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The Rudolf Steiner Archive

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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10

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Leben und Tod
Der Grosse Hüter der Schwelle

Life and Death
The Great Guardian of the Threshold

[ 1 ] Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht f;ir immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» – Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.

[ 1 ] It has been described how significant the encounter with the so-called lesser guardian of the “threshold” is for the human being, in that he perceives in this guardian a supersensible being whom he has, in a sense, brought forth himself. The body of this being is composed of the consequences of the person’s own actions, feelings, and thoughts—consequences that were previously invisible to them. But these invisible forces have become the causes of their destiny and character. It now becomes clear to the person how they themselves laid the foundations for their present situation in the past. As a result, their nature is revealed to them to a certain extent. For example, there are certain inclinations and habits within them. Now he can understand why he has them. Certain blows of fate have befallen him; now he recognizes where they come from. He becomes aware of why he loves one thing and hates another, why he is happy or unhappy because of this or that. His visible life becomes understandable to him through its invisible causes. Even the essential facts of life—illness and health, death and birth—unfold before his eyes. He realizes that before his birth he wove the causes that were bound to lead him back into life. He now knows the essence within himself, which is developed in this visible world in an imperfect way and which can also only be brought to perfection in this same visible world. For in no other world is there an opportunity to work on the development of this essence. Furthermore, he realizes that death cannot, at first, separate him forever from this world. For he must tell himself: “I came into this world for the first time long ago because I was then a being who needed life in this world to acquire qualities that I could not have acquired in any other world. And I must remain connected to this world until I have developed within myself everything that can be gained here. I will one day become a capable co-worker in another world only by acquiring all the necessary abilities for this in the sensibly perceptible world.”—For one of the most important experiences of the initiate is that he learns to know and appreciate sensibly perceptible nature in its true value better than he could before his spiritual training. This insight comes to him precisely through his insight into the supersensible world. Anyone who has not gained such insight—and who therefore perhaps merely indulges in the notion that the supersensible realms are infinitely more valuable—may underestimate the physical world. But anyone who has gained this insight knows that without the experiences in visible reality, he would be completely powerless in the invisible realm. If he is to live in the latter, he must possess the abilities and tools for this life. But he can acquire these only in the visible world. He will have to see spiritually if the invisible world is to become conscious to him. Yet this vision for a “higher” world is gradually developed through experiences in the “lower” one. Just as a child could not be born with physical eyes if they had not formed in the womb, so too one cannot be born into a spiritual world with spiritual eyes unless these have been developed in the physical world.

[ 2 ] Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.

[ 2 ] From this perspective, one can also understand why the “threshold” to the supersensory world is guarded by a “keeper.” For under no circumstances must a person be allowed to gain true insight into those realms before he has acquired the necessary abilities. That is why, at the moment of death, whenever a person—still incapable of working in another world—enters it, a veil is drawn over his experiences. He is not to behold them until he has fully matured for them.

[ 3 ] Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. –Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.

[ 3 ] When the secret student enters the supersensible world, life takes on a whole new meaning for him; he sees in the sensory world the seedbed for a higher one. And in a certain sense, this “higher” world will seem incomplete to him without the “lower” one. Two perspectives open up before him: one into the past, the other into the future. He looks into a past in which this sensory world did not yet exist. For he has long since moved beyond the preconception that the supersensible world developed out of the sensory world. He knows that the supersensible existed first and that everything sensible has developed from it. He sees that he himself, before he first entered this sensible world, belonged to a supersensible one. But this former supersensible world needed to pass through the sensible world. Its further development would not have been possible without this passage. Only when beings with the appropriate abilities have developed within the sensory realm can the supersensory world resume its progress. And these beings are human beings. Thus, as they now live, they have emerged from an imperfect stage of spiritual existence and are themselves being led, within that very stage, toward the perfection that will then make them fit to continue working on the higher world. –And this is where the outlook into the future comes in. It points to a higher stage of the supersensible world. In this world, the fruits will be those that are formed in the sensory world. The latter, as such, will be overcome; its results, however, will be incorporated into a higher realm.

[ 4 ] Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt. Und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit yollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»

[ 4 ] This provides an understanding of illness and death in the sensory world. Death, in fact, is nothing other than the expression of the fact that the former supersensory world had reached a point from which it could not proceed any further on its own. A general death would have been necessary for it had it not received a new impetus of life. And so this new life has become a struggle against universal death. From the remnants of a dying, ossifying world, the seeds of a new one blossomed. That is why we have death and life in the world. And slowly, things merge into one another. The dying parts of the old world still cling to the new seeds of life, which, after all, sprang from them. This finds its clearest expression in human beings. They carry within themselves, as their outer shell, what has been preserved from that old world; and within this shell, the seed of that being which will live in the future takes shape. They are thus a dual being—one mortal and one immortal. The mortal is in its final state, the immortal in its initial state. But only within this dual world, which finds its expression in the physical-sensory realm, does he acquire the abilities necessary to lead the world toward immortality. Indeed, his task is to draw forth from the mortal itself the fruits for the immortal. So when he looks upon his being, as he himself has built it up in the past, he must say to himself: I have within me the elements of a dying world. They are at work within me, and only gradually can I break their power through the newly reviving immortal elements. Thus does the human being’s path lead from death to life. If he could speak to himself with full consciousness at the hour of death, he would have to say: “That which is dying was my teacher. That I am dying is an effect of the entire past with which I am interwoven. But the realm of the mortal has brought the seeds of immortality to maturity within me. I carry these with me into another world. If it depended solely on the past, then I could never have been born at all. The life of the past is concluded with birth. Life in the sensible realm is wrested from universal death by the new seed of life. The time between birth and death is merely an expression of how much the new life was able to wrest from the dying past. And illness is nothing but the lingering effect of the dying parts of this past.”

[ 5 ] Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.

[ 5 ] From all this, we find the answer to the question of why human beings only gradually work their way from error and imperfection toward truth and goodness. Their actions, feelings, and thoughts are initially under the dominion of that which is transient and perishable. His sensory-physical organs are formed from this. Therefore, these organs and everything that initially drives them are themselves destined to pass away. It is not the instincts, drives, passions, and so on—nor the organs associated with them—that represent something imperishable; rather, only that which appears as the work of these organs will be imperishable. Only when human beings have extracted from the transitory everything that can be extracted will they be able to shed the foundation from which they have grown and which finds its expression in the physical-sensory world.

[ 6 ] So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.

[ 6 ] Thus, the first “Guardian of the Threshold” represents the image of humanity in its dual nature, composed of both the transitory and the imperishable. And he clearly reveals what is still lacking before one can attain the noble, luminous form capable of dwelling once again in the pure spiritual world.

[ 7 ] Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks-und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. – In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.

[ 7 ] The degree of entanglement with physical-sensual nature is made clear to human beings by the “Keeper of the Threshold.” This entanglement is expressed, first and foremost, in the presence of instincts, drives, desires, selfish wishes, and all forms of self-interest, and so on. It is then expressed through belonging to a race, a people, and so on. For peoples and races are merely the various stages of development leading toward pure humanity. The higher a race or a people stands, the more perfectly its members embody the pure, ideal human type, and the more they have worked their way from the physically transitory to the supersensory and imperishable. The development of humankind through reincarnations into ever higher forms of peoples and races is therefore a process of liberation. Ultimately, humankind must appear in its harmonious perfection. – In a similar way, the passage through ever purer moral and religious forms of perception is a process of perfection. For every moral stage still contains the craving for the transitory alongside the idealistic seeds of the future.

[ 8 ] Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.

[ 8 ] Now, in the “Keeper of the Threshold” described above, only the result of time past appears. And of the seeds of the future, only those that have been woven into this past time are present there. But human beings must bring into the future supersensible world everything they can draw from the sensory world. If they were to bring only what has been woven into their counter-image from the past alone, they would have fulfilled their earthly task only partially. That is why, after some time, the “greater Guardian of the Threshold” joins the “lesser Guardian of the Threshold.” Once again, the encounter with this second “Guardian of the Threshold” will be described in narrative form.

[ 9 ] Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. – Diese Begegnung findet statt, wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. – Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:

[ 9 ] Once a person has recognized what he must free himself from, a sublime, luminous figure appears before him. It is difficult to describe this figure’s beauty in the words of our language. – This encounter takes place when the faculties of thinking, feeling, and willing have become so detached from one another—even in relation to the physical body—that the regulation of their mutual relationships is no longer carried out by them themselves, but by the higher consciousness, which has now become completely separate from physical conditions. The faculties of thinking, feeling, and willing have then become instruments under the control of the human soul, which exercises its dominion over them from supersensible realms. – This soul, thus freed from all sensory bonds, is now met by the second “Guardian of the Threshold,” who speaks something to the following effect:

[ 10 ] «Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst. Die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»

[ 10 ] “You have detached yourself from the sensory world. You have earned your right to dwell in the supersensory world. From here, you can now work. For your own sake, you no longer need your physical body in its present form. If you had merely wished to acquire the ability to dwell in this supersensible world, you would no longer need to return to the sensory world. But now look at me. See how immeasurably exalted I stand above all that you have already made of yourself today. You have reached your present stage of perfection through the abilities you were able to develop in the sensory world while you were still dependent on it. But now a new phase must begin for you, in which your liberated powers will continue to work upon this sensory world. Until now, you have redeemed only yourself; now, as one who is liberated, you can help liberate all your companions in the sensory world. Until today, you have striven as an individual; now integrate yourself into the whole, so that you bring not only yourself into the supersensory world, but everything else that exists in the sensory world. One day you will be able to unite with my form, but I cannot be a blessed being as long as there are still the unblessed! As an individual who has been liberated, you might wish to enter the realm of the supersensible even today. But then you would have to look down upon the still unredeemed beings of the sensory world. And you would have separated your destiny from theirs. But you are all connected to one another. You all had to descend into the sensory world in order to draw from it the powers necessary for a higher realm. If you were to separate yourself from them, you would be misusing the powers that you were able to develop only in communion with them. Had they not descended, you would not have been able to do so either; without them, you would lack the powers necessary for your supersensory existence. You must also share these powers, which you have attained with them, with them. I therefore deny you entry into the highest realms of the supersensible world until you have used all your acquired powers for the salvation of your fellow beings. You may remain in the lower realms of the supersensible world with what you have already attained; but at the gate to the higher realms I stand and bar your entry as long as you still possess powers that have remained unused in the sensory world. And if you do not wish to apply your own powers, others will come who will apply them; then a high supernatural world will absorb all the fruits of the physical world; but the ground with which you were intertwined will be taken from you. The purified world will evolve beyond you. You will be excluded from it. Thus, your path is the black one, but those from whom you have separated yourself walk the white path.”

[ 11 ] So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nur nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. – Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.

[ 11 ] Thus, the “great guardian” of the threshold makes his presence known shortly after the encounter with the first guardian has taken place. The initiate, however, knows exactly what lies ahead if he succumbs to the temptations of a premature sojourn in the supersensible world. An indescribable radiance emanates from the second Guardian of the Threshold; union with him stands as a distant goal before the beholding soul. Yet there is also the certainty that this union will only be possible once the initiate has expended all the powers that have flowed to him from this world in the service of the liberation and redemption of this world. If he resolves to follow the demands of the higher being of light, then he will be able to contribute to the liberation of the human race. He offers his gifts upon the altar of sacrifice for humanity. If he prefers his own premature ascent into the supersensible world, then the current of humanity will sweep past him. For himself, he can no longer gain any new powers after his liberation from the sensory world. If, however, he places his work at humanity’s disposal, he does so by renouncing any hope of deriving anything further for himself from the realm of his future activity. One simply cannot say that it is a given that a person will choose the white path when faced with such a decision. For this depends entirely on whether, at the time of this decision, he is already so purified that no selfishness whatsoever allows the temptations of bliss to appear desirable to him. For these temptations are the greatest imaginable. On the other hand, there are actually no particular temptations at all. Here, nothing appeals to selfishness. What a person will receive in the higher regions of the supersensible is not something that comes to them, but merely something that emanates from them: love for their fellow human beings. For everything that selfishness demands is by no means lacking on the black path. On the contrary: the fruits of this path are precisely the most complete satisfaction of selfishness. And if anyone desires bliss solely for himself, he will most certainly walk this black path, for it is the one suited to him. – Therefore, no one should expect the occultists of the White Path to provide instructions for the development of one’s own egoistic self. They have not the slightest interest in the bliss of the individual. Let each person attain that for themselves. Accelerating that process is not the task of the White occultists. Their sole concern is the development and liberation of all beings who are human and fellow beings of humankind. Therefore, they provide only instructions on how to develop one’s powers to contribute to this work. They thus place selfless devotion and a willingness to sacrifice above all other abilities. They do not outright reject anyone, for even the most selfish person can purify themselves. But whoever seeks only for their own sake will, as long as they do so, find nothing among the occultists. Even if the occultists do not withhold their help from him, the seeker himself deprives himself of the fruits of that assistance. Therefore, whoever truly follows the instructions of the good secret teachers will, after crossing the threshold, understand the demands of the great Guardian; but whoever does not follow these instructions must not even hope that he will ever reach the threshold through them. Their instructions lead either to the good or to nothing at all. For guidance toward selfish bliss and mere existence in the supersensible world lies beyond the bounds of their task. This task is designed from the outset to keep the student away from the supraterrestrial world until he enters it with the will to devoted cooperation.