How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10
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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds, tr. SOL
Die Stufen der Einweihung
The Stages of Initiation
[ 1 ] Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. – Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.
[ 1 ] The following teachings are elements of a spiritual training program whose name and nature will become clear to anyone who applies them correctly. They relate to the three stages through which the School of Spiritual Life leads to a certain degree of initiation. However, only as much of this discussion will be found here as can be said publicly. These are hints drawn from an even deeper, more intimate teaching. In the secret training itself, a very specific course of instruction is followed. Certain practices serve to bring the human soul into conscious communion with the spiritual world. These practices stand in roughly the same relationship to what is communicated below as the instruction given to someone in a higher, strictly regulated school does to the instruction occasionally provided at a preparatory school. However, the serious and persistent pursuit of what is hinted at here can lead to true esoteric training. Of course, impatient experimentation, without seriousness and persistence, can lead to nothing at all. – Esoteric study can only be successful if one first adheres to what has already been said and proceeds on this foundation.
[ 2 ] Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen.
[ 2 ] The stages indicated by the tradition in question are the following three: 1. Preparation, 2. Enlightenment, 3. Initiation. It is not strictly necessary for these three stages to follow one another in such a way that one has completely gone through the first before the second, and the second before the third. With regard to certain things, one can already partake of enlightenment, indeed of initiation, even while still in the stage of preparation with regard to others. However, one will have to spend a certain amount of time in preparation before any enlightenment can even begin. And one will have to be enlightened, at least to some extent, if one is to begin the process of initiation. In the description, however, for the sake of simplicity, the three stages must follow one another in sequence.
Die Vorbereitung
Preparation
[ 3 ] Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.
[ 3 ] This preparation consists of a very specific cultivation of one’s emotional and intellectual life. Through this cultivation, the soul and the spiritual body are endowed with higher sensory faculties and organs of action, just as the forces of nature have equipped the physical body with organs from undifferentiated living matter.
[ 4 ] Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklmgen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.
[ 4 ] We must begin by directing the soul’s attention to certain processes in the world around us. Such processes include, on the one hand, life as it sprouts, grows, and flourishes, and, on the other hand, all phenomena associated with fading, withering, and dying. Everywhere a person turns their eyes, such processes are taking place simultaneously. And everywhere, they naturally evoke feelings and thoughts in the person as well. But under ordinary circumstances, a person does not devote themselves sufficiently to these feelings and thoughts. Instead, they rush far too quickly from one impression to the next. The point is for them to consciously and intensely direct their attention to these facts. When he perceives the blooming and flourishing of a very specific kind, he must banish everything else from his soul and, for a short time, surrender himself entirely to this one impression. He will soon find that a feeling which, in such a case, previously merely flitted through his soul, swells and takes on a powerful and energetic form. He must then allow this form of feeling to resonate quietly within him. In doing so, he must become completely still within himself. He must shut himself off from the rest of the outside world and follow solely what his soul says about the fact of blooming and flourishing.
[ 5 ] Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten. Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. – So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums- und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.
[ 5 ] One must not, however, believe that one will get very far by, for example, dulling one’s senses to the world. First, one should observe things as vividly and as closely as is at all possible. Only then should one surrender to the feelings stirring within the soul and to the rising thoughts. What matters is that one directs one’s attention to both, in complete inner balance. If one finds the necessary calm and surrenders to what is stirring within the soul, then, after a suitable amount of time, one will experience the following. One will see new kinds of feelings and thoughts arise within, ones that one did not know before. The more often one directs one’s attention in this way to something growing, blossoming, and flourishing—and alternately to something withering and dying—the more vivid these feelings will become. And from the feelings and thoughts that arise in this way, the clairvoyant faculties develop, just as the eyes and ears of the physical body are formed from living matter through natural forces. A very specific form of feeling is associated with growth and becoming; another very specific form with withering and dying. But this is true only if one strives to cultivate these feelings in the manner described. It is possible to describe these feelings with reasonable accuracy. Everyone can form a complete picture of them for themselves by undergoing these inner experiences. Anyone who has often directed their attention to the process of becoming, of thriving, of blooming will feel something that is remotely similar to the sensation of a sunrise. And from the process of withering and dying, an experience will arise that can be compared in just the same way to the slow rising of the moon on the horizon. These two feelings are two forces which, with proper cultivation and increasingly vivid development, lead to the most significant spiritual effects. For those who repeatedly and systematically, with intent, surrender themselves to such feelings, a new world opens up. The world of the soul—the so-called astral plane—begins to dawn before them. Growth and decay are no longer mere facts that leave them with such vague impressions as before. Rather, they take shape as spiritual lines and figures of which they had previously no inkling. And these lines and figures take on different forms for different phenomena. A blooming flower conjures up a very specific line before his soul, as does an animal in the process of growing or a tree in the process of dying. The world of the soul (the astral plane) slowly unfolds before him. There is nothing arbitrary in these lines and figures. Two initiates who are at the corresponding stage of training will always see the same lines and figures in the same process. Just as surely as two people with proper vision see a round table as round—and not one as round and the other as square—so surely the same spiritual form presents itself to two souls when they behold a blooming flower. – Just as the forms of plants and animals are described in ordinary natural history, so too does the expert in esoteric science describe or depict the spiritual forms of the processes of growth and decay according to genus and species.
[ 6 ] Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.
[ 6 ] When the student has reached the point where he can perceive such mental forms of phenomena that also manifest themselves physically to his physical eye, then he will not be far from the stage of seeing things that have no physical existence—things that must therefore remain entirely hidden (occult) to those who have not received instruction in the Esoteric Doctrine.
[ 7 ] Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.1Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.
[ 7 ] It must be emphasized that the occult researcher should not lose himself in pondering what this or that thing means. Such intellectual exertion only leads him astray from the right path. He should look upon the sensory world with a fresh mind, sound judgment, and keen powers of observation, and then surrender to his feelings. He should not attempt to determine what things mean through speculative reasoning, but rather allow the things themselves to reveal their meaning to him. 1It should be noted that artistic sensibility, paired with a quiet, introspective nature, is the best prerequisite for the development of intellectual abilities. This sensibility penetrates the surface of things and thereby gains access to their secrets.
[ 8 ] Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. – Solche Gesetze gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenil man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.
[ 8 ] Another crucial aspect is what esoteric science calls orientation in the higher worlds. One attains this by allowing oneself to be completely imbued with the awareness that feelings and thoughts are real facts, just as tables and chairs are in the physical, sensory world. In the world of the soul and in the world of thought, feelings and thoughts interact with one another just as physical objects do in the physical world. As long as a person is not vividly imbued with this awareness, they will not believe that a wrong thought they harbor can have as devastating an effect on other thoughts that animate the realm of thought as a shotgun pellet fired blindly does on the physical objects it strikes. Such a person might never allow himself to commit a physically visible act that he considers senseless. But he will not shy away from harboring erroneous thoughts or feelings. For these seem harmless to him in relation to the rest of the world. In the secret science, however, one can make progress only if one pays as much attention to one’s thoughts and feelings as one does to one’s steps in the physical world. When someone sees a wall, they do not try to run straight through it; they steer their steps to the side. They simply conform to the laws of the physical world. — Such laws also exist for the world of feelings and thoughts. Only, these laws cannot be imposed on a person from the outside. They must flow from the life of the soul itself. One attains this by refraining at all times from harboring misguided feelings and thoughts. All arbitrary rambling of the mind, all frivolous daydreaming, and all feelings that ebb and flow at random must be avoided during this time. This does not make one emotionally stunted. For one will soon discover that one only becomes rich in feelings and creative in true imagination when one regulates one’s inner life in this way. Meaningful feelings and fruitful thoughts take the place of petty indulgence in emotions and frivolous associations of thought. And these feelings and thoughts lead a person to orient themselves in the spiritual world. One comes to have a proper relationship with the things of the spiritual world. A very specific effect takes hold within them. Just as one, as a physical human being, finds one’s way among physical things, so now one’s path leads through growth and decay—which one comes to know on the path described above. He then follows everything that grows and flourishes, and likewise everything that withers and dies, in the way necessary for his own flourishing and that of the world.
[ 9 ] Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem (einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. – Und dadurch senkt sich in Gefühls- und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. Schreitet er in solcher Pflege seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.
[ 9 ] The secret student must also devote attention to the world of sounds. A distinction must be made here between the sound produced by the so-called inanimate (a falling object, a bell, or a musical instrument) and that which originates from a living being (an animal or a human). Anyone who hears a bell will perceive the sound and associate a pleasant feeling with it; whoever hears the cry of an animal will, in addition to this feeling, sense in the sound the revelation of an inner experience of the animal—pleasure or pain. It is with this latter type of sound that the secret student must engage. He should direct his full attention to the fact that the sound reveals to him something that lies beyond his own soul. And he should immerse himself in this foreign element. He should intimately connect his feelings with the pain or pleasure conveyed to him through the sound. He should set aside what the sound is for him, whether it is pleasant or unpleasant, comfortable or disagreeable; only what is taking place within the being from which the sound emanates should fill his soul. Whoever performs such exercises systematically and with forethought will thereby acquire the ability to, so to speak, merge with the being from which the sound emanates. For a person with a musical sensibility, such cultivation of their inner life will be easier than for someone without one. Yet no one should believe that a musical sense alone can replace this cultivation. As a student of the mysteries, one must learn to feel this way toward all of nature. — And through this, a new disposition takes root in the world of feeling and thought. All of nature begins to whisper secrets to the human being through its sounds. What was previously incomprehensible sound to the soul becomes, through this, the meaningful language of nature. And whereas before he heard only sound—the sound of what is called the “inanimate”—he now perceives a new language of the soul. As he progresses in this cultivation of his feelings, he soon becomes aware that he can hear things he had not previously suspected existed. He begins to hear with the soul.
[ 10 ] Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. – Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. – In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. – Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. – So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.2Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wescnheiten sprechen, von denen man in der Geheimswissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt. – Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. – Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.
[ 10 ] Something else must also be added to reach the pinnacle that can be attained in this field. – What is particularly important for the training of the secret student is the way in which he listens to other people when they speak. He must accustom himself to doing this in such a way that his own inner being remains completely silent. When someone expresses an opinion and another person listens, the latter will generally feel a stir of agreement or disagreement within himself. Many people will likely also feel an immediate urge to express their agreement—and especially their disagreement. The initiate must silence all such agreement and all such disagreement. It is not a matter of suddenly changing his way of life so that he constantly strives to achieve such inner, profound silence. He will have to begin by doing so in individual cases that he deliberately selects. Then, very slowly and gradually, as if of its own accord, this entirely new way of listening will creep into his habits. — In spiritual research, this is practiced systematically. Students feel obligated, as part of their practice, to listen to the most opposing thoughts at certain times and, in doing so, to completely silence all agreement and, in particular, all disparaging judgments. It is essential that not only all intellectual judgments be silenced, but also all feelings of displeasure, rejection, or even agreement. In particular, the student must constantly and carefully observe whether such feelings are present, if not on the surface, then at least in the innermost depths of his soul. For example, he must listen to the words of people who, in some respect, are far below him, and in doing so must suppress every feeling of self-righteousness or superiority. – It is beneficial for everyone to listen to children in this way. Even the wisest person can learn an immeasurable amount from children. – In this way, a person learns to hear the words of another entirely selflessly, completely setting aside their own person, their own opinions, and their own feelings. If one practices listening uncritically in this way—even when a completely opposite opinion is expressed, even when the “most absurd” things unfold before one’s eyes—then one gradually learns to merge completely with another’s being, to dissolve entirely into it. One then hears through the words and into the other’s soul. Only through sustained practice of this kind does sound become the proper means of perceiving the soul and spirit. Admittedly, this requires the strictest self-discipline. But this leads to a lofty goal. For when these exercises are practiced in conjunction with the others that have been described regarding sounds in nature, a new sense of hearing develops in the soul. It becomes capable of perceiving manifestations from the spiritual world that do not find expression in external sounds perceptible to the physical ear. The perception of the “inner word” awakens. Truths from the spiritual world are gradually revealed to the secret student. He hears a spiritual voice speaking to him.2Only to those who, through selfless listening, attain the ability to truly receive from within—silently, without the stirrings of a personal opinion or feeling—can the higher beings, of whom esoteric science speaks, speak. As long as one still hurls any opinion or feeling at what one is hearing, the beings of the spiritual world remain silent. – All higher truths are attained through such “inner communication.” And what one hears from the mouth of a true researcher of the occult is what he has discovered in this way. – This is not to say, however, that it is unnecessary to engage with esoteric writings before one can oneself hear such “inner inner voice.” On the contrary: reading such writings and listening to the teachings of esoteric researchers are themselves means of attaining one’s own insight. Every statement of esoteric science that a person hears is capable of directing the mind toward where it must go if the soul is to experience true progress. In addition to all that has been said, one must engage in diligent study of what the esoteric researchers share with the world. In all esoteric training, such study is part of the preparation. And anyone who sought to apply all other means would reach no goal unless they absorbed the teachings of the esoteric researchers into themselves. For because these teachings are drawn from the living “inner Word,” from the “living inner voice,” they themselves possess spiritual life. They are not merely words. They are living forces. And as you follow the words of an initiate, as you read a book that stems from a genuine inner experience, forces are at work in your soul that make you just as clairvoyant as the forces of nature have formed your eyes and ears from living matter.
Die Erleuchtung
Enlightenment
[ 11 ] Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werlczeuge sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.» 3Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in außerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes. Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele zwei ganz verschiedene Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. – Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. – Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als «Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. – Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. – Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rot–gelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. – Nun muß man sich klar sein, daß mit den oben genannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.
[ 11 ] Enlightenment arises from very simple processes. Here, too, the goal is to develop certain feelings and thoughts that lie dormant within every human being and must be awakened. Only those who work through these simple processes with complete patience, rigor, and persistence can be led by them to perceive the inner manifestations of light. The first step is to observe various natural objects in a specific way—for example: a transparent, beautifully formed stone (crystal), a plant, and an animal. One should first direct one’s full attention to comparing the stone with the animal in the following manner. The thoughts described here must pass through the soul accompanied by vivid feelings. And no other thought, no other feeling, must interfere and disturb this intensely attentive contemplation. Tell yourself: “The stone has a form; the animal also has a form. The stone remains still in its place. The animal changes its location. It is the instinct (the desire) that causes the animal to change its location. And it is also the instincts that the animal’s form serves. Its organs and senses are formed in accordance with these instincts. The form of the stone is not shaped by desires, but by a desireless force.” 3The fact referred to here, insofar as it relates to the observation of crystals, has been distorted in various ways by those who have only heard of it in an external (exoteric) manner, giving rise to practices such as “crystal gazing” and the like. Such manipulations are based on misunderstandings. They have been described in many books. But they never constitute the subject matter of true (esoteric) secret teaching. If one immerses oneself deeply in these thoughts while observing the stone and the animal with rapt attention, two entirely different kinds of feeling arise in the soul. One kind of feeling flows into our soul from the stone, and the other kind from the animals. This will probably not succeed at first; but little by little, with truly patient practice, these feelings will arise. One must simply practice over and over again. At first, the feelings are present only as long as the contemplation lasts; later, their effects linger. And then they become something that remains alive in the soul. One need only reflect, and the two feelings will always arise, even without contemplating an external object. – From these feelings and the thoughts associated with them, clairvoyant organs are formed. – If the plant is then added to the contemplation, one will notice that the feeling emanating from it—in both its nature and its intensity—lies midway between that radiating from the stone and that from the animal. The organs that form in this way are spiritual eyes. With them, one gradually learns to see something like soul and spiritual colors. As long as one has only mastered what has been described as “preparation,” the spiritual world with its lines and figures remains dark; through enlightenment, it becomes bright. – Here, too, it must be noted that the words “dark” and “bright,” as well as the other terms used, only approximately express what is meant. But if one wishes to use everyday language, there is no other option. After all, this language was created solely for physical conditions. — Esoteric science now describes what radiates from the stone to the clairvoyant’s organ as “blue” or “blue-red.” That which is perceived by the animal is described as “red” or “red-yellow.” In fact, the colors seen here are of a “spiritual nature.” The color emanating from the plant is “green,” which gradually transitions into a light, ethereal pinkish-red. The plant is, in fact, the natural being that, in higher worlds, resembles its physical form in the material world in a certain respect. This is not the case, however, with stones and animals. – Now one must be clear that the colors mentioned above indicate only the main shades of the mineral, plant, and animal kingdoms. In reality, all possible intermediate shades exist. Every stone, every plant, and every animal has its own very specific color nuance. Added to these are the beings of the higher worlds—who never take on a physical form—with their colors, which are often wondrous but sometimes also hideous. In fact, the richness of color in these higher worlds is immeasurably greater than in the physical world.
[ 12 ] Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten.
[ 12 ] Once a person has acquired the ability to see with the “eyes of the spirit,” sooner or later they will encounter the aforementioned higher—and in some cases, lower—beings than humans, who never enter physical reality.
[ 13 ] Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.
[ 13 ] Once a person has reached the stage described here, many paths are open to them. However, it is not advisable for anyone to go any further without carefully heeding what the spiritual researcher has said or otherwise communicated. And even for what has already been said, heeding such knowledgeable guidance is the very best course of action. Incidentally, if a person possesses the strength and perseverance to reach the level corresponding to the specified elementary stages of enlightenment, he will most certainly seek and find the right guidance.
[ 14 ] Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.
[ 14 ] Caution, however, is necessary under all circumstances, and anyone who is unwilling to exercise it would do best to refrain from taking any steps toward the esoteric sciences. It is essential that a person who becomes an esoteric student lose none of the qualities that make him a noble, good person who is receptive to all physical reality. On the contrary, during their time as a student of the occult, they must continually increase their moral strength, their inner integrity, and their powers of observation. To mention just one example: During the elementary exercises in enlightenment, the student of the occult must ensure that they continually deepen their compassion for the human and animal worlds and their appreciation for the beauty of nature. If he fails to do so, those feelings and that sense will become increasingly dulled by such exercises. The heart would harden, and the mind would become dull. And that would lead to dangerous consequences.
[ 15 ] Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.
[ 15 ] How enlightenment takes shape as one ascends toward the human being in the spirit of the above exercises concerning stone, plant, and animal, and how, after enlightenment, the union of the soul with the spiritual world eventually comes about under all circumstances and leads to initiation: this will be discussed in the following sections, as far as possible.
[ 16 ] Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheimschulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekannt werde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.
[ 16 ] In our time, many people are seeking the path to esoteric knowledge. This is done in various ways; and many dangerous, even reprehensible, procedures are being tried. Therefore, those who believe they know something true about these matters should give others the opportunity to learn something about esoteric training. Only as much has been revealed here as is appropriate for such an opportunity. It is necessary that some of the truth be made known so that error does not cause great harm. No one who does not force things can come to harm by following the paths outlined here. Only one thing must be observed: no one may devote more time and energy to such exercises than is available to them according to their station in life and their duties. No one may use the secret path to instantly change anything in their external circumstances. If one desires real results, one must have patience; one must be able to stop after a few minutes of practice and calmly go about one’s daily work. And thoughts of the exercises must not interfere with one’s daily work. Anyone who has not learned to wait in the highest and best sense is not fit to be a secret student and will never achieve results of any significant value.
Kontrolle der Gedanken und Gefühle
Controlling Thoughts and Feelings
[ 17 ] Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. – Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere, bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht – auf verborgene Art – schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.
[ 17 ] If someone seeks the paths to the secret science in the manner described in the previous chapter, he must not fail to draw strength from a persistent thought throughout the entire process. For they must always bear in mind that, after some time, they may have made quite significant progress without it manifesting itself in the way they might have expected. Those who do not consider this will easily lose their perseverance and give up all attempts after a short time. The powers and abilities that one must develop are initially of a very delicate nature. And their nature is something entirely different from what a person had previously imagined. After all, he was accustomed only to dealing with the physical world. The spiritual and psychological realms eluded his gaze and even his understanding. It is therefore not at all surprising that now, as spiritual and psychological powers develop within him, he does not immediately notice them. – Herein lies the danger of being led astray for those who venture onto the path of the occult without adhering to the experiences gathered by knowledgeable researchers. The occult researcher is aware of the progress the student is making long before the student becomes conscious of it. He knows how the delicate spiritual eyes are developing even before the student is aware of it. And a large part of this esoteric teacher’s guidance consists precisely in expressing what ensures that the student does not lose confidence, patience, or perseverance before he comes to recognize his own progress. The initiate cannot give his pupil anything that is not already—in a hidden way—present within him. He can only guide the development of dormant abilities. But what he shares from his experiences will be a support to those who wish to struggle their way from darkness into the light.
[ 18 ] Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.
[ 18 ] Quite a few abandon the path to esoteric knowledge soon after they have set out on it, because they do not immediately notice their progress. And even when the first higher experiences perceptible to the student occur, he often regards them as illusions because he has formed entirely different ideas about what he is supposed to experience. He loses heart because he either considers the first experiences worthless or because they seem so insignificant to him that he does not believe they could lead him to anything significant in the foreseeable future. Courage and self-confidence, however, are two lights that must not be allowed to go out on the path to the secret science. Anyone who cannot bring himself to patiently continue, time and time again, an exercise that has seemingly failed countless times will not get very far.
[ 19 ] Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei. Und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.
[ 19 ] Long before one becomes clearly aware of one’s progress, a vague sense arises that one is on the right path. And this feeling should be nurtured and cherished. For it can become a reliable guide. Above all, one must eradicate the belief that one must engage in some peculiar, mysterious practices in order to attain higher insights. One must realize that one must start from the feelings and thoughts with which one lives constantly, and that one need only give these feelings and thoughts a different direction than the one one is accustomed to. Let each person first say to himself: the highest mysteries lie hidden within my own world of feelings and thoughts—I have simply not yet perceived them. Ultimately, everything rests on the fact that human beings constantly carry their body, soul, and spirit with them, yet they are conscious only of their body in the explicit sense, not of their soul and spirit. And the initiate becomes conscious of the soul and the spirit just as the ordinary person is conscious of their body.
[ 20 ] Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.
[ 20 ] That is why it is essential to direct one’s feelings and thoughts in the right direction. Then one develops the ability to perceive what is invisible in everyday life. Here, one of the ways to do this will be described. Once again, it is a simple matter, like almost everything that has been discussed so far. But it has the greatest effect when it is practiced persistently and when a person is able to devote themselves to it with the necessary inner disposition.
[ 21 ] Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird. Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art – als Kraft der ganzen Pflanze – das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.4 Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele. Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.
[ 21 ] Place a small seed from a plant in front of you. It is important to focus intensely on this unassuming object and to develop certain feelings through these thoughts. First, make it clear to yourself what you actually see with your eyes. Describe to yourself the shape, color, and all other characteristics of the seed. Then consider the following: When planted in the earth, this seed will grow into a plant of many forms. Visualize this plant. Build it up in your imagination. And then think: What I am now imagining in my mind’s eye, the forces of the earth and of light will later truly draw forth from the seed. If I had before me an artificially shaped object that were so deceptively modeled after the seed that my eyes could not distinguish it from a real one, no force of the earth or of light would draw a plant forth from it. Whoever makes this thought completely clear to themselves, whoever experiences it inwardly, will also be able to form the following thought with the right feelings. They will say to themselves: within the seed lies, already in a hidden way—as the power of the entire plant—that which will later grow out of it. This force does not reside in the artificial imitation. And yet, to my eyes they are both the same. The real seed therefore contains something invisible that is not present in the imitation. Let us now direct our feelings and thoughts toward this invisible element.4 Anyone who might object that, upon closer microscopic examination, the imitation does indeed differ from the real seed would merely demonstrate that they have failed to grasp what really matters. The point is not what one actually has before one in a sensory, tangible way, but rather that one develops spiritual and soul forces through it. Imagine: this invisible element will later transform into the visible plant, which I will have before me in form and color. Let us dwell on this thought: the invisible will become visible. If I were unable to think, I would not be able to foresee even now what will only become visible later.
[ 22 ] Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, die sich an ihn knüpfen, gleichsam in die Seele einbohren. – Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit – vielleicht erst nach vielen Versuchen – eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich–geistige Weise als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe Bläulich gegenüber empfindet. – Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.
[ 22 ] It must be emphasized particularly clearly: Whatever one thinks there, one must also feel it intensely. One must, in calm—free from all distracting interminglings of other thoughts—experience within oneself the thought indicated above. And one must take one’s time, so that the thought and the feeling associated with it can, as it were, burrow into the soul. — If one accomplishes this in the right way, then after some time—perhaps only after many attempts—one will sense a power within oneself. And this power will create a new perspective. The seed will appear to be enclosed in a small cloud of light. It will be perceived in a sensory-spiritual way as a kind of flame. Facing the center of this flame, one feels as one does when perceiving the color purple; facing the edge, as one does when perceiving the color bluish. – There appears what one had not seen before—that which has been created by the power of thought and feeling that one has aroused within oneself. What was sensually invisible—the plant that will only become visible later—reveals itself there in a spiritually visible way.
[ 23 ] Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagsiebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandeskiar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.
[ 23 ] It is understandable that some people will regard all of this as an illusion. Many will say, “What good are such visions, such phantasms to me?” And some will fall away and not continue on the path. But this is precisely what matters: not to confuse fantasy with spiritual reality at these difficult junctures of human development. And furthermore, to have the courage to press forward and not become fearful or timid. On the other hand, however, it must certainly be emphasized that the sound judgment that distinguishes truth from deception must be continually cultivated. During all these exercises, a person must never lose full conscious control over himself. Just as surely as he thinks about the things and events of everyday life, so must he think here as well. It would be disastrous if one were to sink into daydreaming. One must remain clear-headed—not to say sober—at every moment. And the greatest mistake would be made if, through such exercises, one were to lose one’s balance, if one were prevented from judging the matters of everyday life as soundly and clearly as one did before. The initiate should therefore examine himself again and again to see whether he has perhaps lost his balance, whether he has remained the same within the circumstances in which he lives. He must preserve a firm inner calm and a clear sense of everything. However, it must be strictly observed that one should not indulge in just any daydreaming, nor should one give oneself over to all manner of exercises. The lines of thought outlined here have been tested and practiced in the secret schools since time immemorial. And only these are communicated here. Anyone who wishes to apply other kinds of methods—those he devises for himself or hears and reads about here and there—is bound to go astray and will soon find himself on the path of boundless fantasy.
[ 24 ] Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt. Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.
[ 24 ] Another exercise that follows on from the one described is the following. Imagine standing in front of a plant that has reached the stage of full development. Now fill your mind with the thought that the time will come when this plant will die. Nothing will remain of what I see before me now. But this plant will then have produced seeds that will grow into new plants. Once again, I realize that within what I see, there lies something hidden that I do not see. I fill myself completely with the thought: this plant form, with its colors, will no longer exist in the future. But the idea that it produces seeds teaches me that it will not vanish into nothingness. What preserves it from vanishing, I can now see just as little with my eyes as I was previously able to see the plant within the seed. There is, then, something within it that I cannot see with my eyes. If I allow this thought to live within me and the corresponding feeling within me connects with it, then—after a suitable period of time—a force develops once more in my soul that becomes a new vision. A kind of spiritual flame emerges once more from the plant. This is, of course, correspondingly larger than the one described earlier. The flame can be perceived as greenish-blue in its central part and yellowish-red at its outer edge.
[ 25 ] Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung Ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das müßte ihn auf das bitterste beirren.
[ 25 ] It must be expressly emphasized that what is referred to here as “colors” is not seen in the same way that physical eyes see colors, but rather that through spiritual perception one experiences something similar to having a physical impression of color. To perceive “blue” spiritually means to sense or feel something similar to what one feels when the physical eye rests on the color “blue.” Anyone who wishes to gradually ascend to true spiritual perceptions must take this into account. Otherwise, they will expect to find in the spiritual realm merely a repetition of the physical. That would lead them into the most bitter of errors.
[ 26 ] Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.
[ 26 ] Whoever has reached the point of seeing such things spiritually has gained much. For things reveal themselves to him not only in their present existence, but also in their coming into being and passing away. He begins to perceive everywhere the Spirit of which the sensory eyes can know nothing. And with that, they have taken the first steps toward gradually uncovering, through their own insight, the mystery of birth and death. To the external senses, a being comes into being at birth; it passes away in death. But this is only because these senses do not perceive the hidden spirit of the being. For the spirit, birth and death are merely a transformation, just as the sprouting of a flower from a bud is a transformation that takes place before the eyes of the senses. But if one wishes to come to know this through one’s own insight, one must first awaken the spiritual sense for it in the manner described.
[ 27 ] Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Änstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.
[ 27 ] To address another objection that some people with certain spiritual (psychic) experiences might raise, let this be said. It is by no means disputed that there are shorter, simpler paths, and that some people come to know the phenomena of birth and death from their own experience without first having gone through everything described here. There are indeed people who possess significant psychic aptitudes that require only a small nudge to be developed. But these are exceptions. The path outlined here, however, is a general and reliable one. One can, of course, acquire some knowledge of chemistry through an exceptional route; but if one wants to become a chemist, one must follow the general and reliable path.
[ 28 ] Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.
[ 28 ] A grave error would result if anyone were to believe that, in order to reach the goal more easily, they could simply imagine the seed or plant in question—merely hold it in their imagination. Anyone who does this may well reach the goal, but not as surely as by the method described. The perception one arrives at will, in most cases, be nothing more than a mirage of the imagination. In such a case, one would then have to wait for it to be transformed into spiritual perception. For what matters is not that I create perceptions out of mere caprice, but that reality creates them within me. Truth must well up from the depths of my own soul; but it is not my ordinary self that must be the magician seeking to coax the truth forth—rather, the beings whose spiritual truth I wish to behold must be that magician.
[ 29 ] Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. – Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen, die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. – Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.
[ 29 ] Once a person has discovered within himself the first stirrings of spiritual insights through such exercises, he may proceed to contemplate human beings themselves. Simple phenomena of human life must be chosen first. – But before proceeding to this, it is necessary to work with particular earnestness on the complete integrity of one’s moral character. One must banish any thought that the knowledge gained in this way might be used for personal gain. One must be in agreement with oneself that never will one exploit any power over one’s fellow human beings—which one might come to possess—for evil purposes. Therefore, anyone who seeks secrets about human nature through personal insight must follow the golden rule of the true occult sciences. And this golden rule is: if you try to take one step forward in the knowledge of secret truths, then at the same time take three steps forward in perfecting your character for the good. — Whoever follows this rule can perform exercises such as the one that will now be described.
[ 30 ] Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und aber Hunderte von vergeblichen Versuchen anstellen. Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergründen. Gib dich unbefangen deiner geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch–sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.
[ 30 ] Imagine a person whom you once observed desiring something. Focus your attention on that desire. It is best to recall the moment when the desire was most vivid and when it was quite uncertain whether the person would receive what they desired or not. And now, give yourself completely over to the image of what you observe in your memory. Establish the greatest possible inner calm in your own soul. Try as much as possible to be blind and deaf to everything else going on around you. And pay particular attention to ensuring that a feeling is awakened in your soul through this vivid imagination. Let this feeling rise within you like a cloud rising against an otherwise completely empty horizon. It is, of course, natural that, as a rule, the observation is interrupted because one has not observed the person to whom one is directing one’s attention long enough in the state of mind described. One will likely make hundreds upon hundreds of futile attempts. One must simply not lose patience. After many attempts, one will succeed in experiencing within one’s own soul a feeling that corresponds to the soul state of the person being observed. Then, after some time, one will also notice that through this feeling within one’s own soul, a power arises that becomes the spiritual perception of the other person’s soul state. An image will appear in one’s field of vision that one perceives as something luminous. And this spiritually luminous image is the so-called astral embodiment of the observed soul state of desire. This image can be described as resembling a flame. It will appear yellow-red in the center and reddish-blue or purple at the edges. It is very important to handle such spiritual vision with great care. It is best not to speak of this to anyone at first, except perhaps to one’s teacher, if one has one. For if one attempts to describe such a phenomenon with clumsy words, one usually succumbs to serious delusions. One uses ordinary words, which are not intended for such things and are therefore too crude and cumbersome for them. The result is that, through one’s own attempt to put the matter into words, one is led astray into mixing all sorts of illusory fantasies into the true visions. Again, an important rule for the secret student: Keep silent about your spiritual visions. Yes, remain silent even to yourself about them. Do not try to put into words what you behold in the spirit or to fathom it with your untrained intellect. Surrender yourself unreservedly to your spiritual vision and do not disturb it by overthinking it. For you must bear in mind that, at first, your thinking is in no way a match for your vision. You have acquired this way of thinking in your life thus far, which has been limited solely to the physical-sensual world; and what you are now acquiring goes beyond that. So do not seek to apply the standards of the old to the new and higher. Only those who already possess some steadiness in observing inner experiences can speak about them, in order to inspire their fellow human beings through such speech.
[ 31 ] Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.
[ 31 ] A supplementary exercise may be added to the one described. Observe, in the same way, how a person has experienced the fulfillment of a desire or the realization of an expectation. If one applies the same rules and precautions that were just outlined for the other case, one will also arrive at a spiritual perception there. One will notice a spiritual flame that feels yellow at its center and is perceived as having a greenish rim.
[ 32 ] Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde und der Menschenfreiheit nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares – auch in Gedanken und Gefühlen – zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.
[ 32 ] By observing others in this way, a person can easily fall into moral error. He can become unloving. We must strive by every conceivable means to ensure that this does not happen. If one observes in this way, one must already have reached the point where it has become a complete certainty that thoughts are real things. One must no longer allow oneself to think about one’s fellow human beings in a way that is incompatible with the highest respect for human dignity and human freedom. The idea that a human being could be merely an object of observation for us—this thought must not cross our minds for even a moment. Hand in hand with any secret observation of human nature must go self-education aimed at fully and unreservedly valuing the full self-realization of every human being and regarding what dwells within a person as something sacred and inviolable—even in our thoughts and feelings. A sense of sacred reverence for all that is human—even if conceived of only as a memory—must fill us.
[ 33 ] Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. – Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.
[ 33 ] These two examples alone are meant to demonstrate, for the time being, how one can bring oneself to gain insight into human nature. At the very least, however, they point the way forward. Whoever finds the necessary inner stillness and peace that are essential for such observation will, by that very act, undergo a profound transformation of the soul. This will soon reach the point where the inner enrichment experienced by his being will give him confidence and serenity even in his outward behavior. And this transformed outward behavior will, in turn, have a reciprocal effect on his soul. And so he will continue to help himself. He will find ways and means to discover more and more of human nature that is hidden from the external senses; and he will then also become ready to gain insight into the mysterious connections between human nature and all that else exists in the universe. – And in this way, the human being draws ever closer to the moment when he can take the first steps toward initiation. But before these can be taken, one more thing is necessary. This is something whose necessity the secret student may at first find hardest to grasp. Later, however, he will come to understand it.
[ 34 ] Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutlos-werden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben. Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst; jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.
[ 34 ] For what the initiate must bring with him is a certain kind of cultivated courage and fearlessness. The student of the secret teachings must actively seek out the opportunities through which these virtues are developed. In the secret training, these should be cultivated quite systematically. But life itself is also a good school of the secrets, particularly in this regard—perhaps the best. To calmly face a danger, to strive to overcome difficulties without hesitation: the student of the secrets must be able to do this. For example, when faced with a danger, he must immediately summon the resolve: My fear serves no purpose whatsoever; I must not allow myself to feel it; I must think only of what needs to be done.” And he must reach a point where, in situations in which he was previously fearful, “being afraid” and “losing courage” become impossible for him—at least in his very innermost feelings. Through self-training in this direction, a person develops within themselves very specific powers that they need if they are to be initiated into higher mysteries. Just as the physical human being needs nervous energy to use their physical senses, so the spiritual human being requires that power which is developed only in courageous and fearless natures. For whoever advances toward the higher mysteries sees things that remain hidden from the ordinary person due to the deceptions of the senses. For even though the physical senses do not allow us to perceive the higher truth, they are, precisely because of this, also a blessing to humanity. Through them, things are concealed from him which, if he were unprepared, would plunge him into utter consternation—a sight he could not bear to behold. The initiate must be prepared to face this sight. He loses certain points of support in the external world that he owed precisely to the fact that he was caught up in illusion. It is truly and literally as if one were to alert someone to a danger in which he has long been suspended, but of which he knew nothing. Before, he had no fear; but now, after he knows, fear overwhelms him, even though the danger has not become any greater because of his knowledge.
[ 35 ] Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.
[ 35 ] The forces of the world are both destructive and constructive: the fate of external entities is to come into being and pass away. The knower must look into the workings of these forces, into the course of this fate. The veil that lies before the spiritual eyes in ordinary life must be removed. Human beings themselves, however, are interwoven with these forces, with this destiny. Within their own nature are destructive and constructive forces. Just as other things appear unveiled before the seeing eye of the initiate, so does the soul reveal itself. In the face of such self-knowledge, the initiate must not lose heart. And he will not lack this strength only if he brings an abundance of it with him. For this to be the case, he must learn to maintain inner peace and security in difficult circumstances; he must cultivate within himself a strong trust in the good forces of existence. He must be prepared for the fact that certain motivating forces that have guided him until now will no longer guide him. After all, he will have to realize that up to now he has done and thought many things only because he was caught up in ignorance. Such motives as he has had up to now will disappear. He has done many things out of vanity; he will see how unspeakably worthless all vanity is to the one who knows. He has done many things out of greed; he will become aware of how destructive all greed is. He will have to develop entirely new motivations for action and thought. And courage and fearlessness are precisely part of that.
[ 36 ] Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. – Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. – Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.
[ 36 ] Above all, it is a matter of cultivating this courage and fearlessness in the very depths of one’s inner life. The secret student must learn not to lose heart over a failure. He must be capable of thinking: “I will forget that I have failed at this once again, and try anew, as if nothing had happened.” In this way, he brings himself to the conviction that the sources of power in the world from which he can draw are inexhaustible. He strives again and again for the spiritual, which will lift him up and sustain him, no matter how often his earthly nature may have proved powerless and weak. He must be able to look forward to the future and, in this striving, not allow himself to be disturbed by any experience of the past. – If a person possesses the qualities described to a certain degree, then he is ready to learn the true names of things, which are the key to higher knowledge. For initiation consists in learning to name the things of the world by the names they bear in the spirit of their divine creators. In these names of theirs lie the mysteries of things. That is why the initiated speak a different language than the uninitiated, because the former use the designations of beings through which those beings themselves are made. – Insofar as one can speak of initiation itself, that will follow in the next chapter.
