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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

24 October 1907, Berlin

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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

3. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

3. Understanding the Soul and the Spirit

[ 1 ] Der ganze Zyklus dieser Vorträge ist gewidmet der Erkenntnis des Geistes, und wenn heute im besonderen gesprochen werden soll über die Erkenntnis des Geistes und der Seele, so geschieht das deshalb, weil wir uns dadurch in einer gewissen Weise verständigen können über den Begriff des Geistes selbst, indem wir ihn in Beziehung bringen, in ein Verhältnis setzen zu dem Begriff der Seele. Denn für solche, welche sich mit der Geisteswissenschaft beschäftigen, wirkt es in unserer Gegenwart besonders störend, daß bei der Betrachtung des Menschen die beiden Begriffe Geist und Seele fortwährend durcheinandergeworfen werden.

[ 1 ] This entire series of lectures is devoted to the understanding of the spirit, and if today we are to speak specifically about the understanding of the spirit and the soul, it is because this allows us, in a certain way, to come to an understanding of the concept of the spirit itself by relating it to the concept of the soul. For those engaged in spiritual science, it is particularly disruptive in our time that, when considering the human being, the two concepts of spirit and soul are constantly conflated.

[ 2 ] Sie alle wissen wohl, daß wir eine sogenannte Psychologie oder Seelenwissenschaft haben, die heute in verhältnismäßig großem Umfang schulmäßig betrieben wird. In den Vorlesungsverzeichnissen der Hochschulen finden Sie auch Vorlesungen über Psychologie, was wörtlich die Lehre, die Kunde von der Seele wäre. Dabei ist zu bemerken, daß bei allen, die in solcher Art von Psychologie oder Seelenwissenschaft reden, kein deutliches Bewußtsein davon vorhanden ist, daß man beim Menschen sprechen muß von Seele und Geist. Es wird alles, was mit des Menschen Innenleben, also, wenn wir die Ausdrücke gebrauchen dürfen, mit des Menschen Denken, Fühlen und Wollen in Zusammenhang gebracht wird, betrachtet unter dem Begriff der Seele. Seele gilt geradezu als der Gegensatz zum Leiblichen und Körperlichen beim Menschen, und man sagt — wenn man sich überhaupt zu so etwas herbeiläßt, wenn man nicht einer vollkommen materialistischen Denkweise verfallen ist —, der Mensch bestehe aus Leib und Seele.

[ 2 ] You are all no doubt aware that we have what is known as psychology, or the science of the soul, which is taught in schools on a relatively large scale today. In college course catalogs, you will also find courses on psychology, which literally means the study or knowledge of the soul. It should be noted, however, that among all those who speak of this kind of psychology or science of the soul, there is no clear awareness that, when it comes to human beings, one must speak of the soul and the spirit. Everything associated with a person’s inner life—that is, if we may use these terms, a person’s thinking, feeling, and willing—is regarded under the concept of the soul. The soul is regarded as the very opposite of the physical and corporeal aspects of the human being, and it is said—if one is willing to entertain such a notion at all, that is, if one has not succumbed to a completely materialistic way of thinking—that the human being consists of body and soul.

[ 3 ] Wir wollen zunächst nur diejenigen Meinungen berücksichtigen, welche sich auf den Standpunkt stellen, daß die Seele ein wirkliches Wesen ist. Wenn gesagt wird, daß der Mensch aus Leib und Seele besteht, so ist man sich meist gar nicht der Tatsache bewußt, daß man damit einer verhältnismäßig spät, im Verlaufe der christlichen Entwickelung herausgebildeten Dogmatik zum Opfer fällt. Sogar das ältere Christentum, das noch von den Weisheitslehren ausgegangen ist, unterschied, wie alle Weisheitslehren der verschiedenen Zeiten und Völker, in der menschlichen Wesenheit Leib, oder Körper, Seele und Geist. Erst spätere Konzilbeschlüsse haben sozusagen den Geist abgeschafft, und erst seit dem Konzil von Konstantinopel spricht man nur von Leib und Seele. Die moderne Gelehrsamkeit, die sich überhaupt mit so etwas befaßt, die also nicht materialistisch denkt, glaubt, auf dem Boden völlig freier Forschung zu stehen und ahnt gar nicht, daß sie nur diesen späteren christlichen Begriff der Seele, der vom Geist absieht, als Vorurteil, als vorgefaßte Meinung in sich aufgenommen hat. So ist es überhaupt mit vielen Begriffen, welche in unserer Gelehrsamkeit figurieren und so hingenommen werden, als wenn sie wirklich ein Ergebnis der Forschung wären, während sie nur ein jahrhundertealtes Vorurteil bedeuten.

[ 3 ] For now, we will consider only those views that take the position that the soul is a real entity. When it is said that human beings consist of body and soul, people are usually completely unaware that they are thereby falling prey to a dogma that developed relatively late in the course of Christian history. Even early Christianity, which still drew upon the wisdom traditions, distinguished—as did all wisdom traditions of various times and peoples—between body, soul, and spirit within the human being. It was only later council decrees that, so to speak, abolished the spirit, and it is only since the Council of Constantinople that one speaks solely of body and soul. Modern scholarship—that which deals with such matters at all, and thus does not think materialistically—believes it stands on the ground of completely free research and has no inkling that it has merely internalized this later Christian concept of the soul, which disregards the spirit, as a prejudice, as a preconceived notion. This is generally the case with many concepts that feature in our scholarship and are accepted as if they were truly the result of research, whereas they represent nothing more than a centuries-old prejudice.

[ 4 ] Nun werden wir uns die landläufige Psychologie selber ansehen in den verschiedensten Richtungen. Es soll hier aber nicht kritisiert, sondern nur charakterisiert werden. Die Psychologie hat, das dürfen wir wohl sagen, am meisten und gründlichsten unter der materialistischen Gesinnung und Denkungsweise gelitten. Nach und nach ist nämlich nicht nur der äußeren Wissenschaft von den Sinneserscheinungen der Begriff des Geistes verlorengegangen, sondern der Psychologie ist sogar der Begriff der Seele, das heißt ihr eigener Gegenstand, verlorengegangen. Es ist eine interessante Entwickelung, die das Geistesleben da durchgemacht hat. Ein kühner Forscher und Denker, der auf manchem Gebiete ganz Außerordentliches geleistet hat, hat den Mut gehabt, auch auszusprechen, was bei anderen sozusagen bloß eine Grundgesinnung und Grundempfindung innerhalb der modernen Psychologie ist. Dieser kühne Denker war Friedrich Albert Lange. Sie alle können heute in Reclams Universalbibliothek seine «Geschichte des Materialismus» erhalten. Es ist dies ein ausgezeichnetes Buch, weil gerade derjenige, der es gründlich studiert, wenn er überhaupt denkt, zu der Überzeugung kommen muß — ich habe das im letzten Vortrage ausgeführt —, daß der Materialismus als Weltanschauung zu vergleichen ist einem Mann, der sich durch eigene Kraft am eigenen Haarschopf in die Höhe zieht. Dieser Friedrich Albert Lange hat in bezug auf die Seelenkunde etwas ausgesprochen, das sich in drei Worte zusammenfassen läßt: «Psychologie ohne Seele.» Das ist von Friedrich Albert Lange. Diese Konsequenz haben andere Forscher sich nicht auszusprechen getraut; aber sie handeln und forschen in der Psychologie so, als ob ein Begriff der Seele sie nichts anginge. Auch heute werden Sie allerlei Begriffe über die Seele in den berühmtesten Werken der Schulpsychologie finden. Wenn Sie aber wirklich etwas erfahren und erkennen wollen über die Seele, werden Sie sich vergeblich dort Rat holen, denn diese Psychologie hat — das soll keine Kritik, sondern nur eine Charakteristik sein — den Begriff Seele vollständig verloren, wenn dies auch nicht immer ausgesprochen wird. Ob Sie bei Wundt oder anderen sich Rat holen, über diejenigen Fragen, die den Menschen interessieren in bezug auf das Leben der Seele, erhalten Sie nirgends Auskunft. Sie finden allerlei Fragen beantwortet über die Art und Weise, wie die Menschen Gegenstände in ihrer Umgebung wahrnehmen. Sie finden auch allerlei Spekulationen darüber, wie sich die Wahrnehmung zum Bewußtsein verhält. So frägt man zum Beispiel: Wie lange dauert es, bis der Mensch, nachdem er einen Reiz empfangen hat, diesen zum Bewußtsein erhebt? Sie finden da Fragen behandelt über die Aufmerksamkeit, Fragen darüber, wie der Mensch urteilt, wie er die Dinge miteinander vergleicht, wie er sich erinnert und so weiter. Aber wer könnte ableugnen, daß die unbefangen empfindende Seele — jetzt im gewöhnlichen Sinne gemeint —, wenn sie nach ihrer eigenen Wesenheit fragt, vor allen Dingen eines im Auge hat: Was ist das Wesen dieser meiner Seele? Teilt sie das Schicksal des Körperlichen, zu zerfallen und aufzuhören, wenn der Tod eintritt? Nimmt sie nur teil an dem Leben der sinnlichen Umgebung oder nimmt sie teil an einem weit höheren, einem übersinnlichen Leben, das nicht in der physischen Welt sich erschöpft? Diese Fragen, die für die Menschen Lebensfragen sind, werden Sie vergeblich in den heutigen Psychologien auch nur als Fragen suchen. Alles im Menschenleben weist auf sie hin; aber wenn das wirkliche Wesen der Seele in Betracht kommt, so sagt man, das gehe über die Grenzen der menschlichen Erkenntnis hinaus.

[ 4 ] Now we will examine popular psychology itself in its various forms. However, the aim here is not to criticize it, but merely to characterize it. Psychology, we may well say, has suffered the most and most profoundly from the materialistic mindset and way of thinking. Gradually, not only has the concept of the spirit been lost to the external science of sensory phenomena, but psychology has even lost the concept of the soul—that is, its very subject matter. It is an interesting development that spiritual life has undergone in this regard. A bold researcher and thinker, who achieved extraordinary things in many fields, had the courage to articulate what for others is, so to speak, merely a fundamental attitude and sentiment within modern psychology. This bold thinker was Friedrich Albert Lange. You can all obtain his *History of Materialism* today in Reclam’s Universal Library. This is an excellent book because anyone who studies it thoroughly—if they think at all—must come to the conviction—as I explained in my last lecture—that materialism as a worldview can be compared to a man who pulls himself up by his own hair through his own strength. This Friedrich Albert Lange made a statement regarding the study of the soul that can be summed up in three words: “Psychology without a soul.” That is from Friedrich Albert Lange. Other researchers have not dared to voice this conclusion; yet they act and conduct research in psychology as if the concept of the soul were none of their concern. Even today, you will find all sorts of concepts regarding the soul in the most famous works of academic psychology. But if you truly wish to learn and understand something about the soul, you will seek advice there in vain, for this psychology has—and this is not meant as a criticism, but merely as a characterization—completely lost the concept of the soul, even if this is not always explicitly stated. Whether you turn to Wundt or others for guidance on the questions that interest people regarding the life of the soul, you will find no answers anywhere. You will find all sorts of questions answered regarding the way people perceive objects in their environment. You will also find all sorts of speculations about the relationship between perception and consciousness. For example, one might ask: How long does it take for a person, after receiving a stimulus, to bring it into consciousness? You will find questions addressed there concerning attention, questions about how people make judgments, how they compare things with one another, how they remember, and so on. But who could deny that the unbiased, perceiving soul—taken here in the ordinary sense—when it inquires into its own nature, has one thing above all else in mind: What is the nature of this soul of mine? Does it share the fate of the physical body, to decay and cease to exist when death occurs? Does it merely participate in the life of the sensory environment, or does it participate in a far higher, supersensory life that is not limited to the physical world? You will search in vain for these questions—which are questions of life itself for human beings—even as questions in today’s psychological theories. Everything in human life points to them; but when the true nature of the soul is considered, it is said that this goes beyond the limits of human knowledge.

[ 5 ] Wenn Sie ein wenig Geduld haben und sich eine solche Psychologie ansehen, werden Sie gewahr, daß ganz genau dieselben Methoden und Forschungsweisen, die heute gegenüber der physischen Natur, dem Leben um uns herum, geltend gemacht werden, und die man gewohnt geworden ist, die naturwissenschaftlichen Methoden zu nennen, auch auf die Seelenforschung angewendet werden. Ja, wenn man diese Methoden anwendet, so kann eben nichts anderes herauskommen, als was uns in dieser psychologischen Literatur entgegentritt. Mehr als auf irgendeinem anderen Gebiete handelt es sich in der Seelenforschung darum, wer diese Forschungen anstellt. Da, wo man materialistisch denkt, ist man immer mehr zu der Überzeugung gekommen, daß die Forschungsergebnisse nur von der Art sein können, daß sie jedem von außen entgegentreten. Wer versteht heute noch ganz und gründlich den Sinn der schönen Goetheschen Worte:

[ 5 ] If you have a little patience and take a look at this kind of psychology, you will realize that the very same methods and research approaches that are applied today to the physical world—to the life around us—and which we have come to call “scientific methods,” are also applied to the study of the soul. Indeed, when these methods are applied, nothing else can result but what we encounter in this psychological literature. More than in any other field, the question in the study of the soul is who is conducting this research. Where materialistic thinking prevails, people have become increasingly convinced that the results of such research can only be of a nature that confronts everyone from the outside. Who today still fully and thoroughly understands the meaning of Goethe’s beautiful words:

Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?
Läg’ nicht in uns des Gottes eigene Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?

If the eye were not like the sun,
How could we see the light?
If God’s own power did not dwell within us,
How could the divine delight us?

[ 6 ] Nichts tritt uns in der Außenwelt entgegen, wenn wir nicht mit dem betreffenden Ding oder Wesen oder mit der betreffenden Kraft in der Außenwelt verwandt sind, wenn wir nicht etwas damit Verwandtes in uns selbst tragen. So kann auch nur derjenige die Seele erforschen, der außerhalb seines Selbst etwas aufsucht, was er in sich selber erlebt, erfahren hat. Nicht ein jeder — das muß insbesondere in bezug auf die Seelenforschung betont werden — kann Psychologe sein; denn der Mensch merkt nur so viel von den Geheimnissen der anderen Seelen, als in ihm selbst Wirklichkeit geworden ist.

[ 6 ] Nothing in the external world comes to meet us unless we are connected to the thing, being, or force in question in the external world, unless we carry within ourselves something related to it. Thus, only those who seek outside themselves something they have experienced within themselves can explore the soul. Not everyone—and this must be emphasized particularly with regard to the study of the soul—can be a psychologist; for a person perceives only as much of the mysteries of other souls as has become a reality within himself.

[ 7 ] Die Geisteswissenschaft, sagten wir gleich am Anfang, beschäftigt sich mit dem Geist als solchem. Und alle diese Vorträge sind der Betrachtung des Geistes gewidmet. Wie die Titel im einzelnen auch heißen mögen, der Geist soll überall gesucht werden. Wie schon aus dem Vortrag hervorgeht, der vor vierzehn Tagen hier gehalten worden ist, wird die Geisteswissenschaft zu zeigen haben, daß hinter allem, was uns entgegentritt, Geist lebt und Geist wirkt.

[ 7 ] As we said right at the beginning, spiritual science deals with the spirit as such. And all of these lectures are devoted to the study of the spirit. Whatever the specific titles may be, the spirit is to be sought in all of them. As is already evident from the lecture given here fourteen days ago, the science of the spirit will have to show that behind everything we encounter, the spirit lives and works.

[ 8 ] Was ist der Geisteswissenschaft die Materie? Nur eine andere Form des Geistes! Spricht die Geisteswissenschaft von Materie, Stoff und Körper, so spricht sie davon so, wie sie von Eis in Beziehung auf Wasser spricht. Eis ist Wasser in anderer Form. Nun könnte aber jemand kommen und sagen: Dann leugnet ja die Geisteswissenschaft die Materie und die Körperlichkeit, wenn sie behauptet, alles sei Geist — und dann gibt es für die Geisteswissenschaft keine Materie. Auf diesem sonderbaren Standpunkt steht die Geisteswissenschaft keineswegs. Bleiben wir bei unserem Vergleich von Eis und Wasser. Dasjenige, was in Betracht kommt für das Leben, das sind nicht leere Worte, nicht leere Definitionen, sondern Wirkungen, denen Sie im Leben begegnen. Wenn man auch sagt, Eis sei Wasser in anderer Form — und man hat damit vollständig recht —, so sind doch die Wirkungen des Wassers andere als die von Eis, wie jeder bemerken kann, wenn er sich ein Stück Eis auf die Hand legt, statt Wasser darauf zu schütten. Wer leugnen wollte, daß Eis Wasser ist in anderer Form, der würde sich gründlich blamieren. So fällt es auch der Geisteswissenschaft nicht ein, die Materie zu leugnen. Sie ist da, nur ist sie Geist in anderer Form. Und in welcher Form? In der Form, daß sie von außen durch die Sinne beobachtet, angeschaut werden kann. Das ist das Wesentliche an der Materie. Da knüpft sich der heutige Vortrag an den vor acht Tagen an, wo wir haben zeigen können, wie jede materialistische Anschauung vor dem Fortschritt der Naturwissenschaft in Nichts zerfällt, wie sich der phantastische Begriff der Materie durch die neuen Forschungen in Dunst und Nebel auflöst. Das, was vor dreißig Jahren noch ein sicherer Begriff war, wie Äther, Materie, das zerstiebt heute vor den weiteren Forschungen. Und was bleibt uns übrig von dem, was in der Außenwelt an uns herantritt? Das, was wir sehen und hören, Ton, Farbe, Wärme und so weiter: das, was wir wahrnehmen. So gut wir nur können, sollen wir uns aufschwingen zu der Anschauung, daß hinter der Wärme, hinter dem Ton, hinter dem Licht nichts ist von diesem schrecklich brutalen Wirbeln von Atomen, das während der langen Zeit des Materialismus das einzig Wirkliche war. Wirklich ist in diesem Sinne das, was wir sehen, was wir hören, was wir als Wärme empfinden. Und wenn wir hinter die Farbe, hinter den Ton, hinter die Wärme, wie wir sie empfinden, schauen, was finden wir dahinter? Wir finden dahinter, wenn wir den Ton nehmen, solange er in der sinnlichen Welt bleibt, bewegte Luft. Aber wir dürfen nicht hinter die sinnliche Welt gehen mit unseren Spekulationen. Wir müssen in der Sinneswelt stehenbleiben. Ein gewaltiges Wort hat wiederum einer ausgesprochen, der von den Gelehrten nicht für voll genommen wird, der nicht nur Dichter, sondern auch Denker war, das große Wort: «Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre.»

[ 8 ] What is matter to spiritual science? Merely another form of spirit! When spiritual science speaks of matter, substance, and the body, it speaks of them in the same way that it speaks of ice in relation to water. Ice is water in another form. Now, someone might come along and say: Then spiritual science denies matter and physicality when it asserts that everything is spirit—and thus, for spiritual science, there is no matter. Spiritual science by no means takes this peculiar position. Let us stick with our comparison of ice and water. What matters for life are not empty words, not empty definitions, but effects that you encounter in life. Even if one says that ice is water in another form—and one is entirely correct in doing so—the effects of water are still different from those of ice, as anyone can observe by placing a piece of ice on their hand instead of pouring water on it. Anyone who were to deny that ice is water in another form would thoroughly embarrass themselves. Similarly, it would never occur to spiritual science to deny matter. It exists; it is simply spirit in another form. And in what form? In the form that it can be observed and perceived from the outside through the senses. That is the essential nature of matter. Today’s lecture thus follows on from the one eight days ago, in which we were able to show how every materialistic view crumbles into nothing in the face of the progress of natural science, and how the fanciful concept of matter dissolves into mist and fog as a result of new research. What was still a certain concept thirty years ago—such as ether and matter—is now shattering in the face of further research. And what remains to us of what approaches us from the external world? That which we see and hear—sound, color, warmth, and so on—that which we perceive. As best we can, we should strive to embrace the view that behind warmth, behind sound, behind light, there is nothing of that terribly brutal swirling of atoms that, during the long era of materialism, was considered the only reality. In this sense, what is real is what we see, what we hear, and what we perceive as warmth. And when we look beyond color, beyond sound, beyond warmth as we perceive it, what do we find behind them? If we take sound, for example, as long as it remains within the sensory world, we find moving air. But we must not venture beyond the sensory world with our speculations. We must remain within the sensory world. A powerful statement was made by someone who is not taken seriously by scholars—a man who was not only a poet but also a thinker—the great statement: “Let us seek nothing behind the phenomena; they themselves are the teaching.”

[ 9 ] Wenn wir hinter den Ton, hinter das Licht gehen, so finden wir nicht materielle Atome, welche in unsere Netzhaut eintauchen, sie imprägnieren und durch dieses Imprägnieren die Vorstellung der Farbe und des Lichtes hervorbringen. Wenn wir wirklich dahinterschauen, was finden wir da? — Geist! Farbe verhält sich zum Geist wie Eis zu Wasser. Ton verhält sich zum Geist wie Eis zu Wasser. Statt jener phantastischen Welt von durcheinanderwirbelnden Atomen findet der wahre Denker und Geistesforscher hinter dem, was er sieht und hört, Geist, geistige Wirklichkeit, so daß die Frage nach dem Wesen der Materie allen Sinn verliert. Denn wie beantwortet sich die Frage nach dem Wesen der Materie für den Geistesforscher? Was ist dasjenige, dem Wesen nach, was uns draußen in der Welt umgibt und uns als Materie erscheint? Geist ist es! Und den Geist kennen wir! Wir müssen sein Wesen in uns selbst aufsuchen. Was wir selbst sind in unserem innersten Wesen, das sind alle Dinge draußen in der Welt, nur in anderer Form. Sie sind es in solcher Form, daß man sie von außen ansehen kann, wenn der Geist sich eine Oberfläche gibt. Lassen Sie mich ein Wort aussprechen, das jeder Naturforscher als Tollheit ansehen wird: Wenn der Geist nach außen geht, dann erscheint er als Farbe, als Ton. Nichts anderes ist Farbe und Ton als lauter Geist, ganz dasselbe, was wir in uns selber finden, wenn wir uns richtig verstehen. So ist uns in der Geisteswissenschaft ein jedes Mineral Geist. Das niederste Glied der menschlichen Wesenheit, das, was wir den physischen Leib oder den physischen Körper nennen, ist für uns in seiner wahren Wesenheit nichts anderes als Geist in der Form, in der er eben auch vorhanden ist in der scheinbar leblosen Natur.

[ 9 ] When we look beyond sound, beyond light, we do not find material atoms that penetrate our retinas, permeate them, and, through this permeation, produce the perception of color and light. If we truly look beyond that, what do we find there? — Spirit! Color relates to spirit as ice relates to water. Sound relates to spirit as ice relates to water. Instead of that fantastical world of swirling atoms, the true thinker and researcher of the spirit finds, behind what he sees and hears, spirit—spiritual reality—so that the question of the nature of matter loses all meaning. For how does the researcher of the spirit answer the question of the nature of matter? What is, in essence, that which surrounds us out there in the world and appears to us as matter? It is spirit! And we know spirit! We must seek its essence within ourselves. What we ourselves are in our innermost being—that is what all things out there in the world are, only in a different form. They exist in such a form that one can view them from the outside when spirit gives itself a surface. Let me utter a word that every natural scientist will regard as madness: When the spirit goes outward, it appears as color, as sound. Color and sound are nothing other than pure spirit—exactly the same as what we find within ourselves when we truly understand ourselves. Thus, in spiritual science, every mineral is spirit. The lowest member of the human being—what we call the physical body—is, in its true essence, nothing other than spirit in the very form in which it is also present in seemingly lifeless nature.

[ 10 ] Wodurch unterscheidet sich nun das, was wir Menschengeist nennen, von dem Geist, der uns draußen als Mineral und Pflanze, als Berg, als Donner und Blitz, als Bäume und Gewässer und so weiter entgegentritt, wodurch unterscheidet sich von alledem der Geist, den wir im engeren Sinn als Geist ansprechen? Dadurch, daß dieser Geist im engeren Sinne sich als Geist in seiner ureigenen Gestalt zeigt, in der Gestalt, die ihm selbst als Geist zukommt. Was man gewöhnlich Natur nennt, ist zwar Geist, aber Geist, der seine Außenseite den Sinnen zuwendet, und was man im engeren Sinn Geist nennt, ist, dem Wesen nach, genau dasselbe. Die Natur ist der Form nach das, was sich, seiner ureigenen Gestalt nach, dem Innersten unseres Wesens zuwendet. Suchen wir den Geist draußen in der Natur, so finden wir ihn leblos in den Mineralien, belebt in den Pflanzen und empfindend in den Tieren. Der Mensch vereinigt in sich selber diese dreifache Gestalt des Geistes in den drei Gliedern seiner Wesenheit, wie wir sie vom Standpunkte der Geisteswissenschaft kennen. Dadurch allein kommt man zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen, daß man diese komplizierte Natur des Menschen betrachtet und sich nicht begnügt mit der abstrakten Unterscheidung zwischen Leib und Seele, sondern sich fragt: Wie ist der Mensch erbaut?

[ 10 ] How, then, does what we call the human spirit differ from the spirit that confronts us in the external world as minerals and plants, as mountains, as thunder and lightning, as trees and bodies of water, and so on? How does the spirit—which we refer to as “spirit” in the narrower sense—differ from all of these? It is distinguished by the fact that this spirit, in the narrower sense, reveals itself as spirit in its very own form—the form that belongs to it as spirit. What is commonly called nature is indeed spirit, but it is spirit that turns its outer aspect toward the senses; and what is called spirit in the narrower sense is, in essence, exactly the same. Nature, in terms of form, is that which, in its very own form, turns toward the innermost core of our being. If we seek the spirit out there in nature, we find it lifeless in minerals, animated in plants, and sentient in animals. Human beings unite within themselves this threefold form of the spirit in the three members of their being, as we know them from the standpoint of spiritual science. Only by considering this complex nature of the human being—and not being content with the abstract distinction between body and soul—but rather by asking, “How is the human being constituted?”—can one arrive at a true understanding of the human being.

[ 11 ] Wir unterscheiden in der Geisteswissenschaft zunächst den physischen Leib des Menschen, dasjenige, was er an Stoffen und Kräften gemein hat mit der ganzen sogenannten leblosen Natur. In dem physischen Leib des Menschen sind dieselben Stoffe und dieselben Kräfte, die wir draußen in der mineralischen Welt finden. Aber darüber hinaus hat der Mensch ein anderes Glied, das wir seinen Äther- oder Lebensleib nennen. Wenn wir von Äther sprechen, so hat das nichts zu tun mit dem phantastischen Äther, der in der Wissenschaft so lange eine Rolle gespielt hat und in der nächsten Zeit ganz abgesetzt werden dürfte. In bezug auf den Ätherleib werden wir uns noch nicht einlassen können auf die Methoden des höheren Schauens. Wir verstehen den Ätherleib aber dann am besten, wenn wir die Sache so fassen: Nehmen wir eine Pflanze, ein Tier, den Menschen selber: Dieselben Stoffe, dieselben Kräfte hat der physische Leib, aber in einer unendlich komplizierten Mischung und Mannigfaltigkeit, so daß diese Stoffe durch sich selbst nicht den physischen Leib bilden können. Kein Pflanzenleib kann durch die physischen Kräfte das sein, was er ist, kein Tierleib, kein Menschenleib. Da ist die Komplikation, die Mannigfaltigkeit der Mischung und Mengung, die den Leib zerfallen machen würde, wenn er seinen eigenen physischen und chemischen Kräften überlassen würde. In jedem Augenblick des Lebens wirkt gegen den Zerfall der physischen Leiber ihr sogenannter Äther- oder Lebensleib. Ein immerwährender Kampf findet statt in ihnen. Und in dem Augenblick des Todes, wo sich der Äther- oder Lebensleib trennt von dem physischen Leib, da folgen die Stoffe und Kräfte des physischen Leibes ihren eigenen Gesetzen. Daher sagen wir in der Geisteswissenschaft: der physische Leib ist physisch und chemisch eine unmögliche Mischung, er kann sich nicht in sich selbst erhalten. Was in jedem Augenblick gegen den Zerfall des physischen Leibes kämpft, das ist der Ätherleib. — Das dritte Glied in der menschlichen Wesenheit ist das, was wir oft genannt haben den Träger von Lust und Schmerz, von Freude und Leid, von Instinkten und Leidenschaften. Wenn das Leben anfängt, innerlich zu werden, dann fangen wir in der Geisteswissenschaft an, von einem sogenannten Astralleib zu sprechen. Das ist das dritte Glied der menschlichen und das dritte Glied der tierischen Wesenheit.

[ 11 ] In spiritual science, we first distinguish the human physical body—that which the human being has in common with all of so-called inanimate nature in terms of substances and forces. The human physical body contains the same substances and forces that we find out there in the mineral world. But beyond that, the human being has another component, which we call the etheric or life body. When we speak of ether, this has nothing to do with the fanciful ether that has long played a role in science and is likely to be completely discarded in the near future. With regard to the etheric body, we are not yet ready to engage with the methods of higher perception. However, we understand the etheric body best when we approach the matter this way: Let us take a plant, an animal, or human beings themselves. The physical body consists of the same substances and the same forces, but in an infinitely complex mixture and variety, so that these substances cannot, by themselves, form the physical body. No plant body can, through its physical forces alone, be what it is; neither can an animal body nor a human body. There is a complexity and diversity in the mixture and combination of substances that would cause the body to disintegrate if it were left to its own physical and chemical forces. At every moment of life, the so-called etheric or life body works against the disintegration of the physical body. A constant struggle takes place within them. And at the moment of death, when the etheric or life body separates from the physical body, the substances and forces of the physical body follow their own laws. That is why we say in spiritual science: the physical body is, physically and chemically, an impossible mixture; it cannot sustain itself. What fights against the decay of the physical body at every moment is the etheric body. — The third member of the human being is what we have often called the bearer of pleasure and pain, of joy and sorrow, of instincts and passions. When life begins to become inner, then in spiritual science we begin to speak of what is called the astral body. This is the third member of the human being and the third member of the animal being.

[ 12 ] Heute hat man einen so unklaren Begriff von dem, was die einzelne Wesenheit ausmacht, daß gewisse Forscher gar nicht mehr unterscheiden können zwischen einem Tier und einer Pflanze. Natürlich gibt es da Übergänge; aber die interessieren uns hier nicht. Sie können in populären Werken, die sonst sehr verdienstlich sind, lesen, daß die Pflanze dieselben Äußerungen von sich gibt wie ein Tier oder ein Mensch, und man redet daher von einer «Pflanzenseele» im gewöhnlichen Sinne. Man verwechselt die tierische Seele und die menschliche Seele mit dem, was in der Pflanze einfache Lebensäußerungen sind. Wann sprechen wir von einer tierischen oder menschlichen Seele oder von einem Astralleib? Dann, wenn zu der äußeren Erscheinung inneres Leben, inneres Erleben hinzukommt. Auf das Innere kommt es an. Wenn Sie eine Pflanze sehen, sie berühren, und diese Pflanze zieht ihre Blätter zusammen, so ist ein Reiz auf die Pflanze ausgeübt, und diese zeigt Ihnen eine gewisse Antwort auf diesen Reiz. Diese Antwort eine Seelenäußerung zu nennen, ist der unglaublichste Dilettantismus. Nicht dann schon darf man von Seele oder Astralleib sprechen, wenn irgendeine Gegenwirkung stattfindet; sonst müssen Sie auch dem Lackmuspapier, wenn es sich in der Säure rötet, Seele zuschreiben. Nicht auf irgendeine äußere Reaktion kommt es an, sondern ob im Innern eines solchen Wesens etwas geschieht. Wenn Sie ein Wesen anstoßen und es zeigt Ihnen eine Formveränderung oder sonst irgendeine äußere Reaktion, so mögen Sie das Lebenserscheinung nennen; aber da von Empfindung oder Seele zu reden, heißt alle Begriffe auf den Kopf stellen. Von Seele oder Astralleib kann man erst sprechen, wenn zu dem, was äußerlich vorgeht, im Innern ein neues Ereignis, eine neue Tatsache hinzukommt, wenn auf einen Stoß oder Druck Schmerz oder ein anderer Reiz hinzukommt, etwas, was als Freude erlebt wird. Das, was ein Wesen zum Seelenwesen macht, sind nicht die Äußerungen, die es nach außen kundgibt, sondern die Vorgänge, die es in seinem Innern erlebt. Erst wo die Empfindung anfängt, wo das Leben sich innerlich umwandelt in Lust und Leid, wo irgendein Gegenstand draußen nicht bloß eine Anziehung ausübt auf irgendein Wesen, sondern wo im Inneren des Wesens ein Erlebnis gegenüber dem äußeren Gegenstand auftritt, erst da können wir von Seele oder Astralleib sprechen. Wenn eine Pflanze sich spiralförmig um einen Stab oder Stock windet, so sind das Wirkungen, die die Antwort auf Reize sind: Lebenserscheinungen. Selbst wenn es bei manchen Pflanzen vorkommt, daß wenn Sie einen Finger in ihre Nähe bringen, sie dem Finger und nicht dem Stabe folgt, so haben Sie es nicht mit einem inneren Vorgang zu tun. Von einem solchen kann erst die Rede sein, wenn ein Trieb im Inneren des Wesens sich regt und es dann mittels dieses Einflusses dem Reize folgt. Wer diese Dinge nicht strikt unterscheidet, ist unfähig, sich zu dem Begriffe der Seele, des Astralleibes, zu erheben. Diese hat der Mensch gemeinschaftlich mit den Tieren, nicht mehr aber mit den Pflanzen.

[ 12 ] Today, our understanding of what constitutes an individual being is so vague that certain researchers can no longer distinguish between an animal and a plant. Of course, there are transitional forms; but they are not of interest to us here. In popular works—which are otherwise very commendable—you may read that a plant exhibits the same manifestations as an animal or a human being, and people therefore speak of a “plant soul” in the ordinary sense. The animal soul and the human soul are confused with what are, in the plant, simply expressions of life. When do we speak of an animal or human soul, or of an astral body? When inner life and inner experience are added to the outer appearance. It is the inner aspect that matters. If you see a plant, touch it, and the plant closes its leaves, a stimulus has been applied to the plant, and it is showing you a certain response to that stimulus. To call this response an expression of the soul is the most incredible amateurism. One cannot speak of a soul or an astral body merely because some kind of reaction takes place; otherwise, you would also have to attribute a soul to litmus paper when it turns red in acid. What matters is not some external reaction, but whether something happens within such a being. If you bump into a being and it exhibits a change in form or some other external reaction, you may call that a manifestation of life; but to speak of sensation or a soul in this context is to turn all concepts upside down. One can speak of a soul or an astral body only when, in addition to what is happening externally, a new event—a new reality—occurs internally; when, in response to a jolt or pressure, pain or some other stimulus is accompanied by something experienced as joy. What makes a being a spiritual being is not the expressions it manifests outwardly, but the processes it experiences within itself. Only where sensation begins, where life is inwardly transformed into pleasure and suffering, where some external object does not merely exert an attraction on a being, but where an inner experience arises within the being in response to the external object—only then can we speak of a soul or an astral body. When a plant winds itself spirally around a rod or stick, these are effects that are responses to stimuli: manifestations of life. Even if it happens with some plants that when you bring a finger near them, they follow the finger rather than the rod, you are not dealing with an inner process. Such a process can only be said to exist when an impulse stirs within the being, causing it to follow the stimulus through this influence. Anyone who fails to make this strict distinction is incapable of rising to the concept of the soul or the astral body. Human beings share these with animals, but not with plants.

[ 13 ] Dann haben wir, wie schon öfter erwähnt, ein viertes Glied, wodurch der Mensch in sich etwas erlebt, was ihn zur Krone der Erdenschöpfung macht, dasjenige, was wir das Ich nennen. Dieses Ich in seiner Wesenheit zu erkennen, ist eine außerordentlich wichtige Sache für alle Erkenntnis.

[ 13 ] Then, as has often been mentioned, we have a fourth element through which human beings experience something within themselves that makes them the crown of earthly creation—that which we call the “I.” Recognizing the essence of this “I” is of extraordinary importance for all knowledge.

[ 14 ] In früheren Vorträgen habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß es im ganzen Umkreis unserer Sprache nur ein einziges Wort, einen einzigen Namen gibt, der sich von allen übrigen Namen unterscheidet. Jeden anderen Gegenstand können Sie mit seinem Namen bezeichnen, die Uhr, den Tisch, das Heft. Nicht können Sie so dasjenige, was das Ich ist, mit seinem Namen bezeichnen. Versuchen Sie einmal zu einem anderen Wesen Ich zu sagen! Sie können nur zu sich selber Ich sagen. Ein jedes Wesen ist für einen anderen ein Du, und für jedes Wesen ist der andere ein Du. Soll der Name des Ich ausgesprochen werden, so muß dieser Name aus dem Innersten des Wesens heraus erklingen. Das haben auch die Religionen, die auf Geisteswissenschaft gebaut waren, empfunden, und deshalb in richtiger Weise gesagt: Hier spricht die Gottheit einen ersten Ton, ein erstes Wort in der menschlichen Seele in ihrer ureigenen Gestalt, und so ist ihnen der Ausdruck für dieses Ich als etwas Heiliges vorgekommen. Sie haben ihn deshalb, weil kein anderer ihn aussprechen kann, weil nur die Seele ihn aussprechen kann, den «unaussprechlichen Namen Gottes» genannt. Was zu späterer Zeit die hebräische Religionslehre mit dem Ausdruck Jahve bezeichnet hat, ist nichts anderes als der Ausdruck für das Ich, das sich selbst in sich bezeichnet. Das ist das vierte Glied der menschlichen Wesenheit.

[ 14 ] In earlier lectures, I have pointed out that within the entire scope of our language, there is only a single word, a single name, that differs from all other names. You can designate every other object by its name—the clock, the table, the notebook. But you cannot designate that which is the “I” by its name. Try saying “I” to another being! You can only say “I” to yourself. Every being is a “you” to another, and for every being, the other is a “you.” If the name of the “I” is to be spoken, then this name must resound from the very core of the being. Religions founded on spiritual science have also sensed this, and therefore rightly said: Here the Deity utters a first sound, a first word in the human soul in its very essence, and thus the expression for this “I” has appeared to them as something sacred. Because no one else can utter it—because only the soul can utter it—they have therefore called it the “inexpressible name of God.” What Hebrew religious doctrine later designated with the term Yahweh is nothing other than the expression of the “I” that designates itself within itself. This is the fourth member of the human being.

[ 15 ] Und nun, wenn wir diese viergliedrige Wesenheit betrachten — physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich —, so müssen wir sagen: Mit diesen vier Gliedern, die kein anderes Wesen auf der Erde hat als der Mensch, steht ein jeder, der ungebildete Wilde und der höchstentwickelte Geistesmensch, vor uns. Wodurch unterscheiden sich aber die einzelnen Menschen auf der Erde, wenn alle vier Glieder haben? Dadurch, daß der eine mehr, der andere weniger von seinem Ich aus an seinen drei Gliedern gearbeitet hat. Vergleichen wir den noch ganz wilden Menschen, der jedem Trieb, jeder Begierde, jeder Leidenschaft folgt, mit einem hochsinnigen Moralisten, der reine, heilige moralische Begriffe hat und diesen folgt, der nur dasjenige gelten läßt von seinen Trieben und Leidenschaften, wozu der Geist «ja» zu sagen vermag. Wodurch unterscheiden sich beide? Dadurch, daß der hochsinnige Geistesmensch von seinem Ich aus gearbeitet hat an seinem astralischen Leibe. Der ungebildete Wilde hat an seinem astralischen Leibe wenig gearbeitet, hat ihn noch fast so, wie er ihn von der Natur, von den göttlichen Mächten empfangen hat. Der hochsinnige Moralist und Idealist hat ihn umgearbeitet, geläutert, gereinigt.

[ 15 ] And now, when we consider this fourfold being—physical body, etheric body, astral body, and I—we must say: With these four members, which no other being on Earth possesses except for the human being, everyone—from the uneducated savage to the most highly developed spiritual being—stands before us. But how do individual human beings on Earth differ from one another, if they all have these four members? It is because one has worked more, and another less, on his three members from the perspective of his I. Let us compare the still entirely savage human being, who follows every impulse, every desire, every passion, with a highly spiritual moralist who holds to pure, sacred moral principles and follows them—one who allows only those of his impulses and passions to prevail to which the spirit is able to say “yes.” How do the two differ? In that the highly spiritual person has worked on his astral body from the perspective of his “I.” The uneducated savage has done little work on his astral body; he still possesses it almost exactly as he received it from nature, from the divine powers. The highly spiritual moralist and idealist has transformed, purified, and cleansed it.

[ 16 ] Ein astralischer Leib besteht aus zwei Gliedern; aus dem einen Glied, das der Mensch ohne sein Zutun hat, und dem anderen, das er bearbeitet hat, das die Arbeit seines Ich ist. Menschen, die auf einer solchen Höhe stehen wie zum Beispiel Franz von Assisi — Sie mögen sonst über ihn denken wie Sie wollen —, haben fast ihren ganzen astralischen Leib unter die Herrschaft des Ich gestellt, so daß nichts in ihrem astralischen Leibe geschieht, was nicht durch das Ich beherrscht ist. Wie unterscheidet sich ein solcher Mensch von dem Wilden? Im Wilden geschieht alles durch das, was das Ich nichts angeht; im hochsinnigen Menschen geschieht alles durch das, was er aus seinem astralischen Leibe gemacht hat. So viel von dem astralischen Leibe umgestaltet worden ist durch das Ich, so viel ist im Menschen Geistselbst oder Manas vorhanden.

[ 16 ] An astral body consists of two parts: one part that a person possesses without any effort on their part, and the other that they have shaped through their own work—which is the work of their “I.” People who have reached such a high level—such as Francis of Assisi, for example—regardless of what you may otherwise think of him—have brought almost their entire astral body under the control of the “I,” so that nothing happens in their astral body that is not governed by the “I.” How does such a person differ from a primitive? In the primitive person, everything happens through what has nothing to do with the “I”; in the highly spiritual person, everything happens through what he has made of his astral body. To the extent that the astral body has been transformed by the “I,” to that extent the spiritual self, or Manas, is present in the human being.

[ 17 ] Da haben wir fünf Glieder der menschlichen Wesenheit: Physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib, Ich und Geistselbst. Und dann haben wir die Möglichkeit, als Menschen nicht nur unseren astralischen Leib, nicht nur die Summe unserer Begierden, Triebe und Instinkte umzuwandeln, zu läutern und zu veredeln, sondern wir haben auch die größere Fähigkeit, unseren Ätherleib umzuwandeln. Im gewöhnlichen Leben arbeiten die Menschen in der Geistesentwickelung daran, nach und nach ihren Astralleib zu veredeln, schon durch die gewöhnlichen Impulse des Lebens, die moralischen Begriffe, die intellektuellen Vorstellungen. Alles, was wir lernen, gestaltet den Astralleib um. Wenn wir uns einen Begriff machen wollen von dem Gegensatz der Umgestaltung des Astralleibes und der Umgestaltung des Ätherleibes durch das Ich, so müssen wir uns einmal erinnern, wie wir als achtjährige Kinder waren. Da haben wir manches nicht gewußt, was wir heute wissen. Vieles haben wir gelernt. Unter den Empfindungen, die wir so aufgenommen haben, hat sich der Astralleib umgewandelt, hat er sich Geistselbst oder Manas eingegliedert. Alles aber, was, als wir ein achtjähriges Kind waren, unser Temperament, unsere Neigungen und so weiter ausgemacht hat, das hat sich nicht in der gleichen Weise umgestaltet. Wenn Sie mit acht Jahren ein jähzorniges, ein bockbeiniges Kind waren, dann sind Sie wahrscheinlich heute noch manchmal jähzornig oder bockbeinig. Die Umwandlung des Temperaments und der Neigungen geht viel langsamer vorwärts. Man kann das Fortschreiten des Astralleibes mit der Bewegung des Minutenzeigers und den Fortschritt des Ätherleibes mit dem Vorrücken des Stundenzeigers vergleichen. Es ändern sich die Neigungen aber nur, wenn sich der ÄÄtherleib wandelt, und es gehören dazu stärkere Impulse als zur Umwandlung des Astralleibes. Solche starken Impulse hat der Mensch, der in der Geisteswissenschaft steht, und er kann sie schon haben, wenn er dem Eindruck eines Kunstwerks ausgesetzt wird, hinter dem der Mensch den unendlichen Sinn, sagen wir von Wagners «Parsifal» oder von Beethovens Neunter Symphonie, sieht. Diese Impulse sind nicht bloß wirksam auf den Astralleib, sondern sie sind so stark, daß der Ätherleib des Menschen geläutert, gereinigt und verwandelt wird. Ebenso ist es, wenn der Mensch vor einem Bild Raffaels oder Michelangelos steht und durch die Farbe ein Impuls von dem Ewigen ihn durchdringt. Aber die stärksten Impulse sind doch die religiösen Impulse der Menschheit. Was als religiöse Impulse durch die Zeiten hindurchgegangen ist, hat die Menschen so stark verwandelt, daß es ihren Ätherleib ergriffen hat, so daß die Menschen auch in bezug auf ihren Ätherleib zwei Teile in sich tragen, den unverwandelten, wie von der Natur empfangenen Teil, und den umgewandelten. Der umgewandelte Teil heißt Lebensgeist oder Buddhi.

[ 17 ] Here we have the five aspects of the human being: the physical body, the etheric body, the astral body, the “I,” and the spiritual self. And then, as human beings, we have the ability not only to transform, purify, and refine our astral body—not merely the sum of our desires, drives, and instincts—but we also possess the greater capacity to transform our etheric body. In everyday life, people working on their spiritual development gradually refine their astral body through the ordinary impulses of life, moral concepts, and intellectual ideas. Everything we learn reshapes the astral body. If we want to grasp the contrast between the transformation of the astral body and the transformation of the etheric body by the “I,” we must recall what we were like as eight-year-old children. Back then, there were many things we did not know that we know today. We have learned a great deal. Through the impressions we absorbed in this way, the astral body has been transformed; it has incorporated the spiritual self, or Manas. But everything that constituted our temperament, our inclinations, and so on when we were eight-year-old children has not been transformed in the same way. If, at the age of eight, you were a quick-tempered, stubborn child, then you are probably still quick-tempered or stubborn at times today. The transformation of temperament and inclinations proceeds much more slowly. One can compare the progression of the astral body to the movement of the minute hand and the progress of the etheric body to the advance of the hour hand. However, inclinations change only when the etheric body transforms, and this requires stronger impulses than those needed for the transformation of the astral body. A person who is engaged in spiritual science possesses such strong impulses, and can experience them even when exposed to the impression of a work of art in which one perceives the infinite meaning—such as in Wagner’s *Parsifal* or Beethoven’s Ninth Symphony. These impulses do not merely affect the astral body; they are so powerful that they purify, cleanse, and transform the human etheric body. The same is true when a person stands before a painting by Raphael or Michelangelo and is penetrated by an impulse of the eternal through the colors. Yet the strongest impulses are, after all, the religious impulses of humanity. What has passed through the ages as religious impulses has transformed human beings so profoundly that it has taken hold of their etheric body, so that human beings also carry within themselves, with regard to their etheric body, two parts: the untransformed part, as received from nature, and the transformed part. The transformed part is called the life spirit or Buddhi.

[ 18 ] Tritt dann an den Menschen das heran, was wir kennenlernen, wenn wir einen Vortrag über die Einweihung oder Initiation hören, so tritt das noch stärker hervor, was den Ätherleib umwandelt. Die Initiation besteht darin, dem Menschen die Mittel zu geben, immer mehr den Ätherleib umzuwandeln. Daher gilt es auch für den, den man Geheimschüler nennt, daß alles intellektuelle Lernen, alles, was er schulmäßig aufnehmen kann, nur Vorbereitung ist. Wichtiger als alles intellektuelle Aufnehmen ist für den, der sich einer geisteswissenschaftlichen Schulung unterwirft, nur eine einzige Neigung in bewußter Weise in eine andere umzuwandeln, und wenn es nur eine Handbewegung ist. Eine solche umzuwandeln, hat unter Umständen mehr Wert als noch so viel angeeignetes theoretisches Wissen. Im Grunde genommen besteht die Einweihung, die Initiation, in Impulsen, die den menschlichen Ätherleib reinigen und läutern. Diese Impulse setzen sich dann fort in denen, die zur Reinigung und Läuterung des physischen Leibes aufsteigen, und das ist das Höchste, was der Mensch in seiner jetzigen Laufbahn erlangen kann.

[ 18 ] When what we learn from a lecture on initiation comes to bear on a person, what transforms the etheric body becomes even more evident. Initiation consists in giving the human being the means to transform the etheric body more and more. Therefore, even for the one called a secret student, all intellectual learning—everything he can absorb through formal education—is merely preparation. For those who undergo training in the spiritual sciences, the only thing more important than any intellectual acquisition is consciously transforming a single inclination into another—even if it is merely a hand gesture. Transforming such an inclination may, under certain circumstances, be of greater value than any amount of acquired theoretical knowledge. Essentially, initiation consists of impulses that purify and refine the human etheric body. These impulses then continue in those that rise to purify and refine the physical body, and this is the highest attainment a human being can achieve in his or her present life.

[ 19 ] Nun könnte einer sagen, der physische Leib ist doch der niederste; wenn also der Mensch auf den physischen Leib wirkt, ist das etwas Besonderes? — O ja! Eben weil der physische Leib das niederste Glied ist, müssen die stärksten Kräfte angewendet werden, um diesen in seine ursprüngliche Form, in die Form des reinen Geistes zu verwandeln. Die Läuterung dieses physischen Körpers beginnt mit bestimmten Methoden, den Atmungsprozeß zu regulieren. Deshalb nennt man den Teil, der so umgewandelt wird, Atma oder den eigentlichen Geistesmenschen; Atma heißt nur Atmen. Dann geht, wenn der Körper umgewandelt ist — der aber äußerlich bleibt wie sonst —, die menschliche geisteswissenschaftliche Schulung auf der höchsten Stufe vor sich. Dadurch erlangt dann der Mensch nicht nur die Fähigkeit, bewußt in seinem physischen Leib zu leben, sozusagen jedes Blutkügelchen, jede Nervenströmung zu kennen, er gelangt auch dazu, hinaus in die große Natur zu wirken, aus einem, wenn man so sagen darf, vorher in die Haut eingeschlossenen Menschen ein Mensch zu werden, der auf die Kräfte des Universums und des Kosmos zu wirken vermag. So geht der Mensch in denjenigen Zustand über, durch den er eins wird mit dem Kosmos. Alles übrige Reden vom Einswerden mit dem Kosmos, das nicht auf dem Wege wahrer Schulung und Entwickelung geschieht, ist Geschwätz und Phrase.

[ 19 ] Now, one might say, the physical body is, after all, the lowest; so if a person acts upon the physical body, is that something special? — Oh yes! Precisely because the physical body is the lowest link, the strongest forces must be applied to transform it into its original form—the form of pure spirit. The purification of this physical body begins with specific methods for regulating the breathing process. That is why the part that is thus transformed is called the Atma, or the true spiritual human being; Atma simply means “breathing.” Then, once the body has been transformed—though it remains outwardly as it was before—the human spiritual-scientific training proceeds at the highest level. Through this, the human being not only attains the ability to live consciously within their physical body—to know, so to speak, every blood cell, every nerve impulse—but also comes to act out into the great natural world, transforming from a human being who was, so to speak, previously confined within their own skin into one capable of influencing the forces of the universe and the cosmos. Thus, the human being transitions into that state through which he becomes one with the cosmos. All other talk of becoming one with the cosmos that does not occur through the path of true training and development is mere chatter and empty rhetoric.

[ 20 ] Der Mensch wird dadurch eins mit dem Kosmos, daß er zuerst seinen astralischen Leib umwandelt, dann den Ätherleib und endlich den physischen Leib. Er wird dadurch eins mit dem ganzen Kosmos, wie der kleine Finger eins ist mit dem physischen Leib, an dem er sich befindet. Das ist ein ganz regulärer und regelmäßiger Gang der menschlichen Entwickelung, den viele Menschen durchgemacht haben, den wir alle durchmachen bis zu einem gewissen Grade schon jetzt, und den alle durchmachen werden in der Zukunft.

[ 20 ] Human beings become one with the cosmos by first transforming their astral body, then their etheric body, and finally their physical body. In this way, they become one with the entire cosmos, just as the little finger is one with the physical body to which it belongs. This is a completely natural and regular course of human development that many people have undergone, that we are all already undergoing to a certain degree, and that everyone will undergo in the future.

[ 21 ] Was geschieht da nun eigentlich? Versuchen wir uns einmal zu vergegenwärtigen: Was ist der astralische Leib? Er ist nichts anderes als die Summe von Begierden, Trieben und Leidenschaften, von Lust und Leid, Freude und Schmerz. Alles, was da zusammenwirkt im Menschen, ist Äußerung des Geistes, Geist in irgendeiner Form; weil alles Geist ist. Wodurch ist es denn möglich, daß das Ich an dem astralischen Leib arbeitet? Es ist dadurch möglich, daß sich dem Ich der Geist in seiner ureigenen Gestalt erschließt. In den Leidenschaften, Trieben und Begierden ist der Geist verborgen, da erscheint er in seinen Äußerungen. In das Ich strömt er in seiner ureigenen Gestalt ein, und das Ich läßt ihn wieder verströmen in den Astralleib, so daß das Ich vermittelt zwischen der ureigenen Gestalt des Geistigen und der seiner Äußerung. So ist es mit dem Ätherleib und endlich auch mit dem physischen Leib, und so findet eine fortwährende Vergeistigung während der Umwandlung der drei menschlichen Leiber oder Glieder der menschlichen Wesenheit statt. So wahr es ist, daß alles, was uns entgegentritt an Mineralien, Geist ist — aber Geist in seiner äußeren Wirkung —, so wahr ist es, daß das, was uns im Menschen entgegentritt, auf dem Wege zur Vergeistigung ist durch das, was das Ich selbst in die niedere Wesenheit hineingießt. Aber nur indem zwischen dieser Äußerung, dem Materiellen des Menschen, seinem physischen Leib, ÄÄtherleib und astralischen Leib, und den Gliedern des Geistes, die hineinleuchten in die drei Leiber — Geistselbst oder Manas, Lebensgeist oder Buddhi, Geistesmensh oder Atma —, das Ich steht, ist diese Überleitung des Geistes in die drei Leiber möglich. Das Ich muß dazwischenstehen. Dann kann das Obere das Untere bearbeiten.

[ 21 ] What is actually happening here? Let’s try to visualize it: What is the astral body? It is nothing other than the sum of desires, drives, and passions—of pleasure and suffering, joy and pain. Everything that interacts within the human being is an expression of the spirit, spirit in some form; for everything is spirit. How, then, is it possible for the “I” to work on the astral body? It is possible because the spirit reveals itself to the “I” in its very own form. The Spirit is hidden within the passions, drives, and desires; there it appears in its manifestations. It flows into the “I” in its very own form, and the “I” allows it to flow back out into the astral body, so that the “I” mediates between the very own form of the Spiritual and that of its manifestation. The same is true of the etheric body and, ultimately, of the physical body as well; and thus a continuous process of spiritualization takes place during the transformation of the three human bodies, or members, of the human being. Just as it is true that everything we encounter in the mineral world is spirit—but spirit in its outward manifestation—so it is true that what we encounter in the human being is on the path to spiritualization through what the “I” itself pours into the lower being. But only when the “I” stands between this outward expression—the material aspects of the human being, namely the physical body, etheric body, and astral body—and the members of the spirit that shine into the three bodies—the spiritual self or Manas, the life spirit or Buddhi, and the spiritual man or Atma—is this transition of the spirit into the three bodies possible. The “I” must stand in between. Then the higher can work upon the lower.

[ 22 ] Und das Wesen dieses Ich, worin haben wir es kennengelernt? Wir haben es kennengelernt schon in seinem Namen. Niemals kann der Name, dieses Ich, von außen an unser Ohr klingen, wenn er uns selber bedeutet. Damit ist mehr gesagt als mit allen Phrasen, die in den gewöhnlichen Psychologien stehen. Würde man ordentlich begreifen, was das Ich ist dadurch, daß dieser Name niemals von außen an uns herantreten kann, dann würde man mehr geleistet haben als alle Schulpsychologie. Der Philosoph Fichte hat das schon gesagt: Das Schönste ist ein Mensch als ein Ich. Die meisten Menschen würden sich aber lieber für ein Stück Lava im Monde halten als für ein Ich, wozu sie die selbsteigene Kraft brauchen, um es anzuschauen, es zu erblicken.

[ 22 ] And the essence of this “I”—how have we come to know it? We have come to know it already in its name. The name—this “I”—can never reach our ears from the outside if it signifies ourselves. This says more than all the phrases found in conventional psychology. If one were to truly grasp what the “I” is—by recognizing that this name can never approach us from the outside—then one would have achieved more than all of academic psychology. The philosopher Fichte already said this: The most beautiful thing is a human being as an “I.” Most people, however, would rather consider themselves a piece of lava on the moon than an “I,” for which they need their own inner strength to look at it, to perceive it.

[ 23 ] Wir werden bei dem Vortrage über die Tierseele sehen, daß das Tier auch ein Ich hat, aber nicht in der physischen Welt. Der Mensch unterscheidet sich dadurch von dem Tier, daß er das Ich in der physischen Welt hat. Das Ich ist dasjenige, was den Geist von innen heraus einfließen läßt in das, was andere Form des Geistes ist, in die verschiedenen Materien, sogar in das Seelische selber, was wir als den astralischen Leib bezeichnen. Wir können daher das Wesen des Ich geradezu bezeichnen als Verinnerlichung. Diese Verinnerlichung wird beim Tiere erst vorbereitet. Da wir von der Tierseele noch sprechen werden, lassen Sie uns das heute nur andeuten. Man darf also nicht vergessen, daß auch das Tier ein Ich hat, aber nicht das einzelne Tier, sondern eine ganze Tierspezies. Alle Löwen zusammen, alle Tiger zusammen haben ein Ich, und dieses Ich ist in der übersinnlichen Welt. Es ist so, wie wenn von einem Tiere, das zu einer Gattung gehört, in die höhere Welt hinauf unsichtbare Stränge oder Fäden gingen zu der gemeinschaftlichen Gruppen- oder Gattungsseele. Und eine solche Gattungsseele ist die menschliche individuelle Seele geworden. Was eine ganze Tiergruppe hat, das hat jeder einzelne Mensch. Daher bereitet sich beim Tier die Verinnerlichung zur Seele erst vor. Wir sehen es, wenn wir die sogenannte Seele des Tieres studieren, den Astralleib. Die eigentliche Verinnerlichung dieser Seele, das erste Einstrahlen des Geistes ist da möglich in unserer Welt, wo das Ich in dieser Welt selbst vorhanden ist, als individuelle Seele. Die Seele, die in sich das Ich hat, ist dadurch imstande, den Geist einströmen zu lassen in die Materie. So sehen wir, wie Geist und Leib oder auch Geist und Materie zwei Wesenheiten, wenn wir so sagen dürfen, sind, wovon aber die eine Wesenheit im Grunde genommen dasselbe ist wie die andere, nur in anderer Form. Materie und Körper sind Geist in anderer Form. Sie sind in der Welt überhaupt nur voneinander verschieden wie Eis und Wasser. Sie sind verschieden, trotzdem sie dasselbe sind. Und mitten drinnen steht die Seele. Sie ist das Verbindende von Geist und Leib.

[ 23 ] In the lecture on the animal soul, we will see that the animal also has a “I,” but not in the physical world. What distinguishes humans from animals is that they possess the “I” in the physical world. The “I” is that which allows the spirit to flow from within into what is another form of the spirit—into the various forms of matter, and even into the soul itself, which we call the astral body. We can therefore describe the essence of the “I” as nothing less than internalization. This internalization is merely prepared in the animal. Since we will be speaking further about the animal soul, let us merely hint at this today. One must not forget, then, that the animal, too, has an “I”—not the individual animal, but an entire animal species. All lions together, all tigers together, have an “I,” and this “I” exists in the supersensible world. It is as if invisible strands or threads were extending upward from an animal belonging to a genus into the higher world, connecting to the collective group or genus soul. And such a genus soul has become the human individual soul. What an entire group of animals possesses, every single human being possesses as well. Therefore, in animals, the internalization leading to the soul is only just beginning to take shape. We see this when we study the so-called soul of the animal—the astral body. The actual internalization of this soul—the first infusion of the spirit—is possible in our world, where the “I” itself is present as an individual soul. The soul, which possesses the “I” within itself, is thereby able to allow the spirit to flow into matter. Thus we see how spirit and body—or spirit and matter—are two entities, if we may put it that way; yet one of these entities is, in essence, the same as the other, merely in a different form. Matter and the body are spirit in another form. In the world, they differ from one another only as much as ice and water do. They are different, even though they are the same. And right in the middle stands the soul. It is the link between spirit and body.

[ 24 ] So verstehen wir den Menschen nur, wenn wir ihn in dieser dreigliedrigen Zusammensetzung begreifen, bestehend aus dem Leib oder eigentlich dem dreigliedrigen Leib, aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib; bestehend aus werdendem Geist: Manas, Buddhi, Atma oder Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch — und der Seele als der Wesenheit, die das eine in das andere verwandelt, die teilnimmt am Leibe und am Geist. Nur dann können wir die Seele im richtigen Lichte verstehen, wenn wir sie so vom Geiste aus am Leibe arbeiten sehen. Wenn wir sie von diesem Gesichtspunkte aus studieren, werden uns durch die Geisteswissenschaft gerade diejenigen Fragen beantwortet, die der Mensch der wirklichen Seelenwesenheit gegenüber stellen muß. Wir sehen, wie beim Menschen in jedem Augenblick seines Lebens die Seele hineingestellt ist zwischen Leib und Geist. Beim Wilden zum Beispiel wird die Seele nur ein Tröpfchen Geist hereinsaugen können in den Leib. Er steht noch ganz unter dem Einfluß der äußeren Einwirkungen, unter Hunger und Durst, unter dem, was der Äther- oder Lebensleib ihm als die Lebenserscheinung aufprägt, unter dem Einfluß der bis zum Tierischen hingehenden Instinkte und Begierden. Die Seele des hochentwickelten Idealisten, wie zum Beispiel Schillers oder des Heiligen Franz von Assisi, neigt zum Geiste hin, erwirbt sich ein höheres Bewußtsein und macht sich frei vom materiellen Dasein. Die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß Verwandlung besteht in den Formen. Das ist es, was wir den Stoff nennen. Oft wird uns das begegnen in den Vorträgen des Winters, oft können wir das vor Ihnen aufbauen, und niemand darf hoffen, daß er in einem einzigen Vortrag das Begriffliche dessen, was zur Geisteswissenschaft gehört, aufnehmen kann.

[ 24 ] We can only understand the human being if we conceive of them in this threefold composition, consisting of the body—or, more precisely, the threefold body—comprising the physical body, the etheric body, and the astral body; consisting of the spirit in the making: Manas, Buddhi, Atma, or the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human being—and the soul as the entity that transforms one into the other, participating in both the body and the spirit. Only then can we understand the soul in its proper light, when we see it working on the body from the spirit in this way. When we study it from this perspective, spiritual science answers precisely those questions that human beings must pose regarding the true nature of the soul. We see how, in every moment of a person’s life, the soul is situated between the body and the spirit. In the case of a primitive human, for example, the soul will be able to draw only a tiny drop of spirit into the body. He is still entirely under the influence of external forces—hunger and thirst, what the etheric or life body imposes upon him as the manifestation of life, and the influence of instincts and desires that extend down to the animal level. The soul of the highly developed idealist—such as Schiller or Saint Francis of Assisi—leans toward the spirit, attains a higher consciousness, and frees itself from material existence. Spiritual science shows us that transformation takes place in forms. This is what we call “matter.” We will encounter this frequently in the winter lectures; we will often be able to elaborate on it before you, and no one should expect to grasp the conceptual framework of spiritual science in a single lecture.

[ 25 ] Wenn wir von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus die Welt um uns herum betrachten, so zeigt sie sich in einer fortdauernden Verwandlung, wie sich uns auch äußerlich die Natur in einer fortdauernden Verwandlung zeigt. Wir sehen die Blume im Frühling aus dem Samenkorn heraus erstehen. Im Herbst sehen wir sie wieder verfallen, aber das Wesen wird aufbewahrt im Samenkorn, um neuerdings wieder zu erstehen. So wird auch die Geisteswissenschaft uns zeigen, wie tatsächlich der Leib vom Geist aufgebaut wird, und wie das Wesen dieses Geistes, wenn der Leib zerfällt, sich erhält als geistiger Same, der immer wieder und wieder erscheint.

[ 25 ] When we view the world around us from this spiritual-scientific perspective, it appears to be in a state of constant transformation, just as nature itself appears to us externally to be in a state of constant transformation. We see the flower spring forth from the seed in the spring. In the fall, we see it wither away again, but its essence is preserved in the seed, only to spring forth anew. In the same way, spiritual science will show us how the body is actually built up by the spirit, and how the essence of this spirit, when the body decays, is preserved as a spiritual seed that appears again and again.

[ 26 ] Wir können Eis in Wasser und Wasser in Eis verwandeln. So verwandelt sich auch Geist in Leib. Der Leib zerfällt, aber der Geist in ihm bleibt und erscheint in immer neuen Formen. Da werden wir zu dem Gesetze geführt, das wir das Gesetz des Wechsels im menschlichen Leben nennen. Der Mensch lebt hier im physischen, ätherischen und astralischen Leib. Aber er hat noch ein anderes Leben, das da war vor diesem Leben und sein wird nach diesem Leben. Da lebt er, so wie er hier in diesen drei Leibern lebt, in der geistigen Welt. Und von dorther bringt er sich die Kräfte, die seine Leiber aufbauen, die ihm diejenige Form geben, die er hat, wenn auch im Geist das Leben anders ist. Das ist es, was sich uns zeigt, wenn wir die Geisteswissenschaft in der richtigen Weise verstehen. Es zeigt sich da, wie der Mensch ein Wechselleben führt zwischen Geburt und Tod: das Leben im Leib, und das zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bis er zu einer neuen Verkörperung schreitet — das Leben im Geistigen. Und das, was hier im Leibe und dort im Geiste lebt und wechselt zwischen dern Leben im Leibe und dem Leben im Geiste, ist die Seele. Jedesmal aber, wenn sie eine Verkörperung durchgemacht hat, hat der Mensch an seinem Leib gearbeitet und kommt als Seele mit den Früchten des Erdenlebens bereichert in das Geisterland zurück. Die Seele entwickelt sich immer weiter, immer höher. So ist sie auch die Vermittlerin zwischen Geist und Leib. Und so werden wir an die Grenze geführt, die uns bei richtiger Betrachtung von Geist, Seele und Leib zeigt, wie das Verhältnis der drei zueinander ist. Wir lernen alles das, was zerfällt, was zerstäubt, als eine Verwandlung dessen erkennen, was das innerste Wesen der Seele ausmacht, wie wir alles Zeitliche als Form des Ewigen erkennen. Eine solche Geisteswissenschaft führt zu einer Wissenschaft, die wirklich die Fragen beantwortet nach dem Zeitlichen und Ewigen und nach dem Schicksal des Menschen nach dem Tode, die Fragen, die das menschliche Herz überhaupt hat, wenn es von einer solchen Wissenschaft etwas wissen will. Eine Wissenschaft, die sich Grenzen setzt, sieht das Wichtigste nicht. Daher ist unsere Schulpsychologie so begrenzt. In gewissem Sinne ist es wichtig, zu lernen, was sie bietet. Die Geisteswissenschaft verschmäht es nicht, aber sie findet es unzureichend, solange nicht auf das Wesen des Geistes und der Seele eingegangen wird. Das ist der richtige Weg zur Erkenntnis des Geistes und der Seele: Die Seele hängt dadurch, daß sie ein zeitliches Leben durchmacht, mit ihren Leibern zusammen, wenn wir so sagen dürfen, sie ist verstrickt in diese Leiber, und das, was sie zu diesen Leibern hinzieht, ist derjenige Teil, der ein Hindernis ist für das reine, geläuterte Leben im Geiste zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da lernen wir allmählich begreifen, wo die Hindernisse der Seele sind für die neue Geburt. Wir lernen auch begreifen, daß die Seele nach dem Tode sich erst ganz freimachen muß nicht nur von dem Leibe — denn das tut schon der Tod —, sondern von dem Hang zum Leibe. Durch die richtigen Begriffe von Geist, Seele und Leib kommen wir auch zum Schicksal der Seele auf der leiblichen und geistigen Lebenspilgerschaft.

[ 26 ] We can transform ice into water and water into ice. In the same way, the spirit transforms into the body. The body decays, but the spirit within it remains and appears in ever-changing forms. This leads us to the law we call the law of change in human life. Human beings live here in the physical, etheric, and astral bodies. But they have another life as well—one that existed before this life and will exist after this life. There, just as they live here in these three bodies, they live in the spiritual world. And from there they draw the forces that build up their bodies, giving them the form they possess, even though life in the spirit is different. This is what becomes clear to us when we understand spiritual science in the right way. It reveals how the human being leads an alternating life between birth and death: life in the physical body, and the life between death and a new birth, until he proceeds to a new incarnation—life in the spiritual realm. And that which lives here in the physical body and there in the spiritual realm, and alternates between life in the physical body and life in the spiritual realm, is the soul. But each time the soul has undergone an incarnation, the human being has worked on their physical body and returns to the spirit realm as a soul enriched with the fruits of earthly life. The soul continues to develop, ever higher. Thus, it is also the mediator between spirit and body. And so we are led to the boundary that, upon proper contemplation of spirit, soul, and body, reveals to us the relationship between the three. We learn to recognize everything that decays and disintegrates as a transformation of that which constitutes the innermost essence of the soul, just as we recognize all that is temporal as a form of the eternal. Such a spiritual science leads to a science that truly answers the questions about the temporal and the eternal and about the fate of the human being after death—the questions that the human heart itself asks when it seeks to know something of such a science. A science that sets limits for itself fails to see what is most important. That is why our school psychology is so limited. In a certain sense, it is important to learn what it has to offer. Spiritual science does not spurn it, but it finds it insufficient as long as the nature of the spirit and the soul is not addressed. This is the true path to understanding the spirit and the soul: By undergoing a temporal life, the soul is bound to its bodies—if we may put it that way—it is entangled in these bodies, and that which draws it toward these bodies is the very part that stands as an obstacle to a pure, purified life in the spirit between death and a new birth. There we gradually come to understand where the soul’s obstacles to rebirth lie. We also come to understand that after death, the soul must first free itself completely—not only from the body—for death already accomplishes that—but also from its attachment to the body. Through a correct understanding of spirit, soul, and body, we also come to understand the destiny of the soul on its physical and spiritual journey through life.

[ 27 ] Heute habe ich versucht, Ihnen ohne Rücksicht auf das, was durch die Methoden des Hellsehens und der Initiation, von denen wir in den nächsten Vorträgen sprechen werden, gewonnen wird, bloß durch Anwendung der gewöhnlichen menschlichen Verstandesweisheit zu zeigen, wie auf diese Art zu reinen richtigen Begriffen über die Seele und den Geist zu gelangen ist. Das müssen wir festhalten: Was im Verlaufe dieses Winters uns entgegentreten wird, das werden Ergebnisse der Geistesforschung sein. Aufgefunden können sie nur werden durch die Methoden, wie sie in den Vorträgen über Einweihung und so weiter angegeben sind. Begriffen und verstanden können sie aber werden durch die gewöhnliche Logik und gründliches Denken. Derjenige, der die Ausflucht gebraucht: Was geht mich die Geisteswissenschaft an, da ich kein Hellseher bin? — der wendet sich von der Geisteswissenschaft nicht aus Mangel an Hellsehen ab, sondern deshalb, weil er nicht sein Denken gründlich und umfassend genug auf sie anwendet. Gerade die Seelenwissenschaft hat in unserer Zeit des Materialismus — den manche für abgetan halten, der auch abgetan ist in der Philosophie, aber gerade in der Denkweise der Psychologie floriert — viel gelitten. Heute haben die Begriffe von Seele und Geist am meisten gelitten unter diesem Materialismus. Die Geisteswissenschaft wird es zu ihrer Mission machen müssen, reine und geläuterte Begriffe über Seele und Geist wieder in die Menschheit zu bringen. Dadurch wird sie die beste Dienerin sein der hohen Religionsüberlieferungen, die den Unterschied machen zwischen dem Menschengeist und dem umfassenden Weltengeist, den die Religionsüberlieferungen den Heiligen Geist nennen. Nur dann verstehen wir diese Schriften, wenn wir sie tief genug fassen und alles in großen und gewaltigen umfassenden Bildern betrachten, die der Ausdruck wahrer Tatsachen sind, als Mittel zum Verständnis. Wir verstehen aus der Geisteswissenschaft heraus auch noch vieles, was die Menschheit in Zukunft wissen wird, und was sie in früheren Zeiten durch ihre bedeutendsten Geister nur geahnt hat. Viele merkwürdige Gefühle gehen durch die menschliche Seele, wenn sie sich hineinfühlt in das geistige Getriebe. Diejenigen, die zu der Geisteswissenschaft sagen: Du gibst uns etwas für den Geist, aber nichts für die Seele; ich suche Seele und du gibst mir geistige Errungenschaften, — die wissen nicht, daß das, was sie ablehnen, gerade dasjenige ist, was der Seele das gibt, was sie verlangen. Sie dürsten nach den Willensimpulsen der Seele. Die Seele kann aber nur glücklich und selig sein, wenn sie den Geist in sich einfließen läßt und von ihm aus die Leiber gestaltet.

[ 27 ] Today I have attempted to show you—without regard to what is gained through the methods of clairvoyance and initiation, which we will discuss in the coming lectures—but simply by applying ordinary human intellectual wisdom, how one can arrive in this way at pure, correct concepts of the soul and the spirit. We must bear this in mind: What we will encounter in the course of this winter will be the results of spiritual research. They can only be discovered through the methods described in the lectures on initiation and so on. However, they can be grasped and understood through ordinary logic and thorough thinking. Anyone who uses the excuse, “What does spiritual science have to do with me, since I am not a clairvoyant?”—such a person turns away from spiritual science not because of a lack of clairvoyance, but because they do not apply their thinking to it thoroughly and comprehensively enough. Spiritual science, in particular, has suffered greatly in our age of materialism—which some consider to be a thing of the past, and which has indeed been discarded in philosophy, yet flourishes precisely in the mindset of psychology. Today, the concepts of soul and spirit have suffered the most from this materialism. Spiritual science will have to make it its mission to restore pure and purified concepts of soul and spirit to humanity. In doing so, it will be the best servant of the lofty religious traditions, which distinguish between the human spirit and the all-encompassing world spirit—which these traditions call the Holy Spirit. We can understand these writings only when we grasp them deeply enough and view everything through grand and powerful, all-encompassing images that are expressions of true facts, as a means to understanding. Through spiritual science, we also understand much of what humanity will come to know in the future—and what it could only have sensed in earlier times through its greatest minds. Many wondrous feelings pass through the human soul as it attunes itself to the spiritual workings. Those who say of spiritual science: “You give us something for the spirit, but nothing for the soul; ‘I seek the soul, and you give me spiritual achievements’—they do not realize that what they reject is precisely what gives the soul what it desires. They thirst for the soul’s impulses of will. But the soul can only be happy and blissful when it allows the spirit to flow into it and shapes the bodies from within.

[ 28 ] Was uns von außen entgegentritt, ist gestalteter Geist, und was die Materie zu Gestalt ruft, das strömt aus der geistigen Welt herunter. Was das Auge an der Gestalt sieht als Farbe, das ist sozusagen verdichteter Geist, und die Kraft, die hineinschießt in die Materie und die Gestalt bewirkt, stammt aus dem Ewigen. So kann leicht einem Geist, der sich das zwar nicht in geisteswissenschaftlicher Weise zur Klarheit bringt, es aber empfindet und ahnt, das, was um ihn herum lebt, so erscheinen, daß er sich sagt: Alles, was hier ist, erscheint mir wie aus der geistigen Welt heraus gestaltet. Die Gestalt erscheint mir als das Heilige, das wie ein Blitz hineingefahren ist in den bloßen Stoff, und wenn ich die Gestalt selbst erblicke, so scheint sie sich hineinzusenken und wieder zurückzuziehen aus dem Stoff. Das ahnte der Dichter von der Geisteswissenschaft, als er den Gegensatz aufstellte zwischen dem Körper, der menschlichen Seele und dem Geist, die beide im Leib gestaltend sind. Schiller kam es als eine Ahnung, eine Empfindung, wie die Seele in Realität den Geist in die Materie einfließen läßt, wodurch die Materie vor den Blicken verschwindet. Indem er das bedachte, ließ er die Empfindung ausfließen in die schönen Worte:

[ 28 ] What we encounter from the outside is spirit given form, and what calls matter into form flows down from the spiritual world. What the eye perceives as color in a form is, so to speak, condensed spirit, and the force that shoots into matter and brings about the form originates from the Eternal. Thus, to a mind that does not clarify this for itself through spiritual science but nevertheless feels and senses it, what lives around them may appear in such a way that they say to themselves: Everything that is here seems to me to have been shaped from within the spiritual world. Form appears to me as the sacred, which has shot like a flash of lightning into mere matter, and when I behold the form itself, it seems to sink into the matter and then withdraw from it again. The poet of spiritual science sensed this when he established the contrast between the body, the human soul, and the spirit, all of which are formative within the body. Schiller had an intuition, a sense of how the soul, in reality, allows the spirit to flow into matter, causing matter to vanish from view. As he reflected on this, he gave expression to that sensation in these beautiful words:

Nur der Körper eignet jenen Mächten,
Die das dunkle Schicksal flechten.
Aber fern von jeder Zeitgewalt,
Die Gespielin seliger Naturen
Wandelt oben in des Lichtes Fluren,
Göttlich unter Göttern, die Gestalt.

Only the body is subject to those powers,
That weave the dark fate.
But far from any power of time,
The companion of blissful natures
Wanders above in the fields of light,
Divine among gods, that form.