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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

18 March 1908, Berlin
in lieu of 14 November 1907, Berlin

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4. Mann und Weib im Lichte der Geisteswissenschaft

Man and Woman in Light of Spiritual Science

[ 1 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft soll nicht dazu da sein, durch schwärmerische Mystik irgendwelcher Art den Menschen dem Leben zu entfremden. Sie soll den Menschen durchaus nicht abführen von den Aufgaben des Alltags und der Zeit; im Gegenteil, Geisteswissenschaft soll just das sein, was dem Menschen Stärke und Energie, Umsicht und Unbefangenheit gibt für die Aufgaben des Lebens, für die Forderungen der unmittelbaren Wirklichkeit. Darum darf auch wohl innerhalb dieser Geisteswissenschaft zuweilen nicht nur von den großen Weisheitsfragen der Menschheit gesprochen werden, dem Wesen der Menschheit, dem Wesen der Welt, sondern es wird auch gesucht werden müssen, von dem Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft Licht zu verbreiten über Fragen, die uns unmittelbar beschäftigen. Und so werden wir es in diesen Vorträgen zu tun haben mit Betrachtungen, die durchaus das betreffen, was man Zeitfragen nennt.

[ 1 ] Anthroposophical science does not exist in order that human beings be estranged from life through some kind of mysticism. It should in no way divert people from their tasks in daily life or the present. On the contrary, spiritual science should bring strength, energy and open mindedness to humanity so that people can meet what daily life and our times demand. Hence it follows that spiritual science must not concern itself solely with the great riddles of existence, of the nature of human existence and the meaning of the world, but must also seek to cast light on those questions which confront us directly. Therefore in these lectures we shall deal throughout with what are commonly called questions of our time.

[ 2 ] Derjenige aber, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, sieht sich in eine besondere Lage versetzt gegenüber solchen unmittelbaren Zeitfragen, denn er erregt die Erwartung, daß er sich mischt in die Debatten des Tages. Und leicht kann er diese Erwartung erregen, wenn es sich handelt um die Frage: Mann und Weib — Mann, Weib und Kind. Und gerade weil der Geistesforscher genötigt ist, vermöge seines Standpunktes solche Fragen von einer höheren Warte herab zu betrachten, so kann es scheinen, als ob eine solche Betrachtung hinwegleite von dem, was man in den üblichen Debatten des Tages anschlägt an Meinungen, Anschauungen und so weiter. Aber, wenn es auch wahr ist, daß Geisteswissenschaft solche Fragen in ein höheres Licht rücken muß, so ist gerade diese Geisteswissenschaft befähigt, unmittelbar praktisch einzugreifen in die Probleme des Tages. Denn das ist das Eigentümliche geisteswissenschaftlicher Betrachtung, daß sie auf der einen Seite solche Fragen hinaufhebt zu den Gesichtspunkten des Ewigen, dadurch aber zu gleicher Zeit auch die Handhaben bietet für das alltägliche Leben, während alles parteimäßige Betrachten in etwas hineinführt, was im Leben des Alltags sich als unanwendbar erweist. Das hat man sich vor Augen zu führen, wenn unternommen werden soll, von einem höheren Gesichtspunkt aus das Verhältnis von Mann und Weib zu betrachten. Es wird manches ganz sonderbar erscheinen, was da zu sagen ist. Aber wenn Sie tiefer eingehen auf diese Dinge und die Tatsachen des Lebens daran messen, so werden Sie finden, daß Sie eine viel gründlichere Antwort durch Geisteswissenschaft gewinnen können als durch das, was man sonst darüber hört.

[ 2 ] But whoever would speak out of spiritual science on such contemporary issues finds himself in a special position, for he raises the expectation that he will directly enter these current debates. And this expectation arises very easily with the questions of man and woman, or man, woman and child. Yet precisely because the spiritual researcher must consider these questions from a higher vantage point, his observations seem to lead away from the outlook and opinions arising in conventional discussions. Although spiritual science must indeed look at these questions from a higher perspective, it is precisely spiritual science which is able to work most practically on these issues. For while it is of the nature of spiritual scientific observation that such questions are raised into their eternal context, at the same time such observation makes visible practical solutions to concrete problems (unlike party programmes, slogans and the like which prove to be unworkable in practice). This must always be remembered when considering the relationship of man and woman from a higher vantage point. Many of the things to be said will sound quite strange. But if you penetrate deeper into them you will discover that spiritual science can offer a far more thorough answer to questions of practical life than can be found in other quarters.

[ 3 ] Geisteswissenschaft geht aus von der Grundanschauung, daß hinter allem Sinnlich-Sichtbaren ein Seelisch-Geistiges steht. Gerade die uns beschäftigenden Fragen werden erst dann in der richtigen Weise uns vor Augen stehen, wenn wir hinblicken auf das geistig Wesenhafte, das hinter dem Sinnlichen steht. Und so müssen wir uns denn fragen: Was steht als ein Geistiges hinter den beiden Geschlechtern? Und da kann uns vielleicht das Wesen der Geschlechter dadurch enthüllt werden, daß wir auf dieses Geistige eingehen, das hinter der sinnlichen Verschiedenheit der Geschlechter liegt. Da aber werden wir sehen, daß Geisteswissenschaftaus ihrem Wesen heraus hinführt zu allerlei Wahrheiten, die unsere heutige Zeit auf ihre Weise schon ahnt auch aus der materialistischen Weltanschauung heraus. Aber weil hinter diesen Ahnungen nur eine materialistische Weltanschauung steht, erweisen sie sich als trügerisch.

[ 3 ] Spiritual science takes its start from the knowledge that behind all that is sense perceptible stands a soul-spiritual nature. Only when we turn our gaze towards the spiritual lying behind the sense world, will the questions with which we wish to concern ourselves appear in their right light. And so we must ask ourselves: What is the spiritual nature of the two sexes? We shall then see that the truths revealed by spiritual science are already sensed by many today, even by those of a materialistic world outlook. But as these inklings are only based on a materialistic conception they often appear as illusory.

[ 4 ] Was hat nun der Materialismus über das Wesen der Geschlechter zu sagen? Am besten können wir uns darüber dadurch orientieren, daß wir das betrachten, was die letzten Zeiten über diese Frage zutage gefördert haben. Seit geraumer Zeit sucht ja die Frau immer mehr sich der Epoche der Menschheitsentwickelung zu nähern, welche die volle Gleichberechtigung der beiden Geschlechter hat. Indem also die Frau eingetreten ist in den Kampf für ihre Rechte, wird es uns interessieren, was der Materialismus über das Wesen der Frau zu sagen hat. So werden wir einen Maßstab gewinnen, wie man in der Gegenwart über eine so wichtige Frage denkt. Nun könnte man die allerverschiedensten Stimmen über das Wesen des Weiblichen anführen, wie sie etwa zusammengestellt sind in dem Buche «Zur Kritik der Weiblichkeit» von Rosa Mayreder. Man tut gut daran, solche Urteile bei führenden Persönlichkeiten der Gegenwart zu suchen. Bei einem sehr bedeutenden Naturforscher des 19. Jahrhunderts ist als Grundeigenschaft der Frau angegeben das Gefühl der Demut. Ein anderer, der auch ein Recht hat mitzusprechen, findet als weibliche Grundqualität die Zornmütigkeit. Ein anderer Naturforscher, der viel Aufsehen erregt hat, kommt zu dem Ergebnis, daß das Grundwesen der Frau am besten sich ausdrücken lasse mit Ergebenheitsgefühl; ein anderer mit Herrschsucht, ein anderer mit konservativem Sinn, und wieder ein anderer findet, die Frau sei das eigentlich revolutionierende Element in der Welt. Und noch ein anderer sagt, bei der Frau finde sich ganz besonders ausgeprägt die Fähigkeit der Analyse, wogegen ein anderer feststellt, der Frau fehle die Fähigkeit der Analyse vollständig, sie habe nur die Möglichkeit der Synthese entwickelt.

[ 4 ] What then does materialism have to say about the nature of the sexes? We may best orientate ourselves towards this question by considering that women have for some time sought to approach the time in human evolution when both sexes shall attain full equality. In so far as women have stepped into the struggle for their rights, it is important for us to learn what materialism has to say about female nature. Then we will find a point of reference on how the modern world thinks about this question. One could quote the most varying ideas on female nature such as they appear in the book A Survey of the Woman Problem (Zur Kritik der Weiblichkeit) by Rosa Mayreder. It is indeed very good to seek the opinions of leading personalities of the day on issues of this kind. A very noteworthy scientist of the nineteenth century described the basic quality of woman to be humility. Another whose comment is equally valid declared it to be an angry disposition. Another scientist who sparked off much controversy came to the conclusion that female nature is basically submissive, while yet another felt it consisted of the desire to dominate. One described women as conservative, still another felt women to be the true revolutionary element in the world. And yet another said that the ability to analyse was well developed in women, as opposed to others who believed that women lack this quality entirely and have only developed the capacity for synthesis.

[ 5 ] Man könnte diese Blütenlese beliebig vermehren, herausbekommen würde man am Schlusse nur, daß das äußerliche Anschauen gescheite Menschen zu den entgegengesetzten Urteilen bringt. Wer tiefer auf die Sache eingehen will, der müßte sagen: Diese Betrachter gehen vielleicht von ganz falschen Voraussetzungen aus; nicht das Außerliche bloß sollte man ansehen, sondern das ganze Wesen. — Aufgedrängt durch die Tatsachen ging manchem Forscher eine Ahnung auf, aber sie wurde eingetaucht in materialistisches Denken. So schreibt da zum Beispiel ein junger Geist, Otto Weininger, ein Buch über «Geschlecht und Charakter». Otto Weininger war ein Mensch von großen Anlagen, der aber diese großen Anlagen versprüht hat, weil die ganze Schwere der materialistischen Weltanschauung unserer Zeit auf seiner Seele lastete. Er meinte nämlich: Das Wesen des Menschen kann nur so betrachtet werden, daß man in dem einzelnen Menschen nicht einseitig das Männliche und das Weibliche betrachtet, sondern bemerkt, daß dem Männlichen zugemischt ist das Weibliche und umgekehrt. — Die Ahnung einer Idee dämmert also auf in der Seele dieses Weininger. Aber diese Ahnung ist durch die Suggestionen der Zeit gepreßt in materialistisches Denken. Und so glaubt denn Weininger in einer gewissen stofllichen Mischung das Ineinanderwirken des Männlichen und Weiblichen zu sehen, so daß wir in jedem Manne ein verborgenes Weibliches zu finden hätten und in jeder Frau ein verborgenes Männliches. Daraus ergeben sich ihm aber sonderbare Konsequenzen. Weininger sagt da zum Beispiel: der Frau gehe ab ein Ich, Individualität, Charakter, jegliche Persönlichkeit, alle Freiheit und so weiter. Und da es sich für seine Anschauung um eine rein stoffliche, sozusagen quantitative Mischung männlicher und weiblicher Eigenschaften handelt, so hat also der Mann dies alles in sich. Aber offenbar wird dies durch seine männlichen Eigenschaften zunichte gemacht. Sie sehen, wenn man den Dingen zu Leibe geht, stoßen wir auf eine Anschauung, die sich in sich selbst vernichtet. Aber es liegt, wie wir sehen werden, durchaus eine richtige Ahnung zugrunde.

[ 5 ] This quaint collection could be extended indefinitely, though in the end one would only learn that through looking at things on a purely external level, intelligent people are led to opposite conclusions. Those who wish to enter into the thing more deeply must ask whether perhaps these observers are starting from false premises. One cannot merely look at externalities, rather one must consider the whole being of the human being. An inkling of the truth dawned in many researchers through the facts themselves. However this was submerged by materialistic thought. For example a young man, Otto Weininger, wrote a book entitled Sex and Character. Otto Weininger was a man with great potential which, however, he was unable to develop because the full weight of materialism rested heavily on his soul. He was of the opinion that the individual human being can be seen neither as entirely masculine nor feminine but rather that the masculine is mixed together with the feminine and vice versa. This embryo of an idea dawned in the soul of Weininger but was stultified by the prevailing materialism. Thus Weininger imagined there to be a mixing and material interaction of the masculine and feminine principles such that in every man a hidden woman and in every woman a hidden man is to be found. But out of this, some strange conclusions came to him. Weininger said for example that the woman possesses no ego, individuality, character, or personality, no freedom and so on. As his theory was concerned only with a purely material, quantitative mixing of male and female properties, it followed that the man possesses all of these things. These, however came to nothing in him because of his other male qualities. Thus if we enter into this logically we soon discover a theory which destroys itself. Yet as we shall see, there is some truth in it.

[ 6 ] Nun werden wir in bezug auf diese Dinge einzutreten haben in die geisteswissenschaftliche Grundanschauung. Es ist von mir immer und immer wieder betont worden, daß es der Geisteswissenschaft nicht so leicht gemacht wird, das Wesen des Menschen zu betrachten, wie es bei der materialistisch orientierten Wissenschaft der Fall ist. Denn das, was man physisch-sinnlich am Menschen sieht, ist der Geisteswissenschaft nur ein Glied der ganzen Wesenheit, der physische Leib. Darüber hinaus unterscheidet Geisteswissenschaft den ätherischen Leib oder den Bildekräfteleib, den der Mensch mit Pflanzen und Tieren gemein hat. Als drittes Glied der menschlichen Wesenheit erkennt sie dasjenige, was Träger ist von Lust und Leid, was da lebt in unseren Empfindungen und Gefühlen, den Astralleib oder Seelenleib, den der Mensch mit den Tieren gemein hat. Und als viertes Glied wird erkannt dasjenige, was den Menschen erst zum Menschen macht, das Bewußtsein seiner selbst, das Ich. So beschreibt Geisteswissenschaft den Menschen als aus vier Gliedern bestehend.

[ 6 ] I have emphasised again and again that it is not as easy to understand the human being out of spiritual science as it is out of a materialistically orientated science. For that which we perceive as the sense-perceptible human being, is for spiritual science only one member of the whole being, namely the physical body. Beyond that, however, spiritual science distinguishes the etheric body which the human has in common with animals and plants. As a third member of the human being it characterises the astral or soul body as that which lives in our feelings and sensations and is the bearer of our joys and sorrows. This member we have in common with the animal world. And as the fourth member spiritual science recognises that which makes human beings human and conscious of themselves—the ego. Spiritual science thus describes the human being as possessing four members.

[ 7 ] Zunächst berühren uns der physische und der ätherische Leib. Und hier ist auch verborgen die Lösung des Rätsels in bezug auf das Verhältnis der Geschlechter. Und nun muß der Geistesforscher etwas sagen, was ihm bei vielen Zeitgenossen den Vorwurf der Narretei erweckt: Der Mensch ist seiner Wesenheit nach ein eigentümlicher Organismus; nur teilweise ist nämlich der Ätherleib eine Art Abklatsch des physischen Leibes. In bezug auf die Geschlechtlichkeit liegt die Sache anders. Beim männlichen Geschlecht ist der Ätherleib weiblich, beim weiblichen Geschlecht männlich. So sonderbar das zunächst erscheinen mag, eine tiefere Beobachtung muß dahin führen, diese außerordentlich bedeutsame Tatsache einzusehen: Im Verborgenen jedes Menschen ruht etwas vom andern Geschlecht. Dabei soll jedoch gar nicht auf alle möglichen abnormen Lebenserscheinungen Rücksicht genommen werden, sondern nur auf das, was die normalen Verhältnisse sind.

[ 7 ] At present we will concern ourselves with the physical and etheric bodies. For herein lies the solution to the riddle of the sexes. The etheric body is only to a certain extent a picture of the physical body. In regard to the sexes things are different. In the man the etheric body is female and in the woman it is male. However strange it may seem, a deeper observation will disclose the following: Something of the opposite sex lies hidden in each person. It is no good however to look for all kinds of abnormal phenomena, rather one needs to pay attention to normal experiences.

[ 8 ] Angesichts dieser Tatsache aber hört die Möglichkeit auf, im strengen Sinne des Wortes von Mann und Weib zu sprechen, sondern man muß sprechen von männlichen und weiblichen Eigenschaften. Die Frau kehrt gewisse Eigenschaften nach außen, entgegengesetzte nach innen. Das Weib hat im Innern männliche Eigenschaften, der Mann weibliche. Wenn also der Mann durch seine äußerliche Körperlichkeit beispielsweise zum Krieger wird, indem diese äußere Tapferkeit gebunden ist an die äußere Organisation seines Körpers, so hat die Frau die innere Tapferkeit, die Fähigkeit der Aufopferung, der Hingabe. Der Mann geht, wenn er sich zum Schaffen erhebt, in dem auf, was draußen ist. Die Frau wirkt in hingebungsvoller Passivität in der Welt. Unzählige Erscheinungen des Lebens werden uns klar werden, wenn wir die menschliche Wesenheit aus zwei Polen zusammenwirkend denken, den männlichen Pol nach außen, den weiblichen nach innen beim Mann, bei der Frau den weiblichen Pol nach außen, den männlichen nach innen.

[ 8 ] By confronting this fact, it is no longer possible in the strict sense to speak of man and woman, but rather of masculine and feminine qualities. Certain qualities in the woman work more outwardly while others are more inward. The woman has masculine qualities within herself and the man feminine qualities. For example a man becomes a warrior through the outer courage of his bodily nature, a woman possesses an inner courage, the courage of sacrifice and devotion. The man brings his creative activity to bear on external life. The woman works with devoted receptivity into the world. Countless phenomena of life will become clear to us if we think of human nature as the working together of two polar opposites. In the man the masculine pole works outwards and the feminine lives more inwardly, while in the woman the opposite holds true.

[ 9 ] Geisteswissenschaft zeigt uns aber auch die tieferen Gründe davon auf, warum in dem Männlichen ein Weibliches sich findet, im Weiblichen ein Männliches. Geisteswissenschaft spricht davon, daß der Mensch durch viele Leben durchgeht zu immer höherer Vollkommenheit. Das gegenwärtige Leben ist immer die Folge der früheren. Und indem der Mensch dergestalt durch viele Leben hindurchschreitet, geht er auch durch männliche und weibliche Verkörperungen.

[ 9 ] Spiritual science however also shows us a deeper reason why a masculine quality is to be found in the woman and a feminine in the man. Spiritual science speaks of how human beings strive after ever greater perfection, through many lives. Our present life is always the result of a previous one. Thus as we proceed through many lives, we experience both male and female incarnations. What arises in this way may be expressed as the effect of those experiences gathered on both sides in earthly life.

[ 10 ] So drückt sich also aus in dem, was so entsteht, die Wirkung dessen, was wir an Erfahrungen, Erlebnissen nach beiden Seiten hin als Erdenmenschen machen können. Wer so, wie es geschildert worden ist, in das männliche und in das weibliche Wesen hineinschauen kann, weiß, daß die intimeren Erlebnisse der beiden Geschlechter ganz andere sind, ganz andere sein müssen. Unser ganzes Erdenleben ist ein Aufsammeln der allerverschiedensten Erlebnisse und Erfahrungen. Allseitig aber können diese Erlebnisse und Erfahrungen nur werden dadurch, daß der Mensch diese Erlebnisse und Erfahrungen von beiden Geschlechtern aus macht. So zeigt sich uns, wenn wir den Menschen auch nur schon hinsichtlich seiner zwei niederen Glieder betrachten, daß er in Wahrheit ein Doppelwesen ist. Solange man jedoch nur den physischen Leib anerkennt, kann etwas Vernünftiges nicht herauskommen. Man muß das Geistige anerkennen, das dahinter ist. Durch das Männliche erscheint uns in dem Manne seine innere Weiblichkeit, und durch das Weibliche in der Frau ihre innere Männlichkeit. Nun begreift man auch, wie so viele Beurteiler, die Mann und Weib äußerlich anschauen, in die Irre gehen; es kommt eben ganz darauf an, ob man auf das Innere oder auf das Äußere blickt. Ganz dem Zufall ist derjenige unterworfen, der nur die eine Seite des menschlichen Wesens kennt. Wenn zum Beispiel der eine Forscher als Haupteigenschaft der Frau die Demut findet und ein anderer den Zorn, so hat jeder eben nur eine Seite derselben Wesenheit betrachtet. Der Irrtum muß bei dieser Art des Ansehens auftreten. Um die volle Wahrheit zu erkennen, müssen wir auch den vollen Menschen ansehen.

[ 10 ] Whoever is able in this way to look more deeply into the male and female natures knows that the more intimate experiences of the two sexes are very different, and must be very different. Our entire earth existence is a collection of the most varied experiences. However, these experiences can only become comprehensive through their being acquired from the viewpoint of both sexes. Hence we can see that even if we only consider the human being with regard to the two lower members, we see in reality a being with two sides. So long as one merely looks at the physical body little can be understood. The spiritual lying behind must also be recognised. Through his masculine nature the inner femininity of the man appears, and through the woman's feminine nature her inner masculinity appears. Now one can grasp why it is that so many misjudgments have been made about this question; it depends on whether one looks at the inner, or the outer aspects. In considering only one side of the human being, one is subjected entirely to chance. If, for example, one researcher finds that the main quality of the woman is humility and another that it is an angry disposition, it simply means that both have observed only one side of the same being. Error must occur with this kind of approach. In order to recognise the full truth we must look at the whole human being.

[ 11 ] Zu einer solchen Erkenntnis der vollen Wahrheit gehört aber auch, daß man noch etwas anderes berücksichtigt: Wir müssen den Menschen betrachten in seinen wechselnden Zuständen von Wachen und Schlafen. Im Schlafe ist herausgehoben aus der physisch-ätherischen Organisation des Menschen der astralische Leib und das Ich. Mit dem Einschlafen verliert der Mensch das gewöhnliche Tagesbewußtsein; er tritt ein durch den Schlaf in ein anderes Bewußtsein, das Schlafbewußtsein. Die Wahrnehmungen und Erlebnisse, die Ich und astralischer Leib während des Schlafes in der geistigen Welt machen, bleiben dem gewöhnlichen Bewußtsein verborgen. In seiner gegenwärtigen Entwickelung ist der Mensch so organisiert, daß Ich und Astralleib sich im Wachzustande bedienen müssen der physischen Sinnesorgane, um zu einem Bewußtsein der physischen Welt zu gelangen. Heute ist man freilich der Anschauung, daß die physischen Apparate unserer Sinnesorganisation es sind, welche sehen, hören, schmecken, tasten und so weiter. Aber noch ein Denker wie Fichte sagt: Nicht das Ohr hört, sondern ich höre. — So ist auch alle Sinneswahrnehmung ausgehend von dem Ich, der eigentlichen inneren Wesenheit des Menschen. Und jeden Morgen, wenn der Mensch aufsteht, verschaffen Ich und astralischer Leib durch die Sinnesorgane sich Kenntnis von ihrer physischen Umgebung. Anders verhält es sich während des Schlafes: Ich und astralischer Leib weilen in der geistigen Welt. Doch hat der Mensch in seinem astralischen Leibe die entsprechenden Sinnesorgane, um im Astralraum sehen zu können, gewöhnlich nicht ausgebildet. Wer das nicht zugeben will, müßte konsequenterweise sagen: Eigentlich stirbt der Mensch jeden Abend. So befindet sich also der Mensch während der Nacht in einer geistigen Welt.

[ 11 ] Something else must also be taken into account in order to gain knowledge of the whole truth. We must observe the human being in alternating sleeping and waking states. During sleep the astral body and the ego are raised out of the physical-etheric organism of the human being. On falling asleep one loses one's day consciousness; one enters into a different state of consciousness—a sleep consciousness. The perceptions and experiences which are made by the ego and astral body during sleep in the spiritual world remain hidden to our usual consciousness. In the present evolutionary state the human being is organised in such a way that the ego and astral bodies must make use of the physical sense organs in order to become aware of the physical world. That we see, hear, taste, and so on with our physical organs of sense is an idea widely held today. A thinker like Fichte however, would say: The ear does not hear—I hear. The ego, the human being's true inner being, is therefore the starting point for all our sense perceptions. And each morning when we awaken, the ego and astral body experience new knowledge of the physical world through the sense organs. It is different during sleep, for the ego and astral body spend their time in the spiritual world. The human being has sense organs in the astral body which enable perception in the astral world, but these have normally not been developed. Those who are unable to accept this as a possibility must be more consequent and say that in reality human beings die every evening. But human beings do find themselves in the spiritual world at night.

[ 12 ] Nun aber hängen geistige Welt und physische Welt in eigentümlicher Weise zusammen, denn alles Physische ist nur eine Art Verdichtungszustand des Geistigen. Wie Eis verdichtetes Wasser ist, so sind physischer Leib und Ätherleib Verdichtungen des astralischen Leibes. Der heutige Materialismus wird allerdings sehr schwer nur zugeben, daß der Geist der Schöpfer alles Stofflichen ist, aber die Tragik des Materialismus beruht ja gerade darauf, daß der Materialismus just von der Materie am allerwenigsten versteht. Und so kommt man denn auch zu sehr sonderbaren Dingen, wenn man ableugnet, daß alles Materielle nur ein verdichtetes Geistiges ist. Wenn man allerdings bei den populären Begriffen stehenbleibt, so wird den meisten Menschen nicht gleich das aller Vernunft Hohnsprechende sichtbar bei einem Satze wie diesem: Das Leibliche sei die Grundlage für das eigentlich Seelische, alles sogenannte Geistige sei aus dem Leiblichen abzuleiten. — Deutlicher wird es schon, wenn man die letzten Konsequenzen zieht, wie es zum Beispiel der Pragmatismus tut, der aus Amerika stammt, aber auch schon Europa angesteckt hat. Aus einem einzigen Satze kann man da sehen, wie diese Theorie allem gesunden Menschenverstand Hohn spricht; so heißt es da etwa: Der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern er ist traurig, weil er weint! — Man nimmt nicht wahr, daß da eine seelische Stimmung einwirkt auf das Physische, sondern man glaubt, daß irgendwelche äußeren Ursachen die Tränen herauspressen, und dann wird der Mensch eben traurig. Das ist die Konsequenz des Materialismus ins Absurde getrieben.

[ 12 ] Further than this, the spiritual and physical worlds have a unique relationship to one another, for everything physical is only a very dense form of the spiritual. In the same way as ice is densified water, so are the physical and etheric bodies a densification of the astral body. Present day materialism will find it very hard to admit that the spirit creates everything material. It is, however, the tragedy of materialism that it understands the nature of matter least of all. One arrives at some very strange conclusions if one denies that matter is a condensed form of the spiritual. Naturally if one stays with popular concepts, most people will not immediately recognise anything less than pure reason in such a sentence as the following: The body is the foundation for our true soul nature; all so called spiritual things can be guided through that which is bodily. It becomes much clearer, however, if one takes it to its logical conclusion, as is done for instance in that pragmatism which comes from America. One single sentence will easily show how this theory speaks pure nonsense to the human mind. Thus it declares that man does not cry because he is sad, but rather is sad because he cries. That a soul mood might have an effect on the physical is not deemed possible, instead one believes that some outside event causes the tears to run which then makes the person sad. This is the consequence of materialism carried to its logical absurdity.

[ 13 ] Geisteswissenschaft weiß, daß die zwei höheren Wesensglieder des Menschen, Ich und astralischer Leib, in der Nacht heraus sind und ätherischen Leib und physischen Leib zurückgelassen haben. So läßt eben im Schlafe der Mensch auch seine männliche und weibliche Organisation zurück und verweilt in einer geistigen Welt als ein Wesen, das nichts Männliches und Weibliches mehr an sich trägt, als geschlechtlich undifferenziertes Wesen. So also teilt jeder Mensch schon hier sein Leben in Geschlechtliches und Ungeschlechtliches.

[ 13 ] Spiritual science knows that the two higher members of the human being, the ego and the astral body leave during the night while the physical and etheric bodies remain behind. Thus it follows that during sleep the human being leaves behind male and female aspects and lives as a sexually undifferentiated being in the spiritual world. Everyone's life is thus divided between a sexual and an asexual experience.

[ 14 ] Hat nun das Geschlechtliche keine Bedeutung in der geistigen Welt? Hat der Gegensatz zwischen physischem Leib und Ätherleib, der die Erscheinung der beiden Geschlechter in dieser Welt hervorbringt, kein Gegenbild in den höheren Welten? Nun, damit verhält es sich so, daß wir zwar das Geschlechtliche nicht mit hinaufnehmen in die höheren Welten, aber den Ursprung der beiden Geschlechter finden wir in der astralischen Welt. So wie das Eis aus dem Wasser, so ist das, was in der physischen Welt als Männliches und Weibliches uns entgegentritt, aus dem Gegensatze höherer Prinzipien gebildet. Dieser Gegensatz stellt sich uns am besten dar, wenn wir ihn charakterisieren als den Gegensatz von Leben und Form. Diese Polarität finden wir auch in der Natur ausgedrückt. Der Baum zeigt sprießende Lebenskraft und zugleich auch das, was in die feste Form drängt, was das Wachstum aufstaut, die sprossende Kraft zum festen Stamme bildet. So müssen in allem Leben und Dasein zusammenwirken Leben und Form. Und wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus das Wesen der Geschlechter betrachten, so können wir sagen: Das Abbild des Lebens ist das Männliche, das jedoch, was das Leben in eine gewisse Form bringt, drückt sich aus im Weiblichen. — Wenn zum Beispiel der Künstler den Stoff formt, dann geschieht ja folgendes: Was da der Künstler dem Marmor einformt, das ist ja nicht zu finden in der sinnlichen Natur; nur das Wesen des Künstlers, das in der geistigen Welt wurzelt und dort seine Befruchtung holt, kann künstlerisch schaffen, künstlerisch gestalten. Und so ist es eben in Wahrheit so, daß in Astralleib und Ich immerfort einströmen die Kräfte und Wesen der geistigen Welt. Und dasjenige, was der Künstler hineinschafft in den Stoff, der Materie einprägt, das ist die Erinnerung daran, was in der geistigen Welt in ihm angeregt worden ist. Würde der Mensch nicht stets im Schlafe in seine Urheimat zurückkehren, in der geistigen Welt verweilen, dann brächte er in das physische Dasein nicht herüber die Befruchtungskeime zu allen großen und edlen Tätigkeiten. Nichts Schlimmeres also kann geschehen, als wenn sich der Mensch auf die Dauer dem Schlafe entzieht.

[ 14 ] Do the sexes then have no meaning in the spiritual world? Does the polarity of physical and etheric body which makes the two sexes manifest here on earth, find no echo in the higher worlds? Certainly we do not take our sexual nature with us into higher worlds; however, the origin of the two sexes is to be found in the astral sphere. In the same way as ice is formed from water, that which meets us in the physical world as masculine and feminine is formed out of the polarity of higher principles. We can approach this best if we consider it as the polarity of life and form. This polarity is also expressed in nature. We can see budding life in the tree and at the same time that which builds up hard forms, slows down growth and transforms it into the solid trunk. Life and form must work together in everything that lives. And if we look at the nature of the sexes from this standpoint we can say: That which corresponds to the life principle is the masculine, while that which brings life into a certain form expresses itself in the feminine. That which an artist creates in the way of form in marble, for example, is not to be found in outer nature. Only the artist's inner being, which is rooted in the spiritual world and finds its nourishment there, can be artistically creative. Indeed the reality is that the forces and beings of the spiritual world are continually streaming into the astral body and ego of the human being. And that which the artist creates as an imprint on matter is a memory of something with which he has been stimulated in the spiritual world. Were the human being unable to return to a spiritual homeland during sleep, it would not be possible to carry into physical existence the seeds needed to initiate great and noble deeds. Therefore nothing could be worse for the human being than prolonged loss of sleep.

[ 15 ] Dasjenige also, was der Künstler von der geistigen Welt her aufgenommen hat und unbewußt in sein Werk hineinlegt, es erscheint als Leben und Form. Und so könnte man darauf kommen, einmal zu fragen: Warum erscheint uns denn eigentlich die «Juno Ludovisi» so wunderbar? — Da ist das große Antlitz, die breite Stirn, die eigentümliche Nase. Wenn wir mit unserer Empfindung wie tastend darüber hinführen, könnten wir sagen: Hier ist ein Bild, von dem wir uns gar nicht vorstellen können, daß ein Geistiges zurückgeblieben ist; in diesem Gesichte sehen wir ganz in die Form eingeschlossen Seele und Geist. Diese Form kann für die Ewigkeit so bestehen. Hier ist das innere Leben ganz Form geworden, in der Form erstarrt, hier ist Form gewordene Seele und Geist. Dann aber blicken wir hin auf den Zeuskopf. Der eigentlich schmalen Stirn liegt auch Geist und Seele zugrunde, aber man hat das Gefühl, diese Form müßte sich jeden Moment ändern. Aus einer tiefen Inspiration des Künstlers heraus ist da festgehalten Leben und Form in aller Wirklichkeit.

[ 15 ] That which the artist has drawn from the spiritual world and has built unconsciously into his work then appears as life and form. One might ask why it is that the “Juno Ludovisi” appears so wonderful to us. There is the large face, the wide forehead, the unusual nose. If we try and feel our way into this picture we would come to experience how impossible it is to think away the spiritual; soul and spirit are to be found in the very form of this face. This form could stay like this forever. The inner life has become entirely form, is fixed in form; soul and spirit have become form. But then we look up at the head of Zeus. Soul and spirit are present in this rather narrow forehead too, but one has the feeling that this form could change at any moment. Out of a deep inspiration the artist has been able to hold on to life and form in all reality.

[ 16 ] Aber wie der Künstler in großen Momenten in solchen Werken tatsächlich von Leben und Form einen Abguß schafft, so ist unser ganzes Wesen in Wahrheit Leben und Form. Dadurch aber zeigt sich in der Tat, daß die Wesenheit des Menschen herausgebildet ist aus der geistigen Welt, aus dem immer werdenden Leben, und dem, was das Leben festhält, ihm Dauer verleiht. Der Mensch hat Teil an Leben und Tod als dem Ausdruck dieser höheren Polaritäten des Daseins. Und in diesem Sinne konnte Goethe sagen: «Der Tod ist der Kunstgriff der Natur, viel Leben zu haben.» Und so findet das Leben eine Form, nicht für ein einseitiges Leben, nicht für einen einseitigen Tod, sondern für das, was aus Leben und Tod ein höheres harmonisches Ganzes bildet. Dergestalt wirken Geistiges und Physisches zusammen durch die Medien des Männlichen und Weiblichen; das ewig werdende Leben im Männlichen und das Leben in der Form gehalten im Weiblichen.

[ 16 ] But just as the artist is able to mould life and form into his great works, so is our whole being in reality life and form. This in itself shows that human nature is of spiritual origin and is created out of life, out of the continuous process of life and that which gives it permanence. The human being experiences life and death as the expression of this higher polarity of existence. It is in this sense that Goethe could say: “Death is the means by which nature can create more life.” Thus life finds a form not for one-sided life, nor one-sided death, but for a higher harmonious whole which can be created through life and death together. On this basis spiritual and physical can work together through the medium of masculine and feminine; the eternally developing life in the masculine, and life held in form in the feminine principle.

[ 17 ] So wird nicht von einer einseitigen Betrachtung des physischen Daseins ausgegangen, wenn das Wesen der Geschlechter ergründet werden soll, sondern eine Antwort gegeben auf den geistigen Gebieten des Daseins. So nur finden wir die übergeschlechtliche Harmonie, die insofern entsteht, als sich die beiden Geschlechter zu ihr erheben. Wenn wir also kraft der Erkenntnisse, die Geisteswissenschaft zu geben hat, in Stand gesetzt werden, das Übergeschlechtliche im praktischen Leben wirken zu lassen, dann ist die Geschlechterfrage gelöst. Das aber führt nicht vom Leben hinweg. Denn was uns in den beiden Erscheinungen der menschlichen Wesenheit entgegentritt, können wir in richtiger Weise läutern, wenn wir diese höhere Harmonie bewußt anstreben. So wird die Geschlechterfrage vertieft und der Gegensatz harmonisiert. Alles Geschlechtliche erlangt eine ganz andere Form und Bedeutung. Nicht durch Dogmen können wir die Geschlechterfrage lösen, sondern dadurch, daß wir einen gemeinsamen Boden aufsuchen, Empfindungen und Gefühle finden, die über die Geschlechter hinausführen. Im unmittelbaren sozialen Verkehr wird die Geschlechterfrage so zu lösen sein, wie es einer vorgeschrittenen Menschheit gemäß ist. Wenn der Mensch das Übergeschlechtliche findet, dann ist für ihn diese Zeitfrage gelöst.

[ 17 ] When investigating the nature of the sexes we have not begun with a one-sided observation of physical existence but rather have sought an answer on the spiritual level of existence. The harmony above the sexes can only be found in so far as the two sexes raise themselves to that level. If, therefore, by making use of the knowledge to be gained from spiritual science we could enable the reality beyond the sexes to take effect in practical life, the problem of the sexes would be solved. This does not lead away from life however. For that which meets us in the two phenomena of human nature can best be clarified by consciously striving for this higher harmony. In this way the question of the sexes will be deepened and the polarities will be harmonised. Everything in the nature of the sexes attains a very different form and meaning. We cannot solve this question through dogma, rather we must seek a common ground, and find perceptions and feelings which lead beyond the sexes.

[ 18 ] Und so hat sich uns auch bei dieser Betrachtung gezeigt, was sich immer und immer wieder zeigt: daß wir von dem Sinnenschein die Wesenheit trennen müssen. Wir müssen den ganzen Menschen betrachten, den Menschen nach der Seite der Sinne, den Menschen nach der Seite des Geistes, wenn wir die Rätsel des Lebens lösen wollen. Über dem Sinnengegensatz zeigt sich, daß Mann und Weib nur Kleid sind, Hüllen, die die eigentliche Wesenheit des Menschen verbergen. Suchen müssen wir hinter dem Kleide. Da steht der Geist. Wir dürfen also nicht bloß auf die äußere Seite des Geistes eingehen, wir müssen eingehen auf den Geist selber.

[ 18 ] These observations have shown, as is found again and again, that we must distinguish between the reality of the senses and the nature of being itself. If we want to solve the riddles of life, we must observe the whole human being from the world of the senses and from the world of the spirit. It can be seen that beyond the sense-perceptible polarity, man and woman are only garments, sheaths which hide the true nature of the human being. We must search behind the garments, for there is the spirit. We must not merely consider the outer side of the spirit, we must enter into the spirit itself.

[ 19 ] Dasselbe aber könnte auch so ausgesprochen werden: Von der Weisheit gesättigte Liebe, von der Liebe durchdrungene Weisheit ist das Höchste. «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.» Das Weibliche ist das Element in der Welt, das hinausstrebt, um sich befruchten zu lassen von den ewigen Tatsachen des Lebens.

[ 19 ] We could also express it in this way: Love saturated with wisdom or wisdom penetrated with love is the highest goal. “The eternal feminine draws us forward.”1The closing lines of Goethe's Faust. The feminine is that element in the world which strives outward in order to be fructified by the eternal elements of life.