Knowledge of Soul and Spirit
GA 56
14 May 1908, Berlin
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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
15. Der Himmel
15. Heaven
[ 1 ] In einer gleich schwierigen Lage wie schon das letzte Mal, da ich vor Ihnen über den Begriff der «Hölle» sprach, bin ich wohl heute, wo die verschiedenen Betrachtungen und Ergebnisse in der Reihe von Vorträgen, die ich in diesem Winter gehalten habe, in einer Betrachtung über die Grundlagen des Begriffes des «Himmels» zusammengefaßt werden sollen.
[ 1 ] I find myself today in a situation just as difficult as the last time I spoke to you about the concept of “hell,” as the various reflections and conclusions from the series of lectures I have given this winter are now to be summarized in a discussion of the foundations of the concept of “heaven.”
[ 2 ] Wir stehen ja da vor einem Begriff, welcher in seiner wahren Bedeutung dem Glauben der verschiedenen Religionsbekenntnisse heute schon zum großen Teil abhanden gekommen ist, wenn diese auch an dem Begriff aus einem durchaus richtigen und treffenden geistigen Instinkte heraus festhalten. Zugleich aber stehen wir vor einem Begriff, der verhöhnt wird, abgewiesen wird in strengster Weise von denen, die tonangebend nicht nur sein wollen in den heutigen Geistesströmungen, sondern die auch von weiten Kreisen als tonangebend angesehen werden. In den Begriff des «Himmels» ist für eine übergroße Anzahl von Menschen heute noch das Ziel und der Inhalt tiefster Herzenssehnsucht eingeschlossen, es bildet das, was diesem Begriffe zugrunde liegt, den Inhalt hingebungsvollen Glaubens vieler Seelen, etwas, was diesen Vielen Trost ist in den allerschwierigsten Angelegenheiten des Lebens, während zu gleicher Zeit dieser Begriff von einer großen Anzahl von Menschen aufgefaßt wird als etwas, worin sich tiefster Aberglaube ausdrückt und womit sich alles das verbindet, was im weiten Umkreis die Gegenstände menschlichen Aberglaubens ausmachen soll. Wir brauchen nur, gerade in unseren Tagen, unsere Aufmerksamkeit auf in gewissen Kreisen viel besprochene geistige Erscheinungen zu lenken und wir werden sehr bald sehen, welche gewaltigen Hindernisse dem Verständnis der heutigen Menschen entgegenstehen, wenn sie zu einer reinen, vorurteilsfreien Auffassung desjenigen kommen wollen, was uns heute beschäftigen soll.
[ 2 ] We are, after all, faced with a concept whose true meaning has already been largely lost to the beliefs of various religious denominations today, even though they cling to the concept out of a thoroughly correct and apt spiritual instinct. At the same time, however, we are faced with a concept that is mocked and rejected in the most severe manner by those who not only seek to set the tone in today’s intellectual currents but are also regarded by wide circles as setting that tone. For an overwhelming number of people today, the concept of “heaven” still embodies the goal and the substance of their deepest heart’s longing; it constitutes the foundation of this concept—the substance of the devout faith of many souls—something that brings comfort to these many people in the most difficult circumstances of life, while at the same time this concept is viewed by a large number of people as an expression of the deepest superstition and as something associated with everything that, in a broad sense, is considered to constitute the objects of human superstition. We need only, especially in our own day, to turn our attention to the spiritual phenomena much discussed in certain circles, and we will very soon see what enormous obstacles stand in the way of people’s understanding today if they wish to arrive at a pure, unbiased view of what should occupy us today.
[ 3 ] Es braucht sich niemand zu wundern, und am wenigsten derjenige, der so über diese Dinge spricht, wie ich heute zu sprechen gedenke, wenn ein großer Teil dessen, was heute gesagt wird, als der Ausbund leerer Phantastik und wüster mystischer Träumerei angesehen wird. Dessen ungeachtet aber wird uns gerade die heutige Betrachtung zeigen, wie dringend notwendig es gerade in unserer Zeit ist, auf die Grundlagen solcher Begriffe so stark als möglich wiederum hinzuweisen.
[ 3 ] No one should be surprised—least of all someone who speaks about these matters as I intend to speak today—if much of what is said today is regarded as the epitome of empty fantasy and wild mystical reverie. Nevertheless, today’s reflection will show us precisely how urgently necessary it is, especially in our time, to reemphasize the foundations of such concepts as strongly as possible.
[ 4 ] Viele von Ihnen werden einen Mann kennen, mit dessen Namen heute manche den Begriff wirklicher Aufklärung verknüpfen, einen Mann, dessen Werke gerade in der letzten Zeit innerhalb des deutschen Geisteslebens und auch sonst großes Aufsehen gemacht haben. Selbstverständlich liegt es mir sehr fern, die großen, gewaltigen Verdienste, die sich dieser Mann auf seinem engeren Gebiete der Naturwissenschaft erworben hat, auch nur im geringsten minderbewerten zu wollen. Sie haben es auch aus den anderen Vorträgen gesehen, wie es mir niemals auf etwas anderes angekommen ist, als gerade mit den naturwissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart und in voller Harmoönie mit ihnen, die geisteswissenschaftliche Forschung hier zum Vortrag zu bringen. Nun hat man an verschiedenen Orten August Forels Vortrag gehört über «Leben und Tod», und wer sich nur ein wenig unterrichten will darüber, wie man gründlich mißverstehen kann, was von seiten der Geisteswissenschaft über diese Dinge vorgebracht werden darf, dem ist nur zu empfehlen, daß er diesen Vortrag von Forel gründlich studiert. Die Gesichtspunkte, denen man sich vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus gegenüber solchen Erscheinungen hingibt, sind in meiner Zeitschrift «LuciferGnosis» auseinandergesetzt, wo Sie auch manches über das Verhältnis zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft finden. Gerade dasjenige, was das Verhältnis und den Einklang ergibt und das ins Licht setzt, wo die Geisteswissenschaft auf der Basis der Naturwissenschaft aufbaut und zu höheren Einsichten führt, das ist die Aufgabe dieses fünfunddreißigsten Heftes der Zeitschrift «Lucifer-Gnosis». Der ganze Vortrag Forels über «Leben und Tod» ist erfüllt von Ablehnung, und zwar einer gründlichen Ablehnung dieses Begriffes, der heute den Inhalt unseres Vortrages bezeichnet.
[ 4 ] Many of you will know a man whose name some today associate with the concept of true Enlightenment—a man whose works have recently caused quite a stir within German intellectual life and beyond. Of course, it is far from my intention to in any way diminish the great and formidable achievements this man has made in his specific field of natural science. As you have seen from the other lectures, my sole aim has always been to present spiritual scientific research here in full harmony with the current findings of natural science. Now, August Forel’s lecture on “Life and Death” has been heard in various places, and anyone who wishes to learn even a little about how thoroughly one can misunderstand what spiritual science has to say on these matters would do well to study this lecture by Forel thoroughly. The perspectives adopted from the standpoint of spiritual science toward such phenomena are discussed in my journal *LuciferGnosis*, where you will also find much about the relationship between spiritual science and natural science. Precisely what reveals and sheds light on the relationship and harmony—where spiritual science builds upon the foundation of natural science and leads to higher insights—is the purpose of this thirty-fifth issue of the journal “Lucifer-Gnosis.” Forel’s entire lecture on “Life and Death” is permeated by rejection—a thorough rejection of this concept, which today defines the content of our lecture.
[ 5 ] Gleich im Eingange werden wir darauf aufmerksam gemacht, wie der, welcher sich aus den reinen naturwissenschaftlichen Tatsachen heraus eine Weltanschauung aufbauen will, zu folgenden Gedanken kommen kann. Da wird gesagt: Welche großen und gewaltigen Fortschritte hat diese Naturwissenschaft den Menschen gebracht, wie ist sie imstande, hineinzuleuchten in das Weltgebäude bis jenseits der Sterne, die uns die nächsten im Raume sind. Wie ist diese Naturwissenschaft in den Stand gesetzt worden, hineinzusehen in das Gebiet, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, der kleinsten Teile der Zellen des lebendigen Körpers. Wie ist es der Naturwissenschaft gelungen, auf dem Gebiete der Technik Raum und Zeit in gewissem Grade zu überwinden. Wie leistet sie in drahtloser Telegraphie und Telephonie, über fast alle Kontinente hin, das Unglaublichste. Wie ist es der Naturwissenschaft gelungen, die Bestandteile der Sonne, des Mondes, der Sterne und so weiter darzulegen. Wie ist es ihr gelungen, die Luft zu verflüssigen. Wie ist es ihr gelungen, zu zeigen, wie die einzelnen Partien des Gehirns zusammenarbeiten, wenn der Mensch denkt, fühlt und will. Alles das natürlich bis zu einem gewissen Grade; aber dieser Grad wird mit Recht als bewunderungswürdig bezeichnet.
[ 5 ] Right at the outset, we are made aware of how someone who seeks to construct a worldview based solely on the facts of natural science may arrive at the following thoughts. It is said: What great and tremendous progress has this natural science brought to humankind; how is it capable of shedding light on the structure of the universe beyond even the stars closest to us in space? How has this natural science been enabled to peer into the realm—at least to a certain extent—of the smallest parts of the cells in the living body? How has natural science succeeded in overcoming space and time to a certain degree in the field of technology? How does it achieve the most incredible feats in wireless telegraphy and telephony, spanning nearly all continents? How has natural science succeeded in elucidating the constituents of the sun, the moon, the stars, and so on? How has it succeeded in liquefying air? How has it succeeded in showing how the individual parts of the brain work together when a person thinks, feels, and wills? All of this, of course, to a certain degree; but this degree is rightly described as admirable.
[ 6 ] Nun aber fährt der Autor dieses Vortrages fort: Nirgends jedoch hat diese Naturwissenschaft, trotz ihrer bewunderungswürdigen Resultate, irgend etwas von dem entdeckt, was man das «Paradies» nennt, nirgends hat sie eine geistige Welt entdeckt. Alles, was die Menschheit aus ihrer Phantasie erträumt hat als «Himmel» und «Hölle», davon hat die Naturwissenschaft nichts gefunden, trotz ihrer bewunderungswürdigen Resultate. — Und so wird dann der kühne Schluß gezogen, der heute von vielen nachgesprochen wird: Da die Naturwissenschaft das alles nicht gefunden hat, so müssen wir alle diese Begriffe über Bord werfen. Wir müssen uns auf den Boden stellen, daß nichts, aber auch gar nichts von dem wahr sein könne, wovon man vor langer Zeit geträumt und geschwärmt hat, daß es einen unsterblichen Wesenskern im Menschen gebe, der den Zerfall überdauert, den die Naturwissenschaft in so wunderbarer Weise erlebt. — Und dann wird wie ein Gefühlserguß die Betrachtung angehängt, daß es ja doch viel schöner, größer und gewaltiger sei, zu wissen, daß der Mensch, bevor er in dieses persönliche, individuelle Dasein gekommen ist, ganz nur in seinen physischen Vorfahren gelebt hat, und daß er nachher rein nur in seinen physischen Nachkommen leben wird. In die physische Welt soll das gesamte Dasein hereingedrängt werden. Als wirklicher Gefühlserguß ergibt sich dann für den Autor, daß er sagt: Ist es nicht viel schöner, daß das, was der Mensch geschaffen hat, zusammenhängt mit seinen physischen Vorfahren und fortwirkt in den physischen Nachkommen, als anzunehmen wovon nur geträumt werden kann —, daß es eine Welt gäbe, in welcher allerlei über den Menschen stehende Wesen seien, eine Welt, in welcher Engelschöre zu hören seien und so weiter? — Es wird zu verstehen gegeben, daß es eines naturwissenschaftlich denkenden Menschen unwürdig sei, einer Weltanschauung anzuhängen, die auch nur im entferntesten mit solchen Begriffen etwas zu tun habe.
[ 6 ] But now the author of this lecture continues: Nowhere, however, has this natural science—despite its admirable results—discovered anything that might be called “Paradise”; nowhere has it discovered a spiritual world. Of all that humanity has imagined as “heaven” and “hell,” natural science has found nothing, despite its admirable results. — And so the bold conclusion is drawn, one that is echoed by many today: Since natural science has not found any of this, we must cast all these concepts overboard. We must accept the premise that nothing—absolutely nothing—of what was once dreamed of and raved about long ago could be true: that there is an immortal core within human beings that survives the decay which science observes in such a marvelous way. — And then, like an outpouring of emotion, the author adds the observation that it is, after all, much more beautiful, greater, and more awe-inspiring to know that, before entering this personal, individual existence, a person lived entirely within their physical ancestors, and that afterward they will live purely within their physical descendants. The entirety of existence is to be confined to the physical world. As a genuine outpouring of emotion, the author then goes on to say: Is it not much more beautiful that what a human being has created is connected to his physical ancestors and continues to have an effect in his physical descendants, rather than to assume—something one can only dream of—that there is a world in which all manner of beings superior to humans exist, a world in which choirs of angels can be heard, and so on? — It is implied that it is unworthy of a person who thinks scientifically to adhere to a worldview that has even the remotest connection to such concepts.
[ 7 ] Dieser Vortrag kann einen an das erinnern, was ich einmal vor vielen Jahren von einem der Führer der modernen aufklärerischen Bewegung in einem Vortrage habe sagen hören. Diese Persönlichkeit sagte ungefähr folgendes: Da sprechen die Menschen von irgendeinem übersinnlichen Himmel, von irgend etwas, das es geben soll da droben und machte dann klar, daß unsere Erde eine Kugel sei, die frei im Weltenraume schwebe, und daß es ebenso mit den anderen Planeten sei, daß also der Weltenraum der Himmel sei, und daß die Seele nicht in einem anderen Himmel zu sein brauche, denn wir seien ja im Himmel.
[ 7 ] This lecture may remind one of what I once heard many years ago from one of the leaders of the modern Enlightenment movement during a lecture. This figure said something along the following lines: “People talk about some kind of supernatural heaven, about something that is supposed to exist up there,” he said, and then made it clear that our Earth is a sphere floating freely in outer space, and that the same is true of the other planets—that outer space is heaven, and that the soul need not be in some other heaven, for we are, after all, already in heaven.
[ 8 ] Solche Menschen verstehen nicht viel von dem tief Empfundenen, aus dem heraus Schiller den allzubegründeten Ausspruch tat «An die Astronomen»:
[ 8 ] Such people do not understand much of the deep sentiment that inspired Schiller to make his all-too-justified statement in “To the Astronomers”:
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen Euch gibt?
Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume,
Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
Don’t go on and on to me about nebulae and suns!
Is nature great only because it gives you something to count?
Your subject is certainly the most sublime in space,
But, friends, the sublime does not dwell in space.
[ 9 ] Aus all diesen Aussprüchen kann für den, der mit der ganzen Seele nur einiges von dem aufgenommen hat, was im Laufe dieser Serie von Wintervorträgen hier gesprochen worden ist, klar werden, welches tiefe Mißverständnis solchen Dingen zugrunde liegt. Es ist ein tiefes Mißverständnis, und dieses tiefe Mißverständnis können wir am besten dadurch ausdrücken, daß wir sagen: Wenn jemals die Geisteswissenschaft von dem sprechen würde, was diese Menschen als Aberglaube, als Träumerei, als Phantastik bezeichnen, dann hätten alle diese Menschen recht. Aber die Tatsache ist die, daß die Geisteswissenschaft in ihrer modernen Gestalt jung ist und daß ihre Kunde zu einem großen Teil der Menschheit noch nicht gedrungen ist, vor allen Dingen nicht zu denen, die so sprechen, wie es angedeutet worden ist. Diese Menschen machen sich Vorstellungen von den übersinnlichen Welten, die selbst nur der Ausfluß ihrer Phantasterei und ihrer eigenen Träumereien sind, und diese Gebilde ihrer eigenen Träumerei, ihrer eigenen Phantasterei bekämpfen sie. Sie wissen aber auch rein gar nichts von dem, was die wahre Geisteswissenschaft über diese Dinge zu sagen hat. So ist der Kampf, der von einem großen Teil der Aufgeklärten heute geführt wird, ein Kampf gegen selbstgeschaffene Windmühlen, eine Don-Quichotterie. Und wer das gründlich versteht, wird in manchem, was von dieser Seite gesagt wird, Worte, nichts als Worte finden, die treffend, ganz treffend sind zur Bekämpfung der Wahngebilde, die diese Leute selbst im Auge haben. Das hat aber nichts zu tun mit dem, was die Geisteswissenschaft darunter versteht. Eine sonderbare Logik konnten wir im Verlaufe dieser Vorträge nachweisen, und zwar da, wo man, scheinbar auf dem Boden der Naturwissenschaft stehend, gegenüber der Theosophie abweisend ist, obgleich man nichts von ihrem Inhalt weiß. Nur einiges will ich mitteilen.
[ 9 ] From all these statements, it can become clear to anyone who has absorbed—with their whole soul—even just a little of what has been spoken here in the course of this series of winter lectures, what a profound misunderstanding underlies such things. It is a profound misunderstanding, and we can best express this profound misunderstanding by saying: If spiritual science were ever to speak of what these people call superstition, daydreaming, or fantasy, then all these people would be right. But the fact is that spiritual science, in its modern form, is young, and that its message has not yet reached a large part of humanity—above all, not those who speak in the manner indicated. These people form ideas about the supersensible worlds that are themselves merely the product of their own flights of fancy and daydreams, and they fight against these creations of their own imagination. Yet they know absolutely nothing of what true spiritual science has to say about these matters. Thus, the struggle waged today by a large portion of the enlightened is a battle against self-created windmills, a Don Quixote-like endeavor. And anyone who thoroughly understands this will find in much of what is said from this side words—nothing but words—that are apt, very apt, for combating the delusions that these people themselves have in mind. But this has nothing to do with what spiritual science understands by these terms. In the course of these lectures, we have been able to demonstrate a peculiar logic—namely, where people, seemingly standing on the ground of natural science, are dismissive of theosophy even though they know nothing of its content. I would like to share just a few points.
[ 10 ] Sie wissen, wie tief anerkennend ich mich gegenüber dem verhalte, was Haeckel für die Grundlage der Naturwissenschaft geschaffen hat. Was er selbst aber vorbringt zur Ablehnung der Vorstellungen über Himmel und Hölle, die er sich selbst gebildet hat, das steht auf schwachen logischen Füßen. Leicht kann man diese Schwäche nachweisen. So recht nett nimmt es sich in unserer Zeit für zahlreiche Menschen aus, die aufgeklärt sein wollen, wenn Haeckel sagt: «Da kommt ein Glaube der alten Zeit, weist hinauf, zeigt nach dem Himmel und sagt: Da wohnt Gott! Wer so spricht, weiß nicht, daß das Oben ganz wo anders ist, wenn die Erde sich dreht, und wenn sie sich ganz herumgedreht hat, müßte man ja nach unten zeigen statt nach oben.» Recht treffend nimmt sich das aus. Wenn Sie sich dennoch ein wenig logisch vertiefen wollen, dann steht sein Schluß auf keinen anderen Füßen, als wenn jemand behaupten wollte, daß man mit dem Kopfe nach unten geht und nicht nach oben, wenn sich die Erde gedreht hat. Die Herren gehen von dem Irrtum aus, daß es sich um Dinge im Raum handelt, und nicht um den Hinweis auf das Geistige gegenüber dem Physischen. Das alles muß man immer wieder sagen, weil gerade der Gegenstand unserer heutigen Betrachtungen begreiflicherweise etwas sehr Bedeutsames ist.
[ 10 ] You know how deeply I appreciate what Haeckel has established as the foundation of the natural sciences. However, the arguments he himself puts forward to reject the ideas about heaven and hell that he has formed for himself rest on weak logical grounds. It is easy to demonstrate this weakness. It sounds quite appealing to many people in our time who wish to be enlightened when Haeckel says: “Here comes a belief from ancient times, pointing upward, pointing toward heaven, and saying: ‘God dwells there! Anyone who speaks this way does not know that ‘up’ is somewhere else entirely when the Earth rotates, and once it has completed a full rotation, one would have to point down instead of up.” It certainly sounds quite apt. If, however, you wish to delve a little deeper into the logic of it, his conclusion rests on no other foundation than if someone were to claim that one walks with one’s head down rather than up once the Earth has completed a full rotation. These gentlemen proceed from the misconception that we are dealing with spatial matters, rather than with a reference to the spiritual in contrast to the physical. All of this must be stated again and again, because the very subject of our present considerations is, understandably, something of great significance.
[ 11 ] Wir dürfen anknüpfen an das, was im letzten Vortrage gesagt worden ist: Wenn wir uns durchdringen mit der Gesinnung, die aus dieser Geisteswissenschaft fließt, und uns hinwenden zu dem, was sich nach und nach herausbildet, sich herausentwickelt aus dem vor uns aufwachsenden Kinde, dann haben wir die Empfindung, die sich immer mehr und mehr steigert zu heller, lichter und klarer Erkenntnis: daß in dem Sich-Vergrößern, Umbilden, Umwandeln des kindlichen Körpers etwas zum Vorschein kommt, was, aus den übersinnlichen Welten heraustretend, sich sein Dasein verschafft in dieser Welt. Wir kommen zu der Vorstellung, die, wie wir gesehen haben, durch die Geisteswissenschaft zu voller Gewißheit gehoben werden kann: daß der Wesenskern des Menschen, der durch Empfängnis und Geburt ins Dasein tritt, schon vor der Empfängnis und vor der Geburt vorhanden war, und daß das, was wir im physischen Leibe sehen, die Umkleidung des übersinnlichen geistigen Wesenskernes ist.
[ 11 ] We may build on what was said in the last lecture: When we imbue ourselves with the attitude that flows from this spiritual science and turn our attention to what gradually takes shape and develops in the child growing up before us, then we have a feeling that intensifies more and more into a brighter, clearer, and more lucid insight: that in the growth, transformation, and metamorphosis of the child’s body, something comes to light that, emerging from the supersensible worlds, establishes its existence in this world. We arrive at the idea—which, as we have seen, can be raised to full certainty through spiritual science—that the core of the human being, which enters into existence through conception and birth, already existed before conception and before birth, and that what we see in the physical body is the outer garment of the supersensible, spiritual core of the being.
[ 12 ] Da kommen wir zu der Frage: Wo ist denn das, was erst durch die Empfängnis und die Geburt in das physische Dasein kommt? — Wir haben auch den Gedanken weiter ausgeführt, und das hat uns dazu gebracht, anzuerkennen, daß dieses physische Dasein des Menschen nicht das erste ist, sondern daß wir zu sprechen haben von wiederholten Erdenleben, daß der Mensch wiederholt im Verlaufe der Erdenentwickelung in sein physisches Dasein tritt. Und wir haben den Gedanken anerkannt, daß dasjenige, was der Mensch in seinem Leben erlebt, was er im Denken, Fühlen und Genießen, in Liebe und Lust, Wollen und Handeln durchmacht, nicht erstorben ist, sondern daß die Frucht davon bleibt und sich fortsetzt, und daß das nächste Erdendasein diese Frucht früherer Erdenleben in sich aufnimmt. Wenn das Kind nach und nach seine Anlagen, Fähigkeiten und Taten zum Vorschein bringt, stellt dies für uns das Ergebnis früherer Erdenleben dar. Der Mensch hat sich bis hierher durch viele Daseinsstufen hinaufgerungen, und das, was er im früheren Leben durchgemacht hat, hat sich umgewandelt zum Keim und ist Inhalt geworden, so daß sein neues Leben vollkommener ist, voller erscheint als sein vorhergehendes Leben.
[ 12 ] This brings us to the question: Where, then, is that which enters physical existence only through conception and birth? — We have also explored this idea further, and this has led us to recognize that this physical existence of the human being is not the first, but that we must speak of repeated earthly lives—that the human being repeatedly enters into physical existence in the course of Earth’s evolution. And we have acknowledged the idea that what a human being experiences in life—what they go through in thinking, feeling, and enjoying, in love and desire, in willing and acting—has not perished, but that the fruit of these experiences remains and continues, and that the next earthly existence incorporates within itself the fruit of earlier earthly lives. When a child gradually reveals its innate dispositions, abilities, and deeds, this represents for us the result of previous earthly lives. Human beings have struggled their way upward through many stages of existence to reach this point, and what they have experienced in previous lives has been transformed into a seed and has become part of their being, so that their new life is more perfect and appears fuller than their previous life.
[ 13 ] Das ist im wesentlichen der aufsteigende Gang des Menschen. Nun sprechen wir in der Geisteswissenschaft davon, daß das vom Menschen durch Empfängnis und Geburt ins physische Dasein Tretende, welches im Tode den physischen Leib wieder verläßt, in der Zwischenzeit, zwischen Tod und neuer Geburt, in einer geistigen, übersinnlichen Welt ist. Einen Teil der geistigen, übersinnlichen Welt haben wir im letzten Vortrag unter dem Namen der «Hölle» besprochen. Einen großen Teil werden wir heute unter dem Begriff des «Himmels» zu besprechen haben. So ist tatsächlich in der Geisteswissenschaft der Himmel nicht etwas, was erträumt, jenseitig, fern ist, sondern es ist etwas, was da ist, wo wir auch sind. Und wir müssen uns nun die Frage beantworten: Wie kann, was wir Himmel, übersinnliches Dasein nennen, da sein, wo wir auch sind, wenn es doch die Menschen mit ihren physischen Augen nicht wahrnehmen, wenn es wahr ist, daß die physische Wissenschaft, die so große und gewaltige Errungenschaften hinter sich hat, nirgends dieses Paradies, diesen Himmel hat entdecken können?
[ 13 ] This is essentially the upward path of the human being. In spiritual science, we speak of the fact that the being who enters physical existence through conception and birth—and who leaves the physical body again at death—spends the intervening time, between death and a new birth, in a spiritual, supersensible world. In the last lecture, we discussed one part of the spiritual, supersensible world under the name “Hell.” Today we will discuss a large part of it under the concept of “Heaven.” Thus, in spiritual science, Heaven is not something dreamlike, otherworldly, or distant, but rather something that is present wherever we are. And we must now answer the question: How can what we call heaven—the supersensible realm—be present wherever we are, when human beings cannot perceive it with their physical eyes, and when it is true that physical science, with all its great and formidable achievements, has been unable to discover this paradise, this heaven, anywhere?
[ 14 ] Aber auch darauf ist schon öfter aufmerksam gemacht worden, daß jeder Mensch, wirklich jeder Mensch zur vollen Anschauung der übersinnlichen Welt und des Himmels kommen kann. In den Aufsätzen «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist auf die Methoden aufmerksam gemacht worden, durch die der Mensch sich hinaufringt in die übersinnliche Welt. Heute soll nur noch in Kürze angedeutet werden, worauf es ankommt. Sie brauchen sich nur immer wieder vor Augen zu halten, was es heißt, diese sinnlich-physische Welt um Sie herum wahrzunehmen. Sie haben gewiß gelesen, daß das, was wir das vollentwickelte menschliche Ohr nennen, sich aus einem, um mit Goethe zu sprechen, «gleichgültigen» Organ herausgestaltet hat. Sehen Sie sich bei den Tieren die primitiven Organe an, bedenken Sie, was um diese unvollkommenen Tiere herum die Welt der Töne, der physischen Harmonien, der Melodien und die Welt der sonstigen Laute und Klänge ist. Denken Sie daran, was für die feine Ausgestaltung eines menschlichen Organs bis zu seiner heutigen Höhe herauf notwendig war, damit sich der Mensch in das Gebiet der Töne in der ihn umgebenden Welt hineinarbeiten konnte. So können Sie auch die anderen Organe betrachten.
[ 14 ] But it has also been pointed out many times that every human being—truly every human being—can attain a full perception of the supersensible world and of heaven. In the essays “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” attention was drawn to the methods by which a person can ascend into the supersensible world. Today, I shall only briefly outline what is essential. You need only keep in mind, time and again, what it means to perceive this sensory-physical world around you. You have certainly read that what we call the fully developed human ear has evolved from an organ that, to use Goethe’s words, was “indifferent.” Look at the primitive organs in animals, and consider what the world of tones, physical harmonies, melodies, and other sounds and noises is like for these imperfect animals. Consider what was necessary for the subtle development of a human organ to its present level, so that human beings could immerse themselves in the realm of sounds in the world around them. You can apply this same perspective to the other organs as well.
[ 15 ] Sehen Sie sich das Auge an, wie es sich nach und nach so weit heraufentwickelt hat, daß die wundervolle Welt des Lichtes und der Farben aufleuchten kann, die ein großer Teil der Menschen aufnimmt. Und so ist so viel in unserer Umgebung vorhanden, als Organe fähig sind, von dieser Umgebung wahrzunehmen. Wären die Organe des Menschen auf einer noch unvollkommenen Stufe — denken Sie sich das menschliche Gehörorgan auf einer unvollkommenen Stufe —, was wäre eine Welt der Klänge, der Harmonien und Melodien für solche Wesen mit unentwickeltem Gehör? Eine Welt, die sie nicht wahrnehmen könnten, eine «jenseitige» Welt! Wie diese sich zu dem sinnlichen Menschen in der Welt verhält, so verhält sich die geistige Welt zu dem, was man in üblicher Weise Welt nennt. Und so wie unvollkommene Wesen mit unvollkommenen Sinnesorganen sich zu größerer Vollkommenheit entwickelt haben und dadurch neue Gebiete zu ihrer Wahrnehmung gekommen sind, so ist der heutige Mensch ebenso der Entwickelung fähig, wie es der Mensch der Vorzeit war. In allen Einzelheiten werden die Methoden angegeben, durch die das, was der Mensch heute an Kräften und Fähigkeiten hat, zu einer höheren Stufe gehoben werden kann. Niemandem fällt es ein, das «Himmel» zu nennen, was von Forel abgewiesen wird. Nur das sagt die Geisteswissenschaft: Wenn der Mensch die Entsagung, die Energie und Ausdauer hat, die Fähigkeit, die heute in ihm schlummert, die in seiner Brust liegt, zu entwickeln, so wird er die geistigen Welten wahrnehmen. — Unter der geistigen Welt ist das gemeint, was im Innern eines jeden Menschen liegt. Wenn er die Organe ausbildet, dann wird für ihn ein jenseitiger Weltinhalt ebenso zu seiner umliegenden Wahrnehmungswelt, wie die Welt der Töne Wahrnehmungswelt wird. Und das geschieht in dem Maße immer mehr und mehr, je weiter sich das physische Organ vervollkommnet.
[ 15 ] Look at the eye and how it has gradually evolved to the point where the wonderful world of light and color—which a large portion of humanity perceives—can be revealed. And so, there is as much in our environment as there are organs capable of perceiving it. If human organs were still at an imperfect stage—imagine the human organ of hearing at an imperfect stage—what would a world of sounds, harmonies, and melodies be like for such beings with undeveloped hearing? A world they could not perceive, a “world beyond”! Just as this world relates to the sensory human being, so does the spiritual world relate to what is commonly called the world. And just as imperfect beings with imperfect sensory organs have developed toward greater perfection, thereby gaining access to new realms of perception, so too is modern humanity capable of development, just as humanity of ancient times was. The methods by which the powers and abilities that human beings possess today can be raised to a higher level are described in full detail. It would never occur to anyone to call what Forel rejects “heaven.” Spiritual science simply states: If a person has the self-denial, the energy, and the perseverance to develop the capacity that lies dormant within them today, deep within their heart, then they will perceive the spiritual worlds. — By “spiritual world” is meant that which lies within every human being. When a person develops these faculties, the content of the spiritual world becomes just as much a part of their sensory perception as the world of sounds is. And this happens to an ever-greater extent the more the physical organ is perfected.
[ 16 ] Nun darf sich aber kein Mensch vorstellen, daß diese Entwickelung, die hier ins Auge gefaßt wird, etwas Ahnliches sei wie die gegenwärtigen Entwickelungsmethoden für die Ausbildung eines physischen Sinnes. Das wäre ein Mißverständnis. Man kann leicht als Geisteswissenschafter gefragt werden: Wie bildet sich denn dieser sechste Sinn? — und die Menschen stellen sich dabei etwa vor, daß er wie ein Auge aus dem Organismus herauswachsen müsse. So sind die höheren, übersinnlichen Sinne aber nicht. Die stellen sich in ganz anderer Weise zu dem, was unsere physischen Sinne sind. In aller Kürze sei es charakterisiert, wie sich diese höheren Sinne — das Wort trifft nicht gut ihr Wesen, aber das macht nichts — zu den anderen physischen Sinnen stellen. Die Art und Weise der Entwickelung, durch die der Mensch sich hinaufhebt in die übersinnlichen Welten, ist keine äußerliche, turbulente, sie ist innerlich, intim. Und was der Mensch durchzumachen hat, damit ihm die geistige Welt hereinscheint in das gegenwärtige Dasein, das geht in aller Stille und Subtilität vor sich. Es sind die drei Grundkräfte der Seele, die einer wirklichen Entwickelung zum Höheren fähig sind, die Grundkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens. Wenn wir uns kurz fragen, was der Mensch anzufangen hat mit dem Denken, Fühlen und Wollen, wenn er ein Bürger der übersinnlichen Welt, der Himmelswelt schon innerhalb dieses Daseins werden will, dann erhalten wir die Antwort, daß das eine feine, subtile Arbeit ist. Sie können in meiner Zeitschrift, angefangen von Heft dreizehn, nachlesen, wie der Mensch dadurch, daß er in ganz bestimmter Weise seine Gedankenwelt, seine Gefühlswelt und seine Willenswelt kultiviert, hineinwächst in eine übersinnliche Welt. Erinnern wir uns nur an alles, was in den heutigen Verhältnissen von früh morgens, wenn wir aufwachen, bis abends, wenn unser Bewußtsein hinuntersinkt in ein unbestimmtes Dunkel, durch unsere Seele zieht, und bedenken wir, wie ganz anders es in unserer Seele aussehen würde, wenn wir, statt in unserem Zeitalter und an diesem Ort Mitteleuropas, in einem um hundert Jahre früher gelegenen Zeitalter und an einem anderen Orte unserer Erde leben würden. Dann werden wir darauf kommen, wieviel von dem, was vom Morgen bis zum Abend die Menschenseele durchflutet, das reine Ergebnis der Außenwelt ist, die sich fort und fort ändert. Ziehen Sie einmal ab, was so durch des Menschen Seele flutet, alles, was vom Zeitalter, vom Ort eingegeben ist, versuchen Sie einmal alleGedanken aus der Seele zu entfernen, die irgendwie anknüpfen an Ort und Zeit, und fragen Sie, wieviel dann übrigbleibt von einem solchen Inhalt. Alle Gedanken, Gefühle und Willenshandlungen, welche so durch die Seele fluten und durch Ort und Zeit bestimmt sind, die mit anderen Worten dem Menschen von außen durch das tägliche Leben zufließen, die sind ungeeignet zu einer höheren geistigen Entwickelung, zu dem Erleben einer übersinnlichen Welt. Fassen Sie diese Dinge nicht so auf, als ob etwas gesagt werden soll gegen das Leben des Menschen auf dem Gebiet, in das er hineingestellt ist. Er muß aber so viel Zeit finden, um sich für bestimmte Zeiten ganz hinwegzuheben über das, was so im täglichen Leben in seine Seele tritt. Er muß sich hingeben, wenn auch nur für Minuten, solchen Gedanken und Gefühlen, die unabhängig sind von Ort und Zeit, die ewig sind. Solche Gedanken und Gefühle werden gegeben. Sie sind da, sie sind entwickelt bei dem, der die Schulung zum höheren Geistesleben durchgemacht hat. Wenn der Mensch in seiner Seele immer wieder und wieder solche Ewigkeitsgedanken leben und wirken läßt, dann sind diese in des Menschen Seele wirksame Kräfte, die schlummernde Fähigkeiten wahrhaft erwecken.
[ 16 ] However, no one should imagine that this development, which is being considered here, is anything like the current methods of developing a physical sense. That would be a misunderstanding. As a scholar of the spiritual sciences, one is often asked: How, then, does this sixth sense develop? — and people tend to imagine that it must grow out of the organism like an eye. But the higher, supersensory senses are not like that. They relate to our physical senses in an entirely different way. Let me briefly characterize how these higher senses—the word does not quite capture their essence, but that does not matter—relate to the other physical senses. The process of development through which a person ascends into the supersensible worlds is not an external, turbulent one; it is internal and intimate. And what a person must go through so that the spiritual world may shine into their present existence takes place in complete silence and subtlety. It is the three fundamental forces of the soul—the forces of thinking, feeling, and willing—that are capable of true development toward the higher. If we briefly ask ourselves what a person must do with thinking, feeling, and willing if they wish to become a citizen of the supersensible world—the heavenly world—even within this present existence, then we receive the answer that this is a delicate, subtle task. You can read in my journal, beginning with issue thirteen, how a person, by cultivating their world of thought, their world of feeling, and their world of will in a very specific way, grows into a supersensible world. Let us simply recall everything that, under today’s circumstances, flows through our soul from early morning, when we wake up, until evening, when our consciousness sinks into an indeterminate darkness, passes through our soul, and let us consider how very different things would look within our soul if, instead of living in our own age and in this part of Central Europe, we were living in an age a hundred years earlier and in another part of the world. Then we will come to realize how much of what floods the human soul from morning to evening is the pure result of the external world, which is constantly changing. Try, for a moment, to set aside everything that flows through the human soul—everything that is influenced by the era and the place—and try to remove from the soul all thoughts that are in any way connected to place and time, and ask yourself how much of such content would then remain. All thoughts, feelings, and acts of will that flow through the soul in this way and are determined by place and time—in other words, those that flow into a person from the outside through daily life—are unsuitable for higher spiritual development or for experiencing a supersensible world. Do not interpret these things as if something were being said against a person’s life in the sphere in which they are placed. However, they must find enough time to lift themselves completely, for certain periods, above what enters their soul in daily life. They must devote themselves, even if only for minutes, to such thoughts and feelings that are independent of place and time—that are eternal. Such thoughts and feelings are given. They are there; they are developed in those who have undergone the training for a higher spiritual life. When a person allows such thoughts of eternity to live and work in his soul again and again, they become active forces within his soul that truly awaken dormant abilities.
[ 17 ] Und dann lassen Sie sich die gewaltige Umwandlung schildern, wenn sich der Mensch in streng vorgeschriebenen Methoden den Ewigkeitsgedanken hingibt, wenn er in subtiler Art mit solchen Ewigkeitsgedanken zu leben versteht. Für unser Gedankenleben sei das zunächst geschildert. Wer könnte leugnen, daß es solche Gedanken gibt? Die Gedanken des Menschen, wie sie heute sind, was haben sie für eine besondere Natur? Sie haben die Natur, daß der Mensch mit ihnen am intimsten lebt, denn was wohnt intimer in unserer Seele als unsere Gedanken? Womit sind wir inniger zusammen als mit unseren Gedanken und Vorstellungen? Aber diese Gedanken und Vorstellungen, soweit sie sich auf die äußere Welt beziehen, sind das Unwirksamste, das Passivste in bezug auf diese «wirkliche» Welt des Kleinen, Trivialen. Aber es verbirgt sich eine tiefe Weisheit darin, wenn man zum Beispiel ausspricht, es möge jemand noch so sehr an seinen Zahlen hängen, die den Gedanken einer Brücke ausdrücken, ganz richtig möge der Gedanke einer Brücke in allen Einzelheiten sein — der Gedanke ist richtig, die Brücke aber ist nicht da. Der Gedanke ist das Intimste, was in der Seele wohnt. Aber in dieser Welt, in der wir das physische Dasein zubringen, ist der Gedanke das Unwirksamste. Er führt ganz und gar ein innerliches Dasein. In dem Augenblick aber, wo der Mensch beginnt — er muß mit Geduld beginnen —, wenigstens einen ganz geringen Teil seiner Zeit den Ewigkeitsgedanken zu widmen, da lernt er etwas erfahren, wovon er sich früher nichts hat träumen lassen. Er lernt eine Welt kennen, die in bezug auf den Gedanken anders ist als unsere physische Welt. Wenn in unserer physischen Welt der Gedanke das Intimste und doch zugleich das Unwirksamste, das Passivste ist, so werden wir durch eine Schulung in Ewigkeitsgedanken, die wir im physischen Leben durchmachen, in eine Welt eingeführt, in welcher der Gedanke selbst schöpferisch ist. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt. Dann fängt eine andere Welt an, um den Menschen herum zu leben. Und er lernt aus seiner Erfahrung heraus wissen: Wenn wir in der physischen Welt sehen, so sehen wir das Licht; es fließt von der Sonne herunter; wir sehen, wie die Pflanzen, wenn wir ihnen das Licht entziehen, blaß werden und sterben; wir sehen, wie das Licht schöpferisch wirkt in bezug auf diese Pflanzen. Zu einer solchen Kraft, die den Weltenraum durchflutet, die eine Wirklichkeit ist, wie nur ein sinnliches Ding eine Wirklichkeit sein kann, wird der Gedanke für denjenigen, der eindringt durch die Schulung in die übersinnliche Welt. Der Gedanke, der in der Finsternis des Innern ein intimes unwirksames Dasein führt, er wird durch die Schulung als etwas erkannt, was den Weltenraum schöpferisch durchflutet, was viel realer, viel wirklicher ist als das Sonnenlicht. Nun merkt der Mensch, wenn dieses Licht des Gedankens, von dem er dann spricht als von einer realen Welt, die sich ausbreitet um ihn herum, einfließt in die menschliche Seele, daß das, was Seele ist, so von schöpferischen Kräften belebt wird, wie die physische Pflanze von dem Sonnenlicht durchdrungen wird. Hierdurch lernen wir, wie der Raum, der um uns herum ist, durchflutet ist von einer Realität, die der Mensch, solange er nicht die nötigen Fähigkeiten hat, nicht wahrnehmen kann, so wie derjenige, dessen Ohr nicht ausgebildet ist, die Töne nicht wahrnimmt.
[ 17 ] And then let me describe to you the profound transformation that occurs when a person devotes himself to thoughts of eternity through strictly prescribed methods, when he knows how to live with such thoughts of eternity in a subtle way. Let this be described first in relation to our inner life. Who could deny that such thoughts exist? Human thoughts, as they are today—what is their particular nature? Their nature is that human beings live most intimately with them, for what dwells more intimately in our soul than our thoughts? With what are we more intimately connected than with our thoughts and ideas? But these thoughts and ideas, insofar as they relate to the external world, are the most ineffective and passive elements with regard to this “real” world of the small and trivial. Yet there is a profound wisdom in saying, for example, that no matter how much someone may cling to the numbers that express the idea of a bridge—and however correct that idea of a bridge may be in every detail—the idea is correct, but the bridge is not there. The thought is the most intimate thing that dwells in the soul. But in this world, where we spend our physical existence, thought is the most ineffective thing of all. It leads an entirely inner existence. Yet the moment a person begins—and they must begin with patience—to devote at least a very small part of their time to thoughts of eternity, they begin to experience something they could never have imagined before. They come to know a world that, in terms of thought, is different from our physical world. While in our physical world thought is the most intimate and yet at the same time the most ineffective and passive, through training in thoughts of eternity—which we undergo in physical life—we are introduced into a world in which thought itself is creative. That is the essential point. Then another world begins to take shape around the human being. And through experience, he comes to know: When we see in the physical world, we see light; it streams down from the sun; we see how plants, when we deprive them of light, grow pale and die; we see how light works creatively in relation to these plants. For those who, through training, penetrate into the supersensible world, thought becomes such a force that permeates the cosmos—a reality in the same way that a sensory object can be a reality. Thought, which leads an intimate, inactive existence in the darkness of the inner self, is recognized through training as something that creatively floods the cosmos—something far more real, far more actual than sunlight. Now, when this light of thought—which the person then speaks of as a real world spreading out around them—flows into the human soul, the person realizes that the soul is animated by creative forces just as a physical plant is permeated by sunlight. Through this, we learn how the space around us is permeated by a reality that human beings cannot perceive as long as they lack the necessary abilities—just as someone whose ear is not trained cannot perceive sounds.
[ 18 ] Dann gibt es aber auch bestimmte Gefühle, die anders erzeugt werden in der übersinnlichen Welt, in der übersinnlichen Schulung, als die Gefühle des alltäglichen, gewöhnlichen Lebens. Wie werden die Gefühle des alltäglichen Lebens erzeugt? Der Mensch richtet seine Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand. Er gefällt ihm. Das Gefühl der Lust steigt in ihm auf. Das Gefühl der Lust tritt mittels des äußeren Gegenstandes auf. Wir sehen uns gehoben unter dem Eindruck einer schönen Außenwelt, wir sehen uns mit Abscheu erfüllt, wenn wir etwas Häßlichem in der Außenwelt gegenüberstehen. So fluten in des Menschen Seele die Gefühle auf und ab. Die Geisteswissenschaft muß den Menschen in das Wahre, Echte, Wirkliche tiefer hineinführen.
[ 18 ] But there are also certain feelings that arise differently in the supersensible world, through supersensible training, than the feelings of everyday, ordinary life. How are the feelings of everyday life produced? A person directs their attention to an object. They find it pleasing. A feeling of pleasure arises within them. This feeling of pleasure arises through the external object. We find ourselves uplifted by the impression of a beautiful external world; we find ourselves filled with revulsion when confronted with something ugly in the external world. Thus, feelings ebb and flow in the human soul. Spiritual science must lead human beings deeper into what is true, genuine, and real.
[ 19 ] Wenn der Mensch die inneren Fähigkeiten für die übersinnliche Welt erwecken will, so muß er sich fähig machen für Gefühle, die nicht von außen angeregt sind. Es gibt wiederum eine Methode, durch die der Mensch sich in eine Gefühlswelt einlebt, wo die Gefühle in ihm auf und ab wogen, ohne daß die äußere Empfindung dazu notwendig ist. Gefühle, die von außen angeregt werden, können im Menschen durch die Wahrnehmung der äußeren Dinge erweckt werden. Wenn der Mensch lernt, ganz bestimmte Gefühle in sich zu entwickeln, dann wirkt die Erregung solcher Gefühle als eine Kraft, welche schlummernde Fähigkeiten wieder weckt. Und das weiß jetzt der Mensch aus Erfahrung, was der Eingeweihte sehen kann: daß die Welt des Lichtes schaffend ist für das Geistige wie für das Physische, daß sie sich auch im Geistigen abstuft in mannigfaltigen Farben wie das physische Licht; er weiß, daß es eine Welt gibt, in welcher die geistige Farbe lebt, eine Welt, die wir die astralische Welt nennen. Sie stellt sich hinein in diese physische Welt für den Menschen, der also die in ihm schlummernden Fähigkeiten und Kräfte erweckt, wenn er — ohne daß von außen der Impuls dazu kommt — rein durch geistiges Erlebnis mehr und mehr ein Gefühl ganz besonderer Art in sich ausbildet, das nicht innerhalb der sinnlichen Welt durch Außeres angeregt wird. Wer dieses Gefühl der Liebe, ein rein inneres Erleben zu erwecken vermag, der hat die Verbindung mit der geistigen Welt gewonnen.
[ 19 ] If a person wishes to awaken the inner faculties for the supersensible world, they must prepare themselves to experience feelings that are not stimulated from the outside. There is, in turn, a method by which a person can immerse themselves in a world of feelings where those feelings ebb and flow within them without the need for external sensations. Feelings stimulated from the outside can be aroused in a person through the perception of external things. When a person learns to develop very specific feelings within themselves, the arousal of such feelings acts as a force that reawakens dormant abilities. And the human being now knows from experience what the initiate can see: that the world of light is creative for both the spiritual and the physical, that it, too, is graded in the spiritual realm into manifold colors just as physical light is; he knows that there is a world in which spiritual color lives, a world we call the astral world. It manifests itself within this physical world for the person who thus awakens the abilities and powers lying dormant within them when—without any external impulse—purely through spiritual experience, they increasingly develop within themselves a feeling of a very special kind that is not stimulated by external factors within the sensory world. Whoever is able to awaken this feeling of love—a purely inner experience—has gained a connection with the spiritual world.
[ 20 ] Dann tritt zu dem geschilderten Element noch eine andere Welt hinzu. Zu den Farben tritt noch eine andere Welt. Die Liebe, welche durch die physischen Gegenstände hervorgebracht wird, kann nie zu Geistigem führen. Jene Liebe, die befriedigt ist, auch wenn der Gegenstand der Liebe im Geistigen allein vorhanden ist, jene Liebe, die im tiefen inneren Erleben bleibt, ist eine schaffende Kraft für eine höhere Art von Elementen, die den geistigen Raum durchziehen. Diese Liebe ist die echte Liebe. Die Vorstufe davon ist, was der Künstler im Schaffen empfindet. Er hat sie nur dann, wenn er geistige Werke aus seiner Seele heraus produziert. Jene Liebe verwandelt den vorher stummen, licht- und farbendurchfluteten geistigen Raum in eine Welt von Tönen, und es spricht in geistigen Tönen eine Welt zu uns.
[ 20 ] Then another world is added to the element described. Another world is added to the colors. The love that is aroused by physical objects can never lead to the spiritual. That love which is satisfied even when the object of love exists solely in the spiritual realm—that love which remains in deep inner experience—is a creative force for a higher kind of element that pervades the spiritual realm. This love is true love. The preliminary stage of this is what the artist feels in the creative process. He possesses it only when he produces spiritual works from within his soul. That love transforms the previously silent spiritual space, flooded with light and color, into a world of tones, and a world speaks to us in spiritual tones.
[ 21 ] So sehen Sie, wie stufenweise der Mensch sich hinaufentwickelt in eine andere Welt, wie hier nichts anderes vorliegt als eine echte Fortsetzung dessen, was auch im natürlichen Dasein des Menschen, im natürlichen Geschehen vorhanden ist. Wie aus gleichgültigen Gehörbläschen die Ohren hervorgegangen sind und dadurch aus dem unbestimmten Tonlosen die Welt der physischen Töne herausdrang, so dringt aus dem vorher Unbestimmten die Welt, die eben beschrieben worden ist. Von diesen Welten, die erfahren werden können, sprechen die nicht, die gegen Windmühlen kämpfen, wie es im Eingang des Vortrages erwähnt worden ist. Wer sagt, die Himmel seien nirgends gefunden worden, der weiß nicht, daß er sie nicht anderswo zu suchen hat; denn der Himmel ist da, wo wir sind. Es handelt sich bloß darum, daß man nicht die Behauptung anhängt: Was ich nicht wahrnehmen kann, das gibt es nicht, und wenn ein anderer behauptet, daß es etwas gibt, was ich nicht wahrnehmen kann, so ist er ein Tor, ein Träumer oder ein Schwindler. — Dieser Satz ist der logisch unrichtigste Satz, den es überhaupt gibt, denn niemand darf behaupten, daß die Grenze seines Wahrnehmens auch die Grenze des Daseins ist. Sonst könnte ja der Taube die ganze Welt der Töne, der Harmonien und Melodien als Träumerei und Phantasterei hinstellen.
[ 21 ] Thus you can see how human beings gradually evolve upward into another world, how there is nothing here but a genuine continuation of what is also present in human natural existence and in natural processes. Just as the ears emerged from insignificant auditory vesicles, and through this the world of physical sounds emerged from the indeterminate, soundless void, so too does the world just described emerge from what was previously indeterminate. Those who fight against windmills, as mentioned at the beginning of this lecture, do not speak of these worlds that can be experienced. Anyone who says that the heavens have not been found anywhere does not realize that he need not look for them elsewhere; for the heavens are where we are. The point is simply not to cling to the assertion: “What I cannot perceive does not exist,” and if someone else claims that there is something I cannot perceive, then he is a fool, a dreamer, or a charlatan. — This statement is the most logically flawed statement there is, for no one may claim that the limit of their perception is also the limit of existence. Otherwise, a deaf person could dismiss the entire world of sounds, harmonies, and melodies as mere fantasy and delusion.
[ 22 ] Wenn man in der Geisteswissenschafft vom Himmel spricht, so spricht man davon in dieser Weise, wie es Ihnen jetzt dargestellt worden ist. Man spricht so von diesem Himmel in der wahren Geisteswissenschaft, und man hat auch nicht anders von ihm gesprochen in den Urquellen der Religionsbekenntnisse, als man sie noch verstanden hat. In dieser sichtbaren Welt ist eine nichtsinnliche Welt vorhanden, wie für den Tauben die Welt der Töne.
[ 22 ] When one speaks of heaven in spiritual science, one speaks of it in the way that has just been described to you. This is how one speaks of this heaven in true spiritual science, and it was spoken of in no other way in the original sources of religious creeds, as they were still understood at that time. In this visible world, there exists a non-sensory world, just as there is a world of sounds for the deaf.
[ 23 ] Und nun fragen wir uns: Warum nimmt der Mensch auf dem Punkte seiner gegenwärtigen Entwickelung diese übersinnliche Welt nicht wahr? Er nimmt sie aus dem Grunde nicht wahr, weil gerade die sinnliche Wahrnehmung, die ja als eine Notwendigkeit in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, sich wie eine Decke, wie ein Schleier hinbreitet über die übersinnliche Welt. Anders haben wir es nicht gemeint, wenn geschildert wurde, was derjenige durchzumachen hat, welcher die übersinnliche Welt anstrebt. Er muß sich herausheben aus der sinnlichen Welt, er hat die sinnliche Welt eine Weile zum Schweigen zu bringen. Dann kommt er zu dem, was hinter dieser sinnlichen Welt ist, dann nimmt er wahr, wie sich die sinnliche Welt wie eine Decke über die übersinnliche hin ausbreiter. Wer sich im wahren Sinne in seinem Leibe über seinen Leib erhebt, der kann das, was hinter diesem Schleier ist, wahrnehmen.
[ 23 ] And now we ask ourselves: Why does the human being, at this stage of his present development, not perceive this supersensible world? He does not perceive it because sensory perception—which has, after all, become a necessity in human development—spreads out like a blanket, like a veil, over the supersensible world. This is precisely what we meant when we described what a person who strives for the supersensible world must go through. They must rise above the sensory world; they must silence the sensory world for a while. Then they come to what lies beyond this sensory world, and then they perceive how the sensory world spreads out like a blanket over the supersensible world. Whoever, in the true sense, rises in his body above his body can perceive what lies beyond this veil.
[ 24 ] Wir müssen wissen, wozu die Kräfte im gewöhnlichen normalen Menschenleben verwendet werden, die also zu Fähigkeiten werden können, in die übersinnliche Welt einzutreten. Das kann man nicht anders begreifen, als wenn man den wahren Tatbestand ins Auge faßt: Was ist eigentlich die physische Welt, was ist der unvollkommenste physische Körper, und was ist der vollkommene physische Körper, der uns als Menschenleib vor Augen tritt? Schöpfungen sind alle physischen Wesenheiten, Schöpfungen des Geistes. Geistiges liegt allem Physischen zugrunde. Das haben wir in der mannigfaltigsten Weise im Verlaufe dieser Vorträge immer wieder betont. Wie das Eis aus dem Wasser sich verhärtet, so verhärtet sich aus dem Geistigen heraus alles Physische. Es ist gleichsam eine Verdichtung des Geistes. Betrachten wir das physische Gebilde des Ohres des heutigen Menschen. Was liegt diesem physischen Gebilde Ohr zugrunde? Geistige Schöpferkraft liegt ihm zugrunde! Der Ton, der als physischer Ton in unserer Umgebung lebt, ist etwas der physischen Welt Angehöriges, der hinter sich hat den geistigen Ton. In derselben Welt, die auf unser physisches Ohr zuströmt, werden wir den physischen 'Ton hören, und in derselben Welt lebt auch der übersinnliche, der geistige Ton. Was ist der geistige Ton? Dieser geistige Ton ist der Schöpfer unseres Ohres ebenso wie dasjenige, was im physischen Licht geistiges, verborgenes Licht ist, der Schöpfer unseres Auges ist. Deshalb sagt Goethe, der so viele tiefe geistige Wahrheiten ausgesprochen hat: «Das Auge ist am Licht für das Licht gebildet.» Die Kraft, die von der Sonne zu uns strömt und die unser Auge befähigt, im lichterfüllten Raum die Gegenstände in ihren Grenzen zu sehen, enthält auch jene Wesen, welche den Wunderbau des Auges geformt haben. So würde das, was das physische Auge sieht und das physische Ohr hört, so viel bedeuten, wie ein Eindringen in das, was hinter diesen ist, ein SichErheben zu den geistigen Kräften. In einem bestimmten Fall tun wir es schon, wenn wir den Blick hinwenden auf das junge Menschenkind, das nach und nach seine Fähigkeiten sich in den physischen Menschenleib hineingestaltet. Wir sehen diese Fähigkeiten aus einer hinter der sinnlichen Welt verborgenen Welt hervorkommen, sehen, wie sie in die Materie hineinschießen, in der Materie sich einen Daseinsaspekt erschaffen.
[ 24 ] We must understand how these forces are used in ordinary, everyday human life—forces that can thus become abilities to enter the supersensible world. This cannot be understood except by considering the true facts: What, in fact, is the physical world? What is the most imperfect physical body, and what is the perfect physical body that appears before us as the human body? All physical entities are creations—creations of the spirit. The spiritual underlies all that is physical. We have emphasized this time and again in the most varied ways throughout these lectures. Just as ice hardens from water, so does everything physical harden from the spiritual. It is, as it were, a condensation of the spirit. Let us consider the physical structure of the ear of modern humans. What underlies this physical structure of the ear? Spiritual creative power underlies it! The sound that exists as physical sound in our environment belongs to the physical world, but behind it lies the spiritual sound. In the very same world that flows toward our physical ear, we hear the physical sound, and in that same world also lives the supersensible, spiritual sound. What is the spiritual sound? This spiritual sound is the creator of our ear, just as that which, in physical light, is spiritual, hidden light, is the creator of our eye. That is why Goethe, who articulated so many profound spiritual truths, said: “The eye is formed by light for light.” The force that flows to us from the sun and enables our eye to see objects within their boundaries in a space filled with light also contains those beings who have shaped the marvelous structure of the eye. Thus, what the physical eye sees and the physical ear hears would amount to a penetration into what lies behind them, an ascent to the spiritual forces. In one particular case, we already do this when we turn our gaze toward the young human child, who is gradually shaping its faculties into the physical human body. We see these faculties emerging from a world hidden behind the sensory world; we see how they shoot into matter, creating an aspect of existence within matter.
[ 25 ] Wir gehen zur Geisteswissenschaft zurück und fragen uns: Wo war dieses Wesen, bevor es durch Empfängnis und Geburt ein physisches Dasein angenommen hat, wo war es zwischen seinem letzten Tod und seiner letzten Geburt? In keiner erträumten geistigen Welt war es, sondern in derselben Welt, in der auch wir sind. Der ganze Unterschied zwischen diesem Wesen, bevor es durch Empfängnis und Geburt in das materielle Dasein trat, und dem, was es nachher ist, besteht in dem Folgenden. Vor der Geburt besteht dieses Wesen aus solchen Elementen, die man nur schauen kann, wenn jene Fähigkeiten ausgebildet sind, die als die geistigen eben geschildert worden sind. Es ist unsichtbar, solange diese übersinnliche Fähigkeit nicht ausgebildet ist. Wie wenn für jemand das Wasser nicht sichtbar wäre, solange es flüssig ist, aber sichtbar wird, sobald es gefriert, so wird der Mensch unsichtbar, wenn er wird wie Wasser — sichtbar, wenn er gefriert, das heißt physisch wird.
[ 25 ] Let us return to spiritual science and ask ourselves: Where was this being before it took on a physical existence through conception and birth? Where was it between its last death and its last birth? It was not in some imagined spiritual world, but in the very same world in which we, too, exist. The entire difference between this being before it entered material existence through conception and birth, and what it is afterward, lies in the following. Before birth, this being consists of elements that can only be perceived when the faculties described above as spiritual have been developed. It is invisible as long as this supersensory ability is not developed. Just as water is invisible to someone as long as it is liquid but becomes visible as soon as it freezes, so too does the human being become invisible when he becomes like water—and visible when he “freezes,” that is, when he becomes physical.
[ 26 ] So sprechen wir von zwei Zuständen des Menschen, von einem Zustand zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, nur sichtbar den geistigen Sinnen, und von einem Zustand, in dem er sein Kleid um sich gewoben hat, so daß er für die physischen Sinne sichtbar auftritt. So sehen wir, daß der Mensch in der Zwischenzeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verbunden ist mit den schöpferischen Kräften, die den Raum durchfluten, und die derjenige, der seine übersinnlichen Fähigkeiten entwickelt, als die Himmelskräfte schon hier kennenlernt. Es ist der Mensch verbunden mit diesen schöpferischen Kräften. Hier in der physischen Welt lebt der Mensch mit den physischen Kräften, mit den physischen Tönen, mit dem physischen Licht; in der geistigen Welt lebt er in dem, was hinter dem Ton, hinter dem Licht geistig-schöpferisch ist. In einer Welt lebt er, die nur anders ist als die physische Welt. Hier in der physischen Welt sieht das Auge durch das Licht. In der geistigen Welt nimmt der Mensch das wahr, was das Auge geschaffen hat. Er lebt im geistigen Licht, er lebt in der geistigen Tonwelt, er lebt in dem, was mit Hilfe von Geburt und Empfängnis seinen physischen Leib aufbaut, er lebt mit der produktiven, der schöpferischen, kosmischen Wesenheit da, wo unsere Welt, diese äußere Welt, die sich wie eine Decke über die geistige ausbreitet, aufgebaut wird. So fließt diese Decke in die geistige Welt selbst ein. Das Bewußtsein des Menschen leuchtet auf in einem anderen Zustand. Der ganze Unterschied zwischen dem entkörperten und dem verkörperten Menschen ist der, daß der entkörperte Mensch in einem anderen Bewußtseinszustande lebt, und daß er die schöpferischen Kräfte wahrnimmt. Und so werden wir verstehen, was es heißt: Der Mensch wird mit dem Tode aufgenommen in eine übersinnliche Welt. Sie ist keine Traumwelt, keine Welt von geringerer Realität als unsere Welt, sie ist eine Welt dichterer und stärkerer Intensität und Wirklichkeit, denn in ihr sind die schöpferischen Wesenheiten für unsere physische Welt. Und jetzt verstehen wir, was da wirkt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 26 ] Thus we speak of two states of the human being: a state between death and a new birth, visible only to the spiritual senses; and a state in which the human being has woven a garment around himself, so that he appears visible to the physical senses. Thus we see that, in the interval between death and a new birth, the human being is connected to the creative forces that permeate space—forces that those who develop their supersensory abilities come to know even here as the heavenly forces. It is the human being who is connected to these creative forces. Here in the physical world, the human being lives with the physical forces, with physical sounds, with physical light; in the spiritual world, he lives in that which, beyond sound and beyond light, is spiritually creative. He lives in a world that is simply different from the physical world. Here in the physical world, the eye sees through light. In the spiritual world, human beings perceive what the eye has created. They live in spiritual light; they live in the spiritual world of sound; they live in that which, through birth and conception, builds up their physical body; they live with the productive, creative, cosmic essence in the very place where our world—this outer world, which spreads out like a veil over the spiritual world—is being built up. Thus this blanket flows into the spiritual world itself. Human consciousness shines forth in a different state. The entire difference between the disembodied and the embodied human being is that the disembodied human being lives in a different state of consciousness and perceives the creative forces. And so we will understand what it means when it is said that, upon death, a human being is received into a supersensible world. It is not a dream world, nor a world of lesser reality than our own; it is a world of denser and more intense reality, for within it dwell the creative beings who shape our physical world. And now we understand what is at work between death and a new birth.
[ 27 ] Wir haben das letzte Mal, als wir die retardierenden Kräfte besprochen haben, gesehen, daß, wenn der Mensch die Pforte des Todes durchschreitet, ein Erinnerungstableau des ganzen letzten Lebens vor ihm auftritt, wir haben gesehen, daß dieses Tableau wie eine Essenz aufgenommen wird und für alle folgenden Zeiten mit dem Menschen vereinigt bleibt; wir haben gesehen, wie er durch die Kamalokazeit durchgeht, wo er eine Art Läuterung durchzumachen hat. Wenn er diese Läuterung durchgemacht hat, dann wird das, was er aus dem letzten Leben mitgenommen hat, etwas Besonderes, etwas Neues. Wir wissen, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geht, in die geistige, in die übersinnliche Welt eingeht. Fassen Sie sie auf wie einen Acker, wie ein fruchtbares Bodengebilde, und fassen Sie das, was der Mensch aus dem letzten Leben als Frucht seines Denkens, Fühlens und Wollens mitbringt, was sich zusammenfassen läßt als die Frucht des letzten Lebens, auf wie einen Pflanzenkeim, der in den Boden gesenkt wird und aufsprießt. So sprießt die Lebensfrucht des letzten Lebens in dem geistigen Boden auf, und das menschliche Bewußtsein merkt und nimmt wahr dieses Aufkeimen, dieses Auseinandergehen, dieses Entwickeltwerden des aus dem letzten Leben mitgenommenen Lebenskeimes. Alles, was die Menschen sich aus dem Leben ihrer Zeit mitgenommen haben, das imprägniert sich in diese letzte Frucht des Lebens, und was von außen an den Menschen herangetreten ist, das erweitert sich und geht auf wie ein Keim. Das wird die Wahrnehmungs- und Bewußtseinswelt zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt. Was die Seele durchzieht, kann dem, der nicht selbst die Fähigkeit hat, übersinnlich wahrzunehmen, nur durch einen Vergleich klargemacht werden. Bei tieferem Nachdenken werden Sie den Vergleich verstehen. Was der Mensch fühlt beim Entfalten des letzten Lebenskeimes, das bezeichnet man mit Recht als Seligkeit, denn es ist eine Seligkeit. Es ist das gegenteilige Gefühl von dem, was der Mensch wahrnehmen kann, wenn er die Gegenstände fühlt. Jetzt fühlt er sie entfaltet, vorher fließen sie aus; jetzt aber fließt die Wesenheit aus und im Ausgestalten des Lebenskeimes durchdringt ihn das Gefühl, das sich vergleichen läßt mit dem, welches auf einer niedrigeren Stufe — bei tieferem Nachdenken wird es Ihnen bedeutsam erscheinen — das Huhn hat, wenn es das Ei ausbrütet: das des seligen Hervorbringens eines Lebens, die Seligkeit des Keimaufschießens. Diese Seligkeit führt dazu, daß der Mensch sich geistig das vorbildet, was ihn an die physische Geburt kettet, was ihn in das physische Dasein bringt. Weil er neue Erfahrungen gesammelt hat, die er dem Grundkern einprägt, deshalb wird jedes Leben — mit Ausnahme der auf und ab gehenden Wege, die auch sein müssen — vollkommener.
[ 27 ] Last time, when we discussed the retarding forces, we saw that when a person passes through the gate of death, a tableau of memories from their entire last life appears before them; we saw that this tableau is absorbed like an essence and remains united with the person for all time to come; we saw how they pass through the Kamaloka period, where they must undergo a kind of purification. Once they have undergone this purification, what they have brought with them from their last life becomes something special, something new. We know that when a person passes through the gate of death, they enter the spiritual, the supersensible world. Think of it as a field, as fertile soil, and think of what a person brings from their past life—the fruit of their thinking, feeling, and willing, which can be summed up as the fruit of the past life—as a plant seed that is sown in the soil and sprouts. Thus the fruit of life from the previous life sprouts in the spiritual soil, and human consciousness perceives and takes note of this sprouting, this unfolding, this development of the seed of life brought over from the previous life. Everything that people have taken with them from the life of their time becomes imbued in this final fruit of life, and whatever has approached the human being from the outside expands and blossoms like a seed. This becomes the world of perception and consciousness between “death” and a new birth. What permeates the soul can only be made clear to those who lack the ability to perceive the supersensible through a comparison. Upon deeper reflection, you will understand the comparison. What a person feels as the final seed of life unfolds is rightly called bliss, for it is indeed bliss. It is the opposite feeling of what a person can perceive when sensing objects. Now they feel them unfold; before, they flowed out; but now the being flows out, and as the seed of life takes shape, the person is permeated by a feeling comparable to that which—on a lower level, and upon deeper reflection this will seem significant to you—a hen experiences when she hatches an egg: the bliss of bringing forth a life, the bliss of the seed sprouting. This bliss leads the human being to mentally envision what binds him to physical birth, what brings him into physical existence. Because he has gathered new experiences, which he imprints upon the fundamental core, every life—with the exception of the ups and downs that are also inevitable—becomes more perfect.
[ 28 ] Wie wir das letzte Mal gesehen haben, haben wir im Ganzen des Lebens einen Aufstieg zu immer größerer und größerer Vollkommenheit. Wir sehen, wie das, was so in die physische Welt sich eingelebt hat, im Produzieren in der physischen Welt, im Gefühl der Seligkeit neu schöpferisch sich zeigt.
[ 28 ] As we saw last time, throughout the whole of life there is an ascent toward ever greater and greater perfection. We see how that which has become so deeply rooted in the physical world manifests itself anew in a creative way through its activity in the physical world and through the feeling of bliss.
[ 29 ] So müssen wir uns klar sein, daß nur der Bewußtseinszustand des Menschen ein anderer ist als in der übersinnlichen Welt. Durch einen Vergleich können wir uns noch klarmachen, wie der Bewußtseinszustand zwischen der physischen Welt und der übersinnlichen Welt verschieden ist. Denken Sie sich einen Menschen, der eine Symphonie anhört. Er läßt die Töne von außen an sich herandringen. Er genießt sie. Denken Sie sich nun, es wäre möglich, daß ein Mensch schöpferisch, geistig diese Symphonie aufbaute, ohne einen Text zu berühren, ohne ein Instrument zum Tönen zu bringen, daß er schöpferisch aus sich heraus im Geiste Ton für Ton aneinandergliederte. Wie sich die Wahrnehmung des ersteren verhält zu dem, in dem die Symphonie aufkeimte, so verhält sich die physische Welt zu der Wahrnehmung im Übersinnlichen. Daher müssen wir sagen: Um die Himmelswelt wahrzunehmen, muß der Mensch Verzicht geleistet haben darauf, daß ihm irgend etwas in der physischen Welt geistig entgegentritt. So lang er diesen Verzicht nicht geleistet hat, kann er nicht sehen.
[ 29 ] We must therefore be clear that it is only the human state of consciousness that differs from that in the supersensible world. By drawing a comparison, we can further clarify how the state of consciousness differs between the physical world and the supersensible world. Imagine a person listening to a symphony. He allows the sounds to flow in from the outside. He enjoys them. Now imagine that it were possible for a person to construct this symphony creatively, in his mind—without touching a score, without playing an instrument—so that he creatively strings together note after note from within himself. Just as the perception of the former relates to that in which the symphony took root, so does the physical world relate to perception in the supersensible. Therefore, we must say: In order to perceive the heavenly world, a person must have renounced the idea that anything in the physical world might meet them spiritually. As long as they have not made this renunciation, they cannot see.
[ 30 ] Die geistige Welt erscheint uns aber nicht als eine Welt, zu der sich nicht auch das logische Denken erheben könnte. Was der Mensch gewöhnlich einwendet, ist nur, daß er sie nicht wahrnehmen kann.
[ 30 ] However, the spiritual world does not appear to us as a world beyond the reach of logical thinking. The objection people usually raise is simply that they cannot perceive it.
[ 31 ] So bekommt der Begriff des «Himmels» für den Menschen der Zukunft wieder seine Bedeutung. Es ist das kein Begriff einer träumerischen Welt, in der wir uns befänden. Das Bewußtsein im Schöpferischen ist viel heller und intensiver als das in der physischen Welt. Daher müssen wir uns das Leben, das Bewußtsein des Menschen in der schöpferischen Welt auch intensiver denken als in der physischen Welt.
[ 31 ] This is how the concept of “heaven” will regain its meaning for the people of the future. It is not a concept of a dreamlike world in which we find ourselves. Consciousness in the creative realm is much brighter and more intense than that in the physical world. Therefore, we must also conceive of human life and consciousness in the creative world as being more intense than in the physical world.
[ 32 ] In welcher Beziehung steht die physische Welt zu der übersinnlichen Welt? Es ist natürlich, daß den Menschen zunächst dieses Verhältnis interessiert. Ich möchte das daher mit der Gegenfrage ausdrücken: Wird der Mensch in der übersinnlichen Welt wissen von denjenigen, die ihm in dieser Welt lieb und wert sind? Wird sich das, was sich hier abgespielt hat, in irgendeiner Weise fortsetzen? Das wird es! Und richtig zu begreifen ist es, wenn Sie in voller Klarheit durchdenken, was eben gesagt worden ist, indem deutlich gemacht worden ist, daß ein intimer Zusammenhang besteht zwischen dieser physischen und der übersinnlichen Welt. Was hier als Keim gelegt wird, geht dort auf und wird Frucht. Nichts in der Welt ist ohne geistigen Hintergrund. In der physischen Welt arbeitet der Mensch schon für die überphysische Welt. Dafür ein Beispiel: Nehmen wir an, eine Mutter hängt mit Liebe an ihrem Kinde. Diese Liebe wird zunächst, man möchte sagen, durch die Naturgrundlage entwickelt. Dann aber wandelt sich mit jedem Augenblick diese Liebe aus der rein natürlichen, durch die physischen Verhältnisse bedingten Liebe in eine geistige Liebe um. In dem Maße, in dem die Liebe, die sich der Naturgrundlage bedient, in eine geistige Mutterliebe verwandelt wird, wächst der Mensch in die geistige Liebe hinein. Diese Liebe wird eine wahrere im Geistigen. Wie von dem Menschen nur die irdische Hülle abfällt, so fällt vom geistigen Wesen nur das Physisch-Irdische ab. Das ganze Netz, das gezogen wird von Menschenseele zu Menschenseele, das, was lebt von Herz zu Herz, von Geist zu Geist, es ist auf unsichtbare Weise schon in der übersinnlichen Welt. Das Geistige, der Wesenskern des Menschen, lebt sich hinein in die übersinnliche Welt, und alles, was der Mensch hier in dieser physischen Welt angeknüpft hat, findet seine Fortsetzung als Geistiges in der geistigen Welt. Alles, was hier verbunden ist auf geistige Art, findet sich in vollem Bewußtsein, ja in hellerem Bewußtsein wieder in der geistigen Welt. Je nachdem es sich findet, bildet sich wieder ein Band bei einem neuen Lebenslauf, so daß die, welche sich zusammenfinden in oftmals merkwürdiger Sympathie, sich das zu erklären haben aus dem, was sie selbst in früheren Leben gesponnen haben.
[ 32 ] What is the relationship between the physical world and the supersensible world? It is only natural that people should be interested in this relationship first and foremost. I would therefore like to express this with a counter-question: In the supersensible world, will a person know about those who are dear and precious to them in this world? Will what has taken place here continue in any way? It will! And you will understand this correctly if you think through with complete clarity what has just been said, in which it was made clear that there is an intimate connection between this physical world and the supersensible world. What is sown here as a seed blossoms there and bears fruit. Nothing in the world exists without a spiritual background. In the physical world, human beings are already working for the supersensible world. Here is an example: Let us suppose a mother is lovingly attached to her child. At first, one might say, this love is developed through the natural foundation. But then, with every passing moment, this love transforms from a purely natural love—conditioned by physical circumstances—into a spiritual love. To the extent that the love rooted in nature is transformed into spiritual maternal love, the human being grows into spiritual love. This love becomes truer in the spiritual realm. Just as only the earthly shell falls away from the human being, so too does only the physical-earthly aspect fall away from the spiritual being. The entire network that is woven from human soul to human soul—that which lives from heart to heart, from spirit to spirit—already exists in an invisible way in the supersensible world. The spiritual, the core of the human being’s being, lives itself into the supersensible world, and everything that the human being has established here in this physical world finds its continuation as something spiritual in the spiritual world. Everything that is connected here in a spiritual way is found again in the spiritual world in full consciousness—indeed, in a clearer consciousness. Depending on how it is found, a bond is formed once more in a new life course, so that those who come together in often remarkable sympathy must explain this to themselves through what they themselves have woven in earlier lives.
[ 33 ] So sehen wir, wie unsere ganze sinnliche Welt in diese übersinnliche, unsichtbare Welt eingebettet ist. Und wie der Mensch ein Bürger ist der sinnlichen Welt zwischen Geburt und Tod, so ist er ein Bürger der übersinnlichen Welt nach dem Tode, nur weiß er es in unserer Zeit nicht zwischen Geburt und Tod.
[ 33 ] Thus we see how our entire sensory world is embedded in this supersensory, invisible world. And just as a human being is a citizen of the sensory world between birth and death, so too is he a citizen of the supersensory world after death; it is just that, in our time, he is unaware of this between birth and death.
[ 34 ] Wir haben in der letzten Betrachtung den Begriff der «Hölle» dargestellt und heute den Begriff des «Himmels», die alles enthalten, was es an geistigen Einflüssen auf den Menschen gibt. Das letzte Mal sind wir eingegangen auf die Kräfte, die zur Verhärtung führen, während das heute Geschilderte als das Gegenteil davon erscheint: das Entwickelungsprinzip. Das Leben schreitet von Dasein zu Dasein, und um so viel, als von dem letzten Leben an schöpferischen Kräften umgesetzt wird, um so viel höher steigt das nächste Dasein. Indem der Mensch das, was er in sich aufnimmt, nicht nur genießen will, sondern durch das, was er genießt, durchdringt zu dem, was sich umwandelt zu geistigen Kräften, ist er fortwährend in der Himmelswelt darin. Alles, was den Menschen weiterbringen kann, ist Inhalt der Himmelselemente, alles, was den Fortschritt hemmt, ist der Inhalt der höllischen Welten.
[ 34 ] In our last discussion, we explored the concept of “hell,” and today we are examining the concept of “heaven,” which encompass all spiritual influences on human beings. Last time we discussed the forces that lead to hardening, whereas what we have described today appears to be the opposite of that: the principle of development. Life progresses from one existence to the next, and to the extent that creative forces are put into practice from the previous life, the next existence rises all the higher. By seeking not merely to enjoy what they take in, but by penetrating through what they enjoy to that which is transformed into spiritual forces, human beings are continually present in the heavenly world. Everything that can advance human beings is the content of the heavenly elements; everything that hinders progress is the content of the hellish worlds.
[ 35 ] Wer einen solchen Begriff des Himmels in Harmonie bringen will mit dem, was die Naturwissenschaft geleistet hat, der wird es leicht können. Er wird es in voller Harmonie zustande bringen. Es ist nur nicht viel Geneigtheit unter unseren Zeitgenossen vorhanden, sich einzulassen auf das Hineinleben in diese höheren Welten. Müde ist unser Zeitalter der Betrachtung der übersinnlichen Welt, und daher ist dieses Zeitalter nur zu leichtgläubig gegenüber denen, die den Satz aufstellen: Was ich nicht wahrnehmen kann, ist nicht wahr, und wenn jemand behauptet, es sei wahr, dann ist er ein Tropf oder ein Narr. — Gar zu viele werden in diesem Zeitalter Gläubige einer solchen Meinung. Wenn wir auch klar sehen, welche großen und gewaltigen Fortschritte unser Zeitalter in bezug auf die physische Wissenschaft macht, so sehen wir doch auch auf der anderen Seite, wie wenig geneigt der weitaus überwiegende Teil unserer Zeitgenossen ist, in die übersinnliche Welt einzudringen. Man meint, das Eindringen in die übersinnliche Welt mache den Menschen schwach und fremd gegenüber der sinnlichen Welt. Das ist ein Vorurteil. Wenn jemand ein Stück Eisen vor sich hat und sagt: In diesem Eisen ist magnetischeKraft; streiche es mit einem anderen Eisen und du hast einen Magneten — so mag ein anderer kommen und sagen: Ach was, das Stück Eisen ist gut zum Nägeleinschlagen. — Das sind die wahren Phantasten, welche dasSinnliche, das Praktische nur so nehmen, wie der, welcher den Magneten nur zum Nägeleinschlagen nimmt. Die Realisten, die Monisten, die Utilitaristen und so weiter sind die wahren Phantasten. Sie kennen nur die Kräfte der physischen Welt und triumphieren, wenn durch die Bloßlegung der Kräfte der physischen Welt die gewaltigen Fortschritte gemacht werden. Nichts, aber auch gar nichts hat die Geisteswissenschaft einzuwenden gegen diese physische Welt. Aber sie weiß auch, daß es hoch an der Zeit ist, daß die Menschen wieder lernen, daß im Physischen das Geistige verborgen ist, und daß die Menschen gerade dann träumerisch werden, wenn sie ihr geistiges Auge verschließen vor der geistigen Welt. Wahrhaftige Realisten, Wirklichkeitsapostel sind heute die, welche auf die geistigen Kräfte hinweisen! Was wollen diese wahrhaften Realisten? Sie wollen, daß die wirklichen Kräfte, die hinter den sinnlichen schlummern, eingeführt werden in diese Welt, daß sie in unsere ganze Entwickelung sich einleben, daß wir nicht bloß den Telegraphen, das Telephon und die Eisenbahn, also die gewöhnlichen Kräfte einführen, sondern auch die geistigen Kräfte.
[ 35 ] Anyone who wishes to reconcile such a concept of heaven with the achievements of natural science will find it easy to do so. They will be able to do so in complete harmony. It is just that there is not much inclination among our contemporaries to engage in immersing themselves in these higher worlds. Our age is weary of contemplating the supersensible world, and therefore this age is all too credulous toward those who assert: “What I cannot perceive is not true, and if anyone claims it is true, then he is a fool or a simpleton.” — Far too many in this age have come to hold such a view. Even as we clearly see the great and tremendous progress our age is making in the field of physical science, we also see, on the other hand, how little inclined the vast majority of our contemporaries are to penetrate the supersensible world. It is believed that penetrating the supersensible world makes a person weak and alienated from the sensory world. That is a prejudice. If someone has a piece of iron in front of them and says, “There is magnetic force in this iron; rub it with another piece of iron and you have a magnet”—then another person might come along and say, “Oh, come on, that piece of iron is good for hammering in nails.”—These are the true fantasists, who take the sensory and the practical only in the same way as someone who uses a magnet solely for hammering in nails. The realists, the monists, the utilitarians, and so on are the true dreamers. They know only the forces of the physical world and triumph when tremendous progress is made through the uncovering of the forces of the physical world. Spiritual science has no objection whatsoever to this physical world. But it also knows that it is high time for people to learn once again that the spiritual is hidden within the physical, and that people become dreamy precisely when they close their spiritual eyes to the spiritual world. True realists, apostles of reality, are those today who point to the spiritual forces! What do these true realists want? They want the real forces that lie dormant behind the sensory to be introduced into this world, for them to become an integral part of our entire development, so that we introduce not only the telegraph, the telephone, and the railroad—that is, the ordinary forces—but also the spiritual forces.
[ 36 ] Wenn derjenige, der auf diese Dinge eingeht, heute noch ausgelacht wird, so macht er sich aus diesem Auslachen gar nichts. Er weiß, daß geradeso wie die Größen der physischen Wissenschaft einst Anhänger im kleinen Kreise nur gefunden haben, auch diejenigen, die von den geistigen Welten etwas zu sagen haben, notwendig die Bahnen finden müssen gerade in die große Welt. Wenn auch nur wenige Telegraphen, Telephone und Lokomotiven schaffen können, so können die anderen sie doch benutzen. Die geistige Welt muß aber jeder selber erringen.
[ 36 ] Even if those who address these matters are still ridiculed today, they pay no heed to such ridicule. He knows that just as the great figures of physical science once found followers only within a small circle, so too must those who have something to say about the spiritual worlds inevitably find their way into the wider world. Even if only a few can create telegraphs, telephones, and locomotives, the others can still use them. But the spiritual world is something each person must attain for themselves.
[ 37 ] Die großen Physiker Thomson, Clausius und so weiter haben ihre Fortsetzer, welche imstande sind, die physischen Gesetze zu erkennen, Eines der größten physischen Gesetze ist zu gleicher Zeit das, was den Menschen hinstößt zu der geistigen Welt. Für die, welche sich ein wenig mit Physik beschäftigt haben, sage ich nichts Unbekanntes, wenn ich darauf aufmerksam mache, daß es ein Entropiegesetz gibt, das herrührt von Carnot, dem Oheim des französischen Präsidenten. Was besagt es? Es spricht einen der gewissesten Grundsätze aus, die wir auf der physischen Welt haben, nämlich wie die Kräfte der Welt in bezug auf das Physische sich verwandeln. Es besagt, wie die Kräfte des Physischen sich verwandeln, wie eine Kraft in die andere übergeht. Schlagen Sie mit der Hand auf den Tisch und messen Sie mit einem feinen Thermometer die Wirkung auf die Platte. Sie werden finden, daß die Stelle, wo der Schlag hinfiel, warm geworden ist. Sie sehen, wie die Wärme der Lokomotive in Fortbewegung und diese wieder in Wärme verwandelt wird. Allem diesem liegt ein großes Gesetz zugrunde: das Entropiegesetz. Aus der Betrachtung der Welt wird klar, daß diese Verwandlung der Kraft doch eine bestimmte Richtlinie, einen bestimmten Sinn zeigt. Das Entropiegesetz zeigt uns, daß zuletzt alle Kraft sich in Wärme verwandeln muß, und diese Wärme zerstreut sich im Weltenraum. So ist heute durch das physische Gesetz nachgewiesen, daß die Erde, unsere physische Welt, einst den Wärmetod erleiden wird. Dieses Gesetz besteht. Leugnen muß dieses Gesetz derjenige, welcher sich auf den Boden stellt, daß in unserer Welt nur physische Kräfte seien; denn dieser müßte, wenn er das Gesetz anerkennen würde, sagen: Dann ist alles aus. — Deshalb stellt sich auch Haeckel auf den Standpunkt, daß dieses Entropiegesetz Unsinn sei, weil es seinem Substanzgesetz widerspricht. Daß sich die Dinge fortwährend umwandeln, ist Naturgesetz. Ein russischer Physiker hat in einer Schrift nachgewiesen, wie fest gegründet gerade dieses Gesetz ist, welches uns das physische Ende unseres gegenwärtigen Weltzustandes zeigt. Gerade in dieser Schrift des Professors Chwolson wurde das «12. Gebot» aufgestellt. Sie können da sehen, wie tüchtig ein Physiker sein kann auf dem physischen Gebiete, ebenso wie Sie an dem, was er über Hegel sagt, sehen können, wie unwissend solche Gelehrten in bezug auf geistige Gebiete sein können. Das «i2.Gebot» ist nämlich: «Du sollst nie über etwas schreiben, was du nicht verstehst.» Chwolson befolgt es auf seinem Gebiet, wo er über Physik spricht, aber er befolgt es nicht auf dem geistigen Gebiete. Alles, was er in bezug auf das Physikalische sagt, ist ausgezeichnet; was er aber in bezug auf die geistigen Dinge sagt, ist von geringem Wert und eine große Sünde gegen das Gesetz: «Du sollst nie über etwas schreiben, was du nicht verstehst.»
[ 37 ] The great physicists Thomson, Clausius, and so on have successors who are capable of recognizing the laws of physics. One of the greatest laws of physics is, at the same time, the one that draws people toward the spiritual world. For those who have studied physics even a little, I am not revealing anything new when I point out that there is a law of entropy, which originates from Carnot, the uncle of the French president. What does it state? It articulates one of the most certain principles we have in the physical world, namely, how the forces of the world transform in relation to the physical realm. It describes how physical forces transform, how one force is converted into another. Strike the table with your hand and measure the effect on the surface with a sensitive thermometer. You will find that the spot where the blow landed has become warm. You can see how the heat of the locomotive is converted into motion, and that motion, in turn, back into heat. Underlying all of this is a great law: the law of entropy. Observing the world makes it clear that this transformation of energy does indeed follow a certain direction, a certain purpose. The law of entropy shows us that ultimately all energy must be transformed into heat, and this heat disperses into the vastness of space. Thus, it has been proven today by the laws of physics that the Earth, our physical world, will one day suffer heat death. This law exists. Anyone who takes the position that only physical forces exist in our world must deny this law; for if such a person were to acknowledge the law, he would have to say: “Then everything is over.” — That is why Haeckel, too, takes the position that this law of entropy is nonsense, because it contradicts his law of substance. That things are constantly transforming is a law of nature. A Russian physicist has demonstrated in a treatise just how firmly grounded this very law is, which shows us the physical end of our present state of the world. It was precisely in this treatise by Professor Chwolson that the “12th Commandment.” There you can see how competent a physicist can be in the physical realm, just as you can see from what he says about Hegel how ignorant such scholars can be with regard to spiritual realms. The “12th Commandment” is, in fact: “Thou shalt never write about anything you do not understand.” Chwolson follows it in his own field, when he speaks about physics, but he does not follow it in the realm of the spirit. Everything he says regarding physics is excellent; but what he says regarding spiritual matters is of little value and a great sin against the law: “You shall never write about anything you do not understand.”
[ 38 ] Es folgt eine vom Stenographen offenbar nicht erfaßte Stelle, in der Rudolf Steiner wahrscheinlich ausführte, daß Hegel von Chwolson nicht verstanden wurde. Recht gibt Rudolf Steiner hingegen Chwolson in bezug auf seine Bemerkungen zu einem Aufsatz von Kossuth in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, wo behauptet wird, das Gesetz von der Erhaltung der Masse sei nichts weiter als der Satz: Das Ganze ist gleich der Summe seiner Teile, und das Gesetz von der Erhaltung der Energie nichts anderes als der Satz: Die Ursache ist gleich der Wirkung. — Unter Bezugnahme auf die Entdeckungen von Lavoisier fährt Rudolf Steiner fort:
[ 38 ] What follows is a passage that the stenographer apparently did not record, in which Rudolf Steiner likely explained that Hegel was not understood by Chwolson. Rudolf Steiner, however, agrees with Chwolson regarding his comments on an essay by Kossuth in a scholarly journal, in which it is claimed that the law of conservation of mass is nothing more than the statement: “The whole is equal to the sum of its parts,” and that the law of conservation of energy is nothing other than the statement: “The cause is equal to the effect.” — Referring to Lavoisier’s discoveries, Rudolf Steiner continues:
[ 39 ] Derjenige, der ein wenig die geistige Forschung kennt, weiß, was es bedeutet, daß man gezeigt hat, daß, wenn sich Stoffe chemisch miteinander verbinden, das Gewicht gleich ist der Summe der Teile. Und wenn man dazu sagt: Dieses Gesetz enthält nichts anderes als das alte mathematische Gesetz: Das Ganze ist gleich der Summe seiner Teile, — so müßte man sich schon darüber klar sein, daß es sich nur um das Gewicht des Ganzen handelt, das gleich ist der Summe des Gewichts seiner Teile. Kossuth vergißt eben, daß, wenn man in das Geistige übergeht, das Gesetz da gar nicht mehr gilt. So kurz ist das Denken. Chwolson sagt: Es möge der Herr Kossuth nur seine Taschenuhr nehmen und sie im Mörser zerstoßen; dann kann er ja sehen, ob das Ganze gleich ist der Summe seiner Teile. Goethe hat den Gedanken auch schon ausgesprochen, er wird oftmals wiederholt:
[ 39 ] Anyone who is even slightly familiar with spiritual research knows what it means when it has been shown that, when substances combine chemically, the weight is equal to the sum of the parts. And if one were to add: “This law contains nothing other than the old mathematical law: the whole is equal to the sum of its parts”—then one would have to be clear that this refers only to the weight of the whole, which is equal to the sum of the weights of its parts. Kossuth simply forgets that, when one moves into the spiritual realm, this law no longer applies at all. That is how limited his thinking is. Chwolson says: Let Mr. Kossuth simply take his pocket watch and crush it in a mortar; then he can see for himself whether the whole is equal to the sum of its parts. Goethe has already expressed this idea, and it is often repeated:
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in der Hand,
Fehlt leider! nur das geistige Band.
Whoever wishes to recognize and describe something living,
Must first seek to extract its spirit,
Then he has the parts in his hand,
But, alas, the spiritual bond is missing.
[ 40 ] Daß die Naturwissenschaft häufig nichts anderes ist als ein Unberücksichtigtlassen des geistigen Bandes, das wissen die wenigsten, die da glauben, auf dem Boden der sicheren Tatsachen zu stehen. Wir sehen auf der einen Seite, wenn wir diese ganze Sachlage überblicken und in Zusammenhang bringen mit dem, was ich in unseren Betrachtungen in bezug auf die übersinnliche Welt habe hinstellen können, daß in vielen Menschenseelen die Sehnsucht lebt, in die übersinnliche Welt einzudringen. Nur zweifeln die Menschen jenes ganz Bestimmte, jene Einzelheiten an, von denen der sprechen muß, der wirklich etwas weiß von diesen Dingen. Wir sehen die Sehnsucht sich regen nach der übersinnlichen Welt; aber wir sehen nicht die Kraft und die Energie, in diese übersinnlichen Welten nach der Anleitung der Geisteswissenschaft einzudringen. Auf der anderen Seite haben wir die Tatsachen in unserer Zeit. Wir haben in unserer Zeit eine tüchtige physische Wissenschaft: Die Thomson, Clausius und Carnot haben gute Nachfolger gefunden. Wenn in demselben Geist die Entwickelung in der Geisteswissenschaft vorwärtsschreiten wird, dann werden die Forscher auf dem geistigen Gebiet ebenso gesunde Nachfolger finden wie Thomson, Clausius und Carnot. Dann wird die Folge sein, daß aus der Menschheit, die sich heute von der Himmelswelt, von der übersinnlichen Welt fast abgeschlossen hat, eine solche hervorgehen wird, die die Sternenkraft aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche zieht. Die Geisteswissenschaft soll den Menschen nicht der Welt entfremden, sondern ihn stark, energisch und tatkräftig machen für das Dasein, indem sie die Wirklichkeit bereichert. Nicht der Wirklichkeit entfremdet, sondern wirklichkeitsreicher wird die Gesinnung dadurch, daß den Menschen die Kenntnis von der geistigen Welt überliefert wird.
[ 40 ] Very few of those who believe they are standing on the ground of certain facts realize that the natural sciences are often nothing more than a disregard for the spiritual connection. On the one hand, when we survey this entire situation and relate it to what I have been able to present in our reflections on the supersensible world, we see that a longing to penetrate the supersensible world lives within many human souls. Yet people doubt those very specific details that must be addressed by one who truly knows something about these matters. We see the longing for the supersensible world stirring; but we do not see the strength and energy to penetrate these supersensible worlds according to the guidance of spiritual science. On the other hand, we have the facts of our time. We have a robust physical science in our time: Thomson, Clausius, and Carnot have found worthy successors. If development in spiritual science proceeds in the same spirit, then researchers in the spiritual realm will find successors just as capable as Thomson, Clausius, and Carnot. The result will be that humanity—which today has almost cut itself off from the heavenly world, from the supersensible world—will give rise to a humanity that draws the power of the stars from the supersensible world into the sensible world. Spiritual science is not meant to alienate people from the world, but rather to make them strong, energetic, and active in life by enriching reality. Rather than becoming alienated from reality, people’s outlook becomes richer in reality through the transmission of knowledge about the spiritual world.
[ 41 ] Wir brauchen nur zweierlei zusammenzufügen, und das wird sich zusammenfügen: In derselben strengen Art wie jetzt in der physischen Wissenschaft wird ein großer Teil der Menschen die Möglichkeit haben, das Bedürfnis des Herzens aus der geistigen Welt heraus zu befriedigen. Diese zwei Geistesströmungen, Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse aus der Naturwissenschaft heraus, und Befriedigung für die Sehnsucht des Herzens aus dem Geistigen heraus, zusammenzuführen, ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft als Kulturströmung.
[ 41 ] We need only bring two things together, and they will come together: In the same rigorous way as is now the case in the physical sciences, a large portion of humanity will have the opportunity to satisfy the needs of the heart through the spiritual world. Bringing together these two spiritual currents—the satisfaction of sensory needs through natural science and the fulfillment of the heart’s longing through the spiritual—is the task of spiritual science as a cultural movement.
[ 42 ] Diese Vorträge werden im nächsten Winter in demselben Sinne fortgesetzt werden. Manches, was skizzenhaft geblieben ist, werden wir weiter verfolgen und in dasselbe tiefer eindringen. So sollte zum Abschluß der umfassendste, der bedeutsamste Begriff den Gegenstand des letzten Vortrages bilden. Wahrhaflig, es wird dahin kommen, daß es eine Weisheit geben wird, die wiederum Religion sein kann, die wiederum alles das befriedigen kann, was die tiefsten religiösen Bedürfnisse des Herzens sind. Es wird eine geistige Strömung heraufkommen, welche allen Bedürfnissen des logischen Denkens ebenso genügen wird wie der Sehnsucht nach dem übersinnlichen Leben. Diese Sehnsucht ist es, an die die Geisteswissenschaft ihre Worte richtet. Wenn der Weg gefunden wird zu dem, was in diesem Ahnen vorhanden ist, dann wird die Weisheit, die einführt in diese übersinnliche Welt, in einer Art über die Menschenseele strömen, daß die Kultur — nicht phrasenhaft ist es gemeint — eine geistige Wiedergeburt erfahren wird, welche anknüpft an das Feuer, das in vielen lebt und hindringen will zu den übersinnlichen Welten. Aus diesem Feuer heraus wird die geisteswissenschaftliche Weisheit zu der übersinnlichen Welt dringen, denn das ist ihr wahres Ideal.
[ 42 ] These lectures will continue in the same vein next winter. We will further explore some of the topics that have remained only in outline form and delve deeper into them. Thus, the most comprehensive and significant concept should form the subject of the final lecture. Truly, it will come to pass that there will be a wisdom that can once again be a religion, one that can satisfy all the deepest religious needs of the heart. A spiritual current will arise that will satisfy all the needs of logical thinking just as much as the longing for the supersensible life. It is to this longing that spiritual science directs its words. When the path is found to what is present in this ancestral legacy, then the wisdom that leads into this supersensible world will flow over the human soul in such a way that culture—and this is not meant as a cliché—will experience a spiritual rebirth that draws upon the fire that lives within many and seeks to penetrate the supersensible worlds. Out of this fire, the wisdom of spiritual science will penetrate into the supersensible world, for that is its true ideal.
[ 43 ] Es soll gedankt werden dem großen Ideale, das an dem Feuer der Begeisterung für das Übersinnliche die Weisheit von diesem Übersinnlichen entzünden will; denn das wird immer der Gang der Geisteskultur sein, daß sich aus dem Feuer der Liebe und der Begeisterung das Licht der Weisheit entwickelt.
[ 43 ] We owe a debt of gratitude to the great ideal that seeks to kindle the wisdom of the supernatural through the fire of enthusiasm for the supernatural; for this will always be the path of spiritual culture: that the light of wisdom develops from the fire of love and enthusiasm.
