From the Akashic Records
GA 11
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From the Akashic Record, tr. SOL
Einige notwendige Zwischenbemerkungen
A Necessary Interlude
[ 1 ] Es soll in diesen Betrachtungen mit Mitteilungen begonnen werden, die sich auf die Entwickelung des Menschen und der mit ihm zusammenhängenden Wesenheiten vor der «irdischen Periode» beziehen. Denn als der Mensch anfing, sein Schicksal zu verknüpfen mit dem Planeten, den man die «Erde» nennt, hatte er bereits eine Reihe von Entwickelungsstufen durchgemacht, durch die er sich für das irdische Dasein gewissermaßen vorbereitet hat. Man hat von solchen Stufen drei zu unterscheiden und bezeichnet diese als drei planetarische Entwickelungsstufen. Die Namen, welche man in der Geheimwissenschaft für diese Stufen gebraucht, sind Saturn-, Sonne- und Mondperiode. Es wird sich zeigen, daß diese Benennungen zunächst nichts zu tun haben mit den Himmelskörpern von heute, welche in der physischen Astronomie diese Namen tragen, obwohl in weiterem Sinne eine dem vorgerückten Mystiker bekannte Beziehung auch zu ihnen besteht. — Man sagt nun wohl auch, der Mensch habe, bevor er die Erde betrat, andere Planeten bewohnt. Doch hat man unter diesen «anderen Planeten» nur frühere Entwickelungszustände der Erde selbst und ihrer Bewohner zu verstehen. Die Erde mit allen Wesen, die zu ihr gehören, hat, bevor sie «Erde» geworden ist, die drei Zustände des Saturn-, Sonne-und Monddaseins durchgemacht. Saturn, Sonne, Mond sind gewissermaßen die drei Inkarnationen der Erde in der Vorzeit. Und was man in diesem Zusammenhange Saturn, Sonne und Mond nennt, ist heute ebensowenig als physischer Planet noch vorhanden wie die früheren physischen Inkarnationen eines Menschen neben seiner heutigen noch vorhanden sind. — Wie es sich mit dieser «planetarischen Entwickelung» des Menschen und der anderen zur Erde gehörigen Wesen verhält, wird eben den Gegenstand der folgenden Abhandlungen «Aus der Akasha-Chronik» bilden. Damit soll nicht gesagt werden, daß den genannten drei Zuständen nicht noch weitere vorhergegangen seien. Allein alles, was ihnen vorangeht, verliert sich in ein Dunkel, in das geheimwissenschaftliche Forschung zunächst nicht hineinzuleuchten vermag. Denn diese Forschung beruht nicht auf einer Spekulation, auf einem Spinnen in bloßen Begriffen, sondern auf wirklicher geistiger Erfahrung. Und so wie unser physisches Auge auf freiem Felde nur bis zu einer gewissen Grenze zu sehen vermag und über den Horizont nicht hinausblicken kann, so kann auch das «Geistesauge» nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte blicken. Geheimwissenschaft beruht auf Erfahrung und sie bescheidet sich innerhalb dieser Erfahrung. Nur Begriffshaarspalterei will erforschen, was «ganz im Anfange» der Welt war, oder «warum eigentlich Gott die Welt erschaffen habe?» Für den Geheimforscher handelt es sich vielmehr darum, zu begreifen, daß man solche Fragen auf einer gewissen Stufe der Erkenntnis gar nicht mehr stellt. Denn innerhalb der geistigen Erfahrung offenbart sich dem Menschen alles, was ihm zur Erfüllung seiner Bestimmung auf unserem Planeten nötig ist. Wer geduldig sich hineinarbeitet in die Erfahrungen der Geheimforscher, der wird sehen, daß der Mensch volle Befriedigung für alle ihm notwendigen Fragen innerhalb der geistigen Erfahrung gewinnen kann. Man wird zum Beispiel in den folgenden Aufsätzen sehen, wie sich vollkommen die Frage nach dem «Ursprunge des Bösen» löst und vieles andere, wonach der Mensch verlangen muß. — Es soll hier auch durchaus nicht gesagt werden, daß der Mensch niemals über die oben genannten Fragen nach dem «Ursprunge der Welt» und ähnlichem Aufschluß erlangen könne. Er kann es. Aber er muß, um es zu können, erst durch die Erkenntnisse hindurchgehen, welche innerhalb der nächsten geistigen Erfahrung sich offenbaren. Dann erkennt er, daß er diese Fragen in einer anderen Weise zu stellen hat, als dies bisher von ihm geschehen ist.
[ 1 ] These reflections will begin with accounts relating to the evolution of humankind and the beings associated with it prior to the “earthly period.” For when humanity began to link its destiny to the planet called “Earth,” it had already passed through a series of stages of development through which it had, so to speak, prepared itself for earthly existence. Three such stages must be distinguished, and these are designated as three planetary stages of development. The names used in esoteric science for these stages are the Saturn, Sun, and Moon periods. It will become clear that these designations at first have nothing to do with the celestial bodies of today that bear these names in physical astronomy, although in a broader sense there is also a connection to them known to the advanced mystic. — It is also said that before entering Earth, humankind inhabited other planets. However, these “other planets” are to be understood solely as earlier stages of development of the Earth itself and its inhabitants. Before it became the “Earth,” the Earth, along with all the beings belonging to it, passed through the three stages of Saturn, Sun, and Moon existence. Saturn, Sun, and Moon are, in a sense, the three incarnations of the Earth in ancient times. And what is referred to in this context as Saturn, the Sun, and the Moon no longer exists today as physical planets, just as the earlier physical incarnations of a human being no longer exist alongside his present one. — The nature of this “planetary evolution” of human beings and the other beings belonging to the Earth will be the subject of the following treatises in From the Akashic Records. This is not to say that these three states were not preceded by others. However, everything that preceded them is lost in a darkness into which esoteric research is not yet able to shed light. For this research is not based on speculation, on spinning theories out of mere concepts, but on genuine spiritual experience. And just as our physical eye can see only up to a certain limit in an open field and cannot look beyond the horizon, so too can the “spiritual eye” see only up to a certain point in time. Esoteric science is based on experience, and it confines itself within this experience. Only conceptual hair-splitting seeks to investigate what was “at the very beginning” of the world, or “why, in fact, God created the world.” For the esoteric researcher, the point is rather to understand that, at a certain level of knowledge, such questions are no longer even asked. For within spiritual experience, everything necessary for a person to fulfill their destiny on our planet is revealed. Anyone who patiently delves into the experiences of the researchers of the occult will see that a person can find complete satisfaction for all the questions they need answered within spiritual experience. For example, in the following essays one will see how the question of the “origin of evil” is completely resolved, along with many other matters that human beings must seek to understand. — Nor is it at all intended to be said here that human beings can never gain insight into the aforementioned questions concerning the “origin of the world” and similar topics. He can do so. But in order to do so, he must first pass through the insights that within the next spiritual experience are revealed. Then he realizes that he must pose these questions in a different way than he has done so far.
[ 2 ] Je tiefer man sich hineinarbeitet in die wahre Geheimwissenschaft, desto bescheidener wird man eben. Man erkennt dann erst, wie man sich ganz allmählich reif und würdig machen muß für gewisse Erkenntnisse. Und Stolz oder Unbescheidenheit werden endlich Namen für Eigenschaften des Menschen, welche auf einer gewissen Erkenntnisstufe keinen Sinn mehr haben. Man sieht, wenn man ein klein wenig erkannt hat, wie unermeßlich groß der Weg ist, der vor einem liegt. Durch Wissen erlangt man eben die Einsicht in das: «wie wenig man weiß». Und man erlangt auch das Gefühl für die ungeheure Verantwortung, die man auf sich nimmt, wenn man von übersinnlichen Erkenntnissen redet. Doch kann die Menschheit ohne diese übersinnlichen Erkenntnisse nicht leben. Wer aber solche Erkenntnisse verbreitet, der bedarf der Bescheidenheit und einer wahren echten Selbstkritik, eines durch nichts zu erschütternden Strebens nach Selbsterkenntnis und äußerster Vorsicht.
[ 2 ] The deeper one delves into true esoteric science, the more humble one becomes. Only then does one realize how one must gradually prepare oneself to become mature and worthy of certain insights. And pride or arrogance ultimately become terms for human traits that no longer make sense at a certain level of understanding. Once one has gained even a little insight, one sees how immeasurably long the path ahead is. Through knowledge, one gains the insight into “how little one knows.” And one also gains a sense of the immense responsibility one takes upon oneself when speaking of supersensible insights. Yet humanity cannot live without these supersensible insights. But whoever disseminates such insights requires humility and true, genuine self-criticism, an unshakable striving for self-knowledge, and the utmost caution.
[ 3 ] Solche Zwischenbemerkungen sind hier notwendig, da ja jetzt zu noch höheren Erkenntnissen der Aufstieg unternommen werden soll, als diejenigen sind, welche man in den vorhergehenden Abschnitten der «Akasha-Chronik» findet.
[ 3 ] Such asides are necessary here, since the journey is now to be undertaken toward even higher insights than those found in the preceding sections of the “Akashic Records.”
[ 4 ] Zu den Ausblicken, die man in den folgenden Mitteilungen in die Vergangenheit des Menschen machen wird, sollen dann solche in die Zukunft kommen. Denn einer wahren geistigen Erkenntnis kann die Zukunft sich aufschließen, wenn auch nur in dem Maße, als es für den Menschen zu einer Erfüllung seiner Bestimmung notwendig ist. Wer sich nicht einläßt auf die Geheimwissenschaft und von dem hohen Richterstuhle seiner Vorurteile herab einfach alles in das Gebiet der Phantastik und Träumerei verweist, was von dieser Seite kommt, der wird dieses Verhältnis zur Zukunft am wenigsten verstehen. Und doch könnte eine einfache logische Überlegung verständlich machen, was da in Betracht kommt. Nur werden solche logischen Überlegungen eben bloß so lange angenommen, als sie mit den Vorurteilen der Menschen übereinstimmen. Vorurteile sind mächtige Feinde auch aller Logik.
[ 4 ] The glimpses into humanity’s past that will be provided in the following communications will be followed by such glimpses into the future. For the future can open itself to true spiritual insight, albeit only to the extent necessary for humanity to fulfill its destiny. Anyone who refuses to engage with esoteric science and, from the lofty judgment seat of his prejudices, simply dismisses everything that comes from this realm as fantasy and daydreaming will be the least able to understand this relationship to the future. And yet, a simple logical consideration could make clear what is at stake here. However, such logical considerations are accepted only as long as they align with people’s prejudices. Prejudices are powerful enemies of all logic as well.
[ 5 ] Man bedenke einmal: wenn Schwefel, Sauerstoff und Wasserstoff unter ganz bestimmten Verhältnissen zusammengebracht werden, so muß Schwefelsäure nach einem notwendigen Gesetze entstehen. Und wer Chemie gelernt hat, der weiß vorherzusagen, was eintreten muß, wenn die genannten drei Stoffe unter den entsprechenden Bedingungen in Verhältnis treten. Ein solcher Chemiekundiger ist also ein Prophet auf dem eingeschränkten Gebiete der stofflichen Welt. Und seine Prophetie könnte sich nur dann als falsch erweisen, wenn die Naturgesetze plötzlich andere würden. Der Geheimwissenschafter erforscht nun die geistigen Gesetze gerade in der Art, wie der Physiker oder Chemiker die materiellen Gesetze erforscht. Er tut das in der Art und mit der Strenge, wie es sich auf geistigem Gebiete geziemt. Von diesen großen geistigen Gesetzen hängt aber die Entwickelung der Menschheit ab. Ebensowenig wie gegen die Naturgesetze sich in irgendeiner Zukunft Sauerstoff, Wasserstoff und Schwefel verbinden werden, ebensowenig wird im geistigen Leben etwas gegen die geistigen Gesetze geschehen. Und wer die letzteren kennt, der vermag also in die Gesetzmäßigkeit der Zukunft zu blicken. -
[ 5 ] Consider this: when sulfur, oxygen, and hydrogen are brought together under very specific conditions, sulfuric acid must be produced according to an inevitable law. And anyone who has studied chemistry knows how to predict what must happen when these three substances are combined under the appropriate conditions. Such a chemist is therefore a prophet within the limited realm of the material world. And his prophecy could only prove false if the laws of nature were to suddenly change. The scholar of the occult now investigates spiritual laws in precisely the same way that a physicist or chemist investigates material laws. He does so in the manner and with the rigor befitting the spiritual realm. Yet the development of humanity depends on these great spiritual laws. Just as contrary to the laws of nature, oxygen, hydrogen, and sulfur will never combine in any future, so too will nothing in spiritual life happen contrary to the spiritual laws. And whoever knows the latter is thus able to glimpse the regularity of the future. -
[ 6 ] Es wird hier absichtlich gerade dieser Vergleich für das prophetische Vorausbestimmen der kommenden Menschheitsschicksale gebraucht, weil von der wahren Geheimwissenschaft dieses Vorausbestimmen wirklich ganz in diesem Sinne gemeint ist. Denn für denjenigen, der sich diese wirkliche Meinung des Okkultismus klarmacht, fällt auch der Einwand weg, als ob dadurch, daß die Dinge in gewissem Sinne vorauszubestimmen sind, alle Freiheit des Menschen unmöglich sei. Vorausbestimmen läßt sich, was einem Gesetz entspricht. Aber der Wille wird nicht durch das Gesetz bestimmt. Ebenso wie es bestimmt ist, daß in jedem Falle nur nach einem bestimmten Gesetz sich Sauerstoff, Wasserstoff und Schwefel zu Schwefelsäure verbinden werden, ebenso sicher ist es, daß es von dem menschlichen Willen abhängen kann, die Bedingungen herzustellen, unter denen das Gesetz wirken wird. Und so wird es auch mit den großen Weltereignissen und Menschenschicksalen der Zukunft sein. Man sieht sie als Geheimforscher voraus, trotzdem sie erst durch menschliche Willkür herbeigeführt werden sollen. Der okkulte Forscher sieht eben auch voraus, was erst durch die Freiheit des Menschen vollbracht wird. Daß dies möglich ist, davon sollen die folgenden Mitteilungen eine Vorstellung geben. — Nur einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Vorausbestimmen von Tatsachen durch die physische Wissenschaft und demjenigen durch das geistige Erkennen muß man sich klarmachen. Die physische Wissenschaft beruht auf den Einsichten des Verstandes, und ihre Prophetie ist daher auch nur eine verstandesgemäße, die auf Urteile, Schlüsse, Kombinationen und so weiter angewiesen ist. Die Prophetie durch geistiges Erkennen geht dagegen aus einem wirklichen höheren Schauen oder Wahrnehmen hervor. Ja, der Geheimforscher muß sogar auf das allerstrengste alles vermeiden sich vorzustellen, was auf bloßem Nachdenken, Kombinieren, Spekulieren und so weiter beruht. Hier muß er die weitestgehende Entsagung üben und sich ganz klar darüber sein, daß alles Spekulieren, verstandesmäßige Philosophieren und so weiter dem wahren Schauen abträglich ist. Diese Verrichtungen gehören eben durchaus noch der niedrigeren Menschennatur an, und wahrhaft höhere Erkenntnis beginnt erst da, wo diese Natur sich zu der höheren Wesenheit im Menschen erhebt. Damit ist an sich gar nichts gegen diese Verrichtungen gesagt, die auf ihrem Gebiete nicht nur vollberechtigt, sondern auch einzig berechtigt sind. An sich ist überhaupt nicht etwas ein Höheres oder Niedrigeres, sondern nur im Verhältnis zu einem anderen. Und was in einer Beziehung hoch steht, kann nach einer anderen Richtung sehr tief stehen. — Was aber durch Schauen erkannt werden muß, kann es durch bloßes Nachdenken und durch die herrlichsten Kombinationen des Verstandes nicht werden. Ein Mensch mag im gewöhnlichen Wortsinne noch so «geistreich» sein; zur Erkenntnis übersinnlicher Wahrheiten hilft ihm diese «Geistreichheit» gar nicht. Er muß ihrer sogar entsagen und sich ganz allein dem höheren Schauen hingeben. Dann nimmt er da die Dinge so ohne sein «geistreiches» Nachdenken wahr, wie er die Blumen auf dem Felde ohne weiteres Nachdenken wahrnimmt. Es hilft einem nichts, über das Aussehen einer Wiese nachzudenken; aller Witz ist da machtlos. Ebenso muß es sich mit dem Schauen in höheren Welten verhalten.
[ 6 ] This particular comparison is deliberately used here to describe the prophetic predetermination of humanity’s future destinies, because in true esoteric science, this predetermination is indeed meant entirely in this sense. For those who grasp this true view of occultism, the objection that human freedom is rendered impossible by the fact that things are, in a certain sense, predetermined, is thereby dispelled. What corresponds to a law can be predetermined. But the will is not determined by the law. Just as it is certain that in every case, oxygen, hydrogen, and sulfur will combine to form sulfuric acid only according to a specific law, so it is equally certain that it can depend on the human will to create the conditions under which the law will take effect. And so it will also be with the great world events and human destinies of the future. As occult researchers, we foresee them, even though they are to be brought about only through human volition. The occult researcher also foresees what will be accomplished only through human freedom. The following remarks are intended to give an idea of how this is possible. — One must, however, clearly understand one essential difference between the prediction of facts by physical science and that by spiritual knowledge. Physical science is based on the insights of the intellect, and its prophecy is therefore merely an intellectual one, relying on judgments, conclusions, combinations, and so on. Prophecy through spiritual insight, on the other hand, arises from a genuine higher vision or perception. Indeed, the esoteric researcher must, with the utmost rigor, avoid imagining anything that is based on mere reflection, combination, speculation, and so on. Here he must practice the most complete renunciation and be fully aware that all speculation, intellectual philosophizing, and so on is detrimental to true vision. These activities still belong entirely to the lower human nature, and truly higher knowledge begins only where this nature rises to the higher being within the human being. This in itself says nothing against these activities, which in their own realm are not only fully justified but also solely justified. In and of itself, nothing is inherently higher or lower, but only in relation to something else. And what is high in one respect may be very low in another. — But what must be recognized through contemplation cannot be attained through mere reflection and the most magnificent combinations of the intellect not. A person may be as “witty” as can be in the ordinary sense of the word; yet this “wit” does not help him at all in gaining insight into supersensory truths. He must even renounce it and devote himself entirely to higher contemplation. Then he perceives things there without his “witty” reasoning, just as he perceives the flowers in a field without further thought. It does one no good to think about the appearance of a meadow; all wit is powerless there. The same must be true of contemplation in higher worlds.
[ 7 ] Was nun auf diese Art über des Menschen Zukunft prophetisch ausgesagt werden kann, das ist die Grundlage für alle ideale, die eine wirkliche praktische Bedeutung haben. Ideale müssen, wenn sie Wert haben sollen, so tief in der geistigen Welt begründet sein wie Naturgesetze in der bloß natürlichen Welt. Gesetze der Entwickelung müssen solche wahren Ideale sein. Sonst entspringen sie aus einer wertlosen Schwärmerei und Phantasie und können niemals Verwirklichung finden. Alle großen Ideale der Weltgeschichte im weitesten Sinne sind aus schauender Erkenntnis hervorgegangen. Denn zuletzt stammen alle diese großen Ideale von den großen Geheimforschern oder Eingeweihten, und die Kleineren, die mitarbeiten an dem Menschheitsbau, richten sich entweder bewußt oder — allermeistens — unbewußt nach den von den Geheimforschern bestimmten Angaben. Alles Unbewußte hat zuletzt nämlich doch in einem Bewußten seinen Ursprung. Der Maurer, der an einem Hause arbeitet, richtet sich «unbewußt» nach Dingen, die anderen bewußt sind, welche den Ort bestimmt haben, an dem das Haus gebaut werden soll, den Stil, in dem es errichtet werden soll und so weiter. Aber auch diesem Bestimmen von Ort und Stil liegt etwas zugrunde, was den Bestimmern unbewußt bleibt, andern aber bewußt ist oder bewußt war. Ein Künstler zum Beispiel weiß, warum der betreffende Stil dort eine gerade, dort eine gewundene Linie verlangt und so weiter. Der, welcher den Stil zu seinem Hause verwendet, bringt sich dieses «Warum» vielleicht nicht zum Bewußtsein. — Es ist ebenso auch mit den großen Vorgängen in der Welt- und Menschheitsentwickelung. Hinter denen, welche auf einem bestimmten Gebiete arbeiten, stehen höhere bewußtere Arbeiter, und so geht die Stufenleiter der Bewußtheit auf- und abwärts. — Hinter den Alltagsmenschen stehen die Erfinder, Künstler, Forscher und so weiter. Hinter diesen stehen die geheimwissenschaftlichen Eingeweihten — und hinter diesen stehen übermenschliche Wesen. Allein das macht die Welt- und Menschheitsentwickelung begreiflich, wenn man sich klar darüber ist, daß das gewöhnliche menschliche Bewußtsein nur eine Form des Bewußtseins ist, und daß es höhere und tiefere Formen gibt. Doch darf man auch hier die Ausdrücke «höher» und «tiefer» nicht falsch anwenden. Sie haben nur eine Bedeutung für den Standpunkt, auf dem der Mensch gerade steht. Es ist ja damit nicht anders als mit «rechts und links». Wenn man irgendwo steht, so sind gewisse Dinge «rechts oder links». Geht man selbst ein wenig «rechts», so sind die Dinge links, die früher rechts gewesen sind. So ist es wirklich auch mit den Bewußtseinsstufen, die «höher oder tiefer» liegen als die gewöhnliche menschliche. Wenn der Mensch sich selbst höher entwickelt, so ändern sich seine Verhältnisse zu anderen Bewußtseinsstufen. Aber diese Änderungen hängen gerade mit seiner Entwickelung zusammen. Und darum ist es wichtig, hier beispielsweise auf solche anderen Bewußtseinsstufen hinzudeuten.
[ 7 ] Whatever can be prophetically stated in this way about humanity’s future forms the foundation for all ideals that have real practical significance. If ideals are to have any value, they must be rooted as deeply in the spiritual world as the laws of nature are in the purely natural world. Laws of development must be such true ideals. Otherwise, they spring from worthless enthusiasm and fantasy and can never be realized. All the great ideals of world history, in the broadest sense, have emerged from intuitive insight. For ultimately, all these great ideals originate with the great esoteric researchers or initiates, and the lesser ones who contribute to the edification of humanity orient themselves either consciously or—in most cases—unconsciously according to the guidelines established by the esoteric researchers. For everything unconscious ultimately has its origin in something conscious. The mason working on a house “unconsciously” follows things that are conscious to others—those who have determined the location where the house is to be built, the style in which it is to be constructed, and so on. But even this determination of location and style is based on something that remains unconscious to those making the decisions, yet is conscious—or was conscious—to others. An artist, for example, knows why a particular style calls for a straight line here and a curved line there, and so on. The person who adopts that style for his house may not bring this “why” to his conscious awareness. — The same is true of the great processes in the development of the world and humanity. Behind those who work in a particular field stand higher, more conscious workers, and thus the ladder of consciousness ascends and descends. — Behind ordinary people stand the inventors, artists, researchers, and so on. Behind them stand the initiates of the secret sciences—and behind them stand superhuman beings. Only this makes the development of the world and humanity comprehensible, if one is clear about the fact that ordinary human consciousness is only one form of consciousness, and that there are higher and deeper forms. But even here, one must not misuse the terms “higher” and “deeper.” They have meaning only from the standpoint on which a person currently stands. It is no different from “right and left.” When you stand in a certain place, certain things are “to the right or to the left.” If you move a little “to the right” yourself, the things that were formerly to the right are now to the left. The same is true of the levels of consciousness that are “higher or lower” than the ordinary human level. As a person develops to a higher level, their relationship to other levels of consciousness changes. But these changes are precisely related to their development. And that is why it is important to point out such other levels of consciousness here, for example.
[ 8 ] Beispiele für solche Hindeutung bieten zunächst der Bienenstock oder jenes herrliche Staatswesen, das sich in einem Ameisenhaufen abspielt. Das Zusammenwirken der einzelnen Insektengattungen (Weibchen, Männchen, Arbeiter) geschieht in durchaus gesetzmäßiger Weise. Und die Verteilung der Verrichtungen auf die einzelnen Kategorien kann nur als der Ausdruck vollgültiger Weisheit bezeichnet werden. Was da zustande kommt, ist genau ebenso das Ergebnis eines Bewußtseins, wie die Einrichtungen des Menschen in der physischen Welt (Technik, Kunst, Staat und so weiter) Wirkung seines Bewußtseins sind. Nur ist das dem Bienenstock oder der Ameisengesellschaft zugrunde liegende Bewußtsein nicht in derselben physischen Welt zu finden, in welcher das gewöhnliche menschliche Bewußtsein vorhanden ist. Man kann sich, um den Sachverhalt zu bezeichnen, etwa in folgender Art ausdrücken. Den Menschen findet man in der physischen Welt. Und seine physischen Organe, sein ganzer Bau sind so beschaffen, daß man sein Bewußtsein auch zunächst in dieser physischen Welt sucht. Anders beim Bienenstock oder Ameisenhaufen. Man geht ganz fehl, wenn man auch dabei in demselben Sinne wie beim Menschen für das Bewußtsein, um das es sich zunächst handelt, in der physischen Welt stehenbleibt. Nein, hier muß man vielmehr sich sagen: um das ordnende Wesen des Bienenstockes oder Ameisenhaufens zu finden, kann man nicht in der Welt stehenbleiben, in welcher die Bienen oder Ameisen ihrem physischen Körper nach leben. Der «bewußte Geist» muß da sofort in einer anderen Welt gesucht werden. Derselbe bewußte Geist, der beim Menschen in der physischen Welt lebt, muß eben für die genannten Tierkolonien in einer übersinnlichen Welt gesucht werden. Könnte sich der Mensch mit seinem Bewußtsein in diese übersinnliche Welt erheben, so würde er dort den «Ameisenoder Bienengeist» in voller Bewußtheit als sein Schwesterwesen begrüßen können. Der Seher kann dieses wirklich. Man hat also in den angeführten Beispielen Wesen vor sich, die in anderen Welten bewußt sind und nur durch ihre physischen Organe — die einzelnen Bienen und Ameisen — in die physische Welt hereinragen. Es kann nun durchaus sein, daß ein solches Bewußtsein wie das des Bienenstocks oder des Ameisenhaufens in früheren Epochen seiner Entwickelung bereits in der physischen Welt war wie das jetzige menschliche, jedoch sich dann erhoben hat und nur die ausführenden Organe, eben die einzelnen Ameisen und Bienen, in der physischen Welt noch zurückgelassen hat. Ein solcher Entwickelungsgang wird beim Menschen in der Zukunft wirklich stattfinden. Ja, er hat sich in einer gewissen Weise bei den Sehern schon in der Gegenwart abgespielt. Daß das Bewußtsein des heutigen Menschen in der physischen Welt arbeitet, beruht ja darauf, daß seine physischen Teilchen — die Gehirn- und Nervenmoleküle — in einer ganz bestimmten Verbindung miteinander stehen. Was in anderem Zusammenhange — in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» genauer ausgeführt worden ist, das soll auch hier angedeutet werden. Bei der höheren Entwickelung des Menschen wird in der Tat der gewöhnliche Zusammenhang der Gehirnmoleküle gelöst. Sie hängen dann «loser» zusammen, so daß ein Sehergehirn in einer gewissen Beziehung in der Tat mit einem Ameisenhaufen zu vergleichen ist, wenn auch anatomisch die Zerklüftung nicht nachweisbar ist. Die Vorgänge spielen sich eben auf den verschiedenen Gebieten der Welt in ganz verschiedener Weise ab. Die einzelnen Moleküle des Ameisenhaufens — eben die Ameisen selbst — hingen in einer längst vergangenen Zeit fest zusammen, wie heute die Moleküle eines menschlichen Gehirns. Damals war das ihnen entsprechende Bewußtsein in der physischen Welt wie heute das menschliche. Und wenn in der Zukunft das menschliche Bewußtsein in «höhere» Welten wandern wird, dann wird der Zusammenhang der sinnlichen Teile in der physischen Welt so lose sein, wie es heute der zwischen den einzelnen Ameisen ist. Das, was für alle Menschen einstens physisch sich vollziehen wird, vollzieht sich mit dem Gehirn des Hellsehers schon heute, nur daß kein Instrument der Sinnenwelt fein genug ist, bei dieser vorauseilenden Entwickelung die Lockerung nachzuweisen. Ja, wie bei den Bienen drei Kategorien entstehen, Königin, Drohnen, Arbeiter, so entstehen in dem «Sehergehirn» drei Kategorien von Molekülen, eigentlich einzelner, lebendiger Wesen, welche das in eine höhere Welt entrückte Bewußtsein des Sehers in bewußtes Zusammenwirken bringt.
[ 8 ] Examples of such indications can be found, first of all, in the beehive or in that marvelous social structure found in an anthill. The interaction among the individual types of insects (females, males, workers) takes place in a thoroughly systematic manner. And the distribution of tasks among the individual categories can only be described as the expression of fully valid wisdom. What comes about there is just as much the result of consciousness as human institutions in the physical world (technology, art, the state, and so on) are the effects of human consciousness. However, the consciousness underlying the beehive or the ant colony is not to be found in the same physical world in which ordinary human consciousness exists. To describe this state of affairs, one might express it in the following manner. Humans are found in the physical world. And their physical organs, their entire constitution, are such that one initially seeks their consciousness in this physical world as well. It is different with the beehive or the anthill. One is entirely mistaken if, in the same sense as with humans, one confines oneself to the physical world when seeking the consciousness in question. No, here one must rather say to oneself: in order to find the organizing essence of the beehive or anthill, one cannot remain in the world in which the bees or ants live in terms of their physical bodies. The “conscious spirit” must be sought immediately in another world. The very same conscious spirit that lives in the physical world in human beings must, for the animal colonies mentioned, be sought in a supersensible world. If human beings could raise their consciousness into this supersensible world, they would be able to greet the “ant or bee spirit” there in full consciousness as their sister being. The seer can truly. Thus, in the examples cited, we are dealing with beings who are conscious in other worlds and who project into the physical world only through their physical organs—the individual bees and ants. It may well be that a consciousness such as that of the beehive or the anthill was already present in the physical world in earlier epochs of its development, just as human consciousness is today, but then elevated itself, leaving only the executing organs—namely, the individual ants and bees—behind in the physical world. Such a course of development will indeed take place in human beings in the future. Indeed, in a certain sense, it has already unfolded among the seers in the present. The fact that the consciousness of modern human beings operates in the physical world is based on the fact that their physical particles—the brain and nerve molecules—are connected to one another in a very specific way. What has been explained in more detail in another context—in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds—should also be touched upon here. In the higher development of the human being, the usual connection between the brain molecules is indeed dissolved. They are then linked more “loosely,” so that, in a certain sense, the brain of a seer can indeed be compared to an anthill, even if anatomically this fragmentation is not detectable. These processes unfold in entirely different ways in the various realms of the world. The individual molecules of the anthill—the ants themselves—were tightly bound together in a time long past, just as the molecules of a human brain are today. At that time, the consciousness corresponding to them in the physical world was like human consciousness today. And when, in the future, human consciousness migrates to “higher” worlds, the connection between the sensory parts in the physical world will be as loose as that between individual ants is today. What will one day take place physically for all human beings is already taking place today in the brain of the clairvoyant; it is just that no instrument of the sensory world is sensitive enough to detect this loosening in the course of this advance in development. Indeed, just as three categories arise among bees—queen, drones, and workers—so too do three categories of molecules arise in the “clairvoyant’s brain”—in fact, individual, living beings—which bring the clairvoyant’s consciousness, now transported to a higher world, into conscious interaction.
[ 9 ] Eine andere Stufe der Bewußtheit bietet dasjenige, was man gewöhnlich Volks oder Rassengeist nennt, ohne sich viel Bestimmtes dabei vorzustellen. Für den Geheimforscher liegt auch den gemeinsamen, weisheitsvollen Wirkungen, die sich in dem Zusammenleben der Glieder eines Volkes oder einer Rasse zeigen, ein Bewußtsein zugrunde. Man findet durch die Geheimforschung dieses Bewußtsein ebenso in einer anderen Welt, wie das beim Bewußtsein eines Bienenstocks oder Ameisenhaufens der Fall ist. Nur sind für dieses «Volks-» oder «Rassenbewußtsein» keine Organe in der physischen Welt vorhanden, sondern diese Organe finden sich nur in der sogenannten astralischen Welt. Wie das Bienenstockbewußtsein seine Arbeit durch die physischen Bienen leistet, so das Volksbewußtsein mit Hilfe der Astralleiber der zum Volke gehörigen Menschen. In diesen «Volks- und Rassengeistern» hat man somit eine ganz andere Art von Wesenheiten vor sich wie im Menschen oder im Bienenstock. Es müßten viele Beispiele noch angeführt werden, wenn ganz ersichtlich gemacht werden sollte, wie es unter- und übergeordnete Wesenheiten in bezug auf den Menschen gibt. Das Angeführte aber mag genügen, um den in den folgenden Ausführungen beschriebenen Entwickelungswegen des Menschen eine Einleitung voranzusenden. Denn des Menschen eigener Werdegang ist eben nur zu begreifen, wenn man in Betracht zieht, daß er mit Wesen zusammen sich entwickelt, deren Bewußtsein in anderen Welten, als seine eigene ist, liegen. Was sich in seiner Welt abspielt, hängt von solchen Wesen anderer Bewußtseinsstufen mit ab, kann daher nur in Verbindung damit verstanden werden.
[ 9 ] Another level of consciousness is provided by what is commonly called national or racial spirit, without any specific concept being associated with it. For the occult researcher, the collective, wise effects that manifest in the coexistence of the members of a people or a race are also based on a form of consciousness. Through occult research, this consciousness is found in another world, just as is the case with the consciousness of a beehive or an anthill. However, there are no organs for this “national” or “racial consciousness” in the physical world; rather, these organs are found only in the so-called astral world. Just as the consciousness of a beehive carries out its work through the physical bees, so does the national consciousness with the help of the astral bodies of the people belonging to that nation. These “national and racial spirits” are thus a completely different kind of entity than those found in human beings or in a beehive. Many more examples would need to be cited to make it fully clear how there are entities both subordinate to and superior to human beings. However, what has been stated here may suffice to serve as an introduction to the paths of human development described in the following discussion. For the human being’s own development can only be understood if one takes into account that he develops alongside beings whose consciousness lies in worlds other than his own. What takes place in the human world depends on such beings of other levels of consciousness with; therefore, it can only be understood in connection with them.
