotion to truth and knowledge. Only those who possess this fundamental disposition can become initiates. Anyone who has had experiences in this realm knows what inclinations can already be observed in childhood in those who will later become initiates. There are children who look up with sacred awe to certain individuals they revere. They have a reverence for them that, in the depths of their hearts, forbids them from entertaining any thought of criticism or opposition. Such children grow into young men and women who find comfort in looking up to something worthy of reverence. Many secret disciples emerge from among these human beings. If you have ever stood before the door of a revered man and, on that first visit, felt a sacred awe at the thought of turning the doorknob to enter the room that is a “sanctuary” to you, then a feeling has manifested within you that may be the seed of your future initiation as a secret disciple. It is a blessing for every young person to carry such feelings within them as innate dispositions. One must not, however, believe that such dispositions form the seed of subservience and slavery. Later on, what begins as childlike reverence for human beings will transform into reverence for truth and knowledge. Experience teaches us that those who have learned to show reverence where it is due are also the ones best able to hold their heads high. And it is due wherever it springs from the depths of the heart.
[ 7 ] Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben. Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.
[ 7 ] Unless we develop within ourselves a profound sense that there is something higher than ourselves, we will not find within ourselves the strength to evolve toward that which is higher. The initiate has attained the strength to raise his head toward the heights of knowledge only by leading his heart into the depths of reverence and devotion. The heights of the spirit can be scaled only by passing through the gate of humility. You can attain true knowledge only when you have learned to respect that knowledge. Human beings certainly have the right to turn their eyes toward the light; but they must earn this right. In spiritual life, there are laws just as there are in the material world. Rub a glass rod with a suitable substance, and it becomes electrified—that is, it gains the power to attract small objects. This corresponds to a law of nature. Anyone who has studied a little physics knows this. And just as surely, if one is familiar with the fundamentals of esoteric science, one knows that every feeling of true devotion developed in the soul generates a force that, sooner or later, can lead to further insight.
[ 8 ] Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.
[ 8 ] Those who possess devotional feelings by nature, or who are fortunate enough to have them instilled through an appropriate upbringing, have a great deal to draw upon when they seek access to higher insights later in life. Those who lack such preparation will encounter difficulties even at the very first stage of the path to knowledge, unless they make a concerted effort through self-education to cultivate a devotional disposition within themselves. In our time, it is particularly important that full attention be given to this point. Our civilization tends more toward criticism, judgment, and condemnation, and less toward devotion and devoted reverence. Our children already criticize far more than they worship devoutly. But every criticism, every judgment, drives the soul’s powers away from higher knowledge just as much as every act of devout reverence fosters them. This is not meant to be a criticism of our civilization. The point here is not at all to criticize our civilization. It is precisely to criticism—to self-aware human judgment, to the principle of “Test everything and keep what is best”—that we owe the greatness of our culture. Humanity would never have attained the science, industry, transportation, and legal systems of our time if it had not exercised criticism everywhere and applied the yardstick of its judgment to everything. But what we have gained in outward culture through this, we have had to pay for with a corresponding loss of higher knowledge and spiritual life. It must be emphasized that higher knowledge is not about the veneration of human beings, but rather about such veneration toward truth and knowledge.
[ 9 ] Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung, in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.
[ 9 ] There is, of course, one thing everyone must realize: that anyone who is completely immersed in the materialistic civilization of our day finds it very difficult to gain insight into the higher worlds. They can do so only if they work energetically on themselves. In a time when the conditions of material life were simple, spiritual uplift was also easier to achieve. That which was worthy of veneration and reverence stood out more clearly from the rest of worldly conditions. In a critical age, ideals are brought down to earth. Other feelings take the place of veneration, reverence, adoration, and admiration. Our age is increasingly pushing these feelings into the background, so that everyday life exposes people to them only to a very limited extent. Anyone seeking higher knowledge must generate it within themselves. They must instill it in their own soul. This cannot be achieved through study alone; it can only be achieved through life itself. Anyone who wishes to become a secret disciple must therefore vigorously train themselves to cultivate a devotional disposition. They must seek out, in their surroundings and in their experiences, whatever can inspire in them admiration and reverence. If I encounter a person and criticize their weaknesses, I rob myself of the power of higher knowledge; if I lovingly immerse myself in their virtues, I gather that power. The secret disciple must be constantly mindful of following this guidance. Experienced seekers of the secret teachings know what strength they owe to the fact that they consistently look for the good in all things and refrain from passing judgment. But this must not remain merely an external rule of life; rather, it must take hold of the very core of our soul. It is within a person’s power to perfect themselves, to transform themselves completely over time. But this transformation must take place in their innermost being, in their life of thought. It is not enough for me to show respect toward another being outwardly in my behavior. I must hold this respect in my thoughts. The occult student must begin by incorporating devotion into his life of thought. He must be mindful of thoughts of disrespect and disparaging criticism in his consciousness. And he must actively seek to cultivate thoughts of devotion within himself.
[ 10 ] Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: – jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung, Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat. 1In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie Einführung in ubersinnliche Weltanshauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.
[ 10 ] Every moment when we sit down to become aware, within our consciousness, of the disparaging, judgmental, and critical opinions we harbor about the world and life—every such moment brings us closer to a higher understanding. And we rise rapidly when, in such moments, we fill our consciousness only with thoughts that fill us with admiration, respect, and reverence for the world and life. Anyone with experience in these matters knows that in every such moment, powers are awakened within a person that would otherwise remain dormant. Through this, a person’s spiritual eyes are opened. As a result, he begins to see things around him that he could not see before. He begins to realize that previously he had seen only a part of the world surrounding him. The person standing before him now appears in a completely different light than before. Admittedly, this rule of life will not yet enable him to see, for example, what is described as the human aura. For that, an even higher level of training is necessary. But it is precisely to this higher level of training that he can ascend if he has first undergone an energetic training in devotion. 1The “Path of Knowledge” is clearly outlined in the final section of my “Theosophy: An Introduction to a Supersensible Worldview and the Human Destiny.” Practical considerations will be detailed here.
[ 11 ] Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.
[ 11 ] Silently and unnoticed by the outside world, the secret student embarks on the “path of knowledge.” No one needs to perceive any change in him. He performs his duties as before; he goes about his business as he did before. The transformation takes place solely within the innermost depths of the soul, hidden from the outer eye. At first, the person’s entire emotional life is suffused with a fundamental mood of devotion toward all that is truly venerable. In this single fundamental feeling, his entire soul life finds its center. Just as the sun enlivens all living things through its rays, so too does reverence enliven all the soul’s feelings in the initiate.
[ 12 ] Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht. Man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt. Und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit. Ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. – Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braunrote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.
[ 12 ] At first, it is not easy for a person to believe that feelings such as reverence, respect, and so on have anything to do with their cognition. This stems from the tendency to regard cognition as a separate faculty that has no connection whatsoever with what else is going on in the soul. But people fail to consider that it is the soul that cognizes. And for the soul, feelings are what substances are for the body—they constitute its nourishment. If one feeds the body stones instead of bread, its activity ceases. It is similar with the soul. For the soul, reverence, respect, and devotion are nourishing substances that make it healthy, and strong—above all, strong for the activity of cognition. Disregard, antipathy, and underestimation of what is worthy of recognition cause paralysis and the withering away of cognitive activity. – For the spiritual researcher, this fact is evident in the aura. A soul that cultivates feelings of reverence and devotion brings about a change in its aura. Certain spiritual hues—which might be described as yellow-red or brown-red—disappear and are replaced by blue-red tones. This, in turn, opens up the capacity for cognition; it receives information about facts in its surroundings of which it previously had no inkling. Reverence awakens a sympathetic force within the soul, and through this force, we are drawn to qualities in the beings around us that would otherwise remain hidden.
[ 13 ] Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt. Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. – Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst. Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.
[ 13 ] What can be achieved through devotion becomes even more effective when another kind of feeling is added. This consists in a person learning to surrender less and less to the impressions of the external world and, in return, developing a lively inner life. A person who rushes from one impression of the external world to the next, who is constantly seeking “distraction,” will not find the path to esoteric science. The esoteric student should not become numb to the external world; but his rich inner life should guide him in the direction in which he surrenders to its impressions. When a person who is emotionally rich and deeply sensitive walks through a beautiful mountain landscape, they experience something different from someone who is emotionally shallow. Only what we experience within ourselves gives us the key to the beauties of the external world. One person sails across the sea, and only a few inner experiences stir their soul; another, however, perceives the eternal language of the World Spirit; to them, the secret mysteries of creation are revealed. One must have learned to deal with one’s own feelings and ideas if one wishes to develop a meaningful relationship with the outside world. The outside world, in all its manifestations, is filled with divine glory; but one must first have experienced the divine within one’s own soul if one is to find it in one’s surroundings. – The initiate is advised to create moments in his life during which he can immerse himself quietly and alone in his inner world. Yet in such moments he should not give himself over to the concerns of his own ego. That would achieve the opposite of what is intended. Rather, in such moments he should allow what he has experienced—what the outer world has told him—to resonate within him in complete silence. Every flower, every animal, every action will reveal unexpected secrets to him in such quiet moments. And through this, he will be prepared to view new impressions from the outside world with eyes entirely different from before. Whoever merely wishes to enjoy one impression after another dulls his capacity for understanding. Whoever, after the enjoyment, allows something to be revealed to him through that enjoyment, nurtures and cultivates his capacity for understanding. He need only accustom himself not merely to let the pleasure linger, but—with renunciation of further pleasure—to process what has been enjoyed through inner activity. Here lies a very great pitfall that brings danger. Instead of working inwardly, one can easily fall into the opposite extreme and seek only to fully exhaust the pleasure in retrospect. One should not underestimate the fact that incalculable sources of error open up here for the initiate. After all, he must make his way through a host of tempters of his soul. They all want to harden his “I,” to shut it off within itself. He, however, is to open it up to the world. He must indeed seek pleasure; for only through it does the outer world reach him. If he hardens himself against pleasure, he becomes like a plant that can no longer draw nourishment from its surroundings. But if he stops at pleasure, he closes himself off within himself. He will mean only something for himself, nothing for the world. No matter how deeply he may then live within himself, no matter how strongly he may nurture his “I”: the world excludes him. To the world, he is dead. The secret student regards pleasure merely as a means to ennoble himself for the world. Pleasure is a scout for him, teaching him about the world; but after learning through pleasure, he moves forward to work. He does not learn in order to hoard what he has learned as his treasures of knowledge, but to put what he has learned in the service of the world.
[ 14 ] Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.
[ 14 ] There is a fundamental principle in all esoteric science that must not be violated if any goal is to be achieved. Every esoteric training program must instill this principle in the student. It states: Any knowledge you seek merely to enrich your understanding, merely to amass treasures within yourself, leads you astray from your path; but any knowledge you seek to become more mature on the path of human refinement and world evolution brings you one step forward. This law demands unwavering adherence. And one is not a secret student until one has made this law the guiding principle of one’s life. This truth of spiritual training can be summarized in the following brief sentence: Every idea that does not become an ideal for you kills a force within your soul; but every idea that becomes an ideal creates life forces within you.
Innere Ruhe
Inner Peace
[ 15 ] Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.
[ 15 ] At the beginning of his journey, the initiate is guided onto the path of worship and toward the development of inner life. Spiritual science now also provides practical rules through the observance of which the path can be entered upon and the inner life developed. These practical rules do not arise from arbitrariness. They are based on ancient experience and ancient knowledge. They are given in the same way everywhere where the paths to higher knowledge are pointed out. All true teachers of the spiritual life agree on the content of these rules, even if they do not always express them in the same words. The minor—and, in truth, only apparent—differences stem from facts that need not be discussed here.
[ 16 ] Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im vorigen Kapitel) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.
[ 16 ] No teacher of spiritual life seeks to exercise dominion over others through such rules. He does not wish to infringe upon anyone’s independence. For there are no better guardians and preservers of human independence than the initiates. It was stated (in the previous chapter) that the bond uniting all initiates is a spiritual one, and that two natural laws form the clamps that hold the components of this bond together. When the initiate steps out of his enclosed spiritual realm and into the public sphere, a third law immediately comes into play for him. It is this: Direct each of your deeds and each of your words in such a way that you do not interfere with any person’s free will.
[ 17 ] Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt. wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm geboten werden.
[ 17 ] Anyone who has come to realize that a true teacher of spiritual life is completely imbued with this mindset can also know that he loses nothing of his independence when he follows the practical rules that are set forth for him.
[ 18 ] Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.» – Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat.
[ 18 ] One of the first of these rules can be expressed in the following words: “Create moments of inner peace for yourself, and in those moments learn to distinguish the essential from the non-essential.” – It is stated here that this practical rule is “expressed in the language” in this way. Originally, all the rules and teachings of spiritual science are given in a symbolic language of signs. And anyone who wishes to understand their full meaning and significance must first come to understand this symbolic language. This understanding depends on the individual having already taken the first steps in the esoteric science. However, they can take these steps through the careful observation of rules such as those given here. The path is open to everyone who has a sincere will.
[ 19 ] Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. – Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist.
[ 19 ] The rule above regarding moments of inner peace is simple. And following it is simple, too. But it leads to the goal only if it is approached with as much seriousness and strictness as it is simple. – Therefore, let us state here without further ado how this rule is to be followed.
[ 20 ] Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.
[ 20 ] The secret student must set himself apart from his daily life for a short time in order to devote himself during this period to something entirely different from the subjects of his daily activities. And the nature of his activity must also be entirely different from that with which he fills the rest of the day. However, this should not be understood to mean that what he accomplishes during this set-aside time has nothing to do with the content of his daily work. On the contrary: the person who seeks such moments of seclusion in the right way will soon realize that it is through them that he gains the full strength to carry out his daily tasks. Nor should it be believed that observing this rule could actually take time away from one’s duties. If someone truly has no more time available, then five minutes each day are sufficient. What matters is how those five minutes are used.
[ 21 ] In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschlage bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. – Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.
[ 21 ] During this time, a person should completely detach themselves from their everyday life. Their thoughts and emotions should take on a different hue than they usually do. They should let their joys, their sorrows, their worries, their experiences, and their actions pass before their soul. And in doing so, one should position oneself in such a way as to view everything one otherwise experiences from a higher perspective. Just think for a moment how, in ordinary life, one views something that another person has experienced or done quite differently than what one has experienced or done oneself. It cannot be otherwise. For one is intimately connected to what one experiences or does oneself; one merely observes the experience or deed of another. What one must strive for in these set-aside moments is to view and judge one’s own experiences and deeds as if they had not been experienced or done by oneself, but by another. Just imagine: someone has suffered a severe blow of fate. How differently does he view it compared to an identical blow of fate befalling a fellow human being? No one can consider this unjustified. It lies in human nature. And just as in such extraordinary cases, so it is in the everyday affairs of life. The secret student must find the strength to face himself as a stranger at certain times. He must confront himself with the inner calm of the observer. Once this is achieved, one’s own experiences appear in a new light. As long as one is entangled in them, as long as one is immersed in them, one is bound just as much to the unessential as to the essential. When one attains the inner calm of the bird’s-eye view, the essential separates itself from the inessential. Sorrow and joy, every thought, every decision appear differently when one faces oneself in this way. It is as if one had spent the entire day in a certain place, observing the smallest details just as closely as the largest; then, in the evening, one climbs a neighboring hill and surveys the entire place at a glance. There, the parts of this place appear in different relationships to one another than when one is actually within it. This does not—and need not—succeed with the twists of fate currently being experienced; with those from the distant past, it must be striven for by the student of spiritual life. – The value of such inner, tranquil self-reflection depends far less on what one perceives in the process than on finding within oneself the strength that develops such inner peace.
[ 22 ] Denn jeder Mensch trägt neben seinem – wir wollen ihn so nennen – Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.
[ 22 ] For every person carries within themselves, alongside their—let us call it—“everyday self,” a “higher self”. This higher self remains hidden until it is awakened. And each person can awaken this higher self only by themselves. But as long as this higher self remains unawakened, the higher abilities slumbering within every person—which lead to supersensory knowledge—also remain hidden.
[ 23 ] Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.
[ 23 ] As long as a person does not feel the fruit of inner peace, he must simply tell himself that he must continue to follow the rule mentioned above with serious and strict devotion. For anyone who proceeds in this way, the day will come when spiritual light will dawn around them, when a whole new world will open up to an eye they had not known existed within themselves until then.
[ 24 ] Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein«höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat, unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.
[ 24 ] And nothing in the outer life of the initiate needs to change simply because he begins to follow this rule. He carries out his duties as before; at first, he endures the same sufferings and experiences the same joys as before. In no way can this alienate him from “life.” Indeed, he can pursue this “life” all the more fully throughout the rest of the day because, in his moments of seclusion, he appropriates a “higher life.” Little by little, this “higher life” will begin to exert its influence on the ordinary. The tranquility of those moments of seclusion will also have an effect on everyday life. The whole person will become calmer, will gain confidence in his actions, and will no longer be thrown off balance by all manner of incidents. Gradually, such a budding secret student will, so to speak, guide himself more and more and allow himself to be guided less by circumstances and external influences. Such a person will soon realize what a source of strength these set-aside periods of time are for him. He will begin to stop getting annoyed by things that used to bother him; countless things he once feared will cease to cause him anxiety. He will adopt an entirely new outlook on life. Before, he might have approached this or that task hesitantly. He would tell himself: Oh, I don’t have enough strength to do this the way I would have liked to. Now this thought no longer occurs to him; instead, a completely different one does. For now he tells himself: I will muster all my strength to do my task as well as I possibly can. And he suppresses any thought that might make him hesitant. For he knows that it is precisely this hesitation that could lead him to perform poorly, and that, in any case, this hesitation can contribute nothing to improving what he is tasked with. And so, thought after thought, ideas that are fruitful and beneficial to his life find their way into the secret student’s outlook on life. They take the place of those that were hindering and weakening him. He begins to steer the ship of his life on a safe, steady course through the waves of life, whereas before it had been tossed back and forth by those waves.
[ 25 ] Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Inneren gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.
[ 25 ] And such peace and security also have a reciprocal effect on the entire human being. The inner self grows as a result. And along with it grow those inner abilities that lead to higher insights. For through the progress he makes in this direction, the initiate gradually reaches the point where he himself determines how impressions from the outer world may affect him. For example, he hears a word with which another person intends to hurt or annoy him. Before becoming a secret student, he would have been hurt or annoyed by it. Now that he has embarked on the path of the secret student, he is able to remove the hurtful or annoying sting from the word before it has found its way into his inner being. Or take another example. A person easily becomes impatient when asked to wait. He steps onto the path of the inner disciple. In his moments of stillness, he imbues himself so deeply with the feeling that much impatience is futile that from then on, whenever he
[ 26 ] Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. – In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.
[ 26 ] Now one need only consider the implications of all this. Bear in mind that the “higher self” within a person is in a state of constant development. However, it is only through the peace and security described above that this higher self is able to develop in accordance with natural laws. The turmoil of external life constricts the inner human being from all sides when a person does not master this life but is instead mastered by it. Such a person is like a plant that is supposed to grow in a crevice in the rock. It withers away until space is made for it. No external forces can create space for the inner human being. Only the inner peace that he creates within his soul can do this. External circumstances can only change his external circumstances; they can never, ever awaken the “spiritual human being” within him. – Within himself, the secret student must give birth to a new, higher human being.
[ 27 ] Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher», der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.
[ 27 ] This “higher self” then becomes the “inner ruler,” who guides the affairs of the outer self with a steady hand. As long as the outer self has the upper hand and is in control, this “inner self” is its slave and therefore cannot unfold its powers. If whether or not I get angry depends on something other than myself, then I am not my own master—or, to put it even better: I have not yet found the “ruler within me.” I must develop within myself the ability to allow impressions from the outside world to reach me only in a way that I myself determine; only then can I become a student of the mysteries. And only to the extent that the student of the mysteries earnestly seeks this power can he reach his goal. It does not matter how far one progresses within a given time; what matters is solely that one earnestly seeks. There have been many who have striven for years without noticing any noticeable progress in themselves; but many of those who did not despair but remained steadfast have then quite suddenly achieved the “inner victory.”
[ 28 ] Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.
[ 28 ] In many situations in life, it certainly takes great strength to create moments of inner peace. But the greater the strength required, the more significant is what is achieved. With regard to the Secret School, everything depends on one’s ability to face oneself—with all one’s actions and deeds—as a complete stranger, with energy, inner truth, and unreserved sincerity.
[ 29 ] Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. – Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedankenwelt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, indem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache – ein inneres Wort – hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.
[ 29 ] But only one aspect of the inner activity of the initiate is characterized by this birth of the own higher self. Something else must be added to this. For even when a person faces himself as a stranger, he still regards only himself; he looks upon those experiences and actions with which he has become intertwined through his particular life circumstances. He must transcend this. He must rise to a purely human level that no longer has anything to do with his particular circumstances. He must turn his attention to those things that concern him as a human being, even if he lived under entirely different circumstances, in an entirely different situation. Through this, something awakens within him that transcends the personal. He thereby directs his gaze toward higher worlds than those with which everyday life brings him into contact. And thus the person begins to feel, to experience, that he belongs to such higher worlds. These are worlds about which his senses and his everyday activities can tell him nothing. Only then does he shift the center of his being inward. He listens to the voices within him that speak to him in moments of stillness; he cultivates an inner connection with the spiritual world. He is transported away from everyday life. The clamor of everyday life has fallen silent for him. It has become quiet all around him. He rejects everything that reminds him of such external impressions. The quiet contemplation within, the dialogue with the purely spiritual world, fills his entire soul. – Such quiet contemplation must become a natural necessity of life for the secret student. At first, he is completely immersed in a world of thought. He must develop a vibrant feeling for this quiet mental activity. He must learn to love what the spirit pours into him there. Soon he will also cease to perceive this world of thought as something more unreal than the everyday things that surround him. He begins to handle his thoughts as he would the objects in space. And then the moment approaches for him when he begins to feel that what is revealed to him in the silence of inner thought work is far higher and more real than the objects in space. He experiences that life expresses itself in this world of thought. He realizes that it is not merely shadows that play out in thoughts, but that through them, hidden essences speak to him. It begins to speak to him from the silence. Before, it had spoken to him only through his ear; now it speaks through his soul. An inner language—an inner word—has opened up to him. The initiate feels blissful to the highest degree when he experiences this moment for the first time. An inner light pours over his entire outer world. A second life begins for him. The stream of a divine, God-blissful world pours through him.
[ 30 ] Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. – Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.
[ 30 ] Gnosis, the science of the spirit, refers to this inner life of the soul in thought—which increasingly expands into a life of spiritual being—as meditation (contemplative reflection). This meditation is the means to supersensory knowledge. – But the initiate must not indulge in emotions during such moments. He must not harbor vague sensations in his soul. That would only prevent him from attaining true spiritual knowledge. His thoughts should take shape clearly, sharply, and decisively. He will find guidance in this if he does not blindly cling to the thoughts that arise within him. Rather, he should imbue himself with the lofty thoughts that advanced individuals—already gripped by the Spirit—have conceived in such moments. He should take as his starting point the writings that themselves sprang from such revelation in meditation. The secret student finds such writings in today’s mystical, Gnostic, and spiritual-scientific literature. There he finds the material for his meditation. The seekers of the Spirit have themselves set down the thoughts of divine science in such writings; the Spirit has had them proclaimed to the world through its messengers.
[ 31 ] Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft in seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.
[ 31 ] Through such meditation, a complete transformation takes place within the initiate. He begins to form entirely new conceptions of reality. Everything takes on a different value for him. It must be said again and again: the initiate does not become detached from the world through such a transformation. He is by no means estranged from his daily duties. For he learns to see that the smallest action he has to perform, the slightest experience that presents itself to him, is connected to the great world beings and world events. Once this connection becomes clear to him through his moments of contemplation, he returns to his daily sphere of activity with renewed and fuller strength. For now he knows: whatever he works at, whatever he endures, he does so for the sake of a great, spiritual cosmic context. Strength for life, not indifference, springs from meditation.
[ 32 ] Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet, warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.
[ 32 ] The secret student walks through life with a confident stride. Whatever life may bring, he continues to walk upright. Before, he did not know why he worked or why he suffered; now he knows. It is clear that such meditative practice leads more effectively to its goal when it takes place under the guidance of experienced individuals—those who instinctively know how best to do everything. One should therefore heed the advice and instructions of such people. One truly does not lose one’s freedom by doing so. What might otherwise be nothing more than uncertain groping becomes, through such guidance, purposeful and focused work. Whoever seeks out those who possess knowledge and experience in this area will never knock in vain. One need only be aware that one seeks nothing other than the advice of a friend, not the dominance of someone who seeks to rule. One will always find that those who truly know are the most humble of people, and that nothing is further from them than what people call the lust for power.
[ 33 ] Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den Höheren Wesenheiten des Geistes.
[ 33 ] Whoever, through meditation, rises to that which connects human beings with the Spirit begins to awaken within themselves that which is eternal, that which is not limited by birth and death. Only those who have not experienced such Eternity for themselves can doubt its existence. Thus, meditation is the path that also leads a person to the realization and direct perception of their eternal, indestructible core of being. And only through it can a person attain such direct perception. Gnosis and spiritual science speak of the eternity of this core of being and of its reincarnation. People often ask, “Why does a person know nothing of their experiences that lie beyond birth and death?” But the question should not be phrased that way. Rather, it should be: How does one attain such knowledge? Through proper meditation, the path opens up. Through it, the memory of experiences that lie beyond birth and death is revived. Everyone can acquire this knowledge; within everyone lie the abilities to recognize for themselves, to see for themselves what genuine mysticism, spiritual science, anthroposophy, and gnosis teach. One need only choose the right means. Only a being with ears and eyes can perceive sounds and colors. And even the eye cannot perceive anything if the light that makes things visible is absent. Esoteric science provides the means to develop the spiritual ears and eyes and to kindle the spiritual light. The means of spiritual training can be described as three stages: 1. Preparation. It develops the spiritual senses. 2. Enlightenment. It kindles the spiritual light. 3. Initiation. It opens the communication with the Higher Beings of the Spirit.
