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The Rudolf Steiner Archive

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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

5 December 1907, Munich
in lieu of 27 February 1908, Berlin

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10. Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft

The Feverish Pursuit of Health

[ 1 ] Gesundheit ist etwas, wonach naturgemäß jeder Mensch verlangt. Und wir dürfen sagen: Dieses Verlangen des Menschen nach Gesundheit entspringt ja nicht allein den egoistischen Gefühlen und Wünschen, sondern es entspringt dem berechtigten Sehnen nach Arbeit. Wir verdanken unsere Arbeitsfähigkeit, die Möglichkeit, in der Welt zu wirken, der Gesundheit. Deshalb schätzen wir die Gesundheit als ein ganz besonderes Gut. Nun liegt aber gerade in dieser Denkungsart, die Gesundheit um der Arbeitsfähigkeit willen zu erstreben, etwas höchst Bedeutsames vor. In gewisser Weise liegt darin das Geheimnis, unter welchen Umständen Gesundheit überhaupt erstrebenswert ist. Es könnte dies sonderbar aussehen, daß Gesundheit nur unter gewissen Umständen erstrebenswert sein soll. Aber die heutige Betrachtung soll uns gerade zeigen, daß Gesundheit zu denjenigen Gütern gehört, die uns am ehesten dann werden, wenn wir sie nicht um ihrer selbst willen, sondern um eines anderen willen erstreben. Daß dies heute nicht immer geschieht, das kann jeden ein Blick in die Umwelt, die uns gegenwärtig umgibt, lehren.

[ 1 ] Health is something for which every man naturally longs. We may say this longing for health derives indeed not only from egotistic feelings and wishes, but also from the justified longing for work. We owe thanks for our capacity to work, for the possibility of becoming effective in the world, to our health. Hence, it is that we treasure health as a quite special beneficence. Indeed, there lies in this way of thinking about health something of the highest significance for its pursuit. In a certain way there is contained therein the secret of the particular circumstances under which health becomes at all worth pursuing. That the pursuit of health should only under certain circumstances be worthwhile might appear unusual. Our considerations today, however, should disclose that health belongs to those virtues that most readily become a reality in us if we pursue them not for their own sake, but for another's. That this does not always happen today can be taught us if we but look out into our present surrounding world.

[ 2 ] So merkwürdig es ist, wenn man von Gesundheitsfieber spricht, von einem fieberhaften Drängen nach Gesundheit, so kann doch mancher heute darüber seine Wahrnehmungen machen. Mit welchen Mitteln, auf welchen unzähligen Wegen drängen nicht heute die meisten Menschen nach Gesundheit. Heute finden wir überall ein hastiges Streben nach Gesundheit. Wir wandern durch Gegenden, in denen uns alte Burgen und Ruinen melden von denen, die einst als Mönche und Ritter Stärke des Geistes und leibliche Stärke ihr eigen nannten. Diese Burgen sind heute verfallen. Wir finden in denselben Gegenden heute Sanatorien. Und wann hätte es in irgendeiner Zeit der Weltenentwickelung so vielerlei Spezialbestrebungen gegeben, die Gesundheit zu erlangen, durch naturgemäße Lebensweise, Wasser- oder Luftheilmethoden? In Luft- und Sonnenbäder treibt man die Menschen. Ein Bekannter kam einmal in der ersten Hälfte des Sommers zu mir, er war auf dem Wege in ein Sanatorium. Mit Mühe und Not hatte er sich die vier Wochen Urlaub abringen können, die er dort zubringen wollte. Nach seiner Meinung war es selbstverständlich das beste, was dem Menschen werden konnte, in dieser Zeit ein einigermaßen befriedigendes Dasein im Sanatorium zuzubringen. Deshalb wollte ich ihm nicht das Nutzlose seines Vorhabens klarmachen und ihm so alle Hoffnung nehmen. Auf dem Rückwege kam er wieder zu mir. Er brachte ein Büchelchen mit, in dem alles aufgeschrieben war, was er in diesen vier Wochen mit seinem Organismus hatte leisten müssen. Wieder konnte man ihm die Freude nicht nehmen, aber es lag einem doch die Frage auf der Zunge: Sagen Sie einmal, wann haben Sie sich denn mehr abgerackert, während des ganzen Jahres oder in diesen vier Wochen, wo Sie getrieben wurden vom Warmen ins Kalte, vom Trockenen ins Nasse und wo Sie mit manchem Besen abgekehrt wurden? — Und das Schlimmste war noch, nach einigen Wochen sagte er mir: Diese Kur hat mir nun ebensowenig geholfen, wie jede andere seit dreißig Jahren, — denn er hatte jeden Sommer etwas anderes versucht. Wer diesen Menschen lieb hatte, der konnte nur in einer etwas bedauernden Weise auf sein Gesundheitsfieber blicken. Wie viele Leute laufen heute zu Magnetiseuren und «geistigen Heilern»! Wie viele Schriften gibt es nicht über «Harmonie mit dem Unendlichen» und Ähnliches. Kurz, Gesundheitsfieber ist etwas, was in unserer Zeit lebt.

[ 2 ] However remarkable it may be when speaking of the feverish pursuit of health, the feverish insistence upon health, yet it is possible today for many people to make their own observations about it. With what means, in what countless ways, do most people today press towards health! Everywhere we find a hurried pursuit of health. We may travel through regions in which old castles and ruins tell us of monks and knights who once could call strength of spirit and of body their own. Today they have fallen into decay and replacing them in these same regions we find sanitaria. Was there ever in any time of world evolution such a variety of special efforts to achieve health, to struggle through to health by natural ways of living, by water- or aero-healing methods? People are sent for air and sun baths. Once an acquaintance of mine who was on his way to a sanitarium came to me during the first half of summer. It had been with much difficulty that he managed to get four weeks' vacation, which he planned to spend there. Of course, it seemed to be the best that could happen to a person, to stay for a time, more or less satisfying, in a sanitarium. Hence I had no wish to explain the futility of his plan and thus deprive him of all hope. On his return journey he came again to me. He brought a little book along in which was written all he was supposed to have accomplished during those four weeks contemplating his organism. Again one could not deprive him of his joy, but, on the tip of one's tongue lay the question, “Do tell me, when have you been more driven? During the whole year at work or during those four weeks during which you were shoved from warmth to cold, from dryness to dampness, and were scrubbed with all those brushes?” The worst part of it was that after some weeks he said to me, “This cure has helped me as little as all the others in the last thirty years.” He had tried something different each summer. Whoever cared for this person could well look upon his feverish search for health in a somewhat sympathetic way. How many people today run to mesmerizers and spiritual healers? How many writings there are on “Harmony With the Infinite” and the like! In short, the feverish pursuit of health is something that lives in our time.

[ 3 ] Nun könnte man eine andere Frage aufwerfen: Sind denn diese Leute wirklich krank? — Gewiß, irgend etwas wird ihnen schon fehlen; aber ist denn überhaupt Aussicht vorhanden, durch alle diese Dinge seine Gesundheit zu erlangen?

[ 3 ] Now, one might raise another question. “Are these people actually sick?” Well, of course, something is probably wrong with them, but is there a chance that they will attain health through all these things?

[ 4 ] Ein uralter Ausspruch hat sich besonders bei den primitiven Leuten heute noch erhalten. Man sagt so häufig, das, was der einfache Mensch an solchen Aussprüchen hat, enthalte sehr oft etwas Gutes. — Ja, aber ebenso oft ist es auch etwas Falsches! Und so ist es auch mit diesem Ausspruch: Es gibt viele Krankheiten, aber nur eine Gesundheit. — Das ist eben sehr töricht. Es gibt so viele Gesundheiten, wie es Menschen gibt: für jeden Menschen seine individuelle Gesundheit. — Darin liegt schon ausgesprochen, daß alle allgemeinen schablonenhaften Vorschriften, das und das sei für den Menschen gesund, ein Unding sind. Gerade der Teil der Menschheit, der vom Gesundheitsfieber befallen ist, leidet am allermeisten unter den allgemeinen Vorschriften für die Gesundheit und darunter, daß er, im Glauben, daß es überhaupt etwas gäbe, was man allgemein als Gesundheit bezeichnen könne, meint, das und das müsse man machen, das sei gesund. Es ist das Unglaublichste, daß nicht eingesehen wird, daß für einen Menschen einmal ein Sonnenbad gesund sein kann, daß es aber nicht verallgemeinert werden darf; es kann für einen andern sehr schädlich sein. Im allgemeinen gibt man das zu, aber im besonderen handelt man nicht danach. Wir müssen uns klarmachen: Gesundheit ist ein ganz relativer Begriff, etwas, was einer fortwährenden Veränderung unterliegt, besonders für den Menschen, der das komplizierteste Wesen auf dem Erdball ist.

[ 4 ] Especially among ancient people an age-old saying remains even today. One says so frequently that what the simple person gets from such sayings often may contain something good, but just as often it is something false. So it is with the saying, “There are many illnesses, but only one state of health.” This is foolish. There are as many states of health as there are human beings. For each human being his individual health. What this says is that all general standard prescriptions holding that this or that is healthy for the human being are nonsense. The very part of humanity that is overcome by the feverish pursuit of health suffers most from the general prescriptions for health. Among them are those who believe that there could be something generally tagged as health, that if one does thus and so, that it would be healthy. It is most incredible that there is no realization that a sun bath can be healthy for a person, but that this may not be applied in general. It could be quite harmful for another. Generally, this is admitted but there is no following through in particular instances. We must make it clear to ourselves that health is a quite relative concept, something that is liable to a continuing process of change, especially for the human being, who is the most complicated being on the earth.

[ 5 ] Wir müssen einen Blick tun in die Geisteswissenschaft, dann werden wir tief eindringen in die menschliche Natur. und erkennen, wie veränderlich das ist, was wir Gesundheit nennen. Praktisch vergißt man meistens vollständig, worauf heute bei materiellen Dingen soviel Wert gelegt wird: man vergißt, daß auch der Mensch in Entwickelung begriffen ist.

[ 5 ] We need but look into spiritual science. Then shall we penetrate deeply into human nature and recognize how changeable what we call health is. In reality, one forgets almost entirely today that upon which so much value is laid in material aspects. One forgets that the human being is in the throes of development.

[ 6 ] Was heißt es: Der Mensch ist in Entwickelung begriffen? — Noch einmal muß auf die Wesenheit des Menschen hingewiesen werden. Der physische Leib ist nur ein Teil der menschlichen Wesenheit. Diesen hat er gemeinschaftlich mit der ganzen leblosen Natur. Aber er hat als zweites Glied den Äther- oder Lebensleib, den er gemeinsam hat mit allem, was lebt. Dieser ist ein fortwährender Kämpfer gegen alles, was den physischen Leib zerstören will. In dem Augenblicke, wo der Ätherleib den physischen Leib verlassen würde, wäre der physische Leib ein Leichnam. Das dritte Glied ist der astralische Leib, den er mit den Tieren gemeinschaftlich hat, der Träger von Lust und Leid, von jeder Empfindung und Vorstellung, von Freude und Schmerz, der sogenannte Bewußtseinsleib. Der vierte Teil ist sein Ich, der Mittelpunkt seines Wesens, der ihn zur Krone der Schöpfung macht. Das Ich verändert die drei Leiber durch Entwickelung aus dem Mittelpunkt heraus. Betrachten wir einen ungebildeten Wilden, einen Durchschnittsmenschen und einen hochgebildeten Idealisten. Der Wilde ist noch der Sklave seiner Leidenschaften. Der Durchschnittsmensch läutert seine Triebe. Er versagt sich, gewissen Trieben nachzugeben und setzt an ihre Stelle das Recht oder hohe religiöse Ideale. Das heißt, daß er vom Ich aus seinen astralischen Leib umarbeitet. Dadurch hat dieser jetzt zwei Glieder. Das eine hat noch die Gestalt, wie sie beim Wilden ist, der andere Teil aber ist umgestaltet zum Geistselbst oder Manas. Durch die Eindrücke der Kunst oder die großen Eindrücke der Religionsstifter arbeitet der Mensch an seinem Ätherleib und schafft Buddhi. Aber auch der physische Leib kann umgestaltet werden zu Atma, wenn der Mensch sich gewissen geisteswissenschaftlichen Übungen hingibt. So arbeitet der Mensch in unbewußter oder bewußter Art an seinen drei Leibern. Wenn wir weit, weit zurückblicken könnten in der Entwickelung der Menschheit, so würden wir überall primitive Kulturzustände, einfache Arten der Lebensweise finden. Alles, was da die Menschen an Gerätschaften haben, um ihre geistigen und körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen, ihre ganze Lebensweise, ist einfach. Alles entwickelt sich und damit entwickelt sich der Mensch selber. Das ist das Wichtigste.

[ 6 ] What is meant by, “The human being is undergoing development?” Again it is necessary to refer to the being of man. The physical body is only a part of the human entity. This he has in common with all lifeless nature. But he has as second member the etheric or life body, which he has in common only with what is life-imbued. This member wages a continuing battle against everything that would destroy the physical body. Were the etheric body to withdraw from the physical body, in that moment the physical body would become a corpse. The third member is the astral body, which he has in common with animals, the bearer of desires and sorrow, of every feeling and representation, of joy and pain, the so-called consciousness body. The fourth part is his ego, the central point of his being, that makes of him the crown of creation. The ego transforms the three bodies through development out of the central point of the human being. Let us consider an uneducated savage, an average man, or a highly educated idealist. The savage is still slave to his passions. The average man refines his urges. He denies himself the satisfaction of certain urges and sets in their place legal concepts or high religious ideals, that is, he remodels his astral body from out his ego. As a result the astral body now has two members. The one still has the form that exists in the savage, but the other part has been transformed into spirit self or manas. Through impressions from art or great impressions from founders of religion man works on his ether body and creates buddhi or life spirit. The physical body also can be transformed into Atma, Spirit Man, if a person devotes himself to the practice of certain spiritual-scientific exercises. Thus, the human being works unconsciously or consciously on his three bodies. Were we able to look far, far back into the early development of man, we would find everywhere primitive cultural conditions, simple modes of life. Everything that those early people had in the way of appliances to satisfy their spiritual and bodily needs, their way of life, was simple. Everything, everything evolves, and within evolution the human being develops himself. This is most important.

[ 7 ] Stellen Sie sich ganz lebhaft einen primitiven Menschen vor, der zwischen zwei Steinen seine Körner zermahlt zu Mehl, und vergegenwärtigen Sie sich, was sonst noch um diesen Menschen herum ist. Vergleichen Sie diesen Menschen mit einem Menschen der Spätkultur. Was ist alles um diesen herum, was sieht er alles vom Morgen bis zum Abend? Er nimmt die furchtbaren Eindrücke der lärmenden Großstadt auf, der Straßenbahnen und so weiter. Wir müssen nun verstehen, wie die Entwickelung vor sich geht. Wir müssen das, was wir für die einfachen Dinge einsehen, auch übertragen auf den Kulturprozeß. Goethe hat den Ausspruch getan: Das Auge ist vom Lichte für das Licht gebildet. — Wenn wir keine Augen hätten, sähen wir keine Farben und kein Licht. Woher haben wir das Auge? Auch das ist von Goethe gesagt: Aus gleichgültigen Organen hat das Licht die Augen herausgezogen. — So ist durch den Ton das Ohr, durch die Wärme der Wärmesinn gebildet worden. Der Mensch ist gebildet durch dasjenige, was in der ganzen Welt um ihn herum sich ausbreitet. Wie die Augen dem Lichte, so verdanken andere feinere Strukturen im Organismus ihr Dasein auch dem, was den Menschen umgibt. Die einfache, primitive Welt ist die Dunkelkammer, die viele Organe noch zurückhält. Was für die gleichgültigen Organe, aus denen sich das Auge entwickelt hat, das Licht ist, das ist für den primitiven Menschen die Umgebung. Ganz anders wirkt sie auf den Menschen, so wie er heute lebt. Er kann nicht in den primitiven Kulturzustand zurückkehren, sondern ein immer intensiveres, stärkeres Geisteslicht ist um ihn wirksam gewesen, das immer Neues hervorgerufen hat.

[ 7 ] Imagine as vividly as you can a primitive man who grinds his grain to flour between stones, and picture to yourself the other things surrounding this individual. Compare him with a man of more recent cultural times. What surrounds this modern person, what does he see from morning until evening? He takes in the frightful impressions of the noisy big city, of street cars, buses and the like. We must then understand how evolution proceeds. We must carry over the insight we gain concerning simple things into the cultural process. Goethe made the following statement, “The eye was fashioned by the light, for the light.” If we had no eyes, we could not see colors or light. Whence have we eyes? Goethe also said that out of undifferentiated organs the light drew forth eyes. So also is the ear formed by tone, the sense of warmth by warmth. The human being is formed by that which in the whole world spreads itself around him. Just as the eyes owe their existence to the light, so do other delicate structures owe their existence to what surrounds man. The simple primitive world is the dark chamber that still holds back many organs. What light is for the undifferentiated organs out of which the eye developed itself, the environment is for primitive humanity. Things work quite differently upon man in his present mode of living; he cannot turn back to the primitive conditions of culture. Rather is it so that an ever more intense, stronger spiritual light has been effective around him that has called forth the new.

[ 8 ] Nun können wir uns einen Begriff machen von der Bedeutung dieses umbildenden Kulturprozesses, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie es den Wesen ergeht, die auch dieser Einwirkung unterworfen sind und die Umbildung nicht mitmachen können. Das sind die Tiere. Diese sind anders gebaut als die Menschen. Wenn wir das Tier ansehen, so wie es in der physischen Welt erscheint, so hat es seinen physischen Leib, seinen Ätherleib und seinen astralischen Leib in der physischen Welt, aber es hat kein Ich in der physischen Welt. Deshalb sind die Tiere auf dem physischen Plan unfähig zur Umwandlung der drei Leiber und können sich einer neuen Umgebung nicht mehr anpassen. Vorgestern haben wir die wilden Tiere in der Gefangenschaft betrachtet. Tiere draußen in der Wildnis haben nie Tuberkulose, Zahnfäule und so weiter, wohl aber in der Gefangenschaft. So zeigen sie eine ganze Reihe von Dekadenzerscheinungen in der Gefangenschaft oder in ähnlichen Verhältnissen. Der Mensch wird während des Kulturprozesses fortwährend in andere Verhältnisse gebracht. Darin besteht die Kultur. Es gäbe sonst keine Entwickelung, keine Geschichte der Menschen. Das, was wir als Naturexperiment bei den Tieren in seiner Wirkung auf den physischen Leib beobachtet haben, das tritt uns bei den Menschen als das Gegenteil entgegen. Der Mensch vermag, weil er ein Ich hat, die Kultureindrücke, die auf ihn einstürmen, innerlich zu verarbeiten. Er ist innerlich tätig, paßt zunächst seinen astralischen Leib den geänderten Verhältnissen an und gliedert ihn um. Während der Mensch sich heranentwickelt, kommt er in höhere Kulturen und empfängt immer neue Eindrücke. Diese drücken sich zunächst in Gefühlen und Empfindungen aus. Würde der Mensch nun passiv, untätig bleiben, würde keine Aktivität sich regen, keine Produktivität, so würde auch der Mensch verkümmern, krank werden, wie das Tier. Aber das zeichnet den Menschen aus, daß er sich anpassen kann und vom Astralleib aus den Ätherleib und physischen Leib allmählich umzuändern vermag. Der Mensch muß aber innerlich dieser Umwandlung gewachsen sein, sonst tritt kein Gleichgewicht ein zwischen dem, was äußerlich an ihn herantritt und dem, was von innen dagegen wirkt. Wir würden erdrückt werden durch die Eindrücke von außen, wie das Tier von ihnen erdrückt wird im Käfig, weil es keine innere Produktivität entwickelt. Der Mensch hat aber diese innere Tätigkeit. Den geistigen Lichtern um ihn herum muß der Mensch immer etwas entgegensetzen können, gewissermaßen ihnen Augen entgegenbringen.

[ 8 ] We are able to realize the meaning of this transforming cultural process if we picture to ourselves how the being fares who is also subject to this influence but cannot go along with the transformation. Here we have the condition of the animals. They are differently structured from men. When we look at the animal as it appears in the physical world, we find that it has its physical body, its etheric body and its astral body in the physical world, but it has no ego in the physical world. Hence, the animals are powerless on the physical plane to undergo transformation of the three bodies, and cannot adapt themselves to a new environment. Two days ago we considered wild animals in captivity, how, out in the wilderness certain animals never have tuberculosis, tooth decay, -etc., but do in captivity. A whole series of decadent appearances show up in captivity or under other circumstances. During the cultural process, men are continually subject to other conditions. This is the nature of culture. Otherwise, there would be no development, no history of human beings. What we observed as experiments with animals as to the effect on the physical body appears as the opposite in men. Man, because he has an ego, has the capacity of inwardly digesting the impressions that storm in upon him from our culture. He is inwardly active, first adapts his astral body to the changed conditions and then reorganizes it. Thus, as he keeps evolving, he comes to higher cultures and always receives new impressions. At first these express themselves in feelings and perceptions. Were he now to remain passive, inactive, were there no activity stirred up in him, no creativity, then he would become stunted and sick as does the animal. This it is that distinguishes the human being, that he can adapt himself and, from out the astral body, gradually change the etheric and physical bodies. He must be inwardly up to this transformation, however, otherwise there is no adjustment of the balance between what comes to him from the outside and what counters it from within. A man would be crushed by the impressions from outside as the animal in a cage is crushed by them because it has no inner creativity. But man has his inner activity. Against the spiritual lights around him, he must be able to set something, in a sense, to counter with eyes, with seeing.

[ 9 ] Alles ist ungesund, was eine Disharmonie ergibt zwischen äußeren Eindrücken und innerem Leben. Gerade in der Großstadt können wir sehen, was es bewirkt, wenn die äußeren Eindrücke immer gewaltiger werden. Wenn wir immer mehr dahinstürmen müssen, wenn wir polternde Töne, hastende Menschen an uns vorbeigehen lassen müssen, ohne dagegen Stellung zu nehmen, ohne dagegen zu wirken, dann ist das ungesund. Unter der Stellungnahme dagegen ist am wenigsten eine verstandesmäßige zu verstehen, sondern es kommt darauf an, daß unsere Empfindung, unsere Seele, ja unser Leibesleben dazu Stellung nehmen kann. Wir werden das recht verstehen durch die Betrachtung einer bestimmten Krankheit, die besonders in unserer Zeit auftritt und die früher nie da war: Ein Mensch, der nicht viel aufzunehmen gewohnt ist, der arm ist in seiner Seele, wird allen möglichen Eindrücken entgegengeführt, so daß er einem ganz unverstandenen Äußeren gegenübersteht. Das ist namentlich bei vielen weiblichen Naturen der Fall: das Innere ist zu schwach, zu wenig gegliedert, um alles zu verarbeiten. Aber auch bei vielen männlichen Personen finden wir das. Die Folge sind hysterische Krankheiten. Alle diese Krankheiten sind hierauf zurückzuführen.

[ 9 ] Whatever turns out as a disharmony between impressions from the outside and the inner life is unhealthy. It is in the big cities that we can see what happens when impressions from the outside grow ever more powerful. When we tear along faster and faster, when we must let rumbling sounds and hurrying people go by us without taking a stance, without countering them—this is unhealthy. As regards this position towards the outside, the intellect is the least important, but what is important depends upon whether our feelings, our soul, indeed, our living bodies, can take a position towards it. This we will understand rightly through the consideration of a definite illness that appears especially in our time, and that did not occur earlier. A person not accustomed to absorb much, one poor in soul, is brought up against all kinds of impressions so that he finds himself standing before a quite incomprehensible outer world. This is the case with many feminine natures. Their inner being is too weak, too little organized to digest it all. But we find this condition also in many masculine persons. The consequences result in the illnesses of hysteria. Everything connected with hysteria is derived from this imbalance.

[ 10 ] Eine andere Form von Krankheit tritt dann auf, wenn unser Leben uns dazu bringt, gegenüber dem, was in der Außenwelt uns entgegentritt, zu viel verstehen zu wollen. Bei Männern, die an der Kausalitätskrankheit leiden, tritt das am meisten hervor. Man gewöhnt sich an, immer zu fragen: Warum? Warum? — Es wird sogar vom Menschen als dem nie rastenden Kausalitätstier gesprochen. Wir können heute den unnützen Fragern nicht mehr die Antwort geben, die ein Religionsstifter gegeben hat, weil wir zu höflich sind. Er sagte, als man ihn fragte: Was hat Gott vor der Erschaffung der Welt getan. — Er hat Ruten geschnitten für die, die unnütze Fragen stellen. — Das ist gerade der entgegengesetzte Zustand wie beim Hysteriker. Hier ist ein zu großes rastloses Sehnen nach Rätsellösung. Es ist das nur ein Ausdruck für eine innere Stimmung. Wer nicht müde wird, immer zu fragen «Warum?», der hat eine andere Konstitution als andere Menschen, der zeigt, daß er einen anderen inneren Ablauf der geistigen und leiblichen Funktionen hat als ein Mensch, der nur bei einer äußeren Veranlassung fragt «Warum?». Dies führt zu allen hypochondrischen Zuständen von der leichtesten Art bis zum schwersten Krankheitswahn. So wirkt der Kulturprozeß auf die Menschen. Der Mensch muß vor allem einen offenen Sinn haben, um immer das verarbeiten zu können, was an ihn herantritt. Nun können wir uns auch erklären, warum so viele Menschen den Drang bekommen: Hinaus aus dieser Kultur, hinaus aus diesem Leben! Sie sind nicht mehr gewachsen dem, was auf sie eindringt; sie streben hinaus. Das sind immer schwächliche Naturen, die den äußeren Eindrücken kein mächtiges Inneres entgegenzustellen wissen.

[ 10 ] Another form of illness takes hold when our lives bring us to the position of wanting to understand too much of what is set before us in the outer world. It is mostly the case with men who suffer with causality illness. One accustoms oneself always to ask, “Why? why? why? why?” It is even said that the human being must be the never-resting causality animal. Today, because we are too polite, we may no longer give the idle questioner the answer that a founder of religion gave. When he was asked, “What did God do before the creation of the world” he answered, “He cut rods for those who ask useless questions.” This is exactly the opposite condition of the hysterical one. Here the restless longing for the solving of enigmas is too great. This is only a symptom of an inner attitude. The one who never wearies of always asking, “Why?” has a different constitution from other people. He gives signs of a different inner working of spiritual and bodily functions from the person who asks “Why” only on outer provocation. This leads to all hypochondriacal conditions, from the lightest case to the deepest illusory illness. So it is that the cultural process affects human beings. Man must above all have an open mind in order always to be able to digest what comes towards him. Now we can also make it clear to ourselves why so many people have the urge to shed this culture, to have done with this life. They are no longer up to what presses in upon them. They strive to get out. These are always weak natures who do not know how to counter the outer impressions with a mighty inner response.

[ 11 ] Wir können darum heute gar nicht irgendwie von einer allgemeinen Schablone der Gesundheit sprechen, weil eben unser Leben so mannigfaltig ist. Der eine steht hier, der andere dort. Und weil das, was sich im Menschen entwikkelt hat, in gewisser Weise durch die Außenwelt entwikkelt worden ist, so hat jeder Mensch seine eigene Gesundheit. Deshalb müssen wir den Menschen fähig machen, seine Umgebung ertragen zu können bis in die Leibesvorgänge hinein. Für einen Menschen, der in Verhältnisse hineingeboren ist, wo leichte Muskeln, leichte Nerven erforderlich sind, für den wäre es etwas Törichtes, dicke Muskeln heranzubilden. Wo liegt der Maßstab für die gedeihliche Entwickelung des Menschen? Er liegt im Menschen selber. Mit der Gesundheit ist es wie mit dem Gelde. Wenn wir nach dem Gelde streben, um es zu wohltätigen Zwecken zu haben, so ist es etwas Heilsames, etwas Gutes. Das Streben nach Geld darf nicht verworfen werden, denn es ist etwas, was uns fähig macht, den Kulturprozeß zu fördern. Streben wir nach Geld um des Geldes willen, so ist das absurd, lächerlich. Ebenso ist es mit der Gesundheit. Streben wir nach der Gesundheit um der Gesundheit willen, so hat sie keine Bedeutung. Streben wir nach der Gesundung um dessentwillen, was wir mit der Gesundheit erreichen können, dann ist das Streben nach Gesundheit berechtigt. Wer Geld erwerben will, soll sich erst klarmachen: Wieviel brauchst du? — Dann soll er danach streben. Wer sich nach Gesundheit sehnt, der muß in Betracht ziehen, was in der Realität mit den leicht mißverständlichen Worten: Behagen, Lebenslust und Lebensfreude gesagt werden kann. Bei den primitiven Menschen ist Lebensfreude, Lebensbefriedigung, Lebenslust vorhanden. Bei dem Menschen, bei dem äußeres und inneres Leben in Harmonie stehen, bei dem harmonisch ausgebildeten Menschen muß es sich so verhalten, daß, wenn irgendwo Unlust vorhanden ist, wenn irgend etwas schmerzt, leiblich oder seelisch, dieses Unlustgefühl ein Anzeichen für irgendeine Krankheit, für eine Disharmonie ist. Deshalb ist in aller Erziehung, in aller öffentlichen Arbeit nicht schablonenmäßig zu arbeiten, sondern aus der Breite der Kulturanschauung heraus, so daß dem Menschen Freude und Befriedigung am Leben möglich ist.

[ 11 ] Thus it is that we cannot speak today in clichés as regards health just because life itself is so manifold. The one person stands here, the other there. Because what has developed in the human being has developed in a certain sense through the outer world, each has his own health. This is why we must make the human being capable of understanding his environment, even to the very functions of the body. For the man who is born into circumstances in which light muscles and nerves are necessary, it would indeed be foolish to develop heavy muscles. Where does the gauge for the successful developing of the human being lie? It lies within the human being. As with money, so it is with health. When we go after money in order to have it for benevolent purposes, then it is something wholesome, something good. Going after money may not be condemned, for it is something that enables us to forward the cultural process. If we go after money for money's sake, then it is absurd, laughable. It is the same with health. If we go after health for health's sake, then the striving has no significance. If we put ourselves out for health for what we can achieve through our health, then the effort for the sake of health is justified. Whoever would acquire money should first make it clear to himself how much of it he needs. Then he should press forward for it. Whoever yearns for health must look into the easily misunderstood words like comfort, love of life, enjoyment of life, and what could be meant with them. Joy of life, satisfaction in life, love of life are present in savages. In the human being in whom outer and inner life are in harmony, in the harmoniously developed man, conditions must be such that if there is discomfort, if there is this or that hurt of body or of soul, this feeling of discomfort must be seen as some sort of illness, as a disharmony. Hence it is important in all education, in all public work, not to carry on routinely, but rather out of the expanse of a cultural view, so that joy and satisfaction in life are possible.

[ 12 ] Sonderbar, daß das gerade von einem Vertreter der Geisteswissenschaft gesagt wird! Das sagt nun die Geisteswissenschaft, der man vorwirft, sie strebe nach Askese! Wenn einer, der eine große Freude daran hat, jeden Abend ins Tingeltangel zu gehen oder seine acht Maß Bier zu trinken, Leute findet, die an etwas Höherem Freude finden, da sagt er eben: Sie kasteien sich. — Nein, kasteien würden sich diese Leute, wenn sie sich zu ihm setzten. Wer am Tingeltangel und dergleichen Freude hat, der gehört dahin, und es wäre verkehrt, ihm die Freude zu nehmen. Gesund wäre es nur, ihm den Geschmack daran zu nehmen.

[ 12 ] It is curious that what has just been said has been said by a representative of spiritual science. Yes, so says spiritual science whom people reproach for striving for asceticism. Someone comes along who takes great pleasure in nightly visits to the girlie shows or in downing his eight glasses of beer. Then he encounters people who take joy in something on a higher level. So he remarks that they punish themselves. No, they would punish themselves were they to sit with him in the music hall. Whoever enjoys the girlie shows and such belongs there, and it would be absurd to deprive him of the enjoyment. It is healthy only to take away his taste for it.

[ 13 ] Arbeiten soll man, um die Genüsse, die Befriedigungen zu läutern. Nicht deshalb setzen sich die Theosophen zusammen, weil es ihnen weh tut, zu sprechen über höhere Welten, sondern weil es ihnen die höchste Lust ist. Ihnen wäre es die fürchterlichste Entsagung, sich hinzusetzen und «Sechsundsechzig» zu spielen. Sie sind in jeder Lebensfaser lebensfreudig, darum leben sie so.

[ 13 ] One should work to ennoble one's pleasures, one's gratifications in life. It is not so that anthroposophists come together because they suffer when talking about higher worlds, but rather because it is their heart's deepest enjoyment. It would be the most terrible deprivation for them to sit down and play poker. They are completely full of the joy of life in every fiber of their beings.

[ 14 ] Es handelt sich nicht darum, auch bei der Gesundheit zu sagen: Das und das sollst du tun! — Es handelt sich darum, für Freude und Befriedigung zu sorgen. Hierin gerade ist der Geisteswissenschafter ein vollständiger Feinschmecker des Lebens. Wie ist das auf die Gesundheit zu übertragen? Wir müssen uns klar sein darüber, daß, wenn wir jemandem irgendeine Vorschrift geben in bezug auf die Gesundheit, wir gerade das treffen müssen, was seinem Astralleib Freude, Wonne, Lust gibt. Denn vom Astralleib wird gewirkt auf die andern Glieder. Das ist aber leichter gesagt als getan. Deshalb ein Beispiel.

[ 14 ] There is no point in saying, even concerning health, that one should do thus and so. The point is to provide joy and satisfaction in life. Indeed, the spiritual scientist in this case is quite the epicure of life. How is this to be conferred upon health? We must be clear about this, that when we give someone a rule about health, we must aim at what gives joy, bliss and pleasure to his astral body. For by the astral body the other members are affected. This is more easily said than done.

[ 15 ] Es gibt sogar unter den Theosophen solche, die sich so «kasteien», daß sie kein Fleisch mehr essen. Wenn das Leute wären, die durchaus noch Gier nach Fleisch haben, dann wäre dies höchstens eine Vorbereitung für einen späteren Zustand. Es kommt aber eine Stufe, wo der Mensch eine solche Beziehung zur Umgebung hat, daß es ihm unmöglich wird, Fleisch zu essen. Ein Arzt, der auch kein Fleisch aß, aber nicht aus dem Grunde, weil er Theosoph war, sondern weil er diese Lebensweise für gesund hielt, wurde von einem Freunde gefragt, warum er kein Fleisch äße. Er antwortete mit der Gegenfrage: Warum essen Sie denn kein Pferde- oder Katzenfleisch’ — Und da mußte freilich der Freund sagen, das sei ihm ekelhaft, obwohl er Schweinefleisch, Rindfleisch und so weiter aß. — So war dem Arzte eben alles Fleisch ekelhaft.

[ 15 ] There are, for example, even those among the theosophists who mortify their flesh by no longer eating any meat. Should these be people who still hanker for meat, then must this mortification be seen at best as a preparation for a later condition. There comes, however, a point at which a person may have such a relation with his environment that it becomes impossible for him to eat meat. A physician who was also of those who ate no meat, not because he was a theosophist, but because he considered this way of life healthy, was asked by a friend why he partook of no meat. He countered with the question, “Why don't you eat horse or cat meat?” Of course, the friend had to say that they disgusted him, although he ate meat of pig or cow, etc. To the physician all meat was disgusting.

[ 16 ] Dann erst, wenn der innere subjektive Zustand der objektiven Tatsache entspricht, dann ist der Zeitpunkt gekommen, daß die äußere Tatsache gesundend wirkt. Wir müssen den äußeren Tatsachen gewachsen sein. Das drückt sich aber aus durch das Wort «Behagen», das wir nicht trivial gebrauchen dürfen, sondern in seiner ehrwürdigen Bedeutung als harmonisches Zusammenstimmen unserer inneren Kräfte. Glück und Freude und Lust und Befriedigung, die die Grundlagen für ein gesundes Leben sind, entspringen immer demselben Grunde, dem Gefühle eines inneren Lebens, das die Begleiterscheinung von Produktivität, von innerer Tätigkeit ist. Glücklich ist der Mensch, wenn er tätig sein kann. Diese Tätigkeit ist nicht grob zu verstehen.

[ 16 ] Only then, when the inner subjective conditions correspond to the objective fact, has the moment come when the outer fact has a healthy effect. We must be inwardly up to the outer facts. This is expressed by the words, “comfortable feeling,” which we may not use lightly, but rather in its dignified meaning of harmonious concordance of our inner forces. Happiness and joy and delight and satisfaction, which are the foundation for a healthy life, always spring from the same foundation, from the feelings of an inner life that attend creativity, inner activity. Happy is the human being when he can be active. Of course, this activity is not to be understood as coarse activity.

[ 17 ] Warum macht die Liebe den Menschen glücklich? Sie ist eine Tätigkeit, der wir die Tätigkeit manchmal gar nicht ansehen. Weil sie eine Tätigkeit von innen nach außen ist, die das andere mitumfaßt. Wir strömen dabei unser Inneres aus. Darum das Gesundende, das Glücklichmachende der Liebe. Produktivität kann das Intimste sein und muß nicht tumultuarisch sichtbar werden. Wenn irgend jemand über einem Buche sitzt und die Eindrücke ihn niederschlagen, ihn bestürmen, dann wird er allmählich in gedrückte Stimmung kommen. Wenn aber beim Lesen des Buches Bilder geweckt werden, dann liegt eine Produktivität vor, die glücklich macht. Es ist etwas ganz Ähnliches, wie wenn man vor einem Ereignis Angst hat und bleich wird. Dann drängt das Blut nach innen, um uns stark zu machen, damit das, was uns außen entgegentritt, ein Gegengewicht finde im Innern. Im Angstgefühl wird die innere Produktion wachgerufen zur Tätigkeit nach außen. Das Gewahrwerden einer inneren Tätigkeit ist das Gesundende. Wenn der Mensch die Tätigkeit des inneren Bildens beim Entstehen des Auges aus dem gleichgültigen Organ hätte fühlen können, so würde der Mensch sie als ein Wohlgefühl empfunden haben; er war jedoch dabei noch nicht bewußt.

[ 17 ] Why does love make the human being happy? It is an activity we often do not see as such because it moves from within out, embracing the other one. With it we let our inner being flow out. Hence love's healing and blessing of life. Creativity may be of the most intimate nature; it does not have to become tumultuously visible. When someone is hunched over a book and the impressions from it depress him, overwhelm him, he will gradually become depressed. When, however, the reading of a book brings pictures to mind, then there is a creative activity that makes for happiness. It is something quite similar to becoming pale when one is anxious about coming events. Then the blood flows inwards in order to strengthen us so that what comes at us from the outside can find a counter-balance within. With the feeling of anxiety inner activity is alerted to outer activity. Becoming aware of an inner activity is healing. Had the human being been able to feel the activity of the inner formation in the arising of the eyes out of the undifferentiated basic organ, then he would have perceived a feeling of well-being. He was not conscious, however, of that happening.

[ 18 ] Viel besser ist es, Sie bringen einen abgearbeiteten Menschen nicht in ein Sanatorium, sondern in ein Milieu, wo er Freude hat, zuerst seelische Freude, aber auch physische Freude. Den Menschen in ein Milieu der Freude zu bringen, wo bei jedem Schritt das innere Gefühl der Freude wach wird, das ist es, was ihn gesund macht, wenn er etwa die Sonnenstrahlen durch die Bäume fallen sieht, die Farben und den Duft der Blumen wahrnimmt. Das muß aber der Mensch selber fühlen können, so daß er seine Gesundheit selbst in die Hand nehmen kann. Jeder Schritt soll ihn anregen zu innerer Tätigkeit. Paracelsus tat den schönen Ausspruch: Es soll jeder am besten er selbst, seiner selbst und keines andern sein. — Es ist schon eine Beschränkung dessen, was uns gesund macht, wenn wir erst zu einem andern gehen müssen. Da stehen wir schon den äußeren Eindrücken gegenüber, die wohl für kurze Zeit Erfolg zu haben scheinen, aber schließlich gerade zur Hysterie führen.

[ 18 ] Instead of bringing a worn-out human being to a sanitarium, it were far better to bring him into an environment where he would be happy, at first soul-happy, but also physically happy. When you put a human being into an environment of joy, in which with each step he takes an inner feeling of joy awakes, that it is which will make him healthy, when, for example, he sees sunbeams streaming through the trees and perceives the colors and scents of flowers. This, however, a person must himself be able to feel, so that he himself can take the problem of his health in hand. Every step should stir him to inner activity. Paracelsus gave us the beautiful saying, “It is best that everyone should be himself, by himself, and no one else.” It is already a limitation of what makes us healthy if we must first go to another person. Here we are confronted with outer impressions that for a short while appear to help, but finally lead to hysteria.

[ 19 ] Wenn man die Sache so betrachtet, so kommt man auf andere gesunde Gedanken. Es gibt heute Menschen und auch Ärzte, besonders Laienärzte, die einen Kampf führen gegen die Schulmedizin. Es ist ja eine Reform der Medizin nötig, aber das kann nicht durch diese Kämpfe geschehen, sondern geisteswissenschaftliche Tatsachen müssen in die Wissenschaft selbst gelangen. Die Geisteswissenschaft ist aber nicht dazu da, den Dilettantismus zu fördern. Es gibt heute Menschen, die das Kurierfieber haben. Es ist ja sehr leicht, bei einem Menschen die und die Krankheit zu finden. Da findet einer, daß dieses oder jenes Organ nicht so ausschaut, wie bei einem andern. Da atmet einer nicht so, wie der vom Kurierfieber Ergriffene meint, daß alle atmen müssen. Und dann muß kuriert werden! Schauderhaft, höchst schauderhaft! Denn darum handelt es sich gar nicht, daß man auf einen schablonenhaften Begriff der Gesundheit hinarbeitet. Es ist sehr leicht zu sagen, das und das entspricht der Gesundheit nicht. Da ist jemandem ein Bein abgefahren; der ist krank, sicher kränker als einer, der unregelmäßig atmet, der an der Lunge krank ist. Es handelt sich aber nicht darum, diesen Menschen zu kurieren. Es . wäre töricht zu sagen: Man muß sehen, daß dieser Mensch wieder zu seinem Bein kommt! — So machen Sie ihm doch sein Bein wachsen! Es handelt sich vielmehr darum, ihm das Leben so erträglich wie möglich zu machen.

[ 19 ] When one considers the problem so, one comes upon other healthy thoughts. There are people and doctors today, especially “lay doctors,” who battle against doctors. Medicine does, indeed, need to be reformed, but this cannot come about through these battles. Rather must facts of spiritual science themselves reach into science. Spiritual science exists, but not to further dilettantism. There are people today who have the itch to cure others. It is, of course, easy to find this or that illness in a person. So somebody finds this or that organ in a person different from the way it appears in another. Or a person does not breathe as the one possessed with the curing fever thinks all people should breathe. So for this a cure gets invented. Shocking, most shocking! For it is not at all a matter of directing one's efforts at a routine concept of health. It is easy to say that this and that do not make for health. Consider someone who has lost one of his legs. He is sick, certainly sicker than one who breathes irregularly, whose lungs are affected. It is not a question of healing this person. It would be foolish to say, “One must see to it that this person gets a leg again!” Just try to get him to grow another leg! What really matters is that life for his person be made as bearable as possible.

[ 20 ] Das ist so im Groben; im Feineren ist es aber dasselbe. Denn bei jedem Menschen könnte man irgendwo einen kleinen Fehler finden. Auch hier handelt es sich manchmal gar nicht darum, den Fehler zu beheben, sondern darum, dem Menschen trotz des Fehlers das Leben so erträglich als möglich zu machen. Denken Sie sich eine Wunde am Stamm einer Pflanze. Da wachsen die Gewebe und die Rinde um die Wunde herum. Ähnlich ist es auch beim Menschen. Die Kräfte der Natur erhalten das Leben, indem sie herumwachsen um den Fehler. In diesen Fehler, alles kurieren zu . wollen, verfallen hauptsächlich die Laienärzte. Sie wollen allen Menschen die eine Gesundheit anzüchten. Aber die eine Gesundheit gibt es so wenig wie den einen normalen Menschen. Nicht nur die Krankheiten sind individuell, sondern auch die Gesundheiten. Das Beste, was wir dem Menschen geben können, sei es als Arzt, sei es als Ratgeber, ist, ihm die feste Empfindung zu geben, daß er sich selbst behaglich fühlt, wenn er gesund, unbehaglich, wenn er krank ist. Das ist heute gar nicht so leicht bei unseren Verhältnissen. Am meisten wird einer, der die Sache versteht, sich vor solchen Krankheiten fürchten, die nicht durch Müdigkeit und Schmerzen zum Ausdruck kommen. Deshalb ist es so schlimm, sich mit Morphium zu beruhigen. Gesund ist es, wenn Gesundheit Lust, Krankheit Unlust bringt. Diese gesunde Lebensweise können wir erst erwerben, wenn wir uns innerlich stark machen. Das tun wir, wenn wir den komplizierten Verhältnissen auch ein starkes Inneres entgegensetzen. Das Gesundheitsfieber wird erst aufhören, wenn die Menschen nicht mehr nach der Gesundheit als solcher streben. Der Mensch muß fühlen und empfinden lernen, ob er gesund ist, und daß man fehlendes Wohlbefinden leicht ertragen kann. Das ist nur möglich durch eine starke Weltanschauung, die bis in den physischen Körper wirkt. Sie stellt die Harmonie her. Eine solche Weltanschauung hängt aber nicht von äußeren Eindrücken ab. Die geisteswissenschaftliche Weltanschauung führt den Menschen in Gebiete, die er nur erreichen kann, wenn er innerlich tätig ist. Man kann nicht ein geisteswissenschaftliches Buch lesen, wie man andere Bücher liest. Es muß so geschrieben sein, daß es die Eigentätigkeit hervorruft. Je mehr man sich selbst abplagen muß, je mehr zwischen den Zeilen steht, desto gesünder ist es. Das betrifft nur das theoretische Gebiet. Die Geisteswissenschaft wirkt aber auf allen Gebieten.

[ 20 ] This is so in gross, but also in more subtle conditions. It is a fact that one can find a small flaw in each human being. Also, what often matters here is not to clear up the flaw, but rather, despite the human being's flaw, to make his life as bearable as possible. Think of a plant, the stem of which is wounded. The tissues and the bark grow around the wound. So is it also with human beings. The forces of nature maintain life as they grow around the flaw. Especially lay doctors fall victim to the error of wanting to cure everything. They would like to cultivate one kind of health for all human beings. There is as little of the one kind of health as there is one kind of normal human being. Not only are illnesses individual, but also healths. The best we can give to the human being, be we physician or counselor, is, to give him the firm frame of mind that he feels himself comfortable when he is healthy, uncomfortable when he is sick. Today this is not at all so easy in our circumstances. He who understands the matter of health will mostly fear such sicknesses as do not come to expression through fatigue and pain. It is, therefore, detrimental to sedate oneself with morphium. It is healthy when health brings zest. Illness brings apathy. This healthy way of living we can acquire only when we make ourselves inwardly strong. This we do when we oppose our complicated conditions with strong, inner activity. The feverish search for health will cease only then when human beings no longer strive for health as such. The human being must learn to feel and perceive whether he is healthy and to know that he can easily put up with a flaw in health. This is only possible through a strong world conception that is effective right down into the physical body. This world outlook makes for harmony. This, however, is only possible through a world concept that is not dependent upon outer impressions. The spiritual scientific world concept leads man into regions that he can only reach if he is inwardly active. One cannot read a spiritual scientific book as one reads other books. It must be so written that it evokes one's own activity. The more one must struggle, the more there is between the lines, the healthier it is. This is so only in the theoretical matters, but spiritual science can be effective in all areas.

[ 21 ] Das, was wir Geisteswissenschaft nennen, ist dazu da, um als starke Geistesbewegung zu wirken, die Begriffe hervorruft, die mit den stärksten Spannkräften ausgestattet sind, damit die Menschen Stellung nehmen können zu dem, was ihren Augen entgegentritt. Ein inneres Leben, das bis in die Glieder, bis in die Blutzirkulation sich erstreckt, will die Geisteswissenschaft geben. Dann wird jeder Mensch seine Gesundheit empfinden in seinem Gefühl der Freude, in seinem Gefühl der Lust und Befriedigung. Wertlos ist auch meistens jede Diätvorschrift. Daß mir der andere sagt, das und das ist gut für mich, das macht es nicht aus. Daß ich im Aufnehmen der Nahrung Befriedigung empfinde, darauf kommt es an. Der Mensch muß Verständnis haben für sein Verhältnis zu diesen oder jenen Nahrungsmitteln. Wir sollen wissen, was für ein geistiger Prozeß da vor sich geht zwischen der Natur und uns. Alles zu vergeistigen, das ist das Gesundende.

[ 21 ] What we call spiritual science exists in order to become effective as a strong spiritual movement. It calls forth concepts that are provided with the most powerful energies so that human beings can take a stance against what faces one. Spiritual science would like to give an inner life that extends right into the limbs, into the blood circulation. Then will every individual perceive his health in his feeling of joy, in his feeling of zest and satisfaction. Almost every dietary regime is worthless. That the other fellow tells me that this and that are good for me is of no consequence. What matters is that I find satisfaction when taking my food. The human being must have understanding for his relation to this or that food. We should know what the spiritual process is that goes on between nature and us. To spiritualize everything—that's what becoming healthy means.

[ 22 ] Man denkt heute vielleicht gerade von dem Geisteswissenschafter, daß ihm das Essen etwas Gleichgültiges ist, was er verständnislos hineinstopft. Sich bewußt zu werden, was es heißt, einen Teil des Kosmos zu sich zu nehmen, der vom Sonnenlicht durchglüht ist, von dem geistigen Zusammenhang zu wissen, in dem unsere Umwelt steht, sie nicht nur physisch, sondern auch geistig zu genießen, das befreit uns von allem krankmachenden Ekel, von aller krankmachenden Überlastung. So sehen wir, daß es große Anforderungen an die Menschheit stellt, das Gesundheitsstreben in die richtigen Bahnen zu lenken. Aber die Geisteswissenschaft wird die Menschen stark machen. Sie wird immer mehr jeden Menschen, der sich ihr widmet, zur Norm seiner selbst machen. Das ist zugleich das edle Freiheitsstreben, das aus der Geisteswissenschaft kommt und das den Menschen zum Herrscher seiner selbst macht. Jeder Mensch ist eine individuelle Wesenheit hinsichtlich seiner Eigenschaften sowohl wie seiner Gesundheiten und Krankheiten. Wir sind in den gesetzmäßigen Zusammenhang der Welt gestellt und müssen unser Verhältnis zur Welt kennenlernen. Keine äußere Macht kann uns helfen. Wenn wir diesen starken inneren Halt finden, so sind wir erst ganze Menschen, denen nichts genommen werden kann. Aber es kann uns auch niemand etwas geben. Wir werden uns jedoch in Gesundheit und Krankheit zurechtfinden, weil wir den starken inneren Halt in uns selbst haben. Dieses Geheimnis allen gesunden Strebens hat wieder ein Geist ausgedrückt, ein eminent gesund denkender und fühlender Geist. Er sagt uns, wie das harmonisierte menschliche Wesen seinen Weg unbeirrt geht. Goethe ist es, der uns in seinem Gedicht «Urworte orphisch» sagt:

[ 22 ] Perhaps it is currently thought that for the spiritual scientist eating is something to which he is indifferent, that he gorges himself, devoid of understanding for it. To become aware of what it means to partake of a part of the cosmos, a part that has been drenched with sunlight; to know of the complete spiritual relationship in which our environment stands, to savor it not only physically, but also spiritually, frees us from all sickening disgust, from all sickening encumbrances. Thus we see that to direct this striving for health onto the right tracks sets humanity a great challenge. But spiritual science will be strong. It will transform every human being who dedicates himself to it, bringing him to the attainment of what, for himself, is the normal pattern. This is at the same time a noble striving toward freedom that comes out of spiritual science and makes man his own master. Every man is an individual being from the standpoint of his characteristics as well as of his states of health and illness. We are placed in lawful relation to the world and must learn to know our situation therein. No outer power can help us. When we find this strong inner stance, then only are we complete human beings from whom nothing can be taken. But it also holds that nobody can give us anything. Nevertheless, we shall find our way in health and in illness because we have a strong, inner stance within ourselves. This secret, too, of all healthy striving has been expressed by a spirit, an eminently healthy thinking and healthy feeling spirit. He tells us how the harmonized human being unerringly goes his way. It was Goethe who, in his poem, Orphic Primal Words, says:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

As on the day that to the world bestowed thee
The sun stood high to greet the planet's sphere,
Thou didst thenceforth thrive ever on and on,
According to the law that brought thee here.
So must thou be, canst not from thee escape
The Sibyls and the Prophets spoke thy fate;
Not time nor power can destroy the mould
When form once cast doth livingly unfold.