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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

9 January 1908, Berlin

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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

7. Mann, Weib und Kind im Lichte der Geisteswissenschaft

7. Man, Woman, and Child in the Light of Spiritual Science

Notizen eines Teilnehmers

Notes from a participant

[ 1 ] Geisteswissenschaft ist nicht nur eine Befriedigung von Neugierde, oder edler ausgedrückt, eine Befriedigung des Forschungstriebes. Sie soll dem Menschen zugleich einen Impuls zum Leben und Handeln geben. Sicherheit und Befriedigung im Leben, Tüchtigkeit im Handeln und in der Bewältigung unserer Aufgaben soll uns schließlich aus dem herausfließen, was uns die Geisteswissenschaft bietet.

[ 1 ] Spiritual science is not merely a means of satisfying curiosity, or, to put it more nobly, a means of satisfying the drive for research. It is also intended to give people an impulse for living and acting. After all, a sense of security and fulfillment in life, as well as competence in our actions and in accomplishing our tasks, should flow from what the humanities offer us.

[ 2 ] Das Kind ist gleichsam ein lebendiges Rätsel vor unseren Augen. Vorurteile in vielen Zweigen des Lebens können manchmal noch korrigiert werden, Vorurteile aber in der Erziehung des Kindes wirken oft verderblich und können häufig nicht mehr verbessert werden.

[ 2 ] A child is, as it were, a living mystery before our eyes. Prejudices in many areas of life can sometimes still be corrected, but prejudices in a child’s upbringing often have a detrimental effect and frequently cannot be remedied.

[ 3 ] In der Dreiheit von Mann, Weib und Kind erscheint uns in gewisser Beziehung die ganze Menschheit. Im Kinde ist vieles vererbt von Mann und Weib. Es spielt also hier die Frage nach der Vererbung hinein, die eigentlich das Rätsel des Schicksals bis zu einem gewissen Grade mit umfaßt. Was hat das Kind von seinen Vorfahren empfangen? Man betrachte daraufhin etwa die Dramen von Ibsen. In Kunst und Wissenschaft wird die Frage nach der Vererbung überall aufgeworfen, weil man ihre Wichtigkeit und ihre praktische Bedeutung herausfühlt. Allein wir dürfen uns hier nicht täuschen lassen von den Vorurteilen, die uns vielfach suggeriert werden von den Tatsachen, die uns aus der Beobachtung der niederen Lebewesen entgegentreten. Einer der größten Fehler auf diesem Gebiete besteht darin, daß man das, was Beobachtung und Experiment uns bei Tieren und Pflanzen zeigen, oder was wir aus der Geschichte von unseren Vorfahren wissen, ohne weiteres auf den jetzigen Menschen anwendet. Geisteswissenschaft anerkennt das, was man in der Wissenschaft unter Vererbung versteht, aber sie steigt von diesen Tatsachen zu höheren auf, die sich uns erst von den Aspekten der geistigen Welt aus eigentlich enthüllen. Es besteht eben eine Steigerung in bezug auf Gesetzmäßigkeit. Eine Grundgesetzmäßigkeit waltet durch die ganze Natur, durch Körperliches und durch Geistiges. Aber mit unseren Einsichten von den Gesetzen auf niederen Gebieten müssen wir aufsteigen zu Gesetzmäßigkeiten, die auf höheren Gebieten gelten. Diese Steigerung müssen wir unbedingt vollziehen.

[ 3 ] In the triad of man, woman, and child, the whole of humanity appears to us in a certain sense. Much is inherited by the child from the man and the woman. Thus, the question of heredity comes into play here, which actually encompasses, to a certain degree, the mystery of fate. What has the child received from its ancestors? Consider, for example, the plays of Ibsen. In art and science, the question of heredity is raised everywhere because people sense its importance and practical significance. However, we must not allow ourselves to be misled here by the prejudices that are often suggested to us by the facts we encounter when observing lower forms of life. One of the greatest errors in this field is that we uncritically apply to modern humans what observation and experimentation reveal about animals and plants, or what we know about our ancestors from history. Spiritual science acknowledges what science understands as heredity, but it rises from these facts to higher ones that are truly revealed to us only from the perspectives of the spiritual world. There is, in fact, a progression with regard to laws. A fundamental law prevails throughout all of nature, through the physical and the spiritual. But with our insights into the laws of lower realms, we must ascend to laws that apply in higher realms. We must absolutely accomplish this progression.

[ 4 ] In was verwandelt sich auf höheren Gebieten die Vererbung? Die Lösung dieser Frage wird uns Respekt einflößen vor dem werdenden Menschen. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den niederen Lebewesen und dem Menschen. Der Grundunterschied zwischen Mensch und andern Lebewesen liegt in folgendem: Alles was uns Interesse beim Tier abgewinnt, schließt sich in dem Gattungs- oder Artbegriff ein. Wir haben bei den Tieren nicht dieselbe Achtung vor dem Individuum wie beim Menschen. Die Beschreibung eines Löwen ist die Beschreibung der Art der Löwen. Hier wiegt das Gattungsmäßige vor. Beim Menschen hingegen wiegt die Individualität vor. Daher ist von jedem Menschen eine Biographie möglich, selbst vom einfachsten Menschen. In dieser Tatsache liegt sehr viel verborgen, vor allem, daß der Mensch eine Gattung, eine Art für sich ist in jedem einzelnen Individuum. Im Menschen wohnt etwas, das gleichbedeutend ist einer ganzen tierischen Art.

[ 4 ] Into what does heredity transform itself at higher levels? The answer to this question will inspire in us a sense of awe for the developing human being. There is a tremendous difference between lower forms of life and human beings. The fundamental difference between humans and other living beings lies in the following: Everything that interests us about animals is encompassed within the concept of genus or species. We do not have the same respect for the individual in animals as we do in humans. The description of a lion is the description of the species of lions. Here, the generic aspect predominates. In humans, on the other hand, individuality takes precedence. Therefore, a biography is possible for every human being, even the simplest person. Much is hidden in this fact, above all that each individual human being is a genus, a species in and of themselves. There is something within humans that is equivalent to an entire animal species.

[ 5 ] Hieraus ergibt sich uns das Gesetz der Wiederverkörperung der Seele oder der Reinkarnation. Das menschliche Individuum ist uns aus den Vorfahren heraus durchaus unverständlich. Außerliche Eigenschaften freilich können eventuell auf Vorfahren zurückgeführt werden, nicht aber das, was dem selbsteigenen Wesen eines Menschenindividuums angehört. Ebensowenig können wir die Gattungsindividualität irgendeines Tierwesens aus den Merkmalen ihrer Vorfahren ableiten.

[ 5 ] From this follows the law of the reincarnation of the soul. The human individual is, from the perspective of our ancestors, completely incomprehensible to us. External characteristics, of course, may possibly be traced back to ancestors, but not that which belongs to the intrinsic nature of a human individual. Nor can we deduce the species-specific individuality of any animal from the characteristics of its ancestors.

[ 6 ] Die Ursachen für die Entstehung eines lebendigen Wesens müssen immer aus Lebendigem hervorgehen. Vor wenigen Jahrhunderten noch glaubte man an Urzeugung, zum Beispiel daß aus Flußschlamm lebendige Tiere entstehen könnten. Die Seele des Menschen ist nicht aus allerlei Eigenschaften zusammengeleimt, sowenig wie ein Wurm aus gewissen anorganischen Substanzen, wie man damals meinte. Seele geht immer auf Seele zurück; und die Seele, die heute in einem Menschen wohnt, geht auf ein früheres Seelendasein zurück. Sie ist eine Wiederverkörperung, nicht aber ist sie ein Konglomerat von Eigenschaften der väterlichen und mütterlichen Seite. So ergibt sich notwendig das Gesetz der Wiederverkörperung. Von diesem Gesichtspunkte aus wollen wir Mann, Weib und Kind betrachten.

[ 6 ] The causes of the origin of a living being must always arise from something living. Just a few centuries ago, people still believed in spontaneous generation—for example, that living animals could arise from river mud. The human soul is not cobbled together from all sorts of characteristics, any more than a worm is made up of certain inorganic substances, as was believed at that time. The soul always traces back to the soul; and the soul that dwells in a human being today traces back to a previous soul existence. It is a reincarnation, but it is not a conglomeration of characteristics from the paternal and maternal sides. Thus, the law of reincarnation necessarily follows. From this perspective, let us consider man, woman, and child.

[ 7 ] Was als die tiefere Grundlage, als die Individualität des Kindes erscheint, ist das, was sich als Seele in die Leiblichkeit eingliedert, nachdem es in einem anderen Dasein inzwischen fortgelebt hat. Mann und Weib haben dem Kinde bloß eine Hülle zu geben. Mutter- und Vaterliebe wird hierdurch keineswegs herabgewürdigt. Die Individualität eines Menschen ist schon lange vor dem Begattungsakte der Eltern da. Eine Art unbewußte Liebe führt das Kind zu diesen bestimmten Eltern hin und veranlaßt sie zur Zeugung. Als Gegengabe bringen dann die beiden Erzeuger dem Kinde ihre Elternliebe entgegen.

[ 7 ] What appears to be the deeper foundation—the child’s individuality—is that which integrates itself into the physical body as a soul after having continued to exist in another life in the meantime. A man and a woman have merely to provide the child with a vessel. This in no way diminishes the love of a mother and father. A person’s individuality exists long before the parents’ act of procreation. A kind of unconscious love draws the child to these specific parents and prompts them to conceive. In return, the two parents then bestow their parental love upon the child.

[ 8 ] Für gewisse Lebewesen gliedern sich Tod und Liebe zusammen. Manche Tiere sterben nach dem Begattungsakte. Derartige Wesen weisen uns tief hinein in den Zusammenhang der Lebewesen im All und auch auf die Tatsache der Liebe. Liebe ist für den Menschen etwas, durch das er sein individuelles Dasein dem ganzen Sein widmet. Sie ist nicht nur jenes phrasenhafte Ding der Dichtung, sondern eine die ganze Natur durchwaltende Kraft. Liebe ist das Gegenbild des Egoismus. In ihr geht das Individuum gleichsam über sich hinaus. Sie ist bei vollkommeneren Wesen eine eigentliche Lebenssteigerung.

[ 8 ] For certain living beings, death and love are intertwined. Some animals die after mating. Such beings offer us a profound insight into the interconnectedness of all living things in the universe and also into the reality of love. For human beings, love is something through which they dedicate their individual existence to the whole of being. It is not merely a clichéd concept of poetry, but a force that permeates all of nature. Love is the antithesis of selfishness. In love, the individual, as it were, transcends themselves. In more perfect beings, it is a true elevation of life.

[ 9 ] Das individuellste Wesen ist der Mensch. Die Bedeutung von Individuum und Liebe wird nur ganz verständlich durch die Betrachtung der Wesenheit des Menschen, wie sie uns durch die Geisteswissenschaft gegeben wird. Nach der Geisteswissenschaft ist der physische Leib nur ein Kleid der ganzen menschlichen Existenz. Den Ätherleib hat der Mensch gemeinsam mit dem, was lebt als Tier und Pflanze. Der Astralleib, den auch die Tiere haben, umfaßt alles Seelische, vom niedersten Trieb bis hinauf zu den höchsten moralischen Ideen.

[ 9 ] Human beings are the most individual of all beings. The meaning of the individual and of love can only be fully understood by considering the essence of the human being, as revealed to us through spiritual science. According to spiritual science, the physical body is merely a garment of the entire human existence. Human beings share the etheric body with animals and plants. The astral body, which animals also possess, encompasses everything soul-related, from the basest instincts up to the highest moral ideas.

[ 10 ] Die Kraft des Ich hingegen besitzt er nur als Mensch, daher er als die Krone der Schöpfung gelten darf. Jene Persönlichkeit fühlte die Tiefe dieses Wortes Ich, welche sprach: Ich ist, was da ist, war und sein wird. Wahre IchErkenntnis ist die höchste Form des Wissens im Dasein. Hinter dem «verschleierten Bilde zu Sais» steht die IchErkenntnis. «Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gehoben!» Die wahre Ich-Erkenntnis ist nur derjenigen

[ 10 ] The power of the “I,” however, is possessed by him only as a human being; therefore, he may be regarded as the crown of creation. That personality felt the depth of the word “I,” which declared: “I am what is, what was, and what will be.” True self-knowledge is the highest form of knowledge in existence. Behind the “veiled image at Sais” lies self-knowledge. “No mortal has yet lifted my veil!” True self-knowledge belongs only to those

[ 11 ] Kraft im Menschen möglich, die unsterblich ist! Nur das Übersinnliche im Menschen erkennt das Unsterbliche. Also was sterblich in uns ist, hebt den Schleier der Göttin nicht auf.

[ 11 ] A power within human beings that is immortal! Only the supernatural aspect of human beings recognizes the immortal. Thus, that which is mortal within us does not lift the veil of the Goddess.

[ 12 ] Ein deutscher Romantiker hat kühnlich gesagt: Wenn kein Sterblicher den Schleier der Isis hebt, so müssen wir eben unsterblich werden!

[ 12 ] A German Romantic once boldly declared: “If no mortal can lift the veil of Isis, then we must simply become immortal!”

[ 13 ] Bis zum ersten Zahnwechsel des Kindes bildet sich der physische Leib aus. Der Mensch wächst dann freilich noch weiter, aber dieses Wachstum ist nur ein Größerwerden der Gestalt, ein Ausweiten der Form, die er bis zum siebenten Jahre erhalten hat. Darin liegt ein wichtiger Regulator für die Erziehung. Bis zu dieser Zeit soll man vorab die physische Form des Kindes ausbilden. Tut man dies nicht, so hat man etwas für das ganze Leben des betreffenden Menschen versäumt. In der zweiten Periode bis zum Pubertätsalter bildet sich der Ätherleib aus. In der Zeit vorher war dieser freilich nicht untätig. Nur ist der Ätherleib bis zum Zahnwechsel in einer Art Mutterhülle eingeschlossen. Erst von dieser Zeit an wird er frei und kann sich entfalten. In der Geschlechtsreife ist ein Schlußpunkt der Entwickelung des Ätherleibes erreicht, und von jetzt an wird die Entwickelung des astralischen Leibes frei. Noch später beginnt die eigentliche Ausbildung des Ich.

[ 13 ] The physical body develops until a child’s first set of permanent teeth comes in. Of course, a person continues to grow after that, but this growth is merely an increase in stature—an expansion of the form the child has retained up to the age of seven. This is an important guiding principle for education. Up to this point, one should focus on developing the child’s physical form. If this is not done, something essential for the person’s entire life will have been neglected. In the second period, up to the age of puberty, the etheric body develops. Of course, it was not inactive during the preceding period. However, until the teeth are replaced, the etheric body is enclosed in a kind of maternal sheath. Only from this time onward does it become free and able to unfold. At sexual maturity, a culmination point in the development of the etheric body is reached, and from this point on, the development of the astral body becomes free. Even later, the actual formation of the “I” begins.

[ 14 ] Ein anderes Bild ergibt sich also für den Erbprozeß des Physischen, ein anderes für den Ätherleib und wieder ein anderes für den astralischen Leib.

[ 14 ] A different picture thus emerges for the process of inheritance in the physical body, a different one for the etheric body, and yet another for the astral body.

[ 15 ] Was der Mensch von den Vorfahren als Erbe mitbringt, liegt im physischen und im Ätherleib. Bis zur Geschlechtsreife gelangen diese vererbten Eigenschaften zur völligen Sichtbarkeit. Dann aber beginnt die Entfaltung der besonderen Individualität des Menschen, und das drückt sich in der Liebe aus. Gewisse Tierarten sterben beim Liebesakt, weil hier ihre Wesenheit aufhört und ihre individuelle

[ 15 ] What a person inherits from their ancestors is contained in the physical and etheric bodies. By the time a person reaches sexual maturity, these inherited characteristics become fully apparent. But then the unfolding of the person’s unique individuality begins, and this is expressed through love. Certain animal species die during the act of love because that is where their existence ceases and their individual

[ 16 ] Existenz zu Ende ist. Je höher die Individualität eines Wesens ist, um so mehr nimmt es mit hinüber über die Geschlechtsreife als etwas Unvergängliches. In Wirklichkeit sind da natürlich vielfache Übergänge. So rettet der Mensch sein Innenleben über das bloß Gattungsmäßige hinaus.

[ 16 ] existence has come to an end. The greater a being’s individuality, the more of it it carries over beyond sexual maturity as something imperishable. In reality, of course, there are many different stages of transition. In this way, human beings preserve their inner life beyond the merely generic.

[ 17 ] Durch eine Gegenüberstellung von Mensch und Stein geht uns vielleicht das Verständnis dafür am besten auf: Im Kristall kommen die äußeren Kräfte, die ihn gebildet haben, zum Abschluß. Dem Inneren des Steins drücken sie werter nichts ein. Bei der Pflanze besteht das Wesentliche nicht in einem Vergrößern der Form, sondern nur in einer Art Wiederholung des Formprinzips, wie Goethe dargestellt hat. Das, was der Mensch sich erworben hat auf früheren Stufen, zeigt er nun als Wirkung seines Ich. Wie die Pflanze aus dem Boden ihre Materialien sucht und holt, um ihren Körper aufzubauen, so sucht der junge Mensch aus seinen Eltern den Boden, um seinen körperlichen Leib aufzubauen.

[ 17 ] Perhaps we can best understand this by contrasting human beings with stones: In a crystal, the external forces that formed it come to an end. They do not impose anything further on the stone’s interior. In the case of the plant, the essential aspect does not lie in an enlargement of form, but only in a kind of repetition of the principle of form, as Goethe has described. What the human being has acquired at earlier stages is now manifested as the effect of the “I.” Just as the plant seeks and draws its materials from the soil to build its body, so the young human being seeks the foundation from his parents to build his physical body.

[ 18 ] Hier greifen die Vorstellungen der Geheimwissenschaft unmittelbar in den Willen, in die Gefühle, ins Leben über. Das Recht der kindlichen Individualität müssen wir im tiefsten Sinne achten. Der folgenden Generation gegenüber fühlt sich der Mensch anders, wenn er die Dinge in diesem Lichte sieht.

[ 18 ] Here, the ideas of the secret science have a direct impact on the will, the feelings, and life itself. We must respect the right of a child’s individuality in the deepest sense. When one sees things in this light, one feels differently toward the next generation.

[ 19 ] Die Naturwissenschaft sagt dazu: Durch das männliche Prinzip gehen in den Keim eine Anzahl von Eigenschaften über, ebenso vom weiblichen Teil, von der Eizelle. Beide Gruppen von Eigenschaften müssen sich mischen im Keim. Dadurch wird die ewige Wiederkehr der gleichen Eigenschaften vermieden. Das ist der Grund für die Mischung der Eigenschaften des männlichen und weiblichen Keimteils. Hierin liegt das Wesentliche, worauf es im Haushalte der Natur ankommt.

[ 19 ] Natural science explains it this way: A number of characteristics are passed on to the germ from the male principle, and likewise from the female part, the egg cell. Both sets of characteristics must mix within the germ. This prevents the eternal recurrence of the same characteristics. This is the reason for the blending of the characteristics of the male and female germ cells. Herein lies the essence of what is essential to the balance of nature.

[ 20 ] In bezug auf die Seele aber ist unsere Naturwissenschaft das Abergläubischste, das es geben kann. Das sagt auch ein genialer Lichtblitz Schopenhauers: Was ins Dasein will, führt in der Liebe die menschlichen Geschlechtsindividualitäten zusammen. Solches lehrt letzten Endes auch die Geisteswissenschaft. Die Menschen werden zusammengeführt zur Zeugung durch die Generationen der Zukunft. Wird so ein jedes Kind betrachtet, haben wir ihm gegenüber kein Recht, unsere Eigenheit ihm aufzudrängen. Der richtige Erzieher kann nur so weit die kindliche Entwickelung fördern, als er dies selber an sich gelernt hat. Das Kind ist der größte Lehrmeister des Erziehers.

[ 20 ] But when it comes to the soul, our natural science is the most superstitious thing there can be. This is also expressed in a brilliant insight by Schopenhauer: That which seeks to come into being brings human sexual individualities together through love. Ultimately, this is also what spiritual science teaches. People are brought together for procreation by the generations of the future. If we view every child in this light, we have no right to impose our own individuality upon them. A true educator can only foster a child’s development to the extent that he or she has learned this through personal experience. The child is the educator’s greatest teacher.

[ 21 ] Wenn der Erzieher dieses Rätsel am Kinde gründlich löst, dann ist er der beste Erzieher. Wer derlei Anschauungen mit der ganzen Seele durchdringt, dem verwandeln sie sich in Achtung für die Wesenheit des Kindes und erwecken Ehrfurcht für das, was da wächst und wird. Es ganzen werdenden Generation. Wir Erwachsenen sind für die werdende Generation so etwas wie ein Mutterboden, aus welchem sie sich entwickelt. Wir haben dem Kinde zu geben, was es zum Leben braucht, nicht aber dürfen wir es unter Zwang setzen, um es nach unserem eigenen Bilde zu formen, sondern wir müssen ihm eine Freiheit in der Entwickelung lassen und sie achten. Diese Freiheit im erst keimhaft vorhandenen Wesen zu respektieren, ist eine viel bedeutsamere Mission für den Menschen als die Achtung der Freiheit dessen, was schon da ist. Die Geisteswissenschaft bildet eine richtige Erzieherin für diese Achtung und Ehrfurcht. Sie zeigt uns das Übersinnliche und die Tatsachen, welche seit urferner Vergangenheit geistige Wesenheiten am Aufbau der Welt betätigen und damit der Menschheit helfen. Die Erkenntnis des Gestrigen befähigt uns, befriedigende Lösungen auch für das Gegenwärtige zu finden. Unser Wirken in der Gegenwart muß die Freiheit des sich entwickelnden Übersinnlichen achten. Freiheit des Übersinnlichen in dem Sinnlichen soll unsere Devise sein! So helfen wir die Menschheit vorwärtsbringen in eine Zukunft hinein, die für uns heilsam ist und gleichsam einen Zustand der Göttlichkeit bedeutet. Ist der Blick für das Übersinnliche in der Gegenwart eröffnet, so wird uns das Vergangene erklärlich, und wir können aus ihm heraus lernen, was uns für die Zukunft nützlich und tunlich ist.

[ 21 ] If the educator thoroughly unravels this mystery in the child, then he is the best educator. For those who internalize such views with their whole soul, they transform into respect for the child’s essence and inspire awe for what is growing and developing there—the entire generation to come. We adults are, for the coming generation, something like the fertile soil from which they develop. We must give the child what it needs for life, but we must not force it to conform to our own image; rather, we must allow it freedom in its development and respect that freedom. Respecting this freedom in a being that is still in its nascent stage is a far more significant mission for human beings than respecting the freedom of that which already exists. Spiritual science is a true teacher of this respect and reverence. It reveals to us the supersensible realm and the facts that, since time immemorial, spiritual beings have been active in the building up of the world and thereby helping humanity. Knowledge of the past enables us to find satisfactory solutions for the present as well. Our actions in the present must respect the freedom of the developing supersensible realm. Freedom of the supersensible within the sensible shall be our motto! In this way, we help to advance humanity toward a future that is healing for us and, as it were, signifies a state of divinity. Once our eyes are opened to the supersensible in the present, the past becomes understandable to us, and we can learn from it what is useful and expedient for our future.

Liegt dir Gestern klar und offen,
Wirkst du Heute kräftig frei,
Kannst auch auf ein Morgen hoffen,
Das nicht minder glücklich sei.

If yesterday is clear and open to you,
You’ll act with strength and freedom today,
And you can hope for a tomorrow
That will be no less happy.