The Stages of Higher Knowledge
GA 12
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The Stages of Higher Knowledge, tr. SOL
Die Imagination
2. Imagination
[ 1 ] Es ist ganz unmöglich, wirkliche Fortschritte in bezug auf das Vordringen in höhere Welten zu machen, ohne durch die Stufen der imaginativen Erkenntnis hindurchzugehen. Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß bei der Geheimschulung der Mensch eine gewisse Zeit hindurch auf dieser Stufe der Imagination unbedingt stehenbleiben müsse, so daß diese so etwas wie eine Schulklasse bilden müsse, die man abzusitzen hat. Es kann dies in gewissen Fällen notwendig sein, muß es aber durchaus nicht. Das hängt ganz davon ab, was der Geheimschüler erlebt hat, bevor er in die Geheimschulung eintritt. Es wird sich im weiteren Verlaufe dieser Auseinandersetzungen zeigen, daß in bezug darauf die geistige Umgebung des Geheimschülers von Bedeutung ist und daß sich auf das Verhältnis zur geistigen Umgebung sogar ganz verschiedene Methoden des «Erkenntnispfades» begründen.
[ 1 ] It is completely impossible to make real progress in advancing into higher worlds without passing through the stages of imaginative cognition. This is not to say, however, that in the secret training a person must necessarily remain at this stage of imagination for a certain period of time, as if it were a school class that one must sit through. This may be necessary in certain cases, but it is by no means a requirement. It depends entirely on what the secret student has experienced before entering the secret training. It will become apparent in the further course of these discussions that the spiritual environment of the secret student is significant in this regard, and that the relationship to the spiritual environment even gives rise to quite different methods of the “path of knowledge.”
[ 2 ] Es kann von außerordentlicher Wichtigkeit sein, das Folgende zu wissen, wenn man sich auf den Weg der Geheimschulung begibt. Nicht nur als eine interessante Theorie kommt es in Betracht, sondern als etwas, dem man die mannigfaltigsten praktischen Gesichtspunkte wird entnehmen können, wenn man auf dem «Wege zur höheren Erkenntnis» wirklich bestehen will.
[ 2 ] It can be of extraordinary importance to know the following when one embarks on the path of esoteric training. It should not be regarded merely as an interesting theory, but as something from which one can derive a wide variety of practical insights if one truly wishes to persevere on the “path to higher knowledge.”
[ 3 ] Man hört ja von solchen, welche eine höhere Entwickelung anstreben, oft sagen: Ich möchte mich geistig vervollkommnen, ich möchte «den höheren Menschen» in mir ausbilden, aber nach den Erscheinungen der «astralen Welt» trage ich kein Verlangen. Dies ist begreiflieh, wenn man in Betracht zieht, welche Schilderung von dieser «astralen Welt» sich in Büchern findet, die von diesen Dingen handeln. Da wird ja von Erscheinungen und Wesenheiten gesprochen, welche dem Menschen alle möglichen Gefahren bringen. Da wird gesagt, daß unter dem Einflüsse solcher Wesenheiten der Mensch nur gar zu leicht an seiner moralischen Gesinnung und intellektuellen Gesundheit Schaden nehmen könne. Es wird dem Leser nahegebracht, daß auf diesem Gebiete die Scheidewand zwischen «dem guten und dem bösen Pfade» einem «Spinnewebchen» an Dicke gleichkomme und der Fall in unermeßliche Abgründe, der Absturz in völlige Verworfenheit nur allzu naheliege. — Es ist ganz gewiß unmöglich, solchen Behauptungen einfach zu widersprechen. Und doch ist der Standpunkt, den man in vielen Fällen dem Betreten des Geheimpfades gegenüber einnimmt, keineswegs ein richtiger. Der einzig mögliche Gesichtspunkt ist vielmehr lediglich derjenige, welcher sagt: wegen der Gefahren darf niemand abgehalten werden, den Weg zur höheren Erkenntnis zu gehen, aber es muß in jedem Falle streng dafür gesorgt werden, daß diese Gefahren bestanden werden können. Das wird in manchen Fällen allerdings dazu führen, daß einem Menschen, der von einem Geheimlehrer Anweisungen zur Schulung erbittet, zunächst der Rat gegeben wird, mit dieser eigentlichen Schulung noch zu warten und erst gewisse Erfahrungen des gewöhnlichen Lebens durchzumachen oder Dinge zu lernen, welche in der physischen Welt gelernt werden können. Es wird dann die Aufgabe des Geheimlehrers sein, dem suchenden Menschen die rechte Anleitung zu geben, um solche Erfahrungen zu sammeln und solche Dinge zu lernen. In weitaus den meisten Fällen wird man es erleben, daß der Geheimlehrer zunächst so verfährt. Wenn dann der Schüler nur genügend aufmerksam ist auf das, was ihm nun zustößt, nachdem er mit dem Geheimlehrer in Verbindung getreten ist, dann wird er das Mannigfaltigste bemerken können. Er wird finden, daß er nunmehr wie durch «Zufall» Erlebnisse hat und Dinge beobachten kann, denen er ganz gewiß ohne die Verbindung mit dem Geheimlehrer nicht ausgesetzt gewesen wäre. Wenn die Schüler das oft nicht bemerken und ungeduldig werden, dann liegt das nur darin, daß sie eben nicht die nötige Aufmerksamkeit ihren Erlebnissen zuwenden. Man muß auch durchaus nicht glauben, daß sich die Wirkung des Geheimlehrers auf den Schüler in deutlich wahrnehmbaren «Zauberkunststückchen» abspielt. Diese Wirkung ist vielmehr eine ganz intime Sache, und wer nach ihrer Natur und Wesenheit forschen will, ohne selbst schon eine gewisse Stufe der Geheimschulung erreicht zu haben, der wird ganz gewiß in die Irre gehen. Der Schüler fügt sich selbst in jedem Falle ein Unrecht zu, wenn er ungeduldig darüber wird, daß er auf «Wartezeit» gesetzt ist. Er wird dadurch in bezug auf die Schnelligkeit seines Weges durchaus nicht aufgehalten. Im Gegenteil, sein Vorwärtskommen würde gerade dadurch verlangsamt, wenn er zu früh mit der oft von ihm ungeduldig erwarteten Schulung beginnen würde.
[ 3 ] One often hears those who strive for higher development say: “I would like to perfect myself spiritually; I would like to develop ‘the higher human being’ within me,” but I have no desire for the phenomena of the “astral world.” This is understandable when one considers the descriptions of this “astral world” found in books that deal with these matters. There is talk of phenomena and entities that pose all manner of dangers to human beings. It is said that under the influence of such entities, a person can all too easily suffer damage to their moral character and intellectual health. Readers are led to believe that in this realm, the dividing line between “the good and the evil paths” is as thin as a “spider’s web,” and that the fall into immeasurable abysses—the plunge into utter depravity—is all too likely. — It is certainly impossible to simply refute such claims. And yet the stance often taken toward embarking on the secret path is by no means the correct one. Rather, the only possible perspective is simply this: no one should be deterred from walking the path to higher knowledge because of the dangers, but in every case, strict care must be taken to ensure that these dangers can be overcome. In some cases, however, this will lead to a situation where a person who asks a secret teacher for instructions on training is initially advised to wait before beginning this actual training and to first go through certain experiences of ordinary life or learn things that can be learned in the physical world. It will then be the task of the secret teacher to give the seeker the proper guidance to gather such experiences and learn such things. In the vast majority of cases, one will find that the secret teacher proceeds in this way at first. If the student is then sufficiently attentive to what happens to him after he has entered into contact with the secret teacher, he will be able to notice a wide variety of things. He will find that he now has experiences—as if by “chance”—and can observe things to which he certainly would not have been exposed without the connection to the secret teacher. When students often fail to notice this and become impatient, it is simply because they are not paying the necessary attention to their experiences. One must by no means believe that the Secret Teacher’s influence on the student manifests itself in clearly perceptible “magical tricks.” Rather, this influence is a very intimate matter, and anyone who seeks to investigate its nature and essence without having already attained a certain level of secret training will certainly go astray. In any case, the student does himself a disservice if he becomes impatient about being placed in a “waiting period.” This does not in any way hinder the speed of his progress. On the contrary, his progress would actually be slowed down if he were to begin the training—which he often impatiently anticipates—too early.
[ 4 ] Läßt der Schüler die «Wartezeit» oder die sonstigen Ratschläge und Winke des Geheimlehrers in der richtigen Art auf sich wirken, so bereitet er sich tatsächlich dazu vor, gewissen Prüfungen und Gefahren standzuhalten, die an ihn herankommen, wenn er der für ihn unvermeindlichen Stufe der Imagination entgegentritt. Unvermeidlich ist diese Stufe aus dem Grunde, weil jeder, der eine Verbindung mit der höheren Welt ohne ihr Durchschreiten sucht, dies nur unbewußt tun kann und dazu verurteilt ist, im Dunkeln zu tappen. Man kann sich ein dunkles Gefühl von dieser höheren Welt ohne die Imagination erwerben, man kann ohne sie gewiß zur Empfindung kommen, daß man mit «seinem Gotte» oder mit «seinem höheren Selbst» vereinigt sei, aber zu einer wirklichen Erkenntnis mit vollem Bewußtsein in heller, lichter Klarheit kann man so nicht kommen. Deshalb ist auch alles Reden davon, daß man die Auseinandersetzungen mit den «niederen Welten» (der astralen und der devachanischen) nicht brauche, daß es sich nur darum handeln könne, daß der Mensch «den Gott in sich erwecke», nichts weiter als eine Illusion. Wer damit zufrieden ist, dem soll in sein Streben nicht hineingeredet werden, und der Okkultist wird einem solchen auch nicht hineinreden. Aber der wahre Okkultismus hat mit solchem Streben gar nichts zu tun. Dieser fordert ja niemanden zur Schülerschaft unmittelbar auf. Wer aber seine Schulung sucht, dem will er nicht bloß eine dunkle Empfindung von seiner «Gottähnlichkeit» erwecken, sondern er sucht ihm die geistigen Augen zu öffnen für das, was in höheren Welten wirklich vorhanden ist.
[ 4 ] If the student allows the “waiting period” or the secret teacher’s other advice and hints to take effect in the proper way, he is in fact preparing himself to withstand certain trials and dangers that will come his way when he faces the stage of imagination, which is unavoidable for him. This stage is inevitable for the reason that anyone who seeks a connection with the higher world without passing through it can do so only unconsciously and is doomed to grope in the dark. One can acquire a vague sense of this higher world without the use of imagination; one can certainly arrive at the feeling, without it, that one is united with “one’s God” or with “one’s higher self,” but one cannot attain true knowledge with full consciousness in bright, luminous clarity in this way. That is why all talk of not needing to engage with the “lower worlds” (the astral and the devachanic), and of the idea that it is merely a matter of a person “awakening the God within,” is nothing more than an illusion. Whoever is content with this should not be dissuaded from their pursuit, and the occultist will not attempt to dissuade such a person either. But true occultism has nothing whatsoever to do with such pursuits. After all, it does not directly call upon anyone to become a disciple. But for those who seek training, it does not merely seek to awaken a vague sense of their “godlikeness,” but rather seeks to open their spiritual eyes to what truly exists in the higher worlds.
[ 5 ] Gewiß ist ja in jedem Menschen das «göttliche Selbst» enthalten. Aber das ist ja doch in jedem Wesen der Fall. Im Stein, in der Pflanze, im Tier ist auch das «göttliche Selbst» enthalten und wirksam. Aber nicht darauf kann es ankommen, dies so ganz im allgemeinen zu fühlen und zu wissen, sondern darauf, wirklich in Verbindung zu treten mit den Offenbarungen dieses «göttlichen Selbstes». So wie derjenige nichts von der physischen Welt weiß, der sich nur immer wieder sagen kann: diese Welt enthält in sich verhüllt das «göttliche Selbst», so weiß auch derjenige nichts von höheren Welten, welcher das «göttliche Geisterreich» nur in verschwommener, unbestimmter Allgemeinheit sucht. Man soll seine Augen öffnen und die Offenbarung der Gottheit in den Dingen der physischen Welt, im Stein, in der Pflanze anschauen, nicht davon träumen, daß dies jedoch alles nur «Erscheinungen» seien und daß Gottes wahre Gestalt dahinter «verborgen» sei. Nein, Gott offenbart sich in seinen Schöpfungen, und wer Gott erkennen will, muß das Wesen dieser Schöpfungen erkennen lernen. Deshalb muß man auch das wirklich anschauen lernen, was in höheren Welten vorgeht und lebt, wenn man das «Göttliche» erkennen will. Das Bewußtsein, daß der «Gottmensch» in einem lebt, kann höchstens den Anfang bilden. Aber dieser Anfang wird, wenn er in rechter Weise erlebt wird, zum Antrieb, wirklich aufzusteigen in die höheren Welten. Das kann man aber nur, wenn man die geistigen «Sinne» dazu in sich ausbildet. Alles andere stellt sich ja doch nur auf den Standpunkt: Ich will bleiben, wie ich bin, und nur erreichen, was mir so zu erreichen möglich ist. Der Standpunkt des Okkultismus ist aber, ein anderer Mensch zu werden, damit man anderes als das Gewöhnliche schauen und erleben kann.
[ 5 ] Certainly, the “divine self” is present in every human being. But that is true of every being. The “divine self” is also present and active in stones, plants, and animals. But what matters is not merely feeling and knowing this in a general sense, but truly entering into contact with the manifestations of this “divine self.” Just as one who can only repeat to himself over and over again—that this world contains within itself, veiled, the “divine Self”—knows nothing of the physical world, so too does one who seeks the “divine spiritual realm” only in vague, indefinite generalities know nothing of higher worlds. One should open one’s eyes and behold the revelation of the Divine in the things of the physical world—in stone, in plants—rather than dreaming that all of this is merely “appearances” and that God’s true form lies “hidden” behind them. No, God reveals Himself in His creations, and whoever wishes to know God must learn to recognize the essence of these creations. Therefore, one must also learn to truly perceive what takes place and lives in the higher worlds if one wishes to recognize the “Divine.” The awareness that the “God-man” lives within one can, at most, serve as a starting point. But this starting point, when experienced in the right way, becomes the impetus to truly ascend into the higher worlds. However, this is possible only if one develops the spiritual “senses” within oneself for this purpose. Everything else, after all, merely takes the standpoint: “I want to remain as I am and achieve only what is possible for me to achieve in this way.” The standpoint of occultism, however, is to become a different person, so that one may see and experience things beyond the ordinary.
[ 6 ] Und dazu ist eben der Durchgang durch die imaginative Erkenntnis notwendig. Es ist gesagt worden, daß diese Stufe der Imagination nicht aufgefaßt zu werden braucht wie eine Schulklasse, die man durchaus «absitzen» müsse. Das ist so zu verstehen, daß es namentlich in unsrem gegenwärtigen Leben Personen gibt, welche solche Vorbedingungen mitbringen, daß der Geheimlehrer bei ihnen gleichzeitig oder wenigstens fast gleichzeitig mit der imaginativen Erkenntnis die inspirierte und die intuitive hervorrufen kann. Aber es darf durchaus nicht so verstanden werden, als ob es irgend jemand geben könnte, dem der Durchgang durch die Imagination zu ersparen wäre.
[ 6 ] And for this, the passage through imaginative knowledge is precisely what is necessary. It has been said that this stage of imagination need not be understood as a school class that one must simply “sit through.” This is to be understood in the sense that, particularly in our present life, there are individuals who possess such prerequisites that the Secret Teacher can evoke in them—simultaneously, or at least almost simultaneously with imaginative knowledge—both inspired and intuitive knowledge. But it must by no means be understood as though there could be anyone who might be spared the process of passing through imagination.
[ 7 ] Auf den Grund der Gefahr innerhalb der imaginativen Erkenntnis ist ja in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» bereits hingedeutet worden. Dieser Grund liegt darin, daß der Mensch beim Eintritte in diese Welt gewissermaßen den Boden unter den Füßen verliert. Wodurch er in der physischen Welt Festigkeit hat, das geht ihm zunächst scheinbar ganz verloren. Nimmt man in dieser physischen Welt etwas wahr, so fragt man sich: Woher kommt diese Wahrnehmung? Man tut das ja zumeist unbewußt. Aber man ist sich eben «unbewußt» darüber klar, daß die Ursachen der Wahrnehmungen die Gegenstände «draußen im Räume» sind. Die Farben, die Töne, die Gerüche gehen von diesen Gegenständen aus. Man sieht nicht freischwebende Farben, man hört nicht Töne, ohne daß man sich bewußt werden könnte, an welchen Gegenständen diese Farben als Eigenschaften «haften», von welchen Gegenständen die Töne herrühren. Dieses Bewußtsein, daß die Gegenstände und Wesenheiten sie verursachen, gibt den physischen Wahrnehmungen und damit dem Menschen selbst Festigkeit und einen sicheren Halt. Hat jemand Wahrnehmungen ohne äußere Ursache, so spricht man von abnormen, krankhaften Zuständen. Man nennt solche ursachlose Wahrnehmungen Illusionen, Halluzinationen, Visionen.
[ 7 ] The root of the danger inherent in imaginative knowledge has already been hinted at in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. This danger stems from the fact that, upon entering this world, a person, so to speak, loses the ground beneath their feet. What gives them stability in the physical world seems, at first, to be completely lost to them. When one perceives something in this physical world, one asks oneself: Where does this perception come from? One usually does this unconsciously. But one is, so to speak, “unconsciously” aware that the causes of these perceptions are the objects “out there in space.” Colors, sounds, and smells emanate from these objects. One does not see colors floating freely; one does not hear sounds without being able to become aware of the objects to which these colors “adhere” as properties, or from which the sounds originate. This awareness that objects and entities cause them gives physical perceptions—and thus human beings themselves—stability and a secure foundation. If someone has perceptions without an external cause, one speaks of abnormal, pathological states. Such causeless perceptions are called illusions, hallucinations, and visions.
[ 8 ] Nun zunächst ganz äußerlich betrachtet besteht die ganze imaginative Welt aus solchen Halluzinationen, Visionen und Illusionen. Es ist gezeigt worden in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wie durch die Geheimschulung künstlich solche Visionen usw. erzeugt werden. Durch das Hinlenken des Bewußtseins auf ein Samenkorn oder auf eine absterbende Pflanze werden gewisse Gestalten vor die Seele gezaubert, die nichts weiter zunächst sind als Halluzinationen. Die «Flammenbildung», von der dort gesagt wurde, daß sie in der Seele auftreten kann durch die Betrachtung einer Pflanze oder dergleichen und die sich nach einer Zeit ganz loslöst von der Pflanze, ist, äußerlich betrachtet, einer Halluzination gleich zu achten. Und so geht es noch weiter in der Geheimschulung, wenn man in die imaginative Welt eintritt. Das, wovon man gewöhnt war, daß es von den Dingen «draußen im Raum» ausgeht oder ihnen als Eigenschaft «anhaftet», die Farben, Töne, Gerüche usw., erfüllen nun freischwebend den Raum. Die Wahrnehmungen lösen sich los von allen äußeren Dingen und schweben frei im Räume oder fliegen darin herum. Und man weiß dabei doch ganz genau, daß die Dinge, die man da vor sich hat, diese Wahrnehmungen nicht hervorgebracht haben, daß man sie vielmehr «selbst» verursacht hat. So kommt es, daß man meinen muß, man habe «den Boden unter den Füßen verloren». Im gewöhnlichen Leben in der physischen Welt muß man sich ja gerade davor hüten, Vorstellungen zu haben, die nicht von den Dingen herrühren, die sozusagen ohne «Grund und Boden» sind. Zur Hervorrufung der imaginativen Erkenntnis aber kommt es gerade darauf an, zunächst Farben, Töne, Gerüche usw. zu haben, die ganz losgelöst von allen Dingen «frei im Räume schweben».
[ 8 ] Now, viewed purely from the outside, the entire world of the imagination consists of such hallucinations, visions, and illusions. It has been shown in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? how such visions, etc., are artificially produced through the secret training. By directing one’s consciousness toward a seed or a dying plant, certain forms are conjured up before the soul, which are, at first, nothing more than hallucinations. The “formation of flames,” which was described there as something that can arise in the soul through the contemplation of a plant or the like—and which, after a time, detaches itself entirely from the plant—is, viewed from the outside, to be regarded as a hallucination. And this continues even further in the secret training when one enters the imaginative world. The things one was accustomed to thinking emanated from objects “out there in space” or “adhered” to them as properties—colors, sounds, smells, and so on—now fill the space, floating freely. Perceptions detach themselves from all external objects and float freely in space or flit about within it. And yet one knows quite precisely that the things one has before oneself did not produce these perceptions, but rather that one has caused them “oneself.” Thus, one is led to believe that one has “lost one’s footing.” In ordinary life in the physical world, one must guard against having ideas that do not originate from things—ideas that are, so to speak, without “ground or foundation.” But to evoke imaginative insight, it is precisely essential to first have colors, sounds, smells, and so on that “float freely in space,” completely detached from all things.
[ 9 ] Nun muß die nächste Stufe der imaginativen Erkenntnis darin bestehen, einen neuen «Grund und Boden» für die herrenlos gewordenen Vorstellungen zu finden. Das muß eben in der anderen Welt geschehen, die sich jetzt offenbaren soll. Es bemächtigen sich neue Dinge und Wesenheiten dieser Vorstellungen. In der physischen Welt «haftet» z.B. die blaue Farbe an einer Kornblume. In der imaginativen Welt darf sie nun auch nicht «freischwebend» bleiben. Sie strömt gleichsam zu einer Wesenheit hin, und während sie noch vorher herrenlos war, wird sie jetzt der Ausdruck einer Wesenheit. Es spricht etwas durch sie zu dem Beobachter, was dieser eben nur innerhalb der imaginativen Welt wahrnehmen kann. Und so sammeln sich die «freischwebenden» Vorstellungen um bestimmte Mittelpunkte. Und man wird gewahr, daß Wesen durch sie zu uns sprechen. Und wie es in der physischen Welt körperliche Dinge und Wesenheiten sind, an denen Farben, Gerüche und Töne usw. «haften» oder von denen sie herstammen, so sprechen sich jetzt «geistige Wesenheiten» durch sie aus. Diese «geistigen Wesenheiten» sind ja tatsächlich immer da; sie umschwirren den Menschen beständig. Aber sie können sich diesem nicht offenbaren, wenn er nicht die Gelegenheit dazu gibt. Und diese Gelegenheit gibt er nur dadurch, daß er in sich die Fähigkeit hervorruft, Töne, Farben usw. auch dann vor seiner Seele entstehen zu lassen, wenn diese durch keinen physischen Gegenstand veranlaßt werden.
[ 9 ] Now the next stage of imaginative insight must consist in finding a new “foundation” for the ideas that have become adrift. This must take place in the other world, which is now to reveal itself. New things and beings take hold of these ideas. In the physical world, for example, the color blue “adheres” to a cornflower. In the imaginative world, however, it must not remain “floating freely.” It flows toward a being, as it were, and whereas it was previously ownerless, it now becomes the expression of a being. Something speaks through them to the observer, which the observer can perceive only within the imaginative world. And so the “free-floating” mental images gather around certain focal points. And one becomes aware that beings speak to us through them. And just as in the physical world there are physical objects and beings to which colors, smells, and sounds, etc., “adhere” or from which they originate, so now “spiritual beings” express themselves through them. These “spiritual beings” are, in fact, always present; they constantly surround human beings. But they cannot reveal themselves to him unless he provides the opportunity. And he provides this opportunity only by awakening within himself the ability to allow sounds, colors, and so on to arise before his soul even when they are not caused by any physical object.
[ 10 ] Ganz anders sind die «geistigen Tatsachen und Wesenheiten» als die Dinge und Wesen der physischen Welt. Es ist nicht ganz leicht, in der gewöhnlichen Sprache einen Ausdruck zu finden, welcher die Verschiedenheit auch nur annähernd charakterisiert. Vielleicht kommt man der Sache am nächsten, wenn man sagt: in der imaginativen Welt spricht alles so zum Menschen, wie wenn es unmittelbar intelligent wäre, während in der physischen Welt auch die Intelligenz nur auf dem Umwege durch die physische Körperlichkeit sich offenbaren kann. Das macht eben die Beweglichkeit und Freiheit der imaginativen Welt aus, daß das Zwischenglied der äußeren Dinge fehlt, daß das Geistige ganz unmittelbar in den freischwebenden Tönen, Farben usw. sich auslebt.
[ 10 ] The “spiritual facts and entities” are quite different from the things and beings of the physical world. It is not entirely easy to find an expression in everyday language that even approximately characterizes this difference. Perhaps one comes closest to the point by saying: in the imaginative world, everything speaks to the human being as if it were directly intelligent, whereas in the physical world, even intelligence can reveal itself only indirectly through physical corporeality. This is precisely what constitutes the flexibility and freedom of the imaginative world—that the intermediary link of external things is missing, and that the spiritual expresses itself quite directly in the freely floating tones, colors, and so on.
[ 11 ] Nun liegt der Grund zu einer Gefahr, welche dem Menschen von dieser Welt droht, darin, daß er die Äußerungen der «geistigen Wesen» wahrnimmt, aber nicht diese Wesen selbst. Es ist das nämlich so lange der Fall, als er nur in der imaginativen Welt bleibt und zu keiner höheren aufsteigt. Erst die Inspiration und die Intuition führen ihn allmählich zu diesen Wesen selbst hin. Wollte aber der Geheimlehrer diese letzteren vorschnell erwecken, ohne den Schüler gründlich in das imaginative Gebiet einzuführen, dann würde die höhere Welt nur ein schatten- und schemenhaftes Dasein erhalten. Die ganze herrliche Fülle der Bilder ginge verloren, in denen sie sich offenbaren muß, wenn man wirklich in sie eintreten soll. — In dieser Tatsache liegt der Grund, warum der Geheimschüler einen «Führer» oder einen «Guru» braucht, wie man in der Geheimwissenschaft eben diesen Führer nennt.
[ 11 ] The reason for the danger that threatens human beings in this world lies in the fact that they perceive the manifestations of “spiritual beings” but not the beings themselves. This remains the case as long as they remain only in the imaginative realm and do not ascend to a higher one. Only inspiration and intuition gradually lead them to these beings themselves. But if the secret teacher were to awaken these beings prematurely, without thoroughly introducing the student to the imaginative realm, then the higher world would take on only a shadowy and ghostly existence. The entire magnificent wealth of images through which they must reveal themselves would be lost if one were to truly enter into them. — This fact explains why the initiate needs a “guide” or a “guru,” as this guide is called in esoteric science.
[ 12 ] Für den Schüler ist nämlich die imaginative Welt anfangs wirklich eine bloße «Bilderwelt», von der er vielfach nicht weiß, was sie ausdrückt. Der Geheimlehrer aber weiß, auf welche Dinge und Wesenheiten sich diese Bilder in einer noch höheren Welt beziehen. Hat der Schüler zu ihm Vertrauen, so kann er wissen, daß sich ihm später Zusammenhänge offenbaren werden, welche er vorläufig noch nicht durchschaut. In der physischen Welt waren die Gegenstände im Räume selbst die Führer. Er war imstande, die Richtigkeit seiner Vorstellungen zu prüfen. Die körperliche Wirklichkeit ist der «Fels», an dem alle Halluzinationen und Illusionen zerschellen müssen. Dieser Fels verschwindet in einen Abgrund, wenn man in die imaginative Welt eintritt. Und deshalb muß als ein anderer solcher «Fels» der «Führer» eintreten. An dem, was er dem Schüler zu bieten vermag, muß dieser die Wirklichkeit der neuen Welt empfinden. Man kann daraus ermessen, wie groß das Vertrauen in den Führer sein muß in jeder Geheimschulung, welche dieses Namens wirklich wert ist. Sobald man an den Führer nicht mehr glauben kann, ist es ja in dieser höheren Welt so, wie wenn einem in der physischen plötzlich alles genommen würde, worauf man den Glauben an die Wirklichkeit seiner Wahrnehmungen gebaut hat.
[ 12 ] For the student, the world of the imagination is, at first, truly nothing more than a “world of images,” the meaning of which he often does not understand. The secret teacher, however, knows to which things and entities these images refer in an even higher world. If the student trusts him, he can be assured that connections will later be revealed to him that he does not yet fully comprehend. In the physical world, the objects in space themselves served as guides. He was able to verify the accuracy of his perceptions. Physical reality is the “rock” against which all hallucinations and illusions must shatter. This rock vanishes into an abyss when one enters the world of imagination. And that is why the “guide” must step in as another such “rock.” Through what the guide is able to offer the student, the latter must perceive the reality of the new world. From this one can gauge how great the trust in the guide must be in any secret training that is truly worthy of the name. For as soon as one can no longer believe in the guide, it is, in this higher world, as if everything upon which one has built one’s belief in the reality of one’s perceptions were suddenly taken away in the physical world.
[ 13 ] Außer dieser einen Tatsache gibt es nun noch eine andere, durch welche der Mensch in Verwirrung gesetzt werden könnte, wenn er sich ohne Führung in die imaginative Welt begeben wollte. Es lernt nämlich der Geheimschüler von allen geistigen Wesenheiten in erster Linie sich selbst kennen. In dem physischen Leben hat der Mensch Gefühle, Begierden, Wünsche, Leidenschaften, Vorstellungen usw. Zwar werden diese alle von den Dingen und Wesenheiten der äußeren Welt veranlaßt, aber der Mensch weiß ganz genau, daß sie seine innere Welt bilden, und er unterscheidet sie als das, was in seiner Seele vorgeht, von den Gegenständen der Außenwelt. Sobald aber der imaginative Sinn erweckt ist, hört diese Leichtigkeit des Unterscheidens ganz auf. Seine eigenen Gefühle, Vorstellungen, Leidenschaften usw. treten buchstäblich aus ihm heraus, nehmen Gestalt, Farbe und Ton an. Er steht ihnen jetzt so gegenüber wie in der physischen Welt ganz fremden Gegenständen und Wesenheiten. Und daß die Verwirrung eine vollständige werden kann, wird man begreifen, wenn man sich an das erinnert, was in dem Kapitel «Über einige Wirkungen der Einweihung» in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt worden ist. Dort ist ja nichts anderes geschildert als die Art, wie die imaginative Welt für den Beobachter auftritt. Es erscheint nämlich in ihr alles umgekehrt, wie im Spiegelbilde. Was vom Menschen ausströmt, erscheint so, als wenn es von außen an ihn herankommen wollte. Ein Wunsch, den er hegt, verwandelt sich in eine Gestalt, beispielsweise in die Form eines phantastisch aussehenden Tieres, oder auch wohl eines menschenähnlichen Wesens. Dieses scheint ihn zu bestürmen, einen Angriff auf ihn auszuführen oder ihn auch zu veranlassen, dieses oder jenes zu tun. So kann es kommen, daß der Mensch sich vorkommt als umgeben und umflattert von einer ganz phantastischen, oft reizvollen und verführerischen, oft auch grausigen Welt. In Wahrheit stellt diese nichts anderes vor als seine eigenen Gedanken, Wünsche und Leidenschaften, welche in Bilder verwandelt sind. — Man würde sich einem großen Irrtum hingeben, wenn man glauben wollte, daß die Unterscheidung dieses in Bilder verwandelten Selbstes von der wirklichen geistigen Welt leicht sei. Zunächst ist es für den Schüler geradezu unmöglich, diese Unterscheidung wirklich zu vollziehen. Denn es kann genau dasselbe Bild ebensogut von einem geistigen Wesen herrühren, welches zu dem Menschen spricht, wie von irgend etwas im Innern der Seele. Und übereilt der Mensch gerade dabei etwas, so setzt er sich der Gefahr aus, daß er die beiden Dinge nie ordentlich voneinander zu trennen lernt. Die größte Vorsicht ist dabei geboten. — Nur noch größer wird die Verwirrung dadurch, daß die eigenen Wünsche und Begierden der Seele sich in Bilder kleiden, die genau den entgegengesetzten Charakter von dem tragen, was sie wirklich sind. Man nehme z.B. an, die Eitelkeit kleide sich auf diese Art in ein Bild. Sie kann auftreten als eine liebreizende Gestalt, welche die wunderbarsten Dinge verspricht, wenn man ausfuhrt, was sie angibt. Diese ihre Angaben scheinen etwas durchaus Gutes, Erstrebenswertes in Aussicht zu stellen; folgt man ihnen, so stürzt man sich in sein moralisches oder sonstiges Verderben. Umgekehrt kann sich eine gute Eigenschaft der Seele in ein unsympathisches Kleid hüllen. Nur dem wirklichen Kenner ist es möglich, da zu unterscheiden, und nur eine Persönlichkeit, die gar nicht wankend gemacht werden kann in bezug auf ein richtiges Ziel, ist sicher gegenüber den Verführungskünsten der eigenen Seelenbilder. — Man wird in Anbetracht von alledem zugeben, wie notwendig die Führung eines Lehrers ist, der mit sicherem Sinn den Schüler aufmerksam macht, was auf diesem Gebiet Trugbild und was Wahrheit ist. Nicht zu glauben aber braucht man, daß dieser Lehrer immer hinter dem Schüler stehen muß. Das räumliche Beisammensein mit dem Lehrer ist es durchaus nicht, worauf es beim Geheimschüler immer ankommt. Gewiß gibt es Augenblicke, wo ein solches räumliches Beisammensein wünschenswert, und auch solche, wo es durchaus notwendig ist. Aber anderseits findet der Geheimlehrer auch die Mittel, um mit dem Schüler in Verbindung zu bleiben, auch bei räumlicher Entfernung. Und zudem kommt in Betracht, daß manches, was zwischen Lehrer und Schüler auf diesem Gebiete bei einem Beisammensein vorgeht, oftmals monate, vielleicht jahrelang nachwirken kann. Eines aber gibt es, was sicher den notwendigen Zusammenhang zwischen Lehrer und Schüler zerreißen muß. Das tritt dann ein, wenn der letztere das Vertrauen zu dem ersteren verliert. — Und besonders schlimm ist es, wenn dieses Vertrauensband sich löst, ehe der Schüler unterscheiden gelernt hat die Vorspiegelungen der eigenen Seele von der wahren Wirklichkeit.
[ 13 ] In addition to this one fact, there is another that could confuse a person if they were to venture into the world of the imagination without guidance. For the initiate learns, above all, to know themselves through all spiritual beings. In physical life, a person has feelings, desires, wishes, passions, ideas, and so on. Although all of these are triggered by the things and beings of the outer world, a person knows very well that they constitute his inner world, and he distinguishes them—as what takes place within his soul—from the objects of the outer world. But as soon as the imaginative sense is awakened, this ease of distinction ceases entirely. One’s own feelings, imaginations, passions, etc., literally emerge from within, taking on form, color, and tone. One now faces them just as one faces objects and beings that are entirely foreign in the physical world. And one will understand that this confusion can become complete when one recalls what was said in the chapter “On Some Effects of Initiation” in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. For what is described there is nothing other than the way in which the imaginative world appears to the observer. For in that world, everything appears reversed, as in a mirror image. What radiates from the human being appears as if it were approaching him from the outside. A desire he harbors transforms into a figure, for example, in the form of a fantastical-looking animal, or perhaps even a human-like being. This figure seems to beset him, to launch an attack against him, or even to prompt him to do this or that. Thus it can happen that a person feels as though he is surrounded and swarmed by a wholly fantastical world—often alluring and seductive, yet often also gruesome. In truth, this represents nothing other than his own thoughts, desires, and passions, transformed into images. — One would be committing a grave error if one were to believe that distinguishing this self—transformed into images—from the real spiritual world is easy. To begin with, it is virtually impossible for the student to truly make this distinction. For the exact same image could just as easily originate from a spiritual being speaking to the person as from something within the soul itself. And if a person acts hastily in this very situation, they run the risk of never learning to properly distinguish between the two. The utmost caution is required here. — The confusion is only compounded by the fact that the soul’s own desires and cravings clothe themselves in images that bear a character exactly opposite to what they truly are. Take, for example, the vanity that takes on such a guise. It can appear as a charming figure that promises the most wondrous things if one carries out what it suggests. Its suggestions seem to hold out the prospect of something thoroughly good and desirable; yet if one follows them, one plunges oneself into moral or other ruin. Conversely, a good quality of the soul can cloak itself in an unappealing guise. Only the true connoisseur is able to distinguish between them, and only a person whose resolve regarding a true goal cannot be shaken is safe from the seductive arts of the soul’s own images. — In light of all this, one must acknowledge how essential it is to have the guidance of a teacher who, with sound judgment, draws the student’s attention to what is illusion and what is truth in this realm. However, one need not believe that this teacher must always be physically present with the student. Physical presence with the teacher is by no means what is always essential for the secret student. Certainly, there are moments when such physical presence is desirable, and also times when it is absolutely necessary. On the other hand, the secret teacher also finds ways to remain in contact with the student, even when they are physically apart. Furthermore, it is worth considering that much of what takes place between teacher and student in this realm during a meeting can often have a lasting effect for months, perhaps even years. There is, however, one thing that is certain to sever the necessary bond between teacher and student. This occurs when the latter loses trust in the former. — And it is particularly serious when this bond of trust breaks before the student has learned to distinguish the illusions of his own soul from true reality.
[ 14 ] Nun könnte man vielleicht sagen: ja, wenn auf diese Art ein solches Gebundensein an den Lehrer eintritt, so verliert ja der Geheimschüler alle Freiheit und Selbständigkeit. Er gibt sich sozusagen dem Lehrer ganz in die Hand. Doch gerade dies ist in Wahrheit gar nicht der Fall. Allerdings gibt es Unterschiede in bezug auf die Abhängigkeit vom Lehrer in den verschiedenen Methoden der okkulten Schulung. Diese Abhängigkeit kann eine größere oder geringere sein müssen. Sie ist die verhältnismäßig größte bei derjenigen Methode, welche von den Okkultisten des Orients befolgt wurde und von diesen auch heute noch als die ihrige gelehrt wird. In viel geringerem Maße ist diese Abhängigkeit von einem Menschen schon bei der sogenannten christlichen Einweihung vorhanden. Und eigentlich völlig in Wegfall kommt sie bei demjenigen Erkenntnispfade, der seit dem vierzehnten Jahrhundert von den sogenannten Geheimschulen der Rosenkreuzer angegeben wird. Bei diesem kann zwar nicht der Lehrer wegfallen, denn das ist unmöglich. Aber es hört wahrhaft jede Abhängigkeit von ihm auf. Wie das möglich ist, wird aus der Fortsetzung dieser Darstellung zu ersehen sein. Darinnen wird nämlich genau geschildert werden, wodurch sich diese drei «Erkenntnispfade» unterscheiden: der orientalische, der christliche und der rosenkreuzerische. Bei dem letzteren kommt nämlich gar nichts in Betracht, was einen modernen Menschen irgendwie in seinem Freiheitsgefühl stören könnte. Auch wird in dieser Fortsetzung geschildert werden, wie die eine oder die andere Person als Geheimschüler dazu kommen kann, auch gegenwärtig, im modernen Europa, nicht den rosenkreuzerischen Weg zu gehen, sondern den orientalischen oder den älteren christlichen, obgleich der rosenkreuzerische gegenwärtig der natürlichste ist. Dieser ist, wie man im weiteren Verlauf sehen wird, nicht etwa unchristlich. Es kann ihn ein Mensch gehen, ohne sein Christentum zu gefährden, und es kann ihn auch ein Mensch gehen, der auf der vollen Höhe moderner wissenschaftlicher Weltanschauung zu stehen vermeint.
[ 14 ] Now one might perhaps say: yes, if such a bond to the teacher arises in this way, then the initiate loses all freedom and independence. He places himself, so to speak, entirely in the teacher’s hands. Yet in truth, this is not the case at all. Admittedly, there are differences regarding dependence on the teacher in the various methods of occult training. This dependence may be greater or lesser. It is relatively greatest in the method followed by the occultists of the East and still taught by them today as their own. To a much lesser extent, this dependence on a human being is already present in the so-called Christian initiation. And it actually ceases entirely on the path of knowledge that has been taught since the fourteenth century by the so-called secret schools of the Rosicrucians. In this path, the teacher cannot be dispensed with, for that is impossible. But any dependence on him truly ceases. How this is possible will become clear in the continuation of this exposition. For in it, the differences between these three “paths of knowledge”—the Eastern, the Christian, and the Rosicrucian—will be described in detail. In the latter, indeed, nothing comes into consideration that could in any way disturb a modern person’s sense of freedom. This continuation will also describe how one person or another, as a secret student, might come to follow—even today, in modern Europe—not the Rosicrucian path, but the Eastern or the older Christian one, even though the Rosicrucian path is currently the most natural. As will become clear later on, this path is by no means unchristian. A person can follow it without jeopardizing their Christianity, and it can also be followed by someone who believes they stand at the very pinnacle of the modern scientific worldview.
[ 15 ] Ein anderes könnte aber vielleicht noch der Erklärung bedürfen. Man könnte sich versucht fühlen zu fragen, ob denn nicht dem Geheimschüler erspart bleiben könnte, durch die Vorspiegelungen seiner eigenen Seele hindurchzugehen. Geschähe das, so würde er eben nie zu der für ihn so wünschenswerten selbständigen Unterscheidung kommen. Denn durch nichts kann die ganz eigenartige Natur der imaginativen Welt anschaulicher werden als durch die Betrachtung der eigenen Seele. Der Mensch kennt ja das Innenleben seiner Seele zunächst von der einen Seite. Er steckt eben darinnen. Und das muß ja der Geheimschüler gerade lernen: die Dinge nicht nur von außen anzuschauen, sondern sie so zu beobachten, als ob er in ihnen allen darinnensteckte. Tritt ihm nun seine eigene Gedankenwelt so wie etwas Fremdes entgegen, dann lernt er eben dadurch ein Ding, das er schon von einer Seite her kennt, auch noch von der anderen Seite kennen. Er muß gewissermaßen sich selbst das erste Beispiel einer solchen Erkenntnis werden. Von der physischen Welt her ist er ja an etwas ganz anderes gewöhnt. Da erblickt er alle anderen Dinge immer nur von außen, sich selbst aber erlebt er nur vom Innern. Er kann, solange er in der physischen Welt verbleibt, nie hinter die Oberfläche der Dinge hineinsehen. Und er kann niemals aus sich herausgehen, gleichsam «aus seiner eigenen Haut fahren», um sich von außen zu beobachten. Das letztere obliegt ihm buchstäblich bei der Geheimschulung zuerst, und mit Hilfe dessen lernt er dann, auch äußeren Tatsachen und Wesenheiten hinter die Oberfläche zu schauen.
[ 15 ] Another point, however, might still require explanation. One might be tempted to ask whether the initiate could not be spared the task of sifting through the illusions of his own soul. If that were the case, he would never arrive at the independent discernment that is so desirable for him. For nothing can make the wholly unique nature of the imaginative world more vivid than the contemplation of one’s own soul. After all, a person initially knows the inner life of his soul from only one side. He is, in fact, right in the midst of it. And this is precisely what the secret student must learn: not only to view things from the outside, but to observe them as if he were immersed within them all. When his own world of thoughts now confronts him as something foreign, he thereby learns to know something—which he already knows from one side—from the other side as well. He must, so to speak, become the first example of such insight for himself. In the physical world, he is, after all, accustomed to something entirely different. There, he always perceives all other things only from the outside, but he experiences himself only from the inside. As long as he remains in the physical world, he can never see beyond the surface of things. And he can never step outside of himself—as it were, “step out of his own skin”—to observe himself from the outside. The latter is literally his first task in the secret training, and with its help he then learns to look beyond the surface of external facts and entities as well.
