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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

23 January 1908, Berlin

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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

8. Die Seele der Tiere im Lichte der Geisteswissenschaft

8. The Soul of Animals in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Wenn es auch eine ewige Wahrheit bleibt, was auf dem berühmten griechischen Tempel stand als ein Ruf an des Menschen innerstes Wesen: Erkenne dich selbst! — wenn dies auch die Richtschnur bleiben muß für alles Denken, Forschen und Fühlen, so empfindet der Mensch doch bald, wenn er mit einem unbefangenen Blick in die Welt und auf sich selbst sieht, daß Selbsterkenntnis nicht allein sein kann ein Hineinschauen, ein Hineingaffen in das eigene Innere, ein Sich-selbst-Bespiegeln, sondern daß die wahre Selbsterkenntnis dem Menschen kommen muß durch die Anschauung der großen Welt und ihrer Wesenheiten.

[ 1 ] Even though it remains an eternal truth—what was inscribed on the famous Greek temple as a call to the innermost essence of humanity: “Know thyself!”—even though this must remain the guiding principle for all thought, inquiry, and feeling, yet when a person looks at the world and at himself with an unbiased gaze, he soon realizes that self-knowledge cannot consist solely of looking inward, gazing into one’s own inner self, or reflecting on oneself, but that true self-knowledge must come to a person through the contemplation of the great world and its entities.

[ 2 ] Dasjenige, was um uns herum ist, das, was mehr oder weniger mit uns verwandt, mit uns verbunden ist, demgegenüber wir uns hoch oder niedrig fühlen, das gibt uns, wenn wir es verstehen, auch im wahren Sinne des Wortes die rechte Selbsterkenntnis. Deshalb ist es auch immer empfunden worden, wie bedeutsam für des Menschen Erkenntnis das Wissen von denjenigen Geschöpfen sein müsse, die auf der Stufenreihe nach abwärts ihm die nächsten sind: die Erkenntnis des eigentlichen Wesens, des inneren Lebens der Tiere. Wenn der Mensch den Blick herumschweifen läßt über die Fülle der tierischen Formen, so bietet ihm jede eine Besonderheit dar, ausgestaltet im einzelnen. Wenn er auf sich selbst blickt, so findet er, auch bei oberflächlichem Blick, alles, was er verteilt sieht auf die einzelnen Tiere, bei sich selbst wieder, aber in eine gewisse Harmonie gebracht. Wenn er dasjenige, was ihn im Tierreiche draußen umgibt, ansieht, so kann ihn das gewissermaßen in Verwirrung bringen, so daß er es erst sondern muß, um es in eine Ordnung zu bringen. Das kann er am besten, wenn er es im großen Umkreise des tierischen Lebens ansieht. Aber wie so vieles andere in der menschlichen Erkenntnis, waren auch die menschlichen Anschauungen von den Tieren davon abhängig, wie der Mensch in einem gewissen Zeitalter und unter gewissen Voraussetzungen fühlt und empfunden hat.

[ 2 ] That which surrounds us—that which is more or less related to us, connected to us, and in relation to which we feel superior or inferior—gives us, when we understand it, true self-knowledge in the truest sense of the word. That is why it has always been recognized how significant, for human understanding, the knowledge of those creatures must be that are closest to us on the descending scale: the understanding of the true nature, the inner life, of animals. When a person lets their gaze wander over the abundance of animal forms, each one presents a distinctive feature, elaborated in detail. When he looks at himself, even at a superficial glance, he finds within himself everything he sees distributed among the individual animals, but brought into a certain harmony. When he looks at what surrounds him in the animal kingdom outside, it can, in a sense, confuse him, so that he must first separate it out in order to bring it into order. He can do this best when he views it within the broad context of animal life. But like so much else in human knowledge, human views of animals depended on how people felt and perceived things in a particular era and under certain conditions.

[ 3 ] Wir finden ja schon in unserer unmittelbaren Umgebung, wie verschieden sich die Menschen stellen zu diesen ihnen verwandten Geschöpfen. Wir sehen, wie der eine in den Tieren etwas sehen will, was seelisch-geistig den Menschen so nahe wie möglich steht. Und wir sehen wieder andere nicht müde werden, immer wieder den Abstand selbst der höchsten Tiere von den Menschen zu betonen. Wir sehen auch, wie im sittlichen Verhalten eine solche Verschiedenheit sich ausdrückt. Wir sehen, wie der eine dieses oder jenes Tier im wahrhaften Sinne des Wortes zu seinem lieben Freunde macht, wie er fast wie einem Menschen gegenüber den Diensten des Tieres gegenüber sich verhält, wie er ihm Liebe, wie er ihm Vertrauen, wie er ihm Freundschaft schenkt. Wir sehen auf der anderen Seite, wie gewisse Menschen einen ganz besonderen Widerwillen gegen die einen oder die anderen Tiere haben. Wir sehen, wie aus einem ethischen Drange heraus der eine, der viel mehr als Forscher sich fühlt, immer wieder und wieder hinweist auf die Ähnlichkeit der höheren Tiere und ihrer Verrichtungen mit dem Menschen. So sehen wir Affen Dinge verrichten, die an die seelischen und geistigen Eigenschaften der Menschen gemahnen. Wir sehen aber auch, wie mancher in den höchstentwickelten Tieren etwas sieht wie eine Karikatur des menschlichen Handelns, indem er Triebe und Instinkte, die im Menschen mehr oder weniger abgeschwächt sind, in diesen höchstentwickelten Tieren in einer rohen, ungeschminkten, unveredelten Form auftreten sieht, so daß ihn eine Art von Schamgefühl überkommt. Wir sehen, wie materialistisches Denken und Fühlen, insbesondere in der eben abgelaufenen Epoche, nicht müde wurde, immer wieder und wieder zu betonen, wie alles, was des Menschen Seele äußern kann, wozu des Menschen Seele sich erheben kann, in einer gewissen Andeutung bei den Tieren schon vorhanden sei, wie wir die Äußerungen sehen der Sprache, des Lachens, des Gefühls, der sittlichen Empfindung. Ja, manche glauben auch, bezüglich des religiösen Fühlens in einer gewissen Weise Spuren angedeutet zu finden bei den Tieren. So daß behauptet wird: Alles, was der Mensch an Vollkommenheiten besitzt, hat sich nach und nach herausentwickelt, sich bloß summiert aus einzelnen Eigenschaften, die schon beim Tiere vorhanden sind, so daß man eigentlich den Menschen nur ansehen kann wie ein höchstausgestaltetes, höchstentwickeltes Tier.

[ 3 ] Even in our immediate surroundings, we can see how differently people relate to these creatures that are related to them. We see how some people want to see in animals something that is as close as possible to humans in a spiritual and soulful sense. And we see others who never tire of emphasizing, time and again, the distance that even the highest animals have from humans. We also see how such differences are expressed in moral behavior. We see how some people make this or that animal their dear friend in the truest sense of the word, how they treat the animal’s services to them almost as they would those of a human being, how they bestow love, trust, and friendship upon it. On the other hand, we see how certain people harbor a very particular aversion toward one animal or another. We see how, driven by an ethical impulse, one person—who sees himself far more as a researcher—repeatedly points out the similarity between higher animals and their activities and those of human beings. Thus, we see monkeys performing actions that are reminiscent of the emotional and intellectual qualities of human beings. But we also see how some people view the most highly developed animals as a sort of caricature of human behavior, perceiving drives and instincts—which are more or less attenuated in humans—to appear in these animals in a raw, unvarnished, unrefined form, so that a kind of shame overtakes them. We see how materialistic thinking and feeling, especially in the epoch that has just passed, never tired of emphasizing again and again that everything the human soul can express—everything to which the human soul can rise—is already present in a certain hint in animals, as we see in the manifestations of language, laughter, emotion, and moral sensibility. Indeed, some even believe that, with regard to religious feeling, traces of it can be found in a certain sense among animals. Thus it is claimed: Everything that human beings possess in terms of perfection has developed gradually, merely summing up individual characteristics that are already present in animals, so that one can actually regard human beings only as the most highly formed, most highly developed animals.

[ 4 ] Andere Zeitalter, die weniger materialistisch gedacht haben, haben den Abstand zwischen Mensch und Tier nicht groß genug zu machen gewußt. So finden wir zum Beispiel bei Cartesius, dessen Lebenszeit gar nicht so weit hinter der unsrigen liegt, der gelebt hat von 1596 bis 1650 und den man auch oft den Begründer der neueren Philosophie nennt, eine merkwürdige Anschauung über die Tiere. Er spricht den Tieren alles ab, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht: Vernunft, Verstand, alles was man unter dem Begriffe einer vernünftigen Seele zusammenfaßt. Er betrachtet das Tier wie eine Art Automat. Äußere Reize brächten es in Bewegung, und Reizwirkung sei alles, was beim Tiere in die Erscheinung trete. Es ist also so, daß er das Tier kaum als etwas anderes als eine Art höhere, sehr komplizierte Maschine ansieht.

[ 4 ] Other eras, which were less materialistic in their thinking, did not know how to create a sufficiently wide gap between humans and animals. For example, we find in Descartes—whose lifetime is not so far removed from our own, having lived from 1596 to 1650, and who is often called the founder of modern philosophy—a curious view of animals. He denies animals everything that actually makes humans human: reason, intellect, and everything that is encompassed by the concept of a rational soul. He regards the animal as a kind of automaton. External stimuli set it in motion, and the response to these stimuli is all that manifests itself in the animal. Thus, he regards the animal as little more than a kind of higher, highly complex machine.

[ 5 ] Und in der Tat, wer einen unbefangenen Blick auf die Tierwelt um uns herum wirft, der kann sehr leicht erfühlen die Schwierigkeiten in der Beurteilung des Tieres und sozusagen hineinsehen in das Innere eines uns zwar verwandten, aber doch wieder in gewisser Beziehung fernstehenden Wesens. Wir sehen, wenn wir uns durch kein Vorurteil, durch keine voreingenommene Meinung den Blick trüben lassen, sehr bald, daß eine solche Anschauung wie die des Cartesius nicht bestehen kann. Wir sehen, daß in der Tat auch für den oberflächlichen Blick jene Äußerungen, die wir beim Menschen als vernünftig, verständig, als seelisch bezeichnen, im Tiere in einer gewissen Weise durchaus vorhanden sind. Viele sagen ja, das sei das Charakteristische des Tieres, daß seine Intelligenz, seine Seelenhaftigkeit in einer gewissen Weise stationär sei, während des Menschen Seelenhaftigkeit insofern veränderlich ist, als wir den Menschen erziehen können. Obwohl das von einzelnen betont wird, so ist auch das, selbst für einen oberflächlichen Blick, nicht so ohne weiteres zuzugeben. Wir sehen, wenn wir die Tiere um uns herum betrachten, wie hoch es in bezug auf Intelligenz gewisse dem Menschen nahestehende Tiere bringen können, wir sehen, welch ein treues Gedächtnis Hunde zuweilen zu haben scheinen. Wir brauchen nicht auf die Feinheiten dieser die Tierseele charakterisierenden Dinge eingehen, sondern nur anklingen lassen, was die meisten von Ihnen, entweder direkt oder indirekt, im Leben erfahren haben. Wer wüßte nicht, wie lange sich Hunde ein Gedächtnis bewahren, wenn sie sich irgendwo etwas versteckt haben oder dergleichen. Wer wüßte nicht, daß Katzen, die eingeschlossen waren in dieses oder jenes Zimmer, von selbst die Türklinke aufgemacht haben, um sich den Ausgang ins Freie zu schaffen. Ja, es ist durchaus nicht unrichtig, wenn behauptet wird, daß Pferde, die einmal zum Hufschmied geführt worden sind, den Weg kennen, so daß, wenn ihnen ein Hufeisen fehlt, sie aus eigenem Antrieb zum Hufschmied hingehen. Wer solche Dinge beobachtet, der kann sich ja kaum verhehlen, daß in bezug auf gewisse Intelligenzäußerungen, auf gewisse seelische Betätigungen zwischen Tier und Mensch nur eine Art Qualitätsunterschied sei, nur etwas wie eine Steigerung der Seelenfähigkeiten der Menschen gegenüber denen der Tiere. Freilich, eine große Zahl der Menschen wird leicht fertig mit solchen Dingen nach einem Goetheschen Wort, das man nur ein wenig für diesen Fall abzuändern braucht: Wo ernsthafte Begriffe in bezug auf das Tierreich fehlen, da stellt zur rechten Zeit das Wort Instinkt sich ein. — Instinkt ist so ein Sammelname, ein wahrhaftes Sammelsurium, in das alles, was man nicht versteht im irdischen Leben, hineinkommt! Freilich kümmern sich die wenigsten Menschen darum, eine klare Vorstellung von diesen — im schlechten Sinne gebraucht — mystischen Instinkten zu erhalten. Das nötigt uns aber doch, tiefer auf diese Dinge einzugehen. Wenn wir aufmerksam das Tier betrachten, so werden wir sehen, wie gewisse seelische Eigenschaften des Menschen, wie Neid, Eifersucht, Liebe, Zanksucht, alles mögliche ebenso im Tierreich sich finden, manchmal in geringeren, manchmal in höheren Graden als beim Menschen. Wenn man das betrachtet, dann nötigt einen das, etwas genauer die Sache anzusehen. Nun sind aber sehr zahlreiche Beobachtungen des tierischen Lebens in der mannigfaltigsten Art aufgezeichnet worden. Was zu des Cartesius Zeiten dem Forscher noch nicht bekannt zu sein brauchte, ist heute, weil zu dem Ziele, des Menschen Natur kennenzulernen, die Tierwelt nach allen Seiten auch wissenschaftlich genau untersucht worden ist, leicht zugänglich. Es könnte grotesk aussehen, aber wer die Tiere kennt, wird es nicht weiter wunderbar finden, daß durch sorgfältige Dressur Hunde dahin gebracht worden sind, daß wenn man ihnen Karten vorgelegt hat mit bestimmten Zahlen, ihnen das Wort für diese Zahl vorgesprochen hat, die Karten gemischt und ihnen wieder vorgelegt und die Zahl in Worten genannt hat, daß sie dann auf die betreffende Karte gezeigt haben, auf welcher die genannte Zahl stand. Ich will nicht von jenem Mann sprechen, der behauptet, es dahin gebracht zu haben, mit seinen Hunden ordentlich Domino zu spielen; wenn ihnen ein Stein nicht paßte, so winselten sie ganz gehörig. Das alles sind Dinge, die nur eine Steigerung von dem sind, was jeder von Ihnen kennt.

[ 5 ] And indeed, anyone who takes an unbiased look at the animal world around us can very easily sense the difficulties involved in judging animals and, so to speak, look into the inner world of a being that is related to us, yet in a certain sense remains distant. We see, if we do not allow our view to be clouded by any prejudice or preconceived opinion, very quickly that a view such as that of Descartes cannot hold. We see that, in fact, even to the casual observer, those qualities that we describe in humans as rational, intelligent, or spiritual are, in a certain sense, certainly present in animals. Many people say, indeed, that what characterizes animals is that their intelligence and their spiritual nature are, in a certain sense, static, whereas human spiritual nature is changeable to the extent that we can educate humans. Although this is emphasized by some, even a superficial observer would not readily concede it. When we observe the animals around us, we see how high certain animals closely related to humans can rise in terms of intelligence; we see what a faithful memory dogs sometimes seem to possess. We need not go into the subtleties of these characteristics of the animal soul, but merely touch upon what most of you have experienced in life, either directly or indirectly. Who doesn’t know how long dogs retain a memory of where they’ve hidden something or the like? Who doesn’t know that cats, when locked in this or that room, have opened the doorknob on their own to make their way out into the open? Indeed, it is by no means incorrect to claim that horses that have once been taken to the farrier know the way, so that when they are missing a horseshoe, they go to the farrier of their own accord. Anyone who observes such things can hardly fail to see that, with regard to certain expressions of intelligence and certain mental activities, there is only a qualitative difference between animals and humans—merely a kind of enhancement of human mental faculties compared to those of animals. Of course, a large number of people easily dismiss such things with a quote from Goethe, which need only be slightly adapted for this case: Where serious concepts regarding the animal kingdom are lacking, the word “instinct” steps in at just the right moment. — “Instinct” is such a catch-all term, a veritable hodgepodge into which everything one does not understand in earthly life is thrown! Admittedly, very few people bother to form a clear conception of these—used in the pejorative sense—mystical instincts. This, however, compels us to delve deeper into these matters. If we observe animals closely, we will see how certain psychological traits of human beings—such as envy, jealousy, love, quarrelsomeness, and all manner of other traits—are also found in the animal kingdom, sometimes to a lesser degree, sometimes to a greater degree than in humans. When one considers this, it compels one to examine the matter more closely. Now, however, a vast number of observations of animal life have been recorded in the most diverse ways. What may not yet have been known to researchers in Descartes’ time is readily accessible today, because the animal world has been scientifically and thoroughly investigated from every angle with the aim of understanding human nature. It might seem grotesque, but anyone familiar with animals will not find it particularly surprising that, through careful training, dogs have been taught to do the following: when presented with cards bearing specific numbers, have the word for that number spoken to them, have the cards shuffled and presented to them again, and have the number named in words, they then point to the relevant card bearing the named number. I do not wish to speak of that man who claims to have taught his dogs to play dominoes properly; if a tile did not suit them, they would whine quite loudly. All these are things that are merely an extension of what each of you is familiar with.

[ 6 ] Wir müssen dann darauf hinweisen, wie ganz bestimmte Eigenschaften dem Tiere so tief eingeprägt werden können, daß sie nicht nur dem einzelnen Tier, sondern den Nachkommen eingeprägt sind. Gewisse Dinge, die man irgendeinem Hund beigebracht hat, haben sich wiedergefunden bei den Nachkommen desselben, ohne daß diese Nachkommen irgendwie von ihren eigenen Eltern angelernt sein konnten. Es ist so, daß, auch wenn man die Nachkommen gleich nach der Geburt von den Muttertieren entfernt hat, die Eigenschaften, die man dem Vorfahr beigebracht hatte, bei den Nachkommen auftraten. So tief hat sich eine äußere Eigenschaft, die man ihm angelernt hatte, eingeprägt, daß sie in das Prinzip der Vererbung übergegangen ist und sich bei dem Nachkommen von den Vorfahren einfach übertragen hat.

[ 6 ] We must then point out how certain characteristics can be so deeply ingrained in an animal that they are passed on not only to the individual animal but also to its offspring. Certain behaviors that were taught to a particular dog have been observed in its offspring, even though those offspring could not possibly have learned them from their own parents. The fact is that even when the offspring were separated from their mothers immediately after birth, the traits that had been taught to the ancestor appeared in the offspring. An external trait that had been taught to the animal became so deeply ingrained that it became part of the principle of heredity and was simply passed on from the ancestors to the offspring.

[ 7 ] Allerdings stehen allen diesen Dingen, die unleugbar sind, gewisse andere Faktoren gegenüber, die den Menschen, der nicht vorschnell, sondern gründlich urteilen will, wieder stutzig machen müssen. Nehmen wir ein anderes Beispiel, zwei Hunde, die sich die Gewohnheit angeeignet hatten, miteinander auf die Rattenjagd zu ziehen. Man wollte verhindern, daß diese zwei Hunde fortwährend auf die Rattenjagd ziehen. Daher hat man sie in zwei verschiedene Räumlichkeiten gesperrt. Die beiden Räumlichkeiten waren durch eine geschlossene Tür voneinander getrennt. Es hat sich herausgestellt, daß der kleinere Hund sich durch Bellen zunächst vernehmbar gemacht hat. Daraufhin ist es dem großen gelungen, die Türklinke aufzumachen. Sie waren nun beisammen und konnten jetzt wieder gemeinschaftlich auf die Jagd gehen. Man hat noch etwas anderes gemacht. Man hat sie wieder auseinandergesperrt in die zwei Räume, jetzt aber die Türklinke mit einem Strick angebunden. Sie haben sich wieder verständigen können. Und jetzt war der kleinere noch frecher; er ist darauf gekommen, daß man die Schnur durchbeißen kann. Auch da sind sie wieder zusammengekommen und wieder auf die Jagd gegangen.

[ 7 ] However, all these undeniable facts are counterbalanced by certain other factors that must give pause to anyone who wishes to judge the matter thoroughly rather than hastily. Let’s take another example: two dogs that had gotten into the habit of hunting rats together. People wanted to prevent these two dogs from constantly going out to hunt rats. So they were locked up in two separate rooms. The two rooms were separated by a closed door. It turned out that the smaller dog first made itself heard by barking. As a result, the larger dog managed to open the door handle. They were now together and could once again go hunting together. They tried something else. They locked them apart again in the two rooms, but this time tied the doorknob with a string. They were able to communicate again. And now the smaller one was even more mischievous; he figured out that he could bite through the string. Once again, they were reunited and went hunting together.

[ 8 ] Das ist ein Beispiel, welches verleiten kann, von einer sehr weitgehenden Intelligenztätigkeit der beiden Tiere zu sprechen. Aber sie hat ihre Grenzen. Man sperrte die beiden Hunde noch einmal in verschiedene Räumlichkeiten. Diesmal hatte man aber die Türklinke unsichtbar gemacht, indem man einen Stoff darüber spannte, und jetzt konnten sie nicht mehr zusammen. Also wir sehen scharf die Grenze gezogen. In dem letzteren Falle wäre es notwendig gewesen, daß einer der Hunde den Schluß gezogen hätte, da müßte sich doch eine Türklinke finden lassen. Er hat sie nicht sehen können; früher konnte er alles sehen. Da er sie nicht sehen konnte, ist er nicht darauf gekommen. Wir sehen scharf die Grenze. Wir können hier den Ausgangspunkt nehmen und forschen, wo eine solche Grenze sich findet. Wir können niedere Tiere in bezug auf ihre Seelenhaftigkeit ungeheuer bewundern und anstaunen. Wer für die Gesetzmäßigkeit der Natur Sinn hat, wird den Bau einer Ameise, die Tätigkeit einer Ameise, den Bau und die merkwürdige Tätigkeit der Bienen bewundern oder, wenn wir zu höheren Tieren heraufgehen, den Bau, den der Biber anlegt und so weiter. — Wer wird bei kleineren Tieren nicht das, was einem Gedächtnis, einer Intelligenz ähnlich sieht, ganz ernsthaft bewundern wollen, wenn wir sehen, wie Insekten, meinetwillen Ameisen oder ähnliche Insekten, wenn sie einmal einen Ort gefunden haben, wo sie etwas holen können zu ihrem Bau, das, was sie schleppen können, zum Bau hintragen und immer wieder zurückkommen, auch andere mitnehmen, um ihnen zu helfen das mitzunehmen, was noch fehlt.

[ 8 ] This is an example that might lead one to speak of a very advanced level of intelligence in both animals. But it has its limits. The two dogs were once again locked in separate rooms. This time, however, the door handle had been concealed by stretching a piece of fabric over it, and now they could no longer get together. So we see the boundary drawn very clearly. In the latter case, it would have been necessary for one of the dogs to conclude that there must be a doorknob to be found. He could not see it; previously, he could see everything. Since he could not see it, he did not come up with the idea. We see the boundary very clearly. We can take this as our starting point and investigate where such a boundary lies. We can greatly admire and marvel at lower animals in terms of their spiritual nature. Anyone with a sense of the laws of nature will admire the structure of an ant, the activity of an ant, the structure and remarkable activity of bees, or—as we move up to higher animals—the structure built by the beaver, and so on. — Who would not want to seriously admire what appears to be something akin to memory and intelligence in smaller animals, when we see how insects—take ants, for example, or similar insects—once they have found a place where they can gather material for their nest, carry whatever they can carry it to the nest and keep coming back, even bringing others along to help them carry what is still missing.

[ 9 ] Da sehen wir die intelligente Tätigkeit der Tiere zurückfinden zu dem Ort, wo sie einmal etwas aufgelesen haben. Eine intelligente Tätigkeit, wie eine Art Verständigkeit, sehen wir darin, daß eine Ameise die andere zur Hilfe mitnimmt. Man hat eingewendet, es braucht das alles auf nichts anderem zu beruhen, als auf einer Art feinen Wahrnehmens dessen, was an dem betreffenden Orte sei. Nachdem die Ameise die Dinge einmal wahrgenommen hat, die an dem betreffenden Ort seien, könne sie weit weg sich bewegen, und durch ihr feines Sinnesorgan werde sie wieder hingetrieben, weil sie das eben wahrnehme. Gewisse Forscher haben sich bemüht, solche Einwände aus dem Felde zu schlagen. Sie haben solche Ameisen in die Unmöglichkeit versetzt, diese Dinge aufzufinden, wenn es nur auf die Sinneswahrnehmung ankäme, indem sie sie in die Gegenwindrichtung brachten und dadurch Geruch und Wahrnehmung unmöglich machten. Dennoch haben die Tiere die Gegenstände wieder aufgefunden, so daß die Forscher zu dem Glauben berechtigt schienen, daß tatsächlich eine Art Erinnerungsvermögen, eine Art Gedächtnis vorliege, das das Tier immer wieder hintreibt zu dem Ort, den es sich gemerkt hat.

[ 9 ] Here we see the intelligent behavior of animals in their ability to return to the place where they once gathered something. We see an intelligent behavior—a kind of understanding—in the fact that one ant takes another along to help. It has been objected that all of this need not be based on anything other than a kind of subtle perception of what is at the location in question. Once the ant has perceived the objects at that location, it can move far away, and its subtle sensory organs will guide it back there because it perceives them. Certain researchers have endeavored to refute such objections. They have made it impossible for these ants to locate these objects—if sensory perception alone were the factor—by placing them against the wind, thereby rendering smell and perception impossible. Nevertheless, the ants found the objects again, so that the researchers seemed justified in believing that there is indeed a kind of memory that repeatedly drives the animal back to the place it has memorized.

[ 10 ] Aber es gibt auch da Dinge, die uns in gewisser Beziehung stutzig machen müssen. Wir sehen, daß Tiere tatsächlich eine feine, ausgeprägte Gabe haben, dieses oder jenes zu vollführen. Wer sich einläßt auf solche Feinheiten, wie sie zum Beispiel zutage treten, wenn, sagen wir, ein Insekt sich verpuppt, wie da die einzelnen Fäden nach einzelnen Linien und Richtungen hin gesponnen werden, wie da Richtung für Richtung gesponnen wird, kann man in dem, was das Tier tut, etwas wie eine Geometrie, eine Arithmetik sich entfalten sehen, zu der der Mensch sich erst nach langer, langer Lehrzeit heranentwickelt. Oftmals sind die Dinge so fein gebaut, daß der Mensch mit seiner Geometrie heute noch lange nicht so weit ist, diese Dinge nachmachen zu können. Da sehen wir zum Beispiel die Bienenzelle nach der Figur des regelmäßigen Sechsecks aufgebaut. Ja auch dann, wenn solche Insekten in die Lage kommen, ihren Bau oder ihre Tätigkeit überhaupt modifizieren zu müssen, weil diese oder jene Verhältnisse eintraten, so sehen wir, daß sie nicht nach einer angenommenen Schablone weiterbauen, sondern sich oft in wunderbarer Weise den Verhältnissen anpassen. Ja wir sehen, wie etwas von einer Intelligenz auftritt gewissen Forschungsweisen gegenüber, wenn sich ein solches Insekt, eine Raupe, als Puppe einspinnt und dann in einer bestimmten Weise behandelt wird.

[ 10 ] But even here there are things that, in a certain sense, should give us pause. We see that animals do indeed possess a subtle, well-developed ability to perform this or that action. Anyone who delves into such subtleties—such as those that come to light, for example, when, say, an insect pupates, how the individual threads are spun along specific lines and in specific directions, how each direction is spun one by one—can see something like a geometry, a kind of arithmetic—something to which human beings only develop an aptitude after a long, long period of training. Often, things are so intricately constructed that human geometry is still far from being able to replicate them. For example, we see the honeycomb cell built in the shape of a regular hexagon. Indeed, even when such insects find themselves in a situation where they must modify their structure or their activity at all—because of this or that circumstance—we see that they do not continue building according to a preconceived template, but often adapt to the circumstances in a marvelous way. Indeed, we see how a certain kind of intelligence manifests itself in response to specific research methods when such an insect—a caterpillar—spins itself into a cocoon and is then treated in a particular way.

[ 11 ] So versuchte ein Forscher einmal dieser Sache auf den Grund zu kommen und bemerkte folgendes: Wenn er die betreffende Raupe an ihrem Kokon spinnen ließ und sie bis zu drei Fäden gesponnen hatte, nahm er sie heraus und setzte sie in ein anderes Gespinst, das er von einem Insekt genommen hatte, das auch einzelne Fäden gesponnen hatte. Aber er hatte diejenigen Fäden herausgenommen, welche schon da waren. Da hat das Tier wieder von Anfang angefangen und die drei Fäden wieder gesponnen. Wenn das Tier, nachdem es bis zu drei Fäden gesponnen hatte, in ein Gespinst gesetzt wurde, bei dem sechs Fäden herausgenommen waren und erst der siebente, achte und neunte Faden da war und der erste, zweite und dritte auch darin gelassen war, dann fing das Tier an, den fünften, sechsten und siebenten zu spinnen; dann hörte es wieder auf. Merkwürdig aber ist, daß das Tier, nachdem es sechs Fäden gesponnen hatte und man es in ein Gespinst setzte, in dem die drei ersten vorhanden waren, anfing, nochmals den zweiten zu spinnen und dann den dritten, vierten, fünften und so weiter. — Es verhält sich wie ein Junge, der ein Gedicht gelernt hat, der die drei ersten Strophen aufgesagt hat und dann die siebente sagen soll. So ist es auch bei diesem Tier. Daß die drei Fäden da waren, hat es gesehen; es konnte sich aber nicht danach richten. So sehen wir, wie eine Art Mechanik in der Tätigkeit des Tieres obwaltet.

[ 11 ] A researcher once tried to get to the bottom of this matter and observed the following: When he let the caterpillar in question spin its cocoon and it had spun up to three threads, he took it out and placed it in another web that he had taken from an insect that had also spun individual threads. But he had removed the threads that were already there. The caterpillar then started over from the beginning and spun the three threads again. If, after spinning up to three threads, the animal was placed in a web from which six threads had been removed—leaving only the seventh, eighth, and ninth threads, while the first, second, and third were also left in place—then the animal began to spin the fifth, sixth, and seventh threads; then it stopped again. What is strange, however, is that after the animal had spun six threads and was placed in a web where the first three were present, it began to spin the second thread again, and then the third, fourth, fifth, and so on. — It behaves like a boy who has learned a poem, who has recited the first three stanzas and is then supposed to recite the seventh. So it is with this animal as well. It saw that the three threads were there; but it could not orient itself accordingly. Thus we see how a kind of mechanical process prevails in the animal’s activity.

[ 12 ] Das können wir auch noch an einem anderen signifikanten Beispiel sehen: Es gibt ein Insekt, das man die Sandwespe nennt. Diese hat eine sonderbare Eigentümlichkeit: Sie verläßt ihre Höhle, sucht sich irgendein Insekt, bringt dieses aber nicht direkt in die Höhle hinein, sondern läßt es eingangs der Pforte liegen. Sie geht dann hinein und untersucht die Höhle, ob alles in Ordnung ist; dann holt sie das Insekt und legt es hinein. Das kann man als einen sehr vernünftigen Vorgang betrachten. — Aber die Sache kann auch in der folgenden Weise weitergehen. Denken Sie sich, Sie begehen der Sandwespe gegenüber die Nichtsnutzigkeit und nehmen ihr die Beute weg und legen sie eine weite Strecke außerhalb der Höhle nieder. Das Tier kommt zurück, es sucht und findet die Beute wieder. Jetzt geht es wiederum bis zur Eingangspforte der Höhle, geht wieder hinein, untersucht die Höhle noch einmal und bringt jetzt erst das erbeutete Insekt hinein. Wenn Sie das aber jetzt noch ausführlicher machen, indem sie ihr noch einmal das Insekt wegnehmen, dann bringt sie es wieder vor die Höhle, geht wieder hinein und so weiter. — Wenn Sie das vierzigmal machen, so macht sie vierzigmal dieselbe Prozedur. Sie sehen, bis zu dem Schlusse, die Höhle ist in Ordnung, ich brauche nicht mehr nachzusehen, kommt das Insekt nicht. Dieses Beispiel könnten wir noch tausendfach vermehren.

[ 12 ] We can also see this in another significant example: There is an insect called the sand wasp. It has a peculiar trait: It leaves its burrow, finds some insect, but does not bring it directly into the burrow; instead, it leaves it at the entrance. It then goes inside and checks the burrow to see if everything is in order; then it retrieves the insect and places it inside. This can be regarded as a very sensible process. — But the situation can also unfold in the following way. Imagine that you commit an act of mischief against the sand wasp by taking its prey away and placing it a long way outside the burrow. The animal returns, searches for, and finds the prey again. Now it goes back to the entrance of the burrow, goes back inside, inspects the burrow once more, and only then brings the captured insect inside. But if you take this even further by taking the insect away from her again, she’ll bring it back to the entrance of the burrow, go back inside, and so on. — If you do this forty times, she will repeat the same procedure forty times. You see, until the very end—when she concludes, “The cave is fine; I don’t need to check anymore”—the insect does not appear. We could multiply this example a thousandfold.

[ 13 ] Allerdings, unsere Naturwissenschaft hat eine Zeit hinter sich, wo sie gegenüber dem, der sie über diese Dinge befragte, glaubte, einzig mit den Worten: Kampf ums Dasein, Anpassung und dergleichen auskommen zu können. So sonderbar es für manchen unbefangenen Denker klingen mag, man sagte sich: Ein Tier hat diese Instinkte aus gewissen Gründen erworben, früher hat das Tier diese Instinkte gar nicht gehabt. Einmal hat aber vielleicht ein solches Tier eine Handlung begangen, welche zweckmäßig für das Leben des Tieres war. Dadurch, daß das Tier diese zweckmäßige Handlung begangen hat, konnte es sich in Lebensbedingungen bringen, die ihm günstig waren. Die anderen, die sich weniger zweckmäßig aufgeführt haben, sind nach und nach zugrunde gegangen. Bei denen, die günstige Handlungen begangen haben, vererbten sich solche Handlungsimpulse, sie wurden zu Gewohnheiten, zu Trieben und zu dem, was wir im Umkreise der Instinkte sehen. Sie werden zugeben, daß, wenn wir dieses Prinzip, daß im Laufe der Entwickelung, im Kampf ums Dasein sich die Tiere zweckmäßige Instinkte angeeignet haben, mit unbefangenem Blick auf die Tierwelt anwenden, sich doch gar mancherlei zeigt. Recht plausibel ist es für manche, zu sagen: Die Vorfahren haben sich etwas einmal angeeignet; das hat sich dann auf die Nachkommen vererbt. Die, welche etwas Zweckmäßiges getan haben, bestanden den Kampf ums Dasein, die andern gingen zugrunde. Daher blieben nur die mit zweckmäßigen Instinkten Ausgerüsteten übrig.

[ 13 ] However, our natural sciences have left behind a time when, when asked about these matters, they believed they could get by solely with terms like “struggle for existence,” “adaptation,” and the like. As strange as it may sound to some unbiased thinkers, the prevailing view was: An animal has acquired these instincts for certain reasons; in the past, the animal did not possess these instincts at all. At some point, however, such an animal may have performed an action that was advantageous to its survival. By performing this advantageous action, the animal was able to place itself in living conditions that were favorable to it. The others, which behaved in a less adaptive manner, gradually perished. Among those that performed adaptive actions, such impulses to act were passed down; they became habits, drives, and what we observe in the realm of instincts. You will admit that if we apply this principle—that in the course of evolution, in the struggle for existence, animals have acquired purposeful instincts—with an unbiased view of the animal world, a great deal becomes apparent. It is quite plausible for some to say: The ancestors acquired something at one time; this was then passed down to their descendants. Those who did something adaptive survived the struggle for existence; the others perished. Therefore, only those equipped with adaptive instincts remained.

[ 14 ] Wenden wir das aber auf den ganzen Umkreis der Natur an, so gibt es manches, das einer solchen Anschauung gegenüber nicht standhalten kann, denn man muß fragen, welche Form von Zweckmäßigkeit den Instinkten gewisser Insekten zugrunde liegt, die, wenn sie eine Flamme sehen, sich hineinstürzen und durch dieselbe zugrunde gehen. Oder welche für den Kampf ums Dasein günstige Anpassung liegt dem zugrunde, daß gewisse Haustiere, zum Beispiel Pferde und Rinder, sich ebenso verhalten? Wenn wir sie hinausführen aus dem Feuer, so sehen wir sie sich immer wieder hineinstürzen. Auch diese Beobachtung kann man machen. Das ist das eine.

[ 14 ] But if we apply this to the entire realm of nature, there are many things that do not stand up to such a view, for one must ask what form of expediency underlies the instincts of certain insects that, when they see a flame, rush into it and perish in it. Or what adaptation favorable to the struggle for existence underlies the fact that certain domestic animals, such as horses and cattle, behave in the same way? When we lead them away from the fire, we see them rush back into it again and again. This observation can also be made. That is one thing.

[ 15 ] Dann kommt man aber auch in anderer Beziehung nicht sehr weit mit diesem Instinktprinzip, wenn man ins Auge faßt, daß die Tiere sich Eigenschaften erworben haben und sie auf ihre Nachkommen verpflanzen, sie vererben. Will man dieses Prinzip zum Beispiel auf die Bienen anwenden, so müssen wir uns über folgendes klar werden. Sie wissen ja, man unterscheidet die Königin, die Drohnen und die Arbeitsbienen. Sie haben alle bestimmte Merkmale, die sie befähigen zu ihrem Beruf im Bienenstock und im Bienenleben. In Generationen und wieder Generationen im Bienenleben treten immer wieder diese Arbeitsbienen mit den bestimmten Merkmalen auf, mit Merkmalen, die die Drohnen und die Königin nicht haben. Nun fragt es sich: Können diese Merkmale sich vererben? Das ist unmöglich, denn diese Arbeitsbienen sind gerade diejenigen, die unfruchtbar sind. Das Fortpflanzungsgeschäft besorgen diejenigen, welche die Merkmale der Arbeitsbienen nicht haben. Immer wieder gebiert die Königin Arbeitsbienen mit Eigenschaften, die die Königin nicht hat. So sehen wir, daß die bloße materialistische Abstammungslehre und die Lehre, die vom Kampf ums Dasein spricht, sich in mannigfaltigster Weise widersprechen, in Widersprüche verwickeln müssen. Wir könnten, aber wir wollen nicht diese einzelnen Beispiele aus dem Tierleben ins Tausendfache vermehren. Sie sprechen ja doch — wie Sie sie auch vermehren würden — alle für dasselbe.

[ 15 ] However, this principle of instinct does not get us very far in other respects either, when we consider that animals have acquired certain characteristics and pass them on to their offspring—that is, they inherit them. If we want to apply this principle to bees, for example, we must be clear about the following. As you know, a distinction is made between the queen, the drones, and the worker bees. They all have specific characteristics that enable them to fulfill their roles in the hive and in the life of the colony. Generation after generation in the life of the colony, these worker bees with specific characteristics appear again and again—characteristics that the drones and the queen do not possess. Now the question arises: Can these characteristics be inherited? That is impossible, for these worker bees are precisely the ones that are infertile. The task of reproduction is carried out by those who do not possess the characteristics of the worker bees. Time and again, the queen gives birth to worker bees with traits that the queen herself does not possess. Thus we see that the purely materialistic theory of descent and the doctrine that speaks of the struggle for existence contradict each other in the most manifold ways and must inevitably lead to contradictions. We could—but we do not wish to—multiply these individual examples from animal life a thousandfold. After all, no matter how many examples you might cite, they all point to the same conclusion.

[ 16 ] Diejenigen Eigenschaften, die wir als Eigenschaften der Menschenseele kennen, werden Sie im Umkreise des Tierreiches irgendwie finden — ob schwächer, ob stärker, ist eine andere Frage —, aber wir finden sie. Wir finden auch gewisse Äußerungen, die man als Äußerungen der Intelligenz, als Äußerungen einer gewissen Vernunfttätigkeit ansehen kann. Ist es nun — das ist die große Frage — notwendig, zu der materialistischen Erklärung zu kommen, daß alles dasjenige, was der Mensch als Inhalt seiner Seele hat, nichts weiter ist als eine Umgestaltung, eine Höhergestaltung dessen, was wir in der Tierwelt finden? Sind diese verwandten Züge in der Tierseele und in der Menschenseele ein Beweis dafür, daß der Mensch nichts weiter ist als eine Art höheres Tier? Die Antwort auf diese Frage kann nur aus der Geisteswissenschaft gegeben und gelöst werden.

[ 16 ] The qualities that we recognize as characteristics of the human soul can be found in one form or another throughout the animal kingdom—whether in a weaker or stronger form is another question—but we do find them. We also find certain manifestations that can be regarded as expressions of intelligence, as expressions of a certain rational activity. Is it now—and this is the big question—necessary to arrive at the materialistic explanation that everything a human being possesses as the content of their soul is nothing more than a transformation, a higher form of what we find in the animal world? Are these related traits in the animal soul and the human soul proof that human beings are nothing more than a kind of higher animal? The answer to this question can only be provided and resolved through spiritual science.

[ 17 ] Die Geisteswissenschaft sieht mit unbefangenem Blick auf alle die verwandten Züge im Menschen und in der Tierwelt, aber da sie weitergeht als nur auf dasjenige, was die äußere Sinneswelt bietet, da sie bis zur geistigen Grundlage des Daseins geht, ist sie imstande, die gewaltige Kluft zu zeigen, die sich zwischen Mensch und Tier auftut. Dasjenige, was den Menschen vom Tiere unterscheidet, wurde schon in den verflossenen Vorträgen, namentlich in dem letzten, in gewisser Beziehung hervorgehoben. Die Geisteswissenschaft würde sich die Augen verschließen, wollte sie dem Tiere die Seele absprechen. Das Tier hat, im Sinne der Geisteswissenschaft, Seelenhaftes wie der Mensch. Aber es hat dieses Seelenhafte auf eine andere Art. Schon im letzten Vortrage, als wir in bezug auf Mann, Weib und Kind uns die Anschauung von den wiederholten Erdenleben vor die Seele stellten, konnten wir hinweisen auf die große Verschiedenheit zwischen dem einzelnen Menschen und dem einzelnen Tier. Um das noch einmal kurz zu wiederholen: Genau den Umfang des Interesses, das uns das einzelne Menschenwesen abringt in seiner Entwickelung von der Geburt bis zum Tode, genau denselben Umfang des Interesses erweckt uns die ganze tierische Gattung. Der Mensch ist als Individualität eine Gattung für sich. Was wir etwa beim Löwen haben als Vater, Sohn, Enkel, Urenkel, hat so viel miteinander gemein, daß wir uns für den Löwen als Gattung oder Art, als diesen bestimmten Typus, in demselben Maße nur interessieren, wie wir uns für die einzelne Menschenindividualität, für den einzelnen Menschen interessieren. Daher hat im wahren Sinne des Wortes nur der einzelne Mensch seine Biographie, und diese Biographie ist für den einzelnen Menschen genau dasselbe, was für das Tier die Beschreibung der Gattung ist. Schon das letzte Mal wurde erwähnt, daß gewisse Menschen — «Hundeväter» oder «Katzenmütter» — da etwas einzuwenden haben. Die sagen nämlich, sie könnten von ihrer Katze, ihrem Hunde genau ebenso eine Biographie entwerfen wie von einem Menschen. Aber ich habe schon erwähnt, daß ein Schulmeister an die Kinder das Verlangen gestellt hat, die Biographie ihrer Schreibfeder zu schreiben! Vergleichsweise kann man alles, aber darauf kommt es nicht an. Unbefangen muß man die Sache betrachten. Und wenn Sie wirklich auf die Sache eingehen, so werden Sie finden, daß gewisse Einzelheiten, gewisse Besonderheiten immer da sind. Besonderheiten hat auch eine Schreibfeder, wodurch sie sich von anderen Schreibfedern unterscheidet. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt auf den Innenwert des betreffenden Wesens an, es kommt darauf an, daß in der Tat das einzelne Wesen, wenn es eine gesunde Natur hat, unser Interesse in demselben Sinne in Anspruch nimmt, wie die ganze tierische Gattung.

[ 17 ] Spiritual science views all the similarities between humans and the animal world with an unbiased eye; but since it goes beyond what the external sensory world offers—since it reaches down to the spiritual foundation of existence—it is able to reveal the immense gulf that lies between humans and animals. What distinguishes humans from animals has already been emphasized in a certain respect in the previous lectures, particularly in the last one. Spiritual science would be turning a blind eye if it were to deny that animals have a soul. In the sense of spiritual science, the animal possesses a soul-like quality just as the human being does. But it possesses this soul-like quality in a different way. Already in the last lecture, when we considered the concept of repeated earthly lives in relation to man, woman, and child, we were able to point out the great difference between the individual human being and the individual animal. To briefly repeat this once more: The entire animal kingdom arouses in us exactly the same degree of interest as the individual human being does in its development from birth to death. As an individual, the human being is a species unto itself. What we find, for example, in the lion—as father, son, grandson, and great-grandson—has so little in common with one another that we are interested in the lion as a genus or species, as this specific type, only to the same extent that we are interested in the individual human being. Therefore, in the true sense of the word, only the individual human being has a biography, and this biography is for the individual human being exactly the same as the description of the genus is for the animal. It was already mentioned last time that certain people—“dog dads” or “cat moms”—have something to object to here. They say, in fact, that they could write a biography of their cat or dog just as easily as they could of a human being. But I have already mentioned that a schoolteacher once asked the children to write a biography of their pen! By way of comparison, one can do anything, but that is not the point. One must view the matter impartially. And if you really examine the matter closely, you will find that certain details, certain distinctive features, are always present. A quill pen also has distinctive features that set it apart from other quill pens. But that is not the point. What matters is the inner value of the being in question; what matters is that, in fact, the individual being—if it has a healthy nature—captures our interest in the same way as the entire animal species does.

[ 18 ] Das ist zunächst nur ein logischer Hinweis auf dasjenige, was Ihnen nun die Geisteswissenschaft als Eigentümlichkeit der sogenannten Tierseele gibt. Wir sprechen in der Geisteswissenschaft beim Menschen von der individuellen Seele, beim Tier von einer Gruppen-, einer Gattungs-, einer Art- oder Typusseele. Das heißt, genau dasselbe, was wir dem einzelnen Menschen zuschreiben, was in dem einzelnen Menschen, in seiner Haut enthalten ist, das sprechen wir dem ganzen tierischen Typus, der ganzen tierischen Art als Seele zu. Wir suchen die Seele des Menschen in ihm, im Menschen; wir suchen als Geisteswissenschafter die Seele des Tieres außerhalb des Tieres, so grotesk es auch aussieht. Gerade weil wir genau auf die Erscheinungen eingehen, werden wir erst recht hingeführt zu der Betrachtung höherer Ebenen, als die physische Ebene es ist. Ich habe aufmerksam gemacht, daß ebenso wie um den Blinden herum Licht, Farbe und Glanz ist, so um den Menschen, der nur physische Wahrnehmungen hat, ringsherum eine geistige Welt ist, in der geistige Wesenheiten sind. In dem Augenblicke, in dem die geistigen Wahrnehmungs- oder Erkenntnisorgane eröffnet werden, sieht er um sich herum ebenso eine neue Welt von Tatsachen und Wesenheiten, wie derjenige, der blind geboren ist und operiert werden konnte, zu sehen vermag, so daß Licht, Farbe und Glanz, die er vorher nicht wahrnehmen konnte, die aber trotzdem um ihn herum vorhanden waren, für ihn als eine neue Welt auftreten.

[ 18 ] This is, for the time being, merely a logical indication of what spiritual science now presents to you as a distinctive feature of the so-called animal soul. In spiritual science, we speak of the individual soul in humans, and of a group soul, a generic soul, a species soul, or a type soul in animals. This means that exactly what we attribute to the individual human being—what is contained within the individual human being, within his or her own skin—we attribute as a soul to the entire animal type, to the entire animal species. We seek the human soul within the human being; as spiritual scientists, we seek the animal soul outside the animal, however grotesque that may seem. Precisely because we focus so closely on the phenomena, we are led all the more to contemplate levels higher than the physical plane. I have pointed out that just as there is light, color, and radiance surrounding the blind person, so too is there a spiritual world surrounding the human being who has only physical perceptions, a world in which spiritual beings exist. The moment the spiritual organs of perception or cognition are opened, he sees a new world of facts and beings around him, just as one who was born blind and has undergone an operation to restore his sight is able to see, so that light, color, and radiance—which he could not perceive before but which were nevertheless present around him—appear to him as a new world.

[ 19 ] Des Menschen individuelle Seele ist heruntergestiegen aus einer höheren Welt in den physischen Körper. Sie ist nicht physisch, aber sie ist heruntergestiegen bis in die physische Welt. Sie durchglüht und durchgeistigt den Leib. Die tierische Seele, die eine Art-, Typus- oder Gattungsseele ist, die kann man als Seele, als individuelles Geschöpf überhaupt nicht finden in der physischen Welt. Dann aber, wenn des Menschen geistige Augen geöffnet werden, treffen Sie die tierische Seele. Dann treffen Sie diese als in sich abgeschlossenes Geschöpf, wie Sie die einzelne Menschenseele im einzelnen Menschen finden, wenn Sie den Menschen kennenlernen. Wir nennen diejenige Welt, die sich unmittelbar eröffnet, wenn die ersten Erkenntnisorgane geöffnet werden, die astralische Welt, und zwar aus Gründen, die wir in den folgenden Vorträgen besprechen werden.

[ 19 ] The individual human soul has descended from a higher world into the physical body. It is not physical, but it has descended into the physical world. It permeates and spiritualizes the body. The animal soul—which is a species, type, or generic soul—cannot be found at all in the physical world as a soul or as an individual being. But when a person’s spiritual eyes are opened, they encounter the animal soul. They encounter it as a self-contained being, just as they find the individual human soul within a specific person when they get to know that person. We call the world that opens up immediately when the first organs of perception are opened the astral world, for reasons we will discuss in the following lectures.

[ 20 ] So wie wir in der physischen Welt in sich abgeschlossene Menschenindividualitäten finden, so finden wir abgeschlossene Wesenheiten seelischer Art innerhalb der astralischen Welt, nur gehören ganze Gruppen von Tieren — gleichgeartete Gruppen von Tieren — zu diesen Gruppenseelen. Wenn ich das durch einen Vergleich klarmachen soll, so stellen Sie sich vor, ich stünde vor Ihnen, vor mir stünde eine Wand, so daß Sie mich nicht sehen können, eine Wand mit Löchern, so groß, daß ich die zehn Finger durchstecken könnte. Sie sehen dann zehn Finger, mich sehen Sie nicht. Aus Ihrer Erfahrung aber wissen Sie, daß da irgendwo ein Mensch sein muß, zu dem diese Finger gehören. Wenn Sie die Wand durchbrechen, entdecken Sie den Menschen. In einem ähnlichen Verhältnis steht gegenüber der höheren Welt der Geistesforscher. Er sieht in der physischen Welt verschiedene, aber gleichgestaltete Tierindividuen, wie zum Beispiel Löwen, Tiger, Affen und so weiter. Das sind für ihn einzelne Tiere, die nicht zu einem gemeinsamen physischen Körper gehören, wohl aber zu einem gemeinsamen Seelenwesen. Die Wand, die diese Seelenwesen zudeckt, ist einfach die Grenzwand zwischen der physischen und der astralischen Welt. Wo auch die einzelnen Löwen sind, ob der eine in Afrika oder in Europa, in europäischen Menagerien ist, darauf kommt es nicht an. Ebenso wie die Verbindungslinien von meinen zehn Fingern zu dem Menschen führen, ebenso führen die einzelnen Verbindungslinien der einzelnen Tiere zu der Gattungsseele. Wo immer es eine Geisteswissenschaft gegeben hat, hat man Mensch und Tier so unterschieden, daß man sich klar wurde darüber, daß das, was für das Tier noch in einer geistigen Welt ist, in einer übersinnlichen Welt, und was es in seiner Offenbarung wie einen Arm hinunterstreckt in die physische Welt, beim Menschen in den Leib eingezogen ist. Daß der Mensch davon in seiner Individualität Besitz ergreift, das ist des Menschen höhere Entwickelung, so daß man nicht verwundert zu sein braucht, wenn uns die einzelnen Tiere intelligente Äußerungen zeigen. So wie Sie nun auch an meinen Händen, wenn sie durch die Wand durchgestreckt werden, intelligente Äußerungen sehen, sehen, wie sie dieses oder jenes ergreifen, so können Sie auch sehen, wie die einzelnen Bienen, einzelne Tiere überhaupt, dieses oder jenes tun. Der eigentliche Täter ist aber gar nicht heruntergestiegen in die physische Welt. Der Täter gebraucht das Tier wie ein Organ, wie ein Glied, das er ausstreckt bis in die physische Welt hinein.

[ 20 ] Just as we find self-contained human individualities in the physical world, so we find self-contained entities of a spiritual nature within the astral world; only, entire groups of animals—groups of animals of the same kind—belong to these group souls. If I am to illustrate this with a comparison, imagine that I am standing in front of you, with a wall in front of me so that you cannot see me—a wall with holes large enough for me to stick my ten fingers through. You would then see ten fingers, but you would not see me. Yet from your own experience, you know that there must be a human being somewhere to whom these fingers belong. If you break through the wall, you discover the person. The spiritual researcher stands in a similar relationship to the higher world. In the physical world, he sees various but similarly formed animal individuals, such as lions, tigers, monkeys, and so on. To him, these are individual animals that do not belong to a common physical body, but they do belong to a common soul entity. The wall that conceals these soul beings is simply the boundary between the physical and the astral worlds. Wherever the individual lions may be—whether one is in Africa or in Europe, or in European menageries—that is irrelevant. Just as the connecting lines from my ten fingers lead to the human being, so too do the individual connecting lines of the individual animals lead to the species soul. Wherever spiritual science has existed, a distinction has been made between human beings and animals such that it has become clear that what for the animal still exists in a spiritual world—in a supersensible world—and what it extends into the physical world like an arm is, in the case of the human being, drawn into the body. The fact that human beings take possession of this in their individuality represents humanity’s higher development, so there is no need to be surprised when individual animals display intelligent expressions. Just as you now see intelligent actions in my hands when they are stretched through the wall—seeing how they grasp this or that—so you can also see how individual bees, and individual animals in general, do this or that. The actual agent, however, has not descended into the physical world at all. The agent uses the animal like an organ, like a limb that it extends into the physical world.

[ 21 ] Wenn wir das zugrunde legen, wird uns so manches in dieser Welt erklärt. Gerade an einer solchen Sache können Sie immer wieder sehen: für die meisten Menschen der Gegenwart sind die geistigen Augen, die höheren Erkenntnisorgane nicht geöffnet. Sie können sich also nicht davon überzeugen, daß in der geistigen Welt abgeschlossene Tierseelen vorhanden sind, die ihre viel feineren Organe in die einzelnen Tiere hinunterschicken. Aber Sie können sich noch etwas anderes sagen. Sie können annehmen, die ganz verrückt erscheinenden Ideen der Seher seien wahr, und wenn wir sie hypothetisch nehmen, dann wird uns hier in der Welt etwas erklärlich, etwas begreiflich. Nun, betrachten wir eines der Beispiele auf diese Voraussetzung hin. Sagen wir etwa, wir nehmen uns jene Sandwespe, die als ausführendes Organ sich die Beute holt, sie vor das Nest legt, dann hineingeht und sie dann wieder holt. Intelligenz liegt dem zugrunde, wenn auch nicht die gleiche Intelligenz wie die, welche der Intelligenz des Zeigefingers zugrunde liegt. Wenn nun in einem einzelnen Fall das Tier auch in der Handlung abirren könnte, könnte da gleichsam von der «Zentralbehörde», von der Gattungsseele aus die Ordnung aufrechterhalten werden? Nein! Nur dadurch, daß bei der zentralen Instanz, bei der Gattungsseele die Intelligenz ist und diese im Einzelfalle nicht dem einzelnen Tier überlassen ist, nur dadurch ist es möglich, daß Weisheit im ganzen Tierreich herrscht. Da oben, wo die Gattungsseele ist, da herrscht Weisheit. Daher sehen wir auch überall, wo diese Gattungsseele in Betracht kommt, wo Modifikationen eintreten müssen gegenüber den äußeren Bedingungen, daß sie da auch eintritt. Wenn es aber darauf ankommt, daß das Geistige des 'Tieres den Intentionen der Gattung entspricht, da ist das Tier wie in einer Gesamtmasse. Wenn Sie jedem einzelnen Soldaten überlassen, was er tun oder lassen will, wie könnte da etwas Einheitliches, ein einheitliches Unternehmen zustande kommen? Ist es nicht nötig, daß gerade wegen der Einheit der einzelne das Verkehrte tun muß? Denken Sie sich diese Gedanken durch, dann werden Sie finden, daß der scheinbare Widerspruch sich klärt selbst da, wo die Fliege sich in die Flamme stürzt und den Tod findet. Im einzelnen führt dies zum Tode, im großen aber nützt es der Gattung.

[ 21 ] If we take this as our starting point, it explains many things in this world. It is precisely in such matters that you can see time and again: for most people today, the spiritual eyes—the higher organs of perception—are not open. They cannot, therefore, convince themselves that there are self-contained animal souls in the spiritual world who send their much finer organs down into individual animals. But you can tell yourself something else as well. You can assume that the ideas of the seers—which seem completely crazy—are true, and if we take them hypothetically, then something in this world becomes explainable, something becomes comprehensible. Well, let’s consider one of the examples in light of this assumption. Let’s say, for example, we take that sand wasp that, as its executive organ, fetches its prey, places it in front of the nest, then goes inside, and then fetches it again. Intelligence underlies this, though not the same intelligence that underlies the action of the index finger. If, in an individual case, the animal were to err in its action, could order be maintained, as it were, by the “central authority,” by the species soul? No! Only because intelligence resides in the central authority—the species soul—and is not left to the individual animal in specific cases, only then is it possible for wisdom to reign throughout the entire animal kingdom. Up there, where the species soul is, wisdom reigns. That is why we also see, wherever this species soul comes into play—where adjustments must be made in response to external conditions—that such adjustments do indeed occur. But when it comes to the spiritual aspect of the “animal” corresponding to the intentions of the species, the animal is, as it were, part of a unified whole. If you leave it up to each individual soldier to do as he pleases, how could anything unified—a unified undertaking—come about? Isn’t it necessary, precisely for the sake of unity, that the individual must do the opposite? If you think these ideas through, you will find that the apparent contradiction resolves itself even where the fly throws itself into the flame and meets its death. Individually, this leads to death; but on a larger scale, it benefits the species.

[ 22 ] So sehen wir über den Tieren Fähigkeiten und Eigenschaften ausgebreitet, Weisheit und Intelligenz. Wir sehen dem Menschen auch Weisheit zugrunde liegen. Auch das Tier hat sie. Fragen Sie nach dem Gedächtnis: der Mensch hat es. Fragen Sie bei dem Tier, da müssen Sie die Sache umkehren und sagen, das Gedächtnis «hat» das Tier, die Vorstellungskraft «hat» das Tier. Das Tier wird besessen von der Vorstellungskraft, wird besessen von dem Gedächtnis. Das Tier ist ein Glied eines höheren Wesens, das Gedächtnis und Vorstellungskraft hat. Das Tier wird geschoben von der hinter ihm stehenden weisen Gruppenseele, die nicht in dem einzelnen Tier drinnen ist. Wie verhält es sich nun mit der Zähmung der Tiere und dergleichen? Sie können sich das unter diesen Voraussetzungen sehr gut erklären. Wir üben eine Hand als eine einzelne Hand. Indem wir sie als einzelne Hand üben, müssen wir gewisse Betätigungen unseres Zentralorgans in Szene setzen. Aber außerdem muß die Hand geübt werden, und wird die Hand geübt, dann haftet die Übung als Gewohnheit an der Hand. So können wir allerdings, wenn wir das einzelne Tier pflegen und erziehen, wissen, daß dieses einzelne Tier geradeso wie das einzelne Glied in gewisser Weise vorwärtsschreitet. Zurück wirkt es aber auf die Zentralinstanz. Es zeigt sich, daß es so tief hineingeht in die Gattungsseele, daß solche zur Gewohnheit gewordenen Eigenschaften in den Nachkommen ohne weiteres wieder erscheinen. Das ist beim Menschen nicht so. Beim Menschen werden solche einzelnen Dinge sich nicht ohne weiteres vererben, weil beim Menschen das Gattungsmäßige durch das Individuelle überschattet, oder besser gesagt, überleuchtet wird.

[ 22 ] Thus we see abilities and characteristics—wisdom and intelligence—manifested in animals. We also see wisdom as the foundation of human beings. Animals possess it as well. Ask about memory: humans have it. Ask about animals, and you must reverse the perspective and say that memory “has” the animal, that imagination “has” the animal. The animal is possessed by imagination; it is possessed by memory. The animal is a limb of a higher being that possesses memory and imagination. The animal is driven by the wise group soul standing behind it, which is not located within the individual animal. How, then, do we account for the taming of animals and the like? You can explain this very well under these conditions. We practice the hand as a single hand. By practicing it as a single hand, we must bring certain activities of our central organ into play. But in addition, the hand must be practiced, and once the hand is practiced, the exercise becomes ingrained as a habit in the hand. Thus, when we care for and train an individual animal, we can know that this individual animal, just like the individual limb, progresses in a certain way. However, it has a retroactive effect on the central authority. It becomes apparent that it penetrates so deeply into the soul of the species that such characteristics, having become habits, reappear in the offspring without further ado. This is not the case with humans. In humans, such individual traits are not readily inherited, because in humans the species-specific is overshadowed—or rather, outshone—by the individual.

[ 23 ] Den Hergang der menschlichen und tierischen Entwickelung können wir von solchen Voraussetzungen aus erst recht gut überschauen. Heute ist ohnedies die Abstammungslehre schon nahe am Bankrott. Was man noch vor kurzer Zeit behauptet hat, daß der einzelne Mensch nahesteht den höchstentwickelten Säugetieren, das wird heute von ernsten Forschern wieder in Abrede gestellt. Es wird gesagt, daß es unmöglich sei, daß der Mensch ein Nachkomme der Affen sei. Aber auch das Gegenteil kann behauptet werden, denn gewisse Fähigkeiten haben wir mit vielen niederen Affen noch gemeinschaftlich, so daß gewisse Forscher auf dem Standpunkte stehen, daß der Urahn, von ‘dem der Mensch abstammt, gar nicht mehr lebt. Daß der Affe sich herunterentwickelt, der Mensch aber sich heraufgestaltet hat, auf diesen Gesichtspunkt kann sich die Naturwissenschaft immer noch nicht stellen. Die Geisteswissenschaft denkt sich diese Abstammung nicht nur, sondern sie weiß sie zu erforschen mit Bezug auf die tierischen Typen- oder Gattungsseelen und die menschlichen Individualseelen. Wenn wir von den heutigen höheren Säugetieren und vom Menschen zurückgehen, so kommen wir allerdings zu einem gemeinschaftlichen Ahnherrn. Aber dieser war kein Tier im heutigen Sinne. Dieser Ahnherr war viel näher dem Menschen, als er einem heutigen Tier ähnlich war. Diejenigen wirklichen Vorfahren, die wir zu suchen haben, das sind in gewisser Weise für den Menschen und für die Tiere Gattungs- oder Typenseelen.

[ 23 ] It is precisely from such premises that we can best grasp the course of human and animal evolution. Today, the theory of evolution is already on the verge of collapse. What was claimed not long ago—that individual humans are closely related to the most highly developed mammals—is now being disputed again by serious researchers. It is said that it is impossible for humans to be descendants of apes. But the opposite can also be argued, for we still share certain abilities with many lower apes, so that certain researchers take the position that the ancestral form from which humans are descended no longer exists at all. Natural science still cannot accept the view that the ape has degenerated while humans have evolved upward. Spiritual science does not merely conceive of this lineage; it is able to investigate it with reference to the animal type or generic souls and the human individual souls. If we trace our lineage back from today’s higher mammals and from human beings, we do indeed arrive at a common ancestor. But this ancestor was not an animal in the modern sense. This ancestor was much closer to human beings than it was similar to any modern animal. The true ancestors we must seek are, in a certain sense, generic or type souls for both human beings and animals.

[ 24 ] Wer würde das leugnen, der mit unbefangenem Blick das Menschenleben überschaut? Gehen Sie zurück und immer weiter zurück in der menschlichen Entwickelung, oder sehen Sie sich selbst heute gewisse Menschen an, sogenannte Wilde, die auf einer niederen Stufe der Entwickelung stehengeblieben sind: Müssen wir nicht bei ihnen viel mehr typisch Gattungshaftes sehen als bei den entwickelten Kulturmenschen? Je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger ist der Mensch ein individuelles Wesen. Jawohl, das Individuelle hat sich im Menschen erst entwickelt, und wir sehen Zeiten in der Zukunft entgegen, wo der Mensch noch viel individuellere Züge an sich tragen wird. Der Mensch ist auf dem Wege von einem Gattungs- oder Typuswesen zu einem immer mehr und mehr individuellen Wesen. Er steht heute in der Mitte. Gehen wir zurück zu dem Ursprunge des Menschengeschlechts, da finden wir ganze Gruppen von Menschen, deren einzelne Glieder kein ausgeprägtes IchGefühl haben, bei denen das Stammesgefühl, das Familiengefühl weit größer war als das Gefühl des Einzelindividuums. Auch wurde das Einzelindividuum leicht gegenüber den Interessen des Stammes oder der Gattung geopfert, kurz, wir kommen auch beim Menschen, wenn wir weiter und weiter zurückgehen, dazu, ihm eine Gruppenseele zuzuerkennen, so daß wir in alten, alten Zeiten, in Zeiten urferner Vergangenheit, auch die Menschenseele als eine Gruppenseele erkennen gleich der heutigen Tierseele. Aber die Menschenseele hatte die andere Möglichkeit gefunden. Wodurch hat sie diese andere Möglichkeit gefunden, die die Tierseele nicht hat? Die Tierseele hat sozusagen, früher als die Menschenseele, ihre einzelnen Merkmale festgehalten, verhärtet, verfestigt. Und da sie sie verfestigt hatte, waren die Tiere nicht mehr bildungsfähig, sie sind auf der alten Stufe stehengeblieben. Gehen wir bis zum Affen zurück, dann müssen wir sagen, der einzelnen Affenart liegt eine Gruppenseele zugrunde, die zu früh ihre Eigenschaften in die feste Form gegossen hat. Daher konnte sie die in physische Formen gegossenen Eigenschaften nicht mehr weiterentwickeln. Der Mensch war noch in bezug auf den physischen Leib ein feiner gestaltetes, weiches Wesen, das der Umänderung noch fähig war. Die Gruppenseele des Menschen hat sich dasjenige, was sie noch tun konnte an Bildungsfähigkeit, an Umgestaltungsfähigkeit, bewahrt. Sie hat sich, mit ihrer Sehnsucht einen physischen Leib zu bilden, nicht so früh heruntergebracht wie die Gruppenseelen der heutigen Tiere. Die Menschenseele hat gewartet bis jetzt, wo ein umfassenderes Leben auf der Erde für sie möglich war. So konnten die Tiergruppenseelen die Körper der Tiere nicht gebrauchen, um so in sie einzuziehen, wie die menschliche Seele in den physischen Leib des Menschen eingezogen ist. Dem menschlichen Leibe ist die Fähigkeit bewahrt worden, vollkommener zu werden, bei ihm ist die Möglichkeit, ein Wohnplatz, ein Tempel für die höhere Individualität zu werden, in der dann auch die übersinnliche Intelligenz leben kann.

[ 24 ] Who, looking at human life with an unbiased eye, would deny this? Go back, further and further back, in human evolution, or look at certain people today—so-called “savages”—who have remained at a lower stage of development: Do we not see far more characteristics typical of the human species in them than in developed, civilized people? The further back we go in time, the less human beings are individual beings. Indeed, individuality has only recently developed in human beings, and we look forward to times in the future when human beings will possess even more individual traits. Humanity is on the path from being a generic or typological entity to becoming an increasingly individual being. Today, humanity stands in the middle. If we go back to the origins of the human race, we find entire groups of people whose individual members had no distinct sense of self, and for whom the sense of tribe and family was far greater than the sense of the individual. Moreover, the individual was readily sacrificed for the sake of the interests of the tribe or the species; in short, as we go further and further back in human history, we come to recognize a group soul in humanity, so that in ancient, ancient times—in times of the distant past—we also perceive the human soul as a group soul, just like the animal soul of today. But the human soul had found another path. How did it find this alternative path that the animal soul lacks? The animal soul, so to speak, had fixed, hardened, and solidified its individual characteristics earlier than the human soul. And because it had solidified them, the animals were no longer capable of further development; they remained stuck at that earlier stage. If we go back to the monkey, we must say that each individual monkey species is based on a group soul that cast its characteristics into a fixed form too early. Consequently, it could no longer further develop the characteristics that had been cast into physical forms. The human being was, with regard to the physical body, still a more finely formed, malleable being that was still capable of change. The group soul of humanity has preserved whatever capacity for development and transformation it still possessed. With its longing to form a physical body, it did not descend as early as the group souls of today’s animals. The human soul has waited until now, when a more comprehensive life on Earth has become possible for it. Thus, the animal group souls could not use the bodies of animals to enter them in the same way that the human soul has entered the physical body of the human being. The human body has retained the capacity to become more perfect; it possesses the potential to become a dwelling place, a temple for the higher individuality, in which the supersensible intelligence can then also dwell.

[ 25 ] Daher finden wir Fähigkeiten wie übersinnliches Gedächtnis, übersinnliche Vorstellungskraft und Intelligenz nicht in den Tieren, sondern äber den Tieren. Das Geistige aber finden wir in den Menschen hineingelegt, es ist eingezogen in den Menschen. Daher brauchen wir uns nicht zu wundern, daß wir, wenn wir das Weltenwerden zurückverfolgen, einen Zeitpunkt finden, wo längst Tiere herumgewandelt sind auf unserer Erde, während wir den Menschen nur bis in das Tertiär oder in das alte Diluvium zurückverfolgen können. Weiter geht es nicht in der Geologie. Die Menschenseele hat gewartet mit der Verkörperung, nachdem die Tiere schon physisch geworden waren. Der menschliche Leib hat sich herauskristallisiert aus dem Geistigen. Die Tierleiber haben sich früher verhärtet, als die menschlichen Leiber sich aus ihrer Gruppenseele heraus verhärtet haben. In den alten Zeiten, wo sich schon die Tiergruppenseelen verhärtet haben, da waren diese Seelen noch unvollkommen. Sie konnten daher auch nur unvollkommene Stufen gestalten. Später erst wurde die menschliche Gruppenseele individualisiert, und dann wurden diese Individuen auf unserer Erde geboren. So begreifen wir auch, warum dasTierreich uns wie ein auseinandergelegter Mensch erscheint. In alten Zeiten hat die Gruppenseele, die berufen war, sich herauszuentwickeln, gewisse Gruppenseelen herausgestaltet; Tierformen hat sie gebaut. Da konnte sie nicht weiter. Andere haben ihre Eigenschaften ausgestaltet. Wir dürfen uns nicht wundern, daß das Wesen, das am längsten gewartet hat, am spätesten heruntergestiegen ist, die größte Kompliziertheit, dafür aber auch die größte Harmonie im Zusammenfluß dessen, was in der Tierwelt ausgebreitet ist, zeigt. Deshalb konnte Goethe so schön sagen: Wenn der Mensch in die Natur hinausblickt und wahrnimmt, was in der Natur draußen zerstückelt ist, und es zusammenfaßt und verarbeitet zu dem, was Maß und Ordnung in ihm ist, so ist es so, als ob die Natur sich auf dem Gipfel des Werdens befinde und sich selbst bewundere.

[ 25 ] Therefore, we do not find abilities such as extrasensory memory, extrasensory imagination, and intelligence in animals, but rather above animals. The spiritual, however, we find embedded within human beings; it has taken up residence in them. Therefore, we need not be surprised that, when we trace the evolution of the world back, we find a point in time when animals had long since been roaming our Earth, whereas we can trace human beings back only to the Tertiary period or the early Diluvial period. Geology does not go any further back. The human soul waited to incarnate after the animals had already become physical beings. The human body crystallized out of the spiritual realm. Animal bodies solidified earlier than human bodies did as they solidified out of their group soul. In ancient times, when the animal group souls had already solidified, those souls were still imperfect. They could therefore form only imperfect stages. It was only later that the human group soul became individualized, and then these individuals were born on our Earth. Thus we also understand why the animal kingdom appears to us like a human being taken apart. In ancient times, the group soul that was called upon to develop itself shaped certain group souls; it constructed animal forms. It could go no further. Others developed its characteristics. We should not be surprised that the being that waited the longest and descended last exhibits the greatest complexity—and, in turn, the greatest harmony in the convergence of what is spread out across the animal world. That is why Goethe was able to say so beautifully: “When human beings look out into nature and perceive what is fragmented in the natural world, and then synthesize and transform it into what constitutes measure and order within themselves, it is as if nature were standing at the pinnacle of becoming and admiring itself.”

[ 26 ] So ist im Menschen das Tierreich individuell geworden, im Menschen sind die Eigenschaften der Tierwelt in einer Einheit vereinigt. So erblicken wir den göttlichen Geist in der Aufeinanderfolge der Tiergestalten. Jede Tiergestaltung ist eine einseitige Darstellung des göttlichen Geistes. Aber ein harmonischer, allseitiger Ausdruck davon ist der Mensch. Deshalb konnte Paracelsus aus diesem Bewußtsein heraus sagen, was noch so schwer verstanden wird: Wenn wir hinausschauen in die Tierwelt, dann ist uns jedes Tier wie ein Buchstabe, und der Mensch ist das Wort, das aus den einzelnen Buchstaben zusammengesetzt ist. — Das ist ein wunderbarer Vergleich für das Verhältnis der Tiere zum Menschen. Viel gründlicher hat sich Goethe mit den einzelnen Tierformen bekanntgemacht. Er hat sich gesagt: Wenn wir das Tier ansehen und seine Form studieren, dann können wir sehen, wie sich in der größten Mannigfaltigkeit, in weitem Bilde das Götterschaffen auslebt; dann können wir überhaupt den Urgedanken sehen, der in seine verschiedensten Formen verzweigt ist auf die verschiedensten Tiere.

[ 26 ] Thus, the animal kingdom has become individualized in human beings; in human beings, the characteristics of the animal world are united into a single whole. Thus, we perceive the divine spirit in the succession of animal forms. Each animal form is a one-sided manifestation of the divine spirit. But a harmonious, all-encompassing expression of it is the human being. That is why Paracelsus, drawing on this awareness, was able to say what is still so difficult to understand: When we look out into the animal world, every animal is like a letter to us, and the human being is the word composed of the individual letters. — This is a wonderful analogy for the relationship between animals and humans. Goethe familiarized himself much more thoroughly with the individual forms of animals. He told himself: When we look at an animal and study its form, we can see how divine creation manifests itself in the greatest diversity, in a broad picture; then we can perceive the primordial idea that branches out into its most varied forms across the most diverse animals.

[ 27 ] Man braucht nicht so grotesk zu sein wie Oken, der gesagt hat, jedes einzelne Organ des Menschen sei wie eine tierische Gattung, und er hat wirklich auf einzelne menschliche Organe hingewiesen. So sagt er vom Tintenfisch, daß er die Zunge gegeben habe. Er hat da eine dunkle Ahnung — da er kein Geisteswissenschafter war — in diese groteske Form gebracht. Goethe hat dagegen gefunden, daß so, wie ein Gedanke des Menschen über die verschiedenen Gattungen verteilt ist, so jedem Tier der ursprüngliche Typus zugrunde liegt, nur kommt beim Tier das einzelne Organ, das sich in harmonischer Art beim Menschen einschaltet, einseitig heraus. Goethe sagt: Nehmen wir einmal einen Löwen und vergleichen wir ihn mit einem gehörnten oder geweihtragenden Tier. Derselbe Urgedanke liegt da zugrunde. Aber der Löwe hat eine bestimmte Kraft, die Zähne bildet. Dieselbe Kraft, die beim Löwen Zähne bildet, bildet beim geweihtragenden Tier das Geweih. Daher kann keinem geweihtragenden Tier eine volle Reihe von Zähnen im Oberkiefer wachsen. Daher sucht Goethe den Mangel auf der anderen Seite im Tier.

[ 27 ] One need not be as grotesque as Oken, who said that every single human organ is like an animal species, and he actually pointed to specific human organs. For example, he says that the octopus gave us the tongue. Since he was not a scholar of the humanities, he expressed this vague intuition in this grotesque form. Goethe, on the other hand, found that just as a human thought is distributed across the various species, so too does the original archetype underlie every animal; it is just that in animals, the individual organ—which interplays harmoniously in humans—is expressed in a one-sided manner. Goethe says: Let us take a lion, for example, and compare it to a horned or antlered animal. The same primordial thought underlies both. But the lion possesses a specific force that forms the teeth. The same force that forms the teeth in the lion forms the antlers in the antlered animal. That is why no antlered animal can grow a full set of teeth in its upper jaw. That is why Goethe looks for the deficiency on the other side of the animal.

[ 28 ] Im Schoße der Natur ist das Tier selbst vollkommen geschaffen. Alle Glieder ordnen sich nach ewigen Gesetzen, und die entsprechende Form bewahrt im geheimen das Urbild. Und das Urbild, das schon geschaffen war im unvollkommensten Wesen, das die Seele darstellt im unvollkommensten Tier, das erlangt im Menschen die vollkommenste Gestalt im Träger der individuellen Seele. Deshalb ist dem Menschen nicht nur wie den Tieren Gestalt zuteil geworden, sondern der Mensch läßt dieses Urbild in schöpferischen Gedanken selbst in sich lebendig werden. In ihm spiegelt sich der Gedanke, nicht nur der Form und Gestalt nach, in seiner Ausprägung. Indem wir diesen Gedanken selbst vorgestellt sehen, sagt Goethe, diesen Stufengang zu der Höhe verfolgend: Freue dich, höchstes Geschöpf der Natur, daß du in deinem Inneren zu fassen vermagst den großen Gedanken, nach dem sich die Reihenfolge der Wesen bis herauf zu dir gestaltet hat.

[ 28 ] In the bosom of nature, the animal itself is perfectly created. All its limbs are arranged according to eternal laws, and its form secretly preserves the archetype. And the archetype, which was already present in the most imperfect being—represented by the soul in the most imperfect animal—attains its most perfect form in human beings, the bearers of the individual soul. Therefore, human beings have not only been endowed with form, as are the animals, but they also bring this archetype to life within themselves through creative thought. In him, the thought is reflected—not merely in form and shape, but in its full expression. As we envision this thought itself, Goethe says, tracing this ascent to the heights: “Rejoice, nature’s highest creature, that within yourself you are able to grasp the great thought according to which the sequence of beings has been shaped all the way up to you.”