Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55
26 April 1907, Berlin
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Recognizing the Supernatural in our Time, tr. SOL
13. Bibel und Weisheit
13. The Bible and Wisdom
[ 1 ] Wir haben gestern versucht, uns den Sinn vor die Seele hinzurücken, durch den dasjenige, was wir Geisteswissenschaft nennen, sich den religiösen Urkunden annähern will. Wir wollen heute versuchen, wenigstens in einigen Beispielen tiefer in diejenige religiöse Urkunde, die der gegenwärtigen Kulturmenschheit doch wohl noch am nächsten liegt, in die Bibel, einzudringen. Vom Standpunkte der Geisteswissenschaft kommt man am leichtesten in die Bibel hinein, wenn man zunächst versucht, von dem Neuen Testament, von den Evangelien auszugehen. Nachdem wir gestern auseinandergesetzt haben, wie wir die sogenannte Kritik, den kritischen Geist auffassen sollen, wie wir uns zu der Niederschrift der verschiedenen einzelnen Teile des Neuen Testamentes und zu der Schriftensammlung des Alten Testamentes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft stellen können, wollen wir heute mehr das Positive ins Auge fassen, voraussetzen, was gestern gesagt worden ist und ohne jede Befangenheit vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt in diese Sache hineinleuchten.
[ 1 ] Yesterday we attempted to bring to the forefront the meaning through which what we call spiritual science seeks to draw closer to the religious texts. Today we will attempt, at least through a few examples, to delve more deeply into the religious text that is surely still closest to contemporary human culture: the Bible. From the standpoint of spiritual science, the easiest way to approach the Bible is to begin with the New Testament, specifically the Gospels. Since we discussed yesterday how we should understand so-called “criticism”—the critical spirit—and how we can approach the composition of the various individual parts of the New Testament and the collection of writings in the Old Testament from the standpoint of spiritual science, let us focus today more on the positive aspects, taking what was said yesterday as a given and shedding light on this matter from the perspective of spiritual science without any preconceptions.
[ 2 ] Sie wissen, daß dem Menschen, wenn er aus dem Bedürfnisse des christlich-gläubigen Herzens heraus an die vier Evangelien herangeht, zunächst eigentümliche Widersprüche begegnen können, welche sich aus den vier Evangelien, die man nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas, nach Johannes nennt, ergeben. Derjenige, der sich heute wenn auch noch so gläubig zu diesen Büchern verhält, hat doch keine richtige Vorstellung davon, in welchem Verhältnisse in alten, viel religiöseren Zeiten der Gläubige der Bibel gegenüberstand, was das Wort «Bibel», respektive der Ausdruck «das Wort Gottes» eigentlich für die alten Gläubigen bedeutete. Wir brauchen uns nur an das Wort« Inspiration» zu erinnern und daß durch Jahrhunderte hindurch die gläubigen Gemüter festgehalten haben daran, daß jene, welche die religiösen Urkunden niedergeschrieben haben, inspiriert waren, daß sie unter dem unmittelbaren Einflusse des göttlichen Geistes selbst geschrieben haben. Und so wahr sie den Glauben hatten, daß von diesem göttlichen Geiste nur die Wahrheit ausgehen konnte, so wahr erschien ihnen jedes Wort, das in der Bibel stand, als heilig. Die Bibel war ihnen der Ausdruck für die gewaltigen Welträtsel, die sich vor die Seele des Menschen hindrängten. Wie hätte ein Mensch, der sich vorstellte, daß die alten Gottesmänner Persönlichkeiten waren, die unmittelbar unter der Inspiration des göttlichen Geistes standen, glauben können, daß diese etwas geschrieben hätten, ja etwas hätten schreiben können, an das man Kritik anlegen muß. Dann hätte in den Herzen dieser Gläubigen nicht ein unmittelbares Hängen an jeglichem Wort sein dürfen.
[ 2 ] You know that when a person approaches the four Gospels out of the needs of a heart that believes in Christ, they may initially encounter peculiar contradictions arising from the four Gospels—namely, those of Matthew, Mark, Luke, and John. Even those who approach these books today with the deepest faith still lack a true understanding of the relationship believers had with the Bible in ancient, far more religious times—and of what the word “Bible,” or the expression “the Word of God,” actually meant to the believers of old. We need only recall the word “inspiration” and the fact that, for centuries, the faithful held fast to the belief that those who wrote down the religious texts were inspired—that they wrote under the direct influence of the divine Spirit Himself. And just as firmly as they held the belief that only truth could emanate from this divine Spirit, so every word contained in the Bible appeared to them as sacred. To them, the Bible was the expression of the mighty mysteries of the universe that pressed upon the human soul. How could a person who imagined that the ancient men of God were individuals who stood directly under the inspiration of the divine Spirit have believed that they had written—or indeed could have written—anything that was subject to criticism? Then there could not have been an immediate attachment to every single word in the hearts of these believers.
[ 3 ] Für den heutigen Menschen ist es schwer, sich in diese Gemütsstimmung hineinzuversetzen. Er liest das erste und er liest das dritte Evangelium. Es werden ihm zwei Abstammungstafeln des Jesus von Nazareth vorgeführt, die eine in dem Evangelium nach Matthäus die andere in dem Evangelium nach Lukas. Er verfolgt die Namen und findet, daß dieselben nicht übereinstimmen, daß schon beim dritten Glied von Joseph aufwärts ein anderer Name auftritt, daß, wo bei Matthäus Salomon steht, bei Lukas Nathan sich findet und so weiter, daß eine ganze Reihe von Namen in den Tafeln verschieden sind, und er frägt sich: Wie ist es möglich, daß dasjenige, was durch Jahrhunderte hindurch den Menschen als ein Quell der Wahrheit gedient hat, solche Widersprüche aufweisen kann? — Im Grunde genommen sehen wir in einer einzigen solchen Erwägung den Keimpunkt zu all den Zweifeln, die, hinsichtlich der Einheitlichkeit der Schrift und zuletzt bezüglich ihrer Inspiration, den Menschen, den Kritikern gekommen sind. Aus solchen Erwägungen heraus, die in komplizierter Weise bis ins feinste Detail durchgeführt worden sind, hat man die Bücher des Neuen Testamentes zerlegt, hat man gefunden, was mehr oder weniger echt ist, hat man gefunden, daß das erste Evangelium von dem vierten abweicht, woraus sich notwendig ergeben mußte, daß man es im vierten Evangelium mit etwas ganz anderem als mit einer historischen Urkunde zu tun hat. Wie könnte man auch unbefangenen Geistes diese Widersprüche hinwegdekretieren? Es ist nur zu natürlich, daß der moderne Mensch, wenn er so etwas sieht, Kritik anlegen muß.
[ 3 ] It is difficult for people today to put themselves in that frame of mind. They read the first Gospel and then the third. They are presented with two genealogies of Jesus of Nazareth—one in the Gospel according to Matthew and the other in the Gospel according to Luke. They follow the names and find that they do not match, that as early as the third generation from Joseph onward a different name appears, that where Matthew lists Solomon, Luke lists Nathan, and so on—that a whole series of names differ in the genealogies—and they ask themselves: How is it possible that what has served as a source of truth for people throughout the centuries could contain such contradictions? — Essentially, we see in a single consideration of this kind the seed of all the doubts that have arisen among people—and among critics—regarding the unity of Scripture and, ultimately, its inspiration. Based on such considerations—which have been carried out in a complex manner down to the finest detail—the books of the New Testament have been dissected; it has been determined what is more or less authentic; it has been found that the first Gospel differs from the fourth, from which it necessarily followed that the fourth Gospel must be something entirely different from a historical document. How could anyone with an open mind simply dismiss these contradictions? It is only natural that modern people, when they see such things, must apply a critical eye.
[ 4 ] Nun fragen wir uns aber, wie ist es möglich, daß durch Jahrhunderte, Jahrtausende hindurch wahrlich auch nicht gerade dumme Köpfe diese Bücher in der Hand gehabt haben und nicht auch zu einer Kritik, zu einem Sehen dieser Widersprüche gekommen sind? In bezug auf die große Menge der Gläubigen könnte man sich vielleicht darauf berufen und sagen, die Bibel ist bis in die neueste Zeit nur in den Händen einiger weniger gewesen; die Gläubigen haben sie vor der Erfindung der Buchdruckerkunst fast gar nicht in die Hand bekommen. Man kann sagen, die große Menge konnte gar nicht irre werden an etwas, was ihr von den leitenden Persönlichkeiten gar nicht vorgelegt wurde, Aber sollen wir uns vorstellen, daß diejenigen, welche die Bibel in die Hand bekommen haben, nicht gesehen hätten, was die heutige Kritik sagt?
[ 4 ] But now we ask ourselves: How is it possible that, over the course of centuries and millennia, people—who were certainly not exactly stupid—have held these books in their hands and yet have not also arrived at a critical assessment, at a recognition of these contradictions? With regard to the vast majority of believers, one might perhaps argue that, until very recently, the Bible was in the hands of only a few; before the invention of the printing press, believers had almost no access to it. One might say that the vast majority could not possibly have been misled by something that was never even presented to them by their leaders. But are we to imagine that those who did have access to the Bible would not have seen what modern criticism points out?
[ 5 ] Es wird von einzelnen Historikern eingewendet: langsam, durch die Gewalt der Kirche, habe sich das Ansehen dieser Bücher erst befestigt, nach und nach erst habe sich das herausgebildet, was man das Ehrfurchtsgebietende dieser biblischen Geschichte nennt. Vor einer richtigen geschichtlichen Betrachtung kann der Inhalt der Bibel auch gar nicht bestehen. Wenn wir zurückgehen in die ersten christlichen Jahrhunderte und die Tatsachen prüfen, dann kommen wir zu dem Urteil, daß bei dem Konzil zu Nikäa festgestellt worden ist, welches die richtigen Evangelien sind, und daß durch Machtspruch dekretiert worden ist: Das sind die heiligen Schriften.
[ 5 ] Some historians object that it was only gradually, through the authority of the Church, that the prestige of these books became established; only little by little did what is called the awe-inspiring nature of this biblical history take shape. The content of the Bible cannot even stand up to a proper historical examination. If we go back to the early Christian centuries and examine the facts, we come to the conclusion that the Council of Nicaea determined which are the true Gospels and that it was decreed by an act of authority: “These are the Holy Scriptures.”
[ 6 ] Vor einer unbefangenen geschichtlichen Betrachtung kann das nicht bestehen. Wir werden zu Persönlichkeiten geführt, die in den alten Zeiten des Christentums gelebt haben. Wir finden dann in ihren Mitteilungen, daß zum Beispiel im Jahre 160 n. Chr. eine sogenannte Evangelienharmonie gemacht wurde, das heißt eine Zusammenstellung der verschiedenen Evangelien, so daß sie ein einheitliches Bild geben sollten. Später ist dies noch öfters gemacht worden, und wir können finden, wenn wir die Evangelien vom zweiten Jahrhundert sorgfältig prüfen, daß auch dasjenige hineingearbeitet worden ist, was wir jetzt als Inhalt des Neuen Testamentes kennen. Wir können noch weiter zurückgehen, bis zu den ersten Kirchenvätern. Wenn wir gerade diese kritisch prüfen, so zeigt sich uns, wie sie mit ungeheurer Ehrfurcht von der Bibel sprechen, mit einer Ehrfurcht, die die Annahme zuläßt, daß sie geglaubt haben, die Bibel sei von höherer Geistigkeit inspiriert. Wir können bis zu Origines zurückgehen und bemerken dann, wie er in derselben Art und mit derselben Ehrfurcht von den biblischen Büchern spricht. Und wenn wir einzelne Worte nehmen, die sogar nur derjenige mitteilt, von dem nicht mit Unrecht gesagt wird, daß er noch ein Hörer des Apostels Johannes gewesen sei, Matthäus, dann finden wir, daß aus seiner Seele etwas herausspricht, was wir in demselben Sinne zusammenfügen können mit dem, was später die Stimmung der Gläubigen, auch der gelehrtesten Gläubigen, gegenüber den Evangelien war.
[ 6 ] This cannot stand up to an unbiased historical examination. We are introduced to figures who lived in the early days of Christianity. We then find in their accounts that, for example, in the year 160 CE, a so-called “Gospel harmony” was created—that is, a compilation of the various Gospels intended to present a unified picture. This was done even more frequently later on, and if we carefully examine the Gospels of the second century, we can see that what we now know as the content of the New Testament was also incorporated into them. We can go back even further, to the early Church Fathers. If we examine these writings critically, we see how they speak of the Bible with immense reverence—a reverence that suggests they believed the Bible was inspired by a higher spiritual power. We can go back as far as Origen and observe how he, too, speaks of the biblical books in the same manner and with the same reverence. And when we consider individual words—even those conveyed by Matthew, of whom it is not without reason said that he was a disciple of the Apostle John—we find that something speaks from his soul that we can connect, in the same sense, to what later became the attitude of believers, even the most learned among them, toward the Gospels.
[ 7 ] Freilich muß sich der Mensch, der so etwas betrachtet, etwas, ja sogar gründlich, frei machen können von gewissen Vorurteilen. So wie spätere Zeiten sich zu dem, was man Christentum nennt, gestellt haben, so haben sich diejenigen, die in den ersten Jahrhunderten als Gelehrte gelebt haben, nicht dazu gestellt. Und wenn heute jemand von irgendeinem orthodoxen Standpunkte aus zu einem kommt, der die Bibel nicht gerade so auffaßt, wie er, und zu ihm sagt, er sei ein Ungläubiger, er dürfe sich nicht Christ nennen, er verstoße gegen das rechte Wort der Bibel-so dürfen wir wohl an solche alten Gläubigen erinnern, an denen zu zweifeln auch die nicht wagen, welche sich die Bibel in willkürlicher Weise zurechtlegen. An ein Wort des Kirchenvaters Augustinus will ich mich anlehnen. Das Wort heißt: Dasjenige, was man heute christliche Religion nennt, ist uralt. Es ist die uralte wahre Religion, und das, was die uralte wahre Religion ist, das nennt man jetzt die christliche Religion.
[ 7 ] Of course, anyone who considers such matters must be able to free themselves—even thoroughly—from certain prejudices. Just as later generations have viewed what is called Christianity, so too did those who lived as scholars in the first centuries not view it in that way. And if today someone, speaking from some orthodox standpoint, approaches a person who does not interpret the Bible exactly as he does, and tells him that he is an unbeliever, that he must not call himself a Christian, that they are violating the true word of the Bible—then we may well remind them of those ancient believers, whom even those who interpret the Bible arbitrarily dare not doubt. I would like to draw on a statement by the Church Father Augustine. It goes as follows: “What is called the Christian religion today is ancient. It is the ancient true religion, and what the ancient true religion is, that is now called the Christian religion.”
[ 8 ] Man denke an ein solches Wort und stelle dann daneben, was insbesondere ein geisteswissenschaftlicher Erklärer der Bibel sehr häufig erfahren kann. Ist es nicht oftmals geradezu tragisch, wie gegnerische Stimmungen hervorgerufen werden, wie der Geisteswissenschafter bei Bekannten, Freunden und Verwandten herben Widerspruch findet, indem sie ihm sagen: da kommst du wieder mit deinen geisteswissenschaftlichen Phrasen, wo bleibt denn da die Bibel? Einem solchen Ausspruche liegt eine tiefe Unkenntnis der wirklichen Bibel zugrunde und außerdem liegt darin eine große Prätention, der Anspruch, mit seiner Auffassung der Bibel unfehlbar zu sein. Wenn sich nur solche Gläubige ganz klar darüber werden wollten, was es heißt, der geisteswissenschaftlichen Auffassung der Bibel so gegenüberzutreten. Es heißt nichts anderes als: was ich in der Bibel finde, ist das unbedingt Richtige.
[ 8 ] Consider such a word and then compare it to what a scholar of the humanities who interprets the Bible, in particular, very often experiences. Isn’t it often downright tragic how hostile reactions are provoked, how the spiritual scientist encounters bitter opposition from acquaintances, friends, and relatives, who say to him: “There you go again with your spiritual science phrases—where does that leave the Bible?” Such a statement is rooted in a profound ignorance of the true Bible; moreover, it reveals a great pretension—the claim to be infallible in one’s interpretation of the Bible. If only such believers would be willing to clearly understand what it means to approach the spiritual-scientific interpretation of the Bible in this way. It means nothing other than: “What I find in the Bible is absolutely correct.”
[ 9 ] Es ist ja nicht so, daß der geisteswissenschaftliche Standpunkt sich etwa weniger positiv zur Bibel verhält, sondern so, daß er gerade die wirkliche Bedeutung, den wirklichen Sachverhalt aus dieser Bibel wiederum herausentwickeln will. Richtiges Verstehen ist es, um was es sich gegenüber den religiösen Urkunden für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung handelt. Daher darf derjenige, welcher aus Bequemlichkeit bei irgendeiner anderen Ansicht steht, die gerade zufällig da ist, an die er sich gewöhnt hat, der geisteswissenschaftlichen Anschauung eigentlich nicht entgegentreten. Denn vielfach lebt in der Seele derjenigen, die einer wirklichen Erklärung der Bibel entgegentreten, etwas Gegnerisches, so daß sie sagen: Ihr verleugnet die Bibel, ihr macht euch und eure Familie unglücklich. — Vielfach steckt auch nichts anderes dahinter als der Gedanke: Ich will nicht lernen; ich weiß, was ich weiß.
[ 9 ] It is not the case that the spiritual-scientific perspective takes a less positive view of the Bible; rather, it seeks to rediscover the true meaning and the true facts contained within the Bible. For the spiritual-scientific worldview, what is at stake with regard to religious texts is correct understanding. Therefore, anyone who, out of convenience, holds some other view—one that just happens to be there and to which they have become accustomed—should not actually oppose the spiritual-scientific perspective. For in many cases, there is a spirit of opposition in the souls of those who oppose a true interpretation of the Bible, leading them to say: “You are denying the Bible; you are making yourselves and your families unhappy.” — In many cases, there is nothing behind this but the thought: “I do not want to learn; I know what I know.”
[ 10 ] Lesen wir einem solchen Ausspruch gegenüber die Bergpredigt und verstehen wir sie richtig, dann werden wir uns nicht mehr, auch wenn wir uns Christen nennen, auf einen solchen Standpunkt stellen dürfen. Nur der erste Satz der Bergpredigt sei hier zitiert. Es ist, wie die, welche häufiger hierher kommen, wissen, öfter schon geschehen. Richtig deutsch wiedergegeben heißt er: «Selig sind, welche da sind Bettler im Geiste, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» Man kann das, was man geisteswissenschaftliche Gesinnung nennt, nicht schöner ausdrükken, als es mit diesen Worten die Bergpredigt tut.
[ 10 ] If we compare such a statement with the Sermon on the Mount and understand it correctly, then—even if we call ourselves Christians—we will no longer be allowed to take such a position. Let us quote here only the first sentence of the Sermon on the Mount. As those who visit here frequently know, this has happened many times before. Accurately rendered into German, it reads: “Blessed are those who are beggars in spirit, for they will find within themselves the kingdoms of heaven.” There is no more beautiful way to express what is called a spiritual-scientific attitude than the Sermon on the Mount does with these words.
[ 11 ] Was heißt geisteswissenschaftliche Gesinnung? Es heißt nichts anderes als dasjenige, was in uns liegt, den tiefsten Kern unserer eigenen Wesenheit, die in uns lebendige, geistige Natur zur Entfaltung zu bringen. Ebenso wie dasjenige, was unseren Körper bildet, den Stoffen der umliegenden Welt entnommen ist, so ist dasjenige, was in uns vorhanden ist, dem Geiste, der um uns lebt und zu allen Zeiten gelebt hat, entnommen. Und so wahr es ist, daß unser Körper nur ein Tropfen ist in dem Meere der materiellen Wirklichkeit, so wahr ist es, daß unsere Seele, unser Geist nur ein Tropfen ist in dem Meere des allumfassenden Weltengeistes. Aber so wie der Tropfen, der aus dem Meere genommen wird, seiner Substanz nach dasselbe ist wie das Wasser des ganzen Meeres, so ist dasjenige, was in des Menschen tiefster Seele lebt, substantiell gleich mit dem Wesen des Göttlichen. Weil der Gott im Menschen lebt, kann der Mensch Gott erkennen; weil der Mensch geistig ist, kann der Mensch, wenn er nur will, eindringen in die geistige Welt um ihn herum. Ein zweites gehört aber dazu, wenn der Mensch wirklich eindringen will in diese geistigen Welten, und dieses zweite, das dazu gehört, ist mit dem einfachen Wort gegeben: Niemals stehenbleiben! Man darf eine Entwicklung nicht bloß glauben, sondern man muß die Entwicklung leben. Was heißt es, eine Entwicklung leben? Nichts anderes, als das Bewußtsein in sich tragen, daß der Mensch sich aus einem unvollkommenen Zustande zu seinem jetzigen entwickelt hat, und daß er sich in die Zukunft hinein jederzeit weiter entwickeln kann. Zunächst denken wir nicht daran, daß des Menschen äußere Gestalt sich in dieser Entwicklung umändert, sondern daran, daß die Menschenseele von Stufe zu Stufe hinaufklimmen kann; daß es ein Aufwärtsschreiten dieser Seele gibt, daß es möglich ist, von Tag zu Tag vollkommener zu werden. Heute lernen wir etwas, unsere Seelenkräfte sind imstande, dies oder jenes einzusehen, unser Wille ist imstande, dies oder jenes zu tun. Bleiben wir stehen bei dem, was wir heute einsehen, bei dem, was unser Wille heute zu tun imstande ist, dann entwickeln wir uns nicht. Tragen wir aber das Bewußtsein in uns, daß außer den Kräften, die sich in uns schon entwickelt haben, auch noch andere Kräfte in uns schlummern — so schlummern, wie der Pflanzenkeim, der sich zur Pflanze entwickelt hat, andere Pflanzenkeime in sich schlummernd trägt —, dann werden wir jeden Tag mehr erkennen, daß wir durch eine höhere Entfaltung des Willens aus unserer Seele die geistigen Augen und Ohren herausholen können, und sehen, daß es mit jedem Tag besser werden kann. Dies dürfen wir nicht im trivialen Sinne verstehen, sondern so, daß diese Entwicklung in geistig-seelischer Richtung eine universelle Bedeutung hat.
[ 11 ] What does a “humanistic mindset” mean? It means nothing other than bringing to fruition that which lies within us—the deepest core of our own being, the spiritual nature that lives within us. Just as that which constitutes our body is drawn from the substances of the surrounding world, so too is that which exists within us drawn from the spirit that lives around us and has lived at all times. And just as it is true that our body is but a drop in the ocean of material reality, so it is true that our soul, our spirit, is but a drop in the ocean of the all-encompassing World Spirit. But just as the drop taken from the sea is, in substance, the same as the water of the entire sea, so too is that which lives in the deepest soul of man substantially one with the essence of the Divine. Because God lives within man, man can recognize God; because man is spiritual, man can, if he so desires, penetrate the spiritual world around him. But there is a second requirement if a person truly wishes to enter these spiritual worlds, and this second requirement is summed up in a simple phrase: Never stand still! One must not merely believe in development; one must live it. What does it mean to live a development? Nothing other than to carry within oneself the awareness that human beings have developed from an imperfect state to their present one, and that they can continue to develop into the future at any time. First of all, we do not think of the fact that the human being’s outward form changes in the course of this development, but rather that the human soul can ascend from one stage to the next; that there is an upward progression of this soul, and that it is possible to become more perfect day by day. Today we learn something; our soul forces are capable of understanding this or that; our will is capable of doing this or that. If we stop at what we understand today, at what our will is capable of doing today, then we do not develop. But if we carry within us the awareness that, in addition to the powers that have already developed within us, other powers also lie dormant—just as the plant seed that has developed into a plant carries other plant seeds dormant within itself— then we will come to realize more and more each day that through a higher unfolding of the will from within our soul, we can bring forth our spiritual eyes and ears, and see that things can get better with each passing day. We must not understand this in a trivial sense, but rather in the sense that this development in the spiritual-soul realm has universal significance.
[ 12 ] Wenn wir in der materiellen Welt tierische Gestalten sich körperlich zu einer edien Menschenform entwickeln sehen, so berechtigt das nicht zu der Annahme, daß der Mensch sich aus den Tieren herausentwickelt habe, auch wenn die Naturwissenschaft festgestellt hat, daß in bezug auf die physische Gestalt des Menschen eine größere Ahnlichkeit zwischen den niedrigstentwickelten Menschen und den höchstentwickelten Affen, als zwischen den niederen Affen und den höchsten Affenarten bestehe. Von diesem Verhältnis leitet ja die Naturwissenschaft die Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen ab. Dies hat im Jahre 1859 wie eine große Ketzerei der große Naturforscher Huxley ausgesprochen. Ein großer Teil dessen, was Sie in Haeckels Schriften lesen, ist unter dem unmittelbaren Gemütseindruck dieses Satzes geschrieben. Derjenige, der an die geistige Entwicklung glaubt, sagt sich: Wohlan, zugegeben, daß der Mensch in bezug auf seine äußere Form, seine Körperlichkeit dem höchstentwickelten Affen näher steht als dieser dem niedrigsten seiner eigenen Gattung, aber ebenso wahr ist es auch, daß derjenige, der eine bestimmte Stufe der Geistigkeit erreicht hat, dem auf niederen Stufen der Menschheit Stehenden ferner steht als der niedrigste Mensch dem höchstentwickelten Tiere.
[ 12 ] Even if we observe animal forms in the material world physically evolving into a human form, this does not justify the assumption that humans evolved from animals, even though natural science has established that, with regard to the physical form of humans, there is a greater similarity between the least developed humans and the most highly developed apes than between the lower apes and the highest ape species. It is from this relationship that natural science derives the kinship between humans and apes. In 1859, the great naturalist Huxley expressed this as a form of heresy. Much of what you read in Haeckel’s writings was written under the direct emotional impression of this statement. Those who believe in spiritual development say to themselves: “Well then, granted that in terms of external form and physicality, humans are closer to the most highly developed apes than the latter are to the lowest members of their own species; but it is equally true that those who have attained a certain level of spirituality are farther removed from those at lower stages of humanity than the lowest human is from the most highly developed animal.”
[ 13 ] Verfolgen wir den Faden der Entwicklung in die höheren Gebiete, so sehen wir ihn sich in geistige Gebiete hinein fortsetzen, und in dem Geistigen sehen wir die von der Geisteswissenschaft geschilderte Entwicklung als etwas ebenso Wirkliches, wie es für die sinnlichen Augen die materielle Entwicklung ist. Theosophie hat es zu allen Zeiten gegeben. Schon . . . sagt, daß das alte indische Atma Vidya dasselbe ist, daß es aber zu den verschiedenen Zeiten mit den verschiedensten Namen benannt wurde. Die heutige Naturforschung anerkennt eine Entwicklung von den niederen tierischen Formen bis zum Menschen. Dagegen sagte die Theosophie zu allen Zeiten: wir erkennen auch eine solche Entwicklung an, wir stehen durchaus auf dem Boden solcher Entwicklung, wir erkennen an, daß es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen der vollkommenen Gestalt des Menschen und einem niederen Tiere, das im Meerschlamme lebt und kaum dem mit dem Mikroskop bewaffneten Auge sichtbar ist. Durch wie viele Zwischenstufen muß der Mensch hindurchschreiten, wenn er vom Unvollkommenen zum Vollkommenen vorrückt! Als ebenso wirklich und real sieht der Geisteswissenschafter die Entwicklung der Seele und des Geistes an. Er sieht ebenso große Unterschiede zwischen solchen Individualitäten, die Eingeweihte geworden sind, die in einem höheren Grade die in der Seele eines jeden Menschen liegenden Eigenschaften zu göttlichem Schauen gebrauchen, und demjenigen Menschen, der kaum die ersten Keime der Seelentätigkeit entwickelt hat. Der Unterschied in der Entwicklung vom Unvollkommensten der niedrigsten Seelenstufe bis zu dem vollkommenen Eingeweihten ist größer als der zwischen dem kleinsten Lebewesen und dem vollkommensten Körper des Menschen. Wer weiß, daß es Eingeweihte gibt, die tief hineinschauen können in die Entwicklung der materielJen Dinge, der weiß, daß es auch geistige Entwicklung gibt.
[ 13 ] If we follow the thread of development into the higher realms, we see it continuing into the spiritual realms, and in the spiritual realm we see the development described by spiritual science as something just as real as material development is to the physical eyes. Theosophy has existed throughout the ages. As early as . . . it is said that the ancient Indian Atma Vidya is the same thing, but that it has been referred to by a wide variety of names at different times. Modern natural science acknowledges an evolution from lower animal forms up to the human being. In contrast, theosophy has always maintained: we also acknowledge such an evolution; we stand firmly on the ground of such evolution; we acknowledge that there is a vast difference between the perfect form of the human being and a lower animal that lives in the sea mud and is barely visible to the eye armed with a microscope. Through how many intermediate stages must the human being pass as he advances from the imperfect to the perfect! The spiritual scientist regards the evolution of the soul and the spirit as equally real and tangible. He perceives equally great differences between those individuals who have become initiates—who, to a higher degree, utilize the qualities inherent in every human soul for divine vision—and those who have barely developed the first stirrings of soul activity. The difference in development from the most imperfect of the lowest soul levels to the perfect initiate is greater than that between the smallest living being and the most perfect human body. Anyone who knows that there are initiates who can look deeply into the development of material things knows that spiritual development also exists.
[ 14 ] Wer das weiß, der weiß auch, daß die Stimmung keine andere sein kann, als daß er sich sagt: ich sehe hinauf zu den göttlichen Idealen, zu denen ich den Keim in der Seele trage; ich weiß, daß in der Zukunft sich etwas herausentwickelt haben wird, was heute noch in mir schlummert, nur schwach veranlagt ist. Ich weiß aber auch, daß ich alle Kräfte anwenden muß, um zu diesen Höhen hinaufzukommen. Als ein Bettler im Geiste kommt sich dann der vor, welcher so die geistige Welt ansieht. Und der ist «beseligt», das heißt selig fühlt er sich dann. Und wir haben in der Bergpredigt im geisteswissenschaftlichen Sinne ein so wunderbares Wort das da heißt: «Selig sind die, die da Bettler sind im Geiste, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» — Keiner, der den Sprachgebrauch der alten Zeiten kennt, wird wähnen, daß diejenigen, welche vom Himmel sprechen, einen Himmel im unbekannten Jenseits meinten. Man stellte sich vor, daß überall da, wo man ist, auch der Himmel ist. Wo wir jetzt sind, da ist der Himmel, da ist die geistige Welt. Ebenso wie der Blinde, wenn er operiert wird, den Raum, den er vorher nur tasten konnte, mit Farben erfüllt sieht, so sieht der, dessen geistiger Sinn geöffnet ist, eine neue Welt um sich. Er sieht, was immer um ihn herum ist, in neuer Gestalt, in der Gestalt, in der er sehen muß, wenn er sich zu höherer Menschlichkeit hinaufentwickeln will. Er braucht nicht zu glauben, daß anderswo, an einem anderen Orte oder zu anderer Zeit der Himmel sei. Ihm gilt das Wort des Christus: Das Himmelreich ist mitten unter euch.
[ 14 ] Anyone who knows this also knows that their state of mind can be nothing other than this: I look up to the divine ideals, the seeds of which I carry within my soul; I know that in the future, something will have developed that today still slumbers within me, its potential only faintly present. But I also know that I must use all my strength to reach these heights. One who views the spiritual world in this way then sees himself as a beggar in spirit. And he is “blessed”—that is, he feels blissful. And in the Sermon on the Mount, in the spiritual-scientific sense, we have such a wonderful saying that goes: “Blessed are those who are beggars in spirit, for they will find within themselves the kingdoms of heaven.”—No one familiar with the language of ancient times would imagine that those who speak of heaven meant a heaven in the unknown hereafter. People imagined that wherever one is, heaven is there as well. Where we are now, there is heaven; there is the spiritual world. Just as a blind person, after undergoing surgery, sees the space that he could previously only feel with his hands filled with colors, so too does the one whose spiritual sense is opened see a new world around him. He sees whatever is around him in a new form—the form in which he must see if he is to evolve toward a higher humanity. He need not believe that heaven is elsewhere, in another place, or at another time. The words of Christ apply to him: “The Kingdom of Heaven is within you.”
[ 15 ] Das Himmelreich ist da, wo wir sind, es durchdringt alle körperlichen Dinge. Wie das Wasser das Eis durchdringt, so schwimmt gleichsam im Meere des göttlichen Geistes dasjenige, was sich aus diesem Geist als körperlich materielle Welt verdichtet hat. Alles Körperliche ist verdichtetes, verwandeltes Geistiges. Hinter allem Körperlichen steht das Geistige. Hier werden wir schon zu demjenigen geführt, was in bezug auf geisteswissenschaftliche Auffassung das Verhältnis des Menschen zur Entwicklung ist. Ebenso wie draußen in der tierischen Welt Vollkommenes und Unvollkommenes lebt, so leben in bezug auf das Geistige die verschiedensten Individualitäten: die einen fortgeschritten, die anderen zurückgeblieben, die einen hineinsehend in Gebiete, wohin die moderne Wissenschaft noch leuchtet, die anderen hineinsehend in die tiefsten Untergründe der menschlichen Erkenntnis, vom Wilden bis zu dem zur Göttlichkeit entwickelten Menschen, der befähigt ist, draußen in der Welt das Geistige um sich zu schauen. Alle diese Zwischenstufen glaubten nicht nur, sondern kannten diejenigen, welche Eingeweihte waren. Und wenn man von Eingeweihten sprach, so sprach man von ihnen als von solchen, die mehr wissen als die sie umgebende Menschheit. Immer hat man von solchen Eingeweihten gesprochen, und nun wollen wir uns einmal klarmachen, in welchem Sinne man von den in die geistigen Welten Eingeweihten gesprochen hat.
[ 15 ] The Kingdom of Heaven is where we are; it permeates all physical things. Just as water permeates ice, so too does that which has condensed from this Spirit into the physical, material world float, as it were, in the ocean of the divine Spirit. Everything physical is condensed, transformed spirit. Behind everything physical lies the spiritual. Here we are already led to what, from the perspective of spiritual science, is the relationship of the human being to evolution. Just as there are perfect and imperfect beings in the animal world, so too, in relation to the spiritual, there exist the most diverse individualities: some advanced, others lagging behind; some looking into realms where modern science still shines its light, others looking into the deepest depths of human knowledge—from the savage to the human being developed to divinity, who is capable of perceiving the spiritual all around them in the outer world. All these intermediate stages not only believed in, but also knew those who were initiates. And when people spoke of initiates, they spoke of them as those who know more than the humanity surrounding them. People have always spoken of such initiates, and now let us clarify in what sense people have spoken of those initiated into the spiritual worlds.
[ 16 ] Wie schon oft hier auseinandergesetzt worden ist, finden wir, wenn wir in uralte Zeiten zurückgehen, daß auch das Alltagsbewußtsein anders war als heute, daß ein mehr hellseherisches Bewußtsein vorhanden war. Hellseherisch wird es nicht genannt, weil es etwa klarer wäre als das Tagesbewußtsein, sondern weil es gleichsam durch die Gegenstände hindurch bis in die Seele hinein sieht, aber es ist ein dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein, dessen Überreste sich im nächtlichen Traumbewußtsein des Menschen erhalten haben. Aus ihm hat sich das heutige taghelle Bewußtsein der Menschheit entwickelt. Wenn wir zurückblicken in jene alten Zeiten, wo die große Masse der Menschen in diesem hellseherischen Bewußtsein lebte, so finden wir, daß es auch da schon Eingeweihte gab. Wodurch unterscheiden sich nun jene alten Eingeweihten von denjenigen, die noch in einem mehr dämmerhaften Bewußtsein um sie herum waren? Sie unterscheiden sich dadurch, daß sie schon etwas wußten von dem Bewußtsein, das die Menschheit bekommen sollte und heute hat, dadurch, daß sie imstande waren, von der Zukunft etwas vorauszunehmen, in der Art in die Welt hineinzuschauen, wie die ganze Menschheit in späterer Zeit es erlangt hat. Es war diejenige Art, welche mit den Augen und Ohren des Leibes wahrnimmt, mit denjenigen Organen, mit denen der Mensch sinnlich untersucht und verstandesmäßig begreift. Wie das heute bei den Menschen im allgemeinen wohl der Fall ist, so war es auch schon bei einzelnen eingeweihten Menschen der Vorzeit. Sie waren eben deshalb Eingeweihte. Der Eingeweihte nimmt etwas von der Zukunft voraus. Ebenso trägt der Eingeweihte unserer Tage etwas von dem erhöhten Hellsehen, von dem erhöhten Schauen, das die Menschheit in Zukunft haben wird, in sich. Er weiß etwas zu sagen von dem, was die jetzige Menschheit in Zukunft haben wird.
[ 16 ] As has often been discussed here, when we go back to ancient times, we find that even everyday consciousness was different from what it is today—that a more clairvoyant consciousness existed. It is not called “clairvoyant” because it is somehow clearer than waking consciousness, but because it sees, as it were, right through objects and into the soul; yet it is a dull, twilight-like consciousness, remnants of which have been preserved in human beings’ nocturnal dream consciousness. From this, humanity’s present-day, broad-daylight consciousness has developed. When we look back to those ancient times, when the vast majority of people lived in this clairvoyant consciousness, we find that even then there were initiates. How, then, did those ancient initiates differ from those around them who were still in a more twilight-like state of consciousness? They differ in that they already knew something of the consciousness that humanity was to attain and possesses today; in that they were able to foresee something of the future and to look into the world in the way that all of humanity has come to do in later times. It was the kind of perception that takes place through the eyes and ears of the body—through those organs with which human beings make sensory observations and grasp things intellectually. Just as this is generally the case with people today, so it was already the case with individual initiates of antiquity. That is precisely why they were initiates. The initiate anticipates something of the future. Likewise, the initiate of our day carries within himself something of the heightened clairvoyance, of the heightened vision that humanity will possess in the future. He knows something to say about what present-day humanity will possess in the future.
[ 17 ] So blickten die Alten, die etwas von diesen Dingen verstanden haben, hinauf zu dem Eingeweihten. Sie sagten sich: Wie er die Dinge ansieht, so werden in Zukunft die Menschen die Dinge auch ansehen. Sehen wir uns ihn an, er ist das lebendige Ideal, er ist derjenige, der uns durch seine Gestalt erkennbar macht, was wir sein werden. — In diesem Sinne war er ihnen ein Prophet, und wenn er noch höher stand, ein Messias. Und so sagten sie sich, der Verlauf der Geschichte wird so sein, daß er die große Zahl der Menschen zu dem, was er erreicht hat hinführen wird. Einen «Erstgeborenen» nannten sie einen solchen. Derjenige aber, welcher in solcher Weise eingeweiht werden sollte, hatte durch verschiedene Stufen hindurchzugehen. Es gibt durch die verschiedenen Stufen bis zu den höchsten Einweihungsstufen hinauf die mannigfaltigsten Erkenntnis- und Willensgrade. Durch viele Stufen kann man durchschreiten. Wie die Pflanze bei ihrer Entwicklung die verschiedenen Stufen durchmacht, von der Wurzel zu Blatt, Blüte und Frucht, so schreitet der Mensch hinauf von Einsicht zu Einsicht, bis er vom Schüler zum Eingeweihten selber wird. Dieser Fortschritt geschieht durch Schulung, und diese Schulung kann man sich aneignen. Derjenige, welcher leugnet, daß es eine solche Schulung gibt, durch die er zu einer höheren Art des Anschauens, zu der Eröffnung von Augen und Ohren des Geistes gelangen kann, der weiß es eben nicht, der hat noch keine Kunde erhalten von solcher Schulung. Das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft: der Menschheit zu sagen, daß es eine solche Schulung der Aufwärtsentwicklung gibt. In meiner Zeitschrift «LuziferGnosis» können Sie lesen, daß jetzt in viel tieferer Weise von dem Prinzip der Einweihung und der geistigen Kultur gesprochen werden kann. Die mannigfaltigsten Gründe sprechen dafür. Einen Grund möchte ich aber anführen. Gerade das ist das Tragische, das so Bedrückende, die Seele Zermarternde für den modernen Menschen, daß er an die alten Urkunden nicht mehr glauben kann, daß ihm dieselben nicht mehr Verkörperungen des Wortes Gottes sein können, weil die Entwicklung von Verstand und Vernunft zu weit vorgerückt ist, so daß er die alte Botschaft nicht mehr brauchen kann. Er braucht aber eine neue Botschaft, und diese will ihm die Geisteswissenschaft bringen. Wir haben gleichsam im Bilde in die Zukunft hineingesehen, und heute noch sieht derjenige, welcher sich zum Eingeweihten entwickelt, die Entwicklung der Menschheit in der Zukunft. Er muß sich aber nach bestimmten Methoden entwickeln. Ebenso wie die Methoden, durch die man astronomische Wahrheiten erfährt, ganz bestimmte sind, so sind die Methoden, durch die man in die höhere Geistigkeit hinaufrückt, auch ganz bestimmte. Niemand darf sich sagen, daß er auf eigene Faust in die höheren Gebiete hinaufsteigen soll. Das ist so, wie wenn man auf eigene Faust Mathematik studieren und nichts auf Autorität hin annehmen wollte. Man braucht aber einen Leiter und Führer, der einem die Wege zeigt. Keine andere Autorität gibt es mehr auf diesem Gebiete. Daher ist es nur Rederei, wenn das Prinzip des gläubigen Hinneigens und Bekennens auf die Geisteswissenschaft angewendet wird. Es ist ein Mißverständnis, wenn in der Geisteswissenschaft von Autorität und Gläubigkeit gesprochen wird.
[ 17 ] Thus the elders, who understood something of these matters, looked up to the Initiate. They said to themselves: Just as he sees things, so will people see things in the future. Let us look at him; he is the living ideal; he is the one who, through his form, reveals to us what we will become. — In this sense, he was a prophet to them, and if he stood even higher, a Messiah. And so they said to themselves that the course of history would be such that it would lead the great multitude of people to what he had attained. They called such a one a “Firstborn.” But the one who was to be initiated in this way had to pass through various stages. Through the various stages, all the way up to the highest levels of initiation, there are the most diverse degrees of knowledge and will. One can progress through many stages. Just as a plant passes through various stages in its development—from root to leaf, flower, and fruit—so does the human being ascend from insight to insight until he himself becomes an initiate. This progress occurs through training, and this training can be acquired. Anyone who denies that such training exists—through which one can attain a higher mode of perception, the opening of the eyes and ears of the spirit—simply does not know; they have not yet received any knowledge of such training. This is the task of spiritual science: to tell humanity that such training for upward development exists. In my journal Luzifer-Gnosis, you can read that it is now possible to speak in a much deeper way about the principle of initiation and spiritual culture. There are a multitude of reasons for this. But I would like to cite one reason in particular. This is precisely what is so tragic, so oppressive, and so soul-tormenting for modern humanity: that they can no longer believe in the ancient texts, that these can no longer be embodiments of the Word of God for them, because the development of intellect and reason has advanced so far that they can no longer make use of the old message. Yet they need a new message, and spiritual science seeks to bring this to them. We have, as it were, glimpsed into the future, and even today, those who are developing into initiates can see the future development of humanity. But they must develop according to specific methods. Just as the methods by which one discovers astronomical truths are quite specific, so too are the methods by which one ascends into the higher spiritual realms. No one should tell themselves that they should ascend into the higher realms on their own. That is like wanting to study mathematics on one’s own and accept nothing on the basis of authority. But one needs a guide and leader who shows one the way. There is no other authority in this field. Therefore, it is mere rhetoric when the principle of faithful devotion and confession is applied to spiritual science. It is a misunderstanding to speak of authority and faith in the context of spiritual science.
[ 18 ] Nun gab es in den verschiedenen Jahrtausenden immer Bücher — eigentlich nicht Bücher, sondern mehr eine mündliche Tradition, wenn wir in die alten Zeiten zurückgehen, und diese mündliche Tradition umfaßte die Regeln, wie man eingeweiht wird. Wollen wir uns einen Begriff von dem machen, wie solche Tradition war, wie solche Vorschriften waren, die zeigten, was der Mensch zu tun hat, wenn er anfängt sich zu vergeistigen, bis zu den höchsten Einweihungsstufen, so brauchen wir nur daran zu denken, daß bei denen, die als Führer und Leiter wirkten, nichts niedergeschrieben werden durfte. Diese Regeln dürfen auch heute noch nicht niedergeschrieben, sondern nur mündlich denjenigen übertragen werden, die dazu würdig sind. Es gab einen Einweihungskanon. Er enthielt die Regeln der Geburt des Geistesmenschen; er zeigte die Regeln, die der Mensch erfüllen muß, um zu den hohen Zielen zu kommen. Wer sich dem geistigen Streben widmete, der mußte von einer Stufe der Übungs- und Lebensweise zur anderen, höheren geführt werden. Bist du auf der höheren Stufe, dann kommt der Eingeweihte und zeigt dir die höheren Geheimnisse.
[ 18 ] Now, throughout the various millennia, there have always been books—not really books, but rather an oral tradition, if we go back to ancient times—and this oral tradition encompassed the rules for how one is initiated. If we want to get an idea of what such a tradition was like, what such instructions were like—which showed what a person must do when they begin to spiritualize themselves, all the way up to the highest levels of initiation—we need only remember that those who acted as guides and leaders were not permitted to put anything in writing. Even today, these rules may not be written down, but must be transmitted orally only to those who are worthy of them. There was a canon of initiation. It contained the rules governing the birth of the spiritual human being; it laid out the rules that a person must fulfill in order to attain the higher goals. Those who devoted themselves to spiritual striving had to be guided from one stage of practice and way of life to the next, higher one. Once you have reached the higher stage, the initiate comes and reveals the higher mysteries to you.
[ 19 ] Nur noch ein Wort über die Art und Weise, wie ein solcher Einweihungskodex gehandhabt worden ist. Das ist heute nicht mehr so üblich wie in alten Zeiten. Die Einweihungsprozesse schreiten auch vorwärts. Der Schüler wurde in alten Zeiten in eine Art Ekstase gebracht. Das Wort hatte damals eine andere Bedeutung als heute, es bedeutete nicht Außer-sich-Sein, sondern ein Bewußtwerden in höheren Bewußtseinszuständen und dahin hatte der geistige Führer den Schüler geführt. Es war vorgeschrieben, wie lange man in solchem Bewußtseinszustande gehalten werden mußte; es waren dreieinhalb Tage. Heute ist es nicht mehr so, daß das Bewußtsein herabgedämpft wird. Damals aber war der Betreffende in Ekstase und Entrückung, da wußte er nicht, was um ihn herum in der Sinnenwelt vorging, da war der Einzuweihende auf dem Gebiete der sinnlichen Welt wie einer, der schläft. Er wurde also hingeführt zu einem Bewußtseinszustand, in dem die äußere Sinnenwelt schwand. Aber was er erlebte, unterschied sich beträchtlich von dem, was der heutige Mensch erlebt, wenn beim Einschlafen die äußeren sinnlichen Gegenstände um ihn herum verschwinden. Die äußeren sinnlichen Dinge verschwanden, aber der Mensch lebte in einer Welt des Geistes; licht wurde es um ihn herum. Das, was man Astrallicht nennt, ging ihm auf: ein Licht, das ein anderes Licht ist als das physische, das uns erscheint wie ein Meer von geistiger Substanz, in dem geistige Wesenheiten eingebettet sind und aus dem sie sich herausentwickeln. Und wenn er noch höher stieg, hörte er aus dieser Welt erklingen, was in den alten pythagoräischen Schulen die Sphärenharmonie genannt wird. Dasjenige, was der Verstand als Weltgesetz in Begriffen erkennt, das nimmt der, welcher auf solcher Stufe sich befindet, wie eine Art Klang, wie geistige Musik wahr. Die geistigen Kräfte äußern sich in Harmonie und Rhythmus. Es ist aber dabei nicht an die äußere Musik zu denken. Die geistige Welt, die Welt der Himmel klingt und tönt für das astrale Licht. In diese Welt wurde der Einzuweihende eingeführt. Da lernte er die Stufen der menschlichen Göttlichkeit kennen, die die Menschheit erst in fernen Zeiten erklimmen wird. Das alles wurde für ihn Wahrheit, das durchlebte er in dreieinhalb Tagen.
[ 19 ] Just one more word about the way such an initiation code was handled. This is no longer as common today as it was in ancient times. The initiation processes are also moving forward. In ancient times, the student was brought into a kind of ecstasy. The word had a different meaning back then than it does today; it did not mean being out of one’s mind, but rather becoming aware in higher states of consciousness, and the spiritual guide had led the student to that state. It was prescribed how long one had to be kept in such a state of consciousness; it was three and a half days. Today, consciousness is no longer dampened in this way. Back then, however, the person in question was in a state of ecstasy and rapture; he was unaware of what was happening around him in the sensory world; in the realm of the sensory world, the initiate was like one who is asleep. He was thus led into a state of consciousness in which the external sensory world faded away. But what he experienced differed considerably from what people today experience when, as they fall asleep, the external sensory objects around them disappear. The external sensory objects disappeared, but the person lived in a world of the spirit; light surrounded him. What is called astral light dawned upon him: a light that is different from physical light, which appears to us as a sea of spiritual substance in which spiritual beings are embedded and from which they develop. And when he ascended even higher, he heard resounding from this world what was called the “harmony of the spheres” in the ancient Pythagorean schools. What the intellect recognizes in concepts as a law of the world, the one who finds himself at such a level perceives as a kind of sound, as spiritual music. The spiritual forces express themselves in harmony and rhythm. However, this is not to be confused with external music. The spiritual world, the world of the heavens, resounds and rings out for the astral light. The initiate was introduced into this world. There he came to know the stages of human divinity, which humanity will only ascend in distant times. All of this became truth for him; he experienced it over the course of three and a half days.
[ 20 ] Unzählige Menschen haben in der Welt gelebt und leben noch, die wissen, daß das, was dem Menschen heute grotesk erscheint, ebenso eine Welt der Wirklichkeit ist, wie die, welche das äußere Ohr und das äußere Auge wahrnehmen kann. Wenn dann der Betreffende nach dreieinhalb Tagen wieder in die Sinnenwelt zurückgeführt war, wenn er bereichert mit dem Wissen vom geistigen Leben wieder einging in diese Welt, wenn er vorbereitet war dafür, ein Zeuge der geistigen Welt zu sein, dann war es immer nur ein einziges, ein gleiches Wort, das alle Eingeweihten beim Wiederbetreten der sinnlichen Welt sagten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht! Dies war die Empfindung, in die die Seele sich aushauchte nach der Einweihung, beim Wiederbetreten der gewöhnlichen sinnlichen Welt. Dies alles lebte in den Köpfen derjenigen, die die Einweihung zu leiten hatten. Später wurde, als das Schreiben nach und nach mehr Sitte wurde, auch manches aufgeschrieben. Es gab aber eine typische Beschreibung des Lebens eines Eingeweihten. Man sagte ungefähr: Derjenige, welcher eingeweiht, aufgenommen werden soll in die Kultstätten der Einweihung, hat sein Leben so und so einzurichten, und er hat die Erfahrung zu machen, die schließlich mit den Worten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht, ihren Abschluß fand.
[ 20 ] Countless people have lived in the world—and still live—who know that what seems grotesque to people today is just as much a world of reality as the one that the outer ear and the outer eye can perceive. When the person in question was then led back into the world of the senses after three and a half days, when he reentered this world enriched with the knowledge of spiritual life, when he was prepared to be a witness to the spiritual world—then there was always just one single, identical phrase that all initiates uttered upon reentering the sensory world: “O my God, how wonderfully you have made me!” This was the feeling into which the soul breathed itself after the initiation, upon re-entering the ordinary sensory world. All of this lived in the minds of those who were to conduct the initiation. Later, as writing gradually became more common, some things were also written down. But there was a typical description of the life of an initiate. It went something like this: The one who is to be initiated and admitted into the places of initiation must organize his life in such and such a way, and he must undergo the experience that ultimately culminated in the words: “O my God, how wonderfully you have made me.”
[ 21 ] Wenn Sie sich das Leben, wie es ein Eingeweihter durchmachen muß vor die Seele hinstellen können, so wie Sie sich das Leben eines Menschen vorstellen können, der in einem chemischen Laboratorium experimentieren will, dann würden Sie ein typisches Bild von dem Menschen, der sich höher entwickelt, bekommen. Dann würden Sie ein typisches Bild bekommen dessen, der auferweckt werden soll. Solche Einweihungsbücher hat es gegeben, oder sie haben wenigstens in den Köpfen derjenigen gelebt, die die Einweihung geJleitet haben. Wenn wir verstehen, daß es solche Bücher gegeben hat, dann werden wir uns nicht mehr wundern, wenn wir die verschiedensten Eingeweihten der verschiedenen Völker in ähnlicher Weise beschrieben finden. Darin liegt ein großes Geheimnis, darin ruht ein wunderbares Mysterium. Zu ihren Eingeweihten haben die Völker immer aufgesehen, soweit sie von ihnen gewußt haben. Was sie von ihnen erzählt haben, war nicht das, was der heutige Biograph von den großen Männern erzählt. Was sie erzählten, war der geistige Lebensgang, den der Eingeweihte erlebte. So werden wir verstehen, warum — wenn wir den Lebensgang von Hermes, Buddha, Zarathustra, Moses und Christus verfolgen — wir bei diesen Gestalten zu einem ähnlichen Lebensbilde kommen. Und warum? Weil sie dieses Leben leben mußten, wenn sie zum Eingeweihten werden wollten. Einfach das Lebensbild des Eingeweihten steht vor uns in dem Leben des Hermes, Zarathustra, und so weiter.
[ 21 ] If you can picture in your mind the life that an initiate must go through—just as you can imagine the life of a person who wants to conduct experiments in a chemistry lab—then you would get a typical picture of the person who is evolving to a higher level. Then you would gain a typical picture of the one who is to be raised up. Such books on initiation have existed, or at least they have lived on in the minds of those who have guided the initiation. If we understand that such books have existed, then we will no longer be surprised to find the most diverse initiates of various peoples described in similar ways. Therein lies a great secret; therein rests a wondrous mystery. The peoples have always looked up to their initiates, insofar as they knew of them. What they recounted about them was not what today’s biographers recount about great men. What they recounted was the spiritual life journey that the initiate experienced. Thus we will understand why—when we trace the life courses of Hermes, Buddha, Zarathustra, Moses, and Christ—we arrive at a similar picture of life in these figures. And why? Because they had to live this life if they were to become initiates. Simply put, the picture of the initiate’s life stands before us in the lives of Hermes, Zarathustra, and so on.
[ 22 ] In dem, was die äußere Struktur der Lebensbeschreibung ist, können wir überall das Bild des Eingeweihten sehen, und von hier aus können wir uns die Frage beantworten: Wer waren diejenigen, welche die Evangelien geschrieben haben? Sie finden auf diese Frage eine geisteswissenschaftliche Antwort in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Was ich hier nur mit kurzen Worten andeuten kann, finden Sie dort ausführlich dargelegt, und damit auch hingewiesen auf die geistige Glaubwürdigkeit der Evangelien, Es ist dargelegt, daß das, was in den Evangelien steht, alten Einweihungsbüchern entnommen ist. Natürlich unterschieden sich die Bücher, welche Eingeweihte über diese Dinge schrieben, durch Nebensächliches. In der Hauptsache aber kam der Inhalt immer auf dasselbe hinaus. Nur müssen wir uns klarmachen, daß die, welche die Evangelien geschrieben haben, nichts anderes hatten als solche alten Einweihungsbücher. Wenn wir dann das wirklich Darinstehende ansehen, dann können wir in den verschiedenen Evangelien verschiedene Formen der Initiation oder Einweihung erblicken. Und warum unterscheiden sie sich? Weil ihre Schreiber die Einweihung von verschiedenen Orten her kannten. Verstehen werden wir dies, wenn wir das Verhältnis der Männer, die die Evangelien verfaßt haben, zum Christus Jesus ansehen. Wir erlangen die beste Vorstellung, wenn wir uns an die schönen Worte erinnern, mit denen die Apokalypse beginnt. Der, welcher die Schrift des Johannes diktierte, wird genannt: das Erste und das Letzte, das Alpha und das Omega. Nichts anderes ist damit gemeint, als dasjenige, was — trotzdem die Zeiten und Formen der Welt sich wandeln von Menschengeschlecht zu Menschengeschlecht, von Menschenrasse zu Menschenrasse, von Planet zu Planet — als eine einheitliche, geistige Wesenheit immer vorhanden bleibt. Wenn wir dies immer vorhandenbleibende Wesen als das Göttliche bezeichnen und sehen, daß wir einen Funken davon in uns haben, so fühlen wir uns mit diesem Alpha und Omega verwandt, ja wir fühlen dieses als das letzte Ideal, zu dem sich das sich Entwickelnde immer mehr hinaufhebt. So wurde uns dieses Ewige in allen Zeiten, dieses Dauernde in allem Wechsel vorgeführt.
[ 22 ] In the external structure of the biographies, we can see the image of the initiate everywhere, and from this we can answer the question: Who were the people who wrote the Gospels? You will find a spiritual-scientific answer to this question in my book Christianity as a Mystical Fact. What I can only briefly hint at here is explained in detail there, thereby also pointing to the spiritual credibility of the Gospels. It is demonstrated that what is written in the Gospels is taken from ancient books of initiation. Of course, the books that initiates wrote about these matters differed in minor details. But in essence, the content always amounted to the same thing. We must simply realize that those who wrote the Gospels had nothing other than such ancient initiation texts. If we then look at what is actually written there, we can discern different forms of initiation in the various Gospels. And why do they differ? Because their authors knew initiation from different perspectives. We will understand this when we consider the relationship of the men who composed the Gospels to Christ Jesus. We gain the best understanding when we recall the beautiful words with which the Apocalypse begins. The one who dictated the writing of John is called: the First and the Last, the Alpha and the Omega. This refers to nothing other than that which—even though the times and forms of the world change from generation to generation, from race to race, from planet to planet—always remains present as a unified, spiritual entity. When we designate this ever-present being as the Divine and realize that we possess a spark of it within us, we feel a kinship with this Alpha and Omega; indeed, we perceive it as the ultimate ideal toward which the evolving world continually ascends. Thus has this Eternal One been revealed to us throughout all ages, this enduring presence amidst all change.
[ 23 ] Nun müssen wir uns an den Sprachgebrauch erinnern, der ganz aus unserem Bewußtsein verschwunden ist. Ich möchte Ihnen das, worum es sich handelt, mit ein paar Worten vorführen. Heute ist der Name, den wir dem Menschen geben, mehr oder weniger gleichgültig. Wir fühlen keinen rechten Zusammenhang zwischen dem Menschen und seinem Namen. Je weiter zurück man geht, desto bedeutungsvoller und wesentlicher wird der Name, man legte Wert auf gewisse Gesetze, durch die der Mensch einen Namen bekommt. Ich brauche nur zu erinnern, daß es nicht sehr lange her ist, als noch die Gepflogenheit bestand, daß man in den Kalender schaute und dem neugeborenen Kinde den Namen gegeben hat, der am Tage seiner Geburt im Kalender stand. Man nahm an, daß das Kind sich hingedrängt fühlte zur Geburt an dem Tage, der diesen Namen trug. Derjenige, welcher die Einweihung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe, hat einen neuen Namen erhalten, den Einweihungsnamen, und dieser bezeichnete seine innere Wesenheit, bezeichnete das, was er bedeutet in der Welt, das als was ihn der Führer erkannte. Dieser Name war mit seinem Wesen verknüpft und drückte das aus, was nur die innere Wesenheit angeht.
[ 23 ] Now we must recall a usage of language that has completely vanished from our consciousness. I would like to illustrate what this is about in a few words. Today, the name we give a person is more or less irrelevant. We don’t feel any real connection between a person and their name. The further back in time we go, the more meaningful and essential the name becomes; people attached great importance to certain rules governing how a person received a name. I need only remind you that it was not very long ago that the custom still existed of looking in the calendar and giving the newborn child the name that appeared in the calendar on the day of its birth. It was believed that the child felt compelled to be born on the day that bore that name. The person who underwent the initiation I have described received a new name—the initiation name—and this name denoted his inner being, denoted what he signifies in the world, that which the guide recognized him to be. This name was linked to his essence and expressed that which pertains solely to the inner being.
[ 24 ] Nun erinnern Sie sich, daß in der Bibel, im Neuen Testamente, die mannigfaltigsten Aussprüche Jesu angeführt werden. Derjenige nur dringt tiefer in diese Schriften ein, der vom Gesichtspunkte des Eingeweihten an dieselben herangeht und der von der Namengebung auch etwas versteht. Man bezeichnete zum Beispiel jemanden, wenn man ihn geistig bezeichnen und ausdrücken wollte, daß er noch auf niederer Stufe steht, mit einem Ausdrucke, der hergenommen war von den Eigenschaften des Astralleibes; wenn er höher stand, mit Ausdrücken, die hergenommen waren von Eigenschaften des Ätherleibes. Wollte man das Typische ausdrücken, dann nahm man Ausdrücke, die von Eigenschaften des physischen Leibes hergenommen sind. So hatten die alten Namen eine Beziehung zu den Menschen und drückten so recht eigentlich das Wesen aus. Erinnern wir uns jetzt, wie oft in den Evangelien Worte des Jesus vorkommen, wo er sich als etwas Bestimmtes bezeichnet — namentlich im Johannes-Evangelium können Sie solches finden. Wir können sie vielfach zurückführen auf ein Wort, auf das Wörtchen Ich. Erinnern Sie sich an das, was ich schon öfter in diesen Vorträgen ausgeführt habe:
[ 24 ] Now, remember that the Bible, in the New Testament, contains a wide variety of sayings attributed to Jesus. Only those who approach these writings from the perspective of an initiate—and who also understand something about the significance of names—can gain a deeper insight into them. For example, when one wished to describe and express someone spiritually—indicating that they were still at a lower level—one used an expression derived from the qualities of the astral body; if they were at a higher level, one used expressions derived from the qualities of the etheric body. If one wished to express the typical, one used expressions derived from the qualities of the physical body. Thus, the ancient names had a connection to human beings and truly expressed their essence. Let us now recall how often words of Jesus appear in the Gospels in which he describes himself as something specific—you can find such examples particularly in the Gospel of John. In many cases, we can trace them back to a single word—the little word “I.” Recall what I have already explained on several occasions in these lectures:
[ 25 ] Man unterscheidet vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Dieses Ich wird immer größer und größer, dieses Ich ist so, daß es sich zur Einweihung hinaufentwickelt, dieses Ich ist unvollkommen beim wenig entwickelten Menschen, gewaltig und vollkommen beim Eingeweihten. Wenn nun Christus im Johannes-Evangelium oftmals hindeutet darauf, daß er identisch sei mit dem «Ich-bin», wenn er sich bezeichnet als denjenigen, der da eins ist mit der tiefsten Wesenheit des Menschen in dem Satze «Ich und der Vater sind eins», wenn Sie das nehmen, so werden Sie es nun verstehen können von dieser Namengebung aus, weil er das Ewige in sich schließt, nicht weil er ein gewöhnlicher Mensch war und er mit diesem Ich den gewöhnlichen Menschen bezeichnete, sondern weil er etwas war, das über den gewöhnlichen Menschen hinausging, weil er Christus, das Alpha und Omega war. So sahen die, welche in jener Zeit lebten, in ihm ein göttliches Wesen, das den physischen Leib trug, ein Wesen, für das ebenso gleichgültig ist der physische Leib und ebenso wichtig das Geistige, wie für den physischen Menschen der physische Leib höchst bedeutsam und unwichtig das Geistige ist. Das Hervorstechende beim Menschen wurde sein Name, und wenn wir dieses noch weiter bedenken, dann verstehen wir noch etwas anderes — Sie werden von da den Weg finden in manches Mysterium der Bibel —, wir verstehen, was es zu bedeuten hat, als Moses dem Jehova gegenüberstand und Jehova ihn zum Gesandten für das Volk machen will und Moses erwiderte: Was soll ich ihnen sagen, wer mich gesandt hat? - Und wir hören die bedeutungsvollen Worte: Sage, der «Ich-bin» hat dich gesandt. — Auf welche Wesenheit deutet hier Jehova selbst hin? Auf das, was im wesentlichen im tiefsten Inneren jeder Menschenwesenheit liegt. Gelangen wir an das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, so sehen wir, daß dasIch ein Name ist,den wir uns selbst geben müssen.Das Göttliche muß selbst sprechen, das Göttliche, das an einem Punkte zu sprechen beginnt, das als kleiner, unbedeutender Keim im Menschen lebt und zu unendlicher Größe entwickelt werden kann. Das ist es, was gemeint ist, was dem Moses den Auftrag gab und sagte: Sage ihnen, «Der Ich-bin» hat dich gesandt. Das, was wie ein göttlicher Keim in jeder menschlichen Seele liegt, das, was im physischen, Äther- und Astralleib eingehüllt ist wie ein Punkt, zu dem wir «Ich-bin» sagen, das, was noch unbedeutend über sie emporwächst und was noch unbedeutend in uns emporlebt, werden wir nicht als das Geringe in unserer Wesenheit bezeichnen, sondern als das Wichtigste. Das Wesentliche ist es, das im Menschen lebt und das den Moses schicken will, indem es sagt: «Ich bin der Ich-bin.»
[ 25 ] A distinction is made between four aspects of the human being: the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.” This “I” grows ever larger; it is such that it evolves toward initiation; it is imperfect in the less-developed human being, but mighty and perfect in the initiate. Now, when Christ in the Gospel of John frequently indicates that he is identical with the “I Am,” when he describes himself as the one who is one with the deepest essence of the human being in the statement “I and the Father are one”—if you take this into account, you will now be able to understand it from the perspective of this naming, because it encompasses the Eternal—not because he was an ordinary human being and used this “I” to refer to ordinary people, but because he was something that transcended the ordinary human being, because he was Christ, the Alpha and the Omega. Thus, those who lived in that time saw in him a divine being who wore a physical body—a being for whom the physical body is just as indifferent and the spiritual just as important as the physical body is of the utmost significance and the spiritual of no importance to the physical human being. What stood out most about this man was his name, and if we reflect on this further, we come to understand something else—from there you will find your way into many a mystery of the Bible—we understand what it means when Moses stood before Jehovah and Jehovah wanted to make him a messenger for the people, and Moses replied: “What shall I tell them—who sent me?” - And we hear the meaningful words: “Say, ‘I Am’ has sent you.”—To which essence is Jehovah himself pointing here? To that which essentially lies in the deepest inner core of every human being. When we reach the fourth member of the human being, we see that the “I” is a name we must give ourselves. The Divine must speak for itself—the Divine that begins to speak at a single point, that lives within the human being as a small, insignificant seed and can be developed into infinite greatness. This is what is meant, what gave Moses his mission and said: “Tell them, ‘I Am’ has sent you.” That which lies like a divine seed in every human soul, that which is enveloped in the physical, etheric, and astral bodies like a point to which we say “I Am,” that which still grows insignificantly above them and which still lives insignificantly within us—we shall not describe this as the least significant part of our being, but as the most important. It is the essential that lives within the human being and that seeks to send Moses, saying, “I am the I Am.”
[ 26 ] So sehen Sie, welch tiefer Sinn in solcher Namengebung steckt, und wenn hingedeutet wurde auf dieses «Ich bin», dann wurde zu gleicher Zeit auch immer hingedeutet auf denjenigen Punkt in der Menschheitsentwicklung, den ich auch schon in diesen Vorträgen erwähnt habe und der auch in der Bibel angedeutet wird, nämlich den Punkt, wo der physische Mensch beseelt wird. Ofter habe ich schon auseinandergesetzt, wie das, was heute der physische Mensch ist, sich von niederen Stufen heraufentwickelt hat, wie er sich dadurch, daß er mit einer Seele, die von der Gottheit herunterstieg, begabt wurde, sich weiterentwickeln konnte. Was aus dem Schoße der Gottheit herunterstieg, hat sich hineingesenkt in den physischen Leib und hat den physischen Leib weiterentwickelt. Dieser Moment ist auch in der Bibel angedeutet. Sie lehrt ihn mit ein paar Worten. Vor jenem Momente, der sich in Wirklichkeit über lange Zeiträume erstreckt hat, hatte jener menschliche Körper nicht das, was man brauchte, um das Ich zur Entfaltung zu bringen, nicht das, was man als physischer Mensch auch heute notwendig gebraucht. In jener Zeit atmeten die Menschenvorfahren noch nicht durch Lungen, in jener Zeit entwickelte der Mensch aus einem schwimmblasenartigen Organ heraus seine Lunge. Er lernte da erst die Lungenluftatmung, und von diesem Vorgange ab gab es erst die Beseelung des menschlichen Körpers. Denken Sie sich diesen Vorgang zusammengedrängt in einen Satz, so haben Sie das biblische Wort: Und Gott blies dem Menschen den Odem ein und er ward eine lebendige Seele. Dadurch, daß der Mensch als physisches Wesen atmen lernte, war er befähigt, die Seele aufzunehmen. Gehen wir auf die Bedeutung des Jehovah-Namens zurück, dann finden wir, daß Jehovah soviel heißt wie «Wehen», daß die Luft dahinweht. Es ist im Worte Jahve nichts anderes ausgedrückt als der wehende Atem, mit dem der Ichgeist in den Menschen einzieht. So wird in diesem Namen dargestellt, wie der wehende Atem seine Wesenheit in dem Satze ausdrückt: «Ich bin der Ich-bin», der einen Teil seiner Wesenheit hineingießt in den Menschen. Es wird uns ein wahrer Weltenvorgang da vorgeführt. So wird uns zur wahren Tatsache jenes Ewige, das in der Menschennatur lebt. Ob wir den Menschen von heute oder den Menschen vor tausenden von Jahren nehmen, das Ichwesen war da vor allen Zeiten. Denken Sie sich das Ichwesen in seiner höchsten Offenbarung, wo alles Außere unwesentlich ist, denken Sie sich, daß ein Mensch das Innerste so groß und gewaltig erkennt, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die alten Christus-Anhänger von dem Christus machten. Was da in den ältesten Zeiten nur als Funke lebte, in höchster Glorie lebte es in Jesus von Nazareth. Er war, weil er der höchste Göttliche war, der höchste Eingeweihte, daher das Wort: «Ehe denn Abraham ward, bin Ich.» Er ist in körperlicher Gestalt dasjenige, was da ist, ehe Abraham war, was da ist, ehe Abraham, Isaak und Jakob waren, er ist das, was als das größte Menschheitsideal vor dem steht, der sich entwickeln will, vor dem, der die Worte der Bergpredigt befolgt: «Selig sind diejenigen, die da sind Bettler im Geist, denn sie werden in sich finden die Reiche der Himmel.» Nehmen wir dieses Wort so, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die Christus-Anhänger damals machten. Was konnten sie von diesem höchsten inkarnierten Gott für eine Lebensbeschreibung geben? Wo war eine Lebensbeschreibung, die seiner würdig war? Das war die Lebensbeschreibung, die man im Einweihungskanon gab, demjenigen Kanon, der die Regeln enthielt, nach denen der Einzuweihende initiiert werden sollte. Wie man sieht, war es so: Willst du eingeweiht werden, dann hast du von Lebensstufe zu Lebensstufe das und das durchzumachen bis zur höchsten Stufe, die angedeutet ist mit den Worten: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht! . . .
[ 26 ] So you can see what profound meaning lies behind such naming, and whenever reference was made to this “I Am,” reference was also always made at the same time to that point in human development which I have already mentioned in these lectures and which is also alluded to in the Bible—namely, the point at which the physical human being is endowed with a soul. I have often explained how what is today the physical human being evolved from lower stages, and how, by being endowed with a soul that descended from the Divine, it was able to develop further. What descended from the bosom of the Divine sank into the physical body and further developed the physical body. This moment is also alluded to in the Bible. It teaches about it in just a few words. Before that moment—which in reality spanned long periods of time—the human body lacked what was needed to bring the “I” to full development, and it lacked what the physical human being still needs today. At that time, human ancestors did not yet breathe through lungs; at that time, human beings developed their lungs from a swim-bladder-like organ. It was only then that they learned pulmonary respiration, and it was only from this process onward that the human body became animated. If you condense this process into a single sentence, you have the biblical phrase: “And God breathed into the man the breath of life, and he became a living soul.” It was through learning to breathe as a physical being that humanity became capable of receiving the soul. If we return to the meaning of the name Jehovah, we find that Jehovah means “to blow,” that the air blows forth. The word Yahweh expresses nothing other than the blowing breath with which the I-spirit enters into human beings. Thus, this name depicts how the blowing breath expresses its essence in the statement: “I am the I-am,” who pours a part of his essence into human beings. A true cosmic process is revealed to us here. Thus, that which is eternal and lives within human nature becomes a true reality for us. Whether we consider people of today or people from thousands of years ago, the “I”-being has existed since time immemorial. Imagine the I-being in its highest revelation, where everything external is insignificant; imagine that a human being recognizes the innermost essence as so great and mighty—then you have the conception that the ancient followers of Christ held of Christ. What existed in the earliest times only as a spark lived in its highest glory in Jesus of Nazareth. He was—because he was the highest Divine—the highest initiate; hence the words: “Before Abraham was, I am.” In physical form, He is that which existed before Abraham, that which existed before Abraham, Isaac, and Jacob; He is that which stands as the greatest ideal of humanity before those who wish to develop themselves, before those who follow the words of the Sermon on the Mount: “Blessed are those who are poor in spirit, for they shall find within themselves the kingdoms of heaven.” If we take this saying at face value, then you have the conception that the followers of Christ held at that time. What kind of biography could they provide of this supreme incarnate God? Where was a biography worthy of him? That was the biography given in the Initiation Canon—the canon that contained the rules according to which the initiate was to be initiated. As you can see, it was like this: If you wish to be initiated, then you must go through this and that from one level of life to the next, up to the highest level, which is indicated by the words: “My God, my God, how you have glorified me!” . . .
[ 27 ] [Hier bricht die Nachschrift ab.]
[ 27 ] [The postscript ends here.]
