Philosophy, History and Literature
GA 51
29 December 1904, Berlin
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Über Philosophie Geschichte und Literatur
Geschichte Des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen X
Geschichte Des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen X
[ 1 ] Wir schreiten immer mehr in der Betrachtung der Geschichte fort zu den Zeiten, in denen die großen Erfindungen und Entdeckungen geschahen im 15. Jahrhundert.
[ 1 ] Wir schreiten immer mehr in der Betrachtung der Geschichte fort zu den Zeiten, in denen die großen Erfindungen und Entdeckungen geschahen im 15. Jahrhundert.
[ 2 ] Die neue Zeit beginnt. Für eine geschichtliche Betrachtung hat diese neue Zeit besonderes Interesse; in charakteristischen Merkmalen vollzieht sich der Übergang zu den großen Staatenbildungen Europas. Wir haben gesehen, wie aus der Feudalmacht der Übergang zu der neuzeitlichen Fürstenmacht sich entwickelt. Sie bedeutet auf der einen Seite eine Reaktion von alten Überbleibseln aus früherer Zeit und nur in gewisser Weise eine Erneuerung. Dasjenige, was geblieben ist von den alten Ansprüchen von Fürsten und Herzögen, was übriggeblieben war, sammelt wieder seine Kräfte und bestimmt durch seine familiären privaten Verhältnisse die Landkarte Europas.
[ 2 ] Die neue Zeit beginnt. Für eine geschichtliche Betrachtung hat diese neue Zeit besonderes Interesse; in charakteristischen Merkmalen vollzieht sich der Übergang zu den großen Staatenbildungen Europas. Wir haben gesehen, wie aus der Feudalmacht der Übergang zu der neuzeitlichen Fürstenmacht sich entwickelt. Sie bedeutet auf der einen Seite eine Reaktion von alten Überbleibseln aus früherer Zeit und nur in gewisser Weise eine Erneuerung. Dasjenige, was geblieben ist von den alten Ansprüchen von Fürsten und Herzögen, was übriggeblieben war, sammelt wieder seine Kräfte und bestimmt durch seine familiären privaten Verhältnisse die Landkarte Europas.
[ 3 ] Der Grundbesitz war in seiner Vorherrschaft durch die Städte abgelöst worden, das Bürgertum blühte und alle eigentlichen Kulturfaktoren gingen von den Städten aus. Das Kaisertum war zu einer Schattenmacht herabgesunken; nach langem Interregnum wurde Rudolf von Habsburg zwar gewählt, aber der Kaiser war im Reich sehr unnötig geworden, er brauchte sich dort kaum mehr sehen lassen. Die habsburgische Dynastie ist nur bestrebt, durch diese kaiserliche Gewalt ihre Hausmacht zu mehren, überall, wo außerhalb der Städtemacht ihr Rechte geblieben sind. Es ist ein einfacher Prozeß, der sich hier vollzieht, auch die übrigen — Fürsten und Herzöge — sammeln, was ihnen geblieben ist, um ihre Hausmacht zu stärken, und schaffen so die Grundlage für große politische Gebiete.
[ 3 ] Der Grundbesitz war in seiner Vorherrschaft durch die Städte abgelöst worden, das Bürgertum blühte und alle eigentlichen Kulturfaktoren gingen von den Städten aus. Das Kaisertum war zu einer Schattenmacht herabgesunken; nach langem Interregnum wurde Rudolf von Habsburg zwar gewählt, aber der Kaiser war im Reich sehr unnötig geworden, er brauchte sich dort kaum mehr sehen lassen. Die habsburgische Dynastie ist nur bestrebt, durch diese kaiserliche Gewalt ihre Hausmacht zu mehren, überall, wo außerhalb der Städtemacht ihr Rechte geblieben sind. Es ist ein einfacher Prozeß, der sich hier vollzieht, auch die übrigen — Fürsten und Herzöge — sammeln, was ihnen geblieben ist, um ihre Hausmacht zu stärken, und schaffen so die Grundlage für große politische Gebiete.
[ 4 ] Der Mongoleneinbruch, später die Einfälle der Türken, geben dazu Anlaß. Nur größere Fürsten sind imstande, ihre Gebiete zu verteidigen; es schließen sich die kleineren dem mächtigeren an und bilden so die Grundlage für künftige Staaten. Der neue Kaiser bedeutete nur noch sehr wenig. Wie erwähnt, war Rudolf von Habsburg nur bestrebt, sich eine Hausmacht zu gründen. Nach der Überwindung Ottokars von Böhmen wurde sein Sohn mit dessen Ländern belehnt, später wurde die habsburgische Hausmacht dadurch verstärkt, daß immer neue Gebiete dazu erheiratet wurden.
[ 4 ] Der Mongoleneinbruch, später die Einfälle der Türken, geben dazu Anlaß. Nur größere Fürsten sind imstande, ihre Gebiete zu verteidigen; es schließen sich die kleineren dem mächtigeren an und bilden so die Grundlage für künftige Staaten. Der neue Kaiser bedeutete nur noch sehr wenig. Wie erwähnt, war Rudolf von Habsburg nur bestrebt, sich eine Hausmacht zu gründen. Nach der Überwindung Ottokars von Böhmen wurde sein Sohn mit dessen Ländern belehnt, später wurde die habsburgische Hausmacht dadurch verstärkt, daß immer neue Gebiete dazu erheiratet wurden.
[ 5 ] Nur der Vorgang kann bei all diesen rein privaten Unternehmungen uns interessieren, daß es dabei zu dem Aufstande der Schweizer Eidgenossen kam, die frei sein wollten von den Ansprüchen, die der Nachfolger Rudolf von Habsburgs, Kaiser Albrecht I, an sie machte. Durch harte Kämpfe erlangten sie es, nur abhängig von kaiserlicher Gewalt — reichsunmittelbar — zu sein; sie wollten nichts wissen von fürstlicher Gewalt.
[ 5 ] Nur der Vorgang kann bei all diesen rein privaten Unternehmungen uns interessieren, daß es dabei zu dem Aufstande der Schweizer Eidgenossen kam, die frei sein wollten von den Ansprüchen, die der Nachfolger Rudolf von Habsburgs, Kaiser Albrecht I, an sie machte. Durch harte Kämpfe erlangten sie es, nur abhängig von kaiserlicher Gewalt — reichsunmittelbar — zu sein; sie wollten nichts wissen von fürstlicher Gewalt.
[ 6 ] Das Bestreben, die eigene Hausmacht zu vergrößern, setzt sich fort unter den folgenden Kaisern; so bemächtigt sich Adolf von Nassau eines großen Teiles von Thüringen, das er den schwächlichen Fürsten entreißt. Auch Albrecht von Österreich und dessen Nachfolger Heinrich von Luxemburg suchen sich in dieser Weise zu bereichern, letzterer, indem er seinen Sohn mit einer böhmischen Prinzessin vermählte. Dies ist ein typischer Fall für die Entwickelung der damaligen Verhältnisse.
[ 6 ] Das Bestreben, die eigene Hausmacht zu vergrößern, setzt sich fort unter den folgenden Kaisern; so bemächtigt sich Adolf von Nassau eines großen Teiles von Thüringen, das er den schwächlichen Fürsten entreißt. Auch Albrecht von Österreich und dessen Nachfolger Heinrich von Luxemburg suchen sich in dieser Weise zu bereichern, letzterer, indem er seinen Sohn mit einer böhmischen Prinzessin vermählte. Dies ist ein typischer Fall für die Entwickelung der damaligen Verhältnisse.
[ 7 ] Diese Strömung setzte sich fort unter neuem Anwachsen der kirchlichen Gewalt, aber zugleich war auch ein Anwachsen der Strömung vorhanden, die nichts mit der Kirche zu tun haben wollte. Die Lehren der Waldenser oder Katharer wirkten aufreizend, es gab gewaltige Kämpfe gegen die wieder aufkommende Fürstenmacht. Die Lage der Bauern, die sich gehoben hatte durch die Städte-Entstehung, wurde jetzt immer drückender durch das feudale und Raubrittertum, die Bistümer und Abteien, denen sie fronen mußten. Die Städte hatten eine Zeit der Blüte gehabt, damals hatte der Grundsatz gegolten: Stadtluft macht frei. — Doch mit der Zeit waren viele Städte in Abhängigkeit geraten, besonders war es den Hohenstaufen gelungen, viele Städte in Abhängigkeit zu bringen. Jetzt bestrebten sich die Städte, weiteren Zufluß abzuhalten, sie machten Schluß damit und suchten auch hier sich fürstlichen Schutz. Die Bauernbevölkerung geriet dadurch in erhöhte Abhängigkeit von ihren Grundherren. Die Stimmung der Unterdrückten wurde aufgestachelt von den Waldensern und Ketzern, denen die Kirche nicht mehr genügte.
[ 7 ] Diese Strömung setzte sich fort unter neuem Anwachsen der kirchlichen Gewalt, aber zugleich war auch ein Anwachsen der Strömung vorhanden, die nichts mit der Kirche zu tun haben wollte. Die Lehren der Waldenser oder Katharer wirkten aufreizend, es gab gewaltige Kämpfe gegen die wieder aufkommende Fürstenmacht. Die Lage der Bauern, die sich gehoben hatte durch die Städte-Entstehung, wurde jetzt immer drückender durch das feudale und Raubrittertum, die Bistümer und Abteien, denen sie fronen mußten. Die Städte hatten eine Zeit der Blüte gehabt, damals hatte der Grundsatz gegolten: Stadtluft macht frei. — Doch mit der Zeit waren viele Städte in Abhängigkeit geraten, besonders war es den Hohenstaufen gelungen, viele Städte in Abhängigkeit zu bringen. Jetzt bestrebten sich die Städte, weiteren Zufluß abzuhalten, sie machten Schluß damit und suchten auch hier sich fürstlichen Schutz. Die Bauernbevölkerung geriet dadurch in erhöhte Abhängigkeit von ihren Grundherren. Die Stimmung der Unterdrückten wurde aufgestachelt von den Waldensern und Ketzern, denen die Kirche nicht mehr genügte.
[ 8 ] Der Schrei nach Freiheit und die christlich-ketzerische Stimmung gingen Hand in Hand; es verquickte sich religiöse Stimmung mit politischer Bewegung und diese Volksstimmung fand ihren Ausdruck in den Bauernkriegen. Wer sie erfassen will, diese geistige Ketzerstimmung unabhängig von äußerer Kirchlichkeit und Fürstengewalt, der muß sich vergegenwärtigen, daß besonders in den Rheingegenden — «des Heiligen römischen Reiches Pfaffengasse» — durch Jahrzehnte hindurch harte Kämpfe von der fürstlichen Macht gegen diese Strömung geführt wurden. Volkstümliche Prediger, die namentlich dem Dominikanerorden entstammten, widersetzten sich, ja, es kommt zum Streite der Prediger, weil sich diese Prediger nicht fügen wollen der Bedrückung des Volkes durch die päpstliche Gewalt. Sie sind nicht einverstanden mit der politischen Machtentfaltung des Papsttums und der Ausbreitung der Macht der Fürsten.
[ 8 ] Der Schrei nach Freiheit und die christlich-ketzerische Stimmung gingen Hand in Hand; es verquickte sich religiöse Stimmung mit politischer Bewegung und diese Volksstimmung fand ihren Ausdruck in den Bauernkriegen. Wer sie erfassen will, diese geistige Ketzerstimmung unabhängig von äußerer Kirchlichkeit und Fürstengewalt, der muß sich vergegenwärtigen, daß besonders in den Rheingegenden — «des Heiligen römischen Reiches Pfaffengasse» — durch Jahrzehnte hindurch harte Kämpfe von der fürstlichen Macht gegen diese Strömung geführt wurden. Volkstümliche Prediger, die namentlich dem Dominikanerorden entstammten, widersetzten sich, ja, es kommt zum Streite der Prediger, weil sich diese Prediger nicht fügen wollen der Bedrückung des Volkes durch die päpstliche Gewalt. Sie sind nicht einverstanden mit der politischen Machtentfaltung des Papsttums und der Ausbreitung der Macht der Fürsten.
[ 9 ] Die französischen Könige sahen in dem Papsttum eine Unterstützung im Kampfe mit der deutschen Fürstenmacht. So wurde der Papst nach Avignon geführt und während etwa siebzig Jahren hatten die Päpste dort ihren Sitz. Heinrich von Luxemburg kämpft mit dem Papst, dem der König von Frankreich seine Unterstützung leiht. So beherrscht nun der Papst von Avignon, von Frankreich aus, die Christenheit, und wie die Fürsten ihren Lehensleuten gegenüber immer mehr ihre Macht zur Geltung bringen, so streben die Päpste nach immer größerer Ausbreitung ihrer Gewalt. Der weltliche Klerus, die machtbesitzenden Abteien und Bistümer waren abhängig vom Papst. Währenddessen gestalteten die Fürsten willkürlich die Landkarte Europas. Kaiser Karl IV. vereinigt unter seiner Hausmacht Brandenburg, Ungarn und Böhmen. Die Kaiserwürde ist zur Titulatur geworden, die Kaiser begnügen sich damit, ihre Privatländer zu verwalten, der Kaisertitel wird von den Fürsten verschachert.
[ 9 ] Die französischen Könige sahen in dem Papsttum eine Unterstützung im Kampfe mit der deutschen Fürstenmacht. So wurde der Papst nach Avignon geführt und während etwa siebzig Jahren hatten die Päpste dort ihren Sitz. Heinrich von Luxemburg kämpft mit dem Papst, dem der König von Frankreich seine Unterstützung leiht. So beherrscht nun der Papst von Avignon, von Frankreich aus, die Christenheit, und wie die Fürsten ihren Lehensleuten gegenüber immer mehr ihre Macht zur Geltung bringen, so streben die Päpste nach immer größerer Ausbreitung ihrer Gewalt. Der weltliche Klerus, die machtbesitzenden Abteien und Bistümer waren abhängig vom Papst. Währenddessen gestalteten die Fürsten willkürlich die Landkarte Europas. Kaiser Karl IV. vereinigt unter seiner Hausmacht Brandenburg, Ungarn und Böhmen. Die Kaiserwürde ist zur Titulatur geworden, die Kaiser begnügen sich damit, ihre Privatländer zu verwalten, der Kaisertitel wird von den Fürsten verschachert.
[ 10 ] Wollen wir die eigentliche Geschichte verstehen, müssen wir uns vorhalten, wie der große Umschwung vom Mittelalter zur neuen Zeit darin bestand, daß die Fürsten für ihre Privatinteressen jene unzufriedene Stimmung benutzt haben; die Staaten, die sich bilden, sehen wir ihre Fangarme ausbreiten über eine jahrhundertlange populäre Strömung, und es wird diese Strömung für religiöse Freiheit benutzt, um zuerst das Papsttum zu bekämpfen und seine Macht zu unterbinden und sich selber dann in diese Machtstellung hineinzuschleichen.
[ 10 ] Wollen wir die eigentliche Geschichte verstehen, müssen wir uns vorhalten, wie der große Umschwung vom Mittelalter zur neuen Zeit darin bestand, daß die Fürsten für ihre Privatinteressen jene unzufriedene Stimmung benutzt haben; die Staaten, die sich bilden, sehen wir ihre Fangarme ausbreiten über eine jahrhundertlange populäre Strömung, und es wird diese Strömung für religiöse Freiheit benutzt, um zuerst das Papsttum zu bekämpfen und seine Macht zu unterbinden und sich selber dann in diese Machtstellung hineinzuschleichen.
[ 11 ] Auf dem Grunde der Volksseele entwickelte sich jene Strömung; sie erstrebte etwas ganz anderes, als was dann die Reformation brachte. Der verweltlichte Klerus war ein ebensolcher Bedrücker geworden wie die weltlichen Fürsten. Die städtische Bevölkerung sah sich in ihrem Egoismus nicht genötigt, sich auf die Seite der Bedrückten zu stellen, nur wenn ihre eigene Freiheit bedroht wurde, sahen wir sie bemüht, sich diese Freiheit zu erhalten. So gelang es ihnen im schwäbischen Städtebund und in der Pfalz doch nicht, sich zu behaupten, so daß sich auch hier neue Fürstenmacht herausbildete.
[ 11 ] Auf dem Grunde der Volksseele entwickelte sich jene Strömung; sie erstrebte etwas ganz anderes, als was dann die Reformation brachte. Der verweltlichte Klerus war ein ebensolcher Bedrücker geworden wie die weltlichen Fürsten. Die städtische Bevölkerung sah sich in ihrem Egoismus nicht genötigt, sich auf die Seite der Bedrückten zu stellen, nur wenn ihre eigene Freiheit bedroht wurde, sahen wir sie bemüht, sich diese Freiheit zu erhalten. So gelang es ihnen im schwäbischen Städtebund und in der Pfalz doch nicht, sich zu behaupten, so daß sich auch hier neue Fürstenmacht herausbildete.
[ 12 ] Schon während der Regierung des Kaisers Sigismund kam es zum Ausbruch in Böhmen in einer eigentümlichen religiösen Bewegung. Eine Bewegung, die sich ausbreitet unter einem Manne, der — man mag anerkennen oder leugnen, was er vertrat — doch nur sich auf seine eigene Überzeugung verließ; eine Überzeugung, die sich stützte auf den reinsten Willen, auf das Feuer in der eigenen Brust. Dieser Mann war Johannes Hus von Hussonetz, der Prediger und Professor an der Universität Prag. Gestützt auf etwas, was in ganz Europa sich ausbreitete — denn schon vorher war in England durch Wiclif auf Herstellung des ursprünglichen Christentums gedrungen worden —, was aber besonderen Glanz erhielt durch die feurige Beredsamkeit des hervorragenden Mannes, fand Hus überall Zustimmung. Überall fanden seine Worte dadurch Eingang, daß man nur hinzuweisen brauchte auf das schmähliche Verhalten des weltlichen Klerus, auf den Verkauf der Bistümer und so weiter. Es waren zu Herzen gehende Worte, denn sie verkündeten etwas, was als Stimmung durch ganz Europa ging und nur dort hervortrat, wo eine Persönlichkeit sich fand, die ihr Ausdruck verlieh. Durch die Päpste und die Gegenpäpste war die Kirche in Unordnung geraten, die Päpste selbst mußten etwas tun. So wurde das Konzil von Konstanz einberufen. Es bildete einen Wendepunkt des mittelalterlichen Lebens. Eine Umwandlung in eine reine Kirche wurde angestrebt. Dieses Vorhaben setzte eine lebhafte Opposition in Bewegung. Politische Beweggründe spielten mit, Kaiser Sigismund selbst war lebhaft interessiert. Die ärgsten Mißstände der Kirche sollten abgestellt werden, denn der Klerus war vollständig verwahrlost, auch in den Klöstern waren unglaubliche Mißbräuche eingerissen. In Italien hatte Savonarola seine machtvolle Agitation gegen die Verweltlichung der Kirche begonnen. Auch damit wollte das Konzil abrechnen. Der Vorsitzende des Konzils war Gerson, der oberste Leiter der Pariser Universität, ein zweiter Tauler für die romanischen Länder, Diese Tatsache war für den Ausgang des Konzils bedeutsam, denn mit Hilfe des Gerson war es dem Kaiser möglich geworden, die Führung den Päpstlichen zu entreißen und dem Hussitismus den Garaus zu machen. Weil diese Strömung nichts zu tun hatte mit politischer Machtentfaltung, sondern aus tiefster Volksseele hervorging, deshalb war sie den geistlichen und auch besonders den weltlichen Machthabern so gefährlich. Es ist nicht Rom allein, es ist die heraufkommende Fürstengewalt, der Hus zum Opfer gefallen ist. Die Hussiten führten ihren Krieg für ein republikanisches Christentum nicht nur gegen die Kirche, er wurde geführt gegen die herannahende Fürstenmacht.
[ 12 ] Schon während der Regierung des Kaisers Sigismund kam es zum Ausbruch in Böhmen in einer eigentümlichen religiösen Bewegung. Eine Bewegung, die sich ausbreitet unter einem Manne, der — man mag anerkennen oder leugnen, was er vertrat — doch nur sich auf seine eigene Überzeugung verließ; eine Überzeugung, die sich stützte auf den reinsten Willen, auf das Feuer in der eigenen Brust. Dieser Mann war Johannes Hus von Hussonetz, der Prediger und Professor an der Universität Prag. Gestützt auf etwas, was in ganz Europa sich ausbreitete — denn schon vorher war in England durch Wiclif auf Herstellung des ursprünglichen Christentums gedrungen worden —, was aber besonderen Glanz erhielt durch die feurige Beredsamkeit des hervorragenden Mannes, fand Hus überall Zustimmung. Überall fanden seine Worte dadurch Eingang, daß man nur hinzuweisen brauchte auf das schmähliche Verhalten des weltlichen Klerus, auf den Verkauf der Bistümer und so weiter. Es waren zu Herzen gehende Worte, denn sie verkündeten etwas, was als Stimmung durch ganz Europa ging und nur dort hervortrat, wo eine Persönlichkeit sich fand, die ihr Ausdruck verlieh. Durch die Päpste und die Gegenpäpste war die Kirche in Unordnung geraten, die Päpste selbst mußten etwas tun. So wurde das Konzil von Konstanz einberufen. Es bildete einen Wendepunkt des mittelalterlichen Lebens. Eine Umwandlung in eine reine Kirche wurde angestrebt. Dieses Vorhaben setzte eine lebhafte Opposition in Bewegung. Politische Beweggründe spielten mit, Kaiser Sigismund selbst war lebhaft interessiert. Die ärgsten Mißstände der Kirche sollten abgestellt werden, denn der Klerus war vollständig verwahrlost, auch in den Klöstern waren unglaubliche Mißbräuche eingerissen. In Italien hatte Savonarola seine machtvolle Agitation gegen die Verweltlichung der Kirche begonnen. Auch damit wollte das Konzil abrechnen. Der Vorsitzende des Konzils war Gerson, der oberste Leiter der Pariser Universität, ein zweiter Tauler für die romanischen Länder, Diese Tatsache war für den Ausgang des Konzils bedeutsam, denn mit Hilfe des Gerson war es dem Kaiser möglich geworden, die Führung den Päpstlichen zu entreißen und dem Hussitismus den Garaus zu machen. Weil diese Strömung nichts zu tun hatte mit politischer Machtentfaltung, sondern aus tiefster Volksseele hervorging, deshalb war sie den geistlichen und auch besonders den weltlichen Machthabern so gefährlich. Es ist nicht Rom allein, es ist die heraufkommende Fürstengewalt, der Hus zum Opfer gefallen ist. Die Hussiten führten ihren Krieg für ein republikanisches Christentum nicht nur gegen die Kirche, er wurde geführt gegen die herannahende Fürstenmacht.
[ 13 ] Im Protestantismus verbündet sich aber diese Macht mit der religiösen Unzufriedenheit, um sie für seine Zwecke auszunützen. Die Taten der Nachfolger des Hus waren damit zum Tode verurteilt, daß die Fürstengewalt gesiegt hatte. Sonst hatten die Kaiser in jener Zeit nicht besondere Macht: den Kaiser Friedrich II. zum Beispiel nannte man allgemein den «unnützen Kaiser».
[ 13 ] Im Protestantismus verbündet sich aber diese Macht mit der religiösen Unzufriedenheit, um sie für seine Zwecke auszunützen. Die Taten der Nachfolger des Hus waren damit zum Tode verurteilt, daß die Fürstengewalt gesiegt hatte. Sonst hatten die Kaiser in jener Zeit nicht besondere Macht: den Kaiser Friedrich II. zum Beispiel nannte man allgemein den «unnützen Kaiser».
[ 14 ] So gibt sich uns ein Bild der eigentümlichen Entwickelung in jener Zeit. In den immer mehr heraufkommenden Städten ein blühendes Leben, dahingegen dort, wo die feudale Macht sich behauptete, fortwährend zunehmende Bedrückung; auf dem Gebiete tieferen religiösen Lebens zugleich, von diesen beiden Faktoren beeinflußt, eine starke Bewegung, wie sie im Auftreten eines Wiclif, eines Hus hervortrat. Italien bietet uns ein glänzendes Bild jenes städtischen Lebens in seinen Städterepubliken; so waren es in Florenz die Mediceer-Kaufleute, die grundlegend wirkten für die Kultur Italiens. Alle diese Städte waren maßgebende Kulturfaktoren.
[ 14 ] So gibt sich uns ein Bild der eigentümlichen Entwickelung in jener Zeit. In den immer mehr heraufkommenden Städten ein blühendes Leben, dahingegen dort, wo die feudale Macht sich behauptete, fortwährend zunehmende Bedrückung; auf dem Gebiete tieferen religiösen Lebens zugleich, von diesen beiden Faktoren beeinflußt, eine starke Bewegung, wie sie im Auftreten eines Wiclif, eines Hus hervortrat. Italien bietet uns ein glänzendes Bild jenes städtischen Lebens in seinen Städterepubliken; so waren es in Florenz die Mediceer-Kaufleute, die grundlegend wirkten für die Kultur Italiens. Alle diese Städte waren maßgebende Kulturfaktoren.
[ 15 ] So werden Sie begreifen, daß die Mittel, durch die man sonst zur Macht gelangte, nicht mehr ausreichten. Im Mittelalter hatte außer der Anzahl von Geistlichen, die in den Klöstern und in den Beamtenstellen wirkten, niemand lesen und schreiben können. Nun ist dies Verhältnis ein anderes geworden. Lesen und Schreiben findet Verbreitung durch die neuen Strömungen, die nun über die Volksmengen dahinfluten. Die großen Schreibinstitute verbreiteten in Abschriften, was früher dem Volke verboten war, und diese Abschriften wurden gekauft wie später Bücher: Schriften des Neuen Testamentes, populärwissenschaftliche Bücher, Sagen-, Legenden-, Helden- und Arzneibücher wurden im 14. Jahrhundert ins Volk geworfen.
[ 15 ] So werden Sie begreifen, daß die Mittel, durch die man sonst zur Macht gelangte, nicht mehr ausreichten. Im Mittelalter hatte außer der Anzahl von Geistlichen, die in den Klöstern und in den Beamtenstellen wirkten, niemand lesen und schreiben können. Nun ist dies Verhältnis ein anderes geworden. Lesen und Schreiben findet Verbreitung durch die neuen Strömungen, die nun über die Volksmengen dahinfluten. Die großen Schreibinstitute verbreiteten in Abschriften, was früher dem Volke verboten war, und diese Abschriften wurden gekauft wie später Bücher: Schriften des Neuen Testamentes, populärwissenschaftliche Bücher, Sagen-, Legenden-, Helden- und Arzneibücher wurden im 14. Jahrhundert ins Volk geworfen.
[ 16 ] Namentlich von den Brüdern vom gemeinsamen Leben waren, wie schon erwähnt, überall Schulen errichtet worden. Den Rhein entlang namentlich wurde, was früher in Klöstern verborgen war, jetzt ans Licht geholt. Eine förmliche Abschriftenindustrie entstand in Hagenau im Elsaß, deren Ankündigungen wie zum Beispiel die von Lamberts, einem heutigen Kataloge ähnlich sind. Auch von Köln ging ein nachhaltiger Handschriftenhandel aus und die Brüder vom gemeinsamen Leben wurden auch genannt «Brödder von de penne».
[ 16 ] Namentlich von den Brüdern vom gemeinsamen Leben waren, wie schon erwähnt, überall Schulen errichtet worden. Den Rhein entlang namentlich wurde, was früher in Klöstern verborgen war, jetzt ans Licht geholt. Eine förmliche Abschriftenindustrie entstand in Hagenau im Elsaß, deren Ankündigungen wie zum Beispiel die von Lamberts, einem heutigen Kataloge ähnlich sind. Auch von Köln ging ein nachhaltiger Handschriftenhandel aus und die Brüder vom gemeinsamen Leben wurden auch genannt «Brödder von de penne».
[ 17 ] Hier haben wir das Vorbereitungsstadium der Buchdrukkerkunst. Sie entsprang einem tiefen Bedürfnis, sie ist nicht wie aus der Pistole geschossen entstanden, sondern war dadurch vorbereitet, daß sie zum Bedürfnis geworden war, indem die Bücher, die durch Abschrift hergestellt wurden, zu teuer waren, aber auch die ärmeren Volksklassen nach Büchern verlangten. Sie war ein Mittel damals, das Volk aufzurütteln.
[ 17 ] Hier haben wir das Vorbereitungsstadium der Buchdrukkerkunst. Sie entsprang einem tiefen Bedürfnis, sie ist nicht wie aus der Pistole geschossen entstanden, sondern war dadurch vorbereitet, daß sie zum Bedürfnis geworden war, indem die Bücher, die durch Abschrift hergestellt wurden, zu teuer waren, aber auch die ärmeren Volksklassen nach Büchern verlangten. Sie war ein Mittel damals, das Volk aufzurütteln.
[ 18 ] Die Männer, die dazumal die Sache der Bauern führten, konnten nur dadurch diese Flugschriften im Volk verbreiten, daß ihnen die Verhältnisse entgegenkamen. So entstanden damals die Bauernbündnisse, der «Arme Konrad», der «Bundschuh» mit dem Wahlspruch: «Wir mögen von Pfaffen und Adel nicht genesen». Von allen Seiten ging damals das Bedürfnis nach etwas Neuem aus und als um 1445 Gutenberg die beweglichen Lettern erfand, war das Mittel gegeben, das dazumalige Kulturleben ausgestalten zu können. Die Empfänglichkeit war vorbereitet für die Erweiterung des Gesichtskreises. Unter dem Einfluß solcher Stimmungen entwickelt sich die Verweltlichung von Künsten und Wissenschaften, und dadurch die Periode der Erfindungen und Entdeckungen. Während früher die Kirche allein die Trägerin der Künste und Wissenschaften gewesen ist, sind jetzt die Städte und das Bürgertum die Träger der Kultur; aus der früheren bloß kirchlichen Kultur ist sie herübergebracht und verweltlicht worden.
[ 18 ] Die Männer, die dazumal die Sache der Bauern führten, konnten nur dadurch diese Flugschriften im Volk verbreiten, daß ihnen die Verhältnisse entgegenkamen. So entstanden damals die Bauernbündnisse, der «Arme Konrad», der «Bundschuh» mit dem Wahlspruch: «Wir mögen von Pfaffen und Adel nicht genesen». Von allen Seiten ging damals das Bedürfnis nach etwas Neuem aus und als um 1445 Gutenberg die beweglichen Lettern erfand, war das Mittel gegeben, das dazumalige Kulturleben ausgestalten zu können. Die Empfänglichkeit war vorbereitet für die Erweiterung des Gesichtskreises. Unter dem Einfluß solcher Stimmungen entwickelt sich die Verweltlichung von Künsten und Wissenschaften, und dadurch die Periode der Erfindungen und Entdeckungen. Während früher die Kirche allein die Trägerin der Künste und Wissenschaften gewesen ist, sind jetzt die Städte und das Bürgertum die Träger der Kultur; aus der früheren bloß kirchlichen Kultur ist sie herübergebracht und verweltlicht worden.
[ 19 ] Wir kommen zu den Entdeckungen, die wir nur kurz aufzählen können, die den Schauplatz der Menschengeschichte über weite unbekannte Gebiete hin erstreckte. Dazu kam der Einfall der Türken in Griechenland, wodurch die dort noch vorhandene Kultur Einfluß auf Europa gewann. Es wanderte eine große Anzahl von griechischen Künstlern und Gelehrten nach den anderen Ländern, namentlich nach Italien aus und fand in den Städten Unterkunft. Sie befruchteten den Geist des Abendlandes. Diese Reformation nennt man die Renaissance. Das alte Griechenland stand wieder auf, jetzt erst konnte man die Schriften kennenlernen, auf denen das Christentum fußte. Das alte hebräische Testament wurde gelesen, namentlich Reuchlin verdanken wir das und durch ihn und Desiderius Erasmus von Rotterdam wurde die Bewegung in die Welt gesetzt, die wir als Humanismus kennen. Aus den Bestrebungen, die durch diese Einwirkungen eingeleitet waren, ging die Morgenröte der neuen Zeit hervor. Noch etwas hatte die Ausbreitung der türkischen Gewalt zur Folge. Lange schon hatte das Abendland mit dem Orient in Verbindung gestanden. Durch die Herrschaft der italischen Städte über die Meere, deren Mittelpunkt Venedig war, hatte man die Produkte des Orients, namentlich indische Spezereien, nach Europa verfrachten können. Als nun durch den Einfall der Türken den Handelsleuten die Möglichkeit dieser Verbindung erschwert worden war, entsprang daraus das Bedürfnis, um Afrika herum einen anderen Weg nach Indien zu finden. Von Portugal und anderen südlichen Ländern gingen Sendungen aus, um die Gegenden um Afrika zu erforschen, und es gelang Bartolomeo Diaz, das Kap der Stürme, später Kap der Guten Hoffnung, und Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien zu finden. Damit war eine neue Epoche für das europäische Wirtschaftsleben angebrochen, die ihren Gipfelpunkt 1492 in der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus fand. Doch das gehört zu der Geschichte der neueren Zeit.
[ 19 ] Wir kommen zu den Entdeckungen, die wir nur kurz aufzählen können, die den Schauplatz der Menschengeschichte über weite unbekannte Gebiete hin erstreckte. Dazu kam der Einfall der Türken in Griechenland, wodurch die dort noch vorhandene Kultur Einfluß auf Europa gewann. Es wanderte eine große Anzahl von griechischen Künstlern und Gelehrten nach den anderen Ländern, namentlich nach Italien aus und fand in den Städten Unterkunft. Sie befruchteten den Geist des Abendlandes. Diese Reformation nennt man die Renaissance. Das alte Griechenland stand wieder auf, jetzt erst konnte man die Schriften kennenlernen, auf denen das Christentum fußte. Das alte hebräische Testament wurde gelesen, namentlich Reuchlin verdanken wir das und durch ihn und Desiderius Erasmus von Rotterdam wurde die Bewegung in die Welt gesetzt, die wir als Humanismus kennen. Aus den Bestrebungen, die durch diese Einwirkungen eingeleitet waren, ging die Morgenröte der neuen Zeit hervor. Noch etwas hatte die Ausbreitung der türkischen Gewalt zur Folge. Lange schon hatte das Abendland mit dem Orient in Verbindung gestanden. Durch die Herrschaft der italischen Städte über die Meere, deren Mittelpunkt Venedig war, hatte man die Produkte des Orients, namentlich indische Spezereien, nach Europa verfrachten können. Als nun durch den Einfall der Türken den Handelsleuten die Möglichkeit dieser Verbindung erschwert worden war, entsprang daraus das Bedürfnis, um Afrika herum einen anderen Weg nach Indien zu finden. Von Portugal und anderen südlichen Ländern gingen Sendungen aus, um die Gegenden um Afrika zu erforschen, und es gelang Bartolomeo Diaz, das Kap der Stürme, später Kap der Guten Hoffnung, und Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien zu finden. Damit war eine neue Epoche für das europäische Wirtschaftsleben angebrochen, die ihren Gipfelpunkt 1492 in der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus fand. Doch das gehört zu der Geschichte der neueren Zeit.
[ 20 ] So haben wir den Ausgang des Mittelalters kennengelernt und die Faktoren, die hinüberführen zu einer neuen Zeit. Erschüttert sehen wir das ganze Leben in seinen Grundlagen. Und wenn man oft meint, daß die Einschnitte bei der Geschichtsbetrachtung willkürlich gewählt seien, dieser Einschnitt ist wirklich bedeutsam. Es geschah einer von jenen «Rucken», wie wir das in der Mitte des Mittelalters bei der Städtegründung, im Anfang bei der Völkerwanderung haben verfolgen können.
[ 20 ] So haben wir den Ausgang des Mittelalters kennengelernt und die Faktoren, die hinüberführen zu einer neuen Zeit. Erschüttert sehen wir das ganze Leben in seinen Grundlagen. Und wenn man oft meint, daß die Einschnitte bei der Geschichtsbetrachtung willkürlich gewählt seien, dieser Einschnitt ist wirklich bedeutsam. Es geschah einer von jenen «Rucken», wie wir das in der Mitte des Mittelalters bei der Städtegründung, im Anfang bei der Völkerwanderung haben verfolgen können.
[ 21 ] Jetzt unter der Ägide der Städtekultur in Verbindung aller dieser Erfindungen mit der großen wissenschaftlichen Eroberung, die die Tat des Kopernikus ist, wird eine ganz neue Kultur hervorgerufen. Die Verweltlichung der Kultur, eine Erstarkung der Fürstenmacht wird herbeigeführt durch diese Strömung. Kleinere Gebiete hatten nicht Widerstand leisten können gegen die verheerenden Züge der Türken, sie hatten sich Mächtigeren angeschlossen. All diesen Faktoren ist die Ausbreitung der großen Staaten zuzuschreiben. In mannigfaltigen Bildern haben wir die Verhältnisse sich wandeln gesehen, wir haben gesehen, wie das Bürgertum ersteht, wie es emporblüht und wie ihm in der Fürstenmacht ein gefährlicher Gegner entgegentritt.
[ 21 ] Jetzt unter der Ägide der Städtekultur in Verbindung aller dieser Erfindungen mit der großen wissenschaftlichen Eroberung, die die Tat des Kopernikus ist, wird eine ganz neue Kultur hervorgerufen. Die Verweltlichung der Kultur, eine Erstarkung der Fürstenmacht wird herbeigeführt durch diese Strömung. Kleinere Gebiete hatten nicht Widerstand leisten können gegen die verheerenden Züge der Türken, sie hatten sich Mächtigeren angeschlossen. All diesen Faktoren ist die Ausbreitung der großen Staaten zuzuschreiben. In mannigfaltigen Bildern haben wir die Verhältnisse sich wandeln gesehen, wir haben gesehen, wie das Bürgertum ersteht, wie es emporblüht und wie ihm in der Fürstenmacht ein gefährlicher Gegner entgegentritt.
[ 22 ] Sie wissen, daß die Gegenwart das Ergebnis der Vergangenheit ist, wir werden daher Geschichte treiben in richtiger Weise, wenn wir von der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen in der Art, wie es uns in dem Ausspruch eines alten keltischen Barden entgegentritt, der sagt, daß es ihm die schönste Musik sei, wenn er die großen Taten der Vorzeit höre, die ihn aufrütteln und begeistern. So wahr es ist, daß das menschliche Dasein das wichtigste Phänomen und damit der Mensch selbst das würdigste Studium ist, so wahr ist es auch, daß der Mensch sich ein großes Rätsel bleibt. Wenn der Mensch sich klar wird, daß er sich selbst ein Geheimnis bleibt, wird er zu dem rechten Studium gelangen. Denn nur dann wird der Mensch sich in rechter Würdigung gegenüberstehen, wenn er weiß, daß dies sein Geheimnis ist: sein eigenes Dasein im Zusammenhange stehend mit dem Allsein. Das gibt ihm die rechte Grundlage für all sein Tun und Handeln.
[ 22 ] Sie wissen, daß die Gegenwart das Ergebnis der Vergangenheit ist, wir werden daher Geschichte treiben in richtiger Weise, wenn wir von der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen in der Art, wie es uns in dem Ausspruch eines alten keltischen Barden entgegentritt, der sagt, daß es ihm die schönste Musik sei, wenn er die großen Taten der Vorzeit höre, die ihn aufrütteln und begeistern. So wahr es ist, daß das menschliche Dasein das wichtigste Phänomen und damit der Mensch selbst das würdigste Studium ist, so wahr ist es auch, daß der Mensch sich ein großes Rätsel bleibt. Wenn der Mensch sich klar wird, daß er sich selbst ein Geheimnis bleibt, wird er zu dem rechten Studium gelangen. Denn nur dann wird der Mensch sich in rechter Würdigung gegenüberstehen, wenn er weiß, daß dies sein Geheimnis ist: sein eigenes Dasein im Zusammenhange stehend mit dem Allsein. Das gibt ihm die rechte Grundlage für all sein Tun und Handeln.
[ 23 ] Will er aber etwas erfahren über dieses Geheimnis seines eigenen Daseins, so muß er sich wenden an die Wissenschaft, die von seinem eigenen Streben erzählt. In der Weltgeschichte sehen wir, wie Gefühle und Gedanken in Handlungen übergehen. Darum sollen wir Weltgeschichte lernen, daß wir an ihr beflügeln unsere Hoffnungen, unsere Gedanken und Gefühle. Bringen wir herüber aus der Vorzeit, was wir brauchen für die Zukunft, was wir brauchen für das Leben, für die Tat!
[ 23 ] Will er aber etwas erfahren über dieses Geheimnis seines eigenen Daseins, so muß er sich wenden an die Wissenschaft, die von seinem eigenen Streben erzählt. In der Weltgeschichte sehen wir, wie Gefühle und Gedanken in Handlungen übergehen. Darum sollen wir Weltgeschichte lernen, daß wir an ihr beflügeln unsere Hoffnungen, unsere Gedanken und Gefühle. Bringen wir herüber aus der Vorzeit, was wir brauchen für die Zukunft, was wir brauchen für das Leben, für die Tat!
