The Stages of Higher Knowledge
GA 12
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The Stages of Higher Knowledge, tr. SOL
Die Inspiration
3. Inspiration
[ 1 ] Aus der Schilderung der Imagination ist ersichtlich geworden, wie durch sie der Geheimschüler den Boden der äußeren sinnlichen Erlebnisse verläßt. In einem noch viel höheren Grade ist dieses der Fall in der Inspiration. Bei ihr liegt dem Vorstellen noch viel weniger von dem zugrunde, was man als eine äußere Anregung bezeichnen kann. Der Mensch muß da in sich selbst die Kraft finden, welche es ihm möglich macht, über etwas sich Vorstellungen zu bilden. Er muß in einem viel höheren Grade innerlich tätig sein, als dies bei der äußeren Erkenntnis der Fall ist. Bei dieser gibt er sich eben den äußeren Eindrücken hin, und sie verursachen in ihm die Vorstellungen. Diese Hingabe fällt bei der Inspiration weg. Es liefern nunmehr keine Augen Farben, keine Ohren Töne usw. Aller Inhalt des Vorstellens muß gewissermaßen durch eigene Tätigkeit, also durch rein geistig-seelische Vorgänge geschaffen werden. Und in dasjenige, was so der Mensch durch die Tätigkeit seines Innern schafft, muß sich die Offenbarung der höheren wirklichen Welt hineinprägen. Ein eigenartiger Widerspruch scheint in einer solchen Beschreibung der höheren Erkenntniswelt aufzutreten. Der Mensch soll in einer gewissen Art der Schöpfer seiner Vorstellungen sein; und doch dürfen diese Vorstellungen selbstverständlich nicht seine Geschöpfe sein; sondern durch sie müssen sich die Vorgänge der höheren Welt ebenso zum Ausdruck bringen, wie sich in den Wahrnehmungen der Augen, Ohren usw. die Vorgänge der niederen Welt zum Ausdruck bringen. Es ist das aber ein Widerspruch, der sich in der Schilderung dieser Erkenntnisart finden muß. Denn das ist es gerade, was sich der Geheimschüler auf dem Wege zur Inspiration aneignen muß, daß er auf dem Wege seiner inneren Tätigkeit etwas zustande bringt, wozu er in dem gewöhnlichen Leben von außen gezwungen wird. — Warum verlaufen im gewöhnlichen Leben die Vorstellungen nicht willkürlich? Weil der Mensch sich bei seinem Vorstellen nach den äußeren Gegenständen richten muß. Alle Willkür des «Ich» fällt weg, weil die Gegenstände sagen: so oder so sind wir. Da sprechen die Gegenstände, wie sie vorgestellt werden sollen, das «Ich» hat nichts darüber zu bestimmen. Wer sich den Gegenständen nicht fügen will, der stellt sich eben Unrichtiges vor; und er würde bald gewahr werden, wie wenig er damit in der Welt zurechtkäme. Man kann dieses notwendige Verhalten des Menschen zu den Dingen der Außenwelt in der Erkenntnis mit dem Ausdruck «selbstlos» bezeichnen. Der Mensch muß sich selbstlos zu den Dingen verhalten. Und die Außenwelt ist sein Lehrmeister in dieser Selbstlosigkeit. Sie benimmt ihm alle Illusionen, alle Phantastereien, alle unlogischen Urteile, alles Unsachliche, indem sie ihm einfach ihr richtiges Bild vor die Sinne stellt.
[ 1 ] From the description of imagination, it has become clear how, through it, the initiate leaves the realm of external sensory experiences. This is the case to an even greater degree with inspiration. In inspiration, the imagination is based even less on what can be described as an external stimulus. Here, the individual must find within himself the power that enables him to form mental images of something. He must be inwardly active to a much greater degree than is the case with external cognition. In the latter, he simply surrenders to external impressions, and they give rise to mental images within him. This surrender is absent in inspiration. Now, colors are no longer provided by the eyes, nor sounds by the ears, and so on. The entire content of the imagination must, so to speak, be created through one’s own activity—that is, through purely spiritual-psychic processes. And into that which a person thus creates through the activity of their inner being, the revelation of the higher, real world must be imprinted. A peculiar contradiction seems to arise in such a description of the higher world of knowledge. Human beings are to be, in a certain sense, the creators of their own images; and yet, of course, these images must not be their own creations; rather, the processes of the higher world must express themselves through them, just as the processes of the lower world express themselves in the perceptions of the eyes, ears, and so on. But this is a contradiction that is bound to arise in the description of this kind of knowledge. For this is precisely what the initiate must master on the path to inspiration: that through his inner activity he brings about something that, in ordinary life, is imposed upon him from without. — Why do ideas not arise arbitrarily in ordinary life? Because in his thinking, the human being must orient himself toward external objects. All arbitrariness of the “I” falls away, because the objects say: this is how we are. The objects themselves dictate how they are to be imagined; the “I” has no say in the matter. Anyone who refuses to conform to the objects will simply imagine things incorrectly; and he would soon realize how little he could manage in the world with such imaginings. This necessary attitude of human beings toward the things of the external world in cognition can be described with the term “selfless.” Human beings must relate to things selflessly. And the external world is their teacher in this selflessness. It dispels all their illusions, all their fantasies, all their illogical judgments, and everything that is unsubjective by simply presenting its true image to their senses.
[ 2 ] Will der Mensch sich für die Inspiration vorbereiten, so muß er sein Inneres so weit bringen, daß ihm diese Selbstlosigkeit eigen ist, auch wenn nichts von außen dazu zwingt. Er muß innerlich schaffen lernen, jedoch so, daß sein «Ich» bei diesem Schaffen nicht im geringsten eine eigenmächtige Rolle spielt. Die Schwierigkeiten, welche in Betracht kommen, um eine solche Selbstlosigkeit zu erringen, werden um so deutlicher sichtbar, je besser man berücksichtigt, welche Seelenkräfte für die Inspiration besonders in Betracht kommen. — Man unterscheidet die drei Grundkräfte des seelischen Lebens: Vorstellen, Fühlen und Wollen. Bei dem gewöhnlichen Sinneserkennen sind die Vorstellungen durch die äußeren Gegenstände angeregt. Und durch diese von außen angeregten Vorstellungen bekommen auch das Fühlen und das Wollen ihre bestimmten Richtungen. Der Mensch sieht z.B. einen Gegenstand; dieser bereitet ihm Lust, infolgedessen begehrt er die betreffende Sache. Die Lust sitzt im Gefühle; durch dieses wird der Wille erregt, wie es selbst sein Gepräge von dem Vorstellen erhalten hat. Der letzte Grund aber von Vorstellen, Fühlen und Wollen ist der äußere Gegenstand. — Ein anderer Fall wäre dieser. Ein Mensch erlebt ein Ereignis. Dieses bereitet ihm Angst. Er läuft von dem Schauplatze des Ereignisses hinweg. Auch hier sind die äußeren Vorgänge der erste Grund; sie kommen durch die Sinne zur Wahrnehmung, werden Vorstellungen, das Gefühl der Angst stellt sich ein; und der Wille — der sich im Davonlaufen verwirklicht — ist die Folge. Bei der Inspiration fällt ein äußerer Gegenstand in dieser Form weg. Die Sinne kommen für eine Wahrnehmung nicht in Betracht. Sie also können auch nicht die Anreger von Vorstellungen sein. Von dieser Seite aus wird auf Fühlen und Wollen kein Einfluß ausgeübt. — Nun sind es aber gerade diese beiden, aus denen, wie aus einem Mutterboden, bei der Inspiration innerlich die Vorstellungen aufsteigen, gleichsam herauswachsen. Und es werden wahre Vorstellungen erwachsen, wenn der Mutterboden ein gesunder ist, Irrtümer und Wahngebilde, wenn er ein ungesunder ist.
[ 2 ] If a person wishes to prepare himself for inspiration, he must develop his inner being to such an extent that this selflessness becomes second nature to him, even when there is no external compulsion to do so. He must learn to create from within, but in such a way that his “I” does not play the slightest arbitrary role in this creative process. The difficulties involved in attaining such selflessness become all the more apparent the more one considers which soul forces are particularly relevant to inspiration. — We distinguish between the three fundamental forces of soul life: imagination, feeling, and will. In ordinary sensory perception, ideas are stimulated by external objects. And through these externally stimulated representations, feeling and volition also take on their specific directions. For example, a person sees an object; this object arouses pleasure in him, and as a result, he desires the object in question. The pleasure resides in feeling; through this, the will is stirred, just as it itself has received its character from the representation. The ultimate cause of representation, feeling, and volition, however, is the external object. — Another case would be this. A person experiences an event. This causes him anxiety. He runs away from the scene of the event. Here, too, external events are the primary cause; they are perceived through the senses, become representations, the feeling of fear sets in; and the will—which is realized in the act of running away—is the consequence. In the case of inspiration, an external object in this form is absent. The senses do not come into play for perception. Therefore, they cannot be the stimuli of representations either. From this perspective, no influence is exerted on feeling and volition. — Yet it is precisely these two from which, as from fertile soil, ideas arise internally during inspiration, growing out of them, as it were. And true ideas grow when the soil is healthy; errors and delusions grow when it is unhealthy.
[ 3 ] So gewiß als die Inspirationen, welche aus einem gesunden Fühlen und Wollen entspringen, Offenbarungen einer höheren Welt sein können, so gewiß entspringen aus einem wüsten Fühlen und Wollen die Irrtümer, Täuschungen und Phantastereien über eine höhere Welt.
[ 3 ] Just as certainly as the inspirations that spring from healthy feelings and desires can be revelations of a higher world, so certainly do errors, delusions, and fantasies about a higher world spring from disordered feelings and desires.
[ 4 ] Die Geheimschulung stellt sich deshalb die Aufgabe, dem Menschen die Mittel zu zeigen, welche ihn befähigen, seine Gefühle und seine Willensimpulse zu gesundfruchtbaren für die Inspiration zu machen. Wie in allen Dingen der Geheimschulung hat man es auch hier mit einer intimen Regelung und Gestaltung des Seelenlebens zu tun. Man muß sich zunächst gewisse Gefühle aneignen, die man im gewöhnlichen Leben nur in einem geringen Grade kennt. Es sollen hier einige von diesen Gefühlen angedeutet werden. Zu den wichtigsten gehört eine höhere Empfindlichkeit gegenüber von «wahr» und «unwahr» , von «richtig» und «unrichtig». Gewiß hat ja auch der gewöhnliche Mensch ähnliche Gefühle. Sie müssen aber eben bei dem Geheimschüler in einem viel höheren Maße ausgebildet werden. Man nehme an, jemand begehe einen logischen Fehler: ein anderer sieht diesen Fehler ein, und er stellt die Sache richtig. Man mache sich klar, wie groß der Anteil des Urteiles, des Verstandes bei einem solchen Richtigstellen ist und wie gering das Gefühl der Lust beim Richtigen, der Unlust beim Unrichtigen Wohlgemerkt, es soll durchaus nicht behauptet werden, daß die Lust und entsprechend die Unlust gar nicht vorhanden seien. Aber der Grad, in dem sie im gewöhnlichen Leben vorhanden sind, muß sich in der Geheimschulung ins Unbegrenzte steigern. Ganz systematisch muß der Geheimschüler die Aufmerksamkeit auf sein Seelenleben lenken: und er muß es dahin bringen, daß ihm das logisch Unrichtige eine Quelle des Schmerzes wird, der durchaus nicht hinter einem physischen Schmerze zurückbleibt; und in umgekehrter Art muß ihm das «Richtige» wirkliche Freude oder Lust bereiten. Wo also ein anderer nur seinen Verstand, seine Urteilskraft in Bewegung bringt, muß der Geheimschüler lernen, die ganze Stufenfolge von Gefühlen, vom Schmerz bis zum Enthusiasmus, von der wehevollen Spannung bis zur entzückenden Lösung im Besitz der Wahrheit zu durchleben. Ja, er muß etwas wie Haß empfinden lernen gegen dasjenige, was beim «normalen» Menschen nur als ein nüchternkaltes «Unrichtiges» erlebt wird; er muß eine Liebe zur Wahrheit in sich entwickeln, welche einen ganz persönlichen Charakter trägt; so persönlich, so warm wie der Liebende der Geliebten gegenüber empfindet. — Man wird ja gewiß auch in den Kreisen unserer «Gebildeten» vielfach von der «Liebe zur Wahrheit» reden; doch ist das, was man da meint, eben gar nicht zu vergleichen mit dem, was der Geheimschüler in stiller, innerer Seelenarbeit nach dieser Richtung durchmachen muß. Er muß sich geduldig immer wieder probeweise dieses oder jenes «Wahre», dieses oder jenes «Falsche» vorlegen; und sich der Sache hingeben, um nicht bloß seine Urteilskraft zu schulen, die nüchtern unterscheidet zwischen «wahr» und «falsch», sondern er muß zu dem allen ein ganz persönliches Verhältnis gewinnen. — Es ist durchaus richtig, daß der Mensch im Anfange einer solchen Schulung in das verfallen kann, was man «Überempfindlichkeit» nennen mag. Ein unrichtiges Urteil, das er in seiner Umgebung hört, eine Inkonsequenz usw. können ihm einen schier unerträglichen Schmerz bereiten. — Es muß deshalb bei der Schulung auf diese Sache Rücksicht genommen werden. Denn geschähe das nicht: dann könnten sich allerdings große Gefahren für das Seelengleichgewicht des Schülers ergeben. Wird daraufgesehen, daß der Charakter fest bleibt, dann können Stürme im Seelenleben sich abspielen, und der Mensch hat doch die Kraft, in harmonischer Miene und Gebärde mit der Außenwelt zu leben. Ein Fehler ist in jedem Falle gemacht, wo der Geheimschüler zu einem Gegensatze gegenüber der Außenwelt gebracht wird, so daß er diese unerträglich findet oder gar aus ihr fliehen will. Die höhere Gefühlswelt darf sich nicht auf Kosten des gleichmäßigen Wirkens und Arbeitens in der Außenwelt entwickeln; deshalb muß der inneren Erhöhung des Gefühlslebens eine Stärkung der Widerstandskraft gegenüber den äußeren Eindrücken entsprechen. Die praktische Geheimschulung weist daher den Menschen an, niemals die obengenannten Übungen zur Schulung seiner Gefühlswelt zu unternehmen, ohne sich zugleich auch nach der Richtung zu entwickeln, daß er ein Verständnis dafür gewinnen könne, was das Leben an Toleranzempfindung von dem Menschen fordert. Er muß zugleich in sich den lebendigsten Schmerz empfinden können, wenn z.B. ein Mensch ein unrichtiges Urteil abgibt, und vollkommen tolerant sein können gegen diesen Menschen, weil der Gedanke in der Seele ebenso lebhaft da ist: dieser Mensch muß so urteilen, und es ist mit seinem Urteile wie mit einer Tatsache zu rechnen. — Richtig ist allerdings, daß das Innere des Geheimwissenschaftlers sich immer mehr und mehr zu einem Doppelleben umgestalten wird. Immer reichere Vorgänge werden sich in seiner Seele abspielen bei seiner Pilgerschaft durch das Leben, immer selbständiger gegenüber dem, was die äußere Welt gibt, wird eine zweite Welt. Aber dieses Doppelleben wird gerade das Fruchtbare sein für die echte Lebenspraxis. Was sich dadurch einstellt, ist Schlagfertigkeit des Urteiles, Treffsicherheit in bezug auf die Entschlüsse. Wo derjenige, der einer solchen Schulung fernesteht, lange Gedankenketten durchmachen muß, zwischen Entschluß und Ratlosigkeit hinund hergetrieben wird, da wird der Geheimwissenschafter rasch die Lagen des Lebens überschauen, dem gewöhnlichen Blicke verborgene Zusammenhänge schnell aufdecken usw. Es gehört für ihn dann oft sogar viel Geduld dazu, sich in die langsame Art hineinzubegeben, wie ein anderer etwas begreifen kann, während bei ihm doch dieses Begreifen pfeilschnell vor sich geht.
[ 4 ] The secret training therefore sets itself the task of showing people the means that enable them to transform their feelings and impulses of will into ones that are healthy and fruitful for inspiration. As in all aspects of the Esoteric School, this too involves an intimate regulation and shaping of the soul life. One must first acquire certain feelings that are known only to a limited extent in ordinary life. Some of these feelings will be briefly described here. Among the most important is a heightened sensitivity to “true” and “false,” to “right” and “wrong.” Certainly, the ordinary person also has similar feelings. But in the case of the initiate, these must be developed to a much higher degree. Suppose someone makes a logical error: another person recognizes this error and corrects it. Consider how great a role judgment and intellect play in such a correction, and how small a role the feeling of pleasure plays in the correct and displeasure in the incorrect. Mind you, it is by no means intended to claim that pleasure and, correspondingly, displeasure do not exist at all. But the degree to which they are present in ordinary life must be increased infinitely in the secret training. The student of the secret teachings must systematically direct his attention to his inner life: and he must bring it to the point where what is logically incorrect becomes a source of pain that is by no means inferior to physical pain; and conversely, what is “correct” must give him genuine joy or pleasure. Where, then, another person merely engages their intellect and power of judgment, the initiate must learn to experience the entire spectrum of feelings—from pain to enthusiasm, from agonizing tension to the ecstatic resolution that comes with possessing the truth. Indeed, he must learn to feel something akin to hatred toward that which the “normal” person experiences merely as a sober, cold “falsehood”; he must develop within himself a love for the truth that bears a wholly personal character—as personal and as warm as the feelings a lover has toward his beloved. — Certainly, even among our “educated” circles, people often speak of the “love of truth”; yet what is meant there is simply incomparable to what the secret student must undergo in quiet, inner soul work in this direction. He must patiently present this or that “truth,” this or that “falsehood,” to himself again and again on a trial basis; and he must devote himself to the matter, not merely to train his power of judgment—which soberly distinguishes between “true” and “false”—but he must also develop a very personal relationship to it all. — It is certainly true that, at the beginning of such training, a person may fall into what might be called “hypersensitivity.” An incorrect judgment they hear from those around them, an inconsistency, and so on, can cause them almost unbearable pain. — This must therefore be taken into account during the training. For if this were not done, it could indeed pose great dangers to the student’s emotional balance. If care is taken to ensure that the character remains steadfast, then storms may rage within the soul, yet the person will still have the strength to live in harmony with the outside world through their demeanor and gestures. A mistake is made in every case where the initiatory student is placed in opposition to the external world, so that he finds it unbearable or even wants to flee from it. The higher emotional world must not develop at the expense of steady action and work in the external world; therefore, the inner elevation of the emotional life must be accompanied by a strengthening of resilience against external impressions. Practical esoteric training therefore instructs the individual never to undertake the above-mentioned exercises for the cultivation of their emotional life without at the same time also developing in such a way that they can gain an understanding of what life demands of a person in terms of a sense of tolerance. At the same time, one must be able to feel the keenest pain within oneself when, for example, a person makes an incorrect judgment, and yet be completely tolerant toward that person, because the thought is just as vividly present in the soul: this person must judge in this way, and his judgment must be regarded as a fact. — It is true, however, that the inner life of the occultist will increasingly take on the form of a double life. Ever richer processes will unfold in his soul as he journeys through life; a second world will become ever more independent of what the outer world offers. But this double life will be precisely what bears fruit for genuine living practice. What results from this is quick-wittedness of judgment and precision in decision-making. Whereas someone unaccustomed to such training must wade through long chains of thought, tossed back and forth between decision and perplexity, the occultist will swiftly grasp life’s situations, quickly uncover connections hidden from the ordinary gaze, and so on. It often even requires a great deal of patience on his part to adapt to the slow pace at which another person might grasp something, whereas for him, this comprehension occurs in the blink of an eye.
[ 5 ] Nun ist bisher nur gesprochen von den Eigenschaften, welche das Gefühlsleben erhalten muß, damit die Inspiration in der richtigen Art eintreten könne. Die andere Frage ist die: Wie werden die Gefühle fruchtbar, so daß sie aus sich wirkliche, der Inspirationswelt angehörige Vorstellungen gebären? Will man das einsehen, was die Geheimwissenschaft als Antwort auf diese Frage zu geben hat, so muß man sich mit der Tatsache bekannt machen, daß des Menschen Seelenleben immer einen gewissen Schatz von Gefühlen hat, welche über das Maß dessen hinausgehen, was durch die sinnlichen Wahrnehmungen angeregt wird. Der Mensch fühlt gleichsam mehr, als das ist, wozu ihn die Dinge zwingen. Nur wird in dem gewöhnlichen Leben dieses Übermaß in einer solchen Richtung angewendet, welche durch die Geheimschulung in eine andere verwandelt werden muß. Man nehme z.B. ein Angst- oder Furchtgefühl. Man wird sich leicht klarmachen können, daß in vielen Fällen die Furcht oder die Angst größer ist, als sie sein würde, wenn sie einem entsprechenden äußeren Vorgange ganz angemessen wäre. Man stelle sich nun vor: der Geheimschüler arbeite energisch an sich, um in keinem ihm vorkommenden Falle größere Furcht oder Angst zu haben, als gegenüber den entsprechenden äußeren Vorgängen wirklich gerechtfertigt ist. Nun wird ein gewisses Maß von Furcht oder Angst immer aus der Aufwendung von Seelenkraft erzeugt. Diese Seelenkraft geht tatsächlich dadurch verloren, daß eben Furcht oder Angst erzeugt werden. Der Geheimschüler erspart diese Seelenkraft wirklich, wenn er sich die Furcht oder die Angst — und anderes — versagt. Und sie bleibt ihm für etwas anderes verfügbar. Wiederholt er solche Vorgänge oft, so wird aus den fortlaufend ersparten Seelenkräften ein innerer Schatz gebildet, und der Geheimschüler wird bald erleben, daß ihm aus solchen Gefühlsersparnissen die Keime zu Vorstellungen erwachsen, welche Offenbarungen des höheren Lebens zum Ausdrucke bringen. Dergleichen kann man im gewöhnlichen Sinne nicht «beweisen»; man kann nur dem Geheimschüler die Anweisung geben: tue dies oder jenes — und er wird, wenn er die Sache ausführt, schon sehen, daß sich die untrüglichen Früchte einstellen.
[ 5 ] So far, we have spoken only of the qualities that the emotional life must possess so that inspiration can arise in the proper way. The other question is this: How do emotions become fruitful, so that they give birth, of their own accord, to genuine ideas that belong to the world of inspiration? To understand what esoteric science has to say in answer to this question, one must become acquainted with the fact that the human soul life always possesses a certain treasure trove of feelings that go beyond what is stimulated by sensory perceptions. Human beings feel, as it were, more than what things compel them to feel. However, in ordinary life, this excess is directed in a way that must be transformed into a different direction through esoteric training. Take, for example, a feeling of fear or anxiety. It is easy to see that in many cases, the fear or anxiety is greater than it would be if it were entirely proportionate to a corresponding external event. Now imagine: the student of the secret teachings works energetically on himself so that, in no situation he encounters, will he experience greater fear or anxiety than is truly justified by the corresponding external events. Now, a certain degree of fear or anxiety is always generated by the expenditure of soul-force. This soul-force is in fact lost precisely because fear or anxiety is generated. The secret student truly conserves this soul energy when he refrains from fear or anxiety—and other such emotions. And it remains available to him for something else. If he repeats such practices often, the soul forces continually saved up will form an inner treasure, and the initiate will soon experience that from such emotional savings the seeds of ideas will grow, which give expression to revelations of the higher life. Such things cannot be “proven” in the ordinary sense; one can only give the initiatory student the instruction: do this or that—and when he carries it out, he will already see that the unmistakable fruits set in.
[ 6 ] Einer ungenauen Betrachtung des soeben Geschilderten könnte es leicht als ein Widerspruch erscheinen, daß auf der einen Seite eine Bereicherung der Gefühlswelt gefordert wird, indem durch das, was sonst nur das Verstandesurteil wachruft, Gefühle der Lust, des Schmerzes usw. erregt werden sollen — und auf der anderen Seite gerade von Ersparnissen an Gefühlen gesprochen wird. Dieser Widerspruch verschwindet sofort, wenn man bedenkt, daß die Ersparnisse bei denjenigen Gefühlen gemacht werden sollen, welche durch die äußeren Sinne angeregt werden. Eben das, was da erspart wird, erscheint als Bereicherung gegenüber den geistigen Erlebnissen. Und es ist durchaus richtig, daß auf diese Art an der sinnlichen Wahrnehmungswelt ersparte Gefühle nicht nur auf dem anderen Gebiete freiwerden, sondern daß sie sich auf diesem Gebiete als schöpferisch erweisen. Sie schaffen das Material zu den Vorstellungen, in denen sich die geistige Welt offenbart.
[ 6 ] To a superficial reader of what has just been described, it might easily seem contradictory that, on the one hand, an enrichment em> of the emotional world is called for—in that feelings of pleasure, pain, and so on are to be aroused by what would otherwise evoke only intellectual judgment—and, on the other hand, there is talk of economies in feelings. This contradiction disappears immediately when one considers that the savings are to be made in those emotions that are stimulated by the external senses. Precisely what is saved here appears as an enrichment in relation to spiritual experiences. And it is entirely correct that feelings spared in this way from the world of sensory perception are not only freed up in the other realm, but also prove to be creative in that realm. They provide the material for the ideas through which the spiritual world reveals itself.
[ 7 ] Es würde allerdings nicht besonders weit gehen, wenn man nur bei solchen Ersparnissen stehenbleiben wollte, wie sie oben angedeutet worden sind. Zu größeren Erfolgen ist noch mehr nötig. Man muß der Seele einen noch weit größeren Schatz von Gefühl erzeugender Kraft zufuhren, als auf diesem Wege möglich ist. Man muß z.B. sich gewissen äußeren Eindrücken probeweise aussetzen und sich dann die Gefühle ganz versagen, die im sogenannten «normalen» Zustande eintreten. Man muß sich z.B. einem Ereignisse gegenüberstellen, welches «normalerweise» die Seele erregt, und sich diese Erregung ganz und gar verbieten. Man kann das so machen, daß man sich tatsächlich einem solchen Ereignisse gegenüberstellt oder sich bloß mit der Vorstellung behilft. Das letztere ist sogar für die fruchtbare Geheimschulung das bessere. Da der Schüler ja in die Imagination eingeweiht wird, entweder vor seiner Vorbereitung zur Inspiration oder mit der letzteren gleichzeitig, so muß er eigentlich imstande sein, sich imaginativ ein Ereignis mit derselben Kraft vor die Seele zu stellen, wie wenn es wirklich da wäre. — Wenn nun in langer innerer Arbeit der Schüler sich immer wieder und wieder Dingen und Vorgängen aussetzt und es sich verbietet, entsprechende «normale» Gefühle zu haben, so wird in seiner Seele der Mutterboden für die Inspiration geschaffen. — Nur als Zwischenbemerkung sei hier angeführt, daß derjenige, welcher eine solche Schulung zur Inspiration beschreibt, es voll würdigen kann, wenn vom Standpunkte unserer gegenwärtigen Zeitbildung aus manches gegen eine solche Beschreibung eingewendet wird. Und man kann da nicht nur das oder jenes einwenden, sogar kann man überlegen lächeln und sagen: «Inspiration kann doch nicht pedantisch anerzogen werden; sie ist eine Naturgabe des Genies.» Ja gewiß, vom Standpunkte dieser Zeitbildung mag es recht komisch anmuten, wenn viel über die Heranbildung dessen geredet wird, bei dem diese Bildung von einer Erklärung nichts wissen will; aber diese Zeitbildung ist sich nicht bewußt, wie wenig sie ihre eigenen Gedankengänge zu Ende zu denken vermag. Wer es einem Bekenner dieser Zeitbildung zumuten wollte, daß er daran glauben solle, irgendein höher entwickeltes Tier habe sich nicht langsam entwickelt, sondern sei «plötzlich» da gewesen: der würde bald hören, daß der im modernen Sinne Gebildete an ein solches «Wunder» nicht glaube. So etwas sei «Aberglauben». Nun, auf dem Gebiete des Seelenlebens ist aber ein solcher modern Gebildeter, ganz im Stile seiner eigenen Ansichten, ein von krassem Aberglauben Befallener. Er will nämlich nicht daran denken, daß sich eine vollkommenere Seele auch entwickelt haben muß, das sie nicht plötzlich als eine Naturgabe da sein könne. Äußerlich erscheint allerdings manches Genie wie «aus dem Nichts» geboren, auf unerklärliche Weise da; doch erscheint es eben so nur für den materialistischen Aberglauben; der Geisteswissenschafter weiß, daß eine genialische Veranlagung, die in einem Leben bei einem Menschen wie aus dem Nichts heraus geboren ist, einfach die Folge von dessen Erziehung zur Inspiration in einem früheren Erdenleben ist. — Auf theoretischem Gebiete ist der materialistische Aberglaube schlimm; bei weitem schlimmer aber ist er noch auf einem solchen praktischen Gebiete wie hier. Da er annimmt, daß die Genies in alle Zukunft «vom Himmel fallen» müssen, kümmert er sich nicht um derlei «okkultistischen Unfug» oder solch «phantastische Mystik», die von Vorbereitung zur Inspiration sprechen. Dadurch hält aber der Aberglaube der Materialisten den wahren Fortschritt der Menschheit auf. Er sorgt nicht dafür, daß die in den Menschen schlummernden Fähigkeiten entwickelt werden.
[ 7 ] However, it would not get us very far if we were to limit ourselves to such savings as those indicated above. Greater success requires more than that. One must provide the soul with an even greater treasure of emotion-generating power than is possible through this method. For example, one must tentatively expose oneself to certain external impressions and then completely deny oneself the emotions that arise in the so-called “normal” state. For example, one must confront an event that “normally” stirs the soul and completely forbid oneself this stirring. One can do this by actually confronting such an event or by simply using the imagination. The latter is even better for fruitful esoteric training. Since the student is initiated into imagination, either before his preparation for inspiration or simultaneously with it, he must actually be able to present an event to his soul imaginatively with the same intensity as if it were really there. — If, in the course of long inner work, the student repeatedly exposes himself to things and processes and refrains from having the corresponding “normal” feelings, then the fertile ground for inspiration is created within his soul. — Just as a side note, it should be mentioned here that anyone who describes such a training for inspiration can fully appreciate it when, from the standpoint of our current cultural context, certain objections are raised against such a description. And one can not only raise this or that objection, but can even smile knowingly and say: “Inspiration cannot, after all, be pedantically instilled; it is a natural gift of genius.” Yes, certainly, from the standpoint of our current cultural climate, it may seem quite comical when much is said about cultivating something that defies explanation; but this cultural climate is unaware of how little it is capable of thinking its own trains of thought through to their conclusion. If one were to ask a proponent of this modern mindset to believe that some highly evolved animal did not develop gradually but appeared “suddenly,” one would soon hear that the modern-minded person does not believe in such a “miracle.” Such a thing, they would say, is “superstition.” Well, in the realm of the life of the soul, however, such a modern, educated person—entirely in keeping with his own views—is afflicted by blatant superstition. For he refuses to consider that a more perfect soul must also have developed, that it could not have suddenly appeared as a gift of nature. Outwardly, of course, many a genius appears to have been born “out of nowhere,” to be there in an inexplicable way; yet this is how it appears only to materialistic superstition; the spiritual scientist knows that a genius-like disposition, which appears in a person’s life as if born out of nowhere, is simply the result of that person’s training toward inspiration in a previous earthly life. — In the theoretical realm, materialistic superstition is harmful; but it is far worse still in a practical realm such as this one. Since it assumes that geniuses must “fall from the sky” for all time to come, it pays no heed to such “occult nonsense” or such “fantastical mysticism” that speaks of preparation for inspiration. Consequently, however, the materialists’ superstition hinders the true progress of humanity. It does not ensure that the abilities lying dormant within people are developed.
[ 8 ] In Wirklichkeit sind nämlich oft diejenigen, welche sich Fortschrittler und Freidenker nennen, solche, welche die Feinde der wahren Fortentwickelung sind. Doch dies soll — wie gesagt — nur eine Zwischenbemerkung sein, die notwendig ist mit Rücksicht auf das Verhältnis der Geheimwissenschaft zur gegenwärtigen Zeitbildung.
[ 8 ] In reality, it is often those who call themselves progressives and free thinkers who are, in fact, the enemies of true progress. But this is—as I said—merely a side note, one that is necessary in light of the relationship between occult science and the current historical era.
[ 9 ] Nun würden die Seelenkräfte, welche durch das gekennzeichnete Sich-Versagen der «normalen» Gefühle als Schatz im Innern des Schülers sich aufspeichern, gewiß, auch ohne daß etwas anderes zu Hilfe käme, sich in Inspirationen umsetzen. Und der Geheimschüler würde erleben, wie in seiner Seele wahre Vorstellungen aufsteigen, welche Erlebnisse in höheren Welten darstellen. Mit den einfachsten Erfahrungen übersinnlicher Vorgänge würde die Sache beginnen, und langsam käme Komplizierteres und Höheres zum Vorschein, wenn der Schüler in der angedeuteten Richtung innerlich weiterlebte. — In Wirklichkeit wäre aber eine solche Geheimschulung heute ganz unpraktisch, und sie wird daher wohl nirgends durchgeführt, wo man ernsthaft zu Werke geht. Wollte nämlich der Schüler auf diese Art alles «aus sich selbst heraus» entwickeln, was die Inspiration geben kann: er würde ganz sicher dazu kommen, alles so aus sich «herauszuspinnen», was je z.B. auch hier über das Wesen des Menschen, über des Menschen Leben nach dem Tode, über die Entwickelung des Menschengeschlechts und der Planeten usw. gesagt worden ist. Aber ein solcher Schüler würde eben unermeßlich lange Zeiträume dazu brauchen. Es wäre so, wie wenn z.B. jemand die ganze Geometrie aus sich selbst herausspinnen wollte, ohne Rücksicht darauf, was Menschen vor ihm auf diesem Gebiete schon gearbeitet haben. Gewiß, «in der Theorie» ist so etwas durchaus möglich. In der Praxis es auszuführen, wäre Torheit. Auch in der Geheimwissenschaft verfährt man nicht so, sondern man läßt sich durch einen Lehrer diejenigen Dinge überliefern, welche durch inspirierte Vorgänger für die Menschheit errungen worden sind. Diese Überlieferung muß gegenwärtig die Grundlage abgeben für die eigene Inspiration. Dasjenige, was in der einschlägigen Literatur und in Vorträgen usw. heute aus dem Gebiet der Geheimwissenschaft geboten wird, das kann durchaus eine solche Inspirationsgrundlage abgeben. Es sind z.B. die Lehren über die verschiedenen Grundteile des Menschen (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib usw.), die Erkenntnisse über das Leben nach dem Tode bis zu einer neuen Verkörperung, dann z.B. alles, was unter dem Titel «Aus der Akasha-Chronik» gedruckt wurde. Man muß nämlich gegenüber der Inspiration durchaus festhalten, daß man sie braucht zum Auffinden und Selbsterleben der höheren Wahrheiten, nicht aber zum Verstehen derselben. Man kann ohne Inspiration das nicht zuerst auffinden, was unter dem Titel «Aus der Akasha-Chronik» mitgeteilt ist. Empfängt man es aber durch Mitteilung, dann kann man es einsehen durch das ganz gewöhnliche logische Urteil. Niemand sollte behaupten: es würden da Dinge behauptet, die man ohne Inspiration nicht logisch begreifen könne. Man findet sie nicht deshalb unbegreiflich, weil man nicht inspiriert ist, sondern nur, weil man nicht genügend nachdenken will. — Erhält man also solche Wahrheiten mitgeteilt, dann erregen sie in der Seele durch ihre eigene Kraft die Inspiration. Man muß nur versuchen, wenn man solcher Inspiration teilhaftig werden will, diese Erkenntnisse nicht nüchtern und verstandesmäßig zu empfangen, sondern sich von dem Hochschwung der Ideen in alle nur möglichen Gefühlserlebnisse versetzen lassen. Und wie sollte man dies nicht können! Kann das Gefühl stumpf bleiben, wenn man die überwältigenden Vorgänge im Geiste vor sich vorüberziehen läßt, wie die Erde sich aus Mond, Sonne und Saturn entwickelt hat, oder wenn man die unendlichen Tiefen der Menschennatur durch eine Erkenntnis seines Äther-, Astralleibes usw. durchschaut? Man möchte fast sagen: schlimm genug für einen solchen, welcher in Nüchternheit solche Gedankengebäude erleben kann. Denn erlebte er sie nicht in Nüchternheit, sondern durchlebte er alle durch sie möglichen Gefühlsspannungen und Gefühlslösungen, alle Steigerungen und Krisen, alle Fortschritte und Rückschritte, alle Katastrophen und Verkündigungen: dann eben würde in ihm der Mutterboden zur Inspiration selbst zubereitet. Allerdings wird man das notwendige Leben in Gefühlen gegenüber solchen Mitteilungen aus einer höheren Welt nur wirklich entfalten können, wenn man Übungen solcher Art, wie sie oben angedeutet sind, macht. Wer alle seine Gefühlskräfte an die äußere sinnliche Wahrnehmungswelt wendet, dem werden die Erzählungen aus einer höheren Welt als «trockene Begriffe», als «graue Theorie» erscheinen. Er wird niemals begreifen können, warum es dem andern warm ums Herz wird, wenn er die Mitteilungen der Geheimwissenschaft vernimmt, während er doch «kühl bis ans Herz hinan» bleibt. Er wird sogar sagen: «Das ist doch alles nur für den Verstand, das ist intellektuell; ich möchte etwas für das Gemüt.» Er sagt sich aber nicht, daß es an ihm liegt, daß sein Herz kalt bleibt.
[ 9 ] Now, the soul forces—which, through the characteristic withdrawal of “normal” feelings, are stored up as a treasure within the student—would certainly, even without any outside assistance, transform into inspirations. And the secret student would experience true images rising within his soul, representing experiences in higher worlds. The process would begin with the simplest experiences of supersensory phenomena, and gradually more complex and higher realities would come to light if the student continued to live inwardly in the direction indicated. — In reality, however, such secret training would be quite impractical today, and it is therefore probably not carried out anywhere where people go about their work seriously. For if the student were to develop everything “from within himself” in this way—whatever inspiration might provide—he would most certainly end up spinning out of himself everything that has ever been said, for example, about the nature of the human being, about human life after death, about the evolution of the human race and the planets, and so on. But such a student would, of course, need immeasurably long periods of time to do so. It would be like, for example, someone trying to spin the entire field of geometry out of their own mind, without regard for what people before them have already accomplished in this field. Certainly, “in theory” such a thing is entirely possible. To carry it out in practice, however, would be folly. In the esoteric sciences, too, one does not proceed in this way; rather, one allows a teacher to impart those things that have been attained for humanity by inspired predecessors. This tradition must currently serve as the foundation for one’s own inspiration. What is offered today in the relevant literature and in lectures, etc., from the field of the esoteric sciences can certainly serve as such a foundation for inspiration. These include, for example, the teachings on the various fundamental parts of the human being (physical body, etheric body, astral body, etc.), insights into life after death up to a new incarnation, and then, for example, everything that has been published under the title From the Akashic Records. For when it comes to inspiration, one must firmly hold to the view that it is needed to discover and experience the higher truths for oneself, but not to understand them. Without inspiration, one cannot initially discover what is communicated under the title “From the Akashic Records.” But once one receives it through communication, one can comprehend it through ordinary logical judgment. No one should claim that there are things asserted there that cannot be logically grasped without inspiration. One does not find them incomprehensible because one is not inspired, but only because one is unwilling to think deeply enough. — Thus, when such truths are communicated, they arouse inspiration in the soul through their own power. One need only try, if one wishes to partake in such inspiration, not to receive these insights in a sober and rational manner, but to allow oneself to be carried away by the soaring momentum of the ideas into every possible emotional experience. And how could one fail to do so! Can one’s feelings remain dull when one lets the overwhelming processes in the spirit pass before one’s eyes—such as how the Earth developed from the Moon, the Sun, and Saturn—or when one penetrates the infinite depths of human nature through an understanding of one’s etheric and astral bodies, and so on? One might almost say: it is bad enough for someone who can experience such structures of thought with detachment. For if one did not experience them with detachment, but instead lived through all the emotional tensions and releases made possible by them—all the surges and crises, all the advances and setbacks, all the catastrophes and revelations—then the fertile ground for inspiration itself would be prepared within one. However, one will only truly be able to develop the necessary emotional life in response to such messages from a higher world by engaging in exercises of the kind indicated above. To anyone who directs all their emotional powers toward the external world of sensory perception, the narratives from a higher world will appear as “dry concepts,” as “gray theory.” Such a person will never be able to understand why another’s heart warms when hearing the teachings of esoteric science, while he himself remains “cold to the very core.” He will even say, “But that’s all just for the mind; it’s intellectual. I want something for the soul.” Yet he does not realize that it is his own fault that his heart remains cold.
[ 10 ] Viele unterschätzen noch immer die Gewalt dessen, was in diesen Mitteilungen aus einer höheren Welt allein schon verborgen liegt. Und im Zusammenhange damit überschätzen sie allerlei andere Übungen und Prozeduren. Ja, was nützt es mir, sagen sie, wenn mir andere erzählen, wie es in höheren Welten aussieht: ich möchte doch selbst da hineinschauen. Solchen fehlt nur zumeist die Geduld, sich immer wieder und wieder in solche Erzählungen aus höheren Welten zu vertiefen. Täten sie es, dann würden sie sehen, welche Zündekraft diese «bloßen Erzählungen» haben und wie wirklich die eigene Inspiration angeregt wird, wenn man die Inspirationen anderer mitgeteilt erhält. — Gewiß, es müssen zum «Lernen» andere Übungen hinzukommen, wenn der Schüler rasche Fortschritte in dem Erleben der höheren Welten machen will; es sollte aber niemand die unbegrenzt große Bedeutung gerade des «Lernens» unterschätzen. Und jedenfalls kann niemandem Hoffnung gegeben werden, daß er durch irgendwelche Übungen rasche Eroberungen in den höheren Welten machen werde, der es nicht zugleich über sich bringt: unablässig sich in die Mitteilungen zu vertiefen, die, rein erzählend, von den Vorgängen und Wesen der höheren Welten von berufener Seite gemacht werden. — Dadurch, daß gegenwärtig solche Mitteilungen in der Literatur und in Vorträgen usw. gemacht werden und daß auch die ersten Andeutungen gegeben werden über die Übungen, welche zur Erkenntnis höherer Welten führen (z.B. sind eben die Darstellungen in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» solche erste Andeutungen), kann man jetzt einiges von dem erfahren, was ehedem nur in streng geschlossenen Geheimschulen mitgeteilt worden ist. Wie schon öfters erwähnt worden ist, rührt eine solche Veröffentlichung von den Verhältnissen in unserer Zeit her und muß geschehen. Es muß aber immer wieder auch das andere betont werden, daß dadurch zwar Erleichterungen in bezug auf das Aneignen des Geheimwissens geschaffen sind, daß aber die sichere Führung durch den erfahrenen Geheimlehrer doch noch nicht völlig zu ersetzen ist.
[ 10 ] Many still underestimate the power of what is hidden in these messages from a higher world alone. And in connection with this, they overestimate all sorts of other exercises and procedures. “Yes,” they say, “what good does it do me if others tell me what higher worlds are like? I’d like to see for myself.” Such people usually lack the patience to immerse themselves again and again in such accounts from higher worlds. If they did, they would see what a powerful spark these “mere stories” hold and how truly one’s own inspiration is stimulated when one receives the inspirations of others. — Certainly, other exercises must be added to “learning” if the student wishes to make rapid progress in experiencing the higher worlds; yet no one should underestimate the boundless significance of “learning” in particular. And in any case, no one can be given hope that they will make rapid progress in the higher worlds through any exercises unless they also bring themselves to immerse themselves ceaselessly in the Communications, which—in a purely narrative form—are presented by those who are called to do so, describing the events and beings of the higher worlds. — Because such communications are currently being presented in literature and lectures, etc., and because the first hints are also being given regarding the exercises that lead to knowledge of the higher worlds (for example, the descriptions in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” are precisely such initial hints), one can now learn something of what was once communicated only in strictly closed secret schools. As has often been mentioned, such publication stems from the circumstances of our time and must take place. However, it must also be emphasized time and again that, while this does make it easier to acquire esoteric knowledge, it still cannot completely replace the sure guidance of an experienced esoteric teacher.
[ 11 ] Die Erkenntnis durch Inspiration führt den Menschen zum Erleben der Vorgänge in den unsichtbaren Welten, also z.B. der Entwickelung des Menschen, derjenigen der Erde und ihrer planetarischen Verkörperungen; kommen aber innerhalb dieser höheren Welten nicht bloß Vorgänge, sondern Wesen in Betracht, dann muß die Intuition als Erkenntnisart eintreten. Was durch solche Wesen geschieht, das erkennt man im Bilde durch die Imagination, den Gesetzen und Verhältnissen nach durch die Inspiration; will man den Wesen selbst gegenübertreten, dann braucht man die Intuition. — Wie sich die Inspiration hineingliedert in die Welt der Imaginationen, wie sie die letzteren durchdringt als eine «geistige Musik» und dadurch das Ausdrucksmittel der durch die Intuition zu erkennenden Wesen wird, davon soll noch gesprochen werden. Dann wird auch die Intuition selbst behandelt werden. Hier soll nur noch darauf hingewiesen werden, daß dasjenige, was man in der Geheimwissenschaft als «Intuition» bezeichnet, nichts zu tun hat mit dem, wofür man gegenwärtig oft im populären Sprachgebrauch das Wort «Intuition» anwendet. Man bezeichnet so einen mehr oder weniger unsicheren «Einfall» im Gegensatz zu einer klaren, folgerichtig gewonnenen Verstandes- oder Vernunfterkenntnis. In der Geheimwissenschaft ist die «Intuition» nichts Unklares und Unsicheres, sondern eine hohe Erkenntnisart, voll der lichtesten Klarheit und der unbezweifelbarsten Sicherheit.
[ 11 ] Knowledge gained through inspiration leads human beings to experience the processes in the invisible worlds—for example, the evolution of humankind, that of the Earth, and its planetary incarnations; but if, within these higher worlds, not merely processes but beings are to be considered, then intuition must come into play as a mode of knowledge. What takes place through such beings is perceived in image through imagination, and in terms of laws and relationships through inspiration; if one wishes to encounter the beings themselves, then intuition is required. — How inspiration fits into the world of imaginations, how it permeates the latter as a “spiritual music” and thereby becomes the means of expression for the beings to be recognized through intuition—this will be discussed later. Then intuition itself will also be discussed. Here it suffices to point out that what is referred to as “intuition” in esoteric science has nothing to do with what the word “intuition” is often used to mean in popular parlance today. In popular usage, the term is used to describe a more or less uncertain “hunch” in contrast to a clear, logically derived intellectual or rational insight. In esoteric science, “intuition” is not something unclear or uncertain, but rather a lofty form of knowledge, full of the clearest clarity and the most unquestionable certainty.
