The Stages of Higher Knowledge
GA 12
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The Stages of Higher Knowledge, tr. SOL
Die Stufen der Höheren Erkenntnis
1. The Stages of Higher Knowledge
[ 1 ] Bis zu der Begegnung mit den beiden «Hütern der Schwelle» ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» der Weg zur höheren Erkenntnis verfolgt worden. Nun sollen auch noch die Verhältnisse geschildert werden, in denen die Seele zu den verschiedenen Welten steht, wenn sie durch die aufeinanderfolgenden Erkenntnisstufen hindurchschreitet. Damit wird das gegeben, was man die «Erkenntnislehre der Geheim Wissenschaft» nennen kann.
[ 1 ] Up to the encounter with the two “Guardians of the Threshold,” the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds has traced the path to higher knowledge. Now the relationships between the soul and the various worlds as it passes through the successive stages of knowledge are to be described. This provides what may be called the Outline of Occult Science.
[ 2 ] Bevor der Mensch den Pfad höherer Erkenntnis betritt, kennt er nur die erste von vier Erkenntnisstufen. Es ist diejenige, welche ihm im gewöhnlichen Leben innerhalb der Sinneswelt eigen ist. Auch in dem, was zunächst «Wissenschaft» genannt wird, hat man es nur mit dieser ersten Erkenntnisstufe zu tun. Denn diese Wissenschaft arbeitet ja nur das gewöhnliche Erkennen feiner aus, macht es disziplinierter. Sie bewaffnet die Sinne durch Instrumente — Mikroskop, Fernrohr usw. —, um genauer zu sehen, was die unbewaffneten Sinne nicht sehen. Aber die Erkenntnisstufe bleibt doch dieselbe, ob man normal große Dinge mit dem gewöhnlichen Auge sieht, oder ob man sehr kleine Gegenstände und Vorgänge mit dem Vergrößerungsglase verfolgt. Auch in der Anwendung des Denkens auf die Dinge und Tatsachen bleibt diese Wissenschaft bei dem stehen, was schon im alltäglichen Leben getrieben wird. Man ordnet die Gegenstände, beschreibt und vergleicht sie, man sucht sich ein Bild von ihren Veränderungen zu machen usw. Der strengste Naturforscher tut im Grunde in dieser Beziehung nichts anderes, als daß er das Beobachtungsverfahren des alltäglichen Lebens in einer kunstgemäßen Art ausbildet. Seine Erkenntnis wird umfangreicher, komplizierter, logischer; aber er schreitet nicht zu einer anderen Erkenntnisart vor.
[ 2 ] Before a person embarks on the path of higher knowledge, he knows only the first of four levels of knowledge. It is the one that is inherent to him in ordinary life within the sensory world. Even in what is initially called “science,” one deals only with this first level of cognition. For this science merely refines ordinary perception, making it more disciplined. It equips the senses with instruments—microscopes, telescopes, etc.—to see more precisely what the unaided senses cannot see. But the level of cognition remains the same, whether one observes objects of normal size with the naked eye or tracks very small objects and processes with a magnifying glass. Even in the application of thought to things and facts, this science does not go beyond what is already practiced in everyday life. One classifies objects, describes and compares them, seeks to form a picture of their changes, and so on. In this regard, even the most rigorous natural scientist does, in essence, nothing more than refine the observational methods of everyday life in a systematic manner. His understanding becomes more comprehensive, more complex, and more logical; but he does not advance to a different type of knowledge.
[ 3 ] Man nennt diese erste Erkenntnisstufe in der Geheimwissenschaft die «materielle Erkenntnisart». Dazu kommen dann zunächst drei höhere. An sie schließen sich dann noch weitere an. Sie sollen hier beschrieben werden, bevor in der Schilderung des «Erkenntnispfades» weitergegangen wird. Nimmt man das gewöhnliche und sinnlich-wissenschaftliche — Erkennen als die erste Stufe an, so hat man zunächst folgende vier Stufen zu unterscheiden:
[ 3 ] This first level of knowledge in esoteric science is called the “material mode of knowledge.” To this are added, first of all, three higher stages. These are then followed by still more. They will be described here before proceeding further with the description of the “path of knowledge.” If one takes ordinary, sensory-scientific knowledge as the first stage, one must first distinguish the following four stages:
- die materielle Erkenntnis,
- die imaginative Erkenntnis,
- die inspirierte Erkenntnis, die man auch die «willensartige» nennen Kann.
- die intuitive Erkenntnis.
- material insight,
- imaginative insight,
- inspired insight, which can also be called “volitional.”
- intuitive insight.
[ 4 ] Diese Stufen sollen im weiteren zur Sprache kommen. Man muß sich zunächst klarmachen, womit man es bei diesen verschiedenen Erkenntnisarten zu tun hat. — Beim gewöhnlichen sinnlichen Erkennen kommen vier Elemente in Betracht: 1. der Gegenstand, welcher auf die Sinne einen Eindruck macht; 2. das Bild, das sich der Mensch von diesem Gegenstande macht; 3. der Begriff, durch den der Mensch zu einer geistigen Erfassung einer Sache oder eines Vorganges kommt; 4. das «Ich», welches sich auf Grund des Eindruckes vom Gegenstande Bild und Begriff bildet. Bevor sich der Mensch ein Bild — eine «Vorstellung» macht, ist ein Gegenstand da, welcher ihn dazu veranlaßt. Diesen bildet er nicht selbst, er nimmt ihn wahr. Und auf Grund dieses Gegenstandes entsteht das Bild. Solange man ein Ding anblickt, hat man es mit diesem selbst zu tun. In dem Augenblicke, wo man von dem Dinge hinwegtritt, besitzt man nur noch das Bild. Den Gegenstand verläßt man, das Bild bleibt in der Erinnerung «haften». Aber man kann nicht dabei stehenbleiben, sich bloß «Bilder» zu machen. Man muß zu «Begriffen» kommen. Die Unterscheidung von «Bild» und «Begriff» ist unbedingt notwendig, wenn man sich hier ganz klarwerden will. Man stelle sich einmal vor, man sehe einen Gegenstand, welcher kreisförmig ist. Dann drehe man sich um, und man behalte das Bild des Kreises im Gedächtnisse. Da hat man noch nicht den «Begriff» des Kreises. Dieser ergibt sich erst, wenn man sich sagt: «Ein Kreis ist eine Figur, bei der alle Punkte von einem Mittelpunkte gleich weit entfernt sind.» Erst wenn man sich von einer Sache einen «Begriff» gemacht hat, ist man zum Verständnisse derselben gekommen. Es gibt viele Kreise: kleine, große, rote, blaue usw.; aber es gibt nur einen Begriff «Kreis». — Auf alles dieses soll im weiteren noch näher eingegangen werden; vorläufig soll nur skizziert werden, was zur Charakteristik der vier ersten Erkenntnisstufen notwendig ist. — Das vierte Element, das bei der materiellen Erkenntnis in Betracht kommt, ist das «Ich». In demselben kommt eine Einheit der Bilder und Begriffe zustande. Dieses «Ich» bewahrt in seinem Gedächtnisse die Bilder. Wäre das nicht der Fall, so entstände kein fortlaufendes inneres Leben. Die Bilder der Dinge blieben nur so lange vorhanden, als diese Dinge selbst auf die Seele wirken. Das innere Leben aber hängt davon ab, daß Wahrnehmung an Wahrnehmung gereiht wird. Das «Ich» orientiert sich «heute» in der Welt, weil ihm bei gewissen Gegenständen die Bilder der gleichen Gegenstände von «gestern» auftauchen. Man vergegenwärtige sich nur, wie unmöglich das Seelenleben wäre, wenn man nur so lange ein Bild eines Dinges hätte, als dieses selbst vor einem steht. — Auch bezüglich der Begriffe bildet das «Ich» die Einheit. Es verbindet seine Begriffe und verschafft sich auf diese Art einen Überblick, das heißt ein Verständnis der Welt. Diese Verbindung der Begriffe geschieht im «Urteilen». Ein Wesen, das nur lose Begriffe hätte, könnte sich in der Welt nicht zurechtfinden. Alle Tätigkeit des Menschen beruht auf seiner Fähigkeit, Begriffe zu verbinden, das heißt auf seinem «Urteilen».
[ 4 ] These stages will be discussed in more detail later. First, one must understand what these different types of cognition entail. — In ordinary sensory cognition, four elements come into play: 1. the object, which makes an impression on the senses; 2. the image that a person forms of this object; 3. the concept, through which a person arrives at a mental grasp of a thing or a process; 4. the “I,” which forms an image and a concept based on the impression of the object. Before a person forms an image—a “representation”—there is an object that prompts them to do so. They do not create this object themselves; they perceive it. And on the basis of this object, the image arises. As long as one looks at a thing, one is dealing with the thing itself. The moment one turns away from the thing, one possesses only the image. One leaves the object behind; the image “sticks” in one’s memory. But one cannot stop there, merely forming “images.” One must arrive at “concepts.” The distinction between “image” and “concept” is absolutely necessary if one wishes to be entirely clear on this point. Imagine, for a moment, that you see an object that is circular. Then turn around, keeping the image of the circle in your memory. At this point, you do not yet have the “concept” of the circle. This arises only when one says to oneself: “A circle is a figure in which all points are equidistant from a center.” Only when one has formed a “concept” of a thing has one arrived at an understanding of it. There are many circles: small, large, red, blue, etc.; but there is only one concept of “circle.” — All of this will be discussed in greater detail later; for now, we will merely outline what is necessary to characterize the first four stages of cognition. — The fourth element that comes into play in material cognition is the “I.” Within it, a unity of images and concepts comes into being. This “I” preserves the images in its memory. If this were not the case, there would be no continuous inner life. The images of things would remain present only as long as those things themselves act upon the soul. Inner life, however, depends on one perception following another. The “I” orients itself in the world “today” because, when confronted with certain objects, the images of the same objects from “yesterday” arise within it. One need only imagine how impossible inner life would be if one retained an image of a thing only as long as that thing itself stood before one. — The “I” also forms a unity with regard to concepts. It connects its concepts and in this way gains an overview—that is, an understanding—of the world. This connection of concepts takes place through “judgment.” A being that possessed only loose concepts could not find its way in the world. All human activity is based on the ability to connect concepts—that is, on “judgment.”
[ 5 ] Das «materielle Erkennen» beruht darauf, daß der Mensch durch seine Sinne einen Eindruck von Dingen und Vorgängen der Außenwelt erhält. Er hat die Fähigkeit des Empfindens oder die Sensibilität. Der «von außen» empfangene Eindruck wird auch Sensation genannt. Daher kommen bei der «materiellen Erkenntnis» die vier Elemente in Betracht: Sensation, Bild, Begriff, Ich. — Bei der nächsthöheren Stufe des Erkennens fällt nun der Eindruck auf die äußeren Sinne, die «Sensation», weg. Ein äußerer Sinnesgegenstand ist nicht mehr vorhanden. Es bleiben also von den Elementen, an welche der Mensch von der gewöhnlichen Erkenntnis her gewöhnt ist, nur die drei: Bild, Begriff und Ich.
[ 5 ] “Material cognition” is based on the fact that human beings receive impressions of things and events in the external world through their senses. They possess the capacity for sensation, or sensitivity. The impression received “from the outside” is also called sensation. Therefore, the four elements come into play in “material cognition”: sensation, image, concept, and “I.” — At the next higher level of cognition, the impression on the external senses—the “sensation”—is eliminated. An external object of the senses is no longer present. Thus, of the elements to which human beings are accustomed through ordinary cognition, only three remain: image, concept, and “I.”
[ 6 ] Das gewöhnliche Erkennen bildet bei einem gesunden Menschen kein Bild und keinen Begriff, wenn ein äußerer Sinnesgegenstand nicht vorhanden ist. Das «Ich» bleibt dann untätig. Wer sich Bilder formt, denen Sinnesgegenstände entsprechen sollen, wo in Wahrheit keine sind, lebt in Phantastik. — Nun aber erwirbt sich der Geheimschüler eben die Fähigkeit, Bilder zu formen, auch wo keine Sinnesgegenstände vorhanden sind. Es muß dann bei ihm an die Stelle des «äußeren Gegenstandes» ein anderer treten. Er muß Bilder haben können, auch wenn kein Gegenstand seine Sinne berührt. An die Stelle der «Sensation» muß etwas anderes treten. Dies ist die Imagination. Bei dem Geheimschüler auf dieser Stufe treten Bilder auf genau so, wie wenn ein Sinnesgegenstand auf ihn einen Eindruck machen würde; sie sind so lebhaft und wahr wie die Sinnesbilder, nur kommen sie nicht vom «Materiellen», sondern vom «Seelischen» und «Geistigen». Die Sinne bleiben dabei vollständig untätig. — Es ist einleuchtend, daß sich der Mensch diese Fähigkeit, inhaltvolle Bilder zu. haben ohne Sinneseindrücke, erst erwerben muß. Es geschieht dies durch die Meditation, durch die Übungen, welche in den Darstellungen des Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben worden sind. Der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch lebt nur in dem Umkreis einer Bilderwelt, welche erst durch die Sinne in ihn Einlaß gefunden haben. Der imaginative Mensch hat eine solche Bilderwelt, die von einer höheren Welt ihren Zufluß erhält. Es gehört eine sehr sorgfältige Schulung dazu, innerhalb dieser höheren Bilderwelt Täuschung von Wirklichkeit zu unterscheiden. Nur zu leicht sagt sich der Mensch, wenn solche Bilder zunächst vor seine Seele hin treten: «Ach, das sind ja nur Einbildungen, bloße Ausflüsse meines Vorstellungslebens.» Das ist nur zu begreiflich. Denn der Mensch ist zunächst ja daran gewöhnt, nur dasjenige «wirklich» zu nennen, was, ohne sein Zutun, ihm durch die feste Grundlage seiner Sinneswahrnehmung gegeben ist. Und er muß sich erst hineinfinden, Dinge für «wirkliche» zu nehmen, die von ganz anderer Seite veranlaßt werden. Und er kann auch darinnen nicht vorsichtig genug sein, wenn er nicht zum Phantasten werden will. Die Entscheidung darüber, was auf höherem Gebiete «wirklich» ist, was nur «Illusion», die kann nur von der Erfahrung kommen. Und man muß sich diese Erfahrung in einem stillen, geduldigen Innenleben aneignen. Zunächst muß man durchaus darauf gefaßt sein, daß einem die «Illusion» böse Streiche spielt. Überall lauern die Möglichkeiten, daß Bilder auftauchen, die nur auf Täuschungen der äußeren Sinne, des abnormen Lebens beruhen. Alle solche Möglichkeiten müssen zuerst hinweggeräumt werden. Man muß zuerst die Quellen der Phantastik ganz verstopfen, dann kann man erst zu der Imagination kommen. Ist man so weit, dann wird man allerdings sich klar darüber, daß die Welt, in die man in solcher Art eintritt, nicht nur so wirklich ist wie die sinnliche, sondern daß sie eine viel wirklichere ist.
[ 6 ] In a healthy person, ordinary cognition does not form an image or a concept when an external object of the senses is not present. The “I” then remains inactive. Anyone who forms images that are supposed to correspond to sensory objects where, in reality, none exist, lives in a world of fantasy. — But the secret student acquires precisely the ability to form images even where no sensory objects are present. In his case, something else must take the place of the “external object.” He must be able to have images even when no object touches his senses. Something else must take the place of “sensation.” This is imagination. For the secret student at this stage, images arise exactly as if a sensory object were making an impression on him; they are as vivid and real as sensory images, only they do not come from the “material,” but from the “soul” and the “spirit.” The senses remain completely inactive in this process. — It is evident that a person must first acquire this ability to have meaningful images without sensory impressions. This is achieved through meditation and through the exercises described in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. A person limited to the sensory world lives only within the sphere of a world of images that have first found their way into them through the senses. The imaginative person has a world of images that draws its supply from a higher world. It requires very careful training to distinguish illusion from reality within this higher world of images. All too easily, when such images first appear before their soul, people say to themselves: “Oh, these are just figments of the imagination, mere products of my imagination.” This is only too understandable. For people are, at first, accustomed to calling “real” only that which is given to them—without any effort on their part—through the solid foundation of their sensory perception. And they must first learn to regard as “real” things that originate from an entirely different source. Nor can they be too cautious in this regard if they do not wish to become fantasists. The decision as to what is “real” in the higher realm—and what is merely “illusion”—can come only from experience. And one must acquire this experience through a quiet, patient inner life. To begin with, one must be fully prepared for “illusion” to play nasty tricks on one. Everywhere lurk the possibilities that images will arise based solely on deceptions of the external senses or on an abnormal way of life. All such possibilities must first be eliminated. One must first completely block off the sources of fantasy; only then can one arrive at imagination. Once one has reached this point, one realizes that the world one enters in this way is not only as real as the sensory world, but that it is a much more real one.
[ 7 ] Bei der dritten Stufe der Erkenntnis bleiben nun auch die Bilder weg. Der Mensch hat es nur noch mit «Begriff» und «Ich» zu tun. Hat er auf der zweiten Stufe noch eine Bilderwelt um sich, die erinnert an die Augenblicke, wo das lebhafte Gedächtnis sich die Eindrücke der Außenwelt vor die Seele zaubert, ohne selbst solche Eindrücke zu haben: auf der dritten Stufe sind auch solche Bilder nicht mehr vorhanden. Der Mensch lebt ganz in einer rein geistigen Welt. Wer nur gewöhnt ist, sich an die Sinne zu halten, wird versucht sein, zu glauben, daß diese Welt eine blasse, gespenstige sei. Das ist sie aber ganz und gar nicht. Auch die Bilderwelt der zweiten Stufe hat nichts Blasses, Schattenhaftes. So sind ja allerdings die Bilder zumeist, die im Gedächtnisse haften bleiben, wenn die äußeren Dinge weg sind. Aber die Bilder der Imagination sind von einer Lebhaftigkeit und Inhaltsfülle, mit der sich nicht nur die schattenhaften Erinnerungsbilder der Sinnenwelt nicht vergleichen lassen, sondern sogar nicht einmal die ganze bunte, wechselreiche Sinnenwelt selbst. Auch diese ist gegen das Reich der Imagination nur ein Schatten. — Und nun gar die Welt der dritten Erkenntnisstufe! Von ihrem Reichtum und ihrer Fülle gibt nichts in der Sinnenwelt eine Vorstellung. Was für die erste Stufe die Sensation, für die zweite die Imagination, das ist für sie die «Inspiration». Die Inspiration gibt die Eindrücke, und das «Ich» formt die Begriffe. Will man durchaus mit dieser Welt etwas Sinnliches vergleichen, so kann nur die Tonwelt des Hörens zu einem solchen Vergleiche herangezogen werden. Aber nicht mit Tönen wie in der sinnlichen Musik hat man es zu tun, sondern mit einem rein «geistigen Tönen». Man beginnt zu «hören», was im Innern der Dinge vorgeht. Der Stein, die Pflanze usw. werden zu «geistigen Worten». Die Welt beginnt der Seele gegenüber ihr Wesen wirklich selbst auszusprechen. Es klingt grotesk, aber es ist wörtlich wahr: auf dieser Stufe des Erkennens «hört man geistig das Gras wachsen». Man vernimmt die Form des Kristalles als Klang; die sich öffnende Blüte «spricht» da zum Menschen. Der Inspirierte vermag das innere Wesen der Dinge zu künden; alle Dinge werden in neuer Art vor seiner Seele auferstehen. Er spricht eine Sprache, die aus einer anderen Welt stammt und welche doch erst die alltägliche Welt begreiflich macht.
[ 7 ] At the third stage of cognition, even the images disappear. One is now concerned only with “concepts” and the “I.” Whereas at the second stage one is still surrounded by a world of images reminiscent of those moments when a vivid memory conjures up impressions of the external world before the soul without actually having such impressions oneself, at the third stage even such images are no longer present. One lives entirely in a purely spiritual world. Anyone accustomed only to relying on the senses will be tempted to believe that this world is a pale, ghostly one. But it is by no means so. Nor is there anything pale or shadowy about the world of images on the second level. Indeed, that is how most of the images that linger in memory tend to be once external things have vanished. But the images of the imagination possess a vividness and richness of content with which not only the shadowy memory images of the sensory world cannot compare, but not even the entire colorful, ever-changing sensory world itself. Even this is but a shadow compared to the realm of the imagination. — And now, of all things, the world of the third level of cognition! Nothing in the sensory world can convey any idea of its richness and abundance. What sensation is to the first level, and imagination to the second, “inspiration” is to this third level. Inspiration provides the impressions, and the “I” forms the concepts. If one absolutely wishes to compare this world to something sensory, only the world of sound in hearing can be invoked for such a comparison. But one is not dealing with sounds as in sensory music, but with a purely “spiritual sound.” One begins to “hear” what is happening within things. The stone, the plant, and so on become “spiritual words.” The world truly begins to reveal its essence to the soul. It sounds grotesque, but it is literally true: at this stage of cognition, “one spiritually hears the grass grow.” One perceives the form of the crystal as sound; the blossoming flower “speaks” to the human being. The inspired one is able to proclaim the inner essence of things; all things will arise anew before his soul. He speaks a language that comes from another world and yet is what first makes the everyday world comprehensible.
[ 8 ] Auf der vierten Erkenntnisstufe endlich hört auch die Inspiration auf. Von den Elementen, die man vom alltäglichen Erkennen her gewohnt ist zu betrachten, ist nur noch das «Ich» dasjenige, welches in Betracht kommt. Der Geheimschüler merkt an einer ganz bestimmten inneren Erfahrung, daß er bis zu dieser Stufe aufgestiegen ist. Diese Erfahrung drückt sich darin aus, daß er das Gefühl hat: er stehe jetzt nicht mehr außer den Dingen und Vorgängen, welche er erkennt, sondern innerhalb derselben. Bilder sind nicht der Gegenstand; sie drücken ihn bloß aus. Auch was die Inspiration gibt, ist nicht der Gegenstand. Sie spricht ihn nur aus. Das aber, was jetzt in der Seele lebt, ist wirklich der Gegenstand selbst. Das Ich hat sich ergossen über alle Wesen; es ist mit ihnen zusammengeflossen. Das Leben der Dinge in der Seele ist nun die Intuition. Es ist eben ganz wörtlich zu nehmen, wenn man von der Intuition sagt: man kriecht durch sie in alle Dinge hinein. — Im gewöhnlichen Leben hat der Mensch nur eine Intuition, das ist diejenige des «Ich» selber. Denn das «Ich» kann auf keine Weise von außen wahrgenommen werden, es kann nur im Innern erlebt werden. Eine einfache Erwägung kann das klarmachen. Es ist dies eine Erwägung, die allerdings von den Psychologen nicht mit der wünschenswerten Schärfe gemacht wird. So unscheinbar sie aber ist: für den, der sie ganz versteht, ist sie von der allerweittragendsten Bedeutung. Sie ist die folgende: Ein jedes Ding der Außenwelt kann von allen Menschen mit demselben Namen genannt werden. Der Tisch kann von allen mit «Tisch», die Tulpe von allen mit «Tulpe», der Herr Müller von allen mit «Herr Müller» angesprochen werden. Aber es gibt ein Wort, das jeder nur zu sich selbst sprechen kann. Dies ist das Wort «Ich». Kein anderer kann zu mir «Ich» sagen, für jeden anderen bin ich ein «Du». Ebenso ist jeder andere für mich ein «Du». Nur er selbst kann zu sich «Ich» sagen. Das rührt davon her, daß man nicht außer, sondern in dem «Ich» lebt. Und so lebt man durch die intuitive Erkenntnis in allen Dingen. Die Wahrnehmung des eigenen «Ich» ist das Vorbild für alle intuitive Erkenntnis. Um so in die Dinge hineinzukommen, muß man allerdings erst aus sich selbst heraustreten. Man muß «selbstlos» werden, um mit dem «Selbst», dem «Ich», einer anderen Wesenheit zu verschmelzen.
[ 8 ] At the fourth stage of knowledge, inspiration finally comes to an end. Of the elements one is accustomed to considering in everyday perception, only the “I” remains as the object of consideration. The initiate realizes through a very specific inner experience that he has ascended to this stage. This experience is expressed in the feeling that he is no longer outside the things and processes he perceives, but within them. Images are not the object; they merely express it. Nor is what inspiration provides the object. It merely articulates it. But what now lives in the soul is truly the object itself. The “I” has poured itself out over all beings; it has merged with them. The life of things in the soul is now intuition. It is to be taken quite literally when one says of intuition: through it, one creeps into all things. — In ordinary life, a person has only one intuition, namely that of the “I” itself. For the “I” cannot be perceived from the outside in any way; it can only be experienced from within. A simple consideration can make this clear. This is a consideration that, admittedly, psychologists do not make with the desired precision. Yet as unremarkable as it may be, for those who fully understand it, it is of the most far-reaching significance. It is as follows: Every object in the external world can be referred to by all people with the same name. The table can be called “table” by everyone, the tulip “tulip,” and Mr. Müller addressed as “Mr. Müller” by everyone. But there is one word that each person can say only to himself. This is the word “I.” No one else can say “I” to me; to everyone else, I am a “you.” Likewise, everyone else is a “you” to me. Only he himself can say “I” to himself. This stems from the fact that one does not live outside the “I,” but rather within it. And so, through intuitive insight, one lives in all things. The perception of one’s own “I” is the model for all intuitive insight. To enter into things in this way, however, one must first step outside of oneself. One must become “selfless” in order to merge with the “Self,” the “I,” of another being.
[ 9 ] Meditation und Konzentration sind die sicheren Mittel, um zu dieser Stufe, ebenso wie zu den früheren, hinanzusteigen. Allerdings müssen sie in stiller, geduldiger Art geübt werden. Wer da glaubt, daß er tumultuarisch, mit Gewaltmitteln zu den höheren Welten steigen kann, der irrt sich. Und einem solchen Glauben würde sich derjenige hingeben, welcher erwartete, daß ihm die Wirklichkeit auf höheren Gebieten in ebensolcher Art entgegentritt wie in der Sinnen weit. So lebhaft und reich auch die Welten sind, zu denen man hinansteigt, sie sind fein und subtil, während die Sinnenwelt grob und derb ist. Das Wichtigste, was man lernen muß, ist gerade die Gewöhnung daran, etwas ganz anderes «wirklich» zu nennen, als was man im Bereich der Sinne so bezeichnet. Und dies ist nicht ganz leicht. Deshalb wird so mancher, der den Geheimpfad so gerne gehen möchte, schon bei den ersten Schritten zurückgeschreckt. Er hat erwartet, daß ihm Dinge entgegentreten, welche sind wie Tische und Stühle, und er findet «Geister». Weil aber «Geister» nicht dicht sind wie Stühle und Tische, so kommen sie ihm als «Einbildungen» vor. Daran ist nichts anderes schuld als die Ungewohntheit. Man muß sich erst die rechte Empfindung für die geistige Welt erwerben, dann wird man das Geistige nicht bloß schauen, sondern auch anerkennen. Und ein großer Teil der Geheimschulung bezieht sich auf diese richtige Anerkennung und Einschätzung des Geistigen.
[ 9 ] Meditation and concentration are the sure means of ascending to this level, just as to the earlier ones. However, they must be practiced in a quiet, patient manner. Anyone who believes that he can ascend to the higher worlds in a tumultuous manner, using force, is mistaken. And one would succumb to such a belief if one expected reality in higher realms to present itself in exactly the same way as it does in the sensory world. As vivid and rich as the worlds one ascends to may be, they are fine and subtle, whereas the sensory world is coarse and crude. The most important thing one must learn is precisely to become accustomed to calling something “real” that is entirely different from what is designated as such in the realm of the senses. And this is not entirely easy. That is why many who would so gladly walk the secret path recoil already at the very first steps. They expected to encounter things that look like tables and chairs, but instead they find “spirits.” But because “spirits” are not solid like tables and chairs, they appear to them as “figments of the imagination.” This is due to nothing other than unfamiliarity. One must first acquire the proper sensitivity to the spiritual world; then one will not merely perceive the spiritual, but also recognize it. And a large part of the esoteric training relates to this proper recognition and assessment of the spiritual.
[ 10 ] Man muß zunächst den Schlafzustand betrachten, wenn man Aufschluß erlangen will über die imaginative Erkenntnis. Solange der Mensch keine höhere Erkenntnisstufe erlangt hat als die materielle, lebt die Seele zwar während des Schlafes, aber sie kann in der Welt, in welcher sie schlafend lebt, nichts wahrnehmen. Sie ist in dieser Welt wie ein Blinder in der materiellen. Ein solcher lebt in der Welt des Lichtes und der Farben; aber er nimmt sie nicht wahr. — Von den äußeren Sinnesorganen, dem Auge, dem Ohr, der gewöhnlichen Gehirntätigkeit usw. hat sich die Seele im Schlafe zurückgezogen. Sie erhält durch die Sinne keine Eindrücke. Was tut sie nun während des Schlafes? Klar muß man sich darüber sein, daß die Seele während des Wachens in einer fortwährenden Tätigkeit ist. Sie empfängt die äußeren Sinneseindrücke und verarbeitet sie: das ist ihre Tätigkeit. Diese stellt sie während des Schlafes ein. Aber sie ist keineswegs untätig. Sie arbeitet schlafend an dem eigenen Leibe. Dieser wird ja während der wachen Tagesarbeit abgenützt. Das drückt sich in der Ermüdung aus. Und während des Schlafes beschäftigt sich die Seele mit dem eigenen Leib, um ihn für weitere wache Tagesarbeit wieder geeignet zu machen. Man sieht daraus, wie wesentlich der richtige Schlaf dem Gedeihen des Leibes ist. Ein Mensch, der nicht entsprechend schläft, läßt seine Seele an dem Leibe nicht die notwendige Verbesserungsatbeit tun. — Und die Folge davon muß sein, daß der Leib herunterkommt. — Die Kräfte, mit denen die Seele während des Schlafes am Leibe arbeitet, sind dieselben, durch welche sie auch im Wachzustande tätig ist. Nur werden sie in dem letzteren dazu verwendet, die Eindrücke der äußeren Sinne aufzunehmen und sie zu verarbeiten.
[ 10 ] One must first consider the state of sleep if one wishes to gain insight into imaginative knowledge. As long as a person has not attained a higher level of knowledge than the material, the soul does indeed live during sleep, but it cannot perceive anything in the world in which it lives while asleep. In this world, it is like a blind person in the material world. Such a person lives in the world of light and colors, but does not perceive them. — The soul has withdrawn from the external sense organs—the eye, the ear, ordinary brain activity, and so on—during sleep. It receives no impressions through the senses. What, then, does it do during sleep? It must be clear that while awake, the soul is in a state of constant activity. It receives external sensory impressions and processes them: that is its activity. It ceases this activity during sleep. But it is by no means idle. While asleep, it works on its own body, which, after all, becomes worn out during the day’s waking work. This manifests as fatigue. And during sleep, the soul attends to its own body in order to restore it to a state suitable for further waking work during the day. From this, one can see how essential proper sleep is to the body’s well-being. A person who does not sleep adequately prevents their soul from performing the necessary restorative work on the body. — And the consequence of this must be that the body deteriorates. — The forces with which the soul works on the body during sleep are the same as those through which it is active while awake. Only in the latter state are they used to receive and process the impressions of the external senses.
[ 11 ] Tritt nun die imaginative Erkenntnis beim Menschen ein, so muß ein Teil der im Schlafe auf den Leib gewendeten Kräfte in einer anderen Art verbraucht werden. Durch diese Kräfte werden nunmehr die geistigen Sinnesorgane gebildet, die es ermöglichen, daß die Seele in einer höheren Welt nicht bloß lebt, sondern auch wahrnimmt. So arbeitet die Seele schlafend an sich, nicht mehr bloß an ihrem Leibe. Bewirkt wird diese Arbeit durch die Meditation und Konzentration sowie durch andere Übungen. Es ist schon öfters in diesen Aufsätzen über höhere Erkenntnis gesagt worden, daß die besonderen Anweisungen über solche Übungen nur von Mensch zu Mensch gegeben werden. Niemand sollte auf eigene Hand diese Übungen unternehmen. Denn nur wer Erfahrung auf diesem Gebiete hat, kann ermessen, welche Wirkung bei dem einen oder dem anderen Menschen sich einstellen muß, wenn er es unternimmt, seine Seelenarbeit von dem Leibe abzuziehen und in einer höheren Art anzuwenden.
[ 11 ] When imaginative insight begins to take hold in a person, a portion of the forces that were directed toward the body during sleep must be utilized in a different way. These forces now form the spiritual sense organs, which enable the soul not only to live in a higher world but also to perceive it. Thus, while asleep, the soul works on itself, no longer merely on its body. This work is brought about through meditation and concentration, as well as through other exercises. It has already been stated several times in these essays on higher knowledge that specific instructions regarding such exercises can only be given on a person-to-person basis. No one should undertake these exercises on their own. For only those with experience in this field can gauge what effect will arise in one person or another when they undertake to detach their soul’s work from the body and apply it in a higher way.
[ 12 ] Meditation, Konzentration und andere Übungen bewirken, daß die Seele sich für eine Weile zurückzieht von ihrer Verbindung mit den Sinnesorganen. Sie ist dann in sich selbst versenkt. Ihre Tätigkeit ist nach innen gewendet. Im Anfange dieser Versenkung unterscheidet sich zwar diese ihre innere Tätigkeit nicht erheblich von der alltäglichen. Sie muß dieselben Vorstellungen, Gefühle und Empfindungen verwenden während der Innenarbeit, welche sie auch im gewöhnlichen Leben hat. Je mehr sie sich aber daran gewöhnt, gewissermaßen «blind und taub» gegenüber der sinnlichen Umgebung zu sein, je mehr sie in sich lebt, desto fähiger macht sie sich zu innerer Leistung. Und was sie bei der Versenkung in das Innere geleistet hat, das trägt seine Früchte zunächst im Zustande des Schlafes. Ist die Seele des Nachts vom Leibe befreit, so wirkt das in ihr fort, was durch die Übungen am Tage angeregt worden ist. Es bilden sich in ihr Organe, durch welche sie mit einer höheren Umgebung gerade so in Verbindung kommt wie vorher durch die äußeren Sinnesorgane mit der körperlichen Umwelt. Aus dem Dunkel der nächtlichen Umgebung treten die Lichterscheinungen der höheren Welt heraus. Zart und intim ist dieser Verkehr zunächst. Und der Mensch muß durchaus damit rechnen, daß für eine lange Zeit beim Aufwachen das Licht des Tages sofort wieder einen dichten Vorhang zieht vor die Erlebnisse der Nacht. Die Erinnerung, daß man in der Nacht wahrgenommen hat, tritt nur ganz langsam und allmählich ein. Denn der Schüler lernt nicht leicht auf die zarten Gebilde seiner Seele achten, die sich im Laufe seiner Entwickelung hineinmischen in die groben Erlebnisse des alltäglichen Sinneslebens. Anfangs erscheinen ihm solche Gebilde wie das, was man zufällige Eindrücke der Seele nennt. Alles kommt darauf an, daß er unterscheiden lernt, was er der gewöhnlichen Welt verdankt von dem, was durch seine eigene Wesenheit als Kundgebung höherer Welten sich darstellt. In einem stillen, in sich gekehrten Gemütsleben muß er sich diese Unterscheidung aneignen. Es ist notwendig, daß er sich erst ein Gefühl davon erwerbe, welches der Wert und die Bedeutung der intimen Seelengebilde ist, die wie «zufällige Einfälle» sich in das Tagesleben einmischen und welche doch Erinnerungen an den nächtlichen Verkehr in einer höheren Welt sind. Sobald man diese Dinge irgendwie grob anfaßt und sie mit dem Maßstab des Sinneslebens mißt, zerstieben sie.
[ 12 ] Meditation, concentration, and other exercises cause the soul to withdraw for a while from its connection with the sense organs. It is then absorbed in itself. Its activity is turned inward. At the beginning of this absorption, however, its inner activity does not differ significantly from its everyday activity. During this inner work, it must make use of the same ideas, feelings, and sensations that it experiences in ordinary life. But the more it becomes accustomed to being, so to speak, “blind and deaf” to its sensory surroundings—the more it lives within itself—the more capable it becomes of inner achievement. And what she has accomplished through this inward contemplation bears fruit, at first, in the state of sleep. When the soul is freed from the body at night, what has been stimulated by the exercises during the day continues to work within her. Organs form within her through which she comes into contact with a higher environment in just the same way as she previously did with the physical environment through the external sense organs. Out of the darkness of the nocturnal surroundings, the luminous manifestations of the higher world emerge. At first, this communion is delicate and intimate. And one must certainly expect that, for a long time, upon waking, the light of day will immediately draw a dense curtain once more over the experiences of the night. The memory of having perceived something during the night sets in only very slowly and gradually. For the student does not easily learn to pay attention to the delicate formations of his soul, which, in the course of his development, intermingle with the coarse experiences of everyday sensory life. At first, such formations appear to him as what are called random impressions of the soul. Everything depends on the student learning to distinguish between what he owes to the ordinary world and what manifests itself through his own being as a revelation of higher worlds. He must master this distinction in a quiet, introspective inner life. It is necessary that he first acquire a sense of the value and significance of the intimate soul formations that intrude into daily life like “random thoughts” and yet are memories of nocturnal communion with a higher world. As soon as one approaches these things in a crude manner and measures them by the standards of sensory life, they vanish.
[ 13 ] Es ist aus obigem ersichtlich, daß durch die Arbeit in einer höheren Welt die Seele dem Leibe etwas von ihrer sonst fürsorglichen Tätigkeit entziehen muß. Sie überläßt denselben in einer gewissen Beziehung sich selbst. Er braucht einen Ersatz für das, was sie ihm vorher geleistet hat. Erhält er einen solchen Ersatz nicht, so kommt er in die Gefahr, verderblichen Kräften zu verfallen. Man muß sich nämlich darüber klar sein, daß der Mensch fortwährend den Einflüssen seiner Umgebung ausgesetzt ist. Er lebt ja nur durch die Einwirkungen dieser Umgebung. Zunächst kommen innerhalb der Umgebung die Reiche der sichtbaren Natur in Betracht. Der Mensch gehört dieser sichtbaren Natur an. Gäbe es um ihn herum nicht das Mineral-, Pflanzen-, Tierreich und dasjenige der anderen Menschen: er könnte nicht leben. Man denke sich den Menschen von der Erde hinweggehoben in den Weltenraum hinaus, er müßte als physischer Mensch sogleich zugrunde gehen, wie die Hand verdorrt, wenn man sie vom Leibe trennt. So stark die Illusion wäre, deren sich die menschliche Hand schuldig machte, wenn sie glaubte, sie könne ohne den Leib leben, so stark wäre auch die Täuschung, in welche der Mensch verfiele, wenn er behauptete, er könne ohne das Mineral-, Tier-, Pflanzenreich und ohne die anderen Menschen als physisches Wesen existieren. — Nun gibt es aber außer den genannten Reichen noch drei andere, die sich für gewöhnlich der menschlichen Aufmerksamkeit entziehen. Es sind die drei Elementarreiche. Sie stehen in einer gewissen Beziehung unter dem Mineralreiche. Es gibt Wesen, die es nicht bis zur mineralischen Verdichtung bringen, die aber deshalb nicht weniger da sind und ihre Wirkung auf den Menschen haben. (Man vergleiche über diese Elementarreiche, was über sie in den Aufsätzen «Aus der Akasha-Chronik» gesagt ist, sowie die Bemerkungen darüber in meiner «Theosophie».) Der Mensch ist somit Einflüssen aus Naturreichen ausgesetzt, die in einer gewissen Richtung unsichtbare genannt werden müssen. Wenn nun die Seele am Leibe arbeitet, so besteht ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit darin, die Einflüsse der Elementarreiche so zu regeln, daß sie für den Menschen gedeihliche sind. — In dem Augenblicke nun, in dem die Seele ihre Tätigkeit zum Teil dem Leibe entzieht, können sich seiner verderbliche Kräfte aus den Elementarreichen bemächtigen. Darin besteht eine Gefahr der höheren Entwickelung. Es muß daher dafür gesorgt werden, daß, sobald sich die Seele vom Körper zurückzieht, er durch sich selbst nur guten Einflüssen von Seiten der elementaren Welt zugänglich ist. — Wird darauf nicht geachtet, so verkommt der gewöhnliche Mensch in einer gewissen Beziehung physisch und auch moralisch, trotzdem er den Zugang zu höheren Welten gewinnt. Während die Seele in höheren Gebieten lebt, nisten sich im dichten physischen Leib und im Ätherleib schädliche Kräfte ein. Dies ist der Grund, warum gewisse schlechte Eigenschaften, die vor der höheren Entwickelung durch die ausgleichende Wirkung der Seele niedergehalten worden sind, bei Mangel an Vorsicht zum Ausdruck kommen können. Menschen, welche vorher gute, moralische Naturen waren, können unter solchen Umständen dann, wenn sie an höhere Welten herantreten, allerlei niedrige Neigungen, erhöhte Selbstsucht, Unwahrhaftigkeit, Rachsucht, Zorn usw. usw. hervorkehren. — Niemand darf von dieser Tatsache sich zurückschrecken lassen, in die höheren Welten aufzusteigen; aber vorgesorgt muß werden, daß solche Dinge nicht eintreten. Die niedere Natur des Menschen muß gefestet und unzugänglich gemacht werden gefährlichen elementarischen Einflüssen. Das eben geschieht durch die bewußte Ausbildung gewisser Tugenden. Diese Tugenden werden in den theosophischen Handbüchern, welche von geistiger Entwickelung handeln, angegeben. Hier aber hat man den Grund, warum auf sie Sorgfalt gelegt werden muß. Es sind die folgenden.
[ 13 ] It is evident from the above that, through its work in a higher world, the soul must withdraw some of its otherwise nurturing activity from the body. In a certain sense, it leaves the body to its own devices. The body needs a substitute for what the soul previously provided. If it does not receive such a substitute, it runs the risk of succumbing to corrupting forces. For one must be clear about the fact that human beings are constantly exposed to the influences of their environment. Indeed, they live solely through the effects of this environment. First and foremost, within this environment, the realms of visible nature come into consideration. Human beings belong to this visible nature. If the mineral, plant, and animal kingdoms—and the realm of other human beings—did not exist around them, they could not live. Imagine a human being lifted from the Earth out into outer space; as a physical being, they would perish immediately, just as a hand withers when severed from the body. Just as strong as the illusion would be that the human hand would be guilty of if it believed it could live without the body, so too would be the delusion into which a human being would fall if he claimed he could exist as a physical being without the mineral, animal, and plant kingdoms and without other human beings. — Now, however, in addition to the kingdoms mentioned, there are three others that usually escape human attention. These are the three elemental kingdoms. They stand in a certain relationship subordinate to the mineral kingdom. There are beings that do not attain the level of mineral condensation, but who are no less present for that reason and exert their influence on human beings. (For more on these elemental kingdoms, see what is said about them in the essays “From the Akashic Records,” as well as the remarks on them in my Theosophy.) Human beings are thus exposed to influences from realms of nature that, in a certain sense, must be called invisible. When the soul works upon the body, a significant part of its activity consists in regulating the influences of the elemental realms so that they are beneficial to the human being. — At the very moment, however, when the soul partially withdraws its activity from the body, its destructive forces from the elemental realms can take hold of it. Herein lies a danger to higher development. Care must therefore be taken to ensure that, as soon as the soul withdraws from the body, the body is, of its own accord, open only to beneficial influences from the elemental world. — If this is not observed, the ordinary human being degenerates, in a certain sense, both physically and morally, even though he gains access to higher worlds. While the soul dwells in higher realms, harmful forces take root in the dense physical body and the etheric body. This is why certain negative traits—which, prior to higher development, had been kept in check by the soul’s balancing influence—may manifest if due caution is lacking. People who were previously of good, moral character may, under such circumstances, when they approach the higher worlds, display all manner of base inclinations, heightened selfishness, dishonesty, vindictiveness, anger, and so on. — No one should allow this fact to deter them from ascending to the higher worlds; but precautions must be taken to ensure that such things do not occur. Man’s lower nature must be strengthened and made impervious to dangerous elemental influences. This is achieved precisely through the conscious cultivation of certain virtues. These virtues are listed in the theosophical manuals dealing with spiritual development. Here, however, is the reason why care must be taken with them. They are as follows:
[ 14 ] Zuerst muß der Mensch in ganz bewußter Weise bei allen Dingen fortwährend darauf bedacht sein, das Bleibende, Unvergängliche von dem Vergänglichen abzusondern, und auf das erstere seine Aufmerksamkeit richten. In jedem Dinge und Wesen kann der Mensch ein Etwas vermuten oder erkennen, das bleibt, wenn die vergängliche Erscheinung entschwindet. Sehe ich eine Pflanze, dann kann ich sie zunächst betrachten, wie sie sich den Sinnen darbietet. Das soll man gewiß nicht versäumen. Und niemand wird das Ewige in den Dingen entdecken, der sich nicht zuerst mit dem Vergänglichen gründlich bekannt gemacht hat. Diejenigen, welche sich immer besorgt zeigen, daß dem Menschen, der den Blick auf das Geistig-Unvergängliche richtet, die «Frische und Natürlichkeit des Lebens» verlorengehe: sie wissen eben noch nicht, um was es sich dabei eigentlich handelt. Aber, wenn ich so die Pflanze anschaue, kann mir klarwerden, daß in ihr ein bleibender Lebenstrieb ist, der in einer neuen zum Vorschein kommen werde, wenn die gegenwärtige Pflanze längst zerstoben sein wird. Solche Art, sich zu den Dingen zu stellen, muß man in die ganze Verfassung seines Gemütes aufnehmen. — Dann muß man sein Herz auf das Wertvolle, Gediegene heften und dieses höher schätzen lernen als das Vorübergehende, Bedeutungslose. Man soll sich bei allen seinen Empfindungen und Handlungen den Wert vor Augen halten, den etwas im Zusammenhange eines Ganzen hat. — Zum dritten soll man sechs Eigenschaften in sich ausbilden: Kontrolle der Gedankenwelt, Kontrolle der Handlungen, Ertragsamkeit, Unbefangenheit, Vertrauen in die Umwelt und inneres Gleichgewicht. Kontrolle der Gedankenwelt erreicht man, wenn man sich bemüht, dem Irrlichtelieren der Gedanken und Empfindungen, die beim gewöhnlichen Menschen immer auf- und abwogen, entgegenzuarbeiten. Im alltäglichen Leben ist der Mensch nicht der Führer seiner Gedanken; sondern er wird von ihnen getrieben. Das kann natürlich auch gar nicht anders sein. Denn das Leben treibt den Menschen. Und er muß als ein Wirkender sich diesem Treiben des Lebens überlassen. Während des gewöhnlichen Lebens wird das gar nicht anders sein können. Will man aber in eine höhere Welt aufsteigen, so muß man sich wenigstens ganz kurze Zeiten aussondern, in denen man sich zum Herrn seiner Gedanken- und Empfindungswelt macht. Man stellt da einen Gedanken aus völliger innerer Freiheit in den Mittelpunkt seiner Seele, während sich sonst die Vorstellungen von außen aufdrängen. Dann versucht man alle aufsteigenden Gedanken und Gefühle fernzuhalten und nur das mit dem ersten Gedanken zu verbinden, von dem man selbst will, daß es dazu gehöre. Eine solche Übung wirkt wohltätig auf die Seele und dadurch auch auf den Leib. Sie bringt den letzteren in eine solche harmonische Verfassung, daß er sich schädlichen Einflüssen entzieht, wenn die Seele auch nicht unmittelbar auf ihn wirkt. — Kontrolle der Handlungen besteht in einer ähnlichen Regelung derselben durch innere Freiheit. Man beginnt gut damit, daß man sich anschickt, irgend etwas regelmäßig zu tun, wozu man durch das gewöhnliche Leben nicht gekommen wäre. In dem letzteren wird ja der Mensch von außen zu seinen Handlungen getrieben. Die kleinste Tat aber, die man aus der ureigensten Initiative heraus unternimmt, wirkt in der angegebenen Richtung mehr als alles, wozu man vom äußeren Leben gedrängt wird. — Ertragsamkeit ist das Entfernthalten von jener Stimmung, die man bezeichnen kann mit dem Wechsel zwischen «Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt». Der Mensch wird hin- und hergetrieben zwischen allen möglichen Stimmungen. Die Lust macht ihn froh, der Schmerz drückt ihn herab. Das hat seine Berechtigung. Wer aber den Weg sucht zu höherer Erkenntnis, der muß sich in der Lust und auch im Schmerze mäßigen können. Er muß «ertragsam» werden. Maßvoll muß er sich den lusterregenden Eindrücken hingeben können und auch den schmerzlichen Erlebnissen: immer durch beides mit Würde hindurchschreiten. Von nichts sich übermannen, außer Fassung bringen lassen. Das begründet nicht Gefühllosigkeit, sondern macht den Menschen zum festen Mittelpunkt innerhalb der Lebenswellen, die rings um ihn auf- und niedersteigen. Er hat sich stets in der Hand.
[ 14 ] First, a person must, in a fully conscious manner, constantly strive to distinguish the enduring and imperishable from the transitory in all things, and focus their attention on the former. In every thing and being, a person can suspect or recognize something that remains when the transitory appearance fades away. When I see a plant, I can first observe it as it presents itself to the senses. One should certainly not neglect this. And no one will discover the eternal in things who has not first thoroughly familiarized themselves with the transitory. Those who are always concerned that a person who directs their gaze toward the spiritual and imperishable will lose the “freshness and naturalness of life”—they simply do not yet know what this is actually about. But when I look at the plant in this way, it becomes clear to me that there is an enduring life force within it, one that will emerge anew when the present plant has long since perished. One must incorporate this way of approaching things into one’s entire state of mind. — Then one must set one’s heart on what is valuable and substantial and learn to value this more highly than what is fleeting and insignificant. In all one’s feelings and actions, one should keep in mind the value that something holds within the context of the whole. — Third, one should six cultivate the following qualities within oneself: control of one’s thoughts, control of one’s actions, productivity, impartiality, trust in one’s surroundings, and inner balance. Control of one’s thoughts is achieved by striving to counteract the erratic fluctuations of thoughts and feelings that constantly ebb and flow in the average person. In everyday life, a person is not the master of their thoughts; rather, they are driven by them. Of course, it cannot be any other way. For life drives a person. And as an active being, one must surrender to this drive of life. During ordinary life, it cannot be any other way. But if one wishes to ascend to a higher world, one must at least set aside very brief moments in which one becomes the master of one’s world of thoughts and feelings. There, out of complete inner freedom, one places a thought at the center of one’s soul, whereas otherwise external impressions impose themselves. Then one tries to keep all rising thoughts and feelings at bay and to connect with the first thought only those elements that one oneself wishes to include. Such an exercise has a beneficial effect on the soul and, through it, on the body as well. It brings the body into such a harmonious state that it withdraws from harmful influences, even when the soul is not acting directly upon it. — Control over one’s actions consists in regulating them in a similar way through inner freedom. A good place to start is by setting out to do something regularly that one would not have come to do through ordinary life. In the latter, after all, a person is driven to their actions from the outside. But even the smallest act undertaken of one’s own volition has a greater effect in the direction indicated than anything to which one is compelled by external circumstances. — Productivity lies in refraining from that state of mind that can be described as the alternation between “ecstatic joy and deep sorrow.” A person is driven back and forth between all manner of moods. Pleasure makes him happy; pain weighs him down. This has its place. But whoever seeks the path to higher knowledge must be able to exercise moderation in both pleasure and pain. He must become “resilient.” They must be able to surrender in moderation to both pleasurable impressions and painful experiences, always passing through both with dignity. They must not allow themselves to be overwhelmed by anything, nor lose their composure. This does not lead to insensitivity, but rather makes a person a steadfast center amidst the waves of life that rise and fall all around them. They always remain in control.
[ 15 ] Eine ganz besonders wichtige Eigenschaft ist der «Sinn für die Bejahung». Es kann ihn derjenige bei sich entwickeln, welcher das Augenmerk in allen Dingen auf die guten, schönen und zweckvollen Eigenheiten richtet und nicht in erster Linie auf das Tadelnswerte, Häßliche und Widerspruchsvolle. Es gibt eine schöne, in der persischen Dichtung vorhandene Legende von Christus, die zur Anschauung bringt, was mit dieser Eigenschaft gemeint ist: Ein toter Hund liegt an einem Wege. Unter den an ihm Vorübergehenden ist auch Christus. Alle anderen wenden sich ab von dem häßlichen Anblick, den das Tier bietet; nur Christus spricht bewundernd von den schönen Zähnen des Tieres. So kann man den Dingen gegenüber empfinden; in allem, auch dem Widrigsten, mag sich für den, welcher ernstlich sucht, etwas Anerkennenswertes finden. Und das Fruchtbare an den Dingen ist ja nicht, was ihnen fehlt, sondern dasjenige, was sie haben. — Weiter ist bedeutsam, die Eigenschaft der «Unbefangenheit» zu entwickeln. Ein jeder Mensch hat ja seine Erfahrungen gemacht und sich dadurch eine bestimmte Menge von Meinungen gebildet, die ihm dann im Leben zur Richtschnur werden. So selbstverständlich es auf der einen Seite ist, sich nach seinen Erfahrungen zu richten, so wichtig ist es für den, welcher eine geistige Entwickelung zur höheren Erkenntnis hin durchmachen will, daß er sich stets den Blick frei erhält für alles Neue, ihm noch Unbekannte, das ihm entgegentritt. Er wird so vorsichtig wie irgend möglich sein mit dem Urteil: «das ist unmöglich», «das kann ja gar nicht sein». Mag ihm seine Meinung nach den bisherigen Erfahrungen was immer sagen: er ist in jedem Augenblick bereit, sich von etwas Neuem, das ihm entgegenkommt, zu einer anderen Meinung bringen zu lassen. Jede Eigenliebe der Meinung gegenüber muß schwinden. — Wenn die bisher genannten fünf Eigenschaften von der Seele erworben sind, dann stellt sich eine sechste ganz von selbst ein: das innere Gleichgewicht, die Harmonie der geistigen Kräfte. Der Mensch muß etwas in sich finden wie einen geistigen Schwerpunkt, der ihm Festigkeit und Sicherheit gibt gegenüber allem, was im Leben da- oder dorthin zieht. Man muß nicht etwa vermeiden, mit allem mitzuleben, alles auf sich wirken zu lassen. Nicht die Flucht vor den hin- und widerziehenden Tatsachen des Lebens ist das Richtige, sondern im Gegenteil: das volle Hingeben an das Leben und trotzdem die sichere, feste Bewahrung von innerem Gleichgewicht und Harmonie.
[ 15 ] A particularly important quality is the “sense of affirmation.” Anyone can develop this within themselves by focusing their attention in all things on the good, beautiful, and purposeful qualities, rather than primarily on what is reprehensible, ugly, and contradictory. There is a beautiful legend about Christ found in Persian poetry that illustrates what is meant by this quality: A dead dog lies by the side of a path. Among those passing by is Christ. Everyone else turns away from the ugly sight the animal presents; only Christ speaks admiringly of the animal’s beautiful teeth. This is how one can feel toward things; in everything, even the most adverse, there may be something worthy of appreciation for those who seek earnestly. And what is fruitful in things is, after all, not what they lack, but what they possess. — It is also important to develop the quality of “impartiality.” Every person has, after all, had their own experiences and thereby formed a certain set of opinions that then serve as a guide in life. As natural as it is, on the one hand, to be guided by one’s experiences, it is equally important for those who wish to undergo spiritual development toward higher knowledge to always keep an open mind toward everything new—still unknown to them—that comes their way. They will be as cautious as possible in making judgments such as “that is impossible” or “that simply cannot be.” No matter what their opinion may suggest based on past experiences, they are ready at every moment to allow something new that comes their way to lead them to a different opinion. Any attachment to one’s own opinion must fade away. — Once the soul has acquired the five qualities mentioned so far, a sixth arises quite naturally: inner balance, the harmony of the spiritual forces. A person must find within themselves something like a spiritual center of gravity that gives them stability and security in the face of everything in life that pulls them this way or that. One need not, however, avoid engaging with everything or letting everything affect one. The right course is not to flee from the ebb and flow of life’s realities, but rather the opposite: full surrender to life and nevertheless the secure, steadfast preservation of inner balance and harmony.
[ 16 ] Endlich kommt für den Suchenden der «Wille zur Freiheit» in Betracht. Es hat ihn jemand, der zu allem, was er vollbringt, die Stütze und Grundlage in sich selbst findet. Er ist deshalb so schwer zu erringen, weil taktvoll der Ausgleich notwendig ist zwischen dem Öffnen des Sinnes gegenüber allem Großen und Guten und der gleichzeitigen Ablehnung eines jeglichen Zwanges. Man sagt so leicht: Einwirkung von außen und Freiheit vertragen sich nicht. Daß sie sich in der Seele vertragen: darauf kommt es aber gerade an. Wenn mir jemand etwas mitteilt, und ich nehme es unter dem Zwange seiner Autorität an: dann bin ich unfrei. Aber ich bin nicht minder unfrei, wenn ich mich verschließe vor dem Guten, das ich auf diese Art empfangen kann. Denn dann übt in der eigenen Seele das Schlechtere, das ich habe, auf mich einen Zwang aus. Und bei der Freiheit kommt es nicht allein darauf an, daß ich nicht unter dem Zwange einer äußeren Autorität stehe, sondern vor allen Dingen auch nicht unter derjenigen eigener Vorurteile, Meinungen, Empfindungen und Gefühle. Nicht blinde Unterwerfung unter das Empfangene ist das Richtige, sondern sich von ihm anregen lassen, es ganz unbefangen aufnehmen, um sich «frei» dazu zu bekennen. Eine fremde Autorität soll nicht anders als so wirken, daß man sich sagt: Ich mache mich gerade dadurch frei, daß ich ihrem Guten folge, d.h. es zu dem meinigen mache. Und eine auf der Geheimwissenschaft fußende Autorität will auch gar nicht anders als in dieser Art wirken. Sie gibt, was sie zu geben hat, nicht um selbst Macht über den Beschenkten zu gewinnen, sondern allein darum, daß der Beschenkte durch die Gabe reicher und freier werde.
[ 16 ] At last, the “will to freedom” comes into consideration for the seeker. It is possessed by someone who finds within himself the support and foundation for everything he accomplishes. It is so difficult to attain precisely because it requires a delicate balance between opening one’s mind to all that is great and good and, at the same time, rejecting any form of coercion. It is so easy to say: external influence and freedom are incompatible. But the fact that they are compatible within the soul—that is precisely what matters. If someone tells me something, and I accept it under the compulsion of their authority, then I am unfree. But I am no less unfree if I close myself off from the good that I could receive in this way. For then the worse part of myself exerts a compulsion upon me within my own soul. And when it comes to freedom, what matters is not merely that I am not under the compulsion of an external authority, but above all that I am not under the compulsion of my own prejudices, opinions, impressions, and feelings. What is right is not blind submission to what one receives, but rather allowing oneself to be inspired by it, accepting it with complete impartiality in order to profess it “freely.” An external authority should have no other effect than to make one say: I free myself precisely by following its goodness, that is, by making it my own. And an authority grounded in esoteric science does not wish to exert its influence in any other way. It gives what it has to give, not to gain power over the recipient, but solely so that the recipient may become richer and freer through the gift.
[ 17 ] Es ist auf die Bedeutung der angeführten Eigenschaften schon früher bei Besprechung der «Lotusblumen» hingewiesen worden. Dort wurde gezeigt, welche Beziehung sie zu der Entwickelung der zwölf blätterigen Lotusblume in der Herzgegend und der daran sich schließenden Strömungen des Ätherkörpers haben. Aus dem jetzt Gesagten ist ersichtlich, daß sie im wesentlichen die Aufgabe haben, dem physischen Körper des Suchenden jene Kräfte entbehrlich zu machen, die ihm sonst während des Schlafzustandes zugute kommen und die ihm wegen der Ausbildung entzogen werden müssen. Unter solchen Einwirkungen entwickelt sich die imaginative Erkenntnis.
[ 17 ] The significance of the characteristics mentioned has already been pointed out earlier in the discussion of the “lotus flowers.” There, it was shown how they relate to the development of the twelve-petaled lotus flower in the region of the heart and to the associated currents of the etheric body. From what has now been said, it is evident that their essential task is to render the seeker’s physical body independent of those forces that would otherwise benefit him during sleep and that must be withdrawn from him for the sake of his development. Under such influences, imaginative insight develops.
