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The Rudolf Steiner Archive

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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

18 March 1908, Berlin
in lieu of 14 November 1907, Berlin

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4. Mann und Weib im Lichte der Geisteswissenschaft

4. Man and Woman in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft soll nicht dazu da sein, durch schwärmerische Mystik irgendwelcher Art den Menschen dem Leben zu entfremden. Sie soll den Menschen durchaus nicht abführen von den Aufgaben des Alltags und der Zeit; im Gegenteil, Geisteswissenschaft soll just das sein, was dem Menschen Stärke und Energie, Umsicht und Unbefangenheit gibt für die Aufgaben des Lebens, für die Forderungen der unmittelbaren Wirklichkeit. Darum darf auch wohl innerhalb dieser Geisteswissenschaft zuweilen nicht nur von den großen Weisheitsfragen der Menschheit gesprochen werden, dem Wesen der Menschheit, dem Wesen der Welt, sondern es wird auch gesucht werden müssen, von dem Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft Licht zu verbreiten über Fragen, die uns unmittelbar beschäftigen. Und so werden wir es in diesen Vorträgen zu tun haben mit Betrachtungen, die durchaus das betreffen, was man Zeitfragen nennt.

[ 1 ] Anthroposophical spiritual science is not intended to alienate people from life through any kind of fanciful mysticism. It is by no means intended to divert people from the tasks of everyday life and the demands of the times; on the contrary, spiritual science is meant to be precisely that which gives people strength and energy, prudence, and impartiality for the tasks of life and the demands of immediate reality. That is why, even within this spiritual science, we must not only speak at times of the great questions of human wisdom—the nature of humanity, the nature of the world—but we must also seek, from the perspective of spiritual science, to shed light on questions that directly concern us. And so, in these lectures, we will be dealing with reflections that pertain entirely to what are called contemporary issues.

[ 2 ] Derjenige aber, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, sieht sich in eine besondere Lage versetzt gegenüber solchen unmittelbaren Zeitfragen, denn er erregt die Erwartung, daß er sich mischt in die Debatten des Tages. Und leicht kann er diese Erwartung erregen, wenn es sich handelt um die Frage: Mann und Weib — Mann, Weib und Kind. Und gerade weil der Geistesforscher genötigt ist, vermöge seines Standpunktes solche Fragen von einer höheren Warte herab zu betrachten, so kann es scheinen, als ob eine solche Betrachtung hinwegleite von dem, was man in den üblichen Debatten des Tages anschlägt an Meinungen, Anschauungen und so weiter. Aber, wenn es auch wahr ist, daß Geisteswissenschaft solche Fragen in ein höheres Licht rücken muß, so ist gerade diese Geisteswissenschaft befähigt, unmittelbar praktisch einzugreifen in die Probleme des Tages. Denn das ist das Eigentümliche geisteswissenschaftlicher Betrachtung, daß sie auf der einen Seite solche Fragen hinaufhebt zu den Gesichtspunkten des Ewigen, dadurch aber zu gleicher Zeit auch die Handhaben bietet für das alltägliche Leben, während alles parteimäßige Betrachten in etwas hineinführt, was im Leben des Alltags sich als unanwendbar erweist. Das hat man sich vor Augen zu führen, wenn unternommen werden soll, von einem höheren Gesichtspunkt aus das Verhältnis von Mann und Weib zu betrachten. Es wird manches ganz sonderbar erscheinen, was da zu sagen ist. Aber wenn Sie tiefer eingehen auf diese Dinge und die Tatsachen des Lebens daran messen, so werden Sie finden, daß Sie eine viel gründlichere Antwort durch Geisteswissenschaft gewinnen können als durch das, was man sonst darüber hört.

[ 2 ] But those who stand on the ground of spiritual science find themselves in a special position when it comes to such immediate contemporary issues, for they raise the expectation that they will weigh in on the debates of the day. And they can easily raise this expectation when the issue at hand is that of man and woman—man, woman, and child. And precisely because the spiritual scientist is compelled, by virtue of his standpoint, to view such questions from a higher vantage point, it may seem as though such a perspective leads away from the opinions, views, and so on that are put forward in the usual debates of the day. But while it is true that spiritual science must cast such questions in a higher light, it is precisely this spiritual science that is capable of intervening directly and practically in the problems of the day. For this is the distinctive feature of spiritual scientific consideration: on the one hand, it elevates such questions to the perspective of the eternal, but at the same time it also offers practical tools for everyday life, whereas all partisan perspectives lead to something that proves inapplicable in everyday life. One must bear this in mind when attempting to view the relationship between man and woman from a higher perspective. Much of what is said here will seem quite strange. But if you delve deeper into these matters and measure the facts of life against them, you will find that you can gain a much more thorough answer through spiritual science than through what is otherwise heard on the subject.

[ 3 ] Geisteswissenschaft geht aus von der Grundanschauung, daß hinter allem Sinnlich-Sichtbaren ein Seelisch-Geistiges steht. Gerade die uns beschäftigenden Fragen werden erst dann in der richtigen Weise uns vor Augen stehen, wenn wir hinblicken auf das geistig Wesenhafte, das hinter dem Sinnlichen steht. Und so müssen wir uns denn fragen: Was steht als ein Geistiges hinter den beiden Geschlechtern? Und da kann uns vielleicht das Wesen der Geschlechter dadurch enthüllt werden, daß wir auf dieses Geistige eingehen, das hinter der sinnlichen Verschiedenheit der Geschlechter liegt. Da aber werden wir sehen, daß Geisteswissenschaftaus ihrem Wesen heraus hinführt zu allerlei Wahrheiten, die unsere heutige Zeit auf ihre Weise schon ahnt auch aus der materialistischen Weltanschauung heraus. Aber weil hinter diesen Ahnungen nur eine materialistische Weltanschauung steht, erweisen sie sich als trügerisch.

[ 3 ] Spiritual science is based on the fundamental view that behind everything that is sensually perceptible lies a soul-spiritual reality. It is precisely the questions that concern us that will only become clear to us in the right way when we look toward the spiritual essence that lies behind the physical. And so we must ask ourselves: What lies as a spiritual reality behind the two sexes? And perhaps the nature of the sexes can be revealed to us by delving into this spiritual reality that lies behind the physical differences between the sexes. There, however, we will see that spiritual science, by its very nature, leads to all manner of truths that our present age already intuits in its own way, even from within a materialistic worldview. But because only a materialistic worldview lies behind these intuitions, they prove to be deceptive.

[ 4 ] Was hat nun der Materialismus über das Wesen der Geschlechter zu sagen? Am besten können wir uns darüber dadurch orientieren, daß wir das betrachten, was die letzten Zeiten über diese Frage zutage gefördert haben. Seit geraumer Zeit sucht ja die Frau immer mehr sich der Epoche der Menschheitsentwickelung zu nähern, welche die volle Gleichberechtigung der beiden Geschlechter hat. Indem also die Frau eingetreten ist in den Kampf für ihre Rechte, wird es uns interessieren, was der Materialismus über das Wesen der Frau zu sagen hat. So werden wir einen Maßstab gewinnen, wie man in der Gegenwart über eine so wichtige Frage denkt. Nun könnte man die allerverschiedensten Stimmen über das Wesen des Weiblichen anführen, wie sie etwa zusammengestellt sind in dem Buche «Zur Kritik der Weiblichkeit» von Rosa Mayreder. Man tut gut daran, solche Urteile bei führenden Persönlichkeiten der Gegenwart zu suchen. Bei einem sehr bedeutenden Naturforscher des 19. Jahrhunderts ist als Grundeigenschaft der Frau angegeben das Gefühl der Demut. Ein anderer, der auch ein Recht hat mitzusprechen, findet als weibliche Grundqualität die Zornmütigkeit. Ein anderer Naturforscher, der viel Aufsehen erregt hat, kommt zu dem Ergebnis, daß das Grundwesen der Frau am besten sich ausdrücken lasse mit Ergebenheitsgefühl; ein anderer mit Herrschsucht, ein anderer mit konservativem Sinn, und wieder ein anderer findet, die Frau sei das eigentlich revolutionierende Element in der Welt. Und noch ein anderer sagt, bei der Frau finde sich ganz besonders ausgeprägt die Fähigkeit der Analyse, wogegen ein anderer feststellt, der Frau fehle die Fähigkeit der Analyse vollständig, sie habe nur die Möglichkeit der Synthese entwickelt.

[ 4 ] What, then, does materialism have to say about the nature of the sexes? The best way to gain insight into this is by examining what recent times have brought to light regarding this question. For quite some time now, women have been increasingly striving to move toward that stage of human development characterized by full equality between the two sexes. Since women have thus entered the struggle for their rights, we will be interested in what materialism has to say about the nature of women. In this way, we will gain a yardstick for assessing how such an important question is viewed in the present day. Now, one could cite a wide variety of opinions on the nature of womanhood, such as those compiled in the book *A Critique of Femininity* by Rosa Mayreder. It is wise to seek such judgments among leading figures of the present day. A very prominent 19th-century naturalist identifies humility as the fundamental characteristic of women. Another, who is also entitled to have a say, identifies irascibility as the fundamental female quality. Another naturalist, who caused quite a stir, concludes that the fundamental nature of women is best expressed by a sense of devotion; another by a thirst for power; another by a conservative spirit; and yet another believes that women are actually the revolutionary element in the world. Yet another says that women possess a particularly well-developed capacity for analysis, whereas another asserts that women completely lack the capacity for analysis and have developed only the ability for synthesis.

[ 5 ] Man könnte diese Blütenlese beliebig vermehren, herausbekommen würde man am Schlusse nur, daß das äußerliche Anschauen gescheite Menschen zu den entgegengesetzten Urteilen bringt. Wer tiefer auf die Sache eingehen will, der müßte sagen: Diese Betrachter gehen vielleicht von ganz falschen Voraussetzungen aus; nicht das Außerliche bloß sollte man ansehen, sondern das ganze Wesen. — Aufgedrängt durch die Tatsachen ging manchem Forscher eine Ahnung auf, aber sie wurde eingetaucht in materialistisches Denken. So schreibt da zum Beispiel ein junger Geist, Otto Weininger, ein Buch über «Geschlecht und Charakter». Otto Weininger war ein Mensch von großen Anlagen, der aber diese großen Anlagen versprüht hat, weil die ganze Schwere der materialistischen Weltanschauung unserer Zeit auf seiner Seele lastete. Er meinte nämlich: Das Wesen des Menschen kann nur so betrachtet werden, daß man in dem einzelnen Menschen nicht einseitig das Männliche und das Weibliche betrachtet, sondern bemerkt, daß dem Männlichen zugemischt ist das Weibliche und umgekehrt. — Die Ahnung einer Idee dämmert also auf in der Seele dieses Weininger. Aber diese Ahnung ist durch die Suggestionen der Zeit gepreßt in materialistisches Denken. Und so glaubt denn Weininger in einer gewissen stofllichen Mischung das Ineinanderwirken des Männlichen und Weiblichen zu sehen, so daß wir in jedem Manne ein verborgenes Weibliches zu finden hätten und in jeder Frau ein verborgenes Männliches. Daraus ergeben sich ihm aber sonderbare Konsequenzen. Weininger sagt da zum Beispiel: der Frau gehe ab ein Ich, Individualität, Charakter, jegliche Persönlichkeit, alle Freiheit und so weiter. Und da es sich für seine Anschauung um eine rein stoffliche, sozusagen quantitative Mischung männlicher und weiblicher Eigenschaften handelt, so hat also der Mann dies alles in sich. Aber offenbar wird dies durch seine männlichen Eigenschaften zunichte gemacht. Sie sehen, wenn man den Dingen zu Leibe geht, stoßen wir auf eine Anschauung, die sich in sich selbst vernichtet. Aber es liegt, wie wir sehen werden, durchaus eine richtige Ahnung zugrunde.

[ 5 ] One could go on adding to this anthology indefinitely; in the end, one would only conclude that a superficial examination leads intelligent people to contradictory judgments. Anyone who wishes to delve deeper into the matter would have to say: These observers may be proceeding from entirely false premises; one should not look merely at the outward appearance, but at the whole being. — Compelled by the facts, a glimmer of insight dawned on many a researcher, but it was submerged in materialistic thinking. Thus, for example, a young mind, Otto Weininger, wrote a book on “Sex and Character.” Otto Weininger was a man of great gifts, but he squandered these gifts because the full weight of our time’s materialistic worldview weighed heavily upon his soul. He believed, namely, that the nature of the human being can only be understood by not viewing the masculine and the feminine in an individual human being in isolation, but by recognizing that the feminine is intermingled with the masculine and vice versa. — Thus, a glimmer of an idea dawns in Weininger’s soul. But this glimmer is forced into materialistic thinking by the influences of the times. And so Weininger believes he sees the interplay of the masculine and the feminine in a certain material mixture, such that we should find a hidden feminine in every man and a hidden masculine in every woman. This, however, leads him to some strange conclusions. Weininger says, for example, that women lack an “I,” individuality, character, any sense of personality, all freedom, and so on. And since, according to his view, this is a purely material—so to speak, quantitative—mixture of masculine and feminine qualities, men therefore possess all of these things within themselves. But apparently, this is nullified by his masculine qualities. You see, when we get to the heart of the matter, we encounter a view that destroys itself. But, as we shall see, there is certainly a valid insight underlying it.

[ 6 ] Nun werden wir in bezug auf diese Dinge einzutreten haben in die geisteswissenschaftliche Grundanschauung. Es ist von mir immer und immer wieder betont worden, daß es der Geisteswissenschaft nicht so leicht gemacht wird, das Wesen des Menschen zu betrachten, wie es bei der materialistisch orientierten Wissenschaft der Fall ist. Denn das, was man physisch-sinnlich am Menschen sieht, ist der Geisteswissenschaft nur ein Glied der ganzen Wesenheit, der physische Leib. Darüber hinaus unterscheidet Geisteswissenschaft den ätherischen Leib oder den Bildekräfteleib, den der Mensch mit Pflanzen und Tieren gemein hat. Als drittes Glied der menschlichen Wesenheit erkennt sie dasjenige, was Träger ist von Lust und Leid, was da lebt in unseren Empfindungen und Gefühlen, den Astralleib oder Seelenleib, den der Mensch mit den Tieren gemein hat. Und als viertes Glied wird erkannt dasjenige, was den Menschen erst zum Menschen macht, das Bewußtsein seiner selbst, das Ich. So beschreibt Geisteswissenschaft den Menschen als aus vier Gliedern bestehend.

[ 6 ] Now, with regard to these matters, we will have to address the fundamental perspective of spiritual science. I have emphasized time and again that it is not as easy for spiritual science to examine the essence of the human being as it is for materialistically oriented science. For what one sees in the human being in physical-sensory terms is, for spiritual science, only one aspect of the whole being: the physical body. Furthermore, spiritual science distinguishes the etheric body—or the body of formative forces—which human beings share with plants and animals. As the third component of the human being, it recognizes that which is the bearer of pleasure and pain, that which lives in our sensations and feelings: the astral body—or soul body—which human beings share with animals. And as the fourth member, it identifies that which makes a human being truly human: self-consciousness, the “I.” Thus, spiritual science describes the human being as consisting of four members.

[ 7 ] Zunächst berühren uns der physische und der ätherische Leib. Und hier ist auch verborgen die Lösung des Rätsels in bezug auf das Verhältnis der Geschlechter. Und nun muß der Geistesforscher etwas sagen, was ihm bei vielen Zeitgenossen den Vorwurf der Narretei erweckt: Der Mensch ist seiner Wesenheit nach ein eigentümlicher Organismus; nur teilweise ist nämlich der Ätherleib eine Art Abklatsch des physischen Leibes. In bezug auf die Geschlechtlichkeit liegt die Sache anders. Beim männlichen Geschlecht ist der Ätherleib weiblich, beim weiblichen Geschlecht männlich. So sonderbar das zunächst erscheinen mag, eine tiefere Beobachtung muß dahin führen, diese außerordentlich bedeutsame Tatsache einzusehen: Im Verborgenen jedes Menschen ruht etwas vom andern Geschlecht. Dabei soll jedoch gar nicht auf alle möglichen abnormen Lebenserscheinungen Rücksicht genommen werden, sondern nur auf das, was die normalen Verhältnisse sind.

[ 7 ] First of all, the physical and etheric bodies come into contact with us. And here, too, lies the solution to the mystery concerning the relationship between the sexes. And now the spiritual researcher must say something that will lead many of his contemporaries to accuse him of folly: By its very nature, the human being is a unique organism; for the etheric body is only partially a kind of replica of the physical body. With regard to gender, the situation is different. In the male sex, the etheric body is feminine; in the female sex, it is masculine. As strange as this may seem at first, closer observation must lead one to recognize this extraordinarily significant fact: within every human being lies something of the opposite sex. However, this should not be taken to account in relation to all possible abnormal manifestations of life, but only in relation to what constitutes normal conditions.

[ 8 ] Angesichts dieser Tatsache aber hört die Möglichkeit auf, im strengen Sinne des Wortes von Mann und Weib zu sprechen, sondern man muß sprechen von männlichen und weiblichen Eigenschaften. Die Frau kehrt gewisse Eigenschaften nach außen, entgegengesetzte nach innen. Das Weib hat im Innern männliche Eigenschaften, der Mann weibliche. Wenn also der Mann durch seine äußerliche Körperlichkeit beispielsweise zum Krieger wird, indem diese äußere Tapferkeit gebunden ist an die äußere Organisation seines Körpers, so hat die Frau die innere Tapferkeit, die Fähigkeit der Aufopferung, der Hingabe. Der Mann geht, wenn er sich zum Schaffen erhebt, in dem auf, was draußen ist. Die Frau wirkt in hingebungsvoller Passivität in der Welt. Unzählige Erscheinungen des Lebens werden uns klar werden, wenn wir die menschliche Wesenheit aus zwei Polen zusammenwirkend denken, den männlichen Pol nach außen, den weiblichen nach innen beim Mann, bei der Frau den weiblichen Pol nach außen, den männlichen nach innen.

[ 8 ] In light of this fact, however, it is no longer possible to speak of “man” and “woman” in the strict sense of the word; instead, one must speak of masculine and feminine qualities. A woman projects certain qualities outward and keeps their opposites inward. The woman possesses masculine qualities within, while the man possesses feminine ones. Thus, while the man becomes, for example, a warrior through his outward physicality—since this outward bravery is bound to the outward structure of his body—the woman possesses inner bravery: the capacity for self-sacrifice and devotion. When a man rises to the task of creation, he becomes absorbed in what is outside. A woman acts in the world through self-sacrificing passivity. Countless aspects of life will become clear to us if we conceive of the human being as a combination of two interacting poles: in a man, the masculine pole outward and the feminine pole inward; in a woman, the feminine pole outward and the masculine pole inward.

[ 9 ] Geisteswissenschaft zeigt uns aber auch die tieferen Gründe davon auf, warum in dem Männlichen ein Weibliches sich findet, im Weiblichen ein Männliches. Geisteswissenschaft spricht davon, daß der Mensch durch viele Leben durchgeht zu immer höherer Vollkommenheit. Das gegenwärtige Leben ist immer die Folge der früheren. Und indem der Mensch dergestalt durch viele Leben hindurchschreitet, geht er auch durch männliche und weibliche Verkörperungen.

[ 9 ] Spiritual science, however, also reveals to us the deeper reasons why there is a feminine aspect within the masculine, and a masculine aspect within the feminine. Spiritual science teaches that human beings pass through many lifetimes toward ever greater perfection. The present life is always the consequence of previous ones. And as human beings pass through many lifetimes in this way, they also pass through both male and female incarnations.

[ 10 ] So drückt sich also aus in dem, was so entsteht, die Wirkung dessen, was wir an Erfahrungen, Erlebnissen nach beiden Seiten hin als Erdenmenschen machen können. Wer so, wie es geschildert worden ist, in das männliche und in das weibliche Wesen hineinschauen kann, weiß, daß die intimeren Erlebnisse der beiden Geschlechter ganz andere sind, ganz andere sein müssen. Unser ganzes Erdenleben ist ein Aufsammeln der allerverschiedensten Erlebnisse und Erfahrungen. Allseitig aber können diese Erlebnisse und Erfahrungen nur werden dadurch, daß der Mensch diese Erlebnisse und Erfahrungen von beiden Geschlechtern aus macht. So zeigt sich uns, wenn wir den Menschen auch nur schon hinsichtlich seiner zwei niederen Glieder betrachten, daß er in Wahrheit ein Doppelwesen ist. Solange man jedoch nur den physischen Leib anerkennt, kann etwas Vernünftiges nicht herauskommen. Man muß das Geistige anerkennen, das dahinter ist. Durch das Männliche erscheint uns in dem Manne seine innere Weiblichkeit, und durch das Weibliche in der Frau ihre innere Männlichkeit. Nun begreift man auch, wie so viele Beurteiler, die Mann und Weib äußerlich anschauen, in die Irre gehen; es kommt eben ganz darauf an, ob man auf das Innere oder auf das Äußere blickt. Ganz dem Zufall ist derjenige unterworfen, der nur die eine Seite des menschlichen Wesens kennt. Wenn zum Beispiel der eine Forscher als Haupteigenschaft der Frau die Demut findet und ein anderer den Zorn, so hat jeder eben nur eine Seite derselben Wesenheit betrachtet. Der Irrtum muß bei dieser Art des Ansehens auftreten. Um die volle Wahrheit zu erkennen, müssen wir auch den vollen Menschen ansehen.

[ 10 ] Thus, what emerges reflects the effect of the experiences we, as human beings on Earth, can have on both sides. Anyone who can look into the male and female natures as described knows that the more intimate experiences of the two sexes are entirely different—and must be entirely different. Our entire earthly life is a gathering of the most diverse experiences and impressions. However, these experiences and insights can only become comprehensive if a person gains them from both genders. Thus, even if we consider the human being solely in terms of his two lower limbs, it becomes clear that he is, in truth, a dual being. As long as one recognizes only the physical body, however, nothing meaningful can emerge. One must recognize the spiritual aspect that lies behind it. Through the masculine, a man’s inner femininity is revealed to us, and through the feminine, a woman’s inner masculinity. Now one also understands how so many observers who view men and women merely from the outside are led astray; it all depends entirely on whether one looks at the inner or the outer. Anyone who knows only one side of the human being is entirely at the mercy of chance. If, for example, one researcher finds humility to be the primary characteristic of women and another finds anger, then each has considered only one side of the same essence. Error is bound to arise from this way of looking at things. To recognize the full truth, we must also look at the whole human being.

[ 11 ] Zu einer solchen Erkenntnis der vollen Wahrheit gehört aber auch, daß man noch etwas anderes berücksichtigt: Wir müssen den Menschen betrachten in seinen wechselnden Zuständen von Wachen und Schlafen. Im Schlafe ist herausgehoben aus der physisch-ätherischen Organisation des Menschen der astralische Leib und das Ich. Mit dem Einschlafen verliert der Mensch das gewöhnliche Tagesbewußtsein; er tritt ein durch den Schlaf in ein anderes Bewußtsein, das Schlafbewußtsein. Die Wahrnehmungen und Erlebnisse, die Ich und astralischer Leib während des Schlafes in der geistigen Welt machen, bleiben dem gewöhnlichen Bewußtsein verborgen. In seiner gegenwärtigen Entwickelung ist der Mensch so organisiert, daß Ich und Astralleib sich im Wachzustande bedienen müssen der physischen Sinnesorgane, um zu einem Bewußtsein der physischen Welt zu gelangen. Heute ist man freilich der Anschauung, daß die physischen Apparate unserer Sinnesorganisation es sind, welche sehen, hören, schmecken, tasten und so weiter. Aber noch ein Denker wie Fichte sagt: Nicht das Ohr hört, sondern ich höre. — So ist auch alle Sinneswahrnehmung ausgehend von dem Ich, der eigentlichen inneren Wesenheit des Menschen. Und jeden Morgen, wenn der Mensch aufsteht, verschaffen Ich und astralischer Leib durch die Sinnesorgane sich Kenntnis von ihrer physischen Umgebung. Anders verhält es sich während des Schlafes: Ich und astralischer Leib weilen in der geistigen Welt. Doch hat der Mensch in seinem astralischen Leibe die entsprechenden Sinnesorgane, um im Astralraum sehen zu können, gewöhnlich nicht ausgebildet. Wer das nicht zugeben will, müßte konsequenterweise sagen: Eigentlich stirbt der Mensch jeden Abend. So befindet sich also der Mensch während der Nacht in einer geistigen Welt.

[ 11 ] However, such an understanding of the full truth also requires that we take something else into account: We must consider the human being in his alternating states of wakefulness and sleep. During sleep, the astral body and the “I” are separated from the human being’s physical-etheric organization. Upon falling asleep, a person loses their ordinary waking consciousness; through sleep, they enter into a different state of consciousness—sleep consciousness. The perceptions and experiences that the “I” and the astral body have in the spiritual world during sleep remain hidden from ordinary consciousness. In their present state of development, human beings are organized in such a way that, in the waking state, the “I” and the astral body must make use of the physical sense organs in order to attain consciousness of the physical world. Today, of course, the prevailing view is that it is the physical apparatus of our sensory system that sees, hears, tastes, feels, and so on. But even a thinker like Fichte says: “It is not the ear that hears, but I who hear.” — Thus, all sensory perception originates from the “I,” the actual inner essence of the human being. And every morning, when a person gets up, the “I” and the astral body use the sense organs to gain knowledge of their physical surroundings. The situation is different during sleep: the “I” and the astral body dwell in the spiritual world. Yet a person usually has not developed the corresponding sense organs in their astral body to be able to see in astral space. Anyone who refuses to admit this would, by logical consequence, have to say: “Actually, a person dies every evening.” Thus, during the night, a person finds themselves in a spiritual world.

[ 12 ] Nun aber hängen geistige Welt und physische Welt in eigentümlicher Weise zusammen, denn alles Physische ist nur eine Art Verdichtungszustand des Geistigen. Wie Eis verdichtetes Wasser ist, so sind physischer Leib und Ätherleib Verdichtungen des astralischen Leibes. Der heutige Materialismus wird allerdings sehr schwer nur zugeben, daß der Geist der Schöpfer alles Stofflichen ist, aber die Tragik des Materialismus beruht ja gerade darauf, daß der Materialismus just von der Materie am allerwenigsten versteht. Und so kommt man denn auch zu sehr sonderbaren Dingen, wenn man ableugnet, daß alles Materielle nur ein verdichtetes Geistiges ist. Wenn man allerdings bei den populären Begriffen stehenbleibt, so wird den meisten Menschen nicht gleich das aller Vernunft Hohnsprechende sichtbar bei einem Satze wie diesem: Das Leibliche sei die Grundlage für das eigentlich Seelische, alles sogenannte Geistige sei aus dem Leiblichen abzuleiten. — Deutlicher wird es schon, wenn man die letzten Konsequenzen zieht, wie es zum Beispiel der Pragmatismus tut, der aus Amerika stammt, aber auch schon Europa angesteckt hat. Aus einem einzigen Satze kann man da sehen, wie diese Theorie allem gesunden Menschenverstand Hohn spricht; so heißt es da etwa: Der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern er ist traurig, weil er weint! — Man nimmt nicht wahr, daß da eine seelische Stimmung einwirkt auf das Physische, sondern man glaubt, daß irgendwelche äußeren Ursachen die Tränen herauspressen, und dann wird der Mensch eben traurig. Das ist die Konsequenz des Materialismus ins Absurde getrieben.

[ 12 ] However, the spiritual world and the physical world are connected in a unique way, for everything physical is merely a kind of condensed state of the spiritual. Just as ice is condensed water, so the physical body and the etheric body are condensations of the astral body. Today’s materialism, however, will find it very difficult to admit that the spirit is the creator of all that is material; but the tragedy of materialism lies precisely in the fact that materialism understands matter the least of all. And so one arrives at very strange conclusions when one denies that all that is material is merely condensed spirit. If, however, one remains at the level of popular concepts, most people will not immediately perceive the mockery of all reason in a statement such as this: that the physical is the foundation for what is truly spiritual, and that everything so-called spiritual is derived from the physical. — It becomes clearer, however, when one draws the ultimate conclusions, as pragmatism—which originated in America but has already spread to Europe—does, for example. From a single sentence, one can see how this theory mocks all common sense; it states, for instance: “A person does not cry because they are sad, but they are sad because they cry!” — One does not perceive that a mental state is influencing the physical; rather, one believes that some external causes force the tears out, and then the person simply becomes sad. This is the consequence of materialism taken to the point of absurdity.

[ 13 ] Geisteswissenschaft weiß, daß die zwei höheren Wesensglieder des Menschen, Ich und astralischer Leib, in der Nacht heraus sind und ätherischen Leib und physischen Leib zurückgelassen haben. So läßt eben im Schlafe der Mensch auch seine männliche und weibliche Organisation zurück und verweilt in einer geistigen Welt als ein Wesen, das nichts Männliches und Weibliches mehr an sich trägt, als geschlechtlich undifferenziertes Wesen. So also teilt jeder Mensch schon hier sein Leben in Geschlechtliches und Ungeschlechtliches.

[ 13 ] Spiritual science knows that the two higher aspects of the human being—the I and the astral body—are out of the body at night, having left behind the etheric body and the physical body. Thus, during sleep, a person also leaves behind their male and female constitution and dwells in a spiritual world as a being that no longer bears anything masculine or feminine within itself—as a sexually undifferentiated being. In this way, every person already divides their life here into the sexual and the asexual.

[ 14 ] Hat nun das Geschlechtliche keine Bedeutung in der geistigen Welt? Hat der Gegensatz zwischen physischem Leib und Ätherleib, der die Erscheinung der beiden Geschlechter in dieser Welt hervorbringt, kein Gegenbild in den höheren Welten? Nun, damit verhält es sich so, daß wir zwar das Geschlechtliche nicht mit hinaufnehmen in die höheren Welten, aber den Ursprung der beiden Geschlechter finden wir in der astralischen Welt. So wie das Eis aus dem Wasser, so ist das, was in der physischen Welt als Männliches und Weibliches uns entgegentritt, aus dem Gegensatze höherer Prinzipien gebildet. Dieser Gegensatz stellt sich uns am besten dar, wenn wir ihn charakterisieren als den Gegensatz von Leben und Form. Diese Polarität finden wir auch in der Natur ausgedrückt. Der Baum zeigt sprießende Lebenskraft und zugleich auch das, was in die feste Form drängt, was das Wachstum aufstaut, die sprossende Kraft zum festen Stamme bildet. So müssen in allem Leben und Dasein zusammenwirken Leben und Form. Und wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus das Wesen der Geschlechter betrachten, so können wir sagen: Das Abbild des Lebens ist das Männliche, das jedoch, was das Leben in eine gewisse Form bringt, drückt sich aus im Weiblichen. — Wenn zum Beispiel der Künstler den Stoff formt, dann geschieht ja folgendes: Was da der Künstler dem Marmor einformt, das ist ja nicht zu finden in der sinnlichen Natur; nur das Wesen des Künstlers, das in der geistigen Welt wurzelt und dort seine Befruchtung holt, kann künstlerisch schaffen, künstlerisch gestalten. Und so ist es eben in Wahrheit so, daß in Astralleib und Ich immerfort einströmen die Kräfte und Wesen der geistigen Welt. Und dasjenige, was der Künstler hineinschafft in den Stoff, der Materie einprägt, das ist die Erinnerung daran, was in der geistigen Welt in ihm angeregt worden ist. Würde der Mensch nicht stets im Schlafe in seine Urheimat zurückkehren, in der geistigen Welt verweilen, dann brächte er in das physische Dasein nicht herüber die Befruchtungskeime zu allen großen und edlen Tätigkeiten. Nichts Schlimmeres also kann geschehen, als wenn sich der Mensch auf die Dauer dem Schlafe entzieht.

[ 14 ] Does gender have no significance in the spiritual world? Does the contrast between the physical body and the etheric body—which gives rise to the two genders in this world—have no counterpart in the higher worlds? Well, the situation is this: although we do not take gender with us into the higher worlds, we do find the origin of the two sexes in the astral world. Just as ice is formed from water, so too is what appears to us in the physical world as male and female formed from the contrast of higher principles. This opposition is best illustrated when we characterize it as the opposition between life and form. We also find this polarity expressed in nature. The tree displays sprouting life force and, at the same time, that which strives toward solid form—that which restrains growth and shapes the sprouting force into a solid trunk. Thus, in all life and existence, life and form must work together. And when we consider the nature of the sexes from this perspective, we can say: The image of life is the masculine, whereas that which gives life a certain form is expressed in the feminine. — When, for example, the artist shapes the material, the following occurs: What the artist shapes out of the marble cannot be found in the physical world; only the artist’s essence, which is rooted in the spiritual world and draws its inspiration from there, can create artistically and give artistic form. And so it is, in truth, that the forces and beings of the spiritual world are constantly flowing into the astral body and the I. And what the artist brings into the material, what he imprints upon matter, is the memory of what has been stirred within him in the spiritual world. If human beings did not constantly return to their original home in sleep—to dwell in the spiritual world—they would not bring with them into physical existence the seeds of inspiration for all great and noble activities. Nothing worse, then, can happen than for human beings to deprive themselves of sleep over the long term.

[ 15 ] Dasjenige also, was der Künstler von der geistigen Welt her aufgenommen hat und unbewußt in sein Werk hineinlegt, es erscheint als Leben und Form. Und so könnte man darauf kommen, einmal zu fragen: Warum erscheint uns denn eigentlich die «Juno Ludovisi» so wunderbar? — Da ist das große Antlitz, die breite Stirn, die eigentümliche Nase. Wenn wir mit unserer Empfindung wie tastend darüber hinführen, könnten wir sagen: Hier ist ein Bild, von dem wir uns gar nicht vorstellen können, daß ein Geistiges zurückgeblieben ist; in diesem Gesichte sehen wir ganz in die Form eingeschlossen Seele und Geist. Diese Form kann für die Ewigkeit so bestehen. Hier ist das innere Leben ganz Form geworden, in der Form erstarrt, hier ist Form gewordene Seele und Geist. Dann aber blicken wir hin auf den Zeuskopf. Der eigentlich schmalen Stirn liegt auch Geist und Seele zugrunde, aber man hat das Gefühl, diese Form müßte sich jeden Moment ändern. Aus einer tiefen Inspiration des Künstlers heraus ist da festgehalten Leben und Form in aller Wirklichkeit.

[ 15 ] What the artist has absorbed from the spiritual world and unconsciously incorporated into his work thus appears as life and form. And so one might be led to ask: Why, in fact, does the “Juno Ludovisi” seem so marvelous to us? — There is the large face, the broad forehead, the distinctive nose. If we let our feelings gently explore it, we might say: Here is a sculpture of which we cannot even imagine that anything spiritual remains behind; in this face we see soul and spirit entirely enclosed within the form. This form can endure for eternity. Here, inner life has become form entirely, frozen in form; here is soul and spirit made form. But then we turn our gaze to the head of Zeus. The actually narrow forehead is also underpinned by spirit and soul, yet one has the feeling that this form might change at any moment. Out of a deep inspiration of the artist, life and form have been captured there in all their reality.

[ 16 ] Aber wie der Künstler in großen Momenten in solchen Werken tatsächlich von Leben und Form einen Abguß schafft, so ist unser ganzes Wesen in Wahrheit Leben und Form. Dadurch aber zeigt sich in der Tat, daß die Wesenheit des Menschen herausgebildet ist aus der geistigen Welt, aus dem immer werdenden Leben, und dem, was das Leben festhält, ihm Dauer verleiht. Der Mensch hat Teil an Leben und Tod als dem Ausdruck dieser höheren Polaritäten des Daseins. Und in diesem Sinne konnte Goethe sagen: «Der Tod ist der Kunstgriff der Natur, viel Leben zu haben.» Und so findet das Leben eine Form, nicht für ein einseitiges Leben, nicht für einen einseitigen Tod, sondern für das, was aus Leben und Tod ein höheres harmonisches Ganzes bildet. Dergestalt wirken Geistiges und Physisches zusammen durch die Medien des Männlichen und Weiblichen; das ewig werdende Leben im Männlichen und das Leben in der Form gehalten im Weiblichen.

[ 16 ] But just as the artist, in moments of great inspiration, truly creates a cast of life and form in such works, so our entire being is, in truth, life and form. This, however, demonstrates that the essence of the human being is shaped from the spiritual world, from life that is ever becoming, and from that which sustains life and gives it permanence. The human being participates in life and death as the expression of these higher polarities of existence. And in this sense, Goethe could say: “Death is nature’s artifice for having much life.” And so life finds a form—not for a one-sided life, not for a one-sided death, but for that which forms a higher, harmonious whole out of life and death. In this way, the spiritual and the physical interact through the media of the masculine and the feminine: the eternally becoming life in the masculine and the life held in form in the feminine.

[ 17 ] So wird nicht von einer einseitigen Betrachtung des physischen Daseins ausgegangen, wenn das Wesen der Geschlechter ergründet werden soll, sondern eine Antwort gegeben auf den geistigen Gebieten des Daseins. So nur finden wir die übergeschlechtliche Harmonie, die insofern entsteht, als sich die beiden Geschlechter zu ihr erheben. Wenn wir also kraft der Erkenntnisse, die Geisteswissenschaft zu geben hat, in Stand gesetzt werden, das Übergeschlechtliche im praktischen Leben wirken zu lassen, dann ist die Geschlechterfrage gelöst. Das aber führt nicht vom Leben hinweg. Denn was uns in den beiden Erscheinungen der menschlichen Wesenheit entgegentritt, können wir in richtiger Weise läutern, wenn wir diese höhere Harmonie bewußt anstreben. So wird die Geschlechterfrage vertieft und der Gegensatz harmonisiert. Alles Geschlechtliche erlangt eine ganz andere Form und Bedeutung. Nicht durch Dogmen können wir die Geschlechterfrage lösen, sondern dadurch, daß wir einen gemeinsamen Boden aufsuchen, Empfindungen und Gefühle finden, die über die Geschlechter hinausführen. Im unmittelbaren sozialen Verkehr wird die Geschlechterfrage so zu lösen sein, wie es einer vorgeschrittenen Menschheit gemäß ist. Wenn der Mensch das Übergeschlechtliche findet, dann ist für ihn diese Zeitfrage gelöst.

[ 17 ] Thus, when seeking to fathom the nature of the sexes, we do not start from a one-sided view of physical existence, but rather find an answer in the spiritual realms of existence. Only in this way do we find the harmony that transcends the sexes, which arises to the extent that both sexes rise to it. If, therefore, by virtue of the insights provided by spiritual science, we are enabled to allow the trans-gendered to take effect in practical life, then the gender question is resolved. But this does not lead us away from life. For we can properly purify what confronts us in the two manifestations of the human being if we consciously strive for this higher harmony. In this way, the gender issue is deepened and the opposition harmonized. Everything related to gender takes on a completely different form and meaning. We cannot resolve the gender issue through dogmas, but rather by seeking common ground and finding sentiments and feelings that transcend gender. In immediate social interaction, the gender issue will thus be resolved in a manner befitting an advanced humanity. When human beings discover what transcends gender, then this contemporary issue will be resolved for them.

[ 18 ] Und so hat sich uns auch bei dieser Betrachtung gezeigt, was sich immer und immer wieder zeigt: daß wir von dem Sinnenschein die Wesenheit trennen müssen. Wir müssen den ganzen Menschen betrachten, den Menschen nach der Seite der Sinne, den Menschen nach der Seite des Geistes, wenn wir die Rätsel des Lebens lösen wollen. Über dem Sinnengegensatz zeigt sich, daß Mann und Weib nur Kleid sind, Hüllen, die die eigentliche Wesenheit des Menschen verbergen. Suchen müssen wir hinter dem Kleide. Da steht der Geist. Wir dürfen also nicht bloß auf die äußere Seite des Geistes eingehen, wir müssen eingehen auf den Geist selber.

[ 18 ] And so, in this reflection as well, we have seen what is revealed time and time again: that we must separate essence from sensory appearance. We must consider the whole human being—the human being from the perspective of the senses and the human being from the perspective of the spirit—if we are to solve the mysteries of life. Behind the contrast of the senses, it becomes clear that man and woman are merely garments, shells that conceal the true essence of the human being. We must look beyond the garment. There we find the spirit. We must not, therefore, merely address the outer aspect of the spirit; we must address the spirit itself.

[ 19 ] Dasselbe aber könnte auch so ausgesprochen werden: Von der Weisheit gesättigte Liebe, von der Liebe durchdrungene Weisheit ist das Höchste. «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.» Das Weibliche ist das Element in der Welt, das hinausstrebt, um sich befruchten zu lassen von den ewigen Tatsachen des Lebens.

[ 19 ] But the same idea could also be expressed this way: Love imbued with wisdom, wisdom permeated by love, is the highest good. “The Eternal Feminine draws us upward.” The feminine is the element in the world that reaches outward to be fertilized by the eternal realities of life.