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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10

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Der Hüter der Schwelle

The Guardian of the Threshold

[ 1 ] Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.

[ 1 ] Important experiences during the ascent into the higher worlds include encounters with the “Keeper of the Threshold.” There is not just one, but essentially two: a “lesser” and a “greater” “Keeper of the Threshold.” A person encounters the former when the connecting threads between will, thought, and feeling within the finer bodies (the astral and etheric bodies) begin to loosen, as described in the previous chapter. A person encounters the “greater Guardian of the Threshold” when the dissolution of these connections extends to the physical parts of the body (namely, initially, the brain).

[ 2 ] Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.

[ 2 ] The “lesser guardian of the threshold” is an independent being. It does not exist for a person until that person has reached the corresponding stage of development. Only a few of its most essential characteristics can be listed here.

[ 3 ] Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.

[ 3 ] The first step is to attempt to depict, in narrative form, the encounter between the secret student and the Keeper of the Threshold. It is only through this encounter that the student becomes aware that his thinking, feeling, and willing have become detached from the connection in which they were originally rooted.

[ 4 ] Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.

[ 4 ] A truly terrifying, ghostly being stands before the student. The student must draw upon all his presence of mind and all his confidence in the safety of his path of knowledge—qualities he has, however, been able to acquire sufficiently during his time as a secret student thus far.

[ 5 ] Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.

[ 5 ] The “Guardian” explains its significance in roughly the following words: “Until now, powers that were invisible to you have reigned over you. They ensured that, throughout your previous lifetimes, each of your good deeds received its reward and each of your evil deeds had its dire consequences. Through their influence, your character was shaped by your life experiences and your thoughts. They determined your destiny. They determined the measure of pleasure and pain allotted to you in one of your incarnations, based on your behavior in previous incarnations. They ruled over you in the form of the all-encompassing law of karma. These powers will now loosen their grip on you to some extent. And some of the work they have done on you, you must now do yourself. You have suffered many heavy blows of fate up to now. Did you not know why? It was the consequence of a harmful deed in one of your previous lifetimes. You found happiness and joy and accepted them. They, too, were the result of earlier deeds. You have many beautiful aspects to your character, as well as some ugly flaws. You have brought both upon yourself through past experiences and thoughts. Until now, you have not been aware of the latter; only the effects were apparent to you. But they—the karmic forces—saw all your past deeds, your most hidden thoughts and feelings. And they have determined how you are now and how you live now.

[ 6 ] Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und – ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. – Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. – Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.

[ 6 ] But now all the good and all the bad aspects of your past lives are to be revealed to you. Until now, they were woven into your very being; they were within you, and you could not see them, just as you cannot physically see your own brain. But now they are detaching themselves from you; they are stepping out of your personality. They are taking on an independent form that you can see, just as you see the stones and plants of the outside world. And—it is I myself, the Being who has formed a body out of your noble and your wicked deeds. My ghostly form is woven from the ledger of your own life. Until now, you have carried me invisibly within yourself. But it was beneficial for you that it was so. For the wisdom of your hidden destiny has, for that very reason, been working until now to erase the ugly blemishes in my form within you. Now that I have stepped out of you, this hidden wisdom has also departed from you. It will no longer concern itself with you. It will then place the work solely in your own hands. I must become a being that is perfect and glorious in itself, if I am not to fall into ruin. And were the latter to happen, I would drag even you down with me into a dark, corrupt world. — Your own wisdom must now, if the latter is to be prevented, be so great that it can take over the task of that hidden wisdom that has departed from you. – Once you have crossed my threshold, I will not for a single moment depart from your side in a form visible to you. And if, from now on, you do or think anything wrong, you will immediately perceive your guilt as an ugly, demonic distortion in this form of mine. Only when you have made amends for all your past wrongs and have purified yourself to such an extent that further evil is utterly impossible for you will my being have transformed into radiant beauty. And then, for the sake of your future work, I will be able to reunite with you as one being.

[ 7 ] Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.

[ 7 ] But my threshold is built from every feeling of fear that still remains within you, and from every hesitation to take full responsibility for all your actions and thoughts yourself. As long as you still have any fear of steering your own destiny, this threshold will not contain everything it needs to be complete. And as long as even a single building block is missing, you will be forced to stand spellbound at this threshold or stumble over it. Do not attempt to cross this threshold until you feel completely free of fear and ready to assume the highest level of responsibility.

[ 8 ] Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.

[ 8 ] Until now, I have only emerged from your own personality when death called you away from an earthly life. But even then, my form was veiled from you. Only the forces of destiny that ruled over you could see me and, based on my appearance, were able—in the intervals between death and a new birth—to develop your strength and abilities so that, in a new earthly life, you could work toward the beautification of my form for the sake of your own progress. It was I myself whose imperfection repeatedly compelled the powers of fate to bring you back to Earth in a new incarnation. Whenever you died, I was there; and because of me, the directors of karma determined your rebirth. Only when, through ever-renewed lives of this kind, you had unconsciously transformed me entirely into perfection would you not have fallen prey to the powers of death, but would have united yourself completely with me and passed into immortality in unity with me.

[ 9 ] So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.

[ 9 ] So today I stand visibly before you, just as I have always stood invisibly beside you at the hour of death. When you have crossed my threshold, you will enter the realms that you would otherwise have entered after physical death. You will enter them with full knowledge, and from then on, while walking visibly on Earth, you will simultaneously walk in the realm of death—which is, in fact, the realm of eternal life. I am indeed also the angel of death; but I am at the same time the bringer of a never-ending higher life. While still in the flesh, you will die through me in order to experience rebirth into an indestructible existence.

[ 10 ] Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»

[ 10 ] The realm you are now entering will introduce you to beings of a supernatural nature. Bliss will be your lot in this realm. But I myself must be your first acquaintance in this world—I, who am your very own creation. I once lived from your own life; but now, through you, I have awakened to an existence of my own and stand before you as a visible measure of your future deeds—and perhaps also as your everlasting reproach. You were able to create me; but in doing so, you also assumed the duty to transform me.”

[ 11 ] Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen, sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.1Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reihe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. — Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.

[ 11 ] What is implied here, presented in the form of a narrative, should not be imagined as something symbolic, but rather as a truly real experience of the initiate—one of the highest order. 1It is clear from the above that the “Keeper of the Threshold” described here is an (astral) figure who reveals himself to the secret student’s awakening higher vision. And it is to this supersensible encounter that the secret science leads. It is an act of lower magic to make the “Keeper of the Threshold” visible to the physical senses as well. This involves the creation of a cloud of fine substance—an incense prepared from a specific mixture of various substances. The magician’s developed power is then able to exert a formative influence on the incense and to animate its substance with the person’s still-unbalanced karma. — Those who are sufficiently prepared for higher vision no longer need such sensory perception; and anyone whose unbalanced karma were to appear before their eyes as a sensually living being without sufficient preparation would run the risk of straying into grave error. They should not strive for this. Bulwer’s *Zanoni* offers a fictional portrayal of this “Keeper of the Threshold.”

[ 12 ] Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Leben außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. – Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. – Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.

[ 12 ] The Guardian is to warn him not to go any further if he does not feel within himself the strength to meet the demands contained in the address above. As terrifying as the form of this Guardian may be, it is nevertheless merely the effect of the student’s own past life; it is merely his own character, awakened to an independent existence outside of himself. And this awakening occurs through the separation of will, thought, and feeling. — It is in itself an experience of profound significance to feel, for the first time, that one has given rise to a spiritual being. – The secret student’s preparation must now be directed toward enabling him to endure the terrifying sight without the slightest hesitation and, at the moment of encounter, to feel that his strength has truly grown to such an extent that he can take it upon himself to assume the “Guardian’s” transformation with full awareness.

[ 13 ] Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschränkt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. – Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt. Nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. – Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als Einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistem eigen sind. – Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur "Mensch" und "nichts als Mensch" sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. – Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern. Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich v6llständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.

[ 13 ] One consequence of having successfully survived the encounter with the “Keeper of the Threshold” is that the next physical death is then a completely different experience for the initiate than previous deaths were. He consciously experiences dying by shedding the physical body, just as one sheds a garment that has become worn out or perhaps unusable due to a sudden tear. This physical death of his is then, so to speak, a significant event only for the others who live with him and whose perceptions are still entirely limited to the sensory world. To them, the initiate “dies.” For him, nothing of significance changes in his entire surroundings. The entire supersensible world into which he has entered was already present before him in an appropriate form before his death, and the same world will continue to be present to him after death as well. Now, however, the “Keeper of the Threshold” is also connected to something else. A person belongs to a family, a people, a race; his or her activity in this world depends on belonging to such a collective. His or her particular character is also connected to this. And the conscious activity of individual people is by no means all that must be taken into account when considering a family, a tribe, a people, or a race. There is a family, national (and so on) destiny, just as there is a family, racial (and so on) character. For the person who is limited to his or her senses, these things remain general concepts, and the materialist thinker, in his prejudice, will look down contemptuously upon the occultist when he hears that, for the latter, the character of a family or a people, or the destiny of a tribe or a race, are just as real as the character and destiny of an individual human being are to a real personality. The esotericist comes to know higher worlds of which individual personalities are members, just as arms, legs, and the head are members of the human being. And in the life of a family, a people, or a race, in addition to individual human beings, there are also very real family souls, national souls, and racial spirits at work. Indeed, in a certain sense, individual human beings are merely the executive organs of these family souls, racial spirits, and so on. It is entirely true to say, for example, that a national soul makes use of the individual human being belonging to its nation to carry out certain tasks. The national soul does not descend to the sensory realm. It moves in higher worlds. And in order to act in the physical-sensory world, it makes use of the physical organs of the individual human being. In a higher sense, it is just as if a construction engineer were to make use of workers to carry out the details of a building project. – Every human being is, in the truest sense of the word, assigned their work by the family, national, or racial soul. However, the sensory human being is by no means initiated into the higher plan of their work. They work unconsciously toward the goals of the national and racial souls, and so on. From the moment the initiatory student encounters the Keeper of the Threshold, he must not only be aware of his own tasks as an individual, but he must knowingly collaborate on those of his people and his race. Every expansion of his horizon inevitably imposes expanded duties upon him. The actual process involved is that the secret student adds a new, finer soul body to his own. He puts on another garment. Until now, he has walked through the world clothed in the veils that envelop his personality. And whatever he had to do for his community, his people, his race, and so on, was taken care of by the higher spirits who made use of his personality. – Another revelation that the “Keeper of the Threshold” now makes to him is that, from this point on, these spirits will withdraw their hand from him. He must step out of the collective entirely. And he would completely harden within himself as an individual; he would head toward ruin if he did not now acquire for himself the forces that are inherent in the national and racial spirits. – Admittedly, many people will say: “Oh, I have completely freed myself from all tribal and racial ties; I want to be only a ‘human being’ and ‘nothing but a human being.’” But one must say to them: Who brought you to this freedom? Did not your family place you in the world just as you now stand in it? Did not your tribe, your people, your race make you what you are? They raised you; and even if you are above all prejudices, a bringer of light and a benefactor to your tribe or even your race, you owe that to their upbringing. Yes, even if you say of yourself that you are “nothing but a human being”: you owe even the fact that you have become this way to the spirits of your communities. — Only the initiate learns to recognize what it means to be completely free from the spirits of nation, tribe, and race. Only he experiences for himself the insignificance of all such upbringing for the life that now lies ahead of him. For everything that has shaped him dissolves completely as the threads connecting will, thought, and feeling are severed. He looks back on the results of all his previous education as one would look upon a house crumbling into its individual bricks—a house that must now be rebuilt in a new form. It is more than a mere metaphor to say: After the “Keeper of the Threshold” has spoken of his first demands, a whirlwind rises from the very spot where he stands, extinguishing all the spiritual lights that have hitherto illuminated the path of life. And complete darkness spreads before the initiate. It is interrupted only by the radiance that the “Keeper of the Threshold” himself emits. And from the darkness, his further admonitions resound: “Do not cross my threshold until you are certain that you will illuminate the darkness within yourself; nor take a single step forward unless you are certain that you have enough fuel in your own lamp. The lamps of the guides you have had thus far will be lacking to you in the future.” After these words, the student must turn around and look back. The “Keeper of the Threshold” now draws back a curtain that has hitherto veiled the profound mysteries of life. The tribal, national, and racial spirits are revealed in their full power; and the disciple sees just as clearly how he has been guided up to this point as he realizes, on the other hand, that he will no longer have this guidance. This is a second warning that the human being experiences at the threshold through its Keeper.

[ 14 ] Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.

[ 14 ] No one, however, could endure the sight described here without preparation; but the higher training that enables a person to advance as far as the threshold also puts him in a position to find the necessary strength at the appropriate moment. Indeed, this training can be so harmonious that any element of excitement or turmoil is removed from the entry into the new life. Then, for the initiate, the experience at the threshold will be accompanied by a foretaste of that bliss which will form the fundamental tone of his newly awakened life. The sensation of this new freedom will outweigh all other feelings; and with this sensation, the new duties and responsibilities will appear to him as something that a person must assume at a certain stage of life.